Klassiker des 20. Jahrhunderts

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Seite 17

Franny und Zooey - Jerome D. SalingerFranny und Zooey
Jerome D. Salinger

Taschenbuch, Januar 2003
     Verkaufsrang: 151336     

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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)

Franny und Zooey      5 von 5 Punkten
Von Salinger heißt es häufig, dass er außer "Der Fänger im Roggen" nichts wirklich erwähnenswertes geschrieben hat. Umso größer ist dann die Überraschung, wenn man "Franny und Zooey" in die Hand nimmt.
Das Buch ist schlichtweg genial. Es ist sensibel und klug geschrieben, anspruchsvoll, aber ohne dabei überheblich zu wirken, der Charaktere sind menschlich und doch nicht banal.
Eigentlich sind es zwei Geschichten, die aber mehr oder weniger miteinander versponnen sind. Im ersten Teil des Buches wird Franny beschrieben, eine junge Studentin und Schauspielerin, die an dem Sinn ihres Lebens und sich selbst zweifelt und zusammenbricht. Der zweite Teil handelt von Zooey, ihrem Bruder. Er macht sich Gedanken über sich und seine Familie und versucht Franny wieder aufzubauen. Klingt zwar sehr pathetisch, ist aber alles andere als flach, denn nicht die Handlungen sind von Bedeutung, sondern eher die Gedanken und Dialoge der Geschwister, die sich um Religion, Jugend, das Leben an sich und sich selbst drehen.
"Franny und Zooey" ist ein ruhiges und nachdenklichmachendes Buch und jedem zu empfehlen, der sich dafür die Zeit nehmen mag.

Komplex      5 von 5 Punkten
franny und zooey ist ein ganz außergewöhnlicher und sehr, sehr kluger roman.
großer schwerpunkt, neben anderen intelligenten einstellungsfragen, ist religion - was vielleicht abschrecken mag,würde es salinger nicht durch das thema familie umweben, die hintergrundhandlung des romans.
was für mich am meisten punktet, ist wie salinger seinen roman aufbaut: in den knapp 120 seiten wird im grunde nur eine situation beschrieben. unüblicherweise gibt es weder anfang noch ende, sondern der leser steigt unmittelbar und ohne große vorweg erklärungen in die geschehnisse ein, um nach kurzem einblick wieder aprubt hinausgerissen zu werden; zusammenhänge verknüpfen sich sehr spät und fast beiläufig, und manches bleibt selbst bis zum ende des romans ungeklärt. es ist wie ein kurzer einblick in das leben speziell der beiden menschen, den geschwistern franny und zooey. und genau dadurch beeindruckt ja salinger: eine situation so zu wählen, dass auf nur 120 seiten eine große aussage, eine kleine geschichte und gezeichnete charaktäre entstehen können.
die sprache an sich ist schlicht aber zeichnend, jedoch dient sie nur als hilfsmittel und ist nicht wesentlich. allein deshalb muss man den roman wohl einfach nicht verstanden haben, wenn man ihn nur auf das positive ende bzw die sprache reduziert.

Sallinger und das Diametral      3 von 5 Punkten
Salinger vermag großes, wenn seine Sprache in der richtigen Handlung Ausdruck findet. Das Leben wird Wort für Wort lesbar; Franny im ersten Teil des Buches Wort für Wort spürbar.
Mit Zooey schafft er dann in jeglicher Hinsicht das Diametral dazu. Zooeys Intellekt scheint das Leben mit links durchschauen zu können und der Versuch Salingers, durch den zurückliegenden Selbstmord eines Bruders, dem “existentiellen” Zusammenbruch der Schwester und der mütterlichen Sorge darum, dem entgegenwirkend, einen Beigeschmack “wie aus dem Leben” zu geben, misslingt. Der Zooey-Teil liest sich bis Seite 65 nach meinem Geschmack als eine Selbstinszinierung. Nach einem Buch wie “Der Fänger im Roggen” in dem J.D.Salinger hinter dem Hauptcharakter Caulfield zurücktritt, wußte die Welt zu was er fähig war und Einfallslosigkeit verät sich dann schnell durch die eigene, zu persönliche Sprache.

Bewegend schön!      5 von 5 Punkten
Franny und Zooey ist mit Abstand eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Nachdem "der Fänger im Roggen" meinen Erwartungen nicht ganz gerecht werden konnte, war ich zunächst skeptisch,ein weiteres Buch von J.D. Salinger zu lesen. Zu meiner Freude kann ich aber sagen, dass es sich mehr als gelohnt hat. Dieses Buch sorgt dafür, dass man sich gut danach fühlt, allerdings auf eine eigene Art und Weise ohne viel aufdringliche Gefühlsduselei.
Am liebsten möchte man ein Teil dieser Familie sein,da jedes dieser Mitglieder trotz seiner Macken,und die haben sie alle, liebenswert ist.
Schade ist einfach nur, dass es leider nicht so bekannt ist, denn es ist eine wahre Bereicherung.

verrückter Familienclan      5 von 5 Punkten
Franny und Zooey ist ein sehr lebhafter und verrückter Roman, alle Charaktere sind einzigartig und haben ganz bestimmte Macken, die ganze Familie raucht und trinkt ständig, um es kurz zu sagen ein hochintelligenter, verrückter Haufen, der versucht durch's Leben zu kommen. Ich würde sagen das Franny und Zooey vom Gedanken her da ansetzt wo der Fänger im Roggen aufgehört hat. Auch dieses Buch besticht nicht durch eine gewiße Spannung, Schnelligkeit oder großartige Szenarien, sondern einfach nur durch Salingers einzigartige Erzählweise und Wortgewandtheit.


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Sie kam und blieb - Simone de BeauvoirSie kam und blieb
Simone de Beauvoir

Taschenbuch, Dezember 2004
     Verkaufsrang: 16442      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Der Erstling der Ikone des Feminismus
"Wir wollten ein echtes Trio bilden, ein ausgeglichenes Leben zu dritt, in dem niemand geopfert weden würde . . ."
Unkonventionell ist die Liebesbeziehung zwischen dem jungen Schauspieler und Regisseur Pierre Labrousse und der Schriftstellerin Francoise Miquel, die sich in dem faszinierenden Milieu enthusiastischer Pariser Künstler, Theaterleute und Literaten bewegen. Sie versuchen eine Partnerschaft zu leben, die auf gegenseitigen Respekt, rückhaltloser Ehrlichkeit und größtmöglicher Freiheit gründet.
Als Xaviere Pages, eine blutjunge femme fatale, in ihr Leben tritt, gerät das Gleichgewicht ins Wanken. Ein verwirrendes Spiel von Täuschung, Rivalität und Eifersucht beginnt und treibt Francoise schließlich zum Äußersten.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Pariser Bohème      5 von 5 Punkten
Ohne besondere Expertin für verschiedene Literaturstile zu sein, hab ich recht schnell erkannt, dass es sich bei diesem Werk Simone de Beauvoirs' um ein Werk handelt, das dem Existenzialismus zugeordnet werden kann. Die Art, Dinge zu beschreiben, hat mich sehr an ihren damaligen Lebensgefährten Jean-Paul Sartre - ja auch kein Unbekannter - bzw. sein Buch Der Ekel" erinnert. Im Wesentlichen kennzeichnet sich das dadurch, dass einfachen Dingen ein längerer Blick geschenkt wird und Alltägliches mit philosophischem Ansatz durchleuchtet wird. Während Herr Sartre sich in seinem Werk den Protagonisten eine Zeit lang wundern ließ, wie die eigene Hand aussieht, dem Protagonisten die eigene Hand plötzlich fremd erschien, so spricht Simone de Beauvoir zB davon, dass diese Nacht erst dadurch zu existieren anfängt, dass die Hauptdarstellerin Francoise da ist und sie erlebt.

Inhaltlich kommen neben Nebenakteuren wie Gerbert drei Personen vor: Hauptakteurin Francoise, deren Liebe Pierre und die kleine Xavière, bei der Francoise das Bedürfnis hat, deren (Land)leben in die Hand zu nehmen und sie nach Paris zu verfrachten. Bald kommt es zur Amour à trois", weil Pierre sich in die anfangs jedem so öde erscheinende ländliche Xavière verliebt. Francoise bemüht sich fortan, Xavières Gunst immer wieder neu zu erwerben. Die drei verstricken sich in ein wirres Gefühlschaos, die so eine Liebe zu dritt eben mit sich bringt. Xavière ist eigensinnig und kritisch, sofort missgelaunt, wenn sie nicht im Mittelpunkt steht. Sie schafft sich, zB durch kritische Betrachtung des Sinns der Kunst an sich, vor allem bei Pierre erste Aufmerksamkeit.

Francoise' Leben ruht nicht auf sich selbst, sondern sie sieht Pierre als ihr Fundament und ist - durch Xavière - plötzlich dazu angehalten, ihr Weltbild und ihre Ansichten neu zu überdenken. Was früher fest und sicher schien, gerät ins Wanken und immer wieder wird Francoise von bis dahin nicht gekannten Gefühlen der alles umspannenden Sinnlosigkeit der Existenz geplagt. Möglicherweise als Kompensation ihrer wankenden Welt versucht sie, sich in Pierre hineinzufühlen und Xavière's Liebe ebenso wie er zu erwerben. Auf Außenstehende machen die drei einen merkwürdigen Eindruck, und so mancher muss bei deren Anblick ein Lachen unterdrücken.

Xavière braucht in Paris eine Beschäftigung und so reden ihr Pierre und Francoise zu, es mit dem Theater spielen zu versuchen. Widerwillig probiert Xavière erste Übungen mit Pierre als Lehrer. Meistens jedoch beginnen die beiden über ihrer beider Leben zu reden und gehen es mit Xavières neuer Berufung" mäßig schnell an.

Beauvoir zeichnet die Charaktere vielschichtig. Sie beschreibt detailliert kleinste Gefühlsregungen, Misslaunen, Aufhellungen des Gemüts. Persönliche Befindlichkeiten im Minutentakt. Bald hat man das Gefühl, mit den Protagonisten zu atmen, zu leben und zu fühlen. Viele der beschriebenen Gefühlsregungen dienen zum sich selber wieder erkennen. Im Hintergrund schwelt der nahende Krieg. Die Protagonisten leben in ihrem Universum, gehen ihren kreativen (Theater-)berufen nach, unterhalten sich über die Lage der Welt und das Leben allgemein, philosophieren und debattieren bei Beaujoulais und Kaffee.

Das Buch ist ein Stimmungsbericht aus dem Paris der 1940er Jahre und man kann sich schnell einrichten in dieser Atmosphäre der Bohème.

Schöner Stil, Stadtleben der damaligen Zeit, das einfache Leben an sich - Theater, Cafés.. so in etwa liest sich das Buch. Auf jeden Fall zu empfehlen!



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Be-Bop, Bars und weißes Pulver - Jack KerouacBe-Bop, Bars und weißes Pulver
Jack Kerouac

Taschenbuch, Januar 1979
     Verkaufsrang: 15995      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 5,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Die Szene: die Bars, Betten und Bungalows von San Francisco. Die Personen: junge Schriftsteller, Maler und Jazz-Musiker, ihre Freundinnen und Frauen. Der um Anerkennung kämpfende Autor Leo Percipied und die junge Schwarze Mardou Fox haben eine leidenschaftliche, aber zum Scheitern verurteilte Affäre.Ein wilder, sprachgewaltiger Roman von Jack Kerouac, dem Wortführer der "beat generation".

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Selbstkritischer Rückblick      5 von 5 Punkten
Das Buch ist eine Abrechnung des Ich-Erzählers Leo Percipied mit sich selbst. Thema ist dabei die frisch erloschene Affäre Leo`s zu der ebenso jungen wie hübschen Schwarzen Mardou Fox. Die Geschichte spielt im Frisco (San Francisco) Anfang der 50er Jahre. Die Szene sind Künstler, Musiker, Schriftsteller, Säufer, Huren und Junkies und deren wilde und abgedrehte Partys in ihren Wohnungen oder entsprechenden Lokalitäten. Der junge Leo stößt neu zu einer Gruppe hinzu und ist vom ersten Tag an gefesselt von Mardou`s Schönheit. Er beschließt um diese Frau zu kämpfen und nach einigen Begegnungen kommen sie sich tatsächlich näher. Sie beginnen eine heiße Affäre miteinander, machen gemeinsam die Nacht zum Tage und können nicht mehr voneinander lassen. Bald schon wendet sich aber das Blatt. Leo kann die Finger nicht vom Alkohol und wilden Partys lassen, fühlt sich vielleicht auch etwas eingeengt und vermisst seine Freiheit. Sein Schwärmen für Mardou nimmt immer schneller ab und bald schon beginnt er Pläne zu schmieden, wie sie sich möglichst schnell und schmerzfrei trennen können. Erst Ereignisse mit einem seiner Szenefreunde und Mardou lassen seine Eifersucht wachsen und er beginnt darüber nachzudenken wie er vielleicht noch etwas retten kann. Doch die Faszination für das Nachtleben, den Suff und den Beat gewinnen. Als alles zu spät ist, rechnet er mit sich selbst ab und schreibt dieses Buch.
Gefallen hat mir die sprachgewaltige Ausdrucksweise Kerouac`s. Der Roman liest sich sehr flüssig, ist durchgehend spannend und auf 124 Seiten sehr Aussagekräftig.


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Narziß und Goldmund - Hermann HesseNarziß und Goldmund
Hermann Hesse

Taschenbuch, März 1997
     Verkaufsrang: 101935      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 10,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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"Hesses Roman "Narziß und Goldmund" setzt mit großer sprachlicher Schönheit ein und scheint in einer mittelalterlichen Zeitlosigkeit zu schweben, die dem poetischen Bedürfnis dieser rohen Aktualität widerstrebenden Geistes entspricht, ohne darum seine schmerzliche Fühlung mit den Problemen der Gegenwart zu leugnen.... ein wunderschönes Buch mit seiner Mischung aus deutsch-romantischen und modern-psychologischen, ja psychoanalytischen Elementen....eine in ihrer Reinheit und Interessantheit durchaus einzigartige Romandichtung." (Thomas Mann)Hermann Hesse, am 2. Juli 1877 in Calw/Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und der Tochter eines württembergischen Indologen geboren, starb am 9. August 1962 in Montagnola bei Lugano. Er wurde 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Nach einer Buchhändlerlehre war er seit 1904 freier Schriftsteller, zunächst in Gaienhofen am Bodensee, später im Tessin. Er ist einer der bekanntesten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 62 Bewertungen)

Balsam für die moderne Seele      5 von 5 Punkten
Ich persönlich bin völlig unbefangen an Hesses 'Narziss und Goldmund' herangegangen. Ich hatte bewusst keinerlei Interpretation gelesen, keine literaturgeschichtliche Einordnung - nichts.
Und fand mich so einfach als naiver, moderner Leser vor dem Buch wieder.
Und es hat mich sehr berührt.
Zwei Menschen stehen da im Zentrum. Zwei wunderbar tief ausgearbeitete Figuren. Narziss, der ältere, unterrichtet den jüngeren Goldmund als Lehrer in einem Kloster. Schon früh erkennt der Ältere aber, dass der Jüngere für dieses Leben nicht geschaffen ist. Mit sensibler Einfühlung und Mut eröffnet er seinem Freund und Schüler, was er meint, dass diesem fehle: nämlich die Erinnerung an Kindheit und Mutter. Wie vom Blitz getroffen werden dem Jüngeren die Augen geöffnet: und er überwindet die fehlgeleitete Lebensplanung, um aufbrechen zu können, hinaus ins pralle Leben. Hier nun beginnt das Buch ein weiteres Mal und lässt uns teilhaben an Goldmunds Fahrten, an seinen Abenteuern mit Frauen und Jahreszeiten, mit Gaunern, Herzögen und Stadthaltern. Ein wenig beginnt das Buch nun an Tiecks Franz Sternbald zu erinnern, das Hesse ein großes Vorbild gewesen sein muss.
Und genauso wie in Hesses 'Siddharta' auch, lernt Goldmund sich durch die Liebe zu vielen Frauen und durch das wilde Erleben langsam selbst kennen: bis er schließlich Jahre verweilt in der Werkstatt eines Malers, um zu lernen, die inneren Bilder zu gestalten.
Um Kunst geht es, um Lebensziele, um den Sinn des Lebens, um das, was überdauert, um das Vereinigen von Leben und Tod, um Psychoanalyse, um das Bild der Mutter, um Geist und Gefühl geht es.
Wenn Goldmund nach Jahren unter widrigen Umständen seinen Freund Narziss wiederfindet, begegnen sie sich, als wäre kein Tag vergangen - und doch als zwei neue Menschen - der eine, voll von Leben, Sünde, Liebe und Tod, der andere vergeistigt und zurückgezogen, auf abstraktes Konzentriert und auf Wesentliches beschränkt.
Ich habe auf jeder Seite viele viele Zeilen angestrichen, so bewegt hat mich das Buch.
Da hat ein neuzeitlicher Autor noch einmal den Mut zu einer romantischen Schwärmerei, die echt wirkt - da hat ein Autor noch einmal die Größe, nicht ironisch sein zu müssen, nicht postmodern, sondern einfach emotional, liebend, weinend, schreiend - und dies ohne Hysterie und mit Würde.
Die Hauptgestalten aber auch die vielen vielen liebenswerten Nebengestalten werden mich weiter begleiten.
Und die beiden Pole, Narziss und Goldmund, stehen mir in ihrem Widerspruch viel lebendiger ins Herz hinein, als alle Thomas Mannschen Tonio Krögers und alle Hauptmannschen Figuren und alle Georg Büchnerschen Woyzecks.
Dasselbe Thema wird bearbeitet wie in den Werken der eben Genannten, derselbe Inhalt, dieselbe Aussage wird erreicht, dasselbe gesagt, dasselbe gewollt - aber auf einem emotional unschlagbaren Niveau.
Hier finde ich den älteren Hesse in seiner Vollendung, hier empfinde ich ihn nicht altväterlich belehrend und doch letztlich unreif, wie es mir manchmal mit ihm ergangen ist - sondern einfach nur weise. Ich habe dann im Umschlag nachgeschlagen: er war über 50 als er dieses Buch schrieb.
Ich zolle ihm meinen Respekt.
Absolut lesenswert.


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Kunst - die Sprache der Seele: Gedanken aus seinen Werken und Briefen - Hermann HesseKunst - die Sprache der Seele: Gedanken aus seinen Werken und Briefen
Hermann Hesse

Broschiert, Mai 2008
     Verkaufsrang: 112429      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Zum Entdecken, Wiederlesen und Verschenken.
Radikal, rebellisch, eigensinnig - Herrmann Hesse war zeitlebens ein kritischer Geist, der Konventionen und Autoritäten nicht hinnahm, sondern stets hinterfragte. Seine Gedanken und Reflexionen haben bis heute an Aktualität und Brisanz nichts eingebüßt.
Ein von Volker Michels zusammengestelltes Lesebuch.




Der Fänger im Roggen - Jerome D. SalingerDer Fänger im Roggen
Jerome D. Salinger

Gebundene Ausgabe, Februar 2003
     Verkaufsrang: 86736      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 15,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Beim ersten Mal Lesen konnte ich ihn auf Anhieb nicht ausstehen: Holden Caulfield, der Held in Jerome David Salingers Der Fänger im Roggen ging mir mit seinen naseweisen, altklugen Lebensbetrachtungen ziemlich auf den Wecker. Ein paar Jahre später fiel mein Urteil anders aus: Holden durchschaut und schildert in seinem schnodderigen Jugendjargon die oft so verlogene Welt der Erwachsenen. Und weil er merkt, daß er auf der Schwelle zu eben dieser Erwachsenenwelt steht, wehrt er sich dagegen, sich dort einzufügen.

So ist er gerade aus dem vierten Internat geflogen, weil seine schulischen Leistungen in fast allen Fächern ungenügend waren. Zurück in New York steigt er zunächst in einem zwielichtigen Hotel ab, da er sich nicht gleich bei seinen Eltern sehen lassen will. Die nun folgenden Begegnungen und Gespräche mit den verschiedensten Leuten machen seine Sensibilität und seine Gefühlsverwirrung deutlich, die er hinter einer coolen Fassade nur sehr unzureichend zu verstecken vermag und gipfelt schließlich in dem berühmt gewordenen Satz "Ein Pferd ist doch wenigstens menschlich".

Holden träumt von einer einsam gelegenen Blockhütte irgendwo im sonnigen Westen, in der er seine Kinder vor den Erwachsenen verstecken möchte. Doch im Gespräch mit seiner kleinen Schwester Phoebe wird deutlich, daß er nicht weiß, was er mit sich und seinem Leben tatsächlich anfangen soll. Und genau das ist es, was Salingers Roman auch fünfzig Jahre nach seinem Erscheinen noch so aktuell sein läßt -- denn diesem Problem müssen sich die Heranwachsenden jeder Generation aufs Neue stellen. --Elisabeth Lang

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 114 Bewertungen)

Meisterhaft skizzierte Gesellschaftskritik      5 von 5 Punkten
Holden Caulfield ist ein Opfer des Systems, dass er sich selbst konstruiert hat. Das bemerkenswerte daran ist, dass dieses System der Realität erschreckend nahe kommt.
In Kapitel drei ermahnt ihn ein Lehrer, dass das Leben ein Spiel sei, welches bestimmten Regeln unterworfen ist. Leben heißt demzufolge, an diesem Spiel teilzunehmen und die Regeln einzuhalten.
Holden steht für alle diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer, nicht nach den Regeln des großen Spiels spielen wollen oder können und deshalb immer auf der Seite der Verlierer stehen werden. Er ist an einem Punkt angekommen, an dem er das Spiel hasst und eine Rückkehr auf die Seite der Gewinner nicht mehr möglich zu sein scheint. Er hat resigniert. Er urteilt vernichtend über das Establishment und prangert das heuchlerische, amerikanische Streben nach Macht und Geld an. Aufgrund seiner tiefgreifenden Resignation die bereits starke depressive Züge aufweist, muten seine Einschätzungen teilweise sehr brutal und übertrieben an.
Trotzdem - wenn man den Schleier seiner Übertreibungen und Anprangerungen einmal lüftet, bleibt eine berechtigte Kritik zurück, die nicht nur bezogen auf die amerikanische Gesellschaft bis zum heutigen Tage ihre Gültigkeit besitzt. Das Streben nach monetären und materiellen Werten bestimmt das Leben der meisten Menschen in unserer Gesellschaft. Der Weg dorthin führt in aller Regel über eine kompromisslose Leistungsbereitschaft wer da nicht mithalten kann, bleibt auf der Strecke.
Holden spricht jedoch auch euphorisch über das Gute im Menschen, dass sich ihm vorzugsweise und vor allem am unverdorbenen Verhalten von Kindern zeigt. Er möchte sie vor dem Abgrund bewahren, der sie dazu zwingt, die schmutzigen Regeln des großen Spiels befolgen zu müssen, indem er sie einfach vor diesem Abgrund, den er ja selbst bereits schmerzlich erfahren hat, "weg fängt".

Im Grunde ist Holden Caulfield Humanist.


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Der Arbeiter: Herrschaft und Gestalt - Ernst JüngerDer Arbeiter: Herrschaft und Gestalt
Ernst Jünger

Gebundene Ausgabe, Dezember 2007
     Verkaufsrang: 177274      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 12,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Aus dem Vorwort zur ersten Auflage 1932 von Ernst Jünger:
"Der Plan dieses Buches besteht darin, die Gestalt des Arbeiters sichtbar zu machen jenseits der Theorien, jenseits der Parteiungen, jenseits der Vorurteile als eine wirkende Größe, die bereits mächtig in die Geschichte eingegriffen hat und die Formen einer veränderten Welt gebieterisch bestimmt."


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Leicht zu begreifen, vielleicht deshalb so missverstanden?      5 von 5 Punkten
Noch in seinem letzten Interview, vor seinem allzu frühen Tod, sagte Ernst Jünger, dass selbst Geistesgrößen wie Oswald Spengler und Carl Schmitt den "Arbeiter" nicht vrstanden hätten. Wieso sollte es also dem Rezensenten Heck gelingen; er befindet sich da in bester Gesellschaft. Dieser eine Stern beleuchtet dabei nicht das Werk Jüngers....

Einige begreifen das Buch aber doch. Und je mehr Zeit vergeht - typisch für die Texte dieses großen Autors - desto klarer wird die Hellsichtigkeit, seine unnachahmliche Erfassungskunst, was die zukünftigen Entwicklungen unserer Welt angehen. Der Arbeiter steht für das "Titanische", dem Jünger für das 3. Jahrtausend (sehr richtig) einen unvergleichlichen Siegeszug voraussagt. Der Arbeiter als Typus des Kommenden und Herrschenden. Nicht der ausgediente Proletarier ist hier gemeint, sondern die Abermillionen Computernutzer und digitalen Welteneroberer unserer und kommender Tage. Das ist "der Arbeiter".

Und was Jünger hierzu in seinem genialen Essay sagte und prognostizierte (vor fast 80 Jahren!) sollte sich niemand entgehen lassen, der sich mit der Welt ohne ideologische Scheuklappen konfrontiert sehen will.

Der Arbeiter ist das Schicksal unseres Planeten.

Im Reich der Sinne - in der Arche des Verstands. Absolut empfehlenswert!

Widersacher des Lebens      1 von 5 Punkten
Sucht man den Moloch, den Geist als Widersacher des Lebens, wie in Ludwig Klages formuliert und vor ihm gewarnt hat, der Arbeiter ist von ihm durchherrscht. Unverblümt will Jünger die Seele des Menschen duch Gestalt ersetzen, das Individuum durch den Typus. Es ist das schlimmster Buch, das ich je gelesen habe und ich habe sie alle gelesen!

In keinster!! Weise stimmt, dass Jünger hier, wie Heidegger meint, Nietzsches Willen zur Macht ausformuliert.
»Pfui selbst zur Schraube zu werden« war Nietzsches Kommentar zum Fabriksklaven und er empfahl Arbeitern, die sonst keinen Unterhalt finden, eher auszuwandern, als sich derart zu erniedrigen.

Von Unmenschlichem zu reden, bin ich sehr vorsichtig, Jünger aber einen Unmenschen zu nennen, würde nur seinen eigenen Anspruch auf den Punkt bringen.

Klaus Heck


Die Brüder Lautensack - Lion FeuchtwangerDie Brüder Lautensack
Lion Feuchtwanger

Broschiert, August 2003
     Verkaufsrang: 31866     

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Die Geschichte Hanussens. Dem Roman liegt die Lebensgeschichte des berhmten Telepathen Erik Jan Hanussen zugrunde (verfilmt mit Klaus Maria Brandauer). Feuchtwanger erz„hlt in dem 1941 entstandenen Roman den triumphalen Aufstieg und das erb„rmliche Ende eines pomp”sen Scharlatans, der auf dem Weg nach ganz oben sein eigenes Todesurteil spricht: Er prophezeit einem hohen SA-Chef den Brand eines groáen ”ffentlichen Geb„udes.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

spannend, lehrreich, ironisch      5 von 5 Punkten
Das Buch war das zweite, das ich von Feuchtwanger gelesen habe (nach "Die hässliche Herzogin") und es hat mir so gut gefallen, dass mehrere nachgefolgt sind. Feuchtwanger ist einfach ein großer Könner. Er führt dem Leser mit karikaturhafter und prägnanter Sprache eine Epoche so intensiv vor Augen, dass man nach der Lektüre glaubt, man habe ein spannendes Geschichtsbuch gelesen, und dabei kommt keinen Augenblick Langeweile auf. Die Figuren sind voller Ironie gezeichnet, sehr interessant ist auch der enorme vernunftfeindliche Irrationalismus, dem Deutschland zur beginnenden Hitlerherrschaft verfallen war. Eines der Bücher, das bunt und angenehm im Gedächtnis hängen bleibt, auch wenns durchaus tragisch ist.


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Bronsteins Kinder - Jurek BeckerBronsteins Kinder
Jurek Becker

Taschenbuch, März 2003
     Verkaufsrang: 86445      Gewöhnlich versandfertig in 8 bis 10 Tagen.

Preis: € 9,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Damals, 1973, lebte Hans zusammen mit seinem Vater. Mit Martha, der Frau, die er liebte, fuhr er häufig zu dem Häuschen des Vaters vor der Stadt. Eines Tages fand Hans das Haus besetzt. Dies war der Beginn einer Geschichte, die sein Leben veränderte: In dem Haus wurde ein Mann gefangengehalten. Der Vater und zwei seiner Freunde hatten herausgefunden, daß er Lageraufseher während des Krieges war. Nun verhörten sie ihn, schlugen ihn. Sie, die Überlebenden, glaubten eine Legitimation für ihr Handeln zu besitzen, wie sie nur Opfern zusteht. Hans ist zum Mitwisser geworden, und der Vater hielt ihn, weil er das Vorgehen mißbilligte, für einen Feind. Jetzt, ein Jahr später, lebt der Vater nicht mehr. Hans wohnt inzwischen bei Martha, aber die Liebe ist erloschen. Er will nicht bleiben und weiß nicht, wohin. Um die Geschichte vom vergangenen Jahr, von der Entführung des Aufsehers und vom Tod seines Vaters, vergessen zu können, erzählt er sie.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)

Genial...      5 von 5 Punkten
Nun, meine Freundin "müsste" dieses Buch in der Schule ( 11. Klasse ) lesen, ich bekam es in meine Finger und verschlang es am selben Tag... Ich las davor Franz Kafka "Der Prozess", dachte also, dass kein Buch besser sein kann - Kann es auch nicht. Aber "Bronsteins Kinder" kann durchaus mitthalten. Es behandelt die Thematik, der Juden im Nachkriegsdeutschland von einem etwas anderen Blickwinkel wie ich finde. Das Opfer wird zum Täter. Jedoch kommt man ständig ins Zweifeln bei diesem Buch, was richtig und was falsch ist. Die Charaktäre wirken sehr gut aufeinander ein, die Kapitel sind genial eingeteilt ( auch wenn es am Anfang verwirrend ist ), die Spannung baut sich mehr und mehr auf, wie ich es selten erlebt habe...

EIN MUSS !

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Sterben - Arthur SchnitzlerSterben
Arthur Schnitzler

Broschiert, Juni 2006
     Verkaufsrang: 81324      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 4,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Schnitzlers Debüt      3 von 5 Punkten
"Sterben" (1890) ist Arthur Schnitzlers erste grössere Novelle. Es geht um Felix, der von seinem Arzt die Nachricht erhält, dass er sterben muss. Dies ist der Beginn der Entfremdung von seiner Geliebten Marie, mit der er unter anderem herumreist. Identitätskrise, Zweifel an der Welt und Gedanken an erweiterten Suizid beschäftigen Felix, aber das Hauptthema ist das sich verändernde Verhältnis von Marie und Felix. Das ganze führt zu einem Mordversuch und endet im Selbstmord. Die Handlung spielt ein wenig im luftleeren Raum, denn für die damalige Zeit ist es nicht selbstverständlich, dass ein Mann mit einer Freundin zusammenlebt. Insgesamt fand ich die Geschichte nicht so berauschend. Stilistisch zeigt dagegen Schnitzler sein grosses Können, indem er zum Beispiel mit dem Mittel des Inneren Monologs arbeitet. Von der Machart ist die Erzählung sehr modern und auch heute noch ein Lesegenuss.

Verschiedene geniale Kurzgeschichten von Arthur Schnitzler      5 von 5 Punkten
Die Geschichte "Sterben" handelt von Felix, einem Lungenkrebskranken, Alfred, seinem Arzt und Marie, der Verlobten von Felix. Felix weiß von seiner Krankheit und verbringt sein letztes Jahr zusammen mit seiner Geliebten. Der Leser erlebt die verschiedensten Stimmungsschwankungen des Paares mit, das sich allerdings aber immer mehr auseinanderlebt. Endstation ist übrigens Meran, der Ausgang wird natürlich nicht verraten. Arthur Schnitzler, ein österreichischer Jude und Arzt, der auch in Meran unterwegs war. Sein Vater war Chefarzt und Schnitzler ist Autor zahlreicher Erzählungen und Theaterstücke. Ein wahrhaft großer Autor. Im Verlauf des Buches entwickelt sich Felix immer weiter und scheint sehr selbstgerecht zu sein. Diese Geschichte verwischt die Grenzen zwischen Gut und Böse und verdientem, beziehungsweise heldenhaftem Schicksal. Teilweise ist dies leider eine sehr langatmige Geschichte dies wird aber von den anderen Erzählungen ohne Zweifel wieder wett gemacht. Schnitzler gehört zu meinen absoluten Lieblingsautoren, er ist ein Mensch, der die menschliche Psyche nicht nur weitgehend verstanden hat, sondern sie auch auf Papier darzustellen weiß. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)


Das Ende einer Affäre - Graham GreeneDas Ende einer Affäre
Graham Greene

Taschenbuch, Februar 2000
     Verkaufsrang: 39992      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Der Schriftsteller Maurice Bendrix und Henry Miles, ein hölzerner Staatsbeamter, treffen nach Jahren zufällig wieder aufeinander. Beide hatten sich damals im Rahmen einer Recherche für ein von Bendrix geplantes Buch kennen gelernt und der Schriftsteller hatte mit Sarah, der Gattin von Miles, eine Affäre begonnen, von der dieser jedoch nie erfuhr. Der dereinst Gehörnte, ein weinerlicher, erotisch desinteressierter Charakter, nimmt nun gutgläubig das unverhoffte Wiedersehen zum Anlass und berichtet Bendrix von seinem Verdacht, von Sarah betrogen zu werden.

Unversehens befinden wir uns auf einer spannenden Tauchfahrt in den Seelenmorast schuldhafter Verstrickungen und moralischer Zerwürfnisse, dem zentralen Thema fast sämtlicher Werke des Engländers Graham Greene. Bendrix, der bislang für den Schlappschwanz Henry nur zynische Verachtung empfand, muss seine Gefühle plötzlich neu justieren. Gerührt von dessen ehrlicher Verzweiflung, erwachen zugleich in ihm eine rasende Eifersucht auf den unbekannten Dritten und der teuflische Wunsch, Sarah erneut zu besitzen. Auf eigene Faust beauftragt er eine Detektivagentur, ihrem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Der 1991 verstorbene Graham Greene pflegt seine Protagonisten auf den moralischen Prüfstand zu stellen. In seinem krass realistischen Erzählstil lässt er sie in oft unwirtlich urbaner Kälte an der Sinnlosigkeit allen äußeren Lebens verzweifeln. Da mit diesen Konflikten oft auch eine gleichzeitige Gottsuche verbunden war, trug sich Greene den Ruf eines "katholischen" Schriftstellers ein (wohl auch, weil er tatsächlich in jungen Jahren zum Katholizismus konvertierte). Dass er dabei aber durchaus einen feinen Humor pflegt, zeigen die Szenen des rührend-tapsigen Hilfsdetektivs Parkis, der auf seinen Schnüffeltouren seinen 12-jährigen Sohn zum Detektiv ausbildet: Sie sind zum Schreien komisch. --Ravi Unger

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)

Gott und die Liebe      5 von 5 Punkten
Alle Hauptakteure in diesem Roman behaupten von sich nicht an Gott zu glauben, handeln aber, als wenn dem doch so wäre und "konvertieren" praktisch im Lauf der Handlung. Neben der für Greene typischen Missionierungsgeschichte geht es um die Liebe zwischen Mann und Frau und zu Gott in all ihren Ausprägungen und Formen. Die Geschichte ist an Tragik nicht zu überbieten.


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Das Spinnennetz - Joseph RothDas Spinnennetz
Joseph Roth

Taschenbuch, Februar 2004
     Verkaufsrang: 156380      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Joseph Roths erster Roman erschien kurz vor Hitlers Putschversuch in München - und nahm die Wirklichkeit vorweg.
In der Gestalt des jungen Leutnant Lohse, der sich nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin als Hauslehrer verdingen muss, führt er visionär und exemplarich die entstehende Generation der Mitläufer vor. Enttäuscht und führungslos werden sie zu willigen Helfern des Rechtsradikalismus.


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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Deutschland, Deutschland      5 von 5 Punkten
Wie entwurzelt die Soldaten aus dem ersten Weltkrieg zurückkehrten, wie sie zur leichten Beute von Rechtsradikalen wurden, beschreibt Joseph Roth in seinem meisterhaften Roman Das Spinnennetz. Sein Erscheinungsdatum weist fast prophetisch in die düstere Zukunft, die Deutschland im Dritten Reich erwartete. Wer sich heute fragt, wie es in diesem Land soweit hat kommen können, sollte Das Spinnennetz lesen. Der Riss, der nach dem ersten Weltkrieg sich durch Deutschland zog, und führte zu Kämpfen, in denen sich Gruppierungen und politische Parteien voller Haß begegneten. Die Rollen waren fest verteilt und die jeweilig andere Seite die Ausgeburt des Bösen. Wer wollte da abseits stehen? Nach der Entwurzelung des Kriegs keine neue Heimat finden? In der Person des Soldaten Lohse warnt Roth vor dem heraufziehenden Faschismus, deren Bodensatz die Enttäuschung, die Erniedrigung ihn zu einem Mitläufer vorherbestimmt. Diese Gefahr besteht zu allen Zeiten. Auch wenn die Geschichte uns eines Besseren belehren sollte. Damit wir das nicht vergessen, sollten wir immer wieder zu Büchern wie Das Spinnennetz von Joseph Roth greifen.

bemerkenswerte Prophetie      4 von 5 Punkten
Dieser Roman erschien bis zum 06.11.1923 in einer Wiener Tageszeitung... Und am 08./09.11.23 putschten Hitler und Ludendorff in München. Roth hat damit in seinem Roman die Zukunft vorweggenommen. Hitler und Ludendorff kommen auch im Roman als Nebenfiguren vor, waren also durchaus bekannt aus faschistischen Kreisen. Das ist was ich so bemerkenswert daran fand, historische Hintergründe und eine Geschichte, die ziemlich genau vorwegnahm was sich in Deutschland abspielen sollte. Allerdings geriet der Roman trotz seiner Aktualität in Vergessenheit.
sprachl. anspruchsvolle, fordernde Schreibweise (Erstling), man muss sich manchmal Zusammenhänge selbst erdichten.


Unser Mann in Havanna - Graham GreeneUnser Mann in Havanna
Graham Greene

Taschenbuch, August 1998
     Verkaufsrang: 137283     

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»Auf dem Schreibtisch lagen zwei Bücher - identische Exemplare von Lambs Shakespeare-Erzählungen. Auf einem Block, auf dem sich Hawthorne vermutlich Notizen für ihr Treffen gemacht hatte, stand: ›1. Gehalt. 2. Spesen. 3. Übermittlung. 4. Charles Lamb. 5. Tinte.‹ Er wollte eben den Lamb aufschlagen, als eine Stimme sagte: ›Hände hoch. Arriba los manos.‹ - ›Las manos‹, verbesserte Wormold.« Liebevoll zeichnet Greene die Gestalt des Mr. Wormold und die seiner Freunde und Feinde. Der Held will eigentlich nur seine Staubsauger verkaufen und die Zukunft der Tochter sichern. Er ist gewiß kein Abenteurer, aber der britische Geheimdienst verlangt ständig neue, sensationelle Berichte.

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)

Vom Staubsaugervertreter zum Top-Spion      5 von 5 Punkten
Neben "Der dritte Mann" ist "Unser Mann in Havanna" vielleicht das bekannteste Werk Graham Greenes, wenngleich auch ein weniger ernsthaftes, das sich mehr als Parodie auf Spionageromane versteht.

Der verwitwete Staubsaugervertreter James Wormold und seine Tochter Milly leben in Havanna, wo Wormold sich bemüht seiner Tochter ein möglichst komfortables und luxuriöses Leben zu bieten. Doch die Liebe zur Tochter ist ein Fass ohne Boden, da diese scheinbar gar keine Beziehung zu Geld hat und Wormold einmal mehr in finanzielle Sorgen bringt als sie ein Pferd kauft, das sie sich eigentlich gar nicht leisten können, denn am Vorabend der kubanischen Revolution laufen die Geschäfte für den Staubsaugervertreter mehr als schlecht.

Doch schon bald bietet sich eine Gelegenheit an, die sich Wormold nicht entgehen lassen will, als er vom britischen Agenten Hawthorne in einer Bar-Toilette als Spion für ihre Majestät angeworben wird und für diese Tätigkeit, sowie die Rekrutierung von Hilfsagenten finanzielle Unterstützung erhält. Im Gegenzug erhofft sich der Geheimdienst durch seine Kontakte als Staubsaugervertreter, der diese auch kubanische Behörden verkauft, schlussendlich Zugang zu geheimen Informationen über die Vorgänge auf Kuba. Fast schon mit Begeisterung macht sich Wormold an die Arbeit, nur um bei seinem ersten Rekrutierungsversuch kläglich zu scheitern. Erst sein alter Freund Dr. Haselbacher bringt ihn schließlich auf die zündende Idee, er könnte doch auch einfach alles erfinden, denn es kann ja niemand kontrollieren...

Graham Greene war nicht nur der Autor von zahlreichen teils sehr zynischen Spionageromanen sondern auch einst selbst britischer Spion und so verwundert es nicht, dass sich hinter der parodistischen Elementen von "Unser Mann in Havanna" eine handfeste Kritik am System der Geheimdienste steckt, die auch heute noch auf gut Glück Spione rekrutieren und diese mit Geldmitteln ausstatten, um im Gegenzug Informationen fragwürdiger Qualität zu erhalten, während die Gelder meist zu anderen Zwecken genutzt werden als vorgesehen. Aber wie in allen Werken Greenes blitzen auch in "Unser Mann in Havanna" ernsthafte moralische Fragen auf, allerdings ohne dem Buch dadurch Spannung oder das ironisch-kritische Element zu nehmen, auch wenn das Spiel mit dem Feuer in letzter Wirkung dazu führt, dass sich Wormold die Finger verbrennt und der Witz gleichsam mit der moralischen Konsequenz zum tödlichen Ernst wird.

Fazit:
Eine sehr pointierte Geheimdienstparodie, die selbst im 21. Jahrhundert immer noch ihren Charme entfalten kann und an deren Kernaussage sich womöglich nicht viel geändert hat.


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Klein und Wagner - Hermann HesseKlein und Wagner
Hermann Hesse

Taschenbuch, 31. Januar 2007
     Verkaufsrang: 137576      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Steppenwölfisch      5 von 5 Punkten
Zwischen Traum und Wirklichkeit schwelgt dieses Experiment Hesses, in welchem er den biederen Durchschnittsbürger Klein aus seinem, für ihn unbefriedigenden Leben ausbrechen lässt. Mit einem Haufen gestohlenen Geldes setzt sich dieser nach Italien ab und beginnt dort einen Individualisierungsprozess, welcher durch eine neue Liebe, aber auch durch geistigen Zerfall beeinflusst wird.

Es ist erstaunlich, wie viele Elemente des »Steppenwolf« in diesem weniger bekannten Werk zu finden sind, dass 8 Jahre zuvor, im Jahr 1919, veröffentlicht wurde. Wie beim »Steppenwolf«, so ist auch hier innere Zerrissenheit und Gegensätzlichkeit ein Leitmotiv. So erkennt der tragische Held Klein in einem Teil seiner selbst zwar keinen »Wolf«. Stattdessen nennt er diesen Teil seiner Persönlichkeit »Wagner«, in dessen Person sich der historische Wagner und ein namensgleicher Mörder vereinen.

Ein weiteres wichtiges Motiv dieser Novelle ist die Traumdeutung. So durchläuft Klein im Traum ein »Theater«, welches ähnlich wie das »Magische Theater« im »Steppenwolf« gekennzeichnet ist. So lernt Klein im Traum unter anderem die viehische Seite seines Ichs kennen, trifft wie im »Steppenwolf« auf das Automobil-Motiv und ersticht auch hier seine neue Geliebte.

»Klein und Wagner« liest sich wie eine erste, in sich geschlossene Skizze des »Steppenwolf«. Eine echte Bereicherung für jeden, den bereits jenes Werk Hesses gefesselt hat.

Stellvertreterprinzip      5 von 5 Punkten
'Klein und Wagner' bringt eine ganze Reihe von Themen, die später im 'Steppenwolf' fruchtbar werden sollten, zumal den Lebensekel und den damit verbundenen Selbsttötungsgedanken, im einzelnen Theater- und Mordmotiv als die wichtigsten.
Freilich besteht diese glänzend gebaute Meisternovelle für sich selbst, denn sie leistet bisher die höchste, später lange nicht mehr eingelöste, hellsichtige psychologische Durchdringung, und, erstaunlich genug, exakt die richtige Selbstdiagnose Hesses, nämlich (in seinem Fall wesentlich fremdverschuldete) Unreife.
Kaum glaublich, daß sie beinahe zusammen mit dem mißratenen 'Klingsor' und kurz vor dem Stilunikum 'Siddhartha' entstand, denn ihr eindringlicher Stil zeigt bewunderswerte Geschlossenheit, und auch das Gefühlspathos rechtfertigt sich aus der Thematik.
Natürlich verbietet genaue Lektüre die unsinnige Gleichsetzung von Klein und Wagner, denn der psychopathische Massenmörder wurde hier zur (auch zeitlich entfernten) Kunstfigur mit kennzeichnenden Unterschieden zum realen Vorbild, sie dient vielmehr als Spiegel innerer obsessiver Befindlichkeit, wie Hesse überhaupt halbeingestandene autonome Komplexe, hier zumal Selbstaggression und -zerstörung gemeinhin nach außen projiziert, also entäußert:
Klein ist kein Gewaltverbrecher, sondern ein Schreibtisch-Krimineller, plant niemals, andere zu töten, er meint, deutlich genug, stets nur sich selbst. Tötungsphantasien kennt jeder Mensch als atavistisches Erbe von Kindesbeinen an, die sich allenfalls in Altersreife und Testosteronmangel auflösen. Die textferne Gleichsetzung nähme zudem alle Tiefe des Gleichnisses: sie entspringt lediglich trivialem Bewußtsein.
Vordergründig bestraft sich Klein für seinen Ausbruch aus der Kleinbürgerwelt, den er nicht verkraftet, weil er gegen alle ihre Wertsetzungen verstieß. So lebt er nur zeitweise scheinbar auf, dabei ohne Zukunft, weshalb er auch der Liebe nicht gewachsen ist. Tiefer treiben freilich erstickende metaphysisch-religiöse Ängste, immer wieder wird der protestantisch-alttestamentliche Patriarchengott erwähnt, öfter mit unbiblischen Zügen; daher gilt Jesus nicht als Christus, sondern als gequälter Mensch: Die untergründigen Schrecknisse Kleins erscheinen wie die manifeste Erbsünde:
'Immer diese Kluft vor Augen, die ihn von Gott trennte...aufgerieben vom ewigen Aufschwung zu Gott, der ewig mit Rückfall endete...' erzwingt geradezu Selbstvernichtung, - ein Befreiungsschlag ist dieser von klein auf konditionierten Seele unmöglich. Natürlich trägt sie einen mehrfach sprechenden Namen als Kleinbürger und Erdenwurm; auch dies verböte Vertauschung.
Nur kurzfristig bricht sich eine Art Taumel der neuen, freilich äußeren Freiheit Bahn, worin Klein unvermittelt eine andere Gottesvorstellung überwältigt, ein absurdes Mißverständnis trivialisierten Advaita-Vedanta, Banal-Brahma in untauglicher Ichbefangenheit, selbst in der letzten Stunde noch groteskes Verkennen von Atman und Prana.
Zuletzt triumphiert wieder der schreckliche Gott des alten Testaments, und Klein stirbt so sinnlos, wie er lebte. Gewiß rücken hier Autor, Erzähler und Erzählter eng zusammen, ihre tiefe Existenzqual ist die nämliche; dennoch: Wiewohl ihn Selbsttötungsgedanken bis über den 'Steppenwolf' hinaus bedrängten, entrann Hesse, offenkundig mit knapper Not.
Man kann an diesem Stück Meisterprosa ersehen, wie sich Leben zu Kunst zu transformieren und tranzendieren vermag, nämlich mit äußerster Disziplinierung im Neben-Sich-Selbst-Stehen (Dissoziierung) und anschließender formaler Bewältigung. Zwar stammt sie hier von autobiographischen Erfahrungen her, erklärt sich indessen niemals dadurch, sondern verselbständigt sich, um bis heute zu überdauern. Eigentümlich nur, daß dies aus tiefster Drangsal eher glückt als bei dem heute üblichen Allerweltskram, der stets kunstfern bleibt.


Leben ohne Angst - no more fear of flying      5 von 5 Punkten
Manche finden (aus heutiger Sicht) Hermann Hesse ziemlich kitschig oder halten ihn für eine Art Jugendbuchautor. Doch man sollte seine tatsächliche Größe nicht verkennen, die sich gerade in seinen „kleineren" Werken zeigt: „Wunderbarer Gedanke: ein Leben ohne Angst! Die Angst überwinden, das war die Seligkeit, das war die Erlösung. Wie hatte er sein Leben lang Angst gelitten, und nun, wo der Tod ihn schon am Halse würgte, fühlte er nichts mehr davon, keine Angst, kein Grauen, nur Lächeln, nur Erlösung, nur Einverstandensein. Er wußte nun plötzlich, was Angst ist, und daß sie nur von dem überwunden werden kann, der sie erkannt hat. Man hatte vor tausend Dingen Angst, vor Schmerzen, vor Richtern, vor dem eigenen Herzen, man hatte Angst vor dem Schlaf, Angst vor dem Erwachen, vor dem Alleinsein, vor der Kälte, vor dem Wahnsinn, vor dem Tode - namentlich vor ihm, vor dem Tode. Aber all das waren nur Masken und Verkleidungen. In Wirklichkeit gab es nur eines, vor dem man Angst hatte: das Sichfallenlassen, den Schritt in das Ungewisse hinaus, den kleinen Schritt hinweg über all die Versicherungen, die es gab. Und wer sich einmal, ein einziges Mal hingegeben hatte, wer einmal das große Vertrauen geübt und sich dem Schicksal anvertraut hatte, der war befreit. Er gehorchte nicht mehr den Erdgesetzen, er war in den Weltraum gefallen und schwang im Reigen der Gestirne mit. So war das. Es war so einfach, jedes Kind konnte das verstehen, konnte das wissen.... Wer gelernt hatte, nicht zu widerstreben, sich fallen zu lassen, der starb leicht, der wurde leicht geboren. Wer widerstrebte, der litt Angst, der starb schwer, der wurde ungern geboren." Wenn man sich so ein Zitat zu einem Popsong verarbeitet vorstellt, dann klingt es vielleicht so ähnlich wie ‚No More Fear Of Flying' von Gary Brooker - das halten auch einige für Kitsch. Ist es aber nicht.

Eine Nachtmeerfahrt der menschlichen Seele      5 von 5 Punkten
Diese 1919 entstandene Novelle von Hermann Hesse führt uns zurück an den Beginn dieses Jahrhunderts zu einem Menschen, der vor seiner Vergangenheit flieht, und sie doch nicht los werden kann. Denn wohin er auch fährt, nimmt er doch sich selbst stets mit. Die Novelle "Klein und Wagner" ist ein wahrer Höhepunkt des Prosawerkes Hermann Hesses, die er nach der Trennung von Frau und Familie und nach seinem Nervenzusammenbruch vehement niedergeschrieben hat. Sie ist die "Geschichte eines Philisters, den es in die Welt des Abenteuers, in die Sphäre des Unsicheren, ihm Fremden, Bösen, Gefährlichen hinüberreißt und der darin untergeht." (Hermann Hesse) Die Hauptfigur, Friedrich Klein, ein ehrbarer Beamter, treusorgender Familienvater und Ehemann, durchbricht darin auf einmal sein eigenes, respektabel-bürgerliches Dasein, und verläßt Frau und Kinder, reist mit dem Zug in ein anderes Land. Diese Reise ist zugleich eine Reise in die Abgründe seiner eigenen, kleinen und doch tief gespaltenen Seele. Belastet von den Gedanken an ein abscheuliches Verbrechen - dem Mord an der eigenen, vierköpfigen Familie - zieht er unter neuem Namen Wagner mit Pistole, unterschlagenem Geld und falschen Paß umher, ruhelos und innerlich zerrissen. Aber auch im Fremden findet er keinen Frieden, denn die in ihm wallenden Kräfte, das Wechselspiel zwischen Gut und Böse, läßt unauflösbare Spannung in ihm immer wieder neu entstehen. Hesse ist damit ein Juwel unter den Novellen geglückt, deren Vorlage auf dem realen Mordfall von 1913 durch Ernst August Wagner (ein Lehrer, Dichter, Massenmörder aus Stuttgart-Degerloch) basiert. Wie in einem Brennspiegel sammelt Hesse hier Wahn-, Gewalt- und Sexualphantasien aus dem Untergrund einer deutschen Menschenseele. Klein und Wagner erscheint dabei als ein Möglichkeitsprodukt aus der Summe aller individuell-persönlichen aber auch aller archetypisch-kollektiven Erfahrungen, vor allem mit den latent vorhandenen Autoritätsstrukturen und dem System des gesellschaftlichen Zwanges in Deutschland. Insgesamt ein phantastisches, indirekt auch gesellschaftskritisches Buch, das sich "mit der dunklen Seite des Herzens" intensiv und einzigartig auseinandersetzt. Vielleicht nicht für jeden geeignet (vor allem nicht unbedingt für sehr junge Menschen), aber mit Sicherheit eine zeitlos-literarische Sensation. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)


Jahrestage: Aus dem Leben von Gesine Cresspahl - Uwe JohnsonJahrestage: Aus dem Leben von Gesine Cresspahl
Uwe Johnson

Gebundene Ausgabe, Juni 2000
     Verkaufsrang: 106929      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 34,80 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Die Johnson-Forschung befindet sich seit jeher in einem Dilemma: Kaum ein Schriftsteller muss so hart darum kämpfen, dass seine fiktionale Prosa nicht gleichsam durch die ihr immanente Faktizität erdrückt wird. Eifrige Indiziensucher spüren Orte und Namen in Mecklenburg auf, wandeln auf den Spuren der Protagonistin Gesine Cresspahl durch New York, recherchieren in den Archiven alte Ausgaben der New York Times -- alles vor dem Hintergrund, Nachweisbares darzulegen. Hinzu kommt, dass dieser Ansatz von Johnson selbst in seinen Poetik-Vorlesungen thematisiert wird, habe er doch aus seinem Studium der deutschen Literatur "eine Vorliebe für das Konkrete, eine geradezu parteiische Aufmerksamkeit für das, was man vorzeigen, nachweisen, erzählen kann", mitgenommen. Vor diesem Hintergrund mag es kaum verwundern, dass sich die gebundene Ausgabe von 1983 eines Adressbuches erfreut und der jüngst erschienene Kommentar von Holger Helbig über 1.100 Seiten umfasst, die alles zu dokumentieren suchen. So wichtig diese Ansätze auch sein mögen, hier entsteht eine Gefahr, Johnson als Regionalschriftsteller (mit Augenmerk auf interkontinentale Beziehungen) zu missbrauchen.

Kaum gerecht wird man damit jedoch diesem Werk, das 365 Tage aus dem Leben der Gesine Cresspahl und ihrer Tochter Marie erzählt. Doch diese Aufzeichnungen vom 21. August 1967 bis zum 20. August 1968 brauchen mehr an Raum und Zeit: Es geht hier um deutsche Geschichte, um nazideutsche, westdeutsche, ostdeutsche und amerikanische Geschichte. Um zeitgeschichtliche Ereignisse, die ihrerseits in der New York Times berichtet werden -- also ohnehin schon vorgegeben sind. Doch hinter diesem Lauf der deutschen und der amerikanischen, der Weltgeschichte, verbergen sich Einzelschicksale, die das Personal des Romans darstellen. Es geht um die Interaktion dieser Subjekte mit dem Verlauf der Zeitgeschichte, deren Determiniertheit durch den sozialen Kontext, in dem sie sich befinden, dargelegt wird. Diese äußere Determination freilich kann nicht ohne Auswirkungen auf formale und strukturelle Merkmale dieses Romans bleiben: So liest man eine Art Berichterstattung, gleichsam eine Geschichtsschreibung, die sich der Auswertung von Dokumenten, von Quellen verpflichtet hat. Diese auktoriale Erzählsituation steht antithetisch zu der subjektorientierten, die die Romanpersonen kennzeichnet.

Hieraus ergibt sich etwas Bedeutendes: Genau wie die fiktiven Romanfiguren an die realen Gegebenheiten der Zeitgeschichte unausweichlich gebunden sind, ist auch der Erzähler dieser Situation (formal) ausgeliefert, er befindet sich in einer analogen Situation. Das verschafft der Lektüre einen doppelten Boden, der sich erhebt über eine Ebene der Prüfbarkeit von Faktizität. --Kristina Nenninger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)

Nachbeben      5 von 5 Punkten
Als die Jahrestage in vier Bänden nacheinander erschienen, war man sich der Kraftanstrengung dieses Autors kaum bewußt, man war vielmehr fasziniert davon, wie er die Erinnerungen der Gesine Cressphal mühelos mit dem Weltgeschehen der späten Sechziger Jahre verküpfte und sich dabei des Kunstgriffs der New York Times bediente. Was nun wie ein monumentales Werk dasteht, war ein in sich äußerst fragiles Unternehmen, das den Autor an sich band. Selten wurde ein Teil der deutschen Geschichte so kunstvoll von leichter Hand erzählt.

Die Jahrestage stehen in der Tradition der großen Erzähler wie Zola oder auch einem Tolstoi. Ein zerrisenes Panorama. Uwe Johnson hat seiner Heimat damit einen literarischen Ort erschrieben, zu dem seine Leser immer wieder zurückfinden, und in Gesine Cressphal und ihrer Tochter Marie, zwei Menschen geschaffen, die für vieles stehen, was Deutschland am Ende des 20. Jahrhunderts nach den Verbrechen der Nazis ausmacht und uns über die Zeiten an unsere Geschichte bindet. Wie Politik in unser aller Leben seinen Platz einnimmt, es mitbestimmt, selbst wenn wir von Politik nichts wissen wollen, davon erzählen die Jahrestage und werfen einen Blick auf die bleierne Zeit danach.


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Brecht-Liederbuch - Bertolt BrechtBrecht-Liederbuch
Bertolt Brecht

Taschenbuch, Juni 1998
     Verkaufsrang: 185429      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 16,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Auf über 350 Seiten bietet der Band die Noten (für Gitarre bzw. Klavier) zur Musik von 121 Brecht-Liedern und Songs, die Brecht selbst bzw. Franz S. Bruinier, Kurt Weill, Hanns Eisler, Paul Dessau, Rudolf Wagner-Régeny und Kurt Schwaen in Zusammenarbeit mit Brecht komponiert haben. Im zweiten Teil des Bandes gibt es jeweils ausführliche Angaben zur Entstehung von Text und Musik, Hinweise auf Schallplattenaufnahmen u.a.m.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Gut gemachtes Buch zu Brechts Liedern      5 von 5 Punkten
Dass Bertolt Brecht eine ganze Reihe von berühmten Liedern geschrieben hat, die dann auf großartige Art und Weise von Komponisten wie Hanns Eisler oder Paul Dessau vertont wurden, ist recht bekannt. Ärgerlich diesbezüglich ist aber, dass sich in fast keinen Gedicht- und Liederbüchern über Brecht auch die Noten für die entsprechenden Brecht-Lieder abgedruckt wurden. Diese Funktion übernimmt jetzt das „Brecht Liederbuch" aus dem Suhrkamp-Verlag: 121 Lieder mit ihren Noten finden sich hier. Dabei ist das Buch natürlich keinesfalls eine abschließende Sammlung aller Vertonungen von Brecht-Liedern seit ihrer Entstehung. Das „Brech-Liederbuch" beschränkt sich auf Vertonungen, die von den Komponisten mit Brecht besprochen wurden, wo also Brecht - wenngleich nicht als Komponist - seinen Einfluss hatte und nicht bloßer Texter war. Versehen mit einem umfassenden Kommentar-Teil, in welchem auf die Vertonungen eingegangen wird, ist so ein Liederbuch entstanden, an dem auch andere „Song books" sich ein Vorbild nehmen könnten. Es gehört in jeden Bücherschrank eines Brecht-Fans und für Brechtfreunde, die gelegentlich auch Brecht musikalisch verarbeiten würden, ist es auf jeden Fall auch zu empfehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

Brechtliedervertonungen und ihre Hintergründe      5 von 5 Punkten
Diese Ausgabe ist eine nette Alternative zur dreibändigen gebundenen großen Ausgabe, da alle Lieder in kleiner Notenschrift in einen Band untergebracht sind. Beginnend mit Brechts eigenen Klampfenbegleitungen zu einigen Liedern, sind Vertonungen von Kurt Weill, Hanns Eisler, Paul Dessau, Wagner-Régeny und anderen zu finden. Im Anhang finden sich jeweils wertvolle Hinweise zur Entstehungsgeschichte oder zur Interpretationsweise. Brecht arbeitete mit den Komponisten eng zusammen und hatte seine sehr eigenen Vorstellungen, welche Rolle die Musik bei der Liedvertonung einnehmen solle: verständlich, daß die Zusammenarbeit oft nicht konfliktlos verlief. Einige Orchestersätze (z. B. "Das Einheitsfrontlied" von Eisler) sind für Klavier transkribiert. Das Notendruckbild ist sehr ausgeglichen und trotz der Verkleinerung gut lesbar: für ein ausführendes Musizieren könnte ja immer noch eine Vergrößerungsfotokopie des eigenen Exemplares erstellt werden; als Studienausgabe ist es sehr praktisch! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)


Das Bildnis des Dorian Gray - Oscar WildeDas Bildnis des Dorian Gray
Oscar Wilde

Taschenbuch, Februar 1992
     Verkaufsrang: 56857      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Für den Maler Basil Hallward verkörpert Dorian Gray die unvergleichliche Muse, die ihm als Künstler zu voller Blüte verhilft und ihm Genialität einflößt. Lord Henry erscheint dieser anmutige Jüngling wie ein hohles Gefäß von vollendeter Form, das darauf wartet, geöffnet und von Leben erfüllt zu werden. Basil betet Dorian als den Inbegriff von Aufrichtigkeit, Tugend und vollendeter Schönheit an. Für Lord Henry ist er hauptsächlich ein sehr interessantes Experiment.

Von der Ausstrahlung seines jungen Freundes geblendet und ihm völlig ergeben, überschüttet Basil ihn mit einer Flut an Komplimenten. Scharfzüngig, mit herrlich extremen Aussagen und provozierenden Thesen, versetzt Lord Henry den noch schlummernden Geist Dorians mit seinen paradoxen Philosophien in Aufruhr. Basil, von Dorians scharlachroten Lippen, den goldenen Haarwellen und den weiten blauen Augen betört, versucht, seine einzigartige Schönheit in einem großen Kunstwerk zu verewigen. Lord Henry, von seiner Unwissenheit und Formbarkeit angetan, verhilft ihm mit messerscharfem Geist und hypnotischer Redegewandtheit zu einer zweifelhaften Bewußtheit.

Dorian Gray erschauert, als er sich auf dem fertiggestellten Gemälde erblickt, und in seinem Entzücken über sich selbst richtet er einen wahnwitzigen und folgenschweren Wunsch an das Universum: Möge er in Wirklichkeit immer so jung und schön bleiben wie auf diesem Porträt. Stattdessen solle das Bild für ihn altern. Sein Gebet wird auf mystische Weise erhört. Dorian, vergiftet durch den schlechten Einfluß von Lord Henry und eines Romans, den dieser ihm zu lesen gibt, gerät immer mehr zum Opfer seiner innersten Abgründe. Nach außen hin bleibt er makellos, doch sein Porträt, das er voller Furcht vor Entdeckung in einem verstaubten Zimmer auf dem Dachboden versteckt, offenbart ihm die Verfehlungen seiner Seele erbarmungslos und auf gräßlichste Weise.

Verschleiert, wie es zu Oscar Wildes Zeiten nur möglich war, schwingt das Thema der Homosexualität mit. Viel dreht sich um männliche Schönheit und Jugend, um die zweifelhafte Moral der Gesellschaft, um verborgene Sünden und geheimnisvolle Anziehungskräfte und um schwerwiegende Gefühle von Schuld.

Wildes einziger Roman ist ein Werk von großer Eigenart, geschrieben in der für Wilde typischen blumigen und äußerst kunstvollen Sprache, voller gewagter und tiefgründiger Spekulationen um die Doppelnatur der menschlichen Seele und um das mysteriöse Wechselspiel zwischen Kunst und Leben. In ihm spielt das Reale mit dem Irrealen. Es beschreibt die Tragödie um den Identitätsverlust einer dekadenten Seele. --Daphne Unruh

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 56 Bewertungen)

Ein lesenswerter Klassiker!      5 von 5 Punkten
"Das Bildnis des Dorian Gray" ist wohl Oscar Wilde's bekanntestes Werk - und das nicht zu Unrecht. Wahrhaft meisterhaft erzählt, spannend bis zur letzten Minute. Über das Älterwerden, das Vergängliche, die Jugend und die Abgründe der menschlichen Seele. Kunstvoll, bezaubernd, leichtfüßig. Unbedingt lesenswert!



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Herz der Finsternis: Mit dem 'Kongo-Tagebuch' und dem 'Up-river Book' - Joseph ConradHerz der Finsternis: Mit dem 'Kongo-Tagebuch' und dem 'Up-river Book'
Joseph Conrad

Taschenbuch, Juni 1998
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Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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In den Abenteuerbüchern Joseph Conrads ist der Dschungel still. Im Herz der Finsternis (1899) etwa schlängelt sich der Kongo lautlos durch die "erhabene Stille des Urwalds": Die Geschichte von Kapitän Marlowe, der sich auf die Suche nach dem rätselhaften und grausamen Elfenbeinhändler Kurtz ins dunkle Afrika aufmacht, spielt sich vorwiegend in der "schweigenden Wildnis" ab. Erst als Marlowe Kurtz zum ersten Mal zu Gesicht bekommt, durchbricht ein schriller Schrei die Lautlosigkeit. Zunächst nur "ein Wort" in den Erzählungen der Eingeborenen, stellt sich der dämonische Redner nun "als eine Stimme dar". Und als Kurtz mit dem flüsternden Ausruf "Das Grauen! Das Grauen!" sein Leben schließlich aushaucht, wird die Wahrheit dieser Einschätzung offenbar: "Er war kaum mehr gewesen als eine Stimme".

Im Herz der Finsternis, das von den teuflischen Schattenseiten der europäischen Zivilisation ebenso wie von den düstren Untiefen der menschlichen Seele berichtet, ist auch der Ich-Erzähler Marlowe für seine Zuhörer "nicht mehr gewesen als eine Stimme". Auf der CD-Fassung des Reclam Verlags nun leiht der 57-jährige Schauspieler Christian Brückner, der bereits Robert de Niro und Alain Delon synchronisierte, dem Organ des Kapitäns sein raues Timbre. Er tut dies mit viel Gespür für Conrads Text: Denn während der charismatische Kurtz "ernst, tief, bebend" -- als Störung im Urwaldschweigen eben -- hätte gesprochen werden müssen, ist die von Brückner gegebene Erzählstimme Marlowes ruhig, schlängelnd und tiefgründig wie der Kongostrom.

"Meine Stimme ist es, die nicht zum Schweigen gebracht werden kann", behauptet Marlowe einmal. Nun macht uns die unverwechselbare Stimme Brückners den herrlich gleichförmig mäandrischen "Zauberfluss der Rede" vom Herz der Finsternis anschaulich. Getreu dem auf Kurtz gemünzten Diktum Conrads: "Man spricht nicht mit dem Mann -- man hört ihm zu". 5 CDs, Spieldauer: 303 Minuten. --Thomas Köster

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 19 Bewertungen)

Kino für die Ohren. Ganz große Erzählkunst.      5 von 5 Punkten
Die Geo Hörwelten Auswahl ist an sich schon ein Genuß. Aber mit Joseph Conrads -Herz der Finsternis- wird dem Hörer ein besonderer Leckerbissen angeboten. Ein klassischer Erzähler der alten Schule mit einer überbordenden Geschichte von Leid, Glück, Abenteuer und Forscherdrang. Geschrieben in Worten, die auch heute noch berühren und anfassen. Aber gerade da liegt das Problem bei den klassischen Erzählern wie Conrad, Steinbeck, Sayoran oder Hemingway. Der heutige Leser findet oft nur schwer Zugang zur Sprache der großen Schriftsteller. Sicher sieht das bei einer absoluten Leseratte anders aus, aber nicht jeder verschlingt dutzendweise Bücher; schon gar keine Klassiker. Und genau hier setzen die Geo Hörwelten in genialer Weise an. Die alten Geschichten der großen Meister wollen erzählt werden. Okay, man kann sie auch lesen, aber es sind Erzählungen. Und wenn man einen Christian Brückner gewinnen kann, der die Geschichte in einer Art und Weise präsentiert, dass einem jeder Satz ein Bild in den Kopf zaubert, das sich einem die Nackenhaare aufstellen und man das Geräusch der Stromschnellen hört; was will man dann noch mehr?

Der alte Kapitän Marlowe erzählt seinen Freunden von seiner Reise den Kongo hinauf. Dort sucht und findet er den geheimnisvollen Mister Kurtz, der eine Art Phantom unter den Elfenbeinhändlern zu sein scheint. Gerüchte eilen ihm voraus und der junge Marlowe muss seinen ganzen Mut zusammennehmen, um die gefahrvolle Reise zu meistern...

Eine einfache Geschichte, aber erzählt mit Worten, die die Welt still stehen lassen können. Klar, einfach, phantastisch. Wer den Zugang zur Weltliteratur noch nicht gefunden hat, hier kann er es noch einmal versuchen. Sich einfach zurücklehnen, Christian Brückners Stimme lauschen und sich von Joseph Conrad in das dunkle Afrika zur Wende des 19. Jahrhunderts entführen lassen. Eine Reise mit den Ohren, die sie, das kann ich fast versprechen, nie wieder vergessen werden.


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Cheops - Nagib MachfusCheops
Nagib Machfus

Broschiert, Januar 2007
     Verkaufsrang: 135576      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen.

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Der Pharao Cheops ist der mächtigste Mann in ganz Ägypten. Die große Pyramide, an der seit zehn Jahren gebaut wird, soll seine Herrschaft im Reich der Toten fortsetzen. Bis die Prophezeiung eines berühmtem Wahrsagers seine Allmacht erschüttert: Der Zauberer gibt nämlich nicht wie erwartet einige amüsante Geschichten zum Besten, sondern weissagt, dass ein an diesem Tag im Hause des Hohen Priesters geborenes Kind den Thron übernehmen wird. Cheops setzt alles daran, das Kind aufzuspüren, und er wagt es, die Götter herauszufordern.

Nagib Machfus legt diesem historischen Roman eine der ältesten ägyptischen Überlieferungen zu Grunde, den"Papyrus Westcar", der sich heute in Berlin befindet."Ich bin ein Sohn zweier Zivilisationen, die sich zu einem fruchtbaren Bund vereint haben. Die eine ist die etwa 7000 Jahre alte Pharaonenzeit und die andere die islamische Zivilisation."Nagib Machfus in seiner Rede anlässlich der Verleihung des Nobelpreises


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Eine schöne Geschichte.      4 von 5 Punkten
Cheops lässt zur Unterhaltung Dedi kommen, einen Wahrsager der weithin berühmt ist, da er nicht nur Menschen und Tieren seinen Willen aufzwingen, sondern auch trefflich in die Zukunft sehen kann. Nachdem der alte Mann seine Fähigkeit an dem Heerführer unter Beweis gestellt hat, möchte Cheops, dass er ihm sagt, welcher seiner Söhne ihm auf dem Horusthron nachfolgen wird. Nach einem Augenblick wird Dedi jedoch kreideweiß und muss eine unliebsame Botschaft an den Mann bringen. Keiner der Söhne des Pharaos wird nach ihm herrschen, der Sohn des Hohenpriesters aus dem Tempel des Re, welcher just in diesem Moment geboren wurde, wird der neue Pharao. Doch Cheops denkt nicht daran das so einfach zuzulassen und macht sich auf den Weg zum Tempel des Re...

Als Historischen Roman kann man dieses Buch von Nagib Machfus ziemlich vergessen. Er schreibt es zwar in Anlehnung zu einer Geschichte aus dem Papyrus Westcar und hat somit durchaus einen historischen Bezug, jedoch beruht der nicht auf historischen Tatsachen, sondern auch nur auf einer überlieferten Geschichte, die Herr Machfus gut ausschmückt und recht philosophisch ge- und beschrieben hat. Jedoch hat er sich nicht die Mühe gemacht, das damalige Zeitbild genauer zu recherchieren, so reiten und fahren die Leute hier fleißig durch die Gegend, obwohl es damals noch lange keine Pferde in Ägypten gab und auch die tatsächlichen familiären Verhältnisse von Cheops, die ja zumindest zum Teil überliefert sind, übergeht er hier auch häufiger.

In Hinsicht auf die Authentizität hätte ich von dem einzigen arabischen Nobelpreisträger tatsächlich wesentlich mehr erwartet, doch das Nachwort von Raymond Stock klärte mich dann endlich auf, dass es bei diesem Roman weitaus weniger um Authentizität ging, als um die philosophischen Betrachtungen und den Bezug zur aktuellen arabischen Kultur von 1939. Dies erfolgte hübsch verpackt in diesem Roman über Cheops, da man damals keine zeitgenössische, kritische Literatur schreiben durfte.

Das lässt diesen Roman dann doch noch in einem ganz anderen Licht erscheinen, nur kenne ich mich in der Geschichte von Ägypten um 1939 leider nicht aus und daran änderte die kurze Biografie des Autors am Ende des Buches auch nicht mehr genug. Parallelen die da sein mögen, kann ich natürlich so nicht finden.

Somit kann ich nur sagen, dass ich das Buch aufgrund einiger guter philosophischer Betrachtungen ganz reizvoll fand aber im Ganzen da ich einen echten historischen Roman erwartete nicht überzeugt war. Eigentlich hätte ich nur 3 Sterne vergeben, aber da meine Betrachtungsweise für diesen Roman schon grundsätzlich verkehrt war, gebe ich 4 Sterne, in der Hoffnung, dass es wirklich gute Parallelen zu der Zeit um 1939 enthielt. Ich gehe einfach mal davon aus, dass jemand, der sich wirklich für Ägypten am Anfang des letzten Jahrhunderts interessiert, weit mehr von dem Buch halten wird als ich.

Märchenhafter Roman mit Überraschungen      5 von 5 Punkten
In diesem historischen Roman, der ja schon 1939 von Machfus geschrieben wurde, taucht man ab in die Welt des pharaonischen Ägyptens. Die Handlung beruht zudem auf dem sogenannten »Papyrus Westcar«.
Der Autor nimmt den Leser mit auf eine gedankliche Reise ins Reich der Pyramiden zu jener Zeit als der mächtige Cheops über Ägypten herrschte. Cheops wird seiner Langeweile überdrüssig und sucht nach Abwechslung und so prophezeit ihm bald darauf ein Zauberer Unvorstellbares: ein Kind eines Priesters soll Pharaos Nachfolger werden. Die Suche nach dem Neugeborenen läßt nicht auf sich warten... doch das Schicksal bestimmt den Lauf der Dinge und somit beginnt der kometenhafte Aufstieg eines anderen jungen Lebens, namens Dadaf.
Obwohl der Leser quasi von Anfang an weiß, dass jener Dadaf einst Pharao von Ägypten sein wird, ist diese Geschichte - mit Unterbrechungen - spannend bis zum letzten Satz. Eigentlich auch eine klassische Begebenheit, wobei das Gute über das Böse siegt, in der sich der Leser eingebunden fühlt. Liebevoll erzählt mit bildreicher Sprache versehen und alles in allem sehr klar; besonders gefallen hat mir der facettenreiche Schreibstil, was sicherlich auch der Übersetzerin zu verdanken ist.
Der Autor verläßt zwar hier und da die historische Genauigkeit des Alten Ägyptens was aber überhaupt nicht als störend empfunden wird, da im Vordergrund vielmehr die Personen und deren individuellen Handlungen stehen. – Fazit: ein Muss für alle Ägyptenliebhaber, die gerne Romane lesen.


Franz Werfel. Gesammelte Werke in Einzelbänden: Die vierzig Tage des Musa Dagh: (Gesammelte Werke in Einzelbänden) - Franz WerfelFranz Werfel. Gesammelte Werke in Einzelbänden: Die vierzig Tage des Musa Dagh: (Gesammelte Werke in Einzelbänden)
Franz Werfel

Taschenbuch, Mai 1990
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Der Berg Musa Dagh wird im Sommer 1915 zum letzten Hoffnungsschimmer für ungefähr 5000 Armenier. Auf ihm suchen sie Zuflucht vor Verfolgung, Verschleppung und Ausrottung durch die Türken. Statt sich wie ihre meisten Leidensgenossen in das schreckliche Schicksal zu fügen, setzen sie alles auf eine Karte. Ihr verzweifelter Trumph heißt erbitterter Widerstand, koste es, was es wolle.

Der wohlhabende Geschäftsmann Gabriel Bagradian wird zu ihrem Anführer und zur treibenden Kraft. Obwohl er gebürtiger Armenier ist, verbrachte er einen Großteil seines Lebens in Frankreich. Nach dem Tod des Bruders und Familienoberhauptes kehrt er mit seiner französischen Ehefrau Juliette und dem gemeinsamen Sohn in seine Heimat zurück. Die Falle schnappt zu. Reichtum und europäische Bildung helfen nicht weiter. Ohnmächtig erlebt er die Beschneidung elementarer Rechte, befindet sich von einem Tag auf den anderen in Lebensgefahr. Alle Standesunterschiede verschwinden angesichts des drohenden Todes, nur die Gemeinschaft verspricht Stärke.

Bagradian überzeugt die Dorfgemeinden zum Kampf. Der Musa Dagh wird zur natürlichen Abwehrfestung, die der türkischen Übermacht hartnäckig trotzt. Franz Werfel beabsichtigte, Europäern das Verbrechen an den Armeniern zu vergegenwärtigen. Historische Forschungen ermöglichten eine detailgetreue Schilderung, so daß diese fiktive Erzählung beklemmend authentisch wirkt. Eine Polemisierung gegen die Türken wollte Werfel auf keinen Fall, Schwarzweißmalerei lehnte er entschieden ab.

Dieser Roman, eine Mahnung an die Menschlichkeit, erschien 1933 in Deutschland. Im gleichen Jahr sollten Werfels Bücher verbrannt werden. Die vierzig Tage des Musa Dagh: ein fesselnder Roman und zugleich ein Appell, aus der Vergangenheit zu lernen. --Larissa Carina Seelbach

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)

Mehr als ein Roman - ein Testament!      5 von 5 Punkten
Ein Roman wie ein Erdbeben. Vielen Dank an
Franz Werfel dem hier ein ganz grosser geschichtlicher und literarischer Wurf gelungen ist. Man spürt auch die grosse Verantwortung und Verpflichtung des Autors diesen Genozid zu Beginn des 20. Jahrhunderts, begangen am armenischen Volk, einem breiten Publikum nahezubringen. Und es geht einem wirklich nahe. Die Bilder die der Autor in dem Buch entwirft sind großartig. Ich habe förmlich in diesem Buch gelebt. Ein wahrer Gefühlssturm der mich immer wieder beim Lesen ergriffen hat. Die Charaktere sind sorgfältig gezeichnet. Man ist förmlich an die Typenlehre von C.G. Jung erinnert. In irgendeiner der Figuren findet man sich garantiert selbst. Wirklich ein Jahrhundertroman.


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