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| Junge Literatur | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Der große Bagarozy Helmut Krausser Taschenbuch, Februar 1999 Verkaufsrang: 92442 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In der Praxis der Psychiaterin Cora taucht ein merkwürdiger junger Mann auf, Stanislaus Nagy. Er erzählt Cora von nächtlichen Visionen, in denen ihm Maria Callas erscheint. Eine harmlose Marotte, glaubt Cora zuerst. Doch dann behauptet Nagy plötzlich, der leibhaftige Teufel zu sein und zu Lebzeiten der Callas deren Schicksal bestimmt zu haben. Immer bizarrer werden seine Ausführungen, und doch fühlt sich Cora mehr und mehr zu diesem eigentümlichen Patienten hingezogen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Krausser schreibt ganz großartig 5 von 5 Punkten Ich liebe diese wirren Geschichten, die den mentalen Film mit der ersten Seite ankurbeln und bis zur letzten Seite nicht abklingen lassen.
Auf Helmut Krausser wurde ich vor Jahren durch eine Literaturzeitschrift aufmerksam und in der Folge las ich einige Bücher von ihm. Krausser schreibt wunderbar unbeschwert, geradlinig, so, wie sich's für diese Zeit gehört, also durchaus auch deftig und sehr direkt.
Ein amüsantes Buch, das ich sicher immer wieder in die Hände nehmen werde.
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Schmerznovelle Helmut Krausser Taschenbuch, Mai 2002 Verkaufsrang: 97487 Helmut Kraussers Arbeit an der Schmerznovelle wird durch zahlreiche Tagebucheinträge dokumentiert. Diese belegen, dass der Autor sich bereits im Dezember 1999 intensiv mit dem Werk beschäftigt hat: Die Notizen oszillieren zwischen totaler Verzweiflung ("Habe nachts in Sachen Schmerznovelle total versagt", 8.12.1999) und beinahe grenzenlosem Optimismus ("Die Schmerznovelle könnte dein bestes Buch werden. Das Allerbeste", 9.12.1999). Krausser, der sich längst jenseits der Popliteratur in der deutschen Literaturszene etabliert hat, bezeichnet die Schmerznovelle als einen "Mysterythriller auf dem Gebiet der Psychopathia Sexualis, erweitert um essayistische Elemente", bei dem seine eigentliche Intention die Beschreibung des "schmalen Grats zwischen Erotik und Pornografie" ist. Weil sich die schmale Novelle rasch zu einem spannenden Krimi entwickelt, sei vom Plot nur wenig verraten: Der Protagonist und Erzähler -- Wissenschaftler und Psychiater -- besucht in einem mondänen österreichischen Badeort seinen einstigen Doktorvater, der ihm von einem besonders interessanten Fall, dem Ehepaar Palm, erzählt. Nach und nach erarbeitet er sich die obsessive Geschichte des Paares -- bis er feststellt: Johanna Maria Palm und ihr Mann sind eine Person. Doch was ist so fesselnd an dieser traumatischen Persönlichkeitsspaltung, die dem Leser als eine sexuell aufgeladene Novelle präsentiert wird? Zunächst steht für den Erzähler das wissenschaftliche Interesse im Vordergrund: Er ist Analytiker und -- wie vor ihm auch schon Max Frischs Homo Faber -- gewohnt, die "Dinge so zu sehen, wie sie sind", was sich in einer möglichst objektiven Erzählperspektive ausdrücken sollte. Jedoch: In dem Maße, in dem der Erzähler sich mit aufklärerischem Impetus dem Fall annimmt, desto mehr verfällt er der wahnsinnigen Aura der Johanna Maria Palm, ohne am Ende noch zu wissen, ob er sie als Heiland erlösen oder aber sich in den dunklen Abgründen ihrer Psyche verlieren will -- oder: ohne noch fähig zu sein, Wahn und Wirklichkeit voneinander zu unterscheiden und letztlich dazu beizutragen, den eigenen Verfall (als Protagonist und in der Folge als Erzähler) kontinuierlich voranzutreiben. Wie bei Schnitzler in der Traumnovelle die Ehekrise, so dient hier die individuelle psychische Erkrankung der Protagonistin als Motor, das Verhältnis von faktischer und psychischer Wirklichkeit zu exemplifizieren. Und dies ist auf geradezu irritierende Weise gelungen. --Kristina Nenninger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)
ýDas beste Krimipornomelodram aller Zeitený 5 von 5 Punkten Wer sich als offener und vielseitig orientierter Leser versteht, schreckt vor nichts zurück, auch nicht vor zunächst irritierenden Rezensionen und Aussagen. Derer gibt es über Helmut Kraussers „Schmerznovelle" so einige: Während Rezensenten der Zeit und der Neuen Züricher Zeitung das Werk zerreißen und es sogar als „Albtraumnovelle" bezeichnet wird, meint Lutz Hagestedt in der SZ, Krausser sei „auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Erzählkunst angekommen". Auf dem Einband findet sich ebenfalls eine lobende Bewertung - von Tom Tykwer, der Kraussers Schmerznovelle als „das beste Krimipornomelodram aller Zeiten" bezeichnet. Nach nur wenigen Seiten wird klar, was zu solch einer ambivalenten Rezeption führt: Die Geschichte um einen Psychologen, der bei der Ausübung seines Berufs alle Grenzen des Arzt-Patient-Verhältnisses vergisst, ist gespickt von Sex und Gewalt in reinster Form. Ohne es zu realisieren, gerät der eigentlich verantwortungsbewusste Wissenschaftler in den rauschhaften Sog von Johanna Palm, seiner Patientin, die ihm ab ihrer ersten Begegnung keine ruhige Minute mehr lässt. Je mehr er die mysteriöse Frau kennen lernt, desto mehr wird er abhängig von ihr, mit fatalen Folgen ... Geschickt schafft es Krausser durch seine parataktischen, kurzen, eindringlichen Sätze und seine klare Sprache den Rezipienten mit in den Sog zu ziehen, der seinen „Ich-Erzähler" ergriffen hat. Einmal in die Hand genommen, möchte man den Text kaum mehr bei Seite legen. Wie ein Spielball lässt man sich durch die Rückblenden und Vorausschauen mit dem Plot in die Vergangenheit und Zukunft befördern. Belohnt wird man mit einem alles andere als vorauszuahnenden Ende. Kurzum: Wer Krausser die manchmal überzogenen pornographischen Elemente des Textes verzeiht, die anscheinend viele abschrecken, wird seine Freude an diesem Text haben.
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Schweine und Elefanten Helmut Krausser Taschenbuch, Dezember 2000 Verkaufsrang: 87931 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Geschichte einer amour fou im München der achtziger Jahre ist Entwicklungs- wie Schelmenroman, Selbstentblößung und Schule des Herzens, nicht zuletzt auch das Porträt einer Post-Punk-Generation, die, umstellt von scheinbarem Wohlstand, um Identität und Ideale ringt. Ungeschminkt wird ein Erwachsenwerden dokumentiert. "In Helmut Kraussers erstem Roman wird das Lebensgefühl der achtziger Jahre lebendig ... Kunst kontra Kommerz, Friedensbewegung gegen Spaßgesellschaft." (Die Welt)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Living in the eighties 5 von 5 Punkten Wir befinden uns in den Achtzigern. Hagen ist zweiundzwanzig, verdient sein Geld beim Schach- und Backgammonzocken mit abgehalfterten Gestalten vom Parkrandkiosk und singt in einer Band - plan- und zukunftslos, mal abgesehen von dem Wunsch, die siebzehnjährige Silke endlich flachlegen zu dürfen. Gewohnt wird zur Untermiete, vielleicht auch nur draußen. Die Zeiteinteilung sind Zigaretten und Bier, das meiste spielt ohnehin keine Rolle mehr. Da taucht die siebenunddreißigjähige Valerie auf, mit reichem Exgatten und großem Haus und verzweifelt auf der Suche nach ein bißchen Verdorbenheit - und Verdorbenheit ist das einzige, über das Hagen in ausreichender Menge verfügt. Also behandelt er sie schlecht, beschläft sie gut und darf dafür bei ihr wohnen. Die Frau und der Junge, beide ihres kranken Daseins voll bewußt - Krausser stellt die Nähe und die Abhängigkeit in dieser Beziehung eindrucksvoll dar. Gerade weil Valerie und Hagen von Liebe so weit wie nur irgend möglich entfernt sind, verstehen sie sich. Valerie hat noch eine Vergangenheit, an die sie sich erinnert, Hagen hat nur das Jetzt - ihm geht es besser als ihr. Und dann geschieht dieser Unfall und diese Party... „Schweine und Elefanten" ist der erste Band der Hagen-Trinker-Trilogie, nach langen Wirren noch einmal komplett neu geschrieben und endlich veröffentlicht. So gelingt Krausser sowohl ein stark autobiographisches Erzählen aus der No-future-Generation heraus als auch ein reflektierter Rückblick. Living in the Eighties? Ja, so muß es gewesen sein. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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Die wilden Hunde von Pompeii: Eine Geschichte Helmut Krausser Broschiert, Juni 2006 Verkaufsrang: 127572 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Pompeii ist eine wahre Müll- und Hundekrippe. Regelmäßig werden unwillkommene Welpen aus umliegenden Dörfern und Städten über die Zäune in eine ungewisse Zukunft geworfen, heißt es in Helmut Kraussers grandios erzählten Roman: man muss dankbar dafür sein. Denn früher wären unwillkommene Welpen im rauen Neapel ohne viel Federlesens einfach erschlagen oder im nächsten Teich ersäuft worden. Mit viel Sensibilität und zahlreichen Pfotennoten versehen erzählt Krausser in seiner Geschichte Die wilden Hunde von Pompeii die ungewisse Zukunft dieser ungeliebten Tiere nach -- allen voran die Geschichte eines Hundes namens Teekanne, der von starker Sympathie zu Calista ergriffen ist, die ihr Bettlerdasein sich selbst und den Touristen mit einer Blume im Maul schmackhaft zu machen sucht. Der grausame Bandenführer Ferox gehört zur Meute der Figuren ebenso dazu wie der ewig hungrige Saxo, Grippi, dem ein Liebesbann anhaftet, und Max, der längst verstorben ist. Verfremdete Fotobilder echter Streuner bereichern den Band -- ebenso wie das Märchen von Vesuvius und Vesuvia, das ein Gastbeitrag von Walter Moers ist. Und es gibt, merkt euch das, keinen Schrecken, in dem nicht irgendwo eine Liebesgeschichte wohnt, heißt es in Die wilden Hunde von Pompeii. Und so ist es natürlich auch im Roman, der sprachlich wieder einmal genauso eigenwillig und von der Erzählperspektive ebenso ungewöhnlich wie die anderen Bücher Kraussers ist -- allen voran UC, Schmerznovelle oder der musikalische Abgesang an die fantastische Maria Callas, Der große Bagarozy, in der ja schließlich der Teufel selbst in Pudelgestalt auftrat. Die wilden Hunde von Pompeii jedenfalls ist eines der herausragenden und ungewöhnlichsten Bücher dieses Herbstes. Unbedingt lesen! --Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
Verrückt, originell und höchst unterhaltsam 5 von 5 Punkten Der namenlose kleine Hund ist kaum erwachsen, als ihn seine Besitzer auf die Art entsorgen, die im Umkreis des alten Pompeji üblich ist: bei Nacht und Nebel wird er über den Zaun des Ruinengeländes geworfen - und erlebt eine Überraschung. Er ist ganz und gar nicht allein, ein ganzes Rudel wilder Hunde bevölkert das Areal. Der alte, weise Plinius verpasst dem Kleinen den ungewöhnlichen Namen Kaffeekanne". Nicht nur aufgrund dieses Namens hat er so seine Anfangsschwierigkeiten, denn in Pompeji herrschen ganz eigene Regeln und Hierarchien, ganz zu schweigen von den gefürchteten Besserwölfen", einer mörderischen Hundegang mit martialischen Aufnahmeritualen, die die anderen immer wieder in Angst und Schrecken versetzt.
In weiteren wichtigen Nebenrollen: die Schlange Clabauta mit ihrer Vorliebe für halluzinogene Pilze, eine furchteinflößende Fledermausherde in einer düsteren Höhle und einige Geisterhunde, mit denen Kaffeekanne nach einer schicksalhaften Begegnung mit Clabauta engere Bekanntschaft schließt, als ihm lieb gewesen wäre, außerdem die liebestolle Hündin Agrippina, genannt Grippi, was passt, weil sie wie eine Seuche an Kaffeekannes Fersen klebt - und die Hundefänger, die in Pompeji umgehen, um Material" für Hundekämpfe und Laborexperimente zu sammeln...
Man wird dieses Buch entweder lieben oder hassen, eine vollkommen schräge Geschichte über die Parallelwelt der Streunerhunde in den Ruinen von Pompeji, bevölkert mit verschrobenen Figuren und mit einer gehörigen Portion ironischem Witz erzählt, der auch noch so abstruse Situationen plausibel verkauft und häufig an Walter Moers erinnert (der im übrigen eine kleine Geschichte zu dem Buch beigetragen hat). Kaffeekanne nimmt bei seiner Erzählung kein Blatt vor den Mund (oder vors Maul?) und hat mich damit einfach prächtig unterhalten.
Für alle, die sich auf eine verrückte, originelle Story einlassen können und mögen, eine absolute Empfehlung.
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New Wave: Ein Kompendium 1999-2006 Christian Kracht Gebundene Ausgabe, September 2006 Verkaufsrang: 62655 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Bienen auf dem Kuchen, so das Fragment einer Erzählung, sorgen während einer Autofahrt entlang den steilen Schluchten auf dem Dach der Welt für Unruhe im Wageninnern. Dann wieder blitzt der allseits berüchtigte Bonvivant auf, der mitten im innerasiatischen Hochland ein Le Cafe Chinois entdeckt, und eine Grande Lowfat Triple Latte sämtliche Unbill vergessen lässt. Einige Kapitel zuvor, im Tagebuch der Entsagungen, schufen Heilfasten plus Einlauf in der Überlinger Buchinger-Klinik, einer Welt ganzheitlichen Wohlbefindens (Eigenwerbung), schlackenreinste innere Klarheit. Große Sprünge, große Sprüche, kluge Gedanken, abseitige Welterklärungstheorien. Und immer -- großer Stil. Christian Kracht meldet sich wortreich und schwergewichtig zurück! Kein Zweifel, der Mann, der einst mit Faserland das Koordinatensystem der Popliteratur überhaupt erst definierte, hat mit den von Uslars und Lottmanns dieser Welt nicht das Geringste mehr gemein. Christian Kracht ist im besten, wenn oft auch nicht immer verständlichsten Sinne, abgehoben. Nichts ist ihm auf seinen weltumspannenden Meditationsfeldern abseitig und esoterisch genug, um nicht miskroskopisch genau betrachtet zu werden. Ob der eingesargte Reaktor von Tschernobyl, die Suche nach dem sagenhaften mongolischen Nationalgericht Boodhkh, einem mit dem Schneidbrenner gegarten Murmeltier, der Mythenforscher Kracht empfängt seine Schwingungen inzwischen aus anderen Galaxien. Merkwürdigkeiten und Kuriosa allerorten. Seinen Weg zur Absorptionskältemaschine fand -- so die Einsicht des Autors -- der ungarische Physiker Leó Szilárd erst nach eingehendem Studium seines Flatulenzverhaltens in der Badewanne. Ob Kracht selbst das Pulver der Kava-Wurzel, das bei Südseeinsulanern Angst- und Spannungszustände mildern, Euphorie und Gesprächigkeit fördern soll, genossen hat, liegt im Dunkeln. Seine Spurensuche nach der Mythengestalt des John Frum auf den Neuen Hebriden nährt allerdings diesen Verdacht. Literarische Gemmen, schwindelerregende E-Mail-Korrespondenz und buchstäblich absurdes Theater lösen einander ab. Das den rätselhaften Titel Hubbard tragende Theaterstück um zwei arme Teufel, die als Maler zu Geld kommen wollen, könnte gut und gerne von Botho Strauß plus Beckett nach ausgiebigem Kavawurzelgenuss stammen. Christian Kracht gibt Rätsel auf -- aber schöne! --Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)
Ein Buch nicht wie die Schweiz. 5 von 5 Punkten Endlich habe ich "New Wave" gelesen, quergescnhnitten und vernetzt, denn Kracht demonstriert in "New Wave" einen literarischen Querschnitt der letzten sieben Jahre. Es scheint mir zweifelsohne ein Kompendium im Sinne eines Abrisses zu sein, zwischen verschiedenen Themen, Genreformen ebenso wie zwischen diversen Textsorten schwebend. Kern des Buches bilden Besuchsberichte aus Afghanistan, der Buchinger Klinik oder Tschernobyl. Darüber hinaus gipfelt "New Wave" in dem Versuch eines Drehbuches zu seinem ersten Roman "Faserland". Die Besuchsberichte werden weiter mit Interviews und Briefkorrespondenzen gepaart. Dazwischen reiht sich ein Theaterstück mit dem schönen Titel "Hubbard", welches den Kuntsmarktwahn von Art Basel bis Art Basel Miami Beach thematisiert sowie postmodernes Theater zu Tode stilisiert. Diese Kombination wirkt herrlich grostesk und 'zu viel'. Unter den Texten befindet sich auch die gelungene Erzählung "Der Gesang des Zauberes", die schon in "Mesopotamia . Ein Avant-Pop-Reader" zu lesen ist. Kracht zeigt sich in New Wave" erneut und deutlicher als postmoderner Autor, der die mediale Welt als das begreift was sie ist: Text (oder etwas ensprechendes), und damit bewusst spielerisch verfährt. Kracht und der Leser (also 'ich') oszillieren zwischen literarischen und ästhetischen Grenzen. Und so scheinen mir seine Texte demnach das Gegenteil der Schweiz zu sein: "[...] also wenn du die Schweiz jetzt vollständig in eine Glasglocke einglockst - beginnt sie irgendwann durch die immense Wärmeerzeugung zu schweben." Und: "Die Schweiz ist ein völlig geschlossenes System". "New Wave" ist weder eingeglockt noch autonom, denn das Buch lebt durch einen hohen Grad an Textbezügen, einem stetigen Wechsel zwischen Themen und Genre sowie von individueller oder kollektiver Textproduktion. Aus diesem Grund ist alles möglich und nur eins sicher: Das Buch "New Wave" hat nichts mit Depeche Mode zu tun. Der Rest bleibt wie immer ein Geheimnis. Ein Muss!
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Die entführte Prinzessin: Von Drachen, Liebe und anderen Ungeheuern Karen Duve Gebundene Ausgabe, Februar 2005 Verkaufsrang: 56605 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Es war einmal, zu unbekannten Zeiten, ein Reich mit einem unaussprechlichen Namen, das jeder wegen seiner geografischen Lage nur Nordland nannte. Nördlicher als die Nordländer lebte niemand auf der Welt, außer Eisbären und Robben natürlich, und einen Herrscher gab es auch im kalten Land, der hieß Rothafur und hatte eine etwas widerspenstige Gemahlin, einen Thronfolger und eine Tochter, die es zu verheiraten galt. Normalerweise geben Märchen, die so beginnen, gerade einmal Stoff für 20 Seiten. Karen Duve hat mit ihrem Buch Die entführte Prinzessin einen ganzen Schmöker daraus gemacht, der 20 mal 20 Seiten misst -- und ein kleines narratives Wunder ist. Denn als plötzlich ein schwarz gekleideter Anwärter im Königreich erscheint, dessen unlautere Absichten ruchbar werden und der die Prinzessin gegen ihren Willen mit sich führt, nur um seine Mutter zu ärgern, entspannt sich plötzlich ein allzumenschlicher Reigen aus Machtgelüsten, Hass, Rache -- und auch Liebe! --, der über jede der blendend geschriebenen Seiten die Spannung trägt. Nach ihren Bestsellern Regenroman und Dies ist kein Liebeslied nun also der dritte Roman von Karen Duve, der so sehr seinen Vorgängern ähnelt und doch ganz anders ist. Wegen ersterem hat auch Die entführte Prinzessin das Zeug dazu, erneut die Verkaufs-Hitlisten zu stürmen; wegen letzterem werden nicht nur echte Duve-Fans neue Seiten an ihrer Autorin entdecken, sondern auch neue Leser, die bisher mit der Autorin weniger anzufangen wussten, gewonnen werden können. Karen Duve ist Gott, hat der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf angeblich einmal gesagt. Und wenn das auch nicht stimmt, so kann sie doch märchenhaft erzählen. --Isa Gerck
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 27 Bewertungen)
Empfehlenswert! 5 von 5 Punkten Das Buch ist soo schön! Romantisch, spannend und lustig, die perfekte Mischung! Es gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern und ich habe es auch schon mehrmals gelesen-absolut empfehlenswert!
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Ungefähre Landschaft Peter Stamm Gebundene Ausgabe, August 2001 Verkaufsrang: 132209 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Nach dem Kurzgeschichtenband Blitzeis und seinem Erstling Agnes legt der junge Schweizer Peter Stamm nun seinen zweiten Roman vor. Ungefähre Landschaft beschreibt die Topografie einer weiblichen Seele. Und wie wir es von Peter Stamm kennen, ist die Landschaft eine kalte. In seinem neuen Roman sogar in zweifacher Hinsicht: Zum einen spielt die Geschichte in einem kleinen norwegischen Dorf nördlich des Polarkreises, zum anderen zeichnen sich die Figuren durch eine feine Eisschicht aus: Wie Eisblumen am Fenster legen sich die fein ziselierten Kristalle über ihre Persönlichkeit und ihre Liebesfähigkeit. Kathrine: 28 Jahre alt, Zöllnerin, ein Kind aus erster Ehe, zum zweiten Mal verheiratet -- und auf dem Absprung. Die Liebe zu Thomas ist zum Scheitern verurteilt -- zu viele Lügen, zu wenig Licht, zu viele Wünsche, zu wenig Horizont. Kathrine bricht aus, besteigt ein Schiff, fährt nach Paris, besucht einen Bekannten -- und kehrt zurück ins Land, wo es lange dunkel bleibt. Eine undramatische Geschichte, die jedoch von beklemmender Tiefe ist. Das Leben in der engen Gemeinschaft von Familie, Freunden, ehemaligen und aktuellen Liebhabern, die Besuche der russischen Seeleute im Hafen. Und als Gegensatz die Weite der übrigen Welt, in der Kathrine jedoch in ihrer eigenen Beschränkung gefangen bleibt. Und doch hat der kurze Ausflug etwas ausgelöst. Sie krempelt ihr Leben um, zieht mit Morten, ihrem dritten Mann, vom kleinen Dorf über dem Polarkreis weg. Das Ende der Geschichte ist der Anfang der Geschichte: "Es wurde Herbst und Winter. Es wurde Sommer. Es wurde dunkel, und es wurde hell." Peter Stamm ist ein faszinierendes Stück Literatur gelungen. Wie schon in früheren Texten von ihm fällt dem Leser die Identifikation mit den Personen nicht leicht, ihre Präsenz ist jedoch nachhaltig, und immer wieder blitzen Momente des Romans im richtigen Leben auf. In Ungefähre Landschaft gönnt er sich auch die Zeit, die Figuren mit mehr Details zu zeichnen, als ihm das in den Skizzen von Blitzeis gelungen ist. --Martin Walker
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)
Sehr eindringlich... 5 von 5 Punkten Selten hat mich ein Roman, dem ich zu Anfang recht emotionslos gegenüber stand, derart überrascht (positiv). Ganz schnell zieht einen die Geschichte in Bann. Sie beschreibt das Suchen und Finden von Kathrine, einer jungen norwegischen Zöllnerin. Man fühlt mit, obwohl man nicht immer versteht und die Atmosphäre ist zu jeder Zeit spürbar. Die Sprache ist schlicht, aber nicht banal. Das Ende ist wunderbar gemacht - der letzte Satz ist einer der besten Schlußsätze, der mir in Erinnerung ist. Auch die Umsetzung als Hörbuch ist sehr gelungen. Christian Brückner liest mit einer angenehmen Stimme und guter Betonung.
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Wasserfarben Thomas Brussig Taschenbuch, 2006 Verkaufsrang: 45877 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Anton Glienicke, Abiturient einer Elite-Oberschule,auf der Suche nach seinem Platz in der Gesellschaft.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)
Volle Punktzahl! 5 von 5 Punkten Volle Punktzahl! Ich bin anfangs sehr skeptisch an das Buch heran gegangen, da ich es mit dem Deutsch LK lesen musste und ich nicht davon ausgegangen war, dass man in der Schule auch gute Bücher lesen kann. Thomas Brussig hat jedoch mit seinem Roman Wasserfarben mein Weltbild gedreht. Er hat es geschafft, in einem Buch alles zu verpacken was ein Buch überhaupt brauchen kann. Er erzählt eine Spannende Geschichte aus seinem Leben, die er in einer humorvollen, lässig-ironischen und dadurch unterhaltsamen Schreibweise verfasst hat. So gelingt es ihm, dass man sich zu jeder Situation perfekt in den Protagonist Anton hinein versetzen kann. Brussig stellt in seinem Roman die großen Sinnfragen und es gelingt ihm einfach alles so ins Ironische zu ziehen, dass man nach dem lesen jeder Seit wieder denkt: Der hat den Nagel auf den Kopf getroffen!.
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Habe ich dir eigentlich schon erzählt: Ein Märchen für alle Sibylle Berg Broschiert, September 2006 Verkaufsrang: 158112 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Hänsel und Gretel im Ostblock - ein Märchen für Erwachsene. Eine doppelte Flucht: Anna und Max, beide fast 14, brechen aus. Raus aus der Kindheit, raus aus der DDR. Fort von Eltern, die nicht mit ihnen sprechen, hinein in ein selbstbestimmtes Leben. Sie trampen durch den Ostblock bis ans Schwarze Meer, wo sie per Schiff in die Türkei türmen wollen, und entkommen dabei nicht nur Kinderhändlern und der rumänischen Polizei, sondern erleben ein ganz neues Gefühl: Eine erste zarte Liebe erwacht. Anna (Selbstauskunft: »Ich bin ja noch nicht richtig etwas«) und Max (»Ich sehe aus wie etwas, das noch im Ofen ist«) sind Nachbarskinder. Sie leben in einem Wohnblock in der DDR, lernen sich aber erst kennen, als Annas Mutter mal wieder betrunken auf der Straße umfällt und Max sie rettet. Während die Mutter schnarchend ihren Rausch ausschläft, beschließen die beiden die Flucht. Einfach weg. Sie trampen Richtung Polen, geraten in die Fänge eines Ehepaares, das Kinder an Fabrikbesitzer verkauft, bekommen eine Ahnung vom Glück in Budapest und werden in Rumänien zum Betteln gezwungen. Doch die Flucht gelingt: In Constanta gehen die beiden als blinde Passagiere an Bord eines türkischen Frachtschiffs. Anna und Max lassen eine Heimat zurück, die ihnen keine war, und starten Hand in Hand in ein neues Leben. In ihrem neuen Buch bringt Sibylle Berg zusammen, was zusammen gehört: Märchen und Coming-of-age-Roman, Satire und Romanze. Aus der wechselnden Perspektive von Anna und Max berichtet sie von der ganz normalen Pubertätshölle, mit Verlassenheitsgefühlen, erstem Verliebtsein und Eifersucht. Warmherzig und skurril, zärtlich und grotesk erzählt sie von der Flucht aus der doppelten Repression durch Eltern und Staat. Ein modernes Märchen für Erwachsene, herzergreifend wie die Geschichte eines David Copperfield, raffiniert wie die Kunstmärchen eines Oscar Wilde, so präzise treffend und schlagartig einleuchtend, wie nur eine echte Berg es sein kann. Kongenial illustriert von Rita Ackermann und Andro Wekua.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
bezaubernd 5 von 5 Punkten Das Buch handelt von Anna und Max, beide dreizehn Jahre alt. Es ist die Geschichte einer kuriosen Reise aus dem vor allem metaphorisch zu verstehenden "Winter" (ehemalige Ostblockstaaten) in den "Süden", dahin jedenfalls, wo es "anders" ist. Die Autorin hat ein wunderschkönes Märchen von der Sehnsucht geschrieben: Sehnsucht nach Wäreme, Freiheit, Liebe. Anna und Max brechen aus einer thüringischen Kleinstadt auf, überwinden vermauerte Wege - man könnte meinen, sie haben dabei immer einen besonders achtsamen Schutzengel zur Seite - befreien sich und andere (gefangene Kinderarbeiter) und landen schließlich auf einem Schiff - vorläufig in dessen Wäschekammer - das sie bestimmt in die Freiheit bringen wird. Ganz nebenbei erinnert man sich wieder, wie die erste Liebe ist: aufregend, schwierig und wunderschön. Eine in jeder Beziehung zauberhafte Geschichte.
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Die wilden Hunde von Pompeii. Eine Geschichte: The Wild Dogs of Pompeii Helmut Krausser Gebundene Ausgabe, September 2004 Verkaufsrang: 202040 Der Artikel ist bald verfügbar. Sichern Sie sich jetzt Ihr Exemplar! Pompeii ist eine wahre Müll- und Hundekrippe. Regelmäßig werden unwillkommene Welpen aus umliegenden Dörfern und Städten über die Zäune in eine ungewisse Zukunft geworfen, heißt es in Helmut Kraussers grandios erzählten Roman: man muss dankbar dafür sein. Denn früher wären unwillkommene Welpen im rauen Neapel ohne viel Federlesens einfach erschlagen oder im nächsten Teich ersäuft worden. Mit viel Sensibilität und zahlreichen Pfotennoten versehen erzählt Krausser in seiner Geschichte Die wilden Hunde von Pompeii die ungewisse Zukunft dieser ungeliebten Tiere nach -- allen voran die Geschichte eines Hundes namens Teekanne, der von starker Sympathie zu Calista ergriffen ist, die ihr Bettlerdasein sich selbst und den Touristen mit einer Blume im Maul schmackhaft zu machen sucht. Der grausame Bandenführer Ferox gehört zur Meute der Figuren ebenso dazu wie der ewig hungrige Saxo, Grippi, dem ein Liebesbann anhaftet, und Max, der längst verstorben ist. Verfremdete Fotobilder echter Streuner bereichern den Band -- ebenso wie das Märchen von Vesuvius und Vesuvia, das ein Gastbeitrag von Walter Moers ist. Und es gibt, merkt euch das, keinen Schrecken, in dem nicht irgendwo eine Liebesgeschichte wohnt, heißt es in Die wilden Hunde von Pompeii. Und so ist es natürlich auch im Roman, der sprachlich wieder einmal genauso eigenwillig und von der Erzählperspektive ebenso ungewöhnlich wie die anderen Bücher Kraussers ist -- allen voran UC, Schmerznovelle oder der musikalische Abgesang an die fantastische Maria Callas, Der große Bagarozy, in der ja schließlich der Teufel selbst in Pudelgestalt auftrat. Die wilden Hunde von Pompeii jedenfalls ist eines der herausragenden und ungewöhnlichsten Bücher dieses Herbstes. Unbedingt lesen! --Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
Verrückt, originell und höchst unterhaltsam 5 von 5 Punkten Der namenlose kleine Hund ist kaum erwachsen, als ihn seine Besitzer auf die Art entsorgen, die im Umkreis des alten Pompeji üblich ist: bei Nacht und Nebel wird er über den Zaun des Ruinengeländes geworfen - und erlebt eine Überraschung. Er ist ganz und gar nicht allein, ein ganzes Rudel wilder Hunde bevölkert das Areal. Der alte, weise Plinius verpasst dem Kleinen den ungewöhnlichen Namen Kaffeekanne". Nicht nur aufgrund dieses Namens hat er so seine Anfangsschwierigkeiten, denn in Pompeji herrschen ganz eigene Regeln und Hierarchien, ganz zu schweigen von den gefürchteten Besserwölfen", einer mörderischen Hundegang mit martialischen Aufnahmeritualen, die die anderen immer wieder in Angst und Schrecken versetzt.
In weiteren wichtigen Nebenrollen: die Schlange Clabauta mit ihrer Vorliebe für halluzinogene Pilze, eine furchteinflößende Fledermausherde in einer düsteren Höhle und einige Geisterhunde, mit denen Kaffeekanne nach einer schicksalhaften Begegnung mit Clabauta engere Bekanntschaft schließt, als ihm lieb gewesen wäre, außerdem die liebestolle Hündin Agrippina, genannt Grippi, was passt, weil sie wie eine Seuche an Kaffeekannes Fersen klebt - und die Hundefänger, die in Pompeji umgehen, um Material" für Hundekämpfe und Laborexperimente zu sammeln...
Man wird dieses Buch entweder lieben oder hassen, eine vollkommen schräge Geschichte über die Parallelwelt der Streunerhunde in den Ruinen von Pompeji, bevölkert mit verschrobenen Figuren und mit einer gehörigen Portion ironischem Witz erzählt, der auch noch so abstruse Situationen plausibel verkauft und häufig an Walter Moers erinnert (der im übrigen eine kleine Geschichte zu dem Buch beigetragen hat). Kaffeekanne nimmt bei seiner Erzählung kein Blatt vor den Mund (oder vors Maul?) und hat mich damit einfach prächtig unterhalten.
Für alle, die sich auf eine verrückte, originelle Story einlassen können und mögen, eine absolute Empfehlung.
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Ein schnelles Leben Zoé Jenny Broschiert, Juni 2003 Verkaufsrang: 23253 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ihr erster Roman, Das Blütenstaubzimmer, machte Zoë Jenny über Nacht weltberühmt: Er wurde in fast alle Kultursprachen übersetzt, weil hier eine junge Autorin, Tochter der 68er-Generation, mal frank und frei erzählte, was in ihr vorging und was für einen Blick sie auf das Leben richtete. Die Gefühle und Ansichten einer jungen Frau überraschten nicht nur ein junges Publikum. Während ihr zweiter Roman, Der Ruf des Muschelhorns, Kritik und Leser eher ratlos hinterließ, kehrt Jenny nun mit ihrem dritten Buch wuchtig und brillant auf das literarische Parkett zurück. In der Geschichte von Ayse und Christian, dem denkbar ungleichsten Liebespaar, das man in deutschen Großstädten finden kann, beschreibt Jenny das Drama einer ersten Liebe. Eine Liebe, die tödlich endet. Ayse lebt wohl behütet in einer türkischen Großbürgerfamilie in Berlin. Christian, in den sie sich auf einer Party verliebt, kommt aus eher zerrütteten Familienverhältnissen und steckt tief im Sumpf einer rechtsradikalen Clique. Damit beide zueinander finden können, müssen sie viele Hindernisse überwinden, müssen sie mit Konventionen brechen und ihre Familien zurücklassen. Beide brechen gemeinsam in den Süden auf und sterben im Tessin; sie werden von einer Schlammlawine begraben. Was Zoës Roman so außergewöhnlich macht, ist die realistische, ungeschminkte direkte Sprache. Die Dialoge zwischen den Figuren wirken lebensecht. Man merkt, dass sie sich für die Arbeit Zeit genommen und in einem Milieu recherchiert hat, das ihr bislang fremd gewesen ist. Dass die Umsetzung dieser Recherchearbeit in die Fiktion gelingt, liegt an Jennys schriftstellerischem Können. Ihr gelingt es nicht nur, in die Seelentiefe ihrer Figuren zu leuchten und sie glaubwürdig zu porträtieren. Sie entwickelt darüber hinaus eine packend zu lesende Geschichte. Am wichtigsten aber ist die Einbettung ihrer Romeo-und-Julia-Variation ins Berlin der Nachwendezeit. Mithin in eine gesellschaftliche Realität, die nicht mit pastosen Pinselstrichen aufgetragen wird, sondern subtil in die Liebesgeschichte hineinwirkt. So wird der Roman zu einem wichtigen Zeugnis einer zerrissenen Generation auf der Suche nach einem Stück Identität, auf dem sich ein Lebensentwurf aufbauen könnte. --Carlo Bernasconi
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 17 Bewertungen)
viel Klischee aber schön geschrieben 4 von 5 Punkten Das Buch liest sich flüssig und man bekommt ein umfangreiches Bild über die Hauptpersonen. Zum Schluss wird die Geschichte etwas merkwürdig und hat nicht mehr sehr viel mit dem Rest zu tun. Wer sich erhofft, dass der zur Zeit auffrischende Nationalsozialismus intensiv aufgegriffen wird, sollte es lieber lassen. Eine einfache und schöne Liebesgeschichte.
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Ich habe einfach Glück Alexa Hennig von Lange Taschenbuch, Dezember 2003 Verkaufsrang: 194775 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 19 Bewertungen)
doppelbödig 5 von 5 Punkten Schon der Titel hat es in sich. Da erwartet man eher eine "heile Welt", doch was die 15jährige Protagonistin in der Ich-Perspektive von sich und ihrer Familie zu erzählen hat, ist ziemlich brüchig. Das Besondere ist, wie die Geschichte erzählt wird: eben doppelbödig, naiv-witzig mit viel Situationskomik. Was sich in dem eher spießigen Wohnviertel mit den gezirkelten Vorgärten hinter den Gardinen so abspielt, ist genau beobachtet und brillant beschrieben. Zu Recht ist die Autorin für dieses Buch mit dem Deutschen Jugenliteraturpreis ausgezeichnet worden.
Übertrieben... lustig! 5 von 5 Punkten Ich habe während ich, um mich vor meinen Deutschhausaufgaben zudrücken, in meinem Deutschbuch herumgeblättert hab plötzlich einen Ausschnitt aus dem Buch gefunden. ich war totaaal gelangweilt, doch als ich anfing diesen text zu lesen musste ich dauernt lächeln und konnte richtig nachvollziehen was gerade geschah. Eigentlich hat mich so etwas noch nie wirklich intressiert, bei dem Wort Jugendbuch hab bin ich früher immer geflüchtet. Doch dieser Ausschnitt aus dem Text hat mich begeistert. Sofort ging ich zu meiner Mutter und sagte ihr, dass sie mir dieses Buch sofort bestellen müsse.
Na klar oft sind einige Aktionen in dem Buch sehr übertrieben, aber ich glaube, dass gerade das Die Absicht von Alexa Henning ist, ich glaube damit will sie uns dazu ermutigen weiterzulesen. Ich kann mir nicht vorstellen das die Autorin die Entjungpherung mit dem Tonpenis ernst meinte, ich glaube eher das sie die Leser damit zu lachen bringen wollte.
Übrigens... Ich bin erst 14 Jahre.
glück ist subjektiv... 2 von 5 Punkten ich selbst habe das buch an einem tag durchgelesen und mich gewundert, als es zu ende war. für mich ist das ende irgendwie immer noch offen. was passiert mit der ehe der eltern? was macht cotsch? ...
außerdem habe ich mich andauernd gefragt, in welcher -annähernd- normalen familie die kinder damit drohen, sich umzubringen und die mutter meint, jeden moment einen herzinfarkt zu bekommen. vom prinzip her ist das natürlich möglich, nur meiner meinung einfach nicht genau so, wie es beschrieben ist.
die probleme, die lelle in diesem buch hat, gibt es natürlich auch in der realität: magersucht, einsamkeit, die entdeckung der sexualität, probleme mit den eltern, probleme in der ehe der eltern, die erste liebe, fehlende zuneigung, undundund. aber kann wirklich alles so zusammen kommen?
vielleicht habe ich mit meinen 14 jahren einfach noch zu wenig lebenserfahrung, das ist möglich, aber vieles in diesem buch ist meiner meinung nach einfach viel zu weit hergeholt.
alles in allem ist es ein unterhaltsames, aber nicht sehr gelungenes jugendbuch.
ein gutes Buch 3 von 5 Punkten Das Buch "ich habe einfach Glück" ist ein schönes Buch für Jugendliche zwischen 13 und 15 jahren. Ich selbst habe es vor ca 3 jahren gelesen. Damals war ich 15 und habe es in einer Nacht durchgelesen. Während des Lesens kann man sich gut in die Situationen hineinversetzen (auch wenn es manchmal etwas übertrieben ist..)kleine Probleme die man gerade haben sollte werden sich nach lesen des Buches wohl in Luft auflösen im Gegensatz zum turbulenten leben was Lelle führt;)
Heut zu Tage interessieren mich zwar andere Romane doch mit 15 hatte ich wirklich Spaß dran.
Das ganz normale Familienchaos? 3 von 5 Punkten Eine Mutter, die sich die ganze Zeit einen Herzinfakt herbeisehnt, ein Vater, der bei jedem Problemchen ins Geschäft fährt, oder im Keller Schuhe putzt, eine Schwester, die ständig rumjammert, dass sie nicht geliebt wird, ein Nachbarsjunge, der sich angeblich prostituiert und noch viele durchgedrehte Charaktere mehr treten in diesem Roman auf. Man gewinnt den Eindruck, dass es eigentlich keine "normalen" Menschen auf der Welt mehr gibt. Generell ließ sich das Buch gut lesen, doch ich fand die Szenarien ziemlich übertrieben und ein wenig weit hergeholt. Von einem Buch, das den Jugendliteraturpreis gewonnen hat habe ich allerdings mehr erwartet.
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Vom Geist der Gesetze Georg Oswald Gebundene Ausgabe, 21. September 2007 Verkaufsrang: 116115 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden «Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand», sagt ein Sprichwort, und doch will ein jeder seine Geschicke selbst lenken. Da ist ein ebenso eingebildeter wie brillanter Strafverteidiger, der sich von seinen Mandanten teuer bezahlen lässt, aber nicht alles erkennt, was ihm persönlich droht. Da ist eine Anwältin, seine Frau, der übel mitgespielt wird, die sich jedoch zu wehren weiß. Und da sind die: ein junger Aufsteiger, ein melancholischer Provinzpolitiker und ein Drehbuchautor mit Schreibhemmung, dessen Freundin ihm beibringen will, wie man Rückgrat zeigt. Sie alle und viele andere mehr führt ein kleiner Unfall vor die Schranken des Gerichts. Sie hauchen dem Geist der Gesetze Leben ein, und beinahe alles, was sie sagen oder tun, lässt sich gegen sie verwenden. Georg M. Oswalds neuer Roman - reich an Perspektiven und doch auf ein Zentrum hin gerichtet, anschaulich, lebendig, mit Sogkraft und feiner Ironie erzählt - handelt von Menschen, für die Gesetze gemacht sind, ob sie sich daran halten oder nicht.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Was erlebt der Generalsekretär, nachdem er bei Anne Will war? 5 von 5 Punkten Selten so gelacht und dabei gedacht: ja genau, so stelle ich mir das auch vor. Man ahnt, wer in dieser Satire aus dem Führungskreis der CSU gemeint ist und erhält einen imaginären Blick hinter die Kulissen der Politiker in München und die sie umgebenden Amigos. Wie fühlen sich unsere Volksvertreter eigentlich nach den öffentlichen Auftritten dann zu Hause bei Frau oder Schwiegereltern und in Ihrer Arbeitsumgebung? Wie leidet dort ihre Autorität und nach welchen Kriterien werden öffentliche Statements abgegeben?
Wer darf in den engeren Kreis der Freunde eines Ministerpräsidenten, wie werden die gegenseitigen Wohltaten für Außenstehende kaum merklich ausbalanciert? Auf all diese Fragen gibt dieses Buch verrückteste Antworten, die wahrscheinlich gar nicht so weit weg sind von der Realität. Dieses Buch legt feinste Verästelungen des Netzwerkes von Steigbügelhaltern, Macht- und Rechthabern, Drahtziehern, Unternehmern, Söhnchen, Kreativen und Schmarotzern bloß. Dabei entwickelt sich eine wirklich spannende, durchaus realistische Handlung im Spannungsfeld zwischen Anwalt, Politik und Rechtssprechung.
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Woraus wir gemacht sind Thomas Hettche Gebundene Ausgabe, August 2006 Verkaufsrang: 113993 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der Autor Nikolas Kalf ist geschockt. Eigentlich ist er nach Amerika gekommen, um im Auftrag der Witwe von Eugen Meerkaz die Biografie des jüdischen Emigranten und Physikers zu schreiben. Aber kaum ist er in den USA angekommen, wird seine Frau aus dem Hotelzimmer entführt. Eine geheimnisvolle Dame im Rollstuhl verkündigt ihm, er solle die brisanten Unterlagen herausrücken, die er über Meerkaz Raketenpläne gesammelt habe, dann würde ihr kein Leid geschehen. Das einzige oder doch zumindest größte Problem dabei ist: diese brisanten Dokumente hat er nicht. Und angeblich weiß auch Meerkaz' Witwe nichts davon. Zunächst ist Kalf zum Warten verdammt. Dann macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit. Und die gestaltet sich als ein Trip durch Amerika am Vorabend des Irak-Krieges, der nicht zuletzt auch die Möglichkeiten eines neuen, alternativen Lebens aufwirft -- und Kalf Hinweise auf die Frage gibt, woraus wir (und die Liebe) eigentlich gemacht sind. Literaturgeschichtlich kommt Thomas Hettches Woraus wir gemacht sind vielleicht etwas spät. Diese Form dekonstruktivistischer, sehr melancholischer Amerika-Krimis sind wir Leser spätestens sein Gerhard Roths grandiosen Romanen Ein neuer Morgen (1978) oder Der große Horizont (1980) gewöhnt. Und auch die etwas enttäuschende Lösung am Ende und der ein oder andere nicht weiter verfolgte Erzählstrang (warum zum Beispiel ist immer wieder von Donald Judd die Rede?) vermögen -- wie schon bei Roth -- nicht ganz zu überzeugen. Trotzdem ist Hettches philosophisch angehauchter Roman keineswegs misslungen, im Gegenteil: Mit größter Spannung führt er durch das Geschehen und vermag seinen Leser von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Und mehr kann man von einem Buch ja eigentlich nicht erwarten. --Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)
american dream 4 von 5 Punkten Der Held des Romans heißt Niklas Kalf. Er ist Autor von Biographien. Sein aktuelles Buch handelt von Eugen Meerkaz, einem deutschen Physiker, der während des Zweiten Weltkriegs, aufgrund seines jüdischen Glaubens, in die USA fliehen musste. Mit der Biographie stimmt allerdings etwas nicht. Es gibt ein Geheimnis, das Niklas Kalf in den USA lösen muss. Man zwingt ihn dazu, indem man in New York seine schwangere Freundin Liz entführt. Was man genau von ihm will, bleibt auf den ersten dreihundert Seiten unklar. Es geht um Experimente, die Eugen Meerkaz zu seiner Zeit ausgeführt haben soll, aber Kalf hat dazu kein Material. Also geht der Biograph einer ganz minimalen Spur nach. Die führt ihn in ein 2000-Seelen Kaff in Texas. Dort verliert er sich bestimmt zweihundert Seiten lang in einer Art zwischenweltlichen Träumens. Es gefällt ihm in Marfa, so heißt der Ort. Er findet Freunde, er liest amerikanische Zeitungen und surft im Internet, er hat Sex, er trifft einen Zauberer. Man hat den Eindruck, er sei psychisch ziemlich angeschlagen, vieles bildet er sich wohl ein, er redet wirres Zeug, aber das ist verständlich, denn er bekommt per E-Mail Bilder von seiner gefangenen Freundin zugeschickt, und die sind grauenhaft. Gleichzeitig weiß er nicht, was er tun soll, denn sein Autor hat ihn nicht aus dem wohlfeilen Material des normalen Action-Helden gemacht, sondern aus echtem Menschenfleisch. Niklas Kalf ist ein Mann aus unserer Mitte. Typen wie ihn gibt es heute wirklich. Die Figur ist glaubwürdig, der ganze Roman ist realistisch. Der 1964 geborene Thomas Hettche ist zurecht einer der anerkanntesten deutschen Gegenwartsautoren.
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Hellblau Thomas Meinecke Taschenbuch, Juli 2003 Verkaufsrang: 185749 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Papierschere im Kopf "Gleichzeitig mit dem Wagen von Federal Express treffe ich vor meiner Hütte ein und halte kurz darauf, vor Neugier fiebernd, einen ganzen Stapel vor wenigen Tagen bestellter, druckfrisch duftender Bücher in den Händen. Am liebsten würde ich alle zugleich durchlesen." Bücher, Broschüren, Websites, Booklets, Schallplatten, CDs -- in den Texten des Autors, Radio-DJs und Musikers Thomas Meinecke dreht sich fast alles ums Lesen und Hören. Obwohl auch Hellblau als Roman firmiert, wird man einen klassischen Plot und traditionelle Figurenpsychologie vergeblich suchen. Ein Autor, der nicht erfindet, sondern mitschreibt. Macht nichts: Meineckes Figuren entstehen durch die Texte und Platten, die sie konsumieren, über die sie sich, via E-Mail und Telefon, austauschen: Cordula, Zweitsemester an der Humboldt-Universität in Berlin korrespondiert mit Tillmann in North Carolina und Yolanda in Chicago, die beide für ein gemeinsames Buch über "racial cross dressing" recherchieren. Wie seine Vorgänger The Church of John F. Kennedy und Tomboy kreist auch Hellblau um die Pluralisierung traditioneller Identitätskonstruktionen -- diesmal geht es Meinecke jedoch nicht vordergründig um die Veränderung deutscher Traditionen auf dem Boden der Neuen Welt oder "gender troubles", sondern um die Regeln, nach denen sich ethnische Identitäten aufbauen. "Was ist ein Europäer, Afrikaner, Amerikaner, der jüdische Mann?" Was, bitte, haben der transatlantische Sklavenhandel und die "Black Atlantic"-Theorie des englischen Kulturwissenschaftlers Paul Gilroy mit den Berichten über deutsche U-Boot-Wracks vor der Küste North Carolinas und den Platten des Detroiter Techno-Labels Underground Resistance zu tun? Was jüdische Idiome in den Rap-Texten der Beasty Boys mit der Geschichte der White Negroes -- weiße, oft jüdische Jazzmusiker, die in den Zwanzigern die schwarze Kultur lebten? Bietet die Antwort auf all diese Fragen am Ende einen veränderten Blick auf die Abschiebepraxis von Asylanten aus Deutschland und den Streit um die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern? Einmal mehr hantiert Meinecke, seinen Protagonisten nicht unähnlich, lustvoll mit Papierschere und Kopierer. In bester Sampling-Manier werden Theoriefragmente und Produkte der Kulturindustrie auseinander geschnitten, neu zusammengesetzt und zu einem - trotz der auf den ersten Blick knochentrocken scheinenden Materie -- groovenden Text-flow arrangiert. Hellblau endet mit einem Empedokles-Fragment, das sich angeblich auch auf dem Grabstein Hubert Fichtes findet: "Einst bin ich ein Knabe, ich bin auch ein Mädchen gewesen, Busch und Vogel und Fisch, der warm aus dem Wasser emporschnellt." - Mit der Hommage an den 15 Jahre nach seinem Tod fast vergessenen Dichter-Kollegen stellt sich Meinecke bewusst in eine andere Tradition popliterarischen Erzählens, als sie in Deutschland einig Faselland lange en vogue war. Die heimliche Rückkehr des Denkens in das Erzählen muss also keine dröge Veranstaltung für kulturwissenschaftliche Oberseminare bleiben - sie macht, Meinecke beweist es, sogar eine Menge Spaß. --Niklas Feldtkamp
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Thomas Meinecke - Hellblau 5 von 5 Punkten Eine Gruppe junger Leute, verteilt auf der ganzen Welt, legen eine Stoffsammlung für ein Projekt an. Soweit die Rahmenhandlung, zu Meineckes Konvolut 'Hellblau'. Es ist nicht leicht zu sagen, um was genau es in Hellblau eigentlich geht. Meinecke, der immer schon eher ein sammelnder denn ein schaffender Schriftsteller war, führt Buch über die Entdeckungen der (kaum) handelnden Figuren. In den meisten Fällen geht es um Grenzen und Übergänge. Was ist schwarz, was weiß, was ist männlich und was ist weiblich. Es geht um Sklaverei, Gender Studies und vor allem um Musik. Ein furioses Konvolut, dass keinesfalls Anspruch auf thematische Kohärenz noch auf Vollständigkeit erhebt. Eine Sammlung jedoch, die neue Bezüge herstellt und nachzudenken gibt.
Hochseefischen auf dem Atlantik 3 von 5 Punkten Laut Meinecke geht es in seinem neuen Titel um die Vernetzung Europas, Amerikas und Afrikas durch den Atlantik. Und es geht um rassische Identitaet, vor allem um Afrikaner, Juden und Europaer. Da gibt es allerhand interssante Geschichten: von deutschen U-Booten vor der amerikanischen Ostkueste, um juedische Bluesmusiker, um schwarzen und weissen Techno, Geschichten von Immigration und "displacement", Kosmetikartikel. Allerhand mehr oder weniger interssante Geschichten und Theorien laesst er seine drei Hauptpersonen via fax, email oder Post tauschen, ihren Geliebten erzaehlen oder auf Plattenhuellen entziffern. Was diese Leute erleben ist auch ganz amuesant, scheint aber doch im Hintergrund des Romans zu stehen. Habe ich Roman gesagt? "Hellblau" liesst sich eher wie ein Magazin angefuellt mit apokryphen "cultural theory" Essays. Manchmal fand ich mich als Leser zurueckgelassen war es mir doch leider unmoeglich zB bestimmte Technolabels wiederzuerkennen, freute mich dann umso mehr andere Bezugspunkte einordnen zu koennen. Aber das macht nichts. Man koennte das Buch auch genauso kreuz und quer lesen wie Meinecke wahrscheinlich seine Recherche durchfuehrte. Das Narrativ, das dem Buch den Rahmen gibt ist athmospaherisch dicht, die Figuren sind liebenswert aber halt bloss die Mittel zum Zweck: Lautsprecher aus denen eine unglaubliche Geschichte nach der anderen sprudelt. Manchmal dachte ich, das Buch sei fuer Spezialisten geschrieben, doch dafuer ist Meineckes Themenwahl dann doch zu eklektisch, unter umstaenden scheint sie sogar etwas willkuerlich. Trotzdem, die guten Seiten ueberwiegen finde ich: eine Kulturgeschichte als Roman verkleidet und durchaus verdaulich wenn man es nicht zu ernst nimmt... |
Beste Jahre John von Düffel Gebundene Ausgabe, August 2007 Verkaufsrang: 10654 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der Erfolg seiner Familienromane »Vom Wasser« und »Houwelandt« hat John von Düffel bekannt gemacht - sein neuer Roman erzählt davon, wie wenig selbstverständlich Familie geworden ist: Bis in die besten Jahre hinein scheint die Gründung einer Familie nur eine Option unter vielen. Ein Schauspieler stellt fest, dass das Dramatische aus seinem Leben verschwunden ist. Mit Anfang Vierzig muss er nicht mehr jedem Rock hinterherlaufen. Zusammen mit seiner Frau Lisa genießt er die ruhiger gewordene Zeit. Da taucht im Grundriss der neuen Wohnung das Wort »Kinderzimmer« auf. Die beiden gestehen sich ein, dass sie mit einem Kind noch glücklicher wären. Doch auf Kommando ist da nichts zu machen, ihr »Fruchtbarkeitswettbewerb« kennt keinen Sieger. Also lassen sie sich helfen - und das Dramatische kehrt in ihr Leben zurück.John von Düffel macht aus dem ebenso wichtigen wie aktuellen Thema der späten Familie einen höchst gewitzten Roman: »Beste Jahre« erzählt eine verwickelte Liebesgeschichte aus Deutschland - der Weg vom Paar zur Familie hält manche Überraschung bereit.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
Der Rezensent, selbst im Alter von 50 spät Vater geworden, ist begeistert von diesem ehrlichen und gleichzeitig lustigen Buch 5 von 5 Punkten John von Düffels neuer Roman ist ein Männerroman, ein Roman über das Vaterwerden und das Vatersein. Vor allen Dingen ist es ein Roman über das teilweise Überflüssigwerden des Mannes nach der Geburt seines Kindes.
John von Düffels namensloser Held ist Anfang Vierzig und arbeitet als Schauspieler an einem Hamburger Theater. Er, der frühere Frauenheld, der nichts ausliess, lernt in einem langen Prozess die Gegenwart zu schätzen und das Jetzt: "Er musste nicht mehr unbedingt mit dieser oder jeder Frau schlafen, auch nicht länger seinen Vater umbringen. Er hatte keinen Konflikt mehr mit der älteren Generation und noch keinen mit der jüngeren."
Es gibt nichts mehr Dramatisches in seinem Leben, nicht ganz ohne negative Folgen für seinen Beruf. Doch bald ist eine neue Dramatik in seinem Leben. Nach langen, schmerzhaften und quälenden Versuchen, ein Kind zu bekommen, sagt seine Frau eines Tages zu ihm . "Du wirst Vater."
Und nun beginnt eine spannende Zeit, die John Düffel in einer genau beobachtenden Sprache erzählt, so genau, dass mit Fug und Recht vermutet werden darf, dass dieser köstliche und gleichzeitig anspruchsvolle Roman viele autobiographische Züge hat.
Mit diesem Werk, das auf der Liste für den Deutschen Buchpreis stand, ist John von Düffel ein wunderbares Porträt eines Mannes in den "besten Jahren" gelungen. Der Rezensent, selbst erst vor einigen Jahren später Vater geworden und sich auch in den besten Jahren wähnend, war jedenfalls begeistert.
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In Afrika: Mythos und Alltag
Taschenbuch, November 2007 Verkaufsrang: 155878 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen. "Im ersten Treppenhaus laufen uns zwei Ziegen entgegen. Offene Feuer flackern auf dem Beton; die Massaifrauen bereiten das Essen in der althergebrachten Manier. In den Bodenritzen spriesst das Unkraut, und man spürt, dass die Massai, die Natur und die Zeit mit vereinten Kräften diesen Betonbau besiegen werden..." Ilija Trojanow, der seine Kindheit und Jugend in Kenia verlebte, fühlt sich dem Schwarzen Kontinent zutiefst verbunden. Eine erste Begegnung sah jedoch anders aus: "Ich guckte nach links: Steine. Nach rechts: Steine. Nach hinten: Steine. So lernte ich das Reisen in Ostafrika kennen, gemeinhin Safari genannte. In der scheinbar menschenleeren Landschaft war es eine Pflicht anzuhalten, als plötzlich ein gebrechlicher Mann, in Tuchfetzen gehüllt, am Wegrand winkte - der Nomade wollte mitgenommen werden. Er stieg hinten ein, neben mir, sass unbeweglich auf dem Kunststoffpolster. Wir tauschten verstohlene Blicke aus. Meine Mutter sank in sich zusammen, ich rückte so nahe wie möglich ans Fenster - im Nu war das Auto von sehr fremden Gerüchen erfüllt..." Es brauchte eine Zeit, bis aus dem Befremden des Jungen starkes Interesse und tiefe Zuneigung für seine zweite Heimat erwuchs. "In Afrika" ist die überarbeitete und erweiterte Textausgabe des wunder-schönen gleichnamigen Bildbandes des Marino Verlages, dessen Verleger Trojanow war und erster Berater immer noch ist. Seit Juli 1999 gehört der Marino Verlag zu Frederking & Thaler.
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Tristan da Cunha: Oder Die Hälfte der Erde Raoul Schrott Broschiert, Februar 2006 Verkaufsrang: 140976 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Tristan da Cunha ist eine Insel und eine recht kleine dazu. Sie liegt im Südatlantik, wurde vor knapp 500 Jahren entdeckt und nur einmal im Jahr wird sie von einem Postschiff angefahren. 300 Tage im Jahr ist dort das Wetter einfach schlecht. Trotzdem hat es der österreichische Autor Raoul Schrott geschafft, einen voluminösen und noch dazu spannenden Roman von über 700 Seiten über diesen verlorenen Flecken zu schreiben. Tristan da Cunha ist nämlich für Schrott nicht nur eine Insel, weit ab von allem anderen, sondern auch ein Ort der Sehnsucht, ein Fluchtpunkt vor dem Rest der Welt. Sein Hang zu abgelegenen Orten zeigte sich schon in seinem ersten Roman Finis Terrae oder in seiner Erzählung Die Wüste Lop Nor. Die Bewohner der Insel sind eigentlich Engländer, doch durch ihre Abgeschlossenheit mussten sie ein ganz eigenes soziales Beziehungssystem entwickeln, lebten und leben gewissermaßen einen utopischen Gesellschaftsentwurf mit allen Brüchen und Widersprüchen in der Praxis. Für einen Schriftsteller wie Schrott ist so etwas natürlich ein ideales Versuchslaboratorium, um nicht nur die Geschichte der Insel und deren Bewohner, sondern eigentlich die Geschichte der Menschen, ihrer Träume und Sehnsüchte der letzten 500 Jahre zu erzählen. Den Rahmen bildet die Geschichte von Noomi Morholt, einer Polarforscherin, die in ihrer einsamen Station im Eis eine Kiste öffnet, die verschiedene Dokumente und Bücher über Tristan da Cunha enthält. Darin finden sich die Aufzeichnungen des Funkers und Kartografen Christian Reval, die Forschungsberichte des Briefmarkenhändlers Mark Thomson und schließlich Briefe, die der anglikanische Priester Edwin Heron Dodgson, der auf Tristan da Cunha lebte, an seinen Bruder Lewis Carroll geschrieben hat. Schrott verflechtet und verknüpft nun überaus kunstvoll und geschickt diese vier gegensätzlichen Lebensläufe und schafft es dadurch die nötige Plastizität für sein ausuferndes Panorama zu erreichen. Viel hat Raoul Schrott in seinen Roman gepackt und man versteht, dass die Recherche zu seinem Buch lange gedauert hat und sehr intensiv war. Man erfährt etwas über Nautik, das Nordlicht, Kirchengeschichte, die viktorianische Zeit, Postwesen, Funk, Philatelie, Vulkanologie, Botanik, Geophysik oder die Geschichte der Antarktis, um nur einige der Themen zu erwähnen. Ein Roman für den man sich Zeit nehmen muss, aber das gerne tut. --Tobias Hierl
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)
Ein ganz besonderes Buch 5 von 5 Punkten Ein ganz besonderes Buch mit ungewöhnlichem Aufbau: Mehrere Erzählebenen, die chronologisch in unterschiedliche Richtungen verlaufen. Örtlich und zeitlich treffen sie nie genau aufeinander, aber immer berühren sie sich. Hört sich kompliziert an? Vielleicht, aber man kann einfach so drauflos lesen. Die verschiedenen Erzählebenen erzeugen einen intensiven Spannungsbogen, zunehmende Neugier und das Bedürfnis die Zusammenhänge zu verstehen und zu ordnen. Tristan da Cunha - eine Insel weit draußen mitten im Südatlantik, "der Nabel der Welt" (?). Auf dieser Insel laufen alle Erzählungen zusammen. Eine Insel mit einzigartiger Natur, Zufluchtsstätte und gleichzeitig ein trostloser Ort, den man fliehen möchte - vor allem aber isoliert von der übrigen Welt; kaum eine Stelle dieser Erde ist so abgelegen und auch heute noch so schwer erreichbar. Wie eine Metapher erhebt sich dieser gleichmäßige Kegel, wolkenverhangen, aus den Fluten des unendlichen Ozeans. So handelt auch dieses Buch von Isolation und Alleinsein. Isolation einer (archaisch) kleinen Gruppe von Menschen auf beschränktem Raum, aufeinander angewiesen und fast autark. Und ganz persönliches Alleinsein, auf der Suche nach Erlösung und voller Sehnsucht und Begierde nach Marah. Eine Marah erscheint ganz merkwürdig in jeder Erzählebene, immer eine andere, und doch ähneln sich die Konstellationen. Kann die Sehnsucht nach ihr die Isolierung aufbrechen oder bleibt die Liebe zu ihr unerfüllt, tragisch und selbstzerstörerisch? Die Antwort muss man schon selber erlesen; dann erfährt man auch ihre eigene Betroffenheit, denn die Rahmenhandlung wird von Noomi (=Marah) selbst erzählt. Wie der Aufbau ist auch der Inhalt äußerst komplex und vielschichtig. Spielerisch streift der Autor durch unglaublich viele Wissensgebiete (Geographie; Geologie; Botanik; Meereskunde; Selbstversorgungstechniken; Metereologie; Funktechnik; Schiffbau; Philatelie; Geschichte; Lingistik; klassische, germanische und jüdisch-christliche Mythologie; ...). Um alles zu verstehen, muss man schon mal nachschlagen. Ich habe es mit viel Freude getan. Der Autor schreibt sich selbst mit in die Geschichte ein. Als Rui, sein alter ego, sagt er über die Insel: "Eine Insel als regressus ad uterum, die Suche nach den Ursprüngen der Welt und des eigenen Ichs, um darin Heil zu finden - das vorsintflutlichste Prinzip des Schreibens, das es gibt." Und über seinen Anspruch als Schriftsteller: "Literatur liegt für mich im Versuch, für archetypische Situationen und Emotionen die eine und allumfassende Formulierung zu finden, die rechten Worte und die richtigen Sätze - darin besteht ihre Formelhaftigkeit, schon seit Homers epischer Zeit." Dem Autor ist es mit diesem Buch weitgehend gelungen, diese Ansprüche zu erfüllen. Er hat ein wunderschönes episches Werk geschaffen; keinen einfachen Abenteuerroman, aber voller kleiner Abenteuer. Immer, wenn ich das Buch - ungern - aus der Hand legte, blieben noch lange ganz intensive Bilder in mir haften. Der Autor hat eine ganz außergewöhnliche Fähigkeit, eindrucksvolle (Natur-)bilder hervorzurufen und diese den Grundfragen des Menschseins zuzuordnen. Und jetzt, wo ich das Buch seit 14 Tagen ausgelesen habe, taucht immer noch und immer wieder diese nebelverhangene Insel mitten im Ozean in mir auf, ich höre den Sturm die Wellen an den Strand werfen und fühle mich den Schicksalen ihrer Bewohner durch die Jahrhunderte verbunden. Eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe. Ich werde wohl noch einmal den Anfang lesen müssen, der ja zugleich der/ein Schluss ist oder ich stürze mich gleich auf andere Bücher des Autors - in der Gewissheit, dass er dieses nicht wird übertreffen können... oder vielleicht mache ich mich zunächst auf die Suche nach Marah...
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Melodien: Oder Nachträge zum quecksilbernen Zeitalter Helmut Krausser Taschenbuch, November 2002 Verkaufsrang: 89669 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der Magier und Alchimist Castiglio lebt im Italien der Hochrenaissance. Gemeinsam mit seinem Famulus Andrea arbeitet er an der Verwirklichung eines Traums: Durch bestimmte Melodien soll der Mensch im guten wie im bösen beeinflußt werden können. Castiglios Ideen sind edel, seine Forschungsmittel skrupellos. Die ursprünglich hehren Ziele kehren sich ins Gegenteil, das, was die Welt positiv verändern sollte, steht im Dienst des Bösen und wirkt hinein bis in die Gegenwart
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)
wie wirkt musik auf uns? 5 von 5 Punkten helmut krausser, der im literarischen rang eines michel houellebecq oder umberto ecco, eines patrick süskind oder einer elfriede jellinek zu sehen ist (besonders mit seinem roman SCHMERZNOVELLE, aber auch thanatos, fette welt, die zerstörung der europäischen städte etc. sind von hohem literarischen rang, ich habe lese-begeisterte gesehen, aus deren krausser-romanen ...zig spickzettel ragten) - krausser verfolgt mit seinem text MELODIEN nicht nur einen wichtigen schreib-, sondern auch einen bemerkenswerten denkansatz: vielleicht versteht man seine fiktiv-naturwissenschaftliche suche nach der wirkung von melodien, welche stimmung sie nachweislich erzeugen (gute und böse, lethargische oder elektrisierende) noch besser, wenn man sein eigenes CD-regal daraufhin durchforstet, was in einem selbst die größte wirkung in all den jahren hinterlassen hat; weil ich gerade eine 60er-jahre-oldie-sammlung parallel beim schreiben höre, brüte ich darüber, welche gefühlsebenen mobilisiert wurden bei GOOD VIBRATIONS von den beach boys, SUMMER IN THE CITY (lovin spoonful), SON OF A PREACHER-MAN (dusty springfield), KEEP ON RUNNING (spencer davis group), A WHITER SHADE OF PALE (procul harum), DANCING IN THE STREET (the vandellas), SUNNY (bobby hebb), NO MILK TODAY (herman's hermits), WALK ON BY (dionne warwick): auf welche melodien greifen wir immer wieder gern zurück - und was bedeuten sie uns? hat musik das selbstbewusstsein der erotik weiter-entwickelt, die lebendigkeit der körper, den mut, sich selbst zu verwirklichen, hat sie die zivilisation weitergebracht - oder demontiert - wie manche in muslimischen ländern zuständige meinen, die bach und mozart, erst recht die rolling stones oder madonna bei strafe verbieten (abschneiden der ohren - oder was bietet die scharia da?); musik hat statt zur befreiung sicher auch immer wieder zur unterjochung gedient, von der militärmusik der diktatoren bis zur subtilen unterwanderung, die religiöse musik bei uns vornimmt. helmut krausser, der einen professor skrupellos letztendlich erforschen lässt, welche musik das böse-sein stabilisiert - er hat einen hochgescheiten roman geschrieben, der beim leser eine unzahl von assoziationen losbrechen lässt, ...
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Faserland Christian Kracht Broschiert, Mai 2007 Verkaufsrang: 132663 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Vielleicht sollte sich über Faserland nur jemand äußern, der weiß, was eine "Barbourjacke" ist. So oft wie dieses Kleidungsstück erwähnt wird, muss es jedenfalls etwas ungeheuer Tolles und Symbolträchtiges sein für junge, schicke Menschen mit dem nötigen Kleingeld, die an Sylter Stränden Champagner trinken oder mit Porsches Seevillen am Bodensee ansteuern. Krachts Icherzähler lässt sich mittreiben, nimmt teil am müßigen Luxusleben, steigt in den besten Hotels ab, Hamburg, Frankfurt, Zürich, stilvolle Partys, viel Alkohol, noch mehr Zigaretten, und bleibt doch bei all dem seltsam unbeteiligt. Nur hin und wieder kann er sich für Momente zu ein klein wenig Hass oder Mitleid aufraffen. So etwas wie Begeisterung glimmt einzig in ihm auf, wenn er von Isabella Rossellini träumt, mit der er Kinder haben und auf einer Schweizer Alm leben möchte, weit weg von Deutschland, dieser großen Maschine im Norden, "die sich selber baut". Karg ist dieses Faserland, sein Reiz steckt eher zwischen den Zeilen, vielfältige Deutungen sind möglich; vielfältig waren auch die Reaktionen auf das Buch, reichten von Begeisterung bis Abscheu. Nun können sich die Kritiker davon überzeugen, dass Christian Kracht ein ausgezeichneter Interpret seines Textes ist (was man wirklich nicht von vielen Autoren behaupten mag): ruhig und von sanfter Melancholie ist diese Stimme, der man gerne noch etwas länger -- die Lesefassung ist etwas gekürzt -- gelauscht hätte und die viele Fragen zurücklässt. Zum Beispiel, wie wohl Isabella Rossellini in einer Barbourjacke aussehen mag... --Christian Stahl
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 158 Bewertungen)
Irgendwie traurig stimmend... 5 von 5 Punkten Faserland von Christian Kracht habe ich an einem Tag durchgelesen.
Am Anfang hat mich das Buch nicht sonderlich überzeugt; ein gesichtsloser und unpersönlich wirkender Ich-Erzähler pendelt von Ort zu Ort durch Deutschland ohne das man eine Ahnung hat warum.
Er trifft an jedem dieser Orte scheinbar zufällig Freunde oder Bekannte, betrinkt sich mit ihnen dass man um sein Leben bangt und zwischendurch erinnert er sich aus heiterem Himmel an Episoden aus seiner Kindheit.
Die ganze Zeit fehlten mir, obwohl das Buch fesselnd geschrieben war, die Hinweise darauf, worauf das Ganze hinaus läuft, aber vielleicht ist das gerade das Gute daran.
Man weiß nicht sicher was passiert, wer da spricht und was er uns sagen will, aber dennoch spürt man mit jeder Seite mehr und mehr die unbestimmte Einsamkeit und Isolation, das Fehlen eines Ziels des Ich-Erzählers und sympathisiert auf eine Weise mit ihm.
Nach dem Lesen war ich immer noch ein bisschen unsicher, worauf Kracht eigentlich hinauswollte, aber das Gefühl was ich beim lesen hatte, hat sich danach noch verstärkt und mich lange nicht losgelassen.
Das Buch ist ein geschickt geschriebener, den Leser einwickelnder Ausschnitt aus dem Leben eines einsamen Menschen, der eigentlich nicht einsam sein sollte. Es wirkt langsam aber stark und man kann es nicht weglegen. Und nicht zuletzt ist die Gesellschaft in der der Ich-Erzähler sich bewegt und die er beobachtet unsere. Deshalb hat das Buch 5 Sterne verdient.
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