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Seite 22

Leviathan: Oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates - Thomas HobbesLeviathan: Oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates
Thomas Hobbes

Taschenbuch, Mai 2006
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Preis: € 17,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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"Der Mensch ist dem Menschen Wolf", in seinem wohl berühmtesten Ausspruch bringt Thomas Hobbes sein Menschenbild prägnant auf den Punkt: Der Mensch ist kein geselliges, staatsbildendes Wesen, sondern ein Raubtier voller Bosheit und destruktiver Instinkte. Kein Gesetz, kein staatlicher Zwang hält die Menschen auf, und ihr ungezügelter Selbsterhaltungstrieb führt zwangsläufig zu einem "Krieg aller gegen alle".

Man kann Hobbes einen Misanthropen schimpfen, aber in einer Zeit der "ethnischen Säuberungen" erscheint seine negative Weltsicht durchaus realistisch. Auf ihrer Grundlage entwickelte Hobbes 1651 seine richtungsweisende Staats- und Gesellschaftstheorie. Der "Krieg aller gegen alle" mündet in eine stets präsente Furcht vor dem gewaltsamen Tod. Sie ist das treibende Motiv dafür, den Naturzustand zu beenden und eine staatliche Macht zu schaffen, die Leben und Eigentum der Bürger schützen kann. Als Verkörperung dieses Staates beschwört Hobbes ein ungeheures Symbol, den Leviathan, über den es in der Bibel heißt, er sei "ein Geschöpf ohne Furcht".

Dem Leviathan kommt gottähnliche Macht auf Erden zu, und Hobbes präferiert offen den autoritären, absoluten Staat. Seine revolutionäre Theorie des Gesellschaftsvertrags bleibt davon aber unberührt. Hobbes führt die staatliche Ordnung allein auf einen Vertrag zwischen gleichen und freien Individuen zurück, und kann damit zu den Begründern einer modernen liberalen Staatsauffassung gezählt werden. Zwar sind Hobbes Thesen damals wie heute so stark umstritten, wie es sonst vielleicht nur noch bei Machiavelli der Fall ist; sein grandioses Meisterwerk der Leviathan zählt aber unangefochten zu den zentralen staatstheoretischen Texten der Neuzeit. Er ist und bleibt ein Schlüsseltext unseres eigenen politisch-philosophischen Selbstverständnisses. --Stephan Fingerle

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)

Wer mag schon im Urzustand leben?      5 von 5 Punkten
Für den englischen Philosophen Thomas Hobbes( 1688-1679) ist Philosophie nichts anderes als die rationale Erkenntnis empirischer Zusammenhänge. Erkennen basiert nach seiner Meinung auf Empfindungen.
Begriffe sind für ihn lediglich Namen. Denken ist nichts anderes als das Rechnen mit Namen. Das Wollen ist stark determiniert.

In seinem Hauptwerk Leviathan, in welchem er seine Staatstheorie entfaltet, begreift er den Menschen als unruhiges, gehetztes Tier.
Da der Mensch in der Lage ist in die Zukunft zu schauen, befürchtet er , dass ihm die Vorräte ausgehen, bzw. dass ihm ein Dritter etwas wegnehmen könne. Das ist die Ursache, weshalb der Mensch nach Macht strebt.
Demgemäß deprimierend war der Urzustand ( der so genannte Naturzustand) der Menschen vor der Vergesellschaftung .
Nach Hobbes herrschte Krieg aller gegen alle. Dementsprechend einsam, brutal, häßlich und kurz war das Leben.
Um den Kampf aller gegen alle zu vermeiden verzichteten die Menschen auf das individuelle Machtstreben und übertrugen ihr Recht , Gewalt auzuüben auf einen einzelnen unter ihnen, den Herrscher.
So wurde die gesamte Gesellschaft zu einem Individuum, dem Staat.
Dieser ist der Leviathan, dem die Menschen neben dem unsterblichen Gott, Frieden und Schutz verdanken.
Der Staat im Sinne von Hobbes ist absolut.
Als solcher steht er über den Parteien und der Moral.
Erst durch die vollzogene Begründung des Staates, dem Staatsvertrag, kann der innere Frieden gesichert werden.

Eine Friedensstiftung des Staates ohne Bezug auf Grundwerte rein technisch zu begründen, ist nicht unproblematisch.
Man muss wohl die Bedenken seitens Hobbes gegenüber moralischen Erwägungen aus seinen Erfahrungen mit der moralischen Rechthaberei der Konfessionen in seinem Land sehen. Um Konflikte zu vermeiden, gedachte der Denker Religion vom Staat zu trennen. Das Gewissen sollte zukünftig Privatsache sein. Der Staat soll nach seiner Sicht absolut sein, weil er nach seiner Ansicht nur so Frieden stiften kann.

Nach den Erfahrungen des 20.Jahrhunderts ist diese Vorstellung allerdings nicht haltbar.


Ein bemerkenswerter Text. Empfehlenswert!


 Weitere Lesermeinungen



Eine kleine Geschichte des Naturgesetzbegriffs: Die Gesetze der Natur und die Handlungen des Menschen - Michael HampeEine kleine Geschichte des Naturgesetzbegriffs: Die Gesetze der Natur und die Handlungen des Menschen
Michael Hampe

Broschiert, 21. November 2007
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Von Determinismus und Freiheit war in den letzten Jahren viel die Rede. In Auseinandersetzung mit der Hirnforschung mußte vor allem die Philosophie häufig an differenzierte Auffassungen zu menschlicher Freiheit erinnern, die das abendländische Denken hervorgebracht hat. Gleiches ist für die vermeintlich determinierten Ereignisse in der Natur zu leisten. Denn was es bedeuten soll, daß in der Natur alles festgelegt ist, versteht nur, wer sich vor Augen führt, wie Naturgesetzlichkeit in der Entwicklung von Philosophie und Wissenschaft begriffen wurde.
Michael Hampe hat eine kurze Geschichte des Naturgesetzbegriffs von der Antike bis zur Gegenwart geschrieben. Sie zeigt, daß es nie nur ein einziges einheitliches und »reines« Verständnis der Naturnotwendigkeiten gegeben hat, sondern immer auch theologische, juristische und moralische Ideen unser Naturverständnis geprägt haben und bis heute bestimmen.




Philosophie des Glücks. CD: Niemand ist zu jung oder zu alt um etwas für die Gesundheit seiner Seele zu tun - Philosophie des Glücks. CD: Niemand ist zu jung oder zu alt um etwas für die Gesundheit seiner Seele zu tun

Audio CD, 19. September 2007
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Der griechische Philosoph Epikur stellte das Glück des Einzelnen ins Zentrum seiner Lehre. Er wies seinen Schülerinnen und Schülern den Weg zur höchsten Lust und zur Vermeidung des Schmerzes. Dem modernen Menschen erscheint Epikurs Philosophie nicht zuletzt deshalb sympathisch, weil sie das Erreichen vollkommener Seelenruhe verheißt.



Analytische Philosophie - Edward KanterianAnalytische Philosophie
Edward Kanterian

Broschiert, September 2004
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Die Analytische Philosophie gehört heute zu den wichtigsten Strömungen philosophischen Denkens. Die Idee, dass man das Wesen der Dinge erfassen kann, indem man analysiert, woraus sie bestehen, sie also in ihre "Atome" zerlegt, ist uralt. Sie spielt auch in der Philosophie, die sich seit jeher mit dem Wesen der Dinge beschäftigt, eine zentrale Rolle. Schon Platon und Aristoteles suchten nach einer präzisen Methode zur Analyse philosophischer Grundbegriffe wie Wirklichkeit, Freiheit oder Wissen. Im 20. Jahrhundert entstand aus diesem Bestreben schließlich die Analytische Philosophie. Edward Kanterian erläutert, worum es bei dieser Methode geht, er stellt konkurrierende Konzeptionen der Analyse vor und illustriert sie durch Beispiele aus der Geschichte der Disziplin. Dabei behandelt er bekannte Vertreter dieser Richtung - unter anderem Gottlob Frege, Bertrand Russell, Ludwig Wittgenstein, John Austin, Willard Quine und Peter Strawson - und beweist, dass diese scheinbar so trockene Materie spannende Einsichten in die Werkstatt der Philosophie bietet.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Kristallklar      5 von 5 Punkten
Wie immer in seinen Büchern, ist R. auch hier in seiner Sprache klar und verständlich. Er will vom Leser verstanden werden. Viele Gelehrte aber wollen nur ihre Gelehrsamkeit vor dem Leser ausbreiten. Der Leser interessiert sie nicht.


Principia Mathematica: Vorwort und Einleitungen - Alfred North WhiteheadPrincipia Mathematica: Vorwort und Einleitungen
Alfred North Whitehead, Bertrand Russell

Taschenbuch, Februar 2008
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Zeitloser Klassiker      5 von 5 Punkten
Die PM erfordert Mühe, die sicher aber auszahlt: Nicht nur der Mathematiker, auch der gute Philosoph und Logiker sollte sich an der PM versuchen und wird erstaunt sein, mit welcher Eleganz und Genialität hier schwerwiegende Probleme aus der Mathematik und Sprachphilosophie gelöst werden. Die Notation ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber im Vergleich zu Frege eine wahre Freude. Fazit: Ein Muß. Nicht weniger.

Nur historisch interessant      2 von 5 Punkten
Ein weiter Kreis von mathematisch Interessierten hat schon von Gödels "Über unentscheidbare Sätze der Principia Mathematica" gehört, aber fast niemand hat die Principia mathematica selbst gelesen. Der vorliegende Band (der nur die Einleitungen enthält!) macht klar warum: die verwendete Syntax ist unüblich und stark gewöhnungsbedürftig, und der eingeschlagene Weg (Russells berühmte Typentheorie) ist historisch überholt. Nur für Mathematikhistoriker zu empfehlen.

Das Standardwerk      5 von 5 Punkten
Diese Suhrkampausgabe enthält nur das Vorwort und die Einleitungen zu den "Principia mathematica", jenen knapp 2000 Seiten, die die Mathematik aus ihren logischen Wurzeln ableiten.
Dennoch sind gerade diese Einleitungen zu empfehlen, da hier relativ leicht verständlich die Grundgedanken der "Principia" dargelegt werden, einschließlich der Typentheorie, die Paradoxien, welche gegen Ende des 19. Jahrhunderts auftauchten und eine Grundlagenkrise der Mathematik auslösten, vermeidet.
Es ist sicherlich hilfreich, wenn man vor Lektüre dieses Bandes sich mich den Grundlagen der Logik vertraut gemacht hat, da man sich sonst in der Fülle neuer Begrifflichkeiten schwer zurecht fände.
Alles in allem aber uneingeschränkt zu empfehlen, vielleicht hat dann ja sogar der Eine oder Andere Lust sich dann die kompletten "Principia" anzutun, die vielleicht eine der größten intelektuellen Leistungen des 20. Jahrhunderts darstellen.

Hängt vom Wissensstand des Lesers ab      5 von 5 Punkten
Wen Du Dich nicht ausgiebig mit Mathematik beschäftigt (hast) solltest Du die Finger davon lassen. Nach zwei Seiten wirst Du das Buch mit einem verständnislosen Kopfschütteln zur Seite legen.

Für Mathematiker ein MUSS!!!



Kritik der ethischen Gewalt - Judith ButlerKritik der ethischen Gewalt
Judith Butler

Broschiert, Juli 2007
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Preis: € 10,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Im November 2002 hat Judith Butler mit überwältigendem Erfolg die Adorno-Vorlesungen an der Universität Frankfurt gehalten, die nun in einer deutlich erweiterten Fassung als Taschenbuch erscheinen. In ihrer Kritik der ethischen Gewalt geht sie der Frage nach, wie man angesichts einer Theorie des Subjekts, dessen Entstehungsbedingungen sich nie restlos klären lassen, dennoch die Möglichkeit von Verantwortung und Rechenschaft bewahren kann. In Auseinandersetzung mit Adorno, Cavarrero, Foucault, Lévinas und der Psychoanalyse zeigt Butler, daß jede dieser Theorien etwas ethisch Bedeutsames enthält, das sich aus den Grenzen ergibt, die jedem Versuch gezogen sind, Rechenschaft von sich selbst abzulegen: Noch in demjenigen, das wir »ethisches Scheitern« nennen, steckt eine ethische Wertigkeit und Bedeutsamkeit, und die Frage der Ethik erscheint genau an den Grenzen unserer Systeme der Verständlichkeit.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Durchschaubar undurchschaubar      4 von 5 Punkten
Meines Wissens wusste schon Sokrates, dass er nichts wusste. In ihrem Buch ?Kritik der ethischen Gewalt? nähert sich Judith Butler, weiser geworden, dieser menschlichen Ureinsicht an, nachdem sie uns bisher vor allem hat glauben machen wollen, alles sei Sprache, alles ? Ich, Geschlecht und jedwede andere Zurichtung ? sei also verstehbar als Wirkung hegemonialer Diskurse, die ihrerseits restlos aufklärbar und dann durch spielerischen Nichtgehorsam auch aushebelbar seien. Dem scheint nun also doch nicht so zu sein. Denn in ihren Frankfurter Vorlesungen kommt sie - nach gelehrten oder möglicherweise auch konfusen (wer wollte das beurteilen?), jedenfalls suhrkampkompatiblen Abhandlungen zu den Subjektkonstitutionstheorien Nietzsches, Hegels, Adornos, des späten Foucault, Laplanches, Cavareros, Lévinas? ? refrainartig darauf zurück, ?dass wir von Anfang an in einer Art von Beziehungshaftigkeit verstrickt sind, die sich nicht voll thematisieren, nicht voll der Reflexion unterwerfen und kognitiv erkennen lässt.? (137). Aha. Wusste ich das nicht schon? Als Theologin habe ich es natürlich leichter: ich nenne einfach alles, was ich nicht kapiere, ?Gott?, entscheide mich dann dafür, meinen frommen VorfahrInnen zu vertrauen, die mir versichern, Gott sei gut (z.B. Lk 18,19), und lebe fröhlich los, ohne mich um die moderne, tatsächlich leicht in Gewalt kippende Neurose, vor dem Handeln erst alles, vor allem aber sich selbst, lückenlos durchschaut haben zu müssen, weiter zu kümmern. Judith Butler aber ist keine Theologin, und deshalb hat sie es schwer. Bis zum Schluss verrät sie mir nicht, wie denn nun die Moraltheorie oder ?der Sinn der Verantwortung?(113) auf der Grundlage solch prinzipieller ?Undurchsichtigkeit? (116) ? ... neu zu denken ist?(113). Dabei hat sie so viel gelesen. Erstaunt hat mich, dass sie recht unkritisch mit Subjekttheorien umgeht, die das ganze Leben zum Trauma machen (Nietzsche, Laplanche), hingegen Arendts Ansatz der Geburtlichkeit nur ganz am Rande, vermittelt über Cavarero, thematisiert. Ist Butler, wie den meisten ihrer philosophischen Kollegen bis heute, etwa peinlich, dass Menschen nicht nur aus Diskursen, sondern aus Menschen kommen? Angesichts dieser unabschaffbaren Tatsache wirkt der Satz, mit dem Butler mich auf der viertletzten Seite ihrer Abhandlung überrascht, wo ich eigentlich erwartet hätte, dass endlich des Rätsels Lösung anhebt, geradezu grotesk weltfremd: ?Nicht jede Bedingung, unter der das Subjekt steht, kann revidiert werden, da nicht alle Bedingungen der Subjektbildung eingeholt und erkannt werden können, obwohl sie auf rätselhafte Weise in unseren ureigenen Impulsen fortleben.?(177). Wie gesagt: Schon Sokrates wusste, dass er nichts wusste. Aber dass wir geboren werden, und dass es dann erstmal eine Weile dauert, bis wir unserer selbst so bewusst werden, dass wir Rechenschaft über uns ablegen können, das wusste er meines Wissens. Schliesslich hat er das Denken von Diotima gelernt. Und auch Judith Butler wird noch drauf kommen. In diesem Sinne lässt ihr neues Buch hoffen.

"Ausgesetzt an den Anderen"      5 von 5 Punkten
Die in Berkeley lehrende Philosophin Judith Butler ist seit ihrem ersten Hauptwerk Gender Trouble (deutsch: Das Unbehagen der Geschlechter 1991) hierzulande vor allem als Vertreterin eines radikalen Feminismus bekannt. Ihre Behauptung, dass der weibliche Körper keine vordiskursive objektive Tatsache ist, sondern „Effekt des kulturellen Konstruktionsapparates" hat bisher mehr Unverständnis und Ablehnung als Begeisterung ausgelöst. Spätestens mit ihren jüngsten Adorno-Vorlesungen zur Kritik der ethischen Gewalt im November 2002 am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main dürfte jedoch klar geworden sein, dass es Butler über die Gender Studies hinaus um den umfassenden Entwurf einer Theorie der Anerkennung geht. In Anleh-nung an Adornos Probleme der Moralphilosophie (1997) versucht sie sich einer Dimension des ethischen Lebens zu nähern, die sich nicht auf reine Vorschriften reduzieren lässt und die das „Ich" mit seinen Fragen: „Was soll ich tun?" und „Wer bist du?" unter der Voraussetzung gesellschaftskritischer Überlegungen untersucht.
Die gesellschaftliche Macht, so Butler, nötigt den Einzelnen zwar, nach Anerkennung seiner eigenen Existenz in nichtgewählten Kategorien, Begriffen und Namen zu trachten, doch Macht sei immer auch die Bedingung für die Möglichkeit des Subjekts, sich reflexiv, d.h. auf sich selbst, auf die eigene Lebenserhaltung gerichtet, gegen die Normen zu wenden, die eine Selbstanerkenntnis verhindern. Früh schon hat sie darauf hingewiesen, dass die normative Zuschreibung nie vollends ist, dass die menschlichen Körper sich nie völlig den Normen fügen, mit denen ihre Materialisierung erzwungen wird und dass das Individuum über Möglichkeiten verfügt, solchen Zwängen Widerstand entgegen zu bringen. Den „Anruf der Anerkennung" definiert sie einerseits als performativen Akt innerhalb eines Geflechtes von „diskursiven Gesten der Macht", auf der anderen Seite sucht sie nach einem erweiterungsfähigen Vokabular der Anerkennung jenseits identifizierender Zuschreibungen, das die partizipatorische Basis des demokratischen Lebens verbreitern soll.
Mit ihrem neuen Buch verändert Butler ihr bisheriges Theoriedesign erheblich. Der späte Foucault wird entdeckt, um die Subjektbildung nunmehr als eine Art „Poiesis" zu begreifen. Das eigentlich Neue ist aber nicht so sehr, dass sie Foucaults Theorie der Subjektformierung in ihre Analysen einbezieht, sondern dass sie mit Hegel und Lévinas zugleich über die Grenzen seiner Ethik hinausgeht. Foucault frage zwar was ich sein kann angesichts des Wahrheitsregimes, das mich in meinem Sein festlegt, aber er stelle nicht die Frage: „Wer bist du?" und verfolge auch nicht den Weg, auf dem sich aus dieser Frage eine kritische Perspektive auf Normen ableiten ließe. Butler öffnet sich dem Gedanken, dass es ein ursprüngliches Ausgesetztsein vor dem Anderen gibt, dem wir uns nicht verschließen können und das uns zur Verantwortung nötigt.
Butler geht nach wie vor davon aus, dass Wahrheitsregime die Bedingungen bieten, unter denen die Selbstanerkennung möglich ist. Sie entscheiden zwar darüber, welche Form die Anerkennung annehmen kann, aber sie legen diese Form nicht vollständig fest. Anerkennung kann also nicht ohne Bezug auf diesen Rahmen stattfinden, doch die Normen der Anerkennung können in diesem Bezug in Frage gestellt und verändert werden. Das ethische Subjekt der Anerkennung bleibt so gesehen für sich bis zu einem gewissen Grad undurchschaubar und in einer Erklärungsnot, wenn es sagen soll, warum es so und nicht anders gehandelt hat. Es kann sich auch nicht für seine Selbstidentität in der Zeit verbürgen. Die ethische Gewalt wird für Butler dort sichtbar, wo ethische Systeme oder Moralcodes von einer Selbsttransparenz des Subjekts ausgehen und ihm die Verantwortung für eine uneingeschränkte Selbsterkenntnis zuschreiben.
Im Zentrum der Überlegungen Butlers steht die Konzeption einer „nach-hegelianischen Darstellung der Anerkennung, die nach einer sozialen Basis für die Rechenschaft von sich selbst sucht." Die Frage lautet nun: Wo und wer ist dieser Andere, von dessen Bezugsrahmen, von dessen normativem Rahmen der Vergabe von Anerkennung ich so grundlegend abhänge? Für Hegel führt der Weg zur Selbsterkenntnis über eine Vermittlung, die sich außerhalb des Selbst in einer Konvention oder Norm vollzieht. Anerkennung existiert für ihn jedoch nicht als reine Gabe, son-dern aus einem wechselseitigen Erkennen im Anderen. Für Lévinas dagegen gibt es eine Begegnung mit Alterität, die sich nicht im Gestus der Aneignung auf Selbigkeit reduzieren lässt. Auch verfällt das „Ich" in seinem Ausgesetztsein gegenüber dem Andern nicht dem Allgemeinen, sondern bildet eine unvertretbare singuläre Differenz, die jeder Stellvertretung und damit Delegation von Verantwortung Grenzen setzt.
Nach Butler haben alle bisherigen Anerkennungstheorien mehr über die Beziehung des Subjekts zur Moral nachgedacht und weniger darüber, inwieweit die Moral qua institutionalisierter Normen bei der Hervorbringung des Subjekts verantwortlich ist. Sie setzen voraus, dass Anerkennung bereits unversehrte Identität garantiere und Schutz vor deren Verletzung ermögliche. Erst die Macht sozialer Normen erzeuge jedoch die Bedingungen für Identität und soziale Anerkennung. Die Verhältnisse unter denen wir für uns soziale Anerkennung erlangen und soziale Existenz gewinnen, seien zugleich auch die Verhältnisse, die uns reglementieren. Nur eine Theorie der Anerkennung, die diese Grenzen der Selbsterkenntnis akzeptiert, könne im Dienste einer Konzeption der Verantwortung stehen. Die Einwände der hier gemeinten aber namentlich nicht genannten Anerkennungstheoretiker Nancy Fraser, Charles Taylor oder Axel Honneth werden vielleicht lauten, dass sich mit Judith Butlers Begriff einer machtdurchtränkten Anerkennung keine Freiheit in der freiwilligen Bindung an allgemein verfasste Prinzipien des Rechts und der Solidarität mehr denken lässt.


Erkenntnis für freie Menschen - Paul FeyerabendErkenntnis für freie Menschen
Paul Feyerabend

Broschiert, Januar 1980
     Verkaufsrang: 34950      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Herrschende Wissenschaften? Eine Seifenblase!!!      5 von 5 Punkten
Mit dem ganzen aufgeblasenen sich selbst rational nennenden Wissenschaftsbetrieb räumt Paul Feyerabend in seinem Buch Erkenntnis für freie Menschen" sehr gründlich auf. Ich habe inzwischen 2/3 des Buches durchgearbeitet und soeben Feyerabends Kritik an einer Kritik aus dem Jahre 1975 an der Astrologie, die in einem Statement von 186 hochrangiger Wissenschaftler aus den USA mitsamt 4 Nobelpreisträger nachgelesen werden kann. Dieses Kapitel habe ich genossen und dabei laut gelacht Dieses Statement der Wissenschaftler ist ein schlimmes Beispiel ihrer eigenen Ignoranz, Intoleranz und von keine Ahnung haben. Es ist eine einzige Freude zu lesen, wie Paul Feyerabend die hohen Wissenschaften auseinandernimmt. Jetzt lese ich gerade das Kapitel 7 Laien können und müssen die Wissenschaften überwachen."

Lest das Buch! Es ist eine Argumentationshilfe für evt. notwendige Gefechte, die wir Menschen gezwungen sind, zur eigenen Sicherheit, Gesundheit, Selbstbestimmung und zum Überleben gegen die Hohepriester und Inquisitoren der materialistischen und rationalistische Wissenschaft zu führen, die ja in der Medizin, aber nicht nur da, nicht einmal ihre eigenen angeblich rationalistischen Wissenschaftskriterien erfüllen und über oberwackeligen Annahmen ihres Hypothesengebäudes, wie die Erregerhypothese, nicht einmal mehr nachdenken.

Die ersten 60 Seiten von Erkenntnis für freie Menschen" sind hart. Ich habe längst nicht alles verstanden, jetzt geht es leichter. Wenn ich das Buch durch habe, werde ich diese 60 Seiten noch einmal durchgehen.
Meine Empfehlung!!!




Gegen wissenschaftlichen Dogmatismus      5 von 5 Punkten
Paul Feyerabend ist für mich einer der wenigen Philosophen, die ich wirklich achte. Gerade weil er nicht nach irgendwelchen Dogmen und intellektuellen Konstruktionen lebt. Das Buch kann den Blick des Lesers auf die Rolle von Wissenschaften in unserer Gesellschaft verändern. Radikal kritisch setzt sich Feyerabend mit dem Wahrheitsanspruch der Wissenschaften auseinander. Ein Buch, das vor allem Wissenschaftler lesen sollten (ich bin selbst Physiker).

super buch      5 von 5 Punkten
Ein Buch, das meine Ansichten veränderte. Es ist nicht nur absolut genial geschrieben, nein es bewußtseinserweiternd.
Ich schrieb beim Studium eine Arbeit dazu. Seine dargelegten Ideen sind echt brauchbar.


Der Antichrist: Versuch einer Kritik des Christentums - Friedrich NietzscheDer Antichrist: Versuch einer Kritik des Christentums
Friedrich Nietzsche

Broschiert, September 2005
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"Diese ewige Anklage des Christentums will ich an alle Wände schreiben, wo es nur Wände gibt- ich habe Buchstaben, um auch Blinde sehend zu machen... Ich heiße das Christentum den einen großen Fluch, die eine große innerlichste Verdorbenheit, den einen großen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist- ich heiße es den einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit... ", dies ruft Nietzsche gegen Ende seines 1895...

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 25 Bewertungen)

"Der Priester herrscht durch die Sünde"      5 von 5 Punkten
"Ich verurteile das Christentum, ich erhebe gegen die christliche Kirche die fruchtbarste aller Anklagen, die je ein Ankläger in den Mund genommen hat. Sie ist mir die höchste aller denkbaren Korruptionen, sie hat den Willen zur letzten auch nur möglichen Korruption gehabt. Die christliche Kirche ließ nichts mit ihrem Verderbnis unberührt, sie hat aus jedem Wert einen Unwert, aus jeder Wahrheit eine Lüge, aus jeder Rechtschaffenheit eine Seelen-Niedertracht gemacht. Man wage es noch, mir von ihren 'humanitären' Segnungen zu reden! Irgend einen Notstand abschaffen ging wider ihre tiefste Nützlichkeit, sie lebte von Notständen, sie schuf Notstände, um sich zu verewigen ..."
Dieses Zitat stammt aus dem letzten der 62 kurzen Kapitel. Schon im kurzen Vorwort schreibt Nietzsche, dass dieses Buch für eine Minderheit geschrieben ist und dass man es wohl zu späteren Zeiten besser verstehen würde. Man tut das hoffentlich heute, 120 Jahre nach Niederschrift.
Es ist kaum möglich, dieses Werk zu knapp zu würdigen: da ist die intensive Sprache, in der jeder Halbsatz ein Volltreffer, eine Punktlandung ist. Nitzsche bringt es fertig, nicht nur eine erbarmungslose, begründete Kirchenkritik zu verfassen, er findet auch Kritik an den großen deutschen Philosophen, besonders an Kant, die zu sehr Knechte der Theologie seien.
Er vergleicht Buddhismus mit Christentum, geht auf das Judentum ein und bringt eine interessante Interpretation von Jesus. Nitzsche stellt das Verhältnis der Kirche zur Wissenschaft dar - mit vielen Seitenhieben auf Paulus: "Der 'Glaube' als Imperativ ist das Veto gegen die Wissenschaft, - in praxi die Lüge um jeden Preis ... Paulus begriff, dass die Lüge - daß der 'Glaube' not tat; ...".
"Der Priester kennt nur eine große Gefahr: das ist die Wissenschaft, - der gesunde Begriff von Ursache und Wirkung. Aber die Wissenschaft gedeiht im ganzen nur unter glücklichen Verhältnissen, - man muß Zeit, man muß Geist überflüssig haben, um zu 'erkennen' ...'Folglich muß man den Menschen unglücklich machen', - dies war zu jeder Zeit die Logik des Priesters. - Man errät bereits, was, dieser Logik gemäß, damit erst in die Welt gekommen ist: - die 'Sünde'... Der Schuld- und Strafbegriff, die ganze 'sittliche Weltordnung' ist erfunden gegen die Wissenschaft, - gegen die Ablösung des Menschen vom Priester...; der Priester herrscht durch die Sünde."


 Weitere Lesermeinungen


Architektur und Atmosphäre - Gernot BöhmeArchitektur und Atmosphäre
Gernot Böhme

Broschiert, Oktober 2006
     Verkaufsrang: 66300      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 26,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Architektur im Rahmen einer ästhetischen Theorie der Atmosphären: Wie Bauen als Erzeugen von Räumen leiblicher Anwesenheit zu konzipieren ist. Ein Neuer Humanismus in einer Architektur, die mehr ist als eine visual art.Das Buch konstatiert, dass mit und nach der Postmoderne etwas Grundsätzlicheres geschehen ist als nur eine Pluralisierung der Stile, ein Wiederzulassen des Ornamentes und des historischen Zitats. Der Autor spricht von einem Neuen Humanismus in der Architektur. Anders als bei Vitruv, bei dem der Mensch das Grundmass für die Architektur abgab und insofern dessen Geometrie bestimmte, sei der Mensch heute als Benutzer, als jemand, der sich in und in der Umgebung von Gebäuden in bestimmter Weise befindet, zum Bezugspunkt des Bauens geworden. Das eigentliche Thema der Architektur, behauptet Böhme, ist der Raum und zwar der gestimmte Raum, also die Atmosphäre. Das Buch führt umfassend in die Ästhetik der Atmosphären ein, studiert die Rolle nicht-materieller Elemente, wie L
icht und Ton, in der Architektur, problematisiert die traditionelle Auffassung von Architektur als einer visual art, führt das Atmosphärenkonzept in Fallstudien durch (z.B. Stadtplanung und Kirchenbau) und widmet sich schliesslich den kritischen Aspekten einer Architektur der Atmosphären: der möglichen politischen und ökonomischen Manipulation durch eine Architektur, die zum Bühnenbild gerät.




Machiavelli: Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der Republik Florenz - Herfried MünklerMachiavelli: Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der Republik Florenz
Herfried Münkler

Broschiert, April 2004
     Verkaufsrang: 71765      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 16,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Machiavelli ist eine Figur, an der die Geister sich scheiden. Wird er den einen zum Helden politischer Pragmatik im Zeichen der Skrupellosigkeit, bemühen sich die anderen um deutliche moralische Distanznahme. Herfried Münkler vermeidet solche Vorentscheidungen. Seine Studie arbeitet die Aktualität eines politischen Autors aus dem realgeschichtlichen Hintergrund heraus.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Beste deutschsprachige Biographie Machiavellis      5 von 5 Punkten
Machiavelli gilt bis heute als einer der wichtigsten politischen Denker, ja man kann meines Erachtens zu Recht in ihm den Begründer des modernen Staatsbegriffes sehen, zumindest gilt er als Begründer des Begriffes der "Staatsraison." Er hat als erster politischer Theoretiker den modernen Staat als Institution definiert, den er als Zwangsinstrument gegen die destruktiven Neigungen des Menschen begriffen hat. Machiavelli ist fälschlich als reiner Vertreter einer skurpellosen Machtpolitik (Machiavellismus) interpretiert worden, so etwa im berühmten "Antimachiavelli" von Friedrich dem Großen. Es ist zwar richtig, dass die Selbsterhaltung des Staates bei Machiavelli zu obersten Norm des politischen Handelns wird, er also in der Tat den "starken Staat" fordert. Wie kaum ein anderer nach ihm hat Machiavelli einen modernen starken Staat zur Grundlage seiner politischen Theorie gemacht und dieses offene Aussprechen der politischen Realität hat zu dem - unverdient - schlechten Ruf beigetragen, den er heute hat. Gerade sein auch als "Fürstenspiegel" gelesenes Hauptwerk, Il Principe, der Fürst" zeigt, wie realistisch der Menschenkenner Machiavell gewesen ist. Die neueste Studie zu seinem Staats- und Politikverständnis ist in der, auch von diesem Autor herausgegegebenen Schrift: "Demaskierung der Macht" im Nomos-Verlag nachzulesen. Ebendort findet sich auch die (kritische) Auseinandersetzung mit dem Antimachiavell Friedrichs II.

Doch während "Demaskierung der Macht" ein - heute notwendiger - Forschungsbericht zum Stand der Machiavelli-Forschung darstellt, bietet Münklers 1984 erstmals publizierte und - leider in nicht-aktualisierter! - Neuauflage 2004 erneut veröffentlichte Biographie bis heute die beste deutschssprachige Biographie Machiavellis an.

Zweck einer Biographie ist es, die Wechselwirkungen zwischen der portraitierten Person und den gesellschaftlichen, geistesgeschichtlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Faktoren, die ihr Wirken bestimmt haben, zu suchen. Nur in dieser Wechselwirkung kann eine Biographie entscheidend Neues zum Verständnis der biographierten Person beitragen.

Wenn man diesen Maßstab zur Bewertung einer Biographie zu Grunde legt, so ist Münklers Arbeit ein schlichtes Meisterwerk. Auf 500 Seiten beschreibt er nicht nur eine Lebens- und Wirkungsgeschichte Machiavellis, er untersucht ebenfalls im Kapitel: "Zeitbewußtsein und Geschichtsphilosophie" das theologisch-teleologische Geschichtsbild des Mittelalters bis zum Zusammenbruch der Scholastik und zeigt darin das moderne Denken der Renaissance und Machiavellis auf. Im Abschnitt: "Die politische und ökonomische Krise von Florenz" wird die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Geschichte der Stadt Florenz unter den Medici aufgezeigt. Machiavellis Wirken fällt in die Zeit zwischen 1498 und 1512, der Zeit zwischen dem Sturz der Medici und der Rückkehr dieser Familie an die Macht, was zur Verbannung ihres wichtigsten Gegners, Machiavelli, führte. In der Verbannung schrieb er seine beiden Hauptwerke: Il principe und die Discorsi. Die Krise der Republik Florenz bot also die Chance einer politischen Erneuerung, die Machiavelli vorschwebte. Diese Erneuerung kam, indem Machiavelli ein eigenes Geschichtsmodell, eine Art Ideologie, aufstellte, die zu einem neuen, modernen, Geschichtsbild beitrug, welches bis heute das politische Denken bestimmt und Machiavellis Bedeutung ausmacht.

Dies zeigt Münklers Schrift in beeindruckender Art und Weise auf. Zwar gibt es - wie im Werk: "Demaskierung der Macht" gezeigt - auch weitere hervorragende Machiavelli-Biographien, etwa von René König oder Wolfgang Kersting, jedoch scheint mir die vorliegende die komplexeste Lebensbeschreibung zu sein, da sie das Wirken des bedeutenden Denkers unter den Bedingungen seiner Zeit für mich am genauesten beschreibt.

Fazit: Ein wirkliches biographisches Meisterwerk. Wer sich mehr für das Staatsverständnis Machiavellis interessiert, sollte unbedingt zusätzlich den von Herfried Münkler, Rüdiger Voigt und Ralf Walkenhaus herausgegebenen Sammelband: "Demaskierung der Macht" besorgen, der diese Biographie abrundet.

Ein 5- Sterne Deluxe Titel      5 von 5 Punkten
Herfried Münklers längst zum Standardwerk avancierte Monographie über den Florentinischen Denker ist das kompletteste Werk zum Thema Machiavelli, das in deutscher Sprache erschienen ist.
Es besticht durch seine Klarheit und seine Detailverliebtheit, ohne jedoch jemals übertrieben zu wirken.
Mit jedem Satz wird dem Leser ein Eintauchen in das Renaissance- Florenz rund um die Vita Machiavellis ermöglicht und zugleich tritt der Kenntnisreichtum des Autors gebündelt mit dessen sprachlicher Virtuosität zu Tage.



Vom Tempo der Welt - und wie man es überlebt - Karlheinz A. GeißlerVom Tempo der Welt - und wie man es überlebt
Karlheinz A. Geißler

Taschenbuch, April 2004
     Verkaufsrang: 89868      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Im Zeitalter des Internet hat die Uhrzeit ihre Monopolstellung als Zeitmaß verloren. Europas bekanntester Zeitforscher fragt: Wie können wir ein menschliches Zeitmaß bewahren oder neu entwickeln?

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Tempo! Tempo!      5 von 5 Punkten
Wie ging man früher mit der Zeit um? Wie tun wir es heute? Wie wird die Zeit in Zukunft wahrgenommen? Kann dieses Buch nur empfehlen!!
Kleiner Tipp: /Zeit im Sand/ von Kay Fischer lesen!


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Innehalten: Gegen die Beschleunigung - für eine andere Zeitkultur - Peter HeintelInnehalten: Gegen die Beschleunigung - für eine andere Zeitkultur
Peter Heintel

Broschiert, August 2007
     Verkaufsrang: 191323      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Die Last der Hast macht krank. Zeit für das Wesentliche ist wichtig. Auch Zeit, darüber nachzudenken, was wirklich not tut. Zeit qualitativ gestalten, einen eigenen Rhythmus gewinnen, Innehalten, Geduld, Bedächtigkeit, das sind Tugenden der Zukunft. Peter Heintel plädiert für ein Innehalten, das zum kreativen Raum wird, mit Muße für das eigentlich Wichtige: zu uns zu finden.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Speed kills      5 von 5 Punkten
Dass Lebendigkeit in uns der Reflexion bedarf, ist nicht mehr so selbstverständlich, wie es klingt. Das Buch enthält viele Gedanken, die zum Weiterdenken anregen und die Mut machen, die zeitgeistige Hetzjagd in Frage zu stellen. Es ist sicher nötig, sich den Gegensatz von messbarer immer mehr verdichteter Zeit und der Eigenzeit stärker ins Bewusstsein zu rufen.

Wie die Beschleunigung der Zeit mit der trostlosen ständig zunehmenden Produktion unnützer Güter zusammenhängt und wie Identität über Waren hergestellt wird, das aufzuzeigen ist ein Verdienst Peter Heintels. Dass die Qualität mit diesem de facto unbegrenzten Waren und Informationsstrom nicht mithalten kann, macht das Internet deutlich.

Die Darlegungen, wie die scheinbar so objektive Wissenschaft, anscheinend ohne es selbst wahrzunehmen, ein Weltbild aus dem beweisbaren Hut zaubert, das diese von Ökonomie und Technik beherrschte Welt nicht nur bestätigt, sondern ständig mit neuen Impulsen in Schwung hält, sind spannend und plausibel. So wirkt die Welt im Inneren des Laufrads logisch und von Sachzwängen getrieben, scheint aber von außen betrachtet, soweit uns das überhaupt möglich ist, längst aus dem Ruder gelaufen sich ihrer Selbstzerstörung entgegen zu drehen.

Peter Heintels Buch ist ein Plädoyer, sich Zeit zum Nachdenken zu nehmen, innezuhalten und sich die Frage zu stellen:" Ist das was ich tue, wirklich das was ich will?" Es eröffnet Denkalternativen zur Beschleunigung der Zeit und bestärkt den Leser wieder mehr dem eigenen Rhythmus des Atmens und Denkens zu vertrauen.

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Das Leben ist kurz. Vita Brevis - Jostein GaarderDas Leben ist kurz. Vita Brevis
Jostein Gaarder, Gabriele Haefs

Taschenbuch, August 2005
     Verkaufsrang: 245754      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Was ist das für ein Brief, den Jostein Gaarder in einem Antiquariat in Buenos Aires entdeckt? Eine Fälschung? Oder eine Enthüllung? Wahr ist, dass der berühmte Kirchenvater Augustinus, an den der Brief gerichtet ist, viele Jahre lang eine Frau namens Floria liebte, einen Sohn mit ihr hatte und ihr dann plötzlich aus Liebe zu Gott den Laufpass gab. Wie musste sich Floria da fühlen? Das erzählt der aufgefundene Brief, der ihren Namen als Absender trägt. Floria fragt Augustinus: Warum ist alles, was zwischen uns war, plötzlich Sünde in deinen Augen? Warum ist die Frau diejenige, die verführt, und der Mann der Verführte? Warum schließt deine Liebe zu Gott jede Leidenschaft für eine Frau aus? In ihrer provokanten Argumentation rüttelt Floria an einer Moral, mit der sich die Männer bis heute - nicht nur in der Kirche - über die Frauen erheben.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 24 Bewertungen)

Vielleicht...      5 von 5 Punkten
... eines meiner Lieblingsbücher.
Ein ganz anderes Buch von Jostein Gaarder. Einfach wunderbar und ein Genuss für Menschen die die Kirche kritisch betrachten. Ein Buch für Menschen die starke Frauen mögen. Ein Buch für Menschen die gute Bücher lieben. Ein Buch für Menschen die sich für Philosophie begeistern.


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Ästhetik: Für die Sekundarstufe II - Ästhetik: Für die Sekundarstufe II

Taschenbuch, Januar 1986
     Verkaufsrang: 237268      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 4,60 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Die Wörter und die Bilder      5 von 5 Punkten
Wohl jeder kennt die Verwirrung, die René Magritte durch seine Pfeife ausgelöst hat, die keine Pfeife ist - oder doch?

Dieser kleine und sehr preisgünstige Reclamband versammelt eine Unzahl von Texten, in denen es um Ästhetik geht, um Wörter und Bilder, also eigentlich um die für jeden immer wieder relevante Frage, wie man die Welt wahrnimmt, wie die Natur uns als eine Welt erscheint und wie der Mensch - selbstverständlich in erster Linie der Künstler, aber etwa auch das "Lesende Kind" bei W. Benjamin - sich selbst eine Welt machen - erschaffen kann.

Zu dieser Spannung zwischen Natur und Kunst, Inspiration und Nachahmung, Tradition und Moderne kann man in nahezu jedem der hier versammelten Texte etwas Hochinteressantes entdecken. So preiswert und kompakt gibt es nichts Vergleichbares auf dem Markt!


Jenseits der Gene: Essays über unser Wesen, unsere Welt und unsere Träume - Gottfried SchatzJenseits der Gene: Essays über unser Wesen, unsere Welt und unsere Träume
Gottfried Schatz

Sondereinband, September 2008
     Verkaufsrang: 249842      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 25,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Woher kommt der Mensch? Sind wir Sklaven unsererGene? Sehen wir den Himmel alle gleichblau? Warum sind manche Menschen suchtgefährdeterals andere? Zwanzig Essays des weltbekanntenChemikers und Biologen GottfriedSchatz geben klare und oft verblüffende Antwortenauf Fragen, die uns alle schon einmal beschäftigthaben. Ganz in der Tradition der Essayistenhat er sich die Fähigkeit des Staunens bewahrtund bezieht Philosophie, Kultur- und Kunstwissenschaftin sein Nachdenken über unsere Weltein. Entstanden sindpräzise und dennoch poetischeÜberlegungen, die den Geheimnissen desLebens nachspüren. Einige Essays erschienenbereits in der ®Neuen Zürcher Zeitung¯, anderesind unveröffentlicht. ®Ich staune mit jedem Abschnittmehr über die hervorragend, treffend undbrillant formulierten Gedanken¯, ist nur eine vonunzähligen begeisterten Leserstimmen.



Ordnungen der Sichtbarkeit: Fotografie in Wissenschaft, Kunst und Technologie - Peter GeimerOrdnungen der Sichtbarkeit: Fotografie in Wissenschaft, Kunst und Technologie
Peter Geimer

Taschenbuch, August 2001
     Verkaufsrang: 78316      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen.

Preis: € 15,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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In den letzten Jahren zeigt sich in den Geistes- und Kulturwissenschaften ein zunehmendes Interesse an Fragen der Bildlichkeit, der Repräsentation und der Visualisierung. Die einzelnen Beiträge des Bandes diskutieren die Debatten um die fotografische Eroberung der Sichtbarkeit an Beispielen aus Medizin, Physik, Anthropologie, Spiritismus, Rechtsprechung, Literatur und bildender Kunst. Indem die künstlerischen, wissenschaftlichen und sozialen Aspekte der Fotografie hier erstmals in...



Komposition für den Film. Mit DVD: Hanns Eislers Rockefeller-Filmusik-Projekt 1940-1942, ausgewählte Filmklassikern und weiteren Dokumenten - Theodor W. AdornoKomposition für den Film. Mit DVD: Hanns Eislers Rockefeller-Filmusik-Projekt 1940-1942, ausgewählte Filmklassikern und weiteren Dokumenten
Theodor W. Adorno, Hanns Eisler

Gebundene Ausgabe, April 2006
     Verkaufsrang: 229980      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 29,80 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Adornos und Eislers Buch, das erstmals 1947 in englischer Sprache erschien, gehört zu den Klassikern der Musik-, aber auch der Filmtheorie. Es entstand als Gemeinschaftsarbeit im amerikanischen Exil, in der Folge zweier von der Rockefeller Foundation geförderter Forschungsprojekte: Im Rahmen des von Paul Lazarsfeld geleiteten »Radio Research Project« betrieb Adorno Studien zur Musik im Rundfunk, die in das zu Lebzeiten Fragment gebliebene Buch Current of Music eingegangen sind; Eisler lotete im »Film Music Project« die Funktionen, Möglichkeiten und Grenzen der Filmmusik aus. Dabei galt Eislers Arbeit zunächst weniger abstrakten Analysen und Erwägungen als der Komposition exemplarischer Filmpartituren und der anschließenden Produktion und Evaluation von Demonstrationsfilmen. Zu den künstlerischen Ergebnissen des Projekts zählen das berühmte Quintett Vierzehn Arten den Regen zu beschreiben als neue und neuartige Filmmusik zu Joris Ivens’ »cinépoème« Regen ebenso wie die Tonspuren zu White Flood und zu A Child Went Forth, einem frühen Film von Joseph Losey. Auch komponierte Eisler zu einem Ausschnitt aus dem Klassiker The Grapes of Wrath von John Ford zwei experimentelle Filmpartituren als Alternative zu Alfred Newmans Musik in der Verleihfassung. Die DVD, die dem Band beiliegt, dokumentiert diese Filme und Filmmusikexperimente teils in originaler und restaurierter, teils in rekonstruierter Form. Cineasten und Philosophen, Musik- und Kulturwissenschaftler werden gleichermaßen begeistert sein. Erstmals liegt das großangelegte »Film Music Project« in der Form vor, die ihm gebührt.



Rene Descartes: Eine Einführung - Hans PoserRene Descartes: Eine Einführung
Hans Poser

Taschenbuch, November 2003

Verkaufsrang: 57424
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Preis: € 5,00
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Rousseaus politische Philosophie - Iring FetscherRousseaus politische Philosophie
Iring Fetscher

Taschenbuch, Januar 1975

Verkaufsrang: 180538
Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen.

Preis: € 16,00
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Gesamtausgabe: Gesamtausgabe 10. Philosophie der Mode (1905): Die Religion (1906/1912). Kant und Goethe (1906/1916). Schopenhauer und Nietzsche: Bd 10 - Georg SimmelGesamtausgabe: Gesamtausgabe 10. Philosophie der Mode (1905): Die Religion (1906/1912). Kant und Goethe (1906/1916). Schopenhauer und Nietzsche: Bd 10
Georg Simmel

Taschenbuch, Dezember 2000

Verkaufsrang: 137857
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