Klassiker des 20. Jahrhunderts

Inhaltsangaben
Kurzbeschreibungen
Zusammenfassungen
Seite 26

Justiz - Friedrich DürrenmattJustiz
Friedrich Dürrenmatt

Taschenbuch, Januar 1987
     Verkaufsrang: 24639      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen.

Preis: € 8,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Ein Zürcher Kantonsrat erschießt in einem überfüllten, von Politikern, Wirtschaftskoryphäen und Künstlern besuchten Restaurant der Stadt vor aller Augen einen Germanisten, Professor an der Universität, läßt, zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilt, im Gefängnis einen jungen, mittellosen Rechtsanwalt zu sich kommen und erteilt diesem den Auftrag, seinen Fall unter der Annahme neu zu untersuchen, er sei nicht der Mörder gewesen. Der junge Anwalt, der den scheinbar sinnlosen Auftrag annimmt, erkennt zu spät, in welche Falle ihn die Justiz geraten läßt, weil er sie mit der Gerechtigkeit verwechselt.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)

Ein Meisterwerk      5 von 5 Punkten
"Justiz" ist ein spannender, in der Erzählweise eigenwilliger, vor allem (rechts-)philosophischer und streckenweise äußerst humorvoller Roman. Bisher das beste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe.


 Weitere Lesermeinungen


Suhrkamp Taschenbücher, Nr.7, Lektüre für Minuten: Gedanken aus seinen Büchern und Briefen - Hermann HesseSuhrkamp Taschenbücher, Nr.7, Lektüre für Minuten: Gedanken aus seinen Büchern und Briefen
Hermann Hesse

Taschenbuch, 25. September 2002
     Verkaufsrang: 245858      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

In der ganzen Welt ist jeder Politiker sehr für Revolution, für Vernunft und Niederlegen der Waffen - nur aber beim Feinde, ja nicht bei sich selber! (1)
Warum ist man nur dort für die Selbstbestimmung der Nationen, wo man Profit davon hofft? (2)
An einen Krieg dachte niemand, man rüstete nur so für alle Fälle, weil reiche Leute gern Eisenwände um ihr Geld sehen. (3)
Die ganze Weltgeschichte scheint immer um Ziele und Gesinnungen oder Weltveränderungen...


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Lektüre für Minuten      5 von 5 Punkten
Ein wunderbarer Band mit Gedanken Hesse's zu jeder Lebenssituation.
Lektüre für Minuten bedeutet aber nicht, dass man seine Worte schnell vergisst. Ganz im Gegenteil.
Mit seinen ausgewählten Worten wird der Leser provoziert und zum Denken angeregt - und das nicht nur für einige Minuten.

Ein gutes Buch für Menschen, die Lektüre nicht nur als Zeitvertreib nutzen



Die Midaq-Gasse - Nagib MachfusDie Midaq-Gasse
Nagib Machfus, Naguib Mahfouz

Taschenbuch, 1996
     Verkaufsrang: 97105     

Bei Amazon direkt z.Zt. nicht lieferbar,   Bei anderem Anbieter bestellen

Onkel Kamil, der Bonbonverkäufer, al-Hilu mit seinem Friseursalon, der alte Dichter, den keiner mehr hören will, seit es das Radio gibt - jeder sucht seinen eigenen Weg in die Zukunft. Umm Hamida, wandelndes Lexikon aller Missetaten, hat täglich mehr zu erzählen über die Geheimnisse der Gasse, denn eine Welt ist in Unordnung geraten.Nagib Machfus, geboren 1911, ist einer der bedeutendsten arabischen Autoren der Gegenwart. 1988 wurde ihm der Nobelpreis verliehen.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Hervorragend!      5 von 5 Punkten
Die Midaq-Gasse ist ein wunderbar komponierter Roman, der spannend erzählt ist und mitten ins Herz trifft. Kein Wunder, lebte der aus Kairo stammende Machfus selber in einer alten Gasse, die er in diesem Roman nicht schöner hätte beschreiben können. Traurige Stellen stellt Machfus mit viel Leichtigkeit und Wärme dar, ohne banal zu klingen. Auf alle Personen geht er sehr eingehend ein und erzählt in ihrer Sicht die Geschichte der Midaq-Gasse, die dank den Bewohnern jeden Tag zu neuem Leben erwacht. Diese arme Welt mit ihrem Verlangen nach Reichtum wird sehr eindrücklich gezeigt. Doch im Vordergrund bleiben die Freundschaften und die Liebe. Ein Buch voller Sehnsüchte, Liebe und Hoffnung, das eindrücklich die Mentalität der Ägypter darstellt, warmherzig und mit einer gesunden Portion Humor. Hervorragend!


 Weitere Lesermeinungen


Die Stories - Ernest HemingwayDie Stories
Ernest Hemingway

Gebundene Ausgabe, Januar 1988
     Verkaufsrang: 107399      Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 4 Tagen.

Preis: € 14,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen



Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Katastrophale Übersetzung      1 von 5 Punkten
An der Großartigkeit von Hemingways Kurzgeschichten will ich gar keinen Zweifel lassen. Sie gehören sicherlich zu den Sternstunden ihrer Gattung und bieten eine Intensität des Erlebens, die ihresgleichen sucht.

Aber die vorliegende Übersetzung wird dieser Meisterhaftigkeit leider ganz und gar nicht gerecht. Oder bestenfalls versucht sie eben gerade das zu sehr, indem sie sich nämlich allzu wörtlich an die amerikanische Vorlage klammert. So etwas ist natürlich im Prinzip auch wünschenswert, doch geht die Worttreue in diesem Fall so weit, dass sich häufig die Idiomatik des Amerikanischen noch deutlich in der Übersetzung wiederfindet oder zu umständlichen Satzkonstruktionen führt. Auf diese Weise wirkt die Sprache über große Passagen einfach unbeholfen und holprig. Einige Beispiele (seltsame Stellen in Großbuchstaben):

„«Aber du stirbst doch nicht. Was ist denn los mit dir?» - «Doch, ICH WERDE.»"
„«Glaubst du, daß es helfen wird?» - «Natürlich WIRD ES.»"
„sie BLICKTE VON seinem Gesicht WEG auf seine Schultern"
„«Es ist GANZ gesetzwidrig», sagte Wilson."
„als ich aufBLICKTE, BLICKTE er das Fußende des Bettes an"
„die Starre schwand langsam aus seinem auf das Fußende seines Bettes gerichteten Blick"
„er hob die Flaschen aus den leinenen Kühlsäcken, die Feuchtigkeit in dem Wind ausschwitzten, der durch die Bäume blies, die die Zelte beschatteten."

Das kann nicht das Anliegen einer Übersetzung solch großer Literatur sein; wenn man beim Lesen immerzu aneckt und stolpert, hat man nicht viel von den Geschichten. Ein wenig mehr übersetzerische Freiheit im Sinne einer Anpassung an die Eigenheiten der deutschen Sprache wäre hier auf jeden Fall erforderlich gewesen.

Diese Tatsache ist umso bedauerlicher, als es sich bei dieser Ausgabe um die derzeit einzige vollständige deutschsprachige Kompilation der Kurzgeschichten handelt. Viele der Geschichten liegen momentan sogar überhaupt in keiner anderen deutschen Übersetzung vor. Jeder, der es sich auch nur annähernd zutraut, sollte daher auf jeden Fall auf die englischen Originaltexte zurückgreifen (erschienen bei der Scribner Book Company, ebenfalls hier bei Amazon.de erhältlich).

Hemingways meisterhafte Kurzgeschichten      5 von 5 Punkten
Ernest Hemingway (1899 - 1961) war ein Meister der Kurzgeschichte. Dieser Band versammelt alle Stories, nicht nur die bekanntesten und großartigsten Erzählungen. Hemingways Stories faszinieren durch ihre Konzentration, Disziplin und Objektivität. Die Kulisse für seine Erzählungen bilden Seen, Flüsse, Wälder, Indianer- und Holzfällerlager oder später Kriegsschauplätze. Mehr als ein Drittel der Kurzgeschichten handelt von einem jungen Amerikaner aus bürgerlichem Hause, der beim Jagen und Fischen, beim Trampen durch die Vereinigten Staaten und während des Krieges in Europa Lebenserfahrungen sammelt. Obwohl dieser Nick Adams nicht mit Ernest Hemingway identisch ist, trägt er mancherlei autobiographische Züge. Den meisten seiner Abenteuer liegen künstlerisch verdichtete Erlebnisse des Autors zugrunde. Hemingways Erzählungen sind häufig arm an dramatischer Handlung, oftmals fehlt der unerwartete, krönende Abschluß. Hemingway jedoch verzichtet bewußt auf Schlußeffekte, seine Prosa ist untergründig und ursprünglich. Gerade den Kurzgeschichten verdankt Hemingway den Ruf, einer der bedeutendsten Stilschöpfer der amerikanischen Literatur zu sein. Manfred Orlick, Halle (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)



Ausgewählte Werke in vier Bänden - Stefan ZweigAusgewählte Werke in vier Bänden
Stefan Zweig, Knut Beck

Gebundene Ausgabe, November 2003
     Verkaufsrang: 246676     

Bei Amazon direkt z.Zt. nicht lieferbar,   Bei anderem Anbieter bestellen

Die berühmtesten Werke von Stefan Zweig: Kassette mit 4 Bänden - Schön ausgestattete Geschenk-Ausgabe - Hochwertige HC-Ausstattung zum Taschenbuch



5 Tage im Juni - Stefan Heym5 Tage im Juni
Stefan Heym

Gebundene Ausgabe, 1990
     Verkaufsrang: 187101     

Bei Amazon direkt z.Zt. nicht lieferbar,   Bei anderem Anbieter bestellen

Am Sonnabend, dem 13. Juni, um 14 Uhr sagte Bangartz: 'Entweder du hältst dich an die Parteibeschlüsse Genosse Witte, oder du ziehst die Konsequenzen. So einfach ist das.' Bangartz und Witte, Parteifunktionär der eine und Gewerkschaftler der andere, sind Gegenspieler in einem spannenden Drama, das sich im Schicksal einzelner ebenso vollzieht wie im Zusammenstoß politischer Kräfte. Stefan Heym erzählt aus der Perspektive derer, die das Geschehen in den berühmten 5 Tagen im Juni 1953 in Berlin mitgetragen und mitverantwortet haben, und benutzt dafür unter Beifügung authentischer Dokumente die Form von Stundenprotokollen, die den Leser die Vorgänge bis zum Abend des 17. Juni miterleben lassen.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Zurecht ein Klassiker      5 von 5 Punkten
Ich hatte das Buch bestimmt 15 Jahre im Regal liegen.
Ich schob es sozusagen vor mir her.
Als ich es dann zur Hand nahm, war es innerhalb kürzester Zeit verschlungen.
Neben seiner geschichtlichen Bedeutung ist es einfach auch ein gutes Buch.


 Weitere Lesermeinungen


Das Wunder des San Gennaro - Sandor MaraiDas Wunder des San Gennaro
Sandor Marai

Broschiert, Juni 2007
     Verkaufsrang: 232206      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Anfang der fünfziger Jahre: In dem kleinen italienischen Küstenstädtchen Posillipo verbreitet sich zu Frühlingsbeginn die Kunde, ein geheimnisvoller Fremder wolle die Welt erlösen. Und auf Erlösung und ein Wunder hoffen alle Bewohner der kargen Küstenlandschaft, der arbeitslose Erdnußverkäufer ebenso wie der Fischer und der Weinhändler... Leidenschaftlich, herb und berührend zugleich ist Sándor Márais autobiographischer Roman über das »Wunder des San Gennaro«.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Der Vesuv, das Meer und der Wind      5 von 5 Punkten
" Das Wunder des San Gennaro" ist ein im Grunde handlungsarmer, dafür jedoch hochgradig gedanklicher Roman, der sich mit dem zweifelnden Individuum in der vermassenden Welt der Diktaturen befasst.
Anfang der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gelangen zwei Intellektuelle, ein Mann und eine Frau - Flüchtlige aus Osteuropa - nach Neapel.
Sie empfinden sich selbst als " displaced persons", Menschen, die nirgends mehr wirklich ankommen wollen und können, weil sie endgültig und bedingungslos ihre Heimat, die man in erster Linie als geistige zu begreifen hat, verloren haben.
Die Nazi-Zeit und den Stalinismus haben sie erlebt, wie auch überlebt und haben mit ansehen müssen wie die europäische Kultur , die auf der Freiheit des Individuums beruht, zu Grabe getragen worden ist.
In Dialogen mit einem Franziskanermönch übt der eine eine harsche Kritik am Faschismus als auch am Kommunismus und entlarvt die grenzenlosen Machtbestrebungen der Akteure beider Ideologien, von denen man die versprochene Erlösung nicht zu erwarten hat.
Den Intellektuellen quält die Frage , wie man die allgemeine Hofnungslosigkeit auflösen kann.
Italien ist das Land der Heiligen und der Wunder. So erlebt man etwa am 19. September das Wunder des San Gennaro. Aufgrund eines irritierenden Glaubensaktes der Wundergläubigen beginnt das erstarrte, in einem Behältnis aufbewahrte Blut des Märtyrers zu quellen. Von diesem Wunder lässt sich der Intellektuelle inspirieren. Er kommt zum Ergebnis, dass er - den Märtyrern gleich -, duch Selbstopferung seine Mitmenschen von dem Übel der Vermassung zu erlösen vermag. Beseelt von dieser Erkenntnis handelt er....
Marai zeichnet wunderbare Miniaturen Italiens, beschreibt die Freundlichkeit der dort lebenden Menschen und zeigt wie großzügig die Armen von Neapel gegenüber Fremden sind.
Der Autor spricht über ein altes, reifes Volk, das gelernt hat die Chancen des Augenblicks zu nutzen und durch seine Wundergläubigkeit die Hoffnung nie verlieren wird.
Dieses faszinierende Buch hat der große ungarische Schriftsteller in erster Linie den armen Leuten Posillipos gewidmet, die er zu Beginn der 50er Jahre während seines Italienaufenthaltes kennen und schätzen gelernt hat.
Empfehlenswert!


 Weitere Lesermeinungen


Berlin Alexanderplatz - Alfred DöblinBerlin Alexanderplatz
Alfred Döblin

Gebundene Ausgabe, Januar 2004
     Verkaufsrang: 158555      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 15,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Alfred Döblins "Geschichte vom Franz Biberkopf" ist der deutsche Großstadtroman von weltliterarischem Rang. Schauplatz ist das Berlin der zwanziger Jahre - mit seinem Menschengewühl, seinem Straßenlärm, seinem Häusergewirr. Schnoddrig und sentimental, durchsetzt mit biblisch-apokalyptischen Bildern, erzählt Döblin von dem aus der Strafanstalt entlassenen Transportarbeiter, der als ehrlicher Mann ins Leben zurückfinden will. Die Stadt selbst wird zum Gegenspieler des gutmütig-jähzornigen Biberkopf, der dieser verlockenden, aber unerbittlichen Welt zu trotzen versucht.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Aussergewöhnlich geil.      5 von 5 Punkten
Zunächst zu der Ausgabe vom Fischer-Verlag: Toll! Schön aufgemacht, gutes Papier, übersichtlich, einwandfreie Rechtschreibung. So etwas nimmt man gerne in die Hand!

Vorab: Diese Rezension ist nicht hilfreich. Keine Rezension zu diesem Buch ist es. Genau deshalb schreibe ich sie.
"Berlin Alexanderplatz" ist ein so aussergewöhnlich geschriebener Roman, dass man ihn einfach nicht pauschal als gut oder schlecht bezeichnen kann. Das ist natürlich de facto bei keinem Buch möglich. Hier fällt es mir allerdings besonders auf.
Als Beweis gelten ja allein schon die sehr verschiedenen Rezensionen, die veröffentlicht wurden.
Für mich ist dieses Buch zu einem "Heiligtum" avanciert. Das war es nicht von Anfang an! Die ersten fünfzig Seiten waren im wahrsten Sinne des Wortes Arbeit. Denn Döblins Stil ist so abstrakt, setzt sich aus so vielen Einzelheiten zusammen, dass es seine Zeit braucht, um sich einzulesen. Es ist wie bei einem Lied mit schwerem Rhythmus. Den muss man erstmal einige Zeit anhören, um ihn zu verstehen. Dann macht das Tanzen aber umso mehr Spaß!
Genauso habe ich es beim "Alexanderplatz" empfunden. Es ist ein bisschen Ausdauer nötig, um in den Stil hineinzufinden. Wenn man dann aber drin ist! Wow!
Mich hat dieses Buch vor allem begeistert, weil es aufgrund der Montagetechnik und der manchmal scheinbar willkürlich zusammengesetzten Teile eine Stimmung erschafft, die mich völlig in die 20er Jahre gesogen hat. Außerdem wird durch diese Stilmittel die Aussage auf schönere Weise klarer, als es im herkömmlichen Roman möglich wäre. Das beste Beispiel ist hierfür die Situation nach der Armamputation an Franz. Es wird dargelegt, wie er weint, verzweifelt ist, sich nicht traut, den Grund für das Geschehen auszusprechen. Und mittendrin in dieser Atmosphäre, die Mitleid beim Leser hervorruft, kommt der Einschub: Döblin nennt Zahlen aus einem Schlachtbetrieb. Wie viele zehntausende Rinder, Schafe etc. abgeschlachtet werden. Das wirkt wie eine Ohrfeige. Wieso haben wir gerade mit einem Menschen Mitleid, nur weil er einen Arm verliert?
Dafür liebe ich diesen Roman! Für die unerbittliche Ehrlichkeit, die aber das Wichtigste nicht vergisst: Ja, Döblin schildert eine düstere Welt. Das Buch wirkt auf mich aber nicht depressiv. Es ist vielmehr von einer großen Menschenliebe geprägt.

So sehe ich Döblins Werk. Und ebenso kann ich es verstehen, wenn Leute damit überhaupt nichts anfangen können. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, dessen Stil mir so Typ-abhängig erschien. Denn das Buch lebt von einem völlig unormalen Stil. Und es ist logisch, dass gerade darum keine allgemeingültige Bewertung stattfinden kann.

Viele schreiben, dass sie viel zu lang für das Buch gebraucht haben. Auch ich habe es nicht in einem Haps verschlungen. Aber bei mir war es sogar anders: Es tat mir leid um jede Seite, die ich gelesen hatte, denn damit näherte ich mich dem Ende.

Was ich mit all dem ausdrücken will: Dieses Buch muss man ausprobieren! Keine Rezension hilft weiter. Aber nicht umsonst zählt es zu den großen Werken des 20. Jahrhunderts. Und wenn man es schafft, in dieses Buch hineinzuschlüpfen... dann gnade einem Gott! ;-)


 Weitere Lesermeinungen


Demian: Die Geschichte von Emil Sinclairs - Hermann HesseDemian: Die Geschichte von Emil Sinclairs
Hermann Hesse

Taschenbuch, August 2003
     Verkaufsrang: 86599      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Frh schon geht dem 10-j„hrigen Lateinschler Emil Sinclair die Ahnung davon auf, dass neben der heilen Welt des Elternhauses auch eine rauhe, kalte besteht. Er ist auf dem Weg zu sich selbst und l”st sich von den unglaubhaft gewordenen Normen, wie Religion und Moral und vom Elternhaus. Der Junge sucht die Berhrung mit der ihm fremden Welt und ger„t durch harmlose Prahlereien in die Abh„ngigkeit von Franz Kromer. Getrieben zu kleinen Lgen und Diebereien sieht er seine heile Kinderwelt zusammenbrechen. Gerettet aus diesen Qualen wird er durch einen Mitschler namens Max Demian, der gerade in seine Schule eingetreten ist. Er ist ein selbstdenkender und freier Mensch, der ihn von Franz Kromer schon bald befreit. Von dieser Abh„ngigkeit gel”st, flchtet Sinclair in seine Kinderwelt zurck und geht somit Demian aus dem Weg. Die Kindheit ist jedoch bald vorbei, und er steht in einer fremden Welt. In der neuen Schule ist er ein Sonderling, gilt als Zyniker und ist innerlich voll Trauer. Du rch die Begegnung mit einem M„dchen findet er zu sich zurck. Als er versucht, sie st„ndig zu malen, bemerkt er, daá das Bild Max Demian gleicht. Voller Sehnsucht schickt er Demian eine von ihm gemalte Zeichnung. "Abraxas" lautet die Antwort, die ihm eines Tages in die H„nde f„llt. Ein junger Orgelspieler, Pistorius, weiht ihn n„her in das Wissen um Abraxas ein. Die Achtung vor sich selbst zu bewahren sei diese Religion. Der Orgelspieler, der ihm seine Tr„ume deutet, erz„hlt ihm von diesem mystischen Gott, der Menschliches und Tierisches, Gutes und B”ses, G”ttliches und Teuflisches in sich vereint. Doch bald l”st sich Sinclair von den Interessen seines Freundes Pistorius und versucht, seinen eigenen Weg zu finden. Er trifft auf Demian, der ihn schon erwartet in dem Bewuátsein, dass sich Sinclair ihm n„hern werde. In Frau Eva, Demians Mutter, erkennt er seine Traumgeliebte, die ihm einen neue Art des Lebens zeigt. Er verbringt ein paar sch”ne Monate, die jedoch mit dem Ausbruch des Kri eges ihr Ende nehmen. Er wird weggerissen von Frau Eva und seinem besten Freund. Noch einmal sieht Sinclair Demian als Schwerverwundeten und empf„ngt von ihm den Kuss von Frau Eva, seiner Mutter.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 58 Bewertungen)

Ein Meisterwerk (voller [Jugend-]Psychologie und "Lebensphilosophie")      5 von 5 Punkten
"Der Vogel kämpft sich aus dem Ei. Das Ei ist die Welt. Wer geboren werden will, muss eine Welt zerstören. Der Vogel fliegt zu Gott. Der Gott heisst Abraxas."

Mit keinem anderen Buch konnte ich mich bislang derart identifizieren als mit diesem. Und ich bin wohl nicht der einzige, der so fühlt. Hermann Hesses "Demian", kurz nach dem Ende des ersten Weltkrieges 1919 erschienen, blickt auf eine geniale Weise in die Psyche eines jungen Menschen und verfolgt dessen Entwicklung vom vorpubertären Schuljungen bis zum Studenten. Trotzdem dass es in der wilhelminischen Zeit spielt, ist das Buch meiner Meinung nach äusserst aktuell; ich, 1988 geboren, fand darin zahllose Parallelen zu meinem Leben und meiner Psyche.

Dieser Junge, Emil Sinclair, wirkt in der Rolle des Ich-Erzählers besonders authentisch. Wie er selbst (quasi als fiktiver Schriftsteller) am Anfang sagt, ist die Erzählung die Suche nach "sich selbst", nach einer Identität; dementsprechend verläuft der rote Faden durch das Buch und kaum einmal weicht Hesse von diesem Thema ab. Jedoch treten die Handlungen - besonders gegen Ende des Buches - gegenüber Sinclairs Gedanken, psychologischen Selbstinterpretationen bis hin zu deliriumähnlichen Zustandsbeschreibungen zunehmend in den Hintergrund.

Das Stichwort "Lebensphilosophie" - auch im Titel bewusst mit Anführungsstrichen - traue ich mich fast nicht zu verwenden angesichts immer zahlreicherer esoterischer Lebensratgeber - ein Trend, der erst rund fünfzig Jahre nach dem Erscheinen Demians kommt. Damit hat Demian herzlich wenig zu tun. Dennoch hat das Buch einen gewissen philosophischen Inhalt, insofern es auf die Fragen der eigenen Existenz und Identität eingeht. Das Ich zu finden wird demnach nie vollständig gelingen, aber der Weg dazu ist quasi das Ziel. Zentral dabei ist die Anerkennung der "bösen" Seite der Welt, zu der alles Nicht-Bürgerliche, Nicht-Kirchliche, Nicht-Offizielle, auch das Triebhafte und Sexuelle gehört. Der manichäische Gott Abraxas symbolisiert das dualistische Prinzip, das Nebeneinander von der "guten" und der "bösen" Welt.

Das Eindrücklichste am ganzen Buch ist der Punkt, wo der ungefähr achtzehnjährige Sinclair aus der (mit Wein aufgefüllten) Leere, in die er nach dem Zerstören der alten, heilen Kinderwelt geraten ist, - plump gesagt dank Abraxas - einen Weg für sich wiederfindet.

Aus heutiger Sicht gleitet das Buch (im Gegensatz zum Steppenwolf) dann wiederum nicht in Hippie-Sphären und Märchenwelten ab (trotz viel a-realem Text), wenn Demian (Sinclairs Freund und Mentor) z. B. biologische Erklärungen einbringt, in seinem Chemielabor arbeitet (Faust?) oder den reinen Symbolgehalt des Kainszeichens und der dualistischen Religion betont.

Vielleicht ein Buch mit nicht besonders viel literarischem Gehalt, eher schlichter, einfacher Sprache, aber ohne Kitsch, mit umso mehr Nähe zum Leser, mit viel Genie.


 Weitere Lesermeinungen


Der fromme Tanz: Das Abenteuerbuch einer Jugend - Klaus MannDer fromme Tanz: Das Abenteuerbuch einer Jugend
Klaus Mann

Taschenbuch, August 2004
     Verkaufsrang: 48117      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Klaus Mann brach mit seinem ersten Roman ein Tabu: Nie zuvor war in der deutschen Literatur so offen von gleichgeschlechtlicher Liebe erzählt worden. "Der fromme Tanz" schildert, wie ein junger Dichter in die großen Städte Berlin und Paris zieht und dort eintaucht in das Leben der Boheme. Andreas Magnus fühlt sich zum Künstler berufen, und er sucht nach einem Weg, um den Hoffnungen und Zielen seiner Generation Ausdruck zu verleihen. Welche Abenteuer er dabei erlebt und welche Erfahrungen er macht, ist der Gegenstand dieses Buches, das erstmals 1925 erschien.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Überraschend...      5 von 5 Punkten
... wie sich meine Meinung zu Klaus Manns' "der fromme Tanz" nach den ersten paar Seiten geändert hat. Die Kritiker zerpflückten das Buch förmlich, sei es doch ein Teil des "Homo-Kanons" der 20er-Jahre und laut Siegfried Kracauer sogar Klaus Manns einer, der "das schmierige Leben einfach abschreibt".
Im Gegenteil: es ist faszinierend, wie Klaus Mann es schafft, dieses schwierige Milieu mit einer Intensität, ganz ohne "schmierige" und direkte Worte, zu beschreiben, die dem Leser ans Herz geht. Jeder, der sich auch nur ein wenig für die wichtigste Schriftstellerfamilier des 20. Jahrhunderts und dessen "schwarzes Schaf" Klaus Mann interessiert, sollte dieses Buch gelesen haben.
Klaus Manns Coming-Out Roman "der fromme Tanz" kann und muss man weiterempfehlen.


 Weitere Lesermeinungen


Der goldene Pfeil: Eine Geschichte zwischen zwei Bemerkungen - Joseph ConradDer goldene Pfeil: Eine Geschichte zwischen zwei Bemerkungen
Joseph Conrad

Broschiert, September 2008
     Verkaufsrang: 191036      Noch nicht erschienen.

Preis: € 9,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Dies ist die Geschichte eines jungen Seemannes, der in gewagte Unternehmungen der hohen Politik am Rande der Legalität verwickelt wird. Autobiographische Elemente geben ihm seine verhaltene Glut: Conrad beschwört eigene Jugenderlebnisse, seine Teilnahme an den legitimistischen Bestrebungen von Carlos von Bourbon, den Waffenschmuggel auf verwegenen Ausfahrten von Marseille. Aber vor allem ist es die Geschichte einer Leidenschaft - der Leidenschaft dieses jungen Mannes zu Dona Rita. Dona Rita beherrscht alle und alles - die spanische Ziegenhirtin, Gefährtin und Erbin eines Pariser Malers, beinahe auch die Mätresse und tatkräftige Helferin jenes Don Carlos wurde - stolz und fordernd, femme fatale und selbstlos Liebende.
Politische Machenschaften, unerfüllte Liebe und eine der stärksten Frauengestalten der Weltliteratur: ein Abenteuer des Herzens..




Seelandschaft mit Pocahontas / Die Umsiedler - Arno SchmidtSeelandschaft mit Pocahontas / Die Umsiedler
Arno Schmidt

Taschenbuch, Januar 1996
     Verkaufsrang: 219064      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

»Seine wohl schönste Liebesgeschichte«, urteilt Walter Kempowski über Arno Schmidts 1953 entstandene Erzählung Seelandschaft mit Pocahontas. Der Erzähler Joachim, ein mittelloser Schriftsteller, und Erich Kendziak, ein gutsituierter Malermeister, knattern mit dem Motorrad ins Oldenburgische an den Dümmer See. Die beiden Freunde wollen ein paar Urlaubstage verbringen. Als sie Annemarie und Selma, zwei junge Sekretärinnen, kennenlernen, treten die...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Das "Abenteuer" Arno Schmidt      3 von 5 Punkten
"Rattatá Rattatá Rattatá./ Eine Zeit lang hatten alle Mädchen schwarze Kreise statt der Augen gehabt, mondäne Eulengesichter mit feuerrotem Querschlitz darin: Rattatá."
So beginnt die Erzählung "Seelandschaft mit Pocahontas", 1955 veröffentlicht, die Walter Kempowski zur "wohl schönsten Liebesgeschichte" Arno Schmidts ernannte. Und mit diesen Anfangsworten ist auch schon der Weg der Erzählung vorgezeichnet: Im ganzen Buch nämlich wimmelt es nur so von Assoziationen, Metaphern und Neologismen. Durch den unglaublichen Reichtum an Stilmitteln rückt die Handlung - wie so oft bei Schmidt - in den Hintergrund. Nicht die zweifellos banale Handlung - zwei Freunde treffen sich nach Jahren wieder, gehen zusammen in den Urlaub, stoßen dort auf zwei Frauen, verbringen mit diesen ein paar schöne Urlaubstage und gehen dann wieder unbeschwert und glücklich auseinander - beeindruckt, sondern die Darstellung der Handlung, schlichter gesagt: die Sprache Arno Schmidts. Man muss sich auf diesen einzigartigen Stil einlassen, muss ihn nahezu verinnerlichen, um dieser Erzählung etwas abgewinnen zu können. Denn lässt man sich nicht auf die anfangs etwas skurril anmutende Erzählweise des Autors ein, wird einem schnell die Lust an der Erzählung vergehen, man wird die Lektüre enttäuscht und vielleicht auch entnervt weglegen und wahrscheinlich nie wieder ein Buch von Arno Schmidt zur Hand nehmen. Geduld und Konzentration fordert diese Erzählung von uns.
Wer Geduld und die nötige Konzentration aufbringen und sich noch dazu für die Erzählweise Arno Schmidts begeistern kann, dem wird dieses Werk pures Vergnügen bereiten. Doch fürchte ich, dass sich nur eine kleine Minderheit an dieser Erzählung vergnügen kann - sei es wegen fehlender Geduld oder einfach der Erzählweise Arno Schmidts wegen. Auch mir fehlte leider viel zu häufig die nötige Geduld, um der Erzählung das ein oder andere abgewinnen zu können.
All denjenigen, die bis jetzt noch nichts von Arno Schmidt gelesen haben, empfehle ich: Lassen Sie sich ein auf das "Abenteuer" Arno Schmidt und lernen Sie diesen ungewöhnlichen Schriftsteller kennen, dessen Erzählweise sich radikal von anderen Schriftstellern abgrenzt und der auch deshalb als der Außenseiter der deutschen Nachkriegsliteratur gilt.


Ein Nachkriegstext über Sexualität      5 von 5 Punkten
Der zweite Weltkrieg ist vorbei, zwei ältere Männer, die ihn gemeinsam erlebt haben, machen Urlaub am See. Selbstverständliches Ziel: Frauen. Die, die sie kennenlernen, sind ebenfalls nicht mehr die jüngsten, und mit der Disney-Vorstellung von "Pocahontas" haben beide sicherlich nicht die geringste Ähnlichkeit. Nicht gerade der Stoff für eine Liebesgeschichte? Abwarten. Der ganze Text ist durchsetzt mit Anspielungen auf den erst kürzlich beendeten und doch schon beinahe völlig verdrängten Krieg: Entweder direkt in den Assoziationen des Ich- Erzählers, der oft an KZs, Massensterben und Einzelheiten seines Soldatenlebens denkt - oder durch die Umgebung, Ortsnamen (alles spielt im Kyll(Kill-)Tal) oder plötzlich auftauchende Tiefflieger. Das gemeinsame Baden im See, die sexuellen Annäherungen über Eincremen und Wasserspiele erhalten duch diese im Hintergrund präsente Gewalt eine fast unerträgliche Spannung. Unter diesem Druck verwandeln sich die Körper in Mythen(s. Titel)- und Horrorkonglomerate ("kam in Gottesanbeterinstellung auf mich zu, legte mir die scharfen Vorderbeine über die Schultern") und der profane, grotesk-komische, ja lächerliche Sex löst all das auf. In diesem Sinne ist der Text die Utopie einer Reichschen Sexualität - die alle Spannungen und Ängste auf das Sexualobjekt projiziert, um sich im erlösenden Akt davon zu befreien. Daß dies bei vollem Bewußtsein auch vor dem Hintergrund von fünfzig Millionen Toten möglich ist, ist der Kern dieses beeindruckenden Textes. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)


Der große Gatsby - F. Scott FitzgeraldDer große Gatsby
F. Scott Fitzgerald

Gebundene Ausgabe, Mai 2006
     Verkaufsrang: 216194      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 19,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

F. Scott Fitzgeralds bekanntester Roman, “The Great Gatsby”, erschien 1925, auf dem Höhepunkt des “Jazz Age”. Er wurde zum Synonym für die Widersprüchlichkeit des „American Dream“ mit seinem Streben nach Reichtum, Erfolg und Glück, für ein extravagantes, dekadentes Leben, ohne jegliches Gefühl für Verantwortung.

New York 1925: Nick Carraway, der Erzähler, ist angehender Börsenmakler und Nachbar von Jay Gatsby. Einen Sommer lang nimmt er am Leben der wirkliche Reichen teil: Zusammen mit seiner Cousine Daisy, ihrem Ehemann Tom Buchanan, einer befreundeten Golfspielerin und dem geheimnisvollen Gatsby genießt er das Leben im Überfluss. Dekadent, launisch, ohne Rücksichten zu nehmen. Dieser Gatsby, zu dessen Partys jeder kommt, den aber so gut wie niemand kennt, trägt selbst zu seiner Legendenbildung bei. Man munkelt er sei ein Gangster und Alkoholschmuggler, er habe in Oxford studiert, sei verwandt mit den Hohenzollern und ein Spion.

Nick erfährt seine Geschichte: Für seine große Liebe, für Daisy, mit der er vor fünf Jahren zusammen war, schuf Gatsby aus dem Nichts seine märchenhafte Existenz. Sein Traum, die Jahre, die zwischen ihm und Daisy liegen, ungeschehen zu machen, ist unerreichbar. Mehr noch: In der so sehr ersehnten Welt bleibt er für immer ein Fremder! Und sein tragisches Ende ist die Folge von „gedankenlosen Menschen“, die vernichten, um sich danach genusssüchtig und verantwortungslos wieder ins leere Vergnügen zu stürzen.

F. Scott Fitzgerald ist der Dichter der Roaring Twenties. Genial thematisierte er den Glanz und die Illusion dieses Lebenskonzepts. In den beginnenden 20er Jahren verkörperte er zusammen mit seiner Frau Zelda das erfolgreiche, schöne und junge Amerika. Sein Leben steht aber auch exemplarisch für die Misere der „Lost Generation“, dieser idealistisch-zynischen Intellektuellen der Nachkriegsgeneration. Am Ende ist Fitzgerald Alkoholiker, seine Frau lebt bis zu ihrem Tod in einer Nervenheilanstalt.

Der Schauspieler Sky du Mont, zuletzt in Filmen wie „Der Schuh des Manitu“ von Bully Herbig oder in „Eyes Wide Shut“ von Stanley Kubrick zu sehen, liest fast fünf Stunden lang auffallend distanziert und wenig prätentiös diesen weltbekannten Roman. Dennoch hält er ohne Mühe die Aufmerksamkeit des Zuhörers. Und vielleicht macht gerade die Zurückhaltung, dieses Nicht-Inszenieren seiner Person seine Lesung so sympathisch.
Ungekürzte Lesung, Spieldauer: ca. 323 Minuten, 4 MC. Auch als CD erhältlich.

-- culture.text

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 32 Bewertungen)

Mitten im Strom      5 von 5 Punkten
Der letzte Satz des Romans gilt heute vielen als der beste Satz, der je geschrieben wurde. Der große Gtasby taucht immer wieder auf den Listen auf, die von Zeit zu Zeit nach dem besten Roman aller Zeiten forschen. Es ist Fitzgeralds Sprache, dem melancholischen Blick auf seine Figuren zu verdanken, die einen zur Leichtigkeit des Seins verführt, daß einem die Dekadenz der handelnden Figuren in der Geschichte nicht abstößt. Trotz allem Reichtum handelte es sich um Verlorene, deren Riß in sich so pocht, daß sie ihn nicht zu füllen, zu überwinden verstehen. Deutlich vor allem in Jay Gatsbys unstillbarer Liebe zu Daisy Fay. Was nützt einem da das viele Geld? Fitzgerald versteckt Gatsby hinter der Beschreibung eines Außenstehenden, eines am Rand Teilhabenden. James Gatz ist fasziniert von der schillernden Gesellschaft der Zwanziger Jahre, dem Mondänen. Eine Zeitlang darf er an ihren Tischen Platz nehmen. So traumhaft durchlebt dieses Leben auch erscheinen mag, herrschen darin der Betrug, die Eifersucht, die Neurosen.

Am Besten im Rausch zu ertragen. Allerdings läuft nicht alles nach Plan, in dieser nach außen verschlossenen Welt, die sich für unberührbar hält. Romantisch in der Sehnsucht, subtil im Scheitern. Auch ein Gatsby vermag das nicht aufzuhalten. Fitzgerald erzählt vom Riß im Menschen, den er erst verspürt, dann hofft, ihn zu beherrschen, schließlich vergessen machen will, damit er einen nicht in den Abgrund zerrt. Jay Gatsby lächelt, hält Hof und versinkt doch im Unglück.


 Weitere Lesermeinungen



In Swanns Welt: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit - Marcel ProustIn Swanns Welt: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Marcel Proust

Taschenbuch, März 2004
     Verkaufsrang: 200299     

Bei Amazon direkt z.Zt. nicht lieferbar,   Bei anderem Anbieter bestellen



Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)

Was sonst?!      5 von 5 Punkten
Lange Zeit wandelte ich durch meine Welt und konsumierte geradezu jeden für die europäische Kultur entscheidenden Klassiker, doch in dem Augenblick, da sich meine Hand nach Proust ausstreckte, veränderte sich auch mein Tagesablauf. Denn obwohl ich mir zunächst damit schwer tat, mich in "Swanns Welt" einzulesen, so änderte sich das irgendwann zwangsläufig durch meine oftmals weit weniger ausgeprägte Hartnäckigkeit soweit, dass ich täglich ungefähr 50 Seiten zu lesen begann und Teile meines Verstandes, schon längst nachdem ich dieses fast unscheinbar zu nennende Buch zur Seite gelegt hatte, doch noch meinten, um dieses Werk herumkreisen zu müssen. Während ich das schreibe, besinne ich mich erneut auf Szenen und Bilder jenes ersten Bandes für mich noch nicht zu fassender Weltliteratur und genieße zusammen mit dem Ich-Erzähler diese magische Madeleine, das irgendwie als logische Abfolge von leidenschaftlichen, komischen und traurigen Episoden zu bezeichnende Liebesleben Swanns oder auch die literarisch eindrucksvoll verarbeitete Wirkung von Violinenspiel auf den Zuhörer. Ich kann nicht anders als Proust jedem empfehlen.

NEIN NEIN NEIN!!!!!      1 von 5 Punkten
Ich habe viel über dieses Buch gelesen und bin mit einer eher vorgefasten positiven Meinung an dieses Buch gegangen.
Enttäuchung Pur. Dieses Buch war so schnarch langweilig ich musste es nach der hälfte einfach weglegen und das hab ich bisher noch nie gemacht.
Das soll Weltliteratur sein wie KRIEG UND FRIEDEN oder SCHULD UND SÜHNE?
NEIN NEIN NEIN!!!

Liebe Literaturkritiker dieser Welt, nur weil ein Buch schwer zu lesende Sätze enthält, macht das noch lange keine Weltliteratur.

Proust lesen ist wie Meditieren      5 von 5 Punkten
Um Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" ganz zu lesen, muss man Zeit mitbringen, und zwar gleich im doppelten Sinne. Man muss bereits viel Zeit mit Büchern verbracht haben, um dieses Buch der Bücher überhaupt mit Aussicht auf Erfolg anzugehen. Sodann benötigt man Zeit, sehr, sehr viel Zeit, um die viereinhalbtausend Seiten des Buches zu lesen. Diesen Roman in einem einzigen Rutsch zu lesen, ist unmöglich. Es käme mir vor, als wolle man ein ganzes Fass guten Weines in einem eiznigen Zug leer trinken. Wie bei einem Wein, der auch in der Portionierung eines Glases oder einer Flasche am bekömmlichsten ist, empfiehlt es sich auch dieses Buch über viele Etappen hinweg zu lesen.
Ich habe damit während eines längeren Frankreichaufenthaltes begonnen, habe jeden Morgen ein oder zwei Stunden darin gelesen und dabei mit Freude gemerkt, wie gut mir diese morgendliche Übung tat. Wann ich dieses Werk zuende gelesen haben werde, kann ich genau so wenig absehen, wie mein weiteres Leben.
Das erste Buch: In Swanns Welt
Sieht man einmal von dem zweiten Teil des ersten Buches ( "Eine Liebe von Swann" ) ab, so ist das erste Buch in einer Weise verfasst, die ich schon aus anderen Büchern kannte schätzte und von der ich jetzt erst realisierte, dass es die Proustsche Perspektive ist: aus der emotionalen, magischen und ein wenig verzauberten Perspektive eines heranwachsenden Knaben wird die innere und äußere Welt dieses Kindes dem Leser mit den schier unbegrenzten Mitteln einer universalen sprachlichen Meisterschaft vor Augen geführt, die einem ganz anderen Lebensalter entstammt. Dieses Nebeneinander von magischer Empfindung und analytischer Poesie war für mich die erste frappierende literarische Erfahrung dieses Buches.
Mit diesen Mitteln und vor allem auf diesem Niveau kann alles beschrieben werden. Wie Miro oder Picasso alles malen können und es immer genial ist so kann Proust über alles auf eine Weise schreiben, die den Leser fesselt. So beginnt das Buch mit den Ängsten des kleinen Protagonisten um einen möglicherweise ausfallenden Gutenachtkuss der geliebten Mutter, es setzt sich fort mit einer liebevoll inspirierten Schilderung des Dorfes Combray und seiner Bewohner, des eitlen Herrn Legrandin, des kauzigen Vitrieul und seiner exotischen Tochter, vor allem aber der Familie, der gutmütigen Großmutter, dem herben Großvater, den Eltern, der Tante Leonie und der Dienerin Francois, deren psychologische Physiognomien aus der Perspektive des kleinen Protagonisten auf das Wunderbarste ausgeleuchtet werden. Situationsschilderungen und Handlungsabläufe werden immer wieder durch essayistische Betrachtungen unterbrochen, bei denen der Erzähler die Perspektive des kleinen Jungen verlässt, um aus der Universalität seines gealterten Lebens umfassendere Betrachtungen anzustellen. Ich gestehe, dass ich diese Passagen, so interessant sie auch waren (vgl. etwa die Abhandlungen über die Namen S. 507-520), oft nur quer gelesen habe, weil ich nach der eigentlichen Erzählung lechzte, denn diese bereiteten mir ein außerordentliches Vergnügen. Ich lachte und staunte, und mir war, als entdeckte ich immer neue literarische Köstlichkeiten (etwa die Beschreibung und Deutung eines Bücklings auf S.167, die Analytik der Liebe und ihrer Verfallsformen im zweiten Buch und vieles, vieles mehr ), was ich unterstrich und auf den Innenseiten des Buches mit Fundstelle vermerkte.
Dabei umkreist die Erzählung immer wieder die Gestalt des geheimnisvollen Verwandten Swann, jenes Onkels, der in Paris zwar in den obersten Kreisen verkehrt, in der Familie des Erzählers aber wegen einer unziemlichen Heirat mit der Kokotte Odette de Crecy geschnitten wird. (Die Entstehungsgeschichte dieser Ehe ist der Gegenstand des zweiten Teiles "Eine Liebe von Swann" - vgl. dazu die Exzerpte aus dem herbst 2005). Kein Wunder, dass sich Swanns Welt immer dominanter der Phantasie des Knaben bemächtigt - vor allem als er im dritten Teil des ersten Buches ("Ortsnamen. Namen überhaupt") die Bekanntschaft der kleinen Gilbert Swann, der Tochter des ungleichen Ehepaares macht und sich unschuldig-unglücklich in sie verliebt.


Anrührend      4 von 5 Punkten
Zugegeben, ein wenig konzentrieren muss man sich schon, wenn man die Orientierung in Prousts verschachtelten Sätzen nicht verlieren will.
Im Gegenzug wird man dafür mit einer einfühlsamen, fast zärtlichen Sprache belohnt, die einen in die Seele und Gedanken eines Kindes in einer französischen Kleinstadt entführt.
Obwohl nach meiner Erfahrung französischer Literatur des 19. Jahrhundert oft etwas zur Langatmigkeit neigt, kann man hier als Leser bedenklos zugreifen, da "In Swanns Welt" auch heute noch ein überaus anrührendes Stück Weltliteratur repräsentiert.

In Swanns Bilder- und Gestaltenwelt ...      4 von 5 Punkten
Marcel Proust gehört zu den ganz großen Romanciers der Moderne des beginnenden 20. Jahrhunderts. In seiner luxuriös ausgestatteten Sprach- und Bildvirtuosität mit ihren langen, von Farben und Gefühlen überbordenden Sätzen und Seiten schildert er die Spaziergänge um Combray, die Häuser und Straßen der Stadt mit dem herausragenden Kirchturm der Stadtkirche, die in den sprachlichen Fluten Prousts zu einem an- und abströmenden Meer vielgestaltiger Eindrücke heranwächst; gerade so wie die Natur ringsum, die Flora und Fauna selbst, in deren wort- und bildreichen Schilderungen Charaktere der Zeit sich spiegeln, ja neu entstehen, aufstehen in einer Weise, wie sie vermutlich niemals gelebt haben: die Damen und Herren der Familie sich versammeln in reich ausgestatteten Begebenheiten und Bildern, die im Hause ihre Gesellschaften und ihre Salons mit manchen Marotten und Manirismen abhalten; gerade so schillernd und extensiv lebend wie die geschilderte Natur selbst. So hat Prousts leicht ironisch süffisantes Porträt einer untergegangenen bürgerlichen Zeit gerade in dieser Sprach- und Bildergewalt Geschichte gemacht und nicht auf wenige Autoren im 20. Jahrhundert stark eingewirkt, ja erhebliche Eindrücke in deren Werken hinterlassen. Proust wird daher gerne James Joyce und Franz Kafka an die Seite gestellt. Mir fielen noch andere ein, die dem schreibenden Bohemien und Dandy an die Seite gestellt sein könnten.


 Weitere Lesermeinungen


Der Geisterseher - Julien GreenDer Geisterseher
Julien Green

Taschenbuch, Februar 1996
     Verkaufsrang: 44301      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,62 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

»Nun muß ich aber etwas Ordnung in meine Erzählung bringen und mit allem auf den Anfang zurückgehn. Das Schwierigste wird ohne Zweifel sein, eine bestimmte Vorstellung von Manuel zu geben. Ich habe ihn zu gut gekannt, um mir vorstellen zu können, was für einen Eindruck er auf andere machen mochte. Durch das Zusammenleben mit ihm weiß ich nicht mehr, wie er aussah; es war eben Manuel, nicht mehr und nicht weniger, und wenn ich ihn beschreiben sollte, würde ich einander widersprechende Dinge über ihn sagen.« Der Held ist ein Jüngling, Waise; von einer Tante aufgenommen und in deren Tochter verliebt. Er leidet an Tuberkulose und wird von einem viehischen Prinzipal ausgenutzt. Elend lebt der begabte, aber unschöne und linkische junge Mensch in der französischen Provinzstadt dahin. Doch er ist ein Auserwählter, einer, der sein Leiden gestalten und in phantastischen Bildern beschwören kann. Hermann Hesse nannte den Roman »eine Vision, die den Vergleich mit den stärksten Stücken der phantastischen und okkulten Literatur aushält«.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Brilliant geschrieben      5 von 5 Punkten
ich bin überwältigt... das Buch handelt von einem jungen Mann der als Waise bei seiner Tante aufgenommen wurde, er ist ein Außenseiter, das merkt man schnell, er fühlt sich zur kindlichen Tochter seiner Tante hingezogen und als ob diese verbotene Leidenschaft nicht Qual genug wäre kommen noch Totesängste hinzu... doch etwas hilft ihm der Realität zu entfliehen... seine Traumwelt, Phantasie!
Ich war an diesem wunderbarem Buch regelrecht gefesselt, es ist brilliant geschrieben, und am Schluß hat es mich zum Nachdenken gebracht. Ich kann es nur empfehlen!


Künstlernovellen: Pippo Spano. Schauspielerin. Die Branzilla - Heinrich MannKünstlernovellen: Pippo Spano. Schauspielerin. Die Branzilla
Heinrich Mann

Taschenbuch, Januar 1987
     Verkaufsrang: 148233      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen.

Preis: € 5,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen



Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

wundervolles "Novellen- Ensemble"      5 von 5 Punkten
Was soll man zu diesem Reclam Bändchen sagen? Als ausgesprochener Freund der Dichtung Heinrich Manns wird man diese artistischen Texte einfach lieben. Vor allem die Novelle "Die Branzilla" besticht durch ihre virtuose Erzählweise, so wird ein ganzes Menschenleben auf nur wenigen Seiten in einer ungeheuerlichen Plastizität dargestellt. Erstmals in dem Bändchen "Die Bösen" publiziert, gibt die Branzilla einen außergewöhnlichen Ausblick auf die Abgründe der menschlichen bzw. künstlerischen Seele und zeigt auf eindrucksvolle Weise den unüberwindbaren Gegensatz zwischen glücklichem Leben und der wahren Kunst auf. Ähnliches bestimmt die kongeniale Novelle "Pippo Spano" in welcher der "steckengebliebene Komödiant" Mario Malvolto an eben dieser Kluft scheitert. Auf jedenfall sind diese Novellen ein Lesevergnügen besonderer Güte, das man nicht bereuen wird. Vielleicht wird auch so mancher Skeptiker die Kunst "des Bruders" nach Lektüre dieser Perlen ein wenig mehr anerkennen...


Jahrestage: Aus dem Leben von Gesine Cresspahl - Uwe JohnsonJahrestage: Aus dem Leben von Gesine Cresspahl
Uwe Johnson

Taschenbuch, November 2000
     Verkaufsrang: 133462      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 29,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Die Johnson-Forschung befindet sich seit jeher in einem Dilemma: Kaum ein Schriftsteller muss so hart darum kämpfen, dass seine fiktionale Prosa nicht gleichsam durch die ihr immanente Faktizität erdrückt wird. Eifrige Indiziensucher spüren Orte und Namen in Mecklenburg auf, wandeln auf den Spuren der Protagonistin Gesine Cresspahl durch New York, recherchieren in den Archiven alte Ausgaben der New York Times -- alles vor dem Hintergrund, Nachweisbares darzulegen. Hinzu kommt, dass dieser Ansatz von Johnson selbst in seinen Poetik-Vorlesungen thematisiert wird, habe er doch aus seinem Studium der deutschen Literatur "eine Vorliebe für das Konkrete, eine geradezu parteiische Aufmerksamkeit für das, was man vorzeigen, nachweisen, erzählen kann", mitgenommen. Vor diesem Hintergrund mag es kaum verwundern, dass sich die gebundene Ausgabe von 1983 eines Adressbuches erfreut und der jüngst erschienene Kommentar von Holger Helbig über 1.100 Seiten umfasst, die alles zu dokumentieren suchen. So wichtig diese Ansätze auch sein mögen, hier entsteht eine Gefahr, Johnson als Regionalschriftsteller (mit Augenmerk auf interkontinentale Beziehungen) zu missbrauchen.

Kaum gerecht wird man damit jedoch diesem Werk, das 365 Tage aus dem Leben der Gesine Cresspahl und ihrer Tochter Marie erzählt. Doch diese Aufzeichnungen vom 21. August 1967 bis zum 20. August 1968 brauchen mehr an Raum und Zeit: Es geht hier um deutsche Geschichte, um nazideutsche, westdeutsche, ostdeutsche und amerikanische Geschichte. Um zeitgeschichtliche Ereignisse, die ihrerseits in der New York Times berichtet werden -- also ohnehin schon vorgegeben sind. Doch hinter diesem Lauf der deutschen und der amerikanischen, der Weltgeschichte, verbergen sich Einzelschicksale, die das Personal des Romans darstellen. Es geht um die Interaktion dieser Subjekte mit dem Verlauf der Zeitgeschichte, deren Determiniertheit durch den sozialen Kontext, in dem sie sich befinden, dargelegt wird. Diese äußere Determination freilich kann nicht ohne Auswirkungen auf formale und strukturelle Merkmale dieses Romans bleiben: So liest man eine Art Berichterstattung, gleichsam eine Geschichtsschreibung, die sich der Auswertung von Dokumenten, von Quellen verpflichtet hat. Diese auktoriale Erzählsituation steht antithetisch zu der subjektorientierten, die die Romanpersonen kennzeichnet.

Hieraus ergibt sich etwas Bedeutendes: Genau wie die fiktiven Romanfiguren an die realen Gegebenheiten der Zeitgeschichte unausweichlich gebunden sind, ist auch der Erzähler dieser Situation (formal) ausgeliefert, er befindet sich in einer analogen Situation. Das verschafft der Lektüre einen doppelten Boden, der sich erhebt über eine Ebene der Prüfbarkeit von Faktizität. --Kristina Nenninger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)

Nachbeben      5 von 5 Punkten
Als die Jahrestage in vier Bänden nacheinander erschienen, war man sich der Kraftanstrengung dieses Autors kaum bewußt, man war vielmehr fasziniert davon, wie er die Erinnerungen der Gesine Cressphal mühelos mit dem Weltgeschehen der späten Sechziger Jahre verküpfte und sich dabei des Kunstgriffs der New York Times bediente. Was nun wie ein monumentales Werk dasteht, war ein in sich äußerst fragiles Unternehmen, das den Autor an sich band. Selten wurde ein Teil der deutschen Geschichte so kunstvoll von leichter Hand erzählt.

Die Jahrestage stehen in der Tradition der großen Erzähler wie Zola oder auch einem Tolstoi. Ein zerrisenes Panorama. Uwe Johnson hat seiner Heimat damit einen literarischen Ort erschrieben, zu dem seine Leser immer wieder zurückfinden, und in Gesine Cressphal und ihrer Tochter Marie, zwei Menschen geschaffen, die für vieles stehen, was Deutschland am Ende des 20. Jahrhunderts nach den Verbrechen der Nazis ausmacht und uns über die Zeiten an unsere Geschichte bindet. Wie Politik in unser aller Leben seinen Platz einnimmt, es mitbestimmt, selbst wenn wir von Politik nichts wissen wollen, davon erzählen die Jahrestage und werfen einen Blick auf die bleierne Zeit danach.


 Weitere Lesermeinungen



Pan - Knut HamsunPan
Knut Hamsun

Gebundene Ausgabe, Februar 2003
     Verkaufsrang: 94835      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Der junge Lieutenant Glan erinnert sich eines zwei Jahre zurückliegenden Nordlandsommers. Dort lebte er inmitten der Natur in einer Hütte, fern aller Menschen – gleich Pan, dem Gott der Wälder. Eines Tages begegnete ihm Edvarda, fünfzehn oder sechzehn Jahre alt, mit einem braunen Gesicht, langen, dunklen Händen und einem großen Mund, der leuchtete. Liebestrunken leben sie dahin, bis der Herbst kommt. ›Pan‹ spiegelt die tiefe Naturverbundenheit des berühmten norwegischen Erzählers und seine Vorliebe für exzentrisches, individualistisches Dasein am Rande der Zivilisation.

Der naturverbundene Leutnant Glahn lebt zurückgezogen in den Wäldern und geht dort zur Jagd. Er verliebt sich in Edvarda, Tochter eines Kaufmanns im nahegelegenen Ort, die ihn aber nicht ernst nimmt. Als sie mit einem Baron verheiratet wird, kommt es zur Katastrophe. Der Nobelpreisträger Knut Hamsun gehört zu Norwegens größten Erzählern. Seine Werke sind bestimmt von der Kunst der Einfachheit und von Figuren, die uns heute noch zum Herzen gehen wie den ersten...


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Gewaltig und mystisch      5 von 5 Punkten
Knut Hamsun, der für seine Romane den Nobelpreis erhielt, beschreibt in "Pan" einen jungen Jäger, der eng mit der Natur Norwegens verbunden lebt. In seiner Einsiedelei lebt er mit nur sporadischem Kontakt zu anderen Menschen. Als er mit der Tochter eines Barons zusammen trifft, beginnt ein mysteriöses Spiel. Auf einfühlsame Weise gelingt es Hamsun, die Psyche seiner Hauptfigur mit dezenten Andeutungen aufzuzeichnen. Der Roman ist voller Spannung, wirkt aber durch seine Naturbilder eigentümlich sanft. Als Krimi, Liebes-, Natur- und Psychologischer Roman, ist "Pan" ein facettenreiches Buch.


 Weitere Lesermeinungen


Finnegans Wake: Gesammelte Annäherungen - James JoyceFinnegans Wake: Gesammelte Annäherungen
James Joyce

Taschenbuch, 15. Februar 2007
     Verkaufsrang: 67063     

Preis: € 12,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen



Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Nice story      5 von 5 Punkten
You will probably consider this novel to be difficult. I agree with anybody who thinks so. It is very difficult. It certainly is hard to grasp, but once you get into it, that is it. James Joyce stretched the language and brought the book to a far higher form of writing that is uncommon around. Uncommon in the sense that you have to get into it to love it. For easier, compelling reads, I recommend the works of Janvier Tisi.Also recommended: Disciples of Fortune, Parsifial Mosaic, union Moujik

Joyce's Weg aus der Moderne in die Postmoderne      4 von 5 Punkten
Mit "Finnegans Wake" brach Joyce sein Schaffen als Autor der Moderne ab und widmete sich dem Ironischen der Postmoderne. Das konstruktivistische Weltbild und die ironischr Reflexion vorhandener Thematiken wird in diesem Roman in ihren Gründzügen perfekt umgesetzt, zwar noch lange nicht so ausgereift, wie bei Pynchon oder Borges, aber dennoch sehr eloquent und phantasievoll.
Man könnte sich jetzt in literaturwissenschaftlichen Dissertationen
über den Gebrauch von nordischen Begriffen, die Identitätsfindung und Ähnlichem vergehen, doch Joyce würde einen dabei nur auslachen. Mein Tip für alle, die sich mit Finnegans Wake befassen, lest das Buch drei oder viermal und lest bitte den ersten Satz kurz nach dem ihr den letzten Satz beendet habt, es wird euch überraschen! Die Totenwache jedoch als postmodernes Äquivalent zu Ulysses zu bezeichnen wäre falsch, denn es ist ein "Schwellenwerk". Was diesem Werk hoch anzurechnen ist, ist, dass der Spaßfaktor beim Lesen auf jedenfall höher ist, als bei Ulysses(rein subjektiv).


Die Provinz des Menschen: Aufzeichnungen 1942 - 1972 - Elias CanettiDie Provinz des Menschen: Aufzeichnungen 1942 - 1972
Elias Canetti

Taschenbuch, Januar 1976
     Verkaufsrang: 191118      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

»Den Erfolg dieses überaus komplizierten Textes, der trotz des Trends zum soziopolitischen Handbuch nicht mit einem ideologischen Katechismus liebäugelt, erklärt Canetti denkbar einfach: "Mir geht es hier nicht um Formulierfreude als Selbstzweck, das wäre ja eine simple literarische Eitelkeit, ich will vielmehr mit einfachen Worten, aber glasklaren Gedanken die Leute überzeugen, daß ich nicht nur schreibe, sondern den Dingen wirklich nachspüre".«
Der Abend




Vorige SeiteSeiten:
 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25  26  
Nächste