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| Junge Literatur | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Ich und Kaminski Daniel Kehlmann Taschenbuch, Dezember 2007 Verkaufsrang: 6502 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Daniel Kehlmann schrieb einmal: Aus irgendeinem Grund hören viele Menschen einen Text lieber, als ihn selbst zu lesen, und sie hören ihn lieber dargeboten von einem stotternden und hustenden Vorlese-Dilettanten, der sein Verfasser ist, als von einem Profi. Und dann machte er sich daran, selbst als Vorleser seines Romans Ich und Kaminski auf drei CDs zu dilettieren und so seine eigene Aussage zu bestätigen. Gehustet und gestottert wird zwar nicht, aber Kehlmanns Vortrag ist doch dazu angetan, sich ein allgemeines Verbot von Autorenlesungen zu wünschen. Umso mehr, wenn man vergleicht, wie genial und berauschend, Kehlmanns Bestseller Die Vermessung der Welt vom Schauspieler Ulrich Matthes interpretiert wurde. Der Schuss geht leider gleich doppelt nach hinten los. Durch den eher unangenehmen und laienhaften Vortragsstil des Autors treten die literarischen Schwächen des Romans noch deutlicher hervor. Und eigentlich muss man sich wundern, dass Kehlmann sich mit seinem nächsten Roman, dem gefeierter Bestseller Die Vermessung der Welt, so steigern konnte. Auf dem Cover wird der Autor zitiert: Mit Ich und Kaminski habe ich mir die Komik als Stilmittel erarbeitet. Wenn das stimmen sollte, dann merkt man es dem Roman leider nicht an. Am schlimmsten aber ist, dass der Autor seinen Text mit einem Tonfall liest, als wäre er schreiend komisch. Also Finger und Ohren weg. Wer ein Hörbuch von Daniel Kehlmann haben möchte, sollte unbedingt zu Die Vermessung der Welt greifen. --Christian Stahl Spieldauer: ca. 215 Minuten, 3 CDs, Autorenlesung
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 37 Bewertungen)
Mein Favorit 5 von 5 Punkten Habe alle Kehlmanns gelesen und bin von fast allen begeistert, aber dieser hat mich sicher am lautesten zum Lachen gebracht. Feinste Ironie trifft auf Slapstick.
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1979 Christian Kracht Taschenbuch, Mai 2003 Verkaufsrang: 15630 Christian Kracht reagiert angeblich allergisch auf das Wort "Pop". Komisch, denn immerhin hat er mit seinem Deutschlandreise-Roman Faserland vor sechs Jahren einen regelrechten Boom junger deutscher Popliteratur losgetreten. Inzwischen ist die Welle abgeflaut -- und es sieht so aus, als wolle nun niemand dabei gewesen sein. Sein Co-Modell Stuckrad-Barre macht ernste Literatur und der nach Bangkok exilierte Kracht schrieb eine ganze Weile nur Reiseglossen für die Welt am Sonntag. Jetzt erscheint 1979, gewissermaßen das Come-back des Popliteraten wider Willen, ein erstaunliches Buch. Erstaunlich erst einmal, weil sich im Ton und in der Haltung auf den ersten Blick wenig geändert hat. Wieder geht ein obsessiv mit sich und seinen Kleidungsstücken beschäftigter "Ich-Ich-Ich-Erzähler" auf Reisen, nur diesmal eben nicht von Sylt an den Bodensee, sondern erst durchs revolutionsgeschüttelte Teheran und dann via Tibet nach China. In Teheran dröhnt der Lärm von Panzern durch die Straßen, der Staatsstreich steht kurz bevor, doch der Erzähler interessiert sich vor allem für Innenarchitektur, insbesondere für "mit gestreifter brombeerfarbener Seide bezogene Empire-Chaiselongues". Krachts Blick auf die Welt ist der eines Dandys, der sich schnell einmal übergibt, wenn jemand im Park von "vier schwarzgekleideten bärtigen Männern" verprügelt wird und der sich sogar vor seiner eigenen Spucke ekelt. Für den deutschen Alltag zwischen Cocktailparty und Aldi-Kassenschlange war diese Wahrnehmung sehr produktiv, vor dem Hintergrund einer islamischen Revolution wirkt sie nur grotesk. Natürlich wird es auf die Dauer langweilig, Kracht immerzu Nabelschau vorzuwerfen, und insofern ist es gut, dass der neue Roman auch eine existenziell-spirituelle Dimension bereit hält. Erst stirbt ein geliebter Freund, dann erhält die Hauptfigur von irgendwelchen Revolutionären den Auftrag, in China auf einen heiligen Berg zu steigen, um sich oder die Welt (so klar wird das nicht) zu heilen. Schließlich landet er in einem kommunistischen Straflager, wo ihn aber auch wieder hauptsächlich das Essen stört, das "heftige Blähungen" auslöst. Beim Lesen fragt man sich: Ist das Polit-Satire? Oder Literatur-Parodie? Wie gesagt: ein erstaunliches Buch, das einen ratlos zurücklässt. --Oliver Fuchs
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 46 Bewertungen)
sehr nah am Ideal 5 von 5 Punkten Natürlich kann man die Dummheit des Erzählers kritisieren. Oder kann einem die düstere, selbstzerstörische Grundhaltung des Romans nicht gefallen.
Aber es gibt nur ganz wenige Bücher die mich so in Ihren Bann gezogen haben. Ich hatte das Gefühl das jedes Wort wichtig ist und genau im richtigen Satz im richtige Absatz steht. Selbst beim dritten oder vierten lesen fiel mir nichts ein was besser gemacht werden könnte.
Letztendlich gehört es in eine Rheihe mit jenen kleinen dünnen und sehr unterschiedlichen Stücken Literatur, die schlicht perfekt sind, wie Melvills "Bartelby", Stevensons "Schatzinsel", Bölls "Dr. Murkes gesammeltes Schweigen" oder Conrads "Herz der Finsternis".
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Herrn Kukas Empfehlungen Radek Knapp Taschenbuch, September 2007 Verkaufsrang: 5354 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In Radek Knapps neuem Roman lernt der junge Pole Waldemar das Abenteuer lieben. Von dem Lügenbold und Kleinganoven Kuka in geheimer Mission nach Wien geschickt, erlebt er als Ich-Erzähler Schmuggelorgien an der Grenze, trifft auf einen Meisterdieb, der die Zeit anhalten kann, wird selbst zum unfreiwilligen Bankräuber und findet wie Nebenbei die Dame seines Herzens. Am Ende steht die Erkenntnis, in Wien am merkwürdigsten Ort der Welt gelandet zu sein: "wo sich Schwimmbäder in Nationalparks verwandeln, Spendierhosen hinter einem 'Gott vergelt's' rufen und niemand Dir eine Arbeit geben will, nur weil Du die falschen Schuhe geschenkt bekommen hast". All dies beschreibt Knapp in Herrn Kukas Empfehlungen mit eben jener Portion an Witz und Charme, welche die abstrusen Ereignisse ebenso glaubhaft wie lesenswert macht. Als der inzwischen 35-jährige Knapp 1994 mit den polnischen Dorfgeschichten Franio debütierte, erhielt er den begehrten aspekte-Literaturpreis und wurde quasi über Nacht zum Star des Feuilletons. In Franio ließ er seinen bezaubernden Titelhelden Phantasiegeschichten scheinbar aus der Zeitung ziehen, einen Stationsvorsteher mit dem Teufel um die Gunst der Volksschullehrerin buhlen und einen Schwerenöter die Apokalypse heraufbeschwören, um die Dorfschönheiten zu verführen. In Interviews versicherte der Autor damals, derart skurrile Geschichten selbst erlebt zu haben. Als Heizungsableser etwa habe er in der Badewanne einer Wiener Sozialbauwohnung schon mal ein Krokodil entdeckt. Ob das tatsächlich stimmt, ist eigentlich egal: ansonsten nämlich ist es hübsch erfunden. "So ist das Leben", heißt es einmal in Herrn Kukas Empfehlungen über eine absonderliche Wirklichkeit. So ist es wohl - zumindest in der Literatur.--Thomas Köster
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 19 Bewertungen)
Witzig, Authentisch.... 5 von 5 Punkten So muss ein Buch sein! Emphatisch, sehr gute Charaktere!!! Besser können sie nicht sein/agieren!
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, leider empfand ich den Schluss als überhaupt nicht stimmig mit dem rrestlichen genialen Teil (weil "plump", plötzlich, unpassend(?), aber gut, letztendlich alles geschmackssache....aber ich verzeihe den blöden Schluss, weil der Rest einfach sooo gut ist! (Und ich habe poln. Wurzeln!!!)
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Schönhauser Allee Wladimir Kaminer Taschenbuch, Dezember 2001 Verkaufsrang: 6055 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ich finde nie eine Frau, jammert Wladimirs Freund. "In den Schönhauser Arkaden findest du alles", erwidert Herr K. trocken, den Werbeslogan der großen Shoppingmall zitierend. Und es stimmt ja auch: Ostberlin ist ein Paradies für Alltagsethnologen. Deren derzeit berühmtester ist Wladimir Kaminer, Betreiber der Russendisko im Café Burger, direkt neben dem Club der polnischen Versager in der Torstraße. Von der geht die Schönhauser Allee ab, und spätestens ab der Eberswalder Straße hat die es in sich. Neben Fahrradläden und Fielmann-Filialen finden sich Bistros à la By Andy's und Spielhöllen, die Pure Freude heißen. Dazwischen eine bunte Mischung aus Billigläden, Dönerbuden und vietnamesischen Gemüsehändlern. Überhaupt, die Vietnamesen: Sie kochen und waschen den ganzen Tag, wenn sie zu Hause sind (und nicht gerade Feuerwerkskörper abbrennen) -- und wenn sie im Laden stehen, besänftigen sie ihre wählerische deutsche Kundschaft, die sich nicht zwischen Apfel A und Apfel B entscheiden kann, mit dem Killersatz "Vielleicht lieber diesen?" Dann gibt es natürlich die Russen. Von denen kennt Kaminer, wen wundert's, eine ganze Menge. Zum Beispiel Namensvetter Wladimir, der Herrn K. in fast allen Punkten ähnelt, außer, dass seine Frau brünett ist und er neuerdings kein Fleisch mehr isst. Wegen der Geschichte mit dem Wildschwein. Oder Alex, der Spion vom Kollwitzplatz. Und Erik, der in der der "ersten und wahrscheinlich auch einzigen" aserbeidschanischen Heavy-Metal-Band spielte, bevor es ihm in Baku zu heiß wurde und er ins gemütliche Berlin flüchtete. Sie alle stolpern durch die bunte Warenwelt des Ost-Westens und wissen zum Glück nicht, dass sie die Speerspitze der multikulturellen Gesellschaft sind. Die Lakonie, mit der Kaminer Alltagsbeobachtungen und skurrile Begegnungen zum Besten gibt, wird durch seinen umwerfend-unbewegten Vortragsstil und den charmanten Akzent noch unterstrichen. Diese Geschichten muss man einfach hören! Schade nur, dass das Audiobook nur 13 der ursprünglich 48 kurzen Geschichten versammelt. --Axel Henrici Lesung, Spielzeit: 65:55 Minuten.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)
Super Autor 5 von 5 Punkten Klar, es passiert nicht großartig etwas aber TROTZDEM schafft es der Autor mich mitzureißen und zum Lachen zu bringen, zusätzlich erfährt man nebenbei geschichtliche Dinge. Ich würde seine Bücher am Liebesten nicht aus der Hand legen, das schaffen viele Krimis NICHT!! Sein Schreibstil ist einzigartig, man will das Buch unbedingt bis zum Ende lesen obwohl eigentlich keine bestimmte Handlung besteht. Das sind Dinge, welche mich an dem Autor so faszinieren, dass ein Buch ohne großartige Handlung mich fesseln kann
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Soloalbum: Roman Benjamin von Stuckrad-Barre Taschenbuch, April 2005 Verkaufsrang: 4420 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Ausgangssituation ist klassisch: Der Ich-Erzähler, gerade mal Anfang Zwanzig, ist soeben von seiner Freundin verlassen worden; nach vierjähriger Beziehung nun per Fax der Schlussstrich. Ende, aus, vorbei. Natürlich ist der Verlassene im Moment des Aus so verliebt wie in all den Jahren nicht. Trotz verschiedener "Soloprojekte" in der gemeinsamen Zeit, trotz der gelegentlichen Gastrolle als Single, fühlt sich der Erzähler schlecht wie schon lange nicht mehr: ach, wie immer schon. Gebührend wird der Verflossenen hinterhergetrauert: er ruft sie an, legt auf, geht joggen, sucht trinkend nach schnellem Ersatz, um doch nur wieder zurückzufallen, auf sie, auf sich und auf: OASIS. Denn natürlich hört er genau die Musik, die zu all seinem Unglück noch gefehlt hat. Götter des Britpop! "You and I gonna live forever?" Von wegen. "Soloalbum" erzählt von schönen Mädchen und blöden Parties, von coolen CDs und steinewerfenden Greisen - aber wie jedes wirklich gute Buch erzählt es die ewige Story v om Lieben und Sterben, von sterbender Liebe. Und wie im richtigen Leben macht auch hier der Ton die Musik: Zurückgeworfen auf sich selbst, mit sich, der Liebe und dem Leben kämpfend, entwickelt der Erzähler einen Sound, der seinesgleichen sucht in der deutschen Gegenwartsliteratur. Und das ist auch noch äußerst lustig zu lesen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 223 Bewertungen)
Eine tolle Lektüre! 4 von 5 Punkten Ein junger Mann mit Liebeskummer, eine Exfreundin, die er nicht loslassen möchte und ein Partyleben in Hamburg- dies sind die Inhalte des Popliteratur-Romans von Benjamin Stuckrad Barre.
Der Autor schreibt aus der Sicht des Musikkritikers, mit einer feinfühligen Sprache und viel Wortwitz.
Der Leser wird somit auf stilistisch höchstem Niveau durch einen kurzen Abschnitt des Lebens eines Oasis-Fans geführt. Dieser wurde von seiner Freundin verlassen und leidet nun unter größtem Liebeskummer. Er versucht, sich durch Partys, Frauen, Alkohol und Koks abzulenken, was ihm jedoch kaum gelingt.
Diese psychologische Innenschau ist für männliche wie weibliche Leser gleichsam geeignet.
Aber vorsicht: Der Suchtfaktor ist riesig!
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Simple Storys: Ein Roman aus der ostdeutschen Provinz Ingo Schulze Taschenbuch, November 1999 Verkaufsrang: 9657 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 27 Bewertungen)
Buntes, aber arg konstruiertes Mosaik, das blass bleibt 3 von 5 Punkten Zu Beginn dieses Romans von Ingo Schulze, der nur scheinbar aus 29 Geschichten besteht, in Wirklichkeit aber die Schicksale eines guten Dutzends ,Ossis' aus der ,Provinz' erzählt , fällt es durch die Vielzahl der kurz hintereinander eingeführten Personen schwer, Zusammenhänge zu begreifen oder gar einen roten Faden zu finden. Im ersten Drittel des Buches treten pro ,Short Story' bis zu 10 neue Protagonisten auf, deren Beziehungen zueinander erst zum Ende hin nachvollziehbar werden.
Verstärkt wird die anfängliche Verwirrung noch durch den stark stilisierten Stil Schulzes, der Situationen und Umgebungen meist nur wie Regieanweisungen skizziert und dann auf Dialoge anstelle von Schilderungen setzt: Wichtige Ereignisse wie der Unfalltod einer Radlerin oder die Stasi-Vergangenheit eines Lehrers werden derart sparsam angedeutet, dass sie erst nach Variationen des Themas in anderen Geschichten ein klares Bild ergeben. Dagegen werden andere Personen recht zufällig eingeführt und ihr Schicksal bleibt unklar.
So weit, so kunstvoll bzw. konstruiert Schulzes Stil, der die volle Aufmerksamkeit des Lesers fordert. Gut gefallen hat mir dabei das schrittweise Ausbreiten der Entwicklungen und des Lebens der Protagonisten über circa 10 Jahre. Was leider auf der Strecke bleibt ist die Anschaulichkeit und damit der Effekt, den manche der Entwicklungen bei direkterer Beschreibung auf den Leser haben könnten. Solange man sich Geschehnisse nur zusammenreimen kann werden leider auch keine Emotionen und keine Botschaft transportiert. Es ,kommt also wenig rüber', salopp ausgedrückt: Weder vermittelt das Buch einen tieferen Einblick in die ostdeutschen Befindlichkeiten der 90er noch trägt es zum Verständnis der Hintergründe und Motive seiner Hauptpersonen bei. Es bleibt bei oberflächlichen Klischees über reiche Spekulanten aus dem Westen, Träume von der weiten Welt und Stasi-Vergangenheit. Für einen Schlüsselroman über die DDR scheint mir das zu wenig.
Frei 5 von 5 Punkten Es ist nicht das erste Mal, daß sich in der deutschen Literatur an einem kleinen Ort, das Zeitgeschehen spiegelt. In seinem beeindruckten Roman aus der ostdeutschen Provinz schaffte es Schulze den Aufbau der Kurzgeschichte so geschickt zu vernetzen, daß er zu einem größeren Bild zusammenwächst und uns eine Zustandbeschreibung der neuen Länder nach der Übernahme durch den Westen bietet. Allein schon die Reise nach Italien ist witzig und gleichzeitig scharf beobachtet. Schulze verliert dabei nie die Liebe zu seinen Figuren, er zeigt sie, wie sie sich zurechtzufinden in all dem Neuen, daß in vielem das Alte bleibt. Plötzlich ist man in Italien und dann? Plötzlich fällt die Mauer und dann?
Die Geschichten sind nur an der Oberfläche simple, ihre Tragik liegt in der Erkenntnis, daß die Dinge nun mal jetzt so sind, wie sie sind, und daß man sich darauf einzustellen hat. Freiheit endlich! Man würde sich freuen, wenn ein westdeutscher Ort zu demselben Zeitpunkt in der deutschen Geschichte, so klug und humorvoll als Mikrokosmos wiedergegeben würde.
All too simple stories 3 von 5 Punkten Schulze's "East German Novel" is certainly that, but to call it *the* East German novel, as some have done, is going too far. The overwhelmingly positive response to this book given in higher literary circles at the time of its release is, in my eyes, undue praise.
Schulze's critique of the West's impact on East German life is veiled to a degree that it requires some digging to extract. His characters are lackluster and do not stand out from one another, even when they narrate their own stories.
Some praise the monotonous and unexciting tone of the book as mirroring the reality of life in the former GDR. I think Schulze could have done the same thing with more individualized characters and without the stilted speech and utter lack of focus.
Simple storytelling that doesn't quite live up to expectations. 3 von 5 Punkten The title of Ingo Schulze's second novel may seem misleading to some readers, as Simple Storys is anything but simple. Set in the small East German town of Altenburg straight after reunification, Schulze's novel intricately links the lives of its characters through seemingly unconnected chapters. This added level of complexity sets the novel apart from its well-cited equivalent, Sherwood Anderson's Winesburg, Ohio. Unlike Anderson, Schulze's characters reflect the situation of a society trapped between the memory of Communism and the reality of 'western' democracy.
However the novel does stay true to its title through its straightforward precise language, which may ring true with fans of Raymond Carver. Schulze's stories feel more believable because of this; the reader will not agonise over his political agenda, simply enjoy the fact that Schulze is, through a series of intriguing narratives, depicting a society undergoing political change. His subtle narration of such fragmented events as a meeting between new lovers, the concealment of a painful secret, a trip to Italy and a car accident with a badger will leave the reader feeling an enthralling mix of optimism and sadness as the characters struggle to sort out their confused lives.
Yet Schulze attempts to use the group of characters alone as the glue which binds his stories together. In doing so readers may become aware that Schulze's great strength in using straightforward language is actually one of the novel's greatest weaknesses, as it does not allow for unique and identifiable protagonists throughout each story. At times it may become necessary to flick back through previous chapters to remind oneself of an earlier character. Of course, this wouldn't be a problem if Schulze's aim was to create a book of short stories, but his attempt is at 'ein Roman aus der ostdeutschen Provinz', and I am sorry to say that some readers may decide that this is not achieved in Simple Storys. Despite this, readers who have an interest in this period of German history will no doubt appreciate Schulze's insightful tales into the struggles of the individual in the aftermath of the GDR.
Allzu simple Geschichten 3 von 5 Punkten Ingo Schulze nennt sein zweites Buch "Simple Storys" und im Untertitel einen "Roman aus der ostdeutschen Provinz". Die meisten Geschichten spielen in Altenburg, eine in Berlin, eine andere in New York und zum Schluß verirrt man sich nach Stuttgart. Seine Geschichten bilden durch die handelnden Personen einen Zusammenhang, in immer neuer Mischung tauchen sie in den "Stories" auf. Leute lernen sich kennen, andere trennen sich, wieder andere sterben. Einige werden mit ihrer Vergangenheit nicht fertig, andere nicht mit ihrer Gegenwart. Die Geschichten sind in genau beobachtete und beschriebene Ereignisse eingebettet. Die Situationen sind echt, sie sind "mitten aus dem Leben gegriffen".
Nur sie sind so gut wie nicht typisch für die Ossis. Es sind allenfalls Geschichten aus der Provinz. Gut, der eine hat eine angebliche Stasi-Vergangenheit, was schließlich dazu führt, daß er seinen Lehrerberuf quittiert und in der Irrenanstalt endet oder zumindest eine Zeit dort verbringt. Gut, es werden manchmal geradezu genüßlich "West-Produkte" samt ihrer Werbeslogans zitiert, aber das kann es ja wohl nicht sein. Seine Figuren geben sich die Hände, eine Frau beschimpft die Konkurrentin als "Westtussi", irrt sich aber. Und zu guter Letzt bekommt einer der "Ossis", ein "Edel-Ossi", da ohne Anstellung mit seiner akademischen Ausbildung nach der Wende im Universitätsbetrieb nicht zurechtgekommen, verwitwet und sein Sohn bei der Schwägerin auf Dauer "geparkt", da bekommt dieser Mann von einem Schwaben ein Veilchen verpaßt. Ach du meine Güte, humorlos sind auch Ossis.
Die Geschichten sind meisterlich erzählt, die Dialoge geben die Sprache der neunziger Jahre unseres Jahrhunderts wieder. Aber das Buch hinterläßt trotzdem nur einen schalen Geschmack. Es ist nichts als simples Geschwätz, hohl und vertan. Das vielfältige Lob kann ich nicht teilen. Neidlos anerkennen muß ich seine Art, zu beschreiben, Details darzustellen; aber wer solche Talente besitzt, sollt sie nicht an so kümmerlichen Dingen verschwenden lassen.
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Die kleinen Gärten des Maestro Puccini Helmut Krausser Gebundene Ausgabe, 25. April 2008 Verkaufsrang: 18931 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Puccinis Geheimnisse Leben und Lieben eines großen Künstlers Helmut Kraussers Roman zum 150. Geburtstag des Komponisten Aus Liebe zu den Opern Giacomo Puccinis begann Helmut Krausser, dessen verborgene Lebensumstände zu erforschen. Mit den Ergebnissen seiner Recherchen schrieb er einen Roman, der zehn ereignisreiche Lebensjahre des Meisters in neuem Licht erscheinen lässt. Es gelang dem Autor nicht nur, die streng gehütete Identität der Puccini-Geliebten Corinna zu enthüllen, sondern - mit Hilfe neu aufgetauchter Dokumente - auch die tragischen Umstände, die zum Skandal um sein Hausmädchen Doria Manfredi führten. Entstanden ist dabei viel mehr als nur eine Chronique Scandaleuse. Die Spannungsfelder zwischen Kunst und Erfolg, Liebe und Begierde, Neid und Intrige, Eifersucht und Hass, Revolte und Versagen liefern den Stoff zu einem oft bizarren Geflecht der Verstrickungen. Rund um die Person des heute populärsten Opernkomponisten entfaltet sich das spannende Panorama jener letzten Phase der Belle Epoque in einer neuen, überraschenden Perspektive.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Jetzt oder nie 5 von 5 Punkten Was für eine Liebeserklärung an die Musik, das Leben, die Kunst - und auch an die Widrigkeiten. Beinahe zärtlich zeichnet Helmut Krausser zehn Lebensjahre Puccinis nach, wirft sein ureigenes Licht auf dunkel gebliebene Stellen und schafft gekonnt den Spagat zwischen (neuen) Fakten und literarischem Hochgenuss.
Dieses Buch ist nicht nur für Opern-/Puccini-/Krausserliebhaber, es erzählt vor allem eine verflucht gute Geschichte. Kaufen, lesen. Alle!
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Ä: (Kolumnen) Max Goldt Taschenbuch, November 2003 Verkaufsrang: 15085 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ä ist bereits der dritte Band mit Max Goldts sagenhaft orginellen Kolumnen aus dem Satiremagazin Titanic. Der 1958 geborene, in Berlin lebende Autor, ist allerspätestens durch Die Radiotrinkerin zur Kultfigur innerhalb der deutschsprachigen Literaturszene geworden, und liest man die Texte aus Ä, begreift man auch wieso. Goldt ist sprachlich ganz nah am Puls der Zeit, seine Texte entwickeln sich mehr als schräg. So beginnt "Finanztantenhappen in Freiheit heißen Hering" mit der Einkommens- und Umsatzsteuerpflicht, handelt jedoch bald vom Laienrichtertum und dem zu verhandelnden Fall einer 2CV-fahrenden, schwangeren und obendrein nervösen Lehrerin, die von einem Motorradfahrer "mit Ungentlemanlikem bekübelt wurde", nachdem er ihr "eine reingehaut hatte". Goldt verläßt daraufhin das Gericht und geht ins gegenüberliegende Lokal. Dort entdeckt er auf der Speisekarte eine "Gerichtsdiener-Terrine", einen "Ratsherrentopf" oder einen "Senatorenhappen", der sich als Hering in Tunke aus der Dose herausstellt, wo doch jeder weiß, daß diese "Fischdosen hergestellt werden, damit betrunkene Heimkommende was Weiches und Würziges zum Reinschaufeln haben". Woraus Goldt schließt, die Konservenhersteller würden die Bevölkerungsgruppe der Senatoren pauschal der Besoffenheit bezichtigen, wenngleich er einräumt, daß "sicher auch ein Senator mal seine Sorgen in ein Glaserl Wein schüttet, weil seine Existenz verschattet ist". "Doch auch Finanztanten (um zum Ausgangspunkt, der Einkommens- und Umsatzsteuerpflicht zurückzufinden) haben ihren Anteil an Sorge, Schatten & Wein. Der Fisch könnte ebenso Finanztantenhappen heißen". Ä ist ein unbeschreibliches Buch, besonders empfehlenswert zum Beispiel für "Björk"-Konzertbesucher oder so. --Mike Markart
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 31 Bewertungen)
Einfach nur großartig 5 von 5 Punkten Das sind Kolumnen, wie sie sein sollten: Das Gegenteil von platt. Eine scharfe Wahrnehmung, die Fähigkeit, intelligent zu formulieren und der Sinn für echte Komik zeichnen Max Goldt aus. Ein absolutes Ausnahmetalent.
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Die 13 1/2 Leben des Käpt´n Blaubär. Sonderausgabe Walter Moers Gebundene Ausgabe, 1. Oktober 2006 Verkaufsrang: 17866 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Seemannsgarn vom Feinsten: ein Feuerwerk bäriger Ideen Daß Walter Moers mehr als das Kleine Arschloch zeichnen kann, hat er längst bewiesen. Sogar in den Sprechblasen ist er hervorragend ohne Worte ausgekommen, als der Pinguin zweimal klopfte. Und nun sein erster Roman: Eine genial dicke Schwarte von 720 Seiten, in der ein Geistesblitz den nächsten jagt. Grün und gelb möchte man vor Neid werden: Wo hat der Mann bloß die vielen Ideen her? In seinen dreizehneinhalb Leben begegnet der Blaubär gehässigen Stollentrollen, unangenehmen Nattifftoffen, quasselnden Tratschwellen, durch die Wüste ziehenden Gimpeln, dem Wahnsinn, Fredda, der Berghutze -- eine Figur skurriler als die andere. Ab und an illustriert der Zeichner Moers die Gestalten des Erzählers Moers, ein Glücksfall natürlich, aber im Vordergrund steht der Text, unerschütterlich. Und hier entfaltet sich in vollen Zügen, was der eine oder andere bereits geahnt haben mag: Moers ist ein begnadeter, ironischer Erzähler. Mit wieviel Sprachwitz er arbeitet, wie er an Ausdrücken feilt, Begegnungen verschachtelt komponiert, Satzrhythmen herstellt und wieder auflöst, das nötigt Respekt ab. Und man freut sich über die irrwitzigen Inhalte der Abenteuer. Ob er mit dem Rettungssaurier Mac als Navigator fliegt, eine Fata Morgana am Wüstenboden verklebt, durch Dimensionslöcher stürzt oder sich ein Duell mit dem Lügengladiator liefert: die Spannung bleibt ungebrochen (außer beim sechsten Kapitel), die unzähligen Geschichten sind unglaublich. Münchhausen entpuppt sich als blutiger Lehrling im Vergleich zu Moers. Auch wenn sich beim Lesen gelegentlich Assoziationen zu Texten von Michael Ende oder Janosch einstellen mögen: Der Roman ist kein Kinderbuch, sondern nachdenklich machende (haben Sie schon mal über eine Tornado-Haltestelle nachgedacht?) Literatur, die bestens unterhält. Das vielgesuchte Leichte, das so schwer zu machen ist: hier ist es. --Sophie Thoma
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 216 Bewertungen)
Wirklich... 5 von 5 Punkten ein sehr nettes, humorvolles Buch. :)
Ich habe es verliehen und nie wieder zurück bekommen, zieht wahrscheinlich so seine Runden.
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Dies ist kein Liebeslied Karen Duve Taschenbuch, Mai 2004 Verkaufsrang: 82804 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Anne Strehlau, die Icherzählerin in Karen Duves Roman, weiß es genau: "Wenn du dir von einem Mann eine Kassette aufnehmen lässt, erfährst du mehr über ihn, als wenn du mit ihm schläfst." Heutzutage, der Rezensent beklagt dies aus tiefstem Herzen, sind liebevoll selbstgebastelte Tapes leider ein Auslaufmodell. In den Jahren, von denen Duve uns erzählt, war CD eine Seife und sonst nichts. Sechs Kassetten von sechs Liebhabern hat Anne Strehlau im Gepäck, als sie nach London reist, um Peter Hemstedt, ihre unerwiderte Jugendliebe, ein letztes Mal zu treffen. Vor wohl 20 Jahren hatte Hemstedt sein Desinteresse musikalisch bekundet; auf dem Tape für Anne ließ er Ex-Pistols-Chef John Lydon "This Is Not A Lovesong nölen. Auch die restlichen fünf Bänder dokumentieren vor allem eins: missglückte Liebesversuche. Wenn Duve hier Popmusik zum Erzählanlass einer Frauenbiografie macht, liegt sie einigermaßen im Trend: Sentimentalische Jugenderinnerungen aus den 70er- und 80er-Jahren boomen in Ost wie West, die Sache mit der Musik läuft ohnedies bestens: Verschwende deine Jugend, der Doku-Roman des Journalisten Jürgen Teipel über die frühen Tage von Punk und New Wave in Deutschland, avancierte zum Bestseller und wird eben verfilmt; die Düsseldorfer Kunsthalle zeigt unter dem Titel Zurück zum Beton eine Ausstellung zum Thema. Das alles ist mehr oder weniger männerdominierte Heldengeschichtsschreibung; Anne Strehlau weiß anderes zu berichten: "Kate Bush!", muss sie sich etwa von einem entsetzten Lover vorhalten lassen. "Du hörst Kate Bush?" Anne ahnt: "Wenn Diedrich Diederichsen mit mir schlief, würde ich in Hemstedts Augen an Wert gewinnen." Bisweilen drastisch und mit ausgeprägtem Sinn für Situationskomik begleitet Karen Duve das Erwachsenwerden ihrer von Selbstzweifeln geplagten Heldin, würdigt sie aber nie zur bloßen Karikatur herab. Mit Anne erleben wir die Demütigungen des ersten Sportunterrichts, Diätterror und Schokoladenrausch, Liebeskummer, später erste Ausbruchsversuche als Tramperin und Taxifahrerin. Seine zweifellos stärksten Passagen hat das Buch in der Beschreibung von Annes Kindheit und Jugend im "späten Wirtschaftswunderhaus" der Familie in Hamburg-Barnstedt: Die grieseligen TV-Bilder der Mondlandung, das "Froschhospital", in dem die Kinder die von Nachbars Rasenmäher verstümmelten Tiere mit Tesaband heilen wollen, verrutschte Küsse von Jungs, aus deren Jeansweste der Plastikstiel einer Haarbürste ragt: "Wie Rotkreuzsanitäter die leichter Verwundeten von einem Schlachtfeld, führten uns die Jungen ins Partyzelt und legten uns auf den Matratzen ab." Leider hält Duve dieses erzählerische Niveau nicht über alle 280 Seiten ihres Buchs durch; Annes spätere Erlebnisse in Therapiegruppen und Sado-Maso-Clubs bieten kaum mehr als mäßige Kolportage und bereichern den Roman nicht wirklich; auch Peter Hemstedt hätten wir am Ende lieber als jugendlichen Helden und Kassetten-Virtuosen in Erinnerung behalten. Dass dieser Ritter vom guten Geschmack nun Die Nebel von Avalon und das Große Sommer-Reise-Lesebuch im Regal stehen hat -- wirklich zu dumm. --Niklas Feldtkamp
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 42 Bewertungen)
Polarisierend;) 5 von 5 Punkten Ist schon eine Weile her, dass ich es gelesen habe.Ich hatte es aus der Bücherei ausgeliehen und in einem Rutsch durchgelesen. Und muss nun überrrascht feststellen, dass einige sich darüber beschweren,dass es nicht immer komisch ist, im Sinne von lustig. Dieses Buch empfand ich selbst als bitterböse, aber dennoch zutiefst WIRKLICH,etwas, dass man wirklich selten findet. Ohne Frage, ist es harte Kost, gerade weil es nichts beschönigt. Und normalerweise empfinde ich Protagonisten,die sich immer nur um sich selbst drehen als extrem nervtötend, aber irgendwie hat dieses Buch es geschafft mich zu rühren,durch seine Ehrlichkeit. Die Wirklichkeit ist nun mal oft banal.
Dieses Buch wird man entweder super finden, oder furchtbar.
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33 Augenblicke des Glücks. SZ-Bibliothek Band 55 Ingo Schulze Gebundene Ausgabe, 21. April 2007 Verkaufsrang: 42869 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Sankt Petersburg steht im Mittelpunkt dieser Aufzeichnungen, die eigentlich "Hoffmanns Erzählungen" heißen könnten, findet doch eine Reisende nach Petersburg die liegengelassene Mappe mit den Aufzeichnungen ihres zeitweiligen Mitreisenden Hoffmann. Sie schreibt dem Autor, er möge sich doch dieser Papiere annehmen und die Mappe publizieren: "Überarbeitet ergibt sie sicher eine recht kurzweilige Unterhaltung." Der nimmt die Herausgeberrolle an, weil diese Aufzeichnungen auch "die Möglichkeit in sich trügen, die anhaltende Diskussion um den Stellenwert des Glücks zu beleben." Durch diesen doppelten Rahmen steigt man ein in einen ganzen Kosmos aus komischen, grotesken, brutalen, tragischen und auch böse-finsteren Geschichten, entfaltet sich ein kaleidoskopartiges Panorama der Stadt an der Newa und ihrer Bewohner. Trinker und Huren, Arbeiter und Waffenhändler, alte tapfere Frauen aus den heroischen Tagen des Großen Vaterländischen Krieges tauchen genauso auf wie die Geschäftsleute der neuen Zeit, Mafi osi und ihre Handlanger. Mord und Totschlag sind genauso an der Tagesordnung wie zarte Bewegungen, Mitleid und Großmut. Auch vor Ekel und Entsetzen wird nicht Halt gemacht: Das alte Liebespaar Irina und Anatolij schlägt eine junge Waffenhändlerin auf grausige Weise tot; Florian Müller-Fritsch stinkt und stirbt. Doch das Hässliche alltäglichen Irrsinns und das Schöne guter Wünsche und sanfter Freundlichkeit, die Härte der Schläge und Schüsse wie das Weiche der Gefühlsregungen, wie sie die große Stadt in unendlicher Fülle bereithält, gehen im Reichtum dieser Erzählungen eine seltsam heitere, krause und unverwechselbare Mischung ein.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Ein fantastisches Debüt 5 von 5 Punkten Berühmt geworden (zu Recht!) ist Ingo Schulze durch das Erzählungsbuch "Simple Storys" und seinen Wende-Roman "Neue Leben". Aber mein Favorit ist nach wie vor sein erstes Buch mit dem poetischen Titel "33 Augenblicke des Glücks". ("Handy", sein viertes Buch, steht noch auf meiner Leseliste.)
Schon in seinem Debüt von 1995 weiß Ingo Schulze zu begeistern. Es enthält traumhaft schöne, zum Teil höchst fantastische Geschichten aus Sankt Petersburg. Jede dieser kurzen Geschichten ist ein "Augenblick des Glücks". Die Stadt an der Newa ist die fabelhafte Kulisse für Schulzes mit Witz und voller Poesie erzählte Fantasiestücke, die manchmal an den Romantiker E.T.A. Hoffmann erinnern, aber auch von der russischen Literatur inspiriert sind.
"Vor einem Jahr erfüllte ich mir einen langgehegten Wunsch und fuhr mit der Bahn nach Petersburg." Der Beginn des Buches stimmt mit Ingo Schulzes Leben überein, wie der Autor in einem Rückblick auf sein Debüt erzählt hat ("Das erste Buch. Schriftsteller über ihr literarisches Debüt", herausgegeben von Renatus Deckert). Auch die Veröffentlichung seiner Geschichten war für den Autor ein "Augenblick des Glücks". Er schreibt: "Beinah genauso wichtig wie der Beginn des Schreibens war dann jener Augenblick, in dem ich im Verlag saß und meine spätere Lektorin mich nach einer halben Stunde Plauderei fragte: Wären Sie denn bereit, uns das Manuskript anzuvertrauen? Ich weiß nicht, wie ich in diesem Moment aussah. Ich weiß nur, dass ich beinah laut losgelacht hätte, weil ich selbst kurz davor gewesen war zu fragen: Wären Sie denn unter Umständen bereit, sich dieses Manuskripts anzunehmen?"
Damit war der Schriftsteller Ingo Schulze geboren!
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Ich mache mir Sorgen, Mama Wladimir Kaminer Broschiert, April 2006 Verkaufsrang: 86084 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Für Mein deutsches Dschungelbuch ist Wladimir Kaminer kreuz und quer durchs Land gereist. Jetzt ist er wieder in Berlin und berichtet von kuriosen Alltäglichkeiten links und rechts der Schönhauser Allee und dem Dasein als Familienvater. Da gibt es für "Das sexuelle Leben der Marfa K.", einer Siamkatze, ebenso Raum wie für Sohn "Sebastian und die Ausländerbehörde" oder den liebenswert zynischen Vater, "der, obwohl schon seit über zehn Jahren in Deutschland, immer noch nicht gelernt hat, ohne Grund zu saufen". Und nicht nur, wenn Besuch aus Russland kommt, bietet sich ein Vergleich zwischen Ost-Berliner und osteuropäischen Gepflogenheiten an, zum Beispiel was die "Service-Mentalität" oder Gesundheitsfragen betrifft: Russen wollen beim Arzt "kein 'Kardiogrammchen' und keinen 'Kommen-Sie-morgen-wieder'-Unsinn hören, sondern fordern ihre ultimative Heilung -- sofort." Inzwischen unter dem Namen Kamjenier offiziell eingebürgert ("Deutscher Pass" -- fast schon eine Reportage), spielt der Russen-Deutsche natürlich weiterhin mit dieser doppelten Perspektive und mit der deutschen Sprache, für ihn "eine Art Lego-Baukasten, in dem alle Teile zueinander passen". Klein und bunt wie Lego-Gebilde sind auch die Geschichten, die oft eher Glossen sind und den roten Faden ebenso zuverlässig verlieren wie Kaminers Balkonblumen den Kampf gegen "Die Raubpflanze". Längst nicht alles passt zueinander, trotzdem bereichert Ich mach mir Sorgen, Mama Kaminers Kiez-Kosmos um einige neue funkelnde Mosaiksteine. Die literarischen Fünf-Minuten-Terrinen sind ideale U-Bahn-Lektüre, am besten in der Hörbuchversion. Achten Sie aber bitte in jedem Fall auf Ihre Umgebung: Kaminer-Figuren gibt es auch in Kiel, Dortmund oder Mannheim. Mit etwas Glück trifft man sogar ein Pendant zu seiner persönlichen "Miss Prenzlauer Berg". --Patrick Fischer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)
Viel Vergnügen! 5 von 5 Punkten Humorvoll, witzig, unterhaltsam geschrieben. Kaminer zeigt sich mal wieder von seiner besten Seite. So lieben wir ihn. Geschichten aus dem Alltag und von seiner Familie sind einfach seine Stärke. Dies ist eins seiner besten Bücher. Kurzweilige Begebenheiten und Erlebnisse aus dem Leben mit Kindern und den eigenen Eltern. Hoher Spaßfaktor!
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Wasserfarben Thomas Brussig Taschenbuch, 2006 Verkaufsrang: 37290 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Anton Glienicke, Abiturient einer Elite-Oberschule,auf der Suche nach seinem Platz in der Gesellschaft.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)
Volle Punktzahl! 5 von 5 Punkten Volle Punktzahl! Ich bin anfangs sehr skeptisch an das Buch heran gegangen, da ich es mit dem Deutsch LK lesen musste und ich nicht davon ausgegangen war, dass man in der Schule auch gute Bücher lesen kann. Thomas Brussig hat jedoch mit seinem Roman Wasserfarben mein Weltbild gedreht. Er hat es geschafft, in einem Buch alles zu verpacken was ein Buch überhaupt brauchen kann. Er erzählt eine Spannende Geschichte aus seinem Leben, die er in einer humorvollen, lässig-ironischen und dadurch unterhaltsamen Schreibweise verfasst hat. So gelingt es ihm, dass man sich zu jeder Situation perfekt in den Protagonist Anton hinein versetzen kann. Brussig stellt in seinem Roman die großen Sinnfragen und es gelingt ihm einfach alles so ins Ironische zu ziehen, dass man nach dem lesen jeder Seit wieder denkt: Der hat den Nagel auf den Kopf getroffen!.
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42 Thomas Lehr Broschiert, Mai 2007 Verkaufsrang: 22491 Thomas Lehr hält für Sie die Zeit an Nicht weit von Genf, der Stadt der Atomphysiker, Diplomaten und Uhrmacher, liegen die unterirdischen Anlagen des Kernforschungszentrums CERN. Als an einem sonnigen Augusttag eine Besuchergruppe wieder ans Tageslicht tritt, ist die gesamte Genfer Region, ja ganz Europa in einen Dornröschenschlaf gefallen. Die Besucher bewegen sich wie in einer "Fotografie der Welt". Steht die Zeit still? Was ist geschehen? Hat der Teilchenbeschleuniger eine Zeit- katastrophe verursacht? Die 70 "Chronifizierten" müssen mit einer traumatischen Situation von Einsamkeit, Macht und Ohnmacht zurechtkommen, Theorien entwickeln und Strategien des Zusammenlebens erproben. Obwohl für sie die persönliche Zeit weiterläuft, in der sogar Kinder geboren werden, sind sie scheinbar in alle Ewigkeit gefangen in der 42. Sekunde um 12:47 dieses Sommertags - bis nach fünf Jahren aus wahrhaft heiterem Himmel die Weltzeit plötzlich für 3 kostbare Sekunden weitertickt. Aus ihrer Lethargie gerissen, sammelt sich die inzwischen durch Krankheiten und mörderische Auseinandersetzun-gen dezimierte Gruppe zu einem "finalen Experiment". In diesem furiosen Roman schießen die erzählerischen Momente wie in einem Teilchenbeschleuniger zusammen: modernste Zeittheorien, existentielle Deutungen und eine mitreißende Sprache. Thomas Lehr legt mit diesem Roman das wichtigste Buch seines bisher vielfach preisgekrönten Werkes vor.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 47 Bewertungen)
beeindruckendes Leseerlebnis 5 von 5 Punkten Bei der Bewertungt dieses Romans scheint die Waage kräftig zu wippen. Ganz schlecht oder richtig gut. Unentschieden gilt nicht.
Ich finde, dieser Autor hat gewagt und gewonnen. Okay, das Buch ist nicht perfekt. Okay, der Schluß ist etwas wirr und für mich nicht immer nachvollziehbar. Aber andererseits stecken so wahnsinnig viel Wahnsinn, Genie, Erfindungsgabe, Phantasie, Klugheit, Humor, Bitterkeit und - wie soll ich es ander formulieren - einfach WELT in diesem Buch, dass mir die Entscheidung leicht fällt.
Fünf Sterne für ein rundum beeindruckendes Leseerlebnis!
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Neue Leben Ingo Schulze Broschiert, Juli 2007 Verkaufsrang: 45154 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ingo Schulzes Roman Neue Leben ist hoch romantisch. Das gilt nicht nur für die Herausgeberfiktion des Untertitels -- Die Jugend Enrico Türmers in Briefen und Prosa. Herausgegeben, kommentiert und mit einem Vorwort versehen von Ingo Schulze --, die man aus vielen Romanen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kennt. Das gilt auch für den Glauben an das Glück des Schreibens, der den Protagonisten inmitten der Ungerechtigkeit der DDR schon in der Jugend in der Provinz überfällt. Das gilt für den Glauben in die Macht der Phantasie, die Mauern zum Einsturz bringen kann -- ein Glauben, in den sich Türmer einigelt wie in einen Elfenbeinturm. Und das gilt für die Kraft wahrhaft mephistotelischer Verführungskunst, der sich der Held nach dem tatsächlichen Fall der Mauer 1989 ausgesetzt sieht. Der inneren Widerstands-Immigrant und desillusionierte Überzeugungs-Ossi aus Altenburg wird dank der Mithilfe eines humpelnden Aushilfsteufels namens Clemens von Barrista zum Kapitalisten ersten Ranges, der zwar weiter Texte produziert, bezeichnenderweise aber als Chef eines Anzeigenblättchens, das den Grundstock bildet für sein späteres Medienimperium: Eine deutsch-deutsche Karriere, die Schulze in großartiger Manier als klassischen Briefroman erzählt. Sieben Jahre haben Fans von Ingo Schulze auf ein neues Buch warten müssen nach dem sensationell guten Roman Simple Storys, immer wieder mit Hoffnung gefüttert durch Vorabveröffentlichungen in Zeitungen oder durch Live-Lesungen längerer Passagen. Das Warten hat sich gelohnt. Denn Neue Leben ist mit 800 Seiten nicht nur unglaublich dick und episch breit, sondern auch schlichtweg großartig geschrieben. Auch wenn die Fußnoten Schulzes beizeiten allzu lehrmeisterlich daherkommen und der viel zu lang geratene Anhang mit angeblich verworfenen Texten Türmers sich wohl als Sammlung mit verworfenen Texten Schulzes entpuppt, die besser verworfen geblieben wären, ist Neue Leben trotzdem jener Wende- und Wendehals-Roman, auf den alle seit langem gewartet haben. Dass er so autobiographisch angehaucht daher kommt, gibt ihm einen weiteren, verführerischen Reiz. --Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 21 Bewertungen)
Wunderbar trostlos 5 von 5 Punkten Ich möchte dieses Buch jedem ans Herz legen. Allen die dabei waren, um sich zu erinnern. Allen die davon gehört haben, um zu verstehen. Der Roman liest sich wie im Rausch und ist von größerem Realismus, als es die Wenderealität vielleicht je gewesen sein mag: lachhaft simpel und wunderbar trostlos, albtraumhaft und grotesk, logisch und unfassbar zugleich. Man kommt fast in Versuchung nach den Figuren des Buches zu googeln, so als würde es sie wirklich geben müssen! Sie leben heute in unserer Nachbarschaft weiter oder wir in den Geschichten dieses Buches. Ich persönlich kannn im Grunde alles, was Ingo Schulze beschreibt so oder sehr ähnlich beglaubigen. Und erschrecke doch wieder beim lesen.
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Der fernste Ort Daniel Kehlmann Taschenbuch, August 2004 Verkaufsrang: 20458 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ultima Thule, der fernste Ort, fasziniert Julian, den Helden des Romans, seit seiner Kindheit. Und seine (bewusst/unbewusste) Suche nach diesem Ort bedingt eine ständige Flucht -- einen ständigen Versuch, seiner Umgebung zu entfliehen, sein mittelmäßiges, bürgerliches Leben hinter sich zu lassen. Ein inszenierter Schwimmunfall scheint ihm die ultimative Lösung für ein völliges Verschwinden, für einen Neubeginn. Dieser Ausgangspunkt birgt Reminiszenzen an seine Kindheit, seine Jugend. Seltsam fern wie durch einen Schleier scheint Julian sein jüngeres Selbst zu sehen. Die Erinnerung an seine Eltern, an seinen hoch begabten Bruder, in dessen Schatten er immer stand, an eine "normale", bürgerliche, einengende Welt, der er schon als Kind zu entfliehen suchte. Erinnerungen an seine Mutter, die Selbstmord beging, an seinen Vater, der die Familie verlassen hatte -- all diese Ereignisse muten in der Rückschau wie Begebenheiten unter Wasser an, verlangsamt, verzerrt. Julian selbst wirkt wie ein hilfloser Schwimmer, der sich von den Wogen des Lebens passiv hierhin und dorthin treiben lässt. Weder glücklich noch wirklich unglücklich, eher unzufrieden, ein "Mann ohne Eigenschaften", trifft er im Grunde immer nur eine Entscheidung: zu fliehen. Daniel Kehlmann versteht es, den Leser in einen Sog zu ziehen, in ein Spiel mit Fiktion und Realität, das immer undurchsichtiger und undurchschaubarer wird. Je näher Julian seiner letzten Flucht kommt, desto mehr Ereignisse aus der Vergangenheit nehmen in der Gegenwart Gestalt an, scheinen ihm wieder zu begegnen. Und so bleibt die Antwort auf die Frage, ob Julian seinem alltäglichen Dasein wirklich entfliehen kann, oder ob es nur die Fiktion einer Flucht ist, die er erlebt, letztlich dem Leser überlassen. --Lisbeth Legat
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)
Ultima Thule 4 von 5 Punkten Eigentlich sollte Julian bei einer Tagung seines Arbeitgebers, einer Versicherungsgesellschaft, ein Referat halten, doch einige Stunden vorher hat er immer noch nichts vorbereitet und geht lieber schwimmen. Er wird von einer Strömung erfasst und kann sich mit Mühe ans Ufer retten. Ihm kommt die Idee, seinen Tod vorzutäuschen, um seinem bisherigen Leben zu entfliehen.
Bis dahin wirkt alles klar und real, auch Julians anschließende Abfahrt und seine Überlegungen, was er beachten und organisieren muss, um einerseits für tot erklärt zu werden, andererseits weiterzuleben. Dann aber vermischt sich Reales mit Traumsequenzen und Erinnerungsbildern an seine Kindheit und Jugend, die er im Schatten seines älteren hochbegabten Bruders Paul verbrachte, dem alle Wege offenstanden, während Julian, gescheitert in Schule und Studium, quasi in die Versicherungsbranche abgeschoben wurde. Der Vater verließ die Familie, die Mutter beging Selbstmord, aber immer wieder begegnet Julian den Toten, spricht mit ihnen und sitzt in Zügen ohne das Ziel zu kennen. Paul, zu dem er seit Jahren keinen Kontakt hatte, taucht auf und scheint wie ein vertrauter Freund.
Das Verweben von Handlung und Gedanken, von Gegenwart und Vergangenheit, von Erlebtem und Erträumtem macht das Buch vielschichtig und jede eindeutige Interpretation unmöglich. Sind es die Abschiede vom alten, fremdbestimmten Leben, die in Einzelheiten ausgedrückt sind? Ist es all das, was noch abgehakt werden muss, ehe Julian frei für ein neues Leben ist? Oder sind es die bruchstückhaften Bilder seines Lebens, die ihn im Augenblick des Sterbens überfallen?
Klarheit liefert auch der abrupte Schluss nicht. Doch er drückt aus, dass der Autor nun alles erzählt hat, was zu erzählen war. Der Rest bleibt dem Leser überlassen.
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Die Stadt der träumenden Bücher. Ein Roman aus Zamonien von Hildegunst von Mythenmetz Walter Moers Gebundene Ausgabe, 1. September 2004 Verkaufsrang: 13957 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Falls Sie sich schon einmal gefragt haben, womit sich Walter Moers, Schöpfer von Das kleine Arschloch und Käpt'n Blaubär in seiner knapp bemessenen Freizeit beschäftigt: Er übersetzt zamonische Literatur ins Deutsche. Soeben erschienen ist Die Stadt der Träumenden Bücher, ein autobiographisches Werk des legendären Hildegunst von Mythenmetz, dessen Mythenmetzsche Abschweifung bereits in Ensel und Krete viele Leser an den Rand des Wahnsinns getrieben hat -- und darüber hinaus. Hildegunst ist als junge Großechse auf der uneinnehmbaren Lindwurmfeste aufgewachsen, einem Ort, an dem jeder davon träumt, einmal ein ganz großer Schriftsteller zu werden und zu diesem Zweck von den Eltern mit einem Dichtpaten ausgestattet wird. Hildegunsts Abenteuer nimmt seinen Anfang, als sein Dichtpate Danzelot von Silbendrechsler das Zeitliche segnet und ihm ein Manuskript hinterlässt, das es in sich hat: Nur zehn Seiten umfasst es, aber es ruft beim Leser eine Vielzahl stärkster Empfindungen hervor wie kein anderer Text der zamonischen Literaturgeschichte. Leider kennt Hildegunst den Namen des Autors nicht, denn Danzelot hatte die Erzählung von einem angehenden Schriftsteller erhalten und diesem empfohlen, sein Glück in der Bücherstadt Buchhaim zu versuchen. Und so macht sich Hildegunst auf den Weg in die Stadt der Träumenden Bücher, wo an jeder Straßenecke finstere Antiquariate auf Kunden lauern, magisch begabte Buchimisten ihr Unwesen treiben und auch sonst zahllose Gefahren die dem ahnungslosen Bücherliebhaber drohen ... Um es gleich zu sagen: Moers' Übersetzung aus dem Zamonischen ist vorzüglich gelungen. Mit großer Sprachgewalt beschwört er die exotische Bücherstadt mit all ihren merkwürdigen Lebensformen herauf. Ob gepanzerte Bücherjäger, Nebelheimer Trompaunenkonzerte oder Katakomben voller Erstausgaben und Gefährlicher Bücher -- das vorliegende Werk ist eine Großtat der Völkerverständigung. Nicht nur die gekonnt ins Deutsche gerettete Makrostruktur des Buches und die zahllosen Illustrationen legen Zeugnis ab von Moers' Kunst, auch im Detail hat er Herausragendes geleistet. Überaus staunenswert sind vor allem die herrlichen Alliterationen in Sätzen wie Eine Weile lauschte ich den beängstigenden Lauten der Labyrinthe ... -- man kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Die Stadt der Träumenden Bücher ist ein Roman, der auch in Buchhaim für größtes Aufsehen sorgen würde, und das will etwas heißen! --Hannes Riffel
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 251 Bewertungen)
Kein Buch das mehr über die Liebe zum lesen aussagen kann, als dieses. 5 von 5 Punkten Ohne Zweifel ist dies eines der besten Bücher die sich auf dem deutschen Markt finden lassen. Selten findet man so viel Einfallsreichtum und Fantasie wie hier. Jeder der Bücher liebt muss es mindestens einmal gelesen haben...
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Für Nächte am offenen Fenster. Die prachtvollsten Texte von 1987 bis 2002 Max Goldt Gebundene Ausgabe, September 2003 Verkaufsrang: 66908 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Als der ebenso renommierte wie wohlfeile Haffmans Verlag zu Grunde ging, da weinte mancher Kollege bittere Krokodilstränen und mancher Leser ehrlich. Gibt es denn nichts Gutes, was aus dem Desaster zu ziehen wäre?, fragte sich mancher damals. Doch, gibt es, kann man sagen. Denn die Kolumnen-Legende Max Goldt wechselte zu Rowohlt über. Und weil sie nicht immer unbedingt Neues zu bieten hatte, gibt es nun eben ein Best Of in neuer Verlagsumgebung. Was soll man sagen: Die prachtvollsten Texte von 1988-2002 (so der Untertitel) sind wirklich das Wundervollste, was Lesern passieren kann, die Goldts Bücher wie Die Radiotrinkerin, Die Kugeln in unseren Köpfen, Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau, Schließ einfach die Augen und stell dir vor, ich wäre Heinz Klunker oder Ä noch nicht im Bücherschrank haben. In Für Nächte am offenen Fenster geht Goldt unter anderem der Frage nach, ob Claudia Schiffers Schwester schwitzte, was es mit Herrn Eibuhms Badezimmerradio im Besonderen (oder Brillenputztüchern im Allgemeinen) so auf sich hat und warum auch Tote seine Füße filmen dürfen. Dabei werden in bester Goldt-Manier Bezüge geschaffen, die man so nicht hätte erwarten können (siehe das Kapitel "Zimt auf Samt"). Für Nächte am offenen Fenster jedenfalls ist unbedingt etwas für Abende am offenen Kamin. Oder für die gepflegte Lektüre auf geschlossenen Toiletten, sofern man denn eine von Max Goldt so sehr geliebte "Kloumpuschelung" sein eigen nennt. Treffsicher und "goldtrichtig" eben. --Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)
Herrliche Sammlung! 5 von 5 Punkten Schön, dass die wunderbare Textsammlung von Max Goldt durch die eindrucksvolle Darbietung von Jürgen von der Lippe und Cordula Stratmann in "Was liest du?" wieder in den verdienten Blickpunkt gerückt wurde. Die Texte sind zeitlos und herrlich unterhaltsam.
Zu Weihnachten verschenken wir es zusammen mit unserem Lieblingsbuch 2006 - von Ben Redelings das wunderbar amüsante "Ein Tor würde dem Spiel gut tun. Das ultimative Buch der Fußball-Wahrheiten" - an gute Freunde. Sinnliche und lustige Unterhaltung garantiert... :-)
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Beerholms Vorstellung Daniel Kehlmann Broschiert, Juli 2007 Verkaufsrang: 71441 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Bernholms Vorstellung ist der Debütroman des 22-jährigen österreichischen Autors Daniel Kehlmann. Kehlmann lebt in Wien und arbeitet als freier Mitarbeiter der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Der Roman erzählt die Lebensgeschichte des Magiers Arthur Beerholm. Gleichzeitig ist es das Buch eines Suchenden, eines Suchenden auf der Suche nach einer Art höherer, magischer Existenz. Beerholms Kindheit und Jugend ist dadurch gekennzeichnet, dass er moderat unglücklich wurde. Mit zehn Jahren kam er in ein Schweizer Internat, mit 23 empfing er die niederen Priesterweihen. Diese Faszination für Theologie entstand aus einem noch undeutlichen Lebenziel heraus, "Ich wollte mir über eine Möglichkeit, die in der Ferne Gestalt annahm, klar werden, über eine irritierende mathematische Konstellation, über zwei Parallelen, die sich in einer nebligen Unendlichkeit berühren wollen.", so reflektiert Beerholm über die ersten Zauberkunststücke seiner Jugendzeit. Vom Priesterkandidaten wechselt er zum Zauberer, macht kleine Kunststücke und arbeitet als Betrüger beim Pokerspiel. Sein Traum verwirklicht sich aber, als er sich als Schüler dem großen Magier Jan von Roden aufdrängt. Arthur Beerholm bringt es mit von Rodens Hilfe zum besten Täuschungskünstler der Welt. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens gelingt es ihm sogar, der Materie seinen Willen aufzuzwingen. Er kann Schaufensterscheiben zersplittern lassen und setzt in einem Park einen Busch in Brand. Ihn selbst lassen seine Erfolge allerdings ziemlich kalt, denn das Ziel seines Lebens, jene zwei Gegensätze, Realität und Fiktion haben sich für ihn ununterscheidbar vermischt. Fasziniert beobachtet er, wie er als Magier so perfekt wird, dass Dinge und Welt ihm zu gehorchen scheinen und seine Zauberkunststücke wie von selbst gelingen. Am Ende kündigt er an, aus dem Fenster zu springen und seinem Leben ein Ende zu bereiten. Beerholms Vorstellung ist ein solide erzählter Roman ohne große Aussetzer. Beerholm ist ein bemühter Selbstdarsteller, ruhig und abgeklärt erzählt er sein Leben. Sein Erzählstil ist erklärend, reflexiv, allerdings ohne geschwätzig zu sein oder Überflüssiges zu erzählen. Die faszinierende Kälte von Beerholms Empfinden fängt Kehrmann mit Hilfe eines äußerst lakonischen und zurückhaltenden Stils ein. Allerdings ist das Buch nicht ohne Längen, die vor allem auf den ersten 100 Seiten des Buches zu suchen sind. Der Roman ist ein beachtlicher Erstling ohne große Schwächen, gut zu lesen, allerdings auch ohne große Stärken und spektakuläre Schilderungen; ein interessantes Stück reflexiver Prosa. --Christoph Steven
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
Ein Debut, das es in sich hat 5 von 5 Punkten Nach dem Sensationserfolg von "Die Vermessung der Welt" legt nun der Rowohlt-Verlag Daniel Kehlmanns ersten Roman vor, den der Schriftsteller als 22-Jähriger schrieb.
Auch wenn der Roman - laut Verlag - vom Autor "behutsam" überarbeitet wurde, muss man nach der Lektüre des Buches feststellen: Der Meister von 2005 kündigt sich bereits in seinem 1. Buch an.
Arthur Beerholm sitzt im Kaffeehaus auf einem Fernsehturm unter freiem Himmel. Seit einem Monat schreibt er hier seine "Autobiografie" - und will dann offensichtlich vom Turm springen: Seine Mutter, bei der Geburt sehr jung und aus ärmlichen Verhältnissen stammend, gab ihn zur Adoption frei. Einen Vater kannte er nie. Arthur kommt zur freundlichen Familie Beerholm. Ella Beerholm, seine Stiefmutter, an der der Junge sehr hängt, wird von einem Blitz erschlagen. Nun übt sein - etwas eigenwilliger - Stiefvater die alleinige Erziehungsgewalt aus. Doch nicht lange, denn Arthur kommt ziemlich bald in ein Schweizer Internat. Warum, ist schnell klar: Beerholm heiratet seine junge Hausangestellte.
Im Internat lernt er zaubern, wobei er, je älter er wird, mit diesem Begriff immer mehr Schwierigkeiten hat. "Zaubern" ist für ihn Manipulation. Ein Zauberer hat keine Macht über die Wirklicheit! Einzige Lösung für Arthur: Die Tricktechnik, die verborgenen Griffe "hinabsinken lassen in das Halbdunkel des Unterbewußten". Und das macht er auch - wenigstens für eine gewisse Zeit. Dass er dazwischen ein Theologiestudium abschließt, macht seinen Fall für den Leser nur umso rätselhafter...
Summa summarum: Ein wunderbares Buch, in dem die Naturwissenschaften (wie auch in "Die Vermessung der Welt") eine wichtige Rolle spielen; aber auch ein Buch, das den Leser voll fordert (und das sich ihm voll wahrscheinlich erst nach dem 2. Lesen erschließt).
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Die Radiotrinkerin: Ausgesuchte schöne Texte Max Goldt Taschenbuch, August 2005 Verkaufsrang: 52672 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden 44 satirische Miniaturen, Prosastücke, Monologe, fiktive Reportagen und Interviews.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
muss man kennen! 5 von 5 Punkten Dieses Buch, eine Zusammenstellung aus Max Goldt's schriftstellerischem Debut-Werk "Mein äusserst schwer erziebarer schwuler Schwager aus der Schweiz" sowie dem Nachfolger "Ungeduscht, geduzt und ausgebuht" (angereichert mit diversen Vor-, Nachwort und Zusatztexten) muss man einfach gelesen haben! Goldt's Frühwerk, interessant und aufregend, birgt unzählige Perlen die in den Köpfen des Lesers für alle Zeit unvergessen bleiben werden. Durchgehend abwechslungsreich und anspruchvoll -unbedingt empfehlenswerT!
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