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Von Zwanzig bis Dreissig: Autobiographisches Theodor Fontane Taschenbuch, August 1997 Verkaufsrang: 280362 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Auf unterhaltsamer Weise schildert Fontane die biographischen Stationen zwischen seinem zwanzigsten und dreißigsten Lebensjahr: die langen Jahre als Apothekergeselle, Militärzeit und Englandreise, die gesellig-literarische Atmosphäre im Sonntagsverein "Tunnel über der Spree", die Märzereignisse 1848. Die Lebenserinnerungen schließen mit der vergnüglichen Szenerie seiner Hochzeit mit Emilie: "Ich habe viele hübsche Hochzeiten mitgemacht, aber keine hübschere als meine eigene." Daß Fontane ein Meister der literarischen Porträts ist, läßt sich gerade an dieser Autobiographie bestaunen: Ein Glanzstück ist das Storm-Kapitel.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Weiteres aus Fontanes Leben 4 von 5 Punkten Die Fortsetzung der Autobiographie der frühen Kinderjahre von Theodor Fontane heißt "Von Zwanzig bis Dreißig".
Das ist herzlich falsch, da der Autor so weitschweifig aus seinem Leben erzählt, daß ein viel größerer Zeitraum überstrichen wird. Ein Teil des Buches besteht aus der Aneinanderreihung von Lebensbeschreibungen seiner Weggefährten. Nur wenige von diesen sind den heute Lebenden noch von Bedeutung, natürlich Storm oder Heyse, aber es sind viele, viele andere, die hier aufgelistet werden und denen Respekt gezollt wird. Aber von Fontanes Leben wird wenig offengelegt. Es ist wenig privates in diesem Band enthalten, alles ist sehr glatt, sehr "nacherzählt". Es gibt wenig, was die Zeit uns näher bringt. Das ist schade und so war die Lektüre dieses Bandes nicht gerade ein Lesefest, aber auch keine Qual!
Deutlich ist jedoch geworden, daß Fontane im Alter der Niederschrift sich seiner Bedeutung als Schriftsteller durchaus bewußt war, ein um seine Leistung wissender. Das ist ihm aber auch nicht vorzuwerfen.
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Kleider machen Leute / Romeo und Julia auf dem Dorfe Gottfried Keller Gebundene Ausgabe, April 2005 Verkaufsrang: 197573 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen. Gottfried Keller wurde am 19. Juli 1819 in Zürich geboren. Ein Studium der Landschaftsmalerei an der Münchener Kunstakademie brach er ab und kehrte nach Zürich zurück. Ein StipEND ium erlaubte Keller dann Studien der Geschichte, Philosophie und Literaturwissenschaften in Berlin und Heidelberg, wo Ludwig Feuerbach und seine materialistische Philosophie großen Eindruck auf ihn machten. Seit 1855 lebte er wieder in Zürich, 15 Jahre lang als Erster Staatsschreiber des Kantons und als Schriftsteller. Keller starb am 15. Juli 1890. Kellers frühe Lyrik ist zum Teil radikal politisch geprägt; nach der gescheiterten Revolution von 1848 wandte er sich aber enttäuscht von der Politik ab. Sein erstes großes episches Werk, der autobiographisch geprägte "Grüne Heinrich", steht in der Tradition des deutschen Bildungsromans. Die Novellen "Kleider machen Leute" und "Romeo und Julia auf dem Dorfe" erschienen innerhalb des Zyklus "Die Leute von Seldwyla" (1856/1874), der zunächst fünf, dann zehn Novellen enthielt. Diese Sammlung gehört zu den bedeutEND sten deutschsprachigen Erzählwerken des 19. Jahrhunderts.
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Theodor Fontane: Neue Wege der Forschung
Broschiert, März 2007 Verkaufsrang: 201104 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen. Der Band vermittelt einen repräsentativen Überblick über die Fontane-Forschung der letzten zwei Jahrzehnte. Er versammelt 17 Beiträge, die grundlegende Denkanstöße gegeben oder neue Forschungsschwerpunkte etabliert haben. Die kaum noch überschaubare Fülle von Publikationen zu Fontane wird so in einem praktischen Kompendium systematisch erschlossen. Mit Beiträgen von Lieselotte Voss, Christian Grawe, Helmuth Nürnberger, Hugo Aust, Renate Böschenstein, Norbert Mecklenburg, Roland Berbig, Claudia Liebrand, Bettina Plett und anderen.
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Bunte Steine: Erzählungen Adalbert Stifter Broschiert, August 2005 Verkaufsrang: 292271 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen. "Bunte Steine" - unter diesem Titel veröffentlichte Adalbert Stifter 1853 sechs in den Jahren 1842 bis 1852 entstandene Erzählungen, darunter das berühmte "Bergkristall". Mit einem Nachwort, einer Zeittafel zu Stifter, Anmerkungen und bibliographischen Hinweisen von Professor Dr. Hannelore Schlaffer, Universität Freiburg im Breisgau. "Wenn man von Goethes Schriften absieht (
); was bleibt eigentlich von der deutschen Literatur übrig, das es verdiente, wieder und wieder gelesen zu werden? Lichtenbergs Aphorismen, das erste Buch von Jung-Stillings Lebensgeschichte, Adalbert Stifters Nachsommer und Gottfried Kellers Leute von Seldwyla (
)" Friedrich Nietzsche, "Menschliches, Allzumenschliches"
Bunte Steine - unter diesem Titel veröffentlichte Adalbert Stifter 1853 sechs in den Jahren 1842-52 entstandene Erzählungen. In der Vorrede legt er, herausgefordert durch einen ungerechten Angriff Friedrich Hebbels wegen der angeblichen Kleinheit und Unbedeutendheit seiner Figuren und Themen, sein weltanschauliches Bekenntnis zum »sanften Gesetz« ab: Das Große, Welterhaltende liege im stillen Wachsen und langsamen Werden, nicht im jähen Ereignis, das...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Ziselieren mit Sprache 4 von 5 Punkten Wenn es denn möglich ist Natur - sowohl die des Menschen, wie auch die ihn umgebende - mit einem nicht übertriebenen, aber sehr wohl angenehm, greifbaren Pathos in Sprache einzufangen, so ist dies Stifter in ausgezeichneter Form gelungen. Mit unglaublicher Liebe zu den kleinsten Details, die doch nie aus dem großen Gesamtbild herausgerissen sind, zeichnet dieser Literat in den 6 Erzählungen dieser Sammlung ein von Anmut durchwirktes Bild der Natur und der darin und damit lebenden Charaktere. Menschen, die in ihrer Einfachheit und gleichzeitig doch tiefgreifender Lebensbejahung auch unserem Bild von Leben, Lieben, Leiden und Lernen manchen Mosaikstein für ein buntes Lebensbild beisteuern können. |
Wilhelm Meisters theatralische Sendung Johann W. von Goethe Broschiert, 1997 Verkaufsrang: 287681 Goethes Roman eines Theater-Enthisiasten ist voller Leidenschaft und Überschwang: Tragische Verwicklungen und komische Szenen, Verwirrungen der Gefühle, selige Erfüllung und bittere Enttäuschung auf der Bühne und im Leben vermischen sich in "Wilhelm Meisters theatralische Sendung" auf wunderliche Weise zu einem der genialsten Theaterromane der Weltliteratur.Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) verbrachte seine Jugend in Frankfurt, zog in seiner Studienzeit nach Leipzig und Straßburg und arbeitete ab 1771 als Anwalt wieder in seiner Heimatstadt Frankfurt. 1775 wurde er an den Hof von Weimar berufen, wo er (mit Unterbrechungen wie der Italienischen Reise) bis zu seinem Tod blieb.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Nicht nur für Germanisten: die Urfassung der "Lehrjahre" 5 von 5 Punkten Bei der "Theatralischen Sendung" von 1785 handelt es sich um die von Goethe nicht selbst veröffentlichte, erste Fassung von "Wilhelm Meisters Lehrjahren". Sie wurde in der Abschrift einer Goethe-Freundin erst 1910 entdeckt, was damals eine kleine literarische Sensation auslöste. Goethe selbst hatte den unvollendeten Roman 1785 liegen lassen und die Arbeit erst ein Jahrzehnt später wieder aufgenommen. Gibt es auch für Nicht-Philologen irgeneinen Grund, das Fragment zu lesen? Aus meiner Sicht schon, denn die "Theatralische Sendung" hat eine jugendliche Frische und Unbefangenheit, die dem bekannteren Hauptwerk Goethes selbst fehlt. Insbesondere die Kindheit und Jugend des Wilhelm Meister werden in der "Sendung" sehr viel eindrücklicher dargestellt als in den "Lehrjahren", in denen der junge Meister selbst sie in einem nichtenden-wollenden Monolog seiner Geliebten schildern muss, die darüber prompt einschläft... ein seltener Beweis von Goethescher Selbstironie, was aber leider nichts daran ändert, dass die Passage in den "Lehrjahren" erzählerisch missglückt ist, während die Kindheitsschilderung in der Urfassung des Romans beinahe Proustsche Qualitäten entfaltet. |
Der Schimmelreiter Theodor Storm Taschenbuch, April 2007 Verkaufsrang: 240017 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden 'Der Schimmelreiter' ist viel mehr als ein klassisches Stück deutscher Literatur - auf knappsten Raum nutzt Theodor Storm eine Gespenstergeschichte, um vom Kampf des Menschen gegen die Natur und gegen den Menschen zu erzählen. Hauke Haiens Versuch, dem Meer neue Grenzen zu ziehen, führt in einen Abgrund, dessen Ausdeutung den Leser verschlingt wie die Sturmflut das neugewonnene Land.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)
Kopfkino - Fühlst Du den Sturm? 5 von 5 Punkten Schade, dass man die Perlen der deutschen Literatur in der Schule durchleiden muss. Dank meiner überaus "kompetenten" Deutschlehrerin ist mir deutsche Literatur bis heute (und man darf mal anmerken, dass auch Herr Reich nicht unbedingt dazu beiträgt, zum Lesen in diesem Bereich zu ermutigen) ein Gebiet, dass mir immer ein mulmiges Gefühl vermittelt. Verstehst Du eh nicht. Wer hat denn nun was zu wem in welcher Szene gesagt?
So mit 20, 21, nachdem der Schulschock etwas nachgelassen hatte, fiel mir also der Schimmelreiter in die Hände. Als Nachwehe des Bildungsanspruchs (zumindest das hatte man mir vermittelt) habe ich also das kleine Reclamheftchen gekauft (macht sich ja auch gut im Bücherregal) und machte also den Fehler ;-) die ersten zwei Seiten zu lesen.
Ich war gefesselt. Ganz primitiv: Da ist Wetter und jemand flüchtet sich in die Geborgenheit eines Gasthauses und ein alter Mann erzählt eine alte Geschichte. Spätestens da stellt sich die erste Gänsehaut ein. Und plötzlich hört man den Nordseewind heulen, zittert mit Hauke und Elke, und weiß viel früher als alle, dass Hauke es richten wird. Das Leben ist oft grausam zu diesen Zeiten, doch es gibt Hoffnung.
Ehrlich gesagt, nachdem ich hier gelesen habe, dass Ihr das im Unterricht wahrscheinlich zerflückt habt, war ich froh, dass ich mit dem Schimmelreiter allein fertig werden durfte.
Bis heute einer meiner alsoluten Favourites, sammel inzwischen alle alten Ausgaben, weil ich ihn einfach unendlich liebe.
Heute spricht man ja oft von Kopfkino. Ich sag nur: Plötzlich bist Du vom Sturm durchgepustet, fühlst die Wärme im Deichgrafenzimmer, Du hast die Lösung gefunden, und Du weisst genau, wie der Schimmel drüben auf der Insel aussieht...
Gebt den Klassikern `ne Chance!
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Die Sturmhöhe, Großdruck Emily Bronte Taschenbuch, 1994 Verkaufsrang: 260299 Liebe, Haß und Tod - ein Drama spielt sich ab auf dem Gutshof Wuthering Heights in Yorkshires düsterer Nebellandschaft. Vom Dämon der Rache und Eifersucht besessen, richtet der Findling Heathcliff ein Werk der Zerstörung an, dem auch die Angebetete Cathy zum Opfer fällt. Mehrere Generationen werden in einen Strudel rasender Leidenschaften gezogen. Emily Brontes ergreifende Geschichte voll psychologischer Raffinesse löste 1847 einen Sturm der Empörung aus.
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Die Abenteuer des Huckleberry Finn Mark Twain Broschiert, 5. Dezember 2007 Verkaufsrang: 323192 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen. Ein Schlüsselwerk der amerikanischen Literatur Vollständige Ausgabe in der berühmten Übersetzung von Ekkehard Schöller. Einzige vollständige Ausgabe in Hardcover. Das Haus der Witwe Douglas ist ein Ort unerträglicher Beengung. Huck Finn und sein Freund, der Sklave Jim, beschließen zu fliehen - auf einem klapprigen Floß den Mississippi hinunter in eine idyllische Gegenwelt der Freiheit und Natur. Das Abenteuer gelingt, bis sich plötzlich zwei Gauner des Floßes bemächtigen und die beiden Freunde zwingen, ihnen bei ihren Betrügereien an Land behilflich zu sein. Am Ende verraten sie Jim gegen Geld, und die Erzählung läuft auf eine komplizierte Befreiungsaktion des Inhaftierten hinaus. Was als Charakterroman begann, wird zu einer modernen Version des Schelmenromans: hintergründig, satirisch und höchst unterhaltsam. Freiheit und Humanität, Zivilisations- und Gesellschaftskritik sind die Themen, die den "Huck Finn" weit über die Abenteuer- und Jugendbuchwelt seines Vorgängers "Tom Sawyer" hinausheben.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Rezension "Huckleberry Finn" 5 von 5 Punkten In Mark Twains Schelmenroman "Die Abenteuer des Huckleberry Finn" geht es um einen in den Südstaaten lebenden Jungen, namens Huckleberry Finn, der von den Schlägen seines Vaters und von der frommen Witwe Douglas, die einen anständigen Jungen aus ihm machen will, die Nase voll hat. Eines nachts lässt er sich mit seinem treuen Begleiter, dem Sklaven Jim, in einem Boot den Mississippi runtertreiben. Zusammen erleben sie eine Flussreise voller spannender Abenteuer und amüsanter Turbulenzen. Ich finde den Roman sehr gut, da man von dem Ich-Erzähler Huckleberry Finn sofort mit in seinem Bann gezogen wird und dadurch alles spannend geschildert wird. Außerdem erkennt man durch die reallistische Erzählweise, die damaligen Probleme der Südstaaten, wie z.B. die Sklaverei, die Armut usw.
Ich würde es allen empfehlen den Roman zu lesen, die spannende Abentuer mögen und denen, die sich vielleicht noch mal an ihre Kindheit zurück erinnern wollen. Dieser Roman ist als Buch, als Hörspiel und als Film erhältlich. Ich würde aber raten, das Buch zu lesen, da man sich beim lesen besser in die Person hineinversetzen kann und die Vorgänge detaillierter geschildert werden.
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Reclam Universal-Bibliothek, Nr.18, Doktor Katzenbergers Badereise Jean Paul Taschenbuch, 1986 Verkaufsrang: 258460 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Ein Meisterwerk der humoristischen Erzählung 5 von 5 Punkten Ich kann mich meinem Vorschreiber nur anschließen: Soviel pointiertes Witzeln, soviel Satire, soviel sarkastische Dichtkunst vermag wohl kein anderer Dichter als Jean Paul, der in seiner 1807 fertiggestellten Erzählung "Dr. Katzenberger's Badereise" einmal mehr die Individualität der menschlichen Charaktere vorführt und gehörig auf die Schippe nimmt. Und natürlich lässt er auch nichts Gutes an der vorangegangenen Epoche des Sturm und Drang (von der Weimarer Entwicklung mal abgesehen). Einziger Wehrmutstropfen für mich war die Herrenwahl Theodas, die ich mir etwas anders gewünscht hätte.
Eines der eingängigsten Werke Jean Pauls 5 von 5 Punkten Um den Verriß seiner Schriften über körperliche Abnormitäten an dem Rezensenten zu rächen, begibt sich Dr. Katzenberger, Arzt und Professor der Anatomie, mit seiner Tochter Theoda in den Kurort Bad Maulbronn. Zugleich flieht Katzenberger, der jegliche Ausgaben mehr scheut als der Teufel das Weihwasser, vor einem Bekannten, der ihm die Patenschaft für sein jüngstes Kind antragen möchte. Ein junger Mann, der sich als Bewunderer Katzenbergers ausgibt und zu dessen Freude die gesamten Reisekosten übernimmt, komplettiert die kleine Reisegesellschaft. Der junge Mann behauptet außerdem, ein enger Freund des von Theoda angebeteten Dichters Theudobach zu sein. Tatsächlich ist er selbst der berühmte Dichter, der aus Eitelkeit unter falschem Namen in den Kurort reisen möchte, um sich dort nach der Lüftung seines Inkognitos umso mehr feiern zu lassen. Natürlich kommt dann alles anders, als es sich die beiden Protagonisten vorgestellt haben.Die eigentliche Handlung ist indes nebensächlich, wichtig ist das, was dazwischen steckt. Und das ist nicht wenig. Im Mittelpunkt der satirischen Erzählung, die randvoll gefüllt ist mit skuril-komischen Wendungen und Einfällen, steht die Gegensätzlichkeit der Charaktere der Hauptfiguren. Da ist auf der einen Seite der rücksichtslose Pragmatiker und passionierte Abnormitätenjäger Katzenberger, der mit seinen naturwissenschaftlichen Ausführungen bei seinen Zuhörern immer wieder ungerührt die Ekelschwelle überschreitet und die Dichtkunst lediglich nach ihren Wirkungen auf die Körperfunktionen beurteilt. Und auf der anderen Seite der empfindsame, schwärmerisch veranlagte und selbstverliebte Theudobach, der erkennen muß, daß er rein äußerlich nur wenig dem Bild entspricht, das sich das Publikum von ihm gemacht hat. "Dr. Katzenbergers Badereise" gehört wohl zu den eingängigsten Büchern Jean Pauls und macht es auch weniger interessierten Lesern leicht, einen Einstieg in dessen Werk zu finden. Die Voraussetzung für die Lektüre dieser Erzählung ist etwas Zeit und Geduld und vor allem die Bereitschaft, sich auf den nie einfach zu lesenden Jean Paul einzulassen. |
Deutsche Erzähler, 2 Bde Hugo von Hofmannsthal, Marie L. Kaschnitz Gebundene Ausgabe, 25. August 1995 Verkaufsrang: 313779 Erster Band: Ausgewählt und eingeleitet von Hugo von Hofmannsthal. 993 S. Zweiter Band: Ausgewählt und eingeleitet von Marie Luise Kaschnitz. 702 S.
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Gesammelte Werke in Einzelausgaben: Gesammelte Werke, 10 Bde., Tb., 7, Erzählungen.: Erfundene Gespräche und Briefe, Reisen. (Gesammelte Werke in zehn Einzelbänden) Hugo von Hofmannsthal Taschenbuch, Januar 1979 Verkaufsrang: 151077 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Erzählungen Erfundene Gespräche und Briefe - Reisen Märchen der 672. Nacht Die Wege und die Begegnungen. Lucidor Andreas oder die Vereinigten. Die Frau ohne Schatten Brief des Lord Chandos. Das Gespräch über Gedichte Augenblicke in Griechenland u.a.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Inhalt 5 von 5 Punkten Der Band enthält 23 Erzählungen aus den Jahren 1889 bis 1925:
Der Geiger von Traunsee, Age of Innocence, Gerechtigkeit, Das Glück am Weg, Das Märchen der 672. Nacht, Soldatengeschichte, Geschichte der beiden Liebespaare, Das Dorf am Gebirge, Der goldene Apfel, Reitergeschichte, Erlebnis des Marschalls von Bassompierre, Das Märchen von der verschleierten Frau, Sommerreise, Die Briefe des Zurückgekehrten, Die Wege und die Begegnungen, Erinnerung schöner Tage, Lucidor, Dämmerung und nächtliches Gewitter, Augenblicke in Griechenland (Das Kloster des heiligen Lukas, Der Wanderer, Die Statuen), Die Frau ohne Schatten, Reise im nördlichen Afrika
So, für alle die es (wie ich) genauer wissen wollen/müssen |
Die Romane: Die Hauptmannstochter / Der Mohr Peter des Großen / Dubrovskij. Einschließlich der Pläne, Entwürfe und der wichtigsten Varianten - mit Nachwort und Anmerkungen Alexander S. Puschkin Gebundene Ausgabe, November 1999 Verkaufsrang: 318079 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Außenseiter in Russland 4 von 5 Punkten Diese Romansammlung ist wirklich sehr schön aufbereitet, das Buch und der Umschlag machen einen sehr edlen Eindruck. Enthalten sind die Romane Die Hauptmannstochter, Der Moor Peters des Großen und Dubrowskij. Zu jedem Roman gibt es ausführliche Anmerkungen zur Erklärung von Namen und Begriffen, sowie Varianten und Pläne. Das ganze wird abgerundet durch ein Nachwort von Peter Urban, in dem die Romane in Beziehung zur damaligen Zeit gesetzt werden, Probleme mit der Zensur diskutiert und auf Vorlagen für die Romanfiguren hingewiesen wird.
Die Romane selbst sind ziemlich kurz, alle zusammen nehmen gerade 330 Seiten in Anspruch. Bei allen dreien geht es in gewisser Weise um Außenseiter der Gesellschaft, einmal um einen Anführer von Aufständischen, einmal um einer Farbigen am Hof Peters des Großen und einmal um die russische Version Robin Hood's. Die Romane sind leicht zu lesen, oft witzig und zeigen ungewohnte aber interessante Aspekte der russischen Gesellschaft. Tief gehende philosophische Diskurse wie bei Dostojewskij darf man sich allerdings nicht erwarten.
Historische Romane und Romanfragmente in schöner Edition 4 von 5 Punkten Dieser Band enthält drei historische Romane im Stile Walter Scotts. „Die Hauptmannstochter" ist dabei das einzige vollendete Werk, die anderen beiden sind lediglich Romanfragmente. Dieser Roman ist zweifellos auch das beste an dieser Sammlung. Der Pugatschow-Aufstand dient als historischer Hintergrund einer dramatischen Liebesgeschichte: Ein junger adeliger Offizier verliebt sich in die Tochter seines Vorgesetzten, eines - relativ - mittelosen Hauptmanns. Durch erstaunliche Zufälle entwickelt er eine Art Freundschaft zu Pugatschow, dem Anführer des Aufstands, was ihm zwar das Leben rettet, ihn andererseits aber für die Regierungstruppen zum Überläufer macht. Es folgt das klassische Happyend: Die Hauptmannstochter erwirkt durch persönliche Fürsprache bei Katharina II. die Begnadigung ihres Bräutigams. Das ganze beruht zwar - teilweise - auf einer wahren Begebenheit, wirkt dennoch etwas zu konstruiert, um glaubhaft zu sein. Entschädigt wird der Leser durch einen klaren und schnörkellosen Prosastil, der sehr modern wirkt und mit dem Puschkin richtungsweisend für die große russische Erzähl-Literatur wurde. Zu den Fragmenten: „Der Mohr Peters des Großen" ist Teil von Puschkins Familiengeschichte: sein Urahn war der Mohr Ibrahim, den man Peter dem Großen schenkte. Peter übernahm die Patenschaft und ließ ihn vortrefflich ausbilden. Das Ganze ist durchaus lesenswert, wir erfahren interessantes über die Familie des Dichters, natürlich auch viel über die Ereignis- und Sozialgeschichte Russlands. Enttäuschend fand ich lediglich das zweite Fragment. „Dubrovski" ist eine Art russischer Robin Hood, der sich unsterblich in die bildschöne Tochter seines Widersachers verliebt. Alles ist von Anfang an vorauszusehen, es gibt letztlich keine wirkliche Überraschung mehr. Auch wirkt der Schreibstil hier etwas lieblos und vernachlässigt; Puschkin wusste wohl warum er diese Arbeit abbrach. Der Band enthält außer den eigentlichen Texten noch einen Anhang mit zahlreichen weiteren Textvarianten und Plänen Puschkins, sowie umfassende Anmerkungen und ein Nachwort - kurz: eine vorbildliche Edition. |
Salammbo Gustave Flaubert Taschenbuch, 31. Juli 1997 Verkaufsrang: 44949 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Karthago 241 vor Christus ist Schauplatz dieser üppig-exotischen Phantasie. Kein anderer Roman Flauberts ist so von verzehrender Leidenschaft erfüllt. Matho, ein junger, aufständischer Söldnerführer, verliebt sich in die Tochter der Feldherrn Hamilkar - Salammbo, Priesterin der Göttin Tanit. Tollkühn raubt er den zauberkräftigen Schleier der Göttin und bezwingt damit die widerstrebende Priesterin. Damit scheint auch die Stadt in seiner Hand - bis die Priester dem furchtbaren Gott Baal lebendige Opfer bringen ...
»Die mitlebenden Bürger findet Flaubert längst ohne Reiz, ihr Groteskes kläglich. Er braucht wildere Absonderlichkeiten, eine Welt der Ungeheuer und Gifte, einen Himmel, der wie ein Alpdruck ist; eine Welt auch, wo die Worte rasseln und klirren dürfen wie Panzer und foltern, trompeten wie Elefanten, hysterisch beben wie eine mit Wohlgerüchen durchseuchte Priesterin; wo die Worte ... die Augen sengen, die Augen zu Göttern machen und martern dürfen gleich...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Lesenswerter Historienroman 4 von 5 Punkten Dieser von Lesern und Kritik eher vernachlässigte Roman Flauberts zeigt alle Merkmale seiner Kunst, besonders seiner überlegenen Disposition, allerdings themengerecht in orientalisierende Farbigkeit getaucht.
So genau forschte der Autor, dass wir auch heute wenig Sachkorrekturen anzubringen hätten; denn entscheidend hat sich unser Wissen seither nicht vermehrt. Die Archäologie lehrte uns das Alltagsleben Karthagos besser kennen, doch historisch bleiben wir auf zumeist feindselige zeitgenössische Zeugnisse angewiesen.
Zwar greift Flaubert mit dem Söldneraufstand einen kritischen Abschnitt der karthagischen Geschichte während der Knabenjahre Hannibals auf, allerdings einen, den sich die Stadt leichtfertig infolge der Verweigerung vertraglicher Forderungen zugezogen hatte: angesichts des labilen Friedens mit Rom aberwitzig anmutend. Schließlich muss der Vater Hannibals aus dem Exil zurückgerufen werden. Das sich nunmehr vollziehende grausame Geschehen ist nicht zur Zerstreuung zarter Nerven geeignet.
Historische Persönlichkeiten behandelt Flaubert mit Delikatesse, setzt mehr auf Außensicht als Seelenwühlerei und unterscheidet sich damit wohltuend von der verlogenen 'historischen' Pseudoliteratur unserer Tage. So rettet er diesen Roman, den er selbst als sein Hauptwerk betrachtete, für die Literatur.
Fragen mag man allenfalls, warum er keine der großen Katastrophen wie nach dem 2. Punischen Kriege oder dem römischen Endsieg wählte.
Vielleicht, weil die Stadt hier die lebensbedrohliche Krisis letztlich selbst verschuldete, freilich aus den gleichen Gründen:
Geldgier und Knausern am falschen Ort kennzeichneten die Spätzeit dieser eigensüchtig zerstrittenen Adelsrepublik, die zudem jedes Mal zulange zögerte, das Unvermeidliche ins Werk zu setzen. Ferner konnte sie den Ruhm verdienter oder gar genialer Führer nicht ertragen, sabotierte vielmehr deren Feldzüge und trieb sie schließlich sämtlich aus der Heimat. Vermutlich liegt hier der eigentliche Grund; denn ohne Initiative und Nutzen aller Chancen kann keine Handelsmetropole gedeihen. Worüber Karthago endlich stürzte, wird also wie in einem Brennglas deutlich.
Raffgier, Treulosigkeit samt Selbstüberhebung und Trägheit (das Kriegshandwerk besorgten fast ausschließlich Söldner) machten es dem römischen Erbfeind leicht, dessen Legionäre von Idealen wie Vaterlandsliebe und Sendungsbewusstsein erfüllt waren, wenngleich zum Teil von den Mächtigen vorgeschoben...
Wie seine Zeitgenossen war Flaubert fraglos fasziniert von der Archäologie, anders hätte er sich kaum in derart aufwendige Studien gestürzt und Helfer bemüht, da er der alten Sprachen nicht mächtig war: Insofern rechtfertigt sich das Werk aus sich selbst. Gleichermaßen hielt er seiner eigenen von Dekadenz, kapitalistischer Großmannssucht und dem Verrat revolutionärer Ideale bestimmten Zeit auch einen Spiegel vor.
Zugegeben, Salammbo hat mit den Jahren etwas Patina angesetzt und unserer Zeit eher auf Umwegen etwas zu sagen. Trotzdem bleibt der Roman lesenswert und - obwohl lehrreich - durchaus spannend, wenn auch ohne die knallige Rezeptur moderner Historienschinken.
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Carmen Prosper Merimee Taschenbuch, September 1995 Verkaufsrang: 215089 Mit einem Nachwort, einer Zeittafel zu Merimee, Anmerkungen und bibliographischen Hinweisen von Privatdozent Dr. Franz Loquai, Universität Bamberg. Die schicksalhafte Begegnung des Dragonerkorporals Don Jose mit der stolzen und zügellosen Zigeunerin Carmen zählt zu den großen Dramen menschlicher Leidenschaft.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Die literarische Grundlage der berühmten Oper 5 von 5 Punkten Obwohl heute jeder den Namen Carmen mit der bekannten Oper von Georges Bizet in Verbindung bringt, lohnt es sich doch auch, die literarische Vorlage zur Hand zu nehmen. Diese stammt von dem französischen Romantiker Prosper Mérimée, der die fatale Liebesgeschichte 1845 als Novelle veröffentlichte. Fatal ist die Liebesgeschichte zwischen dem Dragonerleutnant Don José und der Zigeunerin Carmen aus mehrerlei Gründen: Der Soldat setzt zunächst seine Karriere, dann seine Ehre und schließlich sein Leben aufs Spiel, weil er der verführerischen Carmen erliegt - und das, obwohl sie ihn mehrmals vor einer Beziehung zu ihr warnt. Aber es geht José wie der Motte mit dem Licht: Er kann nicht von ihr lassen, bis er schließlich an der erotischen Anziehung und der entfesselten Leidenschaft dieser Femme fatale verbrennt. Für Carmen wird er zum Dieb und zum Mörder. Mit seiner Leidenschaft wächst auch seine Sehnsucht, die schöne Zigeunerin ganz allein zu besitzen. Spätestens da ist für Carmen eine Grenze erreicht: Ihre Freiheit will sie sich von niemandem nehmen lassen. Es kommt, wie es kommen muss: Beide gehen an ihrer Liebe zugrunde. Die Erzählung wirkte auf die Zeitgenossen Mérimées skandalös. Solch eine Wirkung vermag sie heute nicht mehr zu entfalten, weiß aber als raffinierte, romantisch-realistische Liebesgeschichte zu gefallen.
Fesselnd und schön 5 von 5 Punkten Jeder kennt die Geschichte von Carmen, von Bizet unsterblich gemacht. Kaum jemand kennt den Ursprung dieser fesselnden Geschichte ueber Liebe, Leidenschaft und Mord. Prosper Merimee schreibt so, dass man das Buch nicht zur Seite legen kann und man versteht warum Bizet es vertonen wollte. |
Fontanes Welt: Eine Biographie des Schriftstellers Helmuth Nürnberger Broschiert, Juli 2007 Verkaufsrang: 215704 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen. Das Leben des Theodor Fontane Theodor Fontane (1819-1898) zählt zu den überragenden Schriftstellern des neunzehnten Jahrhunderts. Als Romancier, der unvergleichliche Frauengestalten und fabelhafte Darstellungen des gesellschaftlichen Lebens in Berlin und Preußen schuf, gelangte er zu literarischem Ruhm. Helmuth Nürnberger entfaltet in dieser großen Biographie die ganze Welt des märkischen Schriftstellers - sein bewegtes Leben, das vielfältige Werk sowie die politisch und gesellschaftlich äußerst turbulenten Entwicklungen seiner Zeit.
"Nürnberger ist der amtierende Altmeister der Fontane-Forschung." Frankfurter Allgemeine Zeitung "Ein Standardwerk." Focus "Die Nähe, die lebenslange Beschäftigung mit dem Autor spürt man jedem Satz an." Neue Zürcher Zeitung
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Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen Gebundene Ausgabe, März 1996 Verkaufsrang: 126706 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen. Nicht zu allen Zeiten ist Grimmelshausens großer Schelmenroman als Bestandteil des klassichen Kanons deutscher Literatur und deutschen Bildungsguts anerkannt worden. 1876 debattierte der preußische Landtag über diese - so der Redner - "Zusammenstellung von Zoten und Unlauterkeiten aus dem wüsten Leben eines Landknechts des Dreißigjährigen Kriegs", über "Irrfahrten, Liebesabenteuer, Diebstahl, Unzucht, Mord, Bruch des Fahneneids etc." In seiner Empörung...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
eine verblueffend aktuelle menschheits-beschreibung 5 von 5 Punkten in der sogenannten "ständebaum-allegorie" beschreibt grimmelshausen, scheinbar spöttisch voraussehend auf die pyramiden-grafiken unserer heutigen soziologen, die gesellschaftliche schichtung: unten, an der wurzel, "ungültige leute", handwerker, tagelöhner, bauern und dergleichen, über diesen leuten saßen "so alte hühnerfänger", die sich "auf den untersten ästen durchgebissen" und glück gehabt hatten; "über ihnen befanden sich noch höhere, welche auch höhere einbildungen hatten, weil sie die untersten" kommandierten; danach weist der baumstamm eine lange, glatte, astlose strecke auf, die allerdings "mit seltsamen seifen der missgunst geschmiert" ist - "also dass kein kerl ... hinaufsteigen konnte". darüber saßen von vettern hochgezogene, ganz oben jedoch diejenigen, über die wannen voll geldes ausgeschüttet wurde. sie fingen natürlich alles auf, sodass unten nichts mehr vom segen ankam: allein, wenn man diese kleine textstrecke nur liest, denkt man, man wäre auf einer satire-bühne des jahres 2003, aber nein, dies wurde bereits 1668 geschrieben - und bisher hat sich daran nichts geändert. es ist also nutzbringend, grimmelshausen zu lesen - und amüsant genug auch, falls man nicht ganz unten im baum hängt. grimmelshausen, der eigentlich nur den 30jährigen krieg beschreiben wollte, hat ein für jahrhunderte stabiles anthropologisches grundkonzept aufs papier gebracht. räubereien, lügereien, sexuelle ausschweifungen, folter, brutales kriegs-handwerk - nichts davon ist seitdem leider durch kulturellen fortschritt der menschheit auf diesem globus zum verschwinden gebracht. unsere sprache rechtfertigt oder versteckt die dinge vielleicht nur gekonnter. "einem anderen machten sie ein seil um den kopf und raitelten es mit einem bengel zusammen, dass ihm das blut zu mund, nas und ohren heraussprang" - die altertümliche sprache durchschaut man genug, um zu ahnen, was hier herzlos vor sich ging. es werden nicht nur kriegsdinge geschildert, sondern auch ausflüge nach paris: "alle monsieur beau alman, gee schlaff mein herz, gom, rick su mir!" man kann sich ungefähr denken, was sich da abspielt, auch wenn man in den nachfolgenden details nicht weiterliest. in der sogenannten "jupiter-episode" kündigt sich welt-eroberischer größenwahn künftiger epochen bereits an. VULCANUS schmiedet ein schwert, das einer ganzen armada "auf einmal die köpf herunterhauen kann". wer sich in der biographie der gegenwärtigen präsidenten-beraterin condoleezza rice etwas auskennt, weiß, dass dieses vulcanus-symbol für sie eine ganz besondere, ihrem planungs-team namengebende, magische kraft hat. grimmelshausen lässt seinen helden, nachdem er durch 30 kriegsjahre geirrt ist, den rückzug aus dem getriebe in ein schwarzwaldhäuschen planen. in seinem letzten kapitel "adjeu welt" listet er auf: "der eine stirbt in der wiegen, der andere in der jugend, der dritte am strick, der vierte am schwert, ...(u.s.w.) und der vierzehnte ertränkt seine arme seele im tintenfass". heute müsste man nur variieren: ertränkt seine arme seele im internet.
Eines der wichtigsten Werke der frühen Neuzeit. 5 von 5 Punkten Eines der wichtigsten Werke der frühen Neuzeit, ein Schelmenroman mit dem ernsten Hintergrund des 30jährigen Krieges. Das Werk ist mit seinen fünf Büchern in der Form des klassischen Dramas aufgebaut: Exposition, Steigerung, Höhepunkt, Niedergang und Katastrophe. Das Buch stellt die Geschichte des Hirtenknaben Simplicissimus dar. Das Kind erhält von einem Einsiedler Belehrungen, die traurig-komisch wirken. Durch Opportunismus kommt er zu Ruhm und Geld, erlebt Abenteuer und wendet sich schließlich von der Welt ab. Er lernt auch, dass die Welt betrogen sein will. Im Elend kommt er schließlich zu der Einsicht, dass der wahre Reichtum in der Entsagung liegt. Allein der vollständige Titel ist eine kleine Geschichte: "Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch / Das ist: Die Beschreibung deß Lebens eines seltsamen Vaganten / genannt Melchior Sternfels von Fuchshaim / wo und welcher gestalt Er nemlich in diese Welt kommen / was er darinn gesehen / gelernet / erfahren / und außgestanden / auch warumb er solche wieder freywillig qutittirt. Überauß lustig und männiglich nutzlich zu lesen." (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.) |
Der abenteuerliche Simplicissimus Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen Taschenbuch, Januar 1983 Verkaufsrang: 143181 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Nicht zu allen Zeiten ist Grimmelshausens großer Schelmenroman als Bestandteil des klassichen Kanons deutscher Literatur und deutschen Bildungsguts anerkannt worden. 1876 debattierte der preußische Landtag über diese - so der Redner - "Zusammenstellung von Zoten und Unlauterkeiten aus dem wüsten Leben eines Landknechts des Dreißigjährigen Kriegs", über "Irrfahrten, Liebesabenteuer, Diebstahl, Unzucht, Mord, Bruch des Fahneneids etc." In seiner Empörung über dergleichen Dinge in einem Roman hat der Abgeordnete ein gut Teil dessen getroffen, was Grimmelshausen mit satirischem Blick erfaßt, mit Sinn fürs Groteske schildert, aber auch mit Schärfe geißelt: die Realität einer Zeit, in der die Welt verwildert schien und Katastrophenangst ein Grundgefühl des Menschen war, einer Zeit voller Krisen und Bedrohungen.
Von Nachtpfauenauge (Mainhattan) - alle meine Rezensionen ansehen Noch nicht...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)
Grandios, saftig, schräg, lehrreich, große Literatur 5 von 5 Punkten Grandios, saftig, schräg, lehrreich, große Literatur, 8. November 2007
Von Nachtpfauenauge (Mainhattan) - alle meine Rezensionen ansehen
Noch nicht gelesen? Dann rate ich unbedingt, sofort das gerade anödende Buch aus irgendeiner Bestsellerliste beiseite zu legen und zu Grimmelshausens Meisterwerk aus dem 17. Jahrhundert zu greifen. Es ist dem Don Quichote wirklich ebenbürtig.
Allein die Sprache ist ein Erlebnis: deftig, saftig, schräg, komisch, tragisch, tief philosophisch, schlau. Das Buch schildert die Welt aus Sicht eines Underdogs, der durch die Wirren des dreißigjährigen Krieges bis nach Frankreich gespült wird. Schon der Anfang ist ein Feuerwerk der Tragikkomik. Er schildert den Überfall und die Zerstörung des Weilers im Spessart, in dem der Held der Geschichte als "Bub" lebt, durch brandschatzende Soldateska - und zwar aus der naiven Sicht des Jungen. Der hat noch nie was von der Welt gesehen und weiß nichts über die Eisenmänner und den furchtbaren Krieg. Durch diese schmerzhafte, zweite "Geburt" wird er in eben jene Welt hinaus getrieben, wächst bei einem Einsiedler auf, wird Hofnarr, erfolgreicher Warlord, Womanizer in Frankreich, holt sich die Blattern und stürzt sozial ab, macht eine fantastische Reise durch das Wasser eines Sees zum submarinen Mittelpunkt der Erde, begegnet dem Sylphenkönig und wird am Schluss wieder weltweiser Einsiedler im Spessart. Kurz: kein Satz ist langweilig, und nebenbei lernt man viel über jene Zeit.
Wer den Simplizius liest stellt auch fest, wie blutleer viele Bücher sind, die gerade in der deutschen Literaturszene hochgejubelt werden (es gibt natürlich auch sehr gute Bücher, letztlich ist das ja Geschmackssache). Die Bäume, die für das Papier von Grimmelshausens Meisterwerk ihr Leben lassen mussten, sind jedenfalls nicht umsonst gestorben. Dieser Urroman der deutschen Sprache war wohl auch einer der Zündfunken für Günter Grass' Sprachgewalt. Nicht umsonst hat Grass in seinem historischen Roman "Das Treffen in Telgte" dem Grimmelshausen ein liebevolles literarisches Denkmal gesetzt. Also: TV abschalten und lesen! Macht echt Spaß!
Weitere Lesermeinungen |
Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz: Eine Art Idylle Jean Paul Taschenbuch, Februar 1995 Verkaufsrang: 55987 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ein lebenslustiger, immer gut aufgelegter Mensch ist dieses Schulmeisterlein. Immer findet er einen Grund zur Freude, und was das Leben nicht bietet, erschafft seine Phantasie.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Keine harmlose Idylle 5 von 5 Punkten Paul, Jean, Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz in Auenthal, 1792 (Werke, Hanser I)
Wenn man einen guten Tag zum Lesen erwischt hat, dann ist es gut, Jean Paul zu lesen, denn er verlangt dem Leser schon einiges an Konzentration und Einfühlung ab. Da gibt es die verzwickten Satzkonstruktionen, die gelehrten, spitzfindigen Abschweifungen, die z.T. genaue Kenntnisse oder gute Anmerkungen des Herausgebers voraussetzen und die unmittelbar in die klitzekleine Welt des Schulmeister Wutz im vorindustriellen Deutschland des 18.Jahrhunderts hineinführen. Und doch tut man gut daran, sich immer wieder des gedanklichen Zusammenhangs zu vergewissern und sich für das Sentiment offenzuhalten, das hier geschildert wird.
Der Sprecher ist Jean Paul, der seine Zuhörer um sich sammelt und sie mit dem Leben dieses fröhlichen, genügsamen Schulmeisters Wutz bekannt zu machen. Angetragen wurde es ihm kurz vor dessen Tod von Justine, der Frau des Wutz, sie wandte sich an Jean Paul als Dichter, damit er sich sachverständig mit Wutzens Schriften befasse. Wutz hatte nämlich, da er ein armer Schlucker war und sich Bücher nicht kaufen konnte, alle Werke, die in der geistigen Welt von sich reden machten, selbst und nach eigenem Gustus noch einmal verfasst, z.B. statt Werthers Leiden über Werthers Freuden berichtet. Wir erfahren etwas über seine Ausbildung, die Umstände seiner Ernennung zum Schulmeister, über seine Art zu unterrichten und über seine Liebe zu Justine, mit der er dann 43 Jahre verheiratet sein sollte. Just die Beschreibung des Hochzeitstages schlägt um in einen elegischen Blick auf Wutzens Sterben. Während Wutz nach Darstellung des Dichters die Gabe hatte, mit seiner "trunkenen Seele" in einem Zustand ständigen Glücks und ständiger Zufriedenheit auch in schweren Zeiten fröhlich zu leben, und zwar ganz im Bannkreis des Alltäglichen und der Natur sein Glück zu finden, geht es ihm, dem Dichter, anders, er muss die Leidensseite mitempfinden, im Glück auch an das Unglück, im Leben an den Tod denken. Der Ton wird jetzt geradezu ergriffen: "Als ich um 11 Uhr fortging, war mir die Erde gleichsam heilig, und Tote schienen mir neben mir zu gehen..." (346). Und so bekommt der Schulmeister die Funktion für den Dichter, sich die richtige Lebensweise zu vergegenwärtigen, d.h. im Bewusstsein der Nichtigkeit unserer Existenz diese zu bejahen. Beim Begräbnis des Wutz, schreibt Jean Paul, "fühlt ich unser aller Nichts und schwur, ein so unbedeutendes Leben zu verachten, zu verdienen und zu genießen." (347). "Verachten" heißt hier wohl, die Hinfälligkeit der menschlichen Existenz zu empfinden, "verdienen" heißt, sich im Leben durch harte Arbeit und Bescheidenheit (wie an Wutz gezeigt) zu bewähren, "genießen" ist nicht im modernen hedonistischen Sinne zu verstehen, sondern in dem, dass das Leben erst unter diesen Voraussetzungen mit größter Intensität erlebt werden kann.
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Die Versuchung des Pescara Conrad Ferdinand Meyer Broschiert, 1986 Verkaufsrang: 156861 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
| Züricher Novellen. Aufsätze. Zürcher Ausgabe Gottfried Keller Taschenbuch, 1978 Verkaufsrang: 208638
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