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| Junge Literatur | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Ludwig muß sterben Thomas Hettche Broschiert, März 2004 Verkaufsrang: 155740 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ein Mann, der ein Wochenende in der Wohnung seines sterbenskranken Bruders verbringt. Der Bruder, Ludwig, der nach Italien gereist ist, um sich dort zu verlieben. Und zwei geheimnisvolle Gäste, die Ludwigs Schicksal besiegeln werden. In seiner bildkräftigen und suggestiven Prosa erkundet Thomas Hettche die Macht und Ohnmacht der Sprache und lotet die Grenzen des Erzählbaren aus.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Ausnahmebuch 5 von 5 Punkten "Ludwig muss sterben" ist für mich eins der seltenen Bücher, das ich lese, ohne mich darin zurechtzufinden, bei dem ich aber völlig einverstanden mit dieser Orientierungslosigkeit bin. Zwar wird die Handlung nach zwei oder drei Mal lesen ebenfalls klar (tatsächlich habe ich das Buch mehrmals gelesen und es lohnt sich!), aber was oberflächlich zu geschehen scheint ordnet sich der Sprache unter, der Phantasie und inneren Struktur einer Logik, die aus dem Traum aufzusteigen scheint. Und doch ist das nicht bloß Sprachversessenheit, l'art pour l'art, sondern führt einen sehr dicht an etwas Geheimnisvolles und Unbegriffliches heran - Umgesetzte Philosophie im besten Sinn. Ich kenne kein vergleichbares Buch von dieser Art und Qualität.
Danke, dass es veröffentlicht wurde 5 von 5 Punkten Eigentlich ein Buch, dass nie die Schublade verlässt und bestenfalls erst nach einigen Jahren von einem Bekannten gefunden wird und der Autor posthum zum Genie erklärt wird. Sehr schwere Kost. Wenn man die ersten hundert Seiten durchgebracht hat, muss man es auch zu Ende lesen. Nichts klar bis dorthin, „Tod in Venedig" trifft „Lost Highway". Der Ich - Erzähler bleibt genauso mysteriös wie die beiden Gäste in Ludwigs Appartement. Ludwig ist ein williges Opfer, man wünscht ihm, dass er nach Hause kommt und erschrocken über das was vorgefallen. Der Ich - Erzähler geht völlig in seinen Visionen, seinen Urteilen auf und darf sich freuen, dass der Autor die Biologie des Menschen so gut studiert hat. Kommt man bis zum Ende freut man sich das Buch gelesen zu haben. Aber bis dorthin ist es lange. |
Sex II Sibylle Berg Gebundene Ausgabe, 1998 Verkaufsrang: 426315
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 33 Bewertungen)
Geschichten gegen den Wahnsinn 5 von 5 Punkten Was sich über dieses Buch KURZ sagen läßt, ohne literaturtheoretisch (oder anderweitig albern) zu werden, ist: Es enthält Geschichten gegen den Wahnsinn.
Entweder man haßt sie oder man liebt sie!!! 5 von 5 Punkten Und ich liebe Sibylle Berg, natürlich sind ihre Figuren übertrieben dargestellt, natürlich sind sie manchmal Klischees, aber das ist z.T. doch einfach auch Absicht. Und alle, die sich so furchtbar aufregen, sollen sich Dan Brown und Paolo Coelho kaufen, ich finde Bergs Stil aufregend und erfrischend. Sibylle Berg ist Kult, genauso wie André Pilz, und da können sich noch so viele das Maul über sie zerreißen, die, die sie lieben, sind ihr treu und warten gespannt auf ihr nächstes Werk. "Sex II" jedenfalls ist schon älter, aber eines ihrer besten. Punkt!
Das ist kein Schmöker! 4 von 5 Punkten Wer sich an Sybille Berg wagt, sollte sich vorab schon mal ein dickes Fell zulegen. Anscheinend haben hier einige noch nicht ganz verstanden, das auch das Schreiben eine Kunst ist und jeder eine andere Auffassung davon hat. Ich finde, das Frau Berg ein bitterbösen Humor besitzt, den sie still und heimlich in dieses Buch einfließen lässt. Dieser Roman zeigt eine Welt, wie sie leider klarer und deutlicher nicht existieren könnte, er spielt mit dem Gedanken, wie es wäre, hinter die Fassaden und Köpfe anderer Menschen zu sehen. Wem geht es nicht so? Und ist es nicht besser, doch nicht alles zu wissen? Jeden Tag können wir in Zeitung, Nachrichten im Radio oder im Fernsehen sehen, bei denen wir immer weiter abstumpfen oder es gar als normal empfinden, uns eine nach der anderen Schreckensmeldung rein zu ziehen, das Menschen sich gegenseitig abschlachten, Kinder entführen und vergewaltigen oder andere schlimme Phantasien entwickelt werden. Die Heldin in dem Buch geht genau durch diese Welt, nur das alles in geballter Ladung in ihrer Stadt auf sie zukommt, so ungeschmickt und ungeschönt, wie es keiner gerne hören mag, aber so ist es nunmal, die Welt ist schlecht und die Menschen die darin wohnen, ebenso. Das will der Dichter damit sagen, ist meine Meinung. Wer also ab und an mal wieder einen Blick hinter die Kulissen wagen möchte, wer sich ins Gedächtnis rufen möchte, was sonst so in der Welt los ist, wie es den nachbarn vielleicht geht oder wer einfach das Gefühl hat, zu gut gelaunt zu sein, wer an Fassaden kratzen möchte, wer sich ekeln und gruseln möchte, der sollte dieses Buch lesen. Ein Buch für absolute Nicht-Romantiker, Realisten, Pessimisten. Man muss sich schon auf Sybille Berg einlassen und auf einiges gefasst machen, wenn man eines ihrer Bücher in die Hand nimmt. Ich gebe nur vier Sterne, weil die Schreibweise sehr gewöhnungsbedürftig ist, und man so anfänglich leicht den Zusammenhang auf Grund falscher Betonung verlieren kann, aber man gewöhnt sich daran und hetzt durch das Buch, wie die Heldin.
Der textliche "soundtrack" zum Weltuntergang 3 von 5 Punkten Was für ein Text. Ich gebe drei Sterne. Schreiben Kann S. Berg, das steht außer Frage, nur warum setzt sie es in einem immer wiederkehrenden Thema um: Dem Menschlichen Elende? Das Werk, soweit ich das überschauen kann ist von tiefsten Schopenhauerschem Pessimismus geprägt und zieht einen zeitweilig in seinen Bann. Dann aber nach 120 Seiten fragt sich der Leser warum er immer noch Sachen lesen muss wie "*otze zunähen" "zigarre in Augen ausdrücken". Apropros "zunähen", spätestens da kommt die Parallele zu Bukowski, der sich auch immer im Kreis dreht, nur hat Buk Humor und den hat S. Berg anscheinend nicht. Wenn man sich das Foto der Autorin anschaut wundert einen auch nicht was im Text von "Sex 2" zelebriert wird: Der Abschaum, die Depression der Wahnsinn die Gewalt, kurz: die Hölle auf Erden. Aber immer wieder blitzt das Genie der Autorin auf: Sie schafft es auf 2 Seiten Porträts von Menschen in einer kurzen Satzfolge zu kreieren. Aber das reicht nicht für 5 Sterne. Wer mies drauf ist und besser drauf kommen will, liest Bukowski, wer mies drauf ist und noch mieser drauf sein will liest "Sex 2"
Schwach, Schwach, Schwach 1 von 5 Punkten Einmal Berg, immer Berg. Ein jedes Buch dasselbe, ich weiß nicht, was das Problem ist. Doch selbst wenn man die Geschichten gut findet und etwas darin sieht, was ich nicht sehe, sind doch die Geschichten selbst nichts Besonderes. Viele Menschen in einer Großstadt werden beobachtet, alle sind extrem neurotisch, alle sind depressiv und können ihre Depressionen nur in den abartigsten Tötungs- und Verstümmelungsaktionen ausleben. Doch selbst diese wiederholen sich ständig, andauernd, dass man zwar weiterliest, aber dann doch bei jeder neuen Geschichte enttäuscht ist, dass sie wieder nur eine Abwandlung einer bereits gelesenen ist. Enttäuschend. Und dann diese Liebesgeschichte, die nicht fehlen darf. Die unglücklich ausgehen muss. Die die Protagonistin noch mehr isolieren muss. Platt.
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Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär Walter Moers Taschenbuch, November 2005 Verkaufsrang: 371948 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Seemannsgarn vom Feinsten: ein Feuerwerk bäriger Ideen Daß Walter Moers mehr als das Kleine Arschloch zeichnen kann, hat er längst bewiesen. Sogar in den Sprechblasen ist er hervorragend ohne Worte ausgekommen, als der Pinguin zweimal klopfte. Und nun sein erster Roman: Eine genial dicke Schwarte von 720 Seiten, in der ein Geistesblitz den nächsten jagt. Grün und gelb möchte man vor Neid werden: Wo hat der Mann bloß die vielen Ideen her? In seinen dreizehneinhalb Leben begegnet der Blaubär gehässigen Stollentrollen, unangenehmen Nattifftoffen, quasselnden Tratschwellen, durch die Wüste ziehenden Gimpeln, dem Wahnsinn, Fredda, der Berghutze -- eine Figur skurriler als die andere. Ab und an illustriert der Zeichner Moers die Gestalten des Erzählers Moers, ein Glücksfall natürlich, aber im Vordergrund steht der Text, unerschütterlich. Und hier entfaltet sich in vollen Zügen, was der eine oder andere bereits geahnt haben mag: Moers ist ein begnadeter, ironischer Erzähler. Mit wieviel Sprachwitz er arbeitet, wie er an Ausdrücken feilt, Begegnungen verschachtelt komponiert, Satzrhythmen herstellt und wieder auflöst, das nötigt Respekt ab. Und man freut sich über die irrwitzigen Inhalte der Abenteuer. Ob er mit dem Rettungssaurier Mac als Navigator fliegt, eine Fata Morgana am Wüstenboden verklebt, durch Dimensionslöcher stürzt oder sich ein Duell mit dem Lügengladiator liefert: die Spannung bleibt ungebrochen (außer beim sechsten Kapitel), die unzähligen Geschichten sind unglaublich. Münchhausen entpuppt sich als blutiger Lehrling im Vergleich zu Moers. Auch wenn sich beim Lesen gelegentlich Assoziationen zu Texten von Michael Ende oder Janosch einstellen mögen: Der Roman ist kein Kinderbuch, sondern nachdenklich machende (haben Sie schon mal über eine Tornado-Haltestelle nachgedacht?) Literatur, die bestens unterhält. Das vielgesuchte Leichte, das so schwer zu machen ist: hier ist es. --Sophie Thoma
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 216 Bewertungen)
Endlose Fantasie 5 von 5 Punkten Nachdem ich "Rumo" und "die träumenden Bücher" gehört habe, habe ich mir dieses Mal "Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär vorgenommen. Und auch in diesem Roman hat Walter Moers mir bewiesen, daß seine Fantasie endlos ist.
Grandios auch wieder mal Dirk Bach als Leser. Wie alle anderen Zamonienromane ist auch dieses Werk ein "Muß" für alle, die diesen fiktiven Kontinent lieben.
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Herr der Hörner Matthias Politycki Taschenbuch, September 2005 Verkaufsrang: 265448 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen. Das theoretische Stützkorsett zu seinem Roman lieferte Matthias Politycki schon vorab in einem Aufsatz in der Zeit. In seinem Nachruf zu Lebzeiten sieht er den Untergang des weißen Mannes voraus, attestiert der westlichen Gesellschaft geistige Entwurzelung und Glaubenslosigkeit, beklagt den Rückzug in Privat-Esoterik und eine müde Generalironie. Kopflastigkeit und Verweichlichung allerorten, aber aufgeklärt daherkommend! Während eines mehrmonatigen Kuba-Aufenthaltes fand Polityckis Erweckungserlebnis statt. In der ungebremsten Wildheit des Willens, sowie dem tief verinnerlichten Glauben der schwarzen Bevölkerung, fand der Autor das authentischere Menschenbild. Nicht wenige Zeit-Leser zeigten sich gelinde beunruhigt! Genau dahin, wo die Angst regiert, schickt Politycki nun seinen Protagonisten mit dem merkwürdigen Namen, wie ihn nur Romanautoren ersinnen können. In einer versifften Kneipe in Santiago de Cuba sollte der saturierte Banker Broder Broschkus, Feind allen karibischen Frohsinns, sein kaltes europäisches Intellektuellenherz verlieren. Hier das ewig Weibliche, in Gestalt einer jungen Kubanerin; dort der käsegesichtige, übergewichtige und sich seiner Hässlichkeit schmerzlich bewusste deutsche Herrenmensch auf Ferienfahrt. Auf der Tanzfläche plötzlich die pure Magie der Körperlichkeit. Ausgerechnet beim verhassten Salsa mutiert der steife Teutone zur geschmeidigen Raubkatze. Broschkus beginnt zu schwingen, aus ist es mit dem hochmütigen europäischen Blick, der ganzen Kultiviertheit. Der Instinkt war erwacht. Vergessen war Kristina, die eigene Frau. Broder Broschkus` Verwandlung hatte begonnen! Auf mächtigen 730 Seiten schickt Politycki nun seinen buchstäblich etwas blassen Protagonisten auf der Suche nach der unbekannten Tänzerin mitten ins Herz der Finsternis. Als Kontrapunkt zu dieser schwarzmagischen Welt perfekt gesetzt, der hohe, steifleinene literarischeTon (Percussionisten heißen auf Kuba immer noch Schlagwerker, bitteschön!). Broschkus, einem ungläubig staunenden und ständig um Fassung ringenden Forschungsreisenden gleich, taucht tief ein in die archaische Welt der magischen Zeichen, der afrokubanischen Gottheiten und blutigen Opferungsrituale. Wie seriös der Autor von seiner Vision vom Niedergang der westlichen Kultur infiziert ist, zeigt das angehängte akribische Register der wichtigsten Tiere, Personen, Heiligen und Götter. Werden wir hier schon auf die Herren einer künftigen Welt eingestimmt? Darüber wird noch zu reden sein! --Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Grandiose Literatur 5 von 5 Punkten Dieser Roman Polityckis ist ein großer Wurf, ein packendes, atemberaubendes Leseerlebnis, nicht genug zu loben. Der erzählerisch glänzend vermittelte Kontrast der von Broder Broschkus verkörperten weißen Zivilisation im Niedergang mit der unheimlich vitalen und archaisch geprägten kubanischen Lebenswelt gibt sehr zu denken. Das Gefährliche der archaischen Religion, aber auch das Faszinierende wird plastisch geschildert, auch nach hunderten Seiten verliert der Roman nicht seine Kraft; es ist ein Hochgenuß, Polityckis Sprachkunst auf jeder Seite dieses großen Werkes zu begegnen.
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Helden wie wir Thomas Brussig Gebundene Ausgabe, Januar 2001 Verkaufsrang: 166600 Falls Sie wissen, daß es Klaus Uhltzscht war, der die Berliner Mauer geöffnet hat, wissen Sie gewiß nicht warum und wie es geschah. Das erfahren Sie aus der Biographie dieses Klaus Uhltzscht, der 1968 geboren wurde und in der Windstille des kalten Krieges aufwuchs.Thomas Brussig, 1965 in Berlin geboren, wuchs im Ostteil der Stadt auf und arbeitete nach dem Abitur u.a. als Möbelträger, Museumspförtner und Hotelportier. Er studierte Soziologie und Dramaturgie und...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 48 Bewertungen)
Romanzo sarcastico, grottesco e mordace 5 von 5 Punkten Ich bin eine Italienische Studentin und ich schreibe mein Abschlussdiplom über "Helden wie wir" und "Sonnenallee". Ich stelle einen historischen und psychologischen Vergleich zwischen die Vertreter der Büchern und ich ziehe auch die zwei Filme heran. Klaus ist ein Schelm, ein Outsider, der die Mauer zu Fall brachte. Der Roman ist ein surrealistisches Märchen, wo der Held sehr witzig sondern echt und wahr ist. Mit diesem Roman habe ich geweint und viel gelacht; ich habe die Deutschen in diesem Buch getroffen. Helden wie wir è semplicemente fantastico. Per tutti gli italiani consiglio di leggerlo anche nella sua traduzione in italiano (per chi non conosce il tedesco).
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Schmerznovelle Helmut Krausser Gebundene Ausgabe, März 2001 Verkaufsrang: 420081 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 4 Tagen. Helmut Kraussers Arbeit an der Schmerznovelle wird durch zahlreiche Tagebucheinträge dokumentiert. Diese belegen, dass der Autor sich bereits im Dezember 1999 intensiv mit dem Werk beschäftigt hat: Die Notizen oszillieren zwischen totaler Verzweiflung ("Habe nachts in Sachen Schmerznovelle total versagt", 8.12.1999) und beinahe grenzenlosem Optimismus ("Die Schmerznovelle könnte dein bestes Buch werden. Das Allerbeste", 9.12.1999). Krausser, der sich längst jenseits der Popliteratur in der deutschen Literaturszene etabliert hat, bezeichnet die Schmerznovelle als einen "Mysterythriller auf dem Gebiet der Psychopathia Sexualis, erweitert um essayistische Elemente", bei dem seine eigentliche Intention die Beschreibung des "schmalen Grats zwischen Erotik und Pornografie" ist. Weil sich die schmale Novelle rasch zu einem spannenden Krimi entwickelt, sei vom Plot nur wenig verraten: Der Protagonist und Erzähler -- Wissenschaftler und Psychiater -- besucht in einem mondänen österreichischen Badeort seinen einstigen Doktorvater, der ihm von einem besonders interessanten Fall, dem Ehepaar Palm, erzählt. Nach und nach erarbeitet er sich die obsessive Geschichte des Paares -- bis er feststellt: Johanna Maria Palm und ihr Mann sind eine Person. Doch was ist so fesselnd an dieser traumatischen Persönlichkeitsspaltung, die dem Leser als eine sexuell aufgeladene Novelle präsentiert wird? Zunächst steht für den Erzähler das wissenschaftliche Interesse im Vordergrund: Er ist Analytiker und -- wie vor ihm auch schon Max Frischs Homo Faber -- gewohnt, die "Dinge so zu sehen, wie sie sind", was sich in einer möglichst objektiven Erzählperspektive ausdrücken sollte. Jedoch: In dem Maße, in dem der Erzähler sich mit aufklärerischem Impetus dem Fall annimmt, desto mehr verfällt er der wahnsinnigen Aura der Johanna Maria Palm, ohne am Ende noch zu wissen, ob er sie als Heiland erlösen oder aber sich in den dunklen Abgründen ihrer Psyche verlieren will -- oder: ohne noch fähig zu sein, Wahn und Wirklichkeit voneinander zu unterscheiden und letztlich dazu beizutragen, den eigenen Verfall (als Protagonist und in der Folge als Erzähler) kontinuierlich voranzutreiben. Wie bei Schnitzler in der Traumnovelle die Ehekrise, so dient hier die individuelle psychische Erkrankung der Protagonistin als Motor, das Verhältnis von faktischer und psychischer Wirklichkeit zu exemplifizieren. Und dies ist auf geradezu irritierende Weise gelungen. --Kristina Nenninger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)
ýDas beste Krimipornomelodram aller Zeitený 5 von 5 Punkten Wer sich als offener und vielseitig orientierter Leser versteht, schreckt vor nichts zurück, auch nicht vor zunächst irritierenden Rezensionen und Aussagen. Derer gibt es über Helmut Kraussers „Schmerznovelle" so einige: Während Rezensenten der Zeit und der Neuen Züricher Zeitung das Werk zerreißen und es sogar als „Albtraumnovelle" bezeichnet wird, meint Lutz Hagestedt in der SZ, Krausser sei „auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Erzählkunst angekommen". Auf dem Einband findet sich ebenfalls eine lobende Bewertung - von Tom Tykwer, der Kraussers Schmerznovelle als „das beste Krimipornomelodram aller Zeiten" bezeichnet. Nach nur wenigen Seiten wird klar, was zu solch einer ambivalenten Rezeption führt: Die Geschichte um einen Psychologen, der bei der Ausübung seines Berufs alle Grenzen des Arzt-Patient-Verhältnisses vergisst, ist gespickt von Sex und Gewalt in reinster Form. Ohne es zu realisieren, gerät der eigentlich verantwortungsbewusste Wissenschaftler in den rauschhaften Sog von Johanna Palm, seiner Patientin, die ihm ab ihrer ersten Begegnung keine ruhige Minute mehr lässt. Je mehr er die mysteriöse Frau kennen lernt, desto mehr wird er abhängig von ihr, mit fatalen Folgen ... Geschickt schafft es Krausser durch seine parataktischen, kurzen, eindringlichen Sätze und seine klare Sprache den Rezipienten mit in den Sog zu ziehen, der seinen „Ich-Erzähler" ergriffen hat. Einmal in die Hand genommen, möchte man den Text kaum mehr bei Seite legen. Wie ein Spielball lässt man sich durch die Rückblenden und Vorausschauen mit dem Plot in die Vergangenheit und Zukunft befördern. Belohnt wird man mit einem alles andere als vorauszuahnenden Ende. Kurzum: Wer Krausser die manchmal überzogenen pornographischen Elemente des Textes verzeiht, die anscheinend viele abschrecken, wird seine Freude an diesem Text haben.
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Hochzeitstanz Else Buschheuer Taschenbuch, April 2003 Verkaufsrang: 414209 Was macht frau, wenn der Partner partout nicht heiraten will? Was macht frau, wenn er will, sie aber nicht? Die Rührung der Brautmutter. Der letzte Flirt vor dem Tag der ultimativen Bindung. Das Eheleben nach zehn Jahren. Die Scheidung. Das Kribbeln, das sich auch bei der Silberhochzeit noch einstellt - oder eben nicht mehr. 12 Originalerzählungen rund um das Heiraten und die Ehe, u.a. von Alexa Hennig von Lange, Doris Dörrie, Rebecca Casati und Petra Oelker.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Schmunzeln! Nachdenken! Geniessen! 5 von 5 Punkten Für den einen ein Alb- für den anderen ein Wunschtraum: Das Heiraten! Ob eine Bauernhochzeit in weiß oder ein Traumtanz mit dem gleichgeschlechtlichen Partner. Diese Geschichtensammlung von 14 verschiedenen Autor(In)en hat für jeden etwas drin - und die, die sich nicht gerade mit dem "schönsten Tag im Leben" beschäftigen, bekommen einen subtilen Blick auf verschiedene Facetten des menschlichen Zusammenlebens - in, vor, nach der Ehe oder drumherum. Kurz gesagt: ein schönes Buch für jedermann! Ach, ja, eingefleischte Buschheuer-Fans werden vielleicht enttäuscht sein, dass sie kein schrilles Skandalgeschichtchen geschrieben hat. Dafür werden sie mit einer einfühlsamen, ungewöhnlichen Geschichte über etwas andere Aspekte des ehelichen Miteinander entschädigt.
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Heinrich Grewents Arbeit und Liebe Christoph Peters Broschiert, August 2007 Verkaufsrang: 439382 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Eine moderne Kleinbürgersatire von geradezu klassischem Format Im Leben des Angestellten Heinrich Grewent stimmt eigentlich alles: Er hat eine sichere Stelle und ist glücklich mit einer Grundschullehrerin verheiratet. Doch dann wird plötzlich innerhalb weniger Tage seine ganze Existenz aus der Bahn geworfen. Christoph Peters entlarvt auf furiose Weise die Abgründe, die unter der Oberfläche eines scheinbar wohlgeordneten Kleinbürgerlebens lauern. Vom Autor der preisgekrönten Romane "Stadt Land Fluß" und "Das Tuch aus Nacht".
"Ein meisterhafter Erzähler." Frankfurter Allgemeine Zeitung "Man könnte Heinrich Grewent glatt für eine Figur von Loriot halten." Die Welt "Überwältigend beschrieben." Berliner Morgenpost
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Lagerfeuer Julia Franck Gebundene Ausgabe, August 2003 Verkaufsrang: 298789 Das Letzte, was die DDR-flüchtige Nelly Senff sich von ihrem Staat gefallen lassen muss, ist eine inwändige Leibesvisitation. Der letzte Eingriff vor der Ausreise ins Feindland, die letzte private Manipulation, die letzte Demütigung. "Nicht gehen ließen sie mich. Als Trojanisches Pferd wollten sich mich schicken." Das Erste, was Nelly Senff im Westen erwartet: Demütigungen. Stundenlange Verhöre durch verschiedene Geheimdienste, Mehrbettzimmer und Doppelstockbetten, zwielichtige Wohltäter, Spitzel-Verdacht, Essensmarken und Nieselregen. Allgegenwärtig der Gospel-Sound aus den Radios der amerikanischen Besatzer. Und viele offene Fragen: "Was glaubt ihr, was euch im Kapitalismus erwartet?2 Lagerfeuer handelt von Transiterfahrungen, im geografischen, ideologischen und existenziellen Sinn. Schauplatz ist das ehemalige Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde. Hier machen vier sensible Hauptpersonen eine gemeinsame Erfahrung: an einem Ort zu sein, an dem keiner von ihnen sein will. Zukunft: ungewiss. Neben Nelly Senff mit ihren beiden Kindern sind da Krystyna aus Polen, der arbeitslose Schauspieler Hans Pischke und John Bird, ein schwarzer US-Amerikaner im Dienst der CIA, der Nelly bei ihrer Ankunft verhört. Locker verknüpft die Autorin die individuellen Geschichten und lässt ihre Figuren aus persönlicher Sicht erzählen, über große Strecken gleichsam wie in Echtzeit. Die Augenblicke aus dem Lageralltag, die schwer "wie ein Kind" wiegenden Erinnerungen an das Leben vor dem Lager, erhalten durch die Dehnung der sinnlichen Wahrnehmung eine ungewöhnlich intensive Präsenz. Die in Ostberlin geborene Julia Franck, die das Lager Marienfelde mit acht Jahren selber erlebte, beschäftigt sich in ihrem dritten Roman nach Der neue Koch und Liebediener mit einem Teil ihrer eigenen Vergangenheit. Dass sie zugleich ein heikles Thema der jüngsten deutschen Geschichte zu einem offenen Stück Literatur macht (und eben nicht zum Pro-und-Kontra-Trend beiträgt, der das Thema derzeit multimedial bestimmt), ist bemerkenswert. Der "kühle" Stil, den die Kritik Julia Francks vorangehenden Büchern teilweise attestiert hat, trifft die Sache nur oberflächlich. In Lagerfeuer ist eine Verantwortung für das Romanpersonal zu spüren, die rührend ist. Das könnte die Wärme sein, die im Titel des Buchs steht. --Nikolaus Stemmer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
lesenswert 4 von 5 Punkten Nach der Buchvorstellung von J. Frank in einer Talkrunde im Fernsehen habe ich mir mehr davon erhofft. Während der Wendezeit war ich 14 Jahre und habe vom "drumherum" aus heutiger Sicht fast gar nichts mitbekommen. Dieses Buch lieferte mir einige Eindrücke und dennoch bin ich etwas unzufrieden und habe mir insgesamt mehr Fakten erhofft. Dennoch ist dieses Buch eine Bereicherung und empfehlenswert zu lesen.
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Im Himmel Georg M. Oswald Gebundene Ausgabe, September 2003 Verkaufsrang: 383856 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 4 Tagen. "Summer surprised us, comming over the Starnbergersee", schwärmte schon T.S. Eliot in Das wüste Land. In der weiß-blauen Postkartentraumkulisse eines Villenviertels mit Seeblick und Alpenpanorama, von seinen Bewohnern ob der himmlischen Lebensqualität "Paradies" genannt, erlebt der 20-jährige Marcel seine letzten großen Ferien -- Tage, die sich in Pool-Parties, Alkohol- und Drogenabstürzen mit den Freunden und nervtötendem Dauer-Kleinkrieg mit den Eltern zu erschöpfen scheinen. Reichlich banal und oberflächlich wirkt das auf den ersten Blick, so dass der gehässige Leser schon geneigt ist, dem Icherzähler Liegestütze beim Bund, oder, besser noch, ein paar Monate Zivildienst in einem Pflegeheim zu wünschen: Sonst keine Probleme, oder was? Ist Georg M. Oswald, dem zuletzt mit seinem Roman Alles was zählt ein süffisant-ätzendes Porträt unserer Business-Welt vor dem Abschmieren der New Economy gelang, Knall auf Fall ins Pop-Lager der "neuen Archivisten" (Moritz Baßler) gewechselt, die -- kunstgewerblich solide und den Blick fest auf die eigene Schreibtischplatte gerichtet -- den Abschied von der eigenen Jugend, von Geha- und Pelikan-Füller, Halstuch und Fahnenappell, melancholisch in Szene setzen? Auch Oswalds geschliffene Rollenprosa nimmt den schnoddrigen Ton seines jugendlichen Protagonisten auf, doch wo andere mit Kurz-Sätzen und plumpen Parataxen über die Seiten rumpeln, nutzt der praktizierende Anwalt seine enorme stilistische Bandbreite, um mit wenigen Strichen, quasi aus dem Handgelenk, ein Sittengemälde der "besseren" Gesellschaft zu entwerfen. Die Golf-Partie mit einem kantigen Baustoffhändler, die Hochzeit, die wie eine Konzern-Fusion arrangiert wird -- das Böse grinst in vielfältiger Gestalt durch die glatten Oberflächen. Das Porträt von Marcels Vater, ein Porsche fahrender Rechtsanwalt, der stolz auf seine Punk-Vergangenheit ist, lässt so manchen Kommentator der Pisa-Studie alt aussehen. Im Himmel ist ein politisches Buch, das die Peinlichkeitsfallen politischer Literatur meidet. Oswald, vielleicht ein deutscher Geistesbruder von Bret Easton Ellis, hadert nicht mit der "Hohlheit hinter den luxuriösen Fassaden" -- das wäre kindisch. Er erzählt vielmehr eine Geschichte, die von Liebe und Verrat, Geld und Tod handelt und davon, wie zu leben ist in einer rundum verplanten, finanziell gut gepolsterten Vollkasko-Gesellschaft: weder als verunglückte Kopie der Eltern, noch als Mitläufer im jugendlichen Fußvolk der Spaßgesellschaft. --Niklas Feldtkamp
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)
Großartig 5 von 5 Punkten Ich kannte Oswald nicht - bis zu diesem Buch! Es erinnert an die Gruppe 67 in seiner saloppen Art zeitkritisch und dennoch belletristisch die gegenwärtige Gesellschaft in und um München aufzugreifen. Der 20jährige Erzhler, der sich natürlich noch nicht gefunden hat - hat er doch eine Kindheit im "Schein-wahren" und "Durch-das-Leben-geführt-werden-bis zum-geht-nicht-mehr" erlebt - erzählt seine Ferien. Einfach so. Und dabei kommt ein ziemlich verlogenes Bild zutage in dem sich die Welt von heute spiegelt.
Damit hat es Oswald geschafft wenig fiktional die Gegenwart einzufangen ohne autobiografisch zu sein. Absolut lesenswert (vor allen Dingen für alle, die mit Jugendlichen arbeiten oder eigene haben...)!
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Mahlers Zeit Daniel Kehlmann Gebundene Ausgabe, 1999 Verkaufsrang: 444208 Bei Amazon z.Zt. leider nicht lieferbar! |
Der Physiker David Mahler beschäftigt sich mit der Frage, ob die Richtung der Zeit wirklich ein unumstößliches Naturgesetz ist. Gibt es etwas, was ihren Lauf umkehren könnte? Eines Nachts findet er in seinem Traum die Lösung... Wird endlich ein Menschheitstraum wahr? Ist es möglich, in die Zukunft zu schauen? Und können die Menschen diesen Blick aushalten? Mahler will seiner Entdeckung Gehör verschaffen, aber ohne Autorität im Wissenschaftsbetrieb...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 22 Bewertungen)
Porträt einer Grenzerfahrung 5 von 5 Punkten Wie die Vorrezensentin dem Buch vorwarf, geht es hier um einen begabten Physiker, der ihr richtigerweise "autistisch" erscheint. Und genau das ist das brilliante an diesem Buch. Die Beschreibung der Gedanken eines Mannes zwischen "Genie und Wahnsinn". Je weiter er sich in seine Gedankenwelt verstrickt, desto mehr setzt er alles was (zufällig) um ihn herum geschieht in eine Beziehung zu sich selbst. Er kann Geschehnisse nicht mehr richtig einordnen und verfällt zwangsläufig einem Verfolgungswahn. Das scheint mir brilliant erzählt und das Bemerkenswerte an dem Buch. Um die Widerlegung des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik geht es nicht.
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Durst Hunger Müde. Unterwegs im Kinderland Sven Lager, Elke Naters Taschenbuch, Oktober 2004 Verkaufsrang: 99605 Stammen die Drip-Paintings an der brandneuen Tapete etwa von Jackson Pollock? Nein, Lilly hat nur ihren eingetrockneten Füller mal kurz ausgeschüttelt. Der kleine Jakob hat indes beschlossen, seine Rotznase nicht ins griffbereite Taschentuch zu entsorgen, sondern in ein frischgewaschenes T-Shirt. Wieso riecht es unterm Bett eigentlich nach angegammelter Salami? Schneller Tatortwechsel: Lilly spitzt ihre Buntstifte gerade in eine chinesische Teetasse mit Kakaoresten. Ein erschütternder Lagebericht aus der Kampfzone Kinderzimmer nimmt seinen Verlauf! Bereits die ersten nervenaufreibenden Seiten künden vom aussichtslosen Kampf eines Alt-68er-Elternpaares. Wie hält man seine hehren Erziehungsideale hoch, ohne ständig Gefahr zu laufen, als zähnefletschende Killereltern die eigene Brut in blinder Mordlust einfach niederzumetzeln? Sex und Partylife sind schon lange perdú, soziale Bande erschlafft, statt edler Einrichtungskultur regiert Sperrmüllästhetik. Wehmütig denkt das Autorenpaar Lager/Naters an das befreundete Paar, dessen Nachwuchs in karg möbliertem Designerambiente stillen und vernünftigen Spielen nachgeht, ohne gravierende Flurschäden zu hinterlassen. Ein Erziehungsmodell, das bei Jakob und Lilly radikal fehlschlug. Längst haben die beiden Mini-Hooligans die eigentliche Herrschaft in der Wohnung an sich gerissen. Die ironietriefenden Anekdoten um das Zerstörungswerk der Kinderlein sind seitenfüllend (und vielleicht etwas zu lang geraten). Dennoch gibt es Tröstliches zu vermelden in diesem selbstkritischen Elternprotokoll mit verteilten Rollen: Trotz der täglichen Sysiphusarbeit, kleine Anarchisten ins Leben zu geleiten, lernen die Autoren allmählich, ihre Kinder als Gewinn zu begreifen und nicht ständig dem Verlust an sogenannter Lebensqualität nachzuweinen. Elternliebe hat obsiegt, die schöne Botschaft setzt sich durch. Sich selbst bespiegelnde Alltagskatastrophen, lustig literarisch angerichtet, eine spätestens seit Sven Regener nicht mehr ganz taufrische Idee. Als liebevoller, charmanter und superironischer Trostspender für junge Eltern kurz vorm erzieherischen Supergau allerdings bestens geeignet. --Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Humorvoll 5 von 5 Punkten Das Werk beinhaltet humorvolle Geschichten über das Leben mit Kindern. Der Text besteht hauptsächlich aus Dialogen und ist besonders erheiternd und angenehm zu lesen. Es wird nichts beschönigt, die Autoren stellen nicht die „Immernetten" Eltern dar, sondern zeigen deutlich die Gefühle und inneren Zwiespälte, denen Eltern ausgesetzt sind. Ebenso bringen die Autoren sowohl die witzigen als auch die anstrengenden Seiten von Kindern einzigartig auf den Punkt. Auch die Ängste und Wünsche unserer Kleinen stellen sie auf sehr ansprechende Weise dar. Dies alles verpackt in kurze, unzusammenhängende Geschichten, die von den gleichen Kindern handeln und abwechselnd aus der Sicht des Vaters bzw. aus der Sicht der Mutter erzählt werden. Ein äußerst empfehlenswertes Werk für alle, die manche Probleme mit Kindern auch mit einer humorvollen Sichtweise betrachten können.
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Inventur. Deutsches Lesebuch 1945 - 2003 Norbert Niemann, Eberhard Rathgeb Gebundene Ausgabe, September 2003 Verkaufsrang: 445829 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 4 Tagen. Was ist geblieben von fünfzig Jahren deutschsprachiger Literatur? Norbert Niemann, Schriftsteller, und Eberhard Rathgeb, Kritiker, stellen zusammen, was heute noch Sprengkraft besitzt, und lassen weg, was nur noch museal wirkt. Mit ihrer Auswahl und ihren Kommentaren, mit berühmten und vergessenen Namen setzen sie neue Akzente. Die Kombination aus Originaltexten, Einführungen zu den Autoren und konzentrierter Epochendarstellung ergibt ein spannendes Lesebuch.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Viele Infos, viele Anregungen , einige Erinnerungen 3 von 5 Punkten Ich habe den Band eher zufällig beim Stöbern in einer Buchhandlung entdeckt und den spontanen Kauf bisher keineswegs bereut. Natürlich darf man keine "spannende" Lektüre erwarten, und sicher ist eine solche Auswahl immer willkürlich. Dennoch halte ich den Band mit seinen zeitgeschichtlichen Informationen, den Autorenfotos und Kurzbiographien für gut recherchiert. Außerdem zeichnen die ausgewählten Stücke sowie ihre Einordnung in den historischen Hintergrund die Entwicklung schriftstellerischen Schaffens über die Jahrzehnte hinweg recht gut nach. Manches kannte ich noch aus der Schule, einiges war mir völlig neu, hier und da werde ich sicher auch weiterlesen. - Fazit: Kein "must have", aber für diejenigen, die auch gern mal einen Band zum Nachblättern und Anlesen auf dem Nachttisch liegen haben, schon eine Überlegung wert.
geschmacksarm 1 von 5 Punkten Nein, die erste Liga der deutschen Literatur, vor allem der letzten 20 Jahre wird man in diesem Buch vergeblich finden. Hier wurde ausgewahlt, was sozialkritische Ansatze zeigt, gegen jede belletristische Aesthetik. Niemann und Rathgeb (warum muessen die sowas eigentlich machen?) haben versammelt, was von der deutschen Literatur hoffentlich NICHT bleiben wird. Von daher ist das Buch als Feindbild doch recht nuetzlich. |
Soloalbum. Das Buch zum Film Benjamin von Stuckrad-Barre Taschenbuch, April 2003 Verkaufsrang: 324423 Eine klassische Tragödie: Sie hat Schluss gemacht - und das auch noch per Fax. Nach vier gemeinsam verbrachten Jahren findet sich ein junger Mann plötzlich in der Rolle des Verlassenen wieder. Im Kampf mit dem Telefon und dem Alkohol zelebriert er seinen Liebeskummer. Dem Literatur-Popstar ist es gelungen, das Lebensgefühl einer ganzen Generation einzufangen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
I'm mad for it. Überdo(a)sis bitte! 5 von 5 Punkten It's hard enough sitting there Rockin' in your rockin' chair It's all too much for me to take When you're not there..... Eine wundervolle Liebesgeschichte, ein Protagonist voll schwarzem Humor und Welthass und eine wahre Hommage an Oasis-was gibt es da noch zu sagen? Der frisch verlassene Ben kämpft mit dem Alleinsein und plagt sich noch dazu mit allerlei anderen Dingen herum. Oft gelesen, oft gehört- aber garantiert noch nicht so! Benjamin von Stuckrad-Barre schreibt auf eine Weise, die so unzusammenhängend und zum Teil strukturlos ist, das es schon wieder einfach nur genial ist. Manchmal scheint es einem, als würde der Autor einfach nur alles zu Papier bringen was ihm so durch den Kopf geht. Ich für meinen Teil habe Tränen gelacht, und das auf jeder 2.Seite- auch noch beim dritten Mal lesen. Und das wird nicht das letzte gewesen sein.. Übrigens macht BvSB gerade seine Lese-Tour... und: wer den (übrigens ebenfalls großartigen) Film noch nicht gesehen hat- am besten das Buch vorher lesen! Ich liebe BvSB für dieses Werk: Lieblingsautor und Lieblingsband in einem- wann gibts das schon mal??? Ich bin schon süchtig, nach Stuckrad-Barre wie Oasis. Und wer sich Soloalbum anschafft wird das auch bald sein:-)
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Kommen und gehen, manchmal bleiben Christoph Peters Taschenbuch, Dezember 2003 Verkaufsrang: 428401 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
...manchmal bleiben - aber nicht sehr oft 3 von 5 Punkten Äusserst schwierig, sich in diesen abwegigen Welten zurecht zu finden. 3 - 4 Geschichten lassen Platz fürs "Ordnen" im eignen Kopf. Andere triften ins Leere, bestechen manchmal mit seelischer Grausamkeit, an den Hauptfiguren - oder sogar Leser, der sich mit Ekel abwendet oder das Buch für den nächsten Tag weglegt, um die verlassenen Leseräume neu zu definieren und zu erleben. |
Neue Leben Ingo Schulze Gebundene Ausgabe, Oktober 2005 Verkaufsrang: 68697 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen. Ingo Schulzes Roman Neue Leben ist hoch romantisch. Das gilt nicht nur für die Herausgeberfiktion des Untertitels -- Die Jugend Enrico Türmers in Briefen und Prosa. Herausgegeben, kommentiert und mit einem Vorwort versehen von Ingo Schulze --, die man aus vielen Romanen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kennt. Das gilt auch für den Glauben an das Glück des Schreibens, der den Protagonisten inmitten der Ungerechtigkeit der DDR schon in der Jugend in der Provinz überfällt. Das gilt für den Glauben in die Macht der Phantasie, die Mauern zum Einsturz bringen kann -- ein Glauben, in den sich Türmer einigelt wie in einen Elfenbeinturm. Und das gilt für die Kraft wahrhaft mephistotelischer Verführungskunst, der sich der Held nach dem tatsächlichen Fall der Mauer 1989 ausgesetzt sieht. Der inneren Widerstands-Immigrant und desillusionierte Überzeugungs-Ossi aus Altenburg wird dank der Mithilfe eines humpelnden Aushilfsteufels namens Clemens von Barrista zum Kapitalisten ersten Ranges, der zwar weiter Texte produziert, bezeichnenderweise aber als Chef eines Anzeigenblättchens, das den Grundstock bildet für sein späteres Medienimperium: Eine deutsch-deutsche Karriere, die Schulze in großartiger Manier als klassischen Briefroman erzählt. Sieben Jahre haben Fans von Ingo Schulze auf ein neues Buch warten müssen nach dem sensationell guten Roman Simple Storys, immer wieder mit Hoffnung gefüttert durch Vorabveröffentlichungen in Zeitungen oder durch Live-Lesungen längerer Passagen. Das Warten hat sich gelohnt. Denn Neue Leben ist mit 800 Seiten nicht nur unglaublich dick und episch breit, sondern auch schlichtweg großartig geschrieben. Auch wenn die Fußnoten Schulzes beizeiten allzu lehrmeisterlich daherkommen und der viel zu lang geratene Anhang mit angeblich verworfenen Texten Türmers sich wohl als Sammlung mit verworfenen Texten Schulzes entpuppt, die besser verworfen geblieben wären, ist Neue Leben trotzdem jener Wende- und Wendehals-Roman, auf den alle seit langem gewartet haben. Dass er so autobiographisch angehaucht daher kommt, gibt ihm einen weiteren, verführerischen Reiz. --Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 20 Bewertungen)
Irreführend, Spannend, Wunderbar 5 von 5 Punkten Ich habe das Buch soeben zur Seite gelegt, und hatte bis zur letzten Seite Zweifel darüber, wie es mit der Fiktion nun wirklich steht. Dass ich in Fußnoten und vor allem dem Vorwort permament des Gefühl einer absolut reelen Erzählung bekam, verwirrte mich bis zur letzten Seite... doch schlecht war das nicht!
Es gibt noch keinen Wikipedia-Artikel, dafür wird es m.E. schleunigst Zeit, denn ich habe dieses Buch geliebt, sowohl in den kurzen Straßenbahnfahrten, in denen ich las, als auch in den langen Abenden. Ständig mögliche Zäsuren ermöglichen Pausen, Denkpausen, um sich mit eigenen Gedanken und Erfahrungen abzugleichen. Auch um "Zeitzeugen" zu fragen, da ich selbst zur Wendezeit noch zu jung war. Hier lohnt das Buch auch aus historischen Gründen.
Der Anhang ist dann keinesfalls nur Anhang, eher wie ein Schlüssel zu dem Bild, das in den Briefen gebildet wird - Türmer selbst war (leider!) nie ein großer Autor - Schulze indes ist es!
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Hotel Angst John von Düffel Gebundene Ausgabe, März 2006 Verkaufsrang: 290203 Eine Fahrt Richtung Vergangenheit, nach Bordighera an der der italienischen Riviera, dahin, wo der Erzähler in Gedanken schon so oft gewesen ist, ins »Hotel Angst« benannt nach seinem Besitzer Adolf Angst, ein Luxushotel der Jahrhundertwende, eine Titanic unter den mondänen Prachthotels dieser Welt. Hotel Angst erzählt die Geschichte eines magischen Ortes, bewohnt von seiner Vergangenheit und von der Erinnerung an den Vater, der davon träumt, das Hotel Angst wieder zu eröffnen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Hotel Damals 5 von 5 Punkten Eine hübsche kleine Erzählung über Träume, die sich verwirklichen lassen, und solche, die man nur träumt (aber das mit einer Perfektion, die eine Realisierung vielleicht sowieso unmöglich machen würde). Interessant ist auch der "Du-Erzähler", der den eigentlichen Erzähler in eine merkwürdig enge Distanz rückt - klingt schräg, aber so fühlt sich das auch an.
Der Erzähler jedenfalls begibt sich nach Bordighera, einem Ferienort an der italienischen Riviera, wo er mit seinen Eltern und seinem Bruder so manchen Sommer verbrachte. In diesen Sommern lebte sein Vater, eigentlich ein nüchterner Statiker, immer auf, denn er träumte davon, das Hotel Angst wiederzueröffnen. Dieses Hotel, benannt nach seinem einstigen Besitzer Adolf Angst, war ein prächtiges Luxusetablissement, bei dem sich die Haute Volée seinerzeit die Klinke in die Hand gab. Vielleicht kommt einem dieses sagenhafte Hotel beim Lesen selbst wie ein Sehnsuchtsort vor (weswegen man den Vater gut verstehen kann), weil es eine Mischung aller Nobelhotels zu sein scheint, von denen man je gehört hat, in denen man gern mal zu Gast gewesen wäre und deren Hoch-Zeit leider schon fast ein Jahrhundert zurückliegt.
Das kleine Buch erzählt sowohl die Geschichte des Hotels als auch die des Erzählers und vor allem die seines Vaters, den der Erzähler erst posthum näher kennen lernt.
Der Titel lässt an einen Horrorroman denken - denkste! 4 von 5 Punkten Der kurze Roman "Hotel Angst" beschreibt die Suche eines Mannes nach der Identität seines Vaters.
Als Kind hat der Du-Erzähler einige Sommer in Ligurien im Urlaub verbracht. Der Vater, so erinnert er sich, war dann ein ganz anderer Mensch, nicht der graue Statiker, der seine Träume vom Architektenberuf für die Familie begraben hat. In den Ferien versuchte er an seinem Traum zu arbeiten, einer Wiedereröffnung des Jahrhundertwendehotels "Angst".
Nach dem Tod des Vaters reist der Sohn erneut an das alte Urlaubsziel, während der Bruder daheim die Haushaltsauflösung regelt. Er erkennt, dass er von seinem Vater nie alle Seiten gekannt hat. Er ist verblüfft, als ein Freund seines Vaters ihm einen Umschlag reicht, der die Vorarbeiten zu einem Roman über das Hotel "Angst" enthält, das den Vater lange Jahre beschäftigte. Sein Vater war kein Literat, aber doch ein Mensch, der in einer eigenen Welt lebte, der vergangenen, als der Tourismus in Italien begann und Engländer Ligurien als Fluchtort vor den Wintern auf der Insel entdeckten, die Ruhe suchten und sie damit zerstörten.
Den Roman durchzieht das Gefühl der Melancholie und das Bekenntnis zu Verfall. Er zeigt, wie nahe die Angst vor dem Tod und die Sehnsucht nach einer Idylle verwebt sind - und er beschreibt einen realen Ort im realen Italien mit seiner Geschichte.
Die Geschichte ist in einem Tonfall geschrieben, lakonisch, unaufgeregt, beinahe beiläufig, der dem Roman eine enorme Glaubwürdigkeit verleiht. Es spielt beim Lesen keine Rolle, ob der Roman autobiographische Elemente hat. Die geschilderte Familie ist alltäglich und auch der Erkenntnisprozess, dass man eine andere Person nur in einer ihrer Rollen kennenlernt, ist ein universelles, übertragbares. Das macht den Roman so lesenswert. Es ist keine Bewältigung einer schweren Kindheit, keine Psychostudie, sondern eine zum Denken anregende Abhandlung über die Frage, wie gut man Menschen kennen kann, selbst wenn sie nahe stehen. |
Mir nichts, Dir nichts. Drei Erzählungen Julia Franck Gebundene Ausgabe, März 2006 Verkaufsrang: 146189 Geschichten aus Wünschen und Fantasien: Eine junge Frau kauert am Bett ihrer schlafenden Schwester Luise, als es klingelt - doch Luise mag ihren Freund jetzt nicht sehen. Da stellt sich die kleine Schwester vor, er komme zu ihr. Ob eine junge Frau die beste Freundin trösten muss, obwohl deren Freund die Nacht bei ihr verbracht hat, oder eine Bademeisterin über ihren Tagträumen den erträumten Schwimmer aus den Augen verliert es sind scharf beobachtete, sinnlich aufgeladene Geschichten, in denen Julia Franck die Lust am Erzählen und das Erzählen der Lust verbindet.
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Satt Markus Seidel Taschenbuch, November 2003 Verkaufsrang: 480534 Der Schriftsteller David hat sein altbekanntes Leben satt - und beschließt zu handeln. Er lässt seine Freundin, den Beruf, die alten Freunde hinter sich und flieht aus der Metropole in die Provinz. Doch auch dort ist klar: Was David wirklich fehlt, ist ein Mensch, der seinem Leben den entscheidenden neuen Impuls gibt. Genau dieser besondere Mensch könnte die traurig-geheimnisvolle Marie sein. Als sie ebenso rasch und rätselhaft verschwindet, wie sie aufgetaucht ist, macht sich David auf die Suche nach ihr
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
lesen und staunen! 5 von 5 Punkten Wieder ein ziemlich dünnes Buch von Markus Seidel, wieder ein schmaler Inhalt - aber was für einer! Im Wechsel wird die Geschichte von Marie und David erzählt, auf sehr intensive, melancholische, sensible Art und Weise. Es wird dabei nichts beschönigt oder dramatisiert, der Tod nicht, die Liebe nicht und die Einsamkeit nicht. Wem das nicht nahegeht, wen das nicht berührt! Wieder einmal wird hier ganz genau hingesehen, jedes Detail wird wichtig genommen, selbst wenn man zunächst Zweifel an dem Sinn mancher Bemerkungen und scheinbarer Kleinigkeiten hat - es braucht nicht lang, und man weiß, wieso sie erzählt wurden, man erkennt den Sinn und den Zusammenhang mit dem Text. Dieses Buch gehört zu denen, die man zweimal lesen kann/muss; beim zweiten Lesen wird man überrascht sein, überrascht von den Dingen, die man beim ersten Mal überlesen hat, übersehen, nicht wichtig genommen. Beim ersten Lesen erkennt man die Magie, die von diesem Buch ausgeht, und ist gefesselt. Beim zweiten Lesen ist der Blick geschärft für die Details. Trotz der Qualität von "Satt" werden die Meinungen über das Buch ganz bestimmt geteilt sein. Nicht jeder hat einen Draht für die Stimmung, die hier vorherrscht. Allerdings: Ohne Zweifel muss man die Sprache rühmen, mit der "Satt" erzählt wird. Sie ist faszinierend, gleich auf den ersten Seiten fällt das auf. Dieses Buch habe ich genossen, sowohl vom Inhalt als auch von der Erzählweise.
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Nox Thomas Hettche Broschiert, 1996 Verkaufsrang: 540677 Nox - Nacht, das ist die Nacht, als die Mauer fiel. Die Nacht, nach der sich alles änderte. Auch für das junge Mädchen, das einen Mord begangen hat, vor seiner Tat flüchtet und sich im nächtlichen Berlin Ausschweifungen mancherlei Art hingibt. Hettche erzählt von der Irrfahrt des Mädchens, von einem Schiff, das auf dem Landwehrkanal Richtung Osten fährt, von einem Ostberliner Anatomen, einem Geräuschemacher und von einem Wachhund an der...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 1.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Bitte nicht mit dem Kopf schreiben! 1 von 5 Punkten Angeblich ist das ein Wendezeit-Roman. Ich kann mich aber des
Verdachts nicht erwehren, dass der 9. November 1999 als Tag der
Handlung nur gewählt wurde, damit über den zeitgeschichtlichen Rahmen
ein Bedeutungskontext hineininterpretiert werden kann, den das Buch in
Wahrheit gar nicht hat.
Es muss irgendwo in Deutschland eine Schreibschule geben, die darauf
besteht, dass Detailgenauigkeit, Faktenreichtum und Akribie bei der
Recherche genügen, um einen guten Roman zu schreiben. Sie genügen
nicht! Und es genügt auch nicht, eine Folge drastischer Szenen in
einen einzigen Tag zu pressen, um atmosphärische Dichte zu
erzeugen. Das hat früher bei Wolfgang Koeppens "Tauben im Gras" nicht
richtig hingehauen, und es funktioniert bei Hettche im neuen
Jahrtausend ebenfalls nicht.
Also gut: Die Mauer ist offen, man kann sich auf den Rücksitz eines
Trabi setzen, dort koitieren und gleichzeitig über die Grenze
fahren. Man kann sich Zigaretten auf der Haut ausdrücken lassen und
dabei an die Heilung von Wunden denken, weil die Grenze ja auch so was
wie eine Wunde gewesen ist. Na und? Da wird dick aufgetragen, und weil
eben doch kein rechter Tiefsinn aufkommen möchte, immer dicker und
dicker. Es klaffen die Wunden, es eskalieren die Exzesse. Das Ganze
ist weder glaubwürdig, noch überzeugend.
Natürlich hat sich da wieder einer extrem viel Mühe gemacht, hat seine
ganze Sprachgewalt bemüht, hat genau recherchiert, an den Sätzen
gefeilt. Er kann schreiben, der Hettche, und er kann denken, nur
kriegt er leider beides nicht zusammen. Über der Eleganz seiner Sätze
hat er die einfachsten Fragen vergessen: Warum das alles? Warum die
Maueröffnung mit einer klaffenden Wunde vergleichen, und nicht mit
einer heilenden? Das Gegenteil wäre doch näher gelegen, oder? Bestimmt
hat Hettche darauf eine kluge Antwort, und vielleicht steht sie sogar
im Text und ich habe sie nicht gefunden. Sie würde mich nicht
überzeugen, kännte ich sie, denn das Buch als solches überzeugt mich
einfach nicht.
Seit Joyce' Ulysses gibt es immer wieder Autoren, die sich der
Herausforderung stellen, die darin besteht, die Handlung eines Romans
auf einen einzigen Tag zu konzentrieren. Der schon erwähnte Koeppen
hat das vor Jahrzehnten getan, und es ist intellektualisierendes
Epigonentum dabei herausgekommen. Zeitschmerz in feinstem
Romandeutsch. Genau daran ist auch Hettche gescheitert: Am seinem
klugen Kopf, an seinem literarischen Feinsinn, mit dem er seine wilden
SM-Szenen nicht adelt, sondern ihnen das Leben entzieht. Sie sind
nämlich nicht lebendig, sondern papieren. Das bisschen Glaubwürdigkeit
ist im Bedeutungswust und im Faktenwahn verloren gegangen.
Ich wünsche mir wirklich, Hettche hätte ein wenig schlechter
recherchiert und seine Sätze etwas gröber gelassen. Dann hätte er
vielleicht mal Zeit und Muße gehabt, einen Schritt zurückzutreten und
seinen Text platt und glatt gegen die Wirklichkeit zu halten. Er wäre
dann unter Umständen sogar auf die Idee gekommen, die Lupe mal
wegzulegen und mit seinen gesunden Augen hinzusehen. Dann hätte er
sich gesagt: "Schreib doch bitte entweder eine SM-Geschichte, oder
einen Wenderoman. Aber nicht beides gleichzeitig, das kriegst du
nämlich nicht zusammen. Du nicht!"
Vom Rausch einer Nacht 2 von 5 Punkten „Nichts, dachte sie, wird so bleiben, wie es war." - Diese Worte der weiblichen Protagonistin des Textes fassen alle Ereignisse zusammen, die sich in „Nox" zutragen. Die Geschichte einer Nacht erzählt von einem Mord, der Identitätssuche einer Mörderin, dem Mauerfall sowie dem kollektiven und individuellen Taumel der Nacht, in der alles anders wurde.Ganz anders ist auch der ganze Text: Ein Ich-Erzähler, der schon nach dem ersten Kapitel stirbt; eine wechselnde Erzählperspektive, die sich zwischenzeitig einem Hund an die Fersen heftet; rauschhaft-perverse, fast irreale Szenen. Kurzum: Hettche ist es mit diesem Text gelungen, etwas Neues zu kreieren, das den Leser teils fesselt, teils verstört, teils mitreißt. Gekonnt spielt er mit dem Motiv des Schmerzes, der den ganzen Plot zu einer Einheit verschmelzen lässt: Durch die geteilte Stadt Berlin zieht sich eine Narbe, die weibliche Protagonistin leidet darunter, nicht zu wissen, wer sie ist, der Ich-Erzähler empfindet permanenten Schmerz in seinem Todeskampf und sogar Nebencharaktere wie David, auf dessen Rücken und Po Schriftzüge eingebrannt sind und dessen Eichel durch einen Schnitt vernarbt ist, sind vom Schmerz gezeichnet. Daneben verbindet auch der Rausch - aus verschiedensten Gründen befinden sich alle Menschen in einem Taumel der Nacht. Obwohl der Autor sein Handwerk meisterhaft beherrscht, weiß der Text gerade gegen Ende nicht mehr zu überzeugen. Zu surreal, zu paradox präsentiert sich dem Leser das „Theater der Anatomie". Was Hesse mit dem „magischen Theater" des „Steppenwolf" schaffte - seinem Roman im metaphorischen Bereich ein furioses Ende zu setzen - , gelingt Hettche in meinen Augen nicht. |
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