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| Kultur, Bildung | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Edition Suhrkamp, Nr.28, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit: Drei Studien zur Kunstsoziologie Walter Benjamin Taschenbuch, 19. Januar 2009 Verkaufsrang: 7787 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In seinem Kunstwerk- Aufsatz beschreibt Walter Benjamin die geschichtlichen, sozialen und ästhetischen Prozesse, die mit der technischen Reproduzierbarkeit des Kunstwerks einhergehen. Dabei entwickelt er eine Begrifflichkeit, die, so sein Programm, "für die Zwecke des Faschismus völlig unbrauchbar", dagegen "zur Formulierung revolutionärer Forderungen in der Kunstpolitik brauchbar" ist. Benjamins Einsicht in das "auratische" Wesen der Kunst etwa ist gerade deshalb ein Meilenstein der philosophischen Ästhetik, weil sie der Betrachtung der Kunst in ihrem jeweiligen Kontext erwächst. Dies ist im Einzelfall anhand der beiden weiteren Studien dieses Bandes nachzuvollziehen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Aura vs. Convenience 5 von 5 Punkten "Die gesamte Wirklichkeit ist die Welt. Das Bild ist so mit der Wirklichkeit verknüpft; es reicht bis zu ihr. Es ist wie ein Maßstab an die Wirklichkeit angelehnt". Soweit Ludwig Wittgenstein im Tractatus zum Verhältnis Bild und Realität. Und weiter: "In Bild und Abgebildeten muss etwas identisch sein." Grundsätzlich, sagt Benjamin, ist das Kunstwerk immer reproduzierbar gewesen. Alles vom Menschen gemachte konnte und kann von Menschen nachgemacht werden. Die technische Reproduzierbarkeit jedoch ist etwas Neues. Über Guss und Prägung, vom Holzschnitt der Graphik zum Druck der Schrift, vom Kopierer zum Scanner zum Brenner. Paul Valery hat bereits in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts gemutmaßt, dass wir mit Bildern und Tonfolgen versehen werden wie mit Wasser, Gas und Strom. Auf ein Zeichen werden sie sich einstellen, kommen und uns wieder verlassen. Welch ein Weitblick, weit in das Jahr des Internets, der Zeichen von "@ und www". Und doch fehlt etwas, auch wenn die Reproduktion höchstvollendend ist: "das Hier und Jetzt des Kunstwerks - sein einmaliges Dasein an dem Ort, wo es sich befindet." Diese Aura, diese wirkliche Echtheit ist nicht zu reproduzieren, das Einmalige entfällt und damit der Wert, die Wertschätzung. Es ist ein Gefühl, nicht einer Zuwendung mit Bedacht, sondern ein Wissen um Wiederholung und Wiederbeschaffung. Und diese Haltung gegenüber dem Einmaligen, der Aura schwindet zu Gunsten einer Massensicht mit Reproduzierbarkeit. Jedoch: Die Echtheit einer Sache ist der Inbegriff des Tradierten, sie berichtet von der Dauer und enthält eine "geschichtliche Zeugenschaft." Das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit lässt eben genau diese Aura verkümmern. Eine Gesellschaft im 21. Jahrhundert verschließt sich der Erinnerung und noch neuen Werten, ihr Ziel scheint Convenience zu sein. Der Verfall dieser Aura beruht auf zwei Umständen, die beide mit dem Phänomen der Massen im heutigen Leben zusammenhängen: einmal: das Anliegen, die Dinge räumlich und menschlich (Einebnung der gesellschaftlichen, bildungsrelevanten Unterschiede) näherzubringen und zweites gelingt dieses durch die Überwindung des Einmaligen durch die Aufnahme von deren Reproduktion. Das Bedürfnis, die Dinge im Bild, im Abbild habhaft zu werden, ist ungebrochen. Mit der Konsequenz, das "Dauer und Einmaligkeit ersetzt werden durch Flüchtigkeit und Wiederholung." Die Folge ist, dass der Mensch sich nicht mehr zu einem Kunstwerk bewegt, sondern dieses zu ihm als Abbild. Der Mensch lässt sich vereinsamen, allerdings organisiert, wie Hanna Arendt es mal formulierte. Sind Bilder aus der technischen Reproduzierbarkeit allzeit und für jedermann vorhanden, so kann man nach Hobbes folgern, dass dieser Fortschritt Feindschaft gebären muss, da die Unterscheidbarkeit aufgehoben wird in der Gleichheit der Fähigkeiten und der Gleichheit der Hoffnungen. (vgl. Sloterdijk, 2000: Die Verachtung der Massen). Feindschaft wird in der letzten Stufe Krieg bedeuten können, der dann jedoch in der Ästhetik der Schlacht vorgedacht wurde in der immer besseren technischen Reproduzierbarkeit von Abbildern der Kriegsgeschichten am PC. Der Mensch hat durch den Verlust des Einmaligen die Aura desselben nicht kennengelernt, er identifiziert sich mit der Wiederholung und mit den Scheinwelten, die eo ipso ohne Wert sind. Dieser fehlende Wert definiert den Menschen, der dann seinen Spiegelneuronen das Feld überlässt, auf der Suche nach eigenen erhofften Werten. Benjamins kurzes Essay wurde im Jahre 1936 veröffentlicht. Es ist ein Meilenstein in der Kunstgeschichte und gehört mit zum Inhalt seiner Aufsätze: Illuminationen. Es verbindet Ästhetik der Kunst mit der Philosophie des Lebens. Andre Breton sagte: "Das Kunstwerk hat Wert nur insofern als es von Reflexen der Zukunft durchzittert wird." Dieses ist deutlich aus dem Essay Benjamins zu hören. Zu den zitternden Reflexen gehört auch das bewegte Bild als Film, in der Kombination Bild und Bildung: "Ich kann schon nicht mehr denken, was ich denken will. Die beweglichen Bilder haben sich an den Platz meiner Gedanken gesetzt", konstatierte Georges Duhamel bereits 1930. (s. a.: Menasse, 2006: Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung) Denken Sie an den 11.September. Sie werden spüren, was gemeint ist. Das Bild: ein Maßstab an die Wirklichkeit angelehnt. Ein, wenn man sich öffnet, nachdenklich machendes, nicht nur die Kunst betreffendes Werk des W.B.
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Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen: Mit den Augustenburger Briefen Friedrich von Schiller Taschenbuch, März 2000 Verkaufsrang: 7216 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Zum Schiller-Jahr 2009 - Die umfassend kommentierte Ausgabe von Schillers großer Reflexion über Kunst und Freiheit, seiner nach wie vor grundlegenden Auseinandersetzung mit der Philosophie Kants und den Konsequenzen der Französischen Revolution.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Klassisches Deutsch...! 5 von 5 Punkten Ein von mir hochverehrter Kunstlehrer empfahl mir dieses aus zahlreichen Briefen zusammengesetzte Werk, da ging ich noch zur Schule. Erst vor kurzem habe ich es dann einmal vollständig gelesen. Zwar ist Schillers Unterteilung der menschlichen Psyche in sinnlichen Trieb und einem keinen Kausalgesetz unterworfenen ethischen Gestaltungsvermögen nicht mehr ganz up to date, die Schlüsse, die Schiller jedoch für die Lebensführung daraus zieht, sind immer noch wahr und richtig. Zum einen verteidigt Schiller die Natur als jenen Bestandteil in uns, der uns gleichermaßen den ?Stoff" unserer Lebenspraxis und unseres künstlerischen Schaffens gibt, beharrt andererseits aber ebenso darauf, dass dieser Stoff einer Formung bedarf, die er unserem Vermögen zum ästhetischen und ethischen Urteil anheim stellt. Schließlich formuliert Schiller den tiefen Gedanken, dass der Mensch nur dort wirklich Mensch ist, wo er spielt, d.h. wo Formtrieb und Stofftrieb aufeinandertreffen und sich fruchtbar durchdringen. Dass er das ganze auch noch in einem wunderbaren Deutsch, allerdings auch in einem schwierigen, formuliert, muss ich hier wohl nicht eigens erwähnen.
Der utopische Staat - Schillers Idee vom Schönen 4 von 5 Punkten Die Schillersche Ästhetik (in einer Reihen von Briefen), die als ein Ausdruck der Freiheit sich in der noch zu erreichenden Totalität des Menschen entfalten soll, geht gewiss auf Schillers Entäuschung über den Verlauf der Revolution in Frankreich zurück, deren positive Auswirkungen auf den Staat er jedoch noch nicht erkannte. Ausgehend von den sozialen Misständen, die sich in Arbeitsteilung äußern und Akzente auf die Teilung des Individuums schlechthin diagonstizieren, entwirft Schiller in seinem Traktat eine transzendentale Erziehung des Menschen zum Schönen. Dabei will er die zwei divergierenden Triebe der menschlichen Natur, Formtrieb und Stofftrieb, zu einem harmonischen Geflecht des Spieltriebes vereinigen, so dass am Ende ein in Freiheit lebendes Individuum als Ganzes zusammen mit den anderen Bürgern den zweifellos utopischen Staat realisieren kann. Die "Ästhetik" verlangt dem Leser an Abstraktionsvermögen und hochkonzentriertem Lesen alles ab. Der klassische Idealismus, der sich hier andeutet, bereit Verständnisschwierigkeiten: ein parallel zu dem Primärtext laufender Kommentar ist äußerst hilfreich. Empfehlenswert wäre eine an- und abschließende Kenntnis des Aufsatzes von Schiller "Über das Erhabene", weil er die "Ästhetik" inhaltlich komplettiert. |
Mahlzeit: 60 Jahre Deutschland - Eine kulinarische Zeitreise Ingke Brodersen, Rüdiger Dammann Gebundene Ausgabe, 23. Februar 2009 Verkaufsrang: 9365 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Lust auf Toast Hawaii? Erinnern Sie sich noch an den Käse-Igel?An die mit Fleischsalat gefüllten Tomaten? An das erste Gyros, das Sie gegessen haben? Das erste Sushi? Man ist, was man isst! Was auf unseren Tisch kommt, ist nicht einfach nur das, was uns schmeckt. Vielmehr offenbart es unsere Überzeugungen, unsere Lebenseinstellungen. Und es zeigt, in welcher Gesellschaft wir leben. Deshalb erzählen Ingke Brodersen und Rüdiger Dammann die Geschichte der Bundesrepublik (mit kurzen Abstechern in die DDR) im Spiegel ihrer wechselnden Gerichte. Denn es ist kein Zufall, dass mit dem Gleichberechtigungsgesetz auch die ersten Fertiggerichte wie Ravioli oder Konservengemüse auftauchten. Und mit der aufkommenden Freizeitgesellschaft Häppchen wie Salzstangen und Käsewürfel plus Weintraube. In den fünfziger Jahren träumten die Deutschen beim Italiener vom "dolce vita" und in den Achtzigern bei Döner, Baklava und Gyros von der glücklichen Multikulti-Gesellschaft. Die Öko-Bewegung hat uns das Müsli beschert und die joggende und schlankheitsbesessene Dot-com-Generation die Sushi-Ära eingeläutet. Mahlzeit lässt die zeittypischen Gerichte ebenso an uns vorüberziehen wie die wichtigsten Ereignisse und Personen der vergangenen sechzig Jahre. Es bietet eine Zeitreise der ganz besonderen Art, die uns ein Deutschland zeigt, das im Rückblick bisweilen wirkt wie eine fremde, seltsame Kultur.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Kocht Euch selbst was! 5 von 5 Punkten Unterhaltsam-Informativ-Unkonventionell Ich hab mich bei der Lektüre sehr amüsiert und bin den Autoren dankbar, dass sie mich von meinem schlechten Gewissen befreit haben, dass mich immer überfällt, wenn ich eine (heiss geliebte) Raviolidose für meine Brut öffne. Endlich weiss ich nun, dass sich dahinter nicht etwa Faulheit oder kulinarisches Banausentum verbirgt, sondern ein politisches Statement! Denn die Dosennudeln kamen 1958 mit der Gleichberechtigung auf den Tisch, damit Mutti endlich die Doppelbelastung von Arbeit & Familie auf sich nehmen konnte. Und das der "Broiler Molotow" über den Umweg einer Kochshow im West-Fernsehen auf den Tisch der Genossen kam und damit das extra in den USA gezüchtete fette Brathähnchen der meist geliebte imperalistische Eindringling war, hat so auch noch keiner aufgeschrieben. So gibt es zu jedem Jahr ein Gericht, das als Aufhänger für die Zeitgeschichte der vergangenen 60 Jahre genutzt wird. Und was steht auf dem Speiseplan von 2008: Na der "Arme Ritter" ein köstliches "Arme-Leute-Essen", nun auch für gescheitere Glücksritter im Frankfurter Bördenviertel genießbar. Ich werde dieses Buch in jedem Fall meiner Tochter schenken, denn gerade junge Leute dürften beim Lesen der locker geschrieben, aber dennoch inhaltsreichen Kapitel dranbleiben. Schön sind auch die hochwertigen Bilddrucke und das kunstvolle Layout. |
Der Untergang des Abendlandes Oswald Spengler Gebundene Ausgabe, Januar 2007 Verkaufsrang: 3612 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Über die Philosophie des Schicksals Kaum ein anderes geschichtsphilosophisches Werk ist in der Welt und vor allem in Deutschland so heftig diskutiert und so gründlich missverstanden worden wie Oswald Spenglers "Untergang des Abendlandes", ein Werk, dessen Titel zum - meist oberflächlich gebrauchten - Schlagwort wurde. Zum ersten Mal hatte hier ein großer Denker den Versuch gewagt, eine "Philosophie des Schicksals" vorzulegen, in der die abendländische Kultur in ihrer Zivilisationsphase und damit in ihrer Endphase erklärt wurde. Für Spengler zeigen die Kulturen, denen jeweils eine Lebensdauer von einem Jahrtausend beschieden ist, einen schicksalhaften, den Jahreszeiten entsprechenden Verlauf. Diese Sicht führte ihn zu faszinierenden Vergleichen und Prognosen, die inzwischen zum Teil schlagend bestätigt wurden. Spengler fühlte sich Goethe und Nietzsche verpflichtet. In seinem Vorwort zur überarbeiteten Auflage von 1922 schrieb er über sein Verhältnis zu Nietzsche, er habe "aus seinem Ausblick einen Überblick gemacht". Die ungewöhnliche Wirkung, die Spenglers Werk erzielte, beruhte sowohl in seinem imponierenden, konsequenten Gedankengang wie in seiner bildhaften Sprache, die es auch dem Laien ermöglicht, dem Text zu folgen. Anton Mirko Koktanek analysiert in seinem kundigen, abgewogenen Nachwort Spenglers Werk vor dem geistesgeschichtlichen Hintergrund seiner Zeit, zeigt aber ebenso, welche Bedeutung ihm auch heute und künftig zukommt.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 18 Bewertungen)
Fundiert und noch immer Top-Aktuell 5 von 5 Punkten Spengler versucht zu beweisen dass alle grossen menschlichen Zivilisationen ein ähnliches Entwicklungsschema aufweisen. Grundlage ist die Idee dass eine Zivilisation einen Prozess durchlebt, ähnlich dem Lebensprozess eines Menschen. Geburt - Wachstum - Produktivität - Senilität - Tod. Die Idee dieses Prozesses ist nicht neu, aber Spengler hat es soweit ich weiss zum ersten mal in dieser fundierten Form und mit zahlreichen zusätzlichen Basis-Überlegungen auf Papier gebracht. Grundlage für die Überlegungen bieten die Zivilisationen der Griechen / Römer / Chinesen / Inder und unsere "faustische" Zivilisation. Dabei versucht Spengler anhand der Mathematik/Kunst/Spiritualität/Religion/Kunst etc etc einen Vergleich zwischen den verschiedenen Kulturen zu ziehen. Dabei wird klar dass unserer faustischen Kultur grundsätzlich andere Werten und Betrachtungsweisen innewohnen als beispielsweise der indischen,chinesischen oder griechischen. Dies ist noch nicht verwunderlich, verwunderlich ist dass trotz all der Verschiedenheit jeder Kultur/Zivilisation ein gewisser "Lebensplan" zugrunde liegt. So etwas wie eine biologische Uhr die tickt. Nach Spengler durchleben wir in der faustischen Zivilisation gerade die letzte Phase, und bis ins Jahr 2200 wird unsere Kultur in dieser Form untergegangen sein. Wohlgemerkt: Spengler ist kein Untergangs-Prophet. Sein Werk würde ich als geschichts-philosophisch betrachten. Und auch wenn es bereits 90 Jahre alt ist so sind die Betrachtungen und Schlüsse in keinster Weise veraltet. Im Gegenteil: es wird klar wie stark das Schicksal einer Zivilisation vom Grund-Denken eines Menschenschlages bestimmt wird. Einem Grund-Denken dass sich in dunkler Vorzeit gebildet hat, vor Jahrtausenden, und weiterbesteht ohne dass dieser Zusammenhang in der Zivilsation wirklich zum Ausdruck käme, respektive ohne dass sich die einzelnen Teile einer Kultur, der einzelne Mensch, darüber im klaren wären. Insofern ist Spenglers Werk ein Aufklärungswerk und jedem zu empfehlen der sich Gedanken über unsere Zivilisation macht. Es ist interdisziplinär und wirkt in folgenden Disziplinen: Meta-Mathematik / Geschichte / Philosophie / Soziologie / Ahnenkunde / Psychologie / Zukunftsforschung / Kunstgeschichte etc. Kantianer aufgepasst, Spengler ist ein Goethianer. Er versucht zu erkennen, nicht zu verlogifizieren. Das Buch kann vom Laien verstanden werden. Spengler bleibt in der Sprache klar und bemüht sich um Verständlichkeit. Ein Studium der Geschichte wäre natürlich vorteilhaft, aber rudimentäres Wissen über die Gesamt-Zusammenhänge genügen auch. Kein leichtfertiges Werk. Zu Empfehlen? Auf jeden Fall.
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Kulturgeschichte der deutschen Küche Peter Peter Gebundene Ausgabe, 16. Februar 2009 Verkaufsrang: 16175 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Diese Geschichte der deutschen Küche spannt einen weiten Bogen von der Zeit der Germanen über die glanzvolle Kochkunst in späten Mittelalter, dem Niedergang der bürgerlichen Küche bis zur Renaissance der deutschen Küche in den letzten Jahren. Deutschland ist schon aufgrund der Vielfalt seiner Regionalküchen eine der spannendsten kulinarischen Nationen. Interessante Rezepte verlocken dazu, sich lesend oder kochend auf eine Reise durch Zeit und Raum zu begeben. Mit dem Ruf der deutschen Küche stand es lange nicht zum besten. Zu fettig und schwer, zu sparsam und unfrisch haben deutsche Gaststätten jahrzehntelang aufgekocht und mit blumigen Bezeichnungen wie Winzersteak, Zigeunerschnitzel und Gutsherrentopf ihre fragwürdigen Kreationen schönzureden versucht. In den Privathaushalten wurden gern Dosen aufgemacht und alles mit Mondamin verdickt. Mittlerweile ist Besserung eingetreten. Wochenmärkte von Hamburg bis München bieten eine Fülle regionaler Produkte, es gibt Bio-Fleisch und Prä dikatsriesling, artgerecht aufgezogenes Geflügel und traditionelle Kartoffelsorten. Ein Gang durch die Jahrhunderte zeigt, daß gute deutsche Küche mehr war als Kraut und Rüben. Das Bewußtsein, daß die deutsche Küche auch fein, edel und erlesen sein kann, kehrt allmählich zurück: Königsberger Klopse aus Kalbfleisch mit liparischen Kapern, Aal grün in Estragonsauce, Bremer Stubenküken oder ein echtes Leipziger Allerlei mit Morcheln und Flußkrebsen sind eben keine"Hausmannskost". Peter Peter hat die Geschichte der deutschen Küche durch die Jahrhunderte verfolgt. Er untersucht historische Rezepte, berühmte Kochbücher, legendäre Produkte. Er fragt nach den Gründen für Aufstieg und Niedergang der Kochkunst. Vor allem aber macht sein Buch neugierig darauf, die jahrzehntelang vernachlässigte deutsche Küche endlich wieder kennenzulernen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Seiltanz gelungen. Fast. 5 von 5 Punkten Ein Thema kulturgeschichtlich anzugehen, gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben eines Autors. Daher habe ich vor jedem Versuch grossen Respekt und bin jeweils neugierig, wie die konzeptionellen Fragen gelöst werden. Welche Quellen wähle ich aus? Wo setze ich Schwerpunkte? Gehe ich chronologisch oder exemplarisch vor? Wie unterhaltsam darf ich Fakten präsentieren? Welche Bilder wähle ich aus? Und welches Layout unterstützt das Informationspaket am besten? Der Restaurantkritiker Peter Peter hat diese Fragen ganz in meinem Sinn beantwortet. Einzige Ausnahme: die Wiedergabe des Bildmaterials. Kann ich mit dem braunstichigen Altrosa bei alten Fotos noch leben, wird mir beim Betrachten schöner Kunstwerke übel, wenn sie in diesem Farbmus verschlammen. Schade, hätte beinahe einen Stern gekostet, wenn mich der Rest nicht so überzeugt hätte. Der Autor lässt seine Kulturgeschichte mit einem Zitat von Johannes Mario Simmel beginnen. "Wir Deutschen können ein Wirtschaftswunder machen, aber keinen Salat." Zwar scheinen noch immer viele Köche Spass daran zu haben, diese üble Behauptung zu bestätigen, aber seit einigen Jahren geht es auch in Deutschland rasant aufwärts mit Salaten. Wie es dazu kam und warum es so lange dauerte, erfährt der Leser bei Peter Peter. Aber selbstverständlich hat der Autor noch sehr viel mehr zu bieten. Wir hören von ihm, was bei den Germanen verspeist und versoffen wurde, warum Hildegard von Bingen die Klosterdiät erfand, was die Humanisten in Kochbücher kritzelten, worüber sich Luther freute, wo barocke Exzesse stattfanden, wie aus Essig langsam Wein wurde, wo die Drogen Kaffee, Tee und Schokolade ihren Siegeszug begannen, mit welchen Rezepten Dienstmädchen und Hausfrauen um die Gunst der Männer buhlten, warum Fastfood in Deutschland so ungemein beliebt war - und noch immer ist, wie Kohl Kohl bleibt, wer Hawaiitoast besonders mag, wann endlich Raffinierteres in deutsche Küchen drang, wen die TV-Menschen am liebsten an den Töpfen sehen und weshalb es auch im nächsten Jahrtausend noch Sauerkraut, Knödel, Würste und weich gekochte Nudeln geben wird. Der unterhaltsame Text des fachkundigen Autors wird immer wieder von Bildern, Zitaten und Rezepten unterbrochen. Wobei einige schräge Rezepte den Kauf des Buches bereits rechtfertigen würden. Peter Peter lobt, kritisiert, beobachtet, mischt Ungewöhnliches zusammen und trennt scheinbar Unzertrennbares, gibt seine Literaturquellen preis und legt schliesslich ein kleines Gesamtkunstwerk auf den Tisch, das fast vollkommen ist. Mein Fazit: Die merkwürdige Idee, Werke von Max Liebermann und seinen Kollegen gleich zu behandeln wie alte Kitschpostkarten, hält mich nicht davon ab, dieses Buch wärmstens zu empfehlen. Es wird allen gefallen, die Infotainment, viel Bildmaterial, aussergewöhnliche Rezepte und überraschende Zusammenhänge lieben. Der Autor macht nicht nur gekonnte Vergangenheitsbewältigung, sondern auch beste Werbung für die neue deutsche Küche.
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Schöne Aussichten: Kleine Geschichte der Landschaft Hansjörg Küster Broschiert, 29. Januar 2009 Verkaufsrang: 19586 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Italienischer, Französischer oder Englischer Garten, erhabene Wildnis oder geschützte Natur, Heide, Wald oder Gebirge: alles ist Landschaft. Es gibt sogar Mondlandschaft, Stadtlandschaft oder Wohnlandschaft. Anders als zu Natur, die besteht und vergeht, ob wir sie wahrnehmen oder nicht, gehört zu Landschaft stets auch Reflexion. Wenn wir Landschaft sehen, interpretieren wir sie. Wichtig sind die Metaphern, Stimmungen und gedanklichen Zusammenhänge, die wir mit dem Eindruck einer Gegend verbinden. Dennoch gibt es keine Landschaft, in der ausschließlich Elemente der Kultur vorkommen. Selbst in der durch und durch gestalteten Landschaft einer Stadt oder eines Parks sind noch natürliche Einflüsse wirksam. Und doch ist Landschaft niemals das gleiche wie Natur. Für den Pflanzenökologen Hansjörg Küster ist sie ein in Jahrtausenden gewachsenes und weiter wachsendes Geschichtsbuch, das man lesen kann und an dem man weiter schreiben wird - als Landwirt, als Planer oder als einer, der Landschaft "nur" beobachtet und liebt.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Leider nicht ganz so gut 3 von 5 Punkten Gestalterisch sehr schön, aber gegenüber den zwei sehr guten anderen Büchern von Jans Jörg Küster zur Geschichte von Landschaft bzw. Wald (Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa. Sonderausgabe: Von der Eiszeit bis zur Gegenwart Geschichte des Waldes. Sonderausgabe: Von der Urzeit bis zur Gegenwart) fällt das neue Werk etwas ab. Der höhere Grad an Abstrahierung fordert seine Opfer, viele interessante Gedanken zu Einzelaspekten sind verloren gegangen. Besser die anderen beiden Bücher lesen, denn die sind mehr als lesenswert!!! |
Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft: Symptome der Gegenwartskultur Robert Pfaller Broschiert, 9. September 2008 Verkaufsrang: 17208 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Vieles, was noch vor wenigen Jahren als mondän galt wie z.B. das Rauchen, wird in unserer heutigen Kultur als schmutziges, gesundheitsgefährdendes Ärgernis thematisiert. Früher wurden solche Praktiken kulturell aufgehoben, indem man sie in einen Rahmen des ¯Heiligen® stellte. Gegen dieses ¯Heilige® macht nun eine Vernunft Front, die sich als ¯rein® versteht und die Welt entzaubern möchte.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Ignorieren wir dieses Buch, wirft uns das weit zurück 5 von 5 Punkten Der Klappentext hört sich nach sehr viel weniger an, als sich in diesem Buch findet. Ich danke herzlich den Radiomoderatoren, die den Autor in ihre Sendung eingeladen und mich dadurch auf dieses Buch aufmerksam gemacht haben. Die Ausrichtung des Werks weist insofern Parallelen etwa zu Horkheimer / Adornos Dialektik der Aufklärung und zum Irrationalismus auf, als die reine Vernunft in ihre Schranken verwiesen wird. Es ist jedoch 1) viel einfacher zu lesen (einfach nicht im Sinne von plump), 2) mit bekannten und weniger bekannten alten Gedanken hintermauert und zugleich am Puls der Gegenwart wie kaum etwas, das ich in letzter Zeit gelesen habe und 3) lebensorientiert. Der Gedankengang baut in großen Teilen auf Größen wie Freud, Marx und Nietzsche und wird ihnen meiner Ansicht nach stets gerecht, ohne ihnen anheimzufallen - lediglich Freud tritt etwas stark in den Vordergrund (weil ein wesentlicher Teil des Gedankenganges auf seinen Erkenntnissen aufbaut). Ich halte dieses Buch für gesellschaftlichen Zündstoff mit hohem Unterhaltungswert und hoffe, dass es von Vielen gelesen wird. Für mich war es in vielerlei Hinsicht ein Augenöffner, der einige Vorstellungen, die ich von unserer Kultur hatte, tatsächlich umgekehrt hat. Ein Beispiel: Pfaller zeigt sehr anschaulich, wie die vorherrschende Meinung, unsere "Spasskultur"-Gesellschaft sei liberal und ermögliche Freiheit, uns dazu bringt, uns in Wahrheit immer mehr von unserer Freiheit nehmen zu lassen. Der Traum von individueller Erfüllung bringt uns, Pfaller folgend, um unser Glück. Der Mensch von heute ist ein narzisstischer Asket, der für seine "Selbstverwirklichung" seine Freiheit opfert. Unterhaltungswert erhält das Buch unter anderem durch kleine Spitzen und stellenweise Polemik, die in einer mir sympathischen Weise eingestreut sind und der Sachlichkeit des Gedankenganges keinen Abbruch tun. |
Eine Geschichte der Medien. Vom Urknall zum Internet Jochen Hörisch Taschenbuch, 19. Januar 2006 Verkaufsrang: 70963 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Dieses Standardwerk läßt die wichtigsten Stadien der Mediengeschichte von den Anfängen bis zum Internet Revue passieren. Es setzt mit dem Urknall an: Am Anfang war der Big Bang, dessen Nachhall wir heute noch vernehmen. Heute aber überlagern sich im Multimedia-Rauschen alte und neue Erfindungen, senden durcheinander und sind auf der Suche nach ihrer eigentlichen Funktion. Die leitende These des Buches ist: Während die frühe Medienwelt im Bann von Stimme und Schrift sinnzentriert ist, wendet sich die neuere Medientechnik an die Sinne und sprengt das traditionelle Primat der Bedeutungen und zentrischen Kommunikationsverhältnisse. Audiovisuelle Hybridmedien wie der Computer, der am Internet hängt, bringen beide Stränge von Sinn und Sinnen zusammen und verstricken uns in ein Netz, das die Subjekte, die User und Loser zu Schnittstellen macht.
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Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben: BD 4 Theodor W. Adorno Taschenbuch, 10. April 2008 Verkaufsrang: 5129 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Ein sehr persönliches Buch. 5 von 5 Punkten Man soll das Buch unvoreingenommen lesen. Vor allem so lesen als würde der Autor recht haben. Erst danach kommt die Kritik, wenn möglich eine konstruktive. Erst dann kann man sagen, ob die sich Lektüre gelohnt oder nicht hat oder ob man etwas daraus gelernt hat. Adorno analysiert das Leben und stellt dem Leben moralische, humanistische Anforderungen. Wenn das Leben keinen Schutz bieten kann, gegen Grausamkeiten aller Art, ist es dann noch lebenswert? Nur die Menschen können diese Frage beantworten. Die Aphorismen Adornos stellen die Realität fest und zugleich werfen sie Fragen auf. Die Realität ist formbar, so wie der Mensch, der sie immer neu schafft. Eine humanere Welt ist möglich. Ein sehr persönliches Buch. Hat mich sehr bewegt.
Zeitgebundenheit 1 von 5 Punkten Sprache und Inhalt sind nur aus der Zeit heraus verständlich! Unter dem Eindruck der NS-Zeit muss man wahrscheinlich so schreiben. Sonst bringt das Buch wirklich nur für Adorno-Exegeten was, die ihren Meister vergöttlichen. Man beginnt zu ahnen, warum Habermas (als erklärter Feind der Adornoadepten) die Deutungshoheit errungen hatte: Er jammerte weniger und bot - wie immer man seine Theorie einschätzt - den Linken eine Methode an die Hand, konkret zu werden in der Gesellschaft und nicht im Kellerloch sitzen zu bleiben wie Adorno.
das ist Adorno! 5 von 5 Punkten Mit "leichter" und vernichtend präziser Hand geschriebene kurze Reflexionen, die man sich gut einteilen sollte, über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des täglichen Lebens, das Adornos Meinung nach in jedem kleinen Winkel durchtränkt ist von latenter Gewalt, Herrschaft und Absolutismus. Der vergesellschaftete Mensch kann diesem negativen Leben nicht entfliehen aber er kann es erkennen und vermöge der Erkenntniss wiederum Kraft beziehen um die Aufgabe Leben zu meistern. Mehr als nur empfehlenswert.
Feinschliff 5 von 5 Punkten In aus allen Fugen geratenen Zeiten ein solches Buch zu schreiben, ist bereits eine Meisterleistung. Theodor W. Adorno sind hier über Jahre latent bewußtwerdende Gedanken zum Zeitgeschehen, zum Verlust einstmaliger zivilisatorischer Werte, zum Leben unter Bedingungen, die das individuelle Leben zur privaten Angelegenheit verkümmern lassen, zu Textminiaturen verdichtet, die zum besten zählen, was überhaupt je veröffentlicht wurde. Sprachlich und inhaltlich ein Meisterwerk!
Das Insistieren auf dem Brutalen 5 von 5 Punkten Es sind zwei Fundamentalwerke, um die man nicht umhin kommt, wenn man sich sowohl literarisch als auch theoretisch auf den Weg machen möchte - eine lange Reise, die viel Geduld erfordert -, herauszufinden, was das denn ist, die Kritische Theorie: Diese beiden Werke sind die "Dialektik der Aufklärung" und die "Minima Moralia" Adornos. Sie ergeben die Achse, an der die Theorie sich wendet, das Frankfurter Schiff eine andere Richtung einschlägt - nämlich die des ungewissen Ausgangs, wo dem Theoretiker und seinem System nur noch übrig bleibt, "das Schlimmste zu verhindern" (Horkheimer) und dazu beizutragen, "dass Auschwitz nicht noch einmal sei" (Adorno). Eine Richtung also, die nicht mehr sich durch die Kritik des Bestehenden ermächtigt fühlt, auch eine Alternative, was das bessere Leben sei, an dessen Stelle zu setzen, sondern in die Einsicht einkehrt, dass einzig Kritik als unendlicher Prozess und unermüdliche Aufgabe sich am wenigsten der Verlogenheit "des Ganzen" unterwerfe. Diese "Achse" in der Geschichte der Kritischen Theorie hatte zugleich ein Schisma zur Folge, demnach Theoretiker wie Marcuse oder Fromm nicht mehr im selben Wasser wie Adorno und Horkheimer fuhren. Nach der "Dialektik der Aufklärung" ist auch zugleich eine Spannung zwischen Adorno und Horkheimer zu spüren. Die "Dialektik der Aufklärung" öffnet - und das macht sie so schwierig zugänglich, insbesondere was den Versuch einer hemdärmelig soziologisierten Rezeption angeht - Kritische Theorie zur Geschichtsphilosophie hin, skizziert den anthropologischen Gang der Vernunft gegenüber dem Mythos, der Herrschaft über die Natur gegenüber dem menschlichen Bedürfnis, sich an diese anzuschmiegen von den griechischen Mythen bis zur Gegenwart der Kulturindustrie und des Faschismus. Adornos "Minima Moralia" setzen in dieser Gegenwart ein: Die aphoristische Gegenwartsdiagnose geht beschreibend an die kleinsten Alltagsdetails, die gewöhnlichsten Unauffälligkeiten des verstädterten Zusammenlebens heran, wendet den Blick so häufig und aufwendig wie nötig, bis das Prinzip der Verdinglichung, der Unterwerfung des Besonderen unter die Sachzwänge des Allgemeinen, der zivilisatorische Prozesses der "Auslöschung des Inkommensurablen" herausgearbeitet ist. An diesem Buch wird klar, was Alexander Kluge meinte, als er das Werk Adornos mit den Worten charaktisierte: "Es ist ein Insistieren auf dem Brutalen." Es wird hier mit einer geradezu schmerzhaften Präzision und Unermüdlichkeit geleistet, was bis dahin noch nicht geleistet worden ist: Die moderne, bürgerliche und hochtechnologisierte Gesellschaft - eine Form der Organisation des geballten Zusammenlebens, die noch jung, aber zur Bedingung der Möglichkeit des menschlichen Überlebens geworden ist, aber bereits in ihrem frischen Alter die Menschen zwingt, ihre Vorstellungskraft der menschlichen und zivilen Katastrophen, die ja von ihnen selbst hervorgebracht werden, radikal zu erweitern - kennt das Individuum nur noch als Zweck, das Subjekt als entkernte technoökonomische Größe; die Menschen in ihr sind sich selbst und den anderen gegenüber fremd, erscheinen sich nur noch anonym, nehmen sich als Objekte wahr. Und: Sie sind sich selbst so fremd, dass sie das noch nicht einmal mehr erfahren können, was die Möglichkeit, kritisch Position dazu zu beziehen, ihnen verwehrt, sie "unmündig" im besten Kantischen Sinne macht! Adorno legt mit den "Minima Moralia" in Wahrheit und entgegen dem, was der Titel sagt, einen Koloss vor, der die Lupe auf das Detail, das Systemelement des Alltags richtet, um vorzuführen, was er mit seinem Diktum meint, dass "die Gesellschaft in ihrer gegenwärtigen Form" eine "Zusammenrottung von Erkalteten" sei, die "ihre eigene Kälte nicht ertragen, aber auch nicht sie ändern können." Jeder Mensch heute, fährt er am selben Ort in "Erziehung nach Auschwitz" fort, könne "zu wenig lieben, weil er sich selbst zu wenig geliebt" fühle. Dies - also diese Unfähigkeit zur Identifikation - sei eines der wesentlichen Momente gewesen, was es ermöglicht hatte, dass so etwas wie Auschwitz "sich inmitten einigermaßen zivilisierter Bürger" habe abspielen können. Adorno macht es einem nicht leicht und wollte das auch nie. Die "Minima Moralia" sind sicherlich das herausragende Beispiel hierfür. Es wäre illusorisch anzunehmen, dass man sich das Buch, wie man es seinerzeit auch mit Foucaults "Ordnung der Dinge" getan hatte, mit an den Strand nimmt, es liest und einen Begriff von Kritischer Theorie gewinnt. Aber frei nach Adorno sind die Dinge derart verstellt und für den Menschen undurchdringlich, dass es des größten denkerischen Kraftaufwandes bedarf, um kurz sich dies nichtidentische Moment zu erhaschen, das in jenem Augenblick seiner Erkenntnis eine unreglementierte Erfahrung ist - frei von seiner Unterwerfung unter die Herrschaft des Zwecks und von Autorität in dieser Sekunde unangetastet. Dann trifft auch zu, was in einer anderen Rezension hier belächelt worden ist: "Wahr sind nur die Gedanken, die sich selbst nicht kennen."
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Kulturgeschichte des Klimas: Von der Eiszeit zur globalen Erwärmung Wolfgang Behringer Gebundene Ausgabe, 21. Januar 2009 Verkaufsrang: 12209 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Blitz und Donner zu schleudern war ein Vorrecht der Götter, und Petrus schickte Regen und Sonne, wie es ihm gefiel. Viele Jahrhunderte - wahrscheinlich sogar noch viel länger - funktionierte das ganz gut ohne menschliche Beteiligung. Das war einmal. Heute machen wir das Wetter selber. Fachleute sind sich einig: Der Klimawandel geht weitgehend auf unser Konto. Zeit für einen Rückblick: Wie hat das Klima die menschliche Spezies beeinflußt? Wie haben Klimaschwankungen das Leben unserer Vorfahren verändert, wie ihre Kultur bestimmt? Ein erhellender Streifzug durch die vergangenen Klimaschwankungen vom Holozän bis heute. Alle sprechen vom Wetter: wir auch. Darüber, wie es werden wird, gibt es derzeit mehr Voraussagen als sonst üblich; aber was wissen wir über Klimaschwankungen vor 500 Jahren, vor 5000 Jahren? Und wie können wir überhaupt etwas über die Geschichte des Wetters wissen? Schließlich: Wie haben sich die Klimaschwankungen auf den Menschen, sein Wohlbefinden und seinen Erfindungsgeist ausgewirkt? Wolfgang Behringer führt uns ein in die historische Forschung zur Klimaentwicklung; er zeigt uns, was heute als gesichertes Wissen gelten kann, welche Schwankungen es gab und wie sie das Fortkommen des homo sapiens behinderten oder beförderten. Ein Stück weit bietet das Buch naturwissenschaftliche Fundierung, um dann für die Geschichte ab dem Mittelalter dem Zusammenhang zwischen Klimaentwicklung und kultureller Entfaltung detaillierter nachzuforschen. Behringers lesenswertes Buch führt uns plastisch vor Augen, mit welchen Schwierigkeiten, manchmal aber auch mit welch außergewöhnlich angenehmen Wetter-Epochen etwa in der Staufer- Zeit unsere Vorfahren konfrontiert waren und wie sie damit umgingen. Das lehrt uns nicht zuletzt Mut zu fassen, den Klimawandel als die Herausforderung unserer Generation zu begreifen und in einem besseren Sinne zu beeinflussen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Eine positive Botschaft als bittere Pille für Apokalyptiker 5 von 5 Punkten Eines der gravierendsten Probleme der menschlichen Urteilskraft liegt in der zeitlichen Beschränkung ihres geistigen Horizonts, der meistens nur wenige Jahrzehnte zurückreicht und dazu neigt, die Vergangenheit als "die gute alte Zeit"zu verklären. Nirgendwo wird dieses Manko deutlicher als in der aktuellen Klimadebatte. Ungewohnte Hitzesommer und milde Winter ohne Schnee verunsichern die Menschen, deren Eindruck durch reißerische Presseberichte über Monate mit Rekordtemperaturen verstärkt wird. Die veröffentlichte Meinung hat sich dabei einseitig auf den Menschen als Verursacher dieser Klimaveränderung festgelegt, die angeblich unsere ganze Zivilisation zu vernichten droht, wenn ihr nicht mit einschneidenden Maßnahmen gegengesteuert wird. Da der Kern der Debatte, ob die Klimaveränderung anthropogenen Ursprungs ist oder nicht, für die meisten naturwissenschaftlichen Laien unentscheidbar ist, hilft ein Rückblick in die Geschichte des Klimas. An dieser Aufgabe versuchte sich der Historiker Wolfgang Behringer, der in seiner "Kulturgeschichte des Klimas - Von der Eiszeit zur globalen Erwärmung" untersucht, wie sich das Klima auf der Erde entwickelte und dabei den Verlauf der Menschheitsgeschichte beeinflusste. Verblüfft nimmt der Leser zur Kenntnis, dass es weder einen konstanten Klimaverlauf gab, noch einen dynamischen Pendeln um einen bestimmten Durchschnittswert herum. Perioden mit eisfreien Polkappen wechselten mit Eiszeiten ab. Auf Klimaoptima folgten -pessima. Und all diese Phasen waren nicht frei von extremen Ausschlägen. Ein Referenzwert für ein "normales" Klima lässt sich dabei nicht ausmachen. Behringer hält sich nicht lange mit der Erörterung der naturwissenschaftlichen Ursachen dieses Wandels auf, sondern zeigt auf, wie er sich auf die menschliche Zivilisation ausgewirkt hat. Es ist erstaunlich, wie fast jedem historischen Epochenwechsel ein Klimawandel vorausging, so wie beispielsweise beim Übergang von der Jagd- und Sammlerkultur der Mittleren Steinzeit zur Ackerbaukultur der Jungsteinzeit oder von der Bronze- zur Eisenzeit. Aber den Schwerpunkt des betrachteten Zeitrahmens legt Behringer auf die in den Beginn der Neuzeit fallende Kleine Eiszeit, die Europa vor gewaltige Herausforderungen stellte. Ihre Auswirkungen führt Behringer dem Leser nachfühlbar vor Augen, indem er die Auswirkungen des nassen, kalten Wetters und der eisigen Winter bis in die menschliche Psyche hinein nachgeht. Die Kleine Eiszeit markiert für Behringer die europäische Abwendung vom religiösen Irrationalismus, der Hexen oder die Strafe Gottes für wetterbedingte Missernten verantwortlich machte, durch an der Vernunft orientierten Lösungen, an deren Ende die Industrielle Revolution stand. Erst ab hier wurde der Mensch dank der Technik unabhängig von den unberechenbaren Launen des Klimas. Ohne sich auf eine bestimmte Ursache für den Klimawandel festzulegen, geht Behringer in seinen Schlussbetrachtungen mit den Alarmisten und ihren Prognosen, die sich oft als unzutreffend herausstellten, hart ins Gericht: "Was heute wahr erscheint, ist morgen Schnee von gestern." Ebenso kritisiert er die einseitige Festlegung der Klimaforschung auf das Kohlendioxid als maßgeblichen Verursacher der Erwärmung und fragt spitz: "Wenn der CO2-Anteil der Atmosphäre die Temperatur bestimmt und der vorindustrielle CO2-Anteil konstant bei 280 ppm lag, woher kamen dann die Temperaturschwankungen des letzten Jahrtausends? Ist die Hypothese falsch? Sind die Messdaten falsch? Oder wurde nur die Statistik gefälscht, um den Klimawandel zu dramatisieren?" Statt der absurden Vorschläge zur Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen empfiehlt er Gelassenheit und eine pragmatische Anpassung an den Klimawandel, der ohnehin unvermeidbar sei. "Die Welt wird nicht untergehen", so Behringers positive Botschaft, die auf manchen mit apokalyptischen Szenarien aufwartenden Klimaforscher wie eine bittere Pille wirken muss. Es ist zu hoffen, dass dieses Buch eine möglichst breite Verbreitung findet, um die feste Phalanx der Alarmisten zu durchbrechen. Wer auch als Laie eine sichere Grundlage in der Klimadebatte haben will, sollte unbedingt zu Behringers Werk greifen. Danach kann er die nächsten Schreckensmeldungen der "falschen Propheten und moralischen Unternehmer", die aus einer herbeigeredeten Klimakrise Kapital zu schlagen versuchen, beruhigter angehen.
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5000 Jahre Geometrie: Geschichte, Kulturen, Menschen Christoph J. Scriba, Peter Schreiber Gebundene Ausgabe, 15. Dezember 2004 Verkaufsrang: 49723 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen. Schon lange bevor die Schrift entwickelt wurde, hat der Mensch geometrische Strukturen wahrgenommen und systematisch verwendet. So entstehen beim Weben und Flechten einfache zweidimensionale Muster und ohne dreidimensionale Körper wie Quader, Würfel oder Pyramide ist keine Bautätigkeit denkbar. Das vorliegende Buch gibt einen faszinierenden Überblick über die geometrischen Vorstellungen und Erkenntnisse der Menschen von der Urgesellschaft bis hin zu den komplexen...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Mögen Sie Mathemaik? 5 von 5 Punkten Auch wenn Ihre Antwort negativ ausfällt - lesen Sie dieses Buch und Ihre Einstellung wird sich ändern! Unsere Kultur ist geprägt von den Entwicklungen der Mathematik und auch, und gerade, von der klassischen Geometrie. Dieser Band richtet sich speziell an "Laien" im besten Sinne des Wortes und ist von Spezialisten auf ihrem Gebiet verfaßt worden. Entstanden ist ein äußerst lesbarer Streifzug durch die Welt der Geometrie. Es macht einfach Spaß, in diesem Buch zu stöbern und ganz nebenbei zu lernen.
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Eros, Kosmos, Logos: Eine Jahrtausend-Vision Ken Wilber Taschenbuch, Januar 2006 Verkaufsrang: 74092 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Mit Leidenschaft hat Wilber die Grenzflächen, die oft unsichtbaren Überschneidungen von Denken, Wissen, Intuition und Mystik begangen, stets auf der Suche nach einer tieferen Ordnung zwischen Eros, Kosmos und Logos." Hans-Jürgen Heinrichs Wo steht der Mensch in seiner Entwicklung heute? Wie sind wir dahin gekommen? Kann der Mensch in seiner künftigen geistigen Evolution die Trennung von Materie, Leben und Bewußtsein mit ihren verheerenden Konsequenzen überwinden und die ursprüngliche Einheit von Körper, Geist und Seele wiederherstellen? "Eros, Kosmos, Logos stellt den großartigen Versuch dar, der scheinbar fragmentierten Zufälligkeit eines Geschehens, das wir Universum, Wirklichkeit,...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 15 Bewertungen)
DER MUT ZUM ALTMODISCHEN DENKEN 5 von 5 Punkten Bekanntlich krankt unsere Zeit nicht daran, zuwenig Wissen angesammelt zu haben. Die Berge wachsen. Doch Wissen führt nicht auf direktem Weg zur Weisheit und so macht sich ein Unbehagen breit. Nach all dem Forschen und Suchen wird schließlich wieder aus dem ?Faust" zitiert und stolz hält man sich für postmodern, was in etwa gleichbedeutend ist mit dem Bekenntnis, daß aus dieser Welt nicht schlau zu werden ist. Das mag am Ende auch stimmen, aber es gibt zumutbare Gründe, warum unser wissenschaftliches Weltbild noch nicht am Ende ist. Kosmologische Entwürfe, also der Versuch, das Ganze auf einmal zu erklären, sind ja nicht mehr große Mode. Die letzten Universalgelehrten hat man wohl im vorigen Jahrhundert zu Grabe getragen. Aus praktischen Gründen teilt man sich nun die Arbeit auf und erinnert sich gegenseitig daran, über Tellerränder zu schauen, weil zwar der Teufel, aber nicht die ganze Welt im Detail steckt. Hier beginnt der Jammer. Gewöhnlich sprechen unsere Experten in fächerübergreifenden Diskussionen eine jeweils andere Sprache. Wann konnten sich etwa Psychologen, Theologen, Physiker oder Philosophen auf ein paar Grundbegriffe wie ?Natur", ?Leben" oder gar ?Seele" und ?Geist" einigen. Der Widerspruch scheint in unseren Theorien unvermeidlich und wird konsequent der Wirklichkeit unterstellt. Es wird empfohlen, sich die Wahrheit im Plural zu denken. Ken Wilber hat lange darüber nachgedacht. Er ist der Meinung, daß sich niemand vollständig irren kann und jede gute Theorie durchaus einen Aspekt der Welt erkennt, den sie dann leider schon für das ganze Wesen hält. Wilber vergleicht wissenschaftliche Schulen gern mit den Spektren des Lichts, jeder sieht eine andere Farbe, aber sobald das Geheimnis elektromagnetischer Wellen bekannt geworden ist, sehen sie doch alle dasselbe. Diesem Geheimnis eines grundlegenden Musters ist Wilber auf der Spur und seine Arbeit stellt verblüffende Vorschläge dar, unser gesamtes Wissen in eine Ordnung zu bringen. Seine Integrationsversuche beziehen auch die Erfahrungen von Religion, Kunst und Alltagskultur ein, was ihm in akademischen Kreisen einen schlechten Ruf oder schlimmstenfalls Ignoranz einbrachte. Tellerränder. ?Eros, Kosmos, Logos" war für mich der Einstieg in Wilbers Denken und ich halte es für sein reifstes Werk. Wer den akademischen Stil nicht mag, sollte seine populärwissenschaftliche Zusammenfassung ?Eine kurze Geschichte des Kosmos" lesen. Wer hingegen mit vergleichbarer Literatur intimen Umgang pflegt, wird die Eleganz und Klarheit in Wilbers Darstellung als eine Wohltat empfinden. Man soll ja vorsichtig mit Schwärmereien sein, aber Leben und Werk dieses Mannes verdanke ich einen guten Teil meines Seelenfriedens. Wilber ist für mich ein Held.
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Geschichte der Schrift Harald Haarmann Taschenbuch, September 2002 Verkaufsrang: 47851 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Schrift gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Harald Haarmann schildert knapp und anschaulich, welche unterschiedlichen Schriftsysteme sich seit den ersten bildlichen Vorstufen vor 7000 Jahren entwickelt haben und wie unser Alphabet entstanden ist.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Geschichte der Schrift: neue Perspektiven! 5 von 5 Punkten Wer sich mit Archäologie und den Wurzeln unserer Kultur befasst, muss sich eines Tages auch über den Ursprung der Schrift Kenntnis verschaffen. Vor uns liegt eine handliche Publikation, welche auf ideale Weise diesem Anliegen entspricht. Der Autor, bekannter Sprachwissenschaftler, versucht Antworten auf Fragen nach dem "wann" und "warum" des Schreibens zu vermitteln. Als wertvolle Bereicherung dürfte die Leserschaft den vierten Teil empfinden, in dem er Auskunft gibt über die Entwicklung von Schriftträgern und Schreibtechnik. Mit Überraschung werden wir vielleicht die Bedeutung des Donauraumes für den Ursprung der Schrift zur Kenntnis nehmen, weil wir diese Frage bisher stets mit Mesopotamien in Verbindung brachten. Einige aussagekräftige Illustrationen, ein Register sowie ein nützliches Literaturverzeichnis, das uns die Tür zu einem vertieften Studium der Schriftgeschichte öffnet, runden das einem breiten Leserkreis zu empfehlende Taschenbuch ab.
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GALORE Interviews: Die besten Gespräche aus 5 Jahren
Broschiert, 12. März 2008 Verkaufsrang: 81840 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden GALORE ist seit fünf Jahren ein Magazin für Leser. Sicher, irgendwie gelesen werden alle Magazine. Aber bei den Leser-Umfragen erfreut uns immer wieder ein Ergebnis besonders: GALORE wird tatsächlich gelesen und zwar oft von Anfang bis Ende. GALORE widmet sich Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Kultur, die etwas zu sagen haben. Wir sprechen mit Hollywood-Stars und Ikonen, schillernden Stars der Gegenwart oder Entscheidern und Denkern. Und so viele Interviews diese Leute in ihrer Karriere auch geben mögen: Immer wieder erfahren wir, dass das mit GALORE in Erinnerung bleibt.Fünf Jahre GALORE - das bedeutet 43 Magazine, fast 700 Interviews und ungezählte Fragen und Antworten. Unser Ziel war immer, jede Frage, jede Antwort zu einer besonderen zu machen. GALORE Interviewer fragen seit jeher nicht nach Naheliegendem. Auf 416 Seiten präsentieren wir eine Sammlung unserer besten, zeitlosesten Gespräche. Einige davon sind längst kult, zum Beispiel das Interview mit einem äußerst grimmigen Lou Reed, die sehr intimen und intensiven Gespräche mit George Michael oder Jörg Immendorff, oder das letzte Interview des polnischen Intellektuellen Stanislaw Lem vor seinem Tod.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Absolut lesenswert! 5 von 5 Punkten Sehr lesenswerte Interviews, gute Fragen, prima Zusammenstellung der Interview-Partner. Da sollte für jeden jemand Interessantes dabei sein. Der Preis ist ziemlich hoch, finde ich, aber man hat auch viel davon. Kann man immer wieder lesen. Einziger Wermutstropfen: Der geringe Frauenanteil der Interviewten. Trotzdem 5 Sterne, weil's so viel Spaß gemacht hat zu lesen!
Gute Gespräche 5 von 5 Punkten "Ein gutes Gespräch kennt seinen Weg." - Treffender als Schriftsteller John Irving hätte man "GALORE Interviews - Das Beste aus 5 Jahren" wirklich nicht beschreiben können. Seit nunmehr einer halben Dekade und 45 Ausgaben findet GALORE eben diese Mittel und Wege gute Gespräche zu führen. Allmonatlich sorgt die Zeitschrift für aufschlussreiche Einblicke in ungewöhnliche Lebensläufte. Für das Interviewmagazin in Buchform haben die Leser aus über 700 geführten Gesprächen die interessantesten gewählt. Die 416 Seiten starke Sammlung umfasst spannende Fragerunden mit bekannten Persönlichkeiten aus den Bereichen Moderation, Schauspiel, Literatur, Musik und Kunst, Sport und auch Politik. Unter den Befragten finden sich John Cleese, Herbert Grönemeyer, Johnny Depp, Woody Allen, Dieter Hildebrandt und viele, viele mehr. Aber - und das ist der interessante Ansatz dieser einmaligen Zeitschrift - auch in den Medien unbekannte Menschen kommen zu Wort. So berichtet Silvia Furtwängler beispielsweise davon, wie sie zur Schlittenhund-Rennfahrerin wurde. Jürgen Muth spricht über seine Verbrechen und die Zeit im Gefängnis. Genau diese einmaligen Schicksale machen GALORE so lesenswert und besonders. Dank ihrer oft erfrischend unkonvetionellen Herangehensweise an so manches Thema, können die GALORE-Autoren dem jeweiligen Interviewpartner häufig Überraschendes entlocken. Die Interviews als auch die zugehörigen bildgewaltigen Fotostrecken sind einfach zu Schade, um nach einmaligem Lesen in der Mülltonne zu landen. Man möchte sie immer wieder zur Hand nehmen. Die Buchausgabe macht dieses Vorhaben zum visuellen und taktilen Vergnügen. |
Das Alte Testament Christoph Levin Taschenbuch, 2. Februar 2006 Verkaufsrang: 9412 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Kein anderes Buch hat Religion und Kultur der westlichen Welt beeinflußt wie die Bibel und ihr größerer, Juden und Christen gemeinsamer Teil: das Alte Testament. Christoph Levin beschreibt seinen Aufbau, die Bildung des Kanons und die Überlieferungsgeschichte der Texte. Er stellt das Alte Testament als Teil der Kultur und Religionsgeschichte des Alten Vorderen Orients dar und zeigt zugleich, daß es als Heilige Schrift des Judentums und nicht als Geschichte Alt-Israels entstanden ist. Eine Zeittafel und Literaturhinweise runden diese allgemeinverständliche Einführung ab.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Die Suche nach dem, "was die Welt im Innersten zusammenhält" 5 von 5 Punkten Das kurze Büchlein von Chr. Levin ist nicht nur für "Laien" äußerst informativ, sondern auch für Theologiestudierende. Für Laien bietet es einen soliden und kurzweiligen Überblick über die Bücher des Alten Testaments. In erster Linie werden hier nicht wissenschaftliche Forschungsdetails dargestellt, sondern ein gelungener Zugang zur Geschichte, Lebenswirklichkeit und zu den Gründen für die Entstehung der einzelnen Bücher aus Glauben für den Glauben vorgestellt. Dies geschieht auf der Basis einer fundierten, aktuellen, wissenschaftlichen Grundlage. Für Theologiestudierende bietet es eine ideale Wiederholungsbasis des Examensstoffes. Es werden zwar keine Forschungsmeinungen diskutiert(!), doch ist jedes wichtige Thema angesprochen. Zu beachten ist, daß Herr Levin besonders im Bezug auf die Datierung und Umfang des JAHWISTEN, der Datierung des Amosbuches und dem Sitz im Leben/Datierung des Hoseabuches Sondermeinungen vertritt! Gerade aber die Forschungsposition Chr. Levins ist über dieses Buch schnell und in seinem gesamten Verständnis des Alten Testaments zu erkennen. Das Buch ist mit sehr viel Liebe zum Thema geschrieben und das macht das Lesen so fruchtbar. |
Lob des Schattens: Entwurf einer japanischen Ästhetik Junichiro Tanizaki Gebundene Ausgabe, 20. August 2002 Verkaufsrang: 9436 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ohne Schattenwirkung keine Schönheit. Ausgehend von dieser Beobachtung gelingt Tanizaki die sinnliche Entwicklung einer japanischen Ästhetik - just zum Zeitpunkt ihres allmählichen Verschwindens im 20. Jahrhundert. Den Blick stets zugleich auf den Osten und den Westen gerichtet, schärft der Autor den Sinn für die Unterschiede beider Kulturen im Umgang mit Licht und Farbe und findet einfache Erklärungen. Denn: "Das, was man als schön bezeichnet, entsteht in der Regel aus der Praxis des täglichen Lebens heraus."
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
ästhetische Wahrnehmung auf geistiger Ebene - jedoch auch befremdlich 5 von 5 Punkten Tanizakis Essay über die japanische Ästhetik, "Lob des Schattens" (1933), äußert bereits im Titel, worum es geht: um das Verborgene, das, was sich in der Dunkelheit versteckt und was sich dadurch ausdrückt - wahre Schönheit, die für den traditionellen Japaner aus der Verbindung zwischen Sicht- und Unsichtbarem bzw. dessen Vorstellung entsteht. Der japanische Denkansatz mag abseits seiner Ungewöhnlichkeit für den Leser aus der westlichen Hemisphäre - für den Schönheit immer mit SICHTbarkeit zu tun hat - in gewisser Weise aber auch interessant sein, da hier nicht nur das Auge "sieht", sondern auch der Geist, ganz davon zu schweigen, daß der Blick für's Detail hier lebendig ist, im Gegensatz zur westlichen, oft oberflächlichen Wahrnehmung. Das Nachvollziehen dieser Schattenästhetik wird aber am Punkt ihrer Umsetzung m. E. schwer. Tanizaki zeigt, daß japanische Ästhetik weit mehr ist als die bekannten Klischees, die sich der Westen als mit seiner eigenen Ästhetik vereinbar "herausgepickt" hat. Es beginnt hier beim traditionell-japanischen Haus mit dunklen Zimmern aufgrund der Reispapierfenster, die nur wenig Licht einlassen, geht über Frauen, die ihre zierlichen Körper gänzlich in dicken Kimonos unsichtbar machen, einzig Gesicht und Hände freilassen, sich aber, um den Aspekt der Finsternis noch zu unterstreichen, das Gebiß schwarzfärben (!!) und grau-dunkelgrünen Lippenstift auflegen (!) und endet bei schwarzem Lackgeschirr, das z. B. eine Suppe als undefinierbare Flüssigkeit erscheinen läßt, und Metallgegenständen, die bereits Patina - ebenfalls eine Art "Schatten" - aus Ausdünstungen menschlicher Hände angesetzt haben. Hier schreibt Tanizaki auch von der Stilisierung des Schmutzes, im Gegensatz zur westlichen Welt, in der es einzig um dessen Beseitigung geht, um Schönheit zu erreichen. Überhaupt erweist sich "Lob des Schattens" als (mitunter auch chauvinistisches) Plädoyer gegen den Einzug westlichen Gedankenguts in Japan nach der Meiji-Zeit, also nach 1912; an einigen Stellen stellt Tanizaki die japanische Ästhetik auch über die "seichte" westliche. Dies sei ihm jedoch gegönnt; wir Europäer können ja sicherlich auch nicht gänzlich die japanische Schatten-Ästhetik nachempfinden - womit sich einer der vielen Ost-West-Gegensätze zeigt. Hier hat der Essay denn auch eine vermittelnde Funktion und ist daher trotz seines Alters (immerhin zieht Tanizaki dunkleres Kerzenlicht dem elektrischen Licht vor!) gewissermaßen aktuell.
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Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Essenzen Walter Benjamin Gebundene Ausgabe, 13. September 2006 Verkaufsrang: 16497 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Grundsätzlich, sagt Benjamin, ist das Kunstwerk immer reproduzierbar gewesen. Alles vom Menschen gemachte konnte und kann von Menschen nachgemacht werden. Die technische Reproduzierbarkeit jedoch ist etwas Neues. Über Guss und Prägung, vom Holzschnitt der Graphik zum Druck der Schrift, vom Kopierer zum Scanner zum Brenner. Paul Valery hat bereits in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts gemutmaßt, dass wir mit Bildern und Tonfolgen versehen werden wie mit Wasser, Gas und Strom. Auf ein Zeichen werden sie sich einstellen, kommen und uns wieder verlassen. Welch ein Weitblick, weit in das Jahr des Internets, der Zeichen von "@ und www". Und doch fehlt etwas, auch wenn die Reproduktion höchstvollendend ist: "das Hier und Jetzt des Kunstwerks - sein einmaliges Dasein an dem Ort, wo es sich befindet." Diese Aura, diese wirkliche Echtheit ist nicht zu reproduzieren, das Einmalige entfällt und damit der Wert, die Wertschätzung. Es ist ein Gefühl, nicht einer Zuwendung mit Bedacht, sondern ein Wissen um Wiederholung und Wiederbeschaffung. Und diese Haltung gegenüber dem Einmaligen, der Aura schwindet zu Gunsten einer Massensicht mit Reproduzierbarkeit. Jedoch: Die Echtheit einer Sache ist der Inbegriff des Tradierten, sie berichtet von der Dauer und enthält eine "geschichtliche Zeugenschaft." Das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit lässt eben genau diese Aura verkümmern. Eine Gesellschaft im 21. Jahrhundert verschließt sich der Erinnerung und noch neuen Werten, ihr Ziel scheint Convenience zu sein. Der Verfall dieser Aura beruht auf zwei Umständen, die beide mit dem Phänomen der Massen im heutigen Leben zusammenhängen: einmal: das Anliegen, die Dinge räumlich und menschlich (Einebnung der gesellschaftlichen, bildungsrelevanten Unterschiede) näherzubringen und zweites gelingt dieses durch die Überwindung des Einmaligen durch die Aufnahme von deren Reproduktion. Das Bedürfnis, die Dinge im Bild, im Abbild habhaft zu werden, ist ungebrochen. Mit der Konsequenz, das "Dauer und Einmaligkeit ersetzt werden durch Flüchtigkeit und Wiederholung." Die Folge ist, dass der Mensch sich nicht mehr zu einem Kunstwerk bewegt, sondern dieses zu ihm als Abbild. Der Mensch lässt sich vereinsamen, allerdings organisiert, wie Hanna Arendt es mal formulierte. Sind Bilder aus der technischen Reproduzierbarkeit allzeit und für jedermann vorhanden, so kann man nach Hobbes folgern, dass dieser Fortschritt Feindschaft gebären muss, da die Unterscheidbarkeit aufgehoben wird in der Gleichheit der Fähigkeiten und der Gleichheit der Hoffnungen. (vgl. Sloterdijk, 2000: Die Verachtung der Massen). Feindschaft wird in der letzten Stufe Krieg bedeuten können, der dann jedoch in der Ästhetik der Schlacht vorgedacht wurde in der immer besseren technischen Reproduzierbarkeit von Abbildern der Kriegsgeschichten am PC. Der Mensch hat durch den Verlust des Einmaligen die Aura desselben nicht kennengelernt, er identifiziert sich mit der Wiederholung und mit den Scheinwelten, die eo ipso ohne Wert sind. Dieser fehlende Wert definiert den Menschen, der dann seinen Spiegelneuronen das Feld überlässt, auf der Suche nach eigenen erhofften Werten. Benjamins kurzes Essay wurde im Jahre 1936 veröffentlicht. Es ist ein Meilenstein in der Kunstgeschichte und gehört mit zum Inhalt seiner Aufsätze: Illuminationen. Es verbindet Ästhetik der Kunst mit der Philosophie des Lebens. Andre Breton sagte: "Das Kunstwerk hat Wert nur insofern als es von Reflexen der Zukunft durchzittert wird." Dieses ist deutlich aus dem Essay Benjamins zu hören. Zu den zitternden Reflexen gehört auch das bewegte Bild als Film, in der Kombination Bild und Bildung: "Ich kann schon nicht mehr denken, was ich denken will. Die beweglichen Bilder haben sich an den Platz meiner Gedanken gesetzt", konstatierte Georges Duhamel bereits 1930. (s. a.: Menasse, 2006: Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung) Denken Sie an den 11.September. Sie werden spüren, was gemeint ist. Das Bild: ein Maßstab an die Wirklichkeit angelehnt. Ein, wenn man sich öffnet, nachdenklich machendes, nicht nur die Kunst betreffendes Werk des W.B.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Aura vs. Convenience 5 von 5 Punkten "Die gesamte Wirklichkeit ist die Welt. Das Bild ist so mit der Wirklichkeit verknüpft; es reicht bis zu ihr. Es ist wie ein Maßstab an die Wirklichkeit angelehnt". Soweit Ludwig Wittgenstein im Tractatus zum Verhältnis Bild und Realität. Und weiter: "In Bild und Abgebildeten muss etwas identisch sein." Grundsätzlich, sagt Benjamin, ist das Kunstwerk immer reproduzierbar gewesen. Alles vom Menschen gemachte konnte und kann von Menschen nachgemacht werden. Die technische Reproduzierbarkeit jedoch ist etwas Neues. Über Guss und Prägung, vom Holzschnitt der Graphik zum Druck der Schrift, vom Kopierer zum Scanner zum Brenner. Paul Valery hat bereits in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts gemutmaßt, dass wir mit Bildern und Tonfolgen versehen werden wie mit Wasser, Gas und Strom. Auf ein Zeichen werden sie sich einstellen, kommen und uns wieder verlassen. Welch ein Weitblick, weit in das Jahr des Internets, der Zeichen von "@ und www". Und doch fehlt etwas, auch wenn die Reproduktion höchstvollendend ist: "das Hier und Jetzt des Kunstwerks - sein einmaliges Dasein an dem Ort, wo es sich befindet." Diese Aura, diese wirkliche Echtheit ist nicht zu reproduzieren, das Einmalige entfällt und damit der Wert, die Wertschätzung. Es ist ein Gefühl, nicht einer Zuwendung mit Bedacht, sondern ein Wissen um Wiederholung und Wiederbeschaffung. Und diese Haltung gegenüber dem Einmaligen, der Aura schwindet zu Gunsten einer Massensicht mit Reproduzierbarkeit. Jedoch: Die Echtheit einer Sache ist der Inbegriff des Tradierten, sie berichtet von der Dauer und enthält eine "geschichtliche Zeugenschaft." Das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit lässt eben genau diese Aura verkümmern. Eine Gesellschaft im 21. Jahrhundert verschließt sich der Erinnerung und noch neuen Werten, ihr Ziel scheint Convenience zu sein. Der Verfall dieser Aura beruht auf zwei Umständen, die beide mit dem Phänomen der Massen im heutigen Leben zusammenhängen: einmal: das Anliegen, die Dinge räumlich und menschlich (Einebnung der gesellschaftlichen, bildungsrelevanten Unterschiede) näherzubringen und zweites gelingt dieses durch die Überwindung des Einmaligen durch die Aufnahme von deren Reproduktion. Das Bedürfnis, die Dinge im Bild, im Abbild habhaft zu werden, ist ungebrochen. Mit der Konsequenz, das "Dauer und Einmaligkeit ersetzt werden durch Flüchtigkeit und Wiederholung." Die Folge ist, dass der Mensch sich nicht mehr zu einem Kunstwerk bewegt, sondern dieses zu ihm als Abbild. Der Mensch lässt sich vereinsamen, allerdings organisiert, wie Hanna Arendt es mal formulierte. Sind Bilder aus der technischen Reproduzierbarkeit allzeit und für jedermann vorhanden, so kann man nach Hobbes folgern, dass dieser Fortschritt Feindschaft gebären muss, da die Unterscheidbarkeit aufgehoben wird in der Gleichheit der Fähigkeiten und der Gleichheit der Hoffnungen. (vgl. Sloterdijk, 2000: Die Verachtung der Massen). Feindschaft wird in der letzten Stufe Krieg bedeuten können, der dann jedoch in der Ästhetik der Schlacht vorgedacht wurde in der immer besseren technischen Reproduzierbarkeit von Abbildern der Kriegsgeschichten am PC. Der Mensch hat durch den Verlust des Einmaligen die Aura desselben nicht kennengelernt, er identifiziert sich mit der Wiederholung und mit den Scheinwelten, die eo ipso ohne Wert sind. Dieser fehlende Wert definiert den Menschen, der dann seinen Spiegelneuronen das Feld überlässt, auf der Suche nach eigenen erhofften Werten. Benjamins kurzes Essay wurde im Jahre 1936 veröffentlicht. Es ist ein Meilenstein in der Kunstgeschichte und gehört mit zum Inhalt seiner Aufsätze: Illuminationen. Es verbindet Ästhetik der Kunst mit der Philosophie des Lebens. Andre Breton sagte: "Das Kunstwerk hat Wert nur insofern als es von Reflexen der Zukunft durchzittert wird." Dieses ist deutlich aus dem Essay Benjamins zu hören. Zu den zitternden Reflexen gehört auch das bewegte Bild als Film, in der Kombination Bild und Bildung: "Ich kann schon nicht mehr denken, was ich denken will. Die beweglichen Bilder haben sich an den Platz meiner Gedanken gesetzt", konstatierte Georges Duhamel bereits 1930. (s. a.: Menasse, 2006: Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung) Denken Sie an den 11.September. Sie werden spüren, was gemeint ist. Das Bild: ein Maßstab an die Wirklichkeit angelehnt. Ein, wenn man sich öffnet, nachdenklich machendes, nicht nur die Kunst betreffendes Werk des W.B. |
Tristesse Royale: Das popkulturelle Quintett Joachim Bessing Taschenbuch, 2001 Verkaufsrang: 8325 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Sehr geehrtes Konsumvolk, liebe wohlstandsverwahrloste Jugend Deutschlands, dieses Buch ist für euch geschrieben. Ihr, die ihr Bücher übers Internet bestellt, IKEA-Katalog und WOM-Journal zum Blättern mit auf die Toilette nehmt und für einen höheren Überziehungskredit sogar etwas sparen würdet - dieses Buch ist für euch. Die fünf Wortführer der Tristesse Royale, die sich im Fin-de-siècle-Jahr 1999 im schönen Hotel Adlon getroffen haben, halten euch gnadenlos den Spiegel vor. Wollt ihr wissen, was diese "Stilgötter" von euch halten? Nun denn: Nehmt und lest! Lest von der Meinungslosigkeit unserer Gesellschaft, vom ewigen Re-Modeling der Marken, Popbands und Gesichter, von der "ironic hell", die das Fernsehen und die Werbung aus unserem Leben gemacht haben. Lest von der "Drei-Wetter-Taft-Welt", in der alles sehr schnell gehen muß. Lest von der Gefahr, die von den Werbebildern für unsere Selbtsverwirklichungsvorhaben ausgeht. Ganz oben auf der Liste des Leids, die uns das popkulturelle Quintett zusammengestellt hat: die Ironie. Das ist nicht leicht zu verstehen, dann was sie da betreiben, sieht ganz nach bitterstem Zynismus aus. Vielleicht ist das aber auch ein strukturelles Problem: Wer die perversen Verhältnisse unserer konstruierten Arbeits- und Vergnügungswelt beschreiben will, muß zwingend ironisch vorgehen. Wie auch immer: Die saloppe Kulturkritik mitsamt der dekadenten Pose dieser "Betrifft-mich-nicht-Wichte" enthält "mehr Debatte als ein ganzjähriges Zeit-Abonnement", wie ein Kritiker schrieb. Wem Pierre Bourdieu, dem Denker der feinen Unterschiede, zu schwierig, die Pop-Gazette Spex zu theologisch und Max Goldt bzw. Wiglaf Droste zu linksliberal sind, der sollte sich dieses Buch beschaffen - als Erbauungsliteratur auf dem Heimweg vom Einkaufen, als Nachschlagewerk (ca. 800 Einträge im Sachregister), als Vademecum für ästhetisch unsichere Tage. Es ist, wie es an einer Stelle heißt, "bigger than life and twice as ugly". -Nikolaus Stemmer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 51 Bewertungen)
Strategien einer neuen Ästhetik 4 von 5 Punkten Eines vorab: Wer dieses Buch als bloßes Gesprächsprotokoll liest, unterläuft die Komplexität und Ästhetik, die hier vorliegt. Erwähnt seien nur in aller Kürze die kursiv gedruckten Regieanweisungen, die teils surreale Momente enthalten sowie die Rahmung des Geschehens durch den Hinweis "Der Vorhang öffnet sich" am Anfang und "Roll back the credits,please" am Ende. Daher sind die Protagonisten nicht mit den realen Autoren zu verwechseln. Sie übernehmen vielmehr erzählerische Funktionen innerhalb des Theaterstückes. In diesem Theaterstück geht es nicht nur um das "Sittenbild einer Generation", sondern um ästhetische Positionen am Ende eines Jahrtausends. So werden Fragen nach dem richtigen Aussehen einer EC-Karte ebenso gestellt wie Kommentare zur Ästhetik der DDR gegeben, welche in ihrer blassen Farbigkeit mit der damals aktuellen Prada-Kollektion verglichen werden. Dabei stellt der Text vor allem anderen den Ennui einer Generation aus. Sie ist dermaßen gelangweilt, das sie sich, "wenn es der Sommer 1914 wäre...freiwillig melden würden". Im Anschluß an Martin Walsers Rede zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, in dem er sinngemäß eine Literatur fordert, die Auschwitz auch vergessen kann, liegt hier ein Statement zur Themenlosigkeit einer Generation vor. Alles ist a priori Pop oder Rock und das Problem ist der Konsens. Dabei ist leicht zu übersehen, dass vor allem ein längerer Monolog über die Spirale, auf der sich die Menschheit bewegt, enggeführt ist mit Spinozas "sub specie aeternatis" und Nietzsches Ursuppe. Zu unterstellen, hier läge keine Literatur vor ist schlichtweg Ursache ungenauen Lesens. Die Spirale lässt sich beispielweise als Intertext zu Döblins Berlin Alexanderplatz lesen: Dort irrt der Protagonist auf einem Spiralweg durch Berlin, bis er im Irrenhaus landet und dort geläutert, beziehungsweise im Rahmen eines säkularisierten Passionsweges, erlöst wird. Daran knüpft Tristesse Royale an und überführt den Topos des entfremdeten, gefallenen Ichs in eine neue literarische Moderne. Dieses Buch ist demzufolge auf zwei Arten lesbar: oberflächlich, als amüsantes Statement am Ende der neunziger Jahre, aber auch in die Tiefe gehend, als Stellungnahme zu literarischen Positionen zu ebendieser Zeit. Und so bewertet der Text auch: "Das Problem ist die Form, die Rollenprosa".
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Die Geschichte der Schönheit Umberto Eco Broschiert, November 2006 Verkaufsrang: 17605 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Umberto Eco ist ein literarisches Chamäleon ohnegleichen: Sein Romanerstling Der Name der Rose wurde zu einem der fünfzig Lieblingsbüchern der Deutschen gekürt, seine Essays, Glossen und Parodien begeistern ein breites Publikum, und seine sprach- und literaturkritischen Arbeiten haben in der akademischen Welt Standards gesetzt. Jetzt hat er sich in einem opulenten Bildband auf die Spurensuche nach dem ?Schönen? begeben, und fördert dabei so manches vergessene Juwel zutage. Die Geschichte der Schönheit überzeugt - nicht nur auf den ersten Blick - durch eine übersichtliche und einleuchtende Gliederung. Da geht es einerseits um die Darstellung menschlicher Schönheit, der weiblichen wie der männlichen, und der sich wandelnden Ideale, die unsere Wahrnehmung im Laufe der Jahrhunderte bestimmten. Weiter geht die Reise zu den Gebäuden, welche die Menschen zu ihrem Schutz oder zur Ehre höherer Wesen errichtet haben. Von der Musik ist die Rede und von ihrer Abhängigkeit von Mathematik und Astronomie. Garniert ist das Ganze mit einer Flut von Zitaten aus Bibel und mittelalterlicher Gelehrsamkeit, von Dichtern und Philosophen. Auch wenn das etwas altmodisch klingen mag, so ist Die Geschichte der Schönheit im besten Sinne ?erbaulich?. Eco flaniert an allem vorbei, was die Sinne erfreut, erklärt, deutet und schüttelt auch nicht selten den Kopf über das, was einst Begeisterung auslöste, inzwischen jedoch ausgesprochen hässlich erscheint. Ein Buch, um leuchtende Augen zu bekommen also, mit der kleinen inhaltlichen Einschränkung vielleicht, dass sowohl die Auswahl der bewunderten Objekte wie auch das theoretische Fundament rein europäisch ausgerichtet sind. Das ist jedoch nur das berüchtigte Haar in der Suppe, insgesamt ist der Schmöker ein Genuss - zum Verschenken, sich selbst oder anderen. -Helge Basler
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
"... sein Name ist Schönheit." 5 von 5 Punkten Umberto Eco hat eine ganz erstaunliche und überraschende Arbeit zur menschlichen Ästhetik, zum menschlichen Schönheitswillen vorgelegt. Meisterwerke der europäischen Kunstgeschichte werden mit ganz hervorragend ausgewählten zeitgenössischen und späteren Zitaten aus dem menschlichen Denken über Schönheit und Empfinden von Schönheit zusammen präsentiert. Diese Zusammenstellung ergänzt sich gegenseitig besonders gut. Indem man beispielsweise liest, wie mittelalterliche Menschen ihre Umwelt - und auch die damals geschaffene Kunst - wahrgenommen haben, versteht man sofort deutlich mehr über die damals geschaffene Kunst. Viele der allerwichtigste Zitate Winckelmanns werden gebracht, die immer wieder neu und erfrischend zu lesen sind, auch wenn man manche von ihnen schon kennt. Und so vieles andere mehr. - Eine solche Zusammenstellung ist sicherlich auch für Wissenschaftler auf dem Gebiet der Evolutionären Ästhetik von großem Nutzen, ja, vielleicht weg-leitend. Für wen Schönheit mehr ist als das, 10.000 Kunsthistoriker "superklug" jeden Tag daher zu reden wissen, für den wird dieser Band etwas ganz Besonderes sein. Man sollte nur die "Großen" über Schönheit reden lassen. Friedrich Hölderlin etwa sagt: "Ich hab es einmal gesehn, das Einzige, das meine Seele suchte, und die Vollendung, die wir über die Sterne hinauf entfernen, die wir hinausschieben bis ans Ende der Zeit, die hab ich gegenwärtig gefühlt. Es war da, das Höchste, in diesem Kreise der Menschennatur und der Dinge war es da! (...) O ihr, die ihr das Höchste und Beste sucht, in der Tiefe des Wissens, im Getümmel des Handelns, im Dunkel der Vergangenheit, im Labyrinthe der Zukunft, in den Gräbern oder über den Sternen! wißt ihr seinen Namen? den Namen des, das Eins ist und Alles? Sein Name ist Schönheit."
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»Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort!«: Die Weltgeschichte der Lüge Dieter Hildebrandt, Roger Willemsen Broschiert, 6. Februar 2009 Verkaufsrang: 120005 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden 200-mal am Tag lügt ein Mensch im Durchschnitt. Die Schlange im Paradies hat damit angefangen, und seitdem können wir nicht mehr aufhören. Die Lüge ist der Kitt der Weltgeschichte. Die Urkunden, die den Kirchenstaat begründet haben und Hamburg zur Hansestadt machten gefälscht! Vielleicht ist ja sogar das halbe Mittelalter eine Erfindung ... Und dann das 19. Jahrhundert die große Zeit der Hochstapler! Sie verkaufen den Eiffelturm, nichtexistentes Salatöl und die Stadt London in Einzelteilen. Nicht zu vergessen, dass dann im 20. Jahrhundert natürlich niemand vorhatte, in Berlin eine Mauer zu errichten, oder eine ¯sexual relation with that woman® hatte. Endlich die Wahrheit über die Lüge! Eine witzige, aberwitzige Tour de force bot das Programm, das Dieter Hildebrandt und Roger Willemsen auf der Kölner lit.COLOGNE 2007 vor begeistertem Publikum präsentierten: informativ, unterhaltsam, polemisch, grotesk. Dabei ist die vorliegende Buchfassung doppelt so materialreich wie das Bühnenpr ogramm, mit dem Hildebrandt/Willemsen ab Sommer 2007 auf Tournee sind.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
"Schwer" 3 von 5 Punkten Das Buch btw. die Dialoge sind nicht wirklich "launig". Einige Passagen über die Lügen der Weltgeschichte sind vorzüglich, doch der überwiegende Teil ist zu sehr verkopft und eher verkrampft. Man ist um Lockerheit und Witz bemüht. |
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