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Musil, Gödel, Wittgenstein und das Unendliche Rudolf Taschner Gebundene Ausgabe, September 2008 Verkaufsrang: 2639 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Treffen im Unendlichen 5 von 5 Punkten "Wären die Tore der Wahrnehmung freigelegt,
erschiene dem Menschen alles, wie es ist: unendlich."
(William Blake)
Das Anliegen der Wiener Vorlesungen ist eine Schärfung des Blicks auf die Differenziertheit und die Widersprüchlichkeit der Wirklichkeit.
Allein dieser Satz des Vorwortes macht neugierig auf eine Vorlesung Taschners, der es auf 40 Seiten schafft, einen Bogen zu spannen, der die Fragen der frühen Griechen nach Logik am Beispiel eine Musiltextes aufgreift, mit Worten Paulus und Ciceros anreichert und mit einer literarischen Vorstellung über Unendlichkeit am Beispiel Musils Törleß beantwortet. Dieser Bogen ist wie ein Kreis mit Durchmesser eins, der abgerollt auf einem Lineal zu einem Punkt kommt, der in der Annäherung der Arithmetik nicht zu fassen ist, weil er eben im Nachkommastellenbereich unendlich ist; Arithmetik trifft Geometrie. Diese Unendlichkeit der Möglichkeiten wie in der Behauptung eines Kreters, >Alle Kreter lügen<, und dessen Wahrheitsfindung ist die Suche nach wahrer Logik, nach einer wahren Aussage, die in der Verbindung von Geometrie und Arithmetik nicht zu finden war, die Cantor im Rahmen der Mengenlehre suchte, Hilbert ebenso im Hypothesenkontinuum nicht finden konnte und bei Gödel letzte Ruhe fand, in dem er den Unvollständigkeitssatz bewies. Wittgenstein dagegen sieht dieses Problem allein auf den Versuch, durch Sprache (Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.) alles bildhaft zu machen und verzichtet nahezu darauf getreu seiner Logik im Tractatus: Was gesagt werden kann, sollte gesagt werden, was nicht gesagt werden kann, darüber müsse man schweigen. Letztendlich finden wir mit Musil die Sichtweise auf die Unendlichkeit, die dem jungen Törleß widerfährt. Sie zu sehen macht sie bedrohlich, er schließt die Augen, damit sie ihn nicht quält.
Eine bravouröse Vorlesung Taschners, ein äußerst interessantes Thema, beleuchtet aus der der Sicht der Philosophie, der Mathematik und der Literatur. Ein wahrer Beitrag zur Schärfung des Blicks auf die Wirklichkeit. Eine demnach logische Empfehlung.
Gelungene Vorlesung 5 von 5 Punkten Das kleine Büchlein (der eigentliche Text umfasst ca. 40 Seiten, die man locker in einer halben Stunde lesen kann) ist der Nachdruck einer öffentlichen Vorlesung über das Unendliche in der Mathematik und dessen Rezeption in Literatur und Philosophie. Der Autor schlägt einen Bogen von den klassischen Antinomien der Mengenlehre bis zum Versuch ihrer Auflösung durch Cantor und Gödel im 20. Jh. (soweit dies auf den besagten 40 Seiten möglich ist). Es gelingt ihm, die Probleme klar heraus zu arbeiten, ohne dass dem Leser zu deren grundsätzlichem Verständnis mathematische Vorkenntnisse abverlangt würden. Als "Appetithappen" durchaus lesenswert und dies ganz besonders im Hinblick darauf, dass einige hübsche Anekdoten über Gödel und Wittgenstein wiedergegeben werden, die ich sonst bisher nirgends gefunden habe. |
Der Mythos des Sisyphos Albert Camus Taschenbuch, Juni 2000 Verkaufsrang: 7129 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Camus Essay erschien 1942. Der Existenzialismus, der in diesem Text seine vielleicht repräsentativste Ausformulierung erfährt, entsprach einem Lebensgefühl, das von der Erfahrung des Zweiten Weltkriegs, des politischen Widerstands in der Résistance und des Zerfalls traditioneller Wertordnungen und Orientierungen geprägt ist. Es findet seinen Ausdruck in einer besonderen Sensibilität für die Absurdität der menschlichen Existenz, die für diese Generation von Philosophen charakteristisch ist. Sie entspringt dem Gegensatz zwischen dem selbstbewussten, von Hoffnungen erfüllten und in Handlungen sich entäußernden menschlichen Geist und der ihm gegenüberliegenden undurchdringlichen, immanenten Welt, an der sein Streben immer wieder scheitert. Diese Absurditätserfahrung wirft die Frage nach Sinn und Wert des menschlichen Lebens auf. Camus verwirft jeden Versuch, die in eindringlichen Schilderungen diagnostizierte Absurditätserfahrung durch einen Sprung in metaphysische, religiöse oder rationalistische Versöhnungsangebote zu bewältigen. Einen Weg bietet nur die permanente Revolte des Menschen gegen die Absurdität, in der er unabhängig von jeder gesetzten Wertordnung seine eigentümliche Würde zu gewinnen vermag. So bietet Camus Essay einen Ansatz zu einer neuartigen Ethik, die auf der Idee der entschlossenen Tat und der daraus resultierenden größtmöglichen Lebensintensität beruht. An deren Nutzlosigkeit kann, so Camus, angesichts der Absurdität des Daseins kein Zweifel bestehen, doch vermag der Mensch in der Revolte eine besondere Verwirklichung seiner selbst zu erfahren. Darin gleicht der Mensch der mythologischen Figur des Sisyphos, dessen Tun gerade in seiner äußersten und beharrlichen Sinnlosigkeit als Selbstverwirklichung erscheint -- wenn es denn gelingt, wie Camus schreibt, sich Sisyphos glücklich vorzustellen. --Jens Kertscher
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 19 Bewertungen)
Die Begründung der Freiheit 5 von 5 Punkten Albert Camus diskutiert in seinem Essay das philosophische Problem des Selbstmords. Lohnt sich das Leben oder sollten wir den Tod als logische Konsequenz aus der Absurdität ziehen. Er zeigt, dass die Beziehung zwischen dem individuellen Denken und dem Selbstmord neue Problem aufwerfen und gelöst werden müssen. Das Absurde ist für Albert Camus der Vergleich zwischen einem Tatbestand und einer bestimmten Realität. In dieser Gegenüberstellung findet er das Absurde. Für ihn ist es eine Leidenschaft, in dem er das Leben bejahrt und die Welt als absurd einschätzt. Eine Welt ohne Gott ist für ihn lebenswert. Durch die Auflehnung gegenüber der Welt bekommt das Leben seinen Sinn. Er bezieht sich auf Nietzsche und sagt, in der Kunst, in der Musik und in der Vernunft sowie Geistigkeit liegt das Göttliche.
Der Absurde Mensch lebt in der Zeit und mit der Zeit. Seine Freiheit soll schöpferisch gestaltet werden. Der absurde Mensch wird nur in der Kunst und Literatur seine Bestimmung finden. Die Entfremdung des Menschen ist gleichzeitig seine Freiheit. Durch die Gegenüberstellung zum Absoluten findet er seine Berechtigung.
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Albert Camus: L'Etranger. Lektüreschlüssel Albert Camus Taschenbuch, Dezember 2004 Verkaufsrang: 20926 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Lektüreschlüssel für Schüler erschließen einzelne literarische Werke. Um eine Interpretation als Zentrum gruppieren sich 10 wichtige Verständniszugänge: - Erstinformation zum Werk - Inhaltsangabe - Personen (Konstellationen) - Werk-Aufbau (Strukturskizze) - Wortkommentar - Interpretation - Autor und Zeit - Rezeption - "Checkliste" zur Verständniskontrolle - Lektüretipps mit Filmempfehlungen - Raum für Notizen
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Ideal für den Grundkurs 5 von 5 Punkten Dieser Lektüreschlüßel ist meiner Meinung nach sehr gelungen und hilfreich für den Grundkurs Französisch. Er enthält wichtige Informationen zu Inhalt, Personen, Aufbau und Autor. Außerdem liefert er interessante Interpretationsansätze. Das Heftchen ist kompakt geschrieben und sehr übersichtlich konzipiert. Was jedoch besonderen Lob verdient sind die zahlreichen Vokabelhilfen am Fusse jeder Seite, um so das Verfassen/Vortragen im Französischunterricht zu erleichtern.
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Das Sein und das Nichts: Versuch einer phänomenologischen Ontologie. (Gesammelte Werke in Einzelausgaben / Philosophische Schriften, 3) Jean-Paul Sartre Taschenbuch, Juli 1993 Verkaufsrang: 6204 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Auch in der Philosophie gibt es Moden -- war der Existentialismus in den 50er Jahren in aller Munde, so scheint heute kein Hahn mehr nach ihm zu krähen. Dabei hätte uns die Existenzphilosophie gerade in diesen postmodernen und individualisierten Zeiten so einiges über den Menschen zu sagen. Dies gilt in besonderem Maße für Das Sein und das Nichts, Jean-Paul Sartres monumentales Hauptwerk. Denn statt mit einer Ontologie (wie der Untertitel nahelegt), haben wir es mit einer Anthropologie zu tun: der Bestimmung der Seinsweise des Menschen, in deren Mittelpunkt Sartre den Begriff der Freiheit stellt. "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt" -- weil er sich immer wieder neu entwerfen muss, vor der Wahl steht und sein momentanes Sein negieren und überschreiten muss, immer auf der Suche nach einer Identität, die nie zu erreichen ist, weil ein Riss durch das menschliche Sein geht, der nie verschwindet. Besonders faszinierend sind die Abschnitte, die sich mit den zwischenmenschlichen Beziehungen befassen. Denn Sartre analysiert das Verhältnis zum anderen auf sehr originelle Weise: über den Blick. Andererseits rückt er zwei Phänomene exemplarisch in den Vordergrund, die von der Philosophie meist sträflich missachtet werden -- das Begehren und die Liebe. Wie bei vielen großen Werken der Philosophiegeschichte muss man auch bei diesem einräumen, dass es nicht gerade einfach zu lesen ist. Das liegt vor allem daran, dass Sartre am Denken anderer Philosophen -- vor allem Hegel, Heidegger und Husserl -- anknüpft und auch deren spezielle Terminologie übernimmt. Allerdings verdanken wir Husserls phänomenologischer Methode auch die frischesten und ansprechendsten Passagen, die so gar nichts von der üblichen Abgehobenheit und Lebensferne philosophischen Denkens an sich haben. Wenn etwa am Beispiel einer Verabredung mit Pierre im Café und der unerwarteten Abwesenheit Pierres der Begriff des Nichts erläutert wird. Gerade das hatte Sartre an der Phänomenologie so begeistert: ihr Ansetzen an den Alltagssituationen. Oder wie Raymond Aron es ausdrückte: "Wenn du Phänomenologe bist , kannst du über diesen Cocktail reden -- und es ist Philosophie!" Und diese Methode hat Jean-Paul Sartre, der Pariser Kaffeehausliterat, meisterlich beherrscht. --Christian Stahl
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Der Mensch, wie er lebt, liebt, hasst, verachtet, begehrt und...existiert. 5 von 5 Punkten "Das Sein und das Nichts", erstmals erschienen 1943, ist das philosophische Hauptwerk von Jean Paul-Sartre, in dem er auf mehr als 1000 Seiten der existentiellen Weltanschauung seine Ausformung gibt. Ich habe mich nun gut drei Wochen mit dem Werk beschäftigt, welches mich teilweise in tiefste Verwirrung gestürzt, teilweise aber auch schlichtweg vom Hocker gehauen hat. "Das Sein und das Nichts" ist in seiner Bedeutung für die Philosophie des 20. Jahrhunderts eigentlich kaum zu überschätzen und nimmt eine derart überragende Position ein, dass dieser Beitrag keine Rezension im eigentlichen Sinn sein kann oder will. Vielmehr versuche ich aufzuzeigen, welche Passagen des Buches für mich kaum verständlich waren und welche Abschnitte schlichtweg brillant und aktueller denn je sind. Dabei werde ich mich auf folgende zentrale Punkte konzentrieren: die Freiheit des Menschen, die Konstituierung des Menschen durch die Blicke der anderen, die Liebe und schließlich und endlich den Sinn des Lebens. Sartre handelt diese Punkte natürlich nicht streng voneinander getrennt und nacheinander ab. Vielmehr bedingen sie einander und bilden so den Kern existentieller Philosophie.
Zuerst einmal zu den Problemen, die mir das Werk bereitet hat. Sartre bezieht sich auf Philosophie und Terminologie von Hegel, Husserl und Heidegger und setzt all dieses voraus. So fliegen dem Leser auf den ersten 100 Seiten Fachtermini und Satzmonstren nur so um die Ohren, die ohne nähere Kenntnisse des Hegelschen Idealismus oder Husserls Phänomenologie eigentlich nicht zu verstehen sind. Hier ein Beispiel: "All das läuft darauf hinaus zu sagen: das Dasein 'ist nicht' an sich, es 'ist nicht' zu sich selbst in einer unmittelbaren Nähe, und es 'überschreitet' nicht die Welt, insofern es sich selbst als nicht an sich seiend und als nicht die Welt seiend setzt" (74). Zentrale Termini, die man verstehen muss, sind das "An-sich" und das "Für-sich", da diese den Kern von Sartres Philosophie bilden. Es genügt für den interessierten Laien zu unterscheiden, dass das "An-sich" alle Gegenstände und Tatsachen bezeichnet, die unabhängig vom Bewusstsein einer Person existieren; also die Dinge der Welt. Das "Für-sich" hingegen bezeichnet alle Gegenstände, die für uns sind, also uns subjektiv erscheinen. Hierbei handelt es sich um das menschliche Bewusstsein oder die von uns so wahrgenommene menschliche Realität. Ganz wichtig also: Bewusstsein ist für Sartre nichts Abstraktes. Bewusstsein bedeutet immer "Bewusstsein von etwas" (33).
Im Zentrum von "Das Sein und das Nichts" steht die Frage nach der Freiheit des Menschen und deren Auswirkung auf menschliche Wertvorstellungen und Wertmaßstäbe. Mit Abstand der bekannteste Satz den Buches lautet ja: "Tatsächlich sind wir eine Freiheit, die wählt, aber wir wählen nicht, frei zu sein: wir sind zur Freiheit verurteilt" (838). Doch was genau steckt hinter diesem Credo der Existentialisten, dass der Mensch ein zur Freiheit verurteiltes Wesen ist? Meiner Ansicht nach bedeutet dieser Satz, dass jeder Mensch für sich allein dafür verantwortlich ist, sich ein persönliches Wertegerüst und einen persönlichen Lebenssinn zu konstruieren. Andere Menschen oder transzendente Einheiten, Götter, zum Beispiel, können dafür nicht länger herhalten. Dieser Gedanke entspricht in etwa Nietzsches Konzept des Übermenschen, welches zum Ausdruck bringt, dass nach dem Tod Gottes jeder Mensch für sich Quelle seiner persönlichen Wertmaßstäbe ist. Freiheit ist also zuallererst eine Verpflichtung und Herausforderung, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen: "Folglich ist meine Freiheit die einzige Grundlage der Werte, und nichts, absolut nichts rechtfertigt mich, diese oder jene Werteskala zu übernehmen. Als Sein, durch das die Werte existieren, bin ich nicht zu rechtfertigen" (106). Viele Menschen berufen sich auf Transzendentes, um die Frage nach dem 'Warum' ihrer Existenz zu beantworten. Diese Frage ist für Sartre jedoch irrelevant. Was zählt, ist das unleugbare Faktum, dass man existiert: "So ist die Faktizität überall, aber nicht erfaßbar; ich stoße immer nur auf meine Verantwortlichkeit, deshalb kann ich nicht fragen: 'Warum bin ich geboren?', den Tag meiner Geburt verfluchen oder erklären, daß ich nicht verlangt habe, geboren zu werden, denn diese verschiedenen Haltungen gegenüber meiner Geburt, daß heißt gegenüber dem Faktum, daß ich eine Anwesenheit in der Welt realisiere, sind eben nichts anderes als verschiedene Arten, diese Geburt in voller Verantwortlichkeit zu übernehmen und sie zur meinen zu machen" (954).
Zweiter zentraler Punkt ist die Bedeutung des anderen für die Freiheit eines Menschen. Erst durch die Blicke eines anderen erfahren wir uns überhaupt als Subjekte: "Wahrnehmen ist nämlich anblicken, und einen Blick erfassen ist nicht ein Blick-Objekt in der Welt erfassen [...], sondern Bewußtsein davon erlangen, angeblickt zu werden. [...] Was ich unmittelbar erfahre, wenn ich die Zweige hinter mir knacken höre, ist nicht, daß jemand da ist, sondern daß ich verletzlich bin, daß ich einen Körper habe, der verwundet werden kann, daß ich einen Platz einnehme und daß ich in keinem Fall aus dem Raum entkommen kann, wo ich wehrlos bin, kurz, daß ich gesehen werde" (467).
Faszinierend wird es, wenn Sartre seine Konzepte zur Erklärung der wohl mächtigsten und gleichzeitig geheimnisvollsten menschlichen Grundemotion anwendet: der Liebe. Was ist Liebe? Was heißt es, geliebt zu werden? Was geht in uns vor, so dass wir lieben oder geliebt werden wollen? Sartres Antworten sind brillant und entschädigen für die terminologischen Mühen, denen der Leser zu Beginn ausgesetzt ist. Liebe und Freiheit bedingen sich einander. Geliebt werden zu wollen bedeutet zu wollen, dass ein anderer Mensch seine Freiheit benutzt, um ihn/sie lieben zu wollen. In den Worten Sartres lautet dieser Gedanke: "Geliebt werden wollen heißt also den anderen mit der eigenen Faktizität infizieren, ihn zwingen wollen, einen fortwährend neu zu erschaffen als die Bedingung einer Freiheit, die sich unterwirft und engagiert" (645). Masochismus bedeutet nichts anderes, als zu wollen, kein Subjekt, sondern nur noch ein Objekt zu sein, also seine Freiheit negieren, sich "vom anderen absorbieren zu lassen und [sich] in seiner Subjektivität zu verlieren, um [sich seines] eigenen zu entledigen" (660). Masochismus als Methode, vor seiner Freiheit zu fliehen. Ebenso lässt sich auch die Motivation eines Sadisten erklären. Dieser versucht, seinen Trieb zu befriedigen, indem er sich die Freiheit seines Opfers anzueignen versucht: "[W]as der Sadist so versessen sucht, was er mit seinen Händen kneten und unter seiner Faust beugen will, ist die Freiheit des anderen: sie ist da, in diesem Fleisch, dieses Fleisch ist sie, da es eine Faktizität des anderen gibt; sie also ist es, die der Sadist sich anzueignen sucht" (703). Und auch "normaler" Sex hat nach Sartre zuallererst die Funktion, einen Menschen in seinem Sein, in seiner Existenz, zu bestätigen. Es wäre interessant zu wissen, wie Simone de Beauvoir, mit der Sartre eine enge Freundschaft verband, auf folgenden Satz reagiert hat: "[D]ie Obszönität des weiblichen Geschlechtsorgans ist die alles Klaffenden: es ist ein ruf nach Sein wie überhaupt alle Löcher; die Frau an sich ruft nach einem fremden Fleisch, mit dem sie durch Eindringen und Auflösen in Seinsfülle verwandelt werden soll" (1049).
Fazit: Es erscheint unfassbar, dass nur ein Mann dieses Buch geschrieben haben soll. Hier geht es um ein Thema, das jeden von uns tagtäglich beschäftigt: Um den Menschen in seiner Existenz, um den Menschen, der einen Sinn sucht, um den Menschen, wie er lebt, liebt, hasst, verachtet und begehrt. Sartres Darlegungen begeistern und faszinieren bis heute. "Das Sein und das Nichts" steht unbestritten im Zentrum abendländischer Philosophie des 20. Jahrhunderts.
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Friedrich Nietzsche: Gesammelte Werke
Gebundene Ausgabe, Juni 2005 Verkaufsrang: 5406 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Alle wichtigen Schriften in einem Band: Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik Unzeitgemäße Betrachtungen Menschliches Allzumenschliches Morgenröte Die fröhliche Wissenschaft Also sprach Zarathustra Jenseits von Gut und Böse Zur Genealogie der Moral Götzen-Dämmerung Der Antichrist Ecce Homo Gedichte und Sprüche
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Schnell zugreifen! 5 von 5 Punkten Dieses Preis-Leistungs-Verhältnis ist wohl kaum zu überbieten. Das Buch ist ordentlich gebunden (Blauer Samteinband liegt angenehm in der Hand), gute Papierqualität, stabille Fadenbindung. Über den Inhalt muss man kaum etwas sagen, handelt es sich doch um das Lebenswerk eines der genialsten unter den Philosophen, sprachlich außergewöhnlich künstlerisch und eindringlich, kühn, immer zerstörerisch, gleichzeitig heiter und schwerelos. Ein logisch aufgebautes Gedankenwerk sollte man nier nicht erwarten. Nietzsches Philosophie ist eher ein Ausbruch des Geistes. Aber einige Perlen des Geistes wird jeder darin finden. Wer also bisher nur den Zarathustra im Regal stehen hatte, sollte hier ganz schnell zugreifen! Dieses Ausgabe geht sicher sehr schnell weg.
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Vom Schlechten des Guten oder Hekates Lösungen Paul Watzlawick Taschenbuch, Februar 2005 Verkaufsrang: 11168 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Paul Watzlawick, der Meister des "Unglücklichseins", führt mit vielen wunderbaren Beispielen vor, wie wir, ferngelenkt von der finsteren Schicksalsgöttin Hekate, unermüdlich den scheinbar hundertprozentigen Lösungen aufsitzen, weil ein ehrbares Prinzip oder das Streben nach Sicherheit und Glück übersehen lassen, daß die Lösung eines Problems oft nur ein Trugschluß ist.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)
Wenn es funktioniert braucht es mehr davon, wenn nicht, dann auch 5 von 5 Punkten Paul Watzlawick ist bekannt für seinen einzigartigen Zugang zum Konstruktivismus, der sich vor allem durch zwei hervorstechende Merkmale auszeichnet: Lesbarkeit und Verständlichkeit.
Auch in diesem Buch bekommt es der Leser wieder mit vielen unterhaltsamen Beispielen von Weltkonstrukten zu tun, die irgendwie nicht ganz in die Umwelt des Betroffenen passen und Probleme verursachen. Diesmal beschäftigt sich der Autor mit einer ganz besonders verbreiteten Klasse von Irrtümern nach dem Muster "Wenn es nicht funktioniert, dann braucht es mehr davon und wenn es funktioniert, dann ist mehr davon noch besser". Dass bei solchen Annahmen häufig Probleme auftreten, scheint einleuchtend. Allerdings überrascht es wie verbreitet solche Denkmuster sind und wie oft man selbst zu derartigen Fehlschlüssen neigt.
Watzlawick in Hochform: Witzig, verständlich und lehrreich, gewürzt mit vielen Fallbeispielen kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen. Allein die Möglichkeit nach der Lektüre im eigenen Umfeld auf die Jagd nach Hekates Lösungen zu gehen rechtfertigt den Kauf. Das trägt nicht nur zum Selbstverständnis und damit zu mehr Harmonie im eigenen Umfeld bei, sondern macht auch noch Spaß und sorgt für zahlreiche Aha-Erlebnisse.
In diesem Sinne: Kaufen, Lesen und viel Spaß bei der Jagd!
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Eine kurze Geschichte des Kosmos Ken Wilber Taschenbuch, Mai 2004 Verkaufsrang: 9982 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In seinen früheren Büchern hat Ken Wilber die gesamte Geistes- und Wissenschaftsgeschichte aufgearbeitet und in neue Zusammenhänge gestellt. Allgemeinverständlich und in lockerer Gesprächsform präsentiert er hier eine Standortbestimmung des modernen Menschen, die eine überschaubare Ordnung in die Fülle des Wissens über das Woher und Wohin des Menschen bringt.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
richtig klasse! 5 von 5 Punkten wilber tut das was längst nötig ist um der menschheit einen anstoß zu geben den nächsten schritt zu tun oder unter zu gehen.
hoffen wir, dass ihm nicht der schierlingsbecher gereicht wird wie sokrates, hoffen wir, dass er nicht als esoteriker abgestempelt wird wie lovelock und hoffen wir, dass diejenigen die mehrdimensional denken können wie er nicht wieder ans kreuz genagelt werden wie der sohn dieses alten zimmerers.
mit wilbers denkmodellen und der forschung von menschen wie robert hare und frau roggendorf sollte es jedem verstandesbegabten menschen leicht fallen den fehler in der matrix zu finden.
Kenneth Wilber macht schluss mit den mythen- wer wilber gelesen und verstanden hat, für den wird der blick klarer. ;-)
einfacher gesagt: toller geist dieser mensch.
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Die Kunst, Recht zu behalten: In achtunddreißig Kunstgriffen dargestellt Arthur Schopenhauer Taschenbuch, Juni 1995 Verkaufsrang: 14445 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Kunst, Recht zu behalten: Schopenhauers Argumentationstechnik, die einzig dem Zweck dient, ohne Rücksicht auf die Wahrheit aus Streitgesprächen siegreich hervorzugehen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Eine polternde Selbsterkenntnis 5 von 5 Punkten Die alten Griechen hatten ja für alles Götter, und so war Eris die Göttin der Zwietracht. Insofern macht Schopenhauers Vorspann „Eristische Dialektik" zu seinen „Kunstgriffen", ein Streitgespräch für sich zu entscheiden, einen besonderen Sinn. Er definiert den Begriff Eristische Dialektik als „die Kunst zu disputieren, und zwar so zu disputieren, dass man Recht behält, also [mit rechten wie mit unrechten Mitteln]".Überhaupt ist für Schopenhauer "Dialektik" ohnehin schon nichts anderes, als eben eine Methode, die dazu dient, Recht zu behalten, auch wenn man gar nicht Recht hat, dafür aber um jeden Preis. Somit ist „eristische Dialektik" beinahe als Tautologie zu fassen. Scharf trennt er damit seinen Begriff der Dialektik von denen der anderen Philosophen wie Aristoteles, Kant und Hegel und natürlich auch Marx. (Hier muss ich aber Schopenhauer Abbitte tun, indem ich den ihm verhassten Hegel einen „Philosophen" nenne - gewiss würde er sich mit einem gewaltigen Rumpeln im Grabe umdrehen, könnte er dies lesen...) In seinem Werk „Die Kunst, Recht zu behalten" eröffnet uns Schopenhauer eine ganz eigene Welt des Disputierens - des Rechthabens auf Teufel komm raus, wie wir heute sagen würden. Dieser eigenwillige Gedankenkünstler, oft zu Unrecht als greiser Polterer unter den Philosophen abgetan, führt uns in aller Kürze eine Fülle von Techniken vor Augen, mit denen der Kontrahent eines Streitgesprächs zunächst gnadenlos als Gegner ausgemacht, als solcher unerbittlich in die Enge getrieben und schließlich (in jedem - ausgenommen dem physischen Sinn) „vernichtet" wird. Mit seinem scharfen Urteil kategorisiert er diese Kniffe und belegt sie teilweise mit Beispielen aus eigenen Streitgesprächen. Dies alles klingt ziemlich militant; hätte Schopenhauer aber auch nur im Entferntesten ahnen können, in welchem Übermaß diese 38 Kunstgriffe in unserer heutigen medienlastigen Zeit bewusst oder unbewusst bis zum Erbrechen Anwendung finden, dann bin ich mir nicht sicher, ob er sich darüber gefreut hätte, in wie weit er selbst (mal wieder) Recht hatte, oder ob er sich eher darüber ereifert hätte, dass auch jeder andere immer nur selbst Recht haben will. Wahrscheinlich beides. Schopenhauer will uns aber insofern etwas beruhigen (vielleicht auch sich selbst), indem er die Rechthaberei in den Bereich „zur menschlichen Natur gehörig" rückt und dabei das Hobbes-Zitat anführt: „Alle Herzensfreude und alle Heiterkeit beruht darauf, dass man Menschen habe, im Vergleich zu welchen man hoch von sich denken kann." Also können wir gar nicht anders? Vielleicht - aber Selbsterkenntnis ist ja bekanntlich die Grundvoraussetzung zur Besserung...
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Über die Kriegskunst: Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft Sun Tsu Gebundene Ausgabe, Februar 2005 Verkaufsrang: 11290 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Rund 500 Jahre vor Christi Geburt schrieb der chinesische General Sun Tsu für seinen Kaiser eine wissenschaftliche und gleichzeitig philosophische Abhandlung über die Kunst des Krieges. Seine Ansichten gliederte er in 13 Kapitel und innerhalb dieser Kapitel legte er zwischen 14 und 68 Thesen dar. Über sein Leben ist so gut wie nichts bekannt. Fest steht jedoch, dass der Mann, der seine Erkenntnisse auf Bambusstäben niedergeschrieben hatte, kein Freund des Krieges war. Gleichzeitig jedoch war er sich seiner schieren Unvermeidlichkeit bewusst. Sun Tsus Thesen beeinflussten die asiatische Kriegsführung über Jahrhunderte hinweg. Im 20. Jahrhundert entdeckte auch der Westen die Weisheiten des Generals aus der Provinz Ghi. Hier jedoch wurden sie weniger für bewaffnete Konflikte herangezogen, als vielmehr für die "Schlachten des Alltags" - für die Geschäftswelt beispielsweise.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Ein philsophischer Ratgeber für aggressive Konfliktbewältigung 5 von 5 Punkten Dieses über 2500 Jahre alte Werk des Philosophen und Generals Sunzi gehörte einst zu den Grundlagen für Maos Schriften über die Prinzipien der chinesischen roten Armee und war schon Jahrhunderte zuvor in Russland erhältlich. Es ist ein Werk dass kaum an Wert verloren hat. Der philosophische General beschäftigt sich darin mit allen Aspekten der Kriegsführung und tut dies in einer kompetenten und verständlichen Weise. Wer Die Kunst des Krieges liest wird verstehen dass sein Schreiber mehr vom Kriegshandwerk verstanden hat, als viele der heutigen Generäle. Napoleon höchstpersönlich soll sich sogar mit Sunzis Kunst des Krieges befasst haben, doch auch er beging einen Fehler, als sich den Prinzipien dieser Kriegsphilosophie widersetzte. Bei Waterloo bekam er dann dafür die Rechnung präsentiert.
Mit diesem Buch wurden unumstößliche Grundsätze zur effizienten und erfolgreichen Kriegsführung geschaffen. Würde man sich ähnlich wie bei anderen philosophischen Schriften an den Inhalt halten und die vorgegeben Regeln einhalten, so könnte man sich zahlreiche Verluste an Menschenleben und Material ersparen.
Die Philosophie des Sunzi ist die eines der großen weisen Meister, wie Konfuzius, jedoch auf die Kriegsführung bezogen und durchführbar. Seine Ratschläge würden sich ohne weiteres auch heute noch einsetzen lassen und es wäre möglich dadurch Debakel wie sie die amerikanischen Truppen sehr häufig erleben zu verhindern (alleine indem man mehr Informationen sammelt und sich nur auf Schlachten einlässt in denen man den Gegner kennt und die Schlachtfelder selbst wählen kann). Jedenfalls ist diese Schrift noch immer aktuell, da Kriege nicht mehr bloß auf dem Schlachtfeld geführt werden. Die grundlegenden Prinzipien Sunzis lassen sich im gesamten Leben und damit auch alltäglichen Konflikten verwenden. Wie es bei philosophischen Schriften eben so ist, so gilt auch hier über die Lektionen nachzusinnen, um sie zu verstehen und richtig einsetzen zu können.
Fazit:
Ein überzeugendes Werk und hervorragender Ratgeber für aggressive Konfliktbewältigung, mit strengen Prinzipien.
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Buddhismus und Quantenphysik: Die Wirklichkeitsbegriffe Nagarjunas und der Quantenphysik Christian Thomas Kohl Taschenbuch, Mai 2005 Verkaufsrang: 42882 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Bereits Nils Bohr hat auszudrücken versucht, dass mit der Quantentheorie und ihren Einsichten in das Wesen der physikalischen Wirklichkeit die Brücke zum Denken der östlichen Philosophie betreten wurde. Christian Thomas Kohl kennt die Quantenphysik, weil er die östliche Philosophie kennt. Die Philosophie Nagarjunas kann zu einer Befreiung von extremen Wirklichkeitsbegriffen führen, die nicht nur der indischen, sondern auch unseren modernen Denkweisen zugrunde liegen. Schon Nils Bohr hat auszudrücken versucht, dass mit der Quantentheorie und ihren Einsichten in das Wesen der physikalischen Wirklichkeit die Brücke zum Denken der östlichen Philosophie betreten wurde. Auch andere führende Vertreter der Physik stießen auf die Unzulänglichkeit traditionell westlicher Philosophien im Umgang mit den neuen Herausforderungen, die die Doppelnatur der Wirklichkeit stellt. Christian Thomas Kohl weist auf Nagarjunas Warnung vor extremen Konzepten hin, da sie keinen Raum bieten, der Wirklichkeit ang emessen zu begegnen. In der Quantenphysik ist es die Idee der Komplementarität. Zu jeder möglichen Beschreibung der Wirklichkeit gibt es eine ergänzende Beschreibung kontinuierlich. Der Beobachter ist nicht vom Beobachteten zu trennen; der Beobachter ist für das Beobachtete verantwortlich. Die vorliegende Arbeit von Christian Thomas Kohl ist anspruchsvoll und gründlich. Er kennt die Quantenphysik, weil er die östliche Philosophie kennt und er ermöglicht es dem Leser, dies anhand der Darlegung der Wirklichkeitsbegriffe Nagarjunas und der Quantenphysik nachzuvollziehen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)
Von der Wirklichkeit der Diskurse 5 von 5 Punkten
Der Buddhismus hat seit den Tagen Buddhas zahlreiche Verbreitung und adaptive Verwandlungen erfahren (Diskursformen: Die Dialektik des Buddhismus: Akkomodation (upaya)(Saddharmapundarika-sutra)), sowie systemisch-philosophische Anpassungen. Ob diese Flexibilität" zur Verfälschung der reinen Lehre" (Dharma) beigetragen hat, ist seit dem ersten Schisma im Buddhismus nicht nur zwischen Theravaddins und Mahayaddins ein beliebtes Thema. Wieviel Wirklichkeit steckt denn noch in den heutigen buddhistischen Schulrichtungen? Welche Art von Wirklichkeit wird wie vertreten?
Mit dem Auftauchen" des Buddhismus in der westlichen Welt gab es eine neue theoretische Wirklichkeitsmatrix", an der das Dharma sich ausrichten musste. Diese Matrix war aber genauso wenig einheitlich, wie die verschiedenen buddhistischen Strömungen selber, die in Europa Fuß fassten.
Das christlich-säkularisierte Abendland, durch die Aufklärung rationalistisch orientiert und idealistisch-moralisch fixiert, war eine Tummelwiese für nach Gedankenfreiheit strebende Experimentatoren. Jemand wie Schopenhauer sah im Buddhismus einen Paradigmenwechsel und bediente sich gerne für seine philosophische Befreiungsperspektive aus dem Baukasten der Erleuchteten", Nietzsche bewunderte in Ecce homo" die Taten Buddhas und Philosophen wie Gadamer oder Indologen wie Zimmermann sahen in Buddha den Verkünder eines universalen Weltethos". Indologie und Sanskrit wurden Modefächer" an den Universitäten, aber im Großen und Ganzen blieb der Buddhismus nur in akademischen Zirkeln Thema.
Mit dem Nationalsozialismus bedienten sich zum ersten Mal politische Gruppierungen am Buddhismus, um eine Rechtfertigungsstrategie" für ihre Gräueltaten zu entlehnen, was einer der übelsten Missbräuche am Buddhismus überhaupt war.
Erst nach dem zweiten Weltkrieg gab es einen echten" Austausch zwischen buddhistischen Schulrichtungen und europäischem Abendland, da nun wirklich vermehrt verschiedenste Dharmahalter Europa besuchten. Buddhismus hatte als Spielwiese" der Gedankenfreiheit ausgedient. Die harte Realität der mönchischen Lebensweise, ohne die diese Religion nicht zu denken ist, traf auf das hedonistische Weltbild der aufgeklärten Weltenbummler, die immer alles gerne anfassen, aber nicht berührt werden wollen. Buddhismus wurde en vogue" und breiteren Schichten zugänglich. Leider wurde und wird er auch von "esoterischen Strömungen" zur Erklärung merkwürdiger Modelle bzw. Behauptungen missbraucht. Dennoch können wir sagen, dass es eine buddhistische Realität" in Europa gibt. Nicht zuletzt feiert heuer die DBU ihr fünfzigjähriges Bestehen.
In Amerika jedoch nahm die Auseinandersetzung eine merkwürdige andere Richtung an. Das Land der Religionsfreiheit" und der von Europa Verstoßenen" hatte keine doktrinären-dogmatischen Probleme mit dieser asiatischen Religion", zumal Amerika als Einwanderungsland viel früher realen pragmatischen Kontakt mit Chinesen, Indochinesen, Japanern, Indern und deren Kulturen hatte.
Darum waren die Diskurse in den USA viel weniger theologisch" als philosophisch-naturwissenschaftlich geprägt. Die naturwissenschaftlich-pragmatisch orientierte geistige Elite sah im Buddhismus eine interessante Weltanschauung", die nicht mit dubiosen Moralvorstellungen herumhantierte, sondern nachvollziehbare Argumente brachte. Gerade darum nahmen viele Amerikaner den Buddhismus eher als Philosophie auf und verdrängten die religiösen Aspekte. Die reichhaltige Erkenntnistheorie, auf die der Buddhismus selbst in den vier edlen Wahrheiten" baut, war Ausgangspunkt für manch idealistischen Diskurs der Geister". Darum ist es nicht verwunderlich, dass Abhandlungen mit Themen wie Logik und Buddhismus" oder Ökonomie und Buddhismus" auftauchten. Es ging in diesen Diskursen selten um Moralvorstellungen, meistens aber um Epistemologie bzw. reale Physik oder Handlungstheorie. Der Anspruch auf Universalität brachte vor allem logozentristisch orientierte Naturphilosophen oder philosophisch gebildete Naturwissenschaftler auf den Plan, sich mit der buddhistischen Gedankenwelt auseinanderzusetzen.
In der Tradition dieser Diskurse können wir das Werk Buddhismus und Quantenphysik" von Christian Thomas Kohl einordnen, das dieser Tage im Windpferdverlag erschienen ist. Autor Kohls Ansatz ist für europäische Verhältnisse unorthodox, für buddhistische aber maßgeblich, um einen neuen" Wirklichkeitsbegriff im Buddhismus darzustellen.
Die Geschichte des Buddhismus belegt eindeutig, dass Lehrer, Mönche, Dharmahalter, die in anderen Ländern auftauchten, sich vor allem zuerst mit den dort vorherrschenden Religionen bzw. Ideologien und Weltanschauungen in dialektischer Weise auseinandersetzten, sei es in Tibet mit der Bönkultur, in der Mongolei mit dem Steppenschamanismus der Nomaden, in Japan mit dem Shintoismus und dem Bushido, in China mit Taoismus und Konfuzianismus oder in Thailand oder Myanmar mit den chiliastisch-animistischen Herrschervorstellungen.
Was ist also daran so verwunderlich, wenn Herr Kohl die Auseinandersetzung und den Dialog mit den "wahren", also den bestimmenden Weltverständnissystemen in Europa sucht? Europa ist schon lange nicht mehr so christlich fundamentalisiert, wie so oft gesagt wird, auch wenn der Tod eines Medienpapstes" viele Schaulustige" anlockt. Seit der Aufklärung ist Europa nicht nur im politischen, sondern auch im religiösen Sinne stetig säkularisiert worden, das angelsächsische schneller und gründlicher als das mitteleuropäische. Heute sind Naturwissenschaft und Politik/Ökonomie an die Stelle von Gottesfurcht und Glaubensgemeinschaft bzw. Gottesgnadenideologie getreten. Das christliche Europa ist nur ein Ansprechpartner unter vielen für die wachsende buddhistische Elite in Europa.
Herr Kohls Ansatz birgt viel mehr Sprengstoff" für buddhistisch interne Auseinander-setzungen, als man unter dem lapidaren Titel des Buches vermuten mag: Sein Werk geht vom Wirklichkeitsbegriff Nagarjunas aus und sucht Parallelen in der Quantenphysik und gerade dort wird die Sache heikel. Nagarjuna kann zu Recht als der Begründer einer buddhistischen Logik" und als Former der ersten buddhistischen Apologetik" bezeichnet werden. Sein Tetralemma wurde und wird auch heute noch Novizen und Mönchen aller Richtungen gelehrt, um unrichtige" Glaubensverständnisse zu tilgen, ob in Colombo, Mysore, Dharamsala, Ladakh, Katmandu, oder Bangkok, Angkor Phat, Mandalay, Nanking, Kuming, Shaolin, Taipeh, Kioto , Tuwa u.s.w. . Seine Methoden werden von allen Schulen als gemeinhin universal angesehen. Und weil Nagarjuna allgemeine Anerkennung gefunden hat, ist er ein günstiger" Vertreter eines allgemeinen" Buddhismus, der mit seiner Argumentation einem allgemein" anerkannten naturwissenschaftlichen Diskurs gegenübergestellt wird, zumal die Quantenphysik ebenfalls einem Universalitätsanspruch folgt. Ob eine Gegenüberstellung überhaupt zulässig ist, mag dahingestellt sein, weil es bei Nagarjuna oder in der Quantenphysik auch immer um Epistemologie bzw. grundlegendes Verständnis von den Sachverhältnissen in der Welt geht. Doch ob die Parallelen haltbar sind, die Herr Kohl herausgearbeitet hat, wird eine Menge Diskussionsstoff in bewanderten buddhistischen Kreisen bieten.
Um dies zu verdeutlichen, möchte ich eine Anekdote erzählen, die sich unlängst tatsächlich ereignet hat:
Als letztes Jahr der Dalai Lama das Wiener Physiklabor des Quantenphysikgenies Zeilinger besuchte, kam es zu einer Offenbarung besonderer Art. Professor Anton Zeilinger, auch scherzhaft Papst der heiligen Verschränkung" genannt, erklärte dem Oberhaupt der Gelugpasekte seine Versuchsanordnungen und zeigte ihm ein paar hübsche Experimentaltricks mit Photonen. Der Professor wies seine Heiligkeit darauf hin, dass im Mikrokosmos Teilchen einfach so aus dem Nichts entstünden. An dieser Stelle soll der Dalai Lama inne gehalten haben und sein Gesicht entglitt aus der sonst so heiteren Gelassenheit. Irritiert habe der Dalai Lama daraufhin entgegnet, dass es für jedes Ereignis im Kosmos auch eine Ursache gäbe. Die Physiker müssten eben einfach noch genauer hinschauen. Für Zeilinger aber war es klar: Hier gibt es eine offensichtliche Divergenz der Ansichten, denn für ihn steht es zweifelsfrei fest, dass in der Quantenwelt die Kausalität tatsächlich verschwindet.
Herr Kohls Diskurs läuft jedenfalls am Abgrund dieser Kausalitätsschwankungen entlang und man muss sagen, nicht ohne eine gewisse Noblesse. Wer aber diesem Diskurs wirklich folgen will und ihm tiefer begegnen möchte, sollte ein immenses Vorwissen in punkto Quantenphysik und buddhistischer Philosophiegeschichte mitbringen. Denn obwohl Herr Kohl eindringlich versucht den Ball flach zu halten" und viele Erklärungen und Einführungen mitliefert, erklimmt das Buch häufig schwindelerregende Höhen. Dieses Opus ist ganz gewiss nichts für Anfänger" und für Kenner der Materie wird es oftmals ein Dorn im Auge" sein, je nach gepflegter Lehrmeinung. Dennoch ist dieses Buch ein Wurf, wie groß dieser Wurf sein wird, hängt von der Diskussionfreudigkeit der buddhistischen Zirkel ab; denn auch im Buddhismus lässt sich am Wirklichkeitsbegriff" vortrefflich vorbeimeditieren.
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Philosophische Bibliothek, Bd.505, Kritik der reinen Vernunft. Nach der 1. und 2. Originalausgabe, mit einer Bibliographie Immanuel Kant Taschenbuch, Oktober 1998 Verkaufsrang: 34116 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Erfolgsgeschichte der modernen Naturwissenschaften vor Augen, wollte Kant auch die Philosophie, insbesondere die Metaphysik auf den sicheren Weg einer Wissenschaft bringen. Das Ergebnis war jedoch die wohl wirkungsvollste und nachhaltigste Zerstörung metaphysischen Denkens in der neuzeitlichen Philosophie. Kant sprach von einer Kopernikanischen Wende. Sie sollte dadurch herbeigeführt werden, dass die philosophische Erkenntnis sich von den Gegenständen selbst auf die Möglichkeit der Erkenntnis derselben zurückwendet. Kritik der reinen Vernunft bedeutet daher vor allem Selbstprüfung des menschlichen Erkenntnisvermögens hinsichtlich seiner Grenzen und Erkenntnismöglichkeiten. Kants für die moderne Philosophie grundlegende Einsicht war, dass erfahrungsunabhängige, also metaphysische Erkenntnis nur in der Einschränkung auf die formalen Bedingungen möglicher Erfahrung beweisbar und damit alle traditionelle Metaphysik nichts als Scheinwissenschaft ist. Grundvoraussetzung für dieses Projekt ist die Rückführung aller gültigen Erkenntnis auf die im Subjekt angelegten Bedingungen. So wie Raum und Zeit keine Gegenstände, sondern reine, subjektive Anschauungsformen möglichen Gegebenseins von konkreten empirischen Erscheinungen sind, so sind auch die reinen Verstandesbegriffe bloß formale Bedingungen der Einheit möglicher Objekte. Wir erkennen nie die Dinge an sich selbst, sondern nur die Erscheinungen, das heißt die Gegenstände, wie sie uns durch die formalen Bedingungen unseres Erkenntnisvermögens gegeben sind. Vor allem Kants idealistische Erben wollten sich mit dieser Einschränkung der Erkenntnis auf die Erscheinungswelt nicht zufrieden geben und gingen daher über Kants kritischen Idealismus hinaus. Statt dessen versucht man in der sprachphilosophisch geläuterten, modernen Erkenntnistheorie (Putnam, McDowell) wieder an Kants Kritizismus Anschluss zu finden. --Jens Kertscher
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Notwendig a priori 5 von 5 Punkten Bei dieser Ausgabe handelt es sich um die an der Universität empfohlene. Das Besondere daran ist, dass hier beide Kritiken, denn es gibt zwei Ausgaben der KrV, in einer, zu direktem Vergleich, enthalten sind. Wenn Sie schon immer einmal wissen wollten, ob die Welt einen Anfang hat oder dem Raum nach begrenzt ist, dann lohnt es sich, hier einen Blick zu riskieren. Sie werden erstaunt sein. An Kant kommt kein Philosoph vorbei und das aus gutem Grund. Wer sich erst in die KrV eingearbeitet hat und mit ihrer Terminologie perdu ist, der hat eine gute Voraussetzung geschaffen, die folgenden Werke, die die wichtigeren sind, leicht zu verstehen. Auf die Kritik der reinen Vernunft folgt die Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, die jedem, der sich mit Zwischenmenschlichem auseinanderzusetzen gewillt ist, als Ratgeber zur Seite stehen kann. Dem man darüber hinaus nicht glauben muss, sondern der in der Lage ist, zu überzeugen. Suchen Sie sich Hilfe in der Volkshochschule oder der Sekundärliteratur, damit sie, wenn sie einmal nach Kant gegriffen haben, dranbleiben. Es ist keine Übertreibung, wenn hier von einer jahrelangen Beschäftigung die Rede ist. Dieses Buch wird ihr idealer Führer sein.
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Nietzsche. SPIEGEL-Edition Band 39 Rüdiger Safranski Gebundene Ausgabe, 23. April 2007 Verkaufsrang: 16293 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Am Anfang der Biografie Friedrich Nietzsches steht der Versuch, dem eigenen Leben auf die Schliche zu kommen. Zwischen 1858 und 1868 entstanden neun autobiografische Skizzen, mit denen der "Abenteurer und Weltumsegler der inneren Welt" die eigene Existenz ergründen wollte. Ein unglückliches Unterfangen, schreibt Rüdiger Safranski in seinem neuen Buch, da "er sich dennoch ein Geheimnis" und terra incognita geblieben sei. In Nietzsche. Biographie seines Denkens nun hat der 55-jährige Essayist, der bereits durch Bücher zu E. T. A. Hoffmann (1984), Schopenhauer (1987) und Heidegger (1994) glänzte, das sprachliche Abenteuer gewagt, dem Lebensweg von Nietzsches Philosophie nachzuspüren. Mit Exkursen etwa auf Wagner, Hegel, Stirner oder Eduard von Hartmann entdeckt er den denkerischen Entwicklungsgang des "Luft-Schifffahrer des Geistes" und erschließt dem Leser so einen Panoramablick auf Nietzsches philosophische Welt. Abgerundet wird die gut lesbare Einführung durch ein Kapitel zur Rezeption des Philosophen, die rechtzeitig zum Nietzsche-Jahr mit Büchern wie Nietzsche und der Faschismus von Bernhard Taureck, Nietzsche in Weimar von Manfred Riedel oder Nietzsche und die Deutschen von Steven E. Aschheim bereits recht unterschiedlich -- und zumeist weniger differenziert -- aufbereitet wurde. "Das ganze Leben wäre möglich, ohne dass es sich gleichsam im Spiegel sähe", heisst es einmal bei Nietzsche, "wie ja thatsächlich auch jetzt noch bei uns der bei weitem überwiegende Theil dieses Lebens sich ohne diese Spiegelung abspielt." Safranski ist es geglückt, der inneren Welt des Philosophen reflektierend den Spiegel vorzuhalten. Seinem Leser jedenfalls hat er das Gefühl geschenkt, mit dem rätselhaften Philosophen etwas vertrauter geworden zu sein.--Thomas Köster
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)
Kenntnisreich und spannend nicht nur für Nietzsche-Fans 5 von 5 Punkten Ich bin wahrlich keine Nietzsche-Verehrerin, und sämtliche meiner Versuche ihn im Original zu lesen sind bislang daran gescheitert, dass mir seine schwulstige Sprache stets körperliche Übelkeit bereitete, bevor ich zum Kern seiner inhaltlichen Aussagen vordringen konnte. Mir war daher sein Denken nur in den Fetzen bekannt, die man hier und da immer mal wieder aufschnappt.
Rüdiger Safranski hat mir nun dabei geholfen, Ordnung in diese Bildungsfetzen zu bringen, sie zu erweitern und zusammenzufügen. Die von ihm vorgelegte Biographie ist gut strukturiert, detailreich und rund, wie aus einem Guss. Dabei beschreibt er Nietzsches Denken so anschaulich und plastisch, dass man den Philosophen beinahe leibhaftig vor sich sieht: seine Liebe für und Sorge um die Künste, seine Verachtung für den behaglichen Mief der Bildungsphilister, seine verzweifelte Suche nach Wahrhaftigkeit und nach einer besseren Welt, aber auch seinen Zynismus und seine narzisstischen Größenphantasien, deren unheilvolle Wirkungen wir alle kennen.
Safranski versteht es ganz ausgezeichnet, spannend, lebendig und dabei sowohl inhaltlich kenntnisreich als auch kritisch zu schreiben. Er stellt nicht nur die Entwicklung von Nietzsches Denk- und Lebensweg anschaulich dar, sondern zeigt auch auf, wo sich Nietzsche in Widersprüche und in Antinomien verstrickt hat, wo er die Ansätze von Philosophen, die sein Denken beeinflusst haben, weiterentwickelt hat und wo er hinter ihnen zurückgeblieben ist, sowie Einflüsse, die er selbst auf Denker nach ihm ausgeübt hat.
Ich werde mich durch das Buch nicht zur glühenden Nietzsche-Liebhaberin entwickeln, aber ich habe enorm viel Neues erfahren, bruchstückhaft Bekanntes ist mir verständlicher und teilweise auch sympathischer geworden, und ich habe festgestellt, dass Nietzsches Denken sehr kluge Ansätze und Facetten aufweist, die ich durchaus teile, auch wenn ich viele seiner Ansichten nach wie vor überhaupt nicht gutheißen kann. Mehr kann man von der Lektüre einer Biographie kaum erwarten.
Wer einen verständlichen, mit Genuss lesbaren und trotzdem fundierten Einblick in die Lebens- und Gedankenwelt sowie die Wirkungsgeschichte Nietzsches erhalten möchte, wird von diesem Buch nicht enttäuscht werden.
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Wieviel Wahrheit braucht der Mensch?: Über das Denkbare und das Lebbare. (Philosophie) Rüdiger Safranski Taschenbuch, Februar 1993 Verkaufsrang: 15109 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In einem berühmten chinesischen Märchen verschwindet der Maler in seinem eigenen Bild. Das ist die Utopie der Wahrheit. Übereinstimmung mit sich und der Welt. Um dieser Utopie willen haben Rousseau, Kleist und Nietzsche abenteuerliche Wahrheitsexpeditionen unternommen: Dreimal die Wahrheit des Ich gegen den Rest der Welt; dreimal führt die Suche nach Wahrheit in die selbstgemachten Bilder und in die Bereitschaft zur Gewalt gegen eine Wirklichkeit, die sich den Bildern widersetzt. Eine andere große Wahrheitsexpedition ist die Metaphysik als der Versuch, in einer 'verkehrten' Welt eine 'wahre' Welt zu entdecken. Das beginnt eindrucksvoll bei Sokrates und Augustin und endet furchtbar im Zeitalter des Totalitären und des Fundamentalismus. Bleibt also nur die (Lebens-)Kunst, ohne die Gewißheit des richtigen Lebens, ohne verbürgte Wahrheit zu leben? Es sieht so aus. Am Beispiel Kafkas geht es in den letzten Kapiteln dieses Buches um die Kunst, in der Fremde zu bleiben. "Dies ist ein großes Buch über die Macht der selbstgemachten Bilder, in denen Denker ihre Freiheit verloren oder in denen sie sich vor der Freiheit versteckten. Es handelt von Himmel- und Höllenfahrten im Reich der Gedanken, und es beginnt so sinnlich wie ein Märchen." (Der Spiegel)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Freiheit nur in Freiheit von Konsequenzen 5 von 5 Punkten Freiheit bedeutet auch frei sein von der Strenge der Konsequenzen eigener Gedanken und gedachter Lebensmodelle. Wer sich dem Zwang des Selbstentworfenen unterordnet, gelangt in Zwang und Unfreiheit - so Safranski. Nietzsche, Kleist und Rousseau, aber auch Sokrates und Kafka erhalten wir in diesem Aufsatzband als Beispiele fuer Denker, die an Ihrem eigenen Gedankengebaeude litten und auch zugrunde gingen.
Ironische Selbstdistanz - das ist fuer Safranski eine notwendige Vorbedingung fuer Freiheit - ironische Distanzierung von den eigenen Gedanken und deren lebensbetreffenden Konsequenzen.
Aber ist das so? Sind wir notwendigerweise unfrei, wenn wir unsere Gedanken zu Ende leben und voll ernst nehmen? Bedeutet konsequent sein immer auch unfrei sein?
In einer Zeit, in der Fanatismus und Extrempositionen in der Welt Zulauf gewinnen argumentiert Safranski nur fuer die Seite der Selbstdistanz und der fuer ihn daraus resultierenden Freiheit und laesst die konsequenten Freien nicht zu Worte kommen - vielleicht sehr angemessen, wenn man auch gerne mehr spekulieren und diskutieren wuerde und gerne mehr von Safranski zum Thema gehoert haette.
Das hier vorliegende Buch ist insgesamt eine Aufsatzsammlung, das spuert man deutlich, es fehlt doch die ganz grosse sanfte Linie, die alles zu einem Guss zusammenbindet. Die Aufsaetze moegen allerdings zwar einzeln entstanden sein, sie sind aber natuerlich eng am Thema gehalten - Wahrheit des Lebens und Freiheit von den Konsequenzen.
Ich persoenlich haette mir zu einem solch spannenden Thema noch mehr uebergreifende Gedanken gewuenscht und weniger Essays zu den einzelnen Schriftstellern, habe aber auch diese sehr genossen und empfinde das Buch als Anregung zum Weiterdenken.
Safranski Dank dafuer und Ihnen lieber Leser sei das Buch gerne empfohlen.
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Apologie des Sokrates Platon Taschenbuch, Januar 1986 Verkaufsrang: 39950 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Nach 2400 Jahren würde unserer Gesellschaft ein Sokrates gut bekommen! Zehn Jahre nach Sokrates Tod schrieb Platon dessen Verteidigungsrede nieder und etablierte damit einen Denker, wie ihn die Welt noch nicht kannte. Einen Dialektiker, der sich unwissend und einfältig stellte, um Wissen und Moral seiner Mitmenschen zu prüfen, und der sich in seiner Unbedingtheit weder gängigen Meinungen noch dem Druck der Masse beugte, mehr noch: der auch den eigenen Neigungen widerstand und sich ganz und gar der Wahrheit verpflichtete. »Ich bin durch meine Ankläger beinahe über mich selbst irre gemacht worden, so künstlich und schön haben sie gesprochen, obwohl sie nicht ein wahres Wort gesagt haben.« (Sokrates)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
"Mein Kriton, wir müssen dem Asklepios einen Hahn opfern." (Sokrates) 5 von 5 Punkten ..
"So hat denn der Gott auch mich der Stadt beigegeben als einen Mann, der nicht müde wird, euch zu wecken, [....], schlagt in eurem Ärger auf mich ein und verurteilt mich zum Tode, um dann euer weiteres Leben zu verschlafen."
Ein Orkan fegte über Sokrates. Siebzigjährig hatte er sich 500 Richtern zu stellen, angeklagt der Gotteslästerung (Asebie nach Anaxagoras), der Missachtung des Staatsgefüges und vor allem junge Männer gegen ihre Väter aufgewiegelt zu haben. Zu Recht sei er, ein böser Mensch, zum Schweigen zu verurteilen, sei es auch durch Tod, befanden Meletos, ein Dichter, Anytos, ein Politiker und Handwerker, Lykon, der Redner.
Diesen historischen Hintergrund greift Platon auf, um Sokrates, seinen Lehrer in drei Reden Position beziehen zu lassen. (1) Eine Vereidigungsrede (Apologie) gegen die Vorwürfe der Anklage, (2) eine Rede nach dem Schuldspruch und (3) eine Rede nach der Verhängung der Todesstrafe.
In (1) versucht Sokrates ohne rhetorische Raffinesse aufzuzeigen, das diese Verurteilung auf alten Vorurteilen beruht. Denn so wie das Orakel von Delphi ihm weissagte, niemand sei weiser als er, so musste er den Göttern folgend, die Bürger durch Fragen prüfen, glaubte er doch, dass sie alle weise seien. Diese Prüfung aber ergab, dass Schein und Sein unterschiedliche Attribute sind und so blieb letzter Schluss, dass keiner wirklich etwas weiß. Im Unterschied zu den Anderen und deren Einbildung erkennt Sokrates, dass er weiß, dass er nichts weiß. Und deutlich unterscheidet er zwischen dem Wissen der Fachleute, denn dieses ist unbestritten, sondern es geht um das finale Wissen vom dem Guten und der Wahrheit, welche die Sophisten glauben zu besitzen, Sokrates jedoch im Widerspruch zu ihnen sich von dieser Gruppe distanziert. Die Suche nach Wahrheit ist für Sokrates ein Gottesdienst und niemals eine Lästerung, ein von den Götten angewiesener Beruf und Todesfurcht könne ihn nicht veranlassen, diesen Posten zu verlassen.
Dass er die Jugend verderbe, führt Sokrates auf das Imitationsverhalten zurück. (Heute spricht J. Bauer über Spiegelneuronen, wenn er gleiches meint.) Diese Jugend macht nichts anderes, als sich dem Schein des Wissens der Älteren zuzuwenden. Und wie er auch in der Verführung der Jungen keine Absicht hege, so auch gegenüber der Polis, deren Gesetze er sehr wohl achte. Denn gerade weil er weiß, das er nicht weiß, sich also auch nicht einbilde, etwas zu wissen, weiß er am besten, was seine politische Pflicht ist, die ihn unbeirrbar bestimmt. Damit ist dieses Wissen zugleich seine Tugend.
Und er stelle fest, dass es von großem Schaden gerade für die Polis sei, wenn er seine Tätigkeit nicht mehr gewinnbringend für alle einbringen könne. Politisch könne er sich nicht beteiligen, wohl aber über die Gespräche. Denn folge er dem Rat des Dämons, zeige er zugleich seine eigene Kraftlosigkeit im Wissen um das, was gut für ihn selbst sei. Dieses göttliche Dämonium entspricht dem sokratischen Wissens des Nichtwissens. Diese erste Rede endet mit einem Schuldspruch mit knapper Mehrheit.
Die nun folgende (2) wird sich dem Strafmaß zuwenden. Ein Leben ohne Selbstprüfung sei nicht lebenswert, sagt er hier und folgert daraus, dass er auf sein höchstes Gut, der permanenten Reflexion, nicht verzichten könne. Auch seien die Gespräche unter Menschen dazu da, diese auf diesen Weg des Wissens zu bringen. Auch formulierte er seinen Gegenantrag der dauerhaften Beköstigung als Lohn dafür, da er nichts anderes tat, als Menschen dazu zu bewegen, ihrer selbst zu achten. Dieses komme schließlich der Polis zu Gute. Das Strafmaß wurde darauf hin festgelegt, die Todesstrafe.
Nun folgt in der dritten Rede (3) die Frage, was ist der Tod. Der Tod sei nun auch kein Übel, vor allem, weil das Dämonium während des Prozesses geschwiegen habe. Auch sei der Tod etwas Positives für ihn, wisse doch niemand außer den Göttern, ob er den besseren Weg gehe oder die Richter. Er zieht noch einmal die genaue Grenze zwischen dem, was dem Menschen zu wissen versagt ist und dem was er wissen kann. Letztendlich hat der Mensch die immerwährende Aufgabe, um diese Grenze zu wissen.
Sokrates geht, um zu sterben.
Platon zeichnet in der Apologie das Bild einer Persönlichkeit, unerschrocken und mit einer Liebe zur Weisheit (Philosophie). Sokrates verkörpert für ihn den immerwährenden Sucher nach der Wahrheit (ibid), dem Eros und dem Schönen (Phaidros), der Seele (Phaidon) oder dem Eros (Symposion). Er zeigt aber auch, dass es eben nicht um den Einzelnen geht, sondern dass in der Anklage gegen Sokrates, die Selbstanklage des Staates enthalten ist und das dieser der Heilung bedarf. Die Apologie zeigt deutlich, dass das Wissen des Guten nicht zu erreichen ist, es ist ein Streben aus der Erinnerung des einmal geschauten Göttlichen. In der späteren Politeia, den Gleichnissen, zeigt aber Platon ebenso deutlich, dass er niemals aufgeben wird, dieses Wissen um das Vollkommene zu finden. Cicero und Montaigne sehen in dieser sokratesschen Suche die Notwendigkeit einer Harmonisierung. Daher ist neben diesem Streben nach Weisheit durch Vernunft eine negative Kehrseite notwendig gegeben. Wenn man keinen Charakter hat muss man Methode haben, lesen wir bei Camus in: Der Fall
Diese Schrift ist nicht abzuschließen, ohne auf die Gegebenheiten der Zeit hinzuweisen. Die Macht der Tradition: "Überall, wo noch die Autorität zur guten Sitte gehört, wo man nicht begründet sondern befiehlt, ist ein Dialektiker ein Hanswurst," sagte Nietzsche (in Anl. an Cicero und Montaigne) und doch konnte diese abstoßende Figur einen der größten geistigen Siege erringen. Er faszinierte seine Welt, in dem er das bestehende Denken auf neue Ebenen führte, denen des hellenistischen Wettkampfes im Geiste. Er sah hinter die Fassaden das monstrum in animo, den Zerfall. Er, Sokrates, bemühte sich, den eigenen Instinkt, die Emotionalität zu bekämpfen, in dem er die Vernunft zum Tyrannen über sich machte. Die Harmonisierung des Gegensätzlichen blieb aus, so musste das Urteil vielleicht so fallen.
Was lehrt uns Sokrates? mag die letzte Frage des Lesers sein. Auch wenn 56% der 500 Richter ihn für schuldig sprechen, verlor er nie die Zuversicht in seiner zweiten und dritten Rede. Unser Glaube, Recht zu handeln, soll also nicht auf Billigung einer Mehrheit beruhen. Die Frage bleibt heute, ob das Vermeiden von Unbeliebtheit meinungsbildend ist oder sein darf? Ist das nicht auf Popularität achtende Streben nach Einsicht etwas Bewundernswertes? Weiterhin zeigt er deutlich, dass nicht die Zahl der Widersprechenden eine Rolle spielen darf, sondern nur die Güte der Gründe. Auch ist eine Ansicht, nachvollziehend und eloquent vorgetragen, nicht a priori richtig. Denn es sollte auch die reine Logik dahinter interessieren, die zu den Schlüssen geführt hat. Es geht Sokrates um Eindringlichkeit.
Sokrates fordert den wachen, intelligenten und selbstbestimmten Menschen, der selbstverständlich, die Gesetze achtend, sich selbst achtet. Nichts anderes forderte Kant 2000 Jahre später, in dem er den Kategorischen Imperativ zur allgemeinten Regel erklärt und das moralische Gesetz zum innersten Antrieb. SAPERE AUDE!
Und diese Aufforderung zum Selbst-Weiterdenken zur Vermeidung einer schlecht gebildeten Meinung (=Krankheit) gab Sokrates uns mit seinem allerletzten Satz vor seinem Tod im Phaidon, vielleicht als Metapher:
.............. "Mein Kriton, wir müssen dem Asklepios einen Hahn opfern."
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Französisch Interpretationshilfen: Huis clos - Geschlossene Gesellschaft. Interpretationshilfe Deutsch - Französisch. (Lernmaterialien) Jean-Paul Sartre Taschenbuch, 1. Dezember 2002 Verkaufsrang: 59012 Diese Interpretationshilfe in deutscher Sprache erleichtert die Lektüre und vertieft das Verständnis des Dramas. Da alle Zitate auf Französisch und Deutsch vorliegen, eignet sie sich zur gezielten Vorbereitung auf Klausuren und Prüfungen in beiden Fächern. Mit Hintergrundinformationen zu Autor und Werk, einer ausführlichen Inhaltsangabe und einer systematischen Interpretation des Dramas unter folgenden Gesichtspunkten: Aufbau und Textstruktur; Charakterisierung der drei Hauptpersonen; Zentrale Themen und Aspekte; Sprache und Gestik; Interpretation von Schlüsselstellen.
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Narrenweisheit oder Tod und Verklärung des Jean Jacques Rousseau. SZ-Bibliothek Band 88 Lion Feuchtwanger Gebundene Ausgabe, 5. Januar 2008 Verkaufsrang: 39769 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der berühmte französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau ist tot. Das ärztliche Gutachten bescheinigt zwar einen Gehirnschlag als Todesursache, aber niemand glaubt daran. Hartnäckig hält sich das Gerücht, der Geliebte von Rousseaus Frau sei der Mörder. Es beginnt ein Kampf um das Erbe des toten Philosophen, der in seiner Familie als Narr galt, unfähig, aus seinem Werk finanziellen Gewinn zu ziehen. Auch um das Vermächtnis seiner Lehre tobt der Streit, der Freunde und Feinde Rousseaus in die unterschiedlichen Lager der Französischen Revolution führt und in Befürworter und Gegner der Gewalt spaltet.Lion Feuchtwanger wurde 1884 in München geboren. Nach vielseitigen Studien gab er die Kulturzeitschrift "Der Spiegel" heraus, schrieb Theaterkritiken und arbeitete an Siegfried Jacobsohns "Schaubühne" mit. Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde Feuchtwanger in Tunis interniert, konnte jedoch fliehen. In München vom Wehrdienst suspendiert, nahm er die Übersetzung und Bearbeitung indischer, griechischer und spanischer Dramen wieder auf, zudem entstanden eigene Stücke und Antikriegsdichtung. 1925 siedelte er nach Berlin über. Als die Nazis die Macht übernahmen, befand er sich auf einer Vortragsreise in den USA. Seine Bücher wurden verboten, Haus und Vermögen konfisziert. Sanary-sur-mer, Feuchtwangers neuer Lebensort, war zeitweilig ein Zentrum deutscher Emigranten. 1940 internierten ihn die Franzosen. Ab 1941 lebte er in Kalifornien, wo weitere große historische Romane, Erzählungen, Stücke und Essays entstanden. Feuchtwanger starb 1958 in Pacific Palisades.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Der vergessene Roman 5 von 5 Punkten Zugegeben:"Narrenweisheit" kann sich nicht mit den großen Meisterwerken Lion Feuchtwangers,wie der "Wartesaal-Trilogie","Goya" oder der "Josephus-Trilogie" messen,dennoch geriet dieser 1952 erschienene Roman seltsam schnell in Vergessenheit.Dabei gelingt Feuchtwanger hier das Kunststück, einen Roman über Philosophie,Politik,Liebe und Verwandlung einer ganzen Gesellschaft zu schaffen,der einen von der ersten Seite an in den Bann zieht. Auf Einladung des Marquis von Girardin zieht der berühmte Philosoph Jean-Jacques Rousseau auf dessen Gut Ermenonville,um dort,fern von dem ihm unerträglich gewordenen Paris,seine letzten Jahre zu verbringen.Wie viele Adlige in den letzten Jahren vor der französischen Revolution begeistert sich der Marquis für die naturverbundene Philosophie Rousseaus.Mit Rousseau reisen seine Frau Therese und seine äußerst materiell eingestellte Schwiegermutter,Madame Levasseur.Mit Therese hat Rousseau sich eine Frau genommen,die keinesfalls intelektuell mit ihm mithalten kann,mehr oder weniger als seine Krankenschwester fungieren muß und ansonsten,als ein rousseausches "Kind der Natur",nur ihren Naturtrieben folgt.Sie läßt sich in Affären mit dem Sohn des Marquis,Fernand,sowie mit einem englischen Reitknecht namens Nicolas ein,was Rousseau zum Verhängnis wird.Um Therese für sich allein zu haben und um an Rousseaus wertvolle unveröffentlichte Schriften heranzukommen erschlägt Nicolas,der sich von Rousseaus Geld einen eigenen Reitstall zulegen will,den Philosophen und tarnt sein Verbrechen als einen Unglücksfall.Trotz schwerer Zweifel und um einen Skandal zu vermeiden,verhindert der Marquis die Aufklärung des Falles und läßt Rousseau auf einer Insel im See seines Parkes begraben.Bald schon wird Rousseaus Grab zur Pilgerstätte für "aufgeklärte" Monarchen,wie den österreichischen Kaiser während Rousseaus Philosophie für das unterdrückte Volk bald als Aufruf zur Revolte verstanden wird.Die Unzufriedenheit führt bald zum Sturm auf die Bastille und zum Ausbruch der französischen Revolution.Mit deren Fortschreiten werden Rousseaus Aussagen immer weiter radikalsisiert,bis die Volksherrschaft im Terrorregime des Robbespierre und des Saint Juste kulminiert,das selbst Rousseaus einstige Gönner nicht verschont. Feuchtwanger zeigt in seinem historischen Roman,der sich natürlich die nötigen Freiheiten nimmt,wie ein eigentlich unpolitischer Philosoph ein Volk zu einer Revolte führt,die die Welt verändert und wie dieser Freiheitskampf,wiederum durch eigenwillig interpretierte Aussagen Rousseaus,in ein mörderisches Regime ausartet.Man kann Parallelen zu jeder weiteren politischen Umwälzung bis in die Moderne hinein ziehen. Die Figuren,die unsereinen heute von Gemälden anlächeln,bekommen durch Feuchtwangers lebendige Erzählweise ein beeindruckendes Eigenleben,man fühlt sich angezogen,abgestoßen,den reinen Helden gibt es genauso wenig,wie den großen Fiesling,jeder ist nur ein Mensch,selbst der stets etwas hilflos wirkende Louis XVI.,oder die primitiv wirkende Therese. Dieses Buch ist es auf jeden Fall wert,dem Vergessen entrissen zu werden und nicht weiterhin in Büchereien vor sich hin zu stauben. |
Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? Rudolf Steiner Broschiert, 2005 Verkaufsrang: 3993 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)
Geduld, Übung, Stärkung des höheren Selbst 5 von 5 Punkten Ich habe die Ausgabe 1920 gelesen. Rudolf Steiner zeigt hier durch eine klare Sprache auf wie der Schüler der Geheimwissenschaft seinen Weg zu gehen hat. Welche Hürden zu nehmen sind und wozu die Vorbereitung für den Eintritt in die höheren Welten erforderlich ist.
In klaren Worten werden die Voraussetzungen definiert, die der Schüler mitbringen soll um erfolgreich zu sein. Es werden Parallelen zu den Lehren der anderen Weltreligionen aufgezeigt und die Zusammenhänge leicht gestreift.
Ebenso werden Bilder aufgezeigt von den Schwellen, die der Schüler auf seinem Weg in diese höheren Welten durchschreiten muss.
Als Ziel kann zusammenfassend angegeben werden. Verlasse das Ego, erkenne in allen mit Leben durchflossenen deine "Brüder und Schwestern" und stehe diesen in Ihrer Entwicklung in die höheren Welten bei. Willst Du den Weg nur mit deinem Ego beschreiten so wirst Du einen bestimmten Punkt der Entwicklung nicht überschreiten können. (Ähnliches tat auch Sri Aurobindo in einer Selbstreflexion kund).
Fazit: für alle Menschen, die an einer Entwicklung Ihres Selbst arbeiten/interessiert sind der für mich klarste und beste Wegbeschreiber in deutscher Sprache.
Unvoreingenommenheit üben 3 von 5 Punkten Das Buch stellt einen ausgezeichneten Gegenstand dar, um mit Steiners Übung der Unvoreingenommenheit zu beginnen und vorschnelles Urteilen und Kritisieren einzustellen. Denn was Steiner einem zumutet, braucht ein ordentliches Maß dieser Fähigkeit. Sonst landet das Buch schnell ungelesen in der Ecke.Steiner beschreibt eine Reihe von Übungen und Schulungen, denen man sich unterziehen muss, wenn man Einblicke in höhere Welten erlangen möchte. Diese Übungen sind zunächst noch gut nachzuvollziehen, man kennt sie in ähnlicher Form zum großen Teil auch aus anderen spirituellen Schulen. Steiner weist auf die Notwendigkeit hin, das Seelen- und Gedankenleben auszubilden und zu veredeln, indem man beispielsweise Duldsamkeit, Gleichmut, Verehrung, Beharrlichkeit, Konzentrationsfähigkeit und eine ganze Reihe anderer Dinge übt. Das kann auch dann interessant sein, wenn man keine gezielten Ambitionen auf Einblicke in höhere Welten hat. Dieser Teil ist weitgehend unmittelbar einsichtig, gut und leicht lesbar geschrieben. Anstrengend wird dagegen der zweite Teil, in dem Steiner in esoterischen Bildern von der Ausbildung und Veränderung von Farbauren, Lotusblumen und den Hütern der Schwelle erzählt, wie sie seiner Auskunft zufolge im fortgeschritteneren Einweihungsstadien anstehen. Dieser zweite Teil ist des Buches ist bei aller aufzubietenden Offenheit etwas befremdlich und anstrengend zu lesen. Man kann das, was Steiner sagt, glauben oder nicht oder erstmal die niederen Stufen der Einweihung in Angriff nehmen, um sich schließlich selbst davon zu überzeugen. Zumindest auf das uneingeweihte Bewusstsein auch des unvoreingenommensten Lesers wirken diese Beschreibungen und Bilder, auch wenn sie in sich einigermaßen stimmig sind, spekulativ. Ich habe da »Die Philosophie der Freiheit« vom gleichen Verfasser mit weitaus mehr Gewinn gelesen. Hier versucht Steiner eine philosophische Begründung für seinen stark erweiterten Realitätsbegriff, die mehr auf Nachvollziehbarkeit angelegt ist.
Dieses Buch ATMET 5 von 5 Punkten Als ich "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten" nach ein paar Jahren mal wieder in die Hand nahm, fiel mir erst recht eigentlich auf, wie wenig es sich dabei um eine philosophische Abhandlung handelt und wie sehr nur um Ratschläge und Hinweise dazu, wie man in eine zufriedene und ausgeglichene Gemütslage kommt. Und zwar, wie mir jetzt (wiederum ein paar Jahre danach) dämmert, in eine Gemütslage, die dazu geeignet ist, dass einem im nüchternen Zustand begeisternde innere Erkenntnisse zuteil werden. Womöglich hätte ich meine notorische Ruhe (die mir aus rauschhaften Glücksmomenten zu quellen begonnen hat) ohne Steiners "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" gar nicht bekommen. Aber die Frage ist müßig, denn so ein Buch fällt einem nicht zufällig in die Hand.
Nur der wirklich Suchende erlagt höchste Erkenntnisse 5 von 5 Punkten Wer wirklich mit dem Herzen und dem Verstand beim Lesen zuhört, der wird feststellen, daß Rudolf Steiner recht hat. Die Erleuchtung kann nicht durch geistiges Lustwandeln erreicht werden, sondern erfordert Disziplin in allen Bereichen des Lebens. Ja, Steiner's Buch hat mich auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. Darüber freue ich mich. Und ich habe das Gefühl bekommen, daß ich mir damit Zeit lassen kann, "Buddha" zu werden. ;-) Steiner sagt, dass erst alle Ebenen des Lebens geordnet sein müssen, damit der Suchende in der Lage ist, die große Verantwortung, die eine wahre Erleuchtung mit sich bringt, übernehmen und auch tragen zu können. Nein, eine Anleitung in herkömmlichen Sinne liefert dieses Buch nicht. Wer es aber sorgfältig liest bekommt auch die richtigen Antworten. Ich möchte jedem, der nach der "schnellen Erleuchtung" sucht, dieses Buch sehr ans Herz legen.
Der Weg ist das Ziel 5 von 5 Punkten Wer dieses Buch zur Hand nimmt, sollte sich zu allererst darüber klar sein, daß der Autor vor nun schon fast 100 Jahren gelebt und gearbeitet hat. Dementsprechend scheint sein Stil etwas ungewohnt. Bei ernsthafterer Vertiefung indes werden dem Leser die bewußt veranlagten "Umständlichkeiten" klarer. Der trotzdem sachliche und zurückhaltende ( eben geistes-WISSENSCHAFTLICHE ) Stil ist bei genauer Betrachtung trotz allem ermunternd und liebevoll. So wird z.B. bereits in den ersten Absätzen daraufhingewiesen, daß "JEDER " bei entsprechendem Bemühen zu diesen Erkenntnissen gelangen kann, da bei "JEDEM" die Veranlagungen dazu vorhanden sind. Wie ein Ingenieur genau sagen kann, wann z.B. eine Brücke einstürzen MUSS, so sagt auch Steiner als Fachmann, welche Bedingungen der Adept absolut einhalten MUSS, wenn er den erstrebten Erfolg erreichen will. Dabei steht er Trieb und Genuß nicht absolut asketisch sondern durchaus flexibel - eben SELBSTverantwortlich gegenüber wenn er sagt, "...durch den Verzicht sich etwas von dem Genuß offenbaren lassen..." - Steiner weist vor allem auch daraufhin, daß gerade durch eine korrekte und sorgfältige Schulung/Übung alle zunächst unberechtigten, nicht geläuterten Wahrnehmungen und Sensibilitäten, Spiritismen usw. verschwinden werden bzw. müssen und geht detailliert auf Änderungen z.B. im Traumverhalten usw. ein. Dies ist nur konsequent im Sinne einer geistesWISSENSCHATLICHEN Schulung. Auch sonst wird von dem Schüler bei genauer Lektüre einiges an Willensaufwand verlangt, wie bestimmte Wahrnehmungen loszulassen, um eine höhere Wahrnehmung zu erlangen usw. Wer dennoch befürchten muß, von derartig klar formulierten Gesetzmäßigkeiten durch bestimmte Vokabeln, wie "muß", in seiner "freien Selbstbestimmung" abgeschreckt zu werden, dem seien zunächst die Philosophisch-erkenntnistheoretischen Werke Steiners ermpfohlen, wie, "Die Philosophie der Freiheit, Wahrheit und Wissenschaft, Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung", die weit über die Banaltität und archaische Primitivität eines Kant'schen kategorischen Imperativs hinausgehen. Leider wird allzuoft übersehen, daß gerade die "Philosophie der Freiheit" Steiners erster Versuch war die Wahrnehmung und Würdigung der Menschen untereinander auf eine neue Stufe zu heben. Dieser weltweit vernachlässigte Mangel, entpuppt sich leider allzuoft als eine Pandora-Büchse der Missverständnisse und Missinterpretationen Steiners, frei nach Goethe ".. Du gleichst dem Geist den Du begreifst, nicht mir!" ( Faust I, Studierzimmer, Erdgeist ) Wer sich in der Lage fühlt die aufgezeigten kleineren Widrigkeiten, die ja nur der Klarheit dienlich sind zu überwinden, dem sei dieses Buch als täglicher Begleiter uneingeschränkt ans Herz gelegt.
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Authentische Körpersprache Stefan Spies Gebundene Ausgabe, Dezember 2004 Verkaufsrang: 16807 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Unser Körper redet mit: Unsere Wirkung auf andere hängt zu 55 Prozent von unserer Körpersprache, zu 38 Prozent von unserer Stimme und nur zu 7 Prozent von dem ab, was wir sagen. Deshalb ist es so wichtig, die verschiedenen nonverbalen Signale eigene und die anderer zu erkennen und zu verstehen. Sie ermöglichen uns, Schlüsselsituationen des beruflichen Alltags wie Meetings, Verkaufsgespräche, Verhandlungen und Vorstellungsgespräche erfolgreich zu meistern, verborgene Hierarchien und Machtkämpfe zu verstehen, gezielter/sensibler auf Mitarbeiter und Kunden zu reagieren sowie andere mit unserem Vortrag zu begeistern. Dieses Buch hilft, die eigene Präsenz durch den gezielten Einsatz von nonverbaler Kommunikation zu erhöhen und so stets souverän und überzeugend aufzutreten. Dabei ist es dem Autor besonders wichtig, dass die Menschen authentisch wirken und nicht auf ihre äußere Wirkung hin dressiert werden. Zahlreiche Beispiele, Übungen und Fotos erleichtern die Anwendung in der Praxis.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Praxisgerecht und anschaulich 5 von 5 Punkten Auch von mir 5 Sterne für "Authentische Körpersprache". Grundlage des Buches ist, daß die Körpersprache die innere Haltung wiederspiegelt. Anschaulich, praxisgerecht für den beruflichen Alltag, eingängig und logisch aufgebaut, kommt also viel Hintergrundwissen zu Gruppendynamik und Soft Skills. Das Buch macht eigene und fremde Verhaltensweisen im Beruf bewußt - der erste Schritt um Körpersprache als Kommunikationsmittel zu begreifen. Darüber hinaus liefert es auch konkrete Empfehlungen für den weiteren Umgang mit vielen typischen Kommunikationssituationen. Quer- oder durchgelesen - immer ein Gewinn!
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Cicero: Redner, Staatsmann, Philosoph Wilfried Stroh Broschiert, Februar 2008 Verkaufsrang: 51489 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Diese kleine Biographie bietet einen kompetenten Überblick über die wichtigsten Stationen im Leben einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Antike - Marcus Tullius Cicero. Sie zeigt ihn als aufstrebenden Juristen und glänzenden Rhetor, als ehrgeizigen und erfolgreichen Politiker, als überzeugten Republikaner und nachdenklichen Philosophen - schließlich als todgeweihten Verfechter der Freiheit.
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Descartes' Irrtum: Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn Antonio R. Damasio Broschiert, Juli 2004 Verkaufsrang: 31920 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ausgehend von zahlreichen Fallgeschichten, legt der Neurologe Antonio R. Damasio überzeugend dar, welche grundlegende Rolle den Emotionen im "vernünftigen" Verhalten des Menschen zukommt; ein Mensch dessen emotionales und soziales Verhalten durch Hirnverletzungen gestört ist, ist nicht mehr fähig, sogenannte rationale Entscheidungen zu treffen. Damasio will damit beweisen, daß Descartes' Lehrsatz "Ich denke, also bin ich" in "Ich fühle, also denke ich" umgewandelt werden müßte.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Klug, neu,nie belehrend-und ein Lesevergnuegen 5 von 5 Punkten Dass Entscheidungen eine rationale und eine emotionale Komponente haben, war seit EMOTIONAL INTELLIGENCE klar. Dass sie aber fast ausschliesslich emotional getroffen werden, und dann rational argumentiert, zeigt dieses Buch und .. gibt allen zu denken, die in Politik oder Wirtschaft zu entscheiden haben. Dieses Buch ist humorvoll und klug geschrieben .. und menschlich. Fuer mich ein Lesevergnuegen UND ein kluges Buch. Ein MUSS!
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