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| Junge Literatur | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Zwölf Gramm Glück Feridun Zaimoglu Gebundene Ausgabe, Februar 2004 Verkaufsrang: 424285 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Das Herz klopft, wenn die Liebe springt - zwölf große Geschichten vom kleinen Quentchen Glück Was bleibt, wenn das große Glück nicht mehr zu haben ist und das Leben zu versanden droht? In ebenso fulminanten wie filigranen Geschichten erzählt Feridun Zaimoglu von der Suche nach dem kleinen beglückenden Rest. Feridun Zaimoglu schickt einsame Glücksritter ins Feld - sei es im sanierten Kiez deutscher Großstädte, in den Hinterhöfen touristischer Badeorte oder in archaischen Dörfern. Auf dem Basar der Geschlechter wird hart gehandelt: Rachelüsterne Ehemänner und bigotte Ex-Freundinnen, romantische Schurken, Lustagenten und unkäufliche Verkäuferinnen verstricken sich in den Tauschgeschäften der Liebe. In der beim Bachmann-Wettbewerb preisgekrönten Erzählung 'Häute' kollidiert die Sehnsucht nach dem Einfachen und Ursprünglichen mit den kruden Gesetzen kapitalisierter Bedürfnisbefriedigung. Die gebrochenen Helden leben in der modernen westlichen Wirklichkeit und wollen ihr um jeden Prei s entkommen. Aber der Weg zurück in die Welt aus Altväterglauben, Ritualen und Reliquien bleibt verschlossen. Der Leser spürt die Sehnsucht, die sie treibt, und den Schmerz, der sie quält. Der begnadete Sprachschöpfer Zaimoglu fesselt mit alttestamentarischer Wortgewalt und poetischen Bildern. Staunen macht, wie der Erfinder der 'Kanak Sprak' jenen Zauber einfängt, der den flüchtigen Augenblicken des Glücks innewohnt. Denn entgegen aller Wahrscheinlichkeit klopft plötzlich das Herz, wenn die Liebe springt.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Wunderschöne Migrationsliteratur 5 von 5 Punkten 12 Gramm Glück handelt nicht vom Glück im allgemeinen, sondern eher im speziellen. Für den Autor scheint die höchste und reinste Form des Glücks die Liebe zu sein. Dies klingt vordergründig sehr kitschig, ist es im vorliegenden Fall aber keineswegs.Zaimoglu behandelt in seinen Geschichten Alltägliches: den täglichen Frust, die tägliche Vereinsamung in Großstädten, die unpersönlichen Trabantenstädte usw. Und immer, gerade wenn die Protagonisten anfangen zu verzweifeln, bäumen sie sich noch einmal auf, setzen alles auf eine Karte, brechen aus und machen ihr Glück. Oder jedenfalls fast immer - naja zugegeben recht häufig. Zaimoglu beherrscht die Kunst der Sprache virtuos. Elegant verführt er uns zum Zuhören, zum Dranbleiben an der Stimme. Führt uns mit fast schon arabischer Erzähltradition Bilder vor Augen, die uns bisher verborgen geblieben sind. Und dabei entwickelt er neben poetischen, wortgewaltigen Bildern auch feine, subtile Ironie, die sich dem Zuhörer evtl. sogar erst beim zweiten Hören erschließt. Leider ist auf dem Hörbuch nicht die gesamte Printausgabe enthalten. Aber dies ist nicht weiter dramatisch, da zufällig gerade jetzt im Oktober eine Taschenbuchausgabe zu einem sehr günstigen Preis erscheint. Ein Buch, nicht nur für frisch Verliebte.
Westöstliches 4 von 5 Punkten Mal mit beieindruckender Wortgewalt, mal mit feinem Sprachwitz beschreibt Zaimoglu die Möglichkeit und Unmöglichkeit der Liebe, des Glücks. Wer auch immer sich in diesen Tagen ohne vorgefaßte Meinung mit den Fragen zur Erweiterung der EU nach Osten und dem Islam unter einem kulturellen Blickwinkel auseinandersetzt wird hier einige ganz spannende, facettenreiche, absolut zeitgenössische Geschichten finden, die nachdenklich machen. Sehr lesenswert! |
Ludwig muß sterben Thomas Hettche Broschiert, März 2004 Verkaufsrang: 414054 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ein Mann, der ein Wochenende in der Wohnung seines sterbenskranken Bruders verbringt. Der Bruder, Ludwig, der nach Italien gereist ist, um sich dort zu verlieben. Und zwei geheimnisvolle Gäste, die Ludwigs Schicksal besiegeln werden. In seiner bildkräftigen und suggestiven Prosa erkundet Thomas Hettche die Macht und Ohnmacht der Sprache und lotet die Grenzen des Erzählbaren aus.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Ausnahmebuch 5 von 5 Punkten "Ludwig muss sterben" ist für mich eins der seltenen Bücher, das ich lese, ohne mich darin zurechtzufinden, bei dem ich aber völlig einverstanden mit dieser Orientierungslosigkeit bin. Zwar wird die Handlung nach zwei oder drei Mal lesen ebenfalls klar (tatsächlich habe ich das Buch mehrmals gelesen und es lohnt sich!), aber was oberflächlich zu geschehen scheint ordnet sich der Sprache unter, der Phantasie und inneren Struktur einer Logik, die aus dem Traum aufzusteigen scheint. Und doch ist das nicht bloß Sprachversessenheit, l'art pour l'art, sondern führt einen sehr dicht an etwas Geheimnisvolles und Unbegriffliches heran - Umgesetzte Philosophie im besten Sinn. Ich kenne kein vergleichbares Buch von dieser Art und Qualität.
Danke, dass es veröffentlicht wurde 5 von 5 Punkten Eigentlich ein Buch, dass nie die Schublade verlässt und bestenfalls erst nach einigen Jahren von einem Bekannten gefunden wird und der Autor posthum zum Genie erklärt wird. Sehr schwere Kost. Wenn man die ersten hundert Seiten durchgebracht hat, muss man es auch zu Ende lesen. Nichts klar bis dorthin, „Tod in Venedig" trifft „Lost Highway". Der Ich - Erzähler bleibt genauso mysteriös wie die beiden Gäste in Ludwigs Appartement. Ludwig ist ein williges Opfer, man wünscht ihm, dass er nach Hause kommt und erschrocken über das was vorgefallen. Der Ich - Erzähler geht völlig in seinen Visionen, seinen Urteilen auf und darf sich freuen, dass der Autor die Biologie des Menschen so gut studiert hat. Kommt man bis zum Ende freut man sich das Buch gelesen zu haben. Aber bis dorthin ist es lange. |
Lob der Kybernetik: Songtexte 1980 - 2007 Thomas Meinecke Broschiert, 26. September 2007 Verkaufsrang: 469976 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden »Heute Disco, morgen Umsturz, übermorgen Landpartie«: Die Band Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) betreibt Pop als mobile Anpassung, Camp, dissidente Störung aus unerwarteter Position - und singt auf deutsch. Thomas Meinecke, der sich lange als Nicht-Autor und Nicht-Musiker bezeichnete, schreibt die Texte für FSK. Sie sind schräg, bewußt schief und in sich gebrochen genug, um nach 26 Jahren Konzertgebrauch auch alleine stehen zu können. Vom »Ja zur modernen Welt« über »Wenn du einmal in Liebe bist« zum »Prix de la Chanson in eurovisueller Dekonstruktion« spiegeln die chronologisch gesammelten Texte die musikalische Entwicklung der Band wider, wie Eckhard Schumacher in seinem Nachwort »Deutsch als Fremdsprache« ausführt.
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Irres Wetter Kathrin Röggla Taschenbuch, März 2002 Verkaufsrang: 437141 Junges Leben in der Großstadt, in der Hauptstadt Berlin, um genauer zu sein: hip, urban, wichtig ist es zu wissen, was gerade angesagt ist. Schnell, hinterher, man könnte ja den neuesten Trend übersehen. Sonst steht man plötzlich am Ende der Love Parade und hört nicht einmal mehr ein bisschen Musik. Und immer diese Entscheidungen: schick wohnen in Architektenwohnungen oder doch lieber im "Kleinbürger-Slum-Viertel"? Ab wann macht man sich lächerlich -- als erwachsener Mensch, berufsjugendlich in H-&-M-Klamotten gekleidet? Politik -- eher nicht, wer kann schon CDU und SPD so richtig unterscheiden? Heiraten und Kinderkriegen geht O.K., bloß was macht man dann mit dem Nachwuchs, die mühsame Pubertät ist schließlich noch immer nicht abgeschafft!? Wie schnell sich diese Stadt verändert und mit ihr die Gesellschaft, keiner hält mehr inne, sicherheitshalber, man könnte am Ende mit sich selbst allein sein. Und auch der Sex bietet keinen Trost mehr, ist nicht mehr gut für kleine Fluchten. Die gebürtige Salzburgerin Kathrin Röggla, Jahrgang 1971, lebt nicht nur in Berlin -- sie beobachtet es auch, seziert es in ihrem Buch Irres Wetter. Ihr Stil ist assoziativ: Gedankensplitter, Gesprächsfetzen, unzusammenhängend und verwirrend im ersten Moment, bei genauerem Lesen erst wird man der stringenten Beobachtungen gewahr. Analytisch, bis man sich selbst ertappt fühlt. Das Buch ist sicherlich nicht immer leicht zu lesen, wozu die konsequente Kleinschreibung durchaus beiträgt. Auch sollte man mit diversen Szenejargons vertraut sein. Doch ist Irres Wetter jedem zu empfehlen, der am zeitgenössischen Leben und seinen Ausformungen interessiert ist -- vor allem, wenn er/sie ihm etwas skeptisch gegenübersteht. --Christa Petri
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Meeres Stille Stefan Beuse Gebundene Ausgabe, Oktober 2003 Verkaufsrang: 554073 Ein entlegenes Ferienhaus im französischen P rigord: Dort will der erfolgreiche Journalist Viktor Callner mit seiner Familie Urlaub machen. Doch es liegt eine unerklärliche Beunruhigung über ihm und seiner Frau. Dann taucht ein Fremder auf und mit ihm eine lange verschwiegene Vergangenheit ...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Superklasse! 5 von 5 Punkten Dieses Buch ist richtig schön zu lesen. Der Anfang muss erst etwas anlaufen, aber dann führt uns Stefan Beuse Stück für Stück in die Verstrickung einer Familie ein, die ein großes Geheimnis inne hat und es um jeden Preis geheim halten möchte, bis sie es - letztendlich - nicht mehr kann. Das Ende könnte - meiner Meinung nach - etwas spektakulärer ausfallen, aber so wie es ist, ist es auch ok :-) Auf jeden Fall sollte man dieses Buch gelesen haben!
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Leben bis Männer Thomas Brussig Taschenbuch, 2003 Verkaufsrang: 473180 "Wichtig ist auf'm Platz." Oder: "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel." Brauchen wir noch mehr solche Fußballer-Weisheiten, die uns diesen Sport im Besonderen und das Leben im Allgemeinen erklären? Bevor ich Leben bis Männer gelesen habe, hätte ich Nein gesagt. Doch nach diesem atemlosen Monolog eines Vereinstrainers aus der Magdeburger Börde revidiere ich meine Meinung gerne. Hier spricht kein seriöser Nadelstreifen-Stratege à la Hitzfeld, kein neunmalkluger Fußballintellektueller, sondern ein bierbäuchiger Malocher, der die Linien noch eigenhändig kalkt und die Eckfahnen in den Boden rammt. Was man als cholerisches Brüllen am Spielfeldrand missverstehen könnte, nennt er "leidenschaftliches Denken". Genau das führt er dann ausführlich vor, das springt und flitzt so unvorhersehbar wie die Lederkugel auf dem holprigen, regennassen Fußballacker: vom Frauenfußball zum Mauerschützenprozess, vom Torwandschießen zur Kolonialmacht England. Kein Wunder, denn "Fußball ist alles" -- und alles ist Fußball. Irgendwie schafft es Brussig, uns diesen ostalgischen Grantler sympathisch zu machen. Nicht immer schmeckt einem die Mischung aus gesundem Menschenverstand und gesundem Volksempfinden, doch man erfährt hier mehr über ostdeutsche Befindlichkeiten als in den meisten Artikeln und Reden zum 3. Oktober. Mit ein Grund dafür ist der schlagende Witz, der mal an Karl Valentin ("zu wenig Fuß im Gehirn"), mal an Harald Schmidt erinnert: Warum muss man sich um die Zukunft des deutschen Fußballs keine Sorgen machen? Weil die besten Spieler bekanntlich aus den Slums kommen. Oder der Grund für die kurze Blüte seines Sportgeschäfts: "Von Baseballschlägern allein kannste auf Dauer auch nicht überleben". Gegen Ende hört der Spaß dann auf, sogar der Fußball wird plötzlich zweitrangig. Fazit: Reporter Brussig bleibt immer dicht am Mann, berichtet hart, aber fair. Das Buch hat neunzig Seiten -- und am Ende gewinnen die Leser. --Patrick Fischer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
ein tolles Buch! 5 von 5 Punkten Ich habe dieses Buch von Anfang bis Ende mit groBem Vergnügen gelesen. Man kann sich kaum vor Lachen auf das Lesen selbst konzentrieren. Ich habe selten solch ein gutes, witziges und doch bissiges Buch gelesen!Daher kann ich es nur wärmstens weiterempfehlen!
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Mahlers Zeit Daniel Kehlmann Gebundene Ausgabe, 1999 Verkaufsrang: 591710 Der Physiker David Mahler beschäftigt sich mit der Frage, ob die Richtung der Zeit wirklich ein unumstößliches Naturgesetz ist. Gibt es etwas, was ihren Lauf umkehren könnte? Eines Nachts findet er in seinem Traum die Lösung... Wird endlich ein Menschheitstraum wahr? Ist es möglich, in die Zukunft zu schauen? Und können die Menschen diesen Blick aushalten? Mahler will seiner Entdeckung Gehör verschaffen, aber ohne Autorität im Wissenschaftsbetrieb...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 23 Bewertungen)
2. Gesetz der Termodynamik 5 von 5 Punkten Die Hauptfigur des David Mahler hat mich stark an den Film "A beautiful mind" mit Russell Crowe erinnert. Auch in diesem Roman geht es darum, dass sich ein hochintelligenter Mensch in eine Theorie dermaßen hinein versetzt, dass er am Ende sogar Verfolgungswahn bekommt, noch schlimmer, am Ende sogar sein Leben hierfür lässt. Das Ende ist traurig aber realistisch. Gibt es Parallelwelten. Der nüchterne Verstand lässt eine solche jedenfalls nicht zu. David Mahler versucht die Richtigkeit des 2. Gesetz der Thermodynamik insofern zu widerlegen, als er Zeit für nicht existent hält. Das Problem ist nur, dass ihn keiner versteht, verstehen will, sich die Mühe machen will, ihn in seinen Gedanken zu folgen. Auffallend bei Kehlmanns Stil, vor allem in diesen Roman, sind die kurzen Sätze. Viele fangen mit David an. Außerdem beschreibt der Autor oft kleine Details, die in der Natur von der Hauptfigur wahrgenommen werden. Eine Libelle, eine Ameise, das Blau des Himmels, eine Biene. Diese Elemente kehren in vielen seiner Romane immer wieder. In diesem Roman kommt der Kampf eines einzelnen Menschen gegen den starren Institutionen, die nur das zulassen, was sie kennen und verstehen, sehr gut zum Vorschein.
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Null. Literatur im Netz Thomas Hettche, Jana Hensel Taschenbuch, 2000 Verkaufsrang: 598748
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 1.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Viele Einzelblätter ... 1 von 5 Punkten Von einer witzigen Aufmachung (kommt als Einzelblattsammlung) abgesehen konnte ich den Sinn des ganzen nicht ganz verstehen. Ich habe mehrmals versucht, mich einzulesen und habe schließlich ziemlich entnervt aufgegeben. |
Nox Thomas Hettche Broschiert, 1996 Verkaufsrang: 693067 Nox - Nacht, das ist die Nacht, als die Mauer fiel. Die Nacht, nach der sich alles änderte. Auch für das junge Mädchen, das einen Mord begangen hat, vor seiner Tat flüchtet und sich im nächtlichen Berlin Ausschweifungen mancherlei Art hingibt. Hettche erzählt von der Irrfahrt des Mädchens, von einem Schiff, das auf dem Landwehrkanal Richtung Osten fährt, von einem Ostberliner Anatomen, einem Geräuschemacher und von einem Wachhund an der...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 1.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Bitte nicht mit dem Kopf schreiben! 1 von 5 Punkten Angeblich ist das ein Wendezeit-Roman. Ich kann mich aber des
Verdachts nicht erwehren, dass der 9. November 1999 als Tag der
Handlung nur gewählt wurde, damit über den zeitgeschichtlichen Rahmen
ein Bedeutungskontext hineininterpretiert werden kann, den das Buch in
Wahrheit gar nicht hat.
Es muss irgendwo in Deutschland eine Schreibschule geben, die darauf
besteht, dass Detailgenauigkeit, Faktenreichtum und Akribie bei der
Recherche genügen, um einen guten Roman zu schreiben. Sie genügen
nicht! Und es genügt auch nicht, eine Folge drastischer Szenen in
einen einzigen Tag zu pressen, um atmosphärische Dichte zu
erzeugen. Das hat früher bei Wolfgang Koeppens "Tauben im Gras" nicht
richtig hingehauen, und es funktioniert bei Hettche im neuen
Jahrtausend ebenfalls nicht.
Also gut: Die Mauer ist offen, man kann sich auf den Rücksitz eines
Trabi setzen, dort koitieren und gleichzeitig über die Grenze
fahren. Man kann sich Zigaretten auf der Haut ausdrücken lassen und
dabei an die Heilung von Wunden denken, weil die Grenze ja auch so was
wie eine Wunde gewesen ist. Na und? Da wird dick aufgetragen, und weil
eben doch kein rechter Tiefsinn aufkommen möchte, immer dicker und
dicker. Es klaffen die Wunden, es eskalieren die Exzesse. Das Ganze
ist weder glaubwürdig, noch überzeugend.
Natürlich hat sich da wieder einer extrem viel Mühe gemacht, hat seine
ganze Sprachgewalt bemüht, hat genau recherchiert, an den Sätzen
gefeilt. Er kann schreiben, der Hettche, und er kann denken, nur
kriegt er leider beides nicht zusammen. Über der Eleganz seiner Sätze
hat er die einfachsten Fragen vergessen: Warum das alles? Warum die
Maueröffnung mit einer klaffenden Wunde vergleichen, und nicht mit
einer heilenden? Das Gegenteil wäre doch näher gelegen, oder? Bestimmt
hat Hettche darauf eine kluge Antwort, und vielleicht steht sie sogar
im Text und ich habe sie nicht gefunden. Sie würde mich nicht
überzeugen, kännte ich sie, denn das Buch als solches überzeugt mich
einfach nicht.
Seit Joyce' Ulysses gibt es immer wieder Autoren, die sich der
Herausforderung stellen, die darin besteht, die Handlung eines Romans
auf einen einzigen Tag zu konzentrieren. Der schon erwähnte Koeppen
hat das vor Jahrzehnten getan, und es ist intellektualisierendes
Epigonentum dabei herausgekommen. Zeitschmerz in feinstem
Romandeutsch. Genau daran ist auch Hettche gescheitert: Am seinem
klugen Kopf, an seinem literarischen Feinsinn, mit dem er seine wilden
SM-Szenen nicht adelt, sondern ihnen das Leben entzieht. Sie sind
nämlich nicht lebendig, sondern papieren. Das bisschen Glaubwürdigkeit
ist im Bedeutungswust und im Faktenwahn verloren gegangen.
Ich wünsche mir wirklich, Hettche hätte ein wenig schlechter
recherchiert und seine Sätze etwas gröber gelassen. Dann hätte er
vielleicht mal Zeit und Muße gehabt, einen Schritt zurückzutreten und
seinen Text platt und glatt gegen die Wirklichkeit zu halten. Er wäre
dann unter Umständen sogar auf die Idee gekommen, die Lupe mal
wegzulegen und mit seinen gesunden Augen hinzusehen. Dann hätte er
sich gesagt: "Schreib doch bitte entweder eine SM-Geschichte, oder
einen Wenderoman. Aber nicht beides gleichzeitig, das kriegst du
nämlich nicht zusammen. Du nicht!"
Vom Rausch einer Nacht 2 von 5 Punkten „Nichts, dachte sie, wird so bleiben, wie es war." - Diese Worte der weiblichen Protagonistin des Textes fassen alle Ereignisse zusammen, die sich in „Nox" zutragen. Die Geschichte einer Nacht erzählt von einem Mord, der Identitätssuche einer Mörderin, dem Mauerfall sowie dem kollektiven und individuellen Taumel der Nacht, in der alles anders wurde.Ganz anders ist auch der ganze Text: Ein Ich-Erzähler, der schon nach dem ersten Kapitel stirbt; eine wechselnde Erzählperspektive, die sich zwischenzeitig einem Hund an die Fersen heftet; rauschhaft-perverse, fast irreale Szenen. Kurzum: Hettche ist es mit diesem Text gelungen, etwas Neues zu kreieren, das den Leser teils fesselt, teils verstört, teils mitreißt. Gekonnt spielt er mit dem Motiv des Schmerzes, der den ganzen Plot zu einer Einheit verschmelzen lässt: Durch die geteilte Stadt Berlin zieht sich eine Narbe, die weibliche Protagonistin leidet darunter, nicht zu wissen, wer sie ist, der Ich-Erzähler empfindet permanenten Schmerz in seinem Todeskampf und sogar Nebencharaktere wie David, auf dessen Rücken und Po Schriftzüge eingebrannt sind und dessen Eichel durch einen Schnitt vernarbt ist, sind vom Schmerz gezeichnet. Daneben verbindet auch der Rausch - aus verschiedensten Gründen befinden sich alle Menschen in einem Taumel der Nacht. Obwohl der Autor sein Handwerk meisterhaft beherrscht, weiß der Text gerade gegen Ende nicht mehr zu überzeugen. Zu surreal, zu paradox präsentiert sich dem Leser das „Theater der Anatomie". Was Hesse mit dem „magischen Theater" des „Steppenwolf" schaffte - seinem Roman im metaphorischen Bereich ein furioses Ende zu setzen - , gelingt Hettche in meinen Augen nicht. |
Lichtenbergs Fall. Roman Georg M. Oswald Taschenbuch, August 2005 Verkaufsrang: 473213 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Lichtenbergs Fall beginnt mit seinem unaufhaltsam erscheinenden Aufstieg. Bereits als Neunzehnjähriger weiß er, wie man schnell an Frauen und Geld kommt. Seiner Karriere scheint nichts im Weg zu stehen. Doch Lichtenbergs aufwendiger Lebensstil hat seine Preis, er gerät in finanzielle Schwierigkeiten. Was läge da näher, als seine reiche Schwiegermutter zu ermorden?
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Ich halte dieses Buch für ganz ausgezeichnet! 5 von 5 Punkten So würde Kanzler schon lange a.D. Helmut Schmidt es wohl formulieren.
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Inventur. Deutsches Lesebuch 1945 - 2003 Norbert Niemann, Eberhard Rathgeb Gebundene Ausgabe, September 2003 Verkaufsrang: 603113 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen. Was ist geblieben von fünfzig Jahren deutschsprachiger Literatur? Norbert Niemann, Schriftsteller, und Eberhard Rathgeb, Kritiker, stellen zusammen, was heute noch Sprengkraft besitzt, und lassen weg, was nur noch museal wirkt. Mit ihrer Auswahl und ihren Kommentaren, mit berühmten und vergessenen Namen setzen sie neue Akzente. Die Kombination aus Originaltexten, Einführungen zu den Autoren und konzentrierter Epochendarstellung ergibt ein spannendes Lesebuch.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Viele Infos, viele Anregungen , einige Erinnerungen 3 von 5 Punkten Ich habe den Band eher zufällig beim Stöbern in einer Buchhandlung entdeckt und den spontanen Kauf bisher keineswegs bereut. Natürlich darf man keine "spannende" Lektüre erwarten, und sicher ist eine solche Auswahl immer willkürlich. Dennoch halte ich den Band mit seinen zeitgeschichtlichen Informationen, den Autorenfotos und Kurzbiographien für gut recherchiert. Außerdem zeichnen die ausgewählten Stücke sowie ihre Einordnung in den historischen Hintergrund die Entwicklung schriftstellerischen Schaffens über die Jahrzehnte hinweg recht gut nach. Manches kannte ich noch aus der Schule, einiges war mir völlig neu, hier und da werde ich sicher auch weiterlesen. - Fazit: Kein "must have", aber für diejenigen, die auch gern mal einen Band zum Nachblättern und Anlesen auf dem Nachttisch liegen haben, schon eine Überlegung wert.
geschmacksarm 1 von 5 Punkten Nein, die erste Liga der deutschen Literatur, vor allem der letzten 20 Jahre wird man in diesem Buch vergeblich finden. Hier wurde ausgewahlt, was sozialkritische Ansatze zeigt, gegen jede belletristische Aesthetik. Niemann und Rathgeb (warum muessen die sowas eigentlich machen?) haben versammelt, was von der deutschen Literatur hoffentlich NICHT bleiben wird. Von daher ist das Buch als Feindbild doch recht nuetzlich. |
Blitzeis Peter Stamm Gebundene Ausgabe, Dezember 1999 Verkaufsrang: 481364 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 6 Tagen. Nach seinem fulminanten und mehrfach ausgezeichnetem Debüt Agnes, einem vielschichtigen Roman über Identität, legt Peter Stamm einen schmalen Band mit neun Erzählungen nach. Seinem bewährten kurzen, knappen, lakonischen Stil bleibt er in seinen Stories treu. Die Sätze sind bis aufs Skelett abgemagert, da gibt es nicht ein Gramm einer überflüssigen Beschreibung. Seine Themen sind die großen Sujets der Literatur: Einsamkeit, Krankheit, Tod. Sie spielen in der Schweiz, in Schweden und New York. Stamms Könnerschaft setzt ein, wenn es darum geht, alltägliche Kleinigkeiten genau zu beobachten, die, ohne daß er es explizit erwähnt, zu den großen, oft tödlichen Konsequenzen im Leben eines Einzelnen führen. In der Geschichte "Am Eisweiher" treffen sich eine Gruppe Jugendlicher, um abends baden zu gehen. Stefanie hat eine Fahrradpanne und ihr hilfsbereiter Freund Urs radelt noch einmal ins Dorf zurück, um die nötigen Werkzeuge für die Reparatur zu holen. Währenddessen vergnügt sich die Schöne mit einem anderen Jungen beim Schwimmen. Es wird dunkel. Die beiden Schwimmer ziehen sich ins Bootshaus zurück und sind nicht erfreut, als Urs plötzlich auch am Bootshaus auftaucht. Keiner von ihnen sagt wenige Stunden später der Polizei, warum der Junge völlig kopflos in den See gesprungen ist, ohne an die Pfähle im Wasser zu denken, die sie alle aus ihrer Kindheit kennen. Der Reiz: Bei Peter Stamm bleibt immer ein wesentlicher Teil der Handlung unter der Oberfläche seiner Geschichten verborgen, er läßt ihnen und dem Leser ihr Geheimnis. --Manuela Haselberger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)
Das ist es!! 5 von 5 Punkten In den letzten Jahren wurden viele Autoren von Erzählungen hoch gepriesen: Judith Hermann, Julia Frank, Jenny Erpenbeck... und dann natürlich noch Peter Stamm, der als einziger niemals enttäuscht. Wenn man sich einmal damit abgefunden hat, dass da einer schreibt, als sei er ein Zeitgenosse von Carson McCullers und Ernest Hemingway, dann stellt man fest, dass Peter Stamm die klassische Kurzgeschichte perfekt beherrscht. In knapper, schmuckloser Sprache ohne jede Manierismen präsentiert Stamm seine Momentaufnahmen aus unserer Zeit. Verblüffend ist dabei, wie gut die klassische Form zum völlig gegenwärtigen Inhalt passt: Ruderurlaub in Schweden, Praktikum in New York - was sie halt so tun, die Angehörigen der Generation Golf. Durch meist ganz unspektakuläre Wendungen macht Stamm seine Szenen unvergesslich; meistens ist das ziemlich melancholisch, aber das sind ja fast alle guten Bücher. - Besonders hoch rechne ich es Peter Stamm an, dass er nie lügt: Um seine Geschichten interessant zu machen, braucht er keine originellen Unwahrscheinlichkeiten, denen man den Stolz des Autors anmerkt - und ihre Entstehung am Schreibtisch. Ein außergewöhnliches, wunderbares Buch, mit dem man es auch dann versuchen sollte, wenn man meint, keine Erzählungen zu mögen. Es lohnt sich!!
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Meeres Stille Stefan Beuse Taschenbuch, Mai 2005 Verkaufsrang: 321262 Fast zwanzig Jahre liegt das alles zurück. Doch als der erfolgreiche Journalist und frischgebackene Kulturchef Viktor Callner seine Frau und seine beiden erwachsenen Kinder in das entlegene Ferienhaus im P rigord einlädt, kehrt die tragische Vergangenheit noch einmal zu ihnen zurück. Stefan Beuse entwirft mit großer Suggestion und Sensibilität das packende Psychogramm einer Familie.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Superklasse! 5 von 5 Punkten Dieses Buch ist richtig schön zu lesen. Der Anfang muss erst etwas anlaufen, aber dann führt uns Stefan Beuse Stück für Stück in die Verstrickung einer Familie ein, die ein großes Geheimnis inne hat und es um jeden Preis geheim halten möchte, bis sie es - letztendlich - nicht mehr kann. Das Ende könnte - meiner Meinung nach - etwas spektakulärer ausfallen, aber so wie es ist, ist es auch ok :-) Auf jeden Fall sollte man dieses Buch gelesen haben!
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Papiertiger. Eine Geschichte in fünf Episoden Radek Knapp Gebundene Ausgabe, März 2003 Verkaufsrang: 741016 Aufseher im Paviangehege? Mietweihnachtsengel bei der dubiosen Agentur "Schenken von oben"? Walerians bisheriger Karriereweg gleicht einem einzigen Betriebsunfall. Als Knirps hatte er die wertvolle Armbanduhr des Vaters in ihre Bestandteile zerlegt, ohne den folgenschweren Vorgang wieder rückgängig machen zu können. Danach geschah nichts Erwähnenswertes mehr in Walerians Leben. Er blieb ein Mann ohne Eigenschaften, antriebslos, umso genauer dafür in der Beobachtung des alltäglichen Wahnsinns. Nun jedoch, nach zähen Wanderjahren durch sämtliche Talsohlen des Daseins, scheint der Sinnsucher seine Bestimmung gefunden zu haben. Walerian hat einen Bestseller geschrieben! Der Anruf des Frankfurter Verlegers war aus heiterem Himmel gekommen. Fast hatte Walerian sein Papiertiger-Manuskript vergessen gehabt, diese in seiner Zeit als Pfleger in einem Wiener Altenheim zwischen Bettpfannen- und Gebisswechseln gesammelten Geistesblitze. Walerian Gugania, ein literarischer Shootingstar! Kaum jedoch umlagern ihn auf der Verlegerparty hyänengleich die Feingeister und Kunstsinnigen dieser Welt, beginnt er sich zu seinen Pavianen zurückzusehnen. Doch das literarische Karussell kreist erbarmunslos. Eine ausgedehnte Lesereise beginnt. Radek Knapps sympathischer Loser entdeckt mit naivem Kinderblick eine Kulturschickeria, die am liebsten um sich selbst kreist. Menschliche Frostlandschaften offenbaren sich hinter dünn wissendem Lächeln. Pirschende Autogrammjägerinnen und schmachtende Verlegergattinnen, die Walerians früheres Ich keines Blickes gewürdigt hätten, kleben an des Dichters Lippen, mag ihnen auch der größte Nonsens entströmen. Vergnüglich bis dahin, erfährt das ohnehin nur etwas über 100 Seiten starke Büchlein im letzten Viertel eine merkwürdige Wandlung. Knapps scharfzüngige Realsatire auf Literaturbetrieb und abgehobene Lifestyle-Philosophien, geht sanft in die Knie. Womöglich trieb ihn die Sorge um, den leichten Anfangssound nun mit einer Botschaft krönen zu müssen. Ernst und Bedeutung schleichen sich ein, das Gift jeder Satire. Walerian, erfolgreich installiert in der besseren Gesellschaft, wird vom Autor mit deren Zynismus und falscher Abgeklärtheit ausgestattet. Dahin ist die Lebensklugheit des Toren. Am Ende gleicht er jenem Papiertiger, den er geschaffen hatte. Zahnlos, aber mit aufgerissenem Maul. --Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Eitelkeit 5 von 5 Punkten Manchmal ist es schwer sich seiner eigenen Eitelkeit bewußt zu werden. Das Buch Papiertiger ist so ein Prozeß. Es geht nicht nur um die Eitelkeit eines Autors oder Künstlers, sondern des Menschen an sich. Papiertiger zeigt sehr anschaulich wie dieser Prozeß bei uns allen funktioniert. Man glaubt über sich selbst und die Umgebung Kontrolle zu haben, aber ehe mansich versieht ist die Kontrolle dahin. Es ist wie mit dem Spruch: Ich warte bis mein Leben anfängt, aber es geht nur weiter. Papiertiger hat mir das klargemacht.
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Agnes Peter Stamm Gebundene Ausgabe, August 1998 Verkaufsrang: 660179 Es ist ein schmales Bändchen, mit dem der Schweizer Autor Peter Stamm sein Debüt als Schriftsteller gibt. Vordergründig erzählt er eine wunderbare Liebesgeschichte zwischen einer amerikanischen Physikstudentin und einem jungen Journalisten, der Nachforschungen zu seinem Buch über Eisenbahnen betreibt. Doch glückliche Liebesgeschichten sind nicht interessant, "denn Glück macht keine guten Geschichten" meint Agnes, und so ermuntert sie ihren Freund, eine Erzählung über sie und ihre Liebe zu erfinden. Es geht nicht gut aus, denn immer mehr greift die erfundene Handlung in ihre Realität ein und bald verschwimmt für die beiden die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Peter Stamm hat in seinem ersten Roman Agnes das gar nicht so leichte Kunststück fertiggebracht, einen gehaltvollen Inhalt durchsichtig schillernd und schwebend leicht wie eine Seifenblase zu verpacken -- sehr zur Freude seiner Leser. --Manuela Haselberger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)
von der kühle der nähe 5 von 5 Punkten so minimalistisch der titel ist, so konzentriert und silhouettenhaft entspinnt sich hinter dem buchdeckel eine sprachlose liebesgeschichte, die sich im spiel, die eigene liebe virtuell zu fiktionalisieren, verliert.
im zeitlosen dasein an einem nichtort - die existenz in der fremde sowie das erzählen am pc erscheint wie eine stasis - vollzieht sich ein nahezu trotzig beschworenes drama.
karg und artifiziell mutet die sprache an, ist aber auf die wesentliche aussage konzentriert und in ihrer konsequenz endlos traurig. stamm skizziert den versuch einer liebe in zeiten des virtuellen daseins und zeigt die beziehungsunfähigkeit einer generation, die in ihrer selbstreferentialität und fatalistischen projektion das private scheitern kommentar- und reaktionslos erleidet.
die lektüre hinterlässt einen kloß im hals und hilflose wut. oder ist es erkenntnis ...?
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Die Kugeln in unseren Köpfen. Kolumnen Max Goldt Taschenbuch, April 2005 Verkaufsrang: 143529 Dieses Buch enthält Max Goldts gesammelte Titanic-Kolumnen der Jahre 1993 bis 1994.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)
Manch Formulierung erweckte meinen Neid. 5 von 5 Punkten Gekauft habe ich dieses Buch, als ich auf der Suche nach Katz & Goldt Druckerzeugnissen war. Da mir im Geschäft dann 10 Euro "nur" für Zeichnungen zu viel waren, nahm ich drei Textwerke von Goldt mit. Dieses ist das zweite, das ich lese und ich muss sagen, es gefällt mir sehr. Es enthält zahlreiche Kolumnen aus der Titanic, gesammelt und aufbereitet. Die meisten stützen sich auf wertvolle Gedankengänge, die geschickt verknüpft und mit kreativer Wortwahl ausgedrückt werden. So bleibt das Buch nicht einfach nur unterhaltsam, sondern wölbt das Wissen und die Fülle erinnerungswürdiger Formulierungen des Lesers.
Lesenswert in jedem Falle, dank der Länge der Kolumnen ideal für tägliche 20 Minuten Bahn- oder Busfahrten geeignet. Und wer dies Buch verschenkt, tut es in der Gewissheit, damit einen ausgenommen sympathischen und charmanten Eindruck zu hinterlassen.
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Carola Dicksons unendliche Reise: Drei Leben Tomás González Gebundene Ausgabe, Februar 2007 Verkaufsrang: 558511 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Tomas Gonzalez ist bekannt dafür, dass seine literarischen Figuren dem Leser unvergesslich bleiben. Das gilt sowohl für die'Helden'seiner Romane - den sterbenden Horacio in Horacios Geschichte und den glücklosen Aussteiger J. in Am Anfang war das Meer - als auch für die zahlreichen Nebenfiguren. Auch von den Protagonisten der drei in diesem Band vereinten Erzählungen kommt man nicht mehr los. Boris ist ein Maler, den der Tod eines geliebten Menschen aus der Bahn wirft und der nach seinem langsamen Abstieg in die Welt der Gestrandeten in New York sich in einer neuen Lebensform fängt. Carola Dickson, eine verschrobene ältere Lehrerin aus Brooklyn, macht sich nach ihrer Pensionierung in einem untauglichen Segelboot auf, um die Menschheit zu retten. Und William, ein erfolgreicher Unternehmer in Cali, ist von seiner Tanzleidenschaft so besessen, dass er zu einem gespaltenen Menschen wird und ein Doppelleben führt. Zwei der Protagonisten, Boris und William, sind Menschen, die sich wande ln; Carola Dickson dagegen ist eine unverbesserliche Weltverbesserin, die ihr Vorhaben bis zum unvermeidlichen Ende hartnäckig verfolgt. Alledrei sind gegenüber der Welt, aus der sie kommen, Rebellen. Doch obwohl Boris zum Stadtstreicher wird, Carola Dickson Schiffbruch erleidet und William sich zum Schluss als Strassenverkäufer durchschlagen muss, sind dies keine Geschichten des Scheiterns. Es sind Reisen an die Grenze der menschlichen Erfahrung, Erzählungen von der Freiheit und Würde des Menschen, von seiner Grösse.
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In Afrika. Inkl. CD. Mythos und Alltag Ostafrikas Michael Martin, Ilija Trojanow Gebundene Ausgabe, 1993 Verkaufsrang: 795082 Ilija Trojanow wurde 1965 in Sofia geboren. Nach der Flucht mit der Familie über Jugoslawien nach Italien erhielt er politisches Asyl in Deutschland. Er lebte zehn Jahre in Kenia und gründete 1989 den Kyrill & Method Verlag und 1992 den Marino Verlag in München. 1996 erhielt er den Literaturpreis der Stadt Marburg. 1999 lebt Trojanow in Bombay, Indien. Veröffentlichungen: "In Afrika", 1993. "Naturwunder Ostafrika", 1994. "Hüter der Sonne", 1996. Die Romane: "Die Welt ist groß und Rettung lauert überall", 1996. "Autopol", 1997. Der Bulgarien-Essay "Hundezeiten", 1999.
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Mesopotamia Christian Kracht Gebundene Ausgabe, 1999 Verkaufsrang: 792560 Wie sieht es denn hier aus? Und wie wird es weitergehen? Werden wir alle in den Tropen leben? Brauchen wir Häuser? Oder leben wir in Flughäfen? Wird die Luft dünner und das Atmen leichter? Mesopotamia, das neue Reich der Mitte - auf den staubigen Tourismuspfaden von Sri Lanka, in einem Jet der KLM, einer maltekischen Luftspiegelung, intimen Hinterzimmern der Frankfurter Buchmesse, weiten Suiten von Davos. Geschichten über Orte am Ende des Jahrtausends. Siebzehn eigens für diesen Band geschriebene Erzählungen, Ortsbestimmungen und Entgrenzungen von den Autoren: Joachim Bessing, Rebecca Casati, Christian Kracht, Eva Munz, Eckhart Nickel, Ingo Niermann, Alexander von Schönburg-Glauchau, Benjamin von Stuckrad-Barre, Moritz von Uslar u.a..
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 21 Bewertungen)
Ein total geniales Buch 5 von 5 Punkten Selten laß ich so ein geniales Buch wie dieses. Im Gegensatz zu dem Buch "Faserland", dass für mich nicht das gelbe vom Ei war, hat Kracht mit dieser Textsammlung ein wahres Wunderwerk vollbracht. Die Geschichten der verschiedenen Literaten sind, traurig, depremierend,fantastisch,obszön, und von einer bestechenden und dadurch teils grausamen Realität. Diese macht die Pop-Literatur hier aus und dieses Buch so lesenswert. Ich empfehle jedem Liebhaber der Pop-Literatur und auch denen, die es bis jetzt nicht wahren,dieses geniale Buch zu lesen.
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Musik Thomas Meinecke Gebundene Ausgabe, August 2004 Verkaufsrang: 482025 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Geschwister Karol und Kandis leben zusammen in Wolfratshausen. Sie erforschen die Umgebung nach den Spuren von D.H. Lawrence und Frieda von Richthofen, Rainer Maria Rilke und Lou Andreas-Salome. Auch die ehemaligen Dynamit-Werke erregen ihr Interesse. Karol arbeitet als Flugbegleiter bei der Lufthansa. In seiner Freizeit widmet er sich Resignifizierungen der Musik: wenn leichtverständlicher Swing zu schwierigem Bebop umkodiert wird oder Disco als House Music erneut in den Underground abtaucht. Karol gerät in den süßen Bann der Queer Music und der Ästhetik des Camp, die er mit seinen Kolleginnen und Kollegen in diversen Hotelzimmern der Welt auslotet. Seine heterosexuelle Orientierung erkennt er dabei gleichsam als das Andere der Homosexualität. Kandis ist Schriftstellerin, zieht sich hin und wieder in eine Almhütte zurück und beschäftigt sich mit historischen Ansätzen zu Weiblichem Schreiben. Die Figuren ihres gerade entstehenden Romans, König Ludwig I. von Bayern, König Ludwig I I. von Bayern, Lola Montez, Claudia Schiffer und viele andere mehr, wollen am selben Tag wie sie Geburtstag haben. Der Tag ist gleichzeitig der Todestag von Friedrich Nietzsche und Aaliyah. In wachsender Überschneidung ihrer Themen tauschen sich Karol und Kandis aus und landen dabei unweigerlich bei der Frage: Was ist eigentlich ein Mann?
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Diskurse über Diskurse über Diskurse 3 von 5 Punkten Alles beim Alten in Thomas Meineckes neuem Roman. Wieder dürften Kenner der gender studies ihre helle Freude haben: Auch in "Musik" wird nur eine minimale Handlung vorangetrieben, während die Protagonisten die meiste Zeit über das "Geschlecht" und Geschlechterrollen erzählen, schreiben, nachdenken und zitieren.Meinecke behandelt seine Thema dabei mit einer intellektuellen und popkulturellen Präzision, dass Nicht-Eingeweihte das Buch schon nach wenigen Seiten entnervt in die Ecke werfen dürften. Man muss sich schon ein wenig auskennen im Dschungel der Gender-Problematik, damit man den Assoziationspfaden Meineckes folgen kann. Hat man aber erst einmal verstanden, dass man hier keinen klassischen Roman, sondern ein Buch über die Diskursivität allen Denkens und Seins vor sich hat, steht einer anregenden und vor allem kenntnisreichen Lektüre nichts mehr im Weg. So schafft es Meinecke in "Musik" die Figuren Nietzsche, Ludwig II., Missy Elliott, Aahliyah und Claudia Schiffer miteinander so zu verknüpfen, dass es einem wie das selbstverständlichste der Welt vorkommt. Meinecke-Kennern sei gesagt, dass er in "Musik" deutlich nüchterner an sein Thema herangeht als z. B. in "Tomboy". Hatte man dort noch manchmal das Gefühl, er amüsiere sich über die intellektuellen Diskussionen seiner Protagonisten, so merkt man hier, dass er sie durchweg Ernst nimmt. Das macht sein Buch zwar zu einer wesentlich klareren, leider aber manchmal auch zu einer recht trockenen Sache. Ein letztes Wort zum Titel: Wer Popliteratur im Stile eines Nick Hornby oder Stuckrad-Barre erwartet, sei gewarnt. Hier werden keine nostalgisch verklärten Geschichten über Lieblingsplatten erzählt, sondern auf äußerst hohem geistigen Niveau Quasi-Wissenschaft betrieben. |
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