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| Deutsche Geschichte | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Meine Geschichte der DDR Wolfgang Leonhard Broschiert, August 2008 Verkaufsrang: 46991 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der 1921 geborene Wolfgang Leonhard kam unmittelbar nach dem Krieg als jüngstes Mitglied der "Gruppe Ulbricht" aus Moskau zurück in das in Trümmern liegende Berlin, der Stadt seiner Kindheit. Hier sollte er nach seiner Ausbildung in der Moskauer Komintern-Schule am Aufbau eines sozialistischen Staates nach sowjetischem Muster mitwirken. Und zunächst sah es auch ganz nach einer schnurgeraden Parteikarriere Leonhards aus. Doch kehrte der hochrangige SED-Funktionär der DDR bereits Anfang März 1949 den Rücken -- noch bevor sie im Oktober desselben Jahres gegründet wurde. Seine Flucht führte ihn zunächst, bevor er später nach Westdeutschland übersiedelte, in das in den Augen Moskaus "abtrünnige" Jugoslawien und schlug nicht nur in Ostberlin hohe Wellen. In Jugoslawien erlebte der Autor "das genaue Gegenteil dessen, was (er) zuvor in der Sowjetzone erfahren hatte, wo allmählich sämtliche Lebensbereiche zentralisiert wurden und eine isolierte Führungsgruppe immer mehr Entscheidungsgewalt an sich riss". Die Gründe für seine Abkehr vom Stalinismus -- der nirgends so lange fortleben sollte, wie in der DDR -- hat Leonhard wenige Jahre später in dem wegen seiner analytischen Brillanz viel beachteten Buch Die Revolution entlässt ihre Kinder ausführlich dargelegt. Mit Meine Geschichte der DDR hält der Autor nun, über fünf Jahrzehnte später, eine nicht minder lesenswerte, persönliche Rückschau auf die ihm -- neben der Geschichte der Sowjetunion -- zum publizistischen Lebensthema gewordene DDR-Geschichte. Ein mit souveräner Feder geschriebenes Zeitzeugnis erster Güte! -- Andreas Vierecke, Literaturanzeiger.de
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Unnötig 3 von 5 Punkten Nach "Die Revolution entlässt ihre Kinder" und "Spurensuche" muss man dieses Buch nicht mehr lesen. Es gibt keinen Zugewinn an Erkenntnis. Die Sicht auf die DDR ist sehr subjektiv und bezieht sich haupsächlich auf die Zeit der Anwesenheit von Leonhard dort. Die Entwicklung der DDR nach dem Mauerbau ist unterbelichtet. Der Machtmechanismus in der DDR, zum Beispiel das Wirken und Zusammenwirken ihrer politischen Akteure,ihre Arbeitsteilung, wie auch die Differenzierung in der Bevölkerung der DDR, ihre Akzeptanz für die herrschende Gesellschaftsordnung im Wechsel der Zeiten und vieles Andere bleiben unterbelichtet. Gut, dass Leonhard im Titel betont, dass es sich um "seine" Geschichte der DDR handelt. Zu stark herausgestellt ist die Bewunderung L's für den 3. Weg Jugoslawiens, obwohl das Land für die DDR praktisch keine Bedeutung hatte und auch für die innere Opposition dort(außer vielleicht in den 50er Jahren) keine Rolle spielte. Ausgeblendet werden dabei die Ursachen für den Zusammenbruch auch des Selbstverwaltungssozialismus nach Titos Tod, die sicherlich auch dort in erster Linie hausgemacht waren. Auch dort gab es schließlich Stagnation und auch dort regierte Tito mit harter Hand.
Ich habe das Buch parallell zu "Markus Wolf Letzte Gespräche" gelesen, weil Wolfgang Leonhard und jener in Moskau Klassenkameraden und Schüler an der Komintern-Schule waren, beide aber nach ihrer Rückkehr nach Deutschland völlig verschiedene Wege gegangen sind(dieser - Flucht nach Jugoslawien, jener - Leiter der Auslandsaufklärung und stellvertretender Minister für Staatssicherheit der DDR). Ich muss sagen, dass aus dem letzteren Buch, auch wenn man die Sicht von Wolf nicht teilt, die DDR verständlicher wird. Auch gelingt es Wolf viel mehr als Leonhard, die DDR aus dem Abstand der Jahre zu betrachten, die die Sicht viel differenzierter werden lässt.
Enttäuschend 3 von 5 Punkten Das vorliegende Buch enthält Betrachtungen des Verfassers zur Vorgeschichte und Geschichte der DDR und eingeschobene persönlichen Erinnerungen. Diese Mischung ist dem Buch nicht gut bekommen.
Die ersten etwa 100 Seiten des Buches schildern Wolfgang Leonhards Erlebnisse von der Ankunft der "Gruppe Ulbricht" in Deutschland bis zur Flucht Wolfgang Leonhards nach Belgrad. Wer die zweite Hälfte von Wolfgang Leonhards Klassiker "Die Revolution entlässt ihre Kinder" bereits kennt, kann sich in diesem Buch die Lektüre dieser Seiten schenken, denn sie sind einfach eine zusammenfassende Nacherzählung. Interessant wird es erst, als Leonhard seine Flucht nach Belgrad beschreibt. Hier beschreibt er erstmalig seinen Weg, nachdem er in der Zwischenstation Prag angekommen war: Leonhard ging dort zunächst in die jugoslawische Botschaft und nachdem ihm die Jugoslawen falsche Papiere besorgt hatten, ging es per Flugzeug nach Belgrad. Lesenswert sind dort auch die Beschreibung des Briefwechsels mit seinem Vater (Rudolf Leonhard war selbst nie Parteimitglied, beurteilte Tito jedoch so, wie es von einem guten Stalinisten erwartet wurde) und der Anfänge des jugoslawischen Selbstverwaltungssozialismus (in diesem Zusammenhang ein Gespräch mit Tito, das vom jugoslawischen Staatschef in deutscher Sprache geführt wurde), für den Leonhard auch heute noch bei einigen öffentlichen Auftritten seine Sympathie bekundet.
In den folgenden Kapiteln wird Leonhards Buch immer dann interessant, wenn er über persönliche Erlebnisse und Erfahrungen berichtet. Seine allgemeinen Betrachtungen zur Geschichte der DDR dagegen sind zwar nicht unbedingt falsch, wiederholen jedoch nur was man auch anderswo lesen kann. Man merkt ziemlich schnell, dass Leonhard (im Unterschied etwa zu dem ebenfalls ex-kommunistischen Hermann Weber) spätestens seit Ende der fünfziger Jahre kein wirklicher mehr DDR-Experte war (sein eigentliches Arbeitsgebiet war die Sowjetunion). Wirklich lesenswert ist höchstens ein Drittel des Buches, doch dann stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht.
Das Buch hält keinen Vergleich mit "Die Revolution entlässt ihre Kinder" aus. "Die Revolution entlässt ihre Kinder" wird auch nach weiteren Jahrzehnten noch gelesen werden, das vorliegende Buch dagegen ist nicht mehr als eine Gelegenheitsschrift. |
Das historische Versagen der SPD. Schriften aus dem Exil Philipp Scheidemann, Frank R. Reitzle Gebundene Ausgabe, Januar 2002 Verkaufsrang: 103385 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Philipp Scheidemann, 1865-1939, war einer der bedeutendsten und populärsten Politiker seiner Zeit. 1919 zum ersten Reichskanzler der jungen deutschen Republik ernannt, trat er schon nach kurzer Zeit aus Protest gegen den Versailler Vertrag zurück. Für die Nazis war Scheidemann die Verkörperung des politischen Feindes schlechthin. 1933 musste er nach Morddrohungen daher sofort ins Exil gehen. In diesem Buch wirft Scheidemann der eigenen Partei und ihrer Führung ein doppeltes Versagen vor, das zur europäischen Katastrophe von 1933 geführt hat: obwohl die SPD 1918/19 über entscheidende Machtpositionen in der jungen Republik verfügte, hat sie nicht radikal genug mit den Strukturen und einflussreichen Gruppen des Kaiserreichs gebrochen. Weil keine wirklich demokratische Reform der Verwaltungs- und Machtstrukturen im Reich durchgesetzt wurde, konnten die reaktionären Kräfte wieder an Einfluss gewinnen. 1932/33 dann hat die SPD-Führung ihre kampfbereite Anhängerschaft so lange zur "Diszi pl in" gemahnt und mit dem Argument hingehalten, zum rechten Zeitpunkt werde sie den Generalstreik ausrufen, bis es zu spät war, Hitler zu verhindern. Scheidemanns brisante Schriften aus dem Exil sind bisher nicht der Öffentlichkeit zugänglich gewesen.
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Die Staufer: Herrscher und Reich Knut Görich Broschiert, Februar 2006 Verkaufsrang: 91484 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Das Bild Kaiser Friedrichs I. Barbarossa legendenumwobener Exponent der Stauferzeit zeigt noch bis heute die Züge der Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts. Doch wer waren die Staufer wirklich? Dieser Band informiert über die Geschichte der Staufer und das Leben und Wirken der einzelnen Kaiser vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen ihrer Zeit. Ein Ausblick in die Rezeptionsgeschichte rundet die Darstellung ab
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Hitlers Berghof 1928 - 1945: Zeitgeschichte in Farbe
Gebundene Ausgabe, November 2000 Verkaufsrang: 180574 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die prachtvollen, gestochen scharfen und zuvor unveröffentlichten Farbaufnahmen sowie der sachkundige Einführungstext dieses Bandes bieten einen kompletten Abriß des Lebens der Mächtigen des Dritten Reiches auf diesem deutschen Schicksalsberg.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Hervorragender Farbbildband-sehr zu empfehlen!!! 5 von 5 Punkten Zeitgeschichte in Farbe vom Feinsten!
Seit einigen Jahren beschäftige ich mich schon mit Berchtesgaden und dem Obersalzberg, da ist diese Publikation eine gelungene Ergänzung zu meiner Sammlung an Literatur, DVDs und Hörbüchern. Auf den ersten fünfzig Seiten des Buches erfährt der Leser allerlei Wissenswertes zur Einordnung des Machtzentrums am Obersalzberg in den geschichtlichen Kontext. Hilfreich ist auch das zweiseitige Register (Personen, Schlagworte). Das Beste jedoch sind die Farbfotos von Walter Frentz. Gestochen scharfe Aufnahmen jenseits der Propaganda. Personen der Zeitgeschichte unbefangen und natürlich in Farbe fotografiert rücken das Geschehen näher in die Gegenwart. Wer den "erhobenen Zeigefinger" und belehrende Texte sucht, wird sie hier nicht finden. Erfrischend, wenn sich der Leser endlich eine eigene Meinung bilden darf. Zugreifen, wenn Sie sich für Berchtesgaden, den Obersalzberg und den Berghof interessieren!
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Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. Die Pläne der Nazis nach dem Endsieg. ( Sachbuch) Ralph Giordano Broschiert, 1992 Verkaufsrang: 128126 Der Plan von der deutschen Weltherrschaft "Die nordische Rasse hat ein Recht darauf, die Welt zu beherrschen, und wir müssen dieses Recht der Rasse zum Leitstern unserer Außenpolitik machen. Glauben Sie mir, der ganze Nationalsozialismus wäre nichts wert, wenn er sich auf Deutschland beschränkt und nicht mindestens 1000 bis 1200 Jahre lang die Herrschaft der hochwertigen Rasse über die ganze Welt ausübt." Dieser Satz Hitlers aus dem Jahre 1930 zeugt nicht nur von Größenwahn und Fantasterei. Er war Programm. Und auch das nicht nur. Denn in den Parteiämtern und Behörden des "Dritten Reichs" arbeiteten wenig später intelligente und willfährige Köpfe an der Ausfüllung dieses Programms, an detaillierten Plänen für die Zeit nach dem Endsieg. Wie Deutschland, wie Westeuropa, wie die Welt nach dem gewonnenen Krieg aussehen würde, das war beschrieben in zahlreichen Denkschriften, Direktiven, Verordnungen, die nur darauf warteten, aus der Schublade gezogen zu werden... Ralph Giordano wurde 1923 in Hamburg geboren und arbeitet als Journalist, Fernsehdokumentarist und Schriftsteller. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen zählen unter anderem "Israel, um Himmels willen, Israel" (1991), "Wird Deutschland wieder gefährlich?" (1993), "Ostpreußen ade" (1994) und "Mein irisches Tagebuch" (1996). Für seine publizistische Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 15 Bewertungen)
Entlarvung von Hitlers Größenwahn 5 von 5 Punkten Ich verstehe nicht, warum dieses Buch so schlechte Kritiken bekommen hat. Ich kenne keines, das besser den Größenwahn Hitlers und seiner Gefolgsleute in seinen Weltherrschaftsplänen und Architektur-Vorhaben sichtbar macht - und wie weit er auf dem Weg zu deren Verwirklichung schon war.
Außerdem arbeitet Giordano sehr gut heraus, daß und warum so viele Deutsche sich mit diesen grandiosen Visionen von deutscher Weltbeherrschung identifizieren konnten - obwohl das alles ja nicht einmal im Ansatz zu finanzieren gewesen wäre - nicht einmal durch Einsatz von Zwangsarbeitern (der ja in genügenden Ausmaß bereits erfolgte).
Ich kann jedem, der sich ein Bild von der Realität des Dritten Reichs ein klares Bild machen möchte und vor den durch das Ende der Nazi-Herrschaft gestoppten Nachkriegs-Plänen Hitlers dieses Buch nur dringend empfehlen.
(In romanhafter Form hat Robert Harris in "Vaterland" durchgespielt, was Hitlers "Erfolg" bedeutet hätte!)
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Jene Gräfin Larisch: Marie Louise Gräfin Larisch-Wallersee. Vertraute der Kaiserin - Verfemte nach Mayerling Brigitte Sokop Gebundene Ausgabe, April 2006 Verkaufsrang: 97266 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Marie Louise Elisabeth, Freiin von Wallersee, verehelichte Gräfin Larisch, die Nichte der Kaiserin Elisabeth von Österreich, führte ein an dramatischen Ereignissen reiches Leben. Sie wurde als uneheliches Kind einer kleinen Schauspielerin geboren. Ihr Vater, ein Herzog, hat sie erst eineinhalb Jahre später legitimiert und - abgesondert vom Hof - streng bürgerlich erzogen. Der "wilde Spross" am Stammbaum der Wittelsbacher fand liebevolle Aufnahme bei der kaiserlichen Tante, die sich aus dem bayrischen Landmädel eine Vertraute, Reisebegleiterin, eine ihr an Schönheit und in der Reitkunst ebenbürtige Freundin formte. Von den Wittelsbachern beiseite geschoben, wurde Marie Louise auch im österreichischen Adel nur ihrer Beziehung zum Kaiser wegen wohl oder übel akzeptiert; über ihre Herkunft rümpfte man auch die Nase, als sie den Grafen Georg Larisch-Moennich ehelichte und damit "zur Gesellschaft" gehörte. Im Bestreben, es allen recht zu machen, gab sie sowohl den Wünschen des Kronprinzen Rudolf als auch denen der Baronesse Mary Vetsera nach, arrangierte einige Treffen und deckte beider Aktivitäten. Die ungeplanten - und ungewollten - Folgen gingen als die "Affäre von Mayerling" in die Geschichte ein.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Ein tolles Buch über eine "dummes Geschöpf" 5 von 5 Punkten Marisch Larisch war die Nicht der Kaiserin "Sissi" und wurde von ihr protegiert, gerade auch weil sie als uneheliches und das morganatisches Kind ihres Bruder geboren wurde. Es machte der Kaiserin freute, ihre ach so moralische Umgebung zu ärgern. Als dann die Gräfing Larisch - wies sie aufgrund ihrer Ehe hies - dann aber in die Geschehnisse von Mayerling verstrickt war, war es vorbei mit der Gunst der Frau Tante. Sie war die Geliebte des Onkels der Baroness Vetsera und hatte von ihm zwei Kinder.
Brigitte Sokop beschreibt das Leben der Gräfin und das Ende der K und K Zeit wunderbar, elegant und sehr unterhaltsam. Sie macht die Gräfing nicht besser als sie war, begegnet ihr aber mit Höflichkeit udn Sympathie. Trotzdem bleibt die Frau Gräfin ein wahrlich dummes Geschöpf.
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Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1933 - 1945. 2 Bände Victor Klemperer Gebundene Ausgabe, November 1995 Verkaufsrang: 80337 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen. Der jüdische Romanist Victor Klemperer, Gelehrter von Weltruf, blieb, weil seine Auswanderungspläne scheiterten, in Nazi-Deutschland. Sein Überleben verdankt er der nichtjüdischen Ehefrau. "Für die Zeit danach" hielt er seinen Alltag fest, schrieb auf, was er sah und hörte: Gerüchte, Witze, Frontnachrichten. Immer erbärmlicher wurden die Bedingungen, unter denen er seiner Chronistenpflicht nachkam: Er litt an der zunehmenden Vereinsamung, an Hunger, an...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Ein Zeugnis 5 von 5 Punkten Diese persoehnlichen Aufzeichnungen sind nicht nur tiefbewegend, sie geben auch Aufschluss ueber eine erschuetternde Zeit, die wir nicht in Vergessenheit entlassen duerfen. Ein atemberaubendes Buch!
Zeitreise 5 von 5 Punkten Beim Lesen dieser Tagebuchnotizen begibt man sich wahrlich auf eine Zeitreise. Die in der Schule gelernte Geschichte wird greifbar und authentisch. Viele Kleinigkeiten im Leben eines Juden im 3.Reich werden plastisch und sind so unglaublich, dass es weh tut. Sollte zumindest jeder lesen, der heute zwischen 15 und 50 Jahre alt ist und sich für jüngere deutsche Geschichte interessiert. Mich haben diese Bücher gefesselt. Eine Zeitreise, die manchmal sprachlos macht. |
Nach dem bewaffneten Kampf. Ehemalige Mitglieder der RAF und Bewegung 2. Juni sprechen mit Therapeuten über ihre Vergangenheit: Ehemalige Mitglieder der ... Mit einem Vorwort von David Becker
Broschiert, März 2007 Verkaufsrang: 60667 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Kernfragen bleiben offen: 1. Wenn sie einsehen, dass es ein Irrweg war: Warum tragen sie nicht zur Aufklärung der Taten bei? Dellwo formulierte es im Fernseheen: ich stehe den Angehörigen nicht zur Disposition". (Sie können nicht 2 mal für die gleiche Tat verurteilt werden) 2. Warum redet Rollnik von "Aktionen", wenn sie die Morde meint? Warum von :"einem Projekt der Menschwerdung", wenn sie die vernichtenden sektenartigen RAF Strukturen meint? 3. Wenn ihr Anliegen eine bessere Gesellschaft war: Warum scheint keiner sich heute noch dafür einzusetzen? 4. Warum arbeiten Psychologen 7 Jahre umsonst ? Warum nicht für die Opfer? 5. Warum kommen in dem Buch die abgesprungenen Psychologen und Terroristen nicht zu Wort? Es wir nur über sie geredet? Geht es den schreibenden um den Platz der "besserern" Terroristen in der Geschichte? 6. Wer verdient an dem Buch? 7. warum setzen sie sich nicht mit ihrem abgrundtiefen Anisemitismus auseinander? 8. warum sprechen nur die Psychologen von den Opfern? Von den Familien? Und 9. wenn sie nach wie vor glauben, dass ihr "Aufbruch berechtigt" war: Wohin sollte denn der Aufbruch führen? Welche bessere Gesellschaft ist gemeint? Ich glaube, dies ist der wesentliche Knackpunkt: es ist nur bekannt wogegen man kämpfte - nie wofür. Die zentralste Frage: Waum erschießt man einen Menschen? Haben sie ihnen in die Augen geschaut? Haben sie die Todesangst gesehen? Haben sie wirklich geglaubt, ihre Taten verbessern diese Welt auch nur einen Millimeter? Was geht in dem Moment vor, wenn man den Abzug drückt? keiner kann mir erzählen, es sei der Glaube an einen "berechtigten Aufbruch" .Die macht wird bekämpft, die Analyse der eigenen Allmachtsphantasien, des Größenwahns wird nicht benannt. Es gibt Bücher von Kriminalpsychologen, die aufzeigen wie brutalste Menschen mit Allmachtsfantasien Morde zu rechtfertigen - es ist angeblich immer für eine bessere Sache. Ob es Sekten, Faschisten oder Islamisten sind. Selbst Pädophile behaupten, sie "lieben" Kinder. Auch Bush meint, er sei das Gute gegen die "Achse des BÖsen" . Dies kann man durch alle Themen, Ideologien, durch die gesamte Geschichte nachverfolgen. Das Thema gibt es lange vor der RAF. Auch die Konflikte der Menschen. Es ist keine Frage des heutigen politischen Systems. Die Psychologen scheinen in ihren Beiträgen erkannt zu haben, dass noch eine Menge an Selbsterkenntnis und Menschenerkenntnis fehlt - mir geht es genauso. Mir reicht es nicht an die zentralen Fragen heran.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Elf individuelle Einsichten 5 von 5 Punkten Das Buch bietet elf Einsichten in die Prozesse der über sieben Jahre aufrecht erhaltenen Treffen und darüber hinaus in Prozesse, die in der RAF abgelaufen sind. Dies sind ganz individuelle Einsichten, ganz persönliche Gedanken, Gefühle und Erkenntnisse. Es kommen ehemalige Mitglieder der RAF/Bewegung 2. Juni zu Wort. Es kommen die Therapeuten zu Wort. Und es kommen die sogenannten Unterstützerinnen zu Wort, die jahrelang die RAF und ihre Gefangenen unterstützt haben, aber nie in die Illegalität gegangen sind. Als Leser empfindet man manches als unzureichend oder zu abstrakt und unpersönlich besprochen. Das kann man sicher kritisieren, tut dem Buch als Dokument einer Geisteshaltung, einer Entwicklung und auch eines Stückes Zeitgeschichte jedoch keinen Abbruch. Zudem wird vieles auch differenziert und ehrlich dargestellt. Und so ist das Fehlen einer eindeutigen persönlichen Anerkennung von Schuld eben auch als ein solches Fehlen zu lesen, als etwas, das offen bleibt, etwas, das fehlt. So, wie vieles offen bleibt, weil die Treffen zwar im Jahr 2003 beendet wurden, aber die Auseinandersetzung der Einzelnen mit sich und ihrer Vergangenheit eben nicht abgeschlossen ist.
Wer eine Entschuldigung in diesem Buch sucht, wird sie nicht finden. Auch keine Abkehr von den ehemals angestrebten Zielen. Das Buch bietet Einsichten in individuelle Prozesse. Immer ist auch der Leser gefordert seine eigene Haltung zu hinterfragen und zu reflektieren, die Personen, die zu Wort kommen, als Individuen wahrzunehmen, die eben widersprüchlich sind. Einfache Abwehr oder Identifikation ist nicht möglich. Man schwankt ständig zwischen beiden Extremen.
Man muss Widersprüche ertragen und auf klare Muster von Gut und Böse, Wahr und Unwahr verzichten können, wenn man dieses Buch mit Gewinn lesen will. Auch eine Kategorisierung von Täter und Opfer wird man an dieses Buch nicht anlegen können. Wer über jegliche Schemata hinaus an psychischen Prozessen und jüngerer Zeitgeschichte interessiert ist, wer nicht auf jede Frage eine Antwort benötigt oder erwartet, der sollte dieses Buch lesen. Jeder Mensch ist über sein individuelles Menschsein hinaus auch Teil einer Gesellschaft. Sich selbst als Individuum, die Gesellschaft und darüber hinaus die Wechselwirkungen zu hinterfragen, ist eine Möglichkeit, die das Buch bietet.
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So macht Kommunismus Spass. Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret Bettina Röhl Gebundene Ausgabe, 20. März 2007 Verkaufsrang: 95653 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden So macht Kommunismus Spaß ist die Geschichte von Ulrike Marie Meinhof, Klaus Rainer Röhl und ihrer Zeitschrift »konkret« von den frühen Jahren der Bundesrepublik bis zum Beginn der Jugend- und Studentenrevolte von »68«. Die Journalistin Bettina Röhl erzählt die Lebensgeschichten ihrer Eltern, die sich 1958 bei den Aktionen »Kampf dem Atomtod« kennen lernten und fortan zusammenarbeiteten. Entlang den Aufzeichnungen in einer Akte aus DDR-Beständen, der Akte Konkret, in der die illegale West-KPD mit Sitz in Ostberlin die Treffen mit Ulrike Meinhof und Klaus Rainer Röhl protokollierte, dokumentiert sie den Aufstieg der Zeitschrift »konkret« von ihrem Start in den Fünfzigern bis zu ihrem Durchbruch in den sechziger Jahren, als sie zu der meistgelesenen Studentenzeitschrift avancierte. Zugleich beschreibt sie das politisch-gesellschaftliche Umfeld, das diese Erfolgsgeschichte begünstigte. Darüber hinaus legt sie die authentischste Biographie Ulrike Meinhofs vor, die als Schülerin und Studentin, Journalistin, Ehefrau und Mutter durch zahlreiche bisher unveröffentlichte Briefe und Dokumente selbst zu Wort kommt. Ulrike Meinhofs »erstes Leben«, so zeigt dieses Buch, war bis 1968 kein Präludium für spätere Fehlentwicklungen, wie häufig impliziert wird. Bettina Röhl führte zahlreiche Interviews mit Reich-Ranicki, Fritz J. Raddatz, Johannes Rau, Bahman Nirumand, und legt insgesamt eine mit viel Humor aufgezeichnete Familiengeschichte und ein spannendes, fakten- und dokumentenreiches Gesellschaftsporträt der fünfziger und sechziger Jahre vor.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Eine ausführliche Vorgeschichte 5 von 5 Punkten Was für ein Mensch war Ulrike Meinhof? Bettina Röhl ist die Tochter der Terroristin. Dadurch kann sie viele persönliche Erlebnisse einfließen lassen, die zum Teil sogar übermäßig detailliert wiedergeben werden. Zudem standen ihr sicherlich manche Türen zu Gesprächspartnern offener als anderen. Sie suchte zahlreiche Weggefährten aus den 50er und 60er Jahren auf, druckt nicht nur die Interviews ab, sondern beschreibt auch, in welcher Atmosphäre diese verliefen. Das ist hochinteressant.
Bettina Röhl sieht sich dabei vorrangig als Journalistin. Daher auch die Distanz. Sie schreibt nicht Meine Mutter", sondern in der dritten Person. Bettina Röhl hat journalistisch gründlich recherchiert, und sie hat einen Hang zur Ausführlichkeit. Somit beginnt die Geschichte von Bettina Röhls Eltern Ulrike Meinhof und Klaus Röhl schon bei den Groß- und Urgroßeltern. Diesen widmet sie aber nur ein paar Seiten.
Eine wichtige Quelle sind dann die DDR-Akten, die die finanzielle Unterstützung der ehemaligen Studentenzeitschrift Konkret" belegen. Die abgedruckten Passagen und Aktennotizen geben zudem einen spannenden Einblick, wie der Ost-Apparat funktionierte, wie Gespräche mit den Blattmachern bewertet wurden, die im Westen für Propaganda sorgen sollten. Auch von Klaus Röhl entsteht ein vielseitiges Bild. Er stand gern im Mittelpunkt, genoss das Leben in vollen Zügen, für ihn war vielleicht alles ein wenig wie ein Spiel.
Spannend ist auch der Bruch von Konkret" mit Ost-Berlin. Darauf folgt ein überraschender Erfolg und ein Aufstieg der linken Redakteure ins Hamburger Establishment und die dortige Partyszene, kurz bevor sich die Ereignisse 1968 überschlugen. Die verbissene Konkret-Kolumnistin fand sich plötzlich inmitten der größten Klassenfeinde wieder und ließ sich nichts anmerken.
Was trieb nun Ulrike Meinhof in den Terrorismus? Der Leser gewinnt ein vielschichtiges Bild. Die intelligente und engagierte junge Frau scheint schon in jungen Jahren besessen zu sein, für die kommunistische Sache zu kämpfen. Auch der eloquente Ost-Apparatschik Kapluck hatte wohl Einfluss. Auf ihn bezieht sich der Buchtitel, der ansonsten in die Irre führt. Ihre Ziehmutter, die Professorin Renate Riemeck scheint eine wichtige Rolle zu spielen, die aber nie gänzlich ihre Verbindungen nach Ost-Berlin offengelegt hat. Auch ihrer Person widmet das Buch den nötigen Raum.
Ulrike Meinhof war von einem bestimmten Zeitpunkt an offensichtlich alles recht, was einen Umsturz in der Bundesrepublik hätte herbeiführen können. Den Kampf gegen Atomraketen und Notstandsgesetze war nur ein Vorwand - auch das wird in dem Buch durch Briefe belegt. Betina Röhl wundert sich, dass ihre Mutter das repressive DDR-System offensichtlich als das bessere bzw. das kleinere Übel wahrnahm und mit den dortigen Machthabern paktierte. Sie beklagt auch, dass die Medien den revolustionistischen Wirrköpfen unter den 68ern zu viel Raum gaben. Die emotional aufgeladene Stimmung bei Schahbesuch und nach dem Tod vom Benno Ohnesorg wird gleichzeitig gut vermittelt.
Die Trennung von Klaus Röhl genau zu diesem Zeitpunkt ist Auslöser für den Sog, in den Ulrike Meinhof dann in Berlin gerät. Ohne eine gewisse psychische Störung ist ihr Verhalten trotzdem kaum zu erlären. Die beiden Töchter wurden nicht nur vernachlässigt. Die Mutter wollte ihre Töchter im Grundschulalter tatsächlich in ein palästinensiches Flüchtlingslager stecken und zu Kämpferinnen ausbilden lassen. Bettina Röhl gibt die Ereignisse der RAF-Zeit im Epilog nur kurz wieder und lässt sie unkommentiert.
Das Buch dokumentiert, dass die Geschichte der vielleicht bekanntesten RAF-Terroristin lange vor den Anschlägen beginnt. Ohne Kenntnis dieser Vorgänge lassen sich die Ereignisse kaum einordnen. Letztlich beschreibt das Buch den tragischen Lebensweg einer intelligenten aber am Ende hochgradig verwirrten und gefährlichen Frau. Und zudem vermittelt es einen guten Eindruck von der Stimmung der 50er und 60er Jahre im studentischen und linken Umfeld. Manche Quelle lässt sich überfliegen - ansonsten: sehr lesenswert.
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Anmerkungen zu Hitler Sebastian Haffner Gebundene Ausgabe, September 1998 Verkaufsrang: 97259 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Zum 60. Jahrestag der Reichsprogromnacht eine Neuausgabe mit einem Vorwort von Guido Knopp.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 41 Bewertungen)
So sollte Geschichte geschrieben werden 5 von 5 Punkten Man möchte glauben, dass es nach Joachim C. Fests "Hitler" kaum noch offene Fragen zum Thema geben kann. Noch dazu in so kurzer und prägnanter Form. Haffner verliert sich nicht in historischen Details, sondern beschreibt und beurteilt Hitler aus den verschiedenen, noch immer wenig genutzten Blickwinkeln "Leben", "Leistungen", "Erfolge", "Irrtümer", "Fehler", "Verbrechen" und "Verrat".
Sachlich unvoreingenommen filetiert er Aufstieg und Untergang Hitlers nach diesen Gesichtspunkten, wobei einige scheinbare Erkenntnisse auf ein neues Fundament gestellt werden: Hitler war kein Sozialist, weil er nicht im marxschen Sinne die Sozialisierung der Produktionsmittel wollte; er hat aber die Menschen sozialisiert, kollektiviert und Haffner fragt, ob das nicht "trotz Marx, die wichtigere Seite des Sozialismus ist" (47).
Nichts sei irreführender, als Hitler einen Faschisten zu nennen (71). Vergleiche mit Napoleon oder Bismarck lassen erkennen, was Hitler nie war: ein Staatsmann (56).
Alle großen Erfolge Hitlers waren nicht seine eigene Leistung, sondern die Folge der Schwäche seiner Gegner: jene der frühen Weimarer Republik, die frühen Dreißigerjahre mit Hitlers Aufstieg, die Appeasement-Politik der Westmächte, Frankreichs schneller Untergang - alles war die Schwäche der anderen, die Hitler zu nutzen verstand (61 ff).
Haffner ist weit von der Gefahr entfernt, mißverstanden zu werden: zu eindeutig sind seine Analysen, zu sachlich und emotionslos sein Zugang. Er widerlegt auch die Mär vom nötigen "Lebensraum" als unsinnig für Industriestaaten (104) sowie die krausen Theorien des revisionistischen "Historikers" David Irving.
Er entlarvt Hitlers Weltbild als vom Rassenwahn geprägt (92 f); besonders in den letzen beiden Kapiteln "Verbrechen" und "Verrat" spricht Haffner Dinge an, die sich auch bei Joachim C. Fest so nicht finden: Dass der multiple Genozid schon ab etwa 1942 Hitlers allervorrangigstes Ziel war, weil Krieg auch für ihn schon verloren galt. Eine Folge dieser Erkenntnis war die Kriegserklärung an Amerika. Deutschland sollte, wenn es schon sein musste, ganz und gar zugrunde gehen: die Völkermorde bedeuteten - seinem Wahn entsprechend - sein wichtigstes Ziel, gleichzeitig aber auch die Unmöglichkeit für Deutschland, sich einen halbwegs ehrenhaften Frieden zu sichern.
In diesem Sinne sind auch die letzten Befehle Hitlers, die sogenannten "Nerobefehle" zu verstehen.
Noch nirgens habe ich in dieser Klarheit gefunden, was mir selber bisher unvorstellbar erschien: dass ein politischer Führer für sein eigenes Land absichtlich, bewußt und mit aller Kraft die größtmögliche und nachhaltigste Vernichtung angestrebt hat.
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Zwölf heißt 'Ich liebe dich": Der Stasi-Offizier und die Dissidentin Regina Kaiser, Uwe Karlstedt Taschenbuch, Dezember 2004 Verkaufsrang: 10109 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen. Kürzlich sahen sie sich gemeinsam die Dokumentation "11 und 12" im Fernsehen an. Ihre Geschichte und jene Art von Täter-Opfer-Film, mit denen deutsche Fernsehanstalten gerne am Jahrestag des Mauerfalls an das Unrechtsregime erinnern. Er war damals ermittelnder Beamter des MfS in der berüchtigten Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen. Sie hatte ihm dort 1981 als Beschuldigte gegenüber gesessen. Das Besondere des Films: Opfer und Täter redeten miteinander. Das wahrhaft Außergewöhnliche aber: Beide leben heute glücklich zusammen. Was sich wie der Titel eines kolportagehaften Groschenromans ausnimmt, entpuppt sich als schier unglaubliche Lovestory aus dem Arbeiter- und Bauernstaat. So hatte sich das MfS, das Ministerium für Staatssicherheit, den Einsatz seiner Verhörexperten gewiss nicht vorgestellt. Zusehends wurde der junge Vernehmungsbeamte Uwe Karlstedt von dem hübschen Staatsfeind, der ihm gegenübersaß, fragetechnisch verunsichert. Regina Kaiser war, zusammen mit ihrem damaligen Mann und einem Freund, des Landesverrates aufgrund illegaler Westkontakte angeklagt. Ihr sozialistischer Wertewandel hatte 1976 mit der Ausbürgerung Biermanns eingesetzt. Der Wertewandel des vernehmenden Beamten Karlstedt indes geriet gerade eben ins Wanken. Kein Zweifel: Die Staatsmacht und ihr Opfer hatten sich auf den ersten Blick ineinander verliebt. Eine Liebe, die sechzehn Jahre auf Eis liegen sollte! Fast filmisch mutet das retrospektive Hin- und Herblenden der jeweiligen Sichtweisen an. Wunderte sich Regina damals über die Zerstreutheit ihres Befragers, so erfahren wir von Uwe, dass dies durchaus ausgebuffter Stasi-Befragungstechnik entsprach, die anschließend umso erbarmungsloser zuschlug. Der Leser erhält so tiefe Einblicke in Haftalltag und innere Mechanik eines Schnüffelstaates. Ein halbes Jahr währte der Fragenmarathon, in dem Regina in ihrer Zelle den Titel gebenden, jungmädchenhaften Zahlencode ("12" stand für "Ich liebe Dich") austüftelte. Psychologisch ergiebiger als die Geschichte der resoluten Regina, gestaltet sich das "Täterprofil", das einen fantasievollen, charakterlich aber weicheren Uwe Karlstedt in sichtlicher Erklärungsnot vorfindet. Von Zweifeln und inneren Vorwürfen förmlich zerrissen, obliegt ihm die undankbare Aufgabe, den Spagat zwischen Liebe und beamtenhafter Pflichterfüllung gegenüber dem Unrechtsstaat plausibel zu machen. Kein Wunder -- schließlich wird Regina auch aufgrund seiner gründlichen Arbeit zu drei Jahren Haft verurteilt, bevor man sie in den Westen abschob. Uwe bleibt indifferent, verdrängt seine Mitschuld am Urteil. Sechzehn Jahre später -- der Lauf der Welt hat sich inzwischen vollständig gewandelt -- klingelt 1997 bei Uwe Karlstedt das Telefon. Erneut war sie die Stärkere, er der Aussitzende. Für beide beginnt der Eintritt in ein Leben, das viel Klärungsbedarf bereit hält. Unfreiwillige sozialistische Eheanbahnung mit Happyend vor wichtigem geschichtlichen Hintergrund. --Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Unspektakulär und ehrlich 5 von 5 Punkten Am Anfang mußte ich mich erst regelrecht in das Buch hineinlesen,
dann aber "geht alles auf".
Unspektakulär und ehrlich werden hier zwei unterschiedliche Lebensbahnen nachvollziehbar.
Ohne (nachträglich verklärendes) Pathos und ohne (aufgesetzte) Rechtfertigungsversuche
schildern beide Autoren ihr Zueinanderfinden.
Mit der Offenlegung von einigen bisher wenig bekannten Stasi-Interna wird die Menschenverachtung
und (letztendlich) Hilf- / Zukunftslosigkeit dieses Machtsystems deutlich.
Man erlebt mit, wie der Klassenkampf gegen allerpersönlichstes Empfinden "den Kürzeren zieht".
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Sturmgeschütze: Entwicklung und Fertigung der sPak Walter J. Spielberger Gebundene Ausgabe, Oktober 2006 Verkaufsrang: 43017 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Hauptaufgabe dieser Dokumentation ist die Herausstellung einer deutschen Spezialwaffe: der Sturmartillerie und ihrer unter der Geheimbezeichnung »sPak« entwickelten Waffe, dem Sturmgeschütz, in den 30er-Jahren. Der Schwerpunkt liegt in der Darstellung der technischen Entwicklung und Fertigung bis hin zur Auflistung von Produktionszahlen und Fahrgestellnummern. An die 400 Abbildungen, darunter zahlreiche Dreiseitenrisse und Zeichnungen, zeigen jedes Detail. Jahrelang war dieses umfassende Standardwerk vergriffen und wird nun auf vielfachen Leserwunsch als preiswerte Spezialausgabe neu aufgelegt.
Auf rund 250 reich illustrierten Seiten beschäftigt sich der Autor mit der gewohnten Detaillierung mit diesem Fahrzeugtyp. Unzählige Photos, taktische Gliederungen, Risszeichnungen und ausführliche Texte und Tabellen machen das Buch zu einer Fundgrube für Modellbauer und Militärhistoriker.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Ein Standardwerk! 5 von 5 Punkten Zwar ist das Buch bereits älteren Datums, das tut seiner Güte aber keinen Abbruch. Alles drin, verlässlich recherchiert und eine Fülle an Bildern und Zeichnungen. Top!
Schaut aus wie ein Panzer, aber... 4 von 5 Punkten Sturmgeschütze, eine Spezialität der ehemaligen Deutschen Wehrmacht, sehen aus wie Panzer ohne Drehturm, wurden aber als "schwere Panzerabwehrkanonen" bezeichnet und dienten der Infanterieunterstützung.
Auf rund 250 reich illustrierten Seiten beschäftigt sich der Autor mit der gewohnten Detaillierung mit diesem Fahrzeugtyp. Unzählige Photos, taktische Gliederungen, Risszeichnungen und ausführliche Texte und Tabellen machen das Buch zu einer Fundgrube für Modellbauer und Militärhistoriker. |
Preußen: Die unbekannte Großmacht. Ein SPIEGEL-Buch Norbert F. Pötzl, Klaus Wiegrefe Gebundene Ausgabe, Februar 2008 Verkaufsrang: 150950 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ein Staat mit zwei Gesichtern Lange Zeit wurde Preußen vor allem als aggressiver Militärstaat gesehen, als Inbegriff der Maßlosigkeit und Selbstüberschätzung. Tatsächlich war das Königreich ein Land großer Gegensätze. Es brachte auch bedeute Reformen und kulturelle Leistungen hervor, stand für Aufklärung und Toleranz. Anschaulich schildern die Autoren Faszination und Schrecken der 350-jährigen Geschichte dieser widersprüchlichen Großmacht. An keinem anderen deutschen Staat entzünden sich so viele Diskussionen wie an Preußen, der einstigen deutschen Großmacht, die 1947 von den Alliierten aufgelöst wurde. Für die einen verkörpert Preußen Engstirnigkeit, Größenwahn und Militarismus, für die anderen Tugenden wie Pflichtgefühl, Bescheidenheit, Gemeinsinn, Effizienz und religiöse Toleranz. Auf seine Traditionen beriefen sich Reformer ebenso wie Reaktionäre, Monarchisten genauso wie Demokraten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Preußens großer Zeit - politisch wie kulturell -, erfanden preußische Reformer den modernen Staat, dessen Strukturen bis heute fortleben. In den Beiträgen von SPIEGEL-Autoren und bekannten Historikern wird die ganze Spannweite der preußischen Geschichte von der Gründung bis zum Niedergang deutlich die explosive Mischung aus Aufklärung und Absolutismus, Fortschritt und Rückständigkeit, Zivilisation und Barbarei. - Gut lesbare, populärwissenschaftliche Überblicksdarstellung - Mit Essays und Beiträgen von SPIEGEL-Redakteuren und renommierten Historikern und Autoren wie Harald Biermann, Günter de Bruyn, Christopher Clark, Frank Lothar Kroll und Heinrich August Winkler
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Mythos Preußen 4 von 5 Punkten Kaum ein Staat ist von derart vielen Seiten als ideologische Rechtfertigung missbraucht worden, wie Preußen. Unter der Hohenzollern-Dynastie aus der Markgrafschaft (später Kurfürstentum) Brandenburg hervorgegangen begann Preußens Aufstieg formal, als sich Kurfürst Friedrich III. als Friedrich I. 1701 zum König in Preußen ausrufen ließ. Da Westpreußen und das Ermland noch unter polnischer Herrschaft standen war es dem frischgebackenen Herrscher unmöglich sich als König "von Preußen" krönen zu lassen. Über Jahrhunderte und Jahrzehnte entwickelte sich Preußen zu einer mitteleuropäischen Großmacht, die sich im Siebenjährigen Krieg sogar gegen eine Allianz aus Frankreich, Österreich und Russland zu behaupten vermochte. 1871 wurde Preußen zum Teil des Deutschen Kaiserreichs und zugleich zur Leitkultur, da es neben einem Großteil der Bevölkerung und Gebiete mit dem preußischen König auch den Kaiser und über den meist auch als Reichskanzler amtierenden preußischen Ministerpräsidenten zu stellen vermochte. Erst 1947 wurde der Freistaat Preußen durch den Alliierten Kontrollrat aufgelöst:
"Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört. Geleitet von dem Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens und der Sicherheit der Völker und erfüllt von dem Wunsche, die weitere Wiederherstellung des politischen Lebens in Deutschland auf demokratischer Grundlage zu sichern, erlässt der Kontrollrat das folgende Gesetz: Artikel 1 Der Staat Preußen, seine Zentralregierung und alle nachgeordneten Behörden werden hiermit aufgelöst."
- Alliierter Kontrollrat am 25. Februar 1947
Churchill sah in Preußen die "Wurzel allen Übels", doch zugleich war es einer der ersten industriell geprägten Staaten, Heimat großer Universitäten, Museen, doch auch militärisch potent und durchgehend militarisiert, während es eine Sonderstellung im "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation" anstrebte und selbst die Einhaltung internationaler Verträge den eigenen Interessen unterordnete. Große Reformen wurden durchgeführt und gelobt, wie die Aufnahme der calvinistischen Hugenotten 1685, die allerdings weniger wohltätig als eigennützig gemeint war, galten sie doch als gebildete und willige Arbeiter. So manche Reformen blieben allerdings halbherzig und wiesen Schattenseiten auf, wie die vergleichsweise liberale Presse, die keineswegs frei war und die fortschrittliche Gesellschaft, in welcher sich lange Zeit halbfeudale Strukturen zu behaupten mochten. Beispielgebend für den Aufstieg Preußens kann auch Berlin gelten, das als Hauptstadt zunächst von traditionsreicheren Metropolen wie London, Paris, Rom oder Wien geringschätzig beachtet wurde, aber sich durch Zusammenlegung mit der Nachbarstadt Cölln etablieren konnte und heute der Bevölkerung nach bereits die zweitgrößte Stadt der Europäischen Union ist.
Die krassen Gegensätze in der preußischen Geschichte und dem Mythos Preußen werden vom Historiker und Spiegel-Redakteur für Deutsche Politik, Dr. Klaus Wiegrefe bereits in seinem eröffnenden Essay grundlegend aufgegriffen. Die nachgereihten Aufsätze folgen diesem Beispiel und schaffen ein facettenreiches und umfassendes Bild Preußens, über seine Entstehung, Kultur und Entwicklung von den Kreuzzügen des Deutschen Ordens bis zur vermutlich glorreichsten Zeit unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Otto Braun von 1920-1932. Dabei nimmt das Buch als fundierte Einführung viele Anleihen beim britischen Historiker Christopher Clark, der mit Preußen: Aufstieg und Niedergang 1600-1947 ein Standardwerk vorgelegt hat. Mit dem Beitrag "Diener auf dem Thron" und dem Interview "Bollwerk der Demokratie" kommt Clark allerdings auch selbst zu Wort. Auf den Seiten 101-103 findet man sogar Auszüge aus dem Politischen Testament Friedrich des Großen von 1752. Ein Titel den sich Friedrich II. vor allem durch die Schlesischen Kriege und den Siebenjährigen Krieg erworben hat, in denen es ihm gelang sich selbst gegen die Französisch-Österreichisch-Russischen Truppen durchzusetzen. Ergänzend finden sich über das Buch verteilt einige kurze Chroniken, die zusammenfassend noch einmal auf die Preußische Geschichte eingehen.
Fazit:
In groben Zügen, aber teils doch recht detailliert wird Preußens Geschichte fernab des Mythos nachgezeichnet - Als Einführung eindeutig gelungen.
Sehr gute Essays und ein guter Überblick über Preußen 5 von 5 Punkten Das hier zu besprechende Werk ist aus dem Spiegel-Spezial-Sonderband: "Preußen" hervorgegangen, der im vergangenen Jahr erschienen ist. Das Buch folgt der gängigen Geschichtsschreibung und sieht Preußen - in Anlehnung an die französische Schriftstellerin Germaine de Stael - als janusköpfigen "Doppelstaat". Auf der einen Seite stehe das "gute" Preußen, in welchem der Herrscher - zumindest in der Rhetorik Friedrichs des Großen - der erste Diener seines Staates war. Hierfür stehen auch die Reformen der Minister Stein und Hardenberg, die die preußische Verwaltung reorganisierten. Ihre Reformen werden in diesem Band als "das größte Reformprojekt" der deutschen Geschichte bezeichnet.
Auf der anderen Seite stehe das "böse" Preußen: es sei engstirnig, machtbessen und militaristisch gewesen. "So war Preußen zerrissen zwischen Moderne und Rückständigkeit". Dies ist eine der zentralen Thesen des Buches. Und diese Tatsache schaffe eien üppigen Nährboden für Mythen und Legenden. Auf Preußen hätten sich sowohl Reformer wie Reaktionäre, Monarchisten und Demokraten, Junker und Industrielle, Liberale und Konservative, Nationalsozialisten und Widerstandskämpfer berufen können. Daher erscheine Preußen heute noch als eine weithin "unbekannte Großmacht". Preußen sei durch Ästhetisierung verharmlost , andererseits durch Karikierung verteufelt worden.
In diesem Buch loten Spiegel-Redakteure und auf die Geschichte Preußens spezialisierte Historiker das vielschichtige Wesen des 1947 untergegangenen Staates aus.
An diesem Band besticht insbesondere die historische Einführung von Klaus Wiegrefe. Dies ist auch der Grund, weshalb ich dem Buch die volle Punktzahl gebe. Differenziert analysiert der Spiegel-Redakteur in seinem glänzenden Essay Stärken und Schwächen Preußens vom Beginn des Königtums 1701 bis zu seinem Untergang 1947. Was ich an diesem Essay besonders interessant finde, ist, dass er Preußen nicht - wie das im letzten Jahr erschienene Werk des australischen Historikers Christopfer Clark - mit der Ausrufung des deutschen Kaiserreiches 1871 untergehen lässt. Die Sorge des preußischen Königs und späteren ersten deutschen Kaisers Wilhelm I., mit der Gründung des Kaiserreiches werde das preußische Königtum zu Grabe getragen, sei unberechtigt gewesen. Das janusköpfige Preußen habe mit seinen Widersprüchen auch das Kaiserreich geprägt, dessen "Leitkultur" die Militarisierung der Gesellschaft gewesen sei, wie dies Carl Zuckmayer in seinem "Hauptmann von Köpenick" treffend dargestellt habe. Das alte Preußen habe seine Privilegien gewahrt, das Dreiklassenwahlrecht sei im Kaiserreich nie reformiert worden, die politische Macht des ostelbischen Grundbesitzes nicht gebrochen worden. Die führende Industriemacht Europas mit seinen modernen Universitäten, einer Kranken- und Unfallversicherung, die es sonst noch nirgends gab und die zeigten, dass das Kaiserreich an der Spitze des sozialen Fortschritts stand, wurde wie eine halbfeudale Militärmonarchie regiert: "der preußische Januskopf im Reichsmaßstab.". Ansonsten habe eine "geistige Leere" in Preußen geherrscht, die durch Nationalismus und Militarisung der Gesellschaft ausgefüllt worden sei. Immerhin habe das Kaiserreich trotz nationalen Größenwahns über 40 Jahre Frieden mit seinen Nachbarn gehalten, ehe es Europa 1914 mit Krieg überzog: nicht als Alleinschuldiger, aber als Hauptschuldiger.
Die beste Zeit der preußischen Geschichte sei das demokratische Preußen zwischen 1918 und 1932 gewesen, für das stellvertretend der langjährige sozialdemokratische Ministerpräsident Otto Braun gestanden habe. Dieses wurde am Ende der Weimarer Republik durch den reaktionären Reichskanzler Franz von Papen und den - den ostelbischen Grundbesitz repräsentierenden - ebenfalls reaktionär denkenden Reichspräsidenten von Hindenburg - durch den Preußenschlag zerstört. Hitler habe den Preußenmythos für eigene Zwecke - insbesondere zur Stabilisierung seiner Macht benutzt, wie der "Tag von Potsdam", die "Rührkomödie", gezeigt habe. "Ob es ohne ein Königreich Preußen Hitler nicht gegeben hätte, ist eine beliebte Frage." [Christopher Clark verneint im gleichen Band in einem Interview diese Frage und plädiert dafür, nicht länger Traditionslinien von Preußen zum Nationalsozialismus zu ziehen]. Profitiert habe Hitler von dem Hohenzollernstaat in einer Hinsicht: es habe lange gedauert, ehe die Wehrmachtoffiziere ihre preußisch-verquasten Ehrbegriffe aufgaben und den Diktator zu töten versuchten. Am Ende habe Hitlers Hybris Preußens Existenz zerstört. Preußen sei daher passé, Deutschland - verankert in westlichen Bündnissen - könne auf dem weiteren Weg zur politischen Union Europas von Preußen, weldhes weder republikanisch noch föderativ organisiert war, nichts lernen.
Diesem Essay muss man nicht in allen Einzelheiten folgen, aber er ist dennoch anregend und informativ. Dies gilt auch für die folgenden Einzelbeiträge der Historiker. Frank-Lothar Gall schildert die Gründung des Königreichs Preußen und seine Vorgeschichte in der Mark Brandenburg. Christopher Clark, dessen letztes Jahr erschienenes Buch über Preußen mit Sicherheit zum Standardwerk werden wird (wie in der informativen Literaturliste am Schluss des Bandes zu recht vermerkt ist), untersucht Preußen zur Zeit Friedrichs des Großen, den er - insgesamt eher wohlwollend - portraitiert. Harald Biermann sieht in der Proklamantion des Deutschen Kaiserreiches 1871 den Schlusspunkt des Bündnisses der Nationalbewegung mit Bismarcks Preußen nach der Revolution von 1848. Heinrich August Winkler, Autor des fasznierenden Standardwerkes: "Deutschlands langer Weg nach Westen" analysiert den verhängnisvollen Einfluss der Junker in Kaiserreich und Weimarer Republik sowie die Pervertierung preußischer Tugenden im Nationalsozialismus.
Doch es gibt auch Beiträge zur preußischen Kulturgeschichte. Günter de Bruyn shcildert die bunte Literatenszene "von Herrscherlob und Kriegslyrik bis zur nostalgischen Geschichtsverklärung", Susanne Beyer portraitiert die faszinierende "preußische Salondame" Rahel von Varnhagen, Bettina Musall die berühmte und legendäre Königin Luise.
Das Buch bietet eine - sicherlich nicht unumstrittene und durchaus zu Kontroversen anregende - Überblicksdarstellung zu Preußen, die - populärwissenschaftlich geschrieben - sich an Laien und Historiker wendet und auch gut für Referate für Schüler in der Oberstufe geeignet ist.
Natürlich kommt das Buch an Standardwerke wie Haffners: "Preußen ohne Legende" oder Clarks: "Preußen" nicht heran. Diese sind ausführlicher und schreiben chrnologisch eine Geschichte dieses Staates. Dennoch ist dieses Buch stellenweise sogar informativer - weil es sich bemüht, die zahllosen Fakten zu interpretieren und - unter Einbeziehung der neuesten Forschungen über Preußen - einen fundierten Überblick auch über kontroverse Themen - etwa die Frage der Kontinuität von Preußen zu Hitler - zu geben. Daher als Einführung in jedem Fall eine hervorragende Wahl, die durch die oben genannten Werke - und auch die Preußen-Darstellung von Hans-Joachim Schoeps - dann ergänzt werden kann. Unbedingt lesenswert.
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Die SS: Elite unter dem Totenkopf. 30 Lebensläufe
Gebundene Ausgabe, März 2003 Verkaufsrang: 48401 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden »Ein wichtiges und zugleich populär geschriebenes Werk zum Verständnis des Nationalsozialismus.« Schwäbische Zeitung »Die Biographien lesen sich spannend. Nicht nur für Fachleute, auch für interessierte Laien eine Bereicherung ihres Wissenstandes.« Archiv für Polizeigeschichte »Ein Buch wider das Vergessen. « Augsburger Allgemeine
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Ein hochkarätiges Sachbuch 5 von 5 Punkten 29 Autoren aus 8 Nationen beschreiben 30 Kurzbiographien prominenter SS- Angehöriger. Damit ist klar, dass es sich nicht um ein stilistisch homogenes Werk handelt, das sich flüssig und leicht lesen lässt. Das ist aber auch gar nicht Ziel dieses Sachbuches, das durchaus wissenschaftlichen Anspruch in allgemeinverständlicher Form erhebt. Die dargestellten Kurzbiographien lassen erkennen, wie unterschiedlich die Charaktere dieser Personen und ihre Verstrickung in Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes des dritten Reiches waren und wie wenig dämonische oder sadistische Veranlagung als Erklärung dafür taugen. Auch wie wenig monolithisch diese Organisation eigentlich war, lässt sich unschwer beispielsweise aus dem Vergleich der Biographien von Wilhelm Bittrich und Theodor Eicke erkennen, die beide kommandierende Generäle der Waffen-SS waren. Es kann als Verdienst dieses Sachbuches angesehen werden, dass solche Differenzierungen innerhalb der juristisch als verbrecherische Organisation charakterisierten SS offenkundig werden. Über agierende Individuen lässt sich dem bis heute mit vielen Mythen umgebenen Phänomen SS sicher eher beikommen als über ein vorgefaßtes Verdikt. Nach der Lektüre verspürt man Bedürfnis nach mehr Wissen über die beschriebenen und auch über hier nicht erwähnte Protagonisten einer den deutschen Nationalsozialismus wesentlich prägenden Organisation. Ein besseres Kompliment an ein solches Buch lässt sich kaum finden.
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Wallenstein: Sein Leben erzählt von Golo Mann Golo Mann Taschenbuch, November 1997 Verkaufsrang: 123742 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In dieser großen deutschen Biographie haben sich der Geist der Wissenschaft und der Geist der Erzählung einzigartig verbündet. Golo Mann erzählt eine Geschichte, in die zahllose denkwürdige Geschichten eingewoben sind, die Geschichte eines Lebens voller Glanz und Hinfälligkeit, voller Widerspruch und spät gelöster Rätsel; er erzählt auch die Geschichte einer an finster-eindrucksvollen Figuren reichen, einer wilden und heillosen Zeit. Wallenstein ist der Protagonist und das Opfer. Die Bühne, auf der er steht und agiert, ist Europa. Sein Handeln, Zögern und Scheitern, sein Charakter werden einfühlend erforscht und hinreißend dargestellt - der Gelehrte, der schon 1934 einen ersten Wallenstein-Essay veröffentlichte, geht dem Erzähler stets voraus, prüft Dokumente und Daten, erschließt unbekannte Quellen, zitiert und vergleicht, deckt Wirklichkeit und Wahrheit auf, durchmißt und veranschaulicht den Raum seiner Geschichte. Das Ergebnis ist ein historischer Roman, authentisch und groß. Wallensteins ebenso bündige wie bildhafte Sprache und viele andere Stimmen seiner Zeit klingen mit in der Prosa Golo Manns. Gründliche Anmerkungen belegen Erkenntnisse und Darstellung.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 17 Bewertungen)
Meisterwerk 5 von 5 Punkten Golo Mann's "Wallenstein" ist ein Meisterwerk der Geschichtsschreibung. Mann bekennt sich allerdings zu einer Historikertradition, die akzeptiert, das "Geschichte" auch immer "Geschichte erzählen" bedeutet. Und ein grosser Erzähler war Golo Mann ohne Frage. So wird vor dem Leser ein ganzes Panorama des frühen 17. Jhdts entfaltet in dem die Hauptperson Wallenstein mit allen ihren Widersprüchlichkeiten geschildert wird. Ebenso detailverliebt und aufschlussreich sind die Beschreibungen all der anderen Personen, die sich in diesem Kosmos bewegen. Ein grandioses Buch.
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Das große Buch der Interflug: Geschichte - Personen - Technik - Flugkapitäne erinnern sich Klaus Breiler Gebundene Ausgabe, September 2007 Verkaufsrang: 83587 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Vor einem halben Jahrhundert gingen ostdeutsche Flugzeuge als »Lufthansa« ind die Luft. Es konnte nicht verhindert werden, daß sie als »Interflug« weltweit erfolgreich waren. Ihre Geschichte endete wie so viele aus der DDR: tragisch und wohl auch kriminell.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Mensch im Mittelpunkt 5 von 5 Punkten Klaus Breiler leistet mit dem vorliegenden Buch einen längst überfälligen Beitrag in der Geschichtsschreibung zur DDR und der deutschen Luftfahrt. Unzählige Bände befassen sich in sehr unterschiedlicher Qualität mit beiden Aspekten. Wer ein Buch über den angeblich maroden Zustand der DDR-Ökonomie erwerben, Weisheiten über den vermeintlich niedrigen Qualitäts- und Sicherheitsstandard der staatlichen DDR-Fluggesellschaft wiederfinden oder rein technische und marktwirtschaftlich analysierende Zahlen bestätigt wissen will, findet gewiß Befriedigung in anderen Werken als dem von Klaus Breiler.
Darum ging es dem Autoren auch gar nicht. Sein Ziel war es - und dies ist ihm aus meiner Sicht brillant gelungen - dem Lebenswerk der bei der Lufthansa (Ost) und der Interflug Beschäftigten einen Teil der verdienten Würdigung zukommen zu lassen. Daß dabei eben auch die eklatanten Ungereimt- und Ungerechtigkeiten bei und nach der Herstellung der sogenannten "deutschen Einheit" zur Sprache kommen, ist nur logisch und wird von künftigen Generationen gewiß dankbarer zur Kenntnis genommen werden. Gleichermaßen notwendig und eindrucksvoll geschildert wird die Rolle der DDR-Flieger bei der Absicherung der Hilfs- und Solidaritätsflüge mit von der Bevölkerung gespendeten Hilfsgütern. Ein Aspekt des Alltags, der ansonsten ja nach wie vor totgeschwiegen oder als staatlich verordnet diskreditiert wird.
Menschen wie Klaus Breiler beweisen eindrucksvoll, daß die in der DDR Gebliebenen nicht zu feige zur Republikflucht waren, sondern mit ihren Ideen und Visionen einen besseren deutschen Staat aufbauen wollten und dafür arbeiteten.
Trotz der leider zu häufigen Satz- und Druckfehler - kleine Verlage können sich offenbar kein richtiges Lektorat mehr leisten - von mir fünf Sterne für dieses Buch, in dem der MENSCH im Mittelpunkt steht.
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Kleine deutsche Geschichte Ulf Dirlmeier, Andreas Gestrich, Ulrich Herrmann, Ernst Hinrichs, Konrad H. Jarausch, Christoph Kleßmann, Jürgen Reulecke Broschiert, September 2007 Verkaufsrang: 94735 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der Band, der 2006 von Konrad H. Jarausch um ein neues Kapitel zur "Berliner Republik" und der unmittelbaren Zeitgeschichte nach 1990 erweitert wurde, bietet einen vollständigen und aktuellen Überblick über die gesamte deutsche Geschichte. Bisher nur als Hardcover lieferbar, gibt's Reclams Kleine deutsche Geschichte damit auch wieder zum studentenfreundlichen Preis in der Universal-Bibliothek.
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Der Gefühlsstau. Ein Psychogramm der DDR Hans-Joachim Maaz Broschiert, 1990 Verkaufsrang: 73440 Hans-Joachim Maaz, Chefarzt einer psychotherapeutischen Klinik in Halle, schildert und analysiert den seelischen Zustand eines Volkes und zeigt Wege auf, damit der politischen Wende auch die dringend notwendige "psychische Revolution" folgen kann.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Hochinteressant und einfach wahr! 5 von 5 Punkten Dieses Buch kann ich jedem empfehlen, der sich mit dem Thema Macht und den damit verbundenen Einflüssen auf sein eigenes Verhalten interessiert. Was in "Gefühlsstau" eindrucksvoll und sicher auch für Laien nachvollziehbar dargestellt ist, gilt ebenso für große Wirtschaftsunternehmen und andere stark hierarchisch gegliederte Organisationen.
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Im Kessel: Erzählen von Stalingrad Carl Schüddekopf Taschenbuch, Februar 2004 Verkaufsrang: 21496 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Am 17. November 1942, dem Tag, an dem der Soldat Hans Horn verwundet ausgeflogen wurde, scheiterte der letzte deutsche Versuch, Stalingrad zu erobern. "Operation Uranus", Stalins Gegenoffensive, war angelaufen und führte am 23. November zur Einkesselung der gesamten 6. Armee unter General Paulus. Eines der kriegsentscheidenden Dramen nahm seinen Verlauf. Im völlig zerstörten Stalingrad befanden sich zur Jahreswende 1942/1943 290.000 deutsche Soldaten eingekesselt, ausgehungert und aufgerieben in zermürbenden Straßenkämpfen. Lediglich 5.000 von ihnen kehrten verwundet oder nach Gefangenschaft nach Deutschland zurück. Acht ehemalige Landser, darunter Briefträger Hans Horn, lassen nun in einem erschütternden Dokument den aberwitzigen Überlebenskampf im Zentrum des Wahnsinns noch einmal aufleben. Allein die nackten "Versorgungszahlen" vermitteln ein Bild des Horrors und der Ausweglosigkeit ihrer Situation. Der Munitionsnachschub war weit gehend zusammengebrochen, 350 Gramm Nahrung täglich und -- fast gleicht dies einem Menetekel -- eine Feldbuchausgabe von Oswald Spenglers Der Untergang des Abendlandes bildeten die Grundversorgung jedes Soldaten. Folgerichtig zählt der Bericht des damals 20-jährigen Kraftfahrers Johann Scheins über grausige Fälle von Kannibalismus zu den unerträglichsten Passagen des Buches. Voll Bitternis erinnert sich der Schuhmacher Bertold König an einen Besuch Görings im polnischen Lazarett. Die verwundeten Stalingrad-Kämpfer, ausgeflogen und kurzfristig aufgepäppelt, um keinen allzu elenden Eindruck zu machen, wurden ermahnt, Haltung in ihren Betten anzunehmen. Als der ordensübersäte Reichsmarschall wortlos durch einige Zimmer rauscht, gewinnt König den Eindruck, dass dieser sich eigentlich "kein bisschen für die Davongekommenen interessiert". Das Rätsel um den Mythos Stalingrad versucht Schüddekopf gar nicht erst zu lösen. Weshalb der gewiefte Militärstratege Paulus seine 6. Armee nicht rechtzeitig aus dem Kessel führte und stattdessen wider besseres Wissen Hitlers irrwitzigen Durchhaltebefehl ergeben ausführte, ist nicht Sache dieses Buches. Was wir indes erhalten, ist eine grausige Nahaufnahme einer der Wendepunkte des Zweiten Weltkriegs, erzählt von den letzten Zeitzeugen dieses Infernos. --Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Erschütternd - Berichte aus der Hölle 5 von 5 Punkten Erschütternde Berichte aus der Hölle von Stalingrad und der Gefangeschaft danach. Es werden Schicksale einzelner Soldaten aus verschiedenen Bereichen und Dienstgraden erzählt. Die Berichte der einzelnen Soldaten sind schonungslos offen und erzählen die ganze Brutalität des Krieges, aber auch derer die solch einen Krieg angezettelt haben. Ein Stück Geschichte das sich nie wiederholen darf.
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Massel: Letzte Zeugen Digne M. Marcovicz Broschiert, März 2007 Verkaufsrang: 164104 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Wie kann man Jugendlichen den Holocaust vermitteln? Digne M. Marcovicz hat dafür einen ungewöhnlichen Weg gefunden: Sie filmte und interviewte zwölf Überlebende des Holocaust, verdichtete deren Erzählungen von Deportation und Lagerhaft zu einer eindringlichen Collage aus Interviewpassagen, Zeitungsausschnitten, historischen und neuen Fotografien. Wie in einem Comicstrip wechseln Wort und Bild in schneller Folge - "Massel" entwickelt einen Sog, dem sich nicht nur der jugendliche Leser schwer entziehen kann!
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