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| NS-Zeit | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Hjalmar Schacht: Aufstieg und Fall von Hitlers mächtigstem Bankier Christopher Kopper Gebundene Ausgabe, Oktober 2006 Verkaufsrang: 151870 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Was meinen Sie zu diesem Artikel?:
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Massenmord und schlechtes Gewissen: Die deutsche Bevölkerung, die NS-Führung und der Holocaust Frank Bajohr, Dieter Pohl Broschiert, August 2008 Verkaufsrang: 198277 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Autoren untersuchen die viel diskutierte, aber bislang unzureichend bearbeitete Frage, wie die deutsche Bevölkerung mit ihrer Kenntnis von Judenverfolgung und Holocaust umging, und wie die NS-Führung auf die - heute in Vergessenheit geratene - weltweite Diskussion dieser verbrechen reagierte. Im ersten Teil des Buches beschreibt Frank Bajohr, wie sich nach 1933 zwischebn NS-Regime und Bevölkerung schrittweise ein antijüdischer Konsens herausbildete. Dabei spielten der gesellschaftliche Antisemitismus, die wachsende Popularität des Regimes und von Hitlersowie die persönlichen Vorteile eine wichtige Rolle. - Nach der Kriegswende 1942/43 wurden die Morde an der jüdischen Bevölkerung zweispältiger aufgenommen, was jedoch nicht zu Scham, sondern eher zur Schuldabwehr und zu Aufrechnungsstrategien führte. Bereits unnmittelbar nach Beginn der Massenmorde im Sommer 1941 verbreitete sich das Wissen um die Verbrechen weltweit. Im zweiten Teil des Buches zeigt Dieter Pohl, dass die natio nalsozialistischen Eliten diese Entwicklung sehr genau registrierten, aber erst nach der Schlacht um Stalingrad 1943 ging die NS-Führung zur propagandistischen Gegenoffensive über. Diese bildete die Grundlage für die nach dem Kriege grassierenden Legenden und Lebenslügen der Täter und Zuschauer.
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Hitler: Hitler 1889 - 1936 / Hitler 1936 - 1945 / Hitler 1889 - 1945 Registerband. Gesamtausgabe in 3 Bänden: 3 Bde Ian Kershaw, Jürgen Peter Krause Taschenbuch, Mai 2002 Verkaufsrang: 177680 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In seiner monumentalen Hitler-Biografie -- 2002 erstmals als Taschenbuchausgabe erschienen -- schildert Ian Kershaw auf mehr als 2.300 Seiten nicht nur die Lebensgeschichte des Menschen und Politikers. Sehr kundig und detailliert beantwortet er auch die Frage, inwieweit die Strukturen der damaligen Gesellschaft den Weg des Braunauers vom "Bierkelleragitator" bis zu den Schalthebeln fast uneingeschränkter Macht begünstigten. Mit seiner kenntnisreichen und intelligenten Darstellung setzte der britische NS-Experte jedenfalls Maßstäbe. In seiner Einleitung räumt Kershaw ein, dass er ursprünglich gar keine Biografie habe schreiben wollen. Die immer intensiver werdende Beschäftigung mit den Machtstrukturen des Dritten Reiches hätte ihn jedoch immer näher hingeführt zu der Frage, welche Autorität und welche Bedeutung Hitler innerhalb dieses Systems eigentlich eingenommen habe. Eines der Ergebnisse des Buches ist insofern, dass die Ursachen für Hitlers Macht nicht nur in den Taten des Diktators liegen, sondern vor allem auch in den sozialen Verhältnissen eines Staates, der es Hitler erlaubte, alle institutionellen und moralischen Grenzen zu überschreiten. Der Aufstieg Adolf Hitlers und sein jäher Absturz bis zum bitteren Ende im Bunkerlabyrinth unter der Berliner Reichskanzlei liest sich bei Kershaw streckenweise so spannend wie ein Krimi. Zugleich ist diese innovative Biografie des Naziführers so hervorragend recherchiert, dass sie zum Standardwerk avancierte. --Christian Stahl
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Kolossalgemälde 5 von 5 Punkten Was Ian Kershaw jetzt im Dreierpack vorlegt (Band I, Band II, Registerband), ist zwar auf der Höhe der Zeit, aber bestimmt für viele nicht ganz neu. Das Wesentliche wurde von J.Fest bereits ausführlich vor Jahren veröffentlicht und ergänzt. Eigentlich, wenn man sich mit diesem Thema befassen will, sollte man MEIN KAMPF lesen. Unverständlich, daß die Originalausgabe immer noch in Deutschland zurückgehalten wird.Es ist schon erstaunlich, welches Interesse weltweit bezüglich dieses Phänomens besteht ( wenn es denn eins ist, und nicht nur einfach deutsche Hybris! ) und wie sich dieses noch in Zukunft auswirken kann. So ist die Gestalt von Naziadolf, um ein gängiges Schlagwort zu verwenden - betrachtet man seine Jugendbilder - durchaus bühnenreif. Chaplin hat das ja auch glänzend parodiert. Allein die Bilder aus dem Unterstand des I.Weltkrieges !!! Nun hat dieser durchaus tapfere Soldat, der keinerlei andere Vorbildung besaß als angelesene (!) quasi im Alleingang das Amt des deutschen Reichskanzlers erklommen ( wohlgemerkt als Österreicher! )? Daß da Braunschweig dazwischenliegt mit der Andienung eines Amtes und er dadurch nach Berlin als Vertreter dieser Stadt geschickt werden konnte, das ist schon ein Ding für sich. Und daß man ihm allein die Schuld an alldem andichtet, was in den 12 Jahren der Naziherrschaft angerichtet wurde, ist somit vom Tisch. Da war finanzieller, industrieller, religiöser, hysterischer, ästhetischer Schwung dahinter. Adolf Hitler war ein Militarist reinsten Wassers. Seine Zuträger waren fähigste Mitstreiter wie Guderian, von Manstein und andere. Auf allen Gebieten, die denkbar sind, hatte er natürlich Zuarbeiter, die nicht nur gerufen wurden. Daß er einen Zweifrontenkrieg beinahe gewonnen hätte, bestimmt noch heute sein Bild und wird es weiter tun. Man lacht nicht über einen Kriegshelden, der in aussichtslosem Kampf beinahe gewonnen hätte, das wäre zu gefährlich gewesen. Deswegen auch sollten wir wachsam sein und nirgends mehr Stolz auf eine "schimmernde Wehr" in uns tragen. Jeder Weg zu einem dauerhaften Frieden ist der richtige. Ein guter Soldat verteidigt sein Land und verletzt nicht heilge Grenzen. Alles andere ist teuer, tödlich, dumm und Hybris.
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Germany: Jekyll und Hyde. 1939 - Deutschland von innen betrachtet Sebastian Haffner Taschenbuch, Juni 2001 Verkaufsrang: 149548 Sebastian Haffner berichtet über die Methoden Hitlers und der Naziführer, die Macht zu ergreifen und für sich zu sichern. Er beschreibt die vielen kleinen Nazis und ihre loyalen Mitläufer, erklärt die Gründe für das Stillhalten der nicht-loyalen Bevölkerung, analysiert den Zustand der Opposition und skizziert mögliche künftige Aufgaben der Emigranten. So entsteht ein authentischer Querschnitt der Bewußtseinslage der deutschen Bevölkerung während der ersten Jahre der Naziherrschaft in Deutschland.Sebastian Haffner, geb. 1907 in Berlin, emigrierte 1938 nach England, wo er mit 'Germany: Jekyll & Hyde' eine scharfsinnige Analyse zum zeitgenössischen Deutschland schrieb. 1954 kehrte er nach Deutschland zurück. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die 'Anmerkungen zu Hitler', 'Von Bismarck zu Hitler', 'Der Verrat-Deutschland 1918/1919'. Sebastian Haffner starb sechs Tage nach seinem 91-jährigen Geburtstag 1999 in Berlin.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
Wer waren eigentlich die Nazis? 5 von 5 Punkten Eine so außergewöhnlich konzentrierte, wahre, die Psyche der Nazigeneration voll und ganz erfassende (übrigens auch Hitlers Psyche und Wesen erfassende) Beschreibung der Träger des Nazi-Terrorsystems ist mir noch nicht untergekommen. Ich habe nun schon sehr, sehr viel über das III. Reich geslesen, analysiert und auch angesehen (Fernsehbeiträge von Guido Knopp oder Dokumentationen auf DVD aller Art). Irgendwie bin ich selbst Opfer des dritten Reiches (Jahrgang 1954: Ja, man könnte lachen und meinen, der spinnt, wenn es nicht so traurig wäre). Denn andernfalls wäre meine Beschäftigung mit der deutschen Geschichte sicher nicht so intensiv, wie sie tatsächlich ist: Bismarcksches bzw. Kaiserreich, Weimarer Republik und Drittes Reich sind meine ganz persönlichen Themen.
Und es ist kein Ende abzusehen! Wäre da nicht Sebastian Haffners "Germany: Jekyll & Hyde".
Wie war es nur möglich, so klar, so präzis und so visionär (doch zutreffend!) im Jahr 1939 ein derartig modernes Buch (auch in seiner Sprache!) zu schreiben? Unfassbar! Muss man überhaupt noch andere, äußerst wichtige Bücher lesen wie z.B. Ian Kershaw (Hitler), Ralph Giordano (z.B. Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte), Sibylle Hübner-Funk (Hitler Garanten der Zukunft), Harald Welzer u.a. (Was wir für böse Menschen sind!), Michael Hesemann (Hitlers Religion), Paul und Peter Matussek und Jan Marbach (Hitler, Karriere eines Wahns) oder auch Peter Longerich (Davon haben wir nichts gewusst!)?
Doch, doch, das soll und muss man schon. Denn auf alles gibt auch Haffner weder damals (1939) noch später in seinen anderen hervorragenden Werken (z.B. Von Bismarck zu Hitler) eine Antwort. Worauf er aber eine klare, psychologisch und historisch einwandfrei begründete Antwort gibt, ist, welche Art (Typus) Menschen die Basis der Anhänger Hitlers bildeten! Wer waren die, welchen gesellschaftlichen und persönlichen Hintergund hatten die?
Wie war es also möglich, dass in so kurzer Zeit nach der "Machtergreifung" dieses anarchisch-terroristische Unterdrückungssystem sich rasch wie die Pest ausbreiten konnte und die "guten Menschen" überrascht, gelähmt und schließlich absorbiert hat?
Es war die Generation der um 1900-1910 geborenen, die das zustande brachten! Diese Generation nahm (Zufall der Geschichte) die abstrusen Ideen Hitlers auf. Nicht weil sie daran glaubten oder überhaubt dem Schwachsinn Hitlers eine Bedeutung beimaßen. Nein, es ging um etwas ganz anderes: Diese Generation glaubte an ein kommendes, großes Abenteuer mit Hitler. Macht, Einfluss, Reichtum, Ansehen und ... KRIEG - ein riesiges Spektakel! Krieg mit seinen nochmals gesteigerten Möglichkeiten!!! Ja, das alles steht da drin und wer sich ansonsten über die Hitlerei nicht speziell klug gemacht hat, der glaubt es kaum!
Diese Buch MUSS man lesen (ich habe es leider nicht früher in die Hände bekommen) und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Und noch etwas: Es widerspricht in keiner Weise (evtl. nur in einigen Kleinigkeiten) dem heutigen Stand des Wissens. Aber es macht deutlich was ein geistig freier, interessierter und informierter Zeitgenosse alles wissen konnte (und das 1939), obwohl Haffner sicher in Schärfe und Klarheit seiner Analyse eine ungewöhnliche Ausnahme bildete.
Jetzt bin ich nach dieser Lektüre doch ein wenig beruhigter, will sagen erleichtert und auch klarer im Kopf. Meine eigene Familiengeschichte kann ich nun mit anderen Augen betrachten. Zehn Sterne, wenn man sie anklicken könnte!
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Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933-1944 Franz L. Neumann, Gert Schäfer Taschenbuch, Januar 1984 Verkaufsrang: 225298 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Der "Behemoth" ein großes und unbekanntes Werk 5 von 5 Punkten Franz Neumann - ein vergessener deutscher SozialwissenschaftlerFranz Neumann (1900-1954) teilt das Schicksal vieler Emigranten, die - wie er - 1933 Deutschland verlassen mussten: Er ist trotz seiner wissenschaftlichen Verdienste ein Unbekannter, obwohl er mit seinem "Behemoth", den er 1942 (!) im amerikanischen Exil verfasste, eine der bedeutendsten Untersuchungen über den Nationalsozialismus verfasste. Neumanns Faschismusanalyse (1944 in erweiterter Auflage erschienen) ist, bis auf den heutigen Tag, wegen ihrer analytischen Schärfe und ihrem Kenntnisreichtum nahezu unerreicht. Der Name "Behemoth" ist der jüdischen Theologie entnommen. Der Behemoth ist ein Ungeheuer und steht für Chaos und Rechtlosigkeit. Diesen Zustand sah Neumann im NS-Staat verwirklicht. Der "Behemoth" gliedert sich in drei Teile: Im 1. Teil analysiert Neumann die politische Struktur des Nationalsozialismus, im 2. Teil untersucht er den ökonomischen Aufbau des NS-Staates und im 3. Teil erforscht er die nationalsozialistische Gesellschaftsformation. Für ihn ist die NS-Gesellschaft dadurch gekennzeichnet, dass eine kleine herrschende Klasse die große Masse der beherrschten Klassen dominiert. Auch wenn der "Behemoth" der marxistischen Forschungstradition zugeordnet wird, ist Neumann aber auch den Kategorien Max Webers verpflichtet, wenn er sich bei der Erklärung von Herrschaftsmechanismen im NS-System des Weber'schen Idealtypus' der charismatischen und bürokratischen Herrschaft bedient. Seine Darstellung des "totalitären Monopolkapitalismus" bleibt vorbildhaft, da er hier sowohl die Kontinuität des Kapitalismus erfasst, wie auch neuartige Züge im NS-System herausarbeitet (z.B. die Tendenz zur Fusion ökonomischer und politischer Herrschaft). Franz Neumann hinterlässt ein Werk, dass noch nicht die Wertschätzung gefunden hat, die ihm gebührt. Seine umfassende sozialwissenschaftliche Erforschung steht erst am Anfang. |
Dokumente zur Euthanasie: (Fischer Sachbuch)
Taschenbuch, 1997 Verkaufsrang: 194709 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen. Nach der Veröffentlichung des inzwischen weithin bekannten Buches von Ernst Klee '»Euthanasie« im NS-Staat. Die »Vernichtung lebensunwerten Lebens«' (S. Fischer Verlag, 1983) hielten es Autor und Verlag für notwendig, angesichts der Fülle des Materials einen separat benutzbaren Dokumentenband herauszugeben. Dahinter stand die Absicht, Texte, die im oben genannten Buch nur knapp zitiert werden konnten, möglichst ungekürzt dem Publikum vorzulegen. Inzwischen ist es Ernst Klee gelungen, weitere Materialien zutage zu fördern, mit denen niemand mehr gerechnet hat oder rechnen wollte. Er konnte teilweise nahezu vollständige, nach dem Krieg als verschollen betrachtete oder versteckte Aktenbestände durchsehen, die brisante schriftliche Quellen und sogar Fotomaterialien enthalten. Der vorliegende Band präsentiert Dokumente, die im ersten Band nur auszugsweise zitiert werden konnten, und Texte und Fotos, die hier erstmals veröffentlicht bzw. - soweit sie vor Jahrzehnten in anderem Zusammenhang schon einmal publiziert worden sind - der Vergessenheit entrissen werden. Erschreckend ist nicht allein, was seinerzeit in Kliniken, »Heil«- und Vergasungsanstalten geschehen ist. Erschreckend ist auch die Tatsache, daß Hunderte freiwillig mitmachten, den Massenmord organisierten und dann verübten, daß Abertausende davon wußten und nichts sagten. Mehr als eine Generation danach stehen wir erst am Anfang der notwendigen Trauerarbeit.
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Der Nationalsozialismus Hans-Ulrich Thamer Gebundene Ausgabe, Januar 2002 Verkaufsrang: 202150 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der Band enthält eine kurze und doch an Facetten reiche Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung. H. U. Thamer, Ordinarius an der Universität Münster und einer der besten Kenner der Materie, zeichnet den Prozess nach, in dem der Nationalsozialismus zur Massenbewegung wird, seinen Handlungsspielraum schrittweise erweitert, die staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen erobert und sich radikalisiert. Dieser Prozeß beginnt vor 1933, und er ist mit der Machtergreifung noch nicht abgeschlossen. Er endet im Zweiten Weltkrieg, den der Verfasser mit der rassenbiologisch motivierten Vernichtungspolitik in Zusammenhang setzt und als eigentliche Zielsetzung und 'Bestimmung' des Nationalsozialismus darstellt.
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Bankiers unterm Hakenkreuz Christopher Kopper Broschiert, März 2008 Verkaufsrang: 124606 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Es ist ein dunkles Kapitel, wie sich die großen Banken aus eigenem wirtschaftlichen Interesse in die Dienste der Nationalsozialisten stellten. Kompetent und auf der Basis vieler Originalquellen analysiert Kopper, wie es so weit kommen konnte -- und sieht einen der Gründe dafür in der Bankenkrise der frühen 30-er Jahre. Viele große Banken trudelten damals an den Rand des Abgrunds, das Reich musste helfen und sanieren. Durch die Krise konnte das Reich Einfluss auf die personelle Zusammensetzung der Bankvorstände nehmen. Vor der Machtergreifung der Nazis hielt sich die große Mehrheit der Bankiers auf Distanz gegenüber den Nationalsozialisten, Antisemitismus galt als Absurdität. Doch als Hitler ans Ruder kam, hatten die Bankiers wenig Probleme mit dem neuen politischen Kurs - und entfernten in vorauseilender Anpassung an die Politik der Reichsregierung jüdische Top-Leute aus ihrem Unternehmen. Schon im ersten Jahr der NS-Herrschaft wurden fast alle jüdischen Vorstandsmitglieder aus ihren Ämtern gedrängt, berichtet Kopper. Damit ging eine lange Tradition deutsch-jüdischer Bankiers zu Ende. In vielen einzelnen Porträts, spannend, aber ohne Historikerjargon, erzählt Kopper, was damals geschah (leider ausschließlich auf die Vorstände der Banken konzentriert - der kleine Bankangestellte ist für ihn kein Thema.) Es ist eine Lektüre, die wütend macht. Die jüdischen Mitglieder der Geschäftsleitung wurden vor vollendete Tatsachen gestellt, oft auf kränkende Weise zum Rücktritt gezwungen, Solidarität oder Mitgefühl waren rar. Manche der jüdischen Spitzenbanker schafften es, ins Ausland zu entkommen, andere wurden deportiert und kamen in Konzentrationslagern um. Derweil finanzierte allein die Dresdner Bank zahlreiche Enteignungen jüdischen Eigentums und gründete sogar eine spezielle Arisierungsabteilung, was heute wie eine grausige Parodie des Business-as-usual erscheint. Die SS wurde einer der Großkunden der Dresdner Bank, und auch von den anderen Banken lehnte es keine ab, Geschäfte mit den neuen Machthabern zu machen. Im Gegenteil, denn die Rendite stimmte. Viele Bankiers, die im Dritten Reich eifrig mitgemischt hatten, konnten ihre Karriere nach dem Krieg erschreckend problemlos fortsetzen: die Entnazifizierung der Bankenelite durch die aliierten Besatzungsmächte und die deutschen Behörden war widersprüchlich, oft inkonsequent und stellenweise, so Kopper, eine Farce. Poetische Gerechtigkeit gibt es eben doch nur im Roman. -- Nina Hesse
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Leg dich, Zigeuner. Die Geschichte von Johann Trollmann und Tull Harder Roger Repplinger Gebundene Ausgabe, 13. März 2008 Verkaufsrang: 196906 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Geschmeidig, schnell, elegant: Wenn Johann Trollmann boxt, sitzt das Berlin der frühen 30er-Jahre bewundernd am Ring. Er hat nur einen »Fehler«: Er ist Sinto, kein »Arier«. Mit blond gefärbten Haaren und Mehl auf seiner braunen Haut steigt er in den Ring, doch die SA-Leute unter den Zuschauern brüllen: »Leg dich, Zigeuner, oder wir holen dich.« Trollmann gehorcht: Besser Boxkämpfe verlieren als das Leben. Als er 1942 ins KZ Neuengamme verschleppt wird, ist ein anderes Sportidol schon da: Tull Harder (1892-1956), Mittelstürmer des Hamburger SV, Nationalspieler und SS-Mann. Er gehört zum Wachpersonal, später zur SS-Kommandantur des Lagers, in dem bis Kriegsende 55.000 Menschen sterben, unter ihnen auch Johann Trollmann, der 1944 ermordet wird.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Sport und Politik 4 von 5 Punkten
Repplinger arbeitet in diesem interessanten Buch eine Geschichtsära auf, die so gemeinhin nicht verstanden wird. Spricht man von den Olympischen Spielen und internationalen Sportwettkämpfen, wird die apolitische Ausrichtung der Sportveranstaltungen betont. Ob heute bei den Olympischen Spielen in Peking oder gestern im Dritten Reich. Politik sollte hier keinen Einfluss nehmen, es geht um sportliche, menschliche Leistungen und nicht um Machtspiele. Sollte man meinen.
Der Autor belehrt uns eines Besseren. Der Name Trollmann ist heute fast niemand mehr ein Begriff, doch in den dreissiger Jahren war er in Deutschland mindestens so bekannt wie der Fussballer Ballack heute! Ein Superstar mit einer aussergewöhnlich kunstfertigen Art zu boxen, ohne vulgäre Brutalität, mit Gefühl sozusagen und den Gegner womöglich verschonend. Trollmann, der grosse Hanoveraner, ist jedoch Sinti und daher politisch im damaligen Deutschland out!
Jahre später trifft er im KZ den Nationalspieler Harder, der im Führungsstab des Gefangenenlagers sitzt. Ein Kollege sozusagen, doch zwei Welten: hier der schmutzige Zigeuner, dort der Arier. Der Zigeuner überlebt das Lager nicht, Harder dahingegen erhält von den Amerikanern lediglich eine milde Strafe und wird freigelassen.
Der Autor schreibt in kurzen Sätzen und manchmal sind diese Sätze etwas langwierig, holprig zu lesen, die Handlung schwenkt oft auch mal ins Zähe. Trotzdem kann ich das Buch empfehlen. Das Thema verführt zum Nachdenken und man wird sich bewusst, wie sehr gerade Sportler von der Politik gesteuert werden können und man kann sich ausmalen, wieviele andere Manipulationen vor sich gehen mögen....
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Hitler, 1936-1945 Ian Kershaw Gebundene Ausgabe, Februar 2004 Verkaufsrang: 44182 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Das Warten hat sich gelohnt. Mit einem Jahr Verspätung hat Ian Kershaw sein 1998 erschienenes, viel gelobtes Buch Hitler 1889-1936 durch einen zweiten Band ergänzt, der die Jahre 1936-1945 behandelt. Auf gut 1000 Seiten (zuzüglich 300 Seiten Anhang) schildert der britische Historiker den Aufstieg des Diktators zum Zenit der Macht und seinen jähen Absturz bis zum bitteren Ende im Bunkerlabyrinth unter der Berliner Reichskanzlei. "Nemesis" lautet der Untertitel des englischen Originals -- nach der griechischen Rachegöttin, die die Hybris von Krieg und Holocaust unbarmherzig verfolgt haben würde. Kershaws grandioses Meisterwerk stellt eine beträchtlich erweiterte Synthese seiner auch fürderhin unbedingt lesenswerten Bücher Der NS-Staat, Hitlers Macht und Der Hitler-Mythos dar. Der international anerkannte NS-Experte, Jahrgang 1943, besticht dabei einmal mehr durch seine erfrischend unbefangene Sicht der Dinge bei einem Thema, das gerade für deutsche Kollegen mit einer Vielzahl tückischer Fußangeln behaftet ist. Welcher Biograf könnte es sich hierzulande etwa erlauben, den Initiator des größten Völkermordes nicht als Monstrum, sondern als Mitleid heischende, tragische Figur darzustellen, die gefangen in der selbstinszenierten Rolle des sagenumwobenen Führers in wohlkalkulierter Weltentrücktheit das deprimierende Leben eines einsamen Wolfes fristete? Wer aus dem Volk der Täter könnte wie Kershaw daran zweifeln, dass Hitler ein perverser Psychopath war und ihn nur als wirrköpfigen Sonderling abtun? Wer könnte gar ungestraft den persönlichen Anteil des Chefideologen des Rassenwahns an den ungeheuren Verbrechen gegen die Menschlichkeit relativieren und diese als dynamische Exzesse, der um die Gunst des Führers buhlenden Lehensträger deuten? Ganz zu schweigen vom Aufschrei der Empörung, wenn ein Deutscher behaupten würde, Hitler habe sich bei seinen Herrenrasse-Fantasien vom Auftreten der britischen Kolonialherren in Indien inspirieren lassen. Ian Kershaw ist mit seinem monumentalen Werk über Adolf Hitler der ganz große Wurf gelungen. Er kann nun mit Fug und Recht beanspruchen, die ultimative Monografie über die unheilvollste Gestalt der Neuzeit verfasst zu haben. --Roland Detsch
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 17 Bewertungen)
Hitler, Politiker und Vabanquespieler 5 von 5 Punkten Nach schon recht umfangreichen Hitlerbiographien von Werner Maser, Joachim Fest, John Toland legte der bekannte englische Historiker und Professor für neuere Geschichte, Ian Kershaw, als Letzter sein zweibändiges Standardwerk in hervorragender deutscher Übersetzung mit nicht weniger als gut 2000 Seiten und einem Registerband vor. Das umfangreiche Werk, gut lesbar, überzeugt selbst in den noch nicht bekannten Details und läßt den geschichtlich Interessierten den ganzen Umfang des Dramas in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ungeschminkt nachempfinden. Bei aller Genauigkeit der Darstellung jener Zeit, fehlt aber völlig der Hinweis, dass bei Beginn des Rußlandfeldzuges 1941
das deutsche Heer auf ein in Angriffsposition gegliederte "Rote Armee"
stieß, die noch nicht voll abgeschlossen war, aber die Absicht des Diktators Stalin schon zuverlässig erkennen ließ. (Joachim Hoffmann, "Stalins Vernichtungskrieg 1941-1945, Planung, Ausführung und Dokumentation, erschienen bei Herbig. Walter Post, "Unternehmen Barbarossa", deutsche und sowjetische Angriffspläne 1940/41, Verlag ES Mittler)
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Deutsche Mutter, bist du bereit...: Alltag im Lebensborn Dorothee Schmitz-Köster Taschenbuch, Oktober 2002 Verkaufsrang: 186157 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Dorothee Schmitz-Köster hat frühere Lebensborn-Heime in Deutschland und Norwegen aufgesucht. In vielen Gesprächen mit Zeitzeuginnen und durch Archivstudien hat sie ein genaues Bild vom Alltag der Organisation und von den Menschen gewonnen, die mit dem Lebensborn zu tun hatten. Einfühlsam schildert sie die Motive von Müttern, die in den Heimen ihre Kinder auf die Welt brachten, und von Lebensborn-Angestellten. Außerdem zeichnet sie Schicksale von "Lebensborn-Kindern"_nach - von Frauen und Männern. die sich bis heute mit der Last ihrer Geburt auseinandersetzen . Denn viele sind immer noch auf der Suche nach ihren Wurzeln, nicht wenige sind gescheitert, einige wurden von der Stasi zynisch mißbraucht.In ihrem Buch, in einer Wanderausstellung, in Artikeln und Radio-Features setzt sich Dorothee Schmitz-Köster auch mit dem Mythos von "nationalsozialistischen Zuchtanstalten" und mit der "Rassenpolitik" aus einander und eröffnet so neue Perspektiven auf Frauen, Alltag und Ideologie im Nationalsozialismus. Für die Taschenbuchausgabe hat die Autorin den Text durch neuerschlossene Materialien ergänzt. Im Dezember 1935 veranlaßte Heinrich Himmler, Reichsführer SS, die Gründung des Lebensborn e.V. - einer Organisation, die sich die Vermehrung der "arischen Rasse" auf die Fahnen schrieb und bis heute von einer geheimnisvollen Aura umgeben ist.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Deutsche Mutter........ 2 von 5 Punkten Unter diesem Buch habe ich mir mehr vorgestellt. "Alltag im Lebensborn", das klingt nach genaueren Angaben und Alltagsbeschreibung. Nicht unbedingt weit gefehlt, aber dicht daneben ist auch vorbei. Die Autorin hatte sich sehr viel Mühe gegeben, dieses Buch zu erstellen, ich habe persönlich mehr erwartet über dieses Thema.
Genau, schön zu lesen, wichtig 5 von 5 Punkten Das Buch ist eine nüchterne und exakte Beschreibung des mythenumwobenen "Lebensborn"-Projektes der SS. Im Wesentlichen handelte es sich um Gebärheime und Auffangstätten von Schwangeren mit erwünschten "rassischen" Merkmalen. Die Autorin hat zahlreiche persönliche Erfahrungsberichte von Personal, Müttern und Betroffenen eingearbeitet, was das Buch besonders lesbar und wertvoll macht. Es wird hier, wie der Untertitel beschreibt, der Alltag im Lebensborn festgehalten. Interessant wäre als nächste Arbeit ein Buch im größeren Rahmen unter Miteinbeziehung zum Beispiel des polnischen Kinderraubs. Das Reichskommissariat zur Festigung deutschen Volkstums hat in Ostpolen viele blonde Bauernkinder auf Viehwaggons verladen und nach Deutschland verschickt. Eine polnische Arbeit der Nachkriegsjahre sprach von 200.000 Kindern - die Zahl ist wahrscheinlich zu hoch gegriffen. Die Erforschung dieser Episode wäre ein spannendes weiteres Thema für eine Autorin, die ihre Qualitäten im vorliegenden Buch schon bewiesen hat. |
Der europäische Bürgerkrieg 1917 - 1945: Nationalsozialismus und Bolschewismus Ernst Nolte Gebundene Ausgabe, Juni 2000 Verkaufsrang: 112187 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ein Meilenstein für die Interpretation des 20. Jahrhunderts Noltes 'Europäischer Bürgerkrieg' stand bei seinem Erscheinen 1987 paradoxerweise im Schatten seines FAZ-Artikels vom 6.6.1986 über 'Die Vergangenheit, die nicht vergehen will', der den sogenannten Historikerstreit auslöste und im wesentlichen nur eine Kurzfassung des zu dieser Zeit noch nicht ganz fertiggestellten Buches war. Nach 10 Jahren ist deutlich geworden, daß die vielen Kritiker den Kern der Sache verfehlten und daß der 'Europäische Bürgerkrieg' einen Durchbruch zu einer umfassenden ideologiegeschichtlichen Interpretation des 20. Jahrhunderts darstellt.Ernst Nolte, Jahrgang 1923, Studium bei Martin Heidegger, 1952 Promotion, 1964 Habilitation, 1965-1973 Professor für Neuere Geschichte in Marburg, 1973-1991 am Friedrich-Meinecke-Institut der FU Berlin, Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte u. a. an der Yale University, in Wassenaar, Cambridge und Jerusalem.
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Paradiesruinen. Das KdF-Seebad der Zwanzigtausend auf Rügen Jürgen Rostock, Franz Zadnicek Gebundene Ausgabe, 1. August 2008 Verkaufsrang: 175608 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden An der Ostküste Rügens, zwischen Straßnitz und Binz, sollte auf Befehl Adolf Hitlers ein gigantisches Seebad der NS-Organisation 'Kraft durch Freude' entstehen. Geplant für 20.000 Menschen, entwickelte sich dieses Gelände schnell zur größten Baustelle des Reiches. Der Rohbau war bis 1939 errichtet, doch zur Vollendung kam es nicht mehr. Nach Kriegsende begann die DDR-Volksarmee, das Gelände für sich zur nutzen, es wurde militärisches Sperrgebiet. Sein der 'Wende' erstmals der Öffentlichkeit zugänglich, kamen mit den staunenden Urlaubern auch die Immoblienspekulanten. Das große Streiten beginnt.
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Vergangenheitspolitik: Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit Norbert Frei Taschenbuch, April 1999 Verkaufsrang: 198039 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Bitte genau zu lesen: Nicht die "Bewältigung der Vergangenheit" wird hier untersucht -- ein ebenso belasteter wie diffuser Begriff -- sondern der offizielle Umgang mit der vor 50 Jahren gerade erst gewesenen Vergangenheit. Es geht um die Politik der allerersten Bonner Jahre. Was, so lautete die Frage, sollte mit den Millionen von Nazis geschehen, den großen und den kleinen, den mitgelaufenen, den Tätern, den Opportunisten? Welche Gesetze sollten gelten? Die Versuche der Sieger, dem Nationalsozialismus per Justiz beizukommen, stießen auf wenig Verständnis; nicht einmal Nazi-Gegner billigten die Ergebnisse. Die öffentliche Meinung war für einen Schlußstrich, und das junge Parlament trug dem Rechnung: bis zum Januar 1951 waren bereits fast achthunderttausend Verfahren eingestellt. Mit dem berühmt-berüchtigten § 131 wurde rund einer Million nazistisch belasteter Staatsdiener Entschädigung dafür zuerkannt, daß sie nach 1945 hinausgeworfen worden waren. Selbst die Wiedereingliederung von Kriegsverbrechern sah man unproblematisch und nur unter dem Gesichtspunkt möglichst zügiger Rückkehr zu normalen Verhältnissen. Frei dokumentiert zum Beispiel den persönlichen Einsatz eines Mannes wie Carlo Schmid von der SPD für einen Massenmörder, der ihm aus Universitätstagen als Jurist bekannt war, und der während des Krieges in Estland ein paar Hundert Leute hatte erschießen lassen. Eine von Freis interessanten Schlußthesen: Der schon las hysterisch zu bezeichnende Wille der Allgemeinheit zur Amnestie für alle und jeden könne verstanden werden "als eine unbewußte Anerkennung -- und entsprechend vehemente Abwehr -- der Kollektivschuldthese." Freis differenzierte, auf die Quellen zurückgehende Untersuchung ist ein wichtiges, hochaktuelles Buch, das uns zeigt, welch weiten Weg Staat und Gesellschaft in dieser Frage seit 1949 zurückgelegt haben. --Michael Winteroll
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Der Beginn der Verdrängung? 4 von 5 Punkten Neben Peter Reichels "Politik mit der Erinnerung" zeigt das neue Werk des ausgewiesenen Kenners des Nationalsozialismus und Zeithistorikers Norbert Frei die Ursachen eines bundesdeutschen Dilemmas auf: der Umgang mit der NS-Vergangenheit. Frei reduziert allerdings seine Auseinandersetzung mit dem Thema auf die frühe Geschichte der Bundesrepublik, da die nachfolgenden Diskussionen der späteren Jahre - seiner Ansicht nach - ohne diese Grundlagen nicht denkbar gewesen wären. So versucht er nachzuweisen, daß die Politik der Bundesregierung unter Adenauer, aber auch die Bereitschaft des Bundestages in dieser Zeit, schon 1949(!) einen "Schlußstrich" unter die NS-Vergangenheit zu setzen, dazu beitrugen, die Vergangenheit für die Zukunft zu verbrämen. Er kommt zur Auffassung, daß die frühe bundesdeutsche Vergangenheitspolitik sich auf einen hohen Konsens in der Bevölkerung berufen konnte und daß sie deshalb mit pauschalierenden und schnellen Maßnahmen den Forderungen der Zeit gerecht werden wollte. Die Entnazifizierung sei als weitgehende Amnestie und Reintegration der ehemaligen Nazis verstanden worden, ja sogar als Teil des raschen (wirtschaftlichen)Wiederaufbaus. Frei stützt sich dabei auf eine breite Quellenbasis der Frühzeit der Bundesrepublik und belegt seine Thesen anhand dreierlei Bereiche: Der parlamentarischen Gesetzgebeung, dem Umgang mit den Kriegsverbrechern sowie der justitiellen Aufarbeitung. Dem Autor ist mit seinem Werk ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der Vergangenheitsbewältigung der Westdeutschen gelungen. Trotz seiner "Dichte" und der Vielzahl an Fakten bleibt das Buch gut lesbar und ist ein preiswertes "Muß" für alle, die sich (nicht nur) mit der Innenpolitik der Adenauer-Zeit beschäftigen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.) |
Die Wannsee-Konferenz: Wie die NS-Bürokratie den Holocaust organisierte Mark Roseman Taschenbuch, Oktober 2002 Verkaufsrang: 130193 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Am 31. Juli 1941 richtete der Stellvertreter Adolf Hitlers, Reichfeldmarschall Hermann Göring, ein Schreiben an den SS-Obergruppenführer sowie Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes (SD) Reinhard Heydrich. Darin forderte er ihn auf, in kurzer Frist einen "Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Voraussetzungen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen". Im November lud Heydrich vierzehn hochrangige Funktionäre aus Partei- und Staatsapparat für den 20. Januar 1942 an den Wannsee. Auf dieser -- wie es in dem Einladungsschreiben heißt -- "Besprechung mit anschließendem Frühstück" wurden Heydrichs "Gesamtentwurf" diskutiert und von der Runde als verbindlich angenommen. Das Protokoll der Konferenz im Gästehaus der SS, Am Großen Wannsee 56-58, wurde dreißigfach ausgefertigt. Die einzig je aufgefundene 16. Ausfertigung entdeckten Ermittler des US-Anklägers Robert Kempner 1947 in den Akten des Unterstaatssekretärs Martin Luther. Ein Faksimile dieses als "Geheime Reichssache" gekennzeichneten Dokuments findet sich neben den erwähnten Schreiben Görings und Heydrichs im Anhang zu Rosemans Buch. Norbert Kampe notiert in seinen dem Dokumententeil vorangestellten Anmerkungen treffend: Aus dem Text des Protokolls geht "ungeachtet aller Tarnfloskeln und gespreizter bürokratischer Sprache eindeutig hervor, dass nach den bereits durchgeführten diversen Deportationen und Mordaktionen nun die systematische Ermordung aller Juden das Ziel der vereinten Anstrengungen reichsdeutscher Judenpolitik" sein sollte. Mark Rosemans Buch dokumentiert und bewertet souverän und überzeugend den gegenwärtigen Stand der Forschung zur Wannsee-Konferenz und deren Vorgeschichte. So liefert es eine konzise wie bestechende Darstellung des Übergangs der "Judenpolitik" vom Massenmord zum Völkermord. --Andreas Vierecke
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Die Perspektive verschiebt sich 3 von 5 Punkten Lange Zeit ist das „Protokoll" dier Wannsee-Konferenz vom 20.1.1942, das auf 15 Seiten (von denen etwa die Hälfte den Mischlingsfragen gewidmet sind) als beweisträchtiges Schlüsseldokument angesehen worden für den Entschluss der NS-Führung, die Juden in ihrem Machtbereich physisch zu vernichten. Roseman stellt die Dinge wesentlich differenzierter dar, deswegen heißt es im englischen Titel auch "...a Reconsideration".Sein Buch ist voller Sätze, in denen bisherige Interpretationen relativiert, zurückgenommen oder in Frage gestellt werden. So zitiert er (S. 9) Eberhard Jäckel, der sich fragt, warum diese Konferenz überhaupt stattgefunden hat, er vermerkt (S. 10f), dass die Dokumentenlage alles andere als umfassend ist und wir darüber nur spekulieren können, er stellt fest (S. 51), es gäbe keinen einzelnen klaren Befehl, alle Juden zu ermorden (David Irving wird dies mit Befriedigung vermerkt haben), er beklagt (S. 53) den Mangel an amtlichen Akten, nennt Eintragungen in Himmlers Dienstkalender rätselhaft, oder stößt sich an der Abwesenheit von wichtigen Dienststellen, wie Reichsbahn, Wehrmacht, oder der Kanzlei des Führers - wenn auch nicht an der merkwürdigen Tatsache, dass Heydrich in der Teilnehmerliste gar nicht erscheint. Trotz dieser und anderer Unsicherheiten in Bezug auf Fakten oder Interpretationen kommt Roseman auf S. 111 zu dem Schluss, dass von diesem Zeitpunkt an die „Endlösung" den Tod aller europäischen Juden bedeutete, denn so stünde es im Protokoll, obzwar bürokratisch verklausuliert. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass das Wort „Tod" nicht generell mit „Tötung" gleichzusetzen war, wie sich an der entsprechenden Stelle aus den Überlegungen hinsichtlich der verschiedenen Gruppen von Juden ergibt. Fazit ist für Roseman, dass die Konferenz selbst kein Augenblick der Entscheidung war, sondern nur ein Hinweisschild auf eine veränderte politische Lage. Vor der großen Bedeutung, die dem „Protokoll" lange Zeit hindurch zugemessen wurde, ist die Frage in den Hintergrund getreten, was denn nun in den verschiedenen Folgekonferenzen, die das Jahr 1942 markieren, besprochen bzw. entschieden worden ist. Ausgangspunkt der Wannsee-Konferenz war doch schließlich im Juli 1941 Görings Auftrag an Heydrich „in Bälde einen Gesamtentwurf ...zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen"; hierzu mussten ja nun entsprechende Arbeiten durchgeführt werden. Roseman erwähnt solche Folgetreffen im März und im Oktober 1942, misst ihnen aber eigentlich wenig Bedeutung zu. Man kommt nicht umhin, großen Langmut seitens Göring zu vermuten , vielleicht auch sein Desinteresse nach dem tödlichen Attentat auf Heydrich im Mai 1942 - jedenfalls relativiert dies die Bedeutung von Heydrichs Auftrag durchaus. Im Zusammenhang mit den späteren Konferenzen ist eine Anmerkung bei Roseman interessant, die sich auf das sog. Schlegelberger-Dokument bezieht, demzufolge Hitler die „Endlösung" (in der ihr heute zugeschriebenen Form) abgelehnt habe. Roseman verweist hier explizit auf David Irvings Homepage, ist aber selbst eher skeptisch. Gegenüber dem englischen Original beinhaltet die deutsche Ausgabe ein zusätzliches, vom Leiter der Wannsee-Gedenkstätte, Dr. Norbert Kampe, verfasstes und im Original nicht enthaltenes Kapitel, das sich mit den Unterschieden auseinandersetzt, die in den Abbildungen der diversen Dokumente dieses Komplexes in der Literatur aufgetreten sind. Kampe kreidet hier zu Recht dem Entdecker des Protokolls, Robert Kempner, handwerkliche Fehler an, die dieser bei seinem Umgang mit den Akten an diversen Stellen gemacht hat, unterstreicht aber, der Text sei stets korrekt nach dem Original wiedergegeben worden. Eine echte Dokumentenkritik ist dies verständlicherweise nicht, obwohl eine solche Arbeit weiterhin wünschenswert wäre angesichts der historischen Bedeutung dieser Papiere und der noch nicht ausgeräumten Unklarheiten in Bezug auf verschiedene Fragen hierzu. Ein Gesichtspunkt, der in Bezug auf den Inhalt speziell des Protokolls große Bedeutung hat, ist das Problem der Sprache. Der Urtext ist natürlich in (einem unschön gestelzten) deutsch. Da es aber bei der Interpretation des Dokumentes sehr darauf ankommt, welcher Sinn diesem oder jenem Wort beigelegt wird, entsteht bei der Übertragung in fremde Sprachen ein grundsätzliches Problem dadurch, dass die Übersetzung durch die Einstellung des Übersetzers zum Text beeinflusst wird. An einem Beispiel von vielen aus der französischen Fassung des Protokolls, wie sie in der französischen Übersetzung von Rosemans Buch („Ordre du Jour: Génocide...", Audibert, 2002) gezeigt wird, soll dies deutlich gemacht werden: Der deutsche Text lautet (S. 15 des Protokolls): „Mit der Bitte des Chefs... ihm bei der Durchführung der Lösungsarbeiten entsprechende Unterstützung zu gewähren, wurde die Sitzung geschlossen." In der französischen Fassung heißt es „En mettant un terme à la réunion, le chef... demanda aux participants de lui accorder tout leur soutien dans l'exécution des tâches décidées." Hier sind also aus diffusen ‚Lösungsarbeiten' konkrete ‚beschlossene Aufgaben' geworden und der unbefangene französische Leser bekommt einen ganz falschen Eindruck vom Stand der Forschung. War dies sozusagen vorauseilender Gehorsam des Übersetzers? Es steht zu befürchten, dass auch Übersetzungen des Protokolls in andere Sprachen ähnliche Bedenklichkeiten enthalten. Man muss sich auch fragen, inwieweit Roseman in der Lage war, den sogar für Deutsche schwierigen Text des „Protokolls" immer voll zu erfassen. Wie unbefangen mit dem „Protokoll" heute umgegangen wird, zeigt sich auch darin, dass die filmisch sehr gute Darstellung der Konferenz (Deutschland, 1984), die zu passenden Gelegenheiten immer wieder vorgeführt wird, keinen Anspruch auf wörtliche Genauigkeit erhebt, während die in den USA gezeigte Fassung des selben Streifens vorgibt, dass ein stenographisches „Wortprotokoll" verbatim als Text des Drehbuchs verwendet wurde. So wird dem Zuschauer eine historische Genauigkeit vorgespiegelt, die es in dieser Sache nun einmal nicht gibt. Es wird lange dauern, bis sich die Erkenntnisse von Autoren wie Roseman gegen solche Dramatisierungen der Geschichte durchsetzen werden. |
Vokabular des Nationalsozialismus Cornelia Schmitz-Berning Taschenbuch, 30. Juli 2007 Verkaufsrang: 90099 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der Nationalsozialismus hatte ein eigenes Vokabular. Wie jedoch sah dieses aus, wie wurde es benutzt, woher kam es und - lebt es womöglich weiter? In diesem umfassenden Nachschlagewerk gibt Cornelia Schmitz-Berning einen Einblick in die Geschichte und die spezielle Verwendung von Ausdrücken, die sich dem offiziellen Sprachgebrauch im NS-Staat zuordnen lassen. Sie stellt in Wortartikeln neugebildete, umgedeutete oder sehr häufig gebrauchte Ausdrücke vor. Die Artikel basieren auf einer breitgefächerten Quellenauswertung. Für die 2. Auflage wurde der Band durchgesehen und korrigiert.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Wichtiges Nachschlage - Werk 5 von 5 Punkten Nach dem LTI von dem inzwischen zum Bestseller- Autoren avancierten jüdischen DDR Autoren (der normale Leser, weiß, wen ich meine) ist dies das beste mögliche Lexikon von einer der besten linguistischen und politisch neutralsten Person im deutschen "Lexikon-Markt". Für Germanisten und Historiker ein unübergängliches Nachschlagewerk!
Überaus nützliches und gut handhabbares Nachschlagewerk. 5 von 5 Punkten Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. Berlin, New York: de Gruyter, 1998. 128,- DM.„Worte können sein wie winzige Arsendosen, und nach einiger Zeit ist die Wirkung da", schreibt Victor Klemperer in seinem berühmten Buch „LTI" (=Lingua tertii imperii) über die Sprache im Nationalsozialismus. Der Philologe Klemperer hat als Zeitzeuge genau hingehört und mußte feststellen, daß mit dem Sprachverfall der Terror einherging. Der Untergang des Dritten Reiches bedeutete aber nicht, daß die Sprache des Dritten Reiches mit unter ging. Anlaß genug für diejenigen, die glauben, daß Sprache das Handeln bestimmt, zu warnen. So entstand unmittelbar nach dem Krieg das „Wörterbuch des Unmenschen", in dem die Autoren Sternberger, Storz, Süskind 28 Begriffe erklären, derer sich die Nazis bemächtigt hatten. Die Sprachkritiker verfolgen laut Vorwort mit ihrem Wörterbuch das entgegengesetzte Ziel üblicher Wörterbücher: uns eine Sprache fremd zu machen - die der Nazi-Unmenschen. Mehr als fünf Jahrzehnte später und fünfundreißig Jahre nach ihrer ersten Publikation zum Thema („Vom Abstammungsnachweis zum Zuchtwart", de Gruyter, 1964) liefert Cornelia Schmitz-Berning nun ein Nachschlagewerk zum Vokabular des Nationalsozialismus, das die frühen und immer wieder zitierten Arbeiten Klemperers, Sternbergers und anderer in vieler Hinsicht übertrifft. Zunächst was den Umfang anbelangt. Auf über 700 Seiten erläutert die Autorin beinahe ebensoviele Stichwörter. Alphabetisch angeordnet findet der Suchende Begriffe, die die Nazis für ihre Zwecke kreiert bzw. mit einer neuen Bedeutung belegt haben. Dies begann nicht erst 1933 mit der Machtergreifung/Machtübernahme, sondern schon in der sogenannten Kampfzeit zwischen 1918 und 1933. Von da an tauchten im öffentlichen Sprachgebrauch Wörter, Wendungen und Abkürzungen auf, die so zuvor nicht benutzt worden waren. 1933 dann macht, wie es Ossietzky in der „Weltbühne" formuliert, „die NSDAP ihre agitatorische Sprache unbedenklich zum amtlichen Stil". Diese beherrscht alsbald Presse und Rundfunk, schließlich auch das private Gespräch. Schmitz-Berning nutzt für ihre Wörtersammlung verschiedene Quellen: während der NS-Zeit erschienene Lexika und Duden, die „Meldungen aus dem Reich", Gestapo- und Regierungsberichte, Berichte von Ortsgruppen- und Kreisleitern der NSDAP, NS-Presseanweisungen, die Sitzungsprotokolle des Nürnberger Prozesses, aber auch Texte, die Aufschluß geben über den privaten Sprachgebrauch. Entscheidend für die Aufnahme der einzelnen Stichwörter waren die Häufigkeit ihres Vorkommens und die Zugehörigkeit zu einem terminologischen System, beispielsweise Blut, deutsch, jüdisch, Rasse, u.a. Der Aufbau des dem Stichwort folgenden Artikels ist immer gleich, was dem Leser die Orientierung erleichtert. Will er beispielsweise etwas über Propaganda wissen, findet er zunächst die Bedeutung, die das Stichwort im Sprachgebrauch der Nazis hatte: „Bezeichnung für alle Maßnahmen des Nationalsozialismus zur einheitlichen Ausrichtung des Volkes in allen politischen Fragen." Dem folgen über zwei Seiten eine etymologische und semantische Herleitung des Begriffes. Durch diese Vorgeschichte eines Wortes und die anschließende vierseitige Dokumentation der Verwendungsweisen im NS wird deutlich, wie die Nazis Wörter mit neuen Bedeutungen belegt haben. Schmitz-Berning zitiert die Passagen über Propaganda aus Hitlers „Mein Kampf" und den Reden des Propagandaministers Goebbels. Sie weist daraufhin, daß sofort 1933 der werbetreibenden Wirtschaft verboten wurde, den Ausdruck Propaganda gleichbedeutend mit Reklame für die Wirtschaftswerbung zu verwenden. Der Begriff Propaganda soll der politischen Betätigung der Nationalsozialisten vorbehalten bleiben. Besonders erfolgreich sind die Versuche, durch Presseanweiseungen dem Ausdruck Propaganda eine ausschließlich positive Konnotation zuzuweisen allerdings nicht. Es wird sogar gefordert, die Propaganda des politischen Gegners ausschließlich als Hetze und Agitation zu bezeichnen. Schmitz-Berning zitiert auch diese Erlasse und nennt gewissenhaft die Quellen. Schließlich wird in einem dritten Artikelabschnitt der heutige Gebrauch weiterverwendeter oder wiederverwendeter Ausdrücke beleuchtet. Die Genauigkeit und Ausführlichkeit der Lexikonartikel machen den außerordentlichen Wert dieses Nachschlagewerkes aus. Es ist ein Lexikon, das man bei allem Erschrecken über die Verrohung der Sprache mit Gewinn liest. Denn neben den Stichwörtern, deren Herkunft aus dem Umfeld der Nazis eindeutig ist, beispielsweise PG, Reichsarbeitsdienst oder die Formel auf der Flucht erschossen, findet der Leser auch Stichwörter, die er vielleicht nicht sofort dem Nazi-Sprachgebrauch zugeordnet hätte, beispielsweise Festung Europa, ein Begriff, der während der Asyldebatte in den neunziger Jahren wieder aufkam. Und der Leser findet Stichwörter, beispielsweise Intellektuelle oder Journaille, die Gruppen bezeichnen, die vor, während und nach dem Dritten Reich, nicht besonders angesehen waren. Die Autorin hat kein wichtiges Stichwort vergessen. Von abmeiern bis Zwischenreich ist alles aufgeführt. Zwar mag man das Fehlen eines Indexes beklagen, doch ist das unerheblich im Vergleich zu der Informationsfülle, die die einzelnen Stichwortartikel bieten. So ist Schmitz-Bernings Sammlung des NS-Vokabulars ein für Historiker, Philologen, Sozialwissenschaftler und nicht zuletzt Journalisten überaus nützliches und gut handhabbares Nachschlagewerk. Ein wenig Propaganda - mit positiver Wertung! - für dieses als Ein-Frau-Unternehmen entstandene Werk sei gestattet. |
Hitlers Volksstaat: Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus Götz Aly Gebundene Ausgabe, April 2005 Verkaufsrang: 157203 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Im sechzigsten Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist an neuer (Forschungs-)Literatur über das Dritte Reich gewiss kein Mangel. Hitlers Volksstaat jedoch gehört zweifelsfrei zu den beachtenswertesten historischen Arbeiten dieses Jahres! Den Deutschen, so Aly, ging es in diesem Krieg -- vom Ende freilich abgesehen -- besser denn je. "Deutschland wird dann am größten sein, wenn seine ärmsten seine treuesten Bürger sind", wusste der Führer. Und deshalb wurde das Volk mit Wohltaten gezielt korrumpiert -- auf Kosten des enteigneten Judentums und der geplünderten Völker in den besetzten Gebieten. Schmuck, Gold und Waren aller Art wurden von dort im großen Stil zur Hebung der Moral an die Heimatfront verbracht. Auch die Soldaten durften sich in der Fremde billig eindecken und an ihren Einsatzorten billig "einkaufen": "Selbst noch während der extrem unwirtlichen Monate Januar, Februar und März 1943 schafften es die Soldaten nach der Statistik des zuständigen Feldpostamtes, von der Leningradfront mehr als drei Millionen Feldpostpäckchen in die Heimat zu schicken -- gefüllt mit Beutestücken, Schnäppchen und überschüssigen Lebensmittelzuteilungen." Und allein im besetzten Frankreich summierten sich die aufgrund des wie überall zum Vorteil der Reichsmark festgesetzten Wechselkurses ausgesprochen günstigen Privateinkäufe der deutschen Besatzer auf 125 Millionen Reichsmark, was laut Aly den Wertverlust des Franc eingerechnet mehr als einer halben Milliarde Euro entspricht. Von all dem, aber auch von mancher anderen Wohltat für die Nutznießer des NS-Sozialstaats, für die die Völker des geplünderten Europas im wahrsten und im übertragenen Sinne bluten mussten, berichtet Götz Aly kenntnisreich und gut belegt. Eine äußerst erhellende Lektüre! -- Andreas Vierecke
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)
Heilsame Schrift zur Diagnose eines Traumas 5 von 5 Punkten Zusammenschau ist wichtig und trotzdem Einzelheiten zu bringen, an Einzelheiten das ganze Faszinosum dieses nazionalen Sozialismus festzumachen, das ist wahrhaft spannend.
Denn, wie die Spannung das eigentliche Element gewesen sein mag, dieses Aufbrechen aus dem Alten, dem Spießerischen, hinein in eine geträumte Freiheit, in eine quasi spätpubertäre rauschhafte Beweglichkeit, die sie ja auch "Bewegung" nannten, das ist es, was antrieb.
Und wie alles gerade in Deutschland, dem perfekten Land in der Mitte Europas, geschehen konnte, ja das konnte man bald sehen und fühlen (auch heute?).
Wir hier in der Mitte Europas, eigentlich die Tapfersten, die Besten gegen eine Übermacht, aber leider sieglos zum Schluss des ersten Weltkrieges (obwohl mathematisch schon damals wahrscheinlich vorher- oder zumindest einsehbar), wir werden es der Welt zeigen.
Das war die Botschaft (das sang man später auch) und derjenige, der es zumindest als Führer einer neuen Nation zuwegebringen sollte, den Ausweg nämlich aus der gedachten und auch erfühlten Misere, der war ja schließlich ein Zögling des deutschen Militärs.
Nirgends fand er so freundlichen Unterschlupf als hier in einer Umgebung, die ihm eigentlich von Natur aus nicht vorrangig zustand.
Aber, wie es die Natur manchmal zuwege bringt, hat er sich eingebracht und er fand als Suchender Zuhörer.
Das ist eigentlich schon fast alles, denn wir wissen, wie es weiterging, wie er begeisterte und man ihm zugrölte und zuwarf "die weiße winkende Hand" und ihn zu einem Deutschen machte, nämlich in Braunschweig.
Daß sich Militär und Wirtschaft, Politik und Vertrauensleute gerade auch aus höhrer Schicht sich ihn aussuchten, das spricht Bände.
Daß keiner oder nur selten jemand wirklich laut lachte, als er mit Motorradkappe erschien wie ein Clown auf einer imaginären Bühne und dabei seltsam süßsauer lachte (dabei war die Bühne reell) und man ihm Flugzeuge und schicke Autos zur Verfügung stellte, das spricht ebenfalls Bände. Und daß das Ausland zusah und sich vielleicht Gedanken machte, vielleicht auch, mit diesem Schauspieler leicht fertig zu werden, das wurde etwas später bestraft. Da sah er dann aus, als stünde er über allem und lachte nur der Gefahr, einer Gefahr, der er ja auch zigmal entkommen ist.
Es gab seinerzeit in Europa eine Aufbruchstimmung und Spanien und Italien, auch Frankreich spielten mit einem nationalen Sozialismus, doch nirgends wurde der Rassismus derart vorangetrieben wie hier in Deutschland, vielleicht noch in Österreich.
Götz Aly nun hat anhand vieler Beispiele gezeigt und er untermauert es, wie Berufsbeamten, Finanziers, das Militär und vor allem die damals als jugendlich zu bezeichnenden Politiker das Werk eines revolutionär sich gebenden Staates ausführen. Sie taten es "auf Teufelkommraus" und sie zogen tatkräftig mit einem wilden Aktionismus alles mit sich hinein in einen Strudel der Leidenschaften.
Es gibt einen Roman, "Kaputt" von Curzio Malaparte, der beschreibt diese wilde Zeit ziemlich verblüffend und erschütternd und es gibt Tagebücher wie das von Goebbels, es gibt auch ein Buch, das heißt "Mein Kampf" und ich meine als Jugendlicher darin gelesen zu haben, daß irgendeinmal ein Staat weit nach "seinem" Tode das vollenden wird, was "ihm" nicht gelingen sollte. Es ist höchste Zeit also "Mein Kampf" im Original einem jeden von uns zugänglich zu machen, damit endlich einmal damit aufgeräumt wird, "die Leute hätten ja davon garnichts gewußt".
Derartige Bücher, wie dieses über den "Volksstaat" mit seinen schillernden und zugleich unglaublich brutalen Methoden, sind Aufklärung pur.
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Eine Frau an seiner Seite. Ehefrauen in der 'SS-Sippengemeinschaft' Gudrun Schwarz Taschenbuch, September 2000 Verkaufsrang: 186098 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die SS gilt bis heute als Männerorden, obwohl Heinrich Himmler bereits 1929 verkündet hatte, er wolle aus der SS eine Sippengemeinschaft von Männern und Frauen formen, eine -rassische Oberschicht des germanischen Volkes- als Führungselite eines von den Nazis beherrschten Europa. Die Soziologin Gudrun Schwarz hat beispielhaft Lebensläufe von SS-Ehefrauen untersucht und schildert einen durch die NS-Ideologie geprägten Familienalltag, der den Mann emotional entlasten sollte. Viele Ehefrauen waren nicht nur Mitwisserinnen der Taten ihrer Männer, sondern aktive Komplizinnen und Mittäterinnen. Sie besuchten ihren Mann am Einsatzort oder wohnten jahrelang in den Siedlungen am Rande der Konzentrationslager. -Eine Frau an seiner Seite- ist ein Beitrag zur Demontage des Bildes der Frau als Opfer der Verhältnisse, das sich - getragen von Forschung, Justiz und Politik - in der deutschen Nachkriegsgesellschaft etablieren konnte.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Wissenschaftliches Werk, keine Unterhaltung 5 von 5 Punkten Ich habe gerade ein Seminar an der Uni Wien zum Thema "An seiner Seite", angelehnt an den Titel von Gudrun Schwarz, absolviert. Das Buch war eine tolle Grundlage für unsere Beschäftigung mit der Verwendung von Geschlechterbildern in der Darstellung des NS. Wer kritisiert, dass dieses Buch zu viele Fußnoten bzw. ein ausführliches Literaturverzeichnis besitzt, hat wahrscheinlich nicht sehr viel Ahnung von Forschung und der Arbeit von HistorikerInnen. Diese Leute sollten lieber Guido Knopp lesen, da ist "Geschichte spannend wie ein Krimi" (Zitat Knopp), auch wenn die Ergebnisse (aus wissenschaftlicher Sicht, nicht vom Unterhaltungswert her) anzuzweifeln sind.Ich glaube außerdem nicht, dass dieses Buch für die breite Masse geschrieben worden ist, die nach der Lektüre von Anna Maria Sigmunds Hitler und die Frauen Büchern glauben, sie hätten einen umfassenden Einblick in die Materie. Das klingt jetzt sicher fürchterlich abgehoben, es ärgert mich aber einfach, wenn ein so tolles Buch durch die ungerechten Bewertungen verrissen wird.
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Euthanasie im NS-Staat: Die Vernichtung lebensunwerten Lebens Ernst Klee Taschenbuch, Januar 1985 Verkaufsrang: 160351 Jede Gesellschaft hat kranke oder behinderte Mitbürger. Menschen, auf die man besonders eingehen muss, die der Hilfestellung bedürfen. In der nationalsozialistischen Ideologie jedoch wurden solche Personen schlicht und Menschen verachtend als "lebensunwert" deklariert, da sie für die NS-Welt keinen produktiven Beitrag darstellten. Die widerwärtige Konsequenz solchen Denkens war die Euthanasie. Diese Tötung behinderter, kranker oder alter Personen (sowie angeblich "Arbeitsscheuer") ist eines der abstoßendsten Kapitel des Nationalsozialismus, wurde hier doch in vermeintlichen Heilanstalten und unter Mitarbeit der Ärzte und Schwestern Massenmord an denen begangen, um die man sich hätte kümmern sollen. Vielleicht deshalb, vielleicht aber auch weil so viele vom medizinischen Personal später unbehelligt weiterarbeiteten, wurde nach 1945 das Thema Euthanasie im NS-Staat eher unter den Tisch gekehrt. Ernst Klees Buch, das man ohne jedes Zögern ein Basiswerk hierzu nennen kann, wirkt dadurch oftmals wie ein Schock. Was der Autor darin an Erkenntnissen über diese Praxis der Massentötung im NS-Regime zusammengetragen und analysiert hat, ist in der Kombination von Gesamtübersicht und Detailinformationen nicht zu überbieten. Ein Exkurs über die generelle Geschichte der Euthanasie führt zu den propagandistischen und juristischen Vorbereitungen im NS-Regime (die Verabschiedung entsprechender Gesetze begann bereits 1933). Dem Aufbau einer Euthanasieorganisation folgten dann im Spätjahr 1939 die ersten Tötungen. Klee beschreibt anhand von Originalunterlagen und Augenzeugenberichten Täter und Opfer, Organisation, Methoden und Orte dieser Verbrechen. Und er belegt, dass auch nach Hitlers offiziellem Euthanasie-Stopp 1941 das Morden weiterging. Ein aufrüttelndes Buch darüber, wie kaltblütig man im Hitler-Reich mit Menschen umging, die man in nationalsozialistischer Dumpfheit als "lebensunwert" titulierte -- ein Begriff, der einen erschauern lassen sollte. --Joachim Hohwieler
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Interessante Aufarbeitung eines verdrängten Themas 5 von 5 Punkten Wie wir Deutschen mit den Juden oder den Sinti und Roma verfuhren, ist uns heute weitestgehend bewusst. Dass wir aufgrund scheinbarer rassischer Merkmale einen industriemässig betriebenen Mord veranstalteten, ist jedem beuwsst. Mordlager wie Auschwitz, Treblinka oder Sobibor sind so vielen auch im Land der Täter ein Begriff, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus abgearbeitet scheinen.Aber auch der Holocaust hat seinen unmittelbaren Vorläufer. Die Vernichtung "lebensunwerten Lebens" begann in einem Mord am eigenen Volk, an "Schwachsinnigen" und chronisch Kranken. Gaskammern entstanden in Kliniken, und der Vorläufer der Deportation war der Abtransport Kranker in diese Vernichtungsanstalten. Durch eine gemeinnützige Transportgesellschaft. Als das Volk merkte, dass die Führung so ruchlos mordete, kam es sogar hierzulande zum Widerstand. Die Gaskammern in den Kliniken wurden eingemottet. Aber skrupellose Rassehygeniker mordeten weiter, mit Hungertod und Betäubungsmitteln, Alte, Kinder und wehrlose Kranke. Vor den Juden kamen die Volksgenossen. Rassenhygiene konnte niemals enden, sie war von den Nazis als von oben auferlegter darwinistischer Ausleseprozess angelegt. Wer wissen will, woher die grosse Befangenheit gegen Gentechnik, als Umgestaltung des Menschen, oder gegen das Töten unrettbar Kranker, die das selbst wollen, kommt, findet hier die Antworten und den Ursprung. Frühere "Weltverbesserer" und "Rasseverbesserer" hielten auch den Mord im Namen scheinbar hehrer Ziele für gerechtfertigt, und Ungleichheit und Abweichen von der Norm waren Anlass genug für staatliche Tötungshandlungen. Euthanasie war ursprünglich nicht das, was heute in den Niederlanden erlaubt ist: Sterbehilfe. "Eu" bedeutet gut und "Thanatos" Tod. Aber der "gute Tod" der Nazis war die Hinrichtung im Namen der Gesellschaft, nicht auf die Erlösung von Schmerz ausgerichtet. Wo der Mensch nur zum statistischen Begriff einer Kosten-/Nutzenrechnung verkommt, zum genormten Erbringer von Leistungen, zum Spielball derer, die sich anmassen, die Schöpfung neu schreiben zu wollen, ohne ethische Mindestgrundsätze, dort lauert auch heute noch das Gespenst und der Geist eben dieser Euthanasie im Schatten. |
Das atlantidische Weltbild. Nationalsozialismus und Neue Rechte auf der Suche nach der versunkenen Atlantis Franz Wegener Broschiert, Januar 2004 Verkaufsrang: 176416 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der Historiker Franz Wegener arbeitet eine bislang unbekannte Verbindungslinie zwischen Theosophen, Ariosophen, Anthroposophen, Vertretern der Konservativen Revolution, Welteislehre-Anhängern, Nationalsozialisten und Neuen Rechten heraus: Die Suche nach Atlantis im hohen Norden, Heimat einer rassisch reinen Elite: Die Atlantier. Führende NS-Funktionäre - Hitler, Himmler, Wirth und Rosenberg - beschäftigte die Suche nach der versunkenen Insel - und das nicht nur auf SS-Forschungsexpeditionen. Im Effekt entlud sich die suizidale Ideenkraft des Atlantismythos in einem beispiellosen Vernichtungskampf gegen andere - und letztendlich gegen sich selbst. Atlantis - war es das, was die Nationalsozialisten tatsächlich suchten?
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Eine brillante und überzeugende Analyse 5 von 5 Punkten Franz Wegeners Untersuchung zum Thema des Atlantikmythos im Zusammenhang mit der Entwicklungsgeschichte des Nationalsozialismus und des Rechtsradikalismus ist brillant und geradezu ein MUSS für Leser, die an diesem Thema interessiert sind. Endlich habe ich in Franz Wegeners Buch alle jene Argumente gefunden, die mir in Zukunft helfen werden, gegen Jürgen Spanuths hirnrissige Thesen zu argumentieren bzw. dieselben zu widerlegen. Tatsächlich ist es ja kaum zu fassen, dass es immer noch rechtsmarschierende und rechtsdenkende Menschen gibt, die sich noch dazu auch heute noch!! für eine nordisch-reine Elite halten, wobei sie sich u.a. auch auf Jürgen Spanuths Wahnsinn beziehen (und daher auch von anderem Wahnsinn überzeugt sind.) Spanuth wollte beweisen bzw. überzeugen, ausgerechnet die von Atlantis-Helgoland emigrierten Nordmeervölker hätten für Jahrhunderte in der Levante das kulturelle Geschehen bestimmt. Spanuth behauptet ja sogar, Teile der Nordmeervölker hätten sich als Herakliden bzw. Atlanter oder Dorer! dauernd in Griechenland niedergelassen, also in jenem Land, dem sie die Sprache!! und die Schrift!!, eine neue Kriegstechnik, den olympischen Sport und selbstverständlich auch mit heissem Bemühn die Götterwelt, kurz, eine neue Kultur, natürlich eine nordisch-germanische Hochkultur gebracht hätten, auf der die hauptsächlichen Werte des Abendlandes beruhen. Was Franz Wegener so gründlich und schlüssig widerlegt, dass sich jeder Spanuth-Genger die mit hämischer Freude die Hände reibt. Selbstverständlich weiss sogar der Laie, dass Spanuths irre Thesen an den Haaren herbeigezogen sind, man ärgert sich aber trotzdem grün und blau, sollte man ein solches Buch aus boshaftem Interesse lesen, - findet aber trotzdem nicht immer die schlüssigen Gegenargumente, - jedenfalls ist es mir so gegangen, als mir jemand einmal das Buch von Spanuth "Die Rückkehr der Herakliden" schenkte.Da ich mich als Laie natürlich mit Herrn Wegener nicht messen kann, bin ich - eben als Laie - über sein Buch "Das Atlantidische Weltbild", Nationalsoszialismus und Neue Rechte auf der Suche nach der versunkenen Atlantis, wirklich sehr froh. Was für ein spannendes Thema! Herr Wegener langweilt nie, mit keiner Zeile! Sein Buch ist ganz klar und logisch aufgebaut mit Angabe sämtlicher Quellen bzw. Sekundärliteratur, man liest es gern und interessiert, um dem Wirkungsmechanismus des Mythos näherzukommen. Das Bild vom Norden, vom arischen "Gottmenschen" "vom reinen Blut"...der rassisch reinen Elite wird bis in die verborgensten Mechanismen untersucht. Es handelt sich um eine brillante und höchst lesenswerte Analyse, die jeder Politiker, jeder Historiker, überhaupt jeder Leser zur Hand nehmen sollte.
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