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| Junge Literatur | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
33 Augenblicke des Glücks Ingo Schulze Gebundene Ausgabe, Oktober 2003 Verkaufsrang: 1749463 Die einzelnen Episoden dieses im besten Sinne elektischen Bandes erzählen von einer Stadt, die Generationen von Schriftstellern, Künstlern, Musikern - und Lesern - fasziniert hat. Einer Stadt, wo aus jedem Kanaldeckel die Geschichte hervorzuquellen und jede Mauer von einer frischen Patina überzogen scheint. Doch trotz dieser alles überlagernden Pracht des Vergänglichen, das nie vergeht - oder gerade ihretwegen -, eignet sich 'Piter' vorzüglich als...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Ein fantastisches Debüt 5 von 5 Punkten Berühmt geworden (zu Recht!) ist Ingo Schulze durch das Erzählungsbuch "Simple Storys" und seinen Wende-Roman "Neue Leben". Aber mein Favorit ist nach wie vor sein erstes Buch mit dem poetischen Titel "33 Augenblicke des Glücks". ("Handy", sein viertes Buch, steht noch auf meiner Leseliste.)
Schon in seinem Debüt von 1995 weiß Ingo Schulze zu begeistern. Es enthält traumhaft schöne, zum Teil höchst fantastische Geschichten aus Sankt Petersburg. Jede dieser kurzen Geschichten ist ein "Augenblick des Glücks". Die Stadt an der Newa ist die fabelhafte Kulisse für Schulzes mit Witz und voller Poesie erzählte Fantasiestücke, die manchmal an den Romantiker E.T.A. Hoffmann erinnern, aber auch von der russischen Literatur inspiriert sind.
"Vor einem Jahr erfüllte ich mir einen langgehegten Wunsch und fuhr mit der Bahn nach Petersburg." Der Beginn des Buches stimmt mit Ingo Schulzes Leben überein, wie der Autor in einem Rückblick auf sein Debüt erzählt hat ("Das erste Buch. Schriftsteller über ihr literarisches Debüt", herausgegeben von Renatus Deckert). Auch die Veröffentlichung seiner Geschichten war für den Autor ein "Augenblick des Glücks". Er schreibt: "Beinah genauso wichtig wie der Beginn des Schreibens war dann jener Augenblick, in dem ich im Verlag saß und meine spätere Lektorin mich nach einer halben Stunde Plauderei fragte: Wären Sie denn bereit, uns das Manuskript anzuvertrauen? Ich weiß nicht, wie ich in diesem Moment aussah. Ich weiß nur, dass ich beinah laut losgelacht hätte, weil ich selbst kurz davor gewesen war zu fragen: Wären Sie denn unter Umständen bereit, sich dieses Manuskripts anzunehmen?"
Damit war der Schriftsteller Ingo Schulze geboren!
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Ludwig muß sterben Thomas Hettche Broschiert, 1992 Verkaufsrang: 947615 Ein Mann, der ein Wochenende in der Wohnung seines sterbenskranken Bruders verbringt. Der Bruder, Ludwig, der nach Italien gereist ist, um sich dort zu verlieben. Und zwei geheimnisvolle Gäste, die Ludwigs Schicksal besiegeln werden. In seiner bildkräftigen und suggestiven Prosa erkundet Thomas Hettche die Macht und Ohnmacht der Sprache und lotet die Grenzen des Erzählbaren aus.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Ausnahmebuch 5 von 5 Punkten "Ludwig muss sterben" ist für mich eins der seltenen Bücher, das ich lese, ohne mich darin zurechtzufinden, bei dem ich aber völlig einverstanden mit dieser Orientierungslosigkeit bin. Zwar wird die Handlung nach zwei oder drei Mal lesen ebenfalls klar (tatsächlich habe ich das Buch mehrmals gelesen und es lohnt sich!), aber was oberflächlich zu geschehen scheint ordnet sich der Sprache unter, der Phantasie und inneren Struktur einer Logik, die aus dem Traum aufzusteigen scheint. Und doch ist das nicht bloß Sprachversessenheit, l'art pour l'art, sondern führt einen sehr dicht an etwas Geheimnisvolles und Unbegriffliches heran - Umgesetzte Philosophie im besten Sinn. Ich kenne kein vergleichbares Buch von dieser Art und Qualität.
Danke, dass es veröffentlicht wurde 5 von 5 Punkten Eigentlich ein Buch, dass nie die Schublade verlässt und bestenfalls erst nach einigen Jahren von einem Bekannten gefunden wird und der Autor posthum zum Genie erklärt wird. Sehr schwere Kost. Wenn man die ersten hundert Seiten durchgebracht hat, muss man es auch zu Ende lesen. Nichts klar bis dorthin, „Tod in Venedig" trifft „Lost Highway". Der Ich - Erzähler bleibt genauso mysteriös wie die beiden Gäste in Ludwigs Appartement. Ludwig ist ein williges Opfer, man wünscht ihm, dass er nach Hause kommt und erschrocken über das was vorgefallen. Der Ich - Erzähler geht völlig in seinen Visionen, seinen Urteilen auf und darf sich freuen, dass der Autor die Biologie des Menschen so gut studiert hat. Kommt man bis zum Ende freut man sich das Buch gelesen zu haben. Aber bis dorthin ist es lange. |
Land der Väter und Verräter Maxim Biller Gebundene Ausgabe, 1994 Verkaufsrang: 1004435 Das Buch ist ein Kaleidoskop unserer Epoche, die 16 Erzählungen ergeben einen Roman dieses Jahrhunderts aus vielen einzelnen Stimmen - und aus Geschichten, wie sie vor allem jüngere Schriftsteller in Deutschland schon lange nicht mehr erzählen: eine Kindheit in einem russischen Dorf 1941, ein verbissenes Liebesduell im Prag der Nachkriegszeit, eine literarische Detektivgeschichte im München unserer Tage oder ein unlösbares Vater-Tochter-Drama in New York, das im neuen...
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Naturwunder Ostafrika. Durch Kenia, Tansania, Uganda und Ruanda Ilija Trojanow, Christoph Speich Gebundene Ausgabe, 1994 Verkaufsrang: 794112 Ostafrika vereint wie kaum eine andere Region der Welt die unterschiedlichsten Landschaften und Kulturen. Selbst bei einem kurzen Besuch kann man die faszinierende Vielfalt erleben. Neben den berühmtesten Sehenswürdigkeieten wie den Nationalparks und den idyllischen Stränden gibt es noch viele weitgehend unbekannte Gebiete, die nicht minder spektakulär und wundersam sind. Beides zu zeigen ist Ziel dieses Bandes, der sich an all die richtet, die Ostafrika nicht nur oberflächlich erleben wollen. Geschichtliche Exkurse, spannende Erlebnisberichte, Hintergrundinformationen und Fotos - ein Reiseratgeber, wie ihn nur Insider mit Liebe zu Afrika schreiben und fotografieren können.
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Ludwig muß sterben Thomas Hettche Gebundene Ausgabe, 27. Februar 2002 Verkaufsrang: 885640 Eine wegweisende Wiederbelebung der jungen deutschsprachigen Literatur war bei seinem Erscheinen im Jahr 1989 der Roman Ludwig muß sterben des damals fünfundzwanzigjährigen Thomas Hettche. In seiner messerscharfen, bildkräftigen und suggestiven Prosa erzählt Thomas Hettche von einem aus psychiatrischer Obhut entlassenen Mann, der ein Wochenende in der Wohnung seines herzkranken und nach Italien verreisten Bruders Ludwig verlebt. Der begegnet Lene, einem jungen Mädchen, mit dem er die letzten Tage seines Lebens verbringen wird. Thomas Hettches Roman erkundet herausfordernd das Verhältnis von Wirklichem und Erzähltem. Seine Erprobung von Macht und Ohnmacht der Sprache ließ die zeitgenössischen Formen eines realistischen Erzählstils weit hinter sich zurück - Ludwig muß sterben begeisterte die literarische Kritik, die vom Mahlstrom dieser Sprache fasziniert war, und provozierte zugleich heftigste Polemik. "Ein Geniestreich." die tageszeitung
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Ausnahmebuch 5 von 5 Punkten "Ludwig muss sterben" ist für mich eins der seltenen Bücher, das ich lese, ohne mich darin zurechtzufinden, bei dem ich aber völlig einverstanden mit dieser Orientierungslosigkeit bin. Zwar wird die Handlung nach zwei oder drei Mal lesen ebenfalls klar (tatsächlich habe ich das Buch mehrmals gelesen und es lohnt sich!), aber was oberflächlich zu geschehen scheint ordnet sich der Sprache unter, der Phantasie und inneren Struktur einer Logik, die aus dem Traum aufzusteigen scheint. Und doch ist das nicht bloß Sprachversessenheit, l'art pour l'art, sondern führt einen sehr dicht an etwas Geheimnisvolles und Unbegriffliches heran - Umgesetzte Philosophie im besten Sinn. Ich kenne kein vergleichbares Buch von dieser Art und Qualität.
Danke, dass es veröffentlicht wurde 5 von 5 Punkten Eigentlich ein Buch, dass nie die Schublade verlässt und bestenfalls erst nach einigen Jahren von einem Bekannten gefunden wird und der Autor posthum zum Genie erklärt wird. Sehr schwere Kost. Wenn man die ersten hundert Seiten durchgebracht hat, muss man es auch zu Ende lesen. Nichts klar bis dorthin, „Tod in Venedig" trifft „Lost Highway". Der Ich - Erzähler bleibt genauso mysteriös wie die beiden Gäste in Ludwigs Appartement. Ludwig ist ein williges Opfer, man wünscht ihm, dass er nach Hause kommt und erschrocken über das was vorgefallen. Der Ich - Erzähler geht völlig in seinen Visionen, seinen Urteilen auf und darf sich freuen, dass der Autor die Biologie des Menschen so gut studiert hat. Kommt man bis zum Ende freut man sich das Buch gelesen zu haben. Aber bis dorthin ist es lange. |
Stadt Land Fluß Christoph Peters Gebundene Ausgabe, Februar 1999 Verkaufsrang: 611496 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Thomas Walkenbach, der Erzähler in "Stadt, Land, Fluß", ist dreiunddreißig und Kunsthistoriker. Eines Tages verschwindet Hanna, seine Frau. Gründe für ihr Verschwinden nennt Walkenbach nicht. Stattdessen beginnt er, über sein Leben und seine Liebe zu erzählen - allerdings in der für ihn günstigsten Version. Angeregt durch die Frage nach dem Wahrheitsgehalt dieser Geschichte, begibt sich der Leser auf eine amüsante literarische Spurensuche, bei...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Drei Geschichten in einem Buch 5 von 5 Punkten "Mir scheint das Fliegenschicksal nicht so schwer, dass Rauschmittel vonnöten wären, um es auszuhalten", liest man auf Seite 34 des vorliegenden Buches. Oder: "Mein sporadisches Bedürfnis nach NICHTS wird durch den leeren Himmel hinreichend befriedigt."(S. 178). Die Person, der dergleichen Gedanken durch den Kopf gehen und der der Wechsel von Ebbe und Flut so stupide vorkommt "wie das rhythmische Nicken von Geistesgestörten", heißt Thomas Walkenbach (33) und stammt aus der Gemeinde Niel am Niederrhein, wo sich die Ehepaare bald nach der Hochzeit nichts mehr zu sagen haben, "was vielleicht der einzige Grund ist, warum sie so lange zusammen bleiben". Doch es sind durchaus urige Figuren, die diese ländliche Welt bevölkern: der Großvater, der in seiner Demenz dahindämmert, "ab Mitte der Woche bis zum Himmel stinkt und jeden Samstag zwangsgebadet werden muss", Onkel Henno "mit seinem Loch in der Bauchdecke" und der Pastor Herms, der im Krieg zweimal verschüttet wurde und von dem "es hieß, die Schädelverletzungen hätten ihm ein kindliches Gemüt bewahrt."(S.50).
So beginnt Christoph Peters Buch auf den ersten 55 Seiten wie eine liebevolle und unterhaltsame Hommage an das Land seiner Väter, das daherkommt wie eine unwandelbare Provinz der Beständigkeit und das doch dazu bestimmt ist, als Land der Käuze ebenso zu verschwinden wie der Melkeimer, die Nachttöpfe, die Ascheneimer und das Butterfass(S.55).
Thomas Walkenbach hat die scheinbare Beständigkeit von LAND und FLUSS jedoch schon lange vor dem Niedergang von Niel verlassen und ist in die STADT gegangen, wo er das Unbeständigste kennen lernt, Was es gibt: die Liebe - und das auch noch zu seiner Zahnärztin, der jungen und aparten Hanna Martinek, die ebenso scheu ist wie ihr zahn- und liebeskranker Patient. Unsicher wie er sich seiner Zahnärztin nähern soll, bringt er ihr ein Buch über den niederrheinischen Meister Henrick Douwermann mit in die Praxis. "Mit in ihre Wohnung nehmen, wollte sie das Buch allerdings nicht. Als fürchte sie, ich könnte mich hineinverwandeln und herausklettern, sobald sie das Licht gelöscht hatte, mich ans Fußende hocken und ihren Schlaf belauern." (S.89). Am Ende, das kann vorab verraten werden, bekommen sich die beiden und heiraten. Die Zahnärztin Hannah und der fünf Jahre jüngere Kunsthistoriker Thomas durchleben die ersten Jahre ihrer Ehe wie ein Fest der Liebe, reisen nach Italien und nach Niel und wissen die gegenseitigen Marotten so gut es geht, zu tolerieren. Und auch als die Leidenschaft nachlässt, bleibt die gegenseitige Attraktion bestehen. "Sie hat sich in ein natürliches Bedürfnis verwandelt, das regelmäßig gestillt wird. So wie man dreimal täglich eine Mahlzeit zu sich nimmt, ehe der Hunger zu bohren anfängt."(S. 140).
Der Leser, der dem Autor durch bis zu dieser Stelle gefolgt ist, ahnt aber bereits, dass dieses Glück nicht dauern wird. Denn es fehlt "eine Möglichkeit, die eigene Geschichte anzuhalten, sobald sie gut ist, von da an dürfte sich nichts mehr ändern"(S. 190). Schon früh im Buch, zunächst kündet sich das Unheil an: der Tod nähert sich beiläufig, bleibt lange unerkannt und gibt sich erst zu erkennen, als es zu spät ist. Nach der heiter-rustikalen Nieler Saga und der romantischen Liebesgeschichte zwischen Hanna und Thomas folgt ein bitteres und bewegendes Ende im dritten und letzten Teil.
Das Buch, seine drei ganz unterschiedlichen Teile, seine Sprache, seine Gestalten und die feine, fast schon weise Selbstironie haben mich tief berührt. Obwohl Peters von den literarisch letzten Dingen, von Heimat, Liebe und Tod, erzählt, fehlt jede Lamoryanz. Die Rollenprosa ist ebenso literarisch ausbalanciert wie die Erzählperspektive, mit der der Autor zwischen den Zeitebenen hin- und herlarviert, ohne den Leser manieristisch zu verwirren. Ein früher Wurf, der die hoch gerühmten Bücher der Generationengenossen wie Kehlmann, Geiger oder Hetche locker in den Schatten stellt. Nur eine Kritik, die allerdings mit dem Autor nichts zu tun hat, kann man an dem Buch üben: die Klappentexte sind schwachsinnig und haben mit dem Inhalt und dem Anliegen des Romans fast nichts zu tun.
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Ludwig muß sterben Thomas Hettche Taschenbuch, 1989 Verkaufsrang: 2176457 Ein Mann, der ein Wochenende in der Wohnung seines sterbenskranken Bruders verbringt. Der Bruder, Ludwig, der nach Italien gereist ist, um sich dort zu verlieben. Und zwei geheimnisvolle Gäste, die Ludwigs Schicksal besiegeln werden. In seiner bildkräftigen und suggestiven Prosa erkundet Thomas Hettche die Macht und Ohnmacht der Sprache und lotet die Grenzen des Erzählbaren aus.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Ausnahmebuch 5 von 5 Punkten "Ludwig muss sterben" ist für mich eins der seltenen Bücher, das ich lese, ohne mich darin zurechtzufinden, bei dem ich aber völlig einverstanden mit dieser Orientierungslosigkeit bin. Zwar wird die Handlung nach zwei oder drei Mal lesen ebenfalls klar (tatsächlich habe ich das Buch mehrmals gelesen und es lohnt sich!), aber was oberflächlich zu geschehen scheint ordnet sich der Sprache unter, der Phantasie und inneren Struktur einer Logik, die aus dem Traum aufzusteigen scheint. Und doch ist das nicht bloß Sprachversessenheit, l'art pour l'art, sondern führt einen sehr dicht an etwas Geheimnisvolles und Unbegriffliches heran - Umgesetzte Philosophie im besten Sinn. Ich kenne kein vergleichbares Buch von dieser Art und Qualität.
Danke, dass es veröffentlicht wurde 5 von 5 Punkten Eigentlich ein Buch, dass nie die Schublade verlässt und bestenfalls erst nach einigen Jahren von einem Bekannten gefunden wird und der Autor posthum zum Genie erklärt wird. Sehr schwere Kost. Wenn man die ersten hundert Seiten durchgebracht hat, muss man es auch zu Ende lesen. Nichts klar bis dorthin, „Tod in Venedig" trifft „Lost Highway". Der Ich - Erzähler bleibt genauso mysteriös wie die beiden Gäste in Ludwigs Appartement. Ludwig ist ein williges Opfer, man wünscht ihm, dass er nach Hause kommt und erschrocken über das was vorgefallen. Der Ich - Erzähler geht völlig in seinen Visionen, seinen Urteilen auf und darf sich freuen, dass der Autor die Biologie des Menschen so gut studiert hat. Kommt man bis zum Ende freut man sich das Buch gelesen zu haben. Aber bis dorthin ist es lange. |
Rave Rainald Goetz Gebundene Ausgabe, März 1998 Verkaufsrang: 642214 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 4 Tagen. Rainald Goetz, der inzwischen nicht mehr ganz so junge Stirnschlitzer von Klagenfurt, ist mit einem Buch angetreten, das den Techno-Sound, die Dj-Kultur, das Leben am Rauschtropf im Titel trägt. Es geht um "Exzeß. Saufen, Sex, Gewalt und natürlich um alle Arten von Drogen und Drogenkaputtheit. Das absolut aller Kaputteste freilich, die "Totalverblödung" schlechthin, läßt uns der Erzähler wissen, das ist die "generelle Abstinenz" und alle anderen Formen von risikolosem Langweilertum. Also Insider. Insider feiern mit Insidern, an der Tür zum Club "heute wieder großes Redakteure-, Werber-, Fotografen und Studenten-Bashing!". Draußen bleiben müssen, obwohl sie überall mit ihren Kameras und Mikrofonen dazwischenstolpern, die ignoranten Pressemenschen, die übers "Abfeiern, Aufreißen, Ausrasten" ein Filmchen drehen, einen "Textcheftext" schreiben wollen. Was macht also der Rainald, wenn er nicht gerade snifft oder kifft oder tanzt? Er notiert die "gleichzeitig mitlaufendenden Reflexionen" zu einer "Theorie der Kritik". Er schimpft auf die intellektuelle Anmaßung, das Techno-Phänomen der 90er zu erklären. Das Grundproblem sei doch, "daß man sich für manche Phänomene der populären Kultur einfach nur aufgrund der eigenen Klassenzugehörigkeit, als zunächstmal NICHT zuständig zu qualifizieren hat, und damit eigentlich auch als UNFÄHIG, sie zu erkennen, zu verstehen, und zu bewerten". Kritiker haben es also denkbar einfach (und die meisten haben in diese Kerbe gehauen!), das Buch als arrogante Predigt zu lesen. Ja und Nein. Über das ganze elitäre Getue hinweg faszinieren die präzisen Situationen, die Goetz mit seinem Erzählstakkato schafft: ansetzen, absetzen, nächste Rille. Das ist ein Buch, das lieber Musik wäre, von einem Autoren mit einer "Art Ahnung von Sound in mir, ein Körpergefühl, das die Schrift treffen müßte". Und dann gibt es da noch sieben thrillermäßig spannende Seiten, eine Situationsbeschreibung der Arbeit des DJ vor Publikum, eine Mikrotheorie dieser "Augenblicklichkeitskunst", die jeden Moment von übelschmeckender Attitüde in diesem Buch vergoldet.-- Nikolaus Stemmer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
Textuelle Rekonstruktion einer Augenblicksästhetik 5 von 5 Punkten Durch die gesamte Erzählung zieht sich die Musik, der Rave, wie ein roter Faden. Ein vieldimensionales Netz aus Wörtern, Zitaten, Versatzstücken; Popliteratur, Popkultur, der Spex: hier greift Goetz ein. Hinterfragt, in tiefster Ekstase der Party vollkommene Klarheit besitzend, diese seltsame Gesellschaft. Er ist teilhabender Beobachter, er Rainald steht dabei. Ein kollektives Wir-Gefühl (gleichsam dem kollektiven "Wirr"-Gefühl) wird hochstilisiert zu einer ekstatischen Einzig-Wahrheit. Alles im Schatten der Soundgewalten. Da bleibt nur zu sagen: "geil - geil - geil - geil"
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Ludwig muss sterben Thomas Hettche Gebundene Ausgabe, 2000 Ein Mann, der ein Wochenende in der Wohnung seines sterbenskranken Bruders verbringt. Der Bruder, Ludwig, der nach Italien gereist ist, um sich dort zu verlieben. Und zwei geheimnisvolle Gäste, die Ludwigs Schicksal besiegeln werden. In seiner bildkräftigen und suggestiven Prosa erkundet Thomas Hettche die Macht und Ohnmacht der Sprache und lotet die Grenzen des Erzählbaren aus.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Ausnahmebuch 5 von 5 Punkten "Ludwig muss sterben" ist für mich eins der seltenen Bücher, das ich lese, ohne mich darin zurechtzufinden, bei dem ich aber völlig einverstanden mit dieser Orientierungslosigkeit bin. Zwar wird die Handlung nach zwei oder drei Mal lesen ebenfalls klar (tatsächlich habe ich das Buch mehrmals gelesen und es lohnt sich!), aber was oberflächlich zu geschehen scheint ordnet sich der Sprache unter, der Phantasie und inneren Struktur einer Logik, die aus dem Traum aufzusteigen scheint. Und doch ist das nicht bloß Sprachversessenheit, l'art pour l'art, sondern führt einen sehr dicht an etwas Geheimnisvolles und Unbegriffliches heran - Umgesetzte Philosophie im besten Sinn. Ich kenne kein vergleichbares Buch von dieser Art und Qualität.
Danke, dass es veröffentlicht wurde 5 von 5 Punkten Eigentlich ein Buch, dass nie die Schublade verlässt und bestenfalls erst nach einigen Jahren von einem Bekannten gefunden wird und der Autor posthum zum Genie erklärt wird. Sehr schwere Kost. Wenn man die ersten hundert Seiten durchgebracht hat, muss man es auch zu Ende lesen. Nichts klar bis dorthin, „Tod in Venedig" trifft „Lost Highway". Der Ich - Erzähler bleibt genauso mysteriös wie die beiden Gäste in Ludwigs Appartement. Ludwig ist ein williges Opfer, man wünscht ihm, dass er nach Hause kommt und erschrocken über das was vorgefallen. Der Ich - Erzähler geht völlig in seinen Visionen, seinen Urteilen auf und darf sich freuen, dass der Autor die Biologie des Menschen so gut studiert hat. Kommt man bis zum Ende freut man sich das Buch gelesen zu haben. Aber bis dorthin ist es lange. |
Montgomery Sibylle Lewitscharoff Gebundene Ausgabe, Februar 2003 Verkaufsrang: 572097 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Auf die Idee muss man erst einmal kommen: Ein schwäbischer Halbitaliener, der in Rom seine Heimatstadt Stuttgart nachbaut. Möglich macht das Montgomery Cassini-Stahl sein Beruf: Als Filmproduzent dreht er in den legendären Cinecittà-Studios einen Spielfilm über das Leben des Joseph Süß Oppenheimer -- mächtiger Berater des württembergischen Herzogs im 18. Jahrhundert, verewigt als Jud Süß im Roman Lion Feuchtwangers und geschmäht durch einen der übelsten Propagandafilme der Nationalsozialisten. Auch wenn beide Städte für ihre Hügel berühmt sind, prallen mit Rom und Stuttgart doch Welten aufeinander: hier die katholisch-südländische Lebensfreude, dort die protestantisch-schwäbische Korrektheit. Beides verschmolzen in einem Helden, den man nur allzu gerne für acht Tage und 300 Seiten durch sein Produzentendasein begleitet. Und das ist alles andere als unkompliziert: Mit dem aufwändigen Historienfilm scheint er sich nicht nur finanziell übernommen zu haben. Auch der geniale, aber schwierige Hauptdarsteller zerrt an seinen Nerven, da er sich ständig mit dem Regisseur in den Haaren liegt oder auch schon mal tagelang in den römischen Bars verloren geht. Um den Seelenfrieden des an sich unruhigen Geistes Cassini-Stahl ist es hoffnungslos geschehen, als er auch noch der Attraktivität einer jungen Holländerin erliegt. Zu erliegen droht auch der Leser -- und zwar den Reizen von Sibylle Lewitscharoffs Prosa, die wunderbar Balance hält zwischen Lesbarkeit und literarischem Anspruch. Auch ist die Überraschung groß über die Wandlungsfähigkeit der aus Stuttgart stammenden Autorin: Waren Pong, für den sie den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt, und das märchenhafte Der höfliche Harald zwar bezaubernde, aber doch ins literarisch-künstliche entrückte Geschichten, besticht Montgomery gerade durch die Welthaltigkeit und Liebe zum Detail, mit der hier Rom und das Leben der Hauptfigur porträtiert werden. Als einziger Einwand blinkt während der Lektüre die Frage auf, ob es dieser Rahmenhandlung -- erzählt wird die ganze Geschichte von einem ehemaligen Mitschüler des Filmproduzenten -- bedurft hat. Aber mit dem Schlusskapitel, in dem sich sogar das Rätsel um den frühen Tod von Montgomerys Bruder aufzulösen scheint, ist auch dieser marginale Zweifel dahin. Was bleibt, ist die Freude über einen vielschichtigen, eleganten und zudem unterhaltsamen Roman, dem man viele Leser wünscht. --Christian Stahl
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Jud Süß in Neuverfilmung 3 von 5 Punkten Die Autorin Sibylle Lewitscharoff hat mit Ihrem Roman „Montgomery" ein Thema angeschnitten, welches selbst heute immer noch zu weit ausladenden Diskussionen über die filmschaffende Szene, im 3. Reich führt. Doch dieses Thema ist letztendlich nur eine Randerscheinung, ein Gerippe, um das sich das eigentlich Buchthema legt, daß Schicksal des Filmproduzenten Montgomery Cassini - Stahl. Die bedrückende Kindheit im Schatten seines kranken und doch übermächtigen Bruders und der Tod desselben, welcher ihm letztendlich angelastet wird. Die Flucht nach Italien zum Onkel, sein Aufstieg zu einem mächtigen Filmproduzenten und wie ihn seine Vergangenheit in Form eines ehemaligen Schulkollegen wieder einholt. Manchesmal sind einige Passagen zwar bedrückend doch das Leben selbst hält schließlich auch nicht immer nur Sonnenschein für einen selbst vor. Man gleitet leicht durch das Leben der Hauptperson und am Ende ist es fast so, als hätten man einen guten Freund oder ein Familienmitglied verloren.Eine ausführliche Besprechung des Buches finden Sie unter Literaturtipp, einer Domain gleichen Namens.
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Nomade auf vier Kontinenten: Auf den Spuren von Sir Richard Francis Burton Ilija Trojanow Ledereinband, Mai 2007 Verkaufsrang: 1902669 Bei Amazon z.Zt. leider nicht lieferbar! |
Man muss sich nur die Strommasten wegdenken, so Ilija Trojanow. Dann erleben Reisende Indiens Hinterland großenteils genau so wie Sir Richard Francis Burton im 19. Jahrhundert. Autor Trojanow folgte den Spuren des sagenumwobenen Burton nach Indien sowie nach Mekka, Sansibar und zu den Mormonen in Utah. In Der Weltensammler bereitet der deutsch-bulgarische Schriftsteller das Leben Burtons als Romanstoff auf. In Nomade auf vier Kontinenten nähert sich Trojanow nun der Lebensgeschichte des leibhaftigen Burton. Ergebnis ist ein Porträt der anderen Art, in der Trojanow mühelos eine Brücke schlägt zwischen den Kontinenten, zwischen seinen Erlebnissen und den Abenteuern Burtons, zwischen der Kolonialzeit und unseren Tagen. Trojanows gründliche Spurensuche reicht mehr als 150 Jahre zurück in eine Zeit, in der Kolonialisten Menschenschädel mit nach Europa brachten wie heutzutage Urlauber geschnitzte Souvenirs. Die Erlebniswelten von Burton und Trojanow -- im Buch übersichtlich jeweils grün bzw. schwarz gedruckt -- greifen eng ineinander. Zum Beispiel wenn Trojanow eine Autofahrt im 20. Jahrhundert gleichklingend beschreibt wie Burton eine Reise in der Sänfte im 19. Jahrhundert. Den Engländer erleben Leser als kühnen Abenteurer mit poetischer Ader, aber auch als hartherzigen Draufgänger. Und obgleich Burton konsequent seinen eigenen Weg geht, bleibt er Kind seiner Zeit -- etwa wenn er Neger als zurückgeblieben betrachtet. Ilija Trojanow lässt in dieser großartigen Collage Episoden aus unterschiedlichen Epochen ineinander gleiten, ohne den Lesefluss im geringsten zu stören. Auch deshalb gehört dieses Buch völlig zu Recht zur Reihe Die Andere Bibliothek, in der der Eichborn-Verlag lesenswerte Werke präsentiert (besonders edel: die in Leinen gebundene Ausgabe im Schuber). Mögen der schillernden Spurensuche Trojanows viele Leser folgen, denn der Autor gehört zu den brillantesten hierzulande. -- Herwig Slezak
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
bunt und spannend 5 von 5 Punkten Das Buch ist ein echtes Füllhorn, eine bunte und spannend zusammengesetzte Mischung aus Originaltexten von Richard Burton und Reiseerlebnissen von Ilija Trojanow, noch dazu großartig gestaltet. Ich glaube übrigens nicht, dass Trojanow nur Geld machen will, indem er "Der Weltensammler" als Vehikel nutzt. Ich war kürzlich auf einer Lesung, bei der er ein bisschen über die Entstehungsgeschichte erzählte. Offensichtlich sollten Der Weltensammler und Nomade auf vier Kontinenten ursprünglich mal gleichzeitig erscheinen. Trojanow hatte Hans Magnus Enzensberger von seinem Romanprojekt über Richard Francis Burton erzählt und dass er dafür nach Indien ziehen und nach Ostafrika etc. reisen würde. Da die Gegenwart in einem historischen Roman naturgemäß wenig Platz hat, schlug Enzensberger vor, Trojanow solle seine Recherche, seine Eindrücke und Erlebnisse in einen Reportageband fassen. So ist der Nomade auf vier Kontinenten dann wohl auch in die Andere Bibliothek gekommen. Übrigens kann man beide Bücher durchaus unabhängig voneinander lesen. Aber wer das eine mag, wird auf das andere nicht verzichten wollen.
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Kometen Stefan Beuse Taschenbuch, März 2003 Verkaufsrang: 803821
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
...ich weiss nicht was soll es bedeuten... 2 von 5 Punkten Durch einen wahnwitzigen Zufall werden die Schicksale mehrerer Menschen auf verschiedenen Koninenten miteinander verwoben. Das es Zufälle gibt, ist unumstritten, aber was hier passiert, ist einfach zu unglaubwürdig und nicht zu Ende erzählt. Alles in allem keine runde Sache. Nachdem ich das Buch gleich zwei Mal hintereinander gelesen habe, und den tieferen Sinn oder die "grosse" Auflösung immer noch nicht gefunden habe, bekommt das Buch von mir zwei Sterne für die Idee. Die Umsetzung lässt allerdings zu wünschen übrig. Es bleiben zu viele Fragen offen: - Warum wurde der ... (will nicht zu viel verraten) ermordet? - Wie kommt die abgehackte Hand des Ermordeten von Amerika nach Deutschland? Wahrscheinlich ist es gar nicht seine Hand, aber warum liegt sie dann im Wald herum? - Woher kennt Eisenhans/Dominguez das Lied des Mädchens? - Was hat der Satz des japanischen Jungen zu bedeuten und mit der Geschichte zu tun? - Welche Bedeutung hat der Komet? - Was bedeutet der Satz von Leitner an Wagner: "Wie weit würden sie wirklich gehen?" Nun ja, wenn jemand von Euch die antworten auf all diese Rätsel findet ... herzlichen Glückwunsch. Ich habe das Buch leider nicht ganz verstanden...
Viele Fragen 2 von 5 Punkten Anfangs war ich amüsiert über den Aufbau des Textes, die Gliederung in drei Teile, die vielen Erzählstränge. Dann habe ich mich doch relativ bald darin verloren und in vielen offenen Fragen, die bis zuletzt unbeantwortet blieben. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, es liest sich locker und cool. Dafür gibt es auch die 2 Sterne. Die Sprache von Stefan Beuse ist leicht verständlich und unpretenziös, nicht flach, aber auch ohne große Sätze, die man gleich nocheinmal lesen möchte. Ob das ein gutes oder ein schlechtes Merkmal ist, mag jeder für sich selbst entscheiden Die Geschichte aber ist verworren. Die Menschen handeln unglaubwürdig und nicht folgerichtig. Die Erzählstränge werden teilweise sehr willkürlich miteinander verknüpft, Ich glaube dem Autor ab etwa Mitte des Buches nicht mehr. Ich habe darüber nachgedacht, es jetzt noch einmal zu lesen, mit dem Wisses wie es aufhört, um noch einige Fragen beantwortet zu bekommen, aber es gibt noch so viele interessantere Bücher zu lesen, darum werden die Kometen wohl einfach so an mir vorbeirauchen
Unklar und doch alles klar... 3 von 5 Punkten Dieses Buch habe ich an nur einem Tag durchgelesen... Vielleicht der falsche Weg, da es zum Ende hin doch schwierig für mich wurde, die Personen noch richtig zuzuordnen. Aber auf jeden Fall habe ich vor, es noch einmal zu lesen, da ich nun doch noch auf des Rätels Lösung kommen möchte und wissen möchte, wie nun wirklich alles zusammen gehört. Von daher auf alle Fälle etwas zum Nachdenken.
Staunen, Verwirrung, Glück 5 von 5 Punkten Es geht mir mit Büchern wie mit Menschen: ich kann nicht sagen, der oder die ist mir der oder die liebste. Einige trifft man immer wieder, liest man immer wieder, oder sie begleiten einen eine zeitlang oder man hat sie vor vielen Jahren gekannt und entdeckt sie neu. Und dann gibt es die Zufallsbegegnungen, verwickelte Umstände, man trifft sich und verliert sich wieder aus den Augen, und es bleibt eine schöne Erinnerung. Eine dieser Zufallsbegegnungen war für mich das Buch "Kometen" von Stefan Beuse, einem jungen Hamburger Autor, der - sehr zu unrecht - manchmal zu den Popautoren gezählt wird. Ich erinnere mich gar nicht mehr genau an die Geschichte. Ich weiss noch, dass es eben um solche zufällige Begegnungen geht, und dass die Hauptfigur, ein langsam erblindender Fotograf, wie ein Komet durch ein Sternbild von Nebenfiguren fliegt, die sich nicht kennen und doch alle auf rätselhafte Weise miteinander verbunden sind. Die Geschichte liest sich leicht, sie handelt von einer Welt, die wir kennen, einer modernen Welt in der Menschen per e-mail kommunizieren, und die doch seltsam poetisch ist und fern. Unter den Sätzen liegt etwas, ein Geheimnis, eine Magie, ich weiss es nicht. Aber genau darin liegt die Qualität dieses Buches: dass es einen bewegt, dass es lebendig ist und wie alles lebendige nie ganz zu durchschauen. Man hört nicht das Klappern des Getriebes wie in so vielen Romanen, man merkt nicht, was der Autor mit einem vorhat, vermutlich, weil er es selbst nicht weiss, weil er ein guter Autor ist, der etwas vom Schreiben versteht. Geblieben ist mir von Stefan Beuses Buch eine seltsame Stimmung, die unserer Welt so angemessen zu sein scheint, eine Stimmung des Staunens, der Verwirrung, des Glücks, das manchmal wie Unglück aussieht.
Hochs und Tiefs eines jungen Autors 3 von 5 Punkten Habe Beuse mal live erlebt - bei einer Lesung von ca. 12 "Pop-Autoren". Dabei ist er mir positiv aufgefallen, da er - im Gegensatz zu manchen seiner anwesenden KollegInnen - eine eigene erzählerische Sprache hatte. Er las nicht über Nike-Airmax Turnschuhe oder ecstasyumnachtete Disconächte, sondern, ja wirklich, über Liebe. Es waren kleine Beschreibungen von Szenen, die genau beobachtet waren, etwas absurd zum Teil, aber doch mit Bezug zum normalen Leben. In "Kometen" blitzt dieses Können auch wieder auf. Es gibt tolle Einfälle (die Geschichte vom Opa, der Alzheimer bekommt und alle Begriffe, die er vergißt in dicken Notizbüchern durch andere Begriffe umschreibt, oder der fotographische Kampf eines Erblindenden um seine Bilder) doch leider ergeben diese Ideen und Momentaufnahmen keine zusammenhängende Erzählung. Die Leitidee - ein Komet nähert sich der Erde und damit werden viele einzelne Personen verwoben, die alle irgendwie miteinander in Beziehung stehen - strukturiert das Buch einfach nicht genügend. Die Vielzahl der Personen ist verwirrend, die Verbindungen zwischen ihnen bleiben unglaubwürdig. Manche Figuren sind einfühlsam beschrieben, andere dagegen bleiben unerklärlich und unglaubwürdig. Klar, man kann das ganze Personal dieser Erzählung ebenfalls als Kometen sehen, die locker um die Erde kreisen und dabei einander näher kommen und sich wieder entfernen. Ist auch so ein schöner Einfall - aber, wie gesagt, er macht noch keine kohärente, spannende Erzählung. Fazit: Ein sprachgewander Autor, der sich positiv von vielen anderen Pop-Autoren abhebt, aber es dieses Mal noch nicht geschafft hat, eine wirklich gute Story hinzulegen. Ich hoffe auf weitere, gelungenere Versuche!
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