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Die Reise nach Trulala Wladimir Kaminer Gebundene Ausgabe, August 2002 Verkaufsrang: 180829 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen. Der in der ehemaligen Sowjetunion gepflegte schöne Brauch, verdienten Proletariern einen Ferienaufenthalt in den Kapitalistenhochburgen Paris oder London zu ermöglichen, ließ Onkel Boris' Herz hüpfen. Was unser Held der Arbeit nicht wusste: Um etwaigen Verlockungen im imperialistischen Ausland vorzubeugen, ließ das listige Sowjetregime in der südrussischen Steppe eine Art Potemkin'sches Geister-Paris aufbauen, das in der Herbstsaison mit wenigen Handgriffen in London umgestaltet werden konnte. Auch der merkwürdig vertraute Busfahrer, den Onkel Boris als Kollegen aus dem Arbeitslager identifizierte, trübte den Genuss in der Seine-Metropole nicht. Jahrelang noch sollte die Familie von den Montmarte-Eindrücken des lebenshungrigen Onkels zehren. Mit solchen und ähnlichen Schnurren über das Fernweh und die oftmalige Ernüchterung angesichts des Ziels vermeintlicher Träume, beweist Wladimir Kaminer erneut seinen lakonischen Scharfblick für den ganz alltäglichen Wahnsinn. Bekannt geworden durch den Erzählungsband Russendisko, durchstreift der witzige Exilrusse neuerdings für das ZDF-Morgenmagazin als stoischer Kommentator bundesdeutscher Befindlichkeiten seine Berliner Wahlheimat. Hier (im Ausländerwohnheim Marzahn) endete 1990 für's Erste auch Kaminers Traum von der großen Freiheit. Die titelspendende Reise nach Trulala unternahm ein befreundetes Künstlerpärchen auf seiner Spurensuche nach Joseph Beuys, der, im Krieg auf der Krim abgeschossen und von dortigen Tataren gesund gepflegt, fortan in Fett und Filz machte. Des Autors Warnung vor der Krim als tatarenfreiem Touri-Neppland stieß bei den Beuys-Jüngern auf taube Ohren. Noch heute erinnert sich Kaminer an ihren aufgeregten Anruf aus dem ominösen Krimtatarendorf Trulala. Tataren, so weit das Auge blickt? In Filz gewandet? Beuys' Sohn gar entdeckt? Spätestens hier dämmerte es Kaminer, dass die Krimbewohner ihrem Ruf erneut gerecht geworden waren. Ob wehmütige Post-Perestroiker im Reisefieber, Glücksritter auf Talfahrt, geheimnisvolle "Papstkinder", Wessi-Touristen, die in der Nähe von Stawropol Schweineställe mit Rundbogenfenstern bestaunen (siehe Onkel Boris) -- sie alle haben in Wladimir Kaminer ihren liebevollen Chronisten und Reisebegleiter gefunden. --Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 19 Bewertungen)
Nette Geschichten 3 von 5 Punkten Nachdem ich schon einiges von den Kaminer-Büchern gehört hatte, war es nun mal an der Zeit, mir eines der zahlreichen Bücher des Autors für die Urlaubszeit zu kaufen. Die Erzählungen, dieses Buch enthält fünf Kurzgeschichten, sind kurzweilig erzählt und so findet man schnell Zugang zur Story.
Allerdings fragte ich mich immer wieder, nimmt der Autor mich jetzt auf die Schippe, nennt man das jetzt schriftstellerische Freiheit, oder was? Irgendwie konnte ich den Erzählungen nicht viel abgewinnen und war dann auch froh als ich durch war. Anfangs fand ich sie noch ganz witzig, aber irgendwann hab ich mich ziemlich gelangweilt.
Für die witzige Schreibweise gebe ich drei Amazon-Sterne, ich werde mir aber keinen weiteren Roman des Autors zulegen.
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Agnes Peter Stamm Broschiert, September 2006 Verkaufsrang: 178173 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Im überheizten Lesesaal der Public Library in Chicago wechseln sie die ersten Blicke, bei einem Kaffee die ersten Worte: er, ein Schweizer, der über amerikanische Luxuseisenbahnwagen recherchiert, sie, eine amerikanische Physikstudentin, die ihre Dissertation schreibt. Sie gehen zusammen essen, machen Ausflüge in die nahegelegenen Wälder oder spazieren am Lake Michigan entlang. Eines Tages fordert die junge Frau ihn auf, eine Geschichte über sie zu schreiben, damit sie sieht, was er von ihr hält. Schnell zeigt sich, daß Bilder und Wirklichkeit sich nicht entsprechen - und daß die Phantasie immer mehr Macht über ihre Liebesbeziehung erhält. Peter Stamms Debütroman machte bei seinem Erscheinen Furore: Man verglich den jungen Schweizer mit Max Frisch, sein Buch wurde von der Kritik einhellig bejubelt, mehrfach preisgekrönt und stand monatelang auf der SWR-Bestenliste.
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Die Welt des Ryszard Kapuscinski: Seine besten Geschichten und Reportagen Ryszard Kapuscinski Gebundene Ausgabe, August 2007 Verkaufsrang: 60725 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der Weltensammler trifft den Welterzähler »Mehr noch als ein großer Reisender und Reporter war Ryszard Kapuciski ein außergewöhnlicher Erzähler, seine Geschichten bieten nicht nur Fakten, sondern destillieren sie zu einer höheren Wahrheit.« Ilija Trojanow Schon früh war Ilija Trojanow von Ryszard Kapuciski fasziniert, seine Bücher verschlang er, lange war ihm der große Pole Leitstern und Idol - jetzt, nach dem Tod des großen Autors, zeigt er uns »seinen« Ryszard Kapuciski. Aus dem umfangreichen Gesamtwerk des polnischen Autors, Denkers und »Reporters des Jahrhunderts« hat er seine Lieblingsstücke ausgewählt und stellt sie - begleitet von eigenen Texten über Kapuciskis Welt - vor. Und da gibt es etwas vorzustellen: denn wer außer Kapu'sci'nski hat die Reden von Nasser und Nkrumah mit eigenen Ohren gehört, Salvador Allende, Idi Amin, Che Guevara und Patrice Lumumba persönlich getroffen? Asien, Afrika und Lateinamerika durchstreift und von innen heraus kennengelernt, den Zerfall des sowjetischen Reichs aus allen Blickwinkeln beobachtet, 30 Staatsstreiche und Revolutionen selbst miterlebt, dem Tod ins Auge geblickt und die Entwicklungen der globalisierten Welt weltweit beobachtet? In Die Welt des Ryszard Kapuciski entsteht ein Gesamtbild von Kapuciskis Schaffen - es ist die Hommage eines jungen Weltensammlers an einen Autor, der weltweit eine ganze Generation von Neugierigen, Reiseschriftstellern, Politikern, Abenteurern und Journalisten prägte.
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The Church of John F. Kennedy Thomas Meinecke Taschenbuch, Juni 1996 Verkaufsrang: 230485 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen. Jedenfalls nahm die deutsche Bevölkerung nach den fünfziger Jahren recht deutlich wieder ab. Lebten 1860 noch an die zwanzigtausend in Deutschland geborene Bürger in New Orleans, waren es 1890 nur noch gute elftausend; nahm man die Deutsch-Amerikaner in der zweiten Generation hinzu, kam man jedoch auf das nahezu Vierfache und damit immer noch an ein knappes Viertel der städtischen Gesamtbevölkerung. Wenzel Assmann schlug das vor ihm liegende Blätterwerk zu und...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 1.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
unbeholfenes Salbadern eines stilistisch Unsicheren 1 von 5 Punkten der Textauszug zeigt einen geschwätzigen Autor, der nachdrücklich witzig sein will und sich so allerhand zusammenphantasiert, Dinge, die ihm offenbar mal jemand erzählt hat, es klingt nicht nach Ereignissen, die er selber erlebt hat, die ihm in irgendeiner Weise wichtig wären, er will eben ein witziger, kluger Schreiber sein, schon der Titel zeigt, daß sich da jemand sehr reingehängt hat. Die Großen haben solche Titel nicht nötig, deren Geheimnis liegt in dem, was zwischen den Buchdeckeln steht. |
Bernsteintage Maxim Biller Gebundene Ausgabe, Februar 2004 Verkaufsrang: 190319 Dominique Horwitz liest zwei Erzählungen aus Maxim Billers neuem Buch. Beide -- die Titelgeschichte Bernsteintage und der Text Elsbeth liebt Ernst -- handeln von der Erinnerung an eine vergangene, prägende Zeit. Ist es in der ersten die Kindheit eines Prager Jungen, der nach dem Einmarsch der Russen 1970 mit seiner Familie nach Hamburg ausgewandert ist, die betont zurückhaltend und vorsichtig vorgestellt wird, so handelt es sich in der zweiten um die Konfrontation des Protagonisten mit der Erinnerung an seine Nazi-Vergangenheit. In beiden Erzählungen spürt man zärtliche Sehnsucht und Melancholie, die jedoch durch die klare, präzise Sprache in gewisser Weise zurückgenommen wird, jedenfalls nicht ausufern! Maxim Biller, der häufig radikale Verfasser provokativer Texte überrascht hier mit auffallend leisen, zurückhaltenden Tönen. Als Kind russisch-jüdischer Eltern wurde er 1960 in Prag geboren. 1970 emigrierte seine Familie infolge der Niederschlagung des Prager Frühlings nach Deutschland. Billers erster Erzählungsband: Wenn ich einmal reich und tot bin erschien 1990. Es folgten Die Tempojahre (1991), Land der Väter und Verräter (1998), Harlem Holocaust (1998) und Die Tochter (2000). Sein Roman Esra von 2003 beschäftigte die Justiz wegen Verletzung der Privatsphäre. Der Titel ,Bernsteintage' wird in der ersten Erzählung erklärt: Es ist das Bild für den Wunsch nach einer unverstellten Kindheitserinnerung. Ein Blick zurück also, der frei von jeglicher Einseitigkeit sein soll. Und in der Bernstein-Geschichte, die unverkennbar autobiografische Züge trägt, ist in der Tat wenig von verzerrter Erinnerung zu spüren. Der Junge, der seinen letzten Sommer mit zwei anderen Jungs in Luzienbad verbringt, bevor die russischen Panzer einmarschieren, bekommt von der Gefahr wenig mit; und einen Krieg hatte er sich immer ganz anders vorgestellt. Anders verhält es sich in der zweiten Geschichte, denn Ernst, vage an den Schriftsteller Günter Eich angelehnt, bekommt von den Medien seine Nazi-Vergangenheit unerbittlich vor Augen geführt. Die Bewältigung dieser Zeit steckt voller verlorener Hoffnungen und Illusionen. Das Ende bleibt bei beiden Erzählungen offen. Mit Dominique Horwitz, bekannt durch Filme wie Der große Bellheim (1991), Stalingrad (1992) oder Verrückt nach Paris und als Sänger (The Best of Dreigroschenoper und Chansons von Jacques Brel) fand man eine ideale Besetzung. Horwitz lässt mit seiner klaren Stimme und seiner sanften Modulation die Atmosphäre dieser Ferien in dem Kurbad lebendig werden. Der hochbegabte Junge, der sich selbst das Schreiben beibrachte, von dem seine ältere Schwester immer etwas Besonderes erwartet, erlebt sorgenfreie Tage mit seinen zwei Freunden. Geflissentlich widersteht der Sprecher der Versuchung, dem Erlebten den Kinderstempel aufzudrücken; er gibt schlicht die atmosphärischen Schilderungen dieser letzten Ferien wider. In der Erzählung Elsbeth liebt Ernst findet Horwitz den passenden Ton für die Stimmung des Schriftstellers. Die Vergangenheit, die plötzlich wieder absolut präsent ist, umkreist der Sprecher: in den Erinnerungen, in den Überlegungen seine Beziehung zu Elsbeth betreffend -- sie war überdreht und hastig, er schwerfällig und zauderte ewig --, in der Frage, ob sie sich wirklich und was sie aneinander liebten. Dabei entwirft der Sprecher in seiner Interpretation ein glaubwürdiges Bild von Ernst. Fazit: Für die stilistisch klare Prosa Billers ist Horwitz der ideale Sprecher. In seiner zurückhaltenden Lesung arbeitet er die Imponderabilien von Erinnerung greifbar heraus. Lesung, Spieldauer: ca. 95 Minuten, 2 CDs. -- culture.text
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Liebe. Immer nur Liebe 5 von 5 Punkten Ach, zur Hölle mit der verlorenen Kindheit und all den anderen Marketingfloskeln. Worum es hier geht, ist die Form, die absolut perfekte Form. Keiner kann short stories so schreiben wie Maxim Biller, und wenn man das so liest, meint man manchmal, daß er, Biller, überhaupt erst die deutschsprachige Kurzgeschichte erfunden hat. So knapp, so genau - und, man muß es leider sagen: so liebevoll seinen Personen, seinen Helden gegenüber. Und wenn das Buch zu Ende ist fängt man einfach wieder von vorne an. Weil es nämlich leider zu kurz ist. |
Das Menschenfleisch Marcel Beyer Taschenbuch, Juni 1997 Verkaufsrang: 61080 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In seinem 'außergewöhnlichen Romanerstling''Das Menschenfleisch' entfaltet Marcel Beyer eine einfache Geschichte: Ein männliches Ich lernt eine weibliche 'Du', 'sie', 'K.'kennen, ein Liebesverhältnis entsteht, ein Dritter kommt hinzu, aus Liebe wird Eifersucht. Diese Geschichte wurde schon oft erzählt, aber nicht so wie in 'Das Menschenfleisch'. Worüber man nicht schweigen kann, sondern sinnlich sprechen muß, ist der Wunsch nach totaler Annäherung an den anderen. Marcel Beyer unternimmt den verwegenen Versuch, sich einen Körper einzuverleiben: nicht mit einem scharfen Messer, sondern mit spitzer Feder. 'Marcel Beyer hat ein erstaunliches Buch geschrieben. Auf knappem Raum führt es vor, wie frei und ungehemmt literarisches Sprechen wuchern und taumeln kann, ohne in Richtungslosigkeit zu verfallen. Auf wunderbar luzide Weise ist die rudimentäre Fabel mit den erzählerischen Mitteln identisch - das ist schon ein Meisterstück.' (Friedhelm Rathjen, Süddeutsche Zeitung)Marcel Beyer, geboren 1965, lebt in Köln und Dresden. Im Januar 1997 erscheint in der edition suhrkamp 'Falsches Futter'. Gedichte; sein zweiter Roman, 'Flughunde', erschienen 1995, wurde ein großer Erfolg bei Publikum und Kritik.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Berührend 5 von 5 Punkten Ein ganz besonderes Buch! Marcel Beyer versucht hier seinen Emotionen Herr über die Sprache werden zu lassen. Im Großen und Ganzen ist es eine "einfache" Liebesgeschichte... aber sie versucht nicht irgendwie zu sein. Mich hat das Buch so sehr berührt, weil es eben sich nicht so liest, als würde jemand eine fertige Liebesstory verfasst haben... durch zahlreiche Andeutungen, skurrilsten Umschreibungen ist hier eine außergewöhnliche Stimmung entstanden... Sicherlich liest sich das Buch nicht sehr einfach. Auch nicht wirklich schnell... Aber das tut ihm, meines Erachtens nach, keinen Abbruch.
bitte an einem abend lesen.. 4 von 5 Punkten eine geschichte ueber liebe, grob gesagt.. marcel beyer gelingt es den leser in seinen kreiierten abgrund zu lotsen. das buch lebt von der bestechenden sprache und sollte um dem tempo folgen zu koenen in einem durchgelesen werden. es faellt wirklich schwer wieder "reinzukommen", wenn das buch weglegt wurde. teilweise kranke ideen und seitenlange saetze ohne punkt und komma. stets interessant und weiterempfehlenswert.. |
Indien. Land des kleinen Glücks Ilija Trojanow, Katrin Simon Gebundene Ausgabe, August 2006 Verkaufsrang: 234907 Der Versuch, Indien zu begreifen, beginnt bei den kleinen Dingen. Viele Jahre sind der Autor Ilja Trojanow und die Fotografin Katrin Simon durch den Subkontinent gereist, um die Vielfalt der Farben, Gefühle und Eindrücke eines faszinierenden Landes in diesem persönlichen Bildband festzuhalten.
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Spione Marcel Beyer Taschenbuch, August 2002 Verkaufsrang: 90505 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Zu Spionen in ihren Familien werden die Jugendlichen Carl, Paulina und Nora. In Fotoalben stoßen sie auf Geheimnisse, auf Verschwiegenes und Verborgenes. Wer war die scheinbar früh verstorbene Großmutter, die Opernsängerin mit den "Italieneraugen", welche Liebesgeschichte rankt sich um den Großvater, der 1936 aus dem Blick seiner Verlobten verschwand? Hat die zweite Frau des Großvaters die Fotoalben gesäubert? Wie ein Spion bewegt sich der Erzähler zwischen den Generationen, zwischen den Lebenden und den Toten, Vergangenheit und Gegenwart. Marcel Beyer, bekannt geworden durch seinen Roman "Flughunde", begibt sich auf eine außergewöhnliche Spurensuche und stellt die Frage: Kann man mit Worten töten?
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Zwischen den Zeilen lebt die Genialität 5 von 5 Punkten "Beyer lauscht den Stimmen, wo wie noch ganz nah am Leib sind, dem Gesäusel und den Zornesausbrüchen der Liebenden, dem unbeobachteten Gerede für sich, wenn keiner zuhört. Er ist ein Chronist leibgeformter Klanggestalten", schreibt Thomas Schmidt über Marcel Beyer. Dem kann ich nur zustimmen: Ganz wie ein Spion lebt man in den inneren Monologen der Protagonisten, fliegt durch die Generationen, die - obwohl sie so verschiedene Zeiten durchlebt haben - ganz ähnliche Charakterzüge haben. "Eine" bestimte Wahrheit gibt es in diesem Buch nicht. Denn wo die Protagonisten auf Geheimnisse stoßen, erfinden sie, phantasieren sie. Sprachlich ist dies kaum abgegrenzt, vielmehr erkennt man es aus dem Zusammenhang. Beyers literarisches Territorium - die Rolle der Großeltern-Generation im Dritten Reich - ist gefährlich. Denn oftmals liest sich sein Werk so, als würde er ihre Taten entschuldigen. Doch auch hier muss auf Kleinigkeiten geachtet werden: Die Großmutter mit ihren dunklen spanischen Augen begeistert Großvaters Uniform nicht. Der Großvater selbst verdrängt seine mörderische Rolle im NS-Regime und sieht vielmehr, was er durch seinn Job bei der Wehrmacht bekommt: Ansehen, ein gesteigertes Selbstbewusstein, Identifikation und Geld. Und das ist in Zeiten der Verwirrung und Verzweiflung der Weinmarer Republik viel wert. Sicher mag das Buch durchkonstruiert sein. Doch bei der Vielfalt, die Beyer versucht darzustellen, der Umfang, mit dem er die gesellschaftlichen und persönlichen Motive darstellt, ist dies sicher nötig. Also ein Buch, das aufmerksam gelesen werden muss, dass ein kritisches Denken und ein robustes Wissen vorraussetzt. Und mit Sicherheit ein literarischer Genuss.
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German Angst Friedrich Ani Taschenbuch, Januar 2002 Verkaufsrang: 151702 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Was wir uns trauen, traut sich sonst niemand. Was wir getan haben, ist ein Signal für die Zukunft. Sie wussten, sie waren viel mehr, nicht nur in dieser Stadt, sondern überall, wo Deutsche das Gekrieche vor den Besserwissern und Gewissensträgern satt hatten, die jeden Tag hausieren gingen mit den Lügen der Vergangenheit. So fahren sie mit ihrer Beute durch München, beseelt von ihrer Tat und dem Wissen um den lautlosen Beifall einer Mehrheit". Die "Beute" im Kofferraum heißt Natalia Horn, die deutsche Verlobte Christoph Aranos, eines seit über 30 Jahren in Deutschland ansässigen Nigerianers. Entführt wurde sie von einem Trupp Rechtsradikaler, die mit dieser Tat die Abschiebung Aranos und seiner 14-jährigen Tochter Lucy erreichen wollen, die seit dem Tod ihrer Mutter in die Kriminalität abgerutscht ist. Die Diskussion, die der Fall entfacht, spaltet Polizei, Justiz und Öffentlichkeit schnell in zwei Lager. Die TV-Anstalten leisten das Ihrige, schließlich bleiben Anstand, Vernunft und Menschenwürde gänzlich auf der Strecke. Eine starke Leistung und -- kaum auszuhalten. Im trockenen Duktus eines Polizeiberichtes (tatsächlich war der Autor Polizeiberichterstatter), schildert Friedrich Ani Ungeheuerlichkeiten, die man kaum zu denken wagt -- und die dennoch heute in unseren Städten fast zum täglichen normalen Wahnsinn gehören. Dass dies als Spannungsliteratur rüberkommt, macht die Sache angesichts der Thematik nicht ganz unproblematisch. Ani gelingt aber das Kunststück. Sein nüchterner Beobachterblick, seine Wortgewalt lassen nicht zu, dass man sich an diesem Furor an Gewalt, Vergewaltigung und Erniedrigung auch nur einen Moment zu ergötzen wagt. Ein düsteres und unsägliches Sittengemälde eines Landes außer Rand und Band: kreuzbrave Bürger, sensationslüsterne TV-Anstalten, feindselige, aber geile Seitenblicke auf verhüllte junge Frauen, Diskussionen um "Liga-Neger" (Zitat: "ich nenn' die jetzt mal einfach so"), eine in endlosen Diskussionen aufgeriebene Politik und Gewalt, Gewalt -- und kein Ende! --Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)
erschreckend realistisch, Krimi und Gesellschaftsporträt 5 von 5 Punkten Ein vollkommen realistisches Gesellschaftsporträt. Friedrich Ani hat dem Volk aufs Maul geschaut, denn wer jemals in politischen Foren diskutiert hat wird wissen, dass die im Buch von Protagonisten kundgegebenen Meinungen in Deutschland zu hauf vertreten sind! Die Formulierungen sind hierbei exakt und entlarven den "ganz normalen" deutschen Bürger, der sich selbst niemals als rechts bezeichnen würde. Unterhalten Sie sich mal mit einem bayerischen Taxifahrer, Ani hats offenbar getan und die selben Erfahrungen wie ich gemacht! Von Schwarz-WeiÃx-Einordnungen kann gar keine Rede sein, zahlreiche Meinungen die durchaus nuaciert sind werden dargestellt. Im Nebensstrang werden auch die Vorurteile der Westdeutschen gegenüber den Ostdeutschen klar. Die Gestaltung des Romans als Krimi ist ausgezeichnet gelungen. Plot und Sprache sind fesselnd, emotional, aber vor allem wirklichkeitsgetreu.
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Liebesmale, scharlachrot Feridun Zaimoglu Taschenbuch, Juni 2002 Verkaufsrang: 92199 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Bin ich die kalte Kippe oder der Prinz aus dem Morgenland?", fragt sich Serdar. Er sitzt am wunderschönen Strand der türkischen Ägais und kriegt keinen hoch. Er überlegt, wie es mit dem Leben weitergehen soll. Zuhause hatte er seine Beziehungen und Flirts nicht mehr unter Kontrolle. Und nun schreibt er, der "Almanci", der "Deutschländer" in der Türkei, Briefe an seinen Kumpel Hakan in Kiel, an seine Ex-Freundin Anke und die Geliebte Dina. Während einer...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Die Leiden des jungen Serdar und seines Kumpels Hakan 4 von 5 Punkten Das Buch ist herrlich! Ich mag Briefromane. Die haben so etwas Erfrischendes. Durch die verschiedenen Personen (Serdar, Hakan und diverse Frauen), die alle einen eigenen Schreibstil an den Tag legen, wird das Buch nie langweilig. Ganz zu schweigen vom Thema. Klar, die Sprache ist kräftig und teils derb. Aber immer zum jeweiligen Charakter passend. Serdar zum Beispiel schreibt seine Briefe eher philosophisch angehaucht. Beim Lesen des Romans mußte ich ständig schmunzeln. Vieles ist wahr und wird ironisch aufs Korn genommen. Goethes "Die Leiden des jungen Werther" hatten mich fasziniert. Und beim Lesen von "Liebesmale, scharlachrot" fühlte ich mich irgendwie daran erinnert. Natürlich mit zeitgemäßem Schreibstil. "Die neuen Leiden des jungen W." von Ulrich Plenzdorf waren ja auch lockerer geschrieben und dennoch genial. Und Zaimoglu legt mit seinem Werk noch eins drauf. Sicher ist es Geschmackssache. Spießer und verklemmte Zeitgenossen werden an dem Buch keine Freude haben.
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Faserland Christian Kracht Gebundene Ausgabe, März 1995 Verkaufsrang: 13811 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Vielleicht sollte sich über Faserland nur jemand äußern, der weiß, was eine "Barbourjacke" ist. So oft wie dieses Kleidungsstück erwähnt wird, muss es jedenfalls etwas ungeheuer Tolles und Symbolträchtiges sein für junge, schicke Menschen mit dem nötigen Kleingeld, die an Sylter Stränden Champagner trinken oder mit Porsches Seevillen am Bodensee ansteuern. Krachts Icherzähler lässt sich mittreiben, nimmt teil am müßigen Luxusleben, steigt in den besten Hotels ab, Hamburg, Frankfurt, Zürich, stilvolle Partys, viel Alkohol, noch mehr Zigaretten, und bleibt doch bei all dem seltsam unbeteiligt. Nur hin und wieder kann er sich für Momente zu ein klein wenig Hass oder Mitleid aufraffen. So etwas wie Begeisterung glimmt einzig in ihm auf, wenn er von Isabella Rossellini träumt, mit der er Kinder haben und auf einer Schweizer Alm leben möchte, weit weg von Deutschland, dieser großen Maschine im Norden, "die sich selber baut". Karg ist dieses Faserland, sein Reiz steckt eher zwischen den Zeilen, vielfältige Deutungen sind möglich; vielfältig waren auch die Reaktionen auf das Buch, reichten von Begeisterung bis Abscheu. Nun können sich die Kritiker davon überzeugen, dass Christian Kracht ein ausgezeichneter Interpret seines Textes ist (was man wirklich nicht von vielen Autoren behaupten mag): ruhig und von sanfter Melancholie ist diese Stimme, der man gerne noch etwas länger -- die Lesefassung ist etwas gekürzt -- gelauscht hätte und die viele Fragen zurücklässt. Zum Beispiel, wie wohl Isabella Rossellini in einer Barbourjacke aussehen mag... --Christian Stahl
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 158 Bewertungen)
Irgendwie traurig stimmend... 5 von 5 Punkten Faserland von Christian Kracht habe ich an einem Tag durchgelesen.
Am Anfang hat mich das Buch nicht sonderlich überzeugt; ein gesichtsloser und unpersönlich wirkender Ich-Erzähler pendelt von Ort zu Ort durch Deutschland ohne das man eine Ahnung hat warum.
Er trifft an jedem dieser Orte scheinbar zufällig Freunde oder Bekannte, betrinkt sich mit ihnen dass man um sein Leben bangt und zwischendurch erinnert er sich aus heiterem Himmel an Episoden aus seiner Kindheit.
Die ganze Zeit fehlten mir, obwohl das Buch fesselnd geschrieben war, die Hinweise darauf, worauf das Ganze hinaus läuft, aber vielleicht ist das gerade das Gute daran.
Man weiß nicht sicher was passiert, wer da spricht und was er uns sagen will, aber dennoch spürt man mit jeder Seite mehr und mehr die unbestimmte Einsamkeit und Isolation, das Fehlen eines Ziels des Ich-Erzählers und sympathisiert auf eine Weise mit ihm.
Nach dem Lesen war ich immer noch ein bisschen unsicher, worauf Kracht eigentlich hinauswollte, aber das Gefühl was ich beim lesen hatte, hat sich danach noch verstärkt und mich lange nicht losgelassen.
Das Buch ist ein geschickt geschriebener, den Leser einwickelnder Ausschnitt aus dem Leben eines einsamen Menschen, der eigentlich nicht einsam sein sollte. Es wirkt langsam aber stark und man kann es nicht weglegen. Und nicht zuletzt ist die Gesellschaft in der der Ich-Erzähler sich bewegt und die er beobachtet unsere. Deshalb hat das Buch 5 Sterne verdient.
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Das Blütenstaubzimmer Zoe Jenny Gebundene Ausgabe, November 1997 Verkaufsrang: 247446 Zoë Jenny war mit ihrem Debutroman das Medienereignis der Frankfurter Buchmesse im Herbst 1997. Jung, schön, klug und von großer Präsenz, kam kaum ein Feuilletonjournalist an ihr vorbei. Aber nicht nur die Autorin beeindruckte, auch ihr Roman Das Blütenstaubzimmer überzeugt durch große poetische Kraft und eindringliche Bilder der inneren und äußeren Landschaft, die sich beide analog entwickeln und gestalten. Anders als Michel Houellebecqs Ausweitung der Kampfzone (1999), das von der zynischen Weltsicht des Protagonisten und dessen kalter Ablehnung der verlogenen Gesellschaftsrituale lebt, ist Jennys Blütenstaubzimmer eine fein ziselierte Studie eines langsamen, desillusionierenden Abschieds einer jungen Frau vom kindlichen Wunsch nach Aufgehobensein und Anerkanntsein in der Familie. Während der Vater, bei dem die 18jährige Jo aufgewachsen ist, bei all seiner Hilflosigkeit doch immer wieder versucht, der Tochter emotionale Zuwendung zu vermitteln, ist die Mutter Lucy, die von Jo nach zwölf Jahren das erste Mal besucht wird, viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als sich um die Bedürfnisse der Tochter zu kümmern. Zudem stirbt kurze Zeit nach Jos Ankunft Lucys zweiter Ehemann (Unfall? Selbstmord?), was zu einer tiefen seelischen Krise der Mutter führt, während derer sie sich in dem titelgebenden Blütenstaubzimmer einschließt. Sprachlosigkeit und Unfähigkeit zu Interaktion beherrschen das Verhalten der Protagonisten. Statt zu reden, flüchten sie sich in symbolische Akte. So der Vater, der Jo auf schweigsame nächtliche Spritztouren in seinem Buick mitnimmt, bei denen nichts weiter passiert als daß die beiden Gauloise-rauchend nebeneinander im Wagen sitzen. So die Mutter, die sich erst total zurückzieht und verschließt, nach dieser Phase dann ihrem Hedonismus frönt. Jo selbst versucht schon als kleines Mädchen, der verständnislosen Erwachsenenwelt ihre Bedürfnisse mitzuteilen, ebenfalls natürlich nur in symbolischer Form. Aber ihre Anstrengungen scheitern, Enttäuschungen, das Desinteresse der Umwelt, führen schließlich zu Jos Desillusionierung. Jenny kleidet diese Geschichte des Erwachsenwerdens in eindringliche, doch niemals aufdringliche Bilder, die beim Leser noch lange nachwirken. --Kathrin Rüstig
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 46 Bewertungen)
eher als Kunstwerk 3 von 5 Punkten Der Roman "Das Blütenstaubzimmer" von Zoe Jenny handelt von der jungen Frau Jo, deren Eltern geschieden sind und die abwechselnd bei ihrer Mutter Lucy und ihrem Vater wohnt. Jo wird von den Eltern stark vernachlässigt, da diese zu sehr mit sich selbst und ihren Problemen beschäftigt sind. Jo lernt, mit ihrer Reise mit ihrer unfreiwiligen Freiheit umzugehen und trift auf ihrer Reise zum Erwachsensein auf kuriose Gestalten.
Das Buch ist für mich kein typischer Roman. Es gibt zwar eine Handlung, doch diese wird in den Hintergrung gerückt und etwas anderes wird in den Vordergrund gestellt: die Umwelt, die Jo mit allen fünf Sinnen wahrnimmt und die Eindrücke, die sie auf ihrer Reise sammelt. Ich kann nicht pauschal sagen, ob mir das Buch gut oder schlecht gefallen hat, aber ungewöhnlich ist es schon. Das Buch kann wohl eher als surrealistisches Kunstwerk verstanden werden, nicht als Drama. Doch ich habe auch etwas zu bemängeln: die vielen Zeitsprünge, die eher irritierend als poetisch sind und die nur kurze Erwähnung des Blütenstaubzimmers. Da die Bedeutung des rätselhaften Titels direkt auf den ersten Seiten gelöst wird, nimmt die Spannung rapide ab und der Rest plätschert so vor sich hin. Und da das Blütenstaubzimmer der Titel des Romans ist, habe ich erwartet, dass ausführlicher darauf eingegangen wird.
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Dekonspiratione Rainald Goetz Taschenbuch, Januar 2002 Verkaufsrang: 183099 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
"schöne neue Literatur..." 1 von 5 Punkten Dieses Buch ist gleichsam nichts sagend wie dessen Titel „Dekonspiratione". Beginnt man dieses Buch zu lesen so geistert einem nach zwei, drei Seiten sofort ein Schlagwort durch den Kopf: „Popliteratur". Ich meine nun die negativen Aspekte die man so mit der Popliteratur assoziiert, wie: abgehackte Sätze, skurriles und unverständliches Vokabular, keine Handlung ausser der sinnlosen Beschreibung dröger Gestalten, die allesamt unter die Rubrik der „Popliteraten" fallen. Rainald Goetz hat zwar krampfhaft versucht mit den Elementen unserer ach so oft geschilderten „Spassgesellschaft" diesem Buch irgendwelchen Inhalt oder gar Sinn zu vermitteln, aber letztendlich hängt die story ausschliesslich an einigen illustren deutschen Personen, denen mittlerweile einen festen Platz in der neuen deutschen Literatur, auch genannt „Popliteratur", eingeräumt ist. Der Leser darf sich echt wundern warum so was im Namen des Suhrkampverlags publiziert wird.
Adapted from a true story 5 von 5 Punkten Eine junge Frau, Studentin, hat sich von ihrem Freund getrennt und fährt - um auf andere Gedanken zu kommen - nach München. Katharina hat den Respekt vor Benjamin verloren, dem ewigen "Talent im Wartestand". Der Streit war eigentlich unerheblich, "es gab kein Geschrei und kein Gezeter"; aber Katharina musste einen Schnitt vollziehen, scharf und ansatzlos wie eine Exekution. Die Krise kommt später, im Zug nach München, kurz hinter Kassel, unterbrochen nur von Momenten der Zuversicht, "dass alles richtig ist. Dass alles gut wird." Benjamin bleibt in Berlin zurück. Er arbeitet für die Firma "Public Sword" und entwickelt neue Formate für Talkshows. Aktueller Auftrag ist die Reformierung der Harald-Schmidt-Show. Die neue wöchentliche Talkshow, so das Konzept, soll "Nothing Special" heissen und nach Art des "Literarischen Quartetts" über Sendungen der jeweils vergangenen Woche diskutieren. Ein Hauptgegenstand der Erzählung "Dekonspiratione" ist - ganz klar - unsere Medienwelt. Kein anderer Schriftsteller setzt sich so intensiv mit den Medien auseinander wie Rainald Goetz, kein anderes Ruvre wird so direkt von Daten aus der Medienwelt gespeist wie seines. "Dekonspiration" meint dabei das Gegenteil von "Konspiration", meint "Offenbarung" und "Enttarnung". Es geht um die Freilegung und Bestimmung der Mechanismen, der "Arbeitsprinzipien", der "Ziele und Absichten", auf deren Basis konkret Programm- und Medienpolitik betrieben wird. Goetz leitet den Begriff der Konspiration aus dem "Wörterbuch der Staatssicherheit" her, und er verhandelt in seiner Erzählung den Fall des IM Schrödinger, der - just enttarnt - mit "Barschel-Blick" der Medien-Hetze zu entkommen sucht: "Realität als Grauwert, Schuld, Verfahren, Bemühen, Moral. Aber ordentliche Zertifikate für Güte und Richtigkeit, für Nicht so Böses und den einen Augenblick von vielleicht alles entscheidendem Takt auch nur, mehr nicht [...]. Dieses ganze Gewurle des Lebens. Eine Banalität, klar. Aber in einem konkreten einzelnen Fall diesen Aspekt wirklich zu erwägen ist nicht banal: wie die Schuld im Einzelnen passiert, gesellschaftlich alltäglich und praktisch fast nur in mikroskopischer Dimension." Überhaupt hat Zeitgeschichte in dieser Erzählung ihre Spuren hinterlassen. Viele Daten aus der wirklichen Welt geben uns Orientierung: Die Dokumenta X von 1997, die Entmachtung Sigrid Löfflers als Kulturchefin der "Zeit" im Sommer 1999, der 11. August, der Tag der Sonnenfinsternis, der Krieg auf dem Balkan und der Einsatz von Nato-Truppen. Ein Ereignis, der Machtwechsel 1998 in Bonn, fällt mit einer schweren Krise des Erzählers zusammen. Dieser Erzähler hat, wie Goetz, gerade ein Mammut-Projekt zu bewältigen, eine rasche Abfolge von Büchern, identifizierbar als das Theaterprojekt "Jeff Koons", die Textsammlung "Celebration", das Internet-Tagebuch "Abfall für alle" und die Erzählung "Dekonspiratione", das Gegenstück zur bereits erschienenen Erzählung "Rave" (1998). "Dekonspiratione" soll das Mittelstück jenes umfassenden Leben-Werk-Projekts werden, das unter dem Harald-Schmitt-Motto steht "Heute morgen, um 4 Uhr 11, als ich von den Wiesen zurückkam, wo ich den Tau aufgelesen habe". Die Fertigstellung hat Vorrang, aber sie verzögert sich. Die Krise, die den Autor erfasst hat, wird existenziell. Es dauert, bis sich der erschöpfte Erzähler an den Gedanken gewöhnt und sein Scheitern akzeptiert: "Ich nehme die Kapitulation an." Der realen entspricht eine fiktionale Kapitulation und wird später Teil der Darstellung. Mit "Krise" ist das vierte Kapitel der Erzählung "Dekonspiratione" überschrieben, die erst mit einem Jahr Verzögerung erscheinen kann. Ein Aspekt dieser Erzählung bedarf der besonderen Hervorhebung: Denn alles, was in "Dekonspiratione" erzählt wird, hat offenbar einen realen Hintergrund. Der Ich-Erzähler, der hier auftritt, scheint mit Rainald Goetz identisch zu sein. Alle Daten seiner biografischen Realität entsprechen genau der Lebensrealität des Erzählers - soweit man das als Aussenstehender und als Leser etwa des Internet-Tagebuchs "Abfall für alle" beurteilen kann. Wenn es aber real ist, wie kann es dann Fiktion sein? Welchen Stellenwert hat dann das Buch für unsere Literatur? Und wie dürfen wir das Wort "Erzählung" verstehen, die Gattungsangabe von "Dekonspiratione"? Offenbar geht es dem Projekt darum, beides zu sein, Literatur und Realität, offensichtlich möchte der Autor eigene Erfahrung "in die Nähe richtiger Literatur" führen, um genau den Punkt zu treffen, wo die dargestellte Welt gerade noch autobiografisch vor-literarisch ist (und auch als solche erkennbar), streng genommen aber schon der Literatur zugeordnet werden muss. Denn "Dekonspiratione" erscheint im literarischen Programm eines angesehenen Verlages, nennt sich "Erzählung", funktioniert ganz pragmatisch markttechnisch als literarische Neuerscheinung und entfaltet fiktionale Erzählstrategien. Das autobiografische Wissen über Rainald Goetz ist daran gemessen sekundär und per se irrelevant. Nicht jedoch für die Poetologie, die Goetz mit seinem Projekt verbindet und auch mehr oder weniger explizit zum Ausdruck bringt. Ihm geht es, genauer, seinen Texten geht es um die Realisierung einer solchen "pragmatisch-ideale[n] Real-Poetologie", die quasi "experimentell" am Schreiber-Ich entlang entsteht. Das klingt theoretisch kompliziert und ist es wohl auch. Bezogen auf die konkrete Umsetzung durch Rainald Goetz ist diese Poetik weniger kompliziert, weil Goetz auch Theorie wunderbar zu erzählen weiss: "Das ist mein Buch über das Schreiben", sagt er im Krisen-Kapitel, "das ich hier erlebe, das sich hier abspielt, und ich bin selber mitten drin, ich bin zu nahe dran. Ich kann es nicht schreiben." Schreiben kann er es schließlich doch. Und offenbar gelingt Rainald Goetz hier das Besondere: Eine Erzählung am Leitfaden der eigenen Erfahrung zu entwickeln, gleichwohl ein "strenges Programm" einzuhalten und zugleich literarische Kompositionstechniken zu erproben, die nicht einfach aus der Tagebuchform oder der Autobiografik entlehnt sind. So werden die einzelnen Kapitel :streng programmatisch9 durch gezielte Textgesten vielfach miteinander verknüpft. Der Ich-Erzähler reformiert sein Erzählprojekt und vollendet seine helle Erzählung "Dekonspiratione" als Gegenstück zu "Rave". "Später", heisst es gegen Ende, "taumelten wir selig durch den Raum. [...] Neben mir spürte ich den Körper der Frau, in die ich verliebt bin." (Dies ist eine "Amazon.de Campus"-Studentenrezension.)
dekonspiratione inspiratione est 5 von 5 Punkten Ich habe sie alle gelesen. Alle! Wer sagt, die Dekonspiratione sei das schlechteste Goetz-Buch ist ein Lügner. Goetz hat schon früh in Schaubildern gezeigt, worum es eigentlich geht: Text = System = Liebe = System = Tod. Dieser Gedanke deutet uns in eine Richtung, die im Grunde nichts anderes sagt, als das, was uns umhertreibt. Und von nichts Anderem handelt Dekonspiratione. Vom schönen München, vom furchtbaren Berlin, von Benjamin von Stuckrad-Barre, Westfalia Bambaata und Christian Kracht. Denn das System ist da, fragt sich nur, um mit Saussure zu sprechen, wie lange das noch gut geht. |
Ich und Kaminski Daniel Kehlmann Gebundene Ausgabe, Februar 2003 Verkaufsrang: 25845 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Daniel Kehlmann schrieb einmal: Aus irgendeinem Grund hören viele Menschen einen Text lieber, als ihn selbst zu lesen, und sie hören ihn lieber dargeboten von einem stotternden und hustenden Vorlese-Dilettanten, der sein Verfasser ist, als von einem Profi. Und dann machte er sich daran, selbst als Vorleser seines Romans Ich und Kaminski auf drei CDs zu dilettieren und so seine eigene Aussage zu bestätigen. Gehustet und gestottert wird zwar nicht, aber Kehlmanns Vortrag ist doch dazu angetan, sich ein allgemeines Verbot von Autorenlesungen zu wünschen. Umso mehr, wenn man vergleicht, wie genial und berauschend, Kehlmanns Bestseller Die Vermessung der Welt vom Schauspieler Ulrich Matthes interpretiert wurde. Der Schuss geht leider gleich doppelt nach hinten los. Durch den eher unangenehmen und laienhaften Vortragsstil des Autors treten die literarischen Schwächen des Romans noch deutlicher hervor. Und eigentlich muss man sich wundern, dass Kehlmann sich mit seinem nächsten Roman, dem gefeierter Bestseller Die Vermessung der Welt, so steigern konnte. Auf dem Cover wird der Autor zitiert: Mit Ich und Kaminski habe ich mir die Komik als Stilmittel erarbeitet. Wenn das stimmen sollte, dann merkt man es dem Roman leider nicht an. Am schlimmsten aber ist, dass der Autor seinen Text mit einem Tonfall liest, als wäre er schreiend komisch. Also Finger und Ohren weg. Wer ein Hörbuch von Daniel Kehlmann haben möchte, sollte unbedingt zu Die Vermessung der Welt greifen. --Christian Stahl Spieldauer: ca. 215 Minuten, 3 CDs, Autorenlesung
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 36 Bewertungen)
Mein Favorit 5 von 5 Punkten Habe alle Kehlmanns gelesen und bin von fast allen begeistert, aber dieser hat mich sicher am lautesten zum Lachen gebracht. Feinste Ironie trifft auf Slapstick.
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Frische Goldjungs: Storys
Taschenbuch, Mai 2001 Verkaufsrang: 211449 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Eine hinreißende Sammlung von Geschichten junger Autoren, die zeigt, wieviel Spaß deutsche Literatur heute wieder machen kann
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Die Leichtigkeit! 5 von 5 Punkten Wer pure Ostalgie sucht, sollte dieses Buch nicht kaufen, da sich die Autoren auf leichte und beschwingte Art und Weise ihre eigenen Sichtweisen stellen. Es ist faszinierend, wieviel Potenzial in diesen Kurzgeschichten vorhanden ist. Warum das Weltbild immer so kompliziert gestalten? Dazu gehört auch das sogenannte Konfliktgerede zwischen Ost und West! Die "Goldjungs" verstehen es mit ihren unbelasteten Erzählweise diese steife Denkweise zu umgehen und vermitteln einfach das Gefühl, daß wir Menschen mit Toleranz und Aufgeschlossenheit unseren Frieden finden. Das Buch möchte unterhalten - nicht mehr und nicht weniger - und dieser Anspruch ist voll und ganz gelungen! Empfehlenswert für jeden! Jedenfalls für jeden, der über den eigenen Gartenzaun hinweg schauen kann!
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Musik: Roman Thomas Meinecke Broschiert, April 2007 Verkaufsrang: 252934 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Karol ist Flugbegleiter und widmet sich mit Leidenschaft der Musik. Er verfolgt, wie leichter Swing zu schwierigem Bebop umkodiert wird oder Disco als House Music erneut in den Untergrund abtaucht. Seine Schwester Kandis ist Schriftstellerin und beschäftigt sich mit historischen Ansätzen weiblichen Schreibens. In zunehmender Übereinstimmung ihrer Themen tauschen sich die beiden über die komplizierten Wechselwirkungen zwischen anatomischem Geschlecht, sozialem Geschlecht und sexuellem Begehren aus. Ein intellektuelles Puzzle für Feministinnen und Flugbegleiter.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Diskurse über Diskurse über Diskurse 3 von 5 Punkten Alles beim Alten in Thomas Meineckes neuem Roman. Wieder dürften Kenner der gender studies ihre helle Freude haben: Auch in "Musik" wird nur eine minimale Handlung vorangetrieben, während die Protagonisten die meiste Zeit über das "Geschlecht" und Geschlechterrollen erzählen, schreiben, nachdenken und zitieren.Meinecke behandelt seine Thema dabei mit einer intellektuellen und popkulturellen Präzision, dass Nicht-Eingeweihte das Buch schon nach wenigen Seiten entnervt in die Ecke werfen dürften. Man muss sich schon ein wenig auskennen im Dschungel der Gender-Problematik, damit man den Assoziationspfaden Meineckes folgen kann. Hat man aber erst einmal verstanden, dass man hier keinen klassischen Roman, sondern ein Buch über die Diskursivität allen Denkens und Seins vor sich hat, steht einer anregenden und vor allem kenntnisreichen Lektüre nichts mehr im Weg. So schafft es Meinecke in "Musik" die Figuren Nietzsche, Ludwig II., Missy Elliott, Aahliyah und Claudia Schiffer miteinander so zu verknüpfen, dass es einem wie das selbstverständlichste der Welt vorkommt. Meinecke-Kennern sei gesagt, dass er in "Musik" deutlich nüchterner an sein Thema herangeht als z. B. in "Tomboy". Hatte man dort noch manchmal das Gefühl, er amüsiere sich über die intellektuellen Diskussionen seiner Protagonisten, so merkt man hier, dass er sie durchweg Ernst nimmt. Das macht sein Buch zwar zu einer wesentlich klareren, leider aber manchmal auch zu einer recht trockenen Sache. Ein letztes Wort zum Titel: Wer Popliteratur im Stile eines Nick Hornby oder Stuckrad-Barre erwartet, sei gewarnt. Hier werden keine nostalgisch verklärten Geschichten über Lieblingsplatten erzählt, sondern auf äußerst hohem geistigen Niveau Quasi-Wissenschaft betrieben. |
Abfall für alle: Roman eines Jahres Rainald Goetz Taschenbuch, November 2003 Verkaufsrang: 182390 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Das optimale Buch für die Toilette 4 von 5 Punkten Dieser Roman liegt bei mir auf dem Klo und genau da gehört er meiner Meinung nach hin - und das meine ich durchaus positiv. Schließlich kann man man die seitenfüllenden spontanen Sprachergüsse von Rainald Goetz sowieso nicht am Stück lesen.Andere Vorteile des Romans am Lesort Klo: - man benötigt kein Lesezeichen da man einfach irgendwo einsteigen kann (fortlaufende Handlung gibts nicht) - der Roman ist so dick dass man wohl nie eine Stelle zweimal lesen muss (vorausgesetzt man liest nur auf der Toilette) - wenn das Klopapier ausgeht kann man einfach ein paar Seiten herausreißen ohne dass es groß stört Also: hinsetzen, aufschlagen, kurze Passage lesen, Spülung betätigen, fertig. Meiner Meinung nach eines der wenigen sinnvollen Bücher für diesen Ort. Falls es allerdings doch jemand gibt der alle 860 Seiten am Stück gelesen hat ohne Folgeschäden davonzutragen, bitte melden. Fazit: In Maßen genossen ein großer Spaß mit schönen Denkanreizen. Und so wie der Roman geschrieben ist denke ich, Rainald Goetz wird auch den Humor dieser Rezension verstehen :-)
WahnsinnGoetz 5 von 5 Punkten das Buch ist wie alle anderen texte von RG Wahnsinn. was für eine geile Mischung aus Intelligenz und Hass und Beobachtung, Verweigerung, Widerspruch. ausserdem natürlich auch immer wieder sehr persönlich, obwohl das ja ständig vermieden werden soll, trotzdem, wie auch anders?, tritt da dieser Mensch aus dem text an die Oberfläche, der so interessant ist wie kein anderer autor, den ich kenne, und jeder der sich über ihn aufregt, hats wohl leider einfach nicht kapiert wieviel da drin ist in seinen büchern. wenn ich aufstehe und das lese macht mich das einfach nur glücklich dass es solche so denkenden menschen gibt und er das auch hinschreibt... obwohl es ja auch manchmal todtraurig sein kann, macht nichts
Wie will er da noch eins draufsetzen? 5 von 5 Punkten Rainald Götz ist zu beneiden. Versteht er es doch genaustens einem die diffusesten und abstraktesten Sachverhalte zu erklären und sie so der breiten Masse nahezulegen. "Abfall für alle", nennt er es dann, und er hat recht. Nichts anderes ist es. Alle seiner Geistesblitze des Jahres 1998 scheint er hier verwertet zu haben. Wahrscheinlich sein Lebenswerk. Hier konnte er sich austoben wie niemals zuvor. Sicherlich mit seinen 900 Seiten ein eher schwer zu durchdringender Band. Aber wie schon bei seinem großartigem "Rave" fühlt man sich hier vom Inhalt angesprochen, immer wieder. Schließlich kann man dieses Buch auch über längere Zeit in kleine Häppchen genießen. Genau das macht den Reiz dieses Buches auch aus. Rainald mach weiter so! Zu altern scheinst Du ja sowieso nicht?!
NOTHING LEFT TO SAY 5 von 5 Punkten Was soll man dazu noch sagen? Ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht ja nur : toll. Oder : faszinierend. Oder : brutal. In der Summe dieser Einzelaspekte müsste sich eine Kritik dieses Romans, erst unter der Hand des Autors, in einem Mittendrin statt eines von Vornehereins ein solcher geworden, bewegen. Das Problem ist nur, dass man wirklich ohnmächtig wird angesichts dieses Buches, das es ja inzwischen ist. Im letzten Jahr, zu etwa dieser Zeit war das natürlich und logisch die Rettung, dies immer wieder im Internet zu lesen. Weil es aufbauend war, einfach interessant oder hier und da auch schlicht lustig, wie ja übrigens auch "Rave" oder auch, auf die Gefahr, dass so ein sehr debiles "das-erste-Mal-war-doch-am-besten"-Gelall anklingt, auch "Irre". Es ist halt doch ein Faszinosum, und je mehr sich der gute Herr Goetz dagegen wendet und wehrt, desto mehr zementiert er diese, ihm in der deutschen Literaturszene wohl ganz eigene und eigentliche Position. Das geht ja jetzt schon so etwa, ich glaube 16 Jahre in dieser Richtung : dass er alle hassen will und töten, wenn auch nur im Abstrakten, einerseits, und dass er mit allen eins sein will, einen Freiraum innerhalb der Intellektualität sucht, so Ulf Poschardt in DJ Culture, andererseits. Ein Moment der Klärung diesbezüglich, wie vielleicht auch generell war das nur zur Lektüre zu empfehlende Interview in der SZ, ich glaube, das war vor etwa vier Wochen. Da steht alles, ganz dicht und komprimiert, gerade auch zu "Abfall für Alle", so nicht erwartete Wittgenstein-Adaptionen inklusive.
Die Neunziger Jahre sind bald um - Rainald Goetz war dabei 5 von 5 Punkten Es war einmal ein junger Mann, der saß in einem Café und las den zweiten Band der „Jahrestage" von Uwe Johnson. Jahre später hat er sein eigenes Jahrbuch geschrieben. Unter dem Titel „Abfall für alle" hat Rainald Goetz fast ein Jahr lang jeden Tag einen neuen Text im Internet publiziert. Tagebuch, Tagesablauf, Tagespolitik, mit gewohnter Manie und Sprachschönheit. Jetzt liegt das ganze als Buch vor. Es ist nicht so aufregend wie damals, als das Internet sich automatisch öffnete und der Tag mit ein paar Seiten Leben begann, aber immer noch ein großes Stück Gegenwart und Literatur. |
Am kürzeren Ende der Sonnenallee Thomas Brussig Gebundene Ausgabe, Juli 2002 Verkaufsrang: 57584 Micha liebt Miriam. Nur ist er da leider nicht der Einzige. Denn Miriam ist "das Ereignis" schlechthin, was sich vor allem daran zeigt, daß auf der Straße "ein ganz anderer Rhythmus" einsetzt, wenn sie das Haus verläßt: Ehrfürchtig stoppen die Autofahrer, Bauarbeitern fallen die Preßlufthammer aus der Hand, und die Grenzsoldaten auf dem Wachtturm im Todesstreifen reißen ihre Ferngläser herum. Thomas Brussigs von Erinnerungen an die früheste Jugend inspiriertes Werk spielt nämlich Am kürzeren Ende der Sonnenallee; und damit sind jene sechzig Meter der kilometerlangen Straße gemeint, die zu Mauer-Zeiten in der DDR-Hauptstadt lagen. Michas Eroberung der "Schulschönsten" vollzieht sich daher unter der demütigenden Beobachtung durch westdeutsche Abiturklassen, die von ihrem Aussichtsturm am längeren Straßenende aus auf den Osten herunterspotten. Dort ziehen neben Miriam, Micha und dessen Clique eine subversive Existentialistin, dubiose Schallplattenhändler, ein angstbesetzter Westonkel und lästige Staatsdiener ihre Kreise; dort wird man zu linientreuen Diskussionsbeiträgen verdonnert, hört verbotene Songs und bewerkstelligt mit Asthma-Medikamenten astreine Drogen-Exzesse. Mit anderen -- nämlich Michas -- Worten: "Es war von vorn bis hinten zum Kotzen, aber wir haben uns prächtig amüsiert". Und prächtiges Amüsement stellte sich auch auf seiten der Rezensentin ein: Wie schon in seinem Erfolgsroman Helden wie wir erweist sich Thomas Brussig als begnadeter Komiker; treibt er Personal und Ereignisse in eine schrille Groteske. Bei alledem aber klingt der Ton in den Geschichten vom kürzeren Ende der Sonnenallee leiser: Brussigs Ost-Topographie kommt -- zehn Jahre nach dem Mauerfall -- trotz aller Schrägheit, nicht unzärtlich daher. Übrigens will der Autor sein Werk keinesfalls als "Buch zum Film" verstanden wissen. Zwar basiert es auf dem preisgekrönten Sonnenallee-Drehbuch, das er gemeinsam mit dem Regisseur Leander Haußmann verfaßte. Aber die cineastische Mauerkomödie erlebte an Brussigs Schreibtisch noch einmal die eine oder andere Akzentverschiebung und wurde um etliche Episoden reicher. --Christine Wahl
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 77 Bewertungen)
Am kürzeren Ende der Sonnenallee: una vera commedia sociale 5 von 5 Punkten Der Roman ist die Geschichte über eine erwünschte Freiheit und über die Liebe, die ein Zustand notwendig für das Leben ist. In der Jugend können die Leute zutiefst leben: es ist nicht wichtig, wie viele Probleme wir als junge Leute haben, sondern es ist wichtig, wir sind alle verliebt in das Leben und wir denken an die Vergangenheit mit Sehnsucht wieder.
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Warum so traurig? Alexa Hennig von Lange Broschiert, April 2007 Verkaufsrang: 251860 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Irgendwie ist zwischen uns das Feuer ausgegangen", sagt Elisabeth, seit zwei Jahren verheiratet mit Philip. Ein dreitägiger Trip nach Lissabon soll für die beiden frischen Schwung bringen, wird aber eher zu einer einfühlsam skizzierten Reise ins eigene Ich, in die Vergangenheit. Entfremdung und Distanz kommen dabei ebenso schnell auf wie Sehnsucht und schmerzliche Erinnerungen an alte Zeiten. Irgendwie ist sie erwachsen geworden und ihre Romanfiguren mit ihr: Alexa Hennig von Lange, der sympathische Lockenkopf aus Hannover, hat ein angenehm ausgereiftes Buch geschrieben über eine nicht unkomplizierte Beziehungskiste. Dieser Philip, er ist eine blasse Figur, leidenschaftslos, manchmal etwas grobmotorisch, Kinder will er auf keinen Fall. Elisabeth, ganz das Gegenteil, sehnt sich nach Mutterschaft, träumt nach Drogenerfahrung von heiler Welt und alter Liebe. Für mich gäbe es nichts Schöneres, als das, was ich bin zu reproduzieren. Ein vorprogrammierter Konflikt zwischen den beiden, der aber auch eine Vorgeschichte hat. Ich bin eine Projektion, die keine Spuren hinterlässt. sagt Elisabeth wenig überzeugt von sich und nur wie ein Schattenwesen nimmt Philip sie wahr; dies wird wunderbar deutlich in mageren und nur aufs Wesentliche reduzierten Dialogen. Man spricht, aber redet nicht miteinander. Der sehr überzeugende und tiefgehende Roman, geschrieben in der Ich-Form aus Sicht Elisabeths, enthüllt eine intime Gedankenwelt und die verletzliche Seele einer jungen Frau, die sich nichts mehr wünscht, als von ihrem Mann geliebt und verstanden zu werden. Je deutlicher sich das Desinteresse ihres Mannes allerdings heraus kristallisiert, desto intensiver flüchtet sie in Tagträume, in ihre Vergangenheit. Es ist fast wie ein Zwang: Vergangenes in Gedanken zu wiederholen. Ein höchst gelungenes Porträt einer Beziehung, in dem sich mehrere Dimensionen harmonisch ineinander fügen: Gegenwart und Vergangenheit, manchmal wechseln sie sich von einem zum anderen Satz ab, alte und jetzige Beziehung, persönliche Wünsche, Vorstellungen und Hoffnungen. Mein Kopf ist voll von unsortierten Bildern, zusammengeklebt von einander bekämpfenden Gefühlen. Und auch Ängste hat Elisabeth, vor Erdbeben, Kriegen, Katastrophen und Flugzeugabstürzen. Lohnt doch nicht, das Leben wegen ein bisschen Portugal zu gefährden. --Barbara Wegmann
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
"Wir sollten gemeinsam sterben." 5 von 5 Punkten "Warum so traurig" ist leider kein Buch, das man gut empfehlen kann, wenn man es mit Gesprächspartnern zu tun hat, die sich Bücher gerne über die Fragen "Um was geht es denn?" und "Was passiert denn da?" schmackhaft machen lassen. Denn: Es geht in diesem kurzen Roman um nichts Großes und es passiert auch nicht viel. Ein Paar fährt in den Urlaub, Sie (aus deren Perspektive erzählt wird) ist mit sich selbst und den Problemen der Beziehung beschäftigt, Ende.
Aber: Alexa Henning von Lange findet eine einfache, aber nicht kunstlose Sprache für ihre Heldin, die zudem durchaus mit stillem Humor aufzuwarten weiß, ohne, dass die traurige Grundstimmung der verunsicherten Heldin aus dem Blick verloren würde. (Gerade den Humor möchte ich aber betonen, weil ich mir sicher bin, dass der manchem Leser entgeht - was schade ist, weil das Buch so natürlich einen Teil seines Reizes verliert.)
Wenn ich von mir auf andere Leser schließen soll, würde ich vermuten, dass männliche Mittzwanziger, die an Houellebecq-Romanen sowohl den Humor als auch die latente Depression schätzen, hier einen Kurzroman vorfinden werden, der ihnen durchaus zusagen könnte.
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Kontrolliert Rainald Goetz Taschenbuch, Mai 1991 Verkaufsrang: 238665 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
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