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Die Großstädte und das Geistesleben Georg Simmel Gebundene Ausgabe, September 2006 Verkaufsrang: 124226 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Die geistige Haltung der Großstädter zu einander wird man in formaler Hinsicht als Reserviertheit bezeichnen können."
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
"Weil die körperliche Nähe geistige Distanz erst recht anschaulich macht."(Simmel) 5 von 5 Punkten "Denn tatsächlich: Ein Fremdling und ein Gast ist in seinem Leben ein jeder, der eine Stadt bewohnt, aber alles in ihr, was von anderen bewundert wird, verachtet und in der Stadt wohnt, als wäre es eine Wüste, damit nicht der Ort über ihn Gewalt habe." (Titus Flavius Clemens, auch: Klemens von Alexandrien; 140/150-210/215) Ein hoch gebildeter Mann, der in Athen platonische Philosophie studiert hatte, in der antiken Bildungsmetropole Alexandria lebte, fühlte sich in eben dieser Stadt ohne Heimat. Er schreibt mitten in Alexandria sieben Bücher "Stromateis" (Teppiche), in denen er nachzuweisen versucht, dass das Christentum die einzige Denk- und Lebensform ist, benutzt die Bibliotheken der Stadt, um ausführlich griechische Klassiker und Philosophen zu zitieren - und verachtet gleichzeitig "alles in ihr, was von anderen bewundert wird" und wohnt in der Stadt, "als wäre es eine Wüste". Mit der spannenden Begründung: "damit nicht der Ort über ihn Gewalt habe". Es wird nun plötzlich deutlich, dass es hier um das geschäftige Treiben einer Metropole geht, das ihn in den Grundlagen seine Existenz gefährden könnte. Georg Simmel (1858-1918), deutscher Philosoph und Soziologe, Freund von Max Weber, Neukantianer mit großem Einfluss auf Georg Lukács, Martin Buber, Karl Mannheim und später der Frankfurter Schule hat sich der Soziologie der Stadt gestellt. Seinem Hauptwerk >Philosophie des Geldes< folgte dieser kleine Aufsatz im Jahre 1903. Einfluss gewann er dadurch vor allem in den USA, er wird als Begründer der Stadtsoziologie genannt. Ausgehend von der Überlegung des 2. JH führt nun der Weg in 20. JH. "Die tiefsten Probleme des modernen Lebens quellen aus dem Anspruch des Individuums, die Selbständigkeit und Eigenart seines Daseins gegen die Übermächte der Gesellschaft, des geschichtlich Ererbten, der äußerlichen Kultur und Technik des Lebens zu bewahren - die letzterreichte Umgestaltung des Kampfes mit der Natur, den der primitive Mensch um seine leibliche Existenz zu führen hat." So beginnt Simmel sein Essay und führt fort, dass das 18. Jahrhundert zur ungehemmten Entwicklung der Natur in jedem Menschen ungehindert beitrug und das 19. Jahrhundert die Freiheit und die Arbeitsteilung und deren Leistung postulierte. Der Einzelne wurde damit unvergleichlich und möglichst unentbehrlich. Jedoch machte ihn die Arbeitsteilung abhängig bezüglich der Ergänzung durch alle anderen. Die volle Entwicklung laut Nietzsche konnte damit nur in der Unterdrückung, im Niederhalten der Konkurrenz liegen. Es zeigt sich eine Motivation - der Widerstand gegen die Nivellierung des Einzelnen in der Gesellschaft. Oder anders: die Anpassung der Persönlichkeit durch äußere Mächte gefordert ist notwendige Größe für die Teilhabe am Ganzen. In diesem Widerspruch in einer Großstadt aufzuwachsen ist gleichzeitig die "Steigerung des Nervenlebens". Der Mensch ist Unterschiedswesen, die Vereinsamung in der Masse ist nicht im Bewusstsein, doch fördert die Großstadt durch die schnellen Sequenzen des Lebens die Erfahrung zusammengedrängter, wechselnder Bilder und mit deren Deutung im Seelenleben wie im Bewusstsein einen erhöhten intellektuellen Charakter. Gegenüber dem Kleinstädter, der im Gemüt auf gefühlsmäßige Beziehungen ausgerichtet ist, gilt für den Großstädter eben eine entwurzelte, eher sachliche Beziehung, die letztendlich erklärt, dass Geldgeschäfte, Handel genau dort betrieben wird, wo die Anonymität Schutz vor gefühlsmäßiger Entscheidung bietet. Die Menge der Menschen in Großstädten sichert demgemäß als Schutzorgan den Menschen vor der seelischen Entgleisung, stärkt dagegen den notwendigen Verstand, um in dieser Strömung lebensfähig zu bleiben. Diese Verstandesmäßigkeit scheint als "Präservativ des subjektiven Lebens gegenüber den Vergewaltigungen der Großstadt" ein notwendiges Mittel. So wie Geld als "Generalnenner aller Werte" Mittel des Tausches ist, so wird der Mensch in diesem Sinne Mittel in dieser Gesellschaft, rein dem Verstand gehorchend erdrückt er das Individuelle in sich. Er rechnet mit seinesgleichen wie mit Zahlen, persönliche Beziehungen gelten dem objektiven Abwägen von Leistung und Gegenleistung, der klare Rhythmus einer Uhr sichert die "Unzweideutigkeit in Verabredungen". Das Landleben jedoch orientiert sich am Rhythmus der Natur, der Mensch ist eingebettet und individuell. Seine Gemeinschaft ist eine erlebte, Anonymität eine Unbekannte. "Die geistige Haltung der Großstädter zu einander wird man in formaler Hinsicht als Reserviertheit bezeichnen dürfen". Dieses Erleben der Großstadt fördert den Gedanken der Freiheit, welche auf dem Lande in diesem Sinne nicht existiert. Simmel begründet dies mit dem sozialen Kreis. Früheste Bindungen bestehen aus einem relativ kleinen Kreis, worin die Mitglieder peinlichst auf Konformität ihrer Mitglieder achten. Dies zeigt sich bei Parteien, Religionen, welche im Anfangsstadium so ihre Existenz gegen außen (Feindbilder) sichern. Diese Beengung lockert sich je größer die Gruppe. Weiter zeigt sich die Arbeitsteilung auch im Charakter des Individuums. Um auf dem Markt bestehen zu können, ist das Individuum gezwungen, sich immer mehr zu spezialisieren. Diese Tatsache führt gemäß Simmel dazu, dass im großstädtischen Leben die eigene Persönlichkeit und Aussehen viel mehr zur Geltung gebracht werden will. Dies rechtfertigt die vielen Stadtoriginale, auch die Kaprice einiger Zeitgenossen. Weil die Begegnungen auch immer so kurz sind, will sich der einzelne speziell pointiert geben. Nun ist dieses ein reines Vergleichen von Land und Stadt bzgl. eines Menschen. Um wie viel mehr würde sich der Vergleich pointieren, wenn man Staat und Welt in Bezug auf Unternehmen und deren Mitarbeiter nähme, denn die Globalisierung verstärkt diesen Kreislauf. Damit wird wie bei Simmel nicht mehr der "allgemeine Mensch" (resp. das allgemeine Untenehmen) sondern der gerade qualitativ Einzigartige, der Unverwechselbare Träger eines Wertes. Streit und Einigungsversuch liegen im selben Ort (die Großstadt für den Menschen, der Globus für die Unternehmen), ein fruchtbarer Platz für die Entwicklung des seelischen Daseins. Also bleibt weder Anklage noch Verzeihung, einzig Verständnis, resümiert Simmel schlussendlich. 1903 verfasst, durchaus aktuell auch durch die Kombination von Natur, Kultur und Individuum in der Gemeinschaft. Siebenundzwanzig Jahre später hat Sigmund Freud vom >Unbehagen in der Kultur< (siehe Rezension) berichtet. Es mutet an wie eine Fortsetzung Simmelscher Denkweisen. Rilke, scheint mir, hat seinen Malte Laurid Brigge (1910) genau diese Ambivalenz von Land und Stadt erleben lassen. (siehe Rezension). Insgesamt ein sehr interessantes Bedenken des Georg Simmel. Daher zu empfehlen. 104 Jahre nach Veröffentlichung schreiben wir das Jahr 2007, erstmals leben mehr Menschen in der Stadt als auf dem Lande (Rifkin in SZ, 4,2007). Im Jahre 2042 wird die Bevölkerung auf 9 Milliarden geschätzt bei weiterer Urbanisierung. Der Mensch beschneidet sich von der Natur und damit vom Wert der Natur, die aber als einziger Überlebenfaktor einen menschengerchten Lebensstil fördern kann. |
Einführung in die politische Philosophie Christoph Horn Broschiert, 2. März 2009 Verkaufsrang: 80200 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Eine Bestnote hat auch die Einführung in die Politische Philosophie verdient, die Christoph Horn (...) vorgelegt hat ... Wer Horns theoretischen Werkzeugkasten zu benutzen weiß, ist für so manche aktuelle Debatte bestens gerüstet." (www.sciencegarden.de)
"Christoph Horn (...) hat das Kunststück vollbracht, eine kompakte, gut lesbare Einführung in die Politische Philosophie zu verfassen. Das Buch überzeugt in seiner Länge, seinem formalen Zuschnitt und auch in seiner Auswahl der Themenkomplexe ..." (Theologisch-Praktische Quartalschrift)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Ein gutes Buch für Anfänger 4 von 5 Punkten Wer sich zum ersten Mal der Politischen Philosophie nähert, ob aus der Philosophie oder aus der Politikwissenschaft, oder überhaupt überlegt, ob Politische Philosophie etwas wäre, der ist mit diesem Buch gut beraten: C. Horn nähert sich seinem Gebiet anhand von Sachgebieten, Begriffen und Ideen, nennt die wichtigsten Autoren und Schulen und stellt vor allem viele, viele Fragen, von denen die meisten unbeantwortet bleiben, aber zur Beantwortung einladen. Jeder findet was: mein Interesse war geweckt bei Politischer Anthropologie und normativen Leitideen, andere mögen etwas finden zu Fragen der Demokratie oder der Globalisierung... Mir gibt das Buch einen guten Rahmen, um anderes Gelesenes einzuordnen in das Fach ... Warum nur 4 Sterne? Im Kapitel zur Eigentumsordnung fiel mir auf, dass die Begriffe Besitz und Eigentum alternativ verwendet wurden: das schafft dem Wirtschaftsrechtler in mir Unbehagen und lässt mich fragen, ob andere Gebiete, in denen ich mich nicht so auskenne, etwa auch etwas nachlässig behandelt worden sind ... Da werde ich mich wohl selbst hineinvertiefen müssen! Die Literaturliste ist leider etwas lang geraten. Aber sonst: gut und lesbar geschrieben, die Fachausdrücke auf ein absolutes Mindestmaß beschränkt, Zusammenfassungen und Fragen ... Dies ist auch etwas für Abiturienten, die sich fragen, ob Philosophie das Richtige wäre. |
Bekenntnisse Aurelius Augustinus Gebundene Ausgabe, 20. Juli 2006 Verkaufsrang: 93563 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag) Bekenntnisse OT Confessiones EZ entstanden um 400 EA vor 1470 DE 1672 Form Autobiografie Epoche christlich-römische Spätantike Die Bekenntnisse von Aurelius Augustinus schildern den Kampf zwischen den körperlichen und geistigen Dimensionen des Menschen, die Auseinandersetzung einer faszinierenden Person mit sich selbst und seiner Biografie, die dem Leser zugleich Wegweiser zu Gott sein soll. Es ist die Geschichte einer Bekehrung, fesselnd in ihrer Suche nach Ruhe und absoluter Wahrheit, erschreckend in der konsequenten Ablehnung des körperlichen Menschen. Entstehung: Die Bekenntnisse zeugen von einer Epoche, die man als "Zeitalter der Angst" bezeichnet hat. Die römische Welt versank: Bereits in zwei Teile gespalten, wurde Rom von wandernden Völkern angegriffen, im Jahr 410 von den Goten erobert. Um 400 zogen die Wandalen durch römische Provinzen und eroberten 438 Karthago. Der christliche Glaube war Staatsreligion geworden und hatte den Kaiserkult abgelöst. Die Strukturen des römischen Reiches waren einem tief greifenden Wandel unterzogen; historisch kann vom Ende der Antike gesprochen werden. Mit Augustinus beginnt die Geistesgeschichte des christlichen Mittelalters, die in den Bekenntnissen ihren exemplarischen Ausgangspunkt erhält. Inhalt: Augustinus beginnt mit harscher Kritik an den Bildungsinhalten, die er in der Schule erlernte, die ihn aber nur von Gott entfernten. Ebenso scharf geht er mit sinnlichen und körperlichen Vergnügungen ins Gericht. Ausführlich beschreibt er seine fehlgeleitete Leidenschaft, die er auf körperliche Genüsse und materiellen Reichtum zurückführte, anstatt sie als eine Sehnsucht nach Gott zu verstehen. Mit Verachtung schildert er seine Jugendzeit voller Irrtümer, Vergehen und Sünden, berichtet von seinem geistigen "Irrweg" zur heidnischen Philosophie und zum Manichäismus. Über die Lehren Platons kommt Augustinus zu Paulus und zur Einsicht Gottes. "Nimm und lies" fordert ihn im 8. Buch eine Stimme auf. Er greift zum Römerbrief und wird von der zweifelsfreien Einsicht übermannt. In einem Akt der Erleuchtung begreift er Gott als das Zentrum seiner Hoffnungen, Wünsche und Sehnsüchte. Zunächst nur eingestreut finden sich knappe Bestimmungen fundamentaler philosophischer Begriffe wie des Schönen. Nach der Schilderung seiner Bekehrung bestimmen diese theologisch-philosophischen Spekulationen und Reflexionen die weiteren Bücher. Augustinus entwirft darin eine Theorie des Geistes, der Sinne und des Gedächtnisses sowie eine Auslegung der Genesis. Berühmt ist die Abhandlung über die Zeit im 11. Buch. Aufbau: Die Bekenntnisse sind eine Mischung aus verzweifelter Anrufung Gottes, philosophisch-theologischer Spekulation und Autobiografie. Die 13 Bücher richten sich an Gott, schildern den stilisierten Werdegang des Verfassers so, dass der Leser sich darin wiederfinden kann. Wirkung: Die Schriften des Augustinus haben das christliche Abendland zutiefst geprägt; durch seine Verbindung von philosophischer Reflexion und christlichem Glauben kann er als Vater der Theologie gelten. Mit den Bekenntnissen schuf er das Genre der Autobiografie; er prägte eine Literaturform, die den eigenen Werdegang reflektiert, das Individuelle mit dem Allgemeinen verbindet und damit dem Leser Anleitung zur Selbstreflexion gibt. Bereits zu Lebzeiten, im Mittelalter, in der Renaissance und bis in die Moderne hinein war und ist Augstinus der wohl meistgelesene christliche Philosoph. U. S.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 15 Bewertungen)
Ein erstaunlicher Blick auf das Leben eines geistlichen Giganten 5 von 5 Punkten Dieses Buch ist eine sehr bewegende und unvergessliche geistliche Autobiographie, und Augustinus erzählt uns diese Geschichte, wie kein anderer. Er ist transparent und ehrlich bis ins kleinste Detail, und hält dabei nichts zurück. Er erzählt sehr offen von seinen Problemen im Glauben, seinen Sünden und seinen Versuchungen. Auch bekennt er dem Herrn seine innere Heuchelei ("Herr gib mir Keuschheit, aber noch nicht jetzt."), wie sie wahrscheinlich in vielen von uns Christen zu finden ist. Die Geschichte seiner Bekehrung ist wirklich wunderschön und wird mit dem Leser bleiben. Augustinus schreibt auf solche Art, dass der Leser wahrlich die Hand Gottes in seinem Leben am Werk sehen wird. Ein phänomenales Buch, dass Sie berühren wird. Höchst empfehlenswert.
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Philosophie in 60 Minuten
Gebundene Ausgabe, 1. Februar 2009 Verkaufsrang: 136230 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Keine dicken Wälzer. Keine umständlichen Einführungen. Keine Langeweile. Ein Thema, ein Griff, eine Stunde Lektüregenuß. Bildung - davor graust vielen Menschen. Zwar möchten sie mitreden, Bescheid wissen, sich auskennen, doch denken sie, wenn von "Allgemeinbildung " die Rede ist, an trockene Zahlen und Informationen, die irgendwann in der Schule gelernt werden mußten, an langweilige Schulbücher und ermüdende Lehrervorträge. Es erscheint einfach zu schwierig, Zugang zu wichtigen Themen zu gewinnen. Oder komplizierte Sachverhalte zu begreifen. Oder weit zurückliegende Ereignisse mit Leben zu füllen, sich vorzustellen, daß hinter einer Idee, einem Vertrag, einem wichtigen Ereignis Menschen standen - Menschen mit Gedanken und Gefühlen und Energien. DIE WELT IN 60 MINUTEN bietet souveräne Texte, die zwar fundiert und informativ sind, sich jedoch möglichst angenehm und ohne akademische Voraussetzungen lesen lassen. Kurzum: eine elegante, kluge und allgemeinverständliche Einführung in die Grundthemen von Kultur, Bildung und Lebensart.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Kurzer Einblick in die Philosophie 4 von 5 Punkten Das Buch ist ein Crashkursus in Sachen Philosophie. Wie schon meine Vorgängerin gesagt hat;Ziel des Buches ist es einen ersten Eindruck von Philosophie zu bekommen. Es werden die wichtigsten Philosophen und Disziplinen kurz behandelt und soll Lust auf mehr machen. Für Einsteiger,Anfänger empfehlenswert.
Auffrischung in 60 Minuten 5 von 5 Punkten Wie war das nochmal mit Aristoteles? Was wollte uns Kant sagen? Wer waren die Romantiker? Diese und andere Fragen werden hier kurz und bündig beantwortet, soweit es das Format zuläßt. Das Buch richtet sich an Leute, die noch diffuse Ideen über die Großen der Philosophie und ihre Gedanken haben, sich jedoch möglicherweise lange nicht mehr damit beschäftigt haben und die großen Philosophen nicht mehr mit den Ideen dahinter verbinden können. Da setzt das Buch an; es will helfen, die grunsätzlichen Ideen, Strömungen und Persönlichkeiten zu sortieren und in einen Zusammenhang zu bringen. Neben dem biographischen Hintergrund erfährt man in einer einfachen, unterhaltsamen Sprache etwas über die Gedankenwelt der einzelnen Philosophen. Das Buch ist kurz, daher kann es zwangsläufig nicht in die Tiefe und in die Details gehen; das ist aber auch nicht die Intention; es will eher Geschmack auf mehr machen. |
Die Kunst Recht zu behalten: Praktische Rhetorik mit einem Leitfaden zum Überleben im Alltag und im Internet. Mit vielen praktischen Anwendungen der Schopenhauerschen Kunstgriffe Arthur Schopenhauer Broschiert, September 2007 Verkaufsrang: 42665 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Diese Ausgabe der „Kunst Recht zu behalten“ enthält das berühmte Werk Arthur Schopenhauers im Original, ergänzt mit Erläuterungen und vielen praktischen und augenöffnenden Tipps und Beispielen rund um die Kunst, gut miteinander zu disputieren. Die Komplexität unserer Welt steigt ständig und Meinungsverschiedenheiten nehmen unweigerlich zu. Selbst eigentlich vielversprechende Interaktionen enden schneller als man denkt im kommunikativen Tumult. Gute Rhetorikkenntnisse sind da für jeden ein faszinierendes Hilfsmittel, um Streitereien schnell zu beenden. Gitta Peyn hat dem Schopenhauer’schen Werk ethische Überlegungen vorangestellt und die Kunstgriffe mit vielen praktischen Beispielen unterlegt. Mit diesen Tipps steht der Leser auf der sicheren Seite des Lebens: Er weiß, welches Handeln und Disputieren wann gut und sinnvoll ist und wann nicht. Und mit ein wenig Übung begreift er schnell, wie man Gespräche so lenken kann, dass sie sich zum Besten für die Beteiligten wenden. Von einem solchen Können profitiert man nicht nur im Beruf, sondern in allen alltäglichen Situationen, in denen es darauf ankommt, sich als geschickter Redner zu zeigen und Konflikte sprachlich elegant zu lösen. Nichts flößt mehr Respekt ein als die Fähigkeit, sich unter einer ethischen Maxime korrekt zu verhalten und dennoch freundliche und intelligente Autorität auszustrahlen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Endlich was für die Praxis und für Jedermann 5 von 5 Punkten Den Rezensionen von Astrid Birk und Gila Walters kann ich eigentlich kaum noch etwas hinzufügen außer kompletter Zustimmung. Arthur Schopenhauer liest sich so schwierig, dass einige Passus auch nach mehrmaligem Lesen sinnentleert bleiben, vor allem wenn man kein studierter Rhetoriker ist. Dennoch kommt man ja um das Wissen um Rhetorik heutzutage nicht mehr herum, Rhetorik ist überall. Und um es mit einem der Kunstgriffe zu sagen: Vielleicht bin ich zu dumm, um Schopenhauer ohne Hilfe zu verstehen, aber das stört mich nicht. Bücher wie dieses sind eine wahre Bereicherung, weil sie Rücksicht darauf nehmen, dass nicht jeder gleich alle Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Das Vorwort fand ich großartig, weil es auf die moralischen Konsequenzen und Probleme eingeht, die man unweigerlich hat, wenn man anderen rhetorisch überlegen ist. Und die Beispiele hinten mit den in klaren normaldeutschen Worten nochmal aufgeführten Kunstgriffen sind mehr als hilfreich.
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Jenseits von Gut und Böse: Vorspiel einer Philosophie der Zukunft: Jenseits Von Gut Und Bose Friedrich Nietzsche Taschenbuch, 1988 Verkaufsrang: 24997 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Friedrich Nietzsche (1844-1900) stammte aus einer evangelischen Pfarrersfamilie, besuchte die renommierte Landesschule in Pforta bei Naumburg, studierte in Bonn und Leipzig und wurde mit 25 Jahren Professor der klassischen Philologie in Basel. Er war ein genialer Denker, Meister der Sprache und begabter Musiker und Komponist. Sein Leben war bestimmt von problematischen Beziehungen, etwa zu Richard Wagner oder Lou Andreas-Salomé, und endete in der bedrückenden Einsamkeit des Wahnsinns.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Aphorismen über Kritik der Moderne und Kritik an der Metaphysik 5 von 5 Punkten Philosophisches Werk in Aphorismen von Friedrich Nietzsche, erschienen 1886. - Nachdem Nietzsche die Jahre zwischen 1882 und 1885 der Niederschrift von Also sprach Zarathustra gewidmet hatte, kehrte er mit Jenseits zur aphoristischen Form der vorhergehenden Schriften zurück. Das Buch ist aus dem aufgegebenen Entwurf einer gründlichen Überarbeitung von Menschliches, Allzumenschliches im Sinne von Nietzsches späterer Philosophie hervorgegangen. Nietzsche griff dafür auch auf Notizen zurück, die er teils schon Anfang der achtziger Jahre, teils während der Abfassung des Zarathustra niedergeschrieben hatte. Von Menschliches, Allzumenschliches übernimmt Jenseits die Gliederung in neun betitelte "Hauptstücke". Die Aphorismen sind dementsprechend thematisch strenger geordnet als in Morgenröthe oder Die fröhliche Wissenschaft; neben "Aphorismenketten", in die längere Texte eingebunden sind, findet man jedoch auch knappe, isolierte Sentenzen (als eine Art Intermezzo vor allem im vierten Hauptstück Sprüche und Zwischenspiele gesammelt). Die Schrift sollte ein "Vorspiel" zum damals von Nietzsche geplanten und nie ausgeführten Hauptwerk Der Wille zur Macht sein. Zugleich faßt Nietzsche sie zur Zeit ihrer Entstehung als "eine Art Einführung in die Hintergründe des Zarathustra" auf. Das Verhältnis zum "Zarathustra" wird in Ecce homo verdeutlicht: demzufolge sei Jenseits "in allem Wesentlichen eine Kritik der Modernität, die modernen Wissenschaften, die modernen Künste, selbst die moderne Politik nicht ausgeschlossen" und leite als solche - nachdem Nietzsche mit Also sprach Zarathustra den jasagenden Teil seiner Aufgabe für vollendet hielt - "die neinsagende, neinthuende Hälfte" derselben ein. Mit dem Stichwort "Kritik der Modernität" versucht die spätere Autobiographie die Vielfalt der in Jenseits behandelten Themen unter einen gemeinsamen Nenner zu bringen; die Schrift ist in der Tat zugleich der Versuch einer systematischeren und gelehrteren Darstellung von Nietzsches neuer Philosophie - vor allem seiner Erkenntnis- und Moralkritik - und einer umfassenden kritischen Stellungnahme zur "Aktualität". Die "Unzeitgemäßheit" wird wiederum als charakteristisches Merkmal der Philosophen bestimmt, deren Aufgabe Nietzsche zufolge darin besteht, "das böse Gewissen ihrer Zeit zu sein"; ihr Feind sei "jedes Mal das Ideal von Heute". Das 1. Kapitel Von den Vorurtheilen der Philosophen rückt die Metaphysik in den Mittelpunkt der Kritik. Nietzsche weist die Entstehung der Metaphysik aus den allen indoeuropäischen Sprachen gemeinsamen grammatischen Funktionen auf und entlarvt damit ihre scheinbare Selbstverständlichkeit. Wie die sogenannten synthetischen Urteile a priori sind nämlich auch die grammatischen Funktionen im allgemeinen bloß fiktionaler Natur. Weitreichende Bedeutung mißt Nietzsche insbesondere der grammatischen Teilung zwischen Prädikat und Subjekt zu, als dessen Hypostase er sowohl das metaphysische Subjekt als auch den traditionellen Willensbegriff ansieht, der einen sehr komplizierten Vorgang mit einem einfachen Wort eher kaschiert als bezeichnet. Neben den sprachlichen Täuschungen - oder anderem "Volks-Aberglauben" - sieht Nietzsche "eine verwegene Verallgemeinerung von sehr engen, sehr persönlichen, sehr menschlich-allzumenschlichen Thatsachen" als Entstehungsherd der dogmatischen Philosophien an. In diesem Sinn sei jede bisherige große Philosophie einfach "das Selbstbekenntnis ihres Urhebers und eine Art ungewollter und unvermerkter mémoires". Das Denken werde nämlich von unbewußten Trieben heimlich auf bestimmte Bahnen gelenkt. Deswegen soll nach Nietzsche der lebendige Grund einer jeden Metaphysik nicht in ihrem rein spekulativen, sondern in ihrem praktischen Teil, das heißt in der darin zu Wort kommenden Moral gesucht werden. Mit seiner Metaphysikkritik zielt Nietzsche zuletzt auf die Entlarvung der metaphysischen Reste und moralischen Altlasten ab, die - meist unbemerkt - die zeitgenössische Wissenschaft noch wesentlich prägen. Die Physik faßt er als bloßes Zeichensystem auf: Er bestimmt die Begriffe "Ursache" und "Wirkung" "als conventionelle (.) Fiktionen zum Zweck der Bezeichnung, der Verständigung, nicht der Erklärung" und die "materialistische Atomistik" einfach als "Abkürzung der Ausdrucksmittel". Nietzsche hebt hervor, "dass Physik auch nur eine Welt-Auslegung und -Zurechtlegung (nach uns! mit Verlaub gesagt) und nicht eine Welt-Erklärung ist". Auch die Physik steht nach Nietzsche wie die Metaphysik unter der Botmäßigkeit der Moral. Anzeichen der Herrschaft moralischer Vorurteile selbst in der Naturwissenschaft sei die Interpretation der Regelmäßigkeit des Geschehens als "Gesetzmäßigkeit der Natur". Ihr setzt Nietzsche die erst in Jenseits zur Weltauslegung verallgemeinerte Theorie des Willens zur Macht entgegen. Er scheint jedoch unschlüssig, wie er seine Lehre den Lesern darbieten soll. Während sie in diesem Zusammenhang bloß als alternative unverbindliche Interpretation aufgefaßt wird, finden wir in einem anderen Aphorismus den einzigen von Nietzsche veröffentlichten, allerdings hypothetisch gehaltenen Versuch eines Beweises dieser Lehre. Ausführlich sollte sie jedenfalls erst im geplanten Hauptwerk dargestellt werden; im "Vorspiel" bleibt Nietzsche eher zurückhaltend. In noch höherem Maß gilt diese Zurückhaltung für einen anderen zentralen Gedanken seiner Philosophie, den der ewigen Wiederkunft des Gleichen: dieser wird nur in einem einzigen Aphorismus angedeutet. Übrigens verbirgt Nietzsche in Jenseits seine Vorliebe für Verstellung und Zurückhaltung kaum: "Alles, was tief ist, liebt die Maske" schreibt er; und in einem anderen Aphorismus: "Jede Philosophie ist eine Vordergrunds-Philosophie . . . Jede Philosophie verbirgt auch eine Philosophie; jede Meinung ist auch ein Versteck, jedes Wort auch eine Maske". Der Metaphysik im allgemeinen liegt nach Nietzsche eine moralische Hypothese - die Lehre der Wertgegensätze - zugrunde; sie zurückzuweisen ist die Hauptaufgabe der von ihm als "Morphologie und Entwicklungslehre des Willens zur Macht" bestimmten Psychologie. Die "Chemie der moralischen Empfindungen" von Menschliches, Allzumenschliches weiterführend, weist diese Psychologie die Entstehung des vermeintlich Höheren durch allmähliche Verfeinerung des Niedrigen, der sogenannten moralischen Tugenden aus den biologischen Grundtrieben auf. Sodann stellt sie die traditionelle höhere Schätzung der verfeinerten Formen vorsichtig in Frage. Am zentralen Beispiel des Willens zur Wahrheit kann diese Infragestellung verdeutlicht werden. Mit der oben erwähnten Theorie von der fiktionalen Natur der Erkenntnis legt Nietzsche den vermeintlichen Gegensatz zwischen sogenannten "Wahrheiten" und "Irrtümern" als Unterschied zwischen verschiedenen Stufen der Scheinbarkeit aus. Aus der Relativierung dieses Gegensatzes folgert er die Entstehung des Willens zur Wahrheit aus seinem scheinbaren Gegensatz, dem ursprünglichen Willen zur Unwahrheit. Wenn die Fiktionen für das Leben notwendig sind, dann stellt sich die Frage, ob der Wille zur Unwahrheit schließlich nicht lebensfördernder und mithin wertvoller sei als der Wille zur Wahrheit. In dieser Frage nach dem Wert der Wahrheit und des Willens zur Wahrheit, die Nietzsche als erster gestellt haben will, kündigt sich nach ihm die Überwindung der Metaphysik an. Als Vorspiel einer Philosophie der Zukunft stellt Jenseits das Heraufkommen von "neuen Philosophen" in Aussicht. An die Gestalt des freien Geistes von Menschliches, Allzumenschliches wiederanknüpfend, sich aber zugleich davon absetzend, behauptet Nietzsche im zweiten Hauptstück - dessen Titel eben Der freie Geist ist -, daß solche Philosophen "freie, sehr freie Geister sein werden . . . so gewiss sie auch nicht bloss freie Geister sein werden, sondern etwas Mehreres, Höheres, Grösseres und Gründlich-Anderes . . .". Nietzsche bezeichnet sie mit dem zweideutigen Wort "Versucher" und möchte damit sowohl auf den experimentellen Charakter als auch auf die verführerische Verlockung ihrer Philosophie hinweisen. Die Philosophen, von denen sich Nietzsche im Kapitel Wir Gelehrten vor allem absetzen will, sind die Positivisten, die in der Skepsis und der Beschränkung der Erkenntnis einen Schutz gegen den Nihilismus suchen. Nietzsche unterscheidet sie deswegen als "Skeptiker der Schwäche" von den neuen Philosophen, die sich als "Skeptiker der Stärke" dem Nihilismus zu stellen wagen. Die neuen Philosophen werden allerdings - wie Nietzsche selbst - keine bloßen Skeptiker sein, sondern vor allem "Gesetzgeber"; ihre Hauptaufgabe sei nämlich, neue Werte zu schaffen. Jede andere Gestalt, die ein solcher Gesetzgeber jeweils annehme - erscheine er nun als Historiker, als Kritiker oder in anderer Form -, sei nur eine vorbereitende Voraussetzung dieser Aufgabe. Die von Plato übernommene Gestalt des Philosophen-Gesetzgebers inspiriert Nietzsches antidemokratisches Programm; das Hauptstück Über Völker und Vaterländer stellt die Vereinigung Europas unter der Herrschaft einer Kaste solcher Philosophen in Aussicht. "Jede Erhöhung des Typus >Mensch< war bisher das Werk einer aristokratischen Gesellschaft - und so wird es immer wieder sein": so lautet die Renan entlehnte These, die das letzte Hauptstück Was ist Vornehm? eröffnet. In diesem Kapitel formuliert Nietzsche unter anderem die Theorien vom Unterschied zwischen Herrenmoral und Sklavenmoral und vom Ursprung des Staates, die er dann in Zur Genealogie der Moral weiterführt.
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Das Leib-Seele-Problem: Eine Einführung in die Philosophie des Geistes (Uni-Taschenbücher M) Ansgar Beckermann Broschiert, 1. März 2008 Verkaufsrang: 147385 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Seit der Antike ist die Frage nach der Existenz und Natur der Seele zentrales Thema der Philosophie. Dieses kompakte, didaktisch aufbreitete Studienbuch zeichnet die Konturen der seit zweitausend Jahren andauernden Debatte nach bis zu den aktuellen Strömungen der Philosophie des Geistes. Damit bietet es einen Überblick über die wichtigsten Positionen und Argumente zu der Frage, wie sich unser mentales Leben zu den neuronalen Prozessen in unseren Hirnen verhält. Leib und Seele - Körper und Geist: Ein klassisches Thema von neuer Aktualität!
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Kleine, aber sehr feine Einführung 5 von 5 Punkten Diese Einführung in das Leib-Seele-Problem von Ansgar Beckermann ist das beste Buch, das ich zu diesem Thema bisher gelesen habe. Es hat zwar nur einen Umfang von 115 Seiten + Anhang, allerdings habe ich jetzt nach dem Lesen das Gefühl, eine wirklich gute Grundlage für ein weiteres Studium des Themas zu besitzen. Besonders positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass das Buch sowohl einige Einblicke in die Geschichte des Themas gewährt als auch die aktuellen Fragestellungen behandelt. Man lernt die Thesen einiger großer Philosophen kennen (z.B. Platon oder Descartes) und auch die einzelnen theoretischen Ansätze (z.B. Identitätstheorie, Funktionalismus, Supervenienz, etc.) werden vorgestellt. Das letzte Kapitel stellt dann einige Aspekte der gegenwärtigen Diskussion vor (z.B. das Qualia-Problem). Zusätzlich ist das Buch verständlich geschrieben und auch was das Layout angeht auf dem Stand der Zeit. Wichtige Argumente werden noch mal in Kästen zusammengefasst und einige grundlegende Begriffe im Glossar erklärt. Für eine Einführung kann man wirklich nicht mehr erwarten!
Konzise Einführung, didaktisch sehr gelungen 5 von 5 Punkten Das Leib-Seele-Problem, von dem Philosophen Arthur Schopenhauer einst als "Weltknoten" bezeichnet, beschäftigt unzählige Denker seit Jahrtausenden. Die Position hierzu gehört sicherlich zu den Hauptmerkmalen eines jeden Weltbilds. Und die Kontroversen darüber sind eher schärfer geworden. Aber einen philosophischen Fortschritt gibt es trotzdem: Das Problem wurde viel präziser gefasst - tatsächlich ist es gar nicht nur eines -, zahlreiche Lösungsvorschläge wurden differenziert ausgearbeitet und deren Konsequenzen ausgelotet. Eine prägnante Ein- und Übersicht hat nun Ansgar Beckermann vorgelegt. Der Philosophie-Professor an der Universität Bielefeld gehört zu den versiertesten Kennern und auch Didaktikern auf diesem Gebiet. Entsprechend gut gelungen ist dieses Buch. Und gerade für den Einsteiger empfehlenswert. Nach einem an Platon, Aristoteles und René Descartes angelehnten historischen Einstieg arbeitet Beckermann die wichtigsten Aspekte des Problems und Lösungsvorschläge aus. Zunächst geht es um Argumente für und gegen den Substanzdualismus, wobei die Gegenargumente klar überwiegen. Wenn Psychisches keine (Seelen)Substanz ist, dann stellt sich die Frage nach dem Status der psychischen Eigenschaften. Dabei geht es vor allem um die Frage nach der Identität mit neuronalen Eigenschaften oder eine Reduktion auf diese. Beides wirft schwierige begriffliche und metaphysische Probleme auf. Schließlich stellt Beckermann die zwei am meisten diskutierten Aspekte des Mentalen vor: seine Intentionalität (geistige Zustände haben einen Gehalt, beziehen sich also auf etwas) und Qualität (sie sind subjektiv, "fühlen" sich irgendwie an). Ein Glossar erklärt relevante Fachbegriffe und in Kästen werden immer wieder die wichtigsten Thesen und Positionen zusammengefasst. |
Glück und Schicksal: Von der Kürze des Lebens - Von der Ruhe des Gemüts - Vom glücklichen Leben - Von der Vorsehung - Von der Muße Seneca Gebundene Ausgabe, 30. März 2009 Verkaufsrang: 110991 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Wie findet man das Glück? Und wie soll man mit dem umgehen, was das Schicksal beschert? Seneca hat sich sein ganzes Leben lang intensiv mit Fragen wie diesen beschäftigt und seine zeitlosen Gedanken darüber in den philosophischen Betrachtungen festgehalten, die dieser Band versammelt.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Food for thought 4 von 5 Punkten Dieser kleine Sammelband aus der Reclamreihe vereint einige der wichtigsten und vielleicht auch anregendsten Einzelschriften von Seneca. Es gibt am Ende des Buches eine kleine Hinführung an Seneca und seine Schriften; mir persönlich war diese allerdings zu kurz. Der Text hat große Momente, gerade in "von der Kürze des Lebens"; allerings sind einige Senecaschriften auch teilweise dröge und langatmig; drüber weglesen hilft. Ein wenig hängt dieser Band durch die fehlende Einführung in der Luft; gerade bei antiken Autoren und bei Textsammlungen wären sie hilfreicher wenn sie mehr Raum geboten bekämen. Dennoch ein nettes Bändchen für Zwischendurch. |
Der Existentialismus ist ein Humanismus und andere philosophische Essays 1943 - 1948 Jean-Paul Sartre Taschenbuch, Januar 2005 Verkaufsrang: 126865 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Im Treibsand der Wörter Georges Batailles "Innere Erfahrung" Von Uwe Justus Wenzel Für Sartre war er ein Fall und der Fall einigermassen klar: Georges Bataille gehört auf die Couch, dessen Anfang 1943 erschienenes Buch "L'Expérience Intérieure" in die Asservatenkammer der Kriminalgeschichte des verendenden Christentums, Abteilung "Wahndelikte". Sartres ausführliche Rezension, Ende desselben Jahres in drei Tranchen publiziert, ist boshaft geraten. Ein unergründliches Schicksal will es, dass die Wiederveröffentlichung ihrer deutschen Übersetzung mit der ersten deutschsprachigen Edition der "Inneren Erfahrung" zusammenfällt. Die Übertragung des Buches von Bataille hält sich an die erweiterte Neuausgabe von 1954 - hinzu kamen damals eine "Méthode de méditation" und ein Postscriptum -, sie zieht aber den Erstdruck zu Zwecken der "Textverbesserung" heran. Als Annex findet sich ein kurzer Essay aus der Feder Maurice Blanchots. Er umspielt die Motive Batailles, die ihrerseits bereits nicht ohne osmotische Beziehungen zu Blanchots Gedankenwelt entstanden sind . . . Was hatte Bataille verbrochen? Er hatte es gewagt, ins Heiligste des Existentialismus einzudringen und "den Menschen" zu ruinieren. Schon Sartre freilich hatte, angeregt durch Heidegger, nicht viel übriggelassen von der humanen Substanz: Menschen sind, was sie aus sich machen, nichts sonst; sie sind "Entwurf" - verdammt dazu, wie die in den Common-sense-Sprachschatz eingewanderte Wendung dekretiert, frei zu sein und von ihrer Freiheit Gebrauch zu machen. Das bestreitet auch Bataille - so - nicht. Was er aber bestreitet, ist, dass jegliches Bestreiten des Unbestreitbaren vergeblich sei, dass dem Aktivismus des Entwerfens (und Unterwerfens) gar nicht zu entkommen sei. "Innere Erfahrung" nennt er, was das Andere des Entwerfens, des "Projekts", wäre. Er nennt es aber, später, auch "souveränes Vorgehen" ("opération souveraine"), "Extrem des Möglichen" und "Meditation". Und er bekundet seinen Überdruss, überhaupt irgendein Wort benutzen zu müssen. Denn die Wörter, die Sprache, der Diskurs - sie eigentlich sind es, auf die er es abgesehen hat. Sie sind das "Handeln", dessen Gegenteil jene Erfahrung sein soll, jenes Erleiden; und die Philosophie, als diskursives Projekt, auch sie gilt ihm als Handlangerin des Handelns, das die Menschen vergessen mache, dass sie inmitten einer ebenso tödlichen wie langweiligen Leere existieren. Diese Leere, das "Unbekannte" und Heillose, will Bataille erfahren. Er will die Leere schreibend erfahren. Will er sie - erschreiben? Darüber versucht Sartre sich lustig zu machen. Dass ihm dies nicht leichtfällt, liegt daran, dass auch Bataille in den Wassern Hegels gebadet hat. Das Paradoxale seines Unterfangens ist ihm bewusst; schmerzlich, wie man sagen könnte und dabei nicht ignorieren sollte, dass Batailles Mutwille bereit ist, Schmerz auch komisch zu finden. (In - nietzscheanisches - Gelächter löst sich ihm die Grenze zwischen Sinn und Nicht-Sinn auf.) Das Wort "Schweigen", schreibt er, sei noch ein "Geräusch", eine Ausflucht. Den "souveränen Augenblick", den Moment der Überschreitung zwingt es nicht herbei. - Die Erkenntnis aber, die dies erkennt, ist sie nicht schon ein wenig weiter? - Gleichwohl, heisst es in der "Methode der Meditation", dürfe sich auch diese Erkenntnis nicht mit dem Augenblick der Erfahrung selber verwechseln. (Einem Augenblick übrigens, der von "relativer Banalität" sein könne: "ein bisschen" Leidenschaft und Hingabe genüge.) - Andererseits, so ein Hinweis einen Absatz weiter unten, fügten sich die erlebten "souveränen" Augenblicke in die ganz gewöhnliche Ordnung der Dinge sofort wieder ein, wäre da nicht ein Denken, das die "Koinzidenz" von erlebtem Augenblick und Denkakt suchte . . . So fällt sich der Autor immer wieder selbst ins Wort. So geht es in den Textfragmenten des Buches hin und her; auf Bekenntnisse und Erinnerungen folgen Reflexionen und programmatische Welterklärungen, auf diese jene. Es geht auf und ab im Treibsand der Wörter, in den ein sich selbst dementierendes Schreiben geraten muss und dieses, ebenso stolz wie redlich, geraten will. Des Buches Prinzip lautet: "durch ein Projekt den Bereich des Projekts verlassen". Die Methode, die es thematisiert und der es folgt, ist eine dramatisierende. Sie sucht die Nähe zu den Exerzitien der Heiligen, auch wenn sie sich (und dies nicht erst in den Erinnerungsspuren erotischer oder obszöner Erlebnisse) gegen die Askese richtet. Der - idiosynkratische und durchaus eitle - Gegenstand des Buches ist nach Auskunft seines Autors das "eingestandene Leiden" eines Entgifteten, eines vom Narkotikum des Projektemachens und von der Fron des Nützlichseins Befreiten. Des Buches ganzer Sinn sei es, die Kunst zu lehren, Angst in Freude, in Wonne ("délice") zu verwandeln. Also ist das Buch doch, wie Sartre meint (und Bataille in den 1954 hinzugefügten Texten bestreitet), das Zeugnis eines neuen Mystikers? Nur dann, so liesse sich mit Blanchot antworten, wenn man sich die mystischen Ekstasen von allen religiösen Vorannahmen entblösst denkt. - Kann man das? Wenn man einen "ironischen Rausch" haben kann: ja. Von ihm ist an einer Stelle die Rede. Er wohl wäre die ekstatische Resultante aller widersprüchlichen Regungen und Strebungen - die "atheologische Summe" eines diesseitigen Exzesses, der nicht einmal jenseits des Buches stattfinden müsste.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Was ist Existentialismus? 4 von 5 Punkten Darum dreht sich ein Teil des Inhalts dieses Buches. Es will Vorurteile gegenüber dem Existenzialismus beseitigen und dem Leser die wahren Ziele dieser interessanten Form der Philosophie näherbringen. Das ist Sartre überraschend gut gelungen und das Buch ist dabei nicht allzu trocken. Was mich allerdings davon abgehalten hat, dem Buch fünf Sterne zu geben, war: Sartre schreibt oft sehr lange und komplizierte Sätze, die den Lesespaß etwas trüben. |
Shinto: Eine Einführung Ernst Lokowandt Taschenbuch, August 2001 Verkaufsrang: 128545 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2001 Steffen Gnam findet Ernst Lokowandts einführende Studie in den Shintoismus durchaus gelungen, da der Autor aufzeigt, wie diese japanische Naturreligion auch die moderne Gesellschaft, die "japanische Fühl-, Denk- und Handlungsweise" durchdringt. Der Autor vermittle dem Leser darüber hinaus, inwieweit diese Religion in ihrer Geschichte vereinnahmt beziehungsweise instrumentalisiert wurde: Sie ging in die Lehren des "esoterischen Buddhismus" ein, fand zu einer Symbiose mit Taoismus und Konfuzianismus und war dem japanischen Militarismus ideologische Stütze, berichtet Gnam. Der Autor komme zu dem Schluss, dass "Shinto" in der neueren Geschichte die "geborene Staatsreligion" bleibe, trotz der Trennung von Staat und Religion. © Perlentaucher Medien GmbH
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Die naturreligiöse Seele des traditionellen Japan 4 von 5 Punkten Shinto ist japanisch. Und: ohne Shinto kein Japan. Was ist Shinto? Es ist eine Religion, aber dennoch vollkommen verschieden von allen anderen religiösen Konzepten. Ernst Lokowandt, ein in Japan lebender deutscher Experte für Shintoismus, versucht die Geschichte, das Konzept und die Einflüsse des Shinto zu erklären. Das Buch enthält auch mehrere Seiten mit Fotos.
ein guter überblick 5 von 5 Punkten Ernst Lokowandt gibt einen guten Überblick, wie shinto bis weit in die heutige japanische Gesellschaft hineinreicht und welchen Einfluss Shinto über die Zeit hatte.Gut,einfach und verständlich geschrieben undnoch zu einem akzeptablen Preis. |
Zwischen Gut und Böse: Elementare Fragen angewandter Philosophie Ekkehard Martens Taschenbuch, 1997 Verkaufsrang: 147188 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Muss man immer dankbar sein? upj. Und es ist kein Ende abzusehen in der philosophischen Ratgeberliteratur. Nun ist es Ekkehard Martens, der "elementare Fragen angewandter Philosophie" beantwortet. In einem schmalen Reclam-Bändchen skizziert der Hamburger Philosoph die Gegenwartsbefindlichkeit: Auch die sogenannten "Bindestrich-Ethiken" haben uns im Dilemma zwischen Fundamentalismus und Beliebigkeit stehengelassen; allerorten breitet sich Ratlosigkeit aus. Welche Therapie ist angezeigt? - Zurück zu den Quellen, zurück zur sokratischen Reflexion, zum Nachfragen und zum Insistieren. Ein erster Schritt zur Überwindung der Orientierungslosigkeit bestehe darin, sich über ihr Ausmass Klarheit zu verschaffen. Und so, im Sinne einer angewandten Philosophie der Selbstvergewisserung, geht Martens (scheinbar) einfachen Fragen nach. "Kann ein anderer wissen, was mich glücklich macht?" "Muss man immer dankbar und gehorsam sein?" - Die "Antworten" sind mustergültige Exemplare jener philosophischen Methode, die sich als Maieutik, also als (Denk-)Geburtshelferkunst versteht.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
""Gibt es einen Weg, die Menschen von dem Verhängnis des Krieges zu befreien?" ( Diese Frage hat Einsteins Freud gestellt.) 5 von 5 Punkten Ekkehard Martens befasst sich in diesem Buch sehr nachhaltig mit Fragen angewandter Philosophie. In diesem Zusammenhang verdeutlicht er, dass Sokrates der Mensch war, der sich zeit seines Lebens besonders intensiv mit prinzipiellen Fragen der Lebenspraxis auseinandersetzte. In seinen Dialogen mit berühmten Politikern, Gelehrten und Dichtern, auch mit Handwerkern und einfachen Leuten seiner Zeit musste er immer wieder erfahren, dass sie alle zwar zu wissen glaubten, was für sie gut sei und was Glück bedeute, sie es gleichwohl in Wahrheit aber nicht wussten und nicht einmal danach fragten. Nicht grundlos steht in den ersten Kapiteln des Buches Sokrates im Mittelpunkt - auch mit kleinen Kostproben seiner spöttisch -provozierenden Dialoge, die er in erster Linie mit der Jugend von Athen führte-. Martens hält fest, dass die Ausgangsfrage, wie wir heute zwischen Gut und Böse leben können, zwar nicht ohne Sokrates geklärt werden kann, gleichwohl auch nicht mit ihm alleine. Von daher muss zum sokratischen Geist der rationalen Aufklärung ein Nachdenken über unsere Zeit mit ihren drängenden Problemen aus Wissenschaft, Technik, Ökologie, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft hinzukommen. Wie dies ausschauen kann, zeigt Martens in seinen Texten gut nachvollziehbar. Mich hat überrascht, wie differenziert er nach klugen Antworten auf die von ihm formulierten Fragen sucht. Es sind zwölf Fragen, die er sich und seinen Lesern stellt. Eine dieser Fragen lautet: "Wie ist Frieden möglich?". Bei der Beantwortung dieser Frage zieht er nicht zuletzt auch Kant Zum ewigen Frieden: Ein philosophischer Entwurf zu Rate und vergisst nicht die Präambel der UNESCO zu zitieren, die mit den Worten endet: ".... folglich muss der Friede, wenn er erhalten werden soll, auf der Grundlage der geistigen und moralischen Solidarität der Menschen errichtet werden." Außer realpolitischer Maßnahmen und einer moralischen Aufklärung ist für den Frieden auch eine Aufklärung über die Aufklärung notwendig. Von daher fragte Albert Einstein 1932 in einem Brief den Psychologen Sigmund Freud: "Gibt es einen Weg, die Menschen von dem Verhängnis des Krieges zu befreien? Die Einsicht, dass diese Frage durch den Fortschritt der Technik zu einer Existenzfrage für die zivilisierte Menschheit geworden ist, ist ziemlich allgemein durchdrungen und trotzdem sind die heißen Bemühungen um ihre Lösung bisher in einem erschreckendem Maße gescheitert." Freud macht u .a. in seiner Antwort deutlich, dass es notwendig sei die Gegenkräfte gegen den Aggressionstrieb zu stärken: " Alles, was Gefühlsbindungen zwischen Menschen herstellt, muss dem Krieg entgegenwirken...(...). Alles, was bedeutsame Gemeinsamkeit unter den Menschen herstellt, ruft solche Gemeingefühle, Identifizierungen hervor. Auf ihnen beruht zum guten Teil der Aufbau der menschlichen Gesellschaft." Voraussetzung von moralischem Sollen ist faktisches Können. Deshalb sind biologische und tiefenpsychologische Erklärungen des Bösen eine notwendige Aufklärung über die Grenzen einer vernunft- und moralorientierten Friedenpolitik hinaus. Die unterschiedlichen Formen philosophischer, tiefenpsychologischer aber auch ästhetischer Aufklärung (letztere wird auch vom Autor thematisiert) sind zwar keine hinreichende, allerdings eine notwendige Bedingung, wie wir Frieden als gerechte Konfliktregelung ermöglichen können. Auch bei der Beantwortung aller anderen Fragen, wie etwas der "Warum kann ich nicht sagen, was ich will?" wird deutlich, dass die grundsätzliche Bereitschaft zwischen Gut und Böse unterscheiden zu wollen einhergeht mit der Bereitschaft ernsthafte Selbst- Reflektion zu betreiben. Empfehlenswert.
Grundlegende philosophische Überlegungen 4 von 5 Punkten In relativ kurzen und verständlichen Abhandlungen wird den grundlegenden philosophischen Fragestellungen nachgegangen: Warum soll ich meinen Eltern gegenüber dankbar und gehorsam sein? Was unterscheidet den Mensch vom Tier? Ist man für Fremde verantwortlich? u.v.m. Die Antworten auf diese Fragen werden nach philosophischer Tradition teilweise nicht konkret gegeben, sondern durch den Leser anhand ausgewählter Diskussionsbeiträge selbst entwickelt. Ein empfehlenswerter Band fürs Studium oder für Interessierte, die sich aktiv mit den unterschiedlichen Thematiken auseinandersetzen möchten. |
Natur Ralph Waldo Emerson Taschenbuch, April 2003 Verkaufsrang: 49100 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Zu Lebzeiten als Prophet verehrt, bei seinem Tod von ganz Amerika betrauert, war Emersons Einfluß auch in Deutschland groß. Seine Theorie der Natur, des Lebendigen, der Schöpfung ist kein System der Naturwissenschaft, sondern der Versuch, alles Sichtbare in einfache Kategorien zu bringen und den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Die Souveränität der Persönlichkeit, der unabhängige Mensch war sein Anliegen. Emerson zu interpretieren ist müßig. Wer Natur liest, wird zu den Urfragen des Lebens hingeführt, in einer Sprache, die schwierige geistige Zusammenhänge durchsichtig macht." (ORF)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
"... die Natur ist ein Abbild der Weisheit, ..." (Plotin, Enneaden IV, 4,13) 5 von 5 Punkten "Aus welchem Stoffe schuf dich die Natur, / Dass Millionen Schatten dich umweben?" (Shakespeare, Sonett LIII) "Für die Allgewalt der Natur, oder vielmehr ihrer uns unerreichbaren obersten Ursache ist der Mensch nur eine Kleinigkeit. Dass ihn aber auch die Herrscher von seiner eigenen Gattung dafür nehmen und als eine solche behandeln, indem sie ihn teils tierisch, als bloßes Werkzeug ihrer Absichten, belasten, teils in ihren Streitigkeiten gegen einander aufstellen, um sie schlachten zu lassen, - das ist keine Kleinigkeit, sondern Umkehrung des Endzwecks der Schöpfung selbst." (Immanuel Kant, 1794) Der Endzweck der Schöpfung nach Kant ist der Mensch als moralisches Wesen. Ralph Waldo Emerson (1803-1882) fordert darüber hinaus, nicht zurückzublicken in Geschichte und Gewesenenes, sondern eben jenes ursprüngliche Verhältnis zur Natur als Offenbarung in uns zu begreifen, in Dichtkunst und Philosophie zu betrachten und als nur kurze Zeit im Schoße der Natur Verweilender ihr gemäß zu handeln. Ihr gemäß zu handeln, heißt aber auch, ihr im Geiste nahe zu sein und in den Fragen ohne Antwort ein Vertrauen entgegenzubringen, welches die "Ordnung der Dinge" annimmt und in ihr die Befriedigung der Neugier des Geistes glaubt erfahren zu können. Denn der Mensch nach Emerson lebt bereits diese Antwort, "bevor er sie als Wahrheit erfasst". Hält man Vieles im Zuge alle Wissenschaft für ungeklärt, empfindet man zusätzlich Einiges für unerklärbar. Und so muss Emerson den Gedanken der Natur zweiteilen, einmal in den gewöhnlichen, zum anderen in den philosophischen Gedanken. Bezieht sich der gewöhnliche Gedanke auf die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur, seinen darin liegenden Wesenheiten und Wirklichkeiten liegt im philosophischen Gedanken die Verbindung von allem, nämlich auch des Menschen Wille und Geist. Dennoch, eines bleibt bei Emerson, die Demut des Menschen vor der Natur, sein tiefes Eingeständnis in die eigene Unbedeutenheit ihr gegenüber. Goethe bekannte einmal, daß die so bedeutend klingende und kanonische Anweisung "Erkenne dich selbst" ihm stets verdächtig vorgekommen sei, weil man beim Blick in sich selbst niemals genau unterscheiden könne zwischen dem Gefundenen und dem Erfundenen. Er empfiehlt den Umweg über die Welt, denn "der Mensch kennt nur sich selbst, sofern er die Welt kennt und sich in ihr gewahr wird". In diesem Sinne lehrt Emerson die Natur in der Anerkenntnis, dass Nicht-Wissen viel mehr als Wissen vorhanden ist und dass sie des Menschen Taten duldet und sich ihm opfert mit all ihren Reichtümern. Aber auch dieses heißt in der zweiten Sicht, sich der Natur gemäß zu verhalten. "Dein Wille geschehe" bedeutet dem Menschen nun ein Vorschuß-Vertrauen in eine Welt neuer Erfahrungen, damit einen Glauben, den Emerson als Bund von Natur und Religion beschreibt. In Kafkas Betrachtungen können wir lesen: "Der Mensch kann nicht leben ohne ein dauerndes Vertrauen in etwas Unzerstörbares in sich". Es kann vermutet werden mit Emerson, dass noch höhere Fähigkeiten im Menschen und in seiner Natur liegen als "Genauigkeit und Unfehlbarkeit". Weil eben die Vermutung fruchtbarer sein kann als eine experimentelle Bestätigung und im Traum tiefer das Geheimnis der Natur liegt als in der Wissenschaft. Emersons Denken ist eine deutliche Einheit von Natur und Gott. Sein religiöser Pathos folgt Spinoza, erweitert um den Gedanken, der Mensch sei Schöpfer durch den Geist im Endlichen. Durch den Geist erhält er Zugang zum gesamten Geist des Schöpfers. Die Quellen der Weisheit und der Macht, jenen "goldenen Schlüssel, der den Palast der Ewigkeit öffnet" (John Milton) weisen auf die Tugend und ihr höchstes Zeugnis, nämlich jene Wahrheit die ermutigt, "die eigene Welt zu schaffen durch die Läuterung der Seele". Ralph Waldo Emerson bewegt mit diesem Werk das Problem (die Menge der Querverweise und Zitate belegen es), alles zuvor gedachte in eine Zukunft zu retten. Ihn drängt die Wachsamkeit und er fordert die Aufmerksamkeit der Menschen, das Bisherige zusammen zu denken und dennoch den eigenen Beitrag belastungsfrei zu leisten. Unter dem Gedanken der Natur in ihrer Vielschichtigkeit subsumiert er Mensch, Bewußtsein, Geist in einen amerikanischen Geist des Aufbruchs, aber in der Kenntnis der europäischen Literatur. Allen voran Goethe, den der Rezensent bereits bei Walt Whitman (leaves of grass / Grashalme) heranzog. Goethe stöhnt unter der Last der vergangenen Gedanken der europäischen Welt und jubelte nahezu: "Amerika, du hast es besser." Emerson wie Whitman predigen den freien amerikanischen Geist in freier Person, dem der Basalt der Vergangenheit nicht anhaftet. "Der Atem des neuen Frühlings" ist die Offenbarung Emersons, von dem man sagt, seine Sätze seien in Erz gegossen für alle Ewigkeit. "Natur" ist sein Vermächtnis; auch Du, Leser, bist ein Mensch, den die abstrakten Fragen von Geist und Natur berühren. Dort wo sie den Intellekt allein beanspruchen, führt Emerson sie zurück in die Konkretheit der Natur, letztendlich übergibt er die Fragen dem Leser zur Beantwortung. Denn "nur was wir sind, können wir sehen" und uns darin entfalten. Emersons Denken läßt sich verstehen als ein MindWalking, welches unbelastet in die Zukunft führt und die inneren Pforten zum Selbst öffnet. ~~
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Discours de la méthode - Von der Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Forschung Rene Descartes Taschenbuch, 1997 Verkaufsrang: 74553 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag) Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Forschung OT Discours de la méthode pour bien conduire sa raison, et chercher la verité dans les sciencesOA 1637 DE 1863 Form Sachbuch Bereich Philosophie Aristoteles lässt das Philosophieren mit dem Zweifeln beginnen; sein Zweifeln ruht auf der Grundlage eigener Gewissheiten. Mit Descartes wird das methodische Zweifeln und Infragestellen zum Signum der Neuzeit, die ihrer Grundlagen selbst nicht mehr gewiss ist. Descartes lehnt die bloße Übernahme traditioneller Wissensbestände ab und versucht menschliches Wissen auf das sichere Fundament der Selbstgewissheit des denkenden Ichs zu stellen. Damit wird er zum Begründer der Philosophie der Neuzeit. Entstehung: Nach einem Tagebucheintrag will Descartes seinen methodischen Grundgedanken bereits am 10. November 1619 gefasst haben. Seine mathematischen und naturphilosophischen Studien flossen zunächst nicht in eine Veröffentlichung ein, weil ihn der Fall R Galileis zutiefst verunsichert und seine literarischen Pläne verändert hatte. Über seine Gründe, die mit autobiografischen Motiven durchsetzte Abhandlung schließlich 1637 doch zu veröffentlichen, legt Descartes ausführlich im sechsten Kapitel des Werks Rechenschaft ab. Vor allem bewegte ihn die Aussicht auf die kooperative Fortsetzung seiner Forschungen. Inhalt: Vorbild aller Wissenschaften ist für Descartes die Mathematik. An ihr schätzte er die "Sicherheit und Evidenz ihrer Beweisgründe". Auf dem Weg seiner Methode gelangt Descartes zu den Fundamenten seiner Metaphysik. Von gleicher Sicherheit wie die mathematischen Wahrheiten war für ihn der erste Grundsatz der Philosophie, "Ich denke, also bin ich." ("cogito, ergo sum."). Die Natur dieses Ichs ist es, eine Substanz zu sein, die völlig vom körperlichen Sein unterschieden ist. Dem liegt die dualistische Ontologie des französischen Philosophen zugrunde, also seine Auffassung, dass alle Wirklichkeit aus zwei völlig verschiedenen Seinsweisen besteht, aus Immateriell-Denkendem ("res cogitans") und Materiell-Ausgedehntem ("res extensa"). Da er glaubt, selbst ein unvollkommenes Wesen zu sein, fragt sich Descartes nach der Ursache des Begriffs von einem vollkommenen Wesen und er sieht sich zur Vorstellung Gottes als eines vollkommenen Wesens hingeführt. Gottes Vollkommenheit setzt aber begrifflich seine Existenz voraus (sog. ontologischer Gottesbeweis). Von hier aus zurückblickend erkennt der menschliche Verstand, dass erst die Existenz Gottes alle Erkenntnisse für den Menschen sicherstellt. Wirkung: Das 17. Jahrhundert gilt philosophiegeschichtlich als das "Jahrhundert der Methode". Daran hat Descartes maßgeblichen Anteil. Er begründete darüber hinaus eine philosophische Strömung, den Cartesianismus, der Philosophen aus ganz Europa angehörten. Seine Philosophie der Selbstgewissheit des denkenden Ich bestimmte die Subjektivitätsphilosophie der Neuzeit, sie beeinflusste die Vernunftphilosophie von Immanuel R Kant sowie die Phänomenologie von Edmund Husserl (1859-1938). D. L.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
" Der gesunde Menschenverstand ist das, was in der Welt am besten verteilt ist, denn jedermann meint, damit so gut versehen zu 5 von 5 Punkten sein, dass selbst Personen, die in allen anderen Dingen schwer zu befriedigen sind, doch an Verstand nichts mehr, als sie haben, sich zu wünschen pflegen." (Descartes) Der Philosoph Rene Descartes( 1596-1650) forderte als Ausgangspunkt und Methode philosophischen Denkens die Gültigkeit eine Aussage in Zweifel zu ziehen, so lange diese nicht zureichend begründet sei. Als Ursatz dieser Aussage der Philosophie, an dessen Gültigkeit nicht gezweifelt werden kann, betrachtet Descartes die Aussage: "Cogito ergo sum." (Ich denke, daher existiere ich). Descartes unterwirft in seinen Meditationen die Themen strenger logischer Zergliederung, nicht zuletzt, weil er die Philosophie zu einer Art Universalmathematik machen möchte, zu einer Wissenschaft, in der alles im Wege strenger Deduktion aus einfachsten Grundbegriffen gewonnen werden kann. Der Philosoph empfiehlt zunächst alles anzuzweifeln und nichts a priori anzunehmen. Je mehr man in Frage stellt, desto eindeutiger ist, dass man denkt. Alles, was man von außen wahrnimmt, kann Täuschung sein, alles, was man denkt kann falsch sein, aber- und da ist sich Descartes sicher,"im Zweifel werde ich jedenfalls meiner selbst als denkendes Wesen gewiss." Als Metaphysiker steht Descartes auf dem Boden des Rationalismus, indem er einerseits klares und deutliches Denken fordert und als entscheidendes Wahrheitskriterium anerkennt und andererseits angeborene Ideen, so etwa den Gottesbegriff annimmt, aus denen er deduktiv metaphysische Einsichten abzuleiten zu können meint. Dualist ist Descartes insofern, als er zwei aufeinander zurückführbare Grundformender Wirklichkeit unterscheidet: die Bewusstseinswelt und die mechanisch erklärbare Welt der Ausdehnung. Die Existenz einer "denkenden Substanz" hält Descartes für evident. Als Beweismittel für die Existenz der Welt der Materie zieht er die Wahrhaftigkeit Gottes heran, die eine absichtliche Täuschung des Menschen durch Gott ausschließt. Auch das psycho-physische Problem löst Descartes dualistisch, indem er die Wechselwirkung zwischen Leib und Seele annimmt. Mir gefällt die sprachliche Leichtigkeit und Unverkünsteltheit mit der dieser Philosoph komplizierte Denkprobleme angeht. Sie sind wohl auch der Grund, weshalb man sich unbefangen in seine Texte vertieft. Behutsam führt der Philosoph an ein Denkproblem heran, zerlegt es in einzelne Teile und fordert den Leser zu beinahe spielerischem Mitdenken auf. Überzeugen Sie sich selbst.
"Von der Methode": der Beginn der neuzeitlichen Philosophie 5 von 5 Punkten René Descartes hat maßgeblich dazu beigetragen, das Welt- und Menschenbild der Neuzeit zu schaffen. Er führte das Denken weg von der Untersuchung des Wesens der Dinge hin zu der Art und Weise, wie das Denken selbst funktioniert. Ausgehend von der Mathematik entwickelte er seine Methode zur Analyse des Wissens, das der Mensch von der Welt hat. Zu seiner Zeit war in der Philosophie immer noch die aus dem Mittelalter stammende Scholastik vorherrschend, die eher Glaubensdoktrinen verkündete als objektiv nachvollziehbare, wissenschaftliche Erkenntnisse. Immerhin musste genau zu jener Zeit Galileo Galilei sich vor der römischen Inquisition verantworten und wurde zu lebenslangem Hausarrest verurteilt. Descartes war also gewarnt und ließ darum seine Schrift "Von der Methode" anonym erscheinen. Denn was er schrieb, noch dazu in der Ich-Form und auf Französisch statt auf Latein, war trotz einiger "Gottesbeweise" im Text ketzerisch genug: Descartes ließ den einzelnen Menschen zur absoluten Instanz der Wahrheit werden und forderte ihn auf, den Zweifel zum methodischen Prinzip zu erheben. Damit setzte er die kritische Vernunft an die Stelle eines seit Jahrhunderten überlieferten religiös gefärbten Scheinwissens. Mit der Schrift "Von der Methode" löste er einen Paradigmenwechsel in der europäischen Philosophie der Neuzeit aus: Von nun an standen die Fragen nach den Möglichkeiten und Grenzen des menschlichen Bewusstseins und nach dem denkenden Subjekt im Vordergrund. |
Buch der Laster Wolfgang Sofsky Gebundene Ausgabe, 24. August 2009 Verkaufsrang: 91846 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die meisten Übeltaten des Menschen entspringen nicht gezielter Willkür und Bosheit, sondern weithin verbreiteten Unsitten und Lastern. Wolfgang Sofsky erkundet in seinem neuen Buch das Spektrum unmoralischer Haltungen. Präzise seziert er die Schattenseiten der menschlichen Natur und ihre Bedeutung für Politik und Gesellschaft.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Diese Essays sind Einladungen zum Menschsein, nicht zum Gutmenschentum, das noch verlogener daherkommt als das Laster 5 von 5 Punkten Dieses Buch passt überhaupt nicht in unsere Zeit und ist gerade deshalb so wichtig. Das sei quasi als Einleitung zu dem neuen Buch des freien Autors und als luzider Beobachter der politischen Szene unseres Landes und unserer Gesellschaft bekannten Wolfgang Sofsky gesagt. Die Bücher über die Ursachen des Bösen sind gerade in diesem Jahr wie Pilze aus dem Boden geschossen und zeigen etwas auf von dem in einer schon lange säkular gewordenen Gesellschaft aufgebrochenen Erklärungsbedarf. Allerlei psychologische und auch manche tapfere theologische Deutung konnte man da lesen, im Bemühen, das Böse , seine Entstehung, seine Wirkung und seine Weiterverbreitung auf irgend eine Art zu fassen und vor allen Dingen seine Kontingenz zu bewältigen. Wolfgang Sofsky hingegen ist der Überzeugung, dass die schlechten Werke der Menschen, ihre Übeltaten und Verbrechen in der Regel nicht einer gezielten Willkür oder gar Bosheit entspringen, sondern Unsitten und Lastern, die sich über eine lange Zeit des "anything goes" regelrecht eingebürgert haben. Jedermann kann es beobachten und für manche ist es Grund zu hartnäckiger Verzweiflung: offenbar lebt man mit schlechten Gewohnheiten und Lastern besser, als wenn man sich, ob nun aus einer religiösen und eher säkularen Motivation heraus, an die Gebote des Guten hält. In seinem "Buch der Laster" hat Wolfgang Sofsky sie alle aufgelistet und jedem ein ganzes Kapitel , einen kleinen, gut kulturhistorisch abgesicherten und begründeten Essay gewidmet, in dem er jeweils aufzeigt, welche Bedeutung für die Politik und die Gesellschaft die einzelnen Laster haben. Da geht es um Gleichgültigkeit, Vulgarität, Trägheit, Selbstmitleid, Feigheit, Torheit, Starrsinn, Habgier, Geiz, Maßlosigkeit, Neid, Ungerechtigkeit, Geltungssucht, Hochmut, Unterwürfigkeit, Zorn, Hinterlist und Grausamkeit. Wie jeder beim Lesen dieses skeptischen und tiefgehenden Buches spüren kann, ist da immer auch vom einzelnen Menschen die Rede und den Schattenseiten seiner Natur. Jeder einzelne trägt mit dem Ausleben seiner Laster oder auch nur mit ihrer resignierten Hinnahme ( " ich bin nun mal so, und die anderen sind ja noch viel schlimmer. Wenn ich da an XY denke ...") dazu bei, dass unsere Gesellschaft lasterhafter, unmenschlicher und kälter geworden ist. Die Sprache von Sofskys Essays klagt nicht an, sie beschreibt auf hohem Niveau Zustände von Menschen und ihrer Seele und führt den Leser auf eine wichtige Spur, dass nämlich in ihm selbst auch alle gegenteiligen Tugenden vorhanden sind und er sie leben kann. Sofsky ist ein Moralist, aber er moralisiert nicht. Seine Essays sind Einladungen zum Menschsein, nicht zum Gutmenschentum, das noch verlogener daherkommt als das Laster.
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Kunst und Sehen. Eine Psychologie des schöpferischen Auges Rudolf Arnheim Taschenbuch, 11. September 2000 Verkaufsrang: 54808 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Kunst der Bildanalyse ist so alt wie die Kunst selbst. Arnheims Anleitung zum Sehen ist aber immer noch so jung wie bei ihrem ersten Erscheinen 1954. Arnheim ist in seinen Schriften ein immer verständlicher Vermittler. Sein psychologischer Ansatz der Kunstbetrachtung überwältigt, aber vergewaltigt den Leser nicht. An einfachen Beispielen beleuchtet er behutsam und kritisch das Wechselspiel von Form und Farbe, Raum und Licht, Bewegung und Gleichgewicht. Am Ende der Lektüre wird der Leser kaum bemerkt haben, wie viel Material ihm präsentiert worden ist: von der Steinzeit bis zu Picasso. Fast spielerisch entfaltet sich so ein breites Panorama der Kunst.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Vom Feinsten 5 von 5 Punkten Nicht ganz einfach zu lesen aber inhaltlich vom feinsten! Ein Standardwerk eben. Der Autor geht intensiv auf die Wahrnehmung und die Psychologie der Wahrnehmung von Kunstwerken durch das menschliche Auge und Gehirn ein. Für Künstler (Maler, Fotografen, Bildhauer) ergeben sich dadurch neue und wertvolle Hinweise für die Komposition eines Werkes.
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Die Expression: Der Mensch zwischen Kommunikation und Ausdruck Arno Stern Broschiert, 20. März 2008 Verkaufsrang: 92013 Expression heißt also: aus dem Inneren hervorziehen und und nach außen tragen. Das dreifache Thema: Erziehung - Expression - Gesellschaft läßt keinen unberührt. Das Buch"Die Expression"ist Arno Sterns grundlegende Arbeit zu diesem Thema
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Psychologie der Massen Gustave LeBon Broschiert, September 2007 Verkaufsrang: 143155 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag) Die Psychologie der Massen OT Psychologie des foules OA 1895 Form Sachbuch Bereich Soziale Psychologie In seiner Psychologie der Massen stellt Gustave Le Bon die Grundbegriffe des Massenvrhaltens dar und gilt somit als Begründer der Massenpsychologie. Entstehung: Unter dem Eindruck eines grundlegenden Wertewandels der westlichen Gesellschaft sowie der wachsenden politischen Macht der Masse, der "jüngsten Herrscherin der Gegenwart", entschloss sich Le Bon zu einer Untersuchung dieses Phänomens. Er verstand sein Werk als die erste systematische Auseinandersetzung mit der Masse als psychologisch erfassbarem Gegenstand. Inhalt: Die radikale Grundthese von Le Bon lautet, dass die Masse eine Abart der rationalen menschlichen Existenz sei. So seien die negativen Erscheinungen des Massenverhaltens neben strukturellen (der Hoffnung auf Straffreiheit) vor allem psychologischen (dem Vorherrschen des Unbewussten) Elementen zuzuschreiben. Als mitentscheidender Faktor für Massenverhalten spielt für Le Bon immer auch seine Rassentheorie eine bedeutende Rolle, in denen er darwinistische Bestandteile mit seinen Vorstellungen von "Nationalcharakter" kombiniert. So meint er feststellen zu können, dass z. B. bei den "lateinischen Massen" in besonderem Maße Intoleranz vorherrsche. Schwieriger einzuordnen sind Le Bons gelegentliche Hinweise auf die positive Wirkung der Masse. Teils äußert der Autor ausdrückliches Lob ("Frönen also die Massen oft niedrigen Instinkten, so bieten sie oft wieder ein Beispiel hochsittlichen Verhaltens"), teils sieht er in der Masse eine nützliche Funktion ("Ist das Gebäude einer Zivilisation wurmstichig geworden, so sind es stets die Massen, welche dessen Zusammensturz herbeiführen"). Le Bons Argumentation bleibt insgesamt dem zyklischen Geschichtsverständnis verhaftet. Davon zeugt seine Vorstellung von der notwendigen Ablösung der Demokratie durch die Tyrannei. Aufbau: Im Aufmarsch der Massen sieht Le Bon eine allgemeinmenschliche Erscheinung und nimmt im ersten Buch seines dreiteiligen Werks eine Darstellung charakteristischer Merkmale der Massenseele vor. Als Erklärung für das Massenverhalten stellt der Soziologe zunächst das "psychologische Gesetz der seelischen Einheit" auf, indem er erklärt: "In der Kollektivseele verwischen sich die intellektuellen Fähigkeiten und damit die Individualität der Individuen". Da also die Intelligenz der Einzelnen nivelliert werde, ist es "die Dummheit, nicht der geist, was sich in den Massen akkumuliert". Aus diesem Grund benähmen sich Einzelne bisweilen in der Masse, wie sie es als Individuen nie tun würden. Im Anschluss versucht Le Bon "Gefühl und Moral der Massen", ihre Impulsivität und Intoleranz, ihren Autoritarismus und Konservativismus zu erklären - Eigenschaften, welche die Masse zum geeigneten Spielball von Demagogen machen. Nach Le Bon besitzt die Masse eine eigene Sittlichkeit, die dazu führe, dass die Interessen Einzelner den Interessen der Gemeinschaft untergeordnet werden, was das oft heroische Verhalten der Masse erkläre. Im zweiten Buch geht Le Bon auf die spezifischen Einflussfaktoren, auf die Anschauungen der Masse sowie auf die Eigenschaften der "Führer der Massen" ein. Die aufgezeigten Methoden der Kontrolle und die Rolle des Prestige wirken angesichts der totalitären Geschichte des 20. Jahrhunderts geradezu prophetisch. Im dritten Buch unternimmt Le Bon schließlich eine Klassifizierung und Beschreibung der verschiedenen Formen der Massen. Wirkung: Die Psychologie der Massen war lange Zeit das Standardwerk zum Massenverhalten. So bezog sich Sigmund R Freud in seinen Arbeiten zur Massenpsychologie explizit auf Le Bon. Ernüchternd ist allerdings die Annahme, dass sich Adolf Hitler die von Le Bon aufgeführten pragmatischen Methoden der Massenzähmung zu Eigen gemacht hat. Das Werk bietet eine nach wie vor faszinierende soziologische Studie sowohl der "Masse" wie auch der Gedankenwelt ihres Kritikers. B. A.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 21 Bewertungen)
Der Glaube kann Berge versetzen. 5 von 5 Punkten Gustave Le Bon versucht die Reaktion der Massen psychologisch zu erklären. Organisierte Massen haben oft zu großen gesellschaftlichen Veränderungen in der Vergangenheit geführt und agieren anders als einzelne Menschen. Le Bon zeigt dabei, dass die Masse oft verbrecherisch (in Diktaturen), oft aber auch heldenhaft sein kann (z.B. Jeanne d Arc = Jungfrau von Orleans), je nachdem wie sie beeinflußt wurde. Die philosophischen Ideen, die z.B. zur Französischen Revolution führten, brauchten zwar fast ein Jahrhundert, um in der Volksseele Wurzeln zu fassen, dann brachen sie aber mit ungeheurer Gewalt durch. Der Autor geht bei seinen Betrachtungen weit zurück in der Geschichte über Napoleon zu Cäsar und Alexander. Oft wurden große geschichtliche Ereignisse nur von einfachen Menschen verwirklicht, die nichts als Ihren Glauben besaßen. Betrachtet werden auch kurz die religiösen Erneuerer wie Buddha, Jesus, Mohammed, alle besaßen einen persönlichen Nimbus, der einen magnetischen Zauber auf die Umgebung ausübte. Die Reformation, die Bartholomäusnacht, die Religionskriege und die Inquisition sind ebenfalls Erscheinungen derselben Art, sie sind aber teilweise über das Ziel hinaus geschossen. Fazit: Ein lesenswertes Buch, denn noch immer versuchen uns Menschen (z.B. Politiker) und auch Medien mit bestimmten Worten, ständigen plakativen Wiederholung, usw. zu programmieren und damit als "Masse" zu manipulieren. Hat man die "Psychologie der Massen" verstanden, erkennt man solche Handlungen bereits im Ansatz und ist dann dagegen besser geschützt.
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Der Einzige und sein Eigentum Max Stirner Taschenbuch, 1986 Verkaufsrang: 152879 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Max Stirners 1844 veröffentlichtes philosophisches Hauptwerk untersucht gesellschaftliche Institutionen, Ideologien und Ideale wie Familie, Moral und Liebe hinsichtlich ihrer realistischen Umsetzung. Für Stirner sind all diese Ideen in erster Linie Konstrukte, denen der Mensch per se nicht entsprechen kann, was zur Selbstentfremdung führt. Demgegenüber fordert Stirner die uneingeschränkte Selbstmächtigkeit des Einzelnen. Seine Schrift kann heute als weit über seine Zeit hinausreichendes Plädoyer für die Freiheit des Individuums verstanden werden.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
Bisherige Rezensionen 5 von 5 Punkten Die vorliegenden Rezensionen von Stirners Der Einzige und sein Eigentum" sind alle mehr oder weniger positiv. Zu Recht, denn das Buch ist wichtig, einflussreich, spannend und aktuell. Nur eine Rezension weist auf ein Problem hin: Nicht alle Ausgaben sind empfehlenswert. Völlig indiskutabel ist die Ausgabe des area-Verlags, auch wenn sie mit Abstand die billigste ist. Die Ausgabe des area-Verlags enthält weder einen Kommentar noch ein Nachwort. * Die Ausgabe ist unvollständig, wie Jannis Hallen schon sagte. Es fehlen kommentarlos die wichtigen Vorbemerkungen Stirners, mit denen er unter dem Motto Ich hab`mein Sach' auf Nichts gestellt" das zentrale Thema seines Buches einleitet. * Die Ausgabe enthält Änderungen im Text, ohne irgend einen Hinweis zu den Editionsprinzipien: Wörter werden groß geschrieben, um interpretierend deren Bedeutung hervorzuheben: Ich hab' mein' Sach' auf NICHTS gestellt (400); Stirners eigenwillige, pointiert eingesetzte Großschreibung des Wortes Ich und überhaupt von Personalpronomen wird nicht übernommen. Der Text wurde bearbeitet nach den Regeln vor der Rechtschreibereform, aber auch das nicht konsequent und fehlerhaft. * Weit über 100 Fehler, manchmal vier, fünf auf einer Seite (205, 211), verballhornen Stirners Hauptwerk, das 1844 in einer fast fehlerfreien Ausgabe erschienen war: die wenigen Fehler der Erstausgabe von 1844 werden übernommen: falsche Anführungszeichen (146), falsch geschriebene Fremdwörter: Schiboleth (105, 167); Wahre dich statt Wehre Dich; in der Erstausgabe Korrektes hingegen wird falsch geschrieben: (157, 162, 171, 177 u.ö.); an Stelle eines Gedankenstrichs (-) steht ein = (40, 193); griechische Wörter werden ebenso verhunzt (81), wie Namen: Eloots statt Cloots (223). Wörter fehlen : Gedanke durchzieht Reformationsgeschichte [bis] heute. Man versuche einmal diese Stelle zu verstehen: Möglichkeit und Wirklichkeit sollen immer zusammen. Man kann nichts, was man nicht tut, was man nicht kann. Dass Stirner so tautologisch nicht argumentierte, zeigt das Original: Möglichkeit und Wirklichkeit fallen zusammen. Man kann nichts, was man nicht tut, wie man nichts tut, was man nicht kann. (358). * Durch Scannen der Vorlage in Fraktur-Schrift (Ähnlichkeit des Fraktur-s mit dem -f) gibt es zahlreiche Fehler: Selbstauslösung statt Selbstauflösung (37), resormatorische statt reformatorische (70), aus statt auf (71), über mich hinaufragte statt hinausragte (187), Gr. Heiligkeit statt Sr. Heiligkeit (222), zustießt statt zufließt (222), Weise statt Welfe (261). Da ist statt von Gefäß vom Gesäß (53) die Rede und statt gefühlt wird gesuhlt (61), usw. usf. Die Reclam-Ausgabe dagegen ist eine seriöse Ausgabe mit einigen Mängeln: * Das Nachwort ist ideologisch und oft unsachlich; der Herausgeber stellt Stirner als kleinbürgerlichen Gernegroß dar. * Sie enthält Fehler, z.B. lücken- und fehlerhafte Kommentierung: falsche Auflösung eines anonymen Beitrags: statt Carl Reinhold Jachmann nennt Meyer Carl Witt (EE 115), falsche Jahreszahl: 1842 statt 1844 (EE 162), falsche, fehlende und irritierende Zeichensetzung (EE 35, 162, 258 u.ö.), Übernahme von Fehlern aus der editio princeps (EE 215: Wahre Dich statt Wehre Dich) usw. Die Ausgabe des Alber-Verlags bietet über 500 Kommentare, enthält eine auf Missverständnisse in der Stirner-Rezeption eingehendes Nachwort und Stirners Reaktion auf die ersten Kritiken an seinem Buch (u.a. von Ludwig Feuerbach), mit der er auf wichtige Aspekte seiner Philosophie verdeutlicht. Auch diese Ausgabe ist nicht völlig fehlerfrei, und sie ist vergleichsweise teuer. Für den,der sich intensiver mit Stirner beschäftigen möchte, lont sich jedoch diese Investition.
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Geistesgeschichte der Technik: Mit einem Radiovortrag auf CD Hans Blumenberg Gebundene Ausgabe, 16. September 2009 Verkaufsrang: 101337 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In Hans Blumenbergs Nachlaß findet sich eine Mappe mit dem Kürzel "GT", die einige kleinere Schriften zur Geistesgeschichte der Technik enthält. Auf wenigen Seiten entfaltet Blumenberg darin auf gewohnt pointierte Weise Überlegungen, wie eine solche Geistesgeschichte - etwa im Unterschied zur üblichen Technikgeschichte - überhaupt aussehen könnte. Damit ist er als Vordenker für die Historiographie naturwissenschaftlicher und technischer Entwicklungen, die gegenwärtig vor allem in wissenschaftshistorischer Perspektive Konjunktur hat, noch zu entdecken. Die meisten dieser Texte erscheinen hier zum ersten Mal in gedruckter Form, wie etwa zwei längere Vorträge, die Blumenberg in den 1960er Jahren in wissenschaftlichen Kontexten, aber auch im Rundfunk einer breiteren Öffentlichkeit vorgetragen hatte. Einer dieser Vorträge mit dem Titel "Die Maschinen und der Fortschritt. Gedanken zu einer Geistesgeschichte der Technik" ist als einziger der Radiobeiträge Hans Blumenbergs erhalten geblieben und dem Buch beigegeben.
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Sokrates: Eine Einführung Ekkehard Martens Taschenbuch, April 2004 Verkaufsrang: 42915 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Zeitgenossen verurteilten ihn als Gefahr für die Jugend und Frevler gegen die Religion - Sokrates selbst verstand sein Wirken als Aufforderung zur Erkenntnis des eigenen Nichtwissens und sah darin die wahrhaft menschliche Weisheit. Ekkehard Martens' Einführung (die bisher unter dem Titel 'Die Sache des Sokrates' im Programm war) wurde für die Neuausgabe um das Kapitel "Methoden des sokratischen Philosophierens" erweitert.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Prägnant und kompakt 5 von 5 Punkten Prägnant, kompakt, auf das Wesentliche bedacht, aber nichts davon übergehend - so sollte eine Einführung zu Sokrates sein. Ekkehard Martens, Doktor der Philosophie und Professor für Didaktik der Alten Sprachen, ist gleichzeitig Übersetzer einiger Platondialoge in Reclams Universalbibliothek (Charmides, Theatet, Parmenides). Zunächst stellt sich der Autor die Frage: Was wissen wir über den historischen Sokrates? Xenophon, Aristophanes und Platon werden als Quellen herangezogen, wenn es um die "Sache des Sokrates" geht. Dabei muss man sich stets des Unterschiedes zwischen der Person Sokrates selbst und dem Sokratismus seiner Anhänger bewusst sein, will man der Wahrheit einigermaßen auf die Spur kommen. Im Folgenden stehen Bilder und Porträts des Philosophen auf dem Prüfstand. Doch was kann man aus ihnen über sein Leben und seine Gedanken erfahren? Ist es möglich, sich auf diese Weise den wesentlichen Merkmalen des wirklichen Sokrates anzunähern? Die überlieferten Porträts beruhen weder auf einer individuellen Charakterzeichnung noch auf einer allgemeinen Typisierung. Es kristallisiert sich bereits früh die Deutung als "weiser Silen" heraus: Silen, der Ziehvater und Erzieher des Dionysos, der nicht zuletzt durch den Midas-Mythos zu unsterblicher Berühmtheit gelangt ist. Eine Statue aus dem British Museum zeigt Sokrates in der typisch bürgerlichen Tracht seiner Zeit, wie er mit der Rechten am unteren Mantelsaum nestelt - eine Geste, die seine prüfende, abwägende Denkart ausdrücken könnte. Die römische Marmorkopie einer Sitzstatue des Chrysipp wiederum stellt Sokrates dar, der im Gespräch seine Argumente an den Fingern aufzählt. Bemerkenswert ist in jedem Fall, dass sein Erscheinungsbild (dicker Bauch!) dem griechischen Schönheitsideal der Kalokagathia widersprach. Sokrates, der bekanntlich keine Schriften hinterlassen hat, war - wie im Übrigen auch sein großer Schüler Platon - davon überzeugt, dass sich die wirkliche Philosophie letztlich nicht in geschriebenen Sätzen mitteilen lasse. Die Gefahr des schriftlich fixierten Wissens besteht vor allem darin, dass es sich oft im konkreten Einzelfall als nutzlos oder sogar irreführend erweisen kann; es verkommt ohne Anwendung auf die konkrete Situation zu einem Scheinwissen. Stattdessen bevorzugt Sokrates den Vergleich seiner Tätigkeit mit der eines Bildhauers und einer Hebamme. In der "Was ist das"-Frage sieht Martens den Kernpunkt der sokratischen Tätigkeit. Schon Aristoteles erkennt das Ringen des Sokrates um Definitionen als eine seiner größten Leistungen, denn erst darauf aufbauend könne man logische Schlüsse ziehen. Gerade für die frühen Dialoge Platons trifft dies in der Tat zu: Sokrates wendet sich in diesen vor allem der Definition ethischer Begriffe wie Gerechtigkeit, Besonnenheit, Frömmigkeit oder Tapferkeit zu. Aber auch in den späteren Dialogen wird beispielsweise danach gefragt, wie nun der ideale Staat bzw. der ideale Staatsmann beschaffen sein müssen. Dennoch ist die "Was ist das"-Frage in der Auslegung, Bewertung und Wirkung umstritten, und die Frage nach dem Wissen ist auch immer eine Frage nach dem sokratischen Nichtwissen. Schmerzlich vermissen wird der Leser dieser gelungenen Einführung höchstens ein Register der Eigennamen und Sachbegriffe. Dafür entschädigen die gewissenhaft recherchierten Zitate mit genauen Stellenangaben aus der Primärliteratur, die zu einer noch intensiveren Beschäftigung mit dem großen Denker der griechischen Antike einladen. |
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