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| Klassiker des 20. Jahrhunderts | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Der rote Pony und andere Erzählungen John Steinbeck Taschenbuch, Dezember 2000 Verkaufsrang: 183760 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 6 Tagen. Bitte beachten Sie auch unser Special zum 100.Seine Welt bekommt erste Risse, als sein geliebter Ponyhengst schwer krank wird. Einfühlsam schildert Steinbeck in der berühmten Titelgeschichte die Erschütterungen einer kindlichen Seele, der schmerzliche Verlust des Urvertrauens in die Mitmenschen. Auch die anderen Erzählungen beschreiben mit großer Intensität Grunderlebnisse des Menschen wie Schmerz, Freude, Liebe, Tod: Da findet ein Rancher bei der Heimkehr seine »musterhafte« Ehefrau in den Armen eines anderen, und eine Mutter verliert ihren Sohn, kaum daß er die Schwelle zum Erwachsensein überschritten hat. Steinbeck erzählt unsentimental, mit sparsamen Mitteln, aber enormer Bildhaftigkeit und bringt dabei seine tiefe Verbundenheit mit seiner kalifornischen Heimat und ihren Menschen zum Ausdruck. Mit der Beschreibung der Bewohner der fruchtbaren Tälern Kaliforniens weckt er im Leser eine tiefe Sehnsucht nach dem einfachen Leben, nach der Natur und nach der Freundschaft einfacher, ehrlicher Menschen. So gehören diese Geschichten zum Besten, was Steinbeck je geschrieben hat.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Erwachen durch Verlust und Verrat 5 von 5 Punkten Das rote Pony“ erzählt von Jody Tiflin, einem Knaben auf einer Ranch in Kalifornien. Der wortkarge Vater schenkt ihm unversehens ein sehr junges Pony. Jody, noch ein halbes Kind, übernimmt die Aufgabe der Aufzucht und des Abrichtens. Dabei hilft ihm der Vorarbeiter Billy Buck, der im Umkreis von 50 Meilen als bester Pferdekenner gilt, „der kann Pferde besser kurieren als jeder Tierarzt“ heißt es einmal von ihm. Doch bitter ist die Erkenntnis von Jody, dass auch „Halbgötter“ Fehler machen: Billy verharmlost eine Erkrankung des geliebten Ponys und verursacht so den Tod des Tieres. Jody steht den Ereignissen sprach- und hilflos gegenüber und vermag seiner Wut nur dadurch Ausdruck zu verleihen, dass er einen Bussard tötet.Diese Desillusionierung des Knaben beim Heranwachsen vom Jungen zum jungen Mann zieht sich durch die gesamte Erzählung. Dabei bewahrt sich Jody ein offenes Ohr und einen wachen Blick für seine Umgebung. Ungerechtigkeit ist für ihn ein rotes Tuch. Beschämt muss er z. B. miterleben, wie sich sein Vater über den Großvater lustig macht. Für Jody bedeuten diese einschneidenden Erlebnisse einen weiteren Schritt in die eigene Unabhängigkeit, weg vom „Anhimmeln“ der Erwachsenen hin zu seinem eigenen Weg, mit der Wirklichkeit umzugehen. Steinbeck erzählt seine Geschichte wie ein weit über dem Ganzen thronender Betrachter und lässt dabei kein Mitgefühl, weder für das Schicksal des Tieres noch des Jungen, erkennen. Seine Wirkung erzielt er größtenteils durch die kraftvolle Beschreibung der Umstände und die Bildhaftigkeit seiner Sprache. Diesem Umstand trägt der Sprecher Andreas Pietschmann mit seiner jungenhaften Stimme Rechnung und bleibt damit dem Werk und der Intension Steinbecks treu. (C) Wolfgang Haan
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Der schöne Sommer Cesare Pavese Gebundene Ausgabe, Februar 1997 Verkaufsrang: 149814 Damals war immerzu Festtag. Die Mädchen brauchten nur aus dem Haus zu treten und über die Straße zu gehen, da gerieten sie geradezu in einen Rausch; alles war, besonders nachts, so schön, daß sie, wenn sie todmüde heimkamen, noch immer hofften, daß irgend etwas passierte.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Einfach schön! 5 von 5 Punkten *DER SCHÖNE SOMMER*, der erste der *TURINER ROMANE* von CESARE PAVESE erzählt die geschichte eines sommers im leben der sechzehnjährigen ginia. tagsüber arbeitet sie in einer schneiderei und in ihrer freizeit erkundet sie mit der älteren amelia die strassen und plätze turins. sie sitzen in cafes, gehen ins kino. amelia verdient sich ihr geld als modell für maler. im gegesatz zu der unerfahrenen ginia ist ist schon erfahrener im umgang mit männern und frauen. durch amelia lernt ginia auch ihre erste liebe, den maler guido kennen. doch wird das glück diesen einen sommer überdauern? PAVESEs karge sprache erzeugt eine ganz eigene faszination und erzählt eine wunderbar unspektakuläre, reizende geschichte vom erwachsen werden. PAVESE zu lesen ist ein genuß - ganz nach meinem geschmack. ich freue mich schon auf die weiteren romane der trilogie!
für schüchterne 5 von 5 Punkten dieses buch ist absolut wundervoll. es handelt von der jungen ginia, die noch wenig lebenserfahrung hat und sich nach mehr sehnt. gleichzeitig ist sie aber schüchtern und ist oft erschrocken von ihrem eigenen mut als sie die ersten erfahrungen in der liebe sammelt. sie fühlt sich zu dem maler guido hingezogen, fühlt sich aber auch dilettantisch und nicht dazugehörend. ein wunderbares werk das ganz vorsichtig davon erzählt wie es ist teil des Ganzen sein zu wollen, aber zurückgestossen zu werden von der Welt. was für die, die sich immer "fremd fühlen". |
In der Strafkolonie: Eine Geschichte aus dem Jahre 1914 Franz Kafka Taschenbuch, August 1998 Verkaufsrang: 138550 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 6 Tagen. Die erfolgreichste Kafka-Edition Klaus Wagenbachs: Die Strafkolonie in ihrer zeitlichen, biographischen, literarischen und politischen Umgebung: Kafkas berühmte, zu Beginn des Ersten Weltkriegs geschriebene Erzählung erscheint in der Fassung der Erstausgabe, samt allen Varianten, Lebens- und Veröffentlichungsumständen. Zugleich wird der Leser in die seltsame Situation des Besuchers der Strafkolonie versetzt - als Reisender, der sich Kenntnisse wünscht: über Strafkolonien, Apparate, die Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt und die Quellen: von Friedrich Nietzsche über Regina von Wladiczek bis zu Arthur Holitscher. Mit einigen Überlegungen zum Verhältnis von Realität, Wahrheit und Literatur.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Meilenstein deutscher Erzählkunst 5 von 5 Punkten "In der Strafkolonie" ist nicht nur Franz Kafkas gelungenste Erzählung, sondern neben Borcherts "Schischiphusch" auch die beeindruckendste deutsche Erzählung, die ich kenne - und das aus zwei Gründen:
1. Vordergründig geht es um einen Reisenden, der in einer Strafkolonie ein Hinrichtungsverfahren "begutachten" soll, das mit einer speziell konstruierten Maschine durchgeführt wird.
Kafkas Kunstgriff liegt darin, dass er dem Reisenden die Feinheiten der Maschine von einem Offizier anpreisen lässt, der von diesem Verfahren vollkommen überzeugt ist und den Akt des Folterns mit der gleichen Begeisterung schildert wie andere den Liebesakt und den Reisenden gewinnen will, das Verfahren beim Kommandanten zu befürworten.
2. Der Reisende begutachtet das Verfahren im Auftrag des aktuellen Kommandanten, welcher ein Gegner der Folter ist, während der frühere Kommandant, dessen Geist noch über der Kolonie zu schweben scheint, ein vehementer Verfechter der härtesten und brutalsten Strafen gewesen war.
Indem der Reisende sich am Ende des Vortrags gegen die Maschine ausspricht, entzieht er sozusagen die Existenzgrundlage des Offiziers und vertreibt den Geist des ehemaligen Kommandanten.
Natürlich endet - wie alle großen Erzählungen Kafkas und das Leben selber - auch diese Geschichte tödlich und als der Reisende am Ende die Kolonie verlässt, hat diese kleine Erzählung den Eindruck vermittelt man hätte literarisch am Ende einer Epoche der Folter teilgehabt.
Mehr kann Literatur nicht leisten.
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Lord Jim Joseph Conrad Taschenbuch, November 2005 Verkaufsrang: 212874 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden So groß war Jims Traum von Ehre und Heldenmut und so jäh wird er zerstört. Die Gewissheit, das eigene Versagen nie mehr tilgen zu können, quält ihn und macht ihn zum Ausgestossenen. Lord Jim, Conrads bekanntester Roman, erzählt die Geschichte eines jungen englischen Schiffsoffiziers, eines sensiblen und fantasiebegabten Menschen, der von Jugend an im Traum lebt, für eine besondere Aufgabe bestimmt zu sein, und im Augenblick der Bewährung versagt. Der...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Spannender Roman mit Tiefgang - sehr lesenswert! 5 von 5 Punkten "Er war einer von uns", beteuert Marlow, der Erzähler in Joseph Conrads Roman "Lord Jim", immer wieder, während er die Geschichte erzählt. Der verträumte junge Jim, Erster Offizier auf einem alten Dampfer, ist nicht besser oder schlechter als andere Menschen. Aber als das Schiff eines Nachts leckschlägt und er sich in Todesangst von den anderen Offizieren dazu hinreißen lässt, heimlich im Rettungsboot zu flüchten, verliert er seine Ehre und seinen Beruf und lädt eine untilgbare Schuld auf sich. Zumindest ihm erscheint es so: Seine Vergangenheit verfolgt ihn unaufhörlich, lässt ihn nicht mehr ruhen und durchkreuzt alle seine Versuche, ein glückliches Leben zu führen - bis er schließlich sein Versagen freiwillig sühnt. Joseph Conrads bekanntester Roman zeigt uns den Menschen als tragisches Opfer seines Schicksals, als einen, der für seine Fehlentscheidungen büßen muss und nicht auf Gnade hoffen darf. Mit seiner komplexen Struktur und der raffinierten Erzähltechnik wurde das Werk richtungsweisend für den Roman des 20. Jahrhunderts.
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L'Amant Marguerite Duras Broschiert, April 2006 Verkaufsrang: 37818 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Großartige Edition ! 5 von 5 Punkten 'L'Amant' von Marguerite Duras ist ein Roman, den einfach jeder lesen sollte, der sich für französische Literatur interessiert! Das Reclam-Bändchen von 'L'Amant' ist eine sehr gut gemachte Ausgabe des interessanten autobiographischen Romans der Autorin. Jede Seite enthält umfassende Wortangaben, die es auch weniger versierten Schülern erlauben, den Text zu lesen bzw. damit zu arbeiten. Die Anhänge mit Sachangaben und einer historischen Übersicht sowie einer Karte zum französischen Indochina finde ich sehr gut und hilfreich. Mit großem Interesse habe ich das informative Nachwort des Herausgebers gelesen, welches sehr gründlich in das Werk von Marguerite Duras und ihre Vorstellungen von Film und Kino einführt, einfach großartig, mir hat's sehr gefallen! |
Der Seewolf. Roman Jack London, Erwin Magnus Broschiert, Juni 2006 Verkaufsrang: 229239 Jack Londons bedeutendster Seeroman - ein Klassiker des großen Abenteuer-Autors. Humphrey van Weyden, ein Mittdreißiger, »der sich nicht ganz ohne Erfolg als Kunstbetrachter in der Literatur versucht hatte«, wird nach einem Schiffsunglück in der Bucht von San Franzisko von dem Robbenfänger »Ghost« aufgefischt. Doch anstatt ihn in den nächsten Hafen an Land zu setzen, macht der Kapitän Wolf Larsen den Literaten zum Küchenjungen, denn für ihn gilt allein das brutale Recht des Stärkeren. Und Wolf Larsen ist der Stärkere. Voller Abscheu und doch auch fasziniert erlebt van Weyden, wie sich bei diesem Mann tierhafte Kraft und Schönheit mit einer gänzlich skrupellosen und zynisch materialistischen Waltanschauung verbinden. Der Schöngeist van Weyden lernt, »auf eigenen Füßen zu stehen und sogar ein bißchen auf ihnen zu laufen«. Das gibt ihm eine Chance, als zusammen mit anderen Schiffbrüchigen auch Maud Brewster an Bord genommen wird und der Kampf der beiden Männer um die Frau beginnt.
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Ein eigenes Zimmer Virginia Woolf Taschenbuch, November 2001 Verkaufsrang: 98567 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden A Room of One's Own , 1929 entstanden, erschien in deutscher Übersetzung erst 1978, unter dem Titel Ein Zimmer für sich allein . Virginia Woolf greift auf ihre eigene, erzählerisch-essayistische Weise eine ganze Reihe von ragen zum Thema Frauen und Literatur auf, die sie und ihre Zeit bewegten: Warum haben Töchter aus gebildetem Haus nicht die gleichen Möglichkeiten zur Universitätsausbildung wie ihre Brüder? Warum ist die Literatur über Frauen fast ausschließlich von Männern geschrieben? Hätte Shakespeare eine Schwester gehabt, ebenso begabt wie er, wie wäre es ihr ergangen? Wie könnte weibliches Schreiben in der Gegenwart aussehen? Was brauchen Frauen, um künstlerisch tätig sein zu können: ein gewisses Maß an finanzieller, vor allem aber geistige Unabhängigkeit, symbolisiert durch ein eigenes Zimmer .
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Klassiker des Feminismus 5 von 5 Punkten Warum haben Frauen so wenig gute Literatur verfasst? Die Frage beantwortet Virginia Woolf so profan wie einleuchtend: Sie haben nie ein eigenes Zimmer gehabt. Anlässlich zweier Vorträge im Jahr 1928 in den ersten und einzigen Frauencolleges Großbritanniens ging die Autorin dem Problemfeld Frauen und Literatur nach. Die Männer, so ihr Befund, hätten den Frauen stets den Zugang zu Bildung verwehrt, sie absichtlich dumm gehalten, auf Hausarbeit und Kindererziehung reduziert und ihnen keinen Freiraum gelassen, geschweige denn die Möglichkeit gegeben, selbst Geld zu verdienen. Um als Schriftstellerinnen kreativ und erfolgreich zu sein, bräuchten Frauen a) eigenes Geld und b) ein eigenes Zimmer. Das sind Woolfs Minimalforderungen. Ihr brillant geschriebener Essay lotet das Phänomen der weiblichen Unterdrückung aus, spürt Literatinnen nach und stellt schließlich die Androgynitätsthese in den Raum: Der perfekte Dichter müsste männlich und weiblich zugleich sein. Ohne militant feministisch zu sein, ist der Essay der Anker- und Startpunkt der Frauenforschung und der feministischen Literaturkritik.
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Aufzeichnungen eines Toten: Roman - Sammlung Luchterhand Michail Bulgakow Broschiert, Oktober 2006 Verkaufsrang: 93067 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Eine wunderbare Satire und scharfe Polemik gegen die Kulturpolitik des Russland der 30er Jahre. Mit beißender Ironie und bitterem Sarkasmus beschreibt Aufzeichnungen eines Toten (1936/37) Bulgakows Einstieg in die groteske Literatur- und Theaterwelt im Moskau der zwanziger Jahre.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Gallenbittere Satire aufs Theater, en gros & en détail 5 von 5 Punkten Der Arbeitstitel dieses Romanfragments lautete "Theaterroman" -- und tatsächlich nimmt Bulgakow hier die Verschrobenheiten der Theaterschaffenden im allgemeinen und die Eitelkeiten der Macher am "Moskauer Künstlertheater" (MChaT) im besonderen nach allen Regeln der Kunst auseinander; noch nicht einmal der große Stanislawski (der langjährige Regisseur des MChaT, zusammen mit Nemirowitsch-Dantschenko) samt der nach ihm benannten Methode bleibt verschont (oder besser: Er kriegt die volle Breitseite ab). Dass Bulgakow hierbei auf leidvolle eigene Erfahrungen als Dramenautor zurückgreifen konnte, und dass etliche Romanfiguren höchst reale Vorbilder haben, erhöht das Vergnügen unbedingt. Aber auch ohne Kenntnisse über diesen Hintergrund sind die "Aufzeichnungen eines Toten" ein Genuss für alle, die geistreiche Satiren lieben, und das Wichtigste über die Hintergründe erfährt man ohnehin in Ralf Schröders Nachwort.
Man liest also, wie der Titel verrät, die nachgelassenen Aufzeichnungen eines unbekannten Dramenautors, von denen sich der fiktive Herausgeber in einer kurzen Einleitung nach Kräften distanziert; schließlich findet das Ganze im Moskau Stalins statt, und da kann man nicht vorsichtig genug sein. Bereits diese Rahmenerzählung ist gespickt mit kleinen Seitenhieben auf Opportunismus und Rückgratlosigkeit des sowjetischen Literaturbetriebs, auch wenn Bulgakow hier noch nicht so deutlich wird wie später in "Der Meister und Margarita".
Vor allem aber geht es um die ergreifenden Erlebnisse des hoffnungsvollen jungen Autors Sergej Leontjewitsch Maksudow. Der lebt still und bescheiden als Hilfsredakteur der Zeitschrift "Dampfschiffahrt" vor sich hin, bis ihn eines Tages der literarische Ehrgeiz packt: Er schreibt einen Roman, "Schwarzer Schnee".
Und nun schlägt das Schicksal zu: Sein "Schwarzer Schnee" wird in einer obskuren Zeitschrift veröffentlicht. Bereits diese Veröffentlichung beschert ihm die deftigen Sticheleien und Schienbeintritte der literarischen Platzhirsche, die ängstlich ihre Pfründe verteidigen. Aber es kommt noch besser, bzw. schlimmer: Ein Chefregisseur des renommierten "Unabhängigen Theaters" (gemeint ist das "Künstlertheater") will eine Dramatisierung des "Schwarzen Schnees" inszenieren.
Maksudow, liebenswürdig und naiv, nimmt das Angebot begeistert an und macht sich an die Umarbeitung seines Romans. Und seine nun über ihn hereinprasselnden Fährnisse in den Abgründen des Theaters hält er in seinen Aufzeichnungen fest. Was er hier begeistert und unschuldig mit großen Augen beobachtet, ist für den Leser ein Feuerwerk bitterster Satire: Maksudow wird zum Spielball der theaterinternen Intrigen und Grabenkämpfe, er lernt die auserlesenen Verschrobenheiten der Theatergranden nur zu gut kennen, unterschreibt einen Knebelvertrag, überliefert treuherzig die grandiose Selbstüberschätzung der Theaterschaffenden (genial etwa ist die Gemäldegalerie am Treppenaufgang; hier wechseln in bunter Folge Klassiker der Dramenliteratur mit Porträts der örtlichen Maskenbildner, Regisseure etc.); und er erlebt die grotesken Auswüchse der Stanislawski-Methode: Der Große Iwan Wassiljewitsch (= Stanislawski) missbilligt ausgerechnet die Schlüsselszene des ganzen Stücks, die seiner eigenen Schauspielmehode zuwiderlaufe, und verlangt eine widersinnige Umarbeitung. Außerdem müssen die Rollen umgeschrieben werden, denn die altgedienten Platzhirsche der Schauspielerschaft wollen die Hauptrollen, auch wenn sie dafür gut und gern 30 Jahre zu alt sind... Welche satirische Lawine das nach sich zieht, kann man sich vielleicht denken -- aber wie Bulgakow das en gros und en détail ausbreitet, das ist unbeschreiblich. Hinzu kommen Einblicke in die nicht allzu hehren Interna des Moskauer Literatur- und Theaterbetriebs der 30er Jahre, verpackt in wunderbare satirische Szenen, und vieles mehr.
Eine der herrlichsten Szenen des "Aufzeichnungen eines Toten" ist das Eingreifen des hochverehrten Iwan Wassiljewitsch in die Proben zu "Schwarzer Schnee" -- auf die völlig unsinnige Forderung des Maestro, der jugendliche Liebhaber solle für sein geliebtes Mädchen radeln, um so sein Nacherleben der Rolle zu verdeutlichen, folgt eine seitenlange akrobatische Slapstick-Einlage, die der Aufführung eines Charlie Chaplin, Karl Valentin oder Jaques Tati würdig wäre. Hier zieht Bulgakow alle Register... und nicht nur hier.
Für Theaterbegeisterte sind die "Aufzeichnungen eines Toten" sicher ein ganz besonderer Genuss, denn vieles hier ist nicht nur Satire mit konkretem Bezug, sondern beruht auf dem Menschlich-Allzumenschlichen und dürfte daher in jedem Theaterbetrieb so oder anders wiederzufinden sein. Aber gerade dieses Feuerwerk an nur notdürftig mit künstlerischem und Erhabenheits-Anspruch kaschierten Eitelkeiten und Dummheiten macht die "Aufzeichnungen eines Toten" zum Lesegenuss auch für alle anderen, Theaterfernen mit Sinn für eine Satire, die mit allerfeinsten Nadelstichen gearbeitet ist.
Großartige Hommage an das Theater 4 von 5 Punkten Michael A. Bulgakow ist einer der größten und phantastischsten Dramatiker der Neuzeit. Seine Stücke wurden vom Publikum geliebt, hatten aber keinen Platz in der Ideologie der UdSSR und wurden immer wieder verboten.
In den Aufzeichnungen eines Toten beschreibt Bulgakow höchst eindrücklich die Schwierigkeiten eines Autors der nicht nur von der Zensur aufgerieben wird, sondern auch durch die ständigen Kämpfe zwischen Schauspielern, Intendanten, Regisseuren und wohlmeinenden Ratgebern und Experten. Allmählich verzweifelt er an der offenkundigen Unmöglichkeit sein Stück auf die Bühne zu bringen.
Bei aller Tragik sind die Aufzeichnungen eines Toten von einer tiefen inneren Komik geprägt. Wer jemals selbst Bühnenluft geschnuppert hat, wird die manigfaltigen Schwierigkeiten einer Inszenierung sicher wiedererkennen. Lesenswert! |
Das Bildnis des Dorian Gray Oscar Wilde Broschiert, 1. November 2005 Verkaufsrang: 181548 Für den Maler Basil Hallward verkörpert Dorian Gray die unvergleichliche Muse, die ihm als Künstler zu voller Blüte verhilft und ihm Genialität einflößt. Lord Henry erscheint dieser anmutige Jüngling wie ein hohles Gefäß von vollendeter Form, das darauf wartet, geöffnet und von Leben erfüllt zu werden. Basil betet Dorian als den Inbegriff von Aufrichtigkeit, Tugend und vollendeter Schönheit an. Für Lord Henry ist er hauptsächlich ein sehr interessantes Experiment. Von der Ausstrahlung seines jungen Freundes geblendet und ihm völlig ergeben, überschüttet Basil ihn mit einer Flut an Komplimenten. Scharfzüngig, mit herrlich extremen Aussagen und provozierenden Thesen, versetzt Lord Henry den noch schlummernden Geist Dorians mit seinen paradoxen Philosophien in Aufruhr. Basil, von Dorians scharlachroten Lippen, den goldenen Haarwellen und den weiten blauen Augen betört, versucht, seine einzigartige Schönheit in einem großen Kunstwerk zu verewigen. Lord Henry, von seiner Unwissenheit und Formbarkeit angetan, verhilft ihm mit messerscharfem Geist und hypnotischer Redegewandtheit zu einer zweifelhaften Bewußtheit. Dorian Gray erschauert, als er sich auf dem fertiggestellten Gemälde erblickt, und in seinem Entzücken über sich selbst richtet er einen wahnwitzigen und folgenschweren Wunsch an das Universum: Möge er in Wirklichkeit immer so jung und schön bleiben wie auf diesem Porträt. Stattdessen solle das Bild für ihn altern. Sein Gebet wird auf mystische Weise erhört. Dorian, vergiftet durch den schlechten Einfluß von Lord Henry und eines Romans, den dieser ihm zu lesen gibt, gerät immer mehr zum Opfer seiner innersten Abgründe. Nach außen hin bleibt er makellos, doch sein Porträt, das er voller Furcht vor Entdeckung in einem verstaubten Zimmer auf dem Dachboden versteckt, offenbart ihm die Verfehlungen seiner Seele erbarmungslos und auf gräßlichste Weise. Verschleiert, wie es zu Oscar Wildes Zeiten nur möglich war, schwingt das Thema der Homosexualität mit. Viel dreht sich um männliche Schönheit und Jugend, um die zweifelhafte Moral der Gesellschaft, um verborgene Sünden und geheimnisvolle Anziehungskräfte und um schwerwiegende Gefühle von Schuld. Wildes einziger Roman ist ein Werk von großer Eigenart, geschrieben in der für Wilde typischen blumigen und äußerst kunstvollen Sprache, voller gewagter und tiefgründiger Spekulationen um die Doppelnatur der menschlichen Seele und um das mysteriöse Wechselspiel zwischen Kunst und Leben. In ihm spielt das Reale mit dem Irrealen. Es beschreibt die Tragödie um den Identitätsverlust einer dekadenten Seele. --Daphne Unruh
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 55 Bewertungen)
Ein lesenswerter Klassiker! 5 von 5 Punkten "Das Bildnis des Dorian Gray" ist wohl Oscar Wilde's bekanntestes Werk - und das nicht zu Unrecht. Wahrhaft meisterhaft erzählt, spannend bis zur letzten Minute. Über das Älterwerden, das Vergängliche, die Jugend und die Abgründe der menschlichen Seele. Kunstvoll, bezaubernd, leichtfüßig. Unbedingt lesenswert!
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Die Umsiedler Arno Schmidt Taschenbuch, September 2002 Verkaufsrang: 156073 Zwischen 1944 und 1950 waren mehr als 12 Millionen Deutsche infolge von Krieg und Vertreibung auf der Flucht. Sie suchten in dem verwüsteten Land eine neue Heimat. Kein Schriftsteller hat das Elend der erzwungenen Auswanderung mit solcher Eindringlichkeit geschildert wie Arno Schmidt in seinem 1953 erschienenen Kurzroman Die Umsiedler. Eine verregnete Dezembernacht des Jahres 1950: Ein Mann verlädt sein spärliches Hab und Gut auf einen Güterzug. Wie viele andere erhofft er...
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Auf dem schwarzen Berg Bruce Chatwin Broschiert, Dezember 2003 Verkaufsrang: 147700 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In diesem Buch erzählt Bruce Chatwin von dem merkwürdigen, geradezu archaischen Leben der beiden Zwillingsbrüder Lewis und Benjamin Jones auf dem elternlichen Bauernhof in Wales. Bestimmt vom Rhythmus der Jahreszeiten, der Landschaft, der Arbeit, hat ihr Dasein eine Gewissheit, die durch niemanden und nichts zu erschüttern ist. In einer Art Unschuld kehren sie dem modernen Zeitalter den Rücken.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Wales pur 5 von 5 Punkten Ein wunderbares Buch über das Schicksal eines Zwillingspaares, mit herrlichen Naturbeschreibungen, so richtig zum Schmökern.
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Verwirrung der Gefühle Stefan Zweig Broschiert, Dezember 2005 Verkaufsrang: 16077 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Kennzeichnend für diese 1927 erschienene packende Novelle um einen homosexuellen Professor und einen seiner Studenten ist zweierlei: Zum einen Zweigs Gesellschaftskritik: agressionslos, geradezu verbindlich, zugleich ungemein eindringlich. Er macht deutlich, wie fragwürdig ein nach starren Wertmaßstäben errichteter Sittenkodex ist und wirbt um Verständnis für Menschen, die sich ihrer Außenseiterrolle bewußt sind und sich dennoch gesellschaftlichen Konventionen unterwerfen müssen, die sie zur Erniedrigung und Selbstverachtung zwingen. (Gertraude Wilhelm) Zum anderen repräsentiert diese Erzählung Zweigs charakteristische Erzähltechnik: seine Einfühlungsgabe und pathetisch überhöhte Sprache.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Flammend, dunkel und stilistisch brillant 5 von 5 Punkten Die "Verwirrung der Gefühle", 1927 erstmals erschienen, ist ein weiterer sprachgewaltiger Ausdruck vom Genius eines der größten Novellenkünstler aller Zeiten. Was macht ihn aus, den großen Stefan Zweig? Vor allem die Kunst, in stilistisch und ästhetisch hoch artifizieller Sprache zu schreiben, die dennoch im selben Atemzug fesselnd und mitreißend ist. Dazu der dramaturgische Aufbau, der durch und durch perfekt konstruiert ist, ohne die kleinste Redundanz, ohne die kleinste Schwachstelle. Und zu guter Letzt sei das erwähnt, was Zweig inhaltlich ausmacht, wenn auch nicht gänzlich, so aber doch sehr häufig, nämlich das Schildern menschlicher Abgründe, menschlicher Leidenschaften, menschlicher Triebe.
In dieses Schema des Zweig'schen Duktus reiht sich die "Verwirrung der Gefühle" meisterlich ein. Die Handlung besteht aus privaten Aufzeichnungen eines Geheimrates, eines Philologen an einer Universität, der zu seinem 60. Geburtstag eine Festschrift seiner Kollegen entgegennimmt. Akribisch genau liest der Beschenkte sein in genauer biographischer Kleinstarbeit dargestelltes Leben, doch eine Person - die eine wesentliche - fehlt in dieser Schrift. Und so erinnert sich der Geheimrat R. v. D. vierzig Jahre zurück - an eine Begegnung, die sein Leben für immer prägen sollte. Damals, als Student Roland, tobte sich der Protagonist mit nicht einmal zwanzig Jahren noch in Berlin aus, ehe sein Vater ihm nahe legte, die Studien in einer mitteldeutschen Kleinstadt fortzusetzen. Das in Berlin noch durch die erotischen Reize der Großstadt abgelenkte Gemüt, wird alsbald durchdrungen und entflammt von der Begeisterungsfähigkeit eines Professors.
Jener Mann vermag Roland für die Leidenschaftlichkeit Shakespeares zu begeistern und Roland, von der Faszination seines Mentors angezogen, steckt bald seine gesamten Energien in das gemeinsame philologische Schaffen. Doch mehr als nur ein Rätsel umgibt den brillanten Philologie-Professor, unter dem Roland mächtig zu leiden hat.
Während der Ergründung dieser Rätsel offenbart sich dem Leser auch in der "Verwirrung der Gefühle" viel vom abgründigen Wesen des Menschen, das Zweig gerne zum Forschungsgegenstand seiner Texte machte, der ihm immer gleichermaßen faszinierend wie rätselhaft blieb:
"Ist es Bequemlichkeit, Feigheit oder ein kurzes Gesicht, dass sie alle immer nur den oberen erhellten Lichtrand des Lebens zeichnen, wo die Sinne offen und gesetzhaft spielen, indes unten in den Kellergewölben, in den Wurzelhöhlen und Kloaken des Herzens phosphorhaft funkelnd die wahren, die gefährlichen Bestien der Leidenschaft umfahren, im Verborgenen sich paarend und zerfleischend in allen phantastischen Formen der Verstrickung."
Fazit: Neben der weltberühmten "Schachnovelle" ist die "Verwirrung der Gefühle" ohne Zweifel ein weiteres Meisterwerk deutschsprachiger Novellenkunst. Zweig vermag in stilistisch schlicht grandioser Manier, den Leser souverän in den Bann seiner Erzählung zu ziehen, die so manches Geheimnis und manche Überraschung bereithält. Lassen Sie sich ein auf dieses kleine, aber dennoch sehr große Werk.
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Das Leben des Herrn de Molière Michail Bulgakow Broschiert, Oktober 2006 Verkaufsrang: 161523 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Am Beispiel Molières: ein Schlüsselroman über den Künstler Bulgakow und sein Verhältnis zur Sowjetunion. Den Komödiendichter Molière, der von seinen Zeitgenossen gehasst wurde, rettete die Gunst des Sonnenkönigs. Dreihundert Jahre später sieht sich Michail Bulgakow in einer ähnlichen Situation. Auch er ist der verfemte Dichter, den das Wohlwollen des Alleinherrschers Stalin vor Verhaftung und Lager bewahrt.
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Franz Kafka Gesamtwerk - Neuausgabe: Ein Landarzt: und andere Drucke zu Lebzeiten Franz Kafka Taschenbuch, Juni 2008 Verkaufsrang: 164618 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ein Landarzt enthält sämtliche Texte, die Franz Kafka selbst zur Veröffentlichung gegeben hat, für Zeitungen und Zeitschriften und als Bücher: Betrachtung, Das Urteil, Der Heizer, Die Verwandlung, In der Strafkolonie, Ein Landarzt, Ein Hungerkünstler. "Es scheint so arg, Junggeselle zu bleiben, als alter Mann unter schwerer Wahrung der Würde um Aufnahme zu bitten ... in seinem Zimmer nur Seitentüren zu haben, die in fremde Wohnungen führen ..."
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Nicht ein überflüssiges Wort 5 von 5 Punkten In diesem ersten Buch der Gesammelten Werke in 12 Bänden mit dem Titel "Ein Landarzt", befinden sich sämtliche Texte die von Franz Kafka noch zu Lebzeiten zur Veröffentlichung frei gegeben wurden. Am bekanntesten hierbei sind wohl die Erzählungen "Das Urteil", "Die Verwandlung" und "In der Strafkolonie". Natürlich dürfte Franz Kafka den meisten Lesern durch das Romanfragment "Der Proceß" ein Begriff sein, das auch mit Recht, aber ich denke seine wahre Genialität eröffnet sich erst mit dem Genuss seiner Erzählungen und anderen Prosastücken. Nehme man als Beispiel das aüßerst kleine Stück "Zerstreutes Hinausschaun", welches aus lediglich 4 Sätzen besteht, aber dennoch eine unvergleichliche Atmosphäre verbreitet: Ein kleines Mädchen wird vom Fenster aus beobachtet, die sinkende Sonne spiegelt sich in seinem Gesicht, ein Mann überholt das Mädchen, erzeugt dadurch ein Schatten auf dessen Gesicht, danach wird das Gesicht des Kindes wieder hell. Klingt nicht wirklich spannend. Stimmt! Bei Kafka wird es das aber!! Hieran erkennt was Kafka für ein Beobachter gewesen sein muss. Wie genau, aber ohne auch nur ein überflüssiges Wort, er die banalsten Alltagsbegebenheiten beschreibt, die unsereins wahrscheinlich gar nicht wirklich wahrnimmt. Und das steht für dieses wie für jedes Stück/Werk von Franz Kafka, eine glasklare Sprache, nicht mal ein Wort zuviel und alles auch noch leicht zu lesen!Man kann Franz Kafka mögen oder nicht, aber ein dazwischen dürfte es kaum geben. Seine Art zu Schreiben ist einzigartig und wenn man die Romane kennt und mag, wird man auch hier fündig, wenn nicht, dann gilt das Gegenteil! ;-) |
Die Romane. 5 Bde F. Scott Fitzgerald Gebundene Ausgabe, Mai 2006 Verkaufsrang: 175436 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Neuedition der Romane von F. Scott Fitzgerald: Er war Ernest Hemingways Vorbild. Dashiell Hammett, Raymond Chandler, Gertrude Stein und T.S. Eliot lasen ihn mit Begeisterung. Und heute ist er der Lieblingsautor so unterschiedlicher Persönlichkeiten wie Doris Dörrie, Joey Goebel und Haruki Murakami. Sein Werk ist es wert, neu ans Licht geholt werden. Mit Neuübersetzungen von Bettina Abarbanell und Renate Orth-Guttmann und Nachworten von Verena Lueken, Heinrich Detering, Paul Ingendaay und Manfred Papst.
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Flucht in die Finsternis Arthur Schnitzler Broschiert, Oktober 2006 Verkaufsrang: 190910 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Nach langer Krankheit kehrt der 43-jährige Robert voller Hoffnung nach Hause zurück, verliert sich dann aber in Ängsten und Projektionen. In seiner "Wahnsinnsnovelle", so Schnitzler, verbindet der Autor die präzise Durchleuchtung eines Charakters mit erzähltechnischer Finesse. Schnitzler selbst behielt ein ambivalentes Verhältnis zu diesem grandiosen Text, der daher erst spät 1931 in der "Vossischen Zeitung" erschien.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Intensiv 4 von 5 Punkten In »Flucht in die Finsternis« wird der Leser in das Seelenleben Roberts eingeführt, dem tragischen Helden dieser »Wahnsinnsnovelle« Arthur Schnitzlers. Robert kehrt zu Beginn der Novelle aus einer ärztlich verschriebenen »Erholungszeit« in seine Heimatstadt zurück, nachdem bei ihm langsam einsetzender Wahnsinn diagnostiziert wurde. Robert gilt als geheilt und ist sehr bemüht, diesen Eindruck eines geheilten Menschen aufrecht zu erhalten. Aber unter dieser Oberfläche kämpft er einen schweren Kampf, den er langsam aber sicher zu verlieren droht.
Im Gegensatz zu Schnitzlers »Lieutenant Gustl« und »Fräulein Else« ist seine »Wahnsinnsnovelle« nicht in Form des Inneren Monologs verfasst (wie man erwarten könnte), sondern in personeller Erzählweise. So erlebt der Leser Hautnah mit, wie Robert mehr und mehr seine Fähigkeit verliert, zwischen Wahnvorstellungen und Realität unterscheiden zu können, bis sein Geist die »Flucht in die Finsternis« antritt.
Schnitzler war Arzt und beschäftigte sich viel mit der menschlichen Psyche, wobei er auch sehr viel mit Sigmund Freud korrespondierte. In »Flucht in die Finsternis« gelingt es ihm auf erschreckend realistische Art und Weise, mehrere verschiedene Geisteskrankheiten anhand von Robert darzustellen. Leider liefert Schnitzler am Schluss keine persönliche Diagnose Roberts, um seine Novelle abzurunden, was jedoch durch das ausführliche Nachwort zur Ausgabe nachgeholt wird.
Eine sehr spannende, realistische und intensive Novelle Schnitzlers, der zugab, sich sehr gut mit seinem Protagonisten identifizieren zu können. Leider hat die Novelle aber auch ein paar Längen, wenn sich manche Gedankenführungen Roberts wiederholen.
Dem Wahnsinn entgegen 4 von 5 Punkten Arthur Schnitzler verfasste seine Novelle "Flucht in die Finsternis" schon 1917, veröffentlichte sie aber erst 1931. Das zeigt, dass er selbst ein zwiespältiges Verhältnis zu seinem Werk hatte. Die Novelle hat denn auch einen düsteren Charakter und ihr fehlt die Leichtigkeit anderer Erzählungen von Schnitzler. Die Geschichte ist vor allem psychologisch interessant.
Robert kehrt nach einem längeren Ferienaufenthalt wieder zurück in seine Heimatstadt. Richtig Tritt in sein ursprüngliches Leben findet er aber nicht mehr. Er ist ein Hypochonder. Er wird von Mordfantasien verfolgt und leidet ausserdem unter Verfolgungswahn. So treibt er immer mehr dem Wahnsinn entgegen. Ein schleichender Realitätsverlust findet statt. Es meint, der einzige Normale zu sein und projiziert seinen eigenen Wahn auf seinen Bruder Otto. Der ist aus seiner Sicht wahnsinnig. Die Geschichte endet in der Katastrophe, ähnlich wie Jahrzehnte später in Romanen von Elfriede Jelinek. |
Justiz Friedrich Dürrenmatt Taschenbuch, Januar 1987 Verkaufsrang: 24639 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen. Ein Zürcher Kantonsrat erschießt in einem überfüllten, von Politikern, Wirtschaftskoryphäen und Künstlern besuchten Restaurant der Stadt vor aller Augen einen Germanisten, Professor an der Universität, läßt, zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilt, im Gefängnis einen jungen, mittellosen Rechtsanwalt zu sich kommen und erteilt diesem den Auftrag, seinen Fall unter der Annahme neu zu untersuchen, er sei nicht der Mörder gewesen. Der junge Anwalt, der den scheinbar sinnlosen Auftrag annimmt, erkennt zu spät, in welche Falle ihn die Justiz geraten läßt, weil er sie mit der Gerechtigkeit verwechselt.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)
Ein Meisterwerk 5 von 5 Punkten "Justiz" ist ein spannender, in der Erzählweise eigenwilliger, vor allem (rechts-)philosophischer und streckenweise äußerst humorvoller Roman. Bisher das beste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe.
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Suhrkamp Taschenbücher, Nr.7, Lektüre für Minuten: Gedanken aus seinen Büchern und Briefen Hermann Hesse Taschenbuch, 25. September 2002 Verkaufsrang: 245858 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In der ganzen Welt ist jeder Politiker sehr für Revolution, für Vernunft und Niederlegen der Waffen - nur aber beim Feinde, ja nicht bei sich selber! (1) Warum ist man nur dort für die Selbstbestimmung der Nationen, wo man Profit davon hofft? (2) An einen Krieg dachte niemand, man rüstete nur so für alle Fälle, weil reiche Leute gern Eisenwände um ihr Geld sehen. (3) Die ganze Weltgeschichte scheint immer um Ziele und Gesinnungen oder Weltveränderungen...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Lektüre für Minuten 5 von 5 Punkten Ein wunderbarer Band mit Gedanken Hesse's zu jeder Lebenssituation. Lektüre für Minuten bedeutet aber nicht, dass man seine Worte schnell vergisst. Ganz im Gegenteil. Mit seinen ausgewählten Worten wird der Leser provoziert und zum Denken angeregt - und das nicht nur für einige Minuten.Ein gutes Buch für Menschen, die Lektüre nicht nur als Zeitvertreib nutzen |
Die Midaq-Gasse Nagib Machfus, Naguib Mahfouz Taschenbuch, 1996 Verkaufsrang: 97105 Onkel Kamil, der Bonbonverkäufer, al-Hilu mit seinem Friseursalon, der alte Dichter, den keiner mehr hören will, seit es das Radio gibt - jeder sucht seinen eigenen Weg in die Zukunft. Umm Hamida, wandelndes Lexikon aller Missetaten, hat täglich mehr zu erzählen über die Geheimnisse der Gasse, denn eine Welt ist in Unordnung geraten.Nagib Machfus, geboren 1911, ist einer der bedeutendsten arabischen Autoren der Gegenwart. 1988 wurde ihm der Nobelpreis verliehen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Hervorragend! 5 von 5 Punkten Die Midaq-Gasse ist ein wunderbar komponierter Roman, der spannend erzählt ist und mitten ins Herz trifft. Kein Wunder, lebte der aus Kairo stammende Machfus selber in einer alten Gasse, die er in diesem Roman nicht schöner hätte beschreiben können. Traurige Stellen stellt Machfus mit viel Leichtigkeit und Wärme dar, ohne banal zu klingen. Auf alle Personen geht er sehr eingehend ein und erzählt in ihrer Sicht die Geschichte der Midaq-Gasse, die dank den Bewohnern jeden Tag zu neuem Leben erwacht. Diese arme Welt mit ihrem Verlangen nach Reichtum wird sehr eindrücklich gezeigt. Doch im Vordergrund bleiben die Freundschaften und die Liebe. Ein Buch voller Sehnsüchte, Liebe und Hoffnung, das eindrücklich die Mentalität der Ägypter darstellt, warmherzig und mit einer gesunden Portion Humor. Hervorragend!
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Die Stories Ernest Hemingway Gebundene Ausgabe, Januar 1988 Verkaufsrang: 107399 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 4 Tagen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Katastrophale Übersetzung 1 von 5 Punkten An der Großartigkeit von Hemingways Kurzgeschichten will ich gar keinen Zweifel lassen. Sie gehören sicherlich zu den Sternstunden ihrer Gattung und bieten eine Intensität des Erlebens, die ihresgleichen sucht.Aber die vorliegende Übersetzung wird dieser Meisterhaftigkeit leider ganz und gar nicht gerecht. Oder bestenfalls versucht sie eben gerade das zu sehr, indem sie sich nämlich allzu wörtlich an die amerikanische Vorlage klammert. So etwas ist natürlich im Prinzip auch wünschenswert, doch geht die Worttreue in diesem Fall so weit, dass sich häufig die Idiomatik des Amerikanischen noch deutlich in der Übersetzung wiederfindet oder zu umständlichen Satzkonstruktionen führt. Auf diese Weise wirkt die Sprache über große Passagen einfach unbeholfen und holprig. Einige Beispiele (seltsame Stellen in Großbuchstaben): „«Aber du stirbst doch nicht. Was ist denn los mit dir?» - «Doch, ICH WERDE.»" „«Glaubst du, daß es helfen wird?» - «Natürlich WIRD ES.»" „sie BLICKTE VON seinem Gesicht WEG auf seine Schultern" „«Es ist GANZ gesetzwidrig», sagte Wilson." „als ich aufBLICKTE, BLICKTE er das Fußende des Bettes an" „die Starre schwand langsam aus seinem auf das Fußende seines Bettes gerichteten Blick" „er hob die Flaschen aus den leinenen Kühlsäcken, die Feuchtigkeit in dem Wind ausschwitzten, der durch die Bäume blies, die die Zelte beschatteten." Das kann nicht das Anliegen einer Übersetzung solch großer Literatur sein; wenn man beim Lesen immerzu aneckt und stolpert, hat man nicht viel von den Geschichten. Ein wenig mehr übersetzerische Freiheit im Sinne einer Anpassung an die Eigenheiten der deutschen Sprache wäre hier auf jeden Fall erforderlich gewesen. Diese Tatsache ist umso bedauerlicher, als es sich bei dieser Ausgabe um die derzeit einzige vollständige deutschsprachige Kompilation der Kurzgeschichten handelt. Viele der Geschichten liegen momentan sogar überhaupt in keiner anderen deutschen Übersetzung vor. Jeder, der es sich auch nur annähernd zutraut, sollte daher auf jeden Fall auf die englischen Originaltexte zurückgreifen (erschienen bei der Scribner Book Company, ebenfalls hier bei Amazon.de erhältlich).
Hemingways meisterhafte Kurzgeschichten 5 von 5 Punkten Ernest Hemingway (1899 - 1961) war ein Meister der Kurzgeschichte. Dieser Band versammelt alle Stories, nicht nur die bekanntesten und großartigsten Erzählungen. Hemingways Stories faszinieren durch ihre Konzentration, Disziplin und Objektivität. Die Kulisse für seine Erzählungen bilden Seen, Flüsse, Wälder, Indianer- und Holzfällerlager oder später Kriegsschauplätze. Mehr als ein Drittel der Kurzgeschichten handelt von einem jungen Amerikaner aus bürgerlichem Hause, der beim Jagen und Fischen, beim Trampen durch die Vereinigten Staaten und während des Krieges in Europa Lebenserfahrungen sammelt. Obwohl dieser Nick Adams nicht mit Ernest Hemingway identisch ist, trägt er mancherlei autobiographische Züge. Den meisten seiner Abenteuer liegen künstlerisch verdichtete Erlebnisse des Autors zugrunde. Hemingways Erzählungen sind häufig arm an dramatischer Handlung, oftmals fehlt der unerwartete, krönende Abschluß. Hemingway jedoch verzichtet bewußt auf Schlußeffekte, seine Prosa ist untergründig und ursprünglich. Gerade den Kurzgeschichten verdankt Hemingway den Ruf, einer der bedeutendsten Stilschöpfer der amerikanischen Literatur zu sein. Manfred Orlick, Halle (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.) |
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