|
| Kultur, Bildung | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Klima und Kulturen: Die Geschichte von Paradies und Sintflut Norbert Buchner, Elmar Buchner Broschiert, 19. Oktober 2005 Verkaufsrang: 308781 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Liegt das Paradies auf dem Grund des Persischen Golfes? (...) Der populärwissenschaftliche Lösungsvorschlag des Rätsels liegt seit Neuestem als 262-seitiges Buch vor (..) das sich in recht anschaulicher Weise auf die Suche nach dem nachweislich wahren Kern der Mythen über die Sintflut und das verlorene Paradies macht. (...) Entstanden ist ein Werk, das die Mythen über die Sintflut durchaus nachvollziehbar mit geografischen und klimatologischen Erkenntnissen in Übereinstimmung bringt. Die Sintflut beschreibt demnach die Folgen jener klimatischen Veränderungen, die in der Zeit zwischen 18 000 und 9000 Jahre vor Christi Geburt dafür gesorgt haben, dass die zunächst fruchtbaren Ebenen auf dem Grund des heutigen Persischen Golfes nach und nach überflutet wurden. In jenem Zeitraum ist (...) der Meeresspiegel um 130 Meter angestiegen (...) Ganze Siedlungen im Gebiet der Wiege unserer Kultur, dort, wo die Autoren auch jenes Fleckchen Erde vermuten, das dann als Garten Eden in die Mythen einging, liegen unter Wasser begraben. (...)
" (Stuttgarter Zeitung vom 3.11.2005)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Ein lesenswerter Beitrag zur aktuellen Klimadiskussion 5 von 5 Punkten Was wird uns doch nicht alles an Un- und Halbwahrheiten zum Thema Klima täglich aufgetischt! Vor lauter Angst dämmen wir unsere Häuser mit nach klimatischen Gesichtspunkten fraglichen Produkten (obwohl es doch wärmer wird). Obwohl wir uns vor der Sonne fürchten sollen, werden die Fensterflächen immer größer. Bei der überhitzten Diskussion scheint selbst Fachleuten das Basiswissen abhanden gekommen zu sein. Die Autoren liefern ein für Laien verständliches Buch, dass den für die Menschwerdung relevanten Zeitraum klimahistorisch beleuchtet. Dabei wird deutlich, dass das wechselnde Klima den Menschen entscheidend beeinflusst hat. Vor Warmzeiten müssen wir uns nicht fürchten, im Gegenteil sie lieferten die Schubkraft für die menschliche Entwicklung - bis in die Gegenwart. Es gelang den Autoren, in unterhaltsamer Weise eine Fülle neuer Daten mit alten Überlieferungen abzugleichen und dabei erstaunliche Erkenntnissse zu gewinnen.
Kultur und Wissenschaft-spannend nähergebracht! 5 von 5 Punkten Klima&Kulturen- Die Geschichte von Paradies und Sintflut war für mich eine sehr interessante Lektüre. Die vielen unterschiedlichen Aspekte aus den Fachrichtungen Archäologie, Geologie, Klimaforschung und Humangenetik lieferten mir ein umfassendes Bild der Entwicklung der Menschheit während der letzten 20.000 Jahre. Besonders gefallen hat mir die überzeugende Darstellung, dass Mythologien, die in Bibel und Gilgamesch-Epos Eingang gefunden haben -wissenschaftlich interpretiert- regelrecht als Geschichtsbuch gelesen werden können. Die Schlussfolgerung, das Gebiet des heutigen Persischen Golfs als Ort von Paradies und Sintflut anzusehen, welches in den letztn 18.000 Jahren in mehreren Phasen bis zum heutigen Stand überflutet wurde, war für mich ebenso überraschend wie nachvollziehbar. Ein an sich komplexes Thema wird in diesem Buch leicht verständlich und angenehm lesbar dargestellt und ist daher für alle kulturell Interessierten auch als Urlaubslektüre geeignet. |
Bilder: In Psychotherapie, Kunst und Religion. Ein Schlüssel zur Interpretation Ingrid Riedel Gebundene Ausgabe, März 2005 Verkaufsrang: 259573 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Autorin macht den Leser mit den inneren Gesetzen der Bildkomposition vertraut. Es geht dabei um die Raumsymbolik in der Bildfläche, um Linien, Bewegung, Farben und Licht. Was auf den ersten Blick abstrakt erscheint, gewinnt Leben durch die sensible Deutung und die zahlreichen Beispiele aus alter und moderner Kunst, sowie viele Zeichnungen aus dem Unbewussten. Dieser reich bebilderte Band ist eine Schule des Sehens und Verstehens.
|
Wissens- und Kulturtransfer im kolonialen Kontext: Das Beispiel Kamerun - Deutschland (1884 - 1919) Albert Gouaffo Broschiert, 12. November 2007 Verkaufsrang: 167502 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In der deutschen Historiografie wird die deutsch-afrikanische koloniale Vergangenheit als wirtschaftliches Desaster oder als Ballast bezeichnet. Von afrikanischer Seite wird sie als traumatisches Kapitel der eigenen Geschichte angesehen, das nur mit Eroberung und Folterung assoziiert wird. Die beiden Lektüren desselben Phänomens stören erheblich eine gegenseitige Erhellung dieses interkulturellen Gedächtnisses. Ohne die ökonomischen und politisch-ideologischen Aspekte dieser historischen Begegnung zu verklären, versucht das vorliegende Buch, die interkulturelle Dimension der deutschafrikanischen Beziehungen ins rechte Licht zu rücken. Die These ist, dass Deutschland und seine ehemalige Kolonie Kamerun durch ihren Kontakt in vielfältigen gegenseitigen Austauschbeziehungen standen. Die Arbeit zeigt auch, dass auch intensiver Kulturtransfer, wie er im kolonialen Kontext vorlag, nicht unbedingt zur gegenseitigen Verständigung führt. Das Deutsche Reich importierte für die eigene Entfaltung kulturelles Wissen aus Kamerun, aber dieses Wissen war so pragmatisch orientiert, dass im deutschen Publikum nur ein verzerrtes Bild von der eigenen Kolonie entstand.
|
Eine Ästhetik der Natur Martin Seel Taschenbuch, 25. September 2009 Verkaufsrang: 334826 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Martin Seels Abhandlung ist eine ausführliche Erkundung der Möglichkeit ästhetischer Naturwahrnehmung heute; ihr Anliegen ist das einer profanen Apologie des Naturschönen. Dieser Versuch, so wird rasch deutlich, darf sich nicht auf das Thema der Natur beschränken. Eine Ästhetik der Natur, die bloß von der Natur und nicht auch von der Kunst und anderen Bereichen des Ästhetischen handelt, hätte ihren Gegenstand verfehlt. Die ausgeführte Ästhetik der Natur erweist sich als Teil einer allgemeinen Ethik des guten Lebens. In dieser inhaltlichen Verschachtelung liegt die übergreifende These des Buchs. Das Naturschöne, so kann Seel zeigen, ist nur verstanden, wenn in ihm eine exemplarische Lebensmöglichkeit des Menschen anschaulich wird.
|
Gott trifft Hüttler in Vaduz: Eine kleine Kulturgeschichte Eckhard Henscheid Gebundene Ausgabe, 3. September 2008 Verkaufsrang: 52604 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Eckhard Henscheid ist einer der wenigen großen und originellen Erzähler seiner Generation, aber auch ein begnadeter Polemiker, der zu so funkelnden, krachkomischen Hasstiraden fähig ist wie nur wenige andere." Uwe Wittstock, Literarische Welt Goethe, Hegel, Papst Alexander VI., Kant, der heilige Franz von Assisi, Lili Marleen, Nero, Edmund Stoiber, Lenau, Beckenbauer, Hüttler, Eva Braun, Elsa von Brabant und nicht zuletzt Gott selbst bilden das zentralgestirnlich figurierende Personal von Eckhard Henscheids kleiner Kulturgeschichte, die uns eben diese erschöpfend, ja richtiggehend neu erklärt. Behandelt wird, im Grund- wie im Aufriss, die Problematik des New Yorker WTC-Anschlags wie die Thematik der deutschen Wiedervereinigung im Verbund mit der gleichzeitigen Reichspogromnacht; gestreift die immerhin ziemlich parallele Frage nach der auch fortan geltenden Theodizee; und gründlich durchgenommen bereits im Eingangsessay das Geheimnis, was es mit dem Jahr 1492 auf sich hat. Wer wissen will, wie ein subatomares Meson-Neutrino-Teilchen oder ein Windows-System für Visual Control Objects funktioniert, wie ein Holidaycheckup-Sieselschlump geht oder gar, was die Neue Mitte ist, der wird in diesem Buch garantiert nicht fündig. Alle anderen Menschheitsfragen aber finden sich an seinem Ende gelöst. Mit Ausnahme der Logik der Primzahlen. Und des Mysteriums der Trinität natürlich. Die bleibt weiterhin mysteriös. Aber der Autor will, im Hinblick auf einen möglichen Folgeband, dranbleiben. Wir heißen euch schon mal hoffen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
typ 3 von 5 Punkten Typischer Henscheid, nicht mehr, nicht weniger. Hab's vor zwei Wochen gelesen und erinnere mich leider kaum noch; so ein Buch ist das. An viele andere Henscheid-Bücher allerdings hab' ich durchaus Erinnerungen, aber oho! |
Tafelspitz und Fledermaus: Die Wiener Rindfleischküche Ingrid Haslinger Gebundene Ausgabe, November 2005 Verkaufsrang: 386484 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Gekochtes Rindfleisch und Rindsuppe: Bei diesen Spezialitäten der Wiener Küche ist es müßig zu fragen, was zuerst da war. Suppe und gekochtes Fleisch haben eine lange Geschichte. Nicht erst Kaiser Franz Joseph bzw. seine Hofköche waren die Erfinder des gekochten Rindfl eischs, auch wenn der Monarch diesem Gericht fast täglich zusprach. Schon seit dem 15. Jahrhundert war der Rindfleischverbrauch in Wien außerordentlich groß. Gekochtes Rindfleisch fehlte weder auf Adelstafeln, noch am Bürgertisch. Auch am Kaiserhof wurden Rindsuppe und Tafelstück serviert. Gekochtes Rindfl eisch entwickelte sich zu einer Wiener Lebensphilosophie, die bis zum Zweiten Weltkrieg alle Krisen überstand. Im 19. Jahrhundert während der Hochblüte der Wiener Küche wurde gekochtes Rindfl eisch wegen der vielfältigen Saucen zum Leibgericht aller Schichten, zumal es auf Grund der viele Serviermöglichkeiten viel Abwechslung bot. Auch die Rindsuppe schmeckte wegen der verschiedenen Einlagen täglich anders. Mancher Altwiener Koch rühmte sich, sie das ganze Jahr nie zu wiederholen. Der Zweite Weltkrieg brachte einen Einbruch der Rindfleischkultur, doch seit den 50er Jahren verschafften einzelne Gastronomen dem Wiener Klassiker wieder seinen verdienten Platz. Erstmals wird hier die Kulturgeschichte der Wiener Rindfleischküche aufgezeichnet. Während viele Speisen der klassischen Wiener Küche aus den Kronländern bzw. Ungarn stammen, ist das gekochte Rindfleisch eine originäre Wiener Spezialität. Anhand von 238 Rezepten zeigt die Autorin, wie die Tradition in die heutige Küche gerettet werden kann.
|
Nippes - Band 1: Querformat. Zeitschrift für Zeitgenössisches, Kunst, Populärkultur
Broschiert, September 2008 Verkaufsrang: 392194 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Trotz oder gerade wegen des zunächst etwas undurchdringlich anmutenden Ideen- und Beziehungsgeflechts entzückt der Inhalt jedoch durch eine höchst angenehm-subversive Betrachtung(sweise) des aktuellen Zeit- und Kulturgeschehens." Umrisse, 1 (2009)
"Was zu dem Projekt abschließend zu sagen bleibt: Großartig!" Hannah Lisa Kunyik, fiber, 15 (2009)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Statt Kunst nur Gender-Studies 2 von 5 Punkten Die Zeitung erscheint als Kunstmagazin und tatsächlich kommt auch Kunst darin vor. Allerdings eher am Rande. Es geht hier nämlich gar nicht um die Rezeption künstlerischer Arbeit, sondern vor allem ein mehr oder weniger ver"queer"es Verbreiten gender-/feminismuspolitischer Ansichten. Die zwei Sterne gibt es, weil einige sehr gute Fotos im Magazin sind und die Texte immerhin anspruchsvoller Art sind. Schade, wieder keine Innovation auf dem Kunstsektor. |
"Der kommentierte Bildband zu "Ab 18" - zensiert, diskutiert, unterschlagen. Zensur in der deutschen Kulturgeschichte: Zensur in der deutschen Kulturgeschichte. Der kommentierte Bildband: BD 2 Roland Seim, Josef Spiegel Taschenbuch, 1. Oktober 2007 Verkaufsrang: 353325 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die verbesserte Neuauflage der Dokumentation "Ab 18" – Band 2 zeigt Zensurfälle aus Populärkultur-Genres wie Comic, Literatur, Film, Musik, Internet und Werbung. Auf 350 Seiten werden zahlreiche Reproduktionen von zensierten oder verbotenen Medien sowie seltene Originalmaterialien wie Gerichtsurteile, Indizierungs-/Beschlagnahmebegründungen dokumentiert. Auszüge aus historischen und aktuellen (Herbst 2007) Verbotslisten ergänzen den reich illustrierten Band. Eine annotierte Bibliographie und Webadressen im Anhang erleichtern weitere Recherche.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Alles über Zensur in Deutschland. 5 von 5 Punkten Wer wissen möchte, was in diesem Land alles verboten, zensiert und unterschlagen wird, ist mit diesem Buch bestens bedient. Wer meint, wir leben in einem freien Land, mit freier Meinungsäusserung und freier Kunstfreiheit, der wird bei diesen Fakten sicherlich ein neues Bild der Bundesrepublik Deutschland bekommen. Das Buch ist nur zu empfehlen. LF666
Weitere Lesermeinungen |
Europäische Kulturgeschichte: Eine Einführung (Uni-Taschenbücher L) Silvio Vietta Broschiert, September 2007 Verkaufsrang: 336521 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Dieses Buch des großen Kulturwissenschaftlers und Germanisten Silvio Vietta bietet seinen Lesern einen Gesamtüberblick der europäischen Kulturgeschichte einschließlich ihrer globalen Folgen. Das Einleitungskapitel führt in die Methoden und Begriffe der Kulturwissenschaften ein. Es folgt eine Darstellung der unterschiedlichen Epochen der Europäischen Kulturgeschichte. Dabei berücksichtigt der Autor die überlieferten Texte und die Mentalitäten ebenso wie die materielle Kultur und integriert sie in einen Gesamtzusammenhang. Der zeitliche Bogen spannt sich in themenbezogenen Längsschnitten von der Antike bis zur Gegenwart. Grafiken und kapitelweise gesammelte Lektüretipps erhöhen den Nutzwert des Werkes. Für die vorliegende Studienausgabe wurde der Band erweitert und um ein hilfreiches Glossar ergänzt.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Umfassendes Werk über europäische Kulturgeschiche 4 von 5 Punkten In seinem Vorwort gibt der Autor einen Überblick über die Entstehung und Entwicklung der europäischen Kulturgeschichte und führt zugleich wichtige Begriffe ein. Wer wissen möchte, ob dieses Buch seine Ansprüche trifft oder ob die Fachwörter den interessierten Leser überfordern könnten, der sollte einen Blick in dieses Vorwort riskieren. Der Stil des Autors ist anspruchsvoll, ohne dabei mit zu vielen Namen und Fakten um sich zu werfen. Dass Studenten die eigentliche Zielgruppe des Buches sind, dürfte aber spätestens hier klar sein. Im folgenden Einleitungskapitel geht es vor allem um die Methodik, die diesem Buch zugrunde liegt. Dabei sollen jene Punkte herausgefiltert werden, an denen die Kulturgeschichte jeweils neu geprägt wurde. Das zweite Kapitel widmet sich dann dem Thema "Die griechische Logos-Kodierung", also einer Form des Denkens, die sich im antiken Griechenland herausbildete und deren Form der argumentative Diskurs ist. Neben der Philosophie kommt aber auch das griechische Drama zur Geltung. Das dritte Kapitel des Buches behandelt Die christliche Pistis-Kodierung, in der der Glaube im Mittelpunkt steht. Dementsprechend stehen alle Formen des christlichen Glaubens hier im Mittelpunkt, angefangen beim frühen Christentum bis hin zum Mittelalter. Das vierte Kapitel, Neuzeit: Ästhetik, Sziento-Technologie, Subjektivität und politisches Bewusstsein, ist der umfangsreichste Teil des ganzen Buches. Hier spielt die Kunst unter anderem in Form von Dante und seiner göttlichen Komödie genauso eine Rolle wie Wissenschaft und Politik, um schließlich zu zeigen, wie die technische Anwendungsdimension der Wissenschaft Vorrang erlangte. Das fünfte und letzte Kapitel behandelt die Zehn Prinzipien einer europäischen Politik-Ethik. Hier werden auch die aktuellen Themen, wie der Kulturbegriff in der Europäischen Union, besprochen. Genauso kommen aber auch aktuelle Begriffe wie Nachhaltigkeit oder Solidarität in eigenen Unterkapiteln vor. Abgeschlossen wird das Buch mit einem recht praktischen Glossar, einer Bibliographie und einem Personenregister. Damit der Leser, der sich mit einem bestimmten Thema des Buches beschäftigt, nicht in der sehr umfangreichen Bibliographie Bücher zu seinem Thema suchen muss, hat jedes Unterkapitel eine eigene Literaturliste. Dies dürfte gerade Studenten sehr entgegenkommen, die sich mit Hilfe dieser Einführung in ein Thema einarbeiten und durch die Literaturhinweise schneller weitergehend damit beschäftigen können. Auch das Glossar dürfe zur Vorbereitung sehr hilfreich sein, kann es doch wichtige Fachbegriffe erklären, ohne dass man auf ein anderes Buch zurückgreifen muss, oder sich einen längeren Abschnitt nochmals durchzulesen braucht. Wer sich für ein Studium der europäischen Kulturgeschichte entschieden hat oder Seminare zu dem Thema besucht und sich umfassend vorbereiten möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Man bekommt für sein Geld eine gute Einführung, die es durch ihre Unterteilungen erlaubt, sich auch gezielt auf ein bestimmtes Thema vorzubereiten. Interessierte Leser, die ohne Fachwissen zu diesem Buch greifen, werden die Texte vielleicht zu anspruchsvoll und trocken empfinden. |
Lector in fabula: Die Mitarbeit der Interpretation in erzählenden Texten Umberto Eco Taschenbuch, 1. Oktober 1998 Verkaufsrang: 342689 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Das Problem der Interpretation, der interpretatorischen Freiheiten und Abweichungen, das sich durch Umberto Ecos gesamten wissenschaftlichen Diskurs zieht, ist auch Thema des vorliegenden Buches. Der "lector in fabula", der Leser, "der immer ganz nahe, der immer dem Text auf den Leib gerückt oder ihm auf den Fersen war, ist nunmehr im Text selbst untergebracht. Eine Art, dem Leser Glaubwürdigkeit zuzugestehen, ihn aber zugleich einzuschränken und zu kontrollieren". Das Spiel der Interpretation der aktiven Mitarbeit des Lesers - ist demnach im Kunstwerk selbst angelegt, ohne daß es letztendlich von ihm bestimmt werden kann. So setzt der Leser das "Nicht-Gesagte" oder das "Schon-Gesagte" voraus, er füllt Leerstellen aus und schreibt sogar "Phantom-Kapitel". Doch die Bedingungen und Möglichkeiten der Auslegung einesTextes hat derAutor vorgegeben. Ecos Studie bereitet dem Leser, der geistige Anstrengung nicht scheut, höchstes intellektuelles Vergnügen und gibt ihm sozusagen das Werkzeug in die Hand, sich in der Rolle des Lesers zu analysieren.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
ein wichtiger Beitrag zur Erzähltheorie 5 von 5 Punkten Ecos "Lector in Fabula" (ursprünglich auf Italienisch 1979 erschienen) ist ein rezeptionstheoretischer Beitrag zur Erzähltheorie, der sich jedoch - anders als Iser oder gar Ricoeur - offen zeigt für den relativen Wert der strukturalistischen Narratologie. Die zentrale These Ecos lautet, so wie es der Untertitel bereits nahe legt, dass die Struktur narrativer Texte nicht einfach objektiv gegeben ist, sondern sich der "Mitarbeit der Interpretation" verdankt. Grundlage für diese Position ist zum einen die Zeichentheorie von Peirce, zum anderen aber auch Ecos eigene semiotische Konzeption, die er wenige Jahre vorher für sein Buch "Semiotik. Entwurf einer Theorie der Zeichen" noch einmal überarbeitet und systematisiert hat. In einiger Hinsicht erscheint "Lector in Fabula" tatsächlich als text- und erzähltheoretische Ausarbeitung von Ecos Semiotik und entsprechend häufig wird auch auf den "Entwurf" zurückverwiesen. Wie auch in anderen theoretischen Werken Ecos ist auch "Lector in Fabula" durch eine theoretische Synthese oder, salopp formuliert, durch einen Spagat zwischen Rezeptionstheorie und semiotischem Objektivismus gekennzeichnet. Einerseits betont er - hierin der Rezeptionstheorie verbunden -, die große Bedeutung von Lesererwartungen für die Konstitution der erzählten Geschichte, für den Plot. Um dem sich aufdrängenden Verdacht der Beliebigkeit der Interpretation zu entgehen, relativiert er die rezeptionstheoretische Orientierung jedoch durch zwei Thesen. Zum einen stellt Eco nicht den empirischen Leser als Rezeptionsinstanz in den Mittelpunkt seiner Untersuchung sondern vielmehr den "Modellleser". Der Modellleser ist ein theoretisches Konstrukt. Es bezeichnet den Leser, der das Werk zum Zeitpunkt des Erscheinens des Werkes vor dem Hintergrund bestimmter künstlerischer und allgemein ideologischer Erwartungen gelesen haben könnte. Wer einen Erzähltext verstehen möchte, so die These, der muss versuchen nachzuvollziehen, wie der Text die Erwartungen des Modelllesers steuert und mit ihnen spielt. Womit bereits die zweite Relativierung der rezeptionstheoretischen Orientierung anklingt: Für Eco ist zwar die Mitarbeit des Lesers an der Gestaltung des Erzähltextes essentiell. Diese Mitarbeit ist jedoch nicht im Sinne einer rein subjektiven Konstruktion vollkommen frei, sondern sie muss sich an den Signalen orientieren, die der Text dem Leser gibt. Jenseits der in den letzten Jahrzehnten etwas übertriebenen radikalen Unterscheidung von "Ebenen" narrativer Texte geht Eco davon aus, dass die Konstruktion eines Erzählplots sich einer Erwartungsbildung verdankt, die ihren Ausgang nimmt vom sprachlichen Material. Die Oberflächenstruktur erscheint so nicht allein als sprachliche Oberfläche des Textes, sondern in ihr finden sich die Signale, auf deren Grundlage der Leser seine Erwartungen über Konflikte und Handlungssequenzen bildet, der Stoff, aus dem Geschichten werden. Die narrative Versprachlichung und die erzählte Geschichte erscheinen so nicht als getrennte "Ebenen", sondern als zwei Momente einer Dynamik der Lektüre. Durch die Integration strukturalistischer Begriffe und die enge Orientierung an seiner semiotischen Konzeption bietet Ecos Buch für Fragen der narrativen Figuration viele wichtige Anregungen. In einiger Hinsicht bietet er hier nützlichere Konzepte als einige der neueren Ansätze der "Möglich-Welten-Theorie" (Ryan, Ronen, Doloz'el, Pavel), deren Entwicklung im Übrigen durch Ecos Buch maßgeblich angeregt wurde. Und nicht zuletzt antizipiert Eco mit seiner Konzeption viele Vorstellungen neuerer kognitionstheoretisch orientierter Positionen von Narratologie und Texttheorie. Insgesamt eine nicht nur sehr anregende, sondern auch konzeptionell weiterführende Lektüre auch heute noch.
|
Ambiguität in der Kunst: Typen und Funktionen eines ästhetischen Paradigmas Verena Krieger Broschiert, 15. Dezember 2009 Verkaufsrang: 382642 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Moderne und zeitgenössische Kunst scheint kaum über eine eindeutige Aussage zu verfügen, vielmehr sind sich Kunstkritik und Kunstgeschichte einig, dass sie vieldeutig, rätselhaft ist. Damit erweist sich Ambiguität als eine versteckte ästhetische Norm der Moderne, die bislang kaum reflektiert wurde. Unbestimmtheit und Mehrdeutigkeit sind auch in der älteren Kunst vielfach zu beobachten. Erst um 1800 jedoch wurde Ambiguität als ästhetisches Paradigma formuliert, um 1900 wurde ihre absichtsvolle Hervorbringung systematisch erprobt und seit den 1960er Jahren erlangte sie den Status eines universellen Prinzips. Die hier versammelten Beiträge analysieren Typen und Funktionen der Ambiguität an Beispielen aus der mittelalterlichen bis zur zeitgenössischen Kunst.
|
Künstliche Tiere. Zoologische Gärten und urbane Moderne Christina Wessely Broschiert, 10. Dezember 2008 Verkaufsrang: 270256 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Um 1900 entstanden in West- und Mitteleuropa mehr als vierzig Zoologische Gärten, über ein Dutzend davon allein in Deutschland. Die Gründung dieser Institutionen war nicht zuletzt politisch motiviert, sollte das Volk durch die Beobachtung der Tiere und den Aufenthalt in der freien Natur doch "versittlichen und einsichtsreifer werden", wie die bürgerlichen Zoogründer verkündeten. Den endlosen grauen Häuserschluchten der modernen Metropolen sollten zu diesem Zweck exotische Refugien entgegengestellt werden, die mit dem Großstadtgetümmel jenseits der Mauern nichts zu tun hätten. Tatsächlich jedoch erwiesen sich diese Trennlinien als äußerst brüchig und durchlässig, kamen in den bürgerlichen Zoos doch vor allem Tiere und Landschaften zur Anschauung, die zumindest ebenso sehr von den Erfahrungs- und Vorstellungswelten ihres städtischen Publikums bestimmt waren wie von den Klischees des Fremden, auf das sie verwiesen. Künstliche Tiere waren die Ikonen dieser Orte, die ihren andauernden Erfolg nicht aus der strikten Trennung von Natur und Kultur, Wildnis und Weltstadt, Tier und Mensch bezogen, sondern gerade aus deren wechselseitiger Durchdringung, aus den produktiven Spannungen zwischen diesen Kategorien.
|
LÜÜL. Ein Musikerleben zwischen Agitation Free, Ashra, der Neuen Deutschen Welle und den 17 Hippies Lutz Ulbrich Gebundene Ausgabe, 1. März 2006 Verkaufsrang: 327203 Alain Delon, Bob Dylan, Lou Reed und natürlich Jim Morrison: Nico hatte sie alle. Dass sie jahrelang auch Tisch und Bett mit Lutz Ulbrich alias Lüül teilte, ist weniger bekannt. Dabei steht der Berliner in Sachen Sex, Drugs & Rock'n'Roll seinen internationalen Kollegen in nichts nach. Er war Mitbegründer der Berliner Krautrockpionieren Agitation Free, Mitglied bei den Frühelektronikern Ashra Tempel, solo unterwegs als Liedermacher und Theaterkomponist, schließlich Banjospieler bei den 17 Hippies. In seiner Autobiografie berichtet Ulbrich ehrlich und schonungslos, vor allem aber amüsant von seinem Leben zwischen Berlin, Paris und New York, von seiner Drogensucht und der Kommune I, von David Bowie oder Tom Waits - und immer wieder von Nico, der wichtigsten Frau seines Lebens. Es ist vor allem diese Liaison, die das Buch lesenswert macht. Hier und da wünscht man sich, Ulbrich hätte seine Memoiren gestrafft. Doch vermutlich hatte er Nachholbedarf, denn auf den letzten Seiten resümiert er: äIch fand in den Medien nicht statt." Ihm fehlte sie einfach, die unbeschreibliche Aura von Nico. (sg)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Wir trugen alle sehr dunkle Sonnenbrillen 5 von 5 Punkten Der Berliner Gitarrist LUTZ ULBRICH (*1953) hat 1981 mit "Reich der Träume" eines der schönsten (deutschen) Lieder NICO (1939-88) auf den Leib geschrieben. 1969 startete er mit der Gruppe AGITATION FREE eine spannende & abwechslungsreiche Karriere, die ihn über ASH RA TEMPEL und "Neue Deutsche Welle" schliesslich zum bekannten Banjo-Spieler bei der "Global Village"-Gruppe 17 HIPPIES gebracht hat. Seine soeben veröffentlichten Memoiren "Lüül" (35.- Fr) bestechen durch ein grossartiges Erinnerungsvermögen, zahlreiche offen und humorvoll beschriebene Episoden & Begegnungen mit z.T. weltbekannten Musikern wie JOHN CALE, TIM HARDIN, DAVID BOWIE, KLAUS SCHULZE, CAN oder LOU REED. Kostbar sind die Beschreibungen ausgedehnter Tourneen sowie privat erlebter Ferienreisen, durchzogen von der Fähigkeit zur Selbstironie. "Wir trugen alle sehr dunkle Sonnenbrillen" (S. 275) heisst es da etwa nach einer durchzechten Nacht auf Tour. Das 409 Seiten starke Buch ist gut lesbar in kurze Abschnitte gegliedert und für NICO- oder 17 HIPPIES-Fans sowieso ein Muss. Zum Schluss beschreibt Lüül die gruppendynamischen Prozesse innerhalb einer erfolgreichen Gruppe wie 17 HIPPIES sehr anschaulich. Das Buch hat zurecht keinen Index, damit Zeitgeistsurfer nicht rasch die Seiten mit der "Prominenz" abspulen können. Das Lektorat hingegen hätte für einen renommierten Verlag wie "Schwarzkopf & Schwarzkopf" etwas genauer hinschauen können. Nicht stilistisch, der Stil ist grossartig, aber inhaltlich. So hat Lüül nicht im Mai 1990 zwei Nico Konzerte in Berlin organisiert, sondern 1980. Und LORCA wurde 1936 von Franco's Faschisten erschossen, also gibt es von ihm keinen "Text über James Deans letzte Stunden" (S.206), die 1955 stattgefunden haben. Ansonsten ist das Buch sehr sympathisch, herzerwärmend & empfehlenswert. Veit F. Stauffer, Rec Rec Shop Zürich, April 2006
interessant mit welchen Personen Lüül Kontakt hatte 5 von 5 Punkten Das Buch liest sich super, man hat Schwierigkeit es zur Seite zu legen, interessant mit welchen Musikern er Kontakt hatte, ich kam zu Lüül durch ein Erinnerungskonzert an Nico, diese Frau kreuzt auch immer wieder Lüül's Leben. |
Kulturkritik Ralf Konersmann Broschiert, 12. März 2008 Verkaufsrang: 357051 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Von jeher prägt die Ausdrucksvielfalt der Kulturkritik das Erscheinungsbild der westlichen Kultur. Die Spottgebärde des Diogenes, des Faßbewohners, gehört ebenso hierher wie die Bergpredigt oder die Pose des Unzeitgemäßen, das große Kino ebenso wie Rap, Grunge und Punk. Längst haben die Medien das Repertoire der Kulturkritik entdeckt und für jedermann verfügbar gemacht. Kulturkritik, so zeigt Ralf Konersmann in seinem konzisen neuen Buch, ist jene Haltung des Zweifels und der Abweichung, mit der die Kultur sich selbst gegenübertritt. Die Struktur des Zerwürfnisses mit sich selbst erweist sich jedoch nicht als Defekt, sondern als Normalität. Die heutige Kultur der Massen und der Metropolen ist die Erfinderin ihrer selbst, sie verwirklicht sich als schrilles Panorama der Parodien, der Ironien und Karikaturen. In den Gesellschaften der Moderne ist Kritik somit nicht mehr nur Recht, sondern Pflicht. An die Stelle einer festgefügten "Leitkultur", hoher Ideale und ewiger Werte, über die diese Lebensformen nicht mehr verfügen, treten beträchtliche Anforderungen: die einer spielerischen, informellen und zutiefst demokratischen Urteils- und Kritikkultur.
|
Wie klingt die Neue Mitte?: Rechte und reaktionäre Tendenzen in der Popmusik Martin Büsser Taschenbuch, Oktober 2001 Verkaufsrang: 378389 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Mitte der 90er-Jahre, als in Deutschland vor allem eine Jugendkultur die Schlagzeilen beherrschte, nämlich diejenige brandmordender Nazis, gingen die Wortmeldungen zweier Personen durch die Agenturen, deren Allianz doch überraschte: Heinz Rudolf Kunze und Dieter Thomas Heck forderten darin einmütig eine Rotationsquote für deutschsprachige Musik in Radio und Fernsehen, während zur gleichen Zeit die Böhsen Onkelz auf Platz eins der deutschen CD-Charts kletterten. Jahre später wird Gerhard Schröder seine Neujahrsansprache auch auf MTV halten, und VIVA-Chef Dieter Gorny wird den denkwürdigen Satz sagen, auch die Börse sei Pop. Die Popkultur ist damit endgültig im Schoß der "Neuen Mitte" angekommen - als entertainender Weichzeichner des neoliberalen "Survival Of The Fittest". Die faschistoide Ästhetik solcher Bands wie Rammstein oder eines Überfremdungsängste schürenden Videos wie Die Flut von Joachim Witt mit ihrer Neuauflage archaischer Vorstellungen von Männlichkeit und Stärke sowie dem Kult des athletischen, gesunden Körpers steht dazu in keinem Widerspruch, sondern hat ihren festen Platz im Formenkanon einer neuen (Pop-)Leitkultur. Martin Büsser verfolgt wie in einer Reihe von Veröffentlichungen davor - darunter insbesondere Antipop und If the kids are united - auch in seinem neuen Buch Wie klingt die Neue Mitte die These vom Ausverkauf des Pops als "Musik der Unbefugten" (Günter Brus), als subkulturelles Projekt des Non-Establishments. Mit gewohntem Sachverstand und einer fast überbordenden Fülle von Material zeichnet er eine Entwicklungslinie von radikalen Verweigerungsbewegungen wie Punk, Industrial und New Wave in den 70er- und 80er-Jahren bis zur radikalen Affirmation des Bestehenden seit Anfang der 90er-Jahre. Im weiten Becken des Mainstreams findet er latente Revisionismen im Zuge eines wiedererstarkten nationalen Identitätsbewusstseins und eines hip ummantelten Sozialdarwinismus, die ihm weit gefährlicher erscheinen als die offen faschistischen Hetzparolen grölender Nazi-Combos. Hätte die Popkultur jemals so etwas wie Unschuld besessen, wäre ihr diese spätestens heute endgültig verloren gegangen. -Mark Stöhr
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Sarkastischer Kulturpessimismus ? 4 von 5 Punkten Wer die Schreibe der linken Wochenzeitung Jungle World mag, wird hier seine Freude haben. Aus Büser spricht ein sarkastischer Kulturpessimismus, den er aber mit Fakten untermauern kann. Da ich mit zunehmendem Alter (jetzt bin ich 27) diese Haltung einzunehmen drohe, kann ich die unterschwellig bis derb provozierenden Ansichten des Autors teilen, gleichzeitig konnte er mir allerdings auch nicht sehr viel gänzlich Neues eröffnen, abgesehen von den sehr spezialisiert-ausführlichen Abhandlungen über seine beiden Lieblingsbands (Mutter, Die Goldenen Zitronen) und die Geschichte des Industrial. Alles in allem sowas wie ein megamäßig überdurchschnittliches Jungle World-Dossier, das gut in den Bücherschrank passt. Andererseits allerdings auch nicht gerade ein Standardwerk. Verschiedene Bereiche wie die ja ursprünglich auch irgendwie "schwarzen" Kulturen Hip Hop und Rastafari, die zu einem großen Teil chauvinistisch, homophob und frauenfeindlich agieren, steht eigentlich nix weiter in dem Buch. Und natürlich auch kein Aufruf, die bebrillte Verwaltungsfachangestellte von neben an auf ihrem Weg zum Rammstein-Konzert mit ihrem unbewussten Fascho-Fetischismus zu konfrontieren. Natürlich steht das da nicht drin, denn der Mainstream war niemals "links" und er hat auch gar kein Interesse daran.
Büsser, Martin: Wie klingt die Neue Mitte 4 von 5 Punkten Was ist Pop? Mit dieser Frage startet Martin Büsser seine Reise durch die Musikgeschichte der letzten vier Jahrzehnte. Pop, von Günter Brus bereits 1972 als "Musik der Unbefugten" bezeichnet, versteht der Autor als Überbegriff von Stilrichtungen wie Rock, Punk, Pop, Industrial, Trance, HipHop, Rap usw., als Musik, die keinem akademischen Kontext entspringt, nicht aus einer klassischen Musikausbildung hervorgeht. Bis in die frühen Achtziger Jahre, so die Kernthese des vorliegenden Bandes, galt Pop, insbesondere die Spielart Punk, als Stimme des Non-Establishments, als kulturelles Ausdrucksmittel für nonkonformistische Haltungen. Diese subversive Tendenz hat sich zugunsten einer konformistischen, affirmativen Haltung gegenüber tradierten Werten gewandelt. Die Popkultur hat sich sozusagen in die gesellschaftliche Mitte bewegt, und die ist, wie der Autor bemerkt, tendenziell immer rechts. Das wiedererstarkte nationale Identitätsbewusstsein nach 1989 und das neoliberale Postulat "Survival Of The Fittest" gehen Hand in Hand mit Antifeminismus, Chauvinismus, Rassismus und antiintellektualistischen Körperkult. Büsser untersucht nicht nur offen faschistisches Material von Skin-Bands, sondern konzentriert den Blick auf den musikalischen Mainstream, zu dem nicht nur DJ Ötzi und Phil Collins, sondern längst auch Rammstein und Die Böhsen Onkelz gehören. Büssers Kulturkritik ist eine Kritik von links, die vor allem in der Tradition der Frankfurter Schule steht (Adorno, Marcuse), das heisst, sämtliche Kulturproduktionen, in diesem Fall Popmusik, werden an ihrer emanzipatorischen Fähigkeit gemessen, gesellschaftliche Prozesse zu reflektieren bzw. in Gang zu setzen und reaktionäre Tendenzen zu entschleiern. Andererseits nimmt er Anleihe in der französischen Postmoderne (Foucault). Büssers Text ist mitunter sperrig, jedoch gut recherchiert Der Kulturwissenschaftler Martin Büsser, Jahrgang 1968, ist bekannt für seine theoretischen Abhandlungen über die Popkultur in Fachzeitschriften und in der von ihm herausgegebenen Buchreihe testcard. |
Black Looks: Popkultur - Medien - Rassismus Bell Hooks Taschenbuch, 1994 Verkaufsrang: 387432 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Um die Vermarktung des Schwarzseins, des Anderen, der Frau, um Ethnizität als Konsumartikel, um Tina Turner und Madonna und vieles mehr geht es in diesen Essays der amerikanischen Kulturkritikerin bell hooks. Mit ihrem eigenwilligen, scharfsubversiven Blick nimmt eine der wichtigsten schwarzen Intellektuellen des heutigen Amerika Werbung, Literatur, Popkultur, Fernsehen und Film unter die Lupe.bell hooks ist Professorin für englische Literatur an der City University, New York und ist durch ihre zahlreichen Buchveröffentlichungen und Medienauftritte bekannt.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
absolut lesenswert 5 von 5 Punkten Es ist ein spannendes Buch, geschrieben von einem scharfsinnigen Menschen. Für alle, die sich für die momentane Rassismus-Debatte interessieren, enthält dieses Buch viele stimulierende und den Horizont erweiternde Gedanken und Analysen. Die Schriften von Bell Hooks haben nichts mit den Gutmenschen-Attituden à la Fischer und Schily zu tun sondern leuchten alle Bereiche rassistischer Praxis in den westlichen Gesellschaften aus. Wer bereit ist auch seinen eigenen Rassismus offen zur Diskussion zu stellen, wird nach diesem Buch größerer Sensibiltät in dieser Frage durch die Welt gehen. Ich wünsche allen viel Vergnügen beim Lesen |
Jenseits der Schönheit: Schriften zur Ästhetik und Kunstphilosophie Georg Simmel Broschiert, 26. Februar 2008 Verkaufsrang: 241083 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Georg Simmel hat sich zeit seines Lebens mit Fragen der Kunst und der Ästhetik auseinandergesetzt. Das dokumentieren die hier versammelten Texte, die zugleich die theoretische Einheit der weitgestreuten Arbeiten Simmels zu diesen Fragen sichtbar werden lassen. Simmels Interesse - so zeigt sich - richtet sich einerseits auf die ästhetische Dimension von sozialen Interaktionen und Gebrauchsgegenständen, andererseits auf konkrete Artefakte und klassische ästhetische Positionen. Darüber hinaus geben ausgewählte Künstlerporträts und Briefe Kernpassagen der Lebensphilosophie wieder, die verdeutlichen, wie dem späten Simmel das Ästhetische zur Realisation des "individuellen Gesetzes" gerät, es nunmehr als existentielle Lebensform begriffen wird. Das Nachwort von Ingo Meyer ordnet Simmels Ästhetik ein, zwischen klassisch-idealistischen, nitzscheanischen und modernen Positionen zum "Nicht-mehr-Schönen".
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
"Michelangelo hat eine neue Welt geschaffen" 4 von 5 Punkten Michelangelo "Im Fundament unseres seelischen Wesens scheint ein Dualismus zu wohnen", schreibt Simmel. In der hellenistischen Epoche "empfindet der Mensch ganz und gar naturhaft". Körper und Seele bilden eine Einheit oder wie Simmel es ausdrückt eine "naive Undifferenziertheit". Im Christentum wird die Natur dem Geiste zum Feinde; das Sinnbild der Gotik ist die "leidenschaftliche Aufwärtsbewegung der Seele", um mit Goethe zu reden "vom Dust zu den Gefilden hoher Ahnen". Simmel erblickt in der Renaissance, der Rückbesinnung auf die griechischen Ideale, den Überwinder des Körper-Seele Gegensatzes. "Michelangelo hat eine neue Welt geschaffen ... Vor allem ist es, als ob das seelische und das körperliche Wesen des Menschen nach ihrer langen Trennung, die die Transzendenz der Seele ihnen auferlegt hatte, sich wieder als Einheit erkennen." Doch auch Michelangelo muss erkennen, dass "die Grenzen der Welt nichts anderes als die Grenzen ihres Körpers (sind), außerhalb dieser ist keine Welt mehr". Das Vollkommene in der Kunst verhüllt das Absolute und führt uns weg, "aber indem er so die Möglichkeit, das Leben auf dem Weg der Kunst zu Einheit und Geschlossenheit zu führen, zu Ende gestaltete, wurde ihm (Michelangelo) furchtbar klar, dass an diesen Grenzen nicht das Ende lag. Es scheint das bisherige Schicksal der Menschen zu sein, dass man in der Ebene des Lebens gerade am weitesten vorgeschritten sein muss, um zu sehen, dass man in ihr wohl an ihre, aber nicht an unsere Grenze gelangen kann". Rodin In der griechischen Plastik ebenso in der Renaissance ist die Seele noch in einem harmonischen Gleichgewicht. Anders in der Moderne; die Seele ist viel labiler und wird zum "Brennpunkt des Körperlich-Sichtbaren". Rodins Plastik drückt dies aus: "Die antike Plastik suchte sozusagen die Logik des Körpers, Rodin sucht seine Psychologie". Die Moderne betont das Gesicht, die Antike den Körper. Rodin schaffte auch ein neues Maß für die Bewegung der Figur. Er verlieh dem Werden Sinnlichkeit während die Antike dem Sein Ausdruck gab. Venedig und Florenz Simmel vergleicht die Architektur der toskanischen Hauptstadt mit jener der Lagunenstadt in Norditalien. Florenz mit seinen trotzigen, burgartigen Palästen symbolisiert für ihn "die unverstellte Sprache eines wirklichen Lebens". Florenz wurde durch die Renaissance geprägt. Beim Blick auf die Stadt "erwächst ein Gefühl, als sei hier der Gegensatz von Natur und Geist nichtig geworden". Anders die Stadt der Kanäle und Inseln. In Venedig gehen alle Menschen "wie über eine Bühne". Die glänzenden Fassaden der venezianischen Prachtbauten ähneln den bekannten venezianischen Masken, sie dienen der Maskierung und Verschleierung. Die Ruine Nicht alltäglich ist ein Essay über den Verfall menschlicher Bauwerke. Zumal wenn man wie Simmel die Baukunst als den "sublimsten Sieg des Geistes über die Natur" und die "Abrechnung zwischen dem der nach oben strebenden Seele und der nach unten strebenden Natur" bezeichnet. Doch Simmel gewinnt der widerstandslosen Rückkehr der Materie zum Ursprungsstoff einen "Reiz des Verfalls" ab, der damit begründet wird, dass "Zweck und Zufall, Natur und Geist, Vergangenheit und Gegenwart an diesem Punkte die Spannung ihrer Gegensätze, oder vielmehr, diese Spannung bewahrend ... zu einer Einheit des äußeren Bildes, der inneren Wirkung" führen. Die Mode Die Mode befriedigt laut Simmel sowohl die Bestrebungen des Menschen nach Bewegung als auch nach Ruhe, nach Produktivität und nach Rezeptivität. Mode ist Nachahmung und stillt ein Unterschiedbedürfnis. Der innere Rhythmus verlangt in immer kürzeren Perioden nach Abwechslung, die flüchtigen Momente gewinnen an Bedeutung. Für Simmel war Mode noch ein Distanzierungsmerkmal der oberen Gruppe oder eines Standes. Daran hat sich wenig geändert. Auch heute noch richten sich alle Augen in der Avantgarde auf die pret-a-porter Vorführungen der Pariser Laufstege und der Durst nach immer schnellerer Abwechslung ist ungebrochen. |
Geschichte der Filmtheorie: Kunsttheoretische Texte von Melies bis Arnheim
Taschenbuch, 10. März 2006 Verkaufsrang: 356553 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Kann Film Kunst sein? Und wenn Film die Potenz zur Kunst hat, unter welchen Bedingungen wird Film zur Kunst? Was ist das Material der Filmkunst, welches sind ihre künstlerischen Mittel?
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Filmtheorie - eine Sammlung 4 von 5 Punkten In diesem Buch sind alle wichtigen Texte zur Filmtheorie zusammengefasst. Von Arnheim, über Balázs, über Eisenstein bis hin zu Pudowkin. Dieses Buch ist sehr informativ, beschäftigt sich aber vor allem mit dem frühen Film. Wer über den Film im Allgemeinen etwas wissen möchte, ist mit diesem Buch nicht gut beraten. Wer sich allerdings für den frühen Film interessiert, dem kann ich dieses Buch wirklich empfehlen. Unter der Kategorie Fachbuch ist es richtig eingeordnet, denn dieses Buch ist ausschließlich für Fachleute und Medien-bzw. Filmstudenten zusammengestellt. Alles in allem verdient dieses Buch vier Sterne, da hier alle wichtigen Aufsätze gesammelt sind.
Archäologie der frühen Filmtheorie 4 von 5 Punkten Helmut H. Diederichs ist Archäologe. Seine Ausgrabungsstätten finden sich jedoch nicht in der Steppe oder in der Wildnis, nein, sein Metier sind die Archive und Bibliotheken, deren Sammlungen von Zeitschriften, Mikrofilmen und Büchern, sein Gegenstand: Frühste Formen der Filmpublizistik. Seine Dissertation befasst sich mit dem Ursprung der deutschen Filmkritik in Deutschland, wie sie wurde, was sie ist (ja, was sie überhaupt ist!). Seine Habilitationsschrift beschäftigt sich schließlich mit der Geschichte der deutschen Filmtheorie, wie also die vom einzelnen Film abstrahierte Wahrnehmung, was Film denn eigentlich ist, was ihn ausmacht, wurde, was sie ist. Mit "Geschichte der Filmtheorie" hat er gewissermaßen seine Quellen auszugsweise, aber auch zum Teil um russische Beiträge zusammengefasst und eine Geschichte der Filmtheorie anhand ihrer Quellen und Dokumente nachgezeichnet. Berücksichtigt wurden vor allem bemerkenswerte, für gewisse Ansätze repräsentative Texte, des weiteren wurden mehrere Texte nach Gegenstand und Fragestellung in Kapitel gefasst und darin chronologisch sortiert. Diskussionen, Fortschritte, gegenseitige Beeinflußungen werden dadurch mithin sichtbar. Natürlich ist dies kein didaktisches Buch. Vieles, was darin steht, ist längst hinfällig, hinreichend widerlegt oder schlicht geschmäcklerisch oder borniert eitel. Doch darum geht es nicht: Wer filmtheoretische (Er-)Kenntnisse sucht, die vor dem gegenwärtigen Stand der Dinge Bestand haben (oder aber: ohne die dieser kaum begreifbar wäre) ist mit diesem Buch weniger gut beraten. Seine Stärke bezieht das Buch eher daraus, dass erkenntlich wird, aus welchen Diskussionen, Problemfeldern und Fragestellungen heraus sich die Standardpositionen der Filmtheorie ergaben - auch Kracauer und Balasz haben ihre Klassiker schließlich nicht vom Baum gepflückt, sondern sind erst in Lektüren und Gegenpositionierungen zu weiteren Erkenntnissen gekommen. Wer filmtheoretisch einigermaßen versiert ist, wird an dieser Sammlung jedoch auch über die Erschließung von historischen Quellen hinaus seine helle Freude haben. Es macht unverhohlen Spaß, die unterschiedlichsten, zum Teil auch recht naiven, zum Teil aber auch vor dem Hintergrund ihrer Entstehung schon beeindruckend weitsichtigen Positionen aus ihren Problemfeldern heraus Stück für Stück nachvollziehen zu können. Mithin entsteht durch diese spannende Lektüre ein geschärfter Blick fürs Ganze der Filmtheorie, der begreifen lässt, dass die heutigen Klassiker allenfalls die kanonisierten Eisbergspitzen damaliger Diskussionen darstellen (auch wenn sie sich größtenteils zu Recht als solche etablierten - keine Frage!). Dass die meisten Texte ungekürzt zu lesen sind, manche aber an sinnfälligen Stellen auch Kürzungen erfahren haben, ist zudem erfreulich. Eine ausführliche Einleitung von Diederichs strukturiert die einzelnen Texte zudem auf verständliche Art und Weise und kann als knappe Zusammenfassung auf engem Raume, die das Exzerpieren beinahe schon hinfällig macht, angesehen werden. Kurzum: Ganz klare Empfehlung also! Ein kleiner Schwachpunkt dennoch: Der Titel ist etwas unscharf. Ausgehend von der Lektüre könnte man zu der Überzeugung kommen, dass die Filmtheorie fast ausschließlich auf deutschem Mist gewachsen ist und von russischer Seite aus in einigen Teilfragen Ergänzungen erfahren hat. Dem ist natürlich nicht so gewesen, auch andernorts gab es (wichtige) Diskussionen, die der Filmtheorie ihr Gepräge verpassten. Dies unterschlägt eine so bezeichnete Textesammlung jedoch bereits mit den ersten Worten auf dem Umschlag. Dafür einen Stern Abzug, ansonsten: Topp! |
Kunst und Mythos Ernesto Grassi Broschiert, April 1997 Verkaufsrang: 372572
| Texturen des Bildlichen Louis Marin Taschenbuch, September 2006 Verkaufsrang: 270231 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
|
|


|