Junge Literatur

Inhaltsangaben
Kurzbeschreibungen
Zusammenfassungen
Seite 7

Das Blütenstaubzimmer - Zoe JennyDas Blütenstaubzimmer
Zoe Jenny

Gebundene Ausgabe, November 1997
     Verkaufsrang: 126873     

Bei Amazon direkt z.Zt. nicht lieferbar,   Bei anderem Anbieter bestellen

Zoë Jenny war mit ihrem Debutroman das Medienereignis der Frankfurter Buchmesse im Herbst 1997. Jung, schön, klug und von großer Präsenz, kam kaum ein Feuilletonjournalist an ihr vorbei. Aber nicht nur die Autorin beeindruckte, auch ihr Roman Das Blütenstaubzimmer überzeugt durch große poetische Kraft und eindringliche Bilder der inneren und äußeren Landschaft, die sich beide analog entwickeln und gestalten.

Anders als Michel Houellebecqs Ausweitung der Kampfzone (1999), das von der zynischen Weltsicht des Protagonisten und dessen kalter Ablehnung der verlogenen Gesellschaftsrituale lebt, ist Jennys Blütenstaubzimmer eine fein ziselierte Studie eines langsamen, desillusionierenden Abschieds einer jungen Frau vom kindlichen Wunsch nach Aufgehobensein und Anerkanntsein in der Familie.

Während der Vater, bei dem die 18jährige Jo aufgewachsen ist, bei all seiner Hilflosigkeit doch immer wieder versucht, der Tochter emotionale Zuwendung zu vermitteln, ist die Mutter Lucy, die von Jo nach zwölf Jahren das erste Mal besucht wird, viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als sich um die Bedürfnisse der Tochter zu kümmern. Zudem stirbt kurze Zeit nach Jos Ankunft Lucys zweiter Ehemann (Unfall? Selbstmord?), was zu einer tiefen seelischen Krise der Mutter führt, während derer sie sich in dem titelgebenden Blütenstaubzimmer einschließt.

Sprachlosigkeit und Unfähigkeit zu Interaktion beherrschen das Verhalten der Protagonisten. Statt zu reden, flüchten sie sich in symbolische Akte. So der Vater, der Jo auf schweigsame nächtliche Spritztouren in seinem Buick mitnimmt, bei denen nichts weiter passiert als daß die beiden Gauloise-rauchend nebeneinander im Wagen sitzen. So die Mutter, die sich erst total zurückzieht und verschließt, nach dieser Phase dann ihrem Hedonismus frönt. Jo selbst versucht schon als kleines Mädchen, der verständnislosen Erwachsenenwelt ihre Bedürfnisse mitzuteilen, ebenfalls natürlich nur in symbolischer Form. Aber ihre Anstrengungen scheitern, Enttäuschungen, das Desinteresse der Umwelt, führen schließlich zu Jos Desillusionierung.

Jenny kleidet diese Geschichte des Erwachsenwerdens in eindringliche, doch niemals aufdringliche Bilder, die beim Leser noch lange nachwirken. --Kathrin Rüstig

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 47 Bewertungen)

anders, aber schön und gefühlvoll geschrieben      5 von 5 Punkten
Ein beeindruckendes Debüt. Ein mit sehr viel Einfühlungsvermögen geschriebenes Buch über das Erwachsenwerden eines jungen Mädchens und seiner diesbezüglichen Probleme, die Resultat aus den kaum vorhandenen emotionalen Beziehungen zwischen ihr und ihren geschiedenen Eltern sind.

Diese Leere versucht sie - vergeblich - zu füllen, findet sich letztendlich doch, obwohl sich ihre, auf sich selbst bezogenen Eltern ihr keinen Deut dabei helfen. Die kurzen Episoden wechseln von Vergangenheit in die Gegenwart, von Träumen zu Wunschvorstellungen und ergeben nach und nach eine mosaikmäßig präsentierte Geschichte eines einsamen, sehr allein gelassenen Menschen, der sich trotzdem findet.

Zoe Jenny hat einen eigenen, für eine Debütantin ausgesprochen ausgereiften, selbstbewussten Stil, der fesselt. Viel wird mit Phantasiebildern, Metaphern und Träumen vom Innenleben der Protagonistin erzählt, was allerdings den Leser zum konzentrierten Lesen zwingt.

Chapeau!


 Weitere Lesermeinungen



Die Unvollendeten: Roman - Reinhard JirglDie Unvollendeten: Roman
Reinhard Jirgl

Broschiert, Januar 2007
     Verkaufsrang: 70421      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 10,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Eine sprachlich eindrucksvolle Familiensaga und ein literarisch dichter Roman über Heimat und Exil.
»30 Minuten Zeit - mit höchstens 8 Kilo Gepäck pro Person - am Bahnhof sich einzufinden - diejenigen, die gegen diesen Befehl verstoßen, werden nach den Kriegsgesetzen bestraft. « Sommerende 1945. Die tschechischen Behörden nehmen ihre Vertreibungen vor, und die deutsche Minderheit flieht aus dem Sudetenland. Vier Frauen - die einzigen Mitglieder einer großen Familie, die den Krieg überlebt haben - stehen im Mittelpunkt: Johanna, deren Töchter Hanna und Maria sowie die siebzehnjährige Enkelin Anna. Ihre Geschichte der Vertreibung, der Verlust der Heimat, die Entwurzelung und das neue Leben in der Fremde - in einem kleinen ostdeutschen Dorf Nahe der Zonengrenze - bis in die Gegenwart des Jahres 2002 in Berlin läßt Jirgl auch den Urenkel erzählen. Er trägt zusammen, was ihm Mutter, Großmutter, Großtante und Urgroß-mutter erzählt haben, um endlich auch sich selbst zu verstehen.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Unerträglich      1 von 5 Punkten
Mag ja sein, dass der Autor ganz talentiert ist - das Problem ist aber, bei dieser unmöglichen Art von Rechtschreibung legt man nach spätestens 10 Seiten das Buch völlig entnervt zur Seite. Man hat doch im Allgemeinen besseres zu tun, als sich durch wie Kraut und Rüben verteilte Satzzeichen und verquere Rechtschreibung zu quälen, und möge der Text noch so gut sein. Gäbe es die Möglichkeit, keinen Stern zu geben, hätte ich das getan!

Macht Geschichte eindrucksvoll erlebbar      4 von 5 Punkten
Das Buch habe ich in wenigen Tagen ausgelesen, wobei die erste Hälfte flüssiger geschrieben ist als die Zweite.
Es hat mir die Verhaltensweisen meiner Großväter- und Vätergeneration verständlich werden lassen weil in unserer Familie über das Trauma Vertrieben sein und in der "Fremde" Fuß-fassen-müssen niemals so offen geredet wurde.-Insofern eigentlich 5 Sterne.
Die eigenwillige Rechtschreibung erschweren das Lesen sehr. Außerdem wird es in einigen Kapiteln erst recht spät klar, wer der jeweilige Ich-Erzähler ist. Dabei leidet m.E. das Verständnis des Inhalts sehr. Daher einen Stern Abzug.


Kartongeschichte - Helmut KrausserKartongeschichte
Helmut Krausser

Gebundene Ausgabe, März 2007
     Verkaufsrang: 231112      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 18,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen



Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

So muss es sein - kurz, schnell und gut!      5 von 5 Punkten
Auch ich wunderte mich zunächst über das kleine Büchlein, das mir der Postbote brachte ... und verliebte mich schnell. Wer behauptet denn, dass ein Kunstwerk groß sein müsse? Die Kartongeschichte ist ein kurzes, schnelles Spiel, das den Leser mit sich reißt; am Ende der Eindruck, dass man den Strudel, in den Eri mitgerissen wird, wohl stärker empfand als Eri selbst ...

Dies sei kein "typischer Krausser", mag so mancher behaupten. Ich behaupte: und gerade deshalb gut.

gute reise!      5 von 5 Punkten
dieses buch eignet sich perfekt für eine zweistündige zugfahrt, denn keine minute länger hatte ich an diesem romänchen zu lesen. und auch wenn die enttäuschung über dieses verdammt kurze vergnügen wirklich erst mal groß ist, kann man auch erleichtert feststellen, dass man diese tolle geschichte immer und immer wieder lesen kann, immer mit dem gleichen seligen grinsen im gesicht.

Kurz - und sehr gut!      5 von 5 Punkten
Nach "Eros" ist Helmut Krausser wieder ein exzellentes Stück Literatur gelungen. Die Kürze der Erzählung mag den Anschein erwecken, dass die "Kartongeschichte" lediglich eine kleine "Fingerübung" zwischen zwei Romanen ist. Diese - irrige - Annahme wird dadurch unterstützt, dass die Geschichte in der kleinen, aber feinen mare-bibliothek erschienen ist.
Doch die "Kartongeschichte" bietet auf nur wenigen Seiten das ganze Panoptikum des Erzählkosmos' Helmut Kraussers. Liebe, Leidenschaft und Tod treffen auf eine seltsame Gruppe von jungen Menschen, die im Leben keinen Halt mehr haben und daraufhin ganz eigentümliche Wahlverwandtschaften eingehen. Skurril bleibt die Geschichte allemal - selbst beim versöhnlichen Ende.


Magazine - Adam GreenMagazine
Adam Green

Taschenbuch, Februar 2005
     Verkaufsrang: 123310      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Man hat sich daran gewöhnt -- zumindest glaubt man es --, dass ein großer Teil der Prosa, die sich im Umfeld neuester Musik und ihrer Stars entwickelt, vom Pathos der schamlosen Übertreibung getränkt sein muss. Der hart gesottene Kritiker (oder der abgehärtete Leser) wird daher kaum zusammen zucken, wenn er die recht vollmundigen Klappentexte liest, mit denen das dünne Bändchen beworben wird, das Adam Green unter dem ziemlich unprätentiösen Titel magazine (man beachte die lässige Kleinschreibung!) zusammen gestellt hat. Green gilt gemeinhin als Wunderkind der New Yorker Szene, als genialischer Liedermacher und urbaner Smart-Poet, der großflächig das Erbe von Bob Dylan, Arthur Rimbaud, Allen Ginsberg, Rolf Dieter Brinkmann und Guillaume Apollinaire angetreten hat -- weswegen man ihm sein begrenztes Gitarrenspiel verständlicherweise verzeihen sollte.

Nun mag sein, dass Greens dichterische Ergüsse unaufdringlich oder gar interessant wirken, wenn sie von charmant dilletierenden Musikdarbietungen abgefedert werden. Ohne jegliche Schutzhülle jedoch erweist sich die Dichterei des Jungpoeten als typisches Beispiel jener entlarvenden Form der expressionistischen Lyrik, die irgendwie noch zu jeder Pubertät gehört. Mit dem Unterschied, dass die meisten von uns diese kurze intensive Schaffensphase hormongesteuerter Kreativität nach einer Schamfrist allenfalls den eigenen Enkeln zumuten würde -- auf keinen Fall jedoch einer breiten Öffentlichkeit.

Was also soll man dazu sagen, zu dem 'Langgedicht' mit dem Titel "Die Blumen des Kapitalismus" oder zu den "8 Seiten für Allah", die wie alle anderen Texte des Green'schen Magazins vor allem der Logik enthemmter Assoziation in der Abwesenheit poetischer Grundkenntnisse gehorchen, und in denen die Erwartungen, die der Leser möglicherweise vom Titel her entwickelte, auf geradezu schamlose Weise gegen die Wand gefahren werden -- was soll man dazu sagen? Am besten gar nichts -- oder zumindest dies: gebt Thomas Meineke bessere Texte und rettet ihn vor Scharlatanen wie Adam Green. --Peter Schneck

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)

sowasmussmanmalgelesenhaben!      4 von 5 Punkten
fragen über fragen...auch antworten? mancheiner mag sie in diesem buch finden...also wieso sich nicht einfach mal zu gemüte führen? schaden kanns ja nich...ganz im gegenteil: es ist sehr lustig zu lesen und erzeugt viele glückshormone :P
außerdem: wieviele verrückte künstler gibt es denn heute noch, die nicht nur mit dem strom schwimmen sondern auch mal ihr eigenes ding durchziehen? richtig! fast keine mehr.... wer etwas derbere texte nich verträgt kann sich ja die songs von britney spears oder jessica simpson anhörn ;)
an alle anderen: viele grüße!


 Weitere Lesermeinungen



Neue Leben - Ingo SchulzeNeue Leben
Ingo Schulze

Gebundene Ausgabe, Oktober 2005
     Verkaufsrang: 65830      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 24,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Ingo Schulzes Roman Neue Leben ist hoch romantisch. Das gilt nicht nur für die Herausgeberfiktion des Untertitels -- Die Jugend Enrico Türmers in Briefen und Prosa. Herausgegeben, kommentiert und mit einem Vorwort versehen von Ingo Schulze --, die man aus vielen Romanen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kennt. Das gilt auch für den Glauben an das Glück des Schreibens, der den Protagonisten inmitten der Ungerechtigkeit der DDR schon in der Jugend in der Provinz überfällt. Das gilt für den Glauben in die Macht der Phantasie, die Mauern zum Einsturz bringen kann -- ein Glauben, in den sich Türmer einigelt wie in einen Elfenbeinturm. Und das gilt für die Kraft wahrhaft mephistotelischer Verführungskunst, der sich der Held nach dem tatsächlichen Fall der Mauer 1989 ausgesetzt sieht. Der inneren Widerstands-Immigrant und desillusionierte Überzeugungs-Ossi aus Altenburg wird dank der Mithilfe eines humpelnden Aushilfsteufels namens Clemens von Barrista zum Kapitalisten ersten Ranges, der zwar weiter Texte produziert, bezeichnenderweise aber als Chef eines Anzeigenblättchens, das den Grundstock bildet für sein späteres Medienimperium: Eine deutsch-deutsche Karriere, die Schulze in großartiger Manier als klassischen Briefroman erzählt.

Sieben Jahre haben Fans von Ingo Schulze auf ein neues Buch warten müssen nach dem sensationell guten Roman Simple Storys, immer wieder mit Hoffnung gefüttert durch Vorabveröffentlichungen in Zeitungen oder durch Live-Lesungen längerer Passagen. Das Warten hat sich gelohnt. Denn Neue Leben ist mit 800 Seiten nicht nur unglaublich dick und episch breit, sondern auch schlichtweg großartig geschrieben. Auch wenn die Fußnoten Schulzes beizeiten allzu lehrmeisterlich daherkommen und der viel zu lang geratene Anhang mit angeblich verworfenen Texten Türmers sich wohl als Sammlung mit verworfenen Texten Schulzes entpuppt, die besser verworfen geblieben wären, ist Neue Leben trotzdem jener Wende- und Wendehals-Roman, auf den alle seit langem gewartet haben. Dass er so autobiographisch angehaucht daher kommt, gibt ihm einen weiteren, verführerischen Reiz. --Stefan Kellerer

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 21 Bewertungen)

Wunderbar trostlos      5 von 5 Punkten
Ich möchte dieses Buch jedem ans Herz legen. Allen die dabei waren, um sich zu erinnern. Allen die davon gehört haben, um zu verstehen. Der Roman liest sich wie im Rausch und ist von größerem Realismus, als es die Wenderealität vielleicht je gewesen sein mag: lachhaft simpel und wunderbar trostlos, albtraumhaft und grotesk, logisch und unfassbar zugleich. Man kommt fast in Versuchung nach den Figuren des Buches zu googeln, so als würde es sie wirklich geben müssen! Sie leben heute in unserer Nachbarschaft weiter oder wir in den Geschichten dieses Buches. Ich persönlich kannn im Grunde alles, was Ingo Schulze beschreibt so oder sehr ähnlich beglaubigen. Und erschrecke doch wieder beim lesen.


 Weitere Lesermeinungen



Ein Leben auf der Flucht vor der Koralle: Schließ einfach die Augen und stell Dir vor, ich wäre Heinz Kluncker - Max GoldtEin Leben auf der Flucht vor der Koralle: Schließ einfach die Augen und stell Dir vor, ich wäre Heinz Kluncker
Max Goldt

Taschenbuch, August 2004
     Verkaufsrang: 34081      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Dies ist die erweiterte Version eines Buches, das früher ganz anders hieß!
Es enthält Texte, die stark überwiegend aus der ersten Hälfte der neunziger Jahre stammen - Prosa, Dialoge und Szenen und nicht etwa "Kolumnen", wie Löli und Dodel vermuten würden.
Was gut gefällt:
- Die rot-blaue Luftmatratze
- Krieg der Mädchenschweigekreise
- Zischelnde Mädchen im deutschsprachigen Teil Belgiens
- Aus Herrn Eibuhms Badezimmerradio
- Drei bettlägerige ukrainische Tingeltangeltänzerinnen
- Oma Lüneburg trinkt keinen Sprudel
und vor allem:
- Die Textfassung von "Ein Leben auf der Flucht vor der 'Koralle'", des Hörspiels des Bayerischen Rundfunks( man wird bemerken, daß Ruth Frau, die im Hörspiel Lieder ihres verstorbenen Mannes David de München spielt, die entsprechende CD in der gedruckten Version zu Hause liegen gelassen hat).
Dieses Buch enthält nur eine einzige Illustration, und zwar von Rattelschneck!


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Max Goldt hasst Frauen...      4 von 5 Punkten
Irgendwie sind es immer wieder diese fiktiven Interviews in denen Max G. seiner besonderen Liebe zum schönen aber schwachen Geschlecht Ausdruck verleiht. In einem Alltag in dem man immer weniger über die vermeintlich bessere Hälfte der Menschheit klagen kann, ein interessanter Kontrapunkt.
Eines meiner liebsten Stücke ist ohne Zweifel das Radiointerview mit Fr. Rot Frau. Die Wortwahl, die Szene, die ****dumme Interviewpartnerin... ich habe mich mehr als einmal über den Jordan gelacht. Es TRIFFT DEN NAGEL der Art auf den Kopf, das einem der Daumen wehtun möchte. Strittiges Thema hier "die Mädchenschweigekreise", meiner Meinung nach eine gelungene Persiflage gleichzeitig auf die Inhaltlosigkeit der heutigen Jugend, als auch den Unterstützung und Stiftungswahn in unserer Republik. Sicher nicht daaaasss beste von Max Goldt, aber sicher sehr Lesenswert. Toll auch die Hörbuchreihe.


 Weitere Lesermeinungen


Der große Bagarozy - Helmut KrausserDer große Bagarozy
Helmut Krausser

Taschenbuch, Februar 1999
     Verkaufsrang: 25609      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

In der Praxis der Psychiaterin Cora taucht ein merkwürdiger junger Mann auf, Stanislaus Nagy. Er erzählt Cora von nächtlichen Visionen, in denen ihm Maria Callas erscheint. Eine harmlose Marotte, glaubt Cora zuerst. Doch dann behauptet Nagy plötzlich, der leibhaftige Teufel zu sein und zu Lebzeiten der Callas deren Schicksal bestimmt zu haben. Immer bizarrer werden seine Ausführungen, und doch fühlt sich Cora mehr und mehr zu diesem eigentümlichen Patienten hingezogen.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)

Krausser schreibt ganz großartig      5 von 5 Punkten
Ich liebe diese wirren Geschichten, die den mentalen Film mit der ersten Seite ankurbeln und bis zur letzten Seite nicht abklingen lassen.

Auf Helmut Krausser wurde ich vor Jahren durch eine Literaturzeitschrift aufmerksam und in der Folge las ich einige Bücher von ihm. Krausser schreibt wunderbar unbeschwert, geradlinig, so, wie sich's für diese Zeit gehört, also durchaus auch deftig und sehr direkt.

Ein amüsantes Buch, das ich sicher immer wieder in die Hände nehmen werde.


 Weitere Lesermeinungen


Agnes - Peter StammAgnes
Peter Stamm

Broschiert, September 2006
     Verkaufsrang: 93405      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Im überheizten Lesesaal der Public Library in Chicago wechseln sie die ersten Blicke, bei einem Kaffee die ersten Worte:
er, ein Schweizer, der über amerikanische Luxuseisenbahnwagen recherchiert, sie, eine amerikanische Physikstudentin, die ihre Dissertation schreibt. Sie gehen zusammen essen, machen Ausflüge in die nahegelegenen Wälder oder spazieren am Lake Michigan entlang.
Eines Tages fordert die junge Frau ihn auf, eine Geschichte über sie zu schreiben, damit sie sieht, was er von ihr hält. Schnell zeigt sich, daß Bilder und Wirklichkeit sich nicht entsprechen - und daß die Phantasie immer mehr Macht über ihre Liebesbeziehung erhält.
Peter Stamms Debütroman machte bei seinem Erscheinen Furore: Man verglich den jungen Schweizer mit Max Frisch, sein Buch wurde von der Kritik einhellig bejubelt, mehrfach preisgekrönt und stand monatelang auf der SWR-Bestenliste.




Ruf! Mich! An! - Else BuschheuerRuf! Mich! An!
Else Buschheuer

Taschenbuch, 2004
     Verkaufsrang: 187786     

Bei Amazon direkt z.Zt. nicht lieferbar,   Bei anderem Anbieter bestellen

Paprika sieht gut aus, hat Erfolg und ist ziemlich neurotisch. Mensch und Tier sind ihr ein Gräuel. Im Kampf um Parkplätze und gegen die grassierende Broilerisierung Berlins helfen nur Valium und eine geladene Knarre. Im Kampf gegen das Unglücklichsein hilft nur tabuloser Sex mit einem geheimnisvollen, gefährlichen Liebhaber.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 134 Bewertungen)

selten so gelacht      5 von 5 Punkten
wer sich elke buschheuer als wetterfee bei pro 7 eingeprägt hat, denn das war sie ja mal, und daher etwas unsicher ihr buch in die hand nimmt, wird entweder schockiert oder völlig begeistert sein. der wetterjob gab ihr wahrscheinlich den finaziellen freiraum dieses wunderbar sarkastische buch zu schreiben. ein buch zum superschnellen durchlesen, denn weglegen kann man es eh nicht, ein buch zum totlachen, ein buch mit themen, die jeder kennt, aber so noch nie erlebt oder betrachtet hat.
genial !!


 Weitere Lesermeinungen


Thanatos - Helmut KrausserThanatos
Helmut Krausser

Taschenbuch, März 1998
     Verkaufsrang: 109248      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 12,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Konrad Johanser, ein von der Romantik besessener Wissenschaftler, ist auf Abwege geraten. Er hat Fälschungen von Texten vorgenommen und seinem Arbeitgeber, dem Institut für deutsche Romantik in Berlin, zu neuem Renommee verholfen. Ehe man ihm auf die Schliche kommt, zieht sich Johanser in ein Dorf auf der schwäbischen Alb zurück, nistet sich bei Verwandten ein. Als er erfährt, daß man nach ihm fahndet, wird das Dorf zum Versteck. Doch der Alltag in der Provinz wird...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)

Von der Macht der richtigen Worte...      5 von 5 Punkten
Vielleicht gibt es für jeden Menschen den perfekten Autoren. Der, wenn man das Glück hat, ihn zu entdecken, wie ein guter Freund sein kann. Der einem aus dem Herzen spricht. Dessen Bücher so vertraut erscheinen, als hätte man sie selbst geschrieben oder die in ihnen klar ausgedrückten Gedanken und Stimmungen doch zumindest geträumt, gefühlt, geahnt.

Noch heute kann ich ihn spüren, diesen einzigartigen Schauder, der mich in jenem Sommer vor mittlerweile über zehn Jahren ergriff. Nie hatte das geschriebene Wort größere Macht über mich - nie zuvor und niemals wieder war Literatur so groß, so ekstatisch. Man mag sich wundern über den hohen Ton dieser Zeilen, doch kein anderer genügt, um dem geneigten Leser die Faszination von Thanatos nahe zu bringen. Stellvertretend für das unendlich-schöne Oeuvre eines streitbaren, immer-alles-wollenden Schriftstellers.

Thanatos, der titelgebende griechische Todesgott, medizinisch auch der Todestrieb, thront im Titel und am Anfang dieses Romans, wie er seit Anbeginn der Zeiten existiert. Im Spannungsfeld der entmutigenden Weitläufigkeit Berlins und der bedrückend-heimeligen Idylle eines schwäbischen Städtchens entwirft Krausser eine faszinierend-aktuelle und doch ganz eigene, aus aller Zeitlichkeit fallende Welt. Mit einem Protagonisten, der durch seinen kaputten, sympathisch-kruden Charakter gleichzeitig unheimlich anziehend - und durch seine Taten unfasslich fremd erscheint: Konrad Ezechiel Johanser. Dem Alkohol verfallen, sich romantischen Tagträumen von einer anderen, besseren Realität, seinem Sehnsuchtsland hingebend; durch das Element der Zeit auf undurchsichtige Weise mit Thanatos verbunden. Der ständig über allem schwebt ob als Idee, Vorstellung oder Personifikation, bleibt unklar beziehungsweise der Lesart jedes Einzelnen überlassen.

Konrad ist ein Getriebener, ein Anachronismus in der modernen Welt, die er nur im Rausch erträgt:

"Johanser schluckte RUTARETIL, ein bittersüßes, gefährliches Mittel, stimmte emphatisch oder depressiv, betrog niemals, verstärkte den Zustand des Gemüts bis ins Extrem."

Hier offenbart sich Johansers wahre Sucht, seine Berufung, seine Leidenschaft - und wer jetzt gleich zum Dealer seines Vertrauens laufen will, Stichwort Palindrom.

Unfähig selbst kreativ tätig zu werden, entmutigt von gescheiterten Versuchen seinen literarischen Helden nachzueifern, verlegt er sich auf die Kunst der Kalligraphie, imitiert die verschiedenen Handschriften längst verblichener Dichter in den Archiven des Instituts für Romantik in Berlin, manipuliert und verfälscht das Bild einer ganzen Epoche, indem er seine aufsehenerregenden "Funde" publiziert. Aufgewacht aus diesem Fiebertraum erkennt er das ganze Ausmaß seines Tuns; aus Angst vor Entdeckung des Betrugs ergreift er die Flucht. In exzessiven Nächten voller Schuldgefühl und Verfolgungswahn werden tatsächliche, ganz handgreifliche Gräueltaten angedeutet - doch irgendwie kann man diesem paranoiden, hinterlistigen, liebenswerten Bösewicht einfach nie so richtig böse sein.

Dieses "Schwarze Buch", wie es im Untertitel heißt, ist vieles: Psychologisches Verwirrspiel mit komplexem, nie ganz zu durchschauendem (Anti-)Helden; Spiegelbild der Romantik, ihrer Ideengeschichte, ihrer Hybris durch die Augen eines Schmerzlich-Zu-Spät-Geborenen; Arsenal wunderschönster Zitate zahlreicher (romantischer) Autoren, das den Leser ganz unmittelbar an der Droge des Wortes teilhaben lässt. Und noch so viel mehr.

Wer sich traut, wird reich beschenkt mit einem Roman, dessen Ambition, Sprache und Struktur zwar dem Vorbild der Romantik stets verwandt bleibt, ohne dabei jedoch jemals in Epigonentum oder gar Redundanz zu erstarren. Ein modernes Buch, trotz allem. Mutig, kühn, gekonnt. Wert, mehr als nur einmal entdeckt zu werden.

Und zuweilen von grausamer Schönheit:

"Je länger ich hinsah, desto schöner wurde das Furchtbare auch. Je länger ich hinsah."


 Weitere Lesermeinungen


Agnes - Peter StammAgnes
Peter Stamm

Broschiert, September 2006
     Verkaufsrang: 93405      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Im überheizten Lesesaal der Public Library in Chicago wechseln sie die ersten Blicke, bei einem Kaffee die ersten Worte:
er, ein Schweizer, der über amerikanische Luxuseisenbahnwagen recherchiert, sie, eine amerikanische Physikstudentin, die ihre Dissertation schreibt. Sie gehen zusammen essen, machen Ausflüge in die nahegelegenen Wälder oder spazieren am Lake Michigan entlang.
Eines Tages fordert die junge Frau ihn auf, eine Geschichte über sie zu schreiben, damit sie sieht, was er von ihr hält. Schnell zeigt sich, daß Bilder und Wirklichkeit sich nicht entsprechen - und daß die Phantasie immer mehr Macht über ihre Liebesbeziehung erhält.
Peter Stamms Debütroman machte bei seinem Erscheinen Furore: Man verglich den jungen Schweizer mit Max Frisch, sein Buch wurde von der Kritik einhellig bejubelt, mehrfach preisgekrönt und stand monatelang auf der SWR-Bestenliste.




Ruf! Mich! An! - Else BuschheuerRuf! Mich! An!
Else Buschheuer

Taschenbuch, 2004
     Verkaufsrang: 187786     

Bei Amazon direkt z.Zt. nicht lieferbar,   Bei anderem Anbieter bestellen

Paprika sieht gut aus, hat Erfolg und ist ziemlich neurotisch. Mensch und Tier sind ihr ein Gräuel. Im Kampf um Parkplätze und gegen die grassierende Broilerisierung Berlins helfen nur Valium und eine geladene Knarre. Im Kampf gegen das Unglücklichsein hilft nur tabuloser Sex mit einem geheimnisvollen, gefährlichen Liebhaber.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 134 Bewertungen)

selten so gelacht      5 von 5 Punkten
wer sich elke buschheuer als wetterfee bei pro 7 eingeprägt hat, denn das war sie ja mal, und daher etwas unsicher ihr buch in die hand nimmt, wird entweder schockiert oder völlig begeistert sein. der wetterjob gab ihr wahrscheinlich den finaziellen freiraum dieses wunderbar sarkastische buch zu schreiben. ein buch zum superschnellen durchlesen, denn weglegen kann man es eh nicht, ein buch zum totlachen, ein buch mit themen, die jeder kennt, aber so noch nie erlebt oder betrachtet hat.
genial !!


 Weitere Lesermeinungen


Thanatos - Helmut KrausserThanatos
Helmut Krausser

Taschenbuch, März 1998
     Verkaufsrang: 109248      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 12,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Konrad Johanser, ein von der Romantik besessener Wissenschaftler, ist auf Abwege geraten. Er hat Fälschungen von Texten vorgenommen und seinem Arbeitgeber, dem Institut für deutsche Romantik in Berlin, zu neuem Renommee verholfen. Ehe man ihm auf die Schliche kommt, zieht sich Johanser in ein Dorf auf der schwäbischen Alb zurück, nistet sich bei Verwandten ein. Als er erfährt, daß man nach ihm fahndet, wird das Dorf zum Versteck. Doch der Alltag in der Provinz wird...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)

Von der Macht der richtigen Worte...      5 von 5 Punkten
Vielleicht gibt es für jeden Menschen den perfekten Autoren. Der, wenn man das Glück hat, ihn zu entdecken, wie ein guter Freund sein kann. Der einem aus dem Herzen spricht. Dessen Bücher so vertraut erscheinen, als hätte man sie selbst geschrieben oder die in ihnen klar ausgedrückten Gedanken und Stimmungen doch zumindest geträumt, gefühlt, geahnt.

Noch heute kann ich ihn spüren, diesen einzigartigen Schauder, der mich in jenem Sommer vor mittlerweile über zehn Jahren ergriff. Nie hatte das geschriebene Wort größere Macht über mich - nie zuvor und niemals wieder war Literatur so groß, so ekstatisch. Man mag sich wundern über den hohen Ton dieser Zeilen, doch kein anderer genügt, um dem geneigten Leser die Faszination von Thanatos nahe zu bringen. Stellvertretend für das unendlich-schöne Oeuvre eines streitbaren, immer-alles-wollenden Schriftstellers.

Thanatos, der titelgebende griechische Todesgott, medizinisch auch der Todestrieb, thront im Titel und am Anfang dieses Romans, wie er seit Anbeginn der Zeiten existiert. Im Spannungsfeld der entmutigenden Weitläufigkeit Berlins und der bedrückend-heimeligen Idylle eines schwäbischen Städtchens entwirft Krausser eine faszinierend-aktuelle und doch ganz eigene, aus aller Zeitlichkeit fallende Welt. Mit einem Protagonisten, der durch seinen kaputten, sympathisch-kruden Charakter gleichzeitig unheimlich anziehend - und durch seine Taten unfasslich fremd erscheint: Konrad Ezechiel Johanser. Dem Alkohol verfallen, sich romantischen Tagträumen von einer anderen, besseren Realität, seinem Sehnsuchtsland hingebend; durch das Element der Zeit auf undurchsichtige Weise mit Thanatos verbunden. Der ständig über allem schwebt ob als Idee, Vorstellung oder Personifikation, bleibt unklar beziehungsweise der Lesart jedes Einzelnen überlassen.

Konrad ist ein Getriebener, ein Anachronismus in der modernen Welt, die er nur im Rausch erträgt:

"Johanser schluckte RUTARETIL, ein bittersüßes, gefährliches Mittel, stimmte emphatisch oder depressiv, betrog niemals, verstärkte den Zustand des Gemüts bis ins Extrem."

Hier offenbart sich Johansers wahre Sucht, seine Berufung, seine Leidenschaft - und wer jetzt gleich zum Dealer seines Vertrauens laufen will, Stichwort Palindrom.

Unfähig selbst kreativ tätig zu werden, entmutigt von gescheiterten Versuchen seinen literarischen Helden nachzueifern, verlegt er sich auf die Kunst der Kalligraphie, imitiert die verschiedenen Handschriften längst verblichener Dichter in den Archiven des Instituts für Romantik in Berlin, manipuliert und verfälscht das Bild einer ganzen Epoche, indem er seine aufsehenerregenden "Funde" publiziert. Aufgewacht aus diesem Fiebertraum erkennt er das ganze Ausmaß seines Tuns; aus Angst vor Entdeckung des Betrugs ergreift er die Flucht. In exzessiven Nächten voller Schuldgefühl und Verfolgungswahn werden tatsächliche, ganz handgreifliche Gräueltaten angedeutet - doch irgendwie kann man diesem paranoiden, hinterlistigen, liebenswerten Bösewicht einfach nie so richtig böse sein.

Dieses "Schwarze Buch", wie es im Untertitel heißt, ist vieles: Psychologisches Verwirrspiel mit komplexem, nie ganz zu durchschauendem (Anti-)Helden; Spiegelbild der Romantik, ihrer Ideengeschichte, ihrer Hybris durch die Augen eines Schmerzlich-Zu-Spät-Geborenen; Arsenal wunderschönster Zitate zahlreicher (romantischer) Autoren, das den Leser ganz unmittelbar an der Droge des Wortes teilhaben lässt. Und noch so viel mehr.

Wer sich traut, wird reich beschenkt mit einem Roman, dessen Ambition, Sprache und Struktur zwar dem Vorbild der Romantik stets verwandt bleibt, ohne dabei jedoch jemals in Epigonentum oder gar Redundanz zu erstarren. Ein modernes Buch, trotz allem. Mutig, kühn, gekonnt. Wert, mehr als nur einmal entdeckt zu werden.

Und zuweilen von grausamer Schönheit:

"Je länger ich hinsah, desto schöner wurde das Furchtbare auch. Je länger ich hinsah."


 Weitere Lesermeinungen


In fremden Gärten - Peter StammIn fremden Gärten
Peter Stamm

Taschenbuch, Oktober 2005
     Verkaufsrang: 201431      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Wir erinnern uns an Agnes, an Blitzeis und an Ungefähre Landschaft. In fremden Gärten, der neueste Erzählband des Winterthurer Autors Peter Stamm, wird uns nicht enttäuschen, er bleibt seinem trockenen, fast spröden Stil treu. Stamms Blick auf die Welt ist ein kühler, er sieht die Tristesse des Lebens deutlicher als die Gaudi, er spart an Worten und gewinnt dadurch an Klarheit. Stamm ist ein Stilist.

Die Titelgeschichte beispielsweise ist ein tragisches Familienopus auf wenigen Seiten, dann wieder hat einer, ein Stuntman, einfach nur Pech, dann flüchtet einer vor den Töchtern des Dr. Kennedy, die allzu treu umsorgend sich um ihn bemühten. In Stamms Geschichten ist fast immer ein Abschied dabei. Abschied von der Kindheit und von Träumen, Abschied von der Normalität, Abschied auch von der Liebe, was immerhin bedeutet, dass sie einmal da war. Und manchmal geht es auch den umgekehrten Weg, etwa wenn Inger sich plötzlich neben ihren alten Vater ins Bett legt, doch auch dies ist bereits wieder ein Abschied.

So ernst die Geschichten auch daher kommen, so sind sie doch nicht ohne feinen Humor mit zuweilen überraschendem Ende und treffender Selbstironie. "Yoslana hat sich ein bisschen in dich verliebt. Ich habe ihr geraten, mit dir zu schlafen. Damit das aufhört." Damit hat der verliebte Freund bestimmt nicht gerechnet. --Martin Walker

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)

Einzelschicksale auf der Durchreise      4 von 5 Punkten
Peter Stamm erzählt in seinem Erzählband von Menschen im Alltag. Sie stehen mitten drin oder am Rande der Gesellschaft und sind irgendwohin unterwegs. Am besten gefallen haben mir die Geschichten «Die brennende Wand» (Artistenliebe), «Wie ein Kind, wie ein Engel» (wunderbarer Aufbau und Schicksalsgeschichte), «Der Aufenthalt» (eine Kurzgeschichte im wahrsten Sinne) und «Das Experiment» (Liebe ohne Sex?). Seine Sprache ist schnörkellos und auf das Wesentliche beschränkt. Manchmal wünschte ich mir mehr Tiefe bzw. längere Geschichten über die einzelnen Menschen. Auch sind nicht alle Geschichten in sich stimmig und packend. Deshalb «nur» 4 Sterne...


 Weitere Lesermeinungen



1979 - Christian Kracht1979
Christian Kracht

Gebundene Ausgabe, September 2001
     Verkaufsrang: 127493     

Bei Amazon direkt z.Zt. nicht lieferbar,   Bei anderem Anbieter bestellen

Christian Kracht reagiert angeblich allergisch auf das Wort "Pop". Komisch, denn immerhin hat er mit seinem Deutschlandreise-Roman Faserland vor sechs Jahren einen regelrechten Boom junger deutscher Popliteratur losgetreten. Inzwischen ist die Welle abgeflaut -- und es sieht so aus, als wolle nun niemand dabei gewesen sein. Sein Co-Modell Stuckrad-Barre macht ernste Literatur und der nach Bangkok exilierte Kracht schrieb eine ganze Weile nur Reiseglossen für die Welt am Sonntag.

Jetzt erscheint 1979, gewissermaßen das Come-back des Popliteraten wider Willen, ein erstaunliches Buch. Erstaunlich erst einmal, weil sich im Ton und in der Haltung auf den ersten Blick wenig geändert hat. Wieder geht ein obsessiv mit sich und seinen Kleidungsstücken beschäftigter "Ich-Ich-Ich-Erzähler" auf Reisen, nur diesmal eben nicht von Sylt an den Bodensee, sondern erst durchs revolutionsgeschüttelte Teheran und dann via Tibet nach China.

In Teheran dröhnt der Lärm von Panzern durch die Straßen, der Staatsstreich steht kurz bevor, doch der Erzähler interessiert sich vor allem für Innenarchitektur, insbesondere für "mit gestreifter brombeerfarbener Seide bezogene Empire-Chaiselongues". Krachts Blick auf die Welt ist der eines Dandys, der sich schnell einmal übergibt, wenn jemand im Park von "vier schwarzgekleideten bärtigen Männern" verprügelt wird und der sich sogar vor seiner eigenen Spucke ekelt. Für den deutschen Alltag zwischen Cocktailparty und Aldi-Kassenschlange war diese Wahrnehmung sehr produktiv, vor dem Hintergrund einer islamischen Revolution wirkt sie nur grotesk.

Natürlich wird es auf die Dauer langweilig, Kracht immerzu Nabelschau vorzuwerfen, und insofern ist es gut, dass der neue Roman auch eine existenziell-spirituelle Dimension bereit hält. Erst stirbt ein geliebter Freund, dann erhält die Hauptfigur von irgendwelchen Revolutionären den Auftrag, in China auf einen heiligen Berg zu steigen, um sich oder die Welt (so klar wird das nicht) zu heilen. Schließlich landet er in einem kommunistischen Straflager, wo ihn aber auch wieder hauptsächlich das Essen stört, das "heftige Blähungen" auslöst. Beim Lesen fragt man sich: Ist das Polit-Satire? Oder Literatur-Parodie? Wie gesagt: ein erstaunliches Buch, das einen ratlos zurücklässt. --Oliver Fuchs

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 46 Bewertungen)

sehr nah am Ideal      5 von 5 Punkten
Natürlich kann man die Dummheit des Erzählers kritisieren. Oder kann einem die düstere, selbstzerstörische Grundhaltung des Romans nicht gefallen.
Aber es gibt nur ganz wenige Bücher die mich so in Ihren Bann gezogen haben. Ich hatte das Gefühl das jedes Wort wichtig ist und genau im richtigen Satz im richtige Absatz steht. Selbst beim dritten oder vierten lesen fiel mir nichts ein was besser gemacht werden könnte.
Letztendlich gehört es in eine Rheihe mit jenen kleinen dünnen und sehr unterschiedlichen Stücken Literatur, die schlicht perfekt sind, wie Melvills "Bartelby", Stevensons "Schatzinsel", Bölls "Dr. Murkes gesammeltes Schweigen" oder Conrads "Herz der Finsternis".


 Weitere Lesermeinungen



Sehnsucht - Ilija TrojanowSehnsucht
Ilija Trojanow

Broschiert, März 2008
     Verkaufsrang: 142112      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Verwurzelt in der Tradition der muslimischen Sufis, weltoffen und von starker poetischer Anziehungskraft: Aus den spirituellen Texten des Schriftstellers spricht die Sehnsucht des Weltensammlers".



Ungefähre Landschaft - Peter StammUngefähre Landschaft
Peter Stamm

Gebundene Ausgabe, August 2001
     Verkaufsrang: 212966      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen.

Preis: € 18,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Nach dem Kurzgeschichtenband Blitzeis und seinem Erstling Agnes legt der junge Schweizer Peter Stamm nun seinen zweiten Roman vor. Ungefähre Landschaft beschreibt die Topografie einer weiblichen Seele. Und wie wir es von Peter Stamm kennen, ist die Landschaft eine kalte. In seinem neuen Roman sogar in zweifacher Hinsicht: Zum einen spielt die Geschichte in einem kleinen norwegischen Dorf nördlich des Polarkreises, zum anderen zeichnen sich die Figuren durch eine feine Eisschicht aus: Wie Eisblumen am Fenster legen sich die fein ziselierten Kristalle über ihre Persönlichkeit und ihre Liebesfähigkeit.

Kathrine: 28 Jahre alt, Zöllnerin, ein Kind aus erster Ehe, zum zweiten Mal verheiratet -- und auf dem Absprung. Die Liebe zu Thomas ist zum Scheitern verurteilt -- zu viele Lügen, zu wenig Licht, zu viele Wünsche, zu wenig Horizont. Kathrine bricht aus, besteigt ein Schiff, fährt nach Paris, besucht einen Bekannten -- und kehrt zurück ins Land, wo es lange dunkel bleibt.

Eine undramatische Geschichte, die jedoch von beklemmender Tiefe ist. Das Leben in der engen Gemeinschaft von Familie, Freunden, ehemaligen und aktuellen Liebhabern, die Besuche der russischen Seeleute im Hafen. Und als Gegensatz die Weite der übrigen Welt, in der Kathrine jedoch in ihrer eigenen Beschränkung gefangen bleibt. Und doch hat der kurze Ausflug etwas ausgelöst. Sie krempelt ihr Leben um, zieht mit Morten, ihrem dritten Mann, vom kleinen Dorf über dem Polarkreis weg. Das Ende der Geschichte ist der Anfang der Geschichte: "Es wurde Herbst und Winter. Es wurde Sommer. Es wurde dunkel, und es wurde hell."

Peter Stamm ist ein faszinierendes Stück Literatur gelungen. Wie schon in früheren Texten von ihm fällt dem Leser die Identifikation mit den Personen nicht leicht, ihre Präsenz ist jedoch nachhaltig, und immer wieder blitzen Momente des Romans im richtigen Leben auf. In Ungefähre Landschaft gönnt er sich auch die Zeit, die Figuren mit mehr Details zu zeichnen, als ihm das in den Skizzen von Blitzeis gelungen ist. --Martin Walker

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 15 Bewertungen)

Diffuses Licht      5 von 5 Punkten
Wie steht es um die Liebe bestellt in unserer Zeit? Die verliebt sind, werden antworten: bestens, die auf der Suche sind, sich für katastrophal entscheiden. Das war in den vergangenen Jahrhunderten nicht anders. Peter Stamm hat ein feines Gespür dafür, den Unterschied herauszustreichen. Sei es in dem profanen Mittel der Mails, über die sich ungeniert Bekanntschaften schließen, wenn nicht gar Affären anbändeln lassen, sei es in dem Gefühl übrig geblieben zu sein, etwas zu verpassen. Das Alleinerziehen hängt Kathrine zum Hals heraus. Neben der großen Hoffnung auf die einzig wahre Liebe prägt vor allem die Sehnsucht, den Alltag nicht mehr allein zu bewältigen, die überstürzte Sucht nach Kontakten zum anderen Geschlecht. Kathrine, Zöllnerin, achtundzwanzig hat ein Kind, lebt in einem Umfeld, das allzeit von Schnee bedeckt zu sein schneit, und findet sich nicht ab. Sie scheut nicht vorm Abenteuer zurück, nicht mal vor einer zweiten Ehe. Und doch bleibt sie empfindsam, ist nicht abgestumpft. Dass sie enttäuscht wird, erwartet man schon bald in der Geschichte. Peter Stamm beweist auch in diesem Roman, dass er die Sprache besitzt, seine Leser nicht nur in fremde Welten zu entführen, er geht auch hier mit seinen Figuren so liebevoll um, dass sie einem mit all ihren Eigenarten vertraut erscheinen. Die Atmosphäre stimmt nicht nur draußen in der Landschaft, auch in den Häusern, zwischen den Menschen. Wobei sich die Risse nicht zukleistern lassen. Ein wundervoll poetisches Buch, durch das man bis ans Ende gleitet.


 Weitere Lesermeinungen



Schule der Gewalt - Norbert NiemannSchule der Gewalt
Norbert Niemann

Taschenbuch, Mai 2003
     Verkaufsrang: 175384      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen.

Preis: € 10,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Grauen im Lehrerzimmer
"Reifezeugnis", so heißt ein "Tatort"-Klassiker, der Ende der 70er -- wohl auch dank der Reize einer damals blutjungen Nastassia Kinski -- zum Straßenfeger geriet. Ein heimliches Verhältnis zwischen Schülerin und Lehrer mit tödlichen Folgen. Die Realität hat den betulichen Krimi längst überholt: Nicht lange ist es her, dass die jugendlichen Trenchcoat-Mafiosi Eric Harris und Dylan Klebold im amerikanischen Littleton zwölf Mitschüler, einen Lehrer und anschließend sich selbst erschossen. Ein Horrorszenario, das weit mehr mit dem neuen Roman von Norbert Niemann zu tun hat, als der sich lasziv auf dem Buch-Cover räkelnde Backfisch.

Dennoch würde allein das, was an der Handlungsoberfläche des Romans geschieht, für ein flottes Stück Erzählliteratur reichen: Der geschiedene Enddreißiger Frank Beck, Lehrer für Deutsch und Geschichte, befindet sich privat wie beruflich in einer Sackgasse, die Schulpsychologen als Burn-out-Syndrom bestens bekannt ist. Die 17-jährige Nadja, zu der sich Beck magisch hingezogen fühlt, wird mehr und mehr zum Rettungsanker. Sollte es möglich sein, die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen, an der Beck verzweifelt, durch so etwas wie Liebe zu überwinden? Für Nadjas Clique wie für Becks Kollegen ist die seltsame Beziehung ein Unding. Nach ersten anonymen Drohungen dreht sich eine Spirale der Gewalt, an deren Ende Beck in einer quälenden Traumsequenz ein Stilett aufschnappen lässt.

Niemann verfügt souverän über seine erzählerischen Mittel, er beschreibt den Passionsweg seines Helden atmosphärisch dicht und spannend. Das ganz alltägliche Grauen in deutschen Lehrerzimmern, die hilflosen Bemühungen desillusionierter Alt-68er, die Codes und Rituale der Jugendlichen, latent in der Luft liegende Gewalt -- das Buch bietet eine ganze Fülle erzählerischer Kabinettstücke. Doch der Autor, der bereits mit seinem mit dem Bachmann-Preis gekrönten Debüt Wie man's nimmt (1998) den großen Generationenroman der 90er anpeilte, will auch diesmal mehr, schlimmer: Er will alles. Frank Beck, belesen und beredt, traktiert den Leser in seinem fast manischen Wunsch, zu verstehen "was ist, was abläuft, was hinter den Abläufen steckt", mit einer Art Dauerpredigt gegen die moderne Medien- und Spaßgesellschaft. Traut Niemann seinem erzählerischen Vermögen nicht? Bei all dem unentwegten Räsonieren und Reflektieren, Erläutern und Erklären drohen die Figuren zu bloßen Pappkameraden aus Ideologien, Fernsehbildern und gängigen Diskursen zu verkommen. Der Feind lauert überall: Schnell springt sich's da von der Prügelei auf dem Pausenhof zum Elend afrikanischer Kindersoldaten und Hitlers Werwölfen.

Als Mitbegründer des Internet-"Forums der 13" (www.forum-der-13.de) und Mitherausgeber des in diesem Gesprächszusammenhang entstandenen "Politik"-Hefts der Literaturzeitschtift Akzente (Ausgabe 3/2001) geht es Niemann um das heute noch mögliche Verhältnis von Politik und Literatur -- ein Thema, das nach dem absehbaren Ende des Popliteratur-Hypes wohl auf der Straße liegt. Seine adäquate Umsetzung im Roman bleibt Niemann, trotz besten Handwerks, noch schuldig. Wie meinte doch Ralf, der schwule Kunstlehrer, als er den Kollegen Beck in den Techno-Club BPM entführt: "Da kannst du was lernen, das ist was anderes als Zeitungsartikel und Fernsehbilder und wissenschaftliche Analysen, als deine ewigen Medien. Eben nix second hand, echte Eindrücke. Reality." --Niklas Feldtkamp

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Geniale Characterstudie      5 von 5 Punkten
Wahnsinn. Gerade fertig gelesen. Niemann's "Schule der Gewalt" fesselt bis zum Schluss.
Die bizarre Erzählweise, stilistisch sicher Meisterklasse und die gekonnte verstrickung von Realität und Gedanken, machen das Buch zu einer Reise in die Alltagswelt - auf gedanklicher Ebene irgendwie.
Das Buch handelt von dem Lehrer Beck, der versucht, die Welt in der er lebt, zu verstehen, seine Schüler zu verstehen... und scheitert.

Sollte man gelesen haben, vor allem als Lehrer... und Schüler.

 Weitere Lesermeinungen



Hotel Angst - John von DüffelHotel Angst
John von Düffel

Broschiert, Juni 2007
     Verkaufsrang: 30140      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Eine Fahrt Richtung Vergangenheit, nach Bordighera an der der italienischen Riviera, dahin, wo der Erzähler in Gedanken schon so oft gewesen ist, ins »Hotel Angst« – benannt nach seinem Besitzer Adolf Angst, ein Luxushotel der Jahrhundertwende, eine Titanic unter den mondänen Prachthotels dieser Welt. Hotel Angst erzählt die Geschichte eines magischen Ortes, bewohnt von seiner Vergangenheit und von der Erinnerung an den Vater, der davon träumt, das Hotel Angst wieder zu eröffnen.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Hotel Damals      5 von 5 Punkten
Eine hübsche kleine Erzählung über Träume, die sich verwirklichen lassen, und solche, die man nur träumt (aber das mit einer Perfektion, die eine Realisierung vielleicht sowieso unmöglich machen würde). Interessant ist auch der "Du-Erzähler", der den eigentlichen Erzähler in eine merkwürdig enge Distanz rückt - klingt schräg, aber so fühlt sich das auch an.

Der Erzähler jedenfalls begibt sich nach Bordighera, einem Ferienort an der italienischen Riviera, wo er mit seinen Eltern und seinem Bruder so manchen Sommer verbrachte. In diesen Sommern lebte sein Vater, eigentlich ein nüchterner Statiker, immer auf, denn er träumte davon, das Hotel Angst wiederzueröffnen. Dieses Hotel, benannt nach seinem einstigen Besitzer Adolf Angst, war ein prächtiges Luxusetablissement, bei dem sich die Haute Volée seinerzeit die Klinke in die Hand gab. Vielleicht kommt einem dieses sagenhafte Hotel beim Lesen selbst wie ein Sehnsuchtsort vor (weswegen man den Vater gut verstehen kann), weil es eine Mischung aller Nobelhotels zu sein scheint, von denen man je gehört hat, in denen man gern mal zu Gast gewesen wäre und deren Hoch-Zeit leider schon fast ein Jahrhundert zurückliegt.

Das kleine Buch erzählt sowohl die Geschichte des Hotels als auch die des Erzählers und vor allem die seines Vaters, den der Erzähler erst posthum näher kennen lernt.

Der Titel lässt an einen Horrorroman denken - denkste!      4 von 5 Punkten
Der kurze Roman "Hotel Angst" beschreibt die Suche eines Mannes nach der Identität seines Vaters.

Als Kind hat der Du-Erzähler einige Sommer in Ligurien im Urlaub verbracht. Der Vater, so erinnert er sich, war dann ein ganz anderer Mensch, nicht der graue Statiker, der seine Träume vom Architektenberuf für die Familie begraben hat. In den Ferien versuchte er an seinem Traum zu arbeiten, einer Wiedereröffnung des Jahrhundertwendehotels "Angst".

Nach dem Tod des Vaters reist der Sohn erneut an das alte Urlaubsziel, während der Bruder daheim die Haushaltsauflösung regelt. Er erkennt, dass er von seinem Vater nie alle Seiten gekannt hat. Er ist verblüfft, als ein Freund seines Vaters ihm einen Umschlag reicht, der die Vorarbeiten zu einem Roman über das Hotel "Angst" enthält, das den Vater lange Jahre beschäftigte. Sein Vater war kein Literat, aber doch ein Mensch, der in einer eigenen Welt lebte, der vergangenen, als der Tourismus in Italien begann und Engländer Ligurien als Fluchtort vor den Wintern auf der Insel entdeckten, die Ruhe suchten und sie damit zerstörten.

Den Roman durchzieht das Gefühl der Melancholie und das Bekenntnis zu Verfall. Er zeigt, wie nahe die Angst vor dem Tod und die Sehnsucht nach einer Idylle verwebt sind - und er beschreibt einen realen Ort im realen Italien mit seiner Geschichte.

Die Geschichte ist in einem Tonfall geschrieben, lakonisch, unaufgeregt, beinahe beiläufig, der dem Roman eine enorme Glaubwürdigkeit verleiht. Es spielt beim Lesen keine Rolle, ob der Roman autobiographische Elemente hat. Die geschilderte Familie ist alltäglich und auch der Erkenntnisprozess, dass man eine andere Person nur in einer ihrer Rollen kennenlernt, ist ein universelles, übertragbares. Das macht den Roman so lesenswert. Es ist keine Bewältigung einer schweren Kindheit, keine Psychostudie, sondern eine zum Denken anregende Abhandlung über die Frage, wie gut man Menschen kennen kann, selbst wenn sie nahe stehen.


Hellblau - Thomas MeineckeHellblau
Thomas Meinecke

Taschenbuch, Juli 2003
     Verkaufsrang: 30266      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,99 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Die Papierschere im Kopf
"Gleichzeitig mit dem Wagen von Federal Express treffe ich vor meiner Hütte ein und halte kurz darauf, vor Neugier fiebernd, einen ganzen Stapel vor wenigen Tagen bestellter, druckfrisch duftender Bücher in den Händen. Am liebsten würde ich alle zugleich durchlesen." Bücher, Broschüren, Websites, Booklets, Schallplatten, CDs -- in den Texten des Autors, Radio-DJs und Musikers Thomas Meinecke dreht sich fast alles ums Lesen und Hören. Obwohl auch Hellblau als Roman firmiert, wird man einen klassischen Plot und traditionelle Figurenpsychologie vergeblich suchen. Ein Autor, der nicht erfindet, sondern mitschreibt. Macht nichts: Meineckes Figuren entstehen durch die Texte und Platten, die sie konsumieren, über die sie sich, via E-Mail und Telefon, austauschen: Cordula, Zweitsemester an der Humboldt-Universität in Berlin korrespondiert mit Tillmann in North Carolina und Yolanda in Chicago, die beide für ein gemeinsames Buch über "racial cross dressing" recherchieren.

Wie seine Vorgänger The Church of John F. Kennedy und Tomboy kreist auch Hellblau um die Pluralisierung traditioneller Identitätskonstruktionen -- diesmal geht es Meinecke jedoch nicht vordergründig um die Veränderung deutscher Traditionen auf dem Boden der Neuen Welt oder "gender troubles", sondern um die Regeln, nach denen sich ethnische Identitäten aufbauen. "Was ist ein Europäer, Afrikaner, Amerikaner, der jüdische Mann?" Was, bitte, haben der transatlantische Sklavenhandel und die "Black Atlantic"-Theorie des englischen Kulturwissenschaftlers Paul Gilroy mit den Berichten über deutsche U-Boot-Wracks vor der Küste North Carolinas und den Platten des Detroiter Techno-Labels Underground Resistance zu tun? Was jüdische Idiome in den Rap-Texten der Beasty Boys mit der Geschichte der White Negroes -- weiße, oft jüdische Jazzmusiker, die in den Zwanzigern die schwarze Kultur lebten? Bietet die Antwort auf all diese Fragen am Ende einen veränderten Blick auf die Abschiebepraxis von Asylanten aus Deutschland und den Streit um die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern?

Einmal mehr hantiert Meinecke, seinen Protagonisten nicht unähnlich, lustvoll mit Papierschere und Kopierer. In bester Sampling-Manier werden Theoriefragmente und Produkte der Kulturindustrie auseinander geschnitten, neu zusammengesetzt und zu einem -­ trotz der auf den ersten Blick knochentrocken scheinenden Materie -- groovenden Text-flow arrangiert. Hellblau endet mit einem Empedokles-Fragment, das sich angeblich auch auf dem Grabstein Hubert Fichtes findet: "Einst bin ich ein Knabe, ich bin auch ein Mädchen gewesen, Busch und Vogel und Fisch, der warm aus dem Wasser emporschnellt." -­ Mit der Hommage an den 15 Jahre nach seinem Tod fast vergessenen Dichter-Kollegen stellt sich Meinecke bewusst in eine andere Tradition popliterarischen Erzählens, als sie in Deutschland einig Faselland lange en vogue war. Die heimliche Rückkehr des Denkens in das Erzählen muss also keine dröge Veranstaltung für kulturwissenschaftliche Oberseminare bleiben ­- sie macht, Meinecke beweist es, sogar eine Menge Spaß. --Niklas Feldtkamp

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Thomas Meinecke - Hellblau      5 von 5 Punkten
Eine Gruppe junger Leute, verteilt auf der ganzen Welt, legen eine Stoffsammlung für ein Projekt an. Soweit die Rahmenhandlung, zu Meineckes Konvolut 'Hellblau'. Es ist nicht leicht zu sagen, um was genau es in Hellblau eigentlich geht. Meinecke, der immer schon eher ein sammelnder denn ein schaffender Schriftsteller war, führt Buch über die Entdeckungen der (kaum) handelnden Figuren. In den meisten Fällen geht es um Grenzen und Übergänge. Was ist schwarz, was weiß, was ist männlich und was ist weiblich. Es geht um Sklaverei, Gender Studies und vor allem um Musik. Ein furioses Konvolut, dass keinesfalls Anspruch auf thematische Kohärenz noch auf Vollständigkeit erhebt. Eine Sammlung jedoch, die neue Bezüge herstellt und nachzudenken gibt.

Hochseefischen auf dem Atlantik      3 von 5 Punkten
Laut Meinecke geht es in seinem neuen Titel um die Vernetzung Europas, Amerikas und Afrikas durch den Atlantik. Und es geht um rassische Identitaet, vor allem um Afrikaner, Juden und Europaer. Da gibt es allerhand interssante Geschichten: von deutschen U-Booten vor der amerikanischen Ostkueste, um juedische Bluesmusiker, um schwarzen und weissen Techno, Geschichten von Immigration und "displacement", Kosmetikartikel. Allerhand mehr oder weniger interssante Geschichten und Theorien laesst er seine drei Hauptpersonen via fax, email oder Post tauschen, ihren Geliebten erzaehlen oder auf Plattenhuellen entziffern. Was diese Leute erleben ist auch ganz amuesant, scheint aber doch im Hintergrund des Romans zu stehen. Habe ich Roman gesagt? "Hellblau" liesst sich eher wie ein Magazin angefuellt mit apokryphen "cultural theory" Essays. Manchmal fand ich mich als Leser zurueckgelassen war es mir doch leider unmoeglich zB bestimmte Technolabels wiederzuerkennen, freute mich dann umso mehr andere Bezugspunkte einordnen zu koennen. Aber das macht nichts. Man koennte das Buch auch genauso kreuz und quer lesen wie Meinecke wahrscheinlich seine Recherche durchfuehrte. Das Narrativ, das dem Buch den Rahmen gibt ist athmospaherisch dicht, die Figuren sind liebenswert aber halt bloss die Mittel zum Zweck: Lautsprecher aus denen eine unglaubliche Geschichte nach der anderen sprudelt. Manchmal dachte ich, das Buch sei fuer Spezialisten geschrieben, doch dafuer ist Meineckes Themenwahl dann doch zu eklektisch, unter umstaenden scheint sie sogar etwas willkuerlich. Trotzdem, die guten Seiten ueberwiegen finde ich: eine Kulturgeschichte als Roman verkleidet und durchaus verdaulich wenn man es nicht zu ernst nimmt...



Vorige SeiteSeiten:
 1 2 3 4 5 6  7  8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 
Nächste Seite