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Seite 15

Das neue Denken - Fritjof CapraDas neue Denken
Fritjof Capra

Taschenbuch, März 2001
     Verkaufsrang: 188627     

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Capra, den meisten vor allem bekannt durch seinen Bestseller 'Wendezeit', läßt in diesem Buch profilierte Vertreter der wissenschaftlichen Avantgarde zu Wort kommen. Menschen, die nicht mehr an das Trugbild von der Wertfreiheit der Wissenschaft glauben, sondern die sich engagieren für eine von Verantwortung getragene Wertordnung.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Eine Einladung      5 von 5 Punkten
"Das neue Denken" beschreibt sehr unterhaltsam und interessant, wie Capras Begegnungen und Gespräche mit diversen Wissenschaftlern der Geistes- und Naturwissenschaften aussahen, und welche Erkenntnisse er für den Vorgänger "Wendezeit" daraus gewann.

Das Buch ist angenehm zu lesen, erweitert den eigenen Horizont und regt an, sich mit den angeführten Aspekten des Weltbildes in Vergangenheit und Zukunft eingehender zu befassen.

Wissenschaften vereint      4 von 5 Punkten
Fritjof Capra gibt in seinem wirklich sehr aufschlußreichen Buch einen Abriß seiner bisherigen Forschungstätigkeit. Er tut dies auf sehr ungewöhnliche Weise. Durch Gespräche mit Personen, die ihn nachhaltig beeinflußten, lernt der Leser die Entstehung der faszinierenden Thesen Capras verstehen. Zu diesen Menschen zählen Giganten wie E.F. Schumacher, R.D. Laing, Gregory Bateson, Geoffrey Chew, Krishnamurti und Werner Heisenberg. Dieses Buch hat mir wirklich geholfen, interdisziplinäre Forschung zu verstehen. Von Physik bis Psychologie, von Philosophie bis Ökologie, viele Bereiche wissenschaftlichen Forschens verschmelzen in einem großen „Netz". Besonders die Verknüpfung von fernöstlicher Spiritualität mit wissenschaftlichem Denken hat tiefen Eindruck hinterlassen, auch der Ansatz der humanistischen Psychologie als Alternative zu anderen Schulen der Psychologie eröffnet völlig neue Perspektiven. Ich kann dieses Buch wirklich wärmstens all denen empfehlen, die über die enge Grenze ihres Fachbereichs hinausschauen wollen und sich dabei bei aller gebotenen Ernsthaftigkeit auch der spirituellen Seite des Lebens nicht verschlossen haben. Es kann zum Ausgangspunkt für ein völlig neues Weltverständnis werden. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)


Alexandra David- Neel - Jean ChalonAlexandra David- Neel
Jean Chalon

Broschiert, 1991
     Verkaufsrang: 199611     

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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Eine einfühlsame Biographie einer genialen Frau      5 von 5 Punkten
Jean Chalon stellt Alexandra David - Neel nicht nur als große Forscherin des Buddhismus und unermüdliche Reisende dar, er stellt auch Ihre einmalige Persönlichkeit und ihren unzähmbaren Charakter so dar, wie es dem Menschen Alexandra David - Neel gebührt. Die egozentrische Konsequenz mit der sie Ihre Reisen nach Asien und die Erforschung des Buddhismus verfolgt, der Stolz, welcher auch die schlimmsten Zeiten größter Not ungebrochen überdauert, die hygienischen Manien..kurz auch jene Aspekte werden dargestellt, welche dieses unglaubliche Wesen geballter Willenskraft wieder (etwas) menschlich werden lassen. Ein großartiges Buch über eine noch großartigere Frau, welche in Ihrem Leben Unmögliches möglich machte und Übermenschliches vollbracht hat, ohne jemals sich selbst untreu zu werden.


Die Faszination des Exotischen: Exotismus, Rassismus und Sexismus in der Kunst - Klaus von BeymeDie Faszination des Exotischen: Exotismus, Rassismus und Sexismus in der Kunst
Klaus von Beyme

Gebundene Ausgabe, Oktober 2008
     Verkaufsrang: 200522      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 29,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Zum ersten Mal wird in diesem reich illustrierten und spannend geschriebenen Band der Exotismus nicht nur als Orientalismus behandelt, sondern seine Faszinationskraft für die europäische Imagination in Kunst, Literatur und Publizistik von Ostasien bis zu den Indianerkulturen beschrieben.Exotismus, Rassismus und Sexismus in der europäischen und nordamerikanischen Kunst waren eng miteinander verwoben. Nur selten wurde die Faszination des Exotischen frei von europäischer Überheblichkeit behandelt, wie in der Kunst bei Dürer oder Velázquez. Im Zeitalter der Entdeckungen und mit der Entstehung von Kolonialismus und Imperialismus wurde das Bild außereuropäischer Menschen zunehmend europäischen Interessen und Sehweisen unterworfen. Dabei haben wechselnde Moden der Chinoiserien, der Orientalismus oder Japonismus die europäische Kunst verändert, obwohl sie nur selten von einem tieferen Eindringen in fremde Kulturen getragen werden. Selbst die Avantgarden bedienten sich exotischer Formen, aber sie taten dies, um moderne Konzeptionen vielfach in einer zweidimensionalen Bildgestaltung und kubischen Formensprache zuentwickeln. Der Sexismus war noch nicht überwunden, als der Exotismus abnehmende Bedeutung hatte. Im Zeitalter der Postmoderne kam es zur theoretischen und künstlerischen Überwindung des Exotismus. Postkoloniale Kunst wurde auf zahlreichen Ausstellungen, nicht zuletzt auf den Biennalen in Venedig und den Documentas in Kassel lautstark aber nicht immer konsequent vertreten. Kunst drohte zur politischen Theorie eines immer radikaleren Postkolonialismus degradiert zu werden.



Unsere postmoderne Moderne - Wolfgang WelschUnsere postmoderne Moderne
Wolfgang Welsch

Taschenbuch, 1993
     Verkaufsrang: 266928     

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"Unsere Postmoderne Moderne" ist der Klassiker der Postmoderne-Literatur und erscheint in 6. Auflage. Das Buch von Wolfgang Welsch ist zuerst 1987 aufgelegt worden. Fast ohne Änderungen hat es mehr als eineinhalb Jahrzehnte Teilnehmern von Vorlesungen, Seminaren, Ausstellungen und allgemein an der kulturellen Entwicklung Interessierten als Leitfaden und Überblickswerk gedient und wird von ihnen sicher weiter genutzt.
Der Autor rekonstruiert in dem Buch die Geschichte des Ausdrucks und entwickelt einen Begriff von Postmoderne, der sich bezüglich der Literatur, der Architektur und der anderen Künste ebenso bewährt hat, wie er neuere Entwicklungen der Wissenschaftstheorie reflektiert, soziologische Fragen aufnimmt, Veränderungen in der Lebenswelt diagnostiziert und die philosophischen Dimensionen des Themas durchleuchtet. Der allzuoft diffuse statt präzise Postmoderne-Diskurs, der in Beliebigkeit und Indifferenz abzugleiten drohte, ist durch Wolfgang Welsch präzisiert worden. Er blickt als Philosoph über die Grenzen seiner Disziplin hinaus und gibt ein Gesamtbild unserer Zeit. Er tut das in der Form eines Pluralitätskonzepts, das Unterschiede nicht tilgt, sondern freigibt und verteidigt. Seine Version von Postmoderne ist problembewußt. Am Ende entwickelt er eine Vernunftkonzeption, die - nach Jahren der Vernunftkritik und als Ausweg aus ihr - mit Pluralität im Sinne von Vernünftigkeit und Gerechtigkeit umzugehen erlaubt.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Umfassendste Darstellung der Postmoderne-Problematik      4 von 5 Punkten
Wenn man sich über die Postmoderne informieren möchte und dies auf wissenschaftlichem Niveau, kommt man an Welschs Buch nicht vorbei. Es ist die umfassendste und gründlichste Darstellung der Postmoderne-Problematik. Jedoch verkürzt Welsch diese auf die Explikation und Weiterentwicklung des "präzisen Postmodernismus", der die theoretische Konzeption des postmodernen Denkens verkörpert. Gegen diesen setzt Welsch den "diffusen Postmodernismus" als unreflektierte, unkritische Auffassung der Freiheit des Stils in Kunst, Architektur, Literatu, Medien etc. Dieser diffuse Postmodernismus der Beliebigkeit wird von Welsch nicht weiter dargestellt. Doch ist dies keinesfalls ein Manko des Buches, da diese Form von missverstandener Postmoderne in Feuilletons und in den Medien gepflegt wird und dort am richtigen Ort ist.
Welschs Buch zielt auf eine Revision moderner Traditionen und modernen Denkens ab und formt eine radikalisierte Moderne, also eine auf das kritische und aufklärerische Potenzial beschnittene Moderne, die Welsch "postmoderne Moderne" nennt. Er macht klar, dass es sich bei der Postmoderne keineswegs um eine Epoche handelt, sondern um eine revidierte Form der Vernunft.
Mankos des Buches sind die großzügige Zitierweise, das unkritische Umgehen mit Lyotard und der starke Akzent auf der Architektur. Seitenweise stellt Welsch Theorien, Aufsätze etc. von Wissenschaftlern vor, ohne diese als sinngemäße Zitate inkl. Literaturangabe kenntlich zu machen. Lyotard ist der große Held über weite Teile des Buches, obgleich dessen Postmoderne-Konzepte von Welsch doch bedeutend modifiziert wird. Und die Auseinandersetzung mit der Architektur zerreißt das Buch, und man weiß nicht, ob es bei Welschs Konzept der "postmodernen Moderne" ein ästhetisches Konzept ist oder eine Modellierung einer Denkform.
Dennoch, gemeinsam mit Welschs hervorragender Textsammlung inkl. ausführlicher Bibliographie zur Postmoderne-Diskussion in "Wege aus der Moderne" ist dies ein Standardwerk zur Postmoderne.

Philosophisch-soziologische Einführung über die Postmoderne      4 von 5 Punkten
Der Begriff der 'Postmoderne' hat sich als eine Möglichkeit erwisen, die Entwicklungen und Eigenheiten der heutigen Zeit zu beschreiben und zu erklären. So ziemlich alles ist dabei schon einmal mit dem Konzept 'Postmoderne in Verbindung gebracht worden: die Architektur, die soziologische Gesellschaftstheorie, die Wissenschaftstheorie, die Philosophie etc.. Zusätzlich wird der Begriff mittlerweile auch im nicht-akademischen Alltag, wie z.B. in den Medien gerne verwendet. Trotzdem scheint vielen Menschen nicht klar zu sein, um was es sich bei 'Postmoderne' eigentlich handelt. Das Buch von Wolfgang Welsch gibt hier die Möglichkeit auf einem verständlich Niveau einen Einblick in die Thematik zu gewinnen. Nach einer allgemeinen Definition des Begriffs 'Postmoderne', wird dieser in den verschiedenen gesellschaftlichen und philosophischen Zusammenhängen erläutert. Gerade Sozialwissenschaftlern, die sich für den Ansatz von Ulrich Beck ('Risikogesellschaft') begeistern können, werden hier interessante neue Aspekte eröffnet. Welsch vertritt dabei eine Perspektive, welche die Postmoderne als eine Vortsetzung der Moderne (mit anderen Mitteln) versteht. Dabei wendet er sich gegen eine oft vertretene pessimistische Einschätzung der Entwicklungen, und versucht stattdessen diese eher im Sinne einer Chance zu begreifen. Fazit: das Buch ist meiner Meinung nach wirklich sehr interessant geschrieben und gut verständlich. Gerade für Nicht-Philosophen bietet sich hier die Möglichkeit einen umfassenden Überblick über Fragestellungen der 'Postmoderne' zu erhalten. Auch der Preis für das Buch erscheint mir bei einem gelungenen Layout sehr attraktiv. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)


Augen auf und durch. Die Woodstock Generation: Eine soziopolitische Pop-/Kulturgeschichte des amerikanischen 20. Jahrhunderts und ihre Folgen - Erich GlückAugen auf und durch. Die Woodstock Generation: Eine soziopolitische Pop-/Kulturgeschichte des amerikanischen 20. Jahrhunderts und ihre Folgen
Erich Glück

Taschenbuch, Dezember 2002
     Verkaufsrang: 306008      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 29,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Schwere Kost !      2 von 5 Punkten
alles was die woodstockgeneration auszeichnet wird hier beschrieben:
politische vorbilder (mao & Che)
künstler bzw. bands (von den beatles bis hin zu den stones und alles was drum und außen herum liegt)
die vorgeschichte von ca 1850 - 1965 (1965 das "startjahr der revolten")
die ddr-jugend
die kirche und die woodstockgeneration.

alles sehr fein ausgewählt, nichts kommt zu kurz.

und nun das GROßE MANKO des buchs:

die sprache!!!

erich glück, seinerseits studierter anglistiker/geschichtler schreibt in einer sprache auf so hohem niveau, sodass ich mir beim lesen beinah gedacht habe, schreibt der für alle oder nur für deutschstudenten im 5. semester???! ein fremdwort jagt das nächste, was ja an sich nicht schlecht ist, aber erich glück treibt dies so in den exzess (ob bewusst oder unbewusst sei mal dahingestellt), dass man manchmal nicht mehr weiß wo oben oder unten ist. da macht das lesen echt keinen spaß mehr, da versucht man einen satz ein zweites bzw. drittes mal zu lesen und kommt imernoch nicht ganz dahinter, was damit ausgesagt werden soll. natürlich zieht sich das nicht ganz über das buch, aber oft genug, jede 2te seite ca. . jeder satz ist dann eine wissenschaft für sich. mit jeder seite die man dan weiterliest bekommt man immer mehr unlust, da hilft nicht mal der größte ehrgeiz das buch weiterzulesen.

nur mal ein beispiel:

Darum braucht der auf ego-darwinismus dressierte nischenmensch des neuen aseptischen technokratie-zeitalters seine spaßgesellschaftlichen animateure, seine beruflichen coaches und die couch des alten freud zu neuer seelensuche.

alles klar oder? oO

bilderauswahl, inhaltsaufbau, zitate-auswahl, alles spitze, aber sprache einfach zu schwer und die sätze z.T. zu wirr !!!



Musik Almanach 2007/08: Daten und Fakten zum Musikleben in Deutschland - Musik Almanach 2007/08: Daten und Fakten zum Musikleben in Deutschland

Broschiert, Januar 2007
     Verkaufsrang: 218791      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 49,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Der Musik Almanach ist das große Standard-Nachschlagewerk für das Musikleben in Deutschland. Er enthält detaillierte Informationen zu Tätigkeiten, Arbeitsergebnissen und Leitungsstrukturen von über 10.000 Einrichtungen aus allen Bereichen der Musikkultur. Ergänzt wird der lexikalische Teil durch statistisches Material und Aufsätze namhafter Autoren. Der Musik Almanach enthält Informationen über die Infrastruktur des Musiklebens, Aufsätze namhafter Fachautoren, Statistiken zur Entwicklung des Musiklebens, Institutionen und Einrichtungen mit Ansprechpartnern, Umfangreiches Adressmaterial, Stichwort-, Orts- und Namensregister.



Eine Landkarte der Zeit: Wie Kulturen mit Zeit umgehen - Robert LevineEine Landkarte der Zeit: Wie Kulturen mit Zeit umgehen
Robert Levine

Gebundene Ausgabe, September 2003
     Verkaufsrang: 54898      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen.

Preis: € 12,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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"Eile mit Weile" oder "Zeit ist Geld": Sprache ist immer auch ein Spiegel für das Verhältnis der Menschen zu dieser kostbaren Ware. Haben andere Kulturen in der Welt die gleiche Auffassung von der Zeit wie wir oder gar die Amerikaner, bei denen nicht erst seit James Deans "Live fast, die young" die Uhren schneller ticken? In Eine Landkarte der Zeit stellt der Psychologe Robert Levine die Zeit auf die Probe, indem er ein Team von Wissenschaftlern hinaus in die Welt schickt, um alles zu messen, von der durchschnittlichen Gehgeschwindigkeit bis hin zu der Zeit, die man braucht, um auf dem Postamt eine Briefmarke zu kaufen. Levine verteilt seine Erkenntnisse auf reizende Berichte über seine eigenen Begegnungen mit den unterschiedlichen Auffassungen von der Zeit in den verschiedenen Kulturen. Von der Geschichte der Uhr bis hin zu der Art und Weise, wie die Menschen heute die Zeit ablesen: Eine Landkarte der Zeit ist vollgepackt mit zeitgemäßen Informationen.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)

Nachdenken über die eigene Zeit und ihre Kultur      5 von 5 Punkten
Bei der Vorarbeit zu einem Referates im Soziologiestudium stolperte ich über dieses feine Buch mit fast schon "lebensveränderndem" Potential. Robert Levine ist es in meinen Augen gelungen, eine schöne und geschlossene Einführung in das Thema Zeit unter kulturwissenschaftlichen Aspekten zu geben, ergänzt durch seine eigene Forschungsrabeit mit interessanten Experimenten und Theorien. Es werden sehr viele Quellen und weiterführende Literatur genannt - als Ausgangsbasis für weitere Studien ein echter Volltreffer!

Der Erfahrung nach würden einige deutsche Hardliner-Wissenschaftler das Buch wohl in den popularwissenschaftlichen Bereich einordnen. Und das vermutlich auch nur, weil Levine hier und da einfach schöne kleine Anekdoten in die Themen einbaut, Geschichten von seinen Forschungsreisen und ab und an sogar einen offener Witz. (Humor bei Geisteswissenschaften, wer macht denn sowas...) Ich persönlich habe nie verstanden, warum wissenschaftliche Lektüre immer broternst sein muss - und Levine scheinbar auch nicht. Handwerklich ist nichts an Levines soziologischer Arbeit auszusetzen, auch wenn er oft in anderen Wissenschaften wildert (er selbst ist eigentlich Sozialpsychologe).

Vom Schreibstil (und auch der Übersetzung) her ist das Buch sehr gut - keine langen Schachtelsätze, kein zwanghafter Fremdwort-Gebrauch und viele schöne kleine Absätze und Unterkapitel, so dass man nie vor einigen riesigen Textblock sitzt. Hier könnten sich viele deutschen Forscher noch einiges abschauen.

"Eine Landkarte der Zeit" hat mich dazu angeregt, ernsthaft über viele Alltagssituationen in meinem Leben nachzudenken und mir persönlich ganz neue Blickwinkel ermöglicht. Fazit: Wer pure, tiefgreifende und basisorientierte wissenschaftliche Studien sucht, wird mit diesem Buch nicht glücklich werden. Wer jedoch einen Ausblick auf sich, sein Leben und seine eigene Einstellung zu Zeit und Kultur sucht, Spaß beim Lesen haben will UND dabei noch eine sehr gute Einführung über die wissenschaftliche Seite des Themas mitnehmen möchte, sollte SOFORT zuschlagen.


 Weitere Lesermeinungen


Lexikon der Aufklärung: Deutschland und Europa - Lexikon der Aufklärung: Deutschland und Europa

Taschenbuch, Oktober 2001
     Verkaufsrang: 177913      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen.

Preis: € 17,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Wer das Lexikon der Aufklärung aus der Beckschen Reihe aufschlägt, wird auf die gewohnte Fülle von Kurzartikeln verzichten müssen. Dieses Nachschlagewerk versucht in erster Linie die geschichtliche Epoche der Aufklärung zu beleuchten und bietet deswegen eine gut sortierte Auswahl an Sachartikeln, die den Zusammenhängen dieser Epoche den Vorzug vor den Querverweisen einräumt.

Neben Artikeln über "Merkantilismus", "Säkularisierung" und "Tugend" tauchen auch Eintragungen zu "Mode", "Reisen" und "Zeremoniell" auf. Das Dispositiv der Epoche wird somit nicht allein an den klassischen Begriffen ausgerichtet, sondern zeigt den Ablösungsprozess der feudalen Gesellschaft durch die Ideologie des aufstrebenden Bürgertums auch an Begriffen, die die soziokulturelle Umwandlung beschreiben.

Das Feld der Wissenschaft und die geistig metaphysische Selbstdeutung des sich entwickelnden modernen Menschen sind die beiden anderen Achsen an denen sich die Ursachen für die Umbrüche im 18. Jahrhundert abzeichnen. Ideen- und Sozialgeschichte werden in diesem Buch nicht gegeneinander ausgespielt. Wie sehr die konkrete Verankerung moralischer Ideen im Zeitalter der Aufklärung verankert waren, kann beispielsweise unter den Stichworten "Hexenverbrennung" nachgelesen werden.

Friedrich Nietzsche bemängelte im Jahre 1881 die "Feindschaft der Deutschen gegen die Aufklärung". Die Ausrichtung des Lexikons der Aufklärung kommt diesem Versäumnis mit der Konzentration auf die deutsche Aufklärung in gewisser Weise nach. So befasst sich der überwiegende Teil der Artikel, die sich mit dem Feld der Wissenschaft beschäftigen, vor allem mit deutscher Universitätsgeschichte. Deshalb ist das Lexikon aber noch lange kein Nischenwerk im Sinne eines nationalen Sonderwegs. Die französische und englische (Sozial- und Philosophie-)Geschichte bleibt die Grundlage. Bei etymologischen Begriffsklärungen wird deswegen um so klarer differenziert.

Wie jedes Taschenlexikon muss auch dieser Band Verzicht üben. Rezeption, umfangreiche Literaturverweise oder literarische Aspekte der Aufklärungsepoche wurden weitgehend ausgespart. Auch wer in der gegenwärtigen Debatte über Fundamentalismus und Aufklärung nach Rat sucht, wird anderswo schneller fündig. (z.B. im Lexikon des Islam aus der Digitalen Bibliothek von Directmedia). Wer sich hingegen einen raschen Einstieg und ein fundiertes Bild über das Zeitalter der Aufklärung verschaffen will, ist mit diesem Lexikon bestens beraten. --Marcus Welsch



Die Geschichte des Kindes in der Neuzeit - Hugh CunninghamDie Geschichte des Kindes in der Neuzeit
Hugh Cunningham

Gebundene Ausgabe, Oktober 2006
     Verkaufsrang: 23619      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen.

Preis: € 29,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Cunningham umspannt in dieser Geschichte der Kindheit ein halbes Jahrtausend vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Er zeigt, wie sich die Lebensverhältnisse der Kinder innerhalb der Familie und des Schul- und Erziehungssystems bis heute verändert haben und präsentiert seine umfassende Kindheitsgeschichte vor dem Hintergrund der großen historischen Umbrüche. Alle wichtigen Themen kommen zur Sprache: Kinderspiele und Kinderspielzeug ebenso wie Kindesmisshandlung und Kinderarbeit. Die ungeheuren Unterschiede zwischen Reich und Arm werden ebenso thematisiert wie die kritische Frage, ob wir wirklich in einem »Jahrhundert des Kindes« leben.
Mit zahlreichen Bilddokumenten.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Notwendige Korrekturarbeit      4 von 5 Punkten


Solange nichts auf der Fahrbahn steht und der Kurs stimmt, gibt es keinen Grund, das Steuer herumzureissen. Dass dies auch in Wissenslandschaften so ist, wurde mir wieder einmal mit diesem Buch bewusst. Wurde beim gehobenen Smalltalk das Feld Kindheit früher und heute gepflügt, plapperte ich geflissentlich nach, was ich vor über dreissig Jahren bei Philippe Ariès gelesen hatte. Und da die Zuhörer Ariès nicht kannten, vergassen oder sich ganz einfach nicht auf intellektuelle Scheingefechte einlassen wollten, blieb jeder Widerspruch aus. Doch wie der englische Historiker Hugh Cunningham im Vorwort betont, hat mit Arès die Erforschung der Kindheit erst richtig begonnen. Und was die folgende Bücherflut wegschwemmte oder an die Oberfläche treiben liess, ist der Gegenstand von Cunninghams Buch. Die Neuzeit beginnt für Historiker übrigens um 1500, was mich bis heute verwirrt. Wie Kinder in der Antike aufwuchsen und was Erwachsene damals als Kindheitsperiode betrachteten, wird im ersten Kapitel dennoch zusammengefasst.

Historiker, die ein Buch verfassen, stehen immer vor dem schwierigen Entscheid, ob sie ihre Kollegen oder die akademische Aussenwelt begeistern wollen. Unglücklicherweise entscheiden sich die meisten für beide Zielgruppen. So auch Cunningham. Das hat die unvermeidbare Folge, dass Verweise, Quellenangaben, Zitate und Details den Lesefluss hemmen. Und wer schon einmal mit der Aufgabe bestraft wurde, periodische erscheinende Statistiken zu kommentieren, kennt die sprachliche Sysiphusarbeit, ähnliche Textbausteine einigermassen leserfreundlich miteinander zu verbinden. Kurz: Nach dem fulminanten Beginn wird die Lektüre immer zähflüssiger. Hugh Cunningham gehört leider nicht zu wenigen Ausnahmen, die Sprachkünstler und Wissenschaftler zugleich sind. Allerdings wäre es auch am Lektor gelegen, den englischen Historiker zur Anwendung bewährter formaler Tricks zu motivieren. Allein kurze Zusammenfassungen am Ende eines Kapitels würden die Lesefreundlichkeit stark erhöhen.

Inhaltlich liefert dieses Buch so viel, dass ich seine formalen Mängel nur mit dem Abzug eines einzigen Sterns sanktioniere. Hugh Cunningham zeigt, wo die aktuelle Erforschung der Kindheit steht, was vom bisherigen Wissen übernommen und was revidiert werden sollte, welche Mythen sich noch immer hartnäckig halten und welche Einflüsse unser Verhältnis zu Kindern prägen. Mit Genugtuung nahm ich zur Kenntnis, dass auch Cunningham die Meinung teilt, der Mensch verändere sich weniger, als uns immer wieder eingehämmert wird. Auch in der Antike und im Mittelalter weinten die Mütter um ihre gestorbenen und geschundenen Kinder. Auch in früheren Jahrhunderten wurden Kinder nicht über Nacht erwachsen. Auch früher wollten Kinder lieber spielen als arbeiten und zur Schule gehen. Doch unvorstellbare ökonomische Zwänge, katastrophale hygienische Verhältnisse, völlig andere demographische Entwicklungen und religiöse Machtstrukturen führten zu Wahrnehmungen und Verhaltensmuster, die uns heute völlig fremd oder absurd vorkommen. Nichts da, mit der guten alten Zeit. Trotz aller persönlichen Schwierigkeiten war ich immer froh, dass meine behinderte Tochter im 20. Jahrhundert zur Welt kam. Würden nostalgische Kulturpessimisten, die gerne im Sozialkitsch schwelgen, Hugh Cunninghams Buch aufmerksam lesen, würden die Fundamente ihrer akademischen Luftschlösser schnell brüchig. Die besonders hartnäckigen Realitätsverweigerer könnten allerdings eine Schwäche des Buches nutzen und darauf verweisen, das Quellenmaterial würde die Verhältnisse im deutschsprachigen Raum zu wenig berücksichtigen. Das trifft zwar zu, ändert aber an den grundsätzlichen Erkenntnissen und Einschätzungen des Autors wenig.

Mein Fazit: Hugh Cunningham gibt in seinem Buch den aktuellen Stand der Forschung wieder und weist uns so auf Irrtümer hin, die sich seit dem Erscheinen von Philippe Ariès Geschichte der Kindheit hartnäckig halten können. Da der Autor kein populärwissenschaftliches Werk verfassen wollte, muss man sich als Leser mit einer Sprache anfreunden, die trockener als der Inhalt ist. Vom Zwang befreit, jedes Wort und jeden Satz lesen zu müssen, macht die Lektüre dank der spannenden Erkenntnisse wieder Spass.


Die Sehmaschine - Paul VirilioDie Sehmaschine
Paul Virilio

Taschenbuch, Januar 1989
     Verkaufsrang: 291660      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 10,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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"Der Krieg der Objekte und Dinge wird durch den der Bilder, Signale und Töne ersetzt, bei denen nicht mehr ausgemacht werden kann, ob sie ‚echt‚ oder simuliert sind... ‚Es ist, als ob unsere Gesellschaft sich in die Nacht einer freiwilligen Erblindung stürzen würde und ihr Wille zur numerischen Macht schließlich den Horizont des Sehens und Wissens verdunkeln würde.‚" (Florian Rötzer, Frankfurter Rundschau)



Die 101 wichtigsten Erfindungen der Weltgeschichte - Hans-Joachim BraunDie 101 wichtigsten Erfindungen der Weltgeschichte
Hans-Joachim Braun

Broschiert, August 2007
     Verkaufsrang: 314361      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Dieser reich bebilderte Band informiert in 101 Kapiteln über die bedeutendsten Erfindungen der Weltgeschichte - vom Faustkeil zum Strahltriebwerk, vom Ackerbau zum Penicillin, vom Buchdruck zum Computer und von der Glühbirne bis zur Elektronenröhre. Es ist ein nützliches und unterhaltsames Kompendium, das zum Nachschlagen, Nachdenken und Schmökern einlädt.



Kunstmaschinen. Spielräume des Sehens zwischen Wissenschaft und Ästhetik - Andreas MayerKunstmaschinen. Spielräume des Sehens zwischen Wissenschaft und Ästhetik
Andreas Mayer, Alexandre Metraux

Broschiert, September 2005
     Verkaufsrang: 146203      Gewöhnlich versandfertig in 5 bis 6 Tagen.

Preis: € 16,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Im Streben nach Innovation knüpften die Bildenden Künste im 19. Jahrhundert zunehmend an die Wissenschaften an. Transfergeschäfte aller Art wurden getätigt. Gleichgültig, ob man den Akademismus, den Impressionismus oder, etwas später, den Futurismus betrachtet: Die Wissenschaften, insbesondere die Physiologie und ihre Maschinen, schufen neue Spielräume des Sehens, denen sich überraschende Hervorbringungen verdanken.



Die Kunst des Begehrens: Über Dekadenz, Sinnlichkeit und Askese - Niklaus LargierDie Kunst des Begehrens: Über Dekadenz, Sinnlichkeit und Askese
Niklaus Largier

Gebundene Ausgabe, Februar 2007
     Verkaufsrang: 189413      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen.

Preis: € 19,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Verführung, Begehren, und sinnliche Intensität sind nie unmittelbar zu haben, sondern artifiziell, raffiniert, und kunstvoll inszeniert. In vierzehn Kapiteln entfaltet Niklaus Largier diese These und illustriert sie mit Beispielen aus Kulturgeschichte, Literatur, Kunst und Film. Der Bogen, den er spannt, reicht von der Evokation verführerischer Bilder in mittelalterlichen Heiligenviten bis zu den Filmen von Luis Buñuel und der Literatur von Charles Baudelaire, Joris-Karl Huysmans und Georges Bataille, von den geistlichen Übungen des Ignatius von Loyola bis zu den pornographischen Phantasien des Marquis de Sade, vom Kunstgenuß frühneuzeitlicher Stilleben bis zum Kult sinnlicher Erfahrung in der postmodernen Küche. Das Thema dieses Buches ist der Kult exquisiten, dekadenten Genusses: die exzentrische Lust an ausgewählten Delikatessen, die Hingabe an den intensiven Reiz artifizieller Paradiese, die Vorliebe für sinnliche Vergnügen. Der legendäre Genuß einer Flasche Chateau d'Yquem mit Roquefort. Die vom Stabat Mater evozierte Stimmung exquisiter Wehmut. Eine laszive Berührung. Und vor allem die lange Geschichte der Lust in der Askese, die im Urteil der aufgeklärten Moderne als "überreizt" bezeichnet wurde. Die dekadenten Literaten des späten 19. Jahrhunderts, die sich ein imaginäres Rom des morbiden Zerfalls zum Vorbild nahmen und mit Begeisterung mittelalterliche Heiligenviten lasen, waren sich denn auch einig darin, daß die delikatesten Genüsse nur dort zu finden sind, wo sie - wie in der Askese - mit der Auflehnung gegen die Natur einhergehen. Nur in der Apotheose des Begehrens finden sich der Asket und der Genießer in die Lage versetzt, im künstlichen Paradies das maßvolle Vergnügen des bürgerlichen Gefühlshaushalts und die melancholische Langeweile des modernen Lebens zu überwinden.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Die Kunst des Begehrens: Über Dekadenz, Sinnlichkeit und Askese      3 von 5 Punkten
Dieses Buch war nicht das was ich mir erhofft hatte. Es gibt zu diesem bessere wissenschaftlich verfasste Bücher.

Die Geburt der Sinnlichkeit aus dem Geist der Askese      5 von 5 Punkten
Dekadenz und Askese figurieren üblicherweise als Gegensätze. Genauer: Eigentlich als diametral Entgegengesetztes. Askese meint den Verzicht auf alles Unnötige, auf alles, was von der wahren Bestimmung ablenkt. Kontemplation, Einkehr, Meditation lauten die Begriffe, die Wegweiser von Bewusstwerdung sind.

Der Begriff der Dekadenz hat im Gegensatz zu dem der Askese eine Problematik per definitionem in sich: Er ist negativ konnotiert. Dekadenz meint die sinnlose, ja gar nihilistische Verschwendung. Genuss ohne Reflektion.

Der US-amerikanische Germanist Niklaus Largier zeigt nun in einer furiosen Untersuchung, dass Dekadenz und Askese nicht nur keine Gegensätze sind. Seine These: Das was üblicherweise als dekadent bezeichnet wird, ist nichts anderes als eine Art der Askese. Gegenstand des essayistischen Buches ist der Kult des exquisiten Genusses, der in der Regel als dekadent bezeichnet wird. Der auch in der Schweiz ausgebildete Hochschullehrer nennt es eine »Geschichte der Geburt der Sinnlichkeit aus dem Geist der Askese«. Und in der Tat: Largier verdeutlicht in seiner atemberaubenden Studie, warum Dekadenz und Askese Kinder derselben Eltern sind.

In beiden Fällen geht es darum, das normale, das von der Umwelt geführte Leben zu ignorieren, um andere Erfahrungen für sich selbst zu ermöglichen. Anhand vieler Beispiele aus Joris-Karl Huysmans Bibel der Dekadenz (Paul Valéry) À rebours (Gegen den Strich) versinnbildlicht Largier die Substanz dekadenter Verhaltensweisen. Diese werden häufig von der Gesellschaft als dekadent bezeichnet, weil sie diese ablehnen muss. Würde doch der Utilitarismus der bürgerlichen Welt in sich zusammenbrechen, bestünden viele Menschen auf ein derart ausgerichtetes, manche nennen es ein selbstbestimmtes, Leben.

Der in Berkeley lehrende Autor arbeitet durch seine tiefgreifende Quellenanalyse heraus, dass die dekadenten Szenarien von Huysmans Protagonisten Jean Floressas Duc Des Esseintes eben in Wahrheit nichts anderes sind als der Rückzug des Mönchs in die Zelle. Auch wenn es von außen betrachtet ganz anders aussieht. Der junge Adlige in Huysmans Roman zieht aus dem pulsierenden Paris der Mitte des 19. Jahrhunderts in ein von ihm bis ins kleinste Detail durchgestyltes Refugium. Seine Diener müssen Filzpantoffeln tragen, um ihn nicht zu stören. Er schafft sich ein künstliches Paradies, in dem es für ihn unnötig werden soll, das Haus zu verlassen, um die Welt kennenzulernen. Er besitzt eine bilbliophile Bibliothek, in der er Tage und Nächte lesend und träumend verbringt. Er braut sich eigene Gerüche, schafft künstliche Pflanzen und experimentiert mit allerlei verschiedenen Drogen.

Von mediokren Geistern ist das Buch heftig kritisiert worden ob seiner Lebensverneinung. Largier stellt auf substantielle Weise klar: Das Gegenteil ist der fall. Huysmans kannte die mittelalterliche Literatur, in der die Innen-Außen-Unterscheidung thematisiert worden ist. Und der ironische französische Schriftsteller mit dem holländischen Namen macht aus seinen Anregern keinen Hehl, stellt er sie doch alle in die Bibliothek seines degenerierten Dandyhelden. Des Esseintes ging es eben nicht um ein Zurschaustellen von Besitz und Reichtum. Er umgibt sich mit dem Schönsten und Erlesensten, weil nur so ihm das Leben erträglich wird. Nur mit dem Mantel dieser Dinge ist es ihm möglich, seine Seele die Erfahrungen machen zu lassen, die in diesem Leben anstehen. »Der Rückzug des Mönchs in die Zelle, der Umzug des Gelehrten ins studiolo, die Isolation des dekadenten Genießers in der luxuriösen Villa all dies produziert das Dämonische und die Ästhetisierung, indem es die Natur herausfordert und die Einheitlichkeit ihrer Artikulation in Frage stellt. «

Die Neue Züricher Zeitung hat in einer wunderbaren Annonce des Buches - ironisch - dessen Verbot gefordert: »Denn«, schreibt die NZZ, »laut ihren Promotoren zielt die Bologna-Reform auf die Verwirklichung eines wettbewerbsfähigen und dynamischen Hochschul- und Forschungsraums in Europa. Da das anzuzeigende Werk aber zum Denken und Nachdenken anregt, sollte es von allen, deren intellektuelles Lebensziel Dynamik und Wettbewerb ist, mit Nichtbeachtung gestraft werden.«



Die Entdeckung der Zukunft - Lucian HölscherDie Entdeckung der Zukunft
Lucian Hölscher

Broschiert, Oktober 1999
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Zunächst verwirrt bereits der Titel. Wie kann etwas entdeckt werden, das zwar fest in unserem gedanklichen Gebäude verwurzelt ist, aber doch in einer (geringeren oder größeren zukünftigen) zeitlichen Entfernung liegt?

Tatsächlich ist der Begriff der Zukunft, wie Hölscher aufzeigt, zumindest im germanischen Sprachraum überhaupt erst seit dem späten Mittelalter bekannt. Einen wirklichen Bruch mit der bisherigen Weltsicht ergaben erst die Forschungen im Bereich der Geschichtsphilosophie um die Mitte des 18. Jahrhunderts mit ihrem Axiom der Einmaligkeit jeglichen geschichtlichen Ereignisses. Die Zeit zwischen 1830 und 1890 wird als diejenige der Demokratisierung von Staat und Gesellschaft, welche Politik als bürgerliches Interesse gegenüber dem Staat artikuliert, gekennzeichnet; als herausragende Kulturereignisse der Phase zwischen 1890 und 1950 stellt Hölscher Städtebau, Pädagogik, Sozialmoral und das veränderte Frauenbild (mit neuen Rollenbildern) dar. Der Zukunftsbegriff hat sodann unter den Nationalsozialisten keine prognostische sondern allenfalls eine propagandistische Bedeutung. Die Zeit seit 1950 stellt Hölscher als die Rückkehr zu einer kurzfristigeren Prognostik von mehreren hundert auf nurmehr 10 bis 30 Jahre mit einem pessimistischen Grundklang dar.

Grundsätzlich fällt auf, dass der Autor seine unterschiedlichen Ausführungen durch reichhaltige und durchweg pointierte Beispiele aufzeigt. Dies führt auch den nicht Vorgebildeten zu einer tieferen Einsicht in die an und für sich schon komplexe Materie. Nicht verschwiegen werden soll -- trotz des insgesamt sehr ansprechenden Eindrucks, den das gesamte Büchlein (auch wegen seiner klaren, eingängigen und präzisen Diktion) macht, dass das Thema dem Autor mit Fortschreiten der Epochen etwas zu verschwimmen scheint. So gewinnt man zwischenzeitlich ein wenig das Gefühl, dass man eine kurze mitteleuropäische Kultur- und Staatsgeschichte liest. Doch dies mindert den ansonsten hervorragenden Eindruck des Werkes kaum. Für historisch Interessierte: unbedingt empfehlenswert! --Alexander Drewes



1000 Nadelstiche: Biographien, Discographien, Cover und Fotos. Amerikaner und Briten singen deutsch 1955-1975 - Bernd Matheja1000 Nadelstiche: Biographien, Discographien, Cover und Fotos. Amerikaner und Briten singen deutsch 1955-1975
Bernd Matheja

Unbekannter Einband, April 2007
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Amerikanische und britische Interpreten singen in deutscher Sprache - ein faszinierender wie amüsanter Randbereich der Popmusik, hier zum ersten Mal überhaupt in Buchform aufgearbeitet. Hits und Flops; Mega-Stars und Nobodys; Tester; Komponisten und Produzenten - nichts bleibt außen vor. Seltenste Cover; unveröffentlichte Fotos und Dokumente aus der Zeit von 1955 - 1975 ergänzen den hochinformativen Textteil, der wegen seiner Materialfülle auch als reines Nachschlagewerk unverzichtbar ist.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Nick-Nack-Hully-Gully      5 von 5 Punkten
Ein tolles, sehr liebevoll gemachtes Buch über das Exotenthema "englische Schlager, deutsch gesungen". Das Buch dürfte eigentlich jeden interessieren der Interesse an Skurrilem hat, für Plattensammler ist es eine Goldgrube, und ganz allgemein behandelt es ein faszinierendes Stück Kulturgeschichte. In den 1950ern und 1960ern war es nämlich usus, dass erfolgreiche englische Hits von den Original-Interpreten (noch nicht mal Elvis Presley war sich dafür zu schade) auch auf deutsch eingesungen wurden. Das klang so vertraut (keine Negermusik!) und gleichzeitig so herrlich exotisch und nach weiter Welt. Es ist ja auch eine schöne Vorstellung dass im Ausland nicht dieses garstige Ausländisch sondern, sehr sympathisch, einfach nur Deutsch mit fiesem Akzent gesprochen wird ("Snicksnack Snuckelchen"). Oder? Manche von den Künstlern waren dabei so erfolgreich dass sie in ihrer Heimat die Brocken hinschmissen und gleich nach Germany umzogen (Gus Backus, Peggy March).

Bernd Matheja hat da einen vergessenen Kulturkosmos entdeckt, beschrieben, und reich bebildert (schon für Grafiker ist das Buch eine Fundgrube). Gleichzeitig ist das Buch eine seriöse Quelle, und oft die einzige, für zu Unrecht vergessene Exoten wie Billy Sanders ("He,-du-da! Bist du Frau Luna?").


Topologie der Kunst - Boris GroysTopologie der Kunst
Boris Groys

Taschenbuch, August 2003
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Digitale Prints und Videos, DVDs und Websites: Wer heute ein Museum für zeitgenössische Kunst besucht, findet sich umgeben von kopierten Bildern. Die technische Reproduzierbarkeit hat eine Verfügbarkeit und Perfektion erreicht, die zu einer neuen Bestimmung des Verhältnisses zwischen dem Raum des Museums und seiner profanen Umgebung zwingt. Daher schlägt Boris Groys eine Topologie der Kunst vor: eine Theorie, nach der das räumliche Verhältnis zwischen Kunstwerk...



Was wir sehen blickt uns an: Zur Metapsychologie des Bildes - Georges Didi-HubermanWas wir sehen blickt uns an: Zur Metapsychologie des Bildes
Georges Didi-Huberman

Taschenbuch, Dezember 1999
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In dieser Fabel begegnen wir zwei emblematischen Figuren, die sich in einem ständigen Dilemma gegenüberstehen. Auf der einen Seite dem Menschen des gläubigen Sehens, dem, der sich das Wort des Evangelisten vor dem leeren Grab Christi zu eigen macht: "Er sah und glaubte". Auf der anderen Seite dem Menschen des tautologischen Sehens, der bestrebt ist, seinem Blick eine unangreifbare, scheinbar bruchlose und fast schon zynische Gewißheit zu geben: "Man sieht, was man sieht",...



Aura und Reflexion: Schriften zur Kunsttheorie und Ästhetik - Walter BenjaminAura und Reflexion: Schriften zur Kunsttheorie und Ästhetik
Walter Benjamin

Broschiert, September 2007

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Ursachen der Bilder: Über das historische Erklären von Kunst - Michael BaxandallUrsachen der Bilder: Über das historische Erklären von Kunst
Michael Baxandall

Gebundene Ausgabe, Dezember 1990

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Archetypen. Kultur- und Naturwissenschaften bestätigen C. G. Jung - Willi ObristArchetypen. Kultur- und Naturwissenschaften bestätigen C. G. Jung
Willi Obrist

Broschiert, 1990

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