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Kraft aus der Stille: Vom Wachsen des Bewußtseins Joachim-Ernst Berendt Taschenbuch, April 2003 Verkaufsrang: 80395 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die radikale Kraft der Stille In diesem Buch vollendet Joachim-Ernst Berendt den Schritt vom Klang über das Hören zum Sein. Nur in der Stille, sagt er, können wir ganz bei uns sein, nur in der Stille wächst unser Bewusstsein. Auf das Lauschen nach innen kommt es an. Joachim-Ernst Berendts letztes Werk ist eine intensive Auseinandersetzung mit der inneren und der äußeren Welt. Ein Weg zu sich selbst und damit zur Veränderung der Gesellschaft.
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Die Stimme ist die Seele des Wortes 5 von 5 Punkten Stille, Stille laß uns lauschen!Wahrlich, in diesem Buch sind die Wörter so schmackhaft wie reife Früchte zum Beissen einladen... Im tiefen Herzen spüre ich aus jeder Zeile die Verbindung von Seele zu Seele... Die Wörter blühen kann ich förmlich vor mir sehen... DANKE-Joachim-Ernst-Berendt
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Die Philosophie der Stoa: Ausgewählte Texte
Taschenbuch, April 2001 Verkaufsrang: 108690 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Sehr guter Einblick in die stoische Philosophie 5 von 5 Punkten "Die Philosophie der Stoa" aus dem Reclam-Verlag ist meiner Meinung nach ein sehr gutes Buch, wenn man sich für die stoische Philosophie interessiert. Der erste Teil handelt von der Geschichte der Stoa und ihren wichtigsten Vertretern (Zenon, Chrysipp, Seneca, Epiktet usw.). Danach wird der Philosophiebegriff der stoischen Philosophen näher erläutert. Der zweite Teil handelt das komplette Spektrum der stoischen Philosophie ab. Dabei ist er eingeteilt in Naturphilosophie, Sprachlehre und natürlich die stoische Ethik. In jedem der drei Bereiche wird zur Einleitung ein kurzen Überblick über das Gebiet gegeben und dann werden ausgewählte Texte verschiedener Stoiker zu diesem Thema vorgelegt. Dabei kommen vor allem Epiktet, Seneca, Musonius, Marc Aurel und Cicero zur Sprache. Das Buch ist ca. 320 Seiten dick und wie bei Reclam gewohnt zu einem guten Preis zu haben. Ich bin von diesem Buch sehr angetan und vor allem die Beiträge zur Ethik sind sehr lehrreich. Fazit: Für jeden, der sich für praktische Philosophie interessiert, sehr zu empfehlen. |
Das sockenfressende Monster in der Waschmaschine. Eine Einführung ins skeptische Denken Christoph Bördlein Taschenbuch, März 2002 Verkaufsrang: 41992 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Christoph Bördlein führt uns anhand vieler Beispiele aus Wissenschaft und Alltag ins skeptische, wissenschaftliche Denken ein. Allgemeinverständlich und unterhaltsam erklärt er, wie Wissenschaft als Methode Thesen zu überprüfen, funktioniert. Ausführlich werden Möglichkeiten, sich zu täuschen, vorgestellt und Strategien, nicht in solche Fallen zu tappen, aufgezeigt. Auch die (relativistische) Kritik an Wissenschaft wird erörtert; letztlich plädiert der Autor jedoch für skeptisches Denken als brauchbare Grundlage, um richtige Entscheidungen zu treffen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 17 Bewertungen)
Pflichtlektüre 5 von 5 Punkten Eine hervorragende Hinführung zu kritischem Denken, für alle, die sich kein X für ein U vormachen lassen wollen. Dieses Buch sollte in jeder Schule ab der 5. Klasse zur Pflichtlektüre gemacht werden.
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Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses Michel Foucault Taschenbuch, Dezember 2006 Verkaufsrang: 8751 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
Die disziplinierte Gesellschaft 5 von 5 Punkten Viele Schüler haben es schon immer gewusst: Schule und Gefängnis haben einiges gemeinsam. Michel Foucault beschreibt in seinem Buch "Überwachen und Strafen" die Entwicklung des juristischen Strafsystems von der öffentlichen Anwendung von Martern -häufig bis zum Tod- hin zum, den Augen der Öffentlichkeit verborgenem, Entzug der Freiheit im Gefängnis. Dabei zeigt er, dass mit der Entwicklung der Gefängnisstrafen gleichzeitig die ganze Gesellschaft gefängnisähnlichen Strukturen unterworfen wurde -oder mit anderen Worten: Die Gesellschaft wurde diszipliniert.
Zunächst fand diese Disziplinierung in den Institutionen statt. Beim Militär, in der Schule, in den Fabriken und Hospitälern wurde wie im Gefängnis, nur nicht so rigoros, über die Körper und die Zeit der "Insassen" verfügt. Sie hatten zu einer festgesetzten Zeit an einem festgesetzten Ort zu sein und mit Ausnahme der Kranken mussten sie auch bestimmte Aufgaben in einer bestimmten Zeit erledigen. Um dieses für die Gesellschaft nutzbringende Verhalten sicherzustellen, wurden die Menschen überwacht, Prüfungen unterzogen und, falls sie ein unerwünschtes Verhalten zeigten, bestraft. Mit dem Aufbau einer staatlich organisierten Polizei schließlich fand die Disziplinierung auch außerhalb der Institutionen statt und weitete sich auf die ganze Gesellschaft aus. Spätestens an diesem Punkt erkennt der Leser, dass auch heutige staatliche Maßnahmen wie die Computerüberwachung, das Sammeln von Fluggastdaten und Telefonverbindungen oder die Überwachung öffentlicher Plätze mit Kameras nicht nur der Terrorismusbekämpfung dienen, sondern dass sie auch eine moderne Art der Disziplinierung der ganzen Gesellschaft sind. Diese Erkenntnis macht das Buch heute noch interessant und aktuell, obwohl es sich mit der Vergangenheit beschäftigt und die Originalausgabe schon 1975 erschienen ist.
Gefängnis und Gesellschaft 5 von 5 Punkten In Überwachen und Strafen will Foucault mehr als nur die Entstehung des Gefängnisses nachzeichnen. Es geht ihm um die wechselseitigen Beziehungen zwischen Ökonomie, Politik und Wissenschaft, aus denen sich ein eigentliches Strafsystem gebildet hat. Als historischen Fokus wählt Foucault die Entwicklung der Strafen in Frankreich zwischen 1750 und 1850. In diesem Zeitraum wurde die öffentlich vollzogene körperliche Strafe durch die verborgen bleibende Haftstrafe abgelöst. Statt der körperlich schmerzhaften Züchtigung ging es nun darum, das Innere des Sträflings zu verändern. Die dabei angewandten Strafmechanismen sind für Foucault Ausdruck eines gesamtgesellschaftlichen Disziplinierungssystems. Unter Zuhilfenahme historischer Quellen entwickelt er seine Gedanken zur Entstehung der "Disziplinen", die den Einzelnen in Form eines Normierungsnetzes umgeben. Das Gefängnis erscheint sogar als Ort, an dem durch das Sammeln von Wissen die Grundlagen für die modernen Humanwissenschaften gelegt wurden. Die nicht immer einfache Sprache ist Ausdruck des Bemühens, jedes simple Erklärungsmuster zu vermeiden. Dennoch ist das Buch streckenweise fesselnd und die Analysen zur "Mikrophysik der Macht" bleiben jederzeit nachvollziehbar.
Verinnerlichung der Kontrolle. 5 von 5 Punkten Die meisten glauben, das der Mensch im Laufe der Geschichte freier geworden sei. Wer "Überwachen und Strafen" von Foucault liest, könnte auch zum entgegengesetzten Schluss kommen. Der Philosoph zeigt nämlich mit profunder Kenntnis der historischen Quellen, dass beispielsweise Strafen und Kontrolle sich im Zeitalter des Feudalismus ausschließlich gegen den Körper des Verurteilten richteten. Im Zuge der "Humanisierung" des Strafvollzugs wurde dann auch das Innenleben des Deliquenten entdeckt, was dann eine ganze Justiz-Pädagogik mit sich brachte. Mittlerweile, so könnte man Foucault zu Ende denken, haben wir die Disziplinarmaßnahmen des Staates so verinnerlicht, dass jeder sein eigener privater Gefängnisdirektor geworden ist. Aber möglicherweise braucht Zivilisation den dressierten Menschen... :-)
Was Macht wirklich ist 5 von 5 Punkten "[Z]u einer ausnutzbaren Kraft wird der Körper nur, wenn er sowohl produktiver wie unterworfener Körper ist." (S.37)Ein Buch, das mich nachhaltig beeindruckt. Foucault entwirft eine Theorie über ein Machtkonstrukt, das zwar keinen totalitären Herrscher besitzt, aber alle Subjekte, die in ihm leben, unterwirft. Alle im System werden überwacht, aber strafen paradoxerweise zugleich. "Das Individuum ist zweifellos das fiktive Atom einer >>ideologischen<< Vorstellung der Gesellschaft; es ist aber auch die Realität, die von der spezifischen Machttechnologie der >>Disziplin<< produziert worden ist." (S. 250) Was im Leben so oft absurd erscheint, aber nicht zum lachen stimmt, erhält mit diesem Buch eine nachvollziehbare Logik. Umso absurder erscheint der Gedanke daran, dass diese Absurdität ihre eigene Geschichte hat. Foucault zeigt wie das von statten ging. Foucault gehört zu den wenigen Dingen im Leben, die man wirklich kennen sollte. Die Mt. Everest Besteigung kann getrost warten. Die wahren Abenteuer sind im Kopf. "Die Seele: Gefängnis des Körpers" (S.42)
Nicht zu Unrecht als Meisterwerk verschrien... 5 von 5 Punkten Foucaults Buch zeigt geschickt die dunklen Seiten der angeblich so menschlich gewordenen Disziplinarpraktiken der Moderne und zeigt anschaulich die Parallelen zwischen Schule, Kaserne, Spital und Gefängnis auf. Besondere Aufmerksamkeit verdient hierbei seine Analyse des Bentham'schen Panopticon, die nicht zuletzt aufgrund des neuen Aufkommens heutiger Überwachungstechniken Aufmerksamkeit verdient. Foucaults unglaubliche Begabung sowohl als Analytiker als auch düsterer Schriftsteller lässt den Leser in den Fängen der Kontrollmechanismen versinken, aus denen es kein entrinnen gibt. Diese Ausweglosigkeit und Eindeutigkeit der Situation wäre vielleicht mein einziger Kritikpunkt - aber es kommt ja darauf an, Bücher zu lesen und nicht, sie zu verschlucken.
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Nikomachische Ethik Aristoteles Sondereinband, 1986 Verkaufsrang: 79389 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Niklas Luhmann hat sich einmal mit der ihm eigenen Ironie über die regelmäßig am Ende eines Jahrhunderts auftretenden Ethikwellen mokiert. Auch am Übergang ins 21. Jahrhundert rollt wieder eine Ethikwelle über die philosophische Szene. Man mag darüber spotten. Offensichtlich besteht aber eine Erwartungshaltung der Philosophie gegenüber, Orientierungshilfe bei der Bewältigung grundlegender ethischer Fragen zu bieten. Das mutmaßlich nach dem Sohn des Aristoteles, Nikomachos, dem Herausgeber dieser Ethikvorlesung, benannte Werk bietet in diesem Zusammenhang einen Ansatz, der bis heute nicht an Attraktivität eingebüßt hat. Aristoteles formuliert keinen Normenkatalog, sondern beschreibt, ausgehend vom menschlichen Streben nach dem Guten, verschiedene Lebensweisen, die es erlauben, dieses Ziel, nämlich das höchste Gut zu erreichen. Dieses liegt nach Aristoteles im tugendhaften Leben. So entwirft auch die Aristotelische Ethik letztlich erstrebenswerte Idealvorstellungen. Ihre Verbindlichkeit ergibt sich aus der Angemessenheit der Tugenden an das Wesen des Menschen. Dem Menschen ist es nämlich gemäß, im Normalfall seines Verhaltens stets die Mitte zu halten zwischen den Extremen. Ferner ist es ihm gemäß, sich in seinen Handlungen von Verstand und Einsicht und nicht von Emotionen leiten zu lassen. Die Aristotelische Methode, den alltäglichen Umgang mit ethischen Grundbegriffen zu reflektieren und dabei ihrer Vielfalt Rechnung zu tragen, bildet, wie die Debatte um den Kommunitarismus gezeigt hat, weiterhin eine theoretische Alternative zu Versuchen, im Anschluss an Kant ein universal gültiges, formales Moralprinzip auszuweisen und zu begründen. --Jens Kertscher
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Nicht einfach, aber interessant. 4 von 5 Punkten Zugegebenermaßen mag die griechische Satzstellung, die in der deutschen Übersetzung beibehalten werden musste, den Lesefluss hemmen, doch Aristoteles' Ethik bietet einige interessante Gedankengänge, die diesen Nachteil mehr als wett machen. Insgesamt durchaus lesenswert. |
Apologie des Sokrates Platon Taschenbuch, Januar 1986 Verkaufsrang: 9969 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Nach 2400 Jahren würde unserer Gesellschaft ein Sokrates gut bekommen! Zehn Jahre nach Sokrates Tod schrieb Platon dessen Verteidigungsrede nieder und etablierte damit einen Denker, wie ihn die Welt noch nicht kannte. Einen Dialektiker, der sich unwissend und einfältig stellte, um Wissen und Moral seiner Mitmenschen zu prüfen, und der sich in seiner Unbedingtheit weder gängigen Meinungen noch dem Druck der Masse beugte, mehr noch: der auch den eigenen Neigungen widerstand und sich ganz und gar der Wahrheit verpflichtete. »Ich bin durch meine Ankläger beinahe über mich selbst irre gemacht worden, so künstlich und schön haben sie gesprochen, obwohl sie nicht ein wahres Wort gesagt haben.« (Sokrates)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
"Mein Kriton, wir müssen dem Asklepios einen Hahn opfern." (Sokrates) 5 von 5 Punkten ..
"So hat denn der Gott auch mich der Stadt beigegeben als einen Mann, der nicht müde wird, euch zu wecken, [....], schlagt in eurem Ärger auf mich ein und verurteilt mich zum Tode, um dann euer weiteres Leben zu verschlafen."
Ein Orkan fegte über Sokrates. Siebzigjährig hatte er sich 500 Richtern zu stellen, angeklagt der Gotteslästerung (Asebie nach Anaxagoras), der Missachtung des Staatsgefüges und vor allem junge Männer gegen ihre Väter aufgewiegelt zu haben. Zu Recht sei er, ein böser Mensch, zum Schweigen zu verurteilen, sei es auch durch Tod, befanden Meletos, ein Dichter, Anytos, ein Politiker und Handwerker, Lykon, der Redner.
Diesen historischen Hintergrund greift Platon auf, um Sokrates, seinen Lehrer in drei Reden Position beziehen zu lassen. (1) Eine Vereidigungsrede (Apologie) gegen die Vorwürfe der Anklage, (2) eine Rede nach dem Schuldspruch und (3) eine Rede nach der Verhängung der Todesstrafe.
In (1) versucht Sokrates ohne rhetorische Raffinesse aufzuzeigen, das diese Verurteilung auf alten Vorurteilen beruht. Denn so wie das Orakel von Delphi ihm weissagte, niemand sei weiser als er, so musste er den Göttern folgend, die Bürger durch Fragen prüfen, glaubte er doch, dass sie alle weise seien. Diese Prüfung aber ergab, dass Schein und Sein unterschiedliche Attribute sind und so blieb letzter Schluss, dass keiner wirklich etwas weiß. Im Unterschied zu den Anderen und deren Einbildung erkennt Sokrates, dass er weiß, dass er nichts weiß. Und deutlich unterscheidet er zwischen dem Wissen der Fachleute, denn dieses ist unbestritten, sondern es geht um das finale Wissen vom dem Guten und der Wahrheit, welche die Sophisten glauben zu besitzen, Sokrates jedoch im Widerspruch zu ihnen sich von dieser Gruppe distanziert. Die Suche nach Wahrheit ist für Sokrates ein Gottesdienst und niemals eine Lästerung, ein von den Götten angewiesener Beruf und Todesfurcht könne ihn nicht veranlassen, diesen Posten zu verlassen.
Dass er die Jugend verderbe, führt Sokrates auf das Imitationsverhalten zurück. (Heute spricht J. Bauer über Spiegelneuronen, wenn er gleiches meint.) Diese Jugend macht nichts anderes, als sich dem Schein des Wissens der Älteren zuzuwenden. Und wie er auch in der Verführung der Jungen keine Absicht hege, so auch gegenüber der Polis, deren Gesetze er sehr wohl achte. Denn gerade weil er weiß, das er nicht weiß, sich also auch nicht einbilde, etwas zu wissen, weiß er am besten, was seine politische Pflicht ist, die ihn unbeirrbar bestimmt. Damit ist dieses Wissen zugleich seine Tugend.
Und er stelle fest, dass es von großem Schaden gerade für die Polis sei, wenn er seine Tätigkeit nicht mehr gewinnbringend für alle einbringen könne. Politisch könne er sich nicht beteiligen, wohl aber über die Gespräche. Denn folge er dem Rat des Dämons, zeige er zugleich seine eigene Kraftlosigkeit im Wissen um das, was gut für ihn selbst sei. Dieses göttliche Dämonium entspricht dem sokratischen Wissens des Nichtwissens. Diese erste Rede endet mit einem Schuldspruch mit knapper Mehrheit.
Die nun folgende (2) wird sich dem Strafmaß zuwenden. Ein Leben ohne Selbstprüfung sei nicht lebenswert, sagt er hier und folgert daraus, dass er auf sein höchstes Gut, der permanenten Reflexion, nicht verzichten könne. Auch seien die Gespräche unter Menschen dazu da, diese auf diesen Weg des Wissens zu bringen. Auch formulierte er seinen Gegenantrag der dauerhaften Beköstigung als Lohn dafür, da er nichts anderes tat, als Menschen dazu zu bewegen, ihrer selbst zu achten. Dieses komme schließlich der Polis zu Gute. Das Strafmaß wurde darauf hin festgelegt, die Todesstrafe.
Nun folgt in der dritten Rede (3) die Frage, was ist der Tod. Der Tod sei nun auch kein Übel, vor allem, weil das Dämonium während des Prozesses geschwiegen habe. Auch sei der Tod etwas Positives für ihn, wisse doch niemand außer den Göttern, ob er den besseren Weg gehe oder die Richter. Er zieht noch einmal die genaue Grenze zwischen dem, was dem Menschen zu wissen versagt ist und dem was er wissen kann. Letztendlich hat der Mensch die immerwährende Aufgabe, um diese Grenze zu wissen.
Sokrates geht, um zu sterben.
Platon zeichnet in der Apologie das Bild einer Persönlichkeit, unerschrocken und mit einer Liebe zur Weisheit (Philosophie). Sokrates verkörpert für ihn den immerwährenden Sucher nach der Wahrheit (ibid), dem Eros und dem Schönen (Phaidros), der Seele (Phaidon) oder dem Eros (Symposion). Er zeigt aber auch, dass es eben nicht um den Einzelnen geht, sondern dass in der Anklage gegen Sokrates, die Selbstanklage des Staates enthalten ist und das dieser der Heilung bedarf. Die Apologie zeigt deutlich, dass das Wissen des Guten nicht zu erreichen ist, es ist ein Streben aus der Erinnerung des einmal geschauten Göttlichen. In der späteren Politeia, den Gleichnissen, zeigt aber Platon ebenso deutlich, dass er niemals aufgeben wird, dieses Wissen um das Vollkommene zu finden. Cicero und Montaigne sehen in dieser sokratesschen Suche die Notwendigkeit einer Harmonisierung. Daher ist neben diesem Streben nach Weisheit durch Vernunft eine negative Kehrseite notwendig gegeben. Wenn man keinen Charakter hat muss man Methode haben, lesen wir bei Camus in: Der Fall
Diese Schrift ist nicht abzuschließen, ohne auf die Gegebenheiten der Zeit hinzuweisen. Die Macht der Tradition: "Überall, wo noch die Autorität zur guten Sitte gehört, wo man nicht begründet sondern befiehlt, ist ein Dialektiker ein Hanswurst," sagte Nietzsche (in Anl. an Cicero und Montaigne) und doch konnte diese abstoßende Figur einen der größten geistigen Siege erringen. Er faszinierte seine Welt, in dem er das bestehende Denken auf neue Ebenen führte, denen des hellenistischen Wettkampfes im Geiste. Er sah hinter die Fassaden das monstrum in animo, den Zerfall. Er, Sokrates, bemühte sich, den eigenen Instinkt, die Emotionalität zu bekämpfen, in dem er die Vernunft zum Tyrannen über sich machte. Die Harmonisierung des Gegensätzlichen blieb aus, so musste das Urteil vielleicht so fallen.
Was lehrt uns Sokrates? mag die letzte Frage des Lesers sein. Auch wenn 56% der 500 Richter ihn für schuldig sprechen, verlor er nie die Zuversicht in seiner zweiten und dritten Rede. Unser Glaube, Recht zu handeln, soll also nicht auf Billigung einer Mehrheit beruhen. Die Frage bleibt heute, ob das Vermeiden von Unbeliebtheit meinungsbildend ist oder sein darf? Ist das nicht auf Popularität achtende Streben nach Einsicht etwas Bewundernswertes? Weiterhin zeigt er deutlich, dass nicht die Zahl der Widersprechenden eine Rolle spielen darf, sondern nur die Güte der Gründe. Auch ist eine Ansicht, nachvollziehend und eloquent vorgetragen, nicht a priori richtig. Denn es sollte auch die reine Logik dahinter interessieren, die zu den Schlüssen geführt hat. Es geht Sokrates um Eindringlichkeit.
Sokrates fordert den wachen, intelligenten und selbstbestimmten Menschen, der selbstverständlich, die Gesetze achtend, sich selbst achtet. Nichts anderes forderte Kant 2000 Jahre später, in dem er den Kategorischen Imperativ zur allgemeinten Regel erklärt und das moralische Gesetz zum innersten Antrieb. SAPERE AUDE!
Und diese Aufforderung zum Selbst-Weiterdenken zur Vermeidung einer schlecht gebildeten Meinung (=Krankheit) gab Sokrates uns mit seinem allerletzten Satz vor seinem Tod im Phaidon, vielleicht als Metapher:
.............. "Mein Kriton, wir müssen dem Asklepios einen Hahn opfern."
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Wege der Wissenschaft: Einführung in die Wissenschaftstheorie Alan F. Chalmers Taschenbuch, Dezember 2006 Verkaufsrang: 83321 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Chalmers stellt einfach und anschaulich die Grundlagen der Wissenschaftstheorie sowie die wichtigsten Richtungen dieses Fachgebiets dar. Zum Verständnis sind keine spezifischen Vorkenntnisse nötig. Dem Autor gelingt es hervorragend, seine Leser an die klassische und neue wissenschaftstheoretische Diskussion heranzuführen. Im Mittelpunkt seiner Darstellung stehen die Bedeutung des Experiments, die naturwissenschaftlichen Gesetze und die aktuellen Trends der Debatte zwischen "Realisten" und "Antirealisten".
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Kritisch reflektierte Übersicht 5 von 5 Punkten °
Der etwas trockene Titel der deutschen Ausgabe kann nicht die Tatsache verstellen, dass hier jemand mit einem Enthusiasmus zu Werke gegangen ist, wie er im akademischen Betrieb seines Gleichen sucht. Der australische Professor Alan F. Chalmers hat gleichsam DAS Standardwerk geschrieben, wenn es um wissenschaftstheoretische Propädeutik geht. Seine rege weltweite Verbreitung verdankt dieses gut lesbare (und nach einiger Kritik an der Übersetzung in der 6. Auflage merklich verbesserte) Buch vor allem dem Gelingen, eine komplexe Thematik in eine unkomplizierte, beispielreiche und Laien verständliche Form zu bringen. Über eine Darstellung der verschiedenen Ansätze wissenschaftlicher Theorien hinaus geht der Autor auf aktuelle Entwicklungen ein.
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Tao Te Puh: Das Buch vom Tao und von Puh dem Bären Benjamin Hoff Taschenbuch, Januar 1984 Verkaufsrang: 14424 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Was für ein Puh? Was für ein Tao? Das Tao Te Puh, in dem uns enthüllt wird, daß einer der größten chinesischen taoistischen Meister nicht etwa ein Chinese ist - auch kein altehrwürdiger Philosoph, sondern wirklich und wahrhaftig kein anderer als der absichtslos in sich ruhende, stille, einfältige kleine Bär.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)
Unterhaltsame Philophie und brauchbare Orientierungshilfe 5 von 5 Punkten Erst war ich etwas erstaunt, als mir eine Arbeitskollegin in China dieses Buch anlaesslich einer Diskussion ueber das Nebeneinander von Konfuzianismus, Buddhismus und Taoismus in China zu lesen empfohlen hat. Und beim Lesen entdeckte ich den unterhaltsamen Ansatz Bejamin Hoff's zu schaetzen, einem das so schwierige Thema des Taoismus wenn schon nicht verstehen, so doch zumindest erahnen zu lassen. (Vorsicht: wer behauptet das Wesen des Taoismus so einfach verstehen zu keonnen, macht sich ohnedies bereits verdaechtig es nicht verstanden zu haben, weil sich der Taoismus wohl in sich einer solchen einfachen Erklaerung verschliesst.)
Und Hoff, auch wenn er das Buch sehr lustig und in fast kindlicher Sprache geschrieben hat, die einen zeitweise an Mira Lobe's "Das kleine Ich bin Ich" erinnert, erweist sich als gruendlicher Kenner Chinesischer Literatur und Philosophie und das zentrale Anliegen des Taoismus, naemlich das Eins sein mit seinen Faehigkeiten und das Leben nach seinen Moeglichkeiten um zu einer groesseren Zufriedenheit zu gelangen, bringt er in dem Buch sehr gut zum Ausdruck. Puh der Baer, der einfach seine authentische Identitaet im Einklang mit der Welt wie sie ist leben will, im Gegensatz zur rationalen Eule , dem schlauen Kaninchen, dem aengstlichen Ferkel und dem muerrischen Esel, repraesentiert diese Lebenseinstellung im Buch sehr ueberzeugend. (Uebrigens scheint sich wohl auch L. Seiwert in seinem Bestseller "Die Baerenstrategie" da eine Vorlage genommen zu haben - vielleicht ist das aber auch nur purer Zufall.)
So ganz nebenbei erklaert Hoff anhand der "Essigkoster Allegorie" auf die mir beste und kuerzeste bekannte Art und Weise die wesentlichsten Unterschiede zwischen Konfuzianismus, Buddhismus und dem Taoismus vor allem in ihrer unterschiedlichen Einstellung zum Leben und es fasziniert mich immer wieder, begleitend zur wiederholten Lektuere dieses Buches dieses (friedliche) Nebeneinander dieser drei Lebensorientierungen/Religionen/Philosophien in China zu beobachten.
In einer Zeit, wo es immer spitzere Ellbogen zur Erreichung von Zielen - ja welchen Zielen eigentlich - zu beobachten gibt, tut diese Besinnung auf den Weg, der ein oder vielleicht das Ziel des Taoismus ist, sehr gut.
Das Buch ist kein "Einmal-schnell-lese-Buch". Es ist fast wie ein Muss in der literarischen Hausapotheke und ist immer wieder eine Fundgrube zur eigenen Reflexion und Weiterentwicklung. Und falls Sie sich auf die Suche nach jenem chinesischen Rollbild der Essigkoster Allegorie in China machen wollen, von der Puh der Baer spricht: das wird nicht ganz einfach, aber meine Frau hat es geschafft - der Weg ist das Ziel.
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Wahrheit und Existenz Jean-Paul Sartre Taschenbuch, Oktober 1998 Verkaufsrang: 76405 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Dieses philosophische Werk aus dem Nachlaß Jean-Paul Sartres entstand 1948. Es verbindet abstrakte, philosophische Spekulation mit anschaulicher, praktischer Philosophie. Im kritischen Dialog mit Martin Heideggers 'Vom Wesen der Wahrheit' folgt Sartre dem Denker aus Todtnauberg in luftige Höhen, manchmal auch auf Holzwegen, und steigt dann fast umbemerkt in das pulsierende Leben der Pariser Cafes herab. Ihm geht es, anders als Heidegger, nicht um die Frage nach der Wahrheit des Seins, sondern um die Frage, welche Bedeutung die Idee der Wahrheit in menschlichen Beziehungen hat.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Die Essenz der Existenz 5 von 5 Punkten Jean-Paul Sartre beschreibt in diesem Werk seine Existenzialistische Pilosophie - ein Meisterwerk.Man muss Sartre einfach lieben, ein Hochgenuss für Jung und Alt. Mit seiner besonderen Art bringt Sartre dem Leser seine These überzeugend und schnell bei. Jeder, der sich für den Sinn des Seins interessiert, sollte dieses Buch sein eigen nennen. Nicht nur für Philosophen ist diese Materie empfehlenswert! Mich persönlich fasziniert dieses Buch auch nach mehrmaligem Lesen auch heute noch! |
Serie Piper, Bd.1, Macht und Gewalt Hannah Arendt Taschenbuch, Februar 2008 Verkaufsrang: 43259 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Sehr gute Begriffsklärung 5 von 5 Punkten Der längere Essay "Macht und Gewalt" klärt, ausgehend von den Studentenunruhen Ende der 60er Jahre, die beiden genannten Begriffe als voneinander getrennte Phänomene unseres politischen und gesellschaftlichen Lebens. Die Definitionen, die Hannah Arendt mittels ihres präzisen und scharfsinnigen Denkens findet, gehen über die Studentenrevolte hinaus und sind grundlegender Natur. Für jeden, der sich mit Macht als Phänomen und Gewalt als Mittel zum Zweck auseinandersetzen möchte, ist mit diesem einführenden Band als Grundlegung bestens bedient. Mithin gewinnt man en passant einen sehr guten Einblick in Hannah Arendts Denkungsweise, die sprachlich und intellektuell ein Hochgenuss ist. Die Klarheit ihres Denkens und die Qualität ihrer Aussagen bestechen auch heute noch und heben sich wohltuend vom heutigen verquasten und oft inhaltsarmen Diskurs ab.
Ironie, Scharfsinn und Wahrheitsliebe 5 von 5 Punkten Dieses Buch hat Hannah Arendt unter dem Eindruck der Studentenrevolten 1968 und dem Vietnamkrieg geschrieben. Für uns heute ist dieses relativ kleine Bändchen ein wichtiges Zeitzeugnis einer intelligenten Frau, die ihr Leben lang nichts anderes wollte als verstehen ("Ich will verstehen!").Warum der Titel "Macht und Gewalt"? Es geht zuerst um die klare Unterscheidung der Begriffe Macht, Gewalt, Kraft, Autorität, Stärke. Auch Gehorsam und Zwang kommen am Rande vor. Darüber hinaus beschäftigt sich die Autorin mit der Frage, in wieweit der Verlauf des Vietnamkriegs oder der Studenten"revolution" vorauszusehen waren - und was noch viel wichtiger ist: was wir daraus lernen können. Darin enthalten ist auch eine Abrechnung mit Sartre, dem sie (zu Recht vermutlich) eine gewisse mangelnde Begriffschärfe und sogar Naivität vorwirft. Außerdem die Zusammenfassung einiger wichtiger (damals) aktueller Werke zum Thema Gewalt, Revolution, Macht und Krieg. Wem kann man dieses Buch empfehlen? Jedem Studenten der Fächer Soziologie, Politik, Psychologie, Pädagogik. Und darüber hinaus allen Menschen, die sich im Gebrauch der Sprache üben und entwickeln möchten. Es ist ein sehr angenehm zu lesenes, fast unterhaltsames Buch, obwohl es das Thema in sich hat. Dennoch reicht es nicht an Hannah Arendts "Vita activa" heran. Hier erkennen wir weniger Hannah Arendt, die Philosophin oder Theoretikerin. Mehr die Zeitzeugin und Journalistin. Und auch in diesen Rollen bleibt sie eine unvergessliche Autorität.
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Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Essenzen Walter Benjamin Gebundene Ausgabe, September 2006 Verkaufsrang: 18632 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
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Aura vs. Convenience 5 von 5 Punkten "Die gesamte Wirklichkeit ist die Welt. Das Bild ist so mit der Wirklichkeit verknüpft; es reicht bis zu ihr. Es ist wie ein Maßstab an die Wirklichkeit angelehnt". Soweit Ludwig Wittgenstein im Tractatus zum Verhältnis Bild und Realität. Und weiter: "In Bild und Abgebildeten muss etwas identisch sein."
Grundsätzlich, sagt Benjamin, ist das Kunstwerk immer reproduzierbar gewesen. Alles vom Menschen gemachte konnte und kann von Menschen nachgemacht werden. Die technische Reproduzierbarkeit jedoch ist etwas Neues. Über Guss und Prägung, vom Holzschnitt der Graphik zum Druck der Schrift, vom Kopierer zum Scanner zum Brenner. Paul Valery hat bereits in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts gemutmaßt, dass wir mit Bildern und Tonfolgen versehen werden wie mit Wasser, Gas und Strom. Auf ein Zeichen werden sie sich einstellen, kommen und uns wieder verlassen. Welch ein Weitblick, weit in das Jahr des Internets, der Zeichen von "@ und www".
Und doch fehlt etwas, auch wenn die Reproduktion höchstvollendend ist: "das Hier und Jetzt des Kunstwerks - sein einmaliges Dasein an dem Ort, wo es sich befindet." Diese Aura, diese wirkliche Echtheit ist nicht zu reproduzieren, das Einmalige entfällt und damit der Wert, die Wertschätzung. Es ist ein Gefühl, nicht einer Zuwendung mit Bedacht, sondern ein Wissen um Wiederholung und Wiederbeschaffung. Und diese Haltung gegenüber dem Einmaligen, der Aura schwindet zu Gunsten einer Massensicht mit Reproduzierbarkeit. Jedoch: Die Echtheit einer Sache ist der Inbegriff des Tradierten, sie berichtet von der Dauer und enthält eine "geschichtliche Zeugenschaft." Das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit lässt eben genau diese Aura verkümmern. Eine Gesellschaft im 21. Jahrhundert verschließt sich der Erinnerung und noch neuen Werten, ihr Ziel scheint Convenience zu sein.
Der Verfall dieser Aura beruht auf zwei Umständen, die beide mit dem Phänomen der Massen im heutigen Leben zusammenhängen: einmal: das Anliegen, die Dinge räumlich und menschlich (Einebnung der gesellschaftlichen, bildungsrelevanten Unterschiede) näherzubringen und zweites gelingt dieses durch die Überwindung des Einmaligen durch die Aufnahme von deren Reproduktion. Das Bedürfnis, die Dinge im Bild, im Abbild habhaft zu werden, ist ungebrochen. Mit der Konsequenz, das "Dauer und Einmaligkeit ersetzt werden durch Flüchtigkeit und Wiederholung." Die Folge ist, dass der Mensch sich nicht mehr zu einem Kunstwerk bewegt, sondern dieses zu ihm als Abbild. Der Mensch lässt sich vereinsamen, allerdings organisiert, wie Hanna Arendt es mal formulierte. Sind Bilder aus der technischen Reproduzierbarkeit allzeit und für jedermann vorhanden, so kann man nach Hobbes folgern, dass dieser Fortschritt Feindschaft gebären muss, da die Unterscheidbarkeit aufgehoben wird in der Gleichheit der Fähigkeiten und der Gleichheit der Hoffnungen. (vgl. Sloterdijk, 2000: Die Verachtung der Massen).
Feindschaft wird in der letzten Stufe Krieg bedeuten können, der dann jedoch in der Ästhetik der Schlacht vorgedacht wurde in der immer besseren technischen Reproduzierbarkeit von Abbildern der Kriegsgeschichten am PC. Der Mensch hat durch den Verlust des Einmaligen die Aura desselben nicht kennengelernt, er identifiziert sich mit der Wiederholung und mit den Scheinwelten, die eo ipso ohne Wert sind. Dieser fehlende Wert definiert den Menschen, der dann seinen Spiegelneuronen das Feld überlässt, auf der Suche nach eigenen erhofften Werten.
Benjamins kurzes Essay wurde im Jahre 1936 veröffentlicht. Es ist ein Meilenstein in der Kunstgeschichte und gehört mit zum Inhalt seiner Aufsätze: Illuminationen. Es verbindet Ästhetik der Kunst mit der Philosophie des Lebens. Andre Breton sagte: "Das Kunstwerk hat Wert nur insofern als es von Reflexen der Zukunft durchzittert wird." Dieses ist deutlich aus dem Essay Benjamins zu hören. Zu den zitternden Reflexen gehört auch das bewegte Bild als Film, in der Kombination Bild und Bildung: "Ich kann schon nicht mehr denken, was ich denken will. Die beweglichen Bilder haben sich an den Platz meiner Gedanken gesetzt", konstatierte Georges Duhamel bereits 1930. (s. a.: Menasse, 2006: Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung)
Denken Sie an den 11.September. Sie werden spüren, was gemeint ist. Das Bild: ein Maßstab an die Wirklichkeit angelehnt.
Ein, wenn man sich öffnet, nachdenklich machendes, nicht nur die Kunst betreffendes Werk des W.B. |
Ein Meister aus Deutschland: Heidegger und seine Zeit Rüdiger Safranski Taschenbuch, August 2001 Verkaufsrang: 71933 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden »Hier schreibt einer über Heidegger ohne Zorn und ohne schülerhafte Demut, mit einer soliden Distanz: die also schweigt, wo es nur Vermutungen gäbe, die kritisiert, ohne zu denunzieren, die ironisiert, ohne zu lästern, und breitet hin und wieder die Arme aus und sagt: So ist es eben.« Die Zeit
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10 Sterne 5 von 5 Punkten Safranski ist ein grosser Meister der Biographien. Seine Schopenhauer-Biographie und sein Werk ueber Nietzsches Denken sind gleichermassen zu empfehlen.
Im hier vorliegenden Buch geht es um Martin Heidegger und seine Zeit.
Was nimmt man als Leser daraus mit?
Zunaechst ist es ein sehr langes Buch und gleich zu Beginn wird der Leser mit Heideggers Philosophie ueberladen - ueberladen sage ich und meine es doch positiv: Denn aus dem kleinen Leben auf dem Dorf entwuchs der Priesterschueler der katholischen Kirche und wuerde zum Zweifler, dessen Fragen und Fragewege wir als Leser ueber alle verschlungenen Pfade mitgehen duerfen.
Safranski denkt sich ein, stellt fuer uns gute Fragen und baut uns einen herrlichen Turm aus Anekdoten, Philosophie und Gesellschaftsgeschichte auf.
Dennoch bleibt das Buch anstrengend. Denn allzu klar wird es einfach nicht, was Heidegger genau sagen wollte - was aber durchaus mehr an Heidegger liegt als an Safranski.
Natuerlich, wir verstehen ihn nach dem Buch als Vater des Existenzialismus, von dem Sartre grosse Teile uebernommen hat.
Wir verstehen ihn als einen, der zum Staunen aufruft; der einen riesigen Begriffsapparat definiert, um den Menschen von der Alltagssprache (aus der platonischen Hoehle) fortzulocken auf ein Terrain der Entfremdung, wo jedes Wort wohlgewaehlt sein will.
Aber dann? Dann ist da nur das Nichts. Aus dem der Mensch sich definieren soll.
Sicher, wir lesen das - und bleiben aber doch ein wenig unbefriedigt.
Dann lesen und fuehlen wir uns mit Safranski hinein in Heideggers Nationalsozialismus, seine Beziehung zu Jaspers und Arendt... das ist alles meisterhaft geschildert.
Heideggers Beziehung zu Hannah Arendt hat Safranski fuer mich persoenlich besonders ergreifen durchdrungen. Viel gaebe es hier zu zitieren, vielleicht an dieser Stelle aber nur dies:
"Es fehlte dieser Liebe etwas ganz Elementares, das hannah spaeter den "weltlichen Zwischenraum" nennen wird. Dieser "weltliche Zwischenraum" wird nicht nur von der Leidenschaft, sondern auch vom aeusseren Zwang der geheimhaltung ausgeloescht. Wo die Liebe sich nicht zeigen darf, da geht bald auch das Kriterium der Unterscheidung von Wirklichkeit und Imagination verloren."
Nach dem Buch hat man Lust, nun einzelnen Inseln der Heideggerschen Philosophie noch einmal in Originaltexten nachzuspueren und, unterstuetzt von Safranskis einzigartiger Einfuehlung und seinem Vordenken, die Ideen jetzt doch noch einmal aus dem Urtext genauer zu begreifen.
Trotz der oben statuierten leichten Kritik bleibt fuer mich zweifellos dieses Buch eines der ganz Grossen, und ich habe es unendlich genossen. Ich wuerde ihm gerne mindestens 10 Sterne geben.
Weitere Lesermeinungen |
Traum, Schlaf und Tod: Grenzbereiche des Bewußtseins. Der Dalai Lama im Gespräch mit westlichen Wissenschaftlern Francisco J. Varela Taschenbuch, Juni 2001 Verkaufsrang: 10186 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Das Bewußtsein von Traum, Schlaf und Tod in den Kulturen: Der Dalai Lama führt im Gespräch mit renommierten Wissenschaftlern Ansätze aus dem Buddhismus mit modernen Erkenntnissen der Psychologie und Neurophysiologie zusammen und ebnet den Weg für eine Synthese zwischen östlicher und westlicher Weisheit.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
An den Grenzen des Bewusstseins 5 von 5 Punkten In diesem Band sind Beiträge interdisziplinärer Dialoge mit dem Schwerpunkt der Neurowissenschaften versammelt. Es geht um die Themen Was steckt hinter dem Ich ?, Was passiert, wenn das Gehirn schläft ?, Träume und das Unbewusste, luzides Träumen, Tod und Christentum, Wie stirbt der Körper ?, Nahtod-Erfahrungen.Der Dalai Lama ist meines Wissens nach der einzige Religionsführer, der sich ernsthaft in einen fruchtbaren Dialog mit der Wissenschaft begibt. Dabei kommt es zu so markanten Aussagen wie (sinngemäß): "Wenn die Wissenschaft eindeutig Aussagen des Buddha widerlegt, muss sich eben der Buddhismus ändern." Wer im wahrsten Sinne des Wortes seinen geistigen Horizont erweitern möchte, dem sei die Lektüre diese Buches sehr ans Herz gelegt. |
Der Ursprung des Kunstwerkes Martin Heidegger Taschenbuch, 1986 Verkaufsrang: 8142 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
bisweilen ein (rar gester) interessanter Gedanke, mehr aber auch nicht... 2 von 5 Punkten Immer wenn ich ein Büchlein Heideggers zur Hand nehme, drängt sich mir das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern auf. Damit maße ich mir freilich nicht an, eine entsprechende Diagnose erstellen zu können -insbesondere Heidegger betreffend nicht, aber die völlige Ratlosigkeit, in der die Lektüre dieses seines Vortrags mich hinterlässt, legt so etwas nahe:
kurzum, hie und da äußert Heidegger durchaus interessante Gedanken, wobei diese nie ausgeführt werden (zumindest nicht in einer mir verständlichen Weise) noch das Raunend-Nebulöse je verlassen.
Immer wieder fragte ich mich: Was will er mir eigentlich mitteilen -ohne je eine Antwort zu finden.
Als (zugegebenermaßen nicht gerade üppige) Inspirationsquelle für eigene Gedanken taugt das Buch sicherlich, für alles weitere erachte ich es als wertlo und vergeudete Zeit...
Das Kunstwerk entspringt aus der Dichtung! 4 von 5 Punkten Das Ding, das Zeug und das Werk. Heidegger bildet Kathegorien wie diese um so alles "seiende" zu differenzieren. Er schafft den Gegensatz vom Welt und Erde, um daran den Streit um die Wahrheit (Unverborgenheit des Seins)aufzuhängen. Ein spannender Aufsatz, der mich in meinem Kunstverständnis vorangebracht hat!
Gewohnte Heidegger - Präzision mit fruchtbarem Gedankengang 5 von 5 Punkten In diesem Werk vollzieht Heidegger einen durchgängig nachvollziehbaren Gedankengang und vermittelt so dem Leser präzise ein Ästhetikverständnis, das dennoch Möglichkeiten zum Weiterdenken offenlässt. Für mich war dieses Buch sehr fruchtbar und ich lege es auch jedem ans Herz, der sich mit Kunst und Kunstgeschichte beschäftigt. Obwohl es durch die Genauigkeit des Gedankengangs extremste Ausdauer und hohe Denkleistungen verlangt, wird man doch durch das zunehmende Verständnis belohnt. Jedoch eignet sich dieses Buch kaum als Erstlektüre von Heidegger. Ich empfehle als Einstieg in die komplexe Sprache Heideggers "Frage nach der Technik" (Reclam). |
Die Menschen stärken, die Sachen klären: Ein Plädoyer für die Wiederherstellung der Aufklärung Hartmut von Hentig Taschenbuch, Januar 1985 Verkaufsrang: 8858 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Konsequenzen der Aufklärung für die Erziehung der Menschen 3 von 5 Punkten Im ersten der drei Teile dieses Buches widmet sich der Autor den Prinzipien der Aufklärung und auch den Bereichen, in denen die Pädagogik angeklagt wird „aufklärerisch geirrt" (S.40) zu haben und daher desorientierte, unselbstständige, staatsfeindliche, kritikunfähige Jugendliche geschafften zu haben - etwa durch antiautoritäre Pädagogik, zu starker Pädagogik von Kinde aus oder ausschließlicher wissenschaftsbasierender Bildung etc. (vgl. S.40ff.). Die Pädagogik sollte, seiner Meinung nach, die Aufklärung neu bestimmen bzw. sich auf ihre ursprünglichen Merkmale rückbesinnen: Der Mensch ist freiheitsfähig, vernunftfähig, als Kind unverdorben und kann sich die Welt verständlich machen (weitere vgl. S.22ff.). Der zweite Teil behandelt die „Konsequenzen für die Erziehung heutiger Menschenkinder", die sich daraus ergeben: die Menschen zu klären und die Sachen zu stärken. Die Schule soll neu gedacht und bewertet werden, falsche Stützen weggerissen und Menschen selbstbestimmt gemacht werden. Dabei ist ihm besonders die Aufklärung des Bewusstseins ein Anliegen. Weiter plädiert er für ganzheitliches Lernen, dafür, Belehrung durch Erfahrung zu ersetzen und stellt 13 Lernbedingungen auf (darunter: Zuversicht ermöglichen, Zeit haben, Arbeiten mit Sinn, Medien dienstbar halten, dem Therapismus widerstehen etc.). Die Menschen sollten mit Zuversicht, Selbstbewusstsein und Solidarität ins Leben gehen. Im dritten Teil erklärt von Hentig, warum Aufklärung oft nicht Ergebnis einer an Aufklärung orientierten Erziehung ist. Obwohl die Menschen prinzipiell gut aufgeklärt sind - etwa über Gott, Autoritäten, Sexualität, Gewalt, Rassen, Tod, Fortschritt - stammt die Aufklärung nicht aus ihrem Bewusstsein. Kant meinte schon, die Menschen sollten sich aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien und das funktioniert nur, wenn sie ihre Abhängigkeiten erkennen und es selbst tun. Zusätzlich nennt von Hentig sogenannte „aufklärerische Mittel und Merkmale" (S.137ff.), die durch ihre absolute Anwendung nicht mehr förderlich für die Aufklärung sind, sondern sie „behindern oder gar verhindern"(ebd.). Mir persönlich hat die Erkenntnis, dass Wissenschaft Wissen (und nicht Sinn) schafft, gut gefallen und die Tatsache, dass sie uns keine Führung geben kann, aber Kritik ermöglicht und neue Chancen eröffnet. Deswegen müssen sich die Menschen auch selbst aufklären und selber Skepsis aufbringen, mitdenken und kritisch sein. Ich bin grundsätzlich skeptisch gegenüber der allgemeinen Auffassung, dass Vernunftfähigkeit eine der wichtigsten Eigenschaften der Menschen ist, aber von Hentig hat mir gezeigt, dass wir in einer Vernunftkultur leben und sie deswegen Berechtigung und Potenzial für unsere Welt hat. |
Alles Leben ist Problemlösen: Über Erkenntnis, Geschichte und Politik Karl R. Popper Taschenbuch, September 1996 Verkaufsrang: 6601 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Karl Popper, einer der einflußreichsten Denker dieses Jahrhunderts, hat an diesem Buch bis zu seinem Tod gearbeitet. In den 16 Texten dieser Auswahl kommen noch einmal die großen Themen zur Sprache, die sein Lebenswerk beherrscht haben.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
sehr gut 5 von 5 Punkten sehr gutes Buch eines Menschen, der wirklich Interesse an einer guten, humanen Welt hat, im Gegensatz zu den Mießmachern des Daseins.Die noch keinem Menschen geholfen haben und auch nicht Helfen wollten.
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Michel Foucault zur Einführung Philipp Sarasin Broschiert, August 2006 Verkaufsrang: 19631 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Die Werkzeugkiste öffnen 5 von 5 Punkten Philipp Sarasin, Professor an der Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Uni Zürich, darf zurecht als profilierter Historiker der Gegenwart gelten, der Foucaults "penser autrement" in den Geschichtswissenschaften nicht einfach bloss anwendet, also aufpropft, sondern konsequent weiterentwickelt. So kriegt man hier die Möglichkeit, nicht bloss eine Genealogie im Denken Foucaults nachzulesen oder eine (wie es davon leider viele gibt) reduktionistische Handlungsanleitung für historische Diskursanalyse, sondern wird vielmehr eingeladen, die Brüche und Ränder v.a. des älteren Foucault zu entdecken. So verschmelzen hier ab und an zwei Denker, in einem Dialog, der keiner sein will und erzeugen dabei ein Spannungsfeld, das es dem interessierten Leser / der interessierten Leserin ermöglicht, in die komplexe Materie einzusteigen, ohne sich ans Gängelband genommen zu fühlen. |
Philosophische Bibliothek, Bd.505, Kritik der reinen Vernunft. Nach der 1. und 2. Originalausgabe, mit einer Bibliographie Immanuel Kant Taschenbuch, Oktober 1998 Verkaufsrang: 59248 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Erfolgsgeschichte der modernen Naturwissenschaften vor Augen, wollte Kant auch die Philosophie, insbesondere die Metaphysik auf den sicheren Weg einer Wissenschaft bringen. Das Ergebnis war jedoch die wohl wirkungsvollste und nachhaltigste Zerstörung metaphysischen Denkens in der neuzeitlichen Philosophie. Kant sprach von einer Kopernikanischen Wende. Sie sollte dadurch herbeigeführt werden, dass die philosophische Erkenntnis sich von den Gegenständen selbst auf die Möglichkeit der Erkenntnis derselben zurückwendet. Kritik der reinen Vernunft bedeutet daher vor allem Selbstprüfung des menschlichen Erkenntnisvermögens hinsichtlich seiner Grenzen und Erkenntnismöglichkeiten. Kants für die moderne Philosophie grundlegende Einsicht war, dass erfahrungsunabhängige, also metaphysische Erkenntnis nur in der Einschränkung auf die formalen Bedingungen möglicher Erfahrung beweisbar und damit alle traditionelle Metaphysik nichts als Scheinwissenschaft ist. Grundvoraussetzung für dieses Projekt ist die Rückführung aller gültigen Erkenntnis auf die im Subjekt angelegten Bedingungen. So wie Raum und Zeit keine Gegenstände, sondern reine, subjektive Anschauungsformen möglichen Gegebenseins von konkreten empirischen Erscheinungen sind, so sind auch die reinen Verstandesbegriffe bloß formale Bedingungen der Einheit möglicher Objekte. Wir erkennen nie die Dinge an sich selbst, sondern nur die Erscheinungen, das heißt die Gegenstände, wie sie uns durch die formalen Bedingungen unseres Erkenntnisvermögens gegeben sind. Vor allem Kants idealistische Erben wollten sich mit dieser Einschränkung der Erkenntnis auf die Erscheinungswelt nicht zufrieden geben und gingen daher über Kants kritischen Idealismus hinaus. Statt dessen versucht man in der sprachphilosophisch geläuterten, modernen Erkenntnistheorie (Putnam, McDowell) wieder an Kants Kritizismus Anschluss zu finden. --Jens Kertscher
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Notwendig a priori 5 von 5 Punkten Bei dieser Ausgabe handelt es sich um die an der Universität empfohlene. Das Besondere daran ist, dass hier beide Kritiken, denn es gibt zwei Ausgaben der KrV, in einer, zu direktem Vergleich, enthalten sind. Wenn Sie schon immer einmal wissen wollten, ob die Welt einen Anfang hat oder dem Raum nach begrenzt ist, dann lohnt es sich, hier einen Blick zu riskieren. Sie werden erstaunt sein. An Kant kommt kein Philosoph vorbei und das aus gutem Grund. Wer sich erst in die KrV eingearbeitet hat und mit ihrer Terminologie perdu ist, der hat eine gute Voraussetzung geschaffen, die folgenden Werke, die die wichtigeren sind, leicht zu verstehen. Auf die Kritik der reinen Vernunft folgt die Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, die jedem, der sich mit Zwischenmenschlichem auseinanderzusetzen gewillt ist, als Ratgeber zur Seite stehen kann. Dem man darüber hinaus nicht glauben muss, sondern der in der Lage ist, zu überzeugen. Suchen Sie sich Hilfe in der Volkshochschule oder der Sekundärliteratur, damit sie, wenn sie einmal nach Kant gegriffen haben, dranbleiben. Es ist keine Übertreibung, wenn hier von einer jahrelangen Beschäftigung die Rede ist. Dieses Buch wird ihr idealer Führer sein.
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Enzyklopädie der Alltagsqualen: Ein Trostbuch für den geplagten Zeitgenossen Hannes Stein Broschiert, November 2007 Verkaufsrang: 68417 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Das Leben ist eine Zumutung, und auch noch eine verdammt kurze. Von solchen hübschen Paradoxien lebt Hannes Steins Enzyklopädie der Alltagsqualen und nimmt sich die Freiheit zu einem unterhaltsamen Rundumschlag: Da werden Autofahrer ebenso aufs Korn genommen wie Fußgänger und Radfahrer, alle vier Jahreszeiten bekommen ihr Fett weg, ebenso Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, und Frauen und Männer sowieso, die Arbeit natürlich, aber genauso die Arbeitslosigkeit. Statt 122 Beiträge hätte diese Enzyklopädie leicht ein Vielfaches enthalten können, so gut beherrscht der Autor die hohe Kunst des Grantelns (gebürtiger Münchner, aufgewachsen aber in Salzburg, wo das dann eher "Raunzen" heißt), die sich naturgemäß gegen jeden und alles richten kann. Schon in seinem Endlich Nichtdenker hat der Journalist Hannes Stein bewiesen, wie man aus Klischees und persönlichen Abneigungen witzige Satire produziert. Dass er dabei manch offene Tür einrennt, liegt in der Natur der Sache ("Alle hassen die Deutsche Bahn, das ist indessen kein Grund es nicht auch zu tun."). Originell und lustig sollte es halt sein, was dem Autor überwiegend gelingt. Etwa wenn er sich den Produktionsprozess von Gebrauchsanweisungen ausmalt: Ein höllischer "Dämon" erstelle zunächst einen "Urtext", welcher sich "wie eine Mischung aus Brockhaus und Heidegger liest". Sodann werde der Text von einem Norweger ins Arabische und von einem Japaner ins Englische übersetzt, "...der Computerexperte gibt dem Ganzen den letzten Schliff." Neben Anlass zum Lachen bietet das Buch auch reichlich Gelegenheit, sich über den Autor und seine Überheblichkeit zu ärgern (was ja auch Spaß machen kann), weil er den Mund sehr voll nimmt bei seinem Parforceritt durch das weite Feld der Vorurteile und Abneigungen. Dan Brown-Fans etwa sollten Seite 35 vielleicht lieber überblättern. Anderen wird soviel Bosheit dagegen Freude bereiten: "Seine Plots wurden im Windkanal getestet, ob sie auch haarsträubend genug sind. Seine Dialoge haben offenbar Ölsardinen im Zustand geistiger Umnachtung verfasst. Im Vergleich mit ihm nimmt sich sogar Michael Crichton wie ein erfindungsreicher Schriftsteller aus..." --Christian Stahl
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)
Der Autor ist zu intelligent und sieht zu genau hin! Das geht gar nicht! Nicht jeder mag so was! Logisch! 5 von 5 Punkten Hannes Stein hat ein "Trostbuch für den geplagten Zeitgenossen " verfasst, dass sich hochironisch mit den täglichen Alltagsqualen auseinandersetzt, alles andere als jammerlappig daherkommt und dezidiert verdeutlicht , dass unser Leben , so wie es sich in der Regel gestaltet, eigentlich eine Zumutung ist !
So liest man zum Beispiel zum Thema Erfolg:
" Wenn man dabei ertappt wird, wie man Schecks fälscht, alten Tanten die Handtasche klaut oder sich an bewaffneten Banküberfällen beteiligt, ist das zwar peinlich , aber so schlimm auch wieder nicht. Lässt man sich aber dabei erwischen , dass man Erfolg hat, handelt es sich um ein echtes Malheur. Da kann man nur noch so stammeln und bescheiden tun; da kann man im Schlabberlock herumlaufen und jeden Monat einen Millionenbetrag an die Caritas überweisen - es wird nichts helfen. Der Erfolgreiche hat das größte Verbrechen begangen , er hat sich an der Gemeinschaft versündigt. Er hat sich gewagt, sich aus dem dunklen Kartoffelsack des Kollektivs zu befreien. Das muss geahndet werden. Der Abbruch der sozialen Kontakte ist das Mindeste, worauf sich der Erfolgreiche gefasst machen muss: Frühere Kollegen werden ihn nicht mehr grüßen, ehemalige Geliebte werden ihn nicht mehr anrufen, sogar Familienmitglieder werden ihn schneiden. Gewiss gibt es daneben noch jene Möchtegernaufsteiger , die glauben sie könnten an seinem Erfolg teilhaben, wenn sie sich einschleimen. Aber erstens sind sie nicht sehr zahlreich und zweitens merken sie schnell, dass ihre Hoffnungen trügerisch sind, dass sie also nicht in seinem Schlepptau ganz nach oben gelangen können. Daraufhin pflegen die Möchtegernaufsteiger, sich aus falschen Freunden in harte und schonungslose Feinde verwandeln: Sie werden versuchen, dem Erfolgreichen mit haarsträubenden Lügengeschichten zu schaden. Wenn ihnen das nicht gelingt, wird sich ihre Wut bis zur Besinnungslosigkeit steigern......." Ein kluger Beobachter dieser Stein, nicht wahr? Die Rezensionstexte zum Buch sprechen Bände! Stein ist übrigens sehr erfolgreich und weiß wovon er spricht!
In seinen Betrachtungen lässt der Autor, der Philosophie studiert hat, wirklich nichts aus. Er schreibt u .a . über das Älterwerden ebenso ungeschminkt und zielsicher , wie über Frauen und Freunde, über Gefühle und über das Gewissen aber auch über Personen wie Giorgio Agamben, Foucault , Peter Sloterdjik,( der ihm seine kleinen Seitenhiebe sicher nicht krumm nimmt, denn er ist selbst hochironisch), sowie über unseren großen Nobelpreisträger Günther Grass . Hannes Stein stellt die rhetorische Frage, weshalb Grass immer noch ernst genommen wird. " Wieso gilt dieser Angehörige der Generation HJ als das gute Gewissen Deutschlands und nicht als moralischer Bankrotteur? " Selten habe ich so punktgenau eine Antwort auf diese Frage , die sich in jüngster Zeit ja viele Zeitgenossen gestellt haben, gelesen.
Schallend gelacht habe ich über seine Betrachtungen zum Thema Kondome, die mit dem Satz enden. " Das Oberhaupt der katholischen Kirche ist kompromisslos gegen Kondome. Der Mann versteht eben etwas von Sex. " Stein schreibt Bemerkenswertes über Männer und resümiert: " Es gibt nicht viele Männer , die weder ekelhaft noch feige sind, doch ihre Existenz ist unbestreitbar. Man nennt sie Trappistenmönche." ( Nur zu Erinnerung, Hannes Stein ist keine Frau, sondern offensichtlich ein Nestbeschmutzer !)
Das Buch hat wirklich einen großen Unterhaltungswert, setzt aber voraus , dass der Leser sich locker macht, denn Hannes Stein schafft es jedem den Spiegel vorzuhalten.
Stein sieht die Menschen so wie sie sind und liebt sie trotzdem!
Sehr symphatisch!
Empfehlenswert!
PS: Schmallippige Menschen , die keine Ironie verstehen, sollten die Finger von diesem Buch lassen. Die Texte veranlassen solche Personen zumeist wütend in den Tisch zu beißen. Das kann Zahnschmerzen zur Folge haben. Also Vorsicht!
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Suhrkamp Taschenbücher Wissenschaft, Nr.96, Die Ordnung der Dinge: Eine Archäologie der Humanwissenschaften Michel Foucault Taschenbuch, April 2008 Verkaufsrang: 58510 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
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