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Das verlorene Land: Aufsätze zur deutschen Geschichtspolitik - Thorsten HinzDas verlorene Land: Aufsätze zur deutschen Geschichtspolitik
Thorsten Hinz

Gebundene Ausgabe, März 2008
     Verkaufsrang: 318292      Gewöhnlich versandfertig in 4 Tagen.

Preis: € 24,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Mit einem an der DDR-Diktatur geschulten feinen Gespür für Gängelungs-, Bekenntnis- und Unterwerfungsrituale begleitet Thorsten Hinz in seinen Beiträgen für die JF seit 1994 die Geschichtspolitik des wiedervereinigten Deutschland. Den Kern dieser Geschichtspolitik formulierte einst Ex-Außenminister Fischer mit der These, das neue Deutschland habe sein einziges Fundament im Holocaust. Eine Folge dieser vollständigen Moralisierung des Politischen ist, daß jede öffentliche oder halböffentliche Debatte auf ihre mutmaßliche Nähe zur NS-Ideologie überprüft und durch eine eilfertige Verdachtsrhetorik oft vorzeitig beendet wird. Eine ernsthafte öffentliche Auseinandersetzung mit den Zukunftsfragen der Nation findet nicht mehr statt. Thorsten Hinz sieht in dieser Fehlentwicklung eine Ursache für die aktuelle Krise Deutschlands und eine große Gefahr für die Zukunft der deutschen Demokratie. Der nun vorliegende Band versammelt seine wichtigsten Beiträge zu diesem Thema.

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Zeitungsbeiträge, dem Vergessen entrissen      5 von 5 Punkten
Wenn ein einzelner Mann dazu beiträgt, eine Wochenzeitung lesenswert zu machen, dann gilt das in besonderem Maße für Thorsten Hinz bei der "Jungen Freiheit", der für sie sowohl unter seinem richtigen Namen als auch unter dem Pseudonym "Doris Neujahr" schreibt. Eine solche Zeitung liest man, schneidet vielleicht auch noch den einen oder anderen Beitrag aus, der einem besonders beeindruckt und den man mit Dritten diskutiert, aber dann wirft man die Zeitung weg.

Das ist oft schade, da ein Journalist wie Hinz eine Menge Arbeit in seine Recherchen investiert. Noch nie habe ich bisher einen groben sachlichen Fehler in seinen Texten entdecken können. Es ist daher außerordentlich verdienstvoll, daß der Verlag 47 Artikel und Aufsätze, die in den Jahren 2002 bis 2007 in der Wochenzeitung erschienen sind, in diesem Sammelband noch einmal unverändert abdruckt.

Perlen in dieser Sammlung sind z. B. die Beiträge über Kolberg und den Versuch, den baltischen Republiken und Polen im allgemeinen und Sandra Kalniete im besonderen westeuropäisches Geschichtsverständnis beizubringen.

Der Band wird durch ein Personenregister erschlossen. Da die einzelnen Aufsätze aber, wie üblich, journalistisch-griffige Überschriften haben, sind es eigentlich die im Inhaltsverzeichnis fehlenden Untertitel, die etwas über den Inhalt aussagen. Ein zusätzliches Sachregister wäre deswegen sehr hilfreich gewesen.
Und noch eine kritische Anmerkung sei erlaubt, die ich mir bereits bei dem Essay "Zurüstung zum Bürgerkrieg" vom selben Verfasser nicht verkneifen konnte: Für einen Buchbeitrag sollte man den Zeitungssartikel noch einmal durchsehen und durch Anmerkungen und Fußnoten ergänzen. Denn nur so wird die Recherchearbeit, die Hinz in seine Beiträge investiert hat, in kritischer Weise nachvollziehbar und für Dritte sogar ausbaufähig.


Die Konservative Revolution in Deutschland 1918 - 1932. Ein Handbuch - Armin MohlerDie Konservative Revolution in Deutschland 1918 - 1932. Ein Handbuch
Armin Mohler, Karlheinz Weißmann

Taschenbuch, 2005
     Verkaufsrang: 199835      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 49,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Neuauflage von Armin Mohlers bio-bibliographischem Handbuch, das bisher von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft verlegt wurde und als wichtigstes Grundlagenwerk zum Thema ebenso unbestritten wie unersetzt ist.
Über 350 Personen werden neben den wichtigsten Organisationen mit ausführlichen Bibliographien dargestellt, u.a. Carl Schmitt, Ernst Jünger, Oswald Spengler, Thomas Mann, Stefan George, Gottfried Benn...


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Mohlers bewährtes Standartwerk neu aufgelegt.      5 von 5 Punkten
Der Soziologe Stefan Breuer schrieb 1993 in seinem Buch "Anatomie der Konservativen Revolution": "Das Syntagma `Konservative Revolution`ist eine der erfolgreichsten Schöpfungen der neueren Ideengeschichtsschreibung". Dieser Begriff, welcher 1950 von Armin Mohler in seiner u.a. bei Karl Jaspers in Basel vorgelegten Doktorarbeit erstmals als Umschreibung jener heterogenen antidemokratischen und antiparlamentarischen intellektuellen rechten Strömungen jenseits des Nationalsozialismus eingeführt wurde, hat sich seitdem in der Forschung trotz vieler Gegenversuche (z.B. Breuers "Neuer Nationalismus") durchgesetzt. Somit ist Mohlers Buch ein unverzichtbares Standartwerk für diejenigen, welche sich über Rechtes Denken in der Weimarer Republik jenseits des Nationalsozialismus informieren wollen. Da Mohler im Juli 2003 starb, besorgt nun Karlheinz Weißmann die Erneuerung der Bibliographie zu diesem Thema. Sehr empfehlenswertes Buch für alle Geschichts- und Politikinteressierten, die erkennen, dass man als Rechter nicht per se Nazi oder Antisemit sein muss...

Standardwerk zur Thematik      5 von 5 Punkten
Jedem, der an deutscher und europäischer Ideengeschichte interessiert ist, sei dieses Buch ans Herz gelegt. Dient der erste Teil zum Verständnis der Grundlegenden Weltanschaung der KR, lädt die umfangreiche Bibliographie im zweiten Teil zum weiteren Vertiefen in das Thema ein. Konservative Geistesgeschichte jenseits von Liberalismus und Nationalsozialismus.


Nationalismus und Faschismus. Frankreich, Italien und Deutschland im Vergleich - Stefan BreuerNationalismus und Faschismus. Frankreich, Italien und Deutschland im Vergleich
Stefan Breuer

Gebundene Ausgabe, März 2005
     Verkaufsrang: 160902      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 44,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Der Faschismus vermochte es, unterschiedlichste Ideologien zu absorbieren, so auch den Nationalismus. Warum aber geraten manche Länder mit starken nationalistischen Strömungen in den Strudel des Faschismus und andere nicht? Warum gelangt in Italien der Faschismus an die Macht, in Deutschland der Nationalsozialismus, verbleibt aber Frankreich im Rahmen demokratischer Strukturen?
Stefan Breuer untersucht dies in einem Vergleich der politischen Entwicklungen in Frankreich, Italien und Deutschland vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Er setzt dabei Nationalismus und Faschismus differenziert voneinander ab und kommt so zu einem neuen Begriff, zu einem 'Idealtyp' des Faschismus. Will man den Wahn verstehen, der ganze Völker mit sich gerissen hat, ist man auf diese kühle Analyse angewiesen.


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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Excellent survey of historic German, Italian and French fascism      4 von 5 Punkten
Breuer's study seems to be designed as a response to, or revision of, Ernst Nolte's 1963 classic "Three Faces of Fascism" which also focused on France, Italy and Germany within approximately the same time period. Breuer's book contains nothing less than a new interpretation of classic fascism introducing, apart from much empirical evidence and a comprehensive typology of the varieties of nationalism, a novel definition of fascism. As always in Breuers research, this study is an exceptionally dense and well-informed text full of revealing details, pertinent observations, and thought-provoking interpretations - a pleasure to read. The study starts with in-depth discussion of the concept of nationalism and, on this basis, develops a comprehensive and informative typology of the different permutations of this ideology. This is by itself a valuable addition to the existing literature on nationalism in as far as Breuer's distinctions between various types and sub-types of nationalism (liberal nationalism, left-wing nationalism, right-wing nationalism etc.) have much to contribute answering the question about the various functions that nationalist ideologies fulfilled in different periods of recent world history. The larger part of the study contains well-structured narratives on the development and nature of fascism in pre-World War I and inter-war France, Italy and Germany. Breuer succeeds, by way of bringing together a large amount of primary and secondary sources, in providing excellent surveys of these movements.
While most of his study consists of useful observations and stimulating interpretations, its major idea - a new conceptualization of generic fascism - however, will presumably find few supporters. Such a contradiction reminds one of another classic of Breuer, "The Anatomy of the Conservative Revolution" (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1993, 1995), which too makes excellent reading, but eventually did little to contribute to debunking the notion of a "conservative revolution," as Breuerhad clearly intended. Now again, Breuer delivers an outstanding piece of research with a conclusion that, alas, will have little impact on comparative fascist studies. That is because Breuer decides here against seeing generic fascism as an ideology; he instead identifies the "fascist minimum" as the "combination of [Verbindung von] violence, charisma and patronage in the framework of one party" (p. 59). This is a formula that seems almost too eccentric to discuss at length. It raises more questions than it answers, and would seem to immediately multiply the number of those parties that can labelled "fascist" within the context of both inter- and post-war history. What this formula might still be useful for is less to delineate fascist from non-fascist parties, than to provide an interesting hypothesis about the causal link between - what mainstream research would regard as - fascist ideology, on the one hand, and the organizational manifestations of fascism within the party-political realm. Will all parties inspired by a fascist ideology be always characterized by violence, charismatic leadership and a patronage system? And if so: Why? Or, if not: Why not? Whereas it might be that Breuer will in this particular way still make a theoretical contribution not only to the study of nationalism in general, but to comparative fascist studies, in particular, I doubt that his formula will be taken seriously as a concept of generic fascism by comparativists and be applied in empirical research by country or region specialists. What may be consoling to Breuer is merely that other idiosyncratic definitions of generic fascism have also found few, if any application in empirical research - the most prominent examples being perhaps Ernst Nolte's "resistance to transcendence" or A. James Gregor's "developmental dictatorship."


Der deutsche Gruß: Geschichte einer unheilvollen Geste - Tilman AllertDer deutsche Gruß: Geschichte einer unheilvollen Geste
Tilman Allert

Gebundene Ausgabe, September 2005
     Verkaufsrang: 307613      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 16,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Zeige mir, wie du grüßt, und ich sage dir, wer du bist
"Das Grüßen gehört zu jenen Bekundungen der Humanität, die dem Zugriff des Politischen grundsätzlich entzogen sein müssen. Tilmann Albert zeigt, wie der politische Gruß zum Abzeichen des Bürgerkriegs wird: Er teilt ein Volk in Freund und Feind." Dr. Asfa-Wossen Asserate
Keine Geste hat mehr Unheil angerichtet als diese. Kein anderes politisches Regime der Welt hat je eine Grußformel so radikal zur Nivellierung gesellschaftlicher Unterschiede und zum Umbau einer Gesellschaft eingesetzt wie der Nationalsozialismus. Dem italienischen Duce-Gruß entlehnt (und damit eine gewaltige Debatte über sein "Deutschsein" oder nicht "Nichtdeutschsein" auslösend), wurde der "deutsche Gruß" zum Wahrzeichen des Hitlerfaschismus - und schied die Geister. Denn anhand des Grußes wurde bald klar erkennbar, wer wie zum Faschismus stand - auf der Straße, im Büro, im Freundeskreis und auch zu Hause.
Tilman Allert zeigt, wie der "deutsche Gruß" erfunden und verbreitet wurde, wie plötzlich Prinzen aus Märchenbüchern und Zinnfiguren aus Regalen den Arm reckten, wie kleine Kinder im Kindergarten mit auf den Arm gehängten Brotbeuteln das "richtige" Grüßen lernten - aber auch wie und wo der Gruß verweigert und verballhornt wurde, wie kreativ der Geist des Widerstands mit ihm verfuhr und was Menschen, denen das Armheben in Fleisch und Blut übergegangen war, anstellten, um ihre Gliedmaßen im Zaum zu halten, nachdem der Krieg verloren war.


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Subtile Form der Gehirnwäsche!      4 von 5 Punkten
Tilman Allert befasst sich in diesem Buch mit der Pervertierung des Grußes in Deutschland während der NS- Zeit. Dabei geht er zunächst ausführlich auf die Bedeutung eines Grußes im Allgemeinen ein, welcher jeder Begegnung eine Form verleihen und vor allem dokumentieren soll, wie eine Beziehung untereinander wahrgenommen wird. Beim sogenannten Nazi-Gruß ging es wohl primär darum, sich bereits während der Grußhandlung dem fiktiv immer anwesenden " Führer" unterzuordnen. Wer sich verweigerte hatte mit erheblichen Strafen zu rechnen. Wann wurde dieser Gruß internalisiert, sprich innerlich aufgenommen? Was gibt es hinsichtlich der Geltungsweite und Allgemeingültigkeit der marionettenhaften Geste anzumerken? Und weiter: War der Hitler-Gruß möglicherweise ein verkleideter Schwur? Diese Fragen beantwortet Professor Allert ausführlich und zeigt dadurch dezidiert, wie die Urform humanen Austausches zur Strecke gebracht worden ist.
Man sollte sich aufgrund des betont trögen Stils des Autors nicht vom Lesen seiner bemerkenswerten Untersuchung abhalten lassen. Der Inhalt ist wirklich hochinteressant, denn er macht deutlich, wie subtil bei Gehirnwäsche vorgegangen werden kann!


Hitlers Politische Soldaten: Die Waffen-SS 1933 - 1945: Leitbild, Struktur und Funktion einer nationalsozialistischen Elite - Bernd WegnerHitlers Politische Soldaten: Die Waffen-SS 1933 - 1945: Leitbild, Struktur und Funktion einer nationalsozialistischen Elite
Bernd Wegner

Broschiert, Januar 2008
     Verkaufsrang: 165581      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 24,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Eines der umstrittensten Kapitel der Jahre 1933-1945 ist nach wie vor die Geschichte der Waffen-SS. -Soldaten wie andere auch- oder -Mörder in Uniform-. Zwischen diesen Polen schwanken die Urteile und Vorurteile. Bernd Wegners umfassende Darstellung stellt die Beurteilung von -Hitlers Elitetruppe- auf den Boden gesicherter Erkenntnis.

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Pflichtlektüre bei der Beschäftigung mit der Waffen-SS      5 von 5 Punkten
Wegners Buch ist weder eine Schlachtengeschichte noch eine Untersuchung der Greueltaten der Waf-fen-SS während des Zweiten Weltkrieges. Er behandelt die Waffen-SS unter ideologischen, strukturel-len und sozialgeschichtlichen Aspekt. Sein Werk gliedert sich in fünf aufeinander aufbauenden Kapi-teln. Zuerst wendet sich Wegner der SS-Ideologie zu. Diese sieht er in der ideengeschichtlichen Tradi-tion der ‚konservativen Revolution', welche durch semantische Begriffsverschiebungen in Bezug auf Nationalismus, Autoritarismus und Militarismus als Zeichen eines mentalen Werteverschiebungspro-zesses gekennzeichnet war. Dieser Prozess setzte sich in der Konzeption der SS als Orden fort. Der Kern der SS-Weltanschauung war jedoch der Sozialdarwinismus. Nach Auffassung der SS war die nordische Rasse die Beste. Dies sollte im politischen und militärischen unter Beweis gestellt werden. Dieser Einstellung war implizit ein Imperialismus enthalten, der keine Grenzen kannte. Der zentrale Punkt im Geschichtsverständnis der SS war, dass das Individuum als Glied einer unendlichen Kette von Ahnen und Enkeln gesehen wurde. Somit wurde der einzelne zu einem beliebigen, aber notwendi-gen, Teil der Geschichte. Dies befreite ihn von der privaten Verantwortung für sein Handeln, wenn es im ‚Willen der Geschichte' lag. Dadurch konnte die Judenvernichtung als Vollzug einer historische Notwendigkeit entprivatisiert werden. Von ganz besonderer Bedeutung für die Entwicklung der SS ist die postulierte Gleichartigkeit des Feindes.
Von der Ideologie geht er zur Organisation der SS, explizit auf die Entstehung und Entwicklung der späteren Waffen-SS. In diesem Abschnitt zeigt er die stetige Kompetenz- und Machtausweitung der SS auf, die keineswegs eine Folge zunehmender Aufgabenstellung durch den Staat war. Diese Ausdeh-nung des SS-Netzwerkes beruhte auf der Ideologie der Gleichartigkeit des Feindes, welche ein ‚Staats-schutzkorps', dass von derselben Einheit und Totalität war wie der Feind. Die SS war von ihrem An-satz her somit multifunktional und neigte zur Integration aller staatlichen Gewaltbereiche. Die spätere Waffen-SS stellte hierbei den militärischen Anspruch der SS dar.
Diese funktionale Aufsplitterung der SS bedrohte den Zusammenhalt derselben. Dieses Aufbrechen sollte durch eine standardisierte Ausbildung und Erziehung des Führernachwuchses verhindert werden. Die Maxime der Erziehung war die Gleichwertigkeit der weltanschaulichen und militärischen Ausbil-dung. Diese war jedoch im Laufe des Krieges nicht mehr durchzuhalten und somit dominierte die mili-tärische Erziehung. Die Truppenführer versuchten nun verstärkt auf informellen Wege die Gesinnung der Untergebenen zu beeinflussen. So konnte der Zusammenhalt des Ordens durch den neuzuschaffen-den SS-Führer-Typus des ‚miles politicus' nicht in dem geplanten Masse umgesetzt. Die weltanschau-liche Erziehung und ein alle relevanten SS-Organisationen beinhaltendes Laufbahnmuster musste dem aktuellen Sachzwang untergeordnet werden.
Zudem war, wie Wegner in seinem vierten Kapitel aufzeigt, die Sozialstruktur der Waffen-SS durch eine große Heterogenität geprägt. Trotzdem weist diese soziale Heterogenität ein gewisses Grundmus-ter auf. Im Laufe des Krieges kam es zu einem Generationenwechsel, in welchem das ältere, obermit-telständische und protestantische Element mit traditioneller militärischer Ausbildung durch ein unter-mittelständisches, konfessionell indifferentes und zugleich politischeres Element zurückgedrängt wur-de. Die ältere Generation, hauptsächlich von der Reichswehr oder Polizei übernommene Offiziere, waren oft die Inhaber der höchsten Rängen der Waffen-SS. Die ablösende Generation ist der truppen-eigene Nachwuchs, welcher nach den Maßstäben des Heeres nicht offiziersfähig gewesen wäre. Diese soziale Diskrepanz im Führerkorps der Waffen-SS ist auf die explosionsartige Expansion nach Aus-bruch des Krieges zurückzuführen. Zu beachten bleibt dabei trotz allem, dass der Beitritt zur Waffen-SS auch ein gesinnungspolitischer Schritt war.
Der letzte Abschnitt in Wegners Buch ist dann auch folgerichtig mit Expansion überschrieben. Die Kriegsjahre brachten der Waffen-SS eine numerische Aufblähung, was eine Destabilisierung des inne-ren Gefüges derselben zurfolge hatte. Der Führungsapparat war überfordert, die Aufgabe des Freiwil-ligkeitsprinzips bedrohte die Ordensgemeinschaft, der Ausbau zur Massenarmee bedrohte den Elite-charakter und es kam zu einem Einbruch der germanischen Freiwilligenbewegung.
Wegners Hauptanliegen in dem vorliegenden Buch ist es den Zusammenhang zwischen Ideologie und Allgemeiner SS auf der einen Seite und der Waffen-SS auf der anderen Seite aufzuzeigen. Er wendet sich damit gegen verharmlosende apologetische Schriften über die Waffen-SS, welche die Waffen-SS als ‚vierten Wehrmachtsteil' sehen. Die Waffen-SS sei als militärischer Exponent ein integraler Be-standteil des Expansionsprozesses der SS gewesen und somit ein Bestandteil der Gesamtorganisation SS. Innerhalb der Gesamt-SS stellte die Waffen-SS den Anspruch auf Ausbau und Sicherung des Rei-ches nach außen dar. Als intendiertes ‚Staatsschutzkorps' bildete die SS eine führerunmittelbare Ge-walt, die sich des staatlichen Apparates nur als Vehikel für ihre eigenen Ziele bediente. Die Entste-hung und Expansion der Waffen-SS war ein gezielter und wohlkalkulierter Akt.
Wegners Argumentation ist sehr deutlich an der Struktur seiner Arbeit zu erkennen. Er beginnt damit die ideologische Grundlage der SS aufzuzeigen und diese im Zeitgeist zu verorten - ihre für damalige Verhältnisse ‚normalen' Anstrich herauszuarbeiten. Von der Ideologie aus besieht er sich die Organisa-tion der SS. Der expansive Charakter der SS und die Idee des ‚Staatsschutzkorps' die hier deutlich wird erschließt sich eben aus der Ideologie der SS. Hier wird auch sehr gut die Verbindung der Waf-fen-SS zur Gesamt-SS herausgestellt. Somit war die Waffen-SS der militärische Exponent einer auf die Person Hitlers fixierten Führungsexekutive und weder rechtlich noch von der Entstehung ein ‚vierter Wehrmachtsteil'. Aus den Problemen die bei der Expansion in verschieden Bereichen und der Auf-splitterung der Kompetenzen entstanden leitet er über zum Kitt der die Gesamtorganisation vor dem Zerfall bewahren sollte - der Ausbildung und Erziehung, welche wiederum auf der Ideologie und dem Selbstverständnis des Ordens basiert. Er sieht sich dann in der Folge die Sozialstruktur der SS an und kommt dabei zu dem Ergebnis einer sozialen Heterogenität, die im letzten Abschnitt der Argumentati-on mit der explosionsartigen Expansion erläutert wird.
Die Teile sind in einer systematischen und logischen Reihenfolge dargelegt und es wird zum Abschluss eines jeden Abschnitts immer ein Bezug zum Erkenntnisinteresse oder vorherigen Abschnitt herge-stellt. Insgesamt verschafft die Arbeit einen guten Überblick über die Entwicklung der Waffen-SS und deren Selbstverständnis. Der sich jedoch auf einer stark theoretisch-empirischen Ebene bewegt. Trotz-dem wird immer wieder die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit innerhalb der Waffen-SS herausgearbeitet. Der Argumentation von Wegner ist zuzustimmen. Im Kapitel zur Sozialstruktur wäre eine explizitere Hervorhebung der empirischen Basis nützlich gewesen. Dies ist auch auf die Tabellen zu beziehen, da Prozentzahlen doch zu einem gewissen Masse Dingen schönen und kaschieren können.
Insgesamt ist das Buch ein sehr gelungenes Werk, welches jedem, der sich mit der Waffen-SS beschäf-tigt, ans Herz gelegt sei.


Bankiers unterm Hakenkreuz - Christopher KopperBankiers unterm Hakenkreuz
Christopher Kopper

Gebundene Ausgabe, August 2005
     Verkaufsrang: 238488      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen.

Preis: € 24,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Es ist ein dunkles Kapitel, wie sich die großen Banken aus eigenem wirtschaftlichen Interesse in die Dienste der Nationalsozialisten stellten. Kompetent und auf der Basis vieler Originalquellen analysiert Kopper, wie es so weit kommen konnte -- und sieht einen der Gründe dafür in der Bankenkrise der frühen 30-er Jahre. Viele große Banken trudelten damals an den Rand des Abgrunds, das Reich musste helfen und sanieren. Durch die Krise konnte das Reich Einfluss auf die personelle Zusammensetzung der Bankvorstände nehmen. Vor der Machtergreifung der Nazis hielt sich die große Mehrheit der Bankiers auf Distanz gegenüber den Nationalsozialisten, Antisemitismus galt als Absurdität. Doch als Hitler ans Ruder kam, hatten die Bankiers wenig Probleme mit dem neuen politischen Kurs - und entfernten in vorauseilender Anpassung an die Politik der Reichsregierung jüdische Top-Leute aus ihrem Unternehmen. “Schon im ersten Jahr der NS-Herrschaft wurden fast alle jüdischen Vorstandsmitglieder aus ihren Ämtern gedrängt”, berichtet Kopper. “Damit ging eine lange Tradition deutsch-jüdischer Bankiers zu Ende.”

In vielen einzelnen Porträts, spannend, aber ohne Historikerjargon, erzählt Kopper, was damals geschah (leider ausschließlich auf die Vorstände der Banken konzentriert - der kleine Bankangestellte ist für ihn kein Thema.) Es ist eine Lektüre, die wütend macht. Die jüdischen Mitglieder der Geschäftsleitung wurden vor vollendete Tatsachen gestellt, oft auf kränkende Weise zum Rücktritt gezwungen, Solidarität oder Mitgefühl waren rar. Manche der jüdischen Spitzenbanker schafften es, ins Ausland zu entkommen, andere wurden deportiert und kamen in Konzentrationslagern um. Derweil finanzierte allein die Dresdner Bank zahlreiche Enteignungen jüdischen Eigentums und gründete sogar eine spezielle “Arisierungsabteilung”, was heute wie eine grausige Parodie des Business-as-usual erscheint. Die SS wurde einer der Großkunden der Dresdner Bank, und auch von den anderen Banken lehnte es keine ab, Geschäfte mit den neuen Machthabern zu machen. Im Gegenteil, denn die Rendite stimmte. Viele Bankiers, die im Dritten Reich eifrig mitgemischt hatten, konnten ihre Karriere nach dem Krieg erschreckend problemlos fortsetzen: die “Entnazifizierung” der Bankenelite durch die aliierten Besatzungsmächte und die deutschen Behörden war widersprüchlich, oft inkonsequent und stellenweise, so Kopper, eine Farce. Poetische Gerechtigkeit gibt es eben doch nur im Roman. -- Nina Hesse



Totenwagen: Kindheit am Spiegelgrund. Mit einer historischen Nachbetrachtung von Peter Malina - Alois KaufmannTotenwagen: Kindheit am Spiegelgrund. Mit einer historischen Nachbetrachtung von Peter Malina
Alois Kaufmann

Gebundene Ausgabe, Oktober 2007
     Verkaufsrang: 271160      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 19,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Als die Pflegemutter mit ihm nicht mehr zurecht kommt, gibt sie ihn bei der Kinder-Übernahmestelle ab. Alois Kaufmann kommt in die "Fürsorgeanstalt am Spiegelgrund" in Wien, heute "Am Steinhof". Er war ein "schwer erziehbares" Kind. Es war das Jahr 1943 und die autoritäre "Fürsorge-Erziehung" vermischte sich mit der Ausgrenzungsideologie der Nationalsozialisten. "Nicht normale" Kinder sollen "normal" gemacht werden - oder sie werden als "unwertes Leben" umgebracht. Der neunjährige Alois durchlebt das Eingesperrt-Sein, die erbarmungslose Disziplin, die Erniedrigungen und Entwürdigungen der "Zöglinge". In diesem Buch beschreibt er das, was er zwischen 1943 und 1945 erlebte und viele andere nicht überlebten, aus der Sicht eines Kindes. Seine Ängste, die Entwürdigungen, die Gewalt der Kinder untereinander, ihre Überlebensstrategien werden dabei erschreckend deutlich und nachempfindbar. Und er schildert auch die Ärzte und Schwester in Weiß mit ihren Spritzen, die über Leben und Tod der
Kinder entschieden. Unter ihnen auch Heinrich Gross. Kaufmann beschreibt seinen Schreibprozess als "... jetzt raspel ich mir das ab von der Seele - ohne daran zu denken, was daraus werden könnte." Es wurde ein berührender Bericht, der sowohl dem eigenen Nicht-Kind-Sein-Dürfen ein Mahnmal setzt, wie auch "diesen armen Hunden, die am Spiegelgrund umgekommen sind".


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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Erschütternd      5 von 5 Punkten
Dieses Buch ist wirklich erschütternd. Herr Kaufmann schreibt sich darin seien Erlebnisse in der NS-Erziehungsanstalt "Am Spiegelgrund" von der Seele.

Als seine damalige Pfelegemutter (er wurde direkt nach seiner Geburt von seiner leiblichen Mutter zur Pflege gegeben) mit ihm überfordert ist, gibt sie ihn in einer Sammelstelle für schwererziehbare Kinder ab. Von dort kommt er in die Anstalt "Am Spiegelgrund", wo er einige Wochen im berüchtigten Pavillion 15 und die meiste Zeit im Pavillon 18 verbringt. Die "Erziehungsmethoden" beschreibt er sehr detaillgenau, z.B. das stundenlange Strafstehen am Flur oder das Strafstehen eines Mitzöglings bei eisiger Kälte im Freien. Auch körperliche Züchtigungen gab es dort mehr als häufig, was ebenfalls sehr detaillgenau beschreiben wird.

Alois Kaufmann beschreibt aber auch, wie es war, als er den Totenwagen geöffnet hat und die Leiche eines Mitzöglings vorfand. Er berichtet auch über eine Lehrerin der Sonderschule, die sich den Kindern gegenüber so ziemlich als Einzige menschlich verhalten hat, neben einer Erzieherin, die auch nett zu den Kindern war.

Alois Kaufmann hat das Buch im Eigenverlag herausgebracht. Das Nachwort zur 2. Auflage stammt von Pater Malina, der sich sehr genau mit diesem Thema beschäftigt.

Ich habe dieses Buch in 1 Tag gelesen, ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen. Für alle, die sich für dieses lange verschwiegene dunkle Kapitel der Kinder-Euthanasie interessieren, ist es neben dem Buch von Johann Gross (Spiegelgrund: Leben in NS-Erziehungsanstalten) sehr empfehlenswert. Aus diesen Büchern erhält man Informationen aus erster Hand, da die Autoren das Schreckliche selbst erlebt haben. Sehr empfehlenswert!


Das letzte Tabu. NS-Militärjustiz und Kriegsverrat - Wolfram Wette; Detlef VogelDas letzte Tabu. NS-Militärjustiz und Kriegsverrat
Wolfram Wette; Detlef Vogel

Gebundene Ausgabe, 20. Juli 2007
     Verkaufsrang: 309159      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 24,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Im Mai 2002 rehabilitierte der Deutsche Bundestag pauschal die Deserteure der Wehrmacht, »Kriegsverräter« sparte er aus. Die hier dokumentierten 33 Urteile der NS-Militärjustiz schaffen die Voraussetzung für eine sachgerechte Aufarbeitung eines längst überfälligen Themas. Die meisten der wegen Kriegsverrats verurteilten Wehrmachtsoldaten waren kleine Leute in Uniform, die, ähnlich wie die Kriegsdienstverweigerer, Deserteure und Wehrkraftzersetzer,Widerstand gegen Hitler und den Vernichtungskrieg zu leisten versuchten. Einige von ihnen gingen in bewaffnete Widerstandsgruppen, andere fielen durch oppositionelle Gesinnung auf. Eine Kollaboration mit den Kriegsgegnern Deutschlands war den wenigsten möglich. Nicht selten entstand das Delikt »Kriegsverrat« erst in den Köpfen der Kriegsrichter: Sie konstruierten aus widerständigen Handlungen eine Begünstigung des Feindes. Vielfach reichte zu einem Todesurteil, wenn einer Kommunist, Sozialist oder Pazifist war und Kriegsgefangenen oder Juden geholfen hatte. Warum wurden sie bis heute nicht rehabilitiert?



Der Doppelstaat - Ernst FraenkelDer Doppelstaat
Ernst Fraenkel

Taschenbuch, 15. Februar 2001
     Verkaufsrang: 309111      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Der deutsche Jude, Rechtsanwalt und Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel (1898-1975) hat nicht nur zu den politischen Systemen der Weimarer Republik, der Bundesrepublik Deutschland und den USA scharfsichtige Studien publiziert, die für Generationen von Studenten zur Pflichtlektüre gehörten. Unter dem Titel The Dual State hat er 1941 im amerikanischen Exil, in das er 1938 geflohen war, vor allem die einzige wissenschaftliche Untersuchung über das politische System des NS-Staates vorgelegt, die in der "inneren Emigration" entstanden ist.

Das noch in Deutschland abgeschlossene erste Manuskript gelangte über französisches Diplomatengepäck ins westliche Ausland. Die deutsche Ausgabe erschien erstmals 1974. Bereits 1951 war der Autor auf Drängen des damaligen Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses Otto Suhr nach Deutschland zurückgekehrt, wo er bis 1967 an der Freien Universität Berlin lehrte. Da das deutsche Originalmanuskript verloren gegangen war, musste das Werk ins Deutsche rückübersetzt werden. Eine Aufgabe, die Fraenkel selbst zu übernehmen um keinen Preis bereit war. In einem Brief an seinen Verleger begründete er dies damit, er habe für die Studie seinerzeit "die einschlägige Literatur bis zum physischen Ekel gelesen" und könne es nicht über sich bringen, "nochmals in die 'Materie' hinein[zu]steigen".

Der nationalsozialistische Staat zerfiel, wie Fraenkel in Der Doppelstaat anhand akribisch detaillierter Quellenauswertung belegt, in zwei voneinander strukturell grundverschiedene, aber symbiotisch aufeinander bezogene Systeme. An die Stelle des im NS-System aufgegebenen Rechtsstaatsprinzips trat der "Normenstaat", dessen Aufgabe es war, das Weiterfunktionieren der kapitalistischen Wirtschaft für den nicht verfolgten Teil der Bevölkerung zu gewährleisten. Demgegenüber richtete sich der "Maßnahmenstaat" mit Hilfe von Notstandsverordnungen aber auch blanker Willkür gegen die als "Feinde des Regimes" definierten Bevölkerungsgruppen. Einziges Kriterium des Maßnahmenstaates war das der politischen Opportunität. --Andreas Vierecke



Ein Volk, ein Reich, ein Kino: Lichtspiel in der braunen Provinz - Bernd KleinhansEin Volk, ein Reich, ein Kino: Lichtspiel in der braunen Provinz
Bernd Kleinhans

Gebundene Ausgabe, April 2003
     Verkaufsrang: 172898      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 14,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Ein besonders wirksames Instrument der Massenbeeinflussung stellte im Dritten Reich der Film dar. Dementsprechend nahmen die Kinos eine Schlüsselstellung im NS-Propagandakonzept ein. Zu Lichtspieltheatern aufgewertet, wurden sie zu nationalsozialistischen Kultorten umfunktioniert. In Ortschaften ohne eigenes Kino übernahmen die Gaufilmstellen der NSDAP diese Funktion. Mit Hunderten mobiler Wanderkinos wurde das ganze Reich gerade auch außerhalb der Großstädte flächendeckend mit Propagandafilmen bespielt. Kino und Film sollten in einem zentral gelenkten Propagandaapparat gleichgeschaltet werden. Bernd Kleinhans geht dieser vernachlässigten Geschichte des Kinos nach und zeigt, wie auch vordergründig unpolitische Filme für die NS-Propaganda eingesetzt wurden. Er gibt einen Überblick über die NS-Film- und Kinopolitik und liefert einen fundierten Beitrag zur Mediengeschichte des Dritten Reichs

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NS Kino in der Provinz      5 von 5 Punkten
Ein besonders wirksames Instrument der Massenbeeinflussung im Dritten Reich war der Film. Als modernstes Massenmedium der Zeit sprach das Kino vor allem die Emotionen der Menschen an. Weit mehr als Presse oder Rundfunk wurde er so zum idealen Mittel, Feindbilder zu erzeugen, Bewunderung und Verehrung für das Regime und seinen Führer Hitler zu erwecken. Auf Betreiben des Propagandaministers Joseph Goebbels begann bereits unmittelbar nach der Machtübernahme der Zugriff auf die Filmwirtschaft. Das betraf zunächst die Filmproduktion: Eine strenge Zensur sorgte dafür, dass nur noch vom Regime akzeptierte Filme zur Vorführung kamen. Alle Filmschaffenden mussten überdies Mitglied in der neu geschaffenen "Reichsfilmkammer" werden. Wer politisch nicht genehm war, ob als Schauspieler, Drehbuchautor oder Kameramann, wurde ausgeschlossen und erhielt Berufsverbot.
In seinem Buch zeigt der Historiker Bernd Kleinhans, dass der Machtanspruch sich nicht auf eine regimekonforme Filmproduktion beschränkte: Das gesamte System der mehr als 5000 Lichtspieltheater im Reich sollte zu einem einheitlichen und zentral gelenkten Propagandaapparat gleichgeschaltet werden. Man wusste im Propagandaministerium nur zu gut, dass die Wirksamkeit eines politischen Films nicht nur von Drehbuch und Inszenierung, sondern ebenso von der Präsentation vor Ort abhing. Nur wenn die Kinobetreiber einen Film zu einem lokalen Ereignis machten, konnte er die gewünschten Effekte entfalten. Die Kinos waren nach NS-Verständnis eben nicht bloße Abspielstätten, sondern Zentren der nationalsozialistischen Volkskultur. Das galt gerade für die Provinz. Fernab von den Metropolen sollten die Kinos etwas vom "schönen Schein" des Dritten Reiches vermitteln, nicht zuletzt mit Filmberichten über Parteitage, Kundgebungen und natürlich mit Filmbildern des Führers. "Der Kinosaal", so Kleinhans, "wurde zum Ort der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft, wo der Führer durch seine übergroße Leinwandchimäre das Volk beherrschte." Dabei widerlegt Kleinhans das verbreitete Klischee vom Kino der 30er und 40er Jahre als einer rein großstädtischen Angelegenheit: Vielfach übertrafen kleine Provinzstädte in punkto Kinodichte und Besuchshäufigkeit sogar die Metropolen wie Berlin in Hamburg. So hatte Berlin beispielsweise zwar eine hohe Kinoversorgung von 46 Kinoplätzen pro 1000 Einwohner, wurde darin aber sogar von kleinen Städten wie Husum oder Kempten überboten. Selbst das flache Land ohne eigene Kinos wurde mit Filmen versorgt. Hier übernahmen mobile Filmtrupps der Parteifilmstellen diese Aufgabe. Mehr als 800 Tonfilmwagen - komplett ausgestattete rollende Kinos - sorgten dafür, dass auch in den abgelegenen Regionen Thüringens oder des bayerischen Waldes wenigstens monatlich ein Film zu sehen war. Entsprechend umfassend war der Zugriff auf die Kinobetreiber. Wie die Filmschaffenden mussten auch die Kinobetreiber in der Reichsfilmkammer Mitglied werden und ihnen drohte bei nicht parteikonformem Verhalten ebenso rasch Berufsverbot wie den Filmproduzenten. Bei den Kinobetreibern ging man sogar noch einen Schritt weiter: Die NSDAP bestellte in den Gauen eigene Filmstellenleiter, die als regionale Beauftragte der Reichsfilmkammer praktisch den Kinos vor Ort vorgesetzt waren.
Eine Flut von immer neuen Regelungen schränkte die Kinos zunehmend ein. So gab es detaillierte Vorschriften, wie hoch die Preise sein durften, an welchen Orten neue Kinos zugelassen werden konnten, wie Filme beworben und teilweise sogar, welche Filme abgenommen werden mussten. Zu Sonderveranstaltungen wie Schulfilmstunden und Filmvolkstagen waren die Kinobetreiber sogar gezwungen, ihre Theater kostenlos zur Verfügung zu stellen. Wehren konnten sich die Kinobetreiber kaum: Anordnungen der Filmkammer hatten Verordnungs- teilweise sogar Gesetzescharakter. Überwacht wurde die Einhaltung der Anweisung daher nicht nur von der Kammer und der Partei, sondern auch von der örtlichen Polizei. Viele Filmvorführungen, insbesondere der sogenannten "staatspolitisch wertvollen" Filmen, wurden zu diesem Zweck als regelrechte Kultfeiern durchgeführt: Tage zuvor wurde in Zeitungsberichten die Bevölkerung auf das bevorstehende Ereignis eingestimmt. Am Tage des eigentlichen Kinoereignisse wurden die Theater meist schon an der Außenfront mit riesigen Hakenkreuzfahnen geschmückt, die Innenräume waren ebenfalls mit NS-Flaggen und Grünschmuck ausgestattet. Vor der eigentlichen Filmvorführung spielte das Orchester irgendeiner lokalen NS-Formation und dann sprach ein hoher Funktionär - meist der Kreis- oder Ortsgruppenleiter zur Einfüührung. Und nach der Filmvorführung wurde das Publikum erst nach Absingen gemeinsamer Lieder entlassen. Auch für solche Kultfeiern gab es eigene Richtlinien und Vorschriften der Reichsfilmkammer.
Ein besonders düsteres Kapitel der NS-Kinopolitik im Dritten Reich behandelt Kleinhans auch: Die Verfolgung und Vertreibung jüdischer Kinobetreiber: Obgleich vermutlich nicht einmal 2% aller Kinos in Deutschland von Juden betrieben wurden, waren sie nach 1933 den Repressionen der neuen Machthabern besonders ausgesetzt. Gerade in der Provinz waren die kleineren Kinobetreiber oft besonders dem Terror der lokalen Machthaber ausgesetzt, waren sie vor Ort doch die einzig greifbaren Vertreter der angeblich von Juden beherrschten Filmwirtschaft. Auch die Kinos waren bereits 1933 in die Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte einbezogen. Nach und nach wurden Juden zur Aufgabe ihrer Lichtspieltheater gezwungen. Am Ende gab es sogar ein Verbot für Juden, Kinos zu besuchen. Die umfassende Studie wird vervollständigt durch die Analyse einiger Filmbeispiele. Am Beispiel Leni Riefenstahls Parteitagsfilm "Triumph des Willens" zeigt der Autor, wie das Kino auch die Funktion hatte, die Provinz an die Machtzentrale anzubinden: Durch ständige optische Präsentation des "Führers" im ganzen Reich, konnte die Gefolgschaft des Hitlerstaates auch in den Regionen gesichert werden, in denen er persönlich nie auftrat.
Weitere Analysen beschäftigen sich mit der Wochenschau, antisemitischer Filmpropaganda. Am Beispiel der Heinz-Rühmann-Komödien zeigt Kleinhans, wie die Strategie einer verdeckten Propaganda in scheinbar unpolitischen Filmen funktionierte. Typische Probleme des NS-Staates - Machtlosigkeit des Einzelnen oder der Wunsch aus Zwang und Befehl auszubrechen - werden hier aufgegriffen und in ein unpolitisches Milieu der Ökonomie oder des Privaten übetragen. Nahezu alle Rühmann-Komödien, so Kleinhans, zeigen eine ähnliche Struktur: Ein aufbegehrendes Individuum gliedert sich am Ende wieder freiwillig in eine größere Gemeinschaft an, die in diesen Filmen immer für die Volksgemeinschaft steht. Kleinhans beleuchtet mit "Ein Volk, ein Reich, ein Kino" nicht nur bisher wenig berücksichtigte Aspekt der Kinogeschichte im Dritten Reich. Es ist zugleich ein hervorragender Überblick über die Film- und Kinopolitik der braunen Machthaber. Ausgewiesenen Filmhistorikern wird dieser Band ebenso nützlich sein wie allen Interessierten, die sich einen Überblick über das wichtigste Propagandainstrument des NS-Staates verschaffen wollen. Trotz ausführlicher und genauer Quellenbelege ist das Buch spannend zu lesen: Sehr empfehlenswert.


Der Tote im Bunker: Bericht über meinen Vater - Martin PollackDer Tote im Bunker: Bericht über meinen Vater
Martin Pollack

Broschiert, Dezember 2006
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Sbarramento di Brennero/Sperre am Brenner: Am Eingang eines Bunkers an der österreichisch-italienischen Grenze wird am 6. April 1947 die Leiche eines Mannes entdeckt. Der Tote weist zwei Kopfschüsse und einen Schuss in die Brust auf. Unter seinen Habseligkeiten finden die Carabinieri einen Ausweis, der sich rasch als Fälschung herausstellt. Nachforschungen, ausgehend von einer Tätowierung am linken Oberarm und Schmissen im Gesicht, ergeben die wahre Identität des Toten: Dr. Gerhard Bast, geboren 1911 in der Gottschee, SS-Sturmbannführer, Mitglied der Gestapo, von der Bundespolizeidirektion Linz auf der Fahndungsliste für Kriegsverbrecher geführt. Mehr als ein halbes Jahrhundert später fährt Martin Pollack nach Südtirol, um die Umstände dieses Todes zu eruieren. Lange hat er gezögert, weil er ahnte, dass er bei dieser Spurensuche auf Dinge stoßen wird, die seine schlimmen Erwartungen noch übertreffen. Gerhard Basts gewaltsamer Tod steht am Ende eines Lebens, in dem Gewalt eine wichtige Rolle spielte, und er steht am Anfang eines Berichts, der mit schier ungeheurer Intensität einem Menschen nachspürt. Martin Pollack hat diesen Menschen kaum gekannt, doch er stand ihm nahe wie sonst niemand - es war sein eigener Vater.

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)

Im Sog der Zeit      5 von 5 Punkten
Martin Pollack recherchiert die Lebengeschichte seines Vaters, Offizier in SS, SD und Gestapo-Leiter von Linz. Interessant sind in diesem ausgezeichnet geschriebenen Buch zwei Ebenen. Zum einen gelingt es Pollack seinen Vater und somit die Nazi-Generation nicht isoliert zu betrachten, wie das so oft vorkommt. Er schreibt nicht "vorher gut - dann die Nazis - nachher alles wieder gut", sondern leitet sehr anschaulich ab, wie diese Entwicklung vonstatten ging. Schon der Großvater von Pollack war Nazi (illegaler), daher auch der nacheifernde Sohn und sein Bruder. Es war der Aufbruch in eine - so hofften wohl manche - neue Zeit, lemminghaft sind alle mitgelaufen und haben es sich gerichtet. Karrieretypen haben auch hier Karriere gemacht und wurden somit zu den Ober-Verbrechern. Nach dem Krieg, nach der Ermordung seines Vaters: Bei seiner Großmutter und bei seinem Großvater von Einsicht keine Spur, nur reden darf man halt nicht mehr drüber. Nichts gehört, nichts gesehen, nichts gewußt.

Die zweite Ebene ist diejenige einer Familientragödie. Denn Pollacks Vater ist eigentlich ein Ehebrecher, der in die intakte Ehe seiner Mutter mit dem viel älteren Herrn Pollack einbricht. Die junge Mutter fühlt sich offenbar durch den schneidigen Karrierenazi so angesprochen, dass sie ringsherum alles vergißt und "überläuft", Pollacks Vater noch wenige Monate vor Kriegsende heiratet. Nach dem Krieg, auch hier Verdrängung, kehrt sie zum ursprünglichen Ehemann zurück. Nie spricht sie mit Pollack über den leiblichen Vater, erst spät erfährt er seine eigene Geschichte.

Was lernen wir aus Pollacks erstklassigem Buch? Wie Zahnräder greifen die Entwicklungen dieser Zeit ineinander, man hat fast den Eindruck, dass ein Entrinnen unmöglich war. Der Mensch passt sich an alles an und verhält sich im Grunde immer gleich. Ein nicht sehr beruhigendes Gefühl, denn eine Wiederholung erscheint somit möglich.


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Nationalsozialismus und Faschismus in Tirol und Südtirol: Opfer - Täter - Gegner - Horst SchreiberNationalsozialismus und Faschismus in Tirol und Südtirol: Opfer - Täter - Gegner
Horst Schreiber

Gebundene Ausgabe, November 2007
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Preis: € 24,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Die Geschichte des Nationalsozialismus und Faschismus in Tirol und Südtirol neu erzählt  speziell für junge Leserinnen und Leser, aber auch für interessierte Erwachsene. 48 Biografien von Menschen, die sich schuldig machten, verfolgt wurden, ihrer Überzeugung und ihrem Glauben treu blieben, Widerstand leisteten oder zwischen Zustimmung, Wegschauen und Ablehnung schwankten. 260 Abbildungen und ein ausführliches Begriffslexikon, die Geschichten erzählen und Hintergrundinformationen vermitteln. Mit einem Beitrag von Gerald Steinacher und Philipp Trafoier zu Südtirol. Themen: Tirol 1918-1938, NS-Machtübernahme, Aufbruchstimmung, Jugend und Schule, Heimatfront, Zwangsarbeit, das Arbeitserziehungslager Innsbruck-Reichenau, NS-Euthanasie, Verfolgung der Roma, Sinti und Jenischen, Der Völkermord an den Jüdinnen und Juden, Widerstand und Befreiung, Von der NS-Vergangenheit zur Gegenwart, Die Abtrennung von Südtirol, Südtirol im Faschismus, Südtirol während der NS-Herrschaft, der Kampf um Autonomie.



Von der Abwesenheit des Lagers. Reflexionen zeitgenössischer Kunst zur Aktualität des Erinnerns - Christiane MennickeVon der Abwesenheit des Lagers. Reflexionen zeitgenössischer Kunst zur Aktualität des Erinnerns
Christiane Mennicke, Silke Wagler

Broschiert, Oktober 2006
     Verkaufsrang: 190159     

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Die Ausstellung "Von der Abwesenheit des Lagers. Reflexionen zeitgenössischer Kunst zur Aktualität des Erinnerns" präsentierte zwioschen März und Mei 2006 eine internationale Auswahl künstlerischer Positionen, die sich mit der Erinnerung an die NS-Zeit beschäftigten und eine konstruktive wie kritische Auseinandersetzung mit etablierten Ritualen des Gedenkens nahe legten. Der Begriff des Lagers steht hier nicht nur für die räumliche Präsenz von Konzentrations- und Zwangsarbeiter/innenlagern der NS-Zeit, sondern bildet eine metaphorische Klammer in Hinblick auf die prinzipielle und schrittweise Entrechtung menschlichen Lebens. Diese wurde unter anderem durch den den italienischen Philosophen Giorgio Agamben erfasst und in den Dresdner Tagebüchern Victor Klemperers eindringlich beschrieben. Der Katalog dokumentiert die Ausstellung wie auch das Vortragsprogramm im Rahmen der Ausstellung. Während die Ausstellung exemplarisch auf die Aktualität des Erinnerns in Deutschland und Europa einging, fokussieren die Textbeiträge zu exemplarischen Themenfeldern eine kritische Auseinandersetzung mit den historischen Entwicklungen in BRD und DDR wie auch den aktuellen Tendenzen in der Gedenkkultur des wiedervereinigten Deutschlands vor dem Hintergrund von Dresden. Die in der Publikation zusammengefassten Vortragsthemen von unterschiedlichen Autor/innen beleuchten verschiedene Schwerpunktthemen: Außenlager der Konzentrationslager in ganz Europa wie auch in Sachsen (Hans Brenner/Cord Pagenstecher), die frühe Dresdner Ausstellung "Entartete Kunst" (1933) als einflussreiches Modell für die NS-Kulturpolitik der Folgejahre (Christoph Zuschlag), die Rezeption der Lager-Erfahrung in Literatur (Simone Barck) und Film (Günther Agde) der DDR und auch ihre Verdrängung, sowie die Tendenzen in der Rezeption des neueren deutschen Films (Tobias Ebbrecht) wie auch die Frauenkirche als Beispiel der Konstruktion der Erinnerung und des Vergessens (Gerhard Vinken, Gerhard Lindemann und Anja Pannewitz) sind Gegenstand der Beiträge der Autor/innen. Die fortdauernden Fragen an eine lokale Gedenkkultur zwischen revisionistischer Vereinnahmung und unhinterfragter Etablierung eines Diskurses nationaler Opfer des Zweiten Weltkrieges anhand der jährlichen Gedenkrituale der Bombardierung Dresdens im Februar 1945 bildeten den Ausgangspunktes dieses Projektes, welches einen Beitrag gegen die Normalisierung solcher Tendenzen leisten sollte. Beteiligte Künstler/innen: KATALIN BÓDI, RAINER GANAHL, JOCHEN GERZ, JÖRG HEROLD, HORST HOHEISEL, FRANCIS HUNGER, GYÖNGYI KALÁNYOS, BERND KILIAN, KLUB ZWEI, ULRIKE KUSCHEL, MICHAELA MELIAN, ULRIKE MUNDT & SVEA DUWE FÜR STAFETA, HENRIK OLESEN, OMARA, BARAK REISER, TIM SHARP, MARTIN SCHMIDL, JOSEF STRAU, LUC TUYMANS, MONIKA WEISS, ANNETTE WEISSER, JAN WENZEL, ARTUR ZMIJEWSKI. Kuratorisches Team: Christina Beifuss, Maja Linke, Kathrin Krahl, Christiane Mennicke, Silke Wagler



Täterschaft - Strafverfolgung - Schuldentlastung: Ärztebiografien zwischen nationalsozialistischer Gewaltherrschaft und deutscher Nachkriegsgeschichte - Täterschaft - Strafverfolgung - Schuldentlastung: Ärztebiografien zwischen nationalsozialistischer Gewaltherrschaft und deutscher Nachkriegsgeschichte

Broschiert, März 2008
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Im vorliegenden Tagungsband werden anhand von ausgewählten Ärztebiografien Aspekte von Täterschaft im Rahmen der NS-Gesundheitspolitik und von Strafverfolgung nach 1945 in beiden deutschen Staaten und Österreich untersucht. Insbesondere anhand der Nachkriegsschicksale werden Mechanismen der individuellen Schuldentlastung und kollektiven Verdrängung dokumentiert, die eine intensive Auseinandersetzung innerhalb der Ärzteschaft und der Öffentlichkeit verhinderten. So konnten viele der Ärzte nach 1945 ihre Karriere bruchlos fortsetzen, angestrengte Strafverfahren wurden nicht selten eingestellt. Neben diesen deutschen bzw. österreichischen Entwicklungen gehen die Autoren des Bandes aber auch auf die Ahndung von NS-Medizinverbrechen durch die sowjetische Besatzungsmacht anhand biografischer Beispiele ein; aktuelle Fragen des Umgangs mit derartigen Urteilen werden diskutiert. Über die Täterforschung hinaus ist dieser Sammelband aber auch als ein Beitrag zur Diskussion des Umgangs mit den Täterbiografien in Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus zu verstehen, wirkten doch die meisten der hier vorgestellten Täter an Orten, an denen sich heute Gedenkstätten befinden.



Hitler: Hitler 1936 - 1945 - Ian KershawHitler: Hitler 1936 - 1945
Ian Kershaw

Taschenbuch, Mai 2002
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Preis: € 25,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Das Warten hat sich gelohnt. Mit einem Jahr Verspätung hat Ian Kershaw sein 1998 erschienenes, viel gelobtes Buch Hitler 1889-1936 durch einen zweiten Band ergänzt, der die Jahre 1936-1945 behandelt. Auf gut 1000 Seiten (zuzüglich 300 Seiten Anhang) schildert der britische Historiker den Aufstieg des Diktators zum Zenit der Macht und seinen jähen Absturz bis zum bitteren Ende im Bunkerlabyrinth unter der Berliner Reichskanzlei. "Nemesis" lautet der Untertitel des englischen Originals -- nach der griechischen Rachegöttin, die die Hybris von Krieg und Holocaust unbarmherzig verfolgt haben würde.

Kershaws grandioses Meisterwerk stellt eine beträchtlich erweiterte Synthese seiner auch fürderhin unbedingt lesenswerten Bücher Der NS-Staat, Hitlers Macht und Der Hitler-Mythos dar. Der international anerkannte NS-Experte, Jahrgang 1943, besticht dabei einmal mehr durch seine erfrischend unbefangene Sicht der Dinge bei einem Thema, das gerade für deutsche Kollegen mit einer Vielzahl tückischer Fußangeln behaftet ist.

Welcher Biograf könnte es sich hierzulande etwa erlauben, den Initiator des größten Völkermordes nicht als Monstrum, sondern als Mitleid heischende, tragische Figur darzustellen, die gefangen in der selbstinszenierten Rolle des sagenumwobenen Führers in wohlkalkulierter Weltentrücktheit das deprimierende Leben eines einsamen Wolfes fristete? Wer aus dem Volk der Täter könnte wie Kershaw daran zweifeln, dass Hitler ein perverser Psychopath war und ihn nur als wirrköpfigen Sonderling abtun? Wer könnte gar ungestraft den persönlichen Anteil des Chefideologen des Rassenwahns an den ungeheuren Verbrechen gegen die Menschlichkeit relativieren und diese als dynamische Exzesse, der um die Gunst des Führers buhlenden Lehensträger deuten? Ganz zu schweigen vom Aufschrei der Empörung, wenn ein Deutscher behaupten würde, Hitler habe sich bei seinen Herrenrasse-Fantasien vom Auftreten der britischen Kolonialherren in Indien inspirieren lassen.

Ian Kershaw ist mit seinem monumentalen Werk über Adolf Hitler der ganz große Wurf gelungen. Er kann nun mit Fug und Recht beanspruchen, die ultimative Monografie über die unheilvollste Gestalt der Neuzeit verfasst zu haben. --Roland Detsch

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Hitler, Politiker und Vabanquespieler      5 von 5 Punkten
Nach schon recht umfangreichen Hitlerbiographien von Werner Maser, Joachim Fest, John Toland legte der bekannte englische Historiker und Professor für neuere Geschichte, Ian Kershaw, als Letzter sein zweibändiges Standardwerk in hervorragender deutscher Übersetzung mit nicht weniger als gut 2000 Seiten und einem Registerband vor. Das umfangreiche Werk, gut lesbar, überzeugt selbst in den noch nicht bekannten Details und läßt den geschichtlich Interessierten den ganzen Umfang des Dramas in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ungeschminkt nachempfinden. Bei aller Genauigkeit der Darstellung jener Zeit, fehlt aber völlig der Hinweis, dass bei Beginn des Rußlandfeldzuges 1941
das deutsche Heer auf ein in Angriffsposition gegliederte "Rote Armee"
stieß, die noch nicht voll abgeschlossen war, aber die Absicht des Diktators Stalin schon zuverlässig erkennen ließ. (Joachim Hoffmann, "Stalins Vernichtungskrieg 1941-1945, Planung, Ausführung und Dokumentation, erschienen bei Herbig. Walter Post, "Unternehmen Barbarossa", deutsche und sowjetische Angriffspläne 1940/41, Verlag ES Mittler)


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Der Sport-Führer. Die Legende um Carl Diem - Achim LaudeDer Sport-Führer. Die Legende um Carl Diem
Achim Laude, Wolfgang Bausch

Taschenbuch, August 2000
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Dieses Buch dürfte im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele für Diskussionen sorgen. Carl Diem, Olympia-Organisator von 1936 und Gründer der Sporthochschulen Berlin und Köln, gilt bis heute als legendäre Figur der deutschen Sportgeschichte. Weniger bekannt sind seine damaligen Annähe- rungen an die nationalsozialistische Ideologie. Diems Mythos geriet ins Zwielicht, als sich der ehemalige ZDF-Chefredakteur Reinhard Appel an eine pathetische Durchhalterede Diems vom...

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Ausführlich, äußerst interessant, kritisch!      5 von 5 Punkten
Es ist schon erstaunlich, was in diesem Buch so alles aufgedeckt wird. Sehr erstaunlich, wie Laude und Bausch an ein solches Thema rangehen. Verwunderlich, dass sich vorher noch keiner so wirklich an das Thema rangewagt hat, wo es doch so sehr interessant ist.

Pflichtlektüre für Sportstudenten      5 von 5 Punkten
Der Geist längst vergangen geglaubter Zeiten ist in der Sporthochschule frisch wie ehedem. Die Gründe hierfür zeigt dieses Buch auf. Es enträtselt das ganz und gar nicht in das heutige Verständnis von Forschung und Lehre passende Gehabe dieser kleinen Hochschule, die allenfalls die Größe einer Fakultät der Uni Köln erreicht, in die sie integriert gehört, um sich endlich jenes Geists zu entledigen, den die Autoren in höchst verdienstvoller und couragierter Weise entlarven. Um des Sports willen: "Carpe Diem" (= die nach ihrem Gründer benannte Studentenzeitung) hat ausgediemt!


Auschwitz, 17. Juli 1942. 20 Tage im 20. Jahrhundert. Der Weg zur europäischen 'Endlösung der Judenfrage' - Hans MommsenAuschwitz, 17. Juli 1942. 20 Tage im 20. Jahrhundert. Der Weg zur europäischen 'Endlösung der Judenfrage'
Hans Mommsen

Gebundene Ausgabe, Mai 2002
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Der Sommer 1942 markiert den tragischen Höhepunkt der Vernichtungspolitik der Nazis gegen die in ihrem Einflussgebiet lebenden Juden. Ihr Herrschaftsgebiet "judenfrei" zu machen waren sie ebenso fest entschlossen wie dazu, es weiter zu vergrößern. Am 17. und am 18. Juli 1942 inspizierte der Reichsführer-SS Heinrich Himmler das Konzentrationslager Auschwitz. Er tat dies einerseits, um die Möglichkeiten zu eruieren, Auschwitz-Birkenau zum zentralen Umschlagplatz von Häftlingen für die Versorgung der Rüstungsindustrie mit zwangsverpflichteten Arbeitskräften zu machen. Andererseits wollte er sich per Augenschein ein Bild machen von der Effektivität des "Vergasungsverfahrens" durch den Einsatz von Zyklon B. Der Ausbau dieses neuen Verfahrens sollte die Vernichtung aller nicht (mehr) arbeitsfähigen oder für bestimmte Arbeiten benötigten Häftlinge zeitnah gewährleisten.

Auschwitz steht als Symbol, der 17. Juli 1942 als Datum für die endgültige Entfesselung der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. In den Tagen nach dem 17. Juli besuchte Himmler weitere Vernichtungslager: Auch in Belzec und Sobibor begutachtete er die Effektivität von Selektion und Vernichtung, um danach anzuordnen, die "Umsiedlung" der gesamten jüdischen Bevölkerung aus dem Generalgouvernement sei bis zum 31. Dezember des Jahres abzuschließen.

Hans Mommsen zeichnet die Genese des dem Vernichtungswahn zugrunde liegenden nationalsozialistischen Antisemitismus nach. Angefangen von den antijüdischen Ressentiments in der Weimarer Republik, die sich die Nationalsozialisten in ihrer Aufstiegsphase zu Nutze machten, über die "Nürnberger Gesetze", die Ausschaltung der Juden aus sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens, die Umsiedlungspolitik im Dienste einer "territorialen Lösung der Judenfrage", den Rassenvernichtungskrieg gegen die Sowjetunion bis hin zu Auschwitz. Die Lektüre eines Buches zu diesem Thema kann kein Vergnügen sein. Trotzdem verdient der Autor Lob: Ihm ist trotz des knappen Raums, der ihm für diesen Band der Reihe 20 Tage im 20. Jahrhundert zu Verfügung stand, eine ausgesprochen überzeugende Zusammenfassung der komplexen Geschehnisse gelungen, die zur Entfesselung des Holocausts geführt haben. --Andreas Vierecke

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Hervorragend      5 von 5 Punkten
Hans Mommsen gehört zu den bekanntesten Forschern über die neuere deutsche Geschichte, was seine zahlreichen Bücher und Aufsätze über die Weimarer Republik und zum Dritten Reich belegen. Auf 235 Seiten legt er eine eindrucksvolle Bilanz des Holocaust vor, wobei er auch auf die Ursachen des Antisemitismus in Deutschland vom Kaiserreich bis zur Machtergreifung Hitlers eingeht und sämtliche relevante deutsche und angelsächsische Forschungsliteratur berücksichtigt.

Mommsen untersucht zunächst die Rolle des Antisemitismus in der Weimarer Republik und seine Rolle beim Aufstieg der NSDAP. Hier bilanziert er - zutreffend, dass sich das generelle politische Klima insbesondere der späten Weimarer Republik gegen das deutsche Judentum zu wenden begann und die ursprünglich im Bürgertum vorherrschende liberale und tolerante Einstellung gegenüber dem Judentum verkehrte und verdrängte (S. 24/25). Insbesondere die Durchdringung weiter Bereiche der öffentlichen Meinung mit antisemitischen Ressentiments bildete den Hintergrund für die Tolerierung der NSDAP durch ihre konservativen Partner, wobei Mommsen zutreffend bilanziert, dass der Antisemitismus der NSDAP nach 1930 keine neuen Wähler brachte, so dass dieser Aspekt in den entscheidenden Wahlkämpfen nach 1930 eher hinuntergespielt wurde, um keine potentiellen neuen Wähler zu verschrecken. Dennoch war - insbesondere in den politischen Eliten - die Feindschaft gegen Juden so stark ausgeprägt, dass die Haltung in der "Judenfrage" als Indikator für den Verlust der moralischen Grundlagen dieser Eliten betrachtet werden kann. Obwohl auch die Mehrheit der Parteimitglieder - wie in Kapitel 2 gezeigt wird - nicht zur Gruppe der "Radikalen" und damit zu den gewalttägigen und paranoiden Judengegnern gehörten (S. 29), konnten diese sich durchsetzen, zumal die antisemitische Propaganda Feindbilder schuf und somit von akuten sozioökonomischen Problemen ablenken konnte und außerdem keine etablierten gesellschaftlichen Interessen damit berührt worden sind. (S. 34-36). Stets fungierte Hitler als der ideologische Motor in der "Judenfrage", wobei er in der praktischen Umsetzung der anti-jüdischen Maßnahmen aufgrund taktischer Überlegungen mit Rücksicht auf die Schonung seines persönlichen Prestiges durchaus instinktiv flexibel reagieren konnte, wie Mommsen überzeugend nachweist. Für Hitler stand der Propaganda-Effekt und damit die Funktion eines ideologisch geprägten Feindbildes im Vordergrund seiner Überlegungen zur Judenfrage. Nichtsdestotrotz radikalisierte sich das Regime, wie in den folgenden Kapiteln (Entstehung der "Nürnberger Gesetze", Ausschaltung der Juden aus der deutschen Wirtschaft, Reichs"kristall"-nacht 1938) ebenso gezeigt wird wie der Übergang zur physischen Vernichtung (Umsiedlungspolitik und Vision einer territorialen "Lösung der Judenfrage" im zweiten Weltkrieg, der "Rassenvernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und die Mordaktionen von SD und Sicherheitspolizei, die in der Vernichtung von 5,3 bis 6,1 Millionen Opfern gipfelte, der erschreckenden Bilanz des Genozids)eindringlich und erschreckend in Anschluss an die bahnbrechenden Forschungen von Götz Aly, Wolfgang Benz, Christopher Browning, Saul Friedländer, Peter Longerich, Dieter Pohl und Thomas Sandkühler aufgezeigt wird. Neben der relativ kurzen und knappen Darstellung "Warum Ausschwitz?" von Gunnar Heinsohn sowie den Publikationen von Wolfgang Benz und Dieter Pohl zum "Holocaust" die beste Einführung zum Thema.



Deutschland - Italien 1943-1945. Aspekte einer Entzweiung - Rudolf LillDeutschland - Italien 1943-1945. Aspekte einer Entzweiung
Rudolf Lill

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Existiert das Ghetto noch? - Existiert das Ghetto noch?

Taschenbuch, Juli 2003

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Theorie des Faschismus, Kritik der Gesellschaft - Theorie des Faschismus, Kritik der Gesellschaft

Sondereinband, 2000

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