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| NS-Zeit | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Nationalsozialisten gegen Hitler Susanne Meinl Gebundene Ausgabe, Februar 2000 Verkaufsrang: 796211 Im Zentrum von Susanne Meinls Buch Nationalsozialisten gegen Hitler, das auf der Grundlage ihrer bei Wolfgang Mommsen angefertigten Dissertation entstanden ist, steht Friedrich Wilhelm Heinz. Der rechtsradikale Aktivist war 1920 Teilnehmer am Kapp-Putsch und danach als eines der führenden Mitglieder der "Organisation Consul" und des Wiking-Bundes an Fememorden und Attentaten -- etwa auf Walther Rathenau -- sowie am Hitlerputsch 1923 beteiligt. 1928 wurde er Mitglied der NSDAP, jedoch nach der Entmachtung Otto Strassers, zu dessen Umfeld er gerechnet wurde, aus der Partei ausgeschlossen. 1935 gelang ihm die Aufnahme in die Abwehr unter Admiral Wilhelm Canaris, und er fand Anschluss an die oppositionellen Nationalrevolutionäre um Hans Oster. Im Zusammenhang mit dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 kurzzeitig verhaftet, gelang es ihm, bis zum Kriegsende unterzutauchen. In der frühen Nachkriegszeit verdingte er sich nach einem kurzen Intermezzo als Bürgermeister von Bad Saarow-Pieskow als Nachrichtenhändler; zunächst für Amerikaner und Briten, dann als Leiter im westdeutschen "Amt Blank", dem Konkurrenzunternehmen des späteren Bundesnachrichtendienstes, der "Organisation Gehlen". Der rechtsradikale Widerstand gegen Hitler ist bislang kaum Gegenstand größerer, ernstzunehmender historischer Untersuchungen gewesen. Susanne Meinl, die diese Lücke mit der vorliegenden Arbeit ein ganzes Stück geschlossen hat, weiß auch, warum: "Welcher seriöse, nicht gerade der neokonservativen Rechten zugehörige Autor will sich schon gerne dem Vorwurf aussetzen, hier unter Umständen Weißwäscherei zu betreiben und dezidierte Faschisten, die ein Gutteil zur Zerstörung der ersten Demokratie auf deutschem Boden beitrugen, durch die Aufarbeitung ihrer Widerstandstätigkeit gleichsam zu rehabilitieren?" Tatsächlich gleicht das Untersuchungsfeld, auf das sich Meinl begeben hat, vermintem Terrain. Die Autorin hat es, ohne Schaden zu nehmen, erfolgreich durchpflügt. Anhand konkreter Biografien wird neben der organisatorischen vor allem die ideologische Vorreiterrolle der Nationalrevolutionäre für den Nationalsozialismus nachgezeichnet. Erst vor diesem Hintergrund werden die später aufbrechenden ideologischen Unterschiede zwischen dem Nazi-Regime und seinen Steigbügelhaltern verständlich. --Andreas Vierecke
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Die Bewährungstruppe 500 Hans-Peter Klausch Gebundene Ausgabe, 1995 Verkaufsrang: 945612 Rund 27.000 Wehrmachtstrafgefangene wurden während des Zweiten Weltkrieges in die Infanterie-Batallione z.b.V. der Bewährungstruppe 500 überwiesen. Annähernd 5.000 dieser Männer kamen aus den Emslandlagern. Der Einsatz der 500er wurde unterschiedlich bewertet. Hieß es einerseits: Offz. mit Maschinengewehren und M.Pi. müßten notfalls hinter der Truppe eingesetzt werden und Feiglinge abschießen, wurde andererseits betont: Das Btl. hat sich hervorragend geschlagen, jeder Mann hat gekämpft wie ein Löwe. Was also waren die 500er-Formationen: Ein Himmelfahrtskommando für Hitlergegner oder eine Eliteeinheit der Deutschen Wehrmacht? Hans-Peter Klausch geht dieser Frage nach - und kommt zu überraschenden Ergebnissen.
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Die Rückseite des Hakenkreuzes. Absonderliches aus den Akten des Dritten Reiches Beatrice Heiber, Helmut Heiber Taschenbuch, Oktober 2001 Verkaufsrang: 580413 Daß das »radikal Böse« nur in einer dämonischen, teuflischen Person verkörpert sein könne von diesem Gedanken mußte sich Hannah Arendt, als sie 1961 als Korrespondentin des New Yorker dem Eichmann-Prozeß in Jerusalem beiwohnte, verabschieden. Eine ähnliche Erfahrung macht der Leser dieser Dokumentensammlung: Kurioses und Skurriles, Alltägliches und Banales, Groteskes und Skandalöses auf der Rückseite eines sich heroisch und glanzvoll gebärdenden Systems erscheinen nicht nur die großen Verbrechen der Nationalsozialisten, sondern auch ihre Schäbigkeit, ihre Armseligkeit und Spießigkeit. Auch so waren die Helden, der glorreiche »Führer«, seine Freunde und Helfer und seine Anhänger!
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Hochgradig seriös und umwerfend komisch 5 von 5 Punkten Helmut Heiber war lange Jahre Mitarbeiter am höchst renomierten Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München. Gleichzeitig besitzt er eine Charaktereigenschaft, die dem Klischee des von staubigen Bücherbergen umgebenen Historikers zunächst gar nicht so recht entsprechen will: ein erfrischender Sinn für skurrilen Humor und das Absurde im Alltäglichen.
Diese Kombination beschert uns ein Buch von höchstem Unterhaltungswert: 'Die Rückseite des Hakenkreuzes: Absonderlichkeiten aus den Akten des "Dritten Reiches"'. Knapp 600 unfreiwillig komische Führer-Erlasse, bizarre Briefwechsel zwischen den Parvenüs der ersten und zweiten Reihe, schräge Verwaltungsanordnungen sowie gänzlich geschmacklose Fanpost von zahlreichen Volksgenossen, auf die Heiber in Jahren der Archiv-Recherche für andere Projekte gestoßen ist, sind in dieser Edition versammelt. So tritt die ganze Lächerlichkeit und das kleinbürgerliche Spießertum einer totalitären Diktatur zutage, die sich selbst am liebsten in der Pose unerschrockener Helden wagnerschen Zuschnitts gesehen hat.
Fazit: "Die Rückseite des Hakenkreuzes" ist sowohl hochgradig seriös als auch umwerfend komisch und beleuchtet eine Facette des Nationalsozialismus, die bei aller berechtigten Priorität auf den Verbrechen und der abgrundtiefen Bösartigkeit des Regimes häufig zu kurz kommt.
Weitere Lesermeinungen |
Vom König zum Führer: Sozialer Niedergang und politische Radikalisierung im deutschen Adel zwischen Kaiserreich und NS-Staat Stephan Malinowski Gebundene Ausgabe, 1. Januar 2004 Verkaufsrang: 946316 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die erste umfassende Analyse des Niedergangs der jahrhundertealten Herrschaftselite des deutschen Adels. Die Selbstzerstörung adliger Traditionen und Werte, die im Kaiserreich mit der Annäherung an rechtsradikale Bewegungen beginnt, kulminiert in der widersprüchlichen Mitwirkung in der NS-Bewegung. Ausgezeichnet mit dem Hans-Rosenberg-Preis 2004. Über die immense Bedeutung des deutschen Adels weit über das Jahr 1918 hinaus herrscht in der Literatur Einigkeit. Kurioserweise ist jedoch über den Adel des 20. Jahrhunderts bisher sehr viel behauptet und sehr wenig geforscht worden. Dieses Buch erregte gleich nach Erscheinen großes Aufsehen und wurde innerhalb eines halben Jahres zweimal nachgedruckt. Gestützt auf breite Quellengrundlage liegt hier die erste umfassende Analyse des Niedergangs einer jahrhundertealten Herrschaftelite vor, die die Bastionen ihrer sozialen und kulturellen Macht selbst noch innerhalb der industriellen Moderne äußerst hartnäckig und nicht ohne Erfolg verteidigt hatte. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Selbstzerstörung adliger Traditionen und Werte, die im späten Kaiserreich mit der Annäherung an rechtsradikale Bewegungen beginnt und in der weit gehenden Kollaboration mit der NS-Bewegung kulminierte. Dieser Befund wird nicht ohne Folgen für die Interpretation und Einordnung des sogenannten konserva tiven Widerstandes bleiben.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Niedergang des deutschen Adels 5 von 5 Punkten Selten war ich so fasziniert von einem wissenschaftlichen Buch. Die Materialfülle, die Malinowski vor dem Leser ausbreitet, ist stupend. Der Autor hätte es sich leicht machen können und nur die Grundlinien der Verfallsentwicklung darstellen können. Er hat sich jedoch die Mühe gemacht, die einzelnen Stränge des Niedergangs und der Reaktion des Adels hierauf, gründlich zu recherchieren und uns Lesern darzustellen. Er scheut sich nicht, die Protagonisten der Entwicklung mit Namen zu benennen. Hierbei bleibt kaum eine Untergruppe des vielgestaltig auftretenden Adels außer Betracht, von den königlichen Prinzen, den Standesherren bis zum Briefadel neuester Zeit. Er zeigt auf, wie die Abneigung, insbesondere des preußischen Adels, gegen Erwerbstätigkeiten in Handel und Finanz fast zwingend zum Antisemitismus führt, was von den Verbandsfunktionären des Adels noch geschürt wird. Er zeigt außerdem das Gefälle zwischen dem protestantisch-norddeutschen und dem katholisch-süddeutschen Adel auf. Ganz wichtig für den Hochadel und seiner Verbundenheit mit dem königlichen Hof Preußens war die Debatte über die "Abreise" oder "Fahnenflucht" Wilhelms II. im Gegensatz zum von manchen Adelskreisen geforderten "Blutopfer" des Obersten Kriegsherrn. Übel hat jedoch auch die Klasse der nicht-adligen, aber zum Adel tendierenden großbürgerlichen Eliten, allen voran Ludendorff, den Verfall des Adels befördert. Dieser Aspekt kommt in der Darstellung Malinowskis zu kurz, ebenso wie die Entwicklung in "Deutsch-Österreich". Dennoch dürfen wir dankbar sein, für die Fülle des Materials, das der Verfasser vor uns ausbreitet, und für die Einsicht in eine vorwiegend von ihren Wahrnehmungen der Realität anstatt von der harten Wirklichkeit geprägten Bevölkerungsschicht, die einen überproportionalen Beitrag zum Führerstaat, der Diktatur Hitlers geleistet hat. |
Die Italiener an der Ostfront 1942/43: Dokumente zu Mussolinis Krieg gegen die Sowjetunion
Broschiert, 1. Oktober 2005 Verkaufsrang: 661905 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Nur wenigen Deutschen ist bewusst, dass auch die italienische Armee am Krieg gegen die Sowjetunion beteiligt war. In Italien ist die Erinnerung an Mussolinis blutiges Abenteuer an der Ostfront hingegen bis heute lebendig geblieben. Allerdings blendet diese Erinnerung unbequeme Themen weitgehend aus und lässt die Soldaten des königlichen Heeres als unschuldige Opfer erscheinen, die nicht zuletzt von ihren deutschen Verbündeten im Stich gelassen worden seien. Dass die Realität bei weitem komplexer war, zeigen nicht nur Dokumente aus deutschen und italienischen Archiven: Der Band ordnet die Campagna italiana di Russia in die größeren Zusammenhänge ein, thematisiert Kriegführung, Besatzungspraxis sowie Mentalität der italienischen Armee an der Ostfront und hinterfragt das Verhältnis der Bündnispartner.
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Ökonomie und Expansion: Grundzüge der NS-Wirtschaftspolitik Hans-Erich Volkmann Gebundene Ausgabe, 1. März 2003 Verkaufsrang: 830181 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Wie wirkten Staat, Privatwirtschaft und Wehrmacht bei der Schaffung einer nationalsozialistischen Großraumwirtschaft zusammen? Wie wurden ökonomische Ziele durchgesetzt? Und welche? Die in diesem Band vereinten Spezialuntersuchungen schildern Kooperationen und Absprachen der wichtigsten Akteure im nationalsozialistischen System und stellen sie in Zusammenhang mit der deutschen Expansionspolitik. Deutlich wird, dass die deutsche Außenwirtschaftspolitik keineswegs immer militärische und kriegswirtschaftliche Forderungen durchzusetzen verstand. Methodisch führt der Band zu einer modernen Wissenschaftsdisziplin, die der Militärgeschichte wirtschafts- und technikhistorische Aspekte erschließt.
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Neues vom Reichtagsbrand? Eine Dokumentation: Ein Versäumnis der deutschen Geschichtsschreibung Hans Schneider, Iring Fetscher, Dieter Deiseroth, Hersch Fischler, Wolf-Dieter Narr Taschenbuch, November 2004 Verkaufsrang: 618527 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Am 27.2.1933 brannte der Reichstag zu Berlin. Es folgten Notverordnung, Wahlen zum Reichstag, Ermächtigungsgesetz und schließlich der Reichstagsbrandprozess. Als Brandstifter verurteilt und hingerichtet wurde der Holländer Marinus van der Lubbe. Die lang anhaltende Kontroverse um die Rolle der Nationalsozialisten bei der Brandstiftung schien 1959/60 gelöst, als der Verfassungsschutzbeamte Fritz Tobias in einer SPIEGEL-Serie den Nachweis zu führen antrat, Marinus van der Lubbe allein sei der Täter gewesen, die Nazis hätten die Gelegenheit nur zur Festigung ihrer Herrschaft genutzt. Erst vor kurzem hat der Publizist Hersch Fischler die Umstände aufgedeckt, unter denen das renommierte Institut für Zeitgeschichte dem Historiker Hans Schneider den zuvor erteilten Forschungsauftrag zur Überprüfung der Alleintäterthese entzog und die Veröffentlichung seiner - unvollendet gebliebenen - Studie hintertrieb. Dieser bis in die Gegenwart weithin unbekannt gebliebene, spannende Wissenschaftsska ndal hat die VDW veranlasst, Hans Schneiders Studie sowie dazu gehörige Dokumente einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Historische, für das gegenwärtige Verstehen der Vergangenheit wichtige Wissenschaft kann nur dann ihren Anspruch, der Wahrheit verpflichtet zu sein, erfüllen, wenn sie transparent und ohne Erkenntnis hemmende Interventionen von innen oder außen praktiziert wird. Es geht auch um das zentrale Thema des Umgangs mit Dissens in der Wissenschaft. Das Institut für Zeitgeschichte, gegründet eigens zur "Erforschung der nationalsozialistischen Politik", und die Gemeinschaft der Wissenschaftler sollten aus diesem Lehrstück die notwendigen Konsequenzen ziehen. Dem widmen sich in diesem Buch die Beiträge von Dieter Deiseroth, Hersch Fischler und Wolf-Dieter Narr.
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Stürmer für Hitler. Vom Zusammenspiel zwischen Fußball und Nationalsozialismus Gerhard Fischer, Ulrich Lindner, Werner Skrentny Broschiert, Dezember 2002 Verkaufsrang: 502085 Mit der Machtübernahme der Nazis im Januar 1933 begann auch die Vereinnahmung des populären Fußballsports. Bis heute haben es der DFB und die meisten Vereine versäumt, dieses düstere Kapitel ihrer Geschichte aufzuarbeiten. Erstmals wird darüber nun in einem Buch berichtet: vom Vorzeigeverein Schalke 04, der sechsmal Deutscher Meister wurde; vom 'Judenverein' Bayern München, dessen Vorsitzender im KZ landete; vom ersten jüdischen Nationalspieler Julius...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Absolut Lesenswert ! 5 von 5 Punkten Fischer und Lindner,die Autoren dieses Buches,widerlegen hier eindeutig die These vom "unpolitischen DFB".Am Fußball,während der Weimarer Republik zum Massensport avanciert,kamen die Nazis nicht vorbei.Dieses Buch macht deutlich,daß der Völkermord zwar von Nazis erdacht und geplant,aber von Opportunisten durchgeführt wurde und das es jede Menge Opportunisten auch im Fußball gab.Es zeigt mit bitterer deutlichkeit,wie Diskriminierung und Verfolgung anderer, um des eigenen Erfolges willen,hingenommen wurde.Es zeigt auch,das der Mythos Schalke,wenn er denn überhaupt existiert,auf einem Fundament ruht,welches die Verhöhnung des Begriffes fairplay beinhaltet und der "Meister der Schmerzen" ganz wesentlich zur Verlängerung eines verbrecherischen Angriffskrieges und des Völkermords pflichtbewußt seinen Beitrag leistete.
Ein Buch für die Verquickungen zwischen Fußball und Faschism 4 von 5 Punkten „Stürmer für Hitler", ein nicht ganz gelungener Titel für ein interessantes Buch. Die Autoren zeichnen ein Bild der Entwicklung des Fußballs, und anderer Sportarten unter der Herrschaft der Nazis. Obwohl das Kicken aufgrund seiner englischen Herkunft eher verpönt war und sich nicht so gut eignete als Beweis für die Überlegenheit der sogenannten germanischen Rasse, nutzten die Nazis die Popularität des Fußballs in Deutschland auch zur Ablenkung der Bevölkerung in Kriegszeiten. Die faschistisch ausgerichteten Journalisten der deutschen Sportpresse taten ihr übriges, um aus einem Spiel einen Krieg zu machen. So wurde aus dem Mittelstürmer ein "Feldherr der Fußballschlachten" und die bekannte Floskel „über den Kampf zum Spiel finden", ist eine Formulierung aus jener Zeit. Die Nazis machten auch aus dem "Internationalen" den Nationalspieler. Auch der konnte sich in der heutigen Sportsprache halten. Die Mehrheit der Fußballer, ließ sich bewußt oder unbewußt zu Propagandisten der Nazis machen, aber es gab auch die, die sich nicht gleichschalten ließen oder der antisemitischen Hetze folgten. Das Buch zeigt dem Leser ein differenzierteres Bild, der erfährt wie der Arbeitersport verboten wurde, der sich in Zeiten von Nationalismus und Erbfeindideologie um die internationale Begegnung der Völker, auch im Fußball verdient gemacht hat. So spielte 1927 ein Team der Sowjetunion in Deutschland in mehreren Städten auf Einladung des Arbeiter-Turn-und Sportbundes, lange bevor sich erst 1955 offiziell eine DFB-Auswahl mit einer sowjetischen Mannschaft traf. Der DFB selbst, der im Jahr 2000 sein 100jähriges Bestehen feiert, spielte eine opportunistische Rolle. Die Autoren nennen das Verhalten vieler Sportfunktionäre „vorauseilenden Gehorsam". So wurden jüdische und linke Mitglieder bereits Mitte 1933 aus den Vereinen im Vorgriff ausgeschlossen. Die DFB-Führung diente sich den neuen Herren an, um möglichst an die Fleischtöpfe heranzukommen. Nach dem Krieg waren dann die gleichen Herren in den Westzonen schnell in den wichtigsten Posten des "neuen" DFB. Anders in der damaligen sowjetischen Zone, wo Antifaschisten Funktionäre wurden. Eine kritische Aufarbeitung dieser ganzen Zeit hat es beim DFB bisher nicht gegeben. Erst auf Anfrage der Autoren, gab DFB-Sprecher Niersbach bekannt, daß sich die offizielle Chronik des DFB auch mit der Nazizeit beschäftigen werde; auf „15 - 20 Seiten." Man darf gespannt sein wie dies gelingt, braucht das vorliegende Buch doch immerhin fast 300 Seiten für den Gegenstand. Ein lesenswertes Buch, detailliert, mit einer Reihe interessanter Fakten, Namen und Schicksale. Streckenweise ist es allerdings langatmig und Fakten werden wiederholt. |
Nietzsche und Faschismus Bernhard H. F. Taureck Taschenbuch, 2000 Verkaufsrang: 80668 1904 rechtfertigte der amerikanische Psychologe G. Stanley Hall den Völkermord an den Indianern mit Versatzstücken aus der Philosophie Friedrich Nietzsches -- und eröffnete damit eine Tradition politischer Vereinnahmung, der sich das Werk des Philosophen trotz impliziter Kritik an Nationalismus, Antisemitismus und Biologismus bis heute nicht entziehen konnte. Vor allem Faschismus und Nationalsozialismus waren bemüht, Nietzsche ideologisch umzudeuten, und die zu Schlagwörtern reduzierten Modelle des "Willen zur Macht" und des "Übermenschen" gelten Vielen noch immer als faschistoide Ideen. "Nietzsche versammelt wie kein anderer Züge des Protofaschismus", schreibt auch Bernhard Taureck in seinem Buch Nietzsche und der Faschismus -- und stellt den Philosophen dabei neuerlich mit totalitären Regimen in Zusammenhang, die "unmittelbar Zerstörung und Krieg um der Gewalttätigkeit willen" propagierten. So wird der im Zarathustra ästhetisch gemeinte "Wille zur Macht" und die damit verbundene Vision des schöpferischen "Übermenschen" einmal mehr politisiert und aphoristisch bzw. metaphorisch Gemeintes unzulässigerweise wörtlich genommen. Unangenehm wird Taurecks Buch an jenen Stellen, wo es das Vokabular nationalsozialistischer Propaganda auf Nietzsche selbst überträgt und mutmaßt, es sei dem Philosophen um "Endlösungen" im Sinn einer rassistischen Herrenmoral gegangen. Eine ausgewogene Darstellung seines Gegenstands gelingt dem Buch so nur selten. Tatsächlich hatte Nietzsche bereits in der autobiografischen Schrift Ecce Homo (1888) von der Hoffnung gesprochen, "nicht als Untier und Moral-Scheusal" von der Nachwelt missverstanden zu werden. Die Nachwelt aber hat ihm diesen Wunsch nicht erfüllen wollen. Wer sich über die banalisierenden Vereinnahmungen des Philosophen durch menschenverachtende Diktaturen informieren will, ist mit Manfred Riedels ebenfalls bei Reclam erschienenen Band Nietzsche in Weimar sicher besser bedient als mit dem Buch von Taureck. --Thomas Köster
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Jahrbuch zur Geschichte und Wirkung des Holocaust: Im Labyrinth der Schuld: Täter - Opfer - Ankläger: 2003 Fritz Bauer Institut (Hg. ) Broschiert, August 2003 Verkaufsrang: 874211 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 8 Tagen. Diese Ausgabe des Jahrbuches befasst sich mit der juristischen, aber auch literarischen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg. Thematisiert werden einzelne Strafverfahren wie der Nürnberger »Wilhelmstraßen-Prozess«, das Tribunal gegen Adolf Eichmann in Jerusalem und der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess. Im Mittelpunkt stehen dabei Täter wie etwa die SS-Ärzte, aber auch ihre Ankläger und einzelne Profiteure des Massenmords. Einen zweiten Schwerpunkt bilden Reflexionen einzelner am ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess beteiligter Juristen (insbesondere der Staatsanwälte) und Augenzeugen.
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Deutsche Bank. Macht - Politik: Faschismus, Krieg und Bundesrepublik Eberhard Czichon Taschenbuch, Juli 2001 Verkaufsrang: 917134 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Wie war das mit der Deutschen Bank im Faschismus? Hat sie an "Arisierungen", Zwangs- und Sklavenarbeit profitiert? Welche Rolle hat sie gespielt bei der Rüstungs- und Kriegsfinanzierung oder der Ausplünderung besetzter Länder? Wie konnte sie ihre wirtschaftliche Macht über den Krieg hinwegretten? Wie ihren politischen Einfluß in der BRD restaurieren? Hing das mit Konrad Adenauers Schulden und seinen Verpflichtungen gegenüber Hermann Josef Abs zusammen? Eberhard Czichon hat Aktenbestände ausgewertet, die einst in der DDR lagerten und heute bei der Deutschen Bank ruhen. Das Buch führt seine vergriffene Studie von 1995 fort. Er setzt sich mit den Historikern der Deutschen Bank auseinander und äußert sich erstmals auch zum Prozeß, den deren Vorstand in den 70er Jahren gegen ihn anstrengte. Vieles, was ihm damals gerichtlich untersagt wurde, kann heute nicht mehr ernsthaft bestritten werden.Eberhard Czichon, Historiker, lebt in Berlin. Er brachte als erster den berühmten OMGUS-Bericht im vollen Wortlaut an die Öffentlichkeit.
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Die Last des Schweigens: Gespräche mit Kindern von NS-Tätern Dan Bar-On Taschenbuch, Juli 2003 Verkaufsrang: 106628 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Mit der "Last des Schweigens" ist ein Basiswerk der politischen wie psychologischen Verständigungs-Literatur wieder zugänglich. Als Dan Bar-On Mitte der achtziger Jahre als erster israelischer Wissenschaftler begann, die moralischen und psychologischen Nachwirkungen des Holocaust auf die Kinder von NS-Tätern zu erforschen, stieß er in Deutschland auf ein Vakuum. Die im Buch präsentierten Lebensgeschichten dokumentieren aufschlussreich nationalsozialistisch geprägtes Familienleben und das Ringen der Folgegenerationen, mit der belasteten Erbschaft umzugehen. Bar-Ons Arbeit ist weiterhin aktuell und beispielgebend für die zahlreichen Konfliktgruppen und Gesellschaften, die sich nach (Bürger-) Kriegen um den Aufbau von Verständigung und zivilgesellschaftlichen Werten bemühen. In einem neu verfassten Kapitel liefert der Autor Einblicke in seine Dialog-Arbeit im Kontext heutiger politischer Konflikte.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Eine gelungene Balance und begonnene Aufarbeitung 5 von 5 Punkten Dan Bar-On ist israelischer Psychologieprofessor. In Israel arbeitete er therapeutisch mit Holocaustüberlebenden und deren Kindern. 1985 kam er nach Deutschland mit dem Ziel, Kinder von Nazis, die an der Judenvernichtung beteiligt waren, zu befragen. Er musste feststellen, dass das Thema 40 Jahre nach Kriegsende nach wie vor tabuisiert wurde. Aus seinen Gesprächen mit Kindern von NS-Tätern, von denen 12 in seinem Buch wiedergegeben wurden, entstand zunächst eine Selbsthilfegruppe, dann Möglichkeiten der Begegnung zwischen Opfer- und Täterkindern. Schließlich öffnete sich die TRT (To Reflect and to trust) Gruppe für aktuelle konträre Gruppierungen (Nordirlandkonflikt, Südafrikaapartheid, Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern) Besonders bewundernswert ist die Balance des Autors, der selbst Verwandte durch den Holocaust verlor und dennoch verstehen möchte. Die Gespräche sind sensibel geführt, spiegeln die Betroffenheit beider Seiten (der Kinder, die sich schuldig fühlen und teilweise bewusst das Gespräch mit einem Juden suchen und der Autor, der fachlich therapeutisch vor- und eingeht und dennoch mit seiner eigenen Betroffenheit zurecht kommen muss) Ein sehr empfehlenswertes Buch für all diejenigen, die ihr Leben nicht ohne Herkunft führen möchten. |
Rüstungsforschung im Nationalsozialismus. Organisation, Mobilisierung und Entgrenzung der Technikwissenschaften Hg. von Helmut Maier Taschenbuch, 31. Juli 1998 Verkaufsrang: 782368 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Errichtung eines autarken »Wehrstaates« bildete ein wesentliches Ziel des nationalsozialistischen Regimes. Gemeint war die materielle Aufrüstung der Wehrmacht zur Vorbereitung der Eroberungs- und Vernichtungskriege, sowie die Umstellung der Wirtschaft auf eine heimische Rohstoffbasis. »Rüstungsforschung« erstreckte sich fortan nicht mehr nur auf Forschung und Entwicklung der Waffensysteme. Sie betraf auch die autarkiewirtschaftlich relevanten Aufgabenstellungen. Der bislang in der Historiographie verbreiteten These von der Wissenschafts- und Technikfeindlichkeit des NS-Regimes steht der Befund gegenüber, daß Rüstungsforschung im Kontext von Aufrüstung und Autarkisierung von Anfang an eine elementare Rolle zugewiesen wurde. Im vorliegenden Band wird Rüstungsforschung in drei Komplexen analysiert. Im Abschnitt »Wissenschaftspolitik und Forschungsplanung« wird gefragt, welche Konstanten den Interdependenzen von Wissenschaft, Industrie und Politik vom Ersten Weltkrieg bis ins »Dritte Reich« zugrunde lagen. Im Abschnitt »Industrieforschung und Rüstungstechnologie« wird veranschaulicht, mit welchem Ergebnis die expandierenden Forschungkomplexe der Elektro-, Luftfahrt- und Stahlindustrie mehr oder weniger »erfolgreich« zu den expansiv-militärischen Aktivitäten des NS-Regimes beitrugen. Das Ausmaß politisch-weltanschaulicher Einflußnahme auf die Wissenschaften, ihre Gesellschaften und schließlich ihre Forschungsgegenstände bildet einen Schwerpunkt des Abschnittes »Institute und Disziplinen«. Umgekehrt wird gefragt, wie sich Forscherpersönlichkeiten jenseits der Selbsttäuschung, als Wissenschaftler per se »unpolitisch« zu handeln, dem Regime gegenüber positionierten.
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Das Drama von Brettheim. Ein Dorf am Ende des Zweiten Weltkrieges Jürgen Bertram Broschiert, Mai 2005 Verkaufsrang: 494103 Am 7. April 1945 marschieren vier schwer bewaffnete Hitlerjungen, die gegen die herannahenden Amerikaner kämpfen sollen, in Brettheim ein. Einige couragierte Bürger entwaffnen die Kindersoldaten, damit ihr Dorf nicht im aussichtslosen Kampf zerstört wird. Doch ihr entschlossenes Eingreifen hat verhängnisvolle Folgen: Die SS verurteilt drei Dorfbewohner zum Tode. Wenige Tage später verhindert die deutsche Führung die kampflose Übergabe an die Amerikaner. Statt des ersehnten Friedens verwandelt sich das Dorf durch die Bombardierung amerikanischer Truppen in ein Inferno.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
"Gegen das Vergessen" 5 von 5 Punkten Der 7. April 1945 ging als schwärzester Tag in die Geschichte des kleinen Dorfes Brettheim, in der Nähe von Rothenburg ob der Tauber, ein. Vier Hitlerjungen marschieren mit Panzerfäusten bewaffnet in das Dorf und mimen den tollen Soldaten. Einige beherzte Bewohner des Dorfes greifen ein und entwaffnen die Kindersoldaten. Man weiß, dass die Amerikaner nicht mehr weit sind und erhofft sich eine Befreiung des Dorfes. Die Hitlerjungen melden den Vorfall ihrem Vorgesetzten, was ungeahnte Folgen hat: der Bauer Hanselmann wird zum Tod durch den Strang verurteilt, kurz danach die Bewohner Gackstatter und Wolfmeyer, weil sie sich als Mitglieder der NSDAP weigerten, das Todesurteil ihres Nachbarn zu unterschreiben. Das Urteil wird vollstreckt - keiner darf sich den Toten nähern oder sie abnehmen. Die Amerikaner kommen immer näher – da durch Gackstatters Tod, der Bürgermeister von Brettheim war, eine leitende Kraft fehlt, traut sich keiner, die weiße Flagge zu hissen, denn darauf steht das Todesurteil. Somit wird aus dem ersehnten Frieden eine Bombardierung mit erschreckenden Folgen...Was klingt wie der Stoff zu einem historischen Roman ist schockierende Wirklichkeit. Jürgen Bertram schildert die ergreifende Geschichte des Dorfes Brettheim und bezeugt damit wieder einmal die Absurdität und Grausamkeit des Zweiten Weltkrieges. Was im Dorf geschah, wie die Anwohner reagierten wird ebenso genau und detailliert berichtet wie die Vorgänge in der Nazi-Leitung im wenige Kilometer entfernten Schloss Schillingsfürst. Ebenso zieht Bertram einen Vergleich zwischen früher und heute und man kann erkennen, dass diese Sache das Dorf immer noch nicht los gelassen hat, wie sein Beispiel über Schülergruppen aus Rothenburg, die Filme in Brettheim drehten, zeigt. Ein wenig störend ist das Kapitel über eine Frau, deren Mutter vor ihren Augen erschossen wurde – es hat mit Brettheim gar nichts zu tun und die Frau wird in diesem Kapitel als debile, Kind gebliebene Waise beschrieben. Trotzdem ist das „Drama von Brettheim“ ein empfehlenswertes Zeitzeugnis. Ich selbst war auf der Lesung von Jürgen Bertram, als er sein Buch vorstellte, er signierte meines mit den Worten "...mit Dank für das Interesse und in der Hoffnung, dass sich solche Zeiten nicht wiederholen." Damit wäre der Botschaft des Buches wohl nichts mehr hinzu zu fügen.
Weitere Lesermeinungen |
Kirche und Faschismus. ( Moewig bei Ullstein / Zeitgeschichte) Karlheinz Deschner Broschiert, 1993 Verkaufsrang: 736719
| Die ' Rationalität' des Nationalsozialismus Michael Schäfer Broschiert, 1994 Verkaufsrang: 1059435
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Die Freiwilligen. Erlebnisbericht vom Kampf gegen den Faschismus in Spanien Steve Nelson Gebundene Ausgabe, 1955 Verkaufsrang: 1309937
| Antisemitismus und Volksstaat: Zur Pathologie kapitalistischer Krisenbewältigung Ulrich Enderwitz Taschenbuch, 1991 Verkaufsrang: 833519
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Politische Säuberung in Europa Klaus-Dietmar Henke, Hans Woller Broschiert, 1991 Verkaufsrang: 698362
| München - Hauptstadt der Bewegung. Bayerns Metropole und der Nationalsozialismus Richard Bauer, Hans G. Hockerts, Brigitte Schütz Taschenbuch, Juli 2002 Verkaufsrang: 654963
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