Fotojournalismus zwischen Exotismus und Rassismus: Darstellungen von Schwarzen und Indianern in Foto-Text-Artikeln deutscher Wochenillustrierter 1919-1939 Henrick Stahr Broschiert, Juni 2004 Verkaufsrang: 1763895 Bei Amazon z.Zt. leider nicht lieferbar! |
Rezension: Erstmalig wird hier eine umfassende thematische Untersuchung der Darstellung von Schwarzen und Indianern in der deutschen Bildpresse in den Jahren zwischen 1919 und 1939 vorgelegt. Sie verbindet eine bildwissenschaftliche Analyse der fotojournalistischen Produktionsästhetik des Formats "Foto-Text-Artikel" mit kulturwissenschaftlichen Fragestellungen. Wenngleich es sich hierbei um eine streng wissenschaftliche Arbeit handelt (sie wurde als Dissertation in der Universität der Künste Berlin angenommen), ist sie äußerst spannend zu lesen. Dazu trägt sicherlich auch die detaillierte Gliederung bei. Besonders interessant dürften für die Leser des MAGAZINS diejenigen Kapitel und Passagen des illustrierten Buches sein, die sich mit dem Indianerbild in Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen und zwar sowohl die Nord- als auch die lateinamerikanischen Ureinwohner betreffend. Viele neue Informationen findet der interessierte Leser zur Indianerdarstellung in der illustrierten deutschen Presse während der Zeit des Nationalsozialismus. So wurde Hollywood als Schuldiger für den "Niedergang des echten Indianertums" (S. 273) ausgemacht. Wer in diesem Buch liest, wird eine Unmenge an Fakten zur Thematik finden sowie Hilfe bei deren sachgemäßer Einordnung und Wertung. Erstaunlich und demzufolge lobenswert ist, wie der Autor die relevanten Quellen aufgespürt, ausgewertet und es verstanden hat, diese in die aktuelle Forschungsdiskussion einzubringen. Nicht nur für die Diskussionen um das historische Indianerbild in Deutschland ist das vorliegende Buch eine Bereicherung, sondern es geht substantiell weit darüber hinaus. Eine wirklich vorzügliche Arbeit! - Dr Ulrich van der Heyden (Magazin für Amerikanistik, Heft 2 / 2. Quartal 2005, S. 34) Schwarze Besatzungssoldaten am Rhein, afroamerikanische Revuegirls, Sandino ein indianischer Revolutionär in Nikaragua?, Negerkunst...Themen in deutschen Illustrierten der Zwischenkriegszeit 1919-1939. Zwischen den Extremen rassistischer Abwertung und exotischer Verklärung findet sich in Fotoberichten und Fotoreportagen dieser Zeit ein komplexes, widersprüchliches Feld von Darstellungen Schwarzer und Indianer als Beispielgruppen kultureller Alterität. Nach dem Verlust der deutschen Kolonien begann in der Öffentlichkeit der Weimarer Republik eine Ausdifferenzierung des Diskurses z. B. über Schwarze, sowohl Afrikaner als auch Afroamerikaner. Besonders Formen kultureller Hybridität zogen das Interesse auf sich. Um ideologische Kontinuitäten und Brüche deutlich werden zu lassen, umfasst die Untersuchung auch die Vorkriegsjahre des NS-Regimes. Die Untersuchung von Henrick Stahr leistet einen wichtigen Beitrag zur historischen Rekonstruktion der visuellen und textlichen Alteritätskonstruktionen von Schwarzen und Indianern in einem massenkulturellen Medium. Die illustrierte Massenpresse und darin das Format Foto-Text-Artikel sind eine relevante Quelle zur Erforschung des Wahrnehmungshorizonts der Zeitgenossen. Kommerzielle und parteipolitische Illustrierte waren für eine Millionenleserschaft das wichtigste visuelle Medium. Erstmalig wird hier eine umfassende thematische Untersuchung dieses Mediums in der deutschsprachigen Forschung vorgelegt. Sie verbindet eine genaue bildwissenschaftliche Analyse der fotojournalistischen Produktionsästhetik des Formats Foto-Text-Artikel mit kulturwissenschaftlichen Fragestellungen in Bezug auf visuelle und sprachliche Repräsentationsstrategien bei der Konstruktion kultureller Alteritäten. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der umfassenden thematischen Dokumentation der Foto-Text-Artikel. Exemplarisch werden ausgewählte Fotoberichte in Hinsicht auf ihre visuellen und sprachlichen Strategien sowie auf die ihnen unterliegenden ideologischen Diskurse analysiert. Wo möglich, werden Produktionskontexte und Biografien der Autoren/innen einbezogen. Themen sind u.a.: (Pseudo-)ethnografische Bildberichte (C. Ross, B. Olden, H.A. Bernatzik, K. Severin, Schultz-Kampfhenkel), Fliegende Reporter/innen (W. Mittelholzer, W. Ruge, Elly Beinhorn, Inge Stölting), die Europäisierung der Afrikaner als hybride Groteske und Schwarze Gefahr, die kulturelle Emanzipation von Afroamerikanern und das Ghetto, der aussterbende Indianer, Schwarze in Deutschland (Schwarze Schmach, Kolonialrevisionismus, schwarze Künstler), NS-Rassismus und Kolonialpropaganda (Ilse Steinhoff), der antirassistische und antikolonialistische Diskurs der kommunistischen Bildpresse (das schwarze Proletariat in USA und Afrika, die Scottsboro-Boys-Kampagne, der Indio als revolutionäre Utopie in Berichten von Alfons und Lina Goldschmidt und Fritz Bach). Die Arbeit enthält eine komplette Bibliografie von 620 illustrierten Artikeln zum Thema sowie 86 Abbildungen. Website des Autors: henrick-stahr.de (verlagdrkovac.de)
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