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German Amok - Feridun ZaimogluGerman Amok
Feridun Zaimoglu

Broschiert, Oktober 2004
     Verkaufsrang: 236968      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Es sei "Zeit für infernalische Dekadenzen", meint Feridun Zaimoglu. So lautet jedenfalls das Motto, das der selbst ernannte Einpeitscher der Abteilung Kanak-Attack seinem neuen Roman German Amok voranstellt. Wer Zaimoglus bisherige Bücher kennt, darf saftige Sentenzen und sperrige Sprachbilder erwarten -- und wird auch nicht enttäuscht. Oder doch?

Held des Romans ist ein namenloser, offenbar deutsch-türkischer Künstler, der in eine seltsame Beziehung verstrickt ist, die teils geschäftlicher, überwiegend aber geschlechtlicher Natur ist -- mit einer Dame, die uns gleich im ersten Satz als "Kunstfotze" vorgestellt wird, und offenbar der Mittelpunkt einer der zahlreichen Berliner Kunst-Subkulturen ist.

Eine Beschäftigung als Bühnenbildner im Rahmen eines etwas surrealen Theater-Workshops in der ostdeutschen Provinz bringt jede Menge Abwechslung in das Geschlechtsleben des Erzählers, leider aber nicht in die Handlung des Romans, für den sich als Motto auch "Brot und Fickspiele" geeignet hätte. "Ich bin das Männchen, das sie benutzen, sie sind die Weibchen, die ich benutze." Dass Kunst viel mit sich Prostituieren zu tun hat, wird dem einen oder anderen Leser auch vor der Lektüre dieses Romans schon geläufig gewesen sein. Und dass ganz harte Burschen auch mal zarte Gefühle für soziale Randexistenzen entwickeln, mag ja sein. Aber muss man deshalb 255 Seiten lang mit dem Holzhammer erzählen? Von der "Ostbrut", die "eine Altarkerze nicht von einem Kunstharzdildo unterscheiden" kann, von "Drogenethnos", "Fotzenhändlern" und sonstigem "Dreck"? "Die Natur lohnt nicht, festgehalten zu werden", sagt der Erzähler, "sie ist nicht mehr als der Boden, der die Exkremente aufnimmt, die Nährstoffe vom endgültigen Unrat scheidet, und das verwertbare Material allen Geschöpfen bereitstellt, die davon kosten wollen."

"This is hardcore" scheint Zaimoglu seinem Leser mit jeder Seite einbimsen zu wollen -- und gleichzeitig aber auch: Vorsicht, Leute, es ist Literatur! Was der deutsch-türkische Autor in seinem neuesten Roman macht, erinnert ein bisschen an die amerikanische Hardcore-Band Rage against the Machine. Wahnsinnig provokativ und rau -- und dabei garantiert mittelklassenkompatibel. Ein bisschen Brachial-Sound, ein wenig "F*** you, I won't do what you tell me!", und mehr oder weniger subtile politische (Sub-)Texte.

Aber wie Rage schafft es auch Zaimoglu, seine Leser/Zuhörer hin und wieder mit ansatzlos eingestreuten lyrischen Elementen zu überraschen. Verbaler Freejazz, gekonnt phrasiert, bis dann wieder das übliche Brett kommt. "Wenn ein Mann sie anspricht, taucht sie aus ihrer Vertiefung auf, in die einzudringen sie immer imstande ist, und wehrt das Gefühl ab, es versuche der Fremde sie in eine Situation, ein Lebensbild, einzupassen." Unüberhörbar in all der Kolportagehaftigkeit, die den Roman leider auszeichnet, ist, Drastik hin oder her, der Wille zum hohen Ton -- und zur Kulturkritik: "Was, wenn der Menschendreck nur der natürliche Auswurf der auf ästhetische Standards kapitalisierten Gegenden wäre? Dann würde man den Wildwuchs hinnehmen nicht als Fehler des Systems, aber als Folge schöner Maßnahmen. Ohne Heroin und lockere Sitten kein Pop."

Der Autor ist als Polemiker überaus begabt, als Apokalyptiker ganz manierlich, als Pornograf zu gewollt -- und als Romancier diesmal leider eine Enttäuschung. "Postmillenniumsscheiße" würde der Erzähler sagen: dem wir auch die Erkenntnis verdanken, dass man sich "als Kultursöldner keinen Charakter leisten kann." --Axel Henrici

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Starker Anfang, Sarkasmus pur      4 von 5 Punkten
Ich habe sehr, sehr oft herzlich gelacht, als ich die ersten 100 Seiten las. Zaimoglu ist ein guter Beobachter und äußert sich sarkastischst über die Berliner Kunstszene, das Leben und den täglich Wahnsinn. Zur Schmähung von allem, was wer hasst, kreiert er Wortungetüme, die mir die Tränen in die Augen trieben vor lachen. Leider flacht das Buch nach hinten ab und hat auch keine wirklich runde Handlung, die stimmig endig.

Wenn man Bukowski, Easton-Ellis, Beigbeder oder Joachmim Lottmann mag und kein Happy End braucht, dann zugreifen. Wer mit negativer Energie in Schriftform nichts anfangen kann, dann Finger weg.


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Khamsin. Die Namen der Wüste - Raoul SchrottKhamsin. Die Namen der Wüste
Raoul Schrott

Gebundene Ausgabe, März 2002
     Verkaufsrang: 290679      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 10,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Die Faszination der Wüste ist vom Reiz ihrer tödlichen Gefahren kaum zu trennen, ebenso wenig wie von der erstaunlichen Tatsache, dass es Menschen immer wieder gelingt, ihnen zu entkommen. Eine unwahrscheinliche, aber wahre Geschichte liegt auch der Erzählung Khamsin zugrunde: die von vier Soldaten der Long Range Desert Group, einer legendären britischen Wüsteneinheit, die während des Zweiten Weltkriegs in der Sahara operierte. Nach einem Angriff italienischer Truppen in der Nähe von Kufra versuchen Moore, Winchester, Easton und Thighe zu Fuß hinter die eigenen Linien zurückzukehren. Vom nächstgelegenen Posten trennt sie ein 500 Kilometer langer Weg durch die Ödnis.

Wie in Trance schleppen sie sich durch die Wüstenlandschaft, von Hunger, Hitze und Durst gequält, in innigem Kampf mit ihren zusehends stärker ausgemergelten Körpern. Zehn Tage sind sie unterwegs, bevor sie endlich von Suchtrupps aufgelesen und gerettet werden. Nach knapp 400 Kilometern Fußmarsch weiß Sergeant Moore, "wo die Seele war: zwischen den Gelenken, in jener Kapsel, wo sich der Knochen in seinem Scharnier rieb, und dass sie das Innere des Laufs war".

Mit Khamsin legt Raoul Schrott ein weiteres Zeugnis von seiner Liebe zur Wüste ab. Es sind die Menschen, die allen Widrigkeiten zum Trotz ihren Weg durch sie fanden, denen der Autor hier auf wenigen Seiten ein literarisches Denkmal setzt. Der Essay "Die Namen der Wüste", den größeren Teil des schmalen Bandes bildend, sorgt für kultur- und erdgeschichtliche Kontexte. Prähistorische Funde wie die von Laszlo Almásy auf dem Plateau des Gilf Kebir offenbaren zivilisatorische Ursprünge, und die Beziehung des Menschen zur Wüste wird erhellt durch die Etymologie ihrer vielen Namen -- wie "khamsin", der Südwind, der 50 Tage anhält. Akribisch folgt Schrott jenen Spuren, die nicht im Sand verwehten.

Poesie und viel Wissen steckt auch in diesem kleinen Werk des sprach- und weltkundigen Autors, den schon H. C. Artmann als Poeta doctus schätzte. Es mag sich bestens als literarisches Supplement zu einem Reiseführer eignen, oder aber selbst einer sein: für alle, die lieber im eigenen Kopf auf Entdeckungsreisen gehen. --Mathis Zojer

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Für Liebhaber      5 von 5 Punkten
eine merkwürdig zweigeteiltes Buch. Eine überaus spannende Kurzgeschichte im ersten Teil: eine Gruppe Soldaten verliert ihr Fahrzeug und findet sich ohne Hilfsmittel im Zentrum der Sahara wieder. Im zweiten Teil ein Essay über Geschichte und Zukunft der Sahara. Ein schmaler Band, der in jedes Saharagepäck paßt und dort auch hingehört.



Abschaum. Die wahre Geschichte von Ertan Ongun.: Die wahre Geschichte von Ertan Ongun - Feridun ZaimogluAbschaum. Die wahre Geschichte von Ertan Ongun.: Die wahre Geschichte von Ertan Ongun
Feridun Zaimoglu

Taschenbuch, August 2003
     Verkaufsrang: 94974     

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Ertan Ongun ist 25 Jahre alt, in Deutschland geboren und aufgewachsen, und das ist seine Geschichte: Er hat sie Feridun Zaimoglu erzählt, die Geschichte eines Kanaken, eines Gangsters und Drogenabhängigen. Sie handelt von toten Freunden, von Schlägereien mit Skins und US-Marines, vom Zusammenhalt der Gruppe und Verrat, von großspurigem Gangstertum und Beschaffungskriminalität, von Mißhandlung in deutschen Gefängnissen, und der Sehnsucht nach Verständnis und Liebe. Feridun Zaimoglu hat Ertans "Stories" in der kräftigen Sprache mündlichen Erzählens aufgeschrieben und ein Werk geschaffen, das unter die Haut geht.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)

Wird sicher einigen die Augen öffnen      5 von 5 Punkten
Diese Buch ist der einfache Hammer. Es ist sehr realistisch geschrieben und einfach zu lesen.
Jeder wird diese Situation kennen, weil es sicher in seinem Umkreis solche leute gibt.


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Eros - Helmut KrausserEros
Helmut Krausser

Gebundene Ausgabe, September 2006
     Verkaufsrang: 33362      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 19,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Alexander von Brücken ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Nach dem Zweiten Weltkrieg wachsen seine Werke, die schon unter seinem Vater -- und unter Adolf Hitler -- florierten, zu alter Größe. Die Expansion zur Zeit des Wirtschaftswunders macht von Brücken Spaß. Aber seine eigentliche Leidenschaft gilt etwas anderem: einer Frau, die er kaum kannte. Sofie ist ihr Name, die Tochter eines Arbeiters und einer Arbeiterin, die früher bei seinem nationalsozialistisch gesinnten Vater beschäftigt waren. Von Sofie bekam Alexander als Heranwachsender seinen ersten Kuss, leidenschaftlich, anscheinend, jedenfalls wie von einer Erwachsenen, für 50 Mark. Mit dem Kuss wollte Sofie ihre armen Eltern unterstützen. Für von Brücken ist er der Beginn einer lebenslangen Obsession.

Nach dem Krieg macht von Brücken Sofie, die er nach einer Landverschickung aus den Augen verloren hatte, ausfindig. Er holt sie mit einem Privatjet zu einem (missglückten) Tete-a-tete in seine Wohnung. Er schickt ihr Aufpasser und Detektive nach Wuppertal und Berlin, die ihr Leben beobachten (und sanft lenken) sollen. Am Ende seines eigenen Lebens holt er sich einen Autor ins Haus, der diese ebenso banale wie tragische, da keusche Amour fou in Worte kleiden soll. Es ist der Ich-Erzähler von Helmut Kraussers Roman Eros, ein ebenso flott wie brillant beschriebenes Buch über eine Liebe, die es nicht gab -- und die man nur zu verstehen glaubt, weil sie in die blendenden, dabei niemals pathetischen Worte eines Schriftstellers gekleidet wird: eines Schriftstellers zudem, der es gekonnt versteht, durch sein Spiel mit mehreren Erzählebenen ironische Distanz zu erzielen. Seit 1997 hat Krausser nach eigener Aussage an dem Stoff gearbeitet, die siebzehnte und letzte Fassung 2005 zum Druck gebracht. Die Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt. --Thomas Köster

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)

Sehr komplexes Werk ...      5 von 5 Punkten
Genial verwobene Erzählebenen, hemmungslose Übertreibungen in der Zeichnung der Charaktere, Übersteigerung der Details bis zur Ärgerlichkeit ... all das verdichtet Krausser zu einem unglaublich gut geschriebenen Zeitroman.
Am Ende setzt er eine für den Leser enttäuschende Wendung und nicht einmal das kann man ihm verübeln ...


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Das Tuch aus Nacht - Christoph PetersDas Tuch aus Nacht
Christoph Peters

Taschenbuch, August 2005
     Verkaufsrang: 97475      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Der Herbst des Jahres 1994 ist feucht in Istanbul. Regenwolken hängen unheilschwanger über der Skyline, Nebelschwaden verdüstern die geheimnisvollen Gassen. Nur hin und wieder bringt die Sonne Licht ins Dunkel. Das Istanbul von Christoph Peters Roman Das Tuch aus Nacht ist ein chimärenhaftes Zwitterwesen. Nicht wirklich Orient, nicht wirklich Okzident, nicht wirklich wahrhaft und nicht wirklich Illusion. Hier der Wahrheit auf die Spur zu kommen scheint fast unmöglich.

Trotzdem: Albin Kranz will es versuchen in der für ihn fremden Welt. Jahrelang hat der alkoholabhängige und beizeiten unausstehliche deutsche Bildhauer die Liebe seiner Gefährtin Livia Mendt auf die Probe gestellt. Nun reisen beide in die Fremde, um auszutesten, wie nah sie sich noch sind. In Istanbul angekommen wird Kranz sofort in ein Spiel aus Wirklichkeit und Einbildung verstrickt. Hat er im Hotel gegenüber tatsächlich den Mord an dem dubiosen Edelsteinhändler Jonathan Miller beobachtet? Warum will ihm niemand glauben? Ist die Geschichte vielleicht doch Teil seines langsam beginnenden Alkoholdeliriums, wie Livia vermutet? Wird die Sympathie der Fotografin zu einer Urlaubsbekanntschaft die beiden letztendlich auseinander bringen? Und wie ist Kranz' plötzliches Verschwinden während einer Schiffsfahrt auf dem Bosporus zu erklären?

Mit viel berauschendem Lokalkolorit erzählt Peters seine ebenso vertrackte wie faszinierende Geschichte -- und stürzt seine Leserschaft in einen undurchschaubaren Strudel aus Beziehungen, Vermutungen, Lügen und Zweifeln, der sie sofort gefangen nimmt. Denn wie der Berliner Autor und Träger des aspekte-Literaturpreises seinen Plot in ständigem Perspektivwechsel spannend macht, ist sprachlich wahrlich virtuos. --Stefan Kellerer

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

So dunkel, und doch so hell!      5 von 5 Punkten
Brilliant. Dunkel. Sehr dunkel. Halluzionatorisch. Spannend. Vielschichtig. Ein Thriller, nicht wirklich. Eine Reiseroman, im weitesten Sinne. Eine Liebesgeschichte, mindestens zwei, aber auch nicht wirklich! Eine Leseabenteuer, allemal!Mit gekonnt eingestreuten Orientalismen. Eine Botschaft, nein! Dafür ungewöhnliche Spannungen zwischen Kunst und Leben! Toll geschrieben, wie schon die Vorgänger. Ein Lesetrip, ja - gute Reise also! Aber Vorsicht - bei falschem Gebrauch könnte sich das Buch in ihren Händen auflösen wie eine Chimäre! Große dunkle Geschichte!


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Feldforschung: Erzählungen - Thomas MeineckeFeldforschung: Erzählungen
Thomas Meinecke

Broschiert, August 2006
     Verkaufsrang: 73494      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Wieso schaltete das Ehepaar Richard Gere und Cindy Crawford eine ganzseitige Anzeige in der Times, um klarzustellen, daß ihr gegenseitiges Verlangen heterosexueller Natur ist? War Patti Smith wirklich mit Robert Mapplethorpe verheiratet? Ist es Zufall, daß die Stonewall Riots 1969 am Tag nach der Beerdigung von Judy Garland begannen? Die Erzählungen von Thomas Meinecke speisen sich aus Gerüchten, Zeitungsmeldungen und Abhandlungen verschiedenster Provenienz und befassen sich mit historischen Kippmomenten der sexuellen Kulturen. Sie bilden den narrativen Beitrag zu einer Ausstellung im Museum Ludwig über die Konstruktionen von Sexualität und Identität, die Erosion scheinbar gesicherter Geschlechteridentitäten – und deren Spiegelung in der Kunst.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Verschenkt      3 von 5 Punkten
Meineckes Versuch, als Auftragsarbeit zur Kölner Ausstellung "Das achte Feld. Geschlechter, Leben und Begehren in der Kunst seit 1960" historische Momentaufnahmen queerer/schwul-lesbischer Geschichte in Erzählungen zu packen, ist leider ein Flop. Es bleibt bei einer spröden Materialsammlung, der allenthalben Meineckes Faszination des Stoffes zu erspüren ist. Nur hat er leider nicht viel daraus gemacht. Es sind weder Essays noch Erzählungen geworden. Vielmehr schnell hingeschluderte Gebrauchsware, die keinerlei literarische Bedürfnisse befriedigt. Am Wenigsten aber taugen sie als homogeschichtliche Materialsammlung - nicht zuletzt, weil es weder Quellenverweise gibt nich Hinweise darauf, wo die historischen Fakten enden und wo Meineckes schriftstellerische Freiheit einsetzt.


Lügen - Elke NatersLügen
Elke Naters

Broschiert, April 2007
     Verkaufsrang: 227278      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Die Geschichte von zwei Freundinnen um die Dreißig in Berlin: Be ist ein Miststück - findet Augusta. Sie hat alles, was Augusta fehlt: einen Mann, Kinder, Spaß und Erfolg. Aber weil sie auch eine treue Freundin ist, sieht Augusta ihr das meistens nach. Doch dann kommt die Liebe ins Spiel und alles wird anders ...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)

.... wie Frauen fühlen....      5 von 5 Punkten
... so zumindest habe ich mich gefühlt, als ich dieses Buch im wahrsten Sinne des Wortes verschlungen habe. Leicht zu lesen wie eine Boulevardzeitschrift, aber dennoch tiefgründig und mit einer wundervollen Sprache und Ausdruckskraft. Man erkennt sich einfach wieder: eine beste Freundin, die man mal hasst, aber dennoch bedingungslos liebt, mit der man sich vergleicht, obwohl völlig abwegig. Ein grosser Spass mit einem Hauch von Eigen- und Bösartigkeit. Kaufen, Lesen, Lachen!


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Rumo und Die Wunder im Dunkeln. Ein Roman in zwei Büchern. Limitierte Luxusausgabe - Walter MoersRumo und Die Wunder im Dunkeln. Ein Roman in zwei Büchern. Limitierte Luxusausgabe
Walter Moers

Gebundene Ausgabe, 25. September 2003
     Verkaufsrang: 38749      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 49,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Eines Morgens wittert der kleine Rumo, der wie jeder Wolpertinger bei geschlossenen Augen mit der Nase sehen kann, den silbernen Faden, der das Glück verheißt. Doch bis dahin gilt es unvorstellbaren Gefahren zu trotzen: Rumo kämpft gegen bestialische Zyklopen, befreit seinen Lehrmeister Smeik von der Teufelsinsel, schlägt sich mit tumben Blutschinken, begegnet einem genialen Schüler von Professor Dr. Abdul Nachtigaller und gelangt schließlich in das idyllische Wolperding, wo er schließlich den Ursprung des silbernen Fadens findet ...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)

Großer Lesespaß      5 von 5 Punkten
Dieses Buch ist nicht das erste, welches ich von Walter Moers gelesen habe. In jedem seiner Bücher wird ein Stück mehr von der Geschichte der Zamonischen Welt bekannt. Die Helden sind immer richtige Helden, welche ordentlich um ihr Heldentum kämpfen müssen. Die vielen wundersamen Dinge der Zamonischen Welt lassen einem beim Lesen gerne mal weit vom eigenen Alltag abschweifen.
Aber auch die vielen Illustrationen bringen einen immer wieder zum schmunzeln und könnten allein schon als Highlight der Bücher von Walter Moers bezeichnet werden. Ich habe mir diese gebundene Ausgabe bestellt und meine Erwartung wurde weit übertroffen. -> Ein tolles Buch


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Bernsteintage: Sechs neue Geschichten - Maxim BillerBernsteintage: Sechs neue Geschichten
Maxim Biller

Broschiert, September 2006
     Verkaufsrang: 99918      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Dominique Horwitz liest zwei Erzählungen aus Maxim Billers neuem Buch. Beide -- die Titelgeschichte Bernsteintage und der Text Elsbeth liebt Ernst -- handeln von der Erinnerung an eine vergangene, prägende Zeit. Ist es in der ersten die Kindheit eines Prager Jungen, der nach dem Einmarsch der Russen 1970 mit seiner Familie nach Hamburg ausgewandert ist, die betont zurückhaltend und vorsichtig vorgestellt wird, so handelt es sich in der zweiten um die Konfrontation des Protagonisten mit der Erinnerung an seine Nazi-Vergangenheit. In beiden Erzählungen spürt man zärtliche Sehnsucht und Melancholie, die jedoch durch die klare, präzise Sprache in gewisser Weise zurückgenommen wird, jedenfalls nicht ausufern!

Maxim Biller, der häufig radikale Verfasser provokativer Texte überrascht hier mit auffallend leisen, zurückhaltenden Tönen. Als Kind russisch-jüdischer Eltern wurde er 1960 in Prag geboren. 1970 emigrierte seine Familie infolge der Niederschlagung des Prager Frühlings nach Deutschland. Billers erster Erzählungsband: Wenn ich einmal reich und tot bin erschien 1990. Es folgten Die Tempojahre (1991), Land der Väter und Verräter (1998), Harlem Holocaust (1998) und Die Tochter (2000). Sein Roman Esra von 2003 beschäftigte die Justiz wegen Verletzung der Privatsphäre.

Der Titel ,Bernsteintage' wird in der ersten Erzählung erklärt: Es ist das Bild für den Wunsch nach einer unverstellten Kindheitserinnerung. Ein Blick zurück also, der frei von jeglicher Einseitigkeit sein soll. Und in der Bernstein-Geschichte, die unverkennbar autobiografische Züge trägt, ist in der Tat wenig von verzerrter Erinnerung zu spüren. Der Junge, der seinen letzten Sommer mit zwei anderen Jungs in Luzienbad verbringt, bevor die russischen Panzer einmarschieren, bekommt von der Gefahr wenig mit; und „einen Krieg hatte er sich immer ganz anders vorgestellt. Anders verhält es sich in der zweiten Geschichte, denn Ernst, vage an den Schriftsteller Günter Eich angelehnt, bekommt von den Medien seine Nazi-Vergangenheit unerbittlich vor Augen geführt. Die Bewältigung dieser Zeit steckt voller verlorener Hoffnungen und Illusionen. Das Ende bleibt bei beiden Erzählungen offen.

Mit Dominique Horwitz, bekannt durch Filme wie Der große Bellheim (1991), Stalingrad (1992) oder Verrückt nach Paris und als Sänger (The Best of Dreigroschenoper und Chansons von Jacques Brel) fand man eine ideale Besetzung. Horwitz lässt mit seiner klaren Stimme und seiner sanften Modulation die Atmosphäre dieser Ferien in dem Kurbad lebendig werden. Der hochbegabte Junge, der sich selbst das Schreiben beibrachte, von dem seine ältere Schwester immer etwas Besonderes erwartet, erlebt sorgenfreie Tage mit seinen zwei Freunden. Geflissentlich widersteht der Sprecher der Versuchung, dem Erlebten den Kinderstempel aufzudrücken; er gibt schlicht die atmosphärischen Schilderungen dieser letzten Ferien wider. In der Erzählung Elsbeth liebt Ernst findet Horwitz den passenden Ton für die Stimmung des Schriftstellers. Die Vergangenheit, die plötzlich wieder absolut präsent ist, umkreist der Sprecher: in den Erinnerungen, in den Überlegungen seine Beziehung zu Elsbeth betreffend -- sie war „überdreht und hastig, er schwerfällig und zauderte ewig“ --, in der Frage, ob sie sich wirklich und was sie aneinander liebten. Dabei entwirft der Sprecher in seiner Interpretation ein glaubwürdiges Bild von Ernst.

Fazit: Für die stilistisch klare Prosa Billers ist Horwitz der ideale Sprecher. In seiner zurückhaltenden Lesung arbeitet er die Imponderabilien von Erinnerung greifbar heraus.

Lesung, Spieldauer: ca. 95 Minuten, 2 CDs. -- culture.text

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Liebe. Immer nur Liebe      5 von 5 Punkten
Ach, zur Hölle mit der verlorenen Kindheit und all den anderen Marketingfloskeln. Worum es hier geht, ist die Form, die absolut perfekte Form. Keiner kann short stories so schreiben wie Maxim Biller, und wenn man das so liest, meint man manchmal, daß er, Biller, überhaupt erst die deutschsprachige Kurzgeschichte erfunden hat. So knapp, so genau - und, man muß es leider sagen: so liebevoll seinen Personen, seinen Helden gegenüber. Und wenn das Buch zu Ende ist fängt man einfach wieder von vorne an. Weil es nämlich leider zu kurz ist.



Simple Storys. Ein Roman aus der ostdeutschen Provinz - Ingo SchulzeSimple Storys. Ein Roman aus der ostdeutschen Provinz
Ingo Schulze

Gebundene Ausgabe, Februar 1998
     Verkaufsrang: 159002      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 19,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 27 Bewertungen)

Buntes, aber arg konstruiertes Mosaik, das blass bleibt      3 von 5 Punkten
Zu Beginn dieses Romans von Ingo Schulze, der nur scheinbar aus 29 Geschichten besteht, in Wirklichkeit aber die Schicksale eines guten Dutzends ,Ossis' aus der ,Provinz' erzählt , fällt es durch die Vielzahl der kurz hintereinander eingeführten Personen schwer, Zusammenhänge zu begreifen oder gar einen roten Faden zu finden. Im ersten Drittel des Buches treten pro ,Short Story' bis zu 10 neue Protagonisten auf, deren Beziehungen zueinander erst zum Ende hin nachvollziehbar werden.
Verstärkt wird die anfängliche Verwirrung noch durch den stark stilisierten Stil Schulzes, der Situationen und Umgebungen meist nur wie Regieanweisungen skizziert und dann auf Dialoge anstelle von Schilderungen setzt: Wichtige Ereignisse wie der Unfalltod einer Radlerin oder die Stasi-Vergangenheit eines Lehrers werden derart sparsam angedeutet, dass sie erst nach Variationen des Themas in anderen Geschichten ein klares Bild ergeben. Dagegen werden andere Personen recht zufällig eingeführt und ihr Schicksal bleibt unklar.

So weit, so kunstvoll bzw. konstruiert Schulzes Stil, der die volle Aufmerksamkeit des Lesers fordert. Gut gefallen hat mir dabei das schrittweise Ausbreiten der Entwicklungen und des Lebens der Protagonisten über circa 10 Jahre. Was leider auf der Strecke bleibt ist die Anschaulichkeit und damit der Effekt, den manche der Entwicklungen bei direkterer Beschreibung auf den Leser haben könnten. Solange man sich Geschehnisse nur zusammenreimen kann werden leider auch keine Emotionen und keine Botschaft transportiert. Es ,kommt also wenig rüber', salopp ausgedrückt: Weder vermittelt das Buch einen tieferen Einblick in die ostdeutschen Befindlichkeiten der 90er noch trägt es zum Verständnis der Hintergründe und Motive seiner Hauptpersonen bei. Es bleibt bei oberflächlichen Klischees über reiche Spekulanten aus dem Westen, Träume von der weiten Welt und Stasi-Vergangenheit. Für einen Schlüsselroman über die DDR scheint mir das zu wenig.

Frei      5 von 5 Punkten
Es ist nicht das erste Mal, daß sich in der deutschen Literatur an einem kleinen Ort, das Zeitgeschehen spiegelt. In seinem beeindruckten Roman aus der ostdeutschen Provinz schaffte es Schulze den Aufbau der Kurzgeschichte so geschickt zu vernetzen, daß er zu einem größeren Bild zusammenwächst und uns eine Zustandbeschreibung der neuen Länder nach der Übernahme durch den Westen bietet. Allein schon die Reise nach Italien ist witzig und gleichzeitig scharf beobachtet. Schulze verliert dabei nie die Liebe zu seinen Figuren, er zeigt sie, wie sie sich zurechtzufinden in all dem Neuen, daß in vielem das Alte bleibt. Plötzlich ist man in Italien und dann? Plötzlich fällt die Mauer und dann?

Die Geschichten sind nur an der Oberfläche simple, ihre Tragik liegt in der Erkenntnis, daß die Dinge nun mal jetzt so sind, wie sie sind, und daß man sich darauf einzustellen hat. Freiheit endlich! Man würde sich freuen, wenn ein westdeutscher Ort zu demselben Zeitpunkt in der deutschen Geschichte, so klug und humorvoll als Mikrokosmos wiedergegeben würde.

All too simple stories      3 von 5 Punkten
Schulze's "East German Novel" is certainly that, but to call it *the* East German novel, as some have done, is going too far. The overwhelmingly positive response to this book given in higher literary circles at the time of its release is, in my eyes, undue praise.
Schulze's critique of the West's impact on East German life is veiled to a degree that it requires some digging to extract. His characters are lackluster and do not stand out from one another, even when they narrate their own stories.
Some praise the monotonous and unexciting tone of the book as mirroring the reality of life in the former GDR. I think Schulze could have done the same thing with more individualized characters and without the stilted speech and utter lack of focus.

Simple storytelling that doesn't quite live up to expectations.      3 von 5 Punkten
The title of Ingo Schulze's second novel may seem misleading to some readers, as Simple Storys is anything but simple. Set in the small East German town of Altenburg straight after reunification, Schulze's novel intricately links the lives of its characters through seemingly unconnected chapters. This added level of complexity sets the novel apart from its well-cited equivalent, Sherwood Anderson's Winesburg, Ohio. Unlike Anderson, Schulze's characters reflect the situation of a society trapped between the memory of Communism and the reality of 'western' democracy.

However the novel does stay true to its title through its straightforward precise language, which may ring true with fans of Raymond Carver. Schulze's stories feel more believable because of this; the reader will not agonise over his political agenda, simply enjoy the fact that Schulze is, through a series of intriguing narratives, depicting a society undergoing political change. His subtle narration of such fragmented events as a meeting between new lovers, the concealment of a painful secret, a trip to Italy and a car accident with a badger will leave the reader feeling an enthralling mix of optimism and sadness as the characters struggle to sort out their confused lives.

Yet Schulze attempts to use the group of characters alone as the glue which binds his stories together. In doing so readers may become aware that Schulze's great strength in using straightforward language is actually one of the novel's greatest weaknesses, as it does not allow for unique and identifiable protagonists throughout each story. At times it may become necessary to flick back through previous chapters to remind oneself of an earlier character. Of course, this wouldn't be a problem if Schulze's aim was to create a book of short stories, but his attempt is at 'ein Roman aus der ostdeutschen Provinz', and I am sorry to say that some readers may decide that this is not achieved in Simple Storys. Despite this, readers who have an interest in this period of German history will no doubt appreciate Schulze's insightful tales into the struggles of the individual in the aftermath of the GDR.


Allzu simple Geschichten      3 von 5 Punkten
Ingo Schulze nennt sein zweites Buch "Simple Storys" und im Untertitel einen "Roman aus der ostdeutschen Provinz". Die meisten Geschichten spielen in Altenburg, eine in Berlin, eine andere in New York und zum Schluß verirrt man sich nach Stuttgart. Seine Geschichten bilden durch die handelnden Personen einen Zusammenhang, in immer neuer Mischung tauchen sie in den "Stories" auf. Leute lernen sich kennen, andere trennen sich, wieder andere sterben. Einige werden mit ihrer Vergangenheit nicht fertig, andere nicht mit ihrer Gegenwart. Die Geschichten sind in genau beobachtete und beschriebene Ereignisse eingebettet. Die Situationen sind echt, sie sind "mitten aus dem Leben gegriffen".
Nur sie sind so gut wie nicht typisch für die Ossis. Es sind allenfalls Geschichten aus der Provinz. Gut, der eine hat eine angebliche Stasi-Vergangenheit, was schließlich dazu führt, daß er seinen Lehrerberuf quittiert und in der Irrenanstalt endet oder zumindest eine Zeit dort verbringt. Gut, es werden manchmal geradezu genüßlich "West-Produkte" samt ihrer Werbeslogans zitiert, aber das kann es ja wohl nicht sein. Seine Figuren geben sich die Hände, eine Frau beschimpft die Konkurrentin als "Westtussi", irrt sich aber. Und zu guter Letzt bekommt einer der "Ossis", ein "Edel-Ossi", da ohne Anstellung mit seiner akademischen Ausbildung nach der Wende im Universitätsbetrieb nicht zurechtgekommen, verwitwet und sein Sohn bei der Schwägerin auf Dauer "geparkt", da bekommt dieser Mann von einem Schwaben ein Veilchen verpaßt. Ach du meine Güte, humorlos sind auch Ossis.
Die Geschichten sind meisterlich erzählt, die Dialoge geben die Sprache der neunziger Jahre unseres Jahrhunderts wieder. Aber das Buch hinterläßt trotzdem nur einen schalen Geschmack. Es ist nichts als simples Geschwätz, hohl und vertan. Das vielfältige Lob kann ich nicht teilen. Neidlos anerkennen muß ich seine Art, zu beschreiben, Details darzustellen; aber wer solche Talente besitzt, sollt sie nicht an so kümmerlichen Dingen verschwenden lassen.


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1979 - Christian Kracht1979
Christian Kracht

Gebundene Ausgabe, September 2001
     Verkaufsrang: 92902     

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Christian Kracht reagiert angeblich allergisch auf das Wort "Pop". Komisch, denn immerhin hat er mit seinem Deutschlandreise-Roman Faserland vor sechs Jahren einen regelrechten Boom junger deutscher Popliteratur losgetreten. Inzwischen ist die Welle abgeflaut -- und es sieht so aus, als wolle nun niemand dabei gewesen sein. Sein Co-Modell Stuckrad-Barre macht ernste Literatur und der nach Bangkok exilierte Kracht schrieb eine ganze Weile nur Reiseglossen für die Welt am Sonntag.

Jetzt erscheint 1979, gewissermaßen das Come-back des Popliteraten wider Willen, ein erstaunliches Buch. Erstaunlich erst einmal, weil sich im Ton und in der Haltung auf den ersten Blick wenig geändert hat. Wieder geht ein obsessiv mit sich und seinen Kleidungsstücken beschäftigter "Ich-Ich-Ich-Erzähler" auf Reisen, nur diesmal eben nicht von Sylt an den Bodensee, sondern erst durchs revolutionsgeschüttelte Teheran und dann via Tibet nach China.

In Teheran dröhnt der Lärm von Panzern durch die Straßen, der Staatsstreich steht kurz bevor, doch der Erzähler interessiert sich vor allem für Innenarchitektur, insbesondere für "mit gestreifter brombeerfarbener Seide bezogene Empire-Chaiselongues". Krachts Blick auf die Welt ist der eines Dandys, der sich schnell einmal übergibt, wenn jemand im Park von "vier schwarzgekleideten bärtigen Männern" verprügelt wird und der sich sogar vor seiner eigenen Spucke ekelt. Für den deutschen Alltag zwischen Cocktailparty und Aldi-Kassenschlange war diese Wahrnehmung sehr produktiv, vor dem Hintergrund einer islamischen Revolution wirkt sie nur grotesk.

Natürlich wird es auf die Dauer langweilig, Kracht immerzu Nabelschau vorzuwerfen, und insofern ist es gut, dass der neue Roman auch eine existenziell-spirituelle Dimension bereit hält. Erst stirbt ein geliebter Freund, dann erhält die Hauptfigur von irgendwelchen Revolutionären den Auftrag, in China auf einen heiligen Berg zu steigen, um sich oder die Welt (so klar wird das nicht) zu heilen. Schließlich landet er in einem kommunistischen Straflager, wo ihn aber auch wieder hauptsächlich das Essen stört, das "heftige Blähungen" auslöst. Beim Lesen fragt man sich: Ist das Polit-Satire? Oder Literatur-Parodie? Wie gesagt: ein erstaunliches Buch, das einen ratlos zurücklässt. --Oliver Fuchs

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 47 Bewertungen)

sehr nah am Ideal      5 von 5 Punkten
Natürlich kann man die Dummheit des Erzählers kritisieren. Oder kann einem die düstere, selbstzerstörische Grundhaltung des Romans nicht gefallen.
Aber es gibt nur ganz wenige Bücher die mich so in Ihren Bann gezogen haben. Ich hatte das Gefühl das jedes Wort wichtig ist und genau im richtigen Satz im richtige Absatz steht. Selbst beim dritten oder vierten lesen fiel mir nichts ein was besser gemacht werden könnte.
Letztendlich gehört es in eine Rheihe mit jenen kleinen dünnen und sehr unterschiedlichen Stücken Literatur, die schlicht perfekt sind, wie Melvills "Bartelby", Stevensons "Schatzinsel", Bölls "Dr. Murkes gesammeltes Schweigen" oder Conrads "Herz der Finsternis".


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In fremden Gärten - Peter StammIn fremden Gärten
Peter Stamm

Gebundene Ausgabe, August 2003
     Verkaufsrang: 291563      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen.

Preis: € 18,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Wir erinnern uns an Agnes, an Blitzeis und an Ungefähre Landschaft. In fremden Gärten, der neueste Erzählband des Winterthurer Autors Peter Stamm, wird uns nicht enttäuschen, er bleibt seinem trockenen, fast spröden Stil treu. Stamms Blick auf die Welt ist ein kühler, er sieht die Tristesse des Lebens deutlicher als die Gaudi, er spart an Worten und gewinnt dadurch an Klarheit. Stamm ist ein Stilist.

Die Titelgeschichte beispielsweise ist ein tragisches Familienopus auf wenigen Seiten, dann wieder hat einer, ein Stuntman, einfach nur Pech, dann flüchtet einer vor den Töchtern des Dr. Kennedy, die allzu treu umsorgend sich um ihn bemühten. In Stamms Geschichten ist fast immer ein Abschied dabei. Abschied von der Kindheit und von Träumen, Abschied von der Normalität, Abschied auch von der Liebe, was immerhin bedeutet, dass sie einmal da war. Und manchmal geht es auch den umgekehrten Weg, etwa wenn Inger sich plötzlich neben ihren alten Vater ins Bett legt, doch auch dies ist bereits wieder ein Abschied.

So ernst die Geschichten auch daher kommen, so sind sie doch nicht ohne feinen Humor mit zuweilen überraschendem Ende und treffender Selbstironie. "Yoslana hat sich ein bisschen in dich verliebt. Ich habe ihr geraten, mit dir zu schlafen. Damit das aufhört." Damit hat der verliebte Freund bestimmt nicht gerechnet. --Martin Walker

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)

Einzelschicksale auf der Durchreise      4 von 5 Punkten
Peter Stamm erzählt in seinem Erzählband von Menschen im Alltag. Sie stehen mitten drin oder am Rande der Gesellschaft und sind irgendwohin unterwegs. Am besten gefallen haben mir die Geschichten «Die brennende Wand» (Artistenliebe), «Wie ein Kind, wie ein Engel» (wunderbarer Aufbau und Schicksalsgeschichte), «Der Aufenthalt» (eine Kurzgeschichte im wahrsten Sinne) und «Das Experiment» (Liebe ohne Sex?). Seine Sprache ist schnörkellos und auf das Wesentliche beschränkt. Manchmal wünschte ich mir mehr Tiefe bzw. längere Geschichten über die einzelnen Menschen. Auch sind nicht alle Geschichten in sich stimmig und packend. Deshalb «nur» 4 Sterne...


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Zweiwasser oder Die Bibliothek der Gnade - Thomas LehrZweiwasser oder Die Bibliothek der Gnade
Thomas Lehr

Taschenbuch, Januar 1998
     Verkaufsrang: 286806     

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Zweiwasser befindet sich nicht nur im Krieg mit den Verlagen. Die Liebe ist für ihn der letzte Kampf, der einzige Krieg, "in dem wirklich die Körper einsetzen, Haut an Haut, Stirn an Stirn". Erzählt wird die Geschichte des Schriftstellers Zweiwasser, dessen Weg zum Erfolg von seltsamen Todesfällen gesäumt ist und dessen Bücher schließlich Eingang finden in eine alles verschlingende "Bibliothek der Gnade". Lehrs Roman ist ein Balanceakt zwischen einem Thriller und seiner eigenen Parodie, ein Buch der großen Leidenschaften und der tausend Morde.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Irre Begierden, absurde Tode      5 von 5 Punkten
"Erschrecken Sie nicht, ich habe die Pest." warnt Zweiwasser, der Verfasser hellsichtiger Gesellschaftsutopien. Eigentlich ein unauffälliger Mann, der nur ab und zu und eher beiläufig ein paar Brandsätze in Papierkörben hinterlässt. Seit zehn Jahren belagert Zweiwasser hartnäckig die Bastionen des Verlagswesen mit seinen Manuskripten. Und weil die keiner haben will, hält er sich für einen modernen Odysseus. Doch eines Tages hat er die Chance, in den Bauch des Trojanischen Pferdes zu kriechen. Die Nischenbewohner des Literaturbetriebs, die Helden und Stati-sten der Verlage, Feuilletonredaktionen und Literaturwettbewerbe geben sich in Thomas Lehrs Roman ein groteskes Stelldichein. Sie alle sind durch Zufälligkeiten verbunden, streifen einander kurz, wenden sich ab, knallen wieder zusammen. Die feinen Fäden zwischen ihnen verwandeln sich in gefährliche Schlingen. Sie verketten die Figuren zu einem atemlosen Reigen der irren Begierden und absurden Tode. Der Verlagsdirektor treibt`s mit seiner Zweitfrau auf einem dicken Teppich aus abgelehnten Manuskripten. Ein Kritiker stirbt stilecht mit einer messerscharfen Füllhalter in der Kehle. Ein Dichter schafft den Durchbruch, indem er mit dem Schädel das Schaufenster einer Buchhandlung zerschmettert. Und die amazonenhafte Lektorin Thea Pinsel erwischt es bei einem allzu heftigen Koitus: sie hat während des Höhepunkts auf den Bildschirm eines 686er(!) PCs gestarrt, der just in diesem Moment Zukunftsvisionen von sich gab. Man spürt den jahrelangen Flirt des Autors mit den exakten Wissenschaften. Hier ist ein analytischer Kopf am Werk, der seine Umwelt mit scheinbar mitleidslosem Interesse seziert. Der glücklichen Hand des Dichters, seiner entwaffnenden Ironie und der Ausdruckskraft seiner bizarren Bilder wiederum ist es zu verdanken, dass daraus alles andere als ein trockener Traktat wurde. Bruchstücke aus der Chaostheorie, mythologische Metaphern, Science-Fiction-Klischees und Anklänge an die Philosophiegeschichte verschmelzen zu einem bitterbösen Sittengemälde der Postmoderne, an dem nicht nur hoffnungslose Zyniker ihre Freude haben dürften. "Letztlich zerstreute sich die Welt wider alle Härte des Anorganischen, wider die fraktale List des Chaos und des Lebendigen. Dann regierte der zweite Hauptsatz der Thermodynamik das Universum." sinniert der Verlierer Meinhardt angesichts der schwarzen Qualmwolke, nachdem er sein Lebenswerk den Flammen übergeben hat. Weisheiten dieser Art machen den Roman zu einem Leckerbissen für erfolglose Poeten, Hobby-Philosophen und Biochemiker - und für alle, die Skurrilitäten lieben.


Irres Wetter - Kathrin RögglaIrres Wetter
Kathrin Röggla

Taschenbuch, März 2002
     Verkaufsrang: 278496     

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Junges Leben in der Großstadt, in der Hauptstadt Berlin, um genauer zu sein: hip, urban, wichtig ist es zu wissen, was gerade angesagt ist. Schnell, hinterher, man könnte ja den neuesten Trend übersehen. Sonst steht man plötzlich am Ende der Love Parade und hört nicht einmal mehr ein bisschen Musik.

Und immer diese Entscheidungen: schick wohnen in Architektenwohnungen oder doch lieber im "Kleinbürger-Slum-Viertel"? Ab wann macht man sich lächerlich -- als erwachsener Mensch, berufsjugendlich in H-&-M-Klamotten gekleidet? Politik -- eher nicht, wer kann schon CDU und SPD so richtig unterscheiden? Heiraten und Kinderkriegen geht O.K., bloß was macht man dann mit dem Nachwuchs, die mühsame Pubertät ist schließlich noch immer nicht abgeschafft!?

Wie schnell sich diese Stadt verändert und mit ihr die Gesellschaft, keiner hält mehr inne, sicherheitshalber, man könnte am Ende mit sich selbst allein sein. Und auch der Sex bietet keinen Trost mehr, ist nicht mehr gut für kleine Fluchten.

Die gebürtige Salzburgerin Kathrin Röggla, Jahrgang 1971, lebt nicht nur in Berlin -- sie beobachtet es auch, seziert es in ihrem Buch Irres Wetter. Ihr Stil ist assoziativ: Gedankensplitter, Gesprächsfetzen, unzusammenhängend und verwirrend im ersten Moment, bei genauerem Lesen erst wird man der stringenten Beobachtungen gewahr. Analytisch, bis man sich selbst ertappt fühlt.

Das Buch ist sicherlich nicht immer leicht zu lesen, wozu die konsequente Kleinschreibung durchaus beiträgt. Auch sollte man mit diversen Szenejargons vertraut sein. Doch ist Irres Wetter jedem zu empfehlen, der am zeitgenössischen Leben und seinen Ausformungen interessiert ist -- vor allem, wenn er/sie ihm etwas skeptisch gegenübersteht. --Christa Petri



Die Erfindung des Abschieds - Friedrich AniDie Erfindung des Abschieds
Friedrich Ani

Taschenbuch, Januar 2001
     Verkaufsrang: 270144      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Ein neunjähriger Junge ist verschwunden. Nachdem sein Vater die Familie verlassen hatte, wurde der Großvater immer mehr zur Vertrauensperson. Jetzt ist der Großvater gestorben und der Junge weggelaufen. Die Mutter wendet sich voller Verzweiflung an die Polizei. Öffentlichkeit und Medien sind in höchstem Alarmzustand. Doch das zuständige Dezernat 11 unter Leitung von Karl Funkel hat selbst Probleme : Die Komissarin Sonja Feyerabend und ihr Kollege Martin Heuer bangen um einen ihrer wertvollsten Mitarbeiter. Er, der "Seher" genannt, hat sich nach einem Einsatz mit tödlichem Ausgang in eine Hütte im Wald zurückgezogen und plagt sich mit Selbstvorwürfen. Seit neun Monaten ist er schon beurlaubt, und gerade jetzt, im Fall des verschwundenen Jungen, würde er so dringend gebraucht.Friedrich Ani, 1959 in Kochel geboren, lebt als Schriftsteller und Drehbuchautor in München. Für seine Arbeiten erhielt er diverse Stipendien und Preise, u.a. den Literaturförderpreis der Stadt München und den Staatlichen Förderungspreis für Literatur des Bayerischen Kultusministeriums.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)

Raphael Vogel ist verschwunden!      5 von 5 Punkten
Sonja Feyerabend, Kommissarin im Münchner Dezernat 11, und ihre Kolleginnen und Kollegen haben es mit einem besonderen Fall zu tun: Der 9jährige Raphael Vogel ist spurlos verschwunden. Sehr schnell stellt sich heraus, dass der Junge den Tod seines Großvaters, letztlich die einzige Bezugsperson, nicht verkraftet hat; weiters, dass die Ehe der Eltern kaputt und der Vater ein brutaler Schläger ist.
Das Kind bleibt verschwunden; der Druck auf die Polizei - durch die Politik und die Sensationspresse - wird nahezu unerträglich. Noch dazu hat der beste - was manche nicht wahrhaben wollen - Fahnder des Dezernats eine Auszeit genommen und lebt als Einsiedler im Wald. Einige aber setzen auf seine Rückkehr. Wird Tabor Süden zurückkehren oder den Polizeidienst quittieren?
Friedrich Anis Buch um eine alles anders als intakte Familie ist, auch noch 7 Jahre nach seinem Erscheinen, aktueller denn je. Auch wenn der (Kriminal-)Roman natürlich Fiktion ist, scheinen so manche Figuren aus einem Lehruch der Psychologie zu stammen: der gewalttätige, sich selbst völlig ünberschätzende Vater; die (psychisch) kranke Mutter, die von ihrem Peiniger nicht loskommt; der Junge, der weit über sein Alter hinaus Reife zeigen muss..
Ein weiteres wichtiges Motiv sind in diesem Buch die (privaten und dienstlichen) Probleme der Ermittler, die so gar nicht in das Freitagabendkrimi-Schema passen wollen.
Mit einem Wort: ein sehr, sehr spannender Roman mit viel Tiefgang!


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Flughunde - Marcel BeyerFlughunde
Marcel Beyer

Gebundene Ausgabe, März 2007
     Verkaufsrang: 289668      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 16,80 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Flughunde sind fledermausähnliche Flattertiere mit hundeartigem Kopf. Für Hermann Karnau sind sie von Kindheit an Sinnbild einer Welt, die vor dem Zugriff fremder Stimmen geschützt ist. Die Stimme ist der Fetisch des Akustikers Karnau, der 1940 den Plan faßt, systematisch das Phänomen der menschlichen Stimme zu erkunden. Die eine Erzählstimme gehört Hermann Karnau, dessen Namen der Autor einem Wachmann im Berliner Bunker unter der Reichskanzlei entliehen hat. Die andere gehört der achtjährigen Helga, einer Tochter des Propagandaministers. Immer wieder kommt es zu Begegnungen der beiden, zuletzt im April 1945, als Karnau in Berlin ist, um die Führerstimme aufzuzeichnen. Ein Zeitsprung führt in den Sommer 1992. Hermann Karnau, der nach dem Krieg untertauchen konnte, findet in seinem Plattenarchiv die Stimmen, die Gespräche von Helga und Helgas Geschwistern während ihrer letzten Tage und Nächte wieder. Auch den Kindern hat er die Stimmen - bis zum letzten Atemzug - abgelauscht.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Beklemmender Eindruck von Authentizität      5 von 5 Punkten
Marcel Beyer lässt uns in seinem 1996 veröffentlichten Roman Zeugen einer Entwicklung werden, die mit der Hoffnungslosigkeit der Familie Goebbels, der Vergiftung ihrer sechs Kinder und dem Selbstmord der Eltern im Bunker der zerstörten Reichskanzlei endet. Obwohl der Autor betont, dass es sich um eine Fiktion handelt, entsteht beim Lesen der beklemmende Eindruck von Authentizität. Erzählt wird aus der Perspektive der ältesten Goebbels-Tochter Helga und des Familienfreundes Hermann Karnau, eines Tontechnikers, der Kinder und Hunde liebt, aber Menschen für brutale akustische Experimente missbraucht.

Dieter Wunderlich, Autor (u.a. von "Göring und Goebbels. Eine Doppelbiografie")

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Mau Mau - Elke NatersMau Mau
Elke Naters

Taschenbuch, Mai 2004
     Verkaufsrang: 308067     

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Das ambivalente Gefühl, das Anke Dürr in ihrer Spiegel-Besprechung zu Lügen so treffend beschrieb, stellt sich auch bei der Lektüre von Elke Naters' neuem Roman Mau Mau wieder ein. Naters' Romane sind so schlicht erzählt, dass man sich als Leser oft fragt: "Ist das jetzt banal oder genial?"

Der 1963 geborenen Teilzeit-Thailänderin Genialität zu unterstellen wäre nun etwas übertrieben, aber festzuhalten ist, dass Naters nach dem autobiografischen Intermezzo G.L.A.M. mit Mau Mau erneut unter Beweis stellt, dass sie zu den begabtesten Erzählerinnen ihrer Generation gehört. Cool und prägnant formulieren können viele. Aber nur wenige haben diesen präzisen Blick für die kleinen und großen Abgründe unter der Oberfläche in den Beziehungen der heutigen Thirtysomethings untereinander, vor allem wenn es um den weiblichen Teil der Bevölkerung geht.

Anders als in Königinnen oder Lügen steht bei Mau Mau jedoch nicht mehr die Grundkonstellation der besten Freundinnen im Zentrum der Erzählung. Der Horizont hat sich erweitert. Zwei Pärchen fahren mit einer Freundin, die Single ist, in Urlaub. Der Ort wird nicht näher spezifiziert, irgendwo auf dem indischen Subkontinent, wo man halt so hinfährt. Erzählt wird das Ganze zunächst aus der Sicht von Ida, die solo ist und genervt davon, dass sie immer ein bisschen außen vor bleibt. Mit den Freundinnen Mika und Susanne ist es schwierig, weil sie so perfekt aufeinander eingespielt sind, und wenn die Freundinnen mit ihren Kerlen zusammen sind -- na ja, kennt man ja. Aber vor allem ist es die dominante Mika, die Ida auf den Zeiger geht. Der Urlaub plätschert dahin, bis Frank, der bis dahin nur durch sein allabendliches Komasaufen aufgefallen ist, von einem Moment auf den anderen schwer krank wird.

Ebenso unvermittelt wechselt die Erzählerperspektive. Im zweiten, ungleich packenderen Teil des Romans erzählt nun plötzlich Mika -- und wie das so ist bei Perspektivenwechseln: alles, was wir bislang aus Idas Sicht wahrnahmen, wird nun aufs Radikalste relativiert. Vor allem Frank, in Idas Erzählung lediglich eine Leerstelle, in die jeden Abend Alkohol gefüllt werden musste, erhält nun plötzlich Präsenz. Schonungslos gegen sich selbst analysiert Mika ihre Liebesbeziehung zu Frank, die sich als mehr entpuppt als eine bloße Amour fou. "Liebe kommt dann, wenn die meisten denken, sie sei schon vorbei. Alles vorher ist ein Kinderspiel. Lieben heißt aushalten und prüfen. Sich immer wieder an den Abgrund wagen, hinunterzuschauen und den Blick auszuhalten. Ohne runterzuspringen oder wegzulaufen." Und Mika hält eine ganze Menge aus.

Zeigt der erste Teil des Romans die Oberfläche einer kleinen Gruppe, die von dem unbedingten Willen geprägt ist, sich zu amüsieren, so geht der zweite Teil im wahrsten Sinne unter die Haut. Wie Naters scheinbar ohne Aufwand in kürzester Zeit völlig unterschiedliche Stimmungslagen herausarbeitet, ist lesenswert. Ein Eindruck, der nur durch einen arg literarischen Schluss geschmälert wird. --Axel Henrici

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)

hollywood gibt es nicht      5 von 5 Punkten
wer sich mit dem buch in einen angenehmen urlaub mit freunden mit nehmen lassen will und dabei an den tollen freundschaften der personen und ihren liebesbeziehungen teilnehmen möchte, der soll die finger weg lasse.
so einfach wie es in den schönsten liebes- oder freundschaftsromanen vorgekaukelt wird ist das leben nicht - ----- hier ist die wahrheit --- das leben ist verdammt kompliziert und die liebe noch viel mehr!!!

ich kenne niemand anderen der gefühle und beziehungen so gut darstellen kann wie elke naters... das leben ist eine theaterbühne

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Die Wüste Lop Nor - Raoul SchrottDie Wüste Lop Nor
Raoul Schrott

Taschenbuch, Mai 2003
     Verkaufsrang: 143249      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Die Erfindung der eigenen Geometrie      5 von 5 Punkten
Roul Schrotts Novelle "Die Wüste Lop Nor" kennzeichnet eine Verschlossenheit, die durchbrochen werden will.
Einerseits ist es die Verschlossenheit der Sprache, deren Bilder herausstechen aber nie für Klarheit sorgen; da ist die Verschlossenheit der Hauptpersonen, Raoul Loupers und seiner drei früheren Freundinnen, und zuletzt die Verschlossenheit der Orte und Gegenden, in die sich Raoul Louper aufmacht, um die Gesänge der Dünen zu sammeln und ihnen durch Assoziationen nahe zu kommen. Doch jeder Ort, jeder Mensch und auch die Sprache an sich bleibt unvollständig und schafft es nur mit Mühe etwas Fehlendes zu verschleiern. Es geht so weit, dass selbst der formale Aufbau des Buches, die Kapitel und Seiten weite Stellen frei lassen, als wolle Raum geboten werden für weitere Einfälle.
Auch der Leser wird von den nie eindeutigen, unkonkreten, geradezu rätselhaften Formulierungen in die Irre geleitet. Auch er ist ähnlich wie Roul Louper selbst bestrebt diese Geschichte zu ordnen und damit den Kreis zu schließen, ein Ganzes daraus zu machen.
Dabei bleibt jedoch der Erzähler stets im Dunkeln. Mal hält man ihn nur für EINEN Freund, dann aber entpuppen sich auch andere Stimmen des Erzählers als hätte sich hier eine Sammlung aus verschiedensten Einträgen der Weggefährten Loupers gebündelt. Auch an eine Aufteilung Loupers in alternative Egos könnte man denken.
Die Wirkung erzielt der Reisebericht Schrotts besonders durch die Bildgewalt und stechendscharfen Ausdrücke, die zwar durch ihren Tiefsinn und durch die Kargheit wieder sehr vielbedeutend sein können, allerdings in sprachlicher Schönheit und mit poetischen Zügen auftreten.
Faszinierend und nachdenklich geschrieben, stellt die Geschichte die Suche nach archaischen Klängen und Gefühlen dar, ebenso das Kunststück aus den übriggebliebenen Erinnerungen an ein Leben (den Erinnerungsstücken) einen Sinn abzuleiten.
Für Raoul gleicht die Wahrnehmung den Trugbildern in der Wüste, auch der Leser wird (mit Absicht) an vielen Stellen des dünnen Buches irritiert. In der Rekapitulation der Ereignisse versinkt Raoul, mittlerweile Bewohner einer Mietwohnung in der Nähe von Alexandria, in der er wie ein Exilant haust, in seiner Lebens- und Liebensgeschichte wie in dem sagenumwobenen Treibsand für den u.a. auch der Titel, die Wüste Lop Nor, in der Novelle steht. Während die Geschichte rein formal den Kreisschluss schafft, das Thema des Anfangs am Ende wieder aufgegriffen wird, müssen wir uns Raoul Louper wohl als jemanden vorstellen, der weiterhin angestrengt seine Welt zu verstehen versucht.

Verloren und Gefunden      5 von 5 Punkten
Wenn man mehrere Tage und Nächte verreist war, zurückgekehrt ist und alles ausgepackt hat, findet sich drei Tage später die Seele ein. War das Reiseziel eine Wüste, kann es sein, dass ein Teil der Seele einfach dort geblieben ist.

Auf der Suche danach bin ich über den Englischen Patienten und die Schwimmer in der Wüste auf Raoul Schrotts "Die Wüste Lop Nor" gestoßen und habe in seinem Buch zumindest die Idee dessen gefunden, was ich in der Sahara verloren habe. Egal, wo man es aufschlägt, der Sand ist überall. Die Geschichten darin erscheinen zum einen durch den Ich-Erzähler, bzw. den Freund Raoul greifbar nah wie eine Fata Morgana, dann aber wieder so fern, dass die Bilder genug Dimensionen bieten für eigenes. Mit diesem Fehlen jeglicher "Betroffenheitspoesie" hat er der Wüste den Raum gegeben, den sie braucht, geradezu fordert, damit sie überhaupt anfängt, sich selbst zu erzählen.



Mein Sommer als Wal: Eine südafrikanische Geschichte - Sven LagerMein Sommer als Wal: Eine südafrikanische Geschichte
Sven Lager

Broschiert, März 2007
     Verkaufsrang: 276734      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Am anderen Ende der Welt - Südafrika zwischen Nelson Mandela und Surferparadies: Matthias, Mitte zwanzig, verlässt Berlin auf der Suche nach Abenteuern. Er ist gescheiterter Student, Gelegenheitsdieb und wird Praktikant in einem kleinen südafrikanischen Dorf in den Bergen, in Sommerdal. Was er findet, ist ein Schattenreich deutscher Kultur. Er trifft auf RAF-Aussteiger, Maoisten und Anthroposophen und verliebt sich in ein Mädchen aus dem Township am Meer, das seine Sprache spricht und von Deutschland träumt. Die Grenze zwischen verrückt und normal ist oft unscharf. Matthias' Freunde sind die Downies, Erwachsene mit Down-Syndrom, die in Sommerdal von Spinnern und Ewiggestrigen betreut werden. Aber was ist gestrig? Evelyn, ebenfalls Praktikantin für drei Monate, findet ihren Platz in der Gemeinschaft der Altlinken. Matthias dagegen will das Raue, das Neue des jungen Südafrikas spüren und verliebt sich in Zola. Jung, naiv, suchend wie er. Nur, dass Jugend nicht gleich Jugend ist und jeder sich mit seinen Vorurteilen im Weg steht. Die meisten Xhosa leben auch zehn Jahre nach dem Ende der Apartheid in den Ghettos und Zola will raus. Deutschland muss schön sein, glaubt sie, Südafrika ist besser, sagt Matthias, und eine Liebesgeschichte mit Hindernissen beginnt. Entstanden ist ein großartiger Roman voller Lebensgeschichten und drängender Gegenwart. Was alle suchen, ist eine Identität. Identität in einer Welt, die nur noch aus Zwischenzonen zu bestehen scheint. Sven Lager erzählt neu und ungewöhnlich vom modernen Südafrika - zwischen Nelson Mandela auf Untersetzern, Township und Surferparadies. Seine Liebesgeschichte unter Träumern ist ein Portrait der deutschen Gegenwart. Nur am anderen Ende der Welt.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Lagers' bester Roman      5 von 5 Punkten
Lautes Aufjaulen vor Lachen, bischen Weiniweini und große Spannung,
obwohl vordergründig ja gar nicht so viel passiert. Das fand ich so
toll in diesem Roman: Erst denkt man, es könnte mehr passieren in
diesem Buch, aber das wäre völlig überflüssig, denn es geht ja um
wichtige Dinge, ohne daß groß was passiert, so wie im echten Leben eben
und erst recht in "Sommerdal".
Sprache und Spannung sind super, vor allem aber der Humor: eiskalt, zum
verlieben.
Vorallem sehr gelungen: Die Einstellung aus der Sicht des Matthias
(whiteys/toastbrots) ist zu bestimmten schwierigen Themen nicht pc oder
peinlich. Sven Lager beschreibt einfach sehr schön, daß die meisten
Leute sich bei ihrer Identititätsfindung (was suchen die eigentlich??)
viel zu ernst nehmen und gar nicht bemerken, dass sie es sind, die
entscheiden: Habe ich eine gute/fröhliche oder eine schlechte Zeit.
Zuwenige Menschen unterscheiden zwischen falschen und echten
Schwierigkeiten.
Auch sehr elegant und lustig: Der griechische Chor a.k.a. die
Hauseltern Werner, Ralf, Mathilda. Daß nicht der
Ereignisreichhaltigkeit halber auch noch deren Geschichte erzählt wird
ist ganz wichtig.
Ein Spannungscoup ist die Stelle, an der der Leser denkt, Madonna
stirbt. Ich dachte, ja sie ist tot, kann gar nicht anders sein und mir
schossen schon wieder die Tränen in die Augen, ich wollte es nicht
wahrhaben. Da Madonna wie alle anderen wichtigen Figuren so gut
beschrieben sind, war ich natürlich froh, dass meine kleine Freundin
weiterleben durfte.
Die Beschreibung der Orte ist so genau und gut, dass ich das Gefühl
hatte, schon mal in Südafrika gewesen zu sein. Andere Beschreibungen
wie Gerüche (Bettlaken/Milch) waren mir manchmal ein bischen zu viel,
aber nicht störend.
In Mein Sommer als Wal ist alles enthalten, was ein guter Roman
braucht: Intelligenz und Witz. Das Buch ist vorallem eins, saucool und
echt: leckfett.


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Spielgeld. Erzählungen und andere Prosa - Helmut KrausserSpielgeld. Erzählungen und andere Prosa
Helmut Krausser

Taschenbuch, Dezember 1994

Verkaufsrang: 290660
Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 4 Tagen.

Preis: € 4,90
(versandkostenfrei nach D, CH und A, ,
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