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| Deutsche Geschichte | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Andreas Baader: Das Leben eines Staatsfeindes Joachim Herrmann, Klaus Stern Broschiert, Juni 2007 Verkaufsrang: 70160 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Aura der Gewalt: Wie konnte sich der Sohn eines promovierten Historikers und einer Sekretärin, der sich gern mit schnellen Autos, falschen Wimpern und teuren Kleidern schmückte, der Künstler, Journalist oder auch Filmregisseur werden wollte, zum »Staatsfeind Nr. 1« entwickeln? Die längst fällige Biografie des Andreas Baader und die Geschichte der ersten RAF-Generation, zum 30. Jahrestag des »Deutschen Herbst« 1977. Mit zahlreichen bisher unbekannten Dokumenten und Fotos. Andreas Baader, geboren 1943 in München, wurde 1977 wegen vierfachen Mordes und mehrerer Mordversuche zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach der gescheiterten Entführung der »Landshut« auf dem Flughafen in Mogadischu, mit der die Freilassung von 11 RAF-Häftlingen erpresst werden sollte, beging er am 18. Oktober 1977 in Stammheim Selbstmord. Erstmals äußern sich hier Zeitzeugen, Menschen aus dem privaten Umfeld Baaders und aus seiner Familie, etwa Suse Henkel, die Tochter von Andreas Baader und Ello Michel. Die Liebesbriefe zwischen Andreas Baader und Ello Michel wurden den Autoren zugänglich gemacht. Hinzu kommen zahlreiche bisher unveröffentlichte Fotos aus den Kinder- und Jugendtagen wie aus Untergrund und Gefängnis. Auch die tragische Familiengeschichte der Baaders, vor allem die des Baader sehr nahe stehenden Onkels, eines Solotänzers und Schauspielers, wird zum ersten Mal erzählt.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
guter Einblick 5 von 5 Punkten Ein guter Einblick und ein Aufdecken der Lächerlichkeit einer Republik, die sich gegen eine Handvoll Guerillas nicht zur Wehr setzen konnten. Auch der in den 70 ern immer wieder anzutreffende Rückfall in den Polizeistaat und eine verquere Justiz, läßt aufhorchen. Nahezu ohne Zeigefinger und völlig unpathetisch geschrieben, liest sich das Buch wie ein Krimi. Sehr empfehlenswert, besonders für Demokraten und welche, die es werden wollen.
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Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte: Die Pläne der Nazis nach dem Endsieg Ralph Giordano Taschenbuch, August 2000 Verkaufsrang: 69663 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der Plan von der deutschen Weltherrschaft "Die nordische Rasse hat ein Recht darauf, die Welt zu beherrschen, und wir müssen dieses Recht der Rasse zum Leitstern unserer Außenpolitik machen. Glauben Sie mir, der ganze Nationalsozialismus wäre nichts wert, wenn er sich auf Deutschland beschränkt und nicht mindestens 1000 bis 1200 Jahre lang die Herrschaft der hochwertigen Rasse über die ganze Welt ausübt." Dieser Satz Hitlers aus dem Jahre 1930 zeugt nicht nur von Größenwahn und Fantasterei. Er war Programm. Und auch das nicht nur. Denn in den Parteiämtern und Behörden des "Dritten Reichs" arbeiteten wenig später intelligente und willfährige Köpfe an der Ausfüllung dieses Programms, an detaillierten Plänen für die Zeit nach dem Endsieg. Wie Deutschland, wie Westeuropa, wie die Welt nach dem gewonnenen Krieg aussehen würde, das war beschrieben in zahlreichen Denkschriften, Direktiven, Verordnungen, die nur darauf warteten, aus der Schublade gezogen zu werden... Ralph Giordano wurde 1923 in Hamburg geboren und arbeitet als Journalist, Fernsehdokumentarist und Schriftsteller. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen zählen unter anderem "Israel, um Himmels willen, Israel" (1991), "Wird Deutschland wieder gefährlich?" (1993), "Ostpreußen ade" (1994) und "Mein irisches Tagebuch" (1996). Für seine publizistische Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 15 Bewertungen)
Entlarvung von Hitlers Größenwahn 5 von 5 Punkten Ich verstehe nicht, warum dieses Buch so schlechte Kritiken bekommen hat. Ich kenne keines, das besser den Größenwahn Hitlers und seiner Gefolgsleute in seinen Weltherrschaftsplänen und Architektur-Vorhaben sichtbar macht - und wie weit er auf dem Weg zu deren Verwirklichung schon war.
Außerdem arbeitet Giordano sehr gut heraus, daß und warum so viele Deutsche sich mit diesen grandiosen Visionen von deutscher Weltbeherrschung identifizieren konnten - obwohl das alles ja nicht einmal im Ansatz zu finanzieren gewesen wäre - nicht einmal durch Einsatz von Zwangsarbeitern (der ja in genügenden Ausmaß bereits erfolgte).
Ich kann jedem, der sich ein Bild von der Realität des Dritten Reichs ein klares Bild machen möchte und vor den durch das Ende der Nazi-Herrschaft gestoppten Nachkriegs-Plänen Hitlers dieses Buch nur dringend empfehlen.
(In romanhafter Form hat Robert Harris in "Vaterland" durchgespielt, was Hitlers "Erfolg" bedeutet hätte!)
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PastFinder Obersalzberg 1933 - 1945. Ortsführer zu den Spuren der Vergangenheit Maik Kopleck Taschenbuch, 1. Juni 2005 Verkaufsrang: 100500 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler entwickelte sich der Obersalzberg zu einem zweiten Machtzentrum neben Berlin. In der Propaganda konnte sich Hitler hier vor der majestätischen Bergkulisse als Kanzler des Volkes präsentieren. Während die deutschen Städte in Schutt und Asche versanken, blieb der Obersalzberg bis in die letzten Kriegstage eine Insel der Unversehrtheit. Heute ist dort von den NS-Bauten kaum noch etwas zu sehen. Die Geschichte des Ortes, an dem die größten Verbrechen geplant wurden, ist durch die Beseitigung ihrer steinernen Zeugnisse vermeintlich entsorgt worden. Der PastFinder stellt alle wichtigen Schauplätze der NS-Geschichte am Obersalzberg sowie der näheren Umgebung vor; anhand eines vierfarbigen Leitsystems und mehrerer Karten wird ein leichtes Auffinden möglich.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Super Dokumentation, Zeitgemäß im Super Design 5 von 5 Punkten Ich besitze nun alle vier Past Finder von Maik Kopleck, Berlin 1945-1989,1933-1945,München 1933-1945 und Obersalzberg.
Alle sind super informativ.
Schade daß es Nürnberg in diesem Format noch nicht gibt.
Gruß L.Kutscher
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Topspione im Westen: Spitzenquellen der DDR-Aufklärung erinnern sich Klaus Eichner, Gotthold Schramm Taschenbuch, 15. September 2008 Verkaufsrang: 56499 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Sie waren im bürgerlichen Leben Wissenschaftler, Journalisten, Militärs, Politiker, Diplomaten oder Verfassungsschützer, integre Leute mit bundesdeutschem Paß zumeist. Irgendwann entschieden sie sich, für die Gegenseite zu arbeiten: freiwillig, wohlüberlegt und ohne materielle Vorteile in Aussicht zu haben. Mehr als zwei Dutzend Top-Spione der DDR-Aufklärung berichten über ihre Motive, ihre Arbeit und deren Folgen. Das Einmalige an diesem Buch sind nicht nur die Lebensgeschichten. Nie zuvor in der Geschichte hat sich eine derart große Gruppe von Spionen kollektiv zu Wort gemeldet. Diese erinnern sich selbstbewußt, aber keineswegs selbstkritisch. Denn sie sind unverändert davon überzeugt, das Richtige getan zu haben. Auch wenn sie dafür ins Gefängnis mußten.
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Berlin unterm Hakenkreuz Sven Felix Kellerhoff Broschiert, März 2006 Verkaufsrang: 115388 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die wesentlichen historischen Daten und Fakten sowie eindrucksvolle Fotos zum Berlin der Jahre 1933 bis 1945. Der Zeitabschnitt von 1933 bis 1945 hat Berlin und das Bild der Stadt wie kein zweiter geprägt. Für viele war die Spreemetropole die Hauptstadt der Nazis schlechthin nicht zuletzt, weil Hitler hier seinen Untergang zelebrierte. Sven Felix Kellerhoff fesselt die Leser mit der Geschichte der Stadt unter der Herrschaft der Nationalsozialisten: von der so genannten Machtergreifung, über die Verfolgung Andersdenkender, die propagandistischen Großereignisse wie Olympia 1936 bis hin zum Bombenkrieg und den letzten Abwehrschlachten gegen die Rote Armee.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Wichtige Quelle zur Architekturgeschichte Berlins von 1933-1945 5 von 5 Punkten Neben den bereits erschienen Büchern "Berlin 1933-1934" und "Architektur in Berlin 1933-1945" ist das interessante Buch "Berlin unterm Hakenkreuz" eine wertvolle Ergänzung.
Bemerkungswert sind die seltenen, teilweise bislang unveröffentlichen Fotografien und eine Liste der wichtigsten Dienst-Gebäude, welche in der Zeit des Dritten Reiches in der Hauptstadt entstanden. |
Im Angesicht des Feuers: Wie ich der Hölle des Konzentrationslagers entkam Trudi Birger Taschenbuch, August 2002 Verkaufsrang: 57439 Als Tochter aus gutem Hause wächst Trudi in Frankfurt auf - bis zur Machtergreifung der Nazis, vor denen ihre Familie fliehen muß, zuerst nach Memel, dann nach Litauen. Nach den schrecklichen Jahren im Getto Kowno, wo Trudi ihren Vater verliert, werden Mutter und Tochter ins KZ Stutthof geschickt. Trudi Birgers Bericht ist ein eindrucksvolles und dramatisches Dokument des Überlebenswillens und des Opfermuts. Mit unglaublicher Kühnheit und Erfindungsgabe rettet sie sich und ihre schwerkranke Mutter immer wieder vor dem sicheren Tod.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Sehr bewegendes Buch. 5 von 5 Punkten Trudi Birger beschreibt mit sehr eindringlichen Worten ihre Erlebnisse im Getto von Kowno und im KZ Stutthof. Sie schildert ihren Leidensweg in der Nazidiktatur aus der Sicht eines Kindes. Bei all den Schrecken und Grausamkeiten, dem täglichen Überlebenskampf und der erlebten Barbarei sowohl durch die SS als auch durch ganz "normale" Zivilpersonen vergißt man oft, daß sie damals ein Kind war.
Eine der erschütterndsten Szenen dieses Buches ist, wie Trudi Birger mit hunderten Leidensgenossinnen vor den Verbrennungsöfen des KZ Stutthof steht, und in wirklich allerletzter Sekunde gerettet zu werden.
Sie führt dem Leser ebenfalls vor Augen, daß die psychischen Auswirkungen der Verfolgung bis in die heutige Zeit anhalten. Dem Leser wird klar, daß mit der Befreiung aus dem KZ der Leidensweg nicht bendet ist, sondern auf eine ganz bestimmte Art und Weise unabwendbar andauert.
Fazit: Ein sehr bewegendes und eindringliches Buch, daß man unbedingt gelesen haben sollt.
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Meines Vaters Land: Geschichte einer deutschen Familie Wibke Bruhns Gebundene Ausgabe, Februar 2004 Verkaufsrang: 56527 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Als der Vater starb, war sie sechs. Wibke Bruhns, Jahrgang 1938, sagt von ihm und ihrer großen Familie: "Ich weiß, wer die Leute sind. Aber ich kenne sie nicht." Ihr Buch dokumentiert den Versuch einer Annäherung an jene, die ihr am nächsten waren. Dabei kann sie sich auf reichhaltiges Quellenmaterial in Form von Tagebüchern, Briefen und Haushaltskladden stützen, denn beide Eltern entstammen traditionsbewussten Bürgerhäusern: Hans Georg -- HG genannt -- dem Halberstädter Handelshaus Klamroth, Else einem "Haus voller Herzlichkeit" in Wismar. Beide sind 1898 geboren und indem Bruhns ihre Geschichte(n) erzählt, blättert sie ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte auf. Ihres Vaters Land erweist sich als eine untergegangene Welt, materiell wie mental, und die Rekonstruktion als ein "Puzzle-Spiel", das die Autorin und uns in ein Wechselbad der Gefühle stürzt: HG freut sich 1917 "kolossal, noch so viel Krieg mitmachen zu dürfen". HG gewinnt mit einem brillanten Auftritt Elses Familie für sich. Else leidet unter den zahlreichen Affären ihres Mannes. Else empört sich über die Reichskristallnacht, weil sie um Deutschlands Image fürchtet. Bruhns macht kein Hehl aus ihrem Befremden ("Der spinnt." -- "Was geht bloß vor in diesen Männern?"), gleichzeitig hinterfragt sie schnelle Urteile: "Vorsicht! Was würde ich denn tun?" Das wirkt manchmal etwas pädagogisch, meistens aber sehr glaubhaft, auch dank des behutsam zupackenden Tons, in dem hier altdeutsche Bürgerherrlichkeit -- die Buddenbrooks lassen grüßen -- kommentiert wird. Im Zweiten Weltkrieg kämpft HG in Russland, ist dann Abwehr-Offizier in Berlin und wird in das Hitler-Attentat vom 20. Juli verwickelt. Der Erbsenzähler und Schürzenjäger als heroischer Tyrannenmörder? "Da ist viel Platz in so einer Psyche", staunt die Tochter Jahrzehnte danach. Ganz erschlossen hat sich ihr das Vater-Land nicht, dennoch endet sie versöhnlich: "Ich habe von dir gelernt, wovor ich mich zu hüten habe... Ich danke dir." Und wie viel Platz ist in so einem Buch! Bruhns gelingt eine ergreifende Geschichtsstunde aus persönlicher Betroffenheit, ohne die abgeklärte Attitüde des Berufshistorikers. Mit romanhafter Wucht beschwört sie Die Welt von gestern noch einmal herauf. --Patrick Fischer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 30 Bewertungen)
Beeindruckendes Hörbuch 5 von 5 Punkten Wibke Bruhns war gerade mal sechs Jahre alt, als ihr Vater, der Abwehroffizier Hans Georg Klamroth, am 26. August 1944 wegen Hoch - und Volksverrats hingerichtet wurde. Als Israelkorrespondentin hört und sieht sie 35 Jahre später ihren Vater in Originalfilmausschnitten seiner Hauptverhandlung vor dem Volksgerichtshof. Das setzt einen Überlegungsprozeß über ihren so nahen wie fremden Vater in Gang, den sie kaum kannte. Die Suche nach seiner Geschichte führt zurück in die Vergangenheit der Halberstädter Kaufmannsfamilie Klamroth. An Hand zahlloser Briefe, Fotografien, Tagebücher und Haushaltskladden erzählt Wibke Bruhns eine an die Lübecker Buddenbrooks erinnernde Familiensaga, die vom Kaiserreich durch die Weimarer Republik und zwei Weltkriege bis zum Ende der Diktatur des Dritten Reiches führt.
Das 360 seitige Buch ist 2004 auch als beeindruckendes ca. 6 stündiges Hörbuch (6 CDs) erschienen. Die Autorin liest es mit der klaren Stimme von Deutschlands erster ,Heute` - Nachrichtensprecherin und trotz aller persönlicher Betroffenheit mit professioneller Distanz. Bemerkenswert ist ihre Härte gegen ihre Familie und damit letztlich auch gegen sich selbst, wenn sie ihrer Mutter Else eine unkritische Gefolgschaft Hitlers vorwirft oder schonungslos die ehelichen Verfehlungen Hans Georgs (genannt ,HG`) aufdeckt. Trotzdem merkt man doch des öfteren, wie schwer ihr der Vortrag gerade so einschneidender Sequenzen wie der Schilderung schauriger Details der Hinrichtung ihres Vaters gefallen sein muß. Auch wenn Bruhns so manche Verirrung ihrer Eltern anprangert, fragt sie sich immer wieder selbstkritisch, wie sie selbst in der einen oder anderen schwierigen Situation reagiert hätte.
Auch wenn letzte Zweifel bleiben am Wert einer Darstellung , die so manche weißen Stellen im Leben ihres Vaters aufgrund der lückenhaften Quellenlage nur durch einfühlsame und logische Mutmaßungen der Autorin geschlossen hat, sind Buch und Hörbuch bemerkenswert. Da viele Menschen von den Zeiten in Deutschland vor ihrer Geburt nur vage Vorstellungen haben, ist es zu begrüßen, wenn die tatsächlichen Verhältnisse zwischen 1900 und 1945 nicht abstrakt, sondern an Hand einer konkreten Familiengeschichte anschaulich und erfaßbar gemacht werden. Sehr instruktiv hat Bruhns historische Hintergründe (wie die Situation der Ukraine nach dem Separatfrieden mit Deutschland, die Rolle Ludendorffs bei der sog. Dolchstoßlegende) aufgearbeitet. Nahezu jeder Deutscher hat vom Versailler Friedensdiktat gehört. Doch wer hat tatsächlich einmal die 440 Artikel (davon allein 231 zur Kriegsschuld) dieses Pamphlets gelesen, in dem beispielsweise exakt aufgelistet ist, wieviele Junghengste Deutschland jährlich den siegreichen Nachbarn Frankreich und Belgien im Rahmen seiner Reparationsverpflichtungen auszuliefern hat. Bei Bruhns lernt er es.
Fazit: Lehrreiches und unterhaltsames Hörbuch. Absolut empfehlenswert.
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Die Geschichte des »Mosaik« von Hannes Hegen: Vom Entstehen einer Comic-Legende in der DDR Matthias Friske Broschiert, September 2008 Verkaufsrang: 79985 Noch nicht erschienen. In der ansonsten eher tristen Presselandschaft der DDR funkelte von 1955 bis 1975 ein überraschend heller Stern: das »MOSAIK von Hannes Hegen«. Das MOSAIK, das in farbigen, lustigen und nebenbei den Geschichts- und Welthorizont des Lesers enorm erweiternden Geschichten die Abenteuer von Dig, Dag und Digedag erzählten, waren einer der erfolgreichsten deutschen Comics.Die Geschichte dieser »Bilderzeitschrift« steht in einer gleichermaßen eigenartigen wie faszinierenden Wechselbeziehung mit der politischen Geschichte der DDR, obwohl oder gerade weil Hannes Hegens MOSAIK sich betont unpolitisch gab. Die Abenteuer der Digedags bieten einen regelrechten Spiegel der Ereignisse, die um sie bzw. ihren Schöpfer herum geschahen. Dies anhand der Quellen nachzuzeichnen, den einen oder anderen Entstehungszusammenhang offenzulegen und dabei vielleicht auch eine Erklärung für die Herausbildung des Mythos um Hannes Hegens Werk und seiner Figuren zu finden, soll hier versucht werden.
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Die ethnische Säuberung Palästinas Ilan Pappe Gebundene Ausgabe, August 2007 Verkaufsrang: 8706
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Ein hervorragendes Werk! 5 von 5 Punkten Seit langem beobachte ich, wie Israel das Flüchtlingsproblem der Palästinenser beinhart ignoriert und zugleich seine Siedlungspolitik unbeugsam vorantreibt. Das hat mein Bedürfnis nach detaillierter Information über die historischen Wurzeln dieser Tatsachen geweckt. Die ebenso heftigen wie argumentationsschwachen Angriffe von Broder und anderen gegen Pappe haben mich zusätzlich neugierig gemacht.
Jetzt habe ich das Buch fast ausgelesen und meine Erwartungen wurden erfüllt und übertroffen.
Der wissenschaftliche Apparat erscheint mir absolut solide. Die schrittweise Ausformung und schließlich immer aggresivere Durchsetzung der Verteibunsgpolitik, ausgehend von zionistischen Grundorientierungen und Leitlinien wird umfassend durch Quellen belegt. Die Rolle Ben Gurions wird dabei besonders herausgearbeitet, auch seine Taktik bei der propagandistischen Absicherung des verbrecherischen, menschenverachtenden Vorgehens.
Man spürt, daß der Autor seinen Gegenstand nicht nur rational durchdrungen hat, sondern auch mit Herzblut schreibt. Neben den "großen Ereignissen" der Königsebene finden auch Details und Einzelschicksale ihren Platz.
Das Buch wird, meine ich, seinem Thema voll und ganz gerecht. Keinen Mangel, eher eine Stärke sehe ich darin, daß es neue Fragen auslöst:
Was genau machte diesen historischen Moment aus, in dem diese Katastrophe der Palästinenser fast unbemerkt geschehen konnte?
Welche Rolle haben besonders die verschiedenen sozialistischen und kommunistischen Kräfte gespielt?
Wie im Einzelnen hängt die Judenvernichtung des deutschen Faschismus mit der Gründung Israels zusammen?
Gibt es nicht eine (indirekte) Verantwortung der Deutschen für das Schicksal der Palästinenser?
Pappes Buch hat bei mir neue Lesebedürfnisse geweckt. Sicher werde ich bald auch "Die Geburt Israels. Mythos und Wirklichkeit" von Simcha Flapan lesen.
Übrigens äußere ich mich auf meinem Blog "www.opablog.twoday.net" noch ausführlicher zu dem Buch von Ilan Pappe.
Es wurde Zeit... 5 von 5 Punkten Durch Zufall stieß ich auf einen Artikel eines Herrn H.M.Broder ,in dem dieser mit den übelsten Beschimpfungen gegen den Autor zu Felde zog.Hetztiraden gegen Moslems,speziell Palästinenser, sind ja nun schon Massenware.Deshalb erstaunte es mich,das Herr Broder gegen einen israelischen Historiker zu Felde zog.Dabei aber kein Wort zum Inhalt des Buches verlor.Das machte mich neugierig.Nach dem lesen wusste ich,warum...
und warum man Ilan Pappe in Israel terrorisierte,so dass dieser Asyl in Grosßbritanien suchte.Wer sich für die Geschichte des Nahost-Konfliktes interessiert,kommt an diesem Buch nicht vorbei.Gut dass es ein israelischer Historiker war,der dieses buch schrieb;jedem anderen hätte man Antisemitismus unterstellt,um von den unbequemen Wahrheiten abzulenken!
Ein lange verdrängtes Kapitel israelischer Geschichte sichtbar gemacht 5 von 5 Punkten Es gibt Bücher, die unsere Buchhandlungen nicht im Sortiment vorhalten. Handelt es sich um ausländische Neuerscheinungen, ist eine der gängigsten Begründungen, daß die Titel möglicherweise nicht ins Deutsche übertragen wurden. Das 1992 in New York erschienene Buch "Profits of War. Inside the Secret U.S.-Israeli Arms Network" des ehemaligen israelischen Geheimdienstoffiziers Ari Ben-Menashe gehört ebenso dazu, wie die im Jahr 1995 erschienene Veröffentlichung von HRH General Khaled Bin Sultan "Desert Warrior. A Personal View of the Gulf War by the Joint Forces Commander", jenes saudi-arabischen Generals, der neben dem hinlänglich bekannten US-General Norman Schwarzkopf ein "parallel command" im Zweiten Golfkrieg 1991 innehatte.
Bei näherem Hinsehen könnte neben der fehlenden deutschen Übersetzung jedoch auch noch ein anderer Grund dafür in Frage kommen, nämlich, daß der Inhalt dieser Bücher sich nicht für eine Diskussion in unserem Lande eignet! Denn wer möchte schon darüber nachlesen, daß Israel dem Iran, der das Land heute mit seiner Vernichtung bedroht, in seinem Krieg gegen den Irak von 1980 bis 1988 mit Waffen beliefert hat? Und wen interessiert schon, daß die arabischen Staaten für die Befreiung Kuwaits ihre Streitkräfte kaum dem Kommando eines amerikanischen Generals unterstellt hätten.
Das bereits im Jahr 2006 in Oxford/ England erschienene Buch von Ilan Pappe "The Ethnic Cleansing of Palestine" gehört seit neuestem nicht mehr zu dieser Kategorie: unter dem Titel "Die ethnische Säuberung Palästinas" liegt es dankenswerterweise inzwischen auch in deutscher Übersetzung vor, so daß sich auch jene intensiver mit der Materie auseinandersetzen können, denen wegen mangelnder Sprachkenntnisse das englische Original bisher verschlossen blieb.
In ihm beschreibt der israelische Historiker und Professor für Politische Wissenschaften der Universität Haifa den Krieg 1948 zwischen dem gerade erst gegründeten Staat Israel und Palästina. Während dieser Krieg in der israelischen Wahrnehmung als "Unabhängigkeitskrieg" bezeichnet wird, rückt Pappe die massenhafte und von der israelischen Armee mit brutaler Gewalt vorangetriebene Vertreibung der Palästinenser in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Die ethnische Säuberung großer Teile Palästinas, so Pappe, sei von Anfang an eine sorfältig vorbereitete Strategie gewesen und stelle heute eine der Wurzeln des andauernden Konflikts im Nahen Osten dar. Vor allem räumt Pappe auf mit dem Mythos des 'voluntary flight' - von der freiwilligen Flucht der Palästinenser aus ihrer Heimat - der heute immer noch weitgehend durch die Argumentation geistert. Tatsache sei vielmehr, daß an die 1 Mio. Palästinenser unter Anwendung von Gewalt gezwungen worden seien, ihre Häuser und Dörfer zu verlassen. Dieser Vorgang, der teilweise unter den Augen von UN-Beobachtern, einer offenbar sich kaum darum kümmernden britischen Mandatsmacht und einer im allgemeinen indifferenten Weltpresse stattfand, habe, so der Autor, zu einer der größten Massenvertreibungen der neueren Geschichte geführt. Detailliert und kenntnisreich beschreibt er die Vorgänge der damaligen Zeit. Er stützt sich dabei, nicht wie etwa andere Historiker, nur auf israelische Quellen, sondern begibt sich selbst an die Orte des Geschehens, rekonstruiert die Überfälle der israelischen Armee und befragt überlebende Zeitzeugen. Pappe selbst sagt, mit seinem Buch habe er zweierlei untersuchen wollen, zum einen, wie 1948 bei der ethnischen Säuberung vorgegangen wurde, und zum andern, die Art und Weise, wie diese anschließend in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden sei. Die nur drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs allenthalben voherrschende Gleichgültigkeit sowie die auffällige Zurückhaltung jeglicher Kritik gegenüber dem jüdischen Staat nur drei Jahre nach dem Holocaust, habe der Welt erlaubt, den Vorgang schlichtweg zu verdrängen und so die Verantwortlichen in die komfortable Lage versetzt, das Verbrechen, das die zionistische Bewegung 1948 an dem palästinensischen Volk begangen habe, einfach abzustreiten.
Wer immer sich mit dem Problem 'Naher Osten' und den Befindlichkeiten der sich nahezu unversöhnlich gegenüberstehenden Parteien befaßt, und wer vor allem nach Erklärungen für das heutige Verhalten der Palästinenser sucht, für den ist Ilan Pappes Buch ein absolutes Muß!
Endlich - Die Wahrheit 5 von 5 Punkten Eine mutige und ausgezeichnete Darstellung der Wahrheit, die seit der Gründung des Staates Israel bewüsst unterdruckt wurde.
Fragwürdig 1 von 5 Punkten Das Buch von Ilan Pappe, der zu den "neuen Historikern" Israels, welche die israelische Geschichte für Mythenbildung halten, gezählt wird, ist bei Zweitausendeins erschienen. Das Programm dieses Verlages umfaßte Themen, wie die Entführung von Menschen durch kleine, graue Aliens, die "Wahrheit" über die Kornkreise und Verschwörungstheorien aller Art: von der CIA als größter Drogenhändler bis zu den obskursten Elaboraten über 9/11. Deshalb ist auch im Fall dieses Werkes erst einmal Vorsicht geboten.
Doch zunächst zum historischen Hintergrund. Am 29. November 1947 beschloß die UNO einen Teilungsplan Palästinas, der den Juden 56 Prozent und den Arabern 44 Prozent des Territoriums zusprach. Die arabische Seite lehnte diesen Plan strikt ab. Als am 15. Mai 1948 das britische Mandat über Palästina endete und gleichzeitig der Staat Israel die Unabhängigkeit mit sofortiger Anerkennung durch die USA und die UdSSR erhielt, marschierten am gleichen Tag die Armeen Ägyptens, Transjordaniens, Syriens, Iraks und Libanons in Palästina ein. Damit begann der Kampf ums Überleben des jüdischen Staates. Die erste Fluchtwelle der Palästinenser setzte bereits im Dezember 1947 mit dem Weggang der städtischen Oberschicht ein, dem die Bewohner ganzer Stadtviertel und vieler Dörfer folgten. Zweifelsohne wurde die zweite Welle durch das Vorgehen jüdischer Einheiten im Kampf um die Straße von Tel Aviv nach Jerusalem ausgelöst. Der überwiegende Teil der Menschen floh jedoch aufgrund der Kampfhandlungen, bei denen arabische Einheiten ganze Dörfer evakuieren ließen. Inwieweit arabische Politiker die Palästinenser zur Flucht aufgefordert haben, ist bis heute unklar.
Folgt man den Ausführungen Pappes galt der "Plan Dalet" nicht der Sicherung der UNO-Grenzziehung durch jüdische Militärorganisationen, sondern der systematischen ethnischen Säuberung Palästinas. Hinter diesem Masterplan steckte angeblich niemand anders als David Ben Gurion zusammen mit einer ominösen Beratergruppe. Dann läßt Pappe im Rahmen der Umsetzung dieses Planes das palästinensische Blut in Strömen fließen. Als wären die israelischen Einheiten nicht in einen Existenzkampf verwickelt, ja als gebe es gar keine arabischen Truppen, hasten die Israelis ungehindert von Dorf zu Dorf, um systematisch Massaker an der Zivilbevölkerung, einschließlich Frauen und Kindern, anzurichten.
Das krasseste Beispiel ist der Bericht über das Massaker in Tantura mit 230 Opfern. Pappe stützt sich dabei auf den Studenten Teddy Katz, der im Rahmen seiner Doktorarbeit Interviews mit "Überlebenden" über 50 Jahre nach den Ereignissen führte. Seltsamerweise drang in all den Jahrzehnten nichts davon an die Öffentlichkeit, obwohl arabische Wissenschaftler alles daransetzen, um Israel Kriegsverbrechen nachzusagen. Katz wurde von Veteranen der Alexandroni-Brigade, die dieses Verbrechen begangen haben soll, wegen Verleumdung verklagt. Das Gericht stellte fest, dass die Forschungsarbeit Fälschungen und Lügen beinhalte, nachdem sowohl jüdische als auch arabische Zeugen bestritten, dass sich nach der Kapitulation des Dorfes ein Massaker ereignet hätte. Katz unterzeichnete einen Entschuldigungsbrief. Die Doktorarbeit wurde nachträglich von der Universität Haifa aberkannt. Das hält Pappe aber nicht davon ab, seitenlang über dieses Massaker, das nie stattfand, zu berichten.
Keine Frage, dass während dieses Krieges von israelischer Seite auch Kriegsverbrechen begangen wurden. Dazu zählt der Angriff auf das Dorf Deir Jasin, dem 354 Palästinenser zum Opfer fielen. Aber die Herangehensweise Pappes an dieses wichtige Thema wird den elementarsten Voraussetzungen historischer Forschung nicht gerecht.
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Deutsche Kolonialgeschichte Winfried Speitkamp Taschenbuch, Juni 2005 Verkaufsrang: 30670 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die ehemaligen deutschen Kolonien tragen noch heute an den Folgen der Kolonialherrschaft, und auch die deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts ist ohne die koloniale Erfahrung nicht zu verstehen. Der Band behandelt die deutsche Kolonialgeschichte nicht nur als Geschichte von Unterwerfung, Gewalt und Widerstand, sondern auch von Begegnungen und Austausch. Er fragt zugleich nach dem Standort der Kolonialzeit in der Erinnerungskultur.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Kompaktes Wissen, Preis/Leistung Top 5 von 5 Punkten Speitkamp versteht es auch im Reclam-Format viele Informationen sinnvoll zu vermitteln. Wie auch bei seinen anderen Büchern gibt es Inhaltstechnisch keine Mängel.
Nirgends sonst kann man sich für den Preis über die dt. Kolonialgeschichte so umfassend vorbereiten. Alle Facetten werden beleuchtet, ohne stupide Fakten aneinander zu reihen. Die Zusammenhänge sind zu jeder Zeit klar und deutlich erkennbar.
Für Studenten ein Must-Have, für Intellektuelle oder Wissenshungrige eine sinnvolle Anschaffung. Dieses Thema rückt oft zu Unrecht in den Hintergrund, ich vertrete aber die Meinung, dass (da es auch nicht in den Lehrplänen dt. Schulen erscheint) man Teile dt. Geschichte nicht einfach umgehen sollte.
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Der lange Weg nach Westen. Sonderausgabe. Zwei Bände im Schuber.: 2 Bände Heinrich August Winkler Taschenbuch, August 2002 Verkaufsrang: 30812 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Nur zwei Jahre nachdem Heinrich August Winklers Der lange Weg nach Westen erstmals aufgelegt wurde, gilt diese glänzende zweibändige Studie über die jüngere deutsche Geschichte bereits als Standardwerk -- und dies zu Recht. Urteilssicher und angenehm ungeschwätzig legt der Autor darin die historischen Entwicklungslinien vom Ende des Alten Reiches im Jahre 1806 bis zur Wiedervereinigung 1990 frei. Dass auch nach 1806 die politische Geschichte Deutschlands keinen voraussetzungslosen Anfang nehmen konnte, versteht sich von selbst. Winkler trägt den tief verwurzelten Bestimmungsgründen deutscher Befindlichkeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts in einem glänzenden Einleitungskapitel Rechnung, das er treffend "Prägungen: Das Erbe eines Jahrtausends" überschrieben hat. Auf gerade einmal etwas mehr als 30 Seiten erfährt man hier mehr über die tiefen Wurzeln der einen oder anderen deutschen Besonderheit, als in so manchem dicken Kompendium über die deutsche (Vor-)Geschichte. Ebenso prägnant und urteilssicher wie die Vorgeschichte präsentiert uns der Autor dann auch die deutschen (Ab- und Irr-)Wege durch die Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Dabei wird noch einmal überdeutlich, wie sehr sich bis Weimar die obrigkeitsstaatlich geprägte deutsche politische Kultur und das politische Bewusstsein der Deutschen von dem demokratisch entwickelteren Politikverständnis in England sowie in Frankreich unterschied. Und noch einmal deutlich vor Augen geführt wird uns auch, wie tief der Bruch der Weimarer Republik mit dieser Tradition war. Sehr viel tiefer zumindest, als die obrigkeitsstaatliche Seele der politischen Eliten zu verkraften vermochte. Den der verspäteten Demokratisierung vorangehenden Nationalsozialismus schildert Winkler unter anderem, in dem er ihn abgrenzt gegen die faschistischen Bewegungen in anderen europäischen Ländern, namentlich in Italien, Spanien und Portugal. Als unvergleichlich radikaler erweist sich dabei einmal mehr die totalitäre politische "Religiosität" des Nationalsozialismus. Auch die auf "die deutsche Katastrophe" folgenden Wegmarken der deutschen Geschichte von der Teilung bis zur deutschen Einheit 1990 analysiert Heinrich August Winkler mit einem beeindruckend souveränen Urteil, das es ihm erlaubt, die komplexen politisch-historischen Prozesse überzeugend auf ihren Nenner zu bringen. --Andreas Vierecke
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Magnus Opum deutscher Geschichtsschreibung 5 von 5 Punkten "Deutschlands Weg nach Westen war lang und auf weiten Strecken ein Sonderweg. Und wenn auch alle Geschichte eine Geschichte von Sonderwegen ist, so gibt es doch einige, die noch besonderer sind als die anderen. Die Deutschen bedürfen der Vergegenwärtigung ihrer Geschichte aber nicht nur um ihrer selbst willen. Sie sind diese Anstrengung auch dem gemeinsamen Projekt Europa schuldig" (Band II, 657).
Heinrich August Winklers erstmals 2000 erschienende Geschichte der Deutschen, beginnend mit dem Untergang des Alten Reiches 1806, gehört nach wie vor zum Besten, was Schüler, Studenten und Interessierte zur Geschichte unseres Landes in den vergangenen 200 Jahren in die Hand bekommen können.
Ausgehend von der Frage nach einem eventuellen deutschen Sonderweg beschreibt der Autor in zwei Bänden, elf Kapiteln und auf mehr als 1500 Seiten, wie aus Deutschland ein "postklassischer demokratischer Nationalstaat unter anderen" (Band II, 638) werden konnte, in dem wir heute leben.
In der Einleitung definiert Winkler die drei Faktoren, die er als Voraussetzung des deutschen Sonderweges betrachtet:
1) das supranationale Gebilde des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
2) die Glaubensspaltung zu Beginn des 16. Jahrhunderts
3) der Dualismus Preußen-Österreich ab der Mitte des 18. Jahrhunderts
Diese Faktoren begründen, so Winkler, dass Deutschland unter einer "doppelte[n] Verspätung" (Band II, 640) gelitten habe: späte Nationswerdung (erst 1871) und noch spätere Demokratisierung (1919/1945).
Die Kapitel sind zeitlich gegliedert und zeichnen sich durch großen Quellenreichtum aus. Zahlreiche Zitate von Zeitgenossen werden in den Text integriert, so dass sich eine lebendige, spannende und exzellent zu lesende Darstellung ergibt.
Höhepunkte sind die Kapitel über die Weimarer Republik (ein Spezialgebiet Winklers, über das er auch ein eigenes Buch geschrieben hat) sowie das abschließende Kapitel "Einheit in Freiheit 1989/90". Winkler war selbst an der Diskussion um das ob und wie der Wiedervereinigung beteiligt und bezieht daher klare Werturteile. Der Historiker verurteilt Lafontaines These vom Ende des Nationalstaates, mit dem der damalige Kanzlerkandidat der SPD gegen die Wiedervereinigung zu Felde zog. Auch andere Linke, die Auschwitz als Argument gegen ein erstarktes Deutschland in der Mitte Europas instrumentalisierten, werden von Winkler, der selber Sozialdemokrat ist, abgewatscht. Besonders deutlich wird seine Verachtung für Helmut Kohl. Zu Beginn des Jahres 2000, und somit kurz vor Veröffentlichung des zweiten Bandes, kam zu Tage, dass Kohl 16 Jahre lang das Gesetz gebrochen hat, da ihm sein Ehrenwort wichtiger war als sein dem deutschen Volk geschworener Amtseid. Kohl habe durch seine kriminelle Energie im Parteispendeskandal der Bonner Republik und dem Vertauen in die Demokratie schweren Schaden zugefügt. Dennoch würdigt der Autor Kohls Leistung in den Jahren 1989 und 1990.
Winklers Thesen, vor allem die über den deutschen Sonderweg, bleiben umstritten. Doch das mindert nicht das Lesevergnügen. Im Gegenteil. Diese Darstellung wird wohl noch für Jahre das Magnus Opum deutscher Geschichtsschreibung bleiben.
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In langer Reihe über das Haff: Die Flucht der Trakehner aus Ostpreußen Patricia Clough Broschiert, Oktober 2006 Verkaufsrang: 62192 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Am 16. Oktober 1944 flohen vom ostpreußischen Gut Trakehnen Pferde und Menschen nach Westen. Das 200 Jahre alte, weltberühmte Gestüt mußte sich vor der russischen Roten Armee retten. Eine der ergreifendsten Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg, von Patricia Clough einfühlsam und spannend erzählt. Viele tausend Pferde legten ohne Futter und Wasser Hunderte von Kilometern zurück, viele von ihnen verendeten oder kamen geschwächt und krank in ein anderes Land. Auf der Flucht zogen die Tiere ihre ramponierten Wagen und erschöpften Familien nach Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hessen. Sie brachten ihre Lasten durch bittere Kälte, Eis und Schnee, durch Feuer und Bombenhagel. Selten war das Band zwischen Menschen und Pferden so stark wie damals - die Pferde hatten die Ostpreußen vor Tod, Vergewaltigung, Gefangennahme, Deportation und Zwangsarbeit bewahrt. Und die Ostpreußen hatten ihre Pferde gerettet.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
In langer Reihe über das Haff 5 von 5 Punkten Dieses Buch sollte Pflichtlektüre nicht nur für Pferdefreunde sein; die Autorin schildert sachlich die unvorstellbare und leider zu lange tabuisierte Leidensgeschichte derOstpreußen und ihrer wertvollen Pferde.
Das Buch beginnt mit dem Alltag auf dem damals größten Gestüt Europas, gibt Einblicke in die Politik eines Wahnsinnigen und seiner Schärgen und läßt den Leser teilhaben an dem Mut, der Hoffnung, aber auch der Verzweiflung der Menschen (überwiegend Frauen), die einen "Trail of tears" hinter sich bringen um am Schluß doch so gut wie alles zu verlieren, vor allem die geliebten, geliebten Pferde.
Es ist dringend an der Zeit neben der Geschichte der bekannten und immer wiederkehrenden Kriegsgreuel auch die Geschichte der Vertriebenen ins Bewußtsein zu rücken, solange es noch Zeitzeugen gibt, die davon erzählen können.Der Autorin ist dieses gut gelungen.
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Schweigen die Täter reden die Enkel Claudia Brunner, Uwe von Seltmann Broschiert, August 2006 Verkaufsrang: 141993 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Zwei Angehörige der "Enkel-Generation" erzählen, wie sie mit der NS-Vergangheit ihrer Vorfahren umgehen Mit ihren ungewöhnlich persönlichen Berichten wollen die Autoren deutlich machen, das es keinen Schlussstrich unter die NS-Zeit geben darf, geschweige denn kann. Schuld ist vererbbar, aber die nachfolgenden Generationen haben dennoch unter den psychischen, moralischen und sozialen Folgen ihres Verschweigens zu leiden.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Eine Aufarbeitung mit der NS-Vergangenheit 5 von 5 Punkten In diesem Buch berichten zwei Nachkommen von NS-Tätern über ihre Vorfahren und über ihre Gefühle diesen gegenüber. Claudia Brunner ist die Großnichte von Alois Brunner, der an der Vernichtung von 130 000 Juden beteiligt war. Man spürt ganz deutlich die Abneigung, die Brunner ihrem Großonkel entgegenbringt, aber auch die Faszination, die er auf sie ausübt. Ihre Ausführungen geben einen deutlichen Einblick in ihre Gefühlswelt und macht ihre Wissbegier nach offenen Fragen (z.B. ist ungeklärt, ob Alois Brunner noch lebt) verständlich. Ihre Verwandtschaft mit einem offensichtlichen NS-Verbrecher belastet sie immer mehr, und obwohl ihre Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ursprünglich aus reinem Interesse begann, werden ihre psychischen Probleme im Laufe der Zeit - je mehr sie über den Großonkel in Erfahrung bringt - immer stärker. Im Gegensatz dazu ist die Auseinandersetzung von Uwe von Seltmann mit seinem Großvater Lothar von Seltmann zwar auch gefühlsmäßig sehr tief, jedoch schafft er es im Zuge der Aufarbeitung, den Hass auf den NS-Täter abzulegen, wahrscheinlich auch unter dem Aspekt, dass dieser von allen Personen, die ihn kannten, als „sympathisch und nett" bezeichnet wird. Seltmann erfährt erst im Zuge seiner Recherchen über die Beteiligung des Großvaters an NS-Verbrechen, jedoch wird nie geklärt, in welchem Ausmaß er wirklich aktiv daran beteiligt war. Beiden Autoren ist gemeinsam, dass sie überfüllt von Schuldgefühlen sind, die sich aufgrund der Taten ihrer Vorfahren immer mehr verfestigen. Das Buch macht klar, dass wir uns von der Vergangenheit nicht abkapseln dürfen, auch wenn wir nicht direkt daran beteiligt waren, dass es aber auch keinen Sinn hat, uns selbst als „Schlecht" zu empfinden, nur weil das Blut von NS-Verbrechern in uns fließt. Wolfgang Benz geht im Nachwort noch mal intensiv auf das Schweigen und auch das Leugnen der Menschen nach 1945 über die Zeit vor 1945 ein und befasst sich mit der von den Besatzungsmächten durchgeführten Entnazifizierung.
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Sozialistische Cowboys. Der Wilde Westen Ostdeutschlands Friedrich von Borries, Jens-Uwe Fischer Broschiert, 23. Januar 2008 Verkaufsrang: 77059 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Um einen Raum zu imaginieren, in den bis heute Sehnsucht nach Freiheit projiziert wird, mußte Karl May Radebeul nicht verlassen. Seine Erben konnten es nicht, also holten sie den Wilden Westen in die DDR. 1956 wurde der "Indianistikklub Old Manitou" gegründet, dem zahllose weitere folgten. Die Autoren erzählen unbekannte Alltagsgeschichte(n) aus dem »Reservat DDR«: über Defa-Western und Dean Reed, sozialistische Cowboys, die sich als »Landarbeiterproletariat« inszenieren mußten, den Häuptling von Hoyerswerda und die Stasiakte »Tomahawk«. Die historische Reportage begleitet die Protagonisten bis in eine Gegenwart, in der die amerikanische Geschichte eine ganz andere Bedeutung bekommt: »reenactment«. In nachinszenierten Schlachten aus dem Bürgerkrieg übernehmen sie am liebsten die Rolle der Konföderierten und identifizieren sich mit dem Stolz der Verlierer.
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Die weiße Rose Inge Scholl Taschenbuch, Februar 1993 Verkaufsrang: 13897 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die "Weiße Rose" wurde zum Symbol einer Aktion, mit der einige Münchner Studenten zum Widerstand gegen die Diktatur Hitlers aufriefen. Sie bezahlten dafür mit ihrem Leben: im Februar 1943 fielen sie der Gestapo in die Hände. Die Geschwister Hans und Sophie Scholl waren unter den Hingerichteten. Inge Scholl, die Schwester, erzählt mit Hilfe von geretteten Dokumenten die Vorgeschichte und den Verlauf der Bewegung. Diese Ausgabe enthält außerdem Gerichtsurteile, Pressereaktionen und Augenzeugenberichte.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
Deutscher Widerstand aus innerer Überzeugung 5 von 5 Punkten Es gibt Bücher, die muß man einfach gelesen haben. Dieses Buch gehört für mich ganz klar dazu. Gut les- und nachvollziehbar wird die Geschichte der Weißen Rose erzählt. Hierbei bleiben Hintergrundinformation (vgl. andere Rezensionen) nicht aus. Nicht als historische Abhandlung sondern in Form eines Zeitzeugenberichtes schildert Inge Scholl die Motivation ihrer Geschwister und der anderen Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe. Auch wenn ihr Fokus bei ihrer Schwester Sophie und ihrem Bruder Hans liegt, verliert sie die anderen Mitglieder der Weißen Rose und deren Geschichte nicht aus dem Blick. Dieses Buch vermittelt einen ersten guten Einblick in den studentischen Widerstand gegen das Unrechtsregime des Nationalsozialismuses.
Mich hat das Buch zum Nachdenken angeregt. Solche Schilderungen von geschichtlichem Zeitgeschehen tragen dazu bei, daß wir uns unserer Verantwortung als Deutsche bewußt werden können.
In Summe: Deutsche Geschichte zum Anfassen! Absolut lesenswert!
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Historisch-Politische Weltkunde: Historisch-politische Weltkunde, Weimarer Republik und Nationalsozialismus: Kursmaterialien Geschichte Sekundarstufe II/Kollegstufe Bernd Hey, Hans-Jürgen Pandel, Joachim Radkau Taschenbuch, 1990 Verkaufsrang: 86799 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Sehr zu empfehlen 5 von 5 Punkten Dieser Band über die "Weimarer Republik und Nationalsozialismus" erscheint mir wie andere der Reihe "Historisch-politische Weltkunde" des Klettverlags sehr zu empfehlen. Und zwar für Schüler, aber auch für interessierte Laien, für Studenten udn für Lehrer.
Überblicksdarstellungen über Weimarer Republik und Nationalsozialismus gibt es sicherlich genügend - so etwa Horst Möller zu Weimar, Wolfgang Benz oder Ulrich Thamer zum Dritten Reich oder sehr kompakt und gut lesbar auch Wilhelm von Sternburgs "Deutsche Republiken". Der Vorzug derartiger Einzelpublikationen liegt sicherlich in ihrer subjektiven Durchdringung des Themas. Damit meine ich, dass der Autor aus seinem Blickwinkel das Material, das er verarbeitet hat, gewichtet, eigene, z.T. originelle und wichtige, z.T. aus meiner Sicht aber auch überzogene Bewertungen vorbringt.
Darin sehe ich zugleich aber auch den Nachteil dieser Werke, denn für denjenigen, der möglichst schnell Grundinformationen will, um sich anschließend selbst zu orientieren, ist ein derartiger Zugang oftmals auch problematisch. Sonmit habe ich erst nach meinem Geschichtsstudium erkannt, welchen Wert Schulbücher nicht nur für "Anfänger" besitzen. Meines Erachtens wurde die Bedeutung der Didaktik für das universitäre Fach Geschichte bislang viel zu sehr unterschätzt.
In dem Band von Hey, Pandel und Radkau jedenfalls wird das Thema so aufgearbeitet, dass man es für sich tatsächlich selbstständig klären kann. Das Buch ist in insgesamt 9 Rubriken (wörtlich zu verstehen, da im Inhaltsverzeichnis rot markiert) gegliedert, die wiederum in 3 oder 4 Unterkapitel aufgeteilt sind. Somit sind auf einen Blick wichtige Themen erkennbar und man kann sich sehr schnell orientieren. Das Buch besitzt also eine Zugriffsstruktur, wie man bei Wörterbüchern sagen würde, und ist damit benutzerfreundlich - im Gegensatz zu vielen Fachbüchern, die sich oft nur mühsam über das Personenregister erschließen lassen.
In jedem Kapitel bietet dieses Buch einen sehr sachkundigen darstellenden Teil, in dem meines Erachtens die Balance zwischen Ausführlichkeit und didaktischer Reduzierung auf das Wesentliche sehr gut getroffen wurde. Wer dies liest, weiß fürs Erste eigentlich, was man wissen sollte.
Nach diesen Verfassertexten folgen jeweils Quellen- bzw. Materialteile, in denen sowohl Auszüge aus Primärquellen als auch aus der Sekundärliteratur zu finden sind. Und somit kann man sich anhand dieses Buches durchaus auch in wissenschaftliche Kontroversen und in besondere Deutungen einarbeiten, allerdings - und das erscheint mir wichtig - erst, nachdem man das Grundlegende weitgehend wertneutral aufgenommen hat - und nicht sogleich. Dieses didaktische Grundprinzip, dass nämlich zuerst das Elementare geklärt sein muss, ehe man sich den schwierigeren Dingen zuwendet, scheinen Fachwissenschaftler als Autoren von Überblicksdarstellungen oder "Einführungen" meiner Meinung nach viel zu oft zu vergessen: Den Leser dort abholen, wo ers ich befindet!
Somit kann dieser Darstellung keinesfalls der Vorwurf einer zu starken Faktenorientierung gemacht werden, sondern hier ist aus meiner Sicht jene Balance zwischen Darstellung und Quellenarbeit, an der sich spätestens seit dem "Schmid" (Fragen an die Geschichte) jedes Geschichte-(Schul)buch messen lassen muss, sehr gut getroffen. Deswegen halte ich dieses Buch auch für Studenten für nützlich, da es einen sehr praktischen und sinnvollen Zugang zu wichtigen Quellen und beachtenswerten Forschungsansätzen bietet. |
Preußens Gloria: Der Aufstieg eines Staates Siegfried Fischer-Fabian Broschiert, 13. November 2007 Verkaufsrang: 37638 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Fischer-Fabian gibt in seinem Bestseller eine Darstellung der Ursache von "Preußens Gloria", dem Aufstieg Preußens zur Großmacht. Obwohl bereits 1979 erschienen, hat das Buch bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Fischer-Fabian beleuchtet die Zeit zwischen 1701 und 1786, der Zeit also, in dem der Kurfürst von Brandenburg erster preußischer König wurde. Das Buch beschreibt die Regierungszeit der Könige Friedrich I., Friedrich-Wilhems I. und Friedrichs II. in ihrer Zeit. Fischer-Fabian lässt keinen Zweifel daran, dass Preußens Aufstieg zur Großmacht vor allem durch den "Soldatenkönig" Friedrich-Wilhelm I. und seinen Sohn, Friedrich II., dem "Großen" zu verdanken sei. Allerdings habe der - eher schwache - König Friedrich I. sehr genau erkannt, wie wichtig es sei, den Titel - die preußische Krone und damit die Anerkennung als eigenständige Macht auf dem europäischen Kontinent - durch den habsburgischen Kaiser zu erhalten. Dieser Traum wurde 1701 erfüllt. Noch sein Enkel Friedrich der Große schrieb: "Was in seinem Ursprung ein Werk der Eitelkeit schien, erwies sich nachher als ein Meisterstück der Politik...Es war eine Lockspeise, die Friedrich seinen Nachkommen hinwarf und durch die ersagen wollte: ich habe den Titel erworben, Ihr sollt Euch seiner würdig machen: das Fundament Eurer Größe habe ich gelegt, an Euch ist`s, den Bau zu vollenden." Dies haben seine beiden Nachfolger getan. In Anlehnung an Wolfgang Venohr sieht Fischer-Fabian den unmittelbaren Nachfolger Friedrichs I., den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1713-1740) als "größten inneren König", wobei er insbesondere auf die religiöse Toleranz des Königs eingeht, der Protestanten aus Österreich, die sich mit dem dortigen Bischof überworfen hatten, aufnahm und so zur "Peuplierung" des Landes beitrug. Friedrich Wilhelm I., der sehr sparsam gewesen ist, trug durch konsequente Anwendung der merkantilistischen Wirtschaftspolitik (dem System einer staatlich gelenkten Wirtschaft, die protektionistische Maßnahmen vorsah, um Handel, Gewerbe und Landwirtschaft zu fördern) zur Mehrung des Wohlstandes des Landes bei. Außenpolitisch hielt er sich - obwohl er - gemessen an der Einwohnerzahl Preußens - die größte Armee des Kontinents - die sogenannten "langen Kerls" schuf und Armeereformen durchführte - im Gegensatz zu seinem Nachfolger zurück und konnte den nach dem Tode Friedrichs I. völlig maroden Staatsschatz durch sparsames Wirtschaften auffüllen. Seine Devise war: nicht mehr ausgeben, als man einnehmen kann und diese Devise grenzte fast an Geiz, wie Fischer-Fabian eindrucksvoll zu berichten weiß. Sein Sohn Friedrich II. erhob Preußen zur Großmacht. Gleich nach seinem Regierungsantritt fiel er in Schlesien ein - neben Ruhmsucht trugen aber auch wichtige strategische Überlegungen dazu bei - insbesondere die Überlegung, dass nur eine Annektion Schlesiens Preußens Zerstückelung beenden und den Aufstieg zur Großmacht einleiten konnte. Friedrichs Herrschaftsgebiete waren 1740 quer über Nordeuropa hin verstreut, vom Rheinland bis an die russische Grenze, und die Kernländer waren von den Außengebieten durch geschlossene Blocks fremder Territorien geschieden. Cleve, Mark und Ravensberg ließen isch nicht gegen Frankreich verteidigen, Ostpreußen nicht gegen Rußland, und die Grenze Sachsens war nur 50 Kilometer von Berlin entfernt. Die Geographie seines Erbes, eines selbst für deutsche Verhältnisse einzigartigen Gebiles aus Stücken und Flicken, war das überzeugendste seiner Argumente. Dies bedeutet nicht, Friedrichs Annektion Schlesiens zu billigen. Aber es scheint notwendig, diese Annektion unter strategischen Gesichtspunkten im damaligen historischen Kontext zu bewerten. Und diese Bewertung gelingt Fischer-Fabian gut, wie er auch die weitere Regierungszeit Friedrichs II. treffend darstellt. Der furchtbare Kriegsalltag wird ohne Beschönigung insbesondre in den Schilderungen des Schweizers Ulrich Bräker dargestellt und auch Friedrich II. lernte um und sah - spätestens am Ende des siebenjährigen Krieges 1763, der Europa zum "Schauplatz der apokalyptischen Reiter" machte - wie vergeblich Kriege sein können. Am Ende des Krieges war er ein von der Gicht gebeuter, frühzeitig gealterter und verbrauchter Mann, der dennoch Preußen zur Großmacht machte - wie immer man heute dazu stehen mag. Die preußische Geschichte in dieser Zeit packend für den interessierten Laien nacherzählt zu haben (für Wissenschaftler ist das Buch zwar auch heute noch lesenswert, aber dennoch sind die zitierten Quellen zwar historisch wertvoll, mittlerweile jedoch veraltet), darin liegt das unbestreitbare Verdienst Fischer-Fabians, der ein packendes, heute noch gut lesbares und spannendes Buch über Preußens Glanzzeit verfasst hat.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Einfach und wunderbar geschrieben 5 von 5 Punkten Dieses Buch ist nach dem Lesen der ersten Kapitel direkt zu einem meiner Lieblingsbücher geworden. Dabei erinnert mich diese Einfachheit die geschichtlichen Ereignisse zuschildern an den verstorbenen Sebastian Haffner (Anmerkungen zu Hitler / Von Bismarck zu Hitler / Die deutsche Revolution 1918/1919)
Der Autor schildert die Zeit und die Hintergründe des Handelns der einzelnen Könige , dabei werden politische Entscheidungen mit einbezogen die wichtig sind um das ganze Ausmass zuverstehen. Dabei verstrickt er sich nicht in komplizierte Formulierungen.
Durch dieses Buch bekommt man einen guten und komplexen Einblick in das Leben in Preussen, in das Leben und Streben der Könige, man bekommt einen Einblick in das politische Umfeld, auch der damaligen Minister und Generale.
Die ausländichen Beziehungen (Frankreich, Rußland, Österreich, England, Sachsen, Polen...) werden kurz erklärt und auch deren Gründe und Beziehungen zu der aufstrebenden Großmacht Preussen.
Ich werde auf jeden Fall alle Bücher aus dieser Reihe lesen, da es zwar ein Sachbuch/Geschichtsbuch ist aber so toll, einfach und unkompliziert geschrieben.
Gut geschriebenes Sachbuch über Preußen 5 von 5 Punkten Im Zusammenhang mit einer Besprechung des neuen Preußen-Buches von Christopher Clark habe ich erneut das bereits 1979 erschienene Preußen-Buch von S. Fischer-Fabian vorgenommen, der mit zahlreichen Bestsellern zur deutschen Geschichte /"Die ersten Deutschen", "Die deutschen Caesaren") hervorgetreten ist.
Fischer-Fabian gibt in seinem Bestseller eine Darstellung der Ursache von "Preußens Gloria", dem Aufstieg Preußens zur Großmacht. Obwohl bereits 1979 erschienen, hat das Buch bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Fischer-Fabian beleuchtet die Zeit zwischen 1701 und 1786, der Zeit also, in dem der Kurfürst von Brandenburg erster preußischer König wurde. Das Buch beschreibt die Regierungszeit der Könige Friedrich I., Friedrich-Wilhems I. und Friedrichs II. in ihrer Zeit.
Fischer-Fabian lässt keinen Zweifel daran, dass Preußens Aufstieg zur Großmacht vor allem durch den "Soldatenkönig" Friedrich-Wilhelm I. und seinen Sohn, Friedrich II., dem "Großen" zu verdanken sei. Allerdings habe der - eher schwache - König Friedrich I. sehr genau erkannt, wie wichtig es sei, den Titel - die preußische Krone und damit die Anerkennung als eigenständige Macht auf dem europäischen Kontinent - durch den habsburgischen Kaiser zu erhalten. Dieser Traum wurde 1701 erfüllt. Noch sein Enkel Friedrich der Große schrieb: "Was in seinem Ursprung ein Werk der Eitelkeit schien, erwies sich nachher als ein Meisterstück der Politik...Es war eine Lockspeise, die Friedrich seinen Nachkommen hinwarf und durch die ersagen wollte: ich habe den Titel erworben, Ihr sollt Euch seiner würdig machen: das Fundament Eurer Größe habe ich gelegt, an Euch ist`s, den Bau zu vollenden." Dies haben seine beiden Nachfolger getan. In Anlehnung an Wolfgang Venohr sieht Fischer-Fabian den unmittelbaren Nachfolger Friedrichs I., den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. (1713-1740) als "größten inneren König", wobei er insbesondere auf die religiöse Toleranz des Königs eingeht, der Protestanten aus Österreich, die sich mit dem dortigen Bischof überworfen hatten, aufnahm und so zur "Peuplierung" des Landes beitrug. Friedrich Wilhelm I., der sehr sparsam gewesen ist, trug durch konsequente Anwendung der merkantilistischen Wirtschaftspolitik (dem System einer staatlich gelenkten Wirtschaft, die protektionistische Maßnahmen vorsah, um Handel, Gewerbe und Landwirtschaft zu fördern) zur Mehrung des Wohlstandes des Landes bei. Außenpolitisch hielt er sich - obwohl er - gemessen an der Einwohnerzahl Preußens - die größte Armee des Kontinents - die sogenannten "langen Kerls" schuf und Armeereformen durchführte - im Gegensatz zu seinem Nachfolger zurück und konnte den nach dem Tode Friedrichs I. völlig maroden Staatsschatz durch sparsames Wirtschaften auffüllen. Seine Devise war: nicht mehr ausgeben, als man einnehmen kann und diese Devise grenzte fast an Geiz, wie Fischer-Fabian eindrucksvoll zu berichten weiß.
Sein Sohn Friedrich II. erhob Preußen zur Großmacht. Gleich nach seinem Regierungsantritt fiel er in Schlesien ein - neben Ruhmsucht trugen aber auch wichtige strategische Überlegungen dazu bei - insbesondere die Überlegung, dass nur eine Annektion Schlesiens Preußens Zerstückelung beenden und den Aufstieg zur Großmacht einleiten konnte. Friedrichs Herrschaftsgebiete waren 1740 quer über Nordeuropa hin verstreut, vom Rheinland bis an die russische Grenze, und die Kernländer waren von den Außengebieten durch geschlossene Blocks fremder Territorien geschieden. Cleve, Mark und Ravensberg ließen isch nicht gegen Frankreich verteidigen, Ostpreußen nicht gegen Rußland, und die Grenze Sachsens war nur 50 Kilometer von Berlin entfernt. Die Geographie seines Erbes, eines selbst für deutsche Verhältnisse einzigartigen Gebiles aus Stücken und Flicken, war das überzeugendste seiner Argumente.
Dies bedeutet nicht, Friedrichs Annektion Schlesiens zu billigen. Aber es scheint notwendig, diese Annektion unter strategischen Gesichtspunkten im damaligen historischen Kontext zu bewerten. Und diese Bewertung gelingt Fischer-Fabian gut, wie er auch die weitere Regierungszeit Friedrichs II. treffend darstellt. Der furchtbare Kriegsalltag wird ohne Beschönigung insbesondre in den Schilderungen des Schweizers Ulrich Bräker dargestellt und auch Friedrich II. lernte um und sah - spätestens am Ende des siebenjährigen Krieges 1763, der Europa zum "Schauplatz der apokalyptischen Reiter" machte - wie vergeblich Kriege sein können. Am Ende des Krieges war er ein von der Gicht gebeuter, frühzeitig gealterter und verbrauchter Mann, der dennoch Preußen zur Großmacht machte - wie immer man heute dazu stehen mag.
Die preußische Geschichte in dieser Zeit packend für den interessierten Laien nacherzählt zu haben (für Wissenschaftler ist das Buch zwar auch heute noch lesenswert, aber dennoch sind die zitierten Quellen zwar historisch wertvoll, mittlerweile jedoch veraltet), darin liegt das unbestreitbare Verdienst Fischer-Fabians, der ein packendes, heute noch gut lesbares und spannendes Buch über Preußens Glanzzeit verfasst hat. |
Das musikalische Opfer. Johann Sebastian Bach trifft Friedrich den Großen am Abend der Aufklärung James R. Gaines Gebundene Ausgabe, September 2008 Verkaufsrang: 93109 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Eine Welt bricht aus den FugenAls Johann Sebastian Bach im Jahr 1747 einer Einladung des jungen Königs von Preußen folgte, der noch nicht als »Friedrich der Große« in den Geschichtsbüchern zur Marmorbüste erstarrt war, begegneten sich in Potsdam zwei unvereinbare Charaktere — der eine ein tiefgläubiger Protestant mit schier göttlichen Gaben, der andere ein zynisch machiavellistischer Herrscher und aufgeklärter Monarch. Einzig Friedrichs Liebe zur Musik öffnete ein Fenster in eine andere, bessere Seite seines Wesens. Bach verblüfft den kompositorisch dilettierenden Gastgeber mit fugalen Improvisationen über ein königliches Thema — bis der König ihn bittet, eine sechsstimmige Fuge zu extemporieren.An dieser Stelle setzt das meisterhafte historische Sachbuch des amerikanischen Publizisten Gaines ein — als Doppelbiographie eines musikalischen und eines militärischen Genies, die zugleich gelesen werden kann als die Geschichte eines kulturellen Konf likts zwischen Religion und Auf klärung, zwischen Glauben und kalter, rationalistischer Skepsis. Das Erbe der Reformation und die machtpolitischen Herausforderungen der Neuzeit diktieren die Dramaturgie dieses fesselnden Buches, dessen literarische Architektur selbst einer Fugegleicht.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Zwei große Genies des 18. Jahrhunderts begegnen sich 5 von 5 Punkten James R. Gaines Das musikalische Opfer
Eichborn ISBN 3821862084
Bach und Friedrich der Große, die beiden in diesem Buch als Gegenspieler dargestellten Genies des 18. Jahrhunderts, begegneten sich 1747 zum ersten Mal.
Bach war damals 62 Jahre alt, Friedrich der Große stand in seinem 35. Lebensjahr und war seit 1740 König in Preußen.
Beide sind Vertreter unterschiedlicher Geistesrichtungen: Geist und Mythos stehen gegen Aufklärung und Vernunft. Bach verkörperte die überzeugte Religiosität in der Tradition Luthers, die Friedrich der Große überwunden hatte zugunsten einer aufgeklärten und von der Vernunft bestimmten Geisteshaltung. Der Kampf der beiden Prototypen dieser unterschiedlichen Gesinnungen kulminierte in der Aufgabe, die Friedrich der Große Bach übertrug: zu einem vorgegebenen kontrapunktischen Thema eine dreistimmige, später sogar eine sechsstimmige Fuge zu komponieren. Man konnte darin eine fast unerfüllbare Aufgabe sehen, mit der Friedrich der Große den Meister der Komposition in die Knie zwingen wollte. Bach gelang es jedoch mit seiner Komposition, die später als < Musikalisches Opfer > in die Musikgeschichte eingegangen ist, Friedrich den Großen noch zu übertrumpfen.
Mit dieser Eingangsthese beginnt Gaines seine Doppelbiographie über Bach und Friedrich den Großen. Letzterer war Zeit seines jungen Lebens Zielscheibe eines zornigen, aufbrausenden und grausamen Vaters, der als launischer und wütender Monarch seine gesamte Umwelt tyrannisierte und schikanierte. Friedrich war als leidenschaftlicher Musikliebhaber und Komponist nicht unbeschadet aus dem demütigenden Verhältnis zu seinem Vater herausgekommen. An dem sehr viel älteren Bach versuchte er in dieser Episode sein gebrochenes Vaterverhältnis zu wiederholen. Bach war der fleißige, biedere, gläubige und bestimmende Patriarch einer großen Familie und ließ sich von dem Monarchen nicht bezwingen.
In den folgenden Kapiteln wird noch einmal in einem Abriss auf die preußische Geschichte mit ihrem Vielvölkerstaat und der Kleinstaaterei eingegangen. Luther und die Folgen der Reformation, der Dreißigjährige Krieg, die höfische Lebensart und wechselnde Monarchen, die mehr oder weniger gebildet den Künsten und Geisteswissenschaften entsprechend aufgeschlossen oder ablehnend gegenüber standen, gewähren tiefe Einblicke in die deutsche Vergangenheit.
Es bleibt nicht bei den Beschreibungen über das Leben bei Hofe: in ausgedehnten Darlegungen werden musiktheoretische und philosophische Überlegungen zur Kompositionslehre abgehandelt. Parallel dazu wird die Ahnengeschichte der Familie Bach aufgeführt.
Die Trauerkantate < Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit, BWV 668 >, die Bach im Alter von 22 Jahren zur Aufführung brachte, zeigt nach Gaines ein Genie, das mit der h-Moll- Messe, der Matthäus- Passion und vielen anderen seiner berühmten Werke seine Krönung erfährt.
Mit der Gegenüberstellung des frommen musikalischen Genies von Bach und des ebenfalls begabten aber störrischen, aufgeklärten und klugen König Friedrich des Großen umfasst die Doppelbiographie beider Männer ein umfangreiches Kapitel deutscher Geistes - und Herrschaftsgeschichte.
Neben den theoretischen Details aus Geschichte und Musik sind es wissenswerte Erkenntnisse über die Charakterentwicklung von Friedrich dem Großen, die man mit Faszination und Staunen zur Kenntnis nimmt.
Gaines schreibt in einem wunderbar lockeren, leichten und eingängigen Stil, so dass man sofort mitten im Leben der damaligen Zeit ist. Die Fülle des Materials auf nur 350 Seiten mit einem ausführlichen Anhang und Quellennachweis ist überwältigend.
Geistesleben und politisches Leben bedingen einander. Macht, Moral, Herrschaft, Kunst, Philosophie und Forschung sind hier in ihrem Zusammenspiel überzeugend dargelegt.
Die äußere Aufmachung des Titels ist stilgerecht und kostbar. Das Buch ist in der Reihe Die Andere Bibliothek bei Eichborn erschienen und bietet neben dem komplexen Inhalt eine Rarität für Liebhaber bibliophiler Ausgaben. |
Erinnerungen Albert Speer Broschiert, März 2005 Verkaufsrang: 38224 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Im Gegensatz zu allen anderen führenden Akteuren der NS-Zeit verfügte Albert Speer sowohl über intime Kenntnis des Regimes als auch über intellektuelle Einsichtsfähigkeit, was dessen moralische Verderbnis und verbrecherische Energie betraf. Beides spiegelt sich in seinen Memoiren, die heute als Klassiker der Literatur über das Dritte Reich gelten.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)
Eine perfekte Autobiographie 5 von 5 Punkten Eine Autobiographie schreiben führt oftmals zu Eigernlob. Hier in in diesem Fall tut sie es nicht: Albert Speer erliegt nicht der Versuchung vieler Autoren, die sich in der Autobiographie selbst beweihräuchern Er schildert objektiv die Wahrheit über sich und das "Dritte Reich";das noch nie so spannend beschrieben wurde wiein diesem Buch. Ich habe es mit großer Freude und Aufmerksamkeit gelesen und mußte mich wirklich überwinden es mal wegzuttun Dieses Buch liesst sich Spannender als manche Thriller Es macht die anderen Bücher über das "Dritte Reich überflüssig
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Gibt es etwas Schöneres als Sehnsucht?: Die Geschwister Eleonora und Francesco von Mendelssohn Thomas Blubacher Gebundene Ausgabe, August 2008 Verkaufsrang: 52131 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
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