Klassiker des 20. Jahrhunderts

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Seite 16

Berlin Alexanderplatz - Alfred DöblinBerlin Alexanderplatz
Alfred Döblin

Gebundene Ausgabe, Januar 2004
     Verkaufsrang: 96445      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 15,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Alfred Döblins "Geschichte vom Franz Biberkopf" ist der deutsche Großstadtroman von weltliterarischem Rang. Schauplatz ist das Berlin der zwanziger Jahre - mit seinem Menschengewühl, seinem Straßenlärm, seinem Häusergewirr. Schnoddrig und sentimental, durchsetzt mit biblisch-apokalyptischen Bildern, erzählt Döblin von dem aus der Strafanstalt entlassenen Transportarbeiter, der als ehrlicher Mann ins Leben zurückfinden will. Die Stadt selbst wird zum Gegenspieler des gutmütig-jähzornigen Biberkopf, der dieser verlockenden, aber unerbittlichen Welt zu trotzen versucht.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Aussergewöhnlich geil.      5 von 5 Punkten
Zunächst zu der Ausgabe vom Fischer-Verlag: Toll! Schön aufgemacht, gutes Papier, übersichtlich, einwandfreie Rechtschreibung. So etwas nimmt man gerne in die Hand!

Vorab: Diese Rezension ist nicht hilfreich. Keine Rezension zu diesem Buch ist es. Genau deshalb schreibe ich sie.
"Berlin Alexanderplatz" ist ein so aussergewöhnlich geschriebener Roman, dass man ihn einfach nicht pauschal als gut oder schlecht bezeichnen kann. Das ist natürlich de facto bei keinem Buch möglich. Hier fällt es mir allerdings besonders auf.
Als Beweis gelten ja allein schon die sehr verschiedenen Rezensionen, die veröffentlicht wurden.
Für mich ist dieses Buch zu einem "Heiligtum" avanciert. Das war es nicht von Anfang an! Die ersten fünfzig Seiten waren im wahrsten Sinne des Wortes Arbeit. Denn Döblins Stil ist so abstrakt, setzt sich aus so vielen Einzelheiten zusammen, dass es seine Zeit braucht, um sich einzulesen. Es ist wie bei einem Lied mit schwerem Rhythmus. Den muss man erstmal einige Zeit anhören, um ihn zu verstehen. Dann macht das Tanzen aber umso mehr Spaß!
Genauso habe ich es beim "Alexanderplatz" empfunden. Es ist ein bisschen Ausdauer nötig, um in den Stil hineinzufinden. Wenn man dann aber drin ist! Wow!
Mich hat dieses Buch vor allem begeistert, weil es aufgrund der Montagetechnik und der manchmal scheinbar willkürlich zusammengesetzten Teile eine Stimmung erschafft, die mich völlig in die 20er Jahre gesogen hat. Außerdem wird durch diese Stilmittel die Aussage auf schönere Weise klarer, als es im herkömmlichen Roman möglich wäre. Das beste Beispiel ist hierfür die Situation nach der Armamputation an Franz. Es wird dargelegt, wie er weint, verzweifelt ist, sich nicht traut, den Grund für das Geschehen auszusprechen. Und mittendrin in dieser Atmosphäre, die Mitleid beim Leser hervorruft, kommt der Einschub: Döblin nennt Zahlen aus einem Schlachtbetrieb. Wie viele zehntausende Rinder, Schafe etc. abgeschlachtet werden. Das wirkt wie eine Ohrfeige. Wieso haben wir gerade mit einem Menschen Mitleid, nur weil er einen Arm verliert?
Dafür liebe ich diesen Roman! Für die unerbittliche Ehrlichkeit, die aber das Wichtigste nicht vergisst: Ja, Döblin schildert eine düstere Welt. Das Buch wirkt auf mich aber nicht depressiv. Es ist vielmehr von einer großen Menschenliebe geprägt.

So sehe ich Döblins Werk. Und ebenso kann ich es verstehen, wenn Leute damit überhaupt nichts anfangen können. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, dessen Stil mir so Typ-abhängig erschien. Denn das Buch lebt von einem völlig unormalen Stil. Und es ist logisch, dass gerade darum keine allgemeingültige Bewertung stattfinden kann.

Viele schreiben, dass sie viel zu lang für das Buch gebraucht haben. Auch ich habe es nicht in einem Haps verschlungen. Aber bei mir war es sogar anders: Es tat mir leid um jede Seite, die ich gelesen hatte, denn damit näherte ich mich dem Ende.

Was ich mit all dem ausdrücken will: Dieses Buch muss man ausprobieren! Keine Rezension hilft weiter. Aber nicht umsonst zählt es zu den großen Werken des 20. Jahrhunderts. Und wenn man es schafft, in dieses Buch hineinzuschlüpfen... dann gnade einem Gott! ;-)


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Der Weg ins Freie - Arthur SchnitzlerDer Weg ins Freie
Arthur Schnitzler

Taschenbuch, Oktober 2000
     Verkaufsrang: 175514      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Schnitzlers großer Zeitroman entwirft ein breitgefächertes Panorama vom Leben in der Wiener Gesellschaft des Fin de siecle. Im Rahmen einer höchst modernen Wahrnehmung des Nebeneinander, die sich jeder eindeutigen Bewertung der Figuren und ihres Verhaltens verweigert, werden die Aussichten der Liebe und der Kunst am Beginn der Moderne erkundet. Am Beispiel des allgegenwärtigen Antisemitismus verfolgt Schnitzlers Zeitporträt aber auch den sich dramatisch...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Zeitloser Zeitroman      5 von 5 Punkten
Arthur Schnitzlers erster Roman "Der Weg ins Freie" (1908) ist ein atmosphärisch dichtes und facettenreiches Panorama der bürgerlichen und jüdischen Gesellschaft einschliesslich des politischen Lebens in Wien in den Jahren 1898/99, also am Fin de Siècle. Der Roman bietet einen etwas nostalgischen, aber nicht altmodischen Blick auf eine untergegangene Gesellschaft des kaiserlichen Wiens, worin die Menschen und ihre Beziehungen untereinander im Zentrum stehen. Das Buch beschreibt auch den alltäglichen Antisemitismus und die verschiedenen Reaktionen der jüdischen Protagonisten darauf, und zeigt so die Wurzeln des Nationalsozialismus des Österreichers Hitler auf. Nach dem Erscheinen wurde der Roman als Schlüsselroman mit Skandalpotenzial gelesen. Tatsächlich wollte Schnitzler keinen Enthüllungsroman schreiben, selbst wenn er sich bei der Figurengestaltung auf lebende Personen der Wiener Gesellschaft abstützte. Diese veränderte er allerdings so in seinem Sinne, so dass moderne Charaktere entstanden sind, zeitlose und allgemein gültige Idealtypen. Bei Schnitzler muss schliesslich immer wieder auf die Sprache hingewiesen werden. Das österreichisch geprägte Hochdeutsch ist der pure Wohlklang in den Ohren der Leser.
Im Zentrum steht das Verhältnis zwischen Georg und Anna, das sich an die eigene Biographie Schnitzlers anlehnt. Der junge Adlige Georg Freiherr von Wergenthin betätigt sich nach dem frühen Tod seiner Eltern als Komponist und ist auf der Suche nach einer Stelle als Kapellmeister. Wirklich erfolgreich ist er allerdings nicht, ihm fehlt das Können, der Ehrgeiz und die Selbstdisziplin. So erstaunt es nicht, dass er äusserst unproduktiv ist. Er ist eine schwache Persönlichkeit, der Entscheidungen aus dem Weg geht. Er mogelt sich irgendwie durch die bessere Gesellschaften, surft herum und hält sich immer raus, bezieht nie richtig Stellung, geht unbeteiligt und distanziert durchs Leben. Als ambivalente Persönlichkeit ist er ein völlig moderner Charakter. Ganz anderes ist übrigens sein Bruder Felician, der sehr zielstrebig seine Karriere als Diplomat verfolgt. Bewegung kommt erst ins Spiel, wie Georg auf die eher bodenständige und gewissenhafte Anna Rosner trifft. Diese wird von ihm schwanger, aber er kann sich nicht für sie entscheiden. Er ist nicht liebesfähig und völlig beziehungsschwach. Nach einer Reise nach Lugano kommt das Kind tot auf die Welt. Die existenziellen Erlebnisse bringen Georg zwar persönlich weiter, aber wirklich geläutert ist er nicht. Er bleibt die gleich handlungsschwache Person wie am Anfang und die Suche nach dem Sinn des Lebens geht weiter. Der Weg ins Freie mündet darin, dass er sich der Wiener Gesellschaft entzieht und wegzieht.


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Nicht nur zur Weihnachtszeit - Heinrich BöllNicht nur zur Weihnachtszeit
Heinrich Böll

Taschenbuch, März 1998
     Verkaufsrang: 51541      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Bölls "Weltkrieg-Zwo-Weihnachtsalbtraum", seiner Satiresammlung Doktor Murkes gesammeltes Schweigen entnommen, ist auch heute noch ein Krippen-Spiel der schrägsten Art.

Vorfestliche Erregung im gut betuchten, großbürgerlichen Heim von Tante Milla, die das Schmücken des Baumes überwacht, dem Hauptakteur dieser Weihnachtsgroteske und Millas ein und alles. Gläserne Zwerglein dürfen in den Zweigen nun wieder mit winzigen Korkhämmerchen auf noch winzigere Glöckchen eindreschen. Hoch droben auf der Tannenspitze krächzt ein mechanisches Engelsmonstrum in regelmäßigen Abständen das Wörtchen "Frieden" in die Stube, frohe Kunde unerschütterlicher Krippenseligkeit in deutschen Wohnzimmern. Ringsum schlagen derweil die Bomben ein, der Erste Weltkrieg hat begonnen! Die Erschütterungen der nächtlichen Bombenangriffe bringen die putzigen Scheußlichkeiten so oft zu Fall, dass Onkel Franz beschließt, Weihnachten während der Kriegsjahre künftig baumlos zu verbringen ("fremdländische Ballistiker löschten seine Existenz vorübergehend aus"). Leider damit auch Tante Millas Lebenswillen.

Eine bessere Wahl, als den sperrigen Kölner Ex-Regierungspräsidenten und heutigen Talkmaster Franz-Josef Antwerpes zum Erzähler -- dem Neffen der Tante -- zu machen, konnte man gar nicht treffen. Sein stoisch rheinischer Singsang entbehrt zwar jeglicher Sprecherprofessionalität, ist aber von einer schlitzohrigen Treuherzigkeit, die dieser Geschichte den echt kölschen Böll-Sound verleiht.

In Millas Heim beginnt die eigentliche Katastrophe erst nach dem Krieg: Weihnachten 1945, der Baum steht wieder. Kaum aber schickt sich Onkel Franz am Dreikönigstag an, das Nadelgehölz zu entsorgen, verfällt Tante Milla angesichts des neuerlichen jähen Baumverlustes in einen wochenlang andauernden Schreikrampf. Neurologen werden bemüht, sogar einen Exorzisten zieht man in Erwägung, bis Onkel Franz schließlich die erlösende Idee hat. Tante Milla ist zufrieden, die Familie aber treibt unaufhaltsam Zerfall und Wahnsinn entgegen. Und ewig hämmern die Zwerge. Eine CD, Spieldauer: 63 Minuten. --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)

Antwerpes meets Böll - wunderbar!      5 von 5 Punkten
Ich muss meiner Vor-Rezensentin auf's Entschiedenste widersprechen:
Denn ich finde, dass Franz-Josef Antwerpes' Stimme genial zu Heinrich Bölls legendärer Weihnachtssatire passt! Rheinischer Sing-Sang ist perfekt für diese bitterböse Abrechnung mit den Traditionswächtern rheinisch-bürgerlicher Provenienz!

Tante Milla hat vom zweiten Weltkrieg nicht allzu viel mitbekommen. Der Familie geht es gut und ihr Mann - der herzensgute Onkel Franz - hat alles getan, ihr die Wirklichkeit des Krieges vom Leib zu halten. Einzig der Verzicht auf den Tannenbaum, dem Herzstück der weihnachtlichen Zeit, empfindet die alte Dame als schmerzlich. Umso ehrgeiziger feiert sie nach Kriegsende mit sämtlichen alten Traditionen ihr Lieblingsfest. Doch jede Weihnachtszeit hat einmal ein Ende, nur Tante Milla kann sich nicht damit abfinden. Sie schreit unablässig und kein Arzt kann helfen. Bis Onkel Franz - der Herzensgute - auf die "Tannenbaumtherapie" verfällt, die den Zustand Tante Millas schnell wieder bessert. Nun beginnt ein Alptraum für die ganze Familie, denn nun wird jeden Abend Weihnachten gefeiert, ob Ostern oder Karneval, Sommer oder Erntedank -- Tante Milla ist nur glücklich, wenn der Engel an der Christbaumspitze "Frieden" flüstert. Der Verfall der Familie schreitet jedoch unaufhaltsam voran...

Heinrich Bölls Geschichte ist nicht nur ein Muss für alle Freunde der Satire und für Weihnachtskritiker. Sie spiegelt auch ein Stück Nachkriegsliteratur, die heute schon so gut wie vergessen ist. Heinrich Böll hat hier alle seine schriftstellerischen Fähigkeiten gebündelt und ist so ironisch-ketzerisch, dass man auch fünfzig Jahre später seine helle Freude an dieser kurzen, von Franz-Josef Antwerpes so authentisch vorgetragenen, Geschichte hat!


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Der alte Mann und das Meer - Ernest HemingwayDer alte Mann und das Meer
Ernest Hemingway

Gebundene Ausgabe, 29. September 2006
     Verkaufsrang: 11728      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 11,80 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Mit dem vorliegenden Werk erreichte Hemmingway einen Gipfel seiner Erzählkunst. In dieser Geschichte von dem alten Fischer, dem nach Monaten glückloser Ausfahrt endlich ein riesiger Fisch an die Angel geht und der diesen Fang seines Lebens in einem erschöpfenden Kampf wieder an das Meer und seine Haie verliert, durchdringen sich große Wirklichkeit und Symbol.Ernest Hemingway, 1899 als Sohn eines Arztes in Illinois (USA) geboren, ging 1921 als Journalist nach Europa und in den...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)

Unübertreffbar      5 von 5 Punkten
Die Meinungen über dieses Buch mögen auseinander gehen. Für mich jedoch steht fest: Hemingways Geschichte vom Fischer Santiago sind die schönsten Worte, die jemals auf Papier gedruckt worden. Die einsame Schlacht gegen die Natur, welche sich gegen den alten Fischer verschworen zu haben scheint, zeigt, daß er eben doch "salao", vom größtmöglichen Pech verfolgt, ist. Dennoch: Er hat mit allem, was ihm blieb, dagegen angekämpft und seine Würde zu keiner Sekunde verloren.

"Der alte Mann und das Meer" ist - und das muß man eben auch berücksichtigen - ein zutiefst männliches Buch, aus dem zeitweise das Testosteron herauszufließen scheint.

Er spie in den Ozean und sagte: <>


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Traumnovelle - Arthur SchnitzlerTraumnovelle
Arthur Schnitzler

Gebundene Ausgabe, Januar 2006
     Verkaufsrang: 187515      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Die Geschichte einer Ehe in faszinierenden und beklemmenden Bildern: Nach den unheimlichen erotischen Erlebnissen einer Nacht - seinen in einer traumhaften Wirklichkeit und ihren im Traum - erkennen beide ihre unerfüllten Wünsche und Begierden und finden einen Weg aus der Krise.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Auf dem schmalen Grat zwischen Traum und Realität      5 von 5 Punkten
Arthur Schnitzlers Traumnovelle beschäftigt sich wie schon der Name vermuten lässt vorwiegend mit Träumen und traumgleicher Realität. Nach den turbulenten, einen seltsamen Traum gleichen, Ereignissen eines Maskenballs sehen sich Albertine und ihr Mann Fridolin gezwungen sich wieder einmal so richtig auszusprechen.

Im Verlauf ihres Gespräches erfolgt die tiefgehende Schilderung ihrer letzten Urlaubserlebnisse, die typisch für Schnitzler eindeutige sexuelle Anspielungen enthalten. Das Gespräch legt auch dar, wie die beiden Ehepartner zueinander stehen und lässt erahnen wie sich die Geschichte schon bald entwickeln wird. Mit dem Versprechen sich solche Erlebnisse in Zukunft immer gleich zu erzählen versucht Fridolin das Gespräch zu beenden, doch Albertine erwähnt noch ein anderes verschwiegenes Erlebnis, dass noch in ihre Jugendzeit zurückreicht. Das Dienstmädchen unterbricht die beiden jedoch, denn soeben hat sie die Botschaft erreicht, dass ein Patient Fridolins, ein wichtiger Hofrat, einen Herzanfall erlitten hat und im Sterben liegt. Fridolin verabschiedet sich von seiner Frau, doch als er beim Hofrat angekommen ist und dessen Tochter ihn empfängt, kann er nur noch den Tod des alten Mannes feststellen. In ihrer Verzweiflung offenbart ihm die Tochter seines verstorbenen Patienten schließlich dass sie ihn liebt, obwohl sie widerwillig mit einem Universitätsdozenten verlobt ist. Sie verrät ihm weiters, dass sie wegziehen werden und wie unglücklich sie mit ihrem zukünftigen Mann jetzt schon ist. Als die ersten Trauergäste, der engere Kreis der Familie, eintreffen muss Fridolin jedoch gehen. Während er durch den Park spaziert ist er so in Gedanken versunken, dass er es gar nicht merkt, wohin ihn seine Schritte führen und plötzlich steht er in einer Gasse. Dort findet er mehrere Dirnen vor, von denen eine ihn in seinen Bann zieht. Sie gehen in ihr Haus, wo sie sich als Mizzi vorstellt. Anders als zu erwarten lehnt er ihre Angebote jedoch ab und bittet sie ihm doch stattdessen etwas zu erzählen. Nachdem er Mizzi wieder verlassen hat, führt ihn sein Weg in ein Kaffeehaus wo er auf einen alten Freund und Studienkollegen trifft, der ihm von einer mysteriösen Veranstaltung berichtet, zu der er als Klavierspieler eingeladen ist. Fasziniert von den Ausführungen seines alten Freundes beschließt Fridolin kurzerhand sich auch auf diese Feier zu schleichen.

Selbst mit anderen Werken Schnitzlers verglichen ist die Traumnovelle ein überaus komplexes Buch, welches viel Freiraum für Interpretationen lässt. Selbst Sigmund Freud soll sich einst Gedanken über dieses Buch gemacht haben und das tut dieses Werk auch heute noch. Ob es nun an diesem Verschwimmen von Realität und Traum liegt oder Schnitzlers Fähigkeit eine Geschichte nicht bloß zu erzählen, sondern tiefsinnig nachempfinden zulassen, ist eine Frage für sich, erfolgreich und faszinierend ist dieses Werk ohnehin.


Die Ermordung einer Butterblume: Und andere Erzählungen - Alfred DöblinDie Ermordung einer Butterblume: Und andere Erzählungen
Alfred Döblin

Taschenbuch, Juni 2004
     Verkaufsrang: 97612      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Ob es um Die Ermordung einer Butterblume geht, um Die Nachtwandlerin oder Das verwerfliche Schwein, in jeder Erzählungen zeigt Döblin ein anderes Gesicht. In diesen Kabinettstücken tiefenpsychologischer Schilderung schlägt der tragische Ernst in den trockenen Humor einer hintergründigen Frivolität um...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Ein Meisterwerk      5 von 5 Punkten
Döblins 'Die Ermordung einer Butterblume' ist meine kleine Bibel geworden. Noch nie habe ich ein Buch angetroffen, das mich in seiner Ganzheit so fasziniert hat. Döblins ausdrucksvolle, intensiv-sinnliche Sprache, seine verstörenden Geschichten, seine tiefgründigen, aber doch ganz unverbrauchten Allegorien sind unvergleichlich. Natürlich muss man mit der expressionistischen Literatur einigermassen vertraut sein und diese verstörendste, nackteste, ehrlichste Strömung verstehen und fühlen, um zu Döblins Werk einen Zugang zu haben. Döblin, der Nervenarzt war, geht nicht zimperlich um mit den Gefühlen seiner Leser, baut auf Absurditäten und Schockwirkungen und dringt wie kein Zweiter in die erschreckend hässlichen Abgründe der menschlichen Seele vor. Sein Buch ist wahrlich 'die Axt für das gefrorene Meer in uns'.

Facetten eines großen deutschen Erzählers      4 von 5 Punkten
Alfred Döblin (1878 - 1957) ist, so seltsam das klingen mag, der große Unbekannte der deutschen Literatur. Wie das, werden Sie fragen, jedermann kennt doch den Autoren von "Berlin Alexanderplatz".
Das ist richtig, aber Döblin war einer der wandlungsreichsten Autoren des 20. Jahrhunderts, und die Geschichte des Franz Biberkopf zeigt uns nur einen Aspekt des Berliner Romanciers. Man kann sagen, dass Döblin sich in jedem Jahrzehnt seines Lebens neu erfunden hat, und die in diesem Band versammelten Texte legen davon Zeugnis ab.
Wenngleich sich in der kurzen Erzählung die eigentlichen Stärken Döblins nicht unbedingt entfalten können, lohnt sich die Lektüre dennoch unbedingt, und sei es auch nur als Vorbereitung auf seine Meisterwerke "Die drei Sprünge" und "Wallenstein".


Die Auflehnung: Roman - Siegfried LenzDie Auflehnung: Roman
Siegfried Lenz

Taschenbuch, Februar 2006
     Verkaufsrang: 185903      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Unterwerfung oder Auflehnung? Diese Frage stellt Siegfried Lenz in seinem Roman. Sie stellt sich auch den beiden Brüdern Frank und Willy Wittmann. Frank ist Teichwirt. Eines Tages sieht er seine Existenz und sein Lebenswerk von Rivalen bedroht, die allerdings das Recht auf ihrer Seite wissen. Frank weigert sich, diese Tatsache zu akzeptieren. Er lehnt sich auf. Sein Bruder Willy ist ein international anerkannter Teekoster. Als er entdeckt, daß sein Urteilsvermögen nachläßt, kündigt er bei seiner Firma und zieht sich zurück. Gleichwohl will er den Verlust seiner Fähigkeit nicht akzeptieren und forscht nach den Ursachen. Dabei muß er die Erfahrung machen, daß es Auflehnung gibt, die sinnlos ist.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Herbe Verluste      5 von 5 Punkten

Willy Wittmann übt den Beruf des Teekosters bei einer Hamburger Weltfirma aus. Als er die Fähigkeit verliert, sichere Geschmacksurteile abzugeben, kündigt er seine Stellung und zieht sich auf das ländliche Anwesen seines Bruders zurück. Hier sucht er neue Perspektiven für die Altersphase seines Lebens. Frank Wittmann hat die Teichwirtchaft vom Vater übernommen. Auch er ist von einem herben Verlust bedroht, der ihm und seiner Familie die ohnehin karge materielle Basis entziehen kann: Kormorane fressen ihm die Fische aus seinen Teichen.

Wider besseren Wissens hofft Willy, daß sich seine Geschmacksnerven regenerieren werden. Bald aber muß er einsehen, daß ihm der Verzicht auf seinen bisherigen Lebenssinn abverlangt wird. Er findet zu seiner Form des Aufbegehrens... Und Frank, ein oft bitterer Mann, holt seinen alten Karabiner hervor und nimmt den Kampf gegen die Kormorane auf. Da diese unter Naturschutz stehen, muß er mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Dennoch zögert er keine Sekunde ...

Siegfried Lenz hat auch in diesem Roman an seiner Schreibkonzeption der erinnernden Literatur festgehalten. Zwar gibt es eine ausgedörrte wie auch eine spröd-liebevolle Ehe, eine altersscheue Liebe, Liebesverrat, Vergewaltigung, schwere Unfälle auf hoher See, Schlägerei, Diebstahl, Brandstiftung, Fischvergiftung... Trotzdem hat Lenz seinen Stoff nicht im Gewusel des aktuellen Tagesgeschehens gesucht und zu Spannungshäppchen arrangiert. Bestimmend bleibt die Einbettung der Vorfälle in einen ruhigen, breiten Erzählstrom, der von einer genau recherchierten Detailtreue geprägt ist. Faszinierend die zahlreichen Naturbilder, die den Roman durchsetzen. Nur wer die Landschaft von Schleswig über Arnis und Kappeln bis zur Ostsee entlang der Schlei kennt, wird den Facetten-Reichtum des Werkes genau erfassen können.


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Aus dem Leben eines Fauns: Kurzroman - Arno SchmidtAus dem Leben eines Fauns: Kurzroman
Arno Schmidt

Broschiert, Mai 2005
     Verkaufsrang: 41321      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Ganz eigene bildhafte Sprache ...      5 von 5 Punkten
Das Leben eines Fauns ist ein Buch auf das man sich unbedingt einlassen sollte. Am Anfang macht einem die ganz eigene Art wie es geschrieben ist vielleicht ein paar Schwierigkeiten. Es gibt da ein kurzes Stichwort und dann folgt eine Beschreibung. Das Buch entwickelt eine besondere Spannung- Naturbeobachtungen in der Lüneburger Heide (lasst Euch nicht abschrecken) wechseln mit Situationen auf dem Amt, bei der Arbeit des Beamten Düring, der während der NS-Zeit damit beauftragt ist, ein Archiv zur Heimatgeschichte seines Landkreises anzulegen. Dabei stößt er in alten Akten auf die Geschichte über einen Deserteur der Armee Napoleons, der sich unweit im Moor über lange Jahre versteckt gehalten hatte. Der, übrigens hoch gebildete und dem NS-System völlig ablehnend gegenüberstehende, kleine Beamte Düring, identifiziert sich mit dem Deserteur und macht tatsächlich noch sein ehemaliges Versteck im Moor ausfindig..
Diese Geschichte hat einige sprachliche Besonderheiten und Leckerbissen, teils eine ganz eigene bildhafte an den Expressionismus (besonders bei der Bombardierung der Chemiefrabik gegen Ende) erinnernde Sprache zu bieten. Es wird auch stark an die ländliche Norddeutsche Mentalität und Sprache angeknüpft.
Das Buch ist, wie ich später noch gelesen habe, Teil der Trilogie "Nobodaddys Kinder" - den Rest werde ich mir bei Gelegenheit auf jeden Fall auch noch anschauen.. Übrigens macht das Buch richtig Lust, auch mal in alten Archiven herumzuforschen ;)

monstrosities interspersed with purple-patches      3 von 5 Punkten
A writer's biography has to record the development of his style. This is the only matter that counts. The rest is incidental - such as human interest, and opinions. Dogs have fleas, people have opinions. Many people have plenty of opinions. Authors, even great authors, in this respect, are not different from the rest of us. So once the undeniable charm of the first reading has faded to the background I am left with a niggling feeling. Something is wrong here.

Think of it: the protagonist a civil servant who somehow shields his privacy from the snares of a totalitarian government doesn't feel a thing for his children nor his wife, but starts an affair with an under aged school-girl. I can see the estrangement with his wife - this sort of thing happens all the time - I can also see the sexually frustrated Düring lusting after the Lolita from the neighborhood (it would have been artistically so much better NOT actually to find Düring be able to consumate this relationship) but to see Mr. Düring so barely interested in his own children, clearly indicates a pathologically frozen character, especially if held up to the rest of the evidence.

There is very little to like about Düring, but that shouldn't matter. There is nothing to like about Nabokov's Humbert Humbert either. But Nabokov makes it very clear that Humbert Humbert is a criminal predator; however Schmidt's small town "faun" despite of his intellectual presumptuousness is just as predatory and emotionally an empty shell. Käthe better looks out.

This author had serious flaws in the character department; perhaps not of himself, but where it really matters: in his book. There is only one fully developed character: the first person protagonist, who makes us see everything through his own eyes. The rest of the lot, even Käthe wither on the fringes in a kind of cardboard existence. Notice how little is coming through from the mere appearances of Düring's wife, his son, his daughter. The occasional tree shows more character than Schmidt's people.

I mean, the logic of events may indeed dictate that Düring doesn't take much interest in his children and wife. But it is unforgivable that Mr. Schmidt, the writer, is showing even less interest in his characters, which is an artistic failure. A flaw this book has in common with most of Schmidt's books: That he can do better I know from "Kaff" even "Kühe in Halbtrauer." And yes: the brilliance of the delivery, this inimitable style makes us overlook these gaping holes in the underpinning structure. We read on, charmed by Schmidt's verbal powers, but in the end put down the book, feeling betrayed.

A lot of promise - little delivery. Obviously this was not Schmidt's kind of story.

Liebe und Geist in Zeiten der braunen Pest      5 von 5 Punkten
Faun, das römische Pendant zu Pan, ist der in den Wäldern lebende Naturgott, Beschützer der Herden. Die Hauptfigur Dühring ist Beamter im Dritten Reich und soll ein zentrales Archiv der umliegendes Dörfer erstellen. Seine Frau und Kinder himmeln den Führer an, er, der schon den ersten Weltkrieg erlebt hatte, ist unempfänglich für alle Ideologie: "Alle Politiker, alle Generäle, alle irgendwie Herrschenden oder Befehlenden sind Schufte! Ohne Ausnahme! Alle!". Umgeben von feisten Vorgesetzten, stiernackigen Faschisten und trottligen Lemmingen pflegt Dühring einen aggressiven Misanthropismus, der lediglich Käthe, "die Wölfin" ausspart, ein elfenhaftes Schulmädchen. Bei seiner Arbeit stößt er auf Hinweise, daß sich zur Zeit der napoleonischen Besatzung ein Deserteur im nahegelegenen Sumpf versteckt gehalten habe, und tatsächlich findet er dessen Unterschlupf und beginnt ein Doppelleben zu führen: als fleißiger Beamter, der pflichtschuldig seinen Dienst tut, und als Faun mit Käthe, fern aller Macht und Politik. 1944 schließlich ist man aufmerksam geworden, und eine Durchsuchung des Sumpfes wird angeordnet. Vorher jedoch wird die angrenzende Pulverfabrik vom amerikanischen Verbänden bombardiert, und die seitenlange Beschreibung dieses Infernos hat Literaturgeschichte geschrieben: "Alle Bäume als Flammen verkleidet: eine Hausfront stolperte drohend vor, mit seidenrotem Schaum vor dem Mauleck und flackernden Fensteraugen. Haushohe Eisenkugeln rollten Getöse um uns, schwärzliche, deren bloßer Schall schon tötet! Ich sprang mich an Käthe, wickelte sie mit zähen Armen ein: von der Nacht riß die Hälfte ab, und wir fielen tot zu Boden ob des Donners." Der Nationalsozialismus erscheint in diesem Buch nur als eine der Spielarten menschlicher Dummheit, schreckliche Kulisse einer zarten Liebesgeschichte und des intellektuellen Überlebenskampfes Dührings. PS: Wer allgemein Gefallen an Schmidt findet, sollte die Anschaffung der unglaublich günstigen Studienausgabe seiner Werke im Haffmanns-Verlag erwägen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)



Der Koloß von Maroussi: Eine Reise nach Griechenland - Henry MillerDer Koloß von Maroussi: Eine Reise nach Griechenland
Henry Miller

Taschenbuch, Januar 1997
     Verkaufsrang: 39682      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Henry Millers berühmtes Griechenland-Buch entstand 1940, nachdem er im Jahr zuvor fünf Reisemonate in dem mythenträchtigen Land verbracht hatte. Ein faszinierender Erfahrungsbericht, in dem die archaische Landschaft, die Welt der klassischen Mythen von der wilden Phantasie Millers neu belebt und durchtränkt wird. Zugleich liest sich sein Buch als das Dokument eines Reinigungsprozesses, an dessen Ende Miller etwas von der Heimat und dem Frieden erfährt, den zu finden sein ruheloser Geist ausgezogen war.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Ein Muss für Griechenland Liebhaber      5 von 5 Punkten
Jeder der Griechenland und seine Bewohner zu schätzen gelernt hat, wird dieses Buch mit Hochgenuss lesen. Miller gelingt es in seiner emotionalen und bilderreichen Sprache zu beschreiben, was man selbst an manchem der Orte die Miller aufsucht, vielleicht so oder so ähnlich ebenso gefühlt haben mag...
Historisch interessant ist, dass Miller Griechenland während der Metaxas Diktatur und dem Konflikt mit Italien besuchte, was in den Bericht immer wieder einfliesst. Millers immer wieder eingestreute fundamentale Kulturkritik an seinem eigenen Land, den USA, klingt teils so erschreckend aktuell, als wäre sie erst gestern in der Zeitung veröffentlicht worden.
Eine poetische Liebeserklärung an die Wiege der europäischen Kultur und ihre Bewohner.


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Das Blut der anderen - Simone de BeauvoirDas Blut der anderen
Simone de Beauvoir

Taschenbuch, April 1963
     Verkaufsrang: 38133      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Dieser Roman der großen, mit dem "Prix Goncourt" ausgezeichneten französischen Autorin schildert mit dramatischer Spannung die Zeit der Resistance, in der die junge Intelligenz in tragischer Verstrickung das Bewußtsein der Verantwortung für die anderen gewann.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Verantwortlich für alles      5 von 5 Punkten
In Simone de Beauvoir's Werk Das Blut der anderen" geht es um die Zeit des Zweiten Weltkrieges aus Frankreich's Perspektive. Der Faschismus überrollt Europa und auch Frankreich wird Opfer. Der bürgerliche Sohn Blomart und seine Freunde wollen nicht Rädchen in einer Maschinerie sein und lehnen sich auf, gegen die Bewegung des Terrors, gegen die Vergasung tausender Juden. Dabei muss aber offenbar unweigerlich weiteres Blut vergossen werden - das Blut der anderen. Indem Blomart und seine Freunde sich zu terroristischen Akten entschließen, die Aufmerksamkeit erzeugen sollen, entschließen sie sich auch dafür, dass noch mehr Blut fließt. So heißt es auch immerzu: entscheide dich. Gehe vorwärts, handle.

Der Roman erzählt von geistigen Gewissensbissen, erzeugt durch die, die zu Schaden kommen, die, die sterben müssen. Eine der Protagonistinnen, Hélène, liebt Blomart, er sie zunächst aber nicht. Er entscheidet sich aber, an ihrer Seite zu leben, weil er sie damit glücklich machen kann. Irgendwann entscheidet Hélène, auch bei den gewalttätigen Aktionen mitmachen zu wollen. Blomart erlaubt es ihr - sie stirbt durch eine Aktion. Teils etwas verwirrend zappt das Buch durch die Zeit, geht immer wieder vom Sterbebett aus, auf dem Hélène gerade liegt, lässt Blomart über seine Schuld nachgrübeln, zitiert Dostojevski, dass jeder Mensch für alle und alles verantwortlich sei. Am Ende beteuert Hélène, dass sie nichts bereue und es ihre eigene Entscheidung gewesen wäre. Blomart will ihr glauben und entschließt zuletzt, weiter morden zu wollen - weil er muss, und obwohl seine bürgerliche Mutter ihn innerlich verflucht. De Beauvoirs Sprache macht es einem leicht, im Kopf Bilder von einem zerbombten Frankreich erstehen zu lassen, inmitten dem Hélène sitzt, steht, geht, sich nicht mehr am Leben fühlt, nicht mehr am Leben sein will, aber immer noch lebt, weil ihr Herz weiterschlägt, ob sie nun will oder nicht.

Dies ist nach Sie kam und blieb" der zweite Roman, den ich von Simone de Beauvoir las. In ähnlichem Tonfall schreibt diese von jungen Personen, die versuchen, ihren Platz im Leben zu finden, mit dem nahenden oder schon real da seienden Krieg als Kulisse. Die ewige Frage nach dem Sinn des Seins, sozusagen Existenzialismus at its best. Die Frage nach dem Sinn der Liebe. Obwohl ich keine alten französischen Filme kenne - diese müssten in etwa so sein. Simone de Beauvoir erzählt nachdenklich und benutzt ihre Figuren, um Ideen über die Welt zu veranschaulichen. Die Figuren bleiben dabei aber kein Beiwerk, sondern die Romane sind rund und authentisch. Gutes Buch!


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Haben und Nichthaben - Ernest HemingwayHaben und Nichthaben
Ernest Hemingway

Taschenbuch, Juni 1995
     Verkaufsrang: 130576      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Haben und Nichthaben, 1937 erstveröffentlicht, setzt sich aus drei Kurzgeschichten zusammen.

Harry Morgan kreuzt mit seinem Motorboot zwischen Kuba und den Florida Keys. Er verchartert es an reiche Amerikaner zur Hochseeangelei. Sein zweites Standbein ist der Schmuggel von Rum und Waffen. Harry besitzt einen gleichmütigen, stoischen Charakter und in einer Welt voll reicher Nichtstuer und gnadenloser Gangster treibt er ständig am Rande des Existenzminimums dahin. Zu allem Unglück wird er eines Tages noch um Lohn und Fanggerät geprellt und sieht sich -- um sein nacktes Leben zu sichern -- gezwungen, Chinesen illegal nach Amerika zu schmuggeln. Die Ereignisse überschlagen sich, Harry tötet -- und versinkt immer tiefer im Sumpf des Verbrechens.

Ein kühnes und karges Werk und eine Fallstudie über moralische Integrität und den Abstieg eines Mannes. Jeder andere Schriftsteller hätte für die Darstellung dieser psychologischen Grenzsituation Seiten gebraucht. Bei Hemingway findet dies schlicht zwischen den Zeilen statt. --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

am ende versteht man      5 von 5 Punkten
Ernest Hemingway gelang es, die Zustände in der damaligen Zeit treffend zu beschreiben. Keine Beschönigung, keine Vorteile wo sie nicht existent sind... Er versteht es, die Ohnmacht des Harry Morgan zu beschreiben, der, weil er um das Existenzminimum kämpfen muss, nachdem er um seinen Geld betrogen wurde, kriminell wird. Hemingway zeigt wie auswegslos die Situation ist, und dass es keine Möglichkeit für den Ausstieg gibt. Dass unsre Gesellschaft niemals einem Verlierer erlauben wird aufzusteigen, denn es kostet uns zuviel. Funktioniert der legale Weg nicht mehr, bleibt dem Menschen nichts anderes übrig, als sich gesetzteswidrig zu verhalten. Selbst dann, wenn es das ist was man am meisten hasst. Aber man kämpft bis zum Tod, und solange man dies noch nicht ist, muss die Möglichkeit bestehen zu leben, egal auf welche Art. Denn es ist in des Menschennatur um das Überlebenzu kämpfen. Harry Morgan hat kein Geld mehr, keine realistische Ziele zu erreichen, aber in einem ist er den " Reichen" überlegen. Er hat eine Frau zu Hause, die ihn niemals betrügen würde, der er sich, auch wenn er sie oft sehr rauh behandelt, von ganzem Herzen verbunden fühlt. Die Abwechslung der Erzählerperspektive, bzw. von der 1. in die 3. Person, verwirrt den Leser (vorallem wenn man nur die englische Version gelesen hat), doch sie bestärkt den Leser diese Stellen noch ernster zu nehmen, sich noch tiefer mit ihnen zu befassen. An dem Punkt an dem Harry Morgan stirbt, fühlt man sich schon fast mitschuldig und man versteht nicht wirklich warum Hemingway ihn sterben lässt, weil man dies als ungerecht empfindet. Aber sobald sich jemand für diesen Weg entschieden hat, ist der weitere Verlauf, sofern man realistisch bleiben will, unausweichlich, der aus To have and have not...


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Knulp: Drei Geschichten aus dem Leben Knulps - Hermann HesseKnulp: Drei Geschichten aus dem Leben Knulps
Hermann Hesse

Taschenbuch, 18. Juni 2002
     Verkaufsrang: 137688      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

wie ein spitzwegbild      5 von 5 Punkten
Stefan Zweig hat den KNULP von Hermann Hesse mit einem Spitzweg-Bild verglichen, ein idyllisches Bild Deutschlands, das es nie gegeben hat. Der KNULP ist zu schön, um wahr zu sein. Jedoch ahnt man bereits zu Beginn des Buches, dass es mit KNULP kein gutes Ende nehmen wird. Und in der Tat tut es das. Aber trotz allem ist KNULP nicht nur ein lebensbejahendes Buch, sondern auch das beste von Hesse. Grenzenlose Schönheit, das findet man selten. Ich wäre fast versucht zu sagen, dass Hesse seine besten Erzählungen in seiner Frühzeit geschrieben hat.

Knulp - erfrischend und heiter      5 von 5 Punkten
Knulp ist eine erfrischende und heitere Geschichte von Hermann Hesse, die ich mit großer Freude gelesen habe. Knulp zieht durch die Welt, jeder kennt und liebt ihn und zweifelt doch an seinem Dasein und Tun.
Wer diesen treuen Vagabunden beherbergen darf, fühlt sich geehrt und widmet ihm höchste Aufmerksamkeit und Knulp weiß das.
Der Herrgott schenkte ihm allerhand Gaben, er war sich dieser sehr wohl bewusst, doch scherte er sich nicht darum, sondern lebte das Leben auf seine Weise. In jedem von uns schlummert ein Knulp, nämlich genau wie er, sind auch wir in gewisser Weise noch Kinder oder sehnen uns nach dieser Zeit. Auch wir würden gerne Mal dem ewigen Trott entfliehen, eine zeitlang Vagabund sein und um die Welt ziehen - ebenso würde in uns dann die Sehnsucht nach dem beständigen und bürgerlichen Leben aufkeimen. Wer Hesse liebt, wird dieses Buch lieben.

oh knulp !      4 von 5 Punkten
Waren die früheren Zeiten wirklich weniger lebenswert, als die heutigen? Oder, ist es keine Frage der Zeit, sondern viel mehr davon was man aus ihr macht und wie man sie zu erleben weiss? Ein herrliches Bucher wider der Neuzeit mit ihrer Hektik und für eine stete Suche nach lebensbejahender Aufmerksamkeit...

Das andere Deutschland      5 von 5 Punkten
Hermann Hesse zeigt dem Leser ein anderes Deutschland.
Ein sinnliches, liebevolles, nicht hektisches gar romantisches Deutschland.
Haben wir nicht alle schon mal von so einem Deutschland geträumt?
Wenn ja, dann wird es Zeit sich diesen Roman zu schnappen und zu lesesn. Es ist ein Genuss mit den Augen des Knulps das romatische
Deutschland zu durchwandern. Auch wenn der Knulp (wie Eichendorfs Taugenichts) auf den ersten Blick faul sein sollte, so überzeugt er doch durch seine individuelle Weisheit, seine Freundlickeit und Hilsbereitschaft(solange es sich nicht um körperliche Arbeit handelt).
Dieses Buch ist für diejenigen, die das Wandern und die Natur lieben und ab und zu die Arbeit vergessen wollen.

Knulp - ein besserer Mensch      4 von 5 Punkten
Die Geschichte des "Taugenichts" Knulp ist eine Geschichte voller menschlicher Wärme und zeigt eine Welt, die schön und strahlend, aber auch herb und bitter ist und einen tiefen Eindruck hinterlässt. Knulp, der Landstreicher, macht die kleine, oftmals verlogene und bornierte Welt der sesshaften Kleinbürger für jeweils eine kurze Zeit bunt und neu. So wie Knulp, ganz ohne Ergeiz und mit solcher Weisheit, sollte es mehr Menschen geben! Auch das in dieser Ausgabe enthaltene Fragment 'Knulps Ende'muss man unbedingt gelesen haben. Dagegen sind die Lithographien von Karl Walser meiner Meinung nach nicht sonderlich gelungen (bis auf einige), denn sie unterstreichen meistens nicht Inhalt oder Aussage, sondern sind einfach nur Abbild des Textes. Alles in allem ein sehr schönes Buch, eben echt Hermann Hesse.


Die Legende vom heiligen Trinker - Joseph RothDie Legende vom heiligen Trinker
Joseph Roth

Taschenbuch, September 2004
     Verkaufsrang: 171943      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Der Zwang der Sucht.
Andreas lebt als Clochard unter den Brücken von Paris. Eines Tages schenkt ihm ein Fremder 200 Francs. Als Mann von Ehre verpflichtet sich Andreas das Geld zurückzuzahlen, doch immer wieder kommt etwas dazwischen...


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Trauriges, wunderschönes Märchen über den eigenen Untergang      5 von 5 Punkten
Wie meistens bei Joseph Roth spielt auch in dieser anrührenden Geschichte über die letzten 3 Wochen im Leben eines Pariser Clochards das Vergehen eine große Rolle.

Andreas, ein großer Trinker vor dem Herrn, erhält eines Tages 200 Francs von einem Gönner, die er 'bei Gelegenheit' der heilige Therèse in einer nahen Kapelle zurückzahlen, also stiften soll. Andreas verprasst das Geld - wie alles in seinem Leben - für Alkohol, erhält aber in den weiteren Woche immer weitere Unterstützung durch Zufälle und Bekannte. Schnell wird klar, dass es sich hier nicht um eine Erzählung, sondern um ein Märchen handelt, in dem dem schon Gescheiterten kurz vor seinem Ende noch einmal Barmherzigkeit zuteil wird. Das Ende bleibt dennoch unausweichlich.

Sprachlich feinsinnig und einfühlsam wie immer schildert Roth den Untergang, der ja auch seinen eigenen Tod symbolisiert, so wie er ihn erahnt. Weniger ironisch und weniger wehmütig als andere Werke von Roth, eher sanft kommt dieses ungewöhnliche, moderne Großstadtmärchen daher, so dass es selbst zu Weihnachten nicht aufs Gemüt schlägt. Große Literatur im Miniaturformat!


 Weitere Lesermeinungen


Der Tod in Venedig und andere Erzählungen - Thomas MannDer Tod in Venedig und andere Erzählungen
Thomas Mann

Broschiert, März 2008
     Verkaufsrang: 174595      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Thomas Manns Erzählungen sind vor allem eines: großartige und abgründige Liebesgeschichten. Der alternde Gustav Aschenbach zum Beispiel, den es nach Venedig treibt, verliebt sich in der schwülen Lagune hoffnungslos in den jungen Tadzio und bringt es auch dann nicht über sich, die Stadt zu verlassen, als die Cholera ausbricht Luchino Visconti hat die Melancholie und Sinnlichkeit des Tod in Venedig kongenial verfilmt, Benjamin Britten hat sie vertont, und John Neumeier hat sie sogar getanzt.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Thomas Manns "Tragödie einer Entwürdigung"      5 von 5 Punkten
Nachdem ich damals "Der Tod in Venedig" von Thomas Mann zu lesen begonnen hatte, wurde ich von der ersten Seite an verzaubert.
Die sprachliche Gestalt dieser außergewöhnlichen Novelle ist derart formvollendet und beeindruckend, dass man sich ihrer ungemeinen Anziehungskraft und Wortgewalt während des Lesens nur schwerlich entziehen kann. Meiner Ansicht nach ist Literatur-Nobelpreisträger Thomas Mann hiermit ein zeitloses, absolut überragendes Meisterwerk gelungen, das hinsichtlich seiner stilistischen Ausgereiftheit bis heute unübertroffen ist und zweifellos zu den vollendetsten Werken deutscher Literatur zu zählen ist.

Zur inhaltlichen Problematik - Der Tod in Venedig (von 1912):
___________________________________________________

Hervorgehend aus Gustav von Aschenbachs Vorstellungen von der Idealität des Schönen und seinem klassischen Kunstverständnis der Antike, im Besonderen auch infolge seiner eingehenden Beschäftigung mit der griechischen Mythologie, wird erkennbar, dass es nach der Entdeckung des jungen, begehrenswerten Tadzio, dem Sprössling einer polnischen Familie des Großbürgertums, zu einer tiefen emotionalen Konfrontation des Protagonisten kommen muss, innerhalb dieser die künstlerische Identität Aschenbachs hin und her gerissen wird - zwischen rationalem Verstand und sinnlicher Empfindungswelt.

Die Frage nach der moralischen Ambivalenz der künstlerischen Form, nach dem Antagonismus von moralisch korrekter und unsittlicher, "enthusiasmierter" Kunst, nach der Gebrochenheit zwischen Leben und Geist, wird durch das Schicksal, das dem Protagonisten in Venedig widerfährt, beantwortet.

Ausgelöst wird diese ungeahnte Gefühlswallung im sonst so pflichtbewussten, selbstdisziplinierten Schriftsteller durch seine schwärmerische Faszination für den charismatischen Tadzio, der in ihm ein lebenslang unterdrücktes, homoerotisches Hochgefühl erweckt.
Doch nicht nur die sinnliche Hingezogenheit zu dem reinen, unschuldig wirkenden Kind spielt eine Rolle, sondern vielmehr auch die Einbeziehung Tadzios in die umfassende Bildungskultur des Protagonisten, der die immense Anziehungskraft des Jungen auf sein edles, ja gottähnliches Aussehen zurückführt. Dessen Anmut entfesselt im gealterten Schriftsteller eine euphorische Begeisterung, die sich auf seinen gesamten künstlerischen Horizont auszudehnen scheint.
Doch die Liebe wird ihm zum Verhängnis: Die Wirklichkeit zeigt, dass er sich in zunehmendem Maße von Trugbildern und verzerrten, wirklichkeitsentfremdeten Realitäten täuschen lässt, die gefahrenvollen Abgründe der verseuchten Lagunenstadt wissentlich ignoriert. Dieser unmittelbare Weg in das eigene Verderben deutet sich durch die vielfältige Symbolhaftigkeit innerhalb des Novellengeschehens an, insbesondere durch die Leitfiguren der Todesboten (beispielsweise der Gondoliere), mit ihrem absonderlichen, düsteren Erscheinungsbild. Die symbolische Hadesfahrt, die mit dem Übersetzen des Dampfschiffes nach Venedig beginnt, nachempfunden der Fahrt im Nachen des Charon, der die Sterbenden in den Hades, die griechische Unterwelt, geleitete, entfaltet das Schicksalhafte des Novellentitels.

Aschenbachs irrationale Verliebtheit in Tadzio, der ihn zunehmend seiner für ihn typischen, vornehmen Distanziertheit beraubt, deutet den Niedergang seines Künstlerlebens an - die lebenslange Selbstbeherrschung, die Verpflichtung gegenüber dem Erfüllen einer von der Gesellschaft geforderten Aufgabe, können nicht verhindern, dass er mehr und mehr von abgründigen, scheinbar dämonischen Kräften gelenkt wird; doch der Protagonist gefällt sich in seinem neuen Selbstverständnis, er erfährt den Wandel seiner Lebensgewohnheiten als eine lang ersehnte und erfüllende Leidenschaft, die ihn über sein literarisches Werk erheben und ihm das Gefühl einer intellektuellen Überlegenheit und Altersreife verleihen, die er nie zuvor zu besitzen glaubte.
Die überwältigende Schönheit eines morgendlichen Himmels, der Sonnenaufgang über dem Meer ("Ein Rosenstreuen begann da am Rande der Welt, [...]"), die betörende Farbenpracht der venezianischen Lagunenlandschaft, lebendig und verfaulend zugleich - und damit sinnbildlich für die wechselseitige Verflechtung von Leben und Tod -, werden von ihm mit nie verinnerlichter Begeisterung für die vollkommene Akribie der göttlichen Schöpfung aufgenommen. Derartige Gefühlszustände, Aschenbachs hohes intellektuelles Empfinden für Kunst und Natur, können jedoch nicht über seine zunehmende psychische Entgleisung und Selbstentfremdung hinwegtäuschen, die schließlich seinen Tod heraufbeschwören.
Das Motiv der Selbsttäuschung, das Thomas Mann bewusst verwendet hat, um dem Leser die Zwiespälte menschlichen Verlangens zu eröffnen, bedeutet für die Hauptfigur das Ende ihres Lebens als Künstler und Mensch zugleich. Aschenbachs strikte Entschiedenheit in Venedig zu verbleiben und sich der Gefahr einer Ansteckung durch die um sich greifende Cholera auszusetzen, ist weniger bedeutend, als die Tatsache der zum Abschluss getragenen Vollkommenheit eines Künstlerdaseins, die er durch seinen tragischen Tod erreicht. Das Leben verlässt ihn demnach in einem Moment höchster sinnlicher Wahrnehmung und Hingabe - im Zustand der vollständigen Einigkeit von Seele, künstlerischem Intellekt und Emotion. Dieses vollendete, abgeschlossene Kunstwerk entspricht seinem Leben.

Das Leben als Kunstwerk - die Analogie zu Thomas Mann, der sich in der Figur des Münchner Schriftstellers Gustav von Aschenbach selbst widergespiegelt hat und damit die "Tragödie einer Entwürdigung" (so bezeichnet in seinem 1930 erschienenen "Lebensabriß") beschrieb, ist unverkennbar. Eine großartige, in ihrer Feinheit einzigartige Novelle - voller Klassizität, unvergesslich schön und immer wieder ein wahrhaftiger Lesegenuss; von mir gibt es die verdiente Höchstbewertung.


Ermutigungen: Gedanken aus seinen Werken und Briefen - Hermann HesseErmutigungen: Gedanken aus seinen Werken und Briefen
Hermann Hesse

Broschiert, Mai 2008
     Verkaufsrang: 165888      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Zum Entdecken, Wiederlesen und Verschenken. Radikal, rebellisch, eigensinnig - Herrmann Hesse war zeitlebens ein kritischer Geist, der Konventionen und Autoritäten nicht hinnahm, sondern stets hinterfragte. Seine Gedanken und Reflexionen haben bis heute an Aktualität und Brisanz nichts eingebüßt. Ein von Volker Michels zusammengestelltes Lesebuch.



Jütländische Kaffeetafeln - Siegfried LenzJütländische Kaffeetafeln
Siegfried Lenz

Gebundene Ausgabe, Februar 2008
     Verkaufsrang: 86317      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Kredenzt wird die Kaffeetafel in Jütland zu vorgerückter Stunde - abends so gegen neun. Gebutterte Rundstücke, Kranzkuchen mit Rosinen, Sahnetorte mit Kirschen, Napoleonschnitten, gefüllt mit Vanillepudding; und nicht zu vergessen das Kleingebäck. Dazu literweise duftender schwarzer Kaffee. "Wir brauchen das Zeug, um gut zu schlafen", sagt der Tischnachbar zum leidgeprüften Gast und meint es bitterernst. Selten liegen herzhaftes Lachen und mitleidiges Grausen so nah beieinander wie in dieser grandios-köstlichen Geschichte.



Die Kraft und die Herrlichkeit - Graham GreeneDie Kraft und die Herrlichkeit
Graham Greene

Taschenbuch, Dezember 2003
     Verkaufsrang: 37798      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 11,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Der Leutnant sagte: "Ich suche zwei Männer - einer ist ein Gringo, ein Yankee, ein Mörder. Es ist eine Belohnung von 500 Pesos für seine Gefangennahme ausgesetzt. Haltet die Augen offen!" Er machte eine Pause und blickte sie alle an. "Der andere", sagte der Leutnant, "ist ein Priester." Im Konflikt mit einer ausbeuterischen totalitären Staatsmacht findet ein schwacher und sündiger Priester, der im Rausch ein Kind gezeugt hat, die Kraft, seine Mission zu erfüllen....

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Was für ein grossartiges Werk!      5 von 5 Punkten
Das Buch fand ich versteckt unter vielen anderen in meiner Bibliothek. Als schmaler Band wirkte es richtig unscheinbar neben all den anderen modernen Bestsellern. Aber ich konnte es nach Beginn nicht mehr aus der Hand legen. Graham Greene hat mit der Figur des „Schnapspriesters" eine eindrucksvolle Figur geschaffen. Ein Priester, der sich seiner Suenden bewusst ist, der dem Alkohol verfallen ist und im Rausch ein Kind gezeugt hat. Ein Priester, der so gar nichts von einem salbungsvollen Geistlichen hat. Dieser Priester sucht nach Wegen, mit sich selbst ins reine zu kommen in der Zeit der mexikanischen Christenverfolgung. Er wird gejagt, Menschen müssen für ihn als Geiseln sterben und trotzdem sucht er die Flucht, die ihm am Ende auch gelingt. Dennoch nimmt er am Ende die Strafe als Busse für seine Suenden an. In dieser Situation beschaemt er noch seinen Verfolger. Graham Greene hat in seinem packenden Roman auf jegliche Effekthaschereien verzichtet. Er benoeötigt nicht diese Banalitaeten. Die Handlung und die Sprache ruehren einem in Inneren an. Man kann sich diesem Roman nicht entziehen.

Graham Greenes vielleicht katholischster Roman      5 von 5 Punkten
"Die Kraft und die Herrlichkeit", erschienen 1940, also 14 Jahre, nachdem Greene zum Katholizismus konvertierte, ist wohl einer seiner katholischsten Romane. Er spielt zur Zeit der Christenverfolgung in Mexiko und entstand nach Greenes Mexiko-Reise 1938. In einer Zeit, in der alle Priester, die nicht zu heiraten bereit sind, hingerichtet werden, flieht ein namenloser, dem Alkohol verfallener Priester vor der Hand des Gesetzes. In keinem seiner Verstecke kann er länger bleiben, da ihm die Polizei stets dicht auf den Fersen ist und auch vor der Ermordung Unbeteiligter nicht zurückschreckt. Je weniger Respekt ihm von der Bevölkerung entgegengebracht wird, desto mehr zweifelt der Priester an sich selbst. Gleichsam wird ihm, je länger die Verfolgung andauert, seine Berufung und seine Aufgabe immer deutlicher bewusst, der er sich, zunächst widerwillig, dann aber mit geradezu stoischer Gelassenheit auch stellt und schließlich den Tod in kauf nimmt. "Die Kraft und die Herrlichkeit" ist wunderschön geschrieben, mit einfachsten Bildern wird die Kraft Gottes und seine Liebe trotz allen menschlichen Versagens verdeutlicht. Graham Greene überzeugt gerade dann, wenn er auch die offensichtlichen Sünder, wie z.B. für die Judas-ähnliche Gestalt des Mesitzen, als nicht zu verurteilende Menschen beschreibt, denen ihre Sünden vergeben werden und die mit einer liebenden Stimme beschrieben werden können. Interessant ist, dass es ohne "Die Kraft und die Herrlichkeit" "Das Ende einer Affäre" wohl nie gegeben hätte: Eine junge, verheiratete Frau konvertierte nach der Lektüre von "Die Kraft und die Herrlichkeit" zum Katholizismus und wählte Graham Greene als Taufpaten. Die beiden hatten eine Affäre, und später stand diese Frau Pate für Sarah, die Protagonistin in "Das Ende einer Affäre". Im Vorwort zu "Das Herz aller Dinge" heißt es, Graham Greenes Fähigkeiten, die Tiefen der menschlichen Seele auszuleuchten, seien bis heute unerreicht. Dies gilt auch für "Die Kraft und die Herrlichkeit", und dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.


Auf der Suche nach der verlorenen Zeit 1-7: Unterwegs zu Swann. Im Schatten junger mädchenblüte. Guermantes. Sodom und Gomorrha. Die Gefangene. Die Flüchtige. Die wiedergefundene Zeit: 7 Bde - Marcel ProustAuf der Suche nach der verlorenen Zeit 1-7: Unterwegs zu Swann. Im Schatten junger mädchenblüte. Guermantes. Sodom und Gomorrha. Die Gefangene. Die Flüchtige. Die wiedergefundene Zeit: 7 Bde
Marcel Proust

Broschiert, November 2004
     Verkaufsrang: 45278      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 98,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Erstmals liegt nun die siebenb„ndige 'Frankfurter Ausgabe' mit Kommentar auch im Taschenbuch vor. Sie fuát auf der šbersetzung von Eva Rechel-Mertens, die von Luzius Keller und Sibylla Laemmel revidiert wurde und dadurch Facetten zum Vorschein bringt, die einen unbekannten und unerh”rten Proust offenbaren. Der Kommentar erkl„rt Anspielungen und Zitate, weist auf wichtige Erz„hlstrukturen hin und zeigt das Zusammenspiel der einzelnen Teile, Themen und Stilnuancen auf. Ein Resmee faát den Roman zusammen und erleichtert das Auffinden einzelner Passagen.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Ein Universum      5 von 5 Punkten
Marcel Proust stellt einen Ich-Erzähler vor, der sich zum Aufschreiben seiner Erinnerungen entschlossen hat und sein Leben bis zu dem Tag schildert, an dem er diesen Entschluss fasste.
Die "verlorene Zeit" ist für ihn die Zeit, die verging, bis er sein Erinnerungswerk begann. Während der Entstehung des Romans wird aus ihr die "wiedergefundene Zeit". Die "Suche nach der verlorenen Zeit" enthüllt sich für ihn als die Sinngebung seines Lebens in dem Augenblick, wo er sie in seiner Erinnerung wiedergefunden hat und sich für die schriftstellerische Rekonstruktion dieser Suche entschieden hat.
Es beginnt mit seinen Kindheitserinnerungen an Combray, an seine Eltern und seine Verwandtschaft. Er schildert minutiös seine ersten Liebeserfahrungen, die Begegnungen mit Freunden und seinen mühseligen Kampf, sich in die sogenannte bessere Gesellschaft vorzuarbeiten.
Proust`s Romanzyklus ist die tiefgründigste Auseinandersetzung mit dem Thema Erinnerung der gesamten Weltliteratur.
Ihr Entstehen fiel in die Zeit, in der Freud die Psychoanalyse als Methode zum Hervorbringen verdrängter Erinnerungen entdeckte.
Die vorliegende Frankfurter Ausgabe wurde von dem schweizer Proust-Kenner Luzius Keller korrigiert und teilweise neu gefasst. Jeder Band enthält ein Nachwort des Herausgebers, umfangreiche Anmerkungen und Erläuterungen zum Text, sowie ein Resümee als stichpunktartige Zusammenfassung.
Die Lektüre aller sieben Bände erfordert nicht nur Zeit und Geduld, sondern auch die bedingungslose Bereitschaft, sich auf das Werk einzulassen. Man sollte beim Lesen hin und wieder "einen Gang zurück schalten", um die feinsinnigen und manchmal nicht enden wollenden Sätze in vollem Umfang zu verstehen und zu genießen.
Mir hat es jedenfalls großen Spaß gemacht und ich empfand die Romane auch trotz des recht hohen Anschaffungspreises als wahre Bereicherung.


Sich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze: Aphorismen - Oscar WildeSich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze: Aphorismen
Oscar Wilde

Taschenbuch, September 2002
     Verkaufsrang: 11096      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Außer Genie nichts zu verzollen!      5 von 5 Punkten
Viele von Oscar Wildes Bonmots sind bis heute so etwas wie Allgemeingut!
In diesem wunderschönen Bändchen aus dem Insel Verlag findet man nun all'die bekannten und auch unbekannten Aphorismen und stellt beim Lesen und Wiederlesen fest, das Oscar Wilde nicht nur ein glänzender Beobachter und tiefsinniger Stilist war, sondern auch selbstironisch und bis heute unerreicht in seinen Spitzfindigkeiten.

"Ich habe einen ganz einfachen Geschmack, von allem nur das Beste" - dieser vielzitierte Satz war wohl tatsächlich so etwas wie ein Leitmotiv für Wildes Leben und Schaffen! Und doch hätten diese glänzend auf den Punkt formulierten Weisheiten heute kaum Bestand, wenn Oscar Wilde nicht so etwas wie ein Gesamtkunstwerk gewesen wäre.
Er war allerdings viel mehr als nur ein bunter Vogel, seine umfassende Bildung, sein Humor, sein tiefes Verständnis für Kunst und Qualität sind in allen seinen Texten, Märchen und Stücken spürbar.

Als Einstieg in sein Werk, aber auch zum Verständnis von Wildes Biographie empfehle ich diesen Band mit Nachdruck!

"wenn ein Kunstwerk .....      5 von 5 Punkten
.... nicht bedacht ist, ist es nichts." Aphorismus als Kunst? Was ist eigentlich ein Aphorismus?
Es ist ein in sich geschlossener, kurz und treffend formulierter Gedanke oder geistreicher Sinnspruch. Er sagt also nicht nur so wenig wie möglich, sondern sagt weniger als möglich.
Der Aphorismus teilt keine Wahrheiten mit, sondern soll die Wahrheit überflügeln und muss mit einem Satz über sie hinauskommen. Also ist er ein Kunstwerk, und Wild schafft es immer wieder zu zeigen, dass er alles in geschriebener Kürze bedenkt und damit (mit seinem Kunstwerk) "den Zuschauer (Leser) beherrrscht." Wie sagt er selbst: "So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man dieses Kunstwerk (der Aphorismen) zu verstehen und zu würdigen wisse. "


Sturm - Ernst JüngerSturm
Ernst Jünger

Gebundene Ausgabe, 1979
     Verkaufsrang: 26821      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 12,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Wie ein junger Mensch des zivilisierten Europa mit der furchtbaren Erscheinung des modernen Krieges und seiner Schlachtfelder fertig zu werden suchte, das hat Ernst Jünger in seinen frühen Schriften als einer der ersten im deutschen Sprachbereich dargestellt. Kennzeichnend für ›Sturm‹ ist nun sowohl die Form der Erzählung, die einen Versuch in dieser literarischen Kategorie erprobt, als auch der expressionistische Charakter ihres Stils. Wie stark die Figur des Leutnant Sturm autobiographisch zu verstehen ist, zeigt sich darin, daß der Autor 1927 Vorabdrucke aus seinem ›Abenteuerlichen Herzen‹ unter dem Pseudonym Hans Sturm erscheinen ließ.



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