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| Junge Literatur | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Karaoke Wladimir Kaminer Gebundene Ausgabe, August 2005 Verkaufsrang: 253279 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Als Koch internationaler Gerichte genießt Wladimir Kaminer in der deutschen Literaturszene einen feinen Ruf. Das Rezept des Berliner Autors: scharfe Beobachtung garniert mit dem Blick fürs Wesentliche, gewürzt mit einer Prise Szene-Zeitgeist. Daraus formt der deutsch-russische Punkrock-DJ mundgerechte Häppchen in Form von witzigen Anekdoten und hintergründigen Geschichten. Bestseller wie Russendisko sind das satte Ergebnis. Nun dreht sich im Buch Karaoke fast alles um Musik. Zunächst greift Wladimir Kaminer die bestens bekannte Russendisko wieder auf. So lernt der Leser den Türsteher kennen, der nur BBPs abweist, also Besonders Betrunkene Personen. Ganz wie in Kaminers Leben führen die weiteren Geschichten von der Hauptstadt der Sowjetunion ins frisch vereinigte Deutschland nach Berlin. Wenn dort in brechend vollen Kneipen Besoffene laute Musik hören, fühlen sich Zartbesaitete weniger wohl. Denn auch wenn die wilden Jahre des Autors längst passé sind -- gemäßigter Pop hat bis heute in der Russendisko nichts verloren. Kaminer läuft zu Hochform auf, wenn deutsch-russische Gemeinsamkeiten und Befremdliches aufeinander stoßen. So lieben Deutsche und Russen Volksmusik gleichermaßen. Die hierzulande berühmten Don-Kosaken-Chöre kennt dort trotzdem kein Mensch. Zudem erfahren wir, wie Amanda Lear einmal die alte Sowjetunion mächtig aufmischt -- und wie sich die Band Rammstein für die Völkerverständigung einsetzt. Schließlich verraten Mädchen hinter Gittern, was Singen mit Freiheit zu tun hat. Kaminer ist ein bunter Botschafter deutsch-russischer Freundschaft -- auch wenn der Bestseller-Autor ein wenig in den frühen Jahren nach dem Mauerfall zu verharren droht. Unter dem Strich beweist der Berliner erneut, dass selbst in Zeiten des postmodernen Potpourri die schwere (sowjet-)russische Seele und gesamtdeutscher Schwermut gut zueinander passen. Und aus diesem Mischgemüse werden wieder witzige Geschichten kreiert. Die bewährten Zutaten sorgen für eine herzhafte Lektüre, die der Leser schnell verschlingt. --Herwig Slezak
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Sehr liebenswert 5 von 5 Punkten Kaminer hat einen wunderschönen Stil und seine kurzen Anekdoten sind sehr liebenswert.
In diesem Band versammeln sich seine kurzen Erzählungen um das Thema (Russische) Musik und Russendisko.
Einfach schön zu lesen. Ideal für Sommerabende, oder vor einem Berlinbesuch.
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Postcard Stories Summertime John von Düffel, Alex Capus, Silke Scheuermann, Eva Menasse, Ewald Arenz, u.a. Pappband, 1. Juni 2008 Verkaufsrang: 126466 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden 25 hochkarätige Autorinnen und Autoren entführen uns in den Sommer: Exclusiv für diese inzwischen fünfte Edition der so erfolgreichen Postcard Stories-Reihe haben sie Miniatur-Geschichten geschrieben, die auf eine Postkarte passen. Sommerlich schöne, verrückte und auch melancholische Stories zum Selberlesen, Sammeln und Verschicken. Für alle, die sich den Sommer nach Hause holen möchten.
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Flughunde Marcel Beyer Gebundene Ausgabe, März 2007 Verkaufsrang: 332600 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Flughunde sind fledermausähnliche Flattertiere mit hundeartigem Kopf. Für Hermann Karnau sind sie von Kindheit an Sinnbild einer Welt, die vor dem Zugriff fremder Stimmen geschützt ist. Die Stimme ist der Fetisch des Akustikers Karnau, der 1940 den Plan faßt, systematisch das Phänomen der menschlichen Stimme zu erkunden. Die eine Erzählstimme gehört Hermann Karnau, dessen Namen der Autor einem Wachmann im Berliner Bunker unter der Reichskanzlei entliehen hat. Die andere gehört der achtjährigen Helga, einer Tochter des Propagandaministers. Immer wieder kommt es zu Begegnungen der beiden, zuletzt im April 1945, als Karnau in Berlin ist, um die Führerstimme aufzuzeichnen. Ein Zeitsprung führt in den Sommer 1992. Hermann Karnau, der nach dem Krieg untertauchen konnte, findet in seinem Plattenarchiv die Stimmen, die Gespräche von Helga und Helgas Geschwistern während ihrer letzten Tage und Nächte wieder. Auch den Kindern hat er die Stimmen - bis zum letzten Atemzug - abgelauscht.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Beklemmender Eindruck von Authentizität 5 von 5 Punkten Marcel Beyer lässt uns in seinem 1996 veröffentlichten Roman Zeugen einer Entwicklung werden, die mit der Hoffnungslosigkeit der Familie Goebbels, der Vergiftung ihrer sechs Kinder und dem Selbstmord der Eltern im Bunker der zerstörten Reichskanzlei endet. Obwohl der Autor betont, dass es sich um eine Fiktion handelt, entsteht beim Lesen der beklemmende Eindruck von Authentizität. Erzählt wird aus der Perspektive der ältesten Goebbels-Tochter Helga und des Familienfreundes Hermann Karnau, eines Tontechnikers, der Kinder und Hunde liebt, aber Menschen für brutale akustische Experimente missbraucht.Dieter Wunderlich, Autor (u.a. von "Göring und Goebbels. Eine Doppelbiografie")
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Ruf! Mich! An! Else Buschheuer Gebundene Ausgabe, 1. Februar 2001 Verkaufsrang: 151393 Paprika sieht gut aus, hat Erfolg und ist ziemlich neurotisch. Mensch und Tier sind ihr ein Gräuel. Im Kampf um Parkplätze und gegen die grassierende Broilerisierung Berlins helfen nur Valium und eine geladene Knarre. Im Kampf gegen das Unglücklichsein hilft nur tabuloser Sex mit einem geheimnisvollen, gefährlichen Liebhaber.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 134 Bewertungen)
selten so gelacht 5 von 5 Punkten wer sich elke buschheuer als wetterfee bei pro 7 eingeprägt hat, denn das war sie ja mal, und daher etwas unsicher ihr buch in die hand nimmt, wird entweder schockiert oder völlig begeistert sein. der wetterjob gab ihr wahrscheinlich den finaziellen freiraum dieses wunderbar sarkastische buch zu schreiben. ein buch zum superschnellen durchlesen, denn weglegen kann man es eh nicht, ein buch zum totlachen, ein buch mit themen, die jeder kennt, aber so noch nie erlebt oder betrachtet hat.
genial !!
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An den inneren Ufern Indiens: Eine Reise entlang des Ganges Ilija Trojanow Broschiert, April 2008 Verkaufsrang: 194539 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 6 Tagen. Der Ganges ist die Lebensader Indiens. Ilija Trojanow hat den großen Fluss von der Mündung, wo er aus dem ewigen Eis bricht, bis in die großen Städte bereist, mit dem Boot, dem Bus, in überfüllten Bahnen. Eine farbige Reportage und Erzählung über ein Land zwischen einer uralten Tradition und einer höchst ungewissen Moderne und über den heiligen Fluss, der es über Hunderte von Kilometern durchzieht.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Eine faszinierende Reise entlang des "Heiligen Flusses" 5 von 5 Punkten Ilja Trojanow hat den Ganges von der Mündung, wo er aus dem ewigen Eis bricht, bis in die großen Städte bereist, mit dem Boot, dem Bus, in überfüllten Bahnen. Sein farbiger Bericht ist Reportage und Erzählung über ein Land zwischen einer uralten Tradition und einer höchst ungewissen Moderne und über den heiligen Fluss, der es über Hunderte von Kilometern durchzieht. Mich hat diese Buch fasziniert und begeistert, für Indien und eine Reise dorthin! Wer Lust am indidschen Subkontinent hat, der muss dieses Buch gelesen haben!
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Rave Rainald Goetz Gebundene Ausgabe, März 1998 Verkaufsrang: 308108 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen. Rainald Goetz, der inzwischen nicht mehr ganz so junge Stirnschlitzer von Klagenfurt, ist mit einem Buch angetreten, das den Techno-Sound, die Dj-Kultur, das Leben am Rauschtropf im Titel trägt. Es geht um "Exzeß. Saufen, Sex, Gewalt und natürlich um alle Arten von Drogen und Drogenkaputtheit. Das absolut aller Kaputteste freilich, die "Totalverblödung" schlechthin, läßt uns der Erzähler wissen, das ist die "generelle Abstinenz" und alle anderen Formen von risikolosem Langweilertum. Also Insider. Insider feiern mit Insidern, an der Tür zum Club "heute wieder großes Redakteure-, Werber-, Fotografen und Studenten-Bashing!". Draußen bleiben müssen, obwohl sie überall mit ihren Kameras und Mikrofonen dazwischenstolpern, die ignoranten Pressemenschen, die übers "Abfeiern, Aufreißen, Ausrasten" ein Filmchen drehen, einen "Textcheftext" schreiben wollen. Was macht also der Rainald, wenn er nicht gerade snifft oder kifft oder tanzt? Er notiert die "gleichzeitig mitlaufendenden Reflexionen" zu einer "Theorie der Kritik". Er schimpft auf die intellektuelle Anmaßung, das Techno-Phänomen der 90er zu erklären. Das Grundproblem sei doch, "daß man sich für manche Phänomene der populären Kultur einfach nur aufgrund der eigenen Klassenzugehörigkeit, als zunächstmal NICHT zuständig zu qualifizieren hat, und damit eigentlich auch als UNFÄHIG, sie zu erkennen, zu verstehen, und zu bewerten". Kritiker haben es also denkbar einfach (und die meisten haben in diese Kerbe gehauen!), das Buch als arrogante Predigt zu lesen. Ja und Nein. Über das ganze elitäre Getue hinweg faszinieren die präzisen Situationen, die Goetz mit seinem Erzählstakkato schafft: ansetzen, absetzen, nächste Rille. Das ist ein Buch, das lieber Musik wäre, von einem Autoren mit einer "Art Ahnung von Sound in mir, ein Körpergefühl, das die Schrift treffen müßte". Und dann gibt es da noch sieben thrillermäßig spannende Seiten, eine Situationsbeschreibung der Arbeit des DJ vor Publikum, eine Mikrotheorie dieser "Augenblicklichkeitskunst", die jeden Moment von übelschmeckender Attitüde in diesem Buch vergoldet.-- Nikolaus Stemmer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
Textuelle Rekonstruktion einer Augenblicksästhetik 5 von 5 Punkten Durch die gesamte Erzählung zieht sich die Musik, der Rave, wie ein roter Faden. Ein vieldimensionales Netz aus Wörtern, Zitaten, Versatzstücken; Popliteratur, Popkultur, der Spex: hier greift Goetz ein. Hinterfragt, in tiefster Ekstase der Party vollkommene Klarheit besitzend, diese seltsame Gesellschaft. Er ist teilhabender Beobachter, er Rainald steht dabei. Ein kollektives Wir-Gefühl (gleichsam dem kollektiven "Wirr"-Gefühl) wird hochstilisiert zu einer ekstatischen Einzig-Wahrheit. Alles im Schatten der Soundgewalten. Da bleibt nur zu sagen: "geil - geil - geil - geil"
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Lügen Elke Naters Broschiert, April 2007 Verkaufsrang: 79348 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Geschichte von zwei Freundinnen um die Dreißig in Berlin: Be ist ein Miststück - findet Augusta. Sie hat alles, was Augusta fehlt: einen Mann, Kinder, Spaß und Erfolg. Aber weil sie auch eine treue Freundin ist, sieht Augusta ihr das meistens nach. Doch dann kommt die Liebe ins Spiel und alles wird anders ...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)
.... wie Frauen fühlen.... 5 von 5 Punkten ... so zumindest habe ich mich gefühlt, als ich dieses Buch im wahrsten Sinne des Wortes verschlungen habe. Leicht zu lesen wie eine Boulevardzeitschrift, aber dennoch tiefgründig und mit einer wundervollen Sprache und Ausdruckskraft. Man erkennt sich einfach wieder: eine beste Freundin, die man mal hasst, aber dennoch bedingungslos liebt, mit der man sich vergleicht, obwohl völlig abwegig. Ein grosser Spass mit einem Hauch von Eigen- und Bösartigkeit. Kaufen, Lesen, Lachen!
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Der Fall Arbogast Thomas Hettche Broschiert, März 2008 Verkaufsrang: 133546 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Kriminalroman" wurde der neue Roman von Thomas Hettche ausdrücklich untertitelt, womit die Abteilung Literatur im DuMont Verlag ein deutliches Zeichen für die neue "Gesellschaftsfähigkeit" des Genres gesetzt hat. Doch um einen konventionellen Krimi nach herkömmlichem Strickmuster handelt es sich bei dem vorliegenden Text keinesfalls, obwohl eine Frauenleiche und ein Indizienprozess gegen den Tatverdächtigen die Ausgangspunkte des Geschehens bilden. Vielmehr ist Hettche ein großartiges und verstörendes Kammerspiel um Möglichkeiten und Grenzen der modernen Justiz gelungen, das den Leser zutiefst beunruhigt zurücklässt. Der Geschäftsreisende Hans Arbogast gabelt an einem Septemberabend des Jahres 1953 eine Anhalterin auf. Noch am gleichen Abend schlafen die beiden heftig miteinander und plötzlich ist die junge Frau tot. Arbogast legt die Leiche am Straßenrand ab und kehrt nach Hause zurück. Kurze Zeit später meldet er sich bei der Polizei, die um Mithilfe der Bevölkerung gebeten hatte. Arbogast verwickelt sich zunehmend in Widersprüche, wird einem harten Verhör unterzogen und gesteht die Tat. Das Gerichtsverfahren nimmt durch das Gutachten des renommierten Gerichtsmediziners Maul einen überraschenden Verlauf -- aus Totschlag wird die Anklage Sexualmord. Arbogast wird zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Vierzehn Jahre später rollen der Journalist Sarrazin und der Anwalt Ansgar Klein den Fall erneut auf. Eine zentrale Rolle bei der Wiederaufnahme spielt das neue Gutachten der Ostberliner Gerichtsmedizinerin Katja Lavans, die im Prozessverlauf ein besonderes Verhältnis zu Arbogast entwickelt. Hettche gestattet sich keine Verurteilung oder Heroisierung seiner Protagonisten, sondern zeigt den Fall in bedrohlich gleichförmigem und zurückgenommenem sprachlichen Duktus aus unterschiedlichen Perspektiven. Hier liegt der Kern der atemlosen Spannung, die sich für den Leser bis zum Finale stetig steigert. Beeindruckend ist vor allem die Schilderung der psychischen Veränderungen Hans Arbogasts durch jahrelange Haft. Nichts wird am Ende aufgelöst, einzig die Grenzen der Justiz und deren gefährliche Macht führt Thomas Hettche in seinem großartigen Roman eindeutig vor Augen. --Ulrich Deurer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 18 Bewertungen)
Ein Pageturner, ohne reißerisch zu sein 5 von 5 Punkten Der Verlag nennt dieses Buch, das ich an einem Tag verschlungen habe, einen Kriminalroman. Doch es ist kein klassischer Whodunit". Ein Mann nimmt eine Anhalterin mit, unterwegs haben sie Sex, die Frau verstirbt dabei. Der Mann gerät in Panik, versteckt die Leiche, stellt sich später und wird wegen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt - aufgrund eines Gutachtens einer Koryphäe der Gerichtsmedizin, das sich aber nur auf schlechte Fotos stützt. Der Fall wird 14 Jahre später neu aufgerollt und dank des Gutachtens einer Gerichtsmedizinerin aus der DDR kommt der Täter" frei.
Das Buch beruht auf einem authentischen Fall, der sich 1953 im Badischen ereignete. Das entlastende Gutachten erstellte 14 Jahre später der renommierte Gerichtsmediziner Otto Prokop aus Ost-Berlin, den übrigens Gabriele Goettle in ihrem Buch Experten" vorstellt. Aus dramaturgischen Gründen wählt Hettche für seinen Roman eine Frau als Gerichtsmedizinerin. Da Hettche keinen Tatsachenroman verfasst, den er einfach der Realität abschreibt, sondern ein eigenständiges Kunstwerk schafft, ist diese poetic licence" völlig legitim. Ohne jemals bemüht zu wirken, befasst sich das Buch, sprachlich hervorragend, mit den großen Fragen: Was ist Schuld? Was ist Gerechtigkeit? Hettches Roman ist ein Pageturner", ohne je reißerisch zu sein.
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Khamsin. Die Namen der Wüste Raoul Schrott Gebundene Ausgabe, März 2002 Verkaufsrang: 266592 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Faszination der Wüste ist vom Reiz ihrer tödlichen Gefahren kaum zu trennen, ebenso wenig wie von der erstaunlichen Tatsache, dass es Menschen immer wieder gelingt, ihnen zu entkommen. Eine unwahrscheinliche, aber wahre Geschichte liegt auch der Erzählung Khamsin zugrunde: die von vier Soldaten der Long Range Desert Group, einer legendären britischen Wüsteneinheit, die während des Zweiten Weltkriegs in der Sahara operierte. Nach einem Angriff italienischer Truppen in der Nähe von Kufra versuchen Moore, Winchester, Easton und Thighe zu Fuß hinter die eigenen Linien zurückzukehren. Vom nächstgelegenen Posten trennt sie ein 500 Kilometer langer Weg durch die Ödnis. Wie in Trance schleppen sie sich durch die Wüstenlandschaft, von Hunger, Hitze und Durst gequält, in innigem Kampf mit ihren zusehends stärker ausgemergelten Körpern. Zehn Tage sind sie unterwegs, bevor sie endlich von Suchtrupps aufgelesen und gerettet werden. Nach knapp 400 Kilometern Fußmarsch weiß Sergeant Moore, "wo die Seele war: zwischen den Gelenken, in jener Kapsel, wo sich der Knochen in seinem Scharnier rieb, und dass sie das Innere des Laufs war". Mit Khamsin legt Raoul Schrott ein weiteres Zeugnis von seiner Liebe zur Wüste ab. Es sind die Menschen, die allen Widrigkeiten zum Trotz ihren Weg durch sie fanden, denen der Autor hier auf wenigen Seiten ein literarisches Denkmal setzt. Der Essay "Die Namen der Wüste", den größeren Teil des schmalen Bandes bildend, sorgt für kultur- und erdgeschichtliche Kontexte. Prähistorische Funde wie die von Laszlo Almásy auf dem Plateau des Gilf Kebir offenbaren zivilisatorische Ursprünge, und die Beziehung des Menschen zur Wüste wird erhellt durch die Etymologie ihrer vielen Namen -- wie "khamsin", der Südwind, der 50 Tage anhält. Akribisch folgt Schrott jenen Spuren, die nicht im Sand verwehten. Poesie und viel Wissen steckt auch in diesem kleinen Werk des sprach- und weltkundigen Autors, den schon H. C. Artmann als Poeta doctus schätzte. Es mag sich bestens als literarisches Supplement zu einem Reiseführer eignen, oder aber selbst einer sein: für alle, die lieber im eigenen Kopf auf Entdeckungsreisen gehen. --Mathis Zojer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Für Liebhaber 5 von 5 Punkten eine merkwürdig zweigeteiltes Buch. Eine überaus spannende Kurzgeschichte im ersten Teil: eine Gruppe Soldaten verliert ihr Fahrzeug und findet sich ohne Hilfsmittel im Zentrum der Sahara wieder. Im zweiten Teil ein Essay über Geschichte und Zukunft der Sahara. Ein schmaler Band, der in jedes Saharagepäck paßt und dort auch hingehört. |
Der Fall Arbogast Thomas Hettche Broschiert, März 2008 Verkaufsrang: 133546 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Kriminalroman" wurde der neue Roman von Thomas Hettche ausdrücklich untertitelt, womit die Abteilung Literatur im DuMont Verlag ein deutliches Zeichen für die neue "Gesellschaftsfähigkeit" des Genres gesetzt hat. Doch um einen konventionellen Krimi nach herkömmlichem Strickmuster handelt es sich bei dem vorliegenden Text keinesfalls, obwohl eine Frauenleiche und ein Indizienprozess gegen den Tatverdächtigen die Ausgangspunkte des Geschehens bilden. Vielmehr ist Hettche ein großartiges und verstörendes Kammerspiel um Möglichkeiten und Grenzen der modernen Justiz gelungen, das den Leser zutiefst beunruhigt zurücklässt. Der Geschäftsreisende Hans Arbogast gabelt an einem Septemberabend des Jahres 1953 eine Anhalterin auf. Noch am gleichen Abend schlafen die beiden heftig miteinander und plötzlich ist die junge Frau tot. Arbogast legt die Leiche am Straßenrand ab und kehrt nach Hause zurück. Kurze Zeit später meldet er sich bei der Polizei, die um Mithilfe der Bevölkerung gebeten hatte. Arbogast verwickelt sich zunehmend in Widersprüche, wird einem harten Verhör unterzogen und gesteht die Tat. Das Gerichtsverfahren nimmt durch das Gutachten des renommierten Gerichtsmediziners Maul einen überraschenden Verlauf -- aus Totschlag wird die Anklage Sexualmord. Arbogast wird zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Vierzehn Jahre später rollen der Journalist Sarrazin und der Anwalt Ansgar Klein den Fall erneut auf. Eine zentrale Rolle bei der Wiederaufnahme spielt das neue Gutachten der Ostberliner Gerichtsmedizinerin Katja Lavans, die im Prozessverlauf ein besonderes Verhältnis zu Arbogast entwickelt. Hettche gestattet sich keine Verurteilung oder Heroisierung seiner Protagonisten, sondern zeigt den Fall in bedrohlich gleichförmigem und zurückgenommenem sprachlichen Duktus aus unterschiedlichen Perspektiven. Hier liegt der Kern der atemlosen Spannung, die sich für den Leser bis zum Finale stetig steigert. Beeindruckend ist vor allem die Schilderung der psychischen Veränderungen Hans Arbogasts durch jahrelange Haft. Nichts wird am Ende aufgelöst, einzig die Grenzen der Justiz und deren gefährliche Macht führt Thomas Hettche in seinem großartigen Roman eindeutig vor Augen. --Ulrich Deurer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 18 Bewertungen)
Ein Pageturner, ohne reißerisch zu sein 5 von 5 Punkten Der Verlag nennt dieses Buch, das ich an einem Tag verschlungen habe, einen Kriminalroman. Doch es ist kein klassischer Whodunit". Ein Mann nimmt eine Anhalterin mit, unterwegs haben sie Sex, die Frau verstirbt dabei. Der Mann gerät in Panik, versteckt die Leiche, stellt sich später und wird wegen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt - aufgrund eines Gutachtens einer Koryphäe der Gerichtsmedizin, das sich aber nur auf schlechte Fotos stützt. Der Fall wird 14 Jahre später neu aufgerollt und dank des Gutachtens einer Gerichtsmedizinerin aus der DDR kommt der Täter" frei.
Das Buch beruht auf einem authentischen Fall, der sich 1953 im Badischen ereignete. Das entlastende Gutachten erstellte 14 Jahre später der renommierte Gerichtsmediziner Otto Prokop aus Ost-Berlin, den übrigens Gabriele Goettle in ihrem Buch Experten" vorstellt. Aus dramaturgischen Gründen wählt Hettche für seinen Roman eine Frau als Gerichtsmedizinerin. Da Hettche keinen Tatsachenroman verfasst, den er einfach der Realität abschreibt, sondern ein eigenständiges Kunstwerk schafft, ist diese poetic licence" völlig legitim. Ohne jemals bemüht zu wirken, befasst sich das Buch, sprachlich hervorragend, mit den großen Fragen: Was ist Schuld? Was ist Gerechtigkeit? Hettches Roman ist ein Pageturner", ohne je reißerisch zu sein.
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Khamsin. Die Namen der Wüste Raoul Schrott Gebundene Ausgabe, März 2002 Verkaufsrang: 266592 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Faszination der Wüste ist vom Reiz ihrer tödlichen Gefahren kaum zu trennen, ebenso wenig wie von der erstaunlichen Tatsache, dass es Menschen immer wieder gelingt, ihnen zu entkommen. Eine unwahrscheinliche, aber wahre Geschichte liegt auch der Erzählung Khamsin zugrunde: die von vier Soldaten der Long Range Desert Group, einer legendären britischen Wüsteneinheit, die während des Zweiten Weltkriegs in der Sahara operierte. Nach einem Angriff italienischer Truppen in der Nähe von Kufra versuchen Moore, Winchester, Easton und Thighe zu Fuß hinter die eigenen Linien zurückzukehren. Vom nächstgelegenen Posten trennt sie ein 500 Kilometer langer Weg durch die Ödnis. Wie in Trance schleppen sie sich durch die Wüstenlandschaft, von Hunger, Hitze und Durst gequält, in innigem Kampf mit ihren zusehends stärker ausgemergelten Körpern. Zehn Tage sind sie unterwegs, bevor sie endlich von Suchtrupps aufgelesen und gerettet werden. Nach knapp 400 Kilometern Fußmarsch weiß Sergeant Moore, "wo die Seele war: zwischen den Gelenken, in jener Kapsel, wo sich der Knochen in seinem Scharnier rieb, und dass sie das Innere des Laufs war". Mit Khamsin legt Raoul Schrott ein weiteres Zeugnis von seiner Liebe zur Wüste ab. Es sind die Menschen, die allen Widrigkeiten zum Trotz ihren Weg durch sie fanden, denen der Autor hier auf wenigen Seiten ein literarisches Denkmal setzt. Der Essay "Die Namen der Wüste", den größeren Teil des schmalen Bandes bildend, sorgt für kultur- und erdgeschichtliche Kontexte. Prähistorische Funde wie die von Laszlo Almásy auf dem Plateau des Gilf Kebir offenbaren zivilisatorische Ursprünge, und die Beziehung des Menschen zur Wüste wird erhellt durch die Etymologie ihrer vielen Namen -- wie "khamsin", der Südwind, der 50 Tage anhält. Akribisch folgt Schrott jenen Spuren, die nicht im Sand verwehten. Poesie und viel Wissen steckt auch in diesem kleinen Werk des sprach- und weltkundigen Autors, den schon H. C. Artmann als Poeta doctus schätzte. Es mag sich bestens als literarisches Supplement zu einem Reiseführer eignen, oder aber selbst einer sein: für alle, die lieber im eigenen Kopf auf Entdeckungsreisen gehen. --Mathis Zojer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Für Liebhaber 5 von 5 Punkten eine merkwürdig zweigeteiltes Buch. Eine überaus spannende Kurzgeschichte im ersten Teil: eine Gruppe Soldaten verliert ihr Fahrzeug und findet sich ohne Hilfsmittel im Zentrum der Sahara wieder. Im zweiten Teil ein Essay über Geschichte und Zukunft der Sahara. Ein schmaler Band, der in jedes Saharagepäck paßt und dort auch hingehört. |
Mode und Verzweiflung Thomas Meinecke Taschenbuch, März 1998 Verkaufsrang: 301639 Eines der intelligentesten und sprachlich reizvollsten Bücher des Jahres , schrieb die Badische Zeitung über Thomas Meineckes 1996 erschienenen Roman The Church of John F Kennedy es 1997). In seinem literarischen Roadmovie macht sich Meinecke auf die Suche nach deutschen Spuren in Amerika Anfang der 90er Jahre. Das Multitalent -Meinecke ist Schriftsteller und Journalist, Musiker Freiwillige Selbstkontrolle), Discjockey und Moderator - war aber auch ein Chronist der 70er und 80er Jahre. Forum für seine skurrilen Zeitgeiststudien war zunächst die 1978 von ihm und seiner Band gegründete Zeitung Mode & Verzweiflung, später u.a. Die Zeit und 1986 das suhrkamp Taschenbuch Mit der Kirche ums Dorf. Nun liegen die aberwitzigen Kurzgeschichten aus Provinz und Metropole, Fernsehen und Wohnzimmer des Pop- und dialektikgeschulten Musikanarchisten Hubert Winkels) in erweiterter Auswahl vor.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
wienerwald 5 von 5 Punkten Thomas Meinecke, der DJ, Musiker und UAtor der Diskurs-Romane Tomboy und Hellblau ist hier in seinem Frühwerk zu entdecken. Kurze, anekdotenhfte, meist wirklich witzige Kürzestgeschichten, ursprünglich erschienen in den 80ern in dem Fanzine Mode Und Verzweiflung. Lohnt sich allein schon wegen der Erzählung Winerwald. Spannend zu sehen was heute aus ihm geworden ist. Das hier ist ganz anders aber ebenfalls großartig. |
Frühling Thomas Lehr Broschiert, September 2005 Verkaufsrang: 291997 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Nachdem Thomas Lehr bereits für sein Debüt Zweiwasser oder Die Bibliothek der Gnade den Rauriser Literaturpreis (Beste deutschsprachige Prosa-Erstveröffentlichung) erhielt und auch seine beiden anderen Romane, Nabokovs Katze und Die Erhörung, lobende Kritiken ernteten, wendet er sich nun mit Frühling einem anderen Genre zu: der Novelle. Ein wichtiges (inhaltliches) Charakteristikum der Gattung Novelle ist nach Goethe die Tatsache, dass sie ein "unerhörtes Ereignis" schildere; auf einer formalen Ebene besticht sie allem voran durch eine stilisierte, strenge Form. Wie geht Lehr nun in seiner Novelle eines -- so viel sei vorweg genommen -- deutschen Traumas mit dieser klassischen Tradition um? Das Buch beginnt mit einem doppelten Suizid: Christian und seine Geliebte Gucia erschießen sich -- doch bis der Tod des Protagonisten eintreten wird, dauert es noch 39 Sekunden. Diese 39 Sekunden finden ihren Niederschlag in 39 Kapiteln, rückwärts gezählt, und lesen sich zunächst wie ein wild assoziativer Strom aus Erinnerungen an zentrale Lebensereignisse, die in diesem Zwischenreich von Leben und Tod wie ein kurzer Film nochmals vor seine Augen treten. Die Stakkato-Worte sind trunken, die Sätze zerhackt und auch die Interpunktion bietet dem Leser keinen Halt, folgt sie schließlich keinen (erkennbaren, vielleicht rhythmischen?) Regeln. An zentraler Stelle dieses atemlosen, den Leser völlig in seinen Sog ziehenden Monologs, plötzlich ein "unerhörtes Ereignis", ein geradezu traumatisches Erlebnis, um das alles zu kreisen scheint: Es ist ein Sommertag im elterlichen Garten. Christian ist mit seinem Bruder Robert vom Angeln zurückgekehrt, als sie einen (vermeintlich irren) Exhibitionisten vor der eigenen Tür sehen. Die Polizei wird gerufen und sorgt für dessen Entfernung. Robert jedoch weiß, dass der Vater Arzt im Konzentrationslager von Dachau war und gerade von einem seiner Opfer besucht wurde -- ein Wissen, das Robert drei Jahre später in den Selbstmord treiben sollte, in einen Suizid, auf den Christian noch Jahrzehnte wartete, ihn nun vor den Augen des Lesers vollzieht und endlich -- durch permanente Verdrängung -- das Ausmaß seiner Lebenslüge erkennen kann. Der Leser selbst kann sich dieser Sterbeszene nicht entziehen: All die Schilderungen eines von Verdrängungen und Verletzungen gezeichneten Lebens sind in eine Sprache transferiert, die konsequent die Syntax der Sätze zersplittert, ja mit all ihren Normen zu brechen scheint: Die Bilder driften zusehends ins Apokalyptische ab und offenbaren eine deutsche Tragödie in einer deutschen Novelle von großem (sprach-)experimentellen Ausmaß. --Kristina Nenninger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Eine unvergleichliche Novelle 5 von 5 Punkten Mich hat die Novelle "Frühling" von Thomas Lehr absolut in ihren Bann gezogen. Zugegeben, am Anfang war es schon sehr gewöhnungsbedürftig zu lesen, aber ich habe mich einfach ganz auf diese vollkommen neue, ungewohnte Art Text eingelassen und während vielleicht manch anderer das Buch schon bald weggelegt hat, wurde ich zunehmend davon gefesselt. Für mich war die extreme Sprache, die so extrem ist wie das Schweben zwischen Leben und Tod, ein spannendes Rätsel, das es zu lösen gilt. Die Bilder, die die Sprache zeichnet, sind zwar wirr, konfus, surreal und absolut eigenartig (im besten Sinne des Wortes), aber mich hat das nicht abgeschreckt - nein, denn von eben diesen Bildern wird eine fiebrige, traumhafte Atmosphäre geschaffen, die mich als Leser vollkommen eingehüllt hat und ich konnte einfach nicht mehr aufhören zu lesen. Es war fast wie ein Rausch, der durch die Sprache als Droge hervorgerufen wurde. Leider ist dies das erste Werk, das ich von Thomas Lehr lesen durfte, doch ich werde es mit Sicherheit nicht verpassen, seine anderen Werke auch noch zu lesen. Ich halte ihn für einen genialen Sprachakrobaten. Denn was er mit der Sprache anstellen kann, ist wirklich unglaublich und ich habe höchsten Respekt davor. Alles in allem kann ich nur sagen: Wer bereit ist, sich auf ein vollkommen neuartiges und abstraktes Leseerlebnis einzulassen, sollte es mit "Frühling" von Thomas Lehr versuchen!
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Woher ich komme Alexa Hennig von Lange Taschenbuch, Februar 2005 Verkaufsrang: 301252 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Woher ich komme, Alexa Hennig von Langes vierter Roman, ist der Gedankenbericht einer 30-Jährigen, die sich aus gegebenem Anlass an ihre Kindheit erinnert. Mit ihrem Vater fährt sie zurück in das Ferienhaus, das sie seit ihrer Kindheit kennt. Der erneute Besuch der Meereslandschaft konfrontiert sie mit angenehmen und unangenehmen Erinnerungen, vor allem aber mit dem frühen Verlust von Mutter und Bruder. "Ich habe dir nie gesagt, wie es damals war", sagt die Erzählerin. Nur vage deutet sie an, wer angesprochen wird. Hennig von Lange spielt subtil mit Auslassungen und Assoziationsangeboten, hantiert souverän mit Stimmungen, Erinnerungsbildern und Zeitebenen -- und legt die Rekonstruktion des Erlebten in die Hand des Lesers. Die Entschlüsselung dieses Familien-Psychogramms macht einen wesentlichen Reiz dieses Buches aus. Einmal mehr -- nach Ich bin's (2000), Ich habe einfach Glück (2001) und der Erzählung Lelle (2002) -- ist das zentrale Thema "Familie", doch der Ton ist ein völlig anderer. Hennig von Lange konzentriert die Gedanken ihrer Erzählerin auf kurze Absätze. Sie beschreibt leise, melancholisch und setzt nach 1.000 Seiten Teenie-Jargon auf die Wirkung des Schlichten: "Wenn es warm draußen ist, wenn es Nachmittag ist, wenn du, mein Bruder, ausgeschlafen hast, zieht dich Mama flüsternd aus dem Bett, auf ihren Schoß... Du sitzt, halb liegst du noch, fast wie ein Ertrunkener, dein Kopf an ihrer Brust, du blinzelst. Mein Bruder, jetzt öffnest du die Augen". Stellenweise trieft das ein wenig vom Kitsch der poetischen Pose. Trotzdem ist diese Geschichte (mit etwas mehr als 100 Seiten eher eine Erzählung als ein Roman) glaubwürdig. Und es liegt in dieser Spurensuche in der Geschichte der persönlichen Gefühle ein Urmotiv des Aufschreibens: die Bergung der Momente des Älterwerdens. Die Generation der Autorin hat sich bisher nur wenig dafür interessiert. Was wäre, wenn niemals einer gesagt hätte, wie es damals war? --Nikolaus Stemmer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
wunderschön 5 von 5 Punkten Ich kann das Buch "Woher ich komme" nur weiter empfehlen. Es ist so voller Gefühl und Poesie, dass mich das Buch ganz in seinen Bann gezogen hat beim Lesen. Es lässt daher auch Platz für Interpretationen, da nur die Gedankenwelt der Erzählerin beschrieben wird.
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Herr der Hörner Matthias Politycki Taschenbuch, September 2005 Verkaufsrang: 274787 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 6 Tagen. Das theoretische Stützkorsett zu seinem Roman lieferte Matthias Politycki schon vorab in einem Aufsatz in der Zeit. In seinem Nachruf zu Lebzeiten sieht er den Untergang des weißen Mannes voraus, attestiert der westlichen Gesellschaft geistige Entwurzelung und Glaubenslosigkeit, beklagt den Rückzug in Privat-Esoterik und eine müde Generalironie. Kopflastigkeit und Verweichlichung allerorten, aber aufgeklärt daherkommend! Während eines mehrmonatigen Kuba-Aufenthaltes fand Polityckis Erweckungserlebnis statt. In der ungebremsten Wildheit des Willens, sowie dem tief verinnerlichten Glauben der schwarzen Bevölkerung, fand der Autor das authentischere Menschenbild. Nicht wenige Zeit-Leser zeigten sich gelinde beunruhigt! Genau dahin, wo die Angst regiert, schickt Politycki nun seinen Protagonisten mit dem merkwürdigen Namen, wie ihn nur Romanautoren ersinnen können. In einer versifften Kneipe in Santiago de Cuba sollte der saturierte Banker Broder Broschkus, Feind allen karibischen Frohsinns, sein kaltes europäisches Intellektuellenherz verlieren. Hier das ewig Weibliche, in Gestalt einer jungen Kubanerin; dort der käsegesichtige, übergewichtige und sich seiner Hässlichkeit schmerzlich bewusste deutsche Herrenmensch auf Ferienfahrt. Auf der Tanzfläche plötzlich die pure Magie der Körperlichkeit. Ausgerechnet beim verhassten Salsa mutiert der steife Teutone zur geschmeidigen Raubkatze. Broschkus beginnt zu schwingen, aus ist es mit dem hochmütigen europäischen Blick, der ganzen Kultiviertheit. Der Instinkt war erwacht. Vergessen war Kristina, die eigene Frau. Broder Broschkus` Verwandlung hatte begonnen! Auf mächtigen 730 Seiten schickt Politycki nun seinen buchstäblich etwas blassen Protagonisten auf der Suche nach der unbekannten Tänzerin mitten ins Herz der Finsternis. Als Kontrapunkt zu dieser schwarzmagischen Welt perfekt gesetzt, der hohe, steifleinene literarischeTon (Percussionisten heißen auf Kuba immer noch Schlagwerker, bitteschön!). Broschkus, einem ungläubig staunenden und ständig um Fassung ringenden Forschungsreisenden gleich, taucht tief ein in die archaische Welt der magischen Zeichen, der afrokubanischen Gottheiten und blutigen Opferungsrituale. Wie seriös der Autor von seiner Vision vom Niedergang der westlichen Kultur infiziert ist, zeigt das angehängte akribische Register der wichtigsten Tiere, Personen, Heiligen und Götter. Werden wir hier schon auf die Herren einer künftigen Welt eingestimmt? Darüber wird noch zu reden sein! --Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
¡Tú sabes! 5 von 5 Punkten tolles buch! tolle sprache! habe am ende eines laengeren Cuba urlaubes angefangen zu lesen, und es dann innerhalb von zwei wochen "verschlungen"... das ende des buches war so spannend, dass ich nur mit "licht an" schlafen konnte...
"¡Coño, tú sabes!" sagte ein anhaenger des Palo Monte (den ich durch zufall in Trinidad kennenlernte) nur, als ich ihm verschiedene der rituale beschrieb... das buch habe ich ihm dann geschenkt, da er die zeichnungen und das glossary sehr informativ fand...
die darstellung von Cuba im allgemeinen und Santiago im besonderen sind sehr sehr zutreffend...auch jetzt, 2008.
P.S.: auch als vorbereitungslektuere fuer einen Cuba trip sehr zu empfehlen.
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Wasserfarben Thomas Brussig Broschiert, Dezember 2003 Verkaufsrang: 325359 Bevor Thomas Brussig mit "Helden wie wir" und "Sonnenallee" überwältigende Erfolge feierte, war unter einem Pseudonym sein erster Roman "Wasserfarben" erschienen: Es ist die trotzige, traurige, komische Geschichte eines Abiturienten, der nicht so recht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll. Ein Buch übers Erwachsenwerden, in dem der Held wie schon Generationen vor ihm bei Salinger, Kerouac oder Plenzdorf lässig-ironisch die großen Sinnfragen stellt, aber mit seinen Problemen ziemlich allein dasteht. Der Roman, den Brussig schrieb, weil er ihn selbst mit zwanzig hätte lesen wollen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)
Volle Punktzahl! 5 von 5 Punkten Volle Punktzahl! Ich bin anfangs sehr skeptisch an das Buch heran gegangen, da ich es mit dem Deutsch LK lesen musste und ich nicht davon ausgegangen war, dass man in der Schule auch gute Bücher lesen kann. Thomas Brussig hat jedoch mit seinem Roman Wasserfarben mein Weltbild gedreht. Er hat es geschafft, in einem Buch alles zu verpacken was ein Buch überhaupt brauchen kann. Er erzählt eine Spannende Geschichte aus seinem Leben, die er in einer humorvollen, lässig-ironischen und dadurch unterhaltsamen Schreibweise verfasst hat. So gelingt es ihm, dass man sich zu jeder Situation perfekt in den Protagonist Anton hinein versetzen kann. Brussig stellt in seinem Roman die großen Sinnfragen und es gelingt ihm einfach alles so ins Ironische zu ziehen, dass man nach dem lesen jeder Seit wieder denkt: Der hat den Nagel auf den Kopf getroffen!.
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Frische Goldjungs: Storys
Taschenbuch, Mai 2001 Verkaufsrang: 115660 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 6 Tagen. Eine hinreißende Sammlung von Geschichten junger Autoren, die zeigt, wieviel Spaß deutsche Literatur heute wieder machen kann
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Die Leichtigkeit! 5 von 5 Punkten Wer pure Ostalgie sucht, sollte dieses Buch nicht kaufen, da sich die Autoren auf leichte und beschwingte Art und Weise ihre eigenen Sichtweisen stellen. Es ist faszinierend, wieviel Potenzial in diesen Kurzgeschichten vorhanden ist. Warum das Weltbild immer so kompliziert gestalten? Dazu gehört auch das sogenannte Konfliktgerede zwischen Ost und West! Die "Goldjungs" verstehen es mit ihren unbelasteten Erzählweise diese steife Denkweise zu umgehen und vermitteln einfach das Gefühl, daß wir Menschen mit Toleranz und Aufgeschlossenheit unseren Frieden finden. Das Buch möchte unterhalten - nicht mehr und nicht weniger - und dieser Anspruch ist voll und ganz gelungen! Empfehlenswert für jeden! Jedenfalls für jeden, der über den eigenen Gartenzaun hinweg schauen kann!
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Pawlows Kinder Simone Borowiak Taschenbuch, 2001 Verkaufsrang: 324002 Frech, witzig, schnörkellos direkt, lauter Geschichtchen, die ein Schulalltag nun mal so schreiben kann: So zeichnet die TITANIC- erfahrene Simone Borowiak das Leben und Lernen in einem Internat. Manchmal mit so scharfer Zunge und spitzer Feder, daß einem geradezu die Spucke wegbleibt. Keine Penne wie bei Dr. Specht, kein Rührstück à la Feuerzangenbowle. Auch der Rühmannsche Pauker hätte wenig Chancen in einem Roman, für den Pawlow, der Vater der Verhaltenspsychologie, Pate stand. Ein Wurstfabrikant, der sein Vermögen mit "Verbrechen an der Wurstlichkeit" verdient hat, macht's möglich: mit seinem Geld und viel pädagogischem Idealismus baut eine Handvoll Lehrer ein Internat auf. Ganz nach dem Motto: "...von der schlechten Ernährung zur guten Ausbildung. Von der Bratwurst zur Begabtenförderung". Als Jordan, ein ehemaliger Schüler, dann als Pauker eingestellt wird, hat die Geschichte ihren Dreh- und Angelpunkt gefunden. Seine Klasse, alles Stipendiaten unterschiedlichster Herkunft und ein "durchgeknallter Sauhaufen", macht aus dem Klassenzimmer einen "Schnellkochtopf". Währenddessen jagt im Lehrerzimmer in schönster Überzeichnung eine menschliche Schwäche die andere: Beziehungsstreß, Streit um pädagogische Konzepte, Eitelkeiten, Lebenskrisen. Und irgendwann dann beginnen sich aus diesem turbulent-bunten Durcheinander Figuren mit Profil und Gesicht herauszuschälen, entstehen Menschen, die von Vergangenem geprägt sind und beginnen, miteinander klarzukommen. Alle sind sie irgendwie "Pawlows Kinder", die durch lieblose Kindheit, erlebten Mißbrauch, oder jahrelange und unerfüllte Beziehungen, ihre Kanten, Ecken und Macken haben. Manchmal wissen sie gar nicht warum, zu viel ist zugeschüttet und verdrängt. Aber, wie sagte doch der russische Nobelpreisträger, der durch die speichelnden Hunde berühmt wurde: das totale Vergessen findet nun mal nicht statt. Irgendwann, aufgrund irgendwelcher Auslöser sind sie wieder da, die alten Plagegeister. So finden zum Schluß nach Problembewältigung im Zeitraffer Pauker Jordan und das Mädchen van Hagen zusammen. "Zwei Zerstörte legen ihre kaputten Haushalte zusammen, das ist schon fast Sanierung." Manchmal ist es schon eine gewagte Anhäufung von Seelenmüll, der sich da unter schulischem Dach ansammelt. Aber es ist auch eine gekonnt mutige Gradwanderung, bei aller Frechheit und lebhaftem Sinn für Komik das verständnisvoll, sensible Händchen für die Figuren zu bewahren. Mag ja sein, daß dabei die eigene Erinnerung Hilfestellung gab: Simone Borowiak verbrachte ihr Schulzeit auf einem katholischen Mädchenpensionat. Wenn Väterchen Pawlow das noch kommentieren könnte... --Barbara Wegmann
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Klasse! 5 von 5 Punkten Abgesehen davon, daß ich selbst auf einem Internat war und sehr vieles (Angenehmes und Unangenehmes, Typen, Rituale))wiedererkannt habe: Dieses Buch enthält so viel, daß man es mindestens dreimal lesen muß. Spannung,Humor,erotisches Knistern, menschliche Gemeinheiten und einen tiefen Einblick in die unterschiedlichsten Seelen. Wunderbar!
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The Church of John F. Kennedy Thomas Meinecke Taschenbuch, Juni 1996 Verkaufsrang: 332872 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 6 Tagen. Jedenfalls nahm die deutsche Bevölkerung nach den fünfziger Jahren recht deutlich wieder ab. Lebten 1860 noch an die zwanzigtausend in Deutschland geborene Bürger in New Orleans, waren es 1890 nur noch gute elftausend; nahm man die Deutsch-Amerikaner in der zweiten Generation hinzu, kam man jedoch auf das nahezu Vierfache und damit immer noch an ein knappes Viertel der städtischen Gesamtbevölkerung. Wenzel Assmann schlug das vor ihm liegende Blätterwerk zu und...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 1.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
unbeholfenes Salbadern eines stilistisch Unsicheren 1 von 5 Punkten der Textauszug zeigt einen geschwätzigen Autor, der nachdrücklich witzig sein will und sich so allerhand zusammenphantasiert, Dinge, die ihm offenbar mal jemand erzählt hat, es klingt nicht nach Ereignissen, die er selber erlebt hat, die ihm in irgendeiner Weise wichtig wären, er will eben ein witziger, kluger Schreiber sein, schon der Titel zeigt, daß sich da jemand sehr reingehängt hat. Die Großen haben solche Titel nicht nötig, deren Geheimnis liegt in dem, was zwischen den Buchdeckeln steht. |
Kontrolliert Rainald Goetz Taschenbuch, Mai 1991 Verkaufsrang: 52192 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
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