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| Junge Literatur | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Helden wie wir Thomas Brussig Taschenbuch, Mai 1998 Verkaufsrang: 12720 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die deutsche Geschichte muss umgeschrieben werden: Klaus Uhltzscht war es, der die Berliner Mauer zum Einsturz gebracht hat! Dabei ist Klaus eigentlich ein Versager par exellence. Als Sohn eines Stasi-Spitzels und einer Hygieneinspektorin wächst er zwischen Jogginghosen und Dr. Schnabels Aufklärungsbuch auf, bleibt im Sportunterricht auf ewig ein Flachschwimmer. Auch sein großer Traum, als Topagent bei der Stasi zu arbeiten, erfüllt sich leider nicht. Dafür aber wird er,...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 48 Bewertungen)
Romanzo sarcastico, grottesco e mordace 5 von 5 Punkten Ich bin eine Italienische Studentin und ich schreibe mein Abschlussdiplom über "Helden wie wir" und "Sonnenallee". Ich stelle einen historischen und psychologischen Vergleich zwischen die Vertreter der Büchern und ich ziehe auch die zwei Filme heran. Klaus ist ein Schelm, ein Outsider, der die Mauer zu Fall brachte. Der Roman ist ein surrealistisches Märchen, wo der Held sehr witzig sondern echt und wahr ist. Mit diesem Roman habe ich geweint und viel gelacht; ich habe die Deutschen in diesem Buch getroffen. Helden wie wir è semplicemente fantastico. Per tutti gli italiani consiglio di leggerlo anche nella sua traduzione in italiano (per chi non conosce il tedesco).
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Lagerfeuer Julia Franck Taschenbuch, März 2005 Verkaufsrang: 67926 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Das Letzte, was die DDR-flüchtige Nelly Senff sich von ihrem Staat gefallen lassen muss, ist eine inwändige Leibesvisitation. Der letzte Eingriff vor der Ausreise ins Feindland, die letzte private Manipulation, die letzte Demütigung. "Nicht gehen ließen sie mich. Als Trojanisches Pferd wollten sich mich schicken." Das Erste, was Nelly Senff im Westen erwartet: Demütigungen. Stundenlange Verhöre durch verschiedene Geheimdienste, Mehrbettzimmer und Doppelstockbetten, zwielichtige Wohltäter, Spitzel-Verdacht, Essensmarken und Nieselregen. Allgegenwärtig der Gospel-Sound aus den Radios der amerikanischen Besatzer. Und viele offene Fragen: "Was glaubt ihr, was euch im Kapitalismus erwartet?2 Lagerfeuer handelt von Transiterfahrungen, im geografischen, ideologischen und existenziellen Sinn. Schauplatz ist das ehemalige Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde. Hier machen vier sensible Hauptpersonen eine gemeinsame Erfahrung: an einem Ort zu sein, an dem keiner von ihnen sein will. Zukunft: ungewiss. Neben Nelly Senff mit ihren beiden Kindern sind da Krystyna aus Polen, der arbeitslose Schauspieler Hans Pischke und John Bird, ein schwarzer US-Amerikaner im Dienst der CIA, der Nelly bei ihrer Ankunft verhört. Locker verknüpft die Autorin die individuellen Geschichten und lässt ihre Figuren aus persönlicher Sicht erzählen, über große Strecken gleichsam wie in Echtzeit. Die Augenblicke aus dem Lageralltag, die schwer "wie ein Kind" wiegenden Erinnerungen an das Leben vor dem Lager, erhalten durch die Dehnung der sinnlichen Wahrnehmung eine ungewöhnlich intensive Präsenz. Die in Ostberlin geborene Julia Franck, die das Lager Marienfelde mit acht Jahren selber erlebte, beschäftigt sich in ihrem dritten Roman nach Der neue Koch und Liebediener mit einem Teil ihrer eigenen Vergangenheit. Dass sie zugleich ein heikles Thema der jüngsten deutschen Geschichte zu einem offenen Stück Literatur macht (und eben nicht zum Pro-und-Kontra-Trend beiträgt, der das Thema derzeit multimedial bestimmt), ist bemerkenswert. Der "kühle" Stil, den die Kritik Julia Francks vorangehenden Büchern teilweise attestiert hat, trifft die Sache nur oberflächlich. In Lagerfeuer ist eine Verantwortung für das Romanpersonal zu spüren, die rührend ist. Das könnte die Wärme sein, die im Titel des Buchs steht. --Nikolaus Stemmer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
lesenswert 4 von 5 Punkten Nach der Buchvorstellung von J. Frank in einer Talkrunde im Fernsehen habe ich mir mehr davon erhofft. Während der Wendezeit war ich 14 Jahre und habe vom "drumherum" aus heutiger Sicht fast gar nichts mitbekommen. Dieses Buch lieferte mir einige Eindrücke und dennoch bin ich etwas unzufrieden und habe mir insgesamt mehr Fakten erhofft. Dennoch ist dieses Buch eine Bereicherung und empfehlenswert zu lesen.
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Wir fliegen Peter Stamm Gebundene Ausgabe, April 2008 Verkaufsrang: 95328 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Heidi zeichnet das junge Mädchen, das sie nie gewesen ist. Vor Jahren wollte sie Künstlerin werden, in Wien studieren an der Akademie, aber die Reise ging nur bis Innsbruck. Jetzt hat sie Mann und Kind, die sie nie gewollt hat. Erst durch Carmen, die hübsche Lehrtochter aus der Bäckerei, fängt sie wieder an zu träumen. Bruno arbeitet seit dreißig gleichmäßigen Jahren als Portier in einem Hotel. Er war beim Arzt, ein schlimmes Ergebnis könnte ihn erwarten. Noch weiß er nichts endgültiges, es ist seine letzte Nacht vor dem Resultat. Aber es wird nichts sein, bestimmt nicht. Für einen Moment ist er ganz glücklich. Es sind diese Momente, in denen sich etwas verändert im Leben, in denen etwas geschieht, man merkt es kaum. Momente, die der Zeit enthoben scheinen. Eine neue Welt tut sich auf, man erkennt die Sackgasse, in die man vor langer Zeit geraten ist. Und plötzlich herrscht ein anderes Licht.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Geschichten mit Tiefgang 4 von 5 Punkten Peter Stamm erzählt in seinen 12 Geschichten von Wendepunkten in den Lebensläufen diverser Personen. So zum Beispiel erzählt er von Heidi (nicht die aus dem Buch von JS mit dem Geissenpeter), die gerne Künstlerin werden möchte, aber den Mut dazu nicht hat, dafür jedoch "mutige" Bilder malt. Oder da wäre Daphne, die ihren Nachbarn vom oberen Stockwerk zuerst nur hört, dann kennenlernt und ihm doch nicht wirklich nahe kommt. Beinahe jede der Geschichten liesse sich zu einem ganzen Roman ausbauen, was bei den faszinierenden Beispielen leider nicht geschieht und bei den schwächeren Episoden ein "Zum Glück nicht!" auslöst. Stamm ist ein begnadeter Erzähler und schafft es immer wieder, dass man in seine Welten eintaucht. Fast 5*.
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Rumo und Die Wunder im Dunkeln. Ein Roman in zwei Büchern Walter Moers Gebundene Ausgabe, 10. April 2003 Verkaufsrang: 27810 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Im fünften Kapitel seiner 13 1/2 Leben nahm Käpt'n Blaubär als Navigator des vagabundierenden Rettungssauriers Mac an einer folgenschweren Aktion teil: Er befreite Dutzende kleiner, herzzerreißend jaulender Wolpertingerwelpen aus einem Haus, das nur Sekundenbruchteile später von einem Bolloghintern zerquetscht werden sollte. Sieben Leben später begegnete er einem dieser Welpen wieder, der inzwischen zu einem ausgewachsenen Raubtier im Dienste des Lügentycoons Volzotan Smeik herangewachsen war. Aus Dankbarkeit befreite der Wolpertinger Blaubär aus den Klauen seines Chefs. Sein Name war Rumo. Zu Beginn des neuen Zamonien-Romans ist Rumo noch ein kleiner, schutzbedürftiger Welpe, der von Fhernhachenzwergen auf einem Bauernhof aufgezogen und verhätschelt wird. Diese Idylle hat jedoch bald ein Ende: Eine Horde bösartiger Teufelszyklopen überfällt das Anwesen und verschleppt alles, was sich bewegt. Und so verbringt Rumo seine intensivste Wachstumsphase in der Speisekammer auf den Teufelsfelsen, einer schwimmenden Insel. Dort halten die Zyklopen ihre lebendige Nahrung, und mit Gier und Begeisterung sehen sie zu, wie Rumo immer größer und appetitlicher wird. Glücklicherweise findet der verängstigte Wolpertinger unter den Gefangenen bald einen Freund: Die Haifischmade Volzotan Smeik -- genau, der spätere Lügentycoon -- nimmt den Welpen unter seine Fittiche. Er erzählt ihm Geschichten und bringt ihm viel Wissenswertes über das Leben in Zamonien bei, bis Rumo zu seiner endgültigen Größe herangewachsen ist und die beiden Fluchtpläne schmieden können. Bald erleben die Teufelszyklopen ihr blaues Wunder! So weit nur das erste der zahlreichen neuen Abenteuer aus der fantastischen Welt Zamoniens. Neben einer ganzen Reihe von Figuren aus den 13 1/2 Leben und Ensel und Krete hat Walter Moers viele neue ungewöhnliche Gestalten ersonnen. Auch Rumo ist eine eigenwillige und eigenständige Hauptfigur, die Moers zu gänzlich neuen Betrachtungen Anlass bietet. Ein Geschenk des Himmels für Zamonien-Fans also, ein dicker Schmöker voll schräger Ideen und abgefahrener Zeichnungen. Ergo: Computer abschalten und den Telefonstecker ziehen -- und den Nachbarn Bescheid sagen, dass lautes, lang anhaltendes Gelächter kein Anzeichen aufkeimenden Wahnsinns ist. Der neuen Moers ist eben erschienen. --Hannes Riffel
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 166 Bewertungen)
Das taugt zum Lieblingsbuch!! 5 von 5 Punkten Ich lese hier immer "Schrecklich wie blutig usw..." - Ja hallo, das ist ein Buch aus Zamonien...
Richtig gelesen ist auch Blaubär kein Buch für gute Nachtgeschichten, aber wer soviel Fantasie und Humor beweist wie Walter Moers mit diesem Buch (und den anderen Büchern aus Zamonien ebenfalls) - verdient auch, das man sich auf die erzählte Geschichte einläßt!
Und hier beweist der Meister soviel Wortwitz und vorallem Tempo, wie auch Rumo in seinen zahlreichen Kämpfen. Das diese nicht immer unblutig ausgehen liegt quasi auf der Hand, wenn man berücksichtigt, das es in Zamonien unglaublich viele, nicht so freundliche Lebensformen gibt. Da eine entschärfte Version zu wünschen wäre in etwa so, als würde man z. B. in Tierfilmen nicht zeigen, das Tiere sich gegenseitig fressen.
Ach naja, letztlich muß jeder für sich entscheiden, ob er das Buch lesen mag oder nicht, mich stören die "dunklen" Details nicht, da ich es unglaublich finde, was Walter Moers für eine interessante Paralellwelt geschaffen hat und ich hoffe, das es noch viel mehr Bücher aus Zamonien geben wird.
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Houwelandt John von Düffel Broschiert, Juni 2006 Verkaufsrang: 36227 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Wie immer, so hat der 39-jährige Hamburger Autor und Dramaturg John von Düffel seine aufwühlende Geschichte der Familie Houwelandt auch diesmal nah am Wasser gebaut. Gleich zu Beginn steigt Jorge, der nicht nur geliebte Patriarch, in die Fluten des Meeres, dessen Beschreibung mehr Platz einnimmt als die seiner selbst. Was er brauchte, war das Meer, heißt es im Roman. Und auch die Familienmitglieder werden auf nahezu ozeanische Weise eingeführt. Der Fuß von Jorges Frau Esther zum Beispiel hat Durst nach der Gischt. In der nächsten Generation hat die Leidenschaft nur leicht nachgelassen: Sohn Thomas hat zumindest ein Gespür geerbt, mit dem er Regen riechen kann, bevor er überhaupt gefallen ist. Inzwischen sind die Familienmitglieder in alle salzigen Winde zerstreut und fristen ihr Inseldasein unabhängig voneinander, umbraust von Gleichgültigkeit. Trotzdem plant Esther, die Houwelands zum 80. Geburtstag ihres Mannes wieder zusammenzuführen. Im Zuge der Vorbereitungen treiben verdrängte Erinnerungen wieder an die Oberfläche. Was seicht begann, weitet sich zur Schicksalswelle... Berühmt wurde John von Düffel 1998 mit seinem Debütroman Vom Wasser. Seitdem ist er aufs Feuchte abonniert (Wasser und andere Welten, 2002). Bei Houwelandt ist das bis in die Metaphorik spürbar. Der Geschichte tut das keinen Abbruch, im Gegenteil: Denn der Roman hat kaum verwässerte Stellen, sondern ist ein überaus lesenswertes, atmosphärisch dichtes Psychogramm. -- Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 18 Bewertungen)
Ohne Talent zur Familie 5 von 5 Punkten Houwelandt ist ein ausgesprochen gelungener Familienroman, der weniger mit der Auseinandersetzung verschiedener Generationen punktet, als mit der sehr fein entwickelten Varianz an Charakteren, der Unterschiede im Pool der Gene. Vor allem die Männer der Familie - und hier die Erstgeborenen - haben sich entfremdet auf Grund von vielfältiger, gegenseitiger Enttäuschung.
Jorgen und Esther leben seit Jahren auf ihrem Alterssitz in Spanien, der Sohn Thomas verwaltet (mehr schlecht als recht) das Anwesen in Deutschland. Es ist Esther, die lange Jahre versucht die Familie, die zur Familie wenig Talent besitzt, an einen Tisch zu bringen und laufend für das unmögliche Verhalten ihres Mannes Abbitte leistet. Die Vorbereitungen für die Feier anlässlich des achtzigsten Geburtstags des Patriarchen bietet eine gute Gelegenheit für Esther, zurück nach Deutschland zu fliegen und sich um ihre Familie zu kümmern. Thomas - im Leben bislang wenig erfolgreich, stumm und gelähmt von seines Vaters Unterdrückung, steht kurz davor auch in seiner Ehe zu scheitern, sein einziger Sohn Christian - in Job und Leben erfolgreich, sehnt sich nach einem starken Gegner, den er in seinem Vater vermisst. Sie alle verbindet allein der Houwelandtsche Stolz, die Verachtung und ihre Einsamkeit.
Zwei Wochen im Leben der Familie Houwelandt - auf der Flucht voreinander - zeigt uns die Mission ihres Lebens, auch wenn diese nicht immer nachvollziehbar ist (muss sie das denn?) erzählt in regelmäßig wechselnder Perspektive. Drei Männern im Konflikt steht die Mutter auf der Suche nach Harmonie und Einigkeit entgegen. Sehr gut gelungen! Während die Protagonisten im Laufe des Romans an Gesicht, Rückgrat und Sympathie gewinnen, entzieht sich Jorge - allein in Spanien zurück gelassen - jeder Kommunikation mit dem Leser.
Besonders beeindruckt hat mich der Wechsel der Perspektiven innerhalb einer Szene (ein gemeinsames Mittagessen), während dessen die subjektive Sicht der eigenen Person den Hut vor der wohl objektiveren Perspektive des Gegenübers ziehen muss.
Und mag auch das Ende etwas kitschig erscheinen (mir ist es so ergangen), ist dieser Roman in seiner inhaltlichen, thematischen und nicht zuletzt in seiner sprachlichen Ausführung ein Kleinod, das ich in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur nicht vermissen möchte!
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Agnes Peter Stamm Taschenbuch, Februar 2004 Verkaufsrang: 88337 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Es ist ein schmales Bändchen, mit dem der Schweizer Autor Peter Stamm sein Debüt als Schriftsteller gibt. Vordergründig erzählt er eine wunderbare Liebesgeschichte zwischen einer amerikanischen Physikstudentin und einem jungen Journalisten, der Nachforschungen zu seinem Buch über Eisenbahnen betreibt. Doch glückliche Liebesgeschichten sind nicht interessant, "denn Glück macht keine guten Geschichten" meint Agnes, und so ermuntert sie ihren Freund, eine Erzählung über sie und ihre Liebe zu erfinden. Es geht nicht gut aus, denn immer mehr greift die erfundene Handlung in ihre Realität ein und bald verschwimmt für die beiden die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Peter Stamm hat in seinem ersten Roman Agnes das gar nicht so leichte Kunststück fertiggebracht, einen gehaltvollen Inhalt durchsichtig schillernd und schwebend leicht wie eine Seifenblase zu verpacken -- sehr zur Freude seiner Leser. --Manuela Haselberger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)
von der kühle der nähe 5 von 5 Punkten so minimalistisch der titel ist, so konzentriert und silhouettenhaft entspinnt sich hinter dem buchdeckel eine sprachlose liebesgeschichte, die sich im spiel, die eigene liebe virtuell zu fiktionalisieren, verliert.
im zeitlosen dasein an einem nichtort - die existenz in der fremde sowie das erzählen am pc erscheint wie eine stasis - vollzieht sich ein nahezu trotzig beschworenes drama.
karg und artifiziell mutet die sprache an, ist aber auf die wesentliche aussage konzentriert und in ihrer konsequenz endlos traurig. stamm skizziert den versuch einer liebe in zeiten des virtuellen daseins und zeigt die beziehungsunfähigkeit einer generation, die in ihrer selbstreferentialität und fatalistischen projektion das private scheitern kommentar- und reaktionslos erleidet.
die lektüre hinterlässt einen kloß im hals und hilflose wut. oder ist es erkenntnis ...?
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Der gelbe Bleistift Christian Kracht Taschenbuch, April 2002 Verkaufsrang: 85597 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die deutsche Welt am Sonntag. Erst schläft noch alles, dann wird Klassik aufgelegt und es gibt Brötchen mit Ei. Dazu Zeitung: die Welt am Sonntag. Was steht da? Christian Kracht aus Tokio. Die Rubrik im Reise-Teil der Zeitung heißt "Der gelbe Bleistift". Über den Autoren muss man wissen: Kracht lebt seit einigen Jahren in Bangkok und hat vor zwei Jahren mit Eckhart Nickel Ferien für immer geschrieben, das ihn als Traveller der feinen Unterschiede ausgewiesen hat. Nun also erscheint ein Solo-Buch mit Reiseberichten. 20 Stücke sind es ingesamt, gesammelte Erlebnisse aus den Jahren 1992-99. Es sind sehr viel weniger Reiseberichte als atmosphärische Schilderungen, viel weniger Berichte über das Fremde im Ausland als über das Erstaunen, das Vertraute im Ausland anzutreffen: Marken, Menschen, Mentalitäten. Hier geht es um das, was westliche Ausländer in Asien suchen: Business, Drogen, Mädchen, Natur und Exotik. Kracht ist einer, der das Gebot des Subjektiven als Reporter gerne und großzügig befolgt. Ein Moralist ist er, aber die mahnende Pose bleibt immer hinter der Kunstfertigkeit zurück. Und das ist gut so. Dafür, muss man annehmen, liebt er die Freiheit zu sehr, auch die Freiheit, keinen Standpunkt einnehmen zu müssen. Wenn er den "Anarchie-Supermarkt" Goa auseinander nimmt, dann ist das keine Schelte der Sehnsucht nach Anarchie, sondern des Ausverkaufs dieser Sehnsucht. Kracht, der gescheitelte Anarchist: Wenn es mir hier nicht gefällt, dann haue ich wieder ab. Wenn meine Geschichte gerade spannend wird, dann breche ich sie hier einfach ab. Eine extrem elitäre Position, die Kracht in diesem feinen, leisen, bisweilen vergnüglich skurrilen Buch einnimmt -- aber auch eine extrem zeitgemäße. --Nikolaus Stemmer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 43 Bewertungen)
zeitlos interessant 5 von 5 Punkten Bangkok ist die schönste Stadt der Welt. Irgendwie habe ich es immer geahnt, auch ohne in Kyoto gewesen zu sein.
Die Reportagen von Christian Kracht sind zeitlos. Er schreibt schließlich keinen Reiseführer, sondern über Menschen und Begegnungen. Das macht die Geschichten auch für Menschen interessant, die nicht unbedingt ausgesprochene Asien-Fans sind. Er hat intelligentes zu erzählen und das macht er gut. So liest man sich von Ort zu Ort und denkt sich: richtig beobachtet.
Das Vorwort sollte man weglassen. Es ist wesentlich schlechter als die eigentlichen Geschichten des Autors. Und auch die letzte Geschichte fällt irgenwie aus dem Rahmen. Der Rest ist einfach großartig. Und weil ich das Buch erst jetzt entdeckt habe, es aber unbedingt weiterempfehlen möchte, schreibe ich also auch noch die 43. Rezension und das 6 Jahre nach dem Erscheinen des Buchs.
Hang loose, Hong Kong Long Dong!
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Das Malträtieren unvollkommener Automaten Stephan Katz, Max Goldt Taschenbuch, März 2006 Verkaufsrang: 49991 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die alte «Art Pen»-Tinte gibt's nicht mehr. Ein herber Schlag ins Antlitz aller Cartoonisten. Stephan Katz hat vorgesorgt: Als er hörte, daß die «Anna Amalia» brennt, schnappte er sich sämtliche Tiegel, Näpfe und Joghurtbecher, deren er habhaft werden konnte, und reiste nach Weimar, um möglichst viel Löschwasser aufzufangen. Ihm deuchte, daß sich in diesem Wasser Druckerschwärzepartikel aus alten Werken angereichert haben könnten, z.B. von Wieland, Herder, Goldt, Klopstock, Goethe und wie die auch alle geheißen haben mögen. Zuhause dämpfte er das Löschwasser ein, wodurch er zu einer ganz vortrefflichen Tinte gelangte, mit der Passagen des hier vorliegenden Druckerzeugnisses zumindest rein theoretisch hätten gezeichnet werden können.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Hervorragend! 5 von 5 Punkten Diese Sammlung altbekannt lustiger katz und goldt strips ist sehr gut verarbeitet und schön gedruckt.
ideales geschenk für rumpfkluft-träger ;) |
Zwölf Gramm Glück: Erzählungen Feridun Zaimoglu Broschiert, Oktober 2005 Verkaufsrang: 74680 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Was bleibt, wenn das große Glück nicht mehr zu haben ist und das Leben zu versanden droht? In ebenso fulminanten wie filigranen Geschichten erzählt Feridun Zaimoglu von der Suche nach dem kleinen beglückenden Rest.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Wunderschöne Migrationsliteratur 5 von 5 Punkten 12 Gramm Glück handelt nicht vom Glück im allgemeinen, sondern eher im speziellen. Für den Autor scheint die höchste und reinste Form des Glücks die Liebe zu sein. Dies klingt vordergründig sehr kitschig, ist es im vorliegenden Fall aber keineswegs.Zaimoglu behandelt in seinen Geschichten Alltägliches: den täglichen Frust, die tägliche Vereinsamung in Großstädten, die unpersönlichen Trabantenstädte usw. Und immer, gerade wenn die Protagonisten anfangen zu verzweifeln, bäumen sie sich noch einmal auf, setzen alles auf eine Karte, brechen aus und machen ihr Glück. Oder jedenfalls fast immer - naja zugegeben recht häufig. Zaimoglu beherrscht die Kunst der Sprache virtuos. Elegant verführt er uns zum Zuhören, zum Dranbleiben an der Stimme. Führt uns mit fast schon arabischer Erzähltradition Bilder vor Augen, die uns bisher verborgen geblieben sind. Und dabei entwickelt er neben poetischen, wortgewaltigen Bildern auch feine, subtile Ironie, die sich dem Zuhörer evtl. sogar erst beim zweiten Hören erschließt. Leider ist auf dem Hörbuch nicht die gesamte Printausgabe enthalten. Aber dies ist nicht weiter dramatisch, da zufällig gerade jetzt im Oktober eine Taschenbuchausgabe zu einem sehr günstigen Preis erscheint. Ein Buch, nicht nur für frisch Verliebte.
Westöstliches 4 von 5 Punkten Mal mit beieindruckender Wortgewalt, mal mit feinem Sprachwitz beschreibt Zaimoglu die Möglichkeit und Unmöglichkeit der Liebe, des Glücks. Wer auch immer sich in diesen Tagen ohne vorgefaßte Meinung mit den Fragen zur Erweiterung der EU nach Osten und dem Islam unter einem kulturellen Blickwinkel auseinandersetzt wird hier einige ganz spannende, facettenreiche, absolut zeitgenössische Geschichten finden, die nachdenklich machen. Sehr lesenswert! |
Wie es leuchtet Thomas Brussig Broschiert, August 2006 Verkaufsrang: 25873 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Alles, was ich über diese Zeit weiß, weiß ich von deinen Bildern, sagt Lena, die in Thomas Brussigs opulentem Roman Wie es leuchtet gern kämpferisch als rollschuhlaufende Jeanne d'Arc von Karl-Marx-Stadt durch die Gassen schliddert, bevor sie als Sängerin mit einem Nummer-1-Hit die Hitparaden stürmt. Denn die Bestimmung des Ich-Erzählers ist es, dem Leben die Bilder zu entreißen. Mit einer Leica-Spionagekamera, ganz subversiv und leise. Das ist auch besser so. Denn diese Zeit, die Lena meint, ist einmal mehr die Zeit des Mauerfalls. Natürlich ist der Ich-Erzähler von i>Wie es leuchtet, der das deutsch-deutsche Geschehen als Medienereignis begreifen hilft, so etwas wie das Alter ego seines Autors. Auch Brussig nämlich verwandelt Geschichte in Bilder, in literarische Bilder allerdings. Junge Frau auf Bahnsteig 14 heißt dementsprechend ein Kapitel seines Buchs, Ein Mann steht im Wasser oder Paulchen geht vorbei heißen zwei andere. An einer Stelle gerät ein Starreporter namens Leo Lattke ausgerechnet angesichts der sich überstürzenden Ereignisse in eine Schreibkrise. Ein furzender Tankwart wird Direktor eines Luxushotels, ein 19-jähriger Albino soll dem VW-Konzern auf die Sprünge helfen. In Brussigs chaotischem Mauerfall-Reigen ist alles möglich, wie im Leben damals -- und fügt sich am Ende doch wieder zu einem schlüssigen Bild. Lena ist längst nicht die einzige, für die jene Wochen und Monate eine einzigartige, aufwühlende Erfahrung war, heißt es in Wie es leuchtet über den Herbst 1989 und das so genannte Deutsche Jahr: Trotzdem gibt es kein Buch, in dem die Erfahrungen jener Zeit für alle gleichermaßen gültig aufbewahrt sind, so wie ,Im Westen nichts Neues' die Erfahrungen der Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs versammelte. Das Zitat weist darauf hin, dass Brussig mit Büchern wie Helden wie wir oder Am kürzeren Ende der Sonnenallee an eben jenem Wiedervereinigungsepos feilen wollte -- und sich sein Scheitern eingesteht. Auch Wie es leuchtet mit seinem stark Grass'schen Erzählton ist nicht der ganz große Wurf geworden. Und dennoch ragt es aus der unpolitischen deutschsprachigen Betroffenheits- und Subjektivitätsliteratur der letzten Jahre hell leuchtend heraus. -- Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 36 Bewertungen)
Ein Buch, das (gemischte) Erinnerungen für den Leser zurückbringt 5 von 5 Punkten Ich habe noch nicht viele Wende-Bücher gelesen, aber dies erscheint mir doch als eines der gelungendsten. Brussig beschreibt auf wunderbare, eindringliche Weise anhand ausgewählter Typen die langsame Verwandlung des DDR-Bürgers in ein gesamtdeutsches Wesen. Am hervorragendsten und prägnantesten gelingt ihm das mit dem Gleichnis der Blinden Sabine Busse, die zwar das Augenlicht erhält, aber das Wesen des Sehens nicht "begreifen" kann und will und deshalb letztendlich doch blind bleibt.
Jetzt fehlt mir zur Abrundung nur noch ein ebenso eindringliches Buch, dass die Zeit aus westdeutscher Seite beschreibt.
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Kaltenburg Marcel Beyer Gebundene Ausgabe, 18. März 2008 Verkaufsrang: 55800 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Marcel Beyer hat einen neuen großen Roman geschrieben. Der "Erfinder der Wirklichkeit", der Heinrich-Böll- und Uwe-Johnson-Preisträger, der "Dichter des ganzen Deutschland" entwirft in ihm ein Panorama deutscher Geschichte von den dreißiger Jahren bis in die Gegenwart. Wie im Erfolgsroman "Flughunde" verwebt Marcel Beyer erneut Persönliches und Geschichtliches derart überzeugend miteinander, daß wir den Ereignissen im katastrophischen Deutschland des 20. Jahrhunderts gebannt folgen. Ludwig Kaltenburg, geboren 1903, Biologe, arbeitet Ende der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts in Posen. Dort begegnet er zum ersten Mal dem Ich-Erzähler, zu diesem Zeitpunkt noch ein Kind. Im Gefolge des Zusammenbruchs des "Dritten Reichs" flüchtet der Junge mit seinen Eltern nach Dresden. Dessen Bombardierung im Februar 1945 überlebt er und beginnt ein Studium der Ornithologie, das ihn erneut in engen Kontakt zu Kaltenburg bringt. Der kann in Dresden ein eigenes Institut gründen und sich internationales Renommee erwerben. Wie erfahren die beiden Wissenschaftler, der angehende und der erfolgreiche, die Gründung und Konsolidierung der DDR in Dresden, welche Wendungen nehmen die Lebensläufe der beiden in den unterschiedlichen Stadien der DDR, wie erlebt der Ornithologe schließlich das Ende der DDR?
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Ein empfehlenswerter Roman und ein großes Stück Literatur, das einen das nächste Buch des Autors mit Spannung erwarten läßt 5 von 5 Punkten Marcel Beyer gilt als einer der hoffnungsvollsten Autoren der Gegenwart. Schon in seinen bisherigen Werken hat er sich vor allem dadurch ausgezeichnet, dass er sich mit dem Stoff seiner Erzählungen in einer Weise vertraut macht durch Studium und Recherche, dass er ihn in seinen Büchern dann fast schon als Experte präsentiert.
Auch für seinen neuen Roman "Kaltenburg" hat er sich intensiv naturkundlich-wissenschaftliche und historische Informationen und Kenntnisse angeeignet, vor allem aus den Bereichen Ornithologie, Dresdner Geschichte ( dort wohnt er seit 1996) und vor allem der Geschichte der DDR.
Er schildert das alles so authentisch, dass man gar nicht daran zweifelt, dass es die beschriebenen Personen wirklich gegeben hat. Doch dem ist nicht so. Sie alle sind frank und frei erfunden, allenfalls kann man in der Figur des Wissenschaftlers Ludwig Kaltenburg Motive der Biographie und des Werkes von Konrad Lorenz erkennen.
Der Roman wird erzählt von Hermann Funk, einem Ornithologen, der sozusagen in einer Rückschau seines Lebens seine Beziehung zu eben jenem Ludwig Kaltenburg reflektiert und seiner tiefen Abhängigkeit von ihm nachspürt.
Hermann Funk tut es in einem längeren Gespräch mit der Dolmetscherin Katharina Fischer, die durch entsprechende Rückfragen den Fortgang der Erzählung und die Schärfe der Funk`schen Erinnerungen vorantreibt.
Sie reichen von einer Kindheit in Posen, wo er dem schon damals in der Fachwelt berühmten Ornithologen Ludwig Kaltenburg zum ersten Mal begegnet, bis nach Dresden, reflektieren immer wieder den Verbleib seines (jüdischen) Kindermädchens, beschreiben die Bombennächte in Dresden, den Verlust der Eltern, sein Aufwachsen bei Pflegeeltern und den erneuten Kontakt zu Ludwig Kaltenburg, der ihn als Schüler aufnimmt und von dem er seit seines Lebens nicht mehr loskommt. Vor allen Dingen wird er sich neben der Ornithologie immer wieder mit der Frage befassen wird, was Ludwig Kaltenburg als Mitglied der NSDAP während des Dritten Reiches getan hat und ob er an Menschenversuchen beteiligt war. Hermann Funks Vater jedenfalls war sich dessen zu Lebzeiten nie sicher, und hielt zu Kaltenburg deshalb Distanz.
Der Verlauf des Romans springt von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück, wobei das den Lesegenuss in keiner Weise stört, obwohl man sich schon erst einmal daran gewöhnen muss.
Ein sehr empfehlenswerter Roman ist hier entstanden, ein großes Stück Literatur.
Auf den nächsten Roman von Marcel Beyer darf man mit Fug und Recht gespannt sein.
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Fette Welt Helmut Krausser Taschenbuch, Dezember 1993 Verkaufsrang: 39818 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Fette Welt ist die Geschichte von Hagen Trinker, der auf der abschüssigen Bahn des Lebens zum Alkoholiker geworden und unter die Stadtstreicher gegangen ist. Der Roman erzählt auch von der sechzehnjährigen Ausreißerin Judith, in die er sich verliebt - und von einer Berbergruppe, die trotzig und mit anarchischem Witz gegen die drohende Verzweiflung ankämpft. "Selten war in einem deutschen Roman so viel Gegenwart." (Der Spiegel) Helmut Kraussers Roman wurde von Jan Schütte verfilmt. In der Hauptrolle Jürgen Vogel als Hagen Trinker.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Höhepunkt der Trilogie! 5 von 5 Punkten Es ist lange her, ich mochte etwa 16 Jahre alt gewesen sein und wartete am Kölner Hauptbahnhof auf eine Bahn. Mir war langweilig, ich wollte lesen, konnte mit Zeitschriften nichts anfangen. In der Auslage eines Zeitschriftengeschäfts wartete "Fette Welt" auf mich. Mein Blick auf die erste Seite, die Überschrift "Die Kampfmöse", faszinierte mich sogleich.
Was dann mit mir geschah, kannte ich bisher noch nicht. Es war - muss ich das erwähnen? - mein erster Krausser, mein erstes Mal, sozusagen. Ich wurde gefesselt und verdorben, war verliebt und vernarrt, hatte Blut geleckt und konnte nicht genug bekommen. Ich habe kein Buch öfter gelesen, kein Buch hat mich an mehr Orte begleitet, und immer wieder habe ich etwas Neues entdeckt, das mich fesselte, immer wieder Stellen entdeckt, die eine alte Leidenschaft brennen ließen. Es war lange Zeit mein Lieblingsbuch aus Kraussers Feder (da war "UC" noch nicht geschrieben).
Die gekonnte, mitreißende Verbindung obszöner, vulgärer Worte mit großen, literarisch anspruchsvollen Ausdrücken wirkt anregend anstößig und sehr gekonnt. "Fette Welt" ist der dritte Teil und damit der Höhepunkt der Hagen Trinker Trilogie und ich empfehle jedem Leser dringend, nach dem Genuss auch die ersten beiden Bände "Könige über dem Ozean" und "Schweine und Elefanten" zu lesen.
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Ende gut Sibylle Berg Taschenbuch, September 2005 Verkaufsrang: 89307 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ende gut - so viel verspricht Frau Berg in ihrem Roman. Ein radikales Jahrhundertwerk - zumindest eines, das sich auf dieses Jahrhundert, das junge Ding, versteht: Katastrophen, Bombenterror, islamistische Fundamentalisten, und mittendrin: immer wieder die Menschen, kleine und große, dieser ganze erbärmliche Haufen eben. Darunter die Heldin dieses Buches. Eine Frau so um die vierzig - 'das sagt man heute so auf Partys, zu denen einen keiner einlädt, noch nicht mal zu verdammten Steh-Partys oder Event-Manager-Geburtstagen lädt einen eine Sau ein' - egal, also, eine Frau, die Heldin dieses Romans, sieht, dass alles den Bach runtergeht: Flutkatastrophen vorm Fenster und im Fernseher, mal wieder bricht eine neue Seuche aus, irgendwas mit Hautausschlag und Sterben, ihren Job in irgendeiner Agentur ist sie los, nun denn. Die Menschheit ist immer Scheiße gewesen. Und nun geht eben die Welt unter. Etwas Besseres kann nicht passieren. In einem Caf explodiert eine Bombe, die Heldin mittendrin. Sie schält sich aus den Trümmern und macht sich auf, das Glück oder zumindest ein Leben zu suchen. Durch die Ödnis der deutschen Provinz, über Weimar, Berlin und Amsterdam, gelangt sie schließlich in Begleitung ihres stummen Freundes nach Finnland, wo sie nicht nur auf einen überraschend freundlichen Menschenschlag trifft, sondern auch etwas findet, was ihr erlaubt, wie ein Mensch zu leben. Friedlich und gut. Der lang erwartete, große Roman von Sibylle Berg ist ein polyphones Sprachkunstwerk: Unverwechselbar im Ton, radikal und zärtlich, bestürzend und beglückend, wird er sich in die deutsche Gegenwartsliteratur einschreiben.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 18 Bewertungen)
Ende gut... 5 von 5 Punkten Am Ende dieses Buches bleibt zu sagen:
Sehr überraschendes Ende, aber Ende gut! :anbet
Wie sagte man mir, vor der Lektüre, schau, daß du gut drauf bist, ist ein tolles Buch, aber darin geht eben mal schnell nur die Welt unter.
So war es auch, aber so ein Weltuntergang hat ja auch sein Gutes, zumindest wenn er sich so gut lesen läßt.
Das Buch ist mal wieder ne sprachliche Glanzleistung, würde ich behaupten wollen. Frau Berg hat eine grandiose Beobachtungsgabe und ist dankenswerterweise auch in der Lage ihre Beobachtungen literarischwertvoll zu Papier zu bringen.
Klar, hat das Buch ein "böses" Thema und ich konnte auch nur häppchenweise lesen, sonst wärs zu viel geworden und ich in eine fiese Depression gedriftet. Aber so Stück für Stück, war es einfach grandios.
Und dann dieses Ende, so wahr und ehrlich und doch irgendwie schön.
Wie gut es doch sein kann, so ein Ende....
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Keine Ahnung Karen Duve Broschiert, November 1999 Verkaufsrang: 81780 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden 'Keine Ahnung, wie ich das Abitur geschafft habe', wundert sich die Apothekertochter, die 'Schlaf- und Beruhigungsmittel schluckte wie jemand, der sowieso bald stirbt und der sich bloß noch über die finalen Schmerzen hinweghilft.' In der Disco Sitrone, einem Ort, an dem sie 'lieber unglücklich war als an allen anderen Orten', tanzt sie sich die Seele aus dem Leib, aufputschendes Ephedrin bringt sie jetzt in ganz andere Aggregatzustände.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)
zu simpel und doch sehr schwierig 5 von 5 Punkten die themen der geschichten sind unglaublich,es handelt sich um übelste abstürze,diese werden aber als so banal und unvermeidlich dargestellt,dass man sich fragt,ob man selber übertreibt oder hier einfach für dumm gehalten wird.im endeffekt aber stellt e seinfach brücken für alle leser,hier werden einem lebensgeschichten aufgetischt und jeder kann diese in seinem ermessen ansehen,ich fand sie erschreckend und doch wurde mir schnell bewusst, wie real sie doch sind.hier wird das gefühl vermittelt,nicht eine fremde geschichte zu lesen,sondern vielleicht sogar die eigene
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Zu den heiligen Quellen des Islam: Als Pilger nach Mekka und Medina Ilija Trojanow Taschenbuch, Januar 2006 Verkaufsrang: 125130 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Von Kindesbeinen an, wenn er zum ersten Mal vernimmt, daß die Hadsch - die Pilgerfahrt nach Mekka - zu den Pflichten eines jeden Moslems gehört, sehnt sich der Gläubige danach." Unter Hunderttausenden moslemischer Pilger nahm der Schriftsteller Ilija Trojanow 2003 an der Hadsch teil, der größten Glaubensbezeugung des Islam. An einem Morgen im Januar legt er in Bombay unter Anleitung seiner Freunde den Ihram, das traditionelle Pilgergewand, an und steigt in die Maschine nach Dschidda. Wenige Stunden später ist er in Mekka, nach drei Wochen zurück in Indien. Dazwischen liegen eine unendliche Fülle von Eindrücken und das allmähliche Begreifen des Wesens einer Religion zwischen Verheißung und Realität. Dazwischen liegt das Erleben einer über tausend Jahre alten Tradition und einer persönlichen Pilgerschaft als Kulmination aller Sehnsüchte, als einzigartige Auszeit, so reich an Mühsal und Zermürbung wie an Belohnung und Beglückung.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
innensicht UND außensicht 5 von 5 Punkten Für die einfühlsame Beschreibung anderer Kulturen bring Ilija Trojanow die besten Voraussetzungen mit: in Bulgarien geboren, in mehreren Ländern (Italien, Deutschland, Kenia) aufgewachsen und auch heute ein Schriftsteller, der mit den Wohnorten Kapstadt und Bombay neue Perspektiven vermittelt.In seinem Buch "Zu den heiligen Quellen des Islam" setzt er diese Tradition fort: freilich bleibt er ein Fremder, einer mit europäischen Ansichten über Mekka und den Islam, doch öffnet er sich ganz seinen moslemischen, meist indischen Freunden, die ihn den Quellen des Islam und v.a. seiner derzeitigen Glaubenspraxis näher bringen. Damit leistet er etwas, was praktisch keinem Journalisten mit Reportagen für ein klar definiertes (westliches) Publikum und kaum einem Ethnologen gelingen kann und was auch Beschreibungen orientalischer/islamischer Autoren nicht schaffen: mehrere Perspektiven zu vereinen und mit viel Verständnis und Einfühlungsvermögen, dabei gleichzeitig fesselnd, den Lesern zum Mitdenken anzubieten.
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"Das war's dann wohl": Abschiedsbriefe von Männern Sibylle Berg Gebundene Ausgabe, Februar 2008 Verkaufsrang: 26511 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Wenn Männer am Ende sind Nach dem erfolgreichen Band »Und ich dachte, es sei Liebe«. Abschiedsbriefe von Frauen bietet Sibylle Berg nun unverblümte und intime Einsichten in die Gefühlswelten der Männer. Die von ihr gesammelten Briefe sind anrührende Zeugnisse männlichen Ausdrucksvermögens. Natürlich haben Männer Gefühle, oft sogar sehr viel verzweifeltere als Frauen, denn sie wissen gemeinhin nicht, wie sie ihnen Ausdruck verleihen sollen. Was sagen die Sprachlosen, wenn ein Abschied ansteht? Von der Liebe? Vom Leben? Von Gewohnheiten? Um das herauszufinden, hat Sibylle Berg Abschiedsbriefe gesammelt und kommentiert, Briefe von berühmten und weniger berühmten Männern, von lebenden und toten. Und eines hat sie dabei festgestellt: Egal ob sich der Mann von einer Liebe, einer Katze oder seinem Auto trennt - erst handelt er, dann denkt er nach. Und gelegentlich versucht er, für seine Gedanken die richtigen Worte zu finden. · Mit Briefen von Leo Tolstoi, Edgar Allan Poe, Fernando Pessoa, Charles Baudelaire, Alain Delon, Wiglaf Droste, Tom Kummer, Moritz Rinke, Friedrich Dürrenmatt, Oskar Lafontaine und vielen anderen mehr · Liebevoll eingeleitet und kommentiert von einer der bekanntesten Autorinnen Deutschlands
"Das von Sibylle Berg herausgegebene Buch 'Und ich dachte, es sei Liebe' ist sehr schön zu lesen. Das liegt zum einen an den Begleittexten der Herausgeberin, die in der ihr eigenen und so großartigen lapidaren Schonungslosigkeit wahr, traurig und beglückend sind, alles auf einmal..." Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung "Die Abschiedsbriefe der Frauen, die Sibylle Berg gesammelt hat, sind alles andere als deprimierend. Sie erzählen von Wut, Kraft und Neuanfang. Und kommentieren das Lebensdesaster oft wunderbar ironisch." Freundin "Eine berührende Sammlung." Für Sie
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Bereitet trotz traurigen Themas dem Leser Freude 4 von 5 Punkten "Und ich dachte, es sei Liebe", herausgegeben von Sibylle Berg, hatte die Abschiede von Frauen zum Thema. Damit sich die Männer nicht vernachlässigt fühlen, hat sie nun mit "Das wars dann wohl" eine Sammlung von männlichen Abschiedsbriefen herausgebracht.
In ungefähr fünfzig Briefen nehmen Männer Abschied: von Haustieren, Jobs, Partnern oder Partnerinnen, Freunden oder dem Leben.
Da gibt es liebevolle Briefe, verbitterte, hasserfüllte, fassungslose oder sachliche. Genauso vielfältig ist auch die Bandbreite der schreibenden Männer. Berühmte oder nicht-berühmte Männer haben sich hier ihre Gedanken gemacht und sie niedergeschrieben, und der Schmerz über ihre Abschiede eint sie alle.
Den Briefen vorangestellt ist eine kleine Einleitung der Herausgeberin, in der die Situation des Verfassers geschildert wird, so dass der Leser versteht, warum es zu diesem Abschied kommt.
Sybille Berg hat diese Briefe gesammelt und in Kapitel gefasst. Jedem Kapitel sind Texte aus ihrer Feder vorangestellt, diese sind ebenso unterhaltend wie die Briefe und oft mit einem Augenzwinkern geschrieben.
So geht der Leser den Weg der Abschiede von Sachen - oder ungeliebten Menschen -, vom Leben an sich und von der Liebe. Er fühlt mit den Briefschreibern mit, leidet mit ihnen oder atmet gemeinsam mit ihnen auf, wenn dieser Abschied wie die einzig richtige Konsequenz wirkt.
Manche der Briefe sind von so bekannten Personen wie Erich Maria Remarque, Oskar Lafontaine, Lew Tolstoi, Alexander Schmorell oder Friedrich Dürrematt geschrieben, doch die Briefe unbekannter Verfasser stehen kein bisschen hinter diesen zurück. Der Moment des Abschieds macht sie einander ähnlicher.
Dieses Buch bereitet, trotz seines traurigen Themas, dem Leser Freude beim Lesen.
Ganz nebenbei erhalten vielleicht manche Frauen so einen kleinen Anblick in Männerseelen beim Abschied.
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Ungefähre Landschaft Peter Stamm Taschenbuch, September 2003 Verkaufsrang: 133377 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 6 Tagen. Nach dem Kurzgeschichtenband Blitzeis und seinem Erstling Agnes legt der junge Schweizer Peter Stamm nun seinen zweiten Roman vor. Ungefähre Landschaft beschreibt die Topografie einer weiblichen Seele. Und wie wir es von Peter Stamm kennen, ist die Landschaft eine kalte. In seinem neuen Roman sogar in zweifacher Hinsicht: Zum einen spielt die Geschichte in einem kleinen norwegischen Dorf nördlich des Polarkreises, zum anderen zeichnen sich die Figuren durch eine feine Eisschicht aus: Wie Eisblumen am Fenster legen sich die fein ziselierten Kristalle über ihre Persönlichkeit und ihre Liebesfähigkeit. Kathrine: 28 Jahre alt, Zöllnerin, ein Kind aus erster Ehe, zum zweiten Mal verheiratet -- und auf dem Absprung. Die Liebe zu Thomas ist zum Scheitern verurteilt -- zu viele Lügen, zu wenig Licht, zu viele Wünsche, zu wenig Horizont. Kathrine bricht aus, besteigt ein Schiff, fährt nach Paris, besucht einen Bekannten -- und kehrt zurück ins Land, wo es lange dunkel bleibt. Eine undramatische Geschichte, die jedoch von beklemmender Tiefe ist. Das Leben in der engen Gemeinschaft von Familie, Freunden, ehemaligen und aktuellen Liebhabern, die Besuche der russischen Seeleute im Hafen. Und als Gegensatz die Weite der übrigen Welt, in der Kathrine jedoch in ihrer eigenen Beschränkung gefangen bleibt. Und doch hat der kurze Ausflug etwas ausgelöst. Sie krempelt ihr Leben um, zieht mit Morten, ihrem dritten Mann, vom kleinen Dorf über dem Polarkreis weg. Das Ende der Geschichte ist der Anfang der Geschichte: "Es wurde Herbst und Winter. Es wurde Sommer. Es wurde dunkel, und es wurde hell." Peter Stamm ist ein faszinierendes Stück Literatur gelungen. Wie schon in früheren Texten von ihm fällt dem Leser die Identifikation mit den Personen nicht leicht, ihre Präsenz ist jedoch nachhaltig, und immer wieder blitzen Momente des Romans im richtigen Leben auf. In Ungefähre Landschaft gönnt er sich auch die Zeit, die Figuren mit mehr Details zu zeichnen, als ihm das in den Skizzen von Blitzeis gelungen ist. --Martin Walker
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 15 Bewertungen)
Diffuses Licht 5 von 5 Punkten Wie steht es um die Liebe bestellt in unserer Zeit? Die verliebt sind, werden antworten: bestens, die auf der Suche sind, sich für katastrophal entscheiden. Das war in den vergangenen Jahrhunderten nicht anders. Peter Stamm hat ein feines Gespür dafür, den Unterschied herauszustreichen. Sei es in dem profanen Mittel der Mails, über die sich ungeniert Bekanntschaften schließen, wenn nicht gar Affären anbändeln lassen, sei es in dem Gefühl übrig geblieben zu sein, etwas zu verpassen. Das Alleinerziehen hängt Kathrine zum Hals heraus. Neben der großen Hoffnung auf die einzig wahre Liebe prägt vor allem die Sehnsucht, den Alltag nicht mehr allein zu bewältigen, die überstürzte Sucht nach Kontakten zum anderen Geschlecht. Kathrine, Zöllnerin, achtundzwanzig hat ein Kind, lebt in einem Umfeld, das allzeit von Schnee bedeckt zu sein schneit, und findet sich nicht ab. Sie scheut nicht vorm Abenteuer zurück, nicht mal vor einer zweiten Ehe. Und doch bleibt sie empfindsam, ist nicht abgestumpft. Dass sie enttäuscht wird, erwartet man schon bald in der Geschichte. Peter Stamm beweist auch in diesem Roman, dass er die Sprache besitzt, seine Leser nicht nur in fremde Welten zu entführen, er geht auch hier mit seinen Figuren so liebevoll um, dass sie einem mit all ihren Eigenarten vertraut erscheinen. Die Atmosphäre stimmt nicht nur draußen in der Landschaft, auch in den Häusern, zwischen den Menschen. Wobei sich die Risse nicht zukleistern lassen. Ein wundervoll poetisches Buch, durch das man bis ans Ende gleitet.
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Kampfabsage: Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen zusammen Ilija Trojanow Gebundene Ausgabe, 24. September 2007 Verkaufsrang: 41140 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der angebliche Kampf der Kulturen, davon sind Ilija Trojanow und Ranjit Hoskotè überzeugt, ist lediglich eine Schimäre. Zwar werden die Autoren kaum leugnen, dass sich Menschen im Namen der Kultur gegenseitig bekämpfen. Ihr Kampf aber ist kein Ausdruck von Kultur, sondern gerade im Gegenteil das Ergebnis von Unwissen über das Werden und das Wesen der eigenen Kultur. Gegen dieses Unwissen ist dieses lesenswerte Buch geschrieben, das die vielfältigen Verknüpfungen zwischen den Kulturen und ihre gegenseitige Befruchtung anhand zahlreicher historischer Beispiele belegt. Die im Untertitel auf den Punkt gebrachte Grundthese des Buches, der zufolge sich Kulturen nicht bekämpfen, sondern zusammenfließen, folgt einem schönen Bild, das wir hier ausführlich zitieren, weil es all das beinhaltet, was die Autoren uns anschließend ausgesprochen plastisch anhand unserer (Kultur-)Geschichte vor Augen führen: ?Je größer ein Fluß, desto irreführender sein Name. Unser geographisches Grundverständnis schreibt vor, daß die Quelle, die von der Mündung am weitesten entfernt ist, als Ursprung des Flußes zu gelten hat. Der gesamte Flußlauf trägt lediglich einen einzigen Namen. Aber kein Strom kann zu majestätischer Größe wachsen und den Ozean erreichen, ohne von Neben- und Zuflüssen gespeist zu werden: Rinnsale, Bäche, Kanäle vereinigen sich im Quellfluß, führen ihm mehr Wasser, Mineralien, Schlamm und Getier zu, als er ursprünglich hatte. Wenn der große Strom das Meer schließlich erreicht, hat er mit dem ursprünglichen Quellwasser nicht mehr gemeinsam als eine vage Erinnerung. Vermischung und Zusammenfluß haben seinen Charakter definiert, aber sein Name tut immer noch so, als hätte es diese Vermischung nie gegeben, er verschweigt seine wahre Herkunft. Um das Wesen des Flußes wirklich zu verstehen, müßte man jedoch vor allem die Stellen untersuchen, an denen Wasser zusammenfließen, müßte herausfinden, was sich ergänzt, verdrängt, erneuert.? Und genau dies ist dies wollen Trojanow und Hoskopé mit ihrem Buch erreichen: dass wir die gegenseitigen Einflüsse und damit auch das Gemeinsame der Kulturen zu sehen, beziehungsweise danach überhaupt erst zu fragen lernen. Ob daraus tatsächlich eine Kampfabsage des Huntington?schen Kulturkampfes folgt, ist freilich eine andere Frage. -- Andreas Vierecke, Literaturanzeiger.de
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Augenöffnend 5 von 5 Punkten Kulturen sollten voneinander lernen, und daß sie dies tatsächlich tun, daß seit Urzeiten neben der kriegerischen Auseinandersetzung mit dem Fremden auch ein fruchtbarer Austausch von Ideen und Erfindungen zwischen den unterschiedlichen Lebenswelten stattfindet, zeigen uns die Autoren mit viel Kenntnis und oftmals überraschenden Beispielen. Beispiele, die zeigen, wie nahtlos sich das einstmals Fremde ins eigene, ins westliche Kulturgut fügt, so daß der Gedanke, es könne sich um eine Errungenschaft handeln, die nicht durch eigene Kraft hervorgebracht wurde, absurd anmutet.
Kultur speist sich also aus vielen Quellen, und nur durch Verarbeitung, Adaptierung oder Ablehnung externer Einflüsse ist eine Weiterentwicklung der jeweiligen Kultur möglich. Der Austausch mit dem Fremden, dem Anderen ist ergo für den Fortbestand notwendig - ein beruhigender Gedanke in Zeiten wie diesen, in denen der Abgrenzung das Wort geredet wird.
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Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär: Die halben Lebenserinnerungen eines Seebären; mit zahlreichen Illustrationen. Unter Benutzung des 'Lexikons der erklärungsbedürftigen ... Umgebung' von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller Walter Moers Gebundene Ausgabe, März 1999 Verkaufsrang: 106252 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Seemannsgarn vom Feinsten: ein Feuerwerk bäriger Ideen Daß Walter Moers mehr als das Kleine Arschloch zeichnen kann, hat er längst bewiesen. Sogar in den Sprechblasen ist er hervorragend ohne Worte ausgekommen, als der Pinguin zweimal klopfte. Und nun sein erster Roman: Eine genial dicke Schwarte von 720 Seiten, in der ein Geistesblitz den nächsten jagt. Grün und gelb möchte man vor Neid werden: Wo hat der Mann bloß die vielen Ideen her? In seinen dreizehneinhalb Leben begegnet der Blaubär gehässigen Stollentrollen, unangenehmen Nattifftoffen, quasselnden Tratschwellen, durch die Wüste ziehenden Gimpeln, dem Wahnsinn, Fredda, der Berghutze -- eine Figur skurriler als die andere. Ab und an illustriert der Zeichner Moers die Gestalten des Erzählers Moers, ein Glücksfall natürlich, aber im Vordergrund steht der Text, unerschütterlich. Und hier entfaltet sich in vollen Zügen, was der eine oder andere bereits geahnt haben mag: Moers ist ein begnadeter, ironischer Erzähler. Mit wieviel Sprachwitz er arbeitet, wie er an Ausdrücken feilt, Begegnungen verschachtelt komponiert, Satzrhythmen herstellt und wieder auflöst, das nötigt Respekt ab. Und man freut sich über die irrwitzigen Inhalte der Abenteuer. Ob er mit dem Rettungssaurier Mac als Navigator fliegt, eine Fata Morgana am Wüstenboden verklebt, durch Dimensionslöcher stürzt oder sich ein Duell mit dem Lügengladiator liefert: die Spannung bleibt ungebrochen (außer beim sechsten Kapitel), die unzähligen Geschichten sind unglaublich. Münchhausen entpuppt sich als blutiger Lehrling im Vergleich zu Moers. Auch wenn sich beim Lesen gelegentlich Assoziationen zu Texten von Michael Ende oder Janosch einstellen mögen: Der Roman ist kein Kinderbuch, sondern nachdenklich machende (haben Sie schon mal über eine Tornado-Haltestelle nachgedacht?) Literatur, die bestens unterhält. Das vielgesuchte Leichte, das so schwer zu machen ist: hier ist es. --Sophie Thoma
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 216 Bewertungen)
Wirklich... 5 von 5 Punkten ein sehr nettes, humorvolles Buch. :)
Ich habe es verliehen und nie wieder zurück bekommen, zieht wahrscheinlich so seine Runden.
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Vom Wasser John von Düffel Taschenbuch, August 2000 Verkaufsrang: 147201 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Geschichte einer Papierfabrikantendynastie, erzählt von einem, der wie magisch angezogen immer wieder zum Wasser zurückkehrt. Vor unseren Augen lässt dieser Mann die Porträts seiner Ahnengalerie auferstehen. Er erinnert sich an die sommerlichen Szenen seiner Kindheit und stellt sich vor, wie es gewesen sein könnte: damals, als im letzten Jahrhundert der Ururgroßvater auf seinem Landgut zwischen den Flüssen Orpe und Diemel entdeckte, wie sich Wasser in...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 17 Bewertungen)
Poetische Familiensaga 5 von 5 Punkten Ich bin wirklich sehr begeistert von diesem Buch! Dem Leser erwartet eine wundervoll poetisch erzählte Familiensaga, die rundum von dem Element Wasser begleitet wird. Von Düffel versteht es meisterhaft, das Wasser in all seinen Facetten zu beschreiben. Und so sehr auch das Wasser auf unterschiedliche Weise fliesst, so wechselhaft und voller "Strömungen" verläuft die Geschichte der Papierfrabrikantenfamilie. Der Vergleich mit dem jungen "Buddenbrookschen" Thomas Mann scheint mir nicht unangebracht.
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