Klassiker des 20. Jahrhunderts

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Seite 11

Tortilla Flat - John SteinbeckTortilla Flat
John Steinbeck

Taschenbuch, 1987
     Verkaufsrang: 135605      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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John Steinbeck gehört wohl zweifellos zu den einflußreichsten Schriftstellern der neuzeutlichen amerikanischen Literatur. Zahlreiche Veröffentlichungen in gigantischen Auflagen, sowie die Auszeichnung des Nobelpreises für Literatur 1962 sind die Meilensteine seiner schriftstellerischen Karriere.

Keine Arbeit, kein Dach über'm Kopf, keine Versicherung, kein Auto. Die Schreckensvorstellung eines jeden Deutschen. Aber es gibt doch noch so vieles mehr, daß ein Leben lebenswert machen kann: Gute Freunde, der Strand, das Meer, die nächste Flasche Wein. Steinbeck beschreibt ein Leben, daß so arm, und doch so voller Reichtum ist, wie wir es in unseren Plastikburgen und gummibeschuhten Blechkisten nie erleben werden. Leider, und Gottseidank. Für Steinbecks Hauptdarsteller findet das Leben täglich statt. Von einer Flasche zur Nächsten, zu einer schnellen und flüchtigen Berührung mit der Matrone von nebenan, und zurück zum Fuselladen. Das Leben macht allerdings eine unverhoffte Kehrtwendung, wenn einer der liebenswert faulen Truppe der Bewohner von Tortilla Flat ein Strandhäuschen erbt. Jetzt ist er mit einem Male wer! Aber es dauert nicht lange, bis er sich in seinem neuerworbenen Reichtum doch etwas einsam fühlt, und nach und nach findet sich die gesamte Gruppe wieder zusammen: als seine Untermieter.

Leider haben die aber trotzdem noch keine Kohle, und als verantwortungsvoller Kapitalist muß natürlich auf die Miete bestanden werden, da gibt's ja nichts! Also wird geschuldet und Buch geführt -- ganz professionell... Und da ihm ja nun nach kurzer Zeit jede Menge Geld schuldig ist, wird auch sein Kredit beim Fuselladen entsprechend erhöht. So ist das nun mal im Wohlstandsleben: Alles ist ja soviel einfacher, wenn Mann was hat. Allerdings verändert sich nichts wirklich, es wird immer noch versucht, sich gegenseitig übers Kreuz zu legen, es gibt immer noch stundenlange Diskussionen darüber, wer denn nun den nächsten Wein besorgt, wo, und wie. Fast wie in der Studenten-WG nebenan. So bleibt dann nicht wirklich ein Abschiedsschmerz, wenn die Bude dann eines Nachts abfackelt. Wer denn nun im Vollrausch seiner mieterlichen Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen ist, bleibt eigentlich nebensächlich.

Worum es geht, ist die Menschlichkeit und der Zusammenhalt der Truppe in einer Umgebung von aussichtsloser Armut und Bescheidenheit. Es geht ums Überleben, und darum, wie die eigene Würde nur durch die Schaffung einer eigenständigen -- wenn auch isolierten -- (Sub-) Kultur erhalten werden kann. Die Werte werden verschoben, und was bleibt ist das, was in unserem Luxusleben oft verloren geht: Gemeinsam alleinsein koennen, Genuß der winzigsten Kleinigkeiten des Lebens, Herzlichkeit, echter Schmerz, abgrundtiefe Sehnsucht, und -- Freude am bloßen Dasein! Ein sehr humorvolles und lebendiges Buch voller verlorener Träume, voller Respekt und Liebe für ein Leben, das wir nur aus Dokumentarfilmen kennen, aber auch voller Traurigkeit. Sehr empfehlenswert für all diejenigen, die sich -- wie ich -- manchmal fragen "War da nicht noch was?" --Thomas Kaminski

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

WG der Müßiggänger & Habenichtse      5 von 5 Punkten
Steinbecks großer Durchbruch "Tortilla Flat" spielt im Kalifornien der Prohibitionszeit: Ein junger Mann namens Danny, der in seinem Leben noch nicht viel geleistet hat, und auch keine große Lust dazu hat, kehrt aus dem Ersten Weltkrieg zurück, und erfährt, dass ihm sein verstorbener Onkel zwei Häuser hinterlassen hat. Damit ist er auf der sozialen Leiter im Ort Tortilla Flat deutlich aufgestiegen allerdings ist ihm jeder Standesdünkel fremd: Alle seine Freunde und Kameraden, die seine Abneigung gegen jede geregelte Tätigkeit teilen, lädt er ein, bei sich zu wohnen. Keiner von ihnen besitzt mehr als den Inhalt seiner Hosentaschen, aber solange es genug Wein gibt, haben sie doch alles, was sie brauchen. Und da im Haus von Danny auch jeder Besitz brüderlich geteilt wird, nehmen sie es auch mit dem Eigentum der anderen Stadtbewohner nicht allzu genau.
Steinbeck schildert die oft amüsanten, manchmal melancholischen Abenteuer der Freunde in kurzen, in sich geschlossenen Abschnitten, so dass sich "Tortilla Flat" wie ein Kurzgeschichtenband liest. Sein Ton ist bisweilen nicht ganz frei von Ironie, dem liebevollen Umgang mit seinen Figuren tut dies allerdings keinen Abbruch.

Mancher mag dieses schmale Büchlein mit seinem fast schon kindlichen Erzählstil banal finden; auf der anderen Seite halte ich ein Buch das dem Leser einfache aber fundamentale Weisheiten wie Freundschaft, die Freude des Teilens oder der Langsamkeit wieder ins Gedächtnis bringt für allemal überzeugender als auf 400 Seiten aufgeblähte, prätentiöse Psychodramen.
Steinbeck erzählt mit viel Wärme und Humor von unwichtigen, einfachen Charakteren: Auch Menschen, die diese Welt nicht erfunden haben, haben eine Stimme verdient.


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Hotel Savoy - Joseph RothHotel Savoy
Joseph Roth

Taschenbuch, März 2003
     Verkaufsrang: 25123      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Gabriel Dan kehrt aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Im Hotel Savoy macht er Station. Es wird für ihn zu einer Welt im Kleinen: glanzvoll von außen, armselig innen. Er begegnet Künstlern, Schiebern, Kommunisten, einem Millionär und einer Tänzerin. Immer mehr gleicht das Hotel einer Wartehalle für bunte Existenzen in einer aus den Fugen geratenen Zeit.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Heimkehr ins Wurzellose      5 von 5 Punkten
Gabriel Dan, Sohn russischer Juden, der in Wien großgeworden ist, betritt im Herbst 1919 nach langem Fußmarsch wieder die europäische Bühne. Er ist Kriegsheimkehrer und kommt aus russischer Gefangenschaft. In der Stadt, in der er anlangt - und die auffallende Züge mit Lodz aufweist -, steigt er im Hotel Savoy ab. Dieses Riesenhotel umfasst 864 Zimmer - je höher gelegen, desto schäbiger. Im Hochparterre wohnen die Herrschaften, im siebten und letzten Stockwerk armselige Menschen, die von der Hand in den Mund leben. Gabriel Dan bezieht Zimmer 703 im 6. Stock. Dieses Zimmer kann er sich allerdings nur deswegen leisten, weil sein reicher Onkel Phöbus Böhlaug, der in einer vornehmen Vorstadtvilla wohnt, es nicht vermeiden kann, ihm mit einer Geldsumme und einem abgetragenen Anzug auszuhelfen. Im Hotel, insbesondere im letzten Stockwerk, lernt Gabriel allerlei Gestalten kennen, die sich irgendwie weiterwursteln, wie etwa die Variété-Tänzerin Stasia, den Clown Wladimir Santschin oder auch den Juden Hirsch Fisch. In der Bar des Hotels verkehren aber auch die reichen Industriellen der Stadt wie der Fabrikbesitzer Philipp Neuner oder der Anilinfabrikant Herr Kanner, deren Angewohnheit es ist, nackt auftretende Tänzerinnen zu zwicken. Indes bricht in der Fabrik des Herrn Neuner ein Streik aus, derweil der Strom der Kriegsheimkehrer nicht abreißt. Die Stimmung in der Stadt wird immer gereizter. Alles scheint nur noch auf Henry Bloomfield zu hoffen, den Sohn des Jechiel Blumenfeld, der es in Amerika zu großem Reichtum gebracht hat und der dann und wann seine alte Heimatstadt zu besuchen pflegt. Als Bloomfield mitsamt Sekretär und Leibfriseur tatsächlich im Hotel Savoy absteigt, wird er sofort von allerlei Besuchern und Bittstellern umlagert. Um derer Herr zu werden, stellt er Gabriel Dan als zweiten Sekretär ein. Die geschäftlichen Angebote und Hilfsgesuche nehmen kein Ende, so dass selbst ein Henry Bloomfield sie nicht alle befriedigen kann. Ernüchterung und Enttäuschung machen sich breit, und viele fragen sich, wozu er eigentlich gekommen sei. Nur einige arme Bettler wissen es, auch Gabriel Dan kommt aus Zufall dahinter: Henry Bloomfield liegt es hauptsächlich daran, das Grab seines alten Vaters Jechiel Blumenfeld aufzusuchen, denn: „Ich bin ein Ostjude, und wir haben überall dort unsere Heimat, wo wir unsere Toten haben". Indes eskaliert der Streik der Fabrikarbeiter, und der weiter anwachsende Strom der Heimkehrer tut ein übriges dazu, die Unzufriedenheit zu schüren, während zu allem Übel Typhus ausbricht. Bald nachdem Henry Bloomfield abgereist ist, kommt es denn auch zur gewaltsamen Entladung, in deren Verlauf das Hotel Savoy abbrennt. Viele Opfer sind zu beklagen. Gabriel Dan, der in der Stadt nichts mehr verloren hat, reist mit dem erstbesten Zug westwärts weiter. „Hotel Savoy", einer der ersten Romane Joseph Roths, erschien 1924. Dem Konzept und dem Stil nach ist er späteren Werken aber bereits so gut wie ebenbürtig. Bemerkenswert ist die Seelenlage des entwurzelten, ehemaligen Frontsoldaten, der sich nicht nur in das Los anderer Heimkehrer, Proletarier, armseliger Menschen und sonstiger Revolutionäre einzufühlen vermag, sondern gleichzeitig und nahezu auf das Selbstverständlichste Sekretär des Millionärs Henry Bloomfield wird. Auch das Leben und Treiben der reichen Industriellen der Stadt sowie das der ärmlichen Kaftanjuden, die versuchen, sich mit Valuta-Geschäften über Wasser zu halten, bleibt ihm nicht fremd. Das eine oder andere Mal verkehrt er in deren jeweiligen Kreisen und teilt, wenn auch nur zeitweilig, hautnah deren Schicksal. Dies machen die Stellung und der Blickwinkel des gesellschaftlich Entwurzelten und des zugleich Feinfühligen möglich. Einem anderen Autor wäre solche sozialkritische Durchleuchtung eher aus dem sicheren Abstand der dritten Person gelungen. Joseph Roth schafft es aufs Glaubwürdigste in der ersten Person. Es ist dabei ein Künststück des Gabriel Dan - und des Joseph Roth -, dass trotz aller Einfühlung kritische Distanz, aber auch kritische Sympathien niemals verloren gehen. Dies nicht zuletzt dank des eigenartigen Stils : knapp und sachlich und zugleich sachte lyrisch. All dies Eigenschaften, die sich in Joseph Roths späteren, bekannteren Werken wiederfinden sollten. Nicht zuletzt die jüdische Thematik, die in solchen Werken wie „Juden auf Wanderschaft" oder „Hiob" noch zu Glanzleistungen kommen sollte, ist in „Hotel Savoy" schon im Keim enthalten.


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Der Seewolf - Jack LondonDer Seewolf
Jack London

Taschenbuch, August 2001
     Verkaufsrang: 28893      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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In einem seiner berühmtesten Romane schildert Jack London das Aufeinanderprallen des weltfremden Schriftstellers Humphrey Van Weyden und des Kapitäns Wolf Larsen, dem sich als Übermensch gebärdenden Seewolf.Warnsignale über der Bucht von San Francisco. Aus den Wellen des Meeres wird der über Bord geschleuderte Schriftsteller van Weyden von einem Robbenfänger gerettet. Ein gespenstischer Schoner, die Ghost, ihr absoluter Herrscher, Kapitän Wolf Larsen, der...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)

Gänsehaut      5 von 5 Punkten
Jedem dem die vierteilige Verfilmung dieses Buches noch in Erinnerung ist, wird bei dem Namen "Seewolf" eine Gänsehaut über den Rücken laufen.
Noch eindringlicher wird dieses Gefühl, wenn man sich das zu Grunde liegende Buch zu Gemüte führt.
Wer Abenteuerromane für Fortgeschrittene mag, wird dieses Werk lieben, auch wenn er die Story zu großen Teilen bereits aus dem Film kennt.


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Einladung zur Enthauptung - Vladimir NabokovEinladung zur Enthauptung
Vladimir Nabokov

Taschenbuch, April 1999
     Verkaufsrang: 131399      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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"In Übereinstimmung mit dem Gesetz wurde Cincinnatus C. das Todesurteil im Flüsterton mitgeteilt." Ein Mann sitzt im Gefängnis, auf die Hinrichtung wartend; er träumt, phantasiert, erinnert sich, schreibt und hat Angst. Das Verbrechen, das er auf dem Schafott büßen soll, ist seine Existenz als Einzelgänger.
Der große Erzähler Vladimir Nabokov hat mit diesem frühen Roman eine der bittersten Satiren der Weltliteratur geschrieben.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)

Zeitloses Meisterwerk      5 von 5 Punkten
In "Einladung zur Enthauptung" von Vladimir Nabokov wird die Geschichte des Angeklagten Cincinnatus C. geschildert, der von einem in sich sinnlosen System im Flüsterton (so schreibt es das Gesetz vor), zum Tode verurteilt wird.
Sein Verbrechen? Er ist nicht transparent so wie die ganzen anderen Menschen, er ist leicht verschlossen und wirkt somit auf seine Mitmenschen wie eine Bedrohung, wie ein Monster und soll deshalb auf dem Schafott sterben.
Ihm begegnen in seiner "Leidenszeit" im Gefängnis etliche irreale und fast schon lächerliche Personen, sei es der Direktor, der rothaarige Wärter (mit dem Cincinnatus in seiner Fantasie auch gerne mal tanzt), das kleine Mädchen oder einzig sonstige Häftling der riesigen Festung und all dies mündet in das überraschende Ende, welches ich hier nicht vorwegnehmen will.

Meiner Meinung nach ist Vladimir Nabokov zu Unrecht immer nur auf das eine Buch Lolita festgelegt, denn dieses Buch übersteigt Lolite meiner Ansicht nach um einiges.
Es ist packend geschrieben, fast schon komisch und an manchen Stellen leidet man wirklich mit dem Protagonisten mit und fragt sich wie eine solche Behandlung zustande kommen kann.
Natürlich werden dem geneigten Lesen sofort parallelen zu "Der Prozeß" von Franz Kafka auffallen und diese Tatsache wird viele auch spalten, jedoch kommt es auf den Geschmack des Erzähl und Schreibstils an, welches dieser beiden Meisterwerke man bevorzugt.
Ich kann jedem "Einladung zur Enthauptung" nur ans Herz legen, allein schon aufgrund der erfrischenden Erzählweise von Nabokov, der beschreiben kann, dass man fast schon die Charaktere des Buches vor sich sieht.

Ich muss auch erwähnen, dass das Buch einen hohen wiederlese Wert hat, denn von Mal zu Mal fällen einem mehr und mehr Hinweise auf, die Nabokov in die Geschichte einfließen ließ und auch mehr Kritik zum Beispiel am Nazionalsozialismus oder am Kommunismus wird einem klar. (Nabokov war ein Exilrusse, was diesen Kritikpunkt auch etwas stärker werdeb lässt, desweiteren lebte und schreibte er dieses Buch in Deutschland kurz bevor die Nazis die Macht übernahmen.)

Alles in allem ein perfektes Buch, wenn nicht wieder das Laster des kleinen Mädchens wäre, was den kennenden Lesen sehr stark an Lolita erinnern dürfte.
Aber dieses Motiv zieht sich, genauso wie das "Tam Tam Tam" Motiv durch viele seiner Bücher. (Das "Tam Tam Tam" Motiv ist im Nachtrag des Buches erklärt!)

Eine klare Kaufempfehlung eines großen Nabokov Fans.


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Die Nacht vor der Scheidung - Sandor MaraiDie Nacht vor der Scheidung
Sandor Marai

Taschenbuch, Oktober 2005
     Verkaufsrang: 68186      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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In der Nacht vor der Scheidung gerät Richter Christoph Kömüves ins Träumen, über sein eigenes Leben, über sein eigenes Lieben -- und das, obwohl es sich gar nicht um seine eigene Scheidung handelt. Ein Mann will sich von seiner Frau trennen: ein Mann, mit dem er in seiner Jugend gern befreundet gewesen wäre, auch wenn es trotz offenkundiger Sympathie von beiden Seiten nie zu einem wirklichen Gespräch zwischen dem angesehenen Richter und dem bekannten Arzt gekommen ist. Am Tag vor der Scheidung soll sich das ändern, und zwar aus tragischem Anlass. Denn der Arzt ist gekommen, um Kömüves sein Herz auszuschütten und ihm mitzuteilen, warum er seine Frau kurz vor der juristischen Trennung getötet hat. Der Fall ist umso prekärer, als der Richter einmal in eben jene Frau verliebt gewesen ist.

Sándor Márai ist ein Meister der leisen Zwischentöne, vor allem der zwischenmenschlichen. Es gibt wohl keinen, der die Freuden und Leiden der Liebe derart nuancenreich und präzise zu beschreiben vermag. Wer befürchtet hat, dass der Piper Verlag nach der Wiederentdeckung dieses großen Autors nach der Neuveröffentlichung seines Romans Die Glut einen nach dem anderen Márai-Roman nur deshalb neu verlegen würde, um den Erfolg des ersten finanziell auszuschöpfen, wird jedes Mal eines Besseren belehrt. Es ist schon erstaunlich, wie man der "Schreckensherrschaft der Liebe" immer wieder neue Fassetten abgewinnen kann. Márai hat das gekonnt. So ist auch der Roman Die Nacht vor der Scheidung Unterhaltung auf höchstem psychologischem Niveau: "gelassen und leidenschaftslos, furchtlos und erhaben" erzählt wie der Lebensrückblick seiner Hauptfigur. --Isa Gerck

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)

Eine Welt zerfällt      5 von 5 Punkten
Die Nacht vor der Scheidung beginnt erst etwa nach der Hälfte dieses faszinierenden Romans. Der Scheidungsrichter Christian Kömüves kommt mit seiner Frau um 11 Uhr von einer Abendgesellschaft nach Hause. Hier wartet - so berichtet das Hausmädchen - seit 9 Uhr ein Mann auf den Richter. Es ist Doktor Imre Greiner, mit dem Christian jahrelang gemeinsam das Gymnasium besuchte. Am nächsten Tag soll er Imre von dessen Frau Anna scheiden. Vorher will aber der Arzt noch viel loswerden und beginnt - mitten in der Nacht - ausführlich zu erzählen...
Im 1. Teil des Romans nimmt die Familiengeschichte von Christian breiten Raum ein. Aus einer Richterfamilie im damaligen Oberungarn - das später an die Tschechoslowakei fällt - stammend, ist sein Lebensweg praktisch vorgezeichnet. Schicksalsschläge wie die Scheidung seiner Eltern berühren ihn als Kind eher wenig; seine Erziehung in einem Internat empfindet er als positiv. Der Vater hingegen fährt die "harte Linie", worunter besonders sein jüngerer Bruder leidet. Tradition und Einfachheit bestimmen das Leben in dieser Familie. Obwohl Christian Scheidungsrichter ist, glaubt er an die "Heiligkeit der Ehe". Da Familie alles für ihn ist, gründet er wie selbstverständlich eine solche: Bei einem Urlaubsaufenthalt lernt er eine junge Dame kennen; nach 3 Tagen hält er um ihre Hand an; nach einigen Jahre haben sie 2 Kinder. Christian könnte vollkommen glücklich sein, wenn da nicht noch etwas wäre...
Als eine Art Klammer wirkt in diesem Roman Anna Fazekas, die Frau, die sich von ihrem Mann scheiden lassen will. Je weiter man im Roman vordringt, desto interessanter wird dieser Motivstrang: Es gab ein paar - unschuldige - Begegnungen zwischen Christian und Anna, als beide noch unverheiratet waren und die mehr als 10 Jahre zurückliegen. Was bedeuten diese Begegnungen für die beiden im späteren Leben, in ihren Ehen?
Mit atemloser Spannung liest man diesen Roman, bis das Rätsel um diese Nacht aufgelöst ist. Ist es das eigentlich? Gibt es diese schicksalhaften Begegnungen, die einen (oder zwei) Menschen ein Leben lang begleiten, auch in der Wirklichkeit?
Man braucht lange, um sich von diesem Roman lösen zu können. Gäbe es einen "Postumen Nobelpreis", wäre Sandor Marai einer der ersten Anwärter!


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Der Mann im Strom: Roman - Siegfried LenzDer Mann im Strom: Roman
Siegfried Lenz

Broschiert, Mai 2008
     Verkaufsrang: 45956      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Hinrichs ist Taucher; er ist alt geworden in diesem Beruf. Fast zwanzig Jahre ist er Tag für Tag hinuntergestiegen in das trübe Wasser des Hafenbeckens, um dort seiner gefahrvollen Arbeit nachzugehen. Jetzt will er sich nicht ausbooten lassen; er will das Sausen in den Ohren, den Druck auf dem Herzen nicht zugeben, er will die Beklemmung, die er plötzlich in der Tiefe spürt, nicht wahrhaben. Um seine Anstellung nicht zu gefährden, fälscht er seine Papiere und macht sich jünger. Er tut dies mit der Entschlossenheit und Überlegung eines Mannes, der seine letzte Chance wahrnimmt.
In Der Mann im Strom hat Siegfried Lenz einen Roman von suggestiver Einfachheit und verhalten-unheimlicher Spannung geschrieben; er hat ein Problem unserer Tage aufgegriffen; das Altwerden im Beruf, die Schwierigkeiten nach dem Zenit des Lebens. Dieses Buch ist Zeitdarstellung und Zeitkritik, ohne satirische Überschärfe und tendenziöse Vergröberung.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Altes Thema - immer mehr aktuell      5 von 5 Punkten
Dieser Roman, der bereits zweimal hervorragend verfilmt wurde mit der neuesten modernen Adaption von 2006 ist eine überzeugende Darstellung des Arbeitsmarkts für ältere Berufstätige in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die so gar nicht anders wirkt als die von 2006. Daneben ist es auch eine Darstellung einer Welt in Veränderung, in der alte Werte sich auflösen und neue noch gefunden werden müssen. Und dies geschieht in diesem Buch ohne jede Hektik und Aufregung ohne action, wenn man so möchte. Denn nur wenn man solche Veränderungen be- und durchdacht angeht, wirken sie nachhaltig. Genau, wie ein Taucher an einem Wrack sich einen genauen Plan machen muss um diesen dann ganz ruhig und ohne Hektik und Eile durchzuführen. Eine Lehre, die man auch über Wasser durchaus anwenden kann.

Alt sein, was nun ????      5 von 5 Punkten
Marcel Reich Ranicki bezeichnete Siegfried Lenz einmal als "einen gelassenen Beobachter des Alltags". Damit hat Herr Ranicki den "Nagel auf den Kopf getroffen".
Es gibt kaum einen Zweiten Autoren, der so gelassen und unsentimental den Alltag beschreibt wie Siegfried Lenz. Ihm ist es wieder einmal gelungen einen alltägliches Problem anzufassen und es dem Leser so deutlich darzustellen als wäre es das Kernproblem der Menschheit.
Siegfried Lenz befasst sich in diesem Buch mit dem Alter. Mit seinem äusseren Erscheinungsbild und seinen Konsequenzen.
Weil ein alter Taucher keine Anstellung mehr findet fasst er den Entschluss sich jünger zu machen als er ist. Auf völlig unbürokratische Art und Weise fälscht er seine Papiere ohne Rücksicht auf die gesundheitlichen Probleme, die er beim Tauchen durchlebt. Wichtiger ist ihm die gesellschaftliche Anerkennung und die Tatsache, dass er noch sehr wertvoll ist.
Auf eine unheimliche und leichte Art transformiert Lenz ein fast unsichtbares gesellschaftliches Problem in einen realistischen, traurigen und doch mit Spannung geladenen Kontext, der jeden Leser aufhorchen lässt und ihn für den Alltag sensibilisiert.


Klingsors letzter Sommer - Hermann HesseKlingsors letzter Sommer
Hermann Hesse

Taschenbuch, 9. April 2008
     Verkaufsrang: 46164      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)

Expressionistisches Anders      3 von 5 Punkten
»Klingsors letzter Sommer« hebt sich, verfasst im Stil des deutschen Expressionismus, deutlich von Hesses sonstigen Schaffen ab. Leider nicht nur im positiven Sinne.

Das Buch handelt von dem Maler Klingsor, der den Zenit seines Schaffen erreicht hat, und in dessen Leben fragmentarische Einblicke gewährt werden. Die dabei auftretenden Charaktere, aber vor allem die Natur und Landschaften werden dabei mit allen Begrifflichkeiten der expressionistischen bis impressionistischen Sprachpalette nachgezeichnet, und versetzen den Leser ein einen farbenprächtigen Rausch. Die Bilder die Hesse in »Klingsors letzter Sommer«v mit seiner Sprache zeichnet, brachten ihm so zahlreiche Vergleiche mit der Malerei Vincent van Goghs ein.

Leider lassen es all die expressionistischen Bilderflüsse ein wenig des Tiefgangs ermangeln, welchen man von Hesse sonst gewohnt ist und für den man ihn bewundert.

Für Kenner von Hesse birgt »Klingsors letzter Sommer« eine interessante Facette in Hesses Gesamtwerk. Hesse-Neulinge könnten leicht einen falschen Eindruck von dessen Werk erhalten.

Für Kenner von Hesser und Freunde von Malerei.

Ein Seltsames...      2 von 5 Punkten
...Diese Erzählung unterscheidet sich sprachlich derart von anderen Werken Hesses, dass ich mich erst einmal darin zurecht finden musste. Normalerweise , - und dafür bewundere ich Hesse-, besticht sein Satzbau durch Mammutsätze, die gut und gerne eine halbe Seite lang sein können, jedoch trotz dieser Länge verständlich vom Leser aufgenommen werden können. Dieses Werk ist voll von kurzen Sätzen, die ich aus oben genanntem Grund als gewöhnungsbedürftig emfpand. Hinzu kommt, dass des Öfteren in Sätzen nicht nur ein, sondern bis zu fünf Adjektive verwendet wurden. Die schier unglaubliche Farbenvielfalt, die Hesse gebraucht um die diversen Szenen in Farbe zu setzen, erscheint mir zuviel des Guten. Auch wenn es sich bei diesem Werk zweifelsohne um ein expressionistisches handelt, empfand ich die Beschreibungen als derart überzogen, dass es mir keinen großen Spass machte das Buch zu lesen. Seltsam erscheint mir auch, dass ich die Beschreibungen trotz, oder gerade wegen der vielen Adjektive, gar nicht fassen, also vor Augen führen konnte, wie ich es sonst bei ihm gewohnt bin. Fazit: Nur etwas für eingefleischte Hesse Fans; allen anderen Rate ich davon ab!

Sommernachtsgewitter      5 von 5 Punkten
Für mich das beste Buch Hesses.

Ein Roman über einen verzweifelten und dennoch glücklichen Menschen.

Wer von den (potentiellen)(!) Lesern ist das nicht!?

Mein absolutes Lieblingbuch von Hermann Hesse.
(und ich habe (fast alle (? )gelesen)

Ein intensiver Roman voller Empfindungen und Gefühle.


eines der schönsten und ehrlichsten Werke Hesses. Eine Endzeiterzählung, die den Leser in eine süße Melancholie versetzt, aus der man gar nicht mehr heraus möchte. Für alle Hesse-Freunde ein MUSS!

Jugendlicher Ueberschwang      3 von 5 Punkten
Ja, hin und hergerissen bin ich in meinem Urteil ueber Hesse und ueber seinen Klingsor. Je mehr ich von Hesse lese, desto deutlicher tritt mir in ihm ein Mann entgegen, der sich als alt und weise empfindet, als indischer Erkennender, der sich nun, nach einem satten Leben nach seiner Jugend sehnt und jeden Tag noch so intensiv und sinnlich erleben will, wie er die Tage einst aus seiner Jugend erinnert - und genau so erscheint uns auch Klingsor der Maler.
Doch bleiben mir Hesse und Klingsor unzufriedenstellend: Aus dieser selbstempfundenen Reife heraus naemlich wollen sie nun den Leser belehren, was Leben heissen soll, wie wir die Natur empfinden sollten. Mir persoenlich wird Hesse dadurch recht unsympathisch. Ich persoenlich empfinde ihn weder als weise noch als sonderlich reif und moechte mich von ihm nicht belehren lassen. Fuer mich ist Hesse - und bombardieren Sie mich nicht gleich mit Negativstimmen, sondern bitte lesen Sie erst noch weiter, denn ich bin ja selbst hin und hergerissen und dies ist nur der eine Teil der Empfindung: - mehr ein verknitterter Verklemmter, der den Versaeumnissen seiner Jugend als alter Mann nun hinterhereilt und der sich pubertaer-infantil nach Jugendlieben und Frauenbruesten sehnt und dabei - wie Klingsor - extatisch-unverarbeitet die Natur (in zugegeben manchmal herrlich farbigen Worten) schildert. Bin ich hier zu streng?
Wie entstand dieses Buch?: Klingsor ist Hesse in autobiographischer Reinform. Der an seiner ersten neunjaehrigen Ehe gescheiterte Hesse zieht sich in ein Haus auf dem Lange zurueck, um noch einmal die Welt als Kuenstler zu erfahren. Aus dieser Schaffenszeit stammt sein Klingsor, eine expressionistische Aufwallung. Klingsor, der Maler, hat nur noch einen Sommer zu leben. Nun will er jede Sekunde auskosten, will den Mond trinken, nicht schlafen, im Weinrausch die Welt dirigieren, Frauen lieben - eben im Grudne eine zweite Pubertaet durchmachen.
Ich persoenlich konnte die Schoenheit der Naturbeschreibungen fast nicht geniessen in dieser unreflektierten lauten wilden Prosa.
Und doch tut es mir weh, hier so hart zu urteilen, denn etwas hatte Klingsor vom Zarathustra, den ich sehr schaetze, in seiner Intensitaet, der Kompromisslosigkeit und Notwendigkeit. Nur statt der wuetenden Ernsthaftigkeit des einen trug Klingsor als der andere nur Mondanbetung und Augenblicksgenuss in sich.
Hesse so hart zu verurteilen wird ihm sicherlich nicht gerecht,... Hesses "Liebesgeschichten" beispielsweise, die man auch bei amazon erwerben kann, sind von einer zarten Einfuehlsamkeit, die sich dann in der Natur wiederspiegelt, wie ich sie mag und schaetze.
In vorliegendem Buch aber ist er mir zu stuermisch, erzwingt eine Jugend aus der Sicht eines "alten, weisen, Lebenserfahrenen", die fuer mich nicht stimmig wird.
Dieses Buch wurde in der damaligen Erscheinungszeit von Jugendlichen sehr geliebt. Hin zum Augenblick, lebe jede Sekunde, Carpe Diem.
Vielleicht muss das Buch einfach das sein: ein extatisch-expressionistisches Jugendbuch voller Leidenschaft.
Aus Interesse an Hesse oder aber in jugendlichem Ueberschwang ist dieses Buch dann auch bestimmt interessant. Einen Leseversuch ist es sicher wert.

Ein Buch voller Farben      4 von 5 Punkten
In diesem Werk werden die letzten Tage und Monate des moribunden Malers Klingsor beschrieben und zwar auf eine farbenprächtige, romantische Art und Weise, mit vielen Bildern aus der Natur und der Fantasie. Das gefällt auf eine pittoreske Art, ist jedoch nur dem wirklich ästhetisch-empfindsamen Leser zu empfehlen. Das Buch ist wie die Palette eines Malers, sehr bunt, jedoch zugleich etwas melancholisch, da es sich ja um die letzten Lebenstage des Protagonisten handelt, der sich durch sein Schaffen gegen das Sterben zur Wehr zu setzen versucht. So gestaltet sich das Miterleben des Lebensendes dieses Künstlers als sehr interessant und schön. Aber mehr auch nicht.


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Die Legende vom heiligen Trinker - Joseph RothDie Legende vom heiligen Trinker
Joseph Roth

Taschenbuch, September 2004
     Verkaufsrang: 31163      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 4,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Der Zwang der Sucht.
Andreas lebt als Clochard unter den Brücken von Paris. Eines Tages schenkt ihm ein Fremder 200 Francs. Als Mann von Ehre verpflichtet sich Andreas das Geld zurückzuzahlen, doch immer wieder kommt etwas dazwischen...


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Trauriges, wunderschönes Märchen über den eigenen Untergang      5 von 5 Punkten
Wie meistens bei Joseph Roth spielt auch in dieser anrührenden Geschichte über die letzten 3 Wochen im Leben eines Pariser Clochards das Vergehen eine große Rolle.

Andreas, ein großer Trinker vor dem Herrn, erhält eines Tages 200 Francs von einem Gönner, die er 'bei Gelegenheit' der heilige Therèse in einer nahen Kapelle zurückzahlen, also stiften soll. Andreas verprasst das Geld - wie alles in seinem Leben - für Alkohol, erhält aber in den weiteren Woche immer weitere Unterstützung durch Zufälle und Bekannte. Schnell wird klar, dass es sich hier nicht um eine Erzählung, sondern um ein Märchen handelt, in dem dem schon Gescheiterten kurz vor seinem Ende noch einmal Barmherzigkeit zuteil wird. Das Ende bleibt dennoch unausweichlich.

Sprachlich feinsinnig und einfühlsam wie immer schildert Roth den Untergang, der ja auch seinen eigenen Tod symbolisiert, so wie er ihn erahnt. Weniger ironisch und weniger wehmütig als andere Werke von Roth, eher sanft kommt dieses ungewöhnliche, moderne Großstadtmärchen daher, so dass es selbst zu Weihnachten nicht aufs Gemüt schlägt. Große Literatur im Miniaturformat!


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Pnin - Vladimir NabokovPnin
Vladimir Nabokov

Taschenbuch, April 1999
     Verkaufsrang: 27952      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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„Lolita“, der Skandalroman, ist bekannter als „Pnin“, wenngleich Nabokov zumindest teilweise zeitgleich die beiden Romane schrieb. Der Roman um den tragikomischen Exilrussen scheint nur auf den ersten Blick leicht und oberflächlich. Bei näherem Hinhören tun sich menschliche Abgründe auf.

Tomofey Pnin lehrt am Waindell College russische Literatur. Obwohl amerikanischer Staatsbürger, kann er sich doch in den wenigsten Fällen nicht mit dem American Way of Life arrangieren und bleibt immer ein Fremder. Deutlichster Ausdruck davon ist sein noch immer unglaublich schlechtes Englisch. Protegiert wird Pnin von Herman Hagen, dem Leiter der Germanistik-Abteilung. Ansonsten wird er belächelt, verspottet oder sogar gemieden. Die Ironie des Schicksals will, dass er gerade, als er sich endlich niederlassen möchte, ein eigenes Haus kaufen will, Opfer des McCarthyism wird!

Ein allwissender Erzähler erzählt in der Ich-Form: Momentaufnahmen aus Pnins Leben, Anekdoten, Situationen, in denen er vergeblich versucht, mit den Wirren des Alltags fertig zu werden, reihen sich aneinander. Rückblenden, sprachliche Slapstick-Einlagen und gesellschaftspolitische Überlegungen wechseln einander dabei ab. Die Sprache trifft genau die Banalitäten und Tücken des Alltags; die Beobachtung ist geradezu detailversessen.

Genauso wie Pnin lehrte Vladimir Nabokov selbst von 1948 bis 1959 an einer amerikanischen Provinzuniversität. Er wurde 1899 in St. Petersburg als Sohn einer russischen Aristokratenfamilie geboren. Nach der Oktoberrevolution lebte er mit seiner Familie in England, wo er in Cambridge studierte, in Deutschland und dann in Paris. 1940 floh er in die USA. 1961 kehrte er wieder nach Europa zurück und lebte bis zu seinem Tod 1977 im schweizerischen Lausanne.

Ulrich Matthes hält die ganze Lesung hindurch die adäquate Stimmlage: Er liest die teilweise sehr langen Sätze mit ihrer Fracht an Beobachtung in einem hohen Ton bis zu ihrer Auflösung. Brillant auch der mühelose Wechsel in den russischen Dialekt. Man kann sich an diesen Sprachkosmos immer wieder aufs Neue anhören. Egal, welche CD man wählt, man findet hinein. Vollständige Lesung, Spieldauer: ca. 423 Minuten, 6 CD.

-- culture.text

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)

Kongenial übersetzt, kongenial gelesen      5 von 5 Punkten
Ich höre "Pnin" jetzt schon zum dritten Mal, und ich bin immer von neuem entzückt. Nabokov, einer der brillantesten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, hat mit Timofej Pnin eine Gestalt erschaffen, mit der man tiefes Mitgefühl hat, trotz, nein, vielleicht wegen all seiner Mängel. Ein Kauz, ein Gelehrter, ein Tollpatsch, ein Liebender, ein Weiser. Dieses gütige Herz, das sich in einer rauhen, ungeschmeidigen , da fremden, Sprache artikulieren muss, nimmt gefangen. Und wenn man lacht - und man lacht oft beim Zuhören -, dann mischt sich in die Komik des Beschriebenen das Vergnügen am Esprit des Autors. Pnin steht würdig neben all den anderen Gestalten unserer inneren Welt, die uns die großen Dichter erschaffen haben. - Ulrich Matthes läuft beim Vorlesen zu ganz großer Form auf. Woher kann er so gut Russisch?


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Josephus-Trilogie: Der jüdische Krieg / Die Söhne / Der Tag wird kommen: 3 Bde - Lion FeuchtwangerJosephus-Trilogie: Der jüdische Krieg / Die Söhne / Der Tag wird kommen: 3 Bde
Lion Feuchtwanger

Taschenbuch, März 2002
     Verkaufsrang: 47864      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 25,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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"Feuchtwanger macht schtig." Sddeutscher Rundfunk. Diese spannungsvolle Trilogie geh”rt in die erste Reihe der Weltliteratur. Mit den Freiheiten eines historischen Romans erz„hlt Feuchtwanger das Leben des jdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus (37 - 100 u.Z.), der vom brennenden Ehrgeiz erfllt ist, beides zu sein: Jude und R”mer, Israelit und Weltbrger. Doch die Gegens„tze drohen ihn zu zerreiáen und zerst”ren seine Familie. Er verl„át das einst so umworbene Rom und kehrt zurck an seinen Ursprung.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

** und 2 dazu      5 von 5 Punkten
Der jüdische Krieg - ein Gigant von einem Roman.
Was ist Geschichte? Für mich lange Zeit abstrakt, Zahlen, Namen, die nichts mit dem Heute zu tun hatten.
Feuchtwanger hat mich Geschichte gelehrt und Lügen und Wahrheiten aufgedeckt.
Der jüdische Krieg macht mir Lust weiter zu machen: Was war das Römische Reich wirklich? Wer sind die "Juden"?
Feuchtwangers Bücher sollten Pflichtlektüre in allen Schulen werden.


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Truman Capote - Werke: Truman Capote - Werke: Die Hunde bellen: Reportagen und Porträts: Bd 6: Reportagen und Porträts: Bd 6 - Truman CapoteTruman Capote - Werke: Truman Capote - Werke: Die Hunde bellen: Reportagen und Porträts: Bd 6: Reportagen und Porträts: Bd 6
Truman Capote

Gebundene Ausgabe, 1. Oktober 2007
     Verkaufsrang: 23906      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 29,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Die Reportagen, Porträts und Reiseskizzen eines Rastlosen  nie war Truman Capote so nah am Leben, an den Menschen und ihren Geheimnissen. Ob Haiti, Tanger, Italien oder Brooklyn, ob Marlon Brando, Humphrey Bogart oder Marilyn Monroe  mit Scharfsinn und freimütiger Neugier begegnet Truman Capote in diesem Buch den interessantesten Orten und Menschen. Dank seinem Gespür für seine Gesprächspartner und ihre Geschichten gelingt es ihm immer wieder, ihre verborgenen Seiten zu enthüllen. Die Klassiker "Kaltblütig", "Frühstück bei Tiffany" oder "Andere Stimmen, andere Räume" sind die Fixsterne in Capotes Werk, doch ebenso glanzvoll sind diese kurzen Prosatexte: Reportagen, Konversationsporträts, Reiseberichte, Stories. Sie enthalten alles, was den Schriftsteller Capote ausmacht  die Melancholie, die Beobachtungsgabe, perfekte Dialoge und eine glühende Liebe zum echten Leben. So bieten sie einen Querschnitt durch alle Schaffensperioden und zeigen die ganze Stilbreite Capotes. »Ein unvergleichlicher Stilist und Unterhalter, mit einem superben, beinahe absoluten Gehör für Dialoge.« The New York Times Book Review



Stich-Worte - Max FrischStich-Worte
Max Frisch

Taschenbuch, August 1997
     Verkaufsrang: 103143      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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'Stich-Worte' aus dem Werk von Max Frisch versammelt dieser Band, der 1975 als Jubiläumsbuch zum 25jährigen Bestehen des Suhrkamp Verlags erschien und damals nur während einer einzigen Woche erhältlich war. Was Uwe Johnson mit dieser Sammlung vorhatte, ist aus seinem Vorwort zu erfahren: Es ging ihm vor allem darum, 'aus Stichworten eine Biographie von Max Frisch herzustellen, nicht mit den üblichen Lebensdaten, sondern mit solchen, die verwirklicht wurden im Umgang mit der heimatlichen wie der deutschen Sprache, in Versuchung mit Liebe, in Verletzungen durch die Liebe, in der Ausübung von Berufen, im Nachdenken über die eigene Nation und in Bitten an sie, in Besuchen bei denDeutschen, Leben und Reisen in anderen Ländern, im Suchen nach einer eigenen Wirklichkeit, im unablässigen Suchen nach einer Manier, mit der die Menschen miteinander auskommen können'.Max Frisch, am 15. Mai 1911 in Zürich geboren, starb dort am 4. April 1991. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Dieses Buch sollte man überall hin mitnehmen!      5 von 5 Punkten
Es gibt Gedichtbände - insbesondere jene kleinen gelben von Reclam -, von denen es heißt, man solle sie überall dabei haben, dann könne man erlebte Stimmungen einfangen oder noch nicht erlebte Stimmungen erst erleben. Und es gibt Bücher, zu denen Max Frischs "Stich-Worte" zählt, aus denen man viel über sich selbst lernen kann. Von der aufwühlenden Prosa Frischs wird man zum Nachdenken angeregt, wie es kaum ein anderer Autor schafft. Und die von Uwe Johnson aufs Vortrefflichste zusammengestellten Texte - allesamt Ausschnitte und Passagen der vielen Bücher Frischs - vermögen, dem Leser die Sprach-Ästhetik Frischs und seine Verliebtheit in die gefühlvolle, manchmal verworrene und dennoch zugespitzte Formulierung näherzubringen. In jenem Widerspruch zwischen Verworrenheit und Zugespitztheit liegt auch der Reiz der Texte, denen man schnell erliegen wird, wenn man sich denn die Mühe macht, die Gedankengänge des Autor nachzuvollziehen. Nach Themen sortiert, kann sich der Leser von einem Stichwort zum nächsten hangeln, wird jedoch nicht selten ins Grübeln geraten und beginnen, das Gelesene immer und immer wieder zu wiederholen. Wer Max Frisch kennt, der weiß, daß sich mit den unumstößlichen Weisheiten, die jener neben Friedrich Dürrenmatt bekannteste Schweizer Schriftsteller des ausklingenden Jahrhunderts in seinen Meisterwerken verkündete, oftmals nicht anders umgehen läßt als so, sie zu rezitieren, über sie nachzudenken und mit anderen darüber zu diskutieren.

Dem Einwand, die in "Stich-Worte" veröffentlichten Auszüge aus Frischs Werken seien aus dem Zusammenhang gerissen, gab Uwe Johnson bei seiner Auswahl vor nunmehr 24 Jahren ("Stich-Worte" erschien bereits zum 25jährigen Jubiläum des Suhrkamp-Verlages 1975)keine Chance. Seine Zusammenstellung beweist Kenntnis und Fingerspitzengefühl. Das Leben sei, so beschrieb Frisch einmal in "Montauk" vielleicht sogar seine eigene Einsicht, langweilig. Erfahrungen mache er nur noch, wenn er schreibe. Gut, daß man dank "Stich-Worte" an diesen Erfahrungen teilhaben darf! Diese Buch sollte einem die gebundene Ausgabe wert sein. Man möchte es bald nirgends mehr missen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)



Knulp: Drei Geschichten aus dem Leben Knulps - Hermann HesseKnulp: Drei Geschichten aus dem Leben Knulps
Hermann Hesse

Taschenbuch, 3. Juli 2008
     Verkaufsrang: 17316      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

wie ein spitzwegbild      5 von 5 Punkten
Stefan Zweig hat den KNULP von Hermann Hesse mit einem Spitzweg-Bild verglichen, ein idyllisches Bild Deutschlands, das es nie gegeben hat. Der KNULP ist zu schön, um wahr zu sein. Jedoch ahnt man bereits zu Beginn des Buches, dass es mit KNULP kein gutes Ende nehmen wird. Und in der Tat tut es das. Aber trotz allem ist KNULP nicht nur ein lebensbejahendes Buch, sondern auch das beste von Hesse. Grenzenlose Schönheit, das findet man selten. Ich wäre fast versucht zu sagen, dass Hesse seine besten Erzählungen in seiner Frühzeit geschrieben hat.

Knulp - erfrischend und heiter      5 von 5 Punkten
Knulp ist eine erfrischende und heitere Geschichte von Hermann Hesse, die ich mit großer Freude gelesen habe. Knulp zieht durch die Welt, jeder kennt und liebt ihn und zweifelt doch an seinem Dasein und Tun.
Wer diesen treuen Vagabunden beherbergen darf, fühlt sich geehrt und widmet ihm höchste Aufmerksamkeit und Knulp weiß das.
Der Herrgott schenkte ihm allerhand Gaben, er war sich dieser sehr wohl bewusst, doch scherte er sich nicht darum, sondern lebte das Leben auf seine Weise. In jedem von uns schlummert ein Knulp, nämlich genau wie er, sind auch wir in gewisser Weise noch Kinder oder sehnen uns nach dieser Zeit. Auch wir würden gerne Mal dem ewigen Trott entfliehen, eine zeitlang Vagabund sein und um die Welt ziehen - ebenso würde in uns dann die Sehnsucht nach dem beständigen und bürgerlichen Leben aufkeimen. Wer Hesse liebt, wird dieses Buch lieben.

oh knulp !      4 von 5 Punkten
Waren die früheren Zeiten wirklich weniger lebenswert, als die heutigen? Oder, ist es keine Frage der Zeit, sondern viel mehr davon was man aus ihr macht und wie man sie zu erleben weiss? Ein herrliches Bucher wider der Neuzeit mit ihrer Hektik und für eine stete Suche nach lebensbejahender Aufmerksamkeit...

Das andere Deutschland      5 von 5 Punkten
Hermann Hesse zeigt dem Leser ein anderes Deutschland.
Ein sinnliches, liebevolles, nicht hektisches gar romantisches Deutschland.
Haben wir nicht alle schon mal von so einem Deutschland geträumt?
Wenn ja, dann wird es Zeit sich diesen Roman zu schnappen und zu lesesn. Es ist ein Genuss mit den Augen des Knulps das romatische
Deutschland zu durchwandern. Auch wenn der Knulp (wie Eichendorfs Taugenichts) auf den ersten Blick faul sein sollte, so überzeugt er doch durch seine individuelle Weisheit, seine Freundlickeit und Hilsbereitschaft(solange es sich nicht um körperliche Arbeit handelt).
Dieses Buch ist für diejenigen, die das Wandern und die Natur lieben und ab und zu die Arbeit vergessen wollen.

Knulp - ein besserer Mensch      4 von 5 Punkten
Die Geschichte des "Taugenichts" Knulp ist eine Geschichte voller menschlicher Wärme und zeigt eine Welt, die schön und strahlend, aber auch herb und bitter ist und einen tiefen Eindruck hinterlässt. Knulp, der Landstreicher, macht die kleine, oftmals verlogene und bornierte Welt der sesshaften Kleinbürger für jeweils eine kurze Zeit bunt und neu. So wie Knulp, ganz ohne Ergeiz und mit solcher Weisheit, sollte es mehr Menschen geben! Auch das in dieser Ausgabe enthaltene Fragment 'Knulps Ende'muss man unbedingt gelesen haben. Dagegen sind die Lithographien von Karl Walser meiner Meinung nach nicht sonderlich gelungen (bis auf einige), denn sie unterstreichen meistens nicht Inhalt oder Aussage, sondern sind einfach nur Abbild des Textes. Alles in allem ein sehr schönes Buch, eben echt Hermann Hesse.


Drei Frauen - Robert MusilDrei Frauen
Robert Musil

Sondereinband, Mai 2005
     Verkaufsrang: 51275      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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In diesen Erzählungen tastet Musil in das Dunkel jenes unfaßbaren Seins, das die Grenze unseres Menschentums umgibt und uns noch Dinge vermittelt, die schon außerhalb unseres Lebens zu sein scheinen. Drei Frauen: der Bäuerin, der portugiesischen Aristokratin und der Verkäuferin stehen drei Männer gegenüber, die durch sie ihre Tragik erleiden. Eine große Fremdheit liegt hier zwischen den Geschlechtern, und gerade in dieser Spannung zeigt sich Musils eigentliche Stärke, hineinzuwandern in die seelischen Labyrinthe und Hintergründe.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Ausgezeichnete, höchst anspruchsvolle Erzählungen!      5 von 5 Punkten
Musil gelingt es immer wieder auf meisterhafte Weise, Bewußtseinsphänomene und psychologische Vorgänge in literarischer Form zu fassen. Dabei kommt der Liebe und der ihr Entgegentretenden Schwierigkeiten eine besondere Bedeutung zu. Diese drei Erzählungen gehen die Problematik "Liebe" von unterschiedlichen Perspektiven an und gelangen zu interessanten Erkenntnissen des Phänomens, das die Menschheit seit dem ersten Tag in Atem hält.


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Wolfsblut - Jack LondonWolfsblut
Jack London

Taschenbuch, 1977
     Verkaufsrang: 53593     

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Geboren in der Wildnis des Nordens, als Jungtier von Indianern gefangen und zum Schlittenhund abgerichtet, für Schnaps an einen skrupellosen Menschen verkauft, der ihn zur Belustigung von Neugierigen in einem Käfig zur Schau stellt und zu seiner eigenen Bereicherung gegen Hunde und Wölfe kämpfen läßt, im letzten Augenblick vor dem sicheren Tod gerettet und schließlich ergebener Diener seines neuen Herrn: das ist der Lebenslauf von Wolfsblut. Früh lernt Wolfsblut eine Reihe von Gesetzen zu beachten und sich gegen seine feindliche Umgebung zu behaupten. Doch eines Tages macht der junge Wolf eine Entdeckung: er sieht zum erstenmal Menschen und fühlt instinktiv, daß er sich ihnen unterwerfen muß.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)

Zeitloser Klassiker      5 von 5 Punkten
Eine der schönsten Tiergeschichten, wenn auch streckenweise allzu anthropomorphisierend.
In diesen Zusammenhang sei auch auf Jiro Taniguchi's Manga "Der Wanderer im Eis" hingewiesen, der sowohl eine Erzählung London widmet als auch in der Geschichte "Wilder Weißer Westen" den Anfang von "Wolfsblut" in packender Weise bildlich darstellt.


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Lotte in Weimar - Thomas MannLotte in Weimar
Thomas Mann

Broschiert, April 1996
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Mit der Arbeit an Lotte in Weimar, die Thomas Mann am 11. November 1936, unmittelbar im Anschluss an den dritten Josephband begann, verwirklichte er seinen alten Traum: "...Goethe einmal persönlich wandeln zu lassen." So wird für ihn die Tatsache, dass die unsterbliche Geliebte der Werther-Zeit sich nach 44 Jahren als ehrwürdige Matrone nach Weimar aufmacht, um den Gefährten ihrer Jugendtage wiederzusehen, "ein buchenswertes Ereignis". "Das Modell ist nach so vielen Jahren immer noch nicht ganz mit dem Erlebnis fertig, und es erhofft sich aus einem Wiedersehen mit dem würdig und berühmt gewordenen Jugendfreund sozusagen ein Happy-End, eine Aussprache, die den befreienden Schlusspunkt unter die alte quälende Frage setzt: warum jene 'Liebe zu einer Braut'..." Doch sie, die nach Weimar gekommen ist, um ein wenig menschliches Verständnis zu finden, sieht sich unversehens mit der "Tragödie des Meistertums" konfrontiert.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)

Gewagt!      4 von 5 Punkten
Die Frage drängt sich auf, wieviel ein Autor von sich selbst hält, wenn er so mutig ist, sich in den größten deutschen Dichter aller Zeiten hineinzuversetzten! Nun, eines ist sicher, Thomas Mann war definitv kein bescheidener Mann!
Goethe tritt zwar erst im 7. Kapitel auf, aber dann mit einem Monolog der seinen Charakter deutlich zeichnet. Hierbei hat T. Mann viel gewagt, schließlich könnte man den Eindruck gewinnen, dass er Teile seiner eigenen Persönlichkeit in die von Goethe hat einfließen lassen.
Der Roman an sich zählt sicherlich zu den witzigsten und ironischsten Büchern des Autors. Allerdings benötigt man viel Geduld um dies heraus zu finden. Denn wie immer bei T. Mann gilt: Der Weg zur Unterhaltung führt über die Anstrengung!


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Jütländische Kaffeetafeln - Siegfried LenzJütländische Kaffeetafeln
Siegfried Lenz

Gebundene Ausgabe, Februar 2008
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Kredenzt wird die Kaffeetafel in Jütland zu vorgerückter Stunde - abends so gegen neun. Gebutterte Rundstücke, Kranzkuchen mit Rosinen, Sahnetorte mit Kirschen, Napoleonschnitten, gefüllt mit Vanillepudding; und nicht zu vergessen das Kleingebäck. Dazu literweise duftender schwarzer Kaffee. "Wir brauchen das Zeug, um gut zu schlafen", sagt der Tischnachbar zum leidgeprüften Gast und meint es bitterernst. Selten liegen herzhaftes Lachen und mitleidiges Grausen so nah beieinander wie in dieser grandios-köstlichen Geschichte.



Durcheinandertal.Roman - Friedrich DürrenmattDurcheinandertal.Roman
Friedrich Dürrenmatt

Taschenbuch, September 1998
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Moses Melker - selber steinreich - hat eine Theologie der Armut entwickelt. Er möchte die Reichen von der Last des schnöden Mammons erlösen, damit sie der Gnade Gottes teilhaftig werden. Ein Gangster-Syndikat nimmt den Gedanken auf, erwirbt im Schweizer Durcheinandertal ein Kurhotel für Millionäre und lässt es zum Haus der Armut umbauen...""Dürrenmatts Roman ist außerordentlich dicht gewoben und dürfte den Großmeister auf der Höhe seiner Erzählkunst zeigen. Dieser Roman wird als Gesellschaftssatire voller Ironie, als eine Groteske mit holzschnittartigen Elementen der Räuberpistole in die Literaturgeschichte eingehen."(Süddeutsche Zeitung)
"Ein höchst streitbarer Roman, der eine kontroverse Diskussion förmlich provoziert. Pflichtlektüre für Querdenker und all die, die es werden wollen."(Rheinischer Merkur)
"Ein aufregender theologischer und künstlerischer Parforceritt."(Neue Zürcher Zeitung)


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Dürrenmatt's fabulierte Kritik der Gesellschaft      5 von 5 Punkten
Das vom Gott und der Welt vergessene Durcheinandertal wird mit einem Schlag zu einem Nest der Verbrecher - das dortige Kurhotel wird von einem mysteriösen wie auch illegalen Syndikat zu einem Unterschlüpf für die international gesuchten Gangster verwandelt. Das Establishment wird unter dem Namen Haus der Armut" geführt und seine tatsächliche Bestimmung wird mit einem Netz von bizarren Arrangements mit der Politik, Justiz, mit Hilfe von Erpressung, Geld und Korruption geheim gehalten. So lange, bis der Frieden und die gewohnte Lebensweise der Dorfbewohner strapaziert werden. Ab dann ist der Durcheinandertal erst recht durcheinander: die Polizei jagt einen Hund; die Gangster bekommen neue Gesichter und niemand mehr kann sie auseinander halten - nicht mal sie selbst; der Gott und der Mafiaboss werden sich gefährlich ähnlich; und der Mörder wird zum Apostel eines neuen Glaubens. Das Ende des Romans lässt auf einen Akt der Selbstjustiz schließen. Das Böse wird in dem Durcheinandertal besiegt, die Dorfbewohner können zu ihren gewohnten Abläufen zurückkehren, bald ist Weihnachten.

Der Roman verbirgt eine Kritik der korrupten Gesellschaft - bestechliche Justiz, verkäufliche Anwälte und Politiker, ängstliche und inkompetente Polizisten - in der der gesunde Menschenverstand und die Grundsätze der Gerechtigkeit keine Rolle spielen. Das Werk ist schwer zu lesen, denn ausgewiesene Dialoge sind eher rar und es besteht fast hauptsächlich aus einem Fliesstext (in den auch die Dialoge integriert werden). Kurze, sehr prägnante Sätze in der Manier einer Berichterstattung dominieren den Still des Romans. Kondensiert, hoch-dosiert, man soll sich am besten Zeit zum Lesen nehmen und am besten direkt ein paar Pausen einplanen.

Nicht leicht, aber lohnend      5 von 5 Punkten
Dürrenmatts letzter vollständiger Roman hat viel mit seinem Lebenswerk zu tun. Es geht wieder einmal um die Suche nach einem unfassbaren Gott, um Religion, aber auch um derbe Bauernintrigen, eidgenössische Politik und Gaunereien. Ein ehemaliges Kurhaus dient jetzt einem Verbrechersyndikat als Versteck. Gleichzeitig richtet ein selbsternannter Heiliger darin aber eine Art Seelenheil-Anstalt für Reiche ein. Diese dürfen im Urlaub einmal arm spielen, um ihr Gewissen zu erleichtern und in den Himmel einzugehen. Gangster, Prediger und Dorfbewohner kommen sich in die Quere. Gleichzeitig spielt sich ein immerwährender Kampf zwischen dem Großen Alten (mit oder ohne Bart) und seinem Gegenspieler Belial ab. Wobei nie ganz klar ist, ob der Große Alte nun ein Verbrecherboss, der Liebe Gott oder vielleicht doch beides ist. Sicher keine leichte Kost, aber sehr inspirierend und provokativ.


Wandlungen einer Ehe - Sandor MaraiWandlungen einer Ehe
Sandor Marai

Taschenbuch, Juli 2004
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Unglaubliche 60 Romane hat er hinterlassen. Nach den unerwarteten Bestsellererfolgen der letzten Jahre mit den um 1940 erschienenen und erst am Ende des Jahrhunderts wiederentdeckten Werken Die Glut und Das Vermächtnis der Eszter werden sie jetzt einer nach dem anderen wieder (oder erstmals) aufgelegt: Sándor Márai (1900-1989) ist posthum zu einem der wichtigsten Autoren Ungarns, ja sogar Europas des 20. Jahrhunderts erklärt worden. Das eine oder andere der in dieser Márai-Renaissance ans Tageslicht gespülte Buch hat allerdings Zweifel aufkommen lassen, ob man die Bedeutung des Romanciers nicht doch etwas überschätzt habe -- zu marginal erschien so manches Werk.

In Wandlungen einer Ehe, 1941 genau zwischen dem Vermächtnis der Eszter und Glut erschienen (und 1949 bereits auf Deutsch erstmals veröffentlicht), straft Márai alle Kritiker Lügen und behauptet eindrucksvoll seinen Platz unter den Großen der Literaturgeschichte. Der dreiteilige Roman erzählt eine klassische Dreiecksgeschichte: die zwischen Mann, Frau und Dienstmädchen.

Das Spezifische dieser Konstellation sind die gesellschaftlichen Grenzen, die zwischen den Protagonisten stehen, und die zeitgeschichtliche Einbettung: Denn der Roman ist unmittelbar vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs angesiedelt. Vor diesem Europa für immer verändernden Hintergrund variiert Márai hier seine großen Themen Liebe und Verrat auf kluge, reizvolle und spannende Weise und stellt in gewohnt fesselnder und dichter Sprache die große Frage nach der Existenz und Dauerhaftigkeit echter, tiefer Gefühle. Ein großes Buch über ein komplexes Beziehungsgeflecht in schwierigen Zeiten. --Christoph Nettersheim

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Nicht einfach, aber wunderbar...      5 von 5 Punkten
Lange habe ich gezögert, dieses Buch zu lesen. Langweilig sagen die einen, schwer zu lesen die anderen. Nun habe ich es also doch gelesen - und ich habe es nicht bereut.

Die Handlung spielt in Ungarn, genauer in Budapest, in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts; der II. Weltkrieg steht unmittelbar bevor. Erzählt wird die Geschichte dreier Menschen: ein Mann, eine Frau, ein Dienstmädchen. Wer jetzt eine angestaubte Dreiecksgeschichte in veralteter Sprache erwartet, der wird - so wie auch ich - überrascht sein. Positiv überrascht. Tatsächlich handelt es sich um eine Dreiecksgeschichte, allerdings wird in Rückblenden jeweils aus der Sicht der drei Beteiligten geschildert, was geschehen ist. Das für mich faszinierende daran ist, dass es Marai gelingt, Gefühle auch aus der Sicht der beiden Frauen (und besonders der Ehefrau) so zu beschreiben, dass es überzeugend und in keiner Weise kitschig oder "erfunden" wirkt. Jede der drei Sichtweisen wirkt auf ihre ganz eigene Art verständlich und nachvollziehbar und es gelingt dem Autor, den Leser in seinen Bann zu ziehen, eine Spannung aufzubauen, die einen fast zum weiterlesen zwingt - und das, obwohl es doch eigentlich "nur" um Gefühle geht. Aber eben doch nicht ganz. Für mich verleiht der historische Hintergrund dieser Geschichte eine ganz besondere Intensität: hier geht es nicht nur um das Scheitern einer Ehe, auch die damalige Gesellschaftsordnung und ihr bevorstehender Zerfall werden sehr anschaulich beschrieben sowie die Angst der Bürgerlichen vor einer ungewissen Zukunft. Und wer Budapest kennt, wird vielleicht meine Meinung teilen, dass es eigentlich keinen besseren Schauplatz für diese Geschichte geben kann.

Marai`s Sprache fand ich weder veraltet noch schwer zu lesen oder gar unverständlich, im Gegenteil, ich finde seine Ausdrucksweise für die damalige Zeit sogar ziemlich modern. Allerdings kann ich nicht beurteilen, inwieweit dies ein Verdienst der Übersetzerin ist.

Dieses Buch ist mit Sicherheit kein leichtes Buch im Vergleich zur Popliteratur von heute, doch es ist ein unterhaltsames, spannendes, ein wunderbares Buch, das nachdenklich macht; geschrieben von einem Mann, der viel erlebt haben muß, um Gefühle so treffend zu beschreiben.

Lange Rede, kurzer Sinn: das einzige, was es nach dem Lesen dieses Buches zu bereuen gibt, ist, es nicht schon früher gelesen zu haben.


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Die Verwandlung - Franz KafkaDie Verwandlung
Franz Kafka

Taschenbuch, September 1997
     Verkaufsrang: 35330      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt".

Welch ein Satz! Ich erinnere mich, ihn in den 60er Jahren zum ersten Mal gelesen zu haben. Kafka galt in unserer Clique eine Zeitlang als jemand, den man gelesen haben mußte, um mitreden zu können. Verstanden habe ich damals eigentlich nichts. Oder fast nichts. Nur, daß etwas Ungeheuerliches geschehen war. In diesem Buch und mit mir.

Da erwacht also dieser Gregor, ein junger Handlungsreisender, der unter seinem Beruf und der Lieblosigkeit seiner Umwelt leidet, eines Morgens als riesiges Insekt. Zur Arbeit zu gehen, macht in seinem Zustand wenig Sinn. Schon taucht der erboste Prokurist auf und verlangt wütend eine Erklärung für Gregors Fernbleiben. Diese Szene, in der Gregor hinter verschlossener Tür sein Verhalten entschuldigt, seinen Käferkörper zur Tür quält und sich schließlich zu erkennen gibt, ist so haarsträubend kafkaesk, daß spätestens jetzt dieser Begriff jedem einleuchten dürfte. Gregors Familie ist angewidert, läßt den Sohn aber bei sich wohnen, bis schließlich -- nun, Sie werden es erfahren.

Keine Erklärung, nur dieser Hilfeschrei! Solche Radikalität war neu in der Literatur. Deutungen gab es viele. Gregor, wie Kafka, ein schwacher Mensch, der Tag für Tag mitansehen muß, wie diese Welt mit Schwachen umgeht, droht daran zugrundezugehen und vollzieht Die Verwandlung. Das ist seine "Rettung".

Im Jahre 1912 geschrieben, wurde Die Verwandlung noch zu Kafkas Lebzeiten veröffentlicht. Ein literarisches Jahrhundertereignis. Wie nachhaltig die Wirkung noch heute ist, läßt sich am Werk solcher Regiegrößen wie David Lynch und Polanski, um nur einige zu nennen, ablesen. --Ravi Unger

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&, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt      5 von 5 Punkten
Leser, die keinen Wert darauf legen, eine Novelle vor dem Hintergrund der persönlichen Erfahrungen des Autors zu betrachten sind bei Kafka an der falschen Adresse. Das Antimärchen Die Verwandlung handelt von Gregor Samsa, der eines Morgens erwacht und erkennen muss, dass er sich in einen Käfer verwandelt hat. Er ignoriert diese Verwandlung zunächst und ist kaum verwundert. Im Laufe der Zeit gewöhnt sich Gregor an seinen neuen Körper, er wird jedoch von Schuldgefühlen geplagt, da er bisher dir Familie alleine durch sein Einkommen ernährt hat. Der Familie gelingt es dennoch die Schwierigkeiten der veränderten Situation zu bewältigen, der Vater und die Tochter finden eine Arbeit und auch die kranke Mutter verdient ein bisschen dazu, in dem sie von Zuhause Näharbeiten erledigt. Durch die Selbständigkeit der Familie wird Gregor mehr und mehr isoliert und als Belastung angesehen. Die scheinbar heile Familienidylle treibt Gregor schließlich in den Tod. Die Verwandlung ist als eine Art literarische Lebensbewältigung Kafkas anzusehen und durchaus interessant zu lesen und zu interpretieren. Ohne die Intention des Textes zu beachten ist es abnorm sich eine Vater vorzustellen, der seinen Sohn mit einem Apfel bewirft, statt sich Gedanken darüber zu machen und zu verstehen, warum sich sein Sohn in einen Käfer verwandelt hat und welche Gründe dafür eine Rolle spielen. Betrachtet man dieses im Zusammenhang mit Kafkas Intention, so stellt man im Vergleich mit anderen Werken, wie etwa Das Urteil oder Eine kaiserliche Botschaft, fest, dass Kafka in seinen Werken das Herkömmliche durch etwas Fremdartiges interpretiert und somit die Wahrheit, die sich hinter der Fassade des Herkömmlichen versteckt hat, auf wundervolle Weise zum Vorschein bringt. Die Verwandlung in einen Käfer ist also symbolisch zu deuten. In Gestalt eines Käfers ist Gregor machtlos, es wird deutlich, dass Gregor es vorher ebenfalls schon war, die Idylle des sorgenden Sohnes wird zerstört, besser gesagt, es gab sie nie. Gregor war zeit seines Lebens seinem Vater und seinem Arbeitgeber untergeordnet. Die Verwandlung verbildlicht seine Situation und seine Minderwertigkeit gegenüber seiner Familie und Chef. Liest man die Verwandlung ohne biografisches Hintergrundwissen, bleiben also viele Fragen offen, warum etwas Gregor sich nicht über seine Verwandlung wundert. Doch nach näherer Beschäftigung wird vieles klarer, besonders die Ähnlichkeit zwischen Kafka und Gregor wird deutlich. Auch Kafka hatte eine jüngere Schwester, zu der er ein besonderes und inniges Verhältnis aufrechterhielt, Ottla. Das Konkurrenzverhalten zwischen Gregor und seinem Vater lässt sich mit dem ödipalen Konflikt in Verbindung bringen, der besagt, dass der Vater und der Sohn sich konkurrierend gegenüber stehen. Verständnisvoller wird es also, wenn man den Konflikt zwischen Kafka und seinem Vater analysiert. Auch Kafka fühlte sich nie von seinem Vater anerkannt, wie Gregor, der nie ein Lob von seinem Vater zu hören bekam, für all die Arbeit die er für die Familie erledigte. Beide waren also einer dominanten Vaterfigur untergeordnet. Kafka versuchte zunächst seine Kindheit in einem Brief an seinen Vater seine meist erniedrigenden Auseinandersetzungen mit dem Vater zu verarbeiten. Doch er fürchtete sich, diesen Brief seinem Vater zu übergeben. Mit der grandiosen Darstellung des Vater-Sohn-Konfliktes in seiner Novelle verarbeitete Kafka also seine Kindheit auf andere Weise.
Sprachlich ist sein Werk ebenfalls exzellent gelungen. Mit seiner realistischen Schreibweise und durch exakte und genaue Beschreibungen ist es dem Leser möglich, eine objektiv wertungsfreie Darstellung der Situation zu erhalten. Dialoge zwischen den Charakteren verdeutlichen das Scheitern einer Verständigung innerhalb der Familie Samsa. Die Verwandlung fordert den Verstand des Lesers heraus, man hat Angst jeden morgen selbst als Käfer zu erwachen und als Verlierer enttarnt zu werden. Das Buch zieht einen vollständig in seinen Bann vom ersten Satz: Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. bis zum letzten Und es war Ihnen wie eine Bestätigung ihrer neuen Träume und guten Absichten, als am Ziele ihrer Fahrt die Tochter sich erhob und ihren jungen Körper dehnte.



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