|
| Reportagen aus aller Welt | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Das Dorf, das Dorf, die Erde, die Erde und der Selbstmord des Astronauten Muammar Al Gaddafi Gebundene Ausgabe, August 2004 Verkaufsrang: 147630 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Muhammar al-Gaddafi verquickt in diesem Buch pers"nliches Erleben und philosophischen Diskurs. Er erzählt - bisweilen ironisch, bisweilen ernst - von der Erde, vom Leben auf dem Land und in der Stadt, von Bauern und Astronauten, von sich, vom Sterben seines Vatgers und vom Tod. Er legt seine Anschauungen dar und berichtet aus einem fernen Land, das es zu entdecken gilt.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Lost in Translation? 3 von 5 Punkten Aufgrund der aktuellen "Krise" Schweiz/Libyen wollte ich mir, bevor ich mich der Tirade gegen Gaddafi/Libyen anschliesse, ein eigenes Bild vom Land und dem Staatsführer machen. Ich glaube nicht, dass man Gaddafi in seiner Kleverheit, Kreativität und vorallem auch nicht in seinem Humor unterschätzen sollte. Bestimmt aber auch nicht in seiner Durchtriebenheit. Viele seiner Aussagen und auch seine Taten provozieren, sind hart, für unseren Geschmack ev. schwer zu verdauen oder zu verstehen. Aber wie sonst soll man sich vor der Welt Gehör verschaffen, wenn nicht mit übertriebenen Aktionen? Seine Kleider und den Mut, diese an öffentlichen Anlässen zu präsentieren (ich mag einige davon wirklich!!!), seine Autokreation, sein Wunsch, das Zelt im Central Park aufzustellen, dieses Buch, deuten doch auf einen innovativen, modernen Menschen hin, der wohl seine Wurzeln kennt und lebt, aber auch versucht, den Spagat zwischen Vorkriegszeit des letzten Jahrhunderts zu der heutigen Zeit irgendwie auch noch hinzubekommen. Es gibt Vieles, das mir an ihm nicht passt, ich nicht verstehe und nicht nachvollziehen kann, auch nicht will. Es gibt aber auch das eine oder andere, dass mir an dem Mann sympathisch ist. Genauso ist es mit dem Buch "Das Dorf, das Dorf, die Erde, die Erde..": viele seiner Geschichten verstehe ich nicht, die Sprache, auch wenn ins Deutsche übersetzt, scheint mir z. T. repetitiv, blumig, unverständlich, exotisch, antiquiert (z. B. die Koran- und Religionsbezüge). Selbst der Übersetzer (wahrscheinlich vom Arabischen via das Französische ins Deutsche) ist sich bei der einen oder anderen Aussage nicht ganz im Klaren, was wie gemeint ist. Jedoch ist die eine oder andere der Erzählungen durchaus lustig oder auch traurig, regt zum Nachdenken an, sei es durch einzelne Sätze oder sei es die ganze Geschichte selbst. Ich kann dem Buch nicht eine "unbedingte Leseempfehlung" ausschreiben, es ist absolut keine Pflichtlektüre, aber wer 2-3 Tage Zeit hat (es ist mit etwas Disziplin/Durchhaltevermögen schnell gelesen) und wer versuchen will, vielleicht ein ganz kleines bisschen hinter die Kulissen zu schauen (benötigt aber eigene Fantasie oder ev. Einfühlvermögen?), kann sich die Zeit ruhig nehmen.
Der Oberst kann auch fabulieren 2 von 5 Punkten Eine Quelle der Erkenntnis für den Leser der vielen Anmerkungen des Herausgebers und Übersetzers. Wir haben die gute Chance, am Ende der Lektüre mehr über Gaddafi, sein Land, seine Politik und seinen Islam zu wissen, als umgekehrt Gaddafi zu wissen scheint über uns Deutsche, über die Politik des Westens, über Juden- und Christentum. Sympathisch ist, daß Gaddafi fast lustvoll-spielerisch und gewiss nicht dogmatisch sowohl uns, als auch seine Landsleute und seine Religion betrachtet. Literatur ist so nicht entstanden, eher etwas wie ein Traktat mit einigen phantastischen Elementen. |
Imperium. Sowjetische Streifzüge. Die Andere Bibliothek - Erfolgsausgabe Ryszard Kapuscinski Gebundene Ausgabe, September 2000 Verkaufsrang: 129642 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Was die Sowjetunion war und woran sie gescheitert ist, das hat niemand besser und einleuchtender beschrieben als Ryszard Kapuscinski. In "Imperium" hat der polnische Autor seine "Sowjetischen Streifzüge" seit 1939 versammelt. Nach Stalins Tod bereiste er die ganze Sowjetunion, beobachtete auch den Zerfall des Riesenreiches seit 1989. Kapuscinskis Reportagen lesen sich wie Parabeln der Macht, des Machtmißbrauchs und des Machtverfalls.Ryszard Kapuscinski ist 1932 in der ostpolnischen Stadt Pinsk geboren, die heute zu Weißrußland gehört. (Das war damals, wie er selber sagt, "Dritte Welt"). 1945 kam seine Familie nach Warschau, wo er studierte. In den fünfziger Jahren wurde er als Korrespondent nach Asien und in den Mittleren Osten, später auch nach Lateinamerika und nach Afrika entsandt.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Das beste Buch seit langem! 5 von 5 Punkten Für Insider war es nicht verwunderlich, dass Ryszard Kuscinski für den Literatur-Nobelpreis nominiert war. Einem breiteren Publikum ist er als einer der letzten klassischen Reiseschriftsteller durch seine eindringlichen Reportagen aus Afrika und nicht zuletzt aufgrund seines Bucherfolges "Meine Reisen mit Herodot" bekannt. Was sein Buch "Imperium" über alle bisher erschienenen Publikationen über das System der ehemaligen Sowjetunion heraushebt, ist neben seiner analytischen Schärfe und Beobachtung die Eindringlichkeit der Schilderung, die die vorgefundene Realität fast schon schmerzhaft mit allen Sinnen erfahrbar macht. Man hat nach der Lektüre des Buches fast den Eindruck, als hätte man es selbst erlebt. Dieses Buch bleibt einem für immer im Gedächtnis, während man andere schon beim Zuklappen vergessen hat. Für mich war dieses Buch die Entdeckung des letzten Jahres!
Weitere Lesermeinungen |
Tagebuch 1964 - 1976. Ost-Berlin Einar Schleef Broschiert, 15. Februar 2006 Verkaufsrang: 141874 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen. Nach dem Abitur 1964 zieht Einar Schleef zum Studium der Malerei an der Kunsthochschule Weißensee von Sangerhausen nach Ostberlin. Bereits nach einem halben Jahr wird er exmatrikuliert, weil er sich beleidigend über einen Professor geäußert hat. Zweieinhalb Jahre muß er sich "in der Produktion bewähren", dabei sammelt er erste Erfahrungen am Theater. 1967 wird er Schüler des Bühnenbildners Heinrich Kilger. Auf abenteuerlichen Trampreisen nach Prag erlebt Schleef den "Prager Frühling" und dessen Ende. 1971 wird er Meisterschüler von Karl von Appen, einem Bühnenbildner Bertolt Brechts. Es kommt - in Zusammenarbeit mit B. K. Tragelehn - zu den ersten großen Theaterarbeiten: aufsehenerregenden, umstrittenen, rasch wieder abgesetzten und bald schon legendären Inszenierungen. Im Oktober 1976 benutzt er einen Arbeitsaufenthalt am Wiener Burgtheater zum Absprung in den Westen. Das Tagebuch, unbestechliches Zeugnis des Lebens in Ost- und Westdeutschland, ist kein Fund unter nachgelassenen Papieren, sondern - nach Gertrud (1980/1984) und Droge Faust Parsifal (1997) - das dritte und letzte Hauptwerk des Autors, der daran bis zu seinem Tod am 21. Juli 2001 gearbeitet hat. Die Ausgabe ist auf fünf Bände angelegt. Band 3 erscheint 2007 und umfaßt den Zeitraum von 1977 bis 1980, Schleefs erste Jahre im Westen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
sogwirkung 4 von 5 Punkten Einar Schleefs Tagebücher sind nicht leicht zu lesen, sein ganz eigener Stil ist anstrengend - aber er hat eine gewaltige Sogwirkung. Wenn der Leser über die ersten 50 Seiten hinauskommt, wird er das ganze Buch (mit über 400 Seiten) lesen. Einar Schleefs Tagebücher enthalten fast nur Gedanken, Momentaufnahmen, Visionen, Wünsche (unzusammenhängend!). Man muss die Verhältnisse im Ostberlin der 60er und 70er Jahre nicht kennen, um diesen Band lesen zu können. Es ist eine bizzare, künstliche Welt. Warum man das ganze überhaupt lesen sollte, kann ich nicht beantworten. |
Die Kunst des Reisens Alain DeBotton Gebundene Ausgabe, September 2002 Verkaufsrang: 186717 Es ist eine berühmte Philosophenweisheit Blaise Pascals, dass das ganze Unglück der Erde letztlich nur daher rührt, dass es uns nicht gelingt, ruhig in unseren Zimmern zu verharren. Der Schriftsteller ist in einer doppelt misslichen Lage: Eigentlich könnte er am Schreibtisch seines Arbeitszimmers auf ewig zufrieden sein; aber er muss hinaus in die Welt, um das, was sich aufzuschreiben lohnen könnte, zu erleben. In der Welt draußen aber fühlen sich die Dichter unterschiedlich wohl. Gustave Flaubert etwa fuhr mit dem Fotografen Alexandre DuCamp nach Ägypten - nur, um zu notieren, dass er oben auf den Pyramiden nach schweißtreibendem Aufstieg bei der Suche nach einem Taschentuch die Rechnung seines Schneiders aus der Heimat fand. Ein ganz anderer Schriftsteller ist der Franzose Alain de Botton, der die Leser hier zu Lande schon mit seinem Trost der Philosophie verzückte. Ausgehend von seinem eigenen Flug nach Barbados beschreibt er in seinem Essay über die Kunst des Reisens Lust und Leid des Fernwehs, philosophiert über richtige und falsche Erwartungen bei der Abreise oder über die unterschiedliche Qualität von Reisestationen, spürt den verschiedenen Motivationen des Wegfahrens nach, beleuchtet mehr oder weniger exotische Landschaften in der Fremde - und fliegt schließlich im letzten, "Rückkehr" betitelten Kapitel wieder von Barbados nach London (und damit zum Anfang seiner Reise) zurück. Mit seiner Kunst des Reisens ist de Botton eine wundervolle Betrachtung über das Fernweh gelungen - mit zahlreichen klugen Ausflügen in die Welt der Literatur und der Malerei. Da muss man gar nicht mehr selbst die Koffer packen, sondern kann sich in seinem Zimmer ganz in (Reise-)Lektüre versenken. Irgendwie ist das ja schon ein Schritt hin zu ewiger Glückseligkeit. Pascal hätte dies sicher gefallen. -Thomas Köster
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
Die Kunst des Seins beim Reisen 5 von 5 Punkten Alain de Button ist für mich so eine Schlüsselfigur für Themen, die man doch besser sein lässt. Er führt uns in die Welt der Philisophie genauso wie er es hier beim Reisen macht. Habe das Buch vor längerer Zeit gelesen und nehme es immer wieder zur Hand. Für alle die sich über das Reisen und das Bild des Reisens Gedanken machen und auch links und rechts vom Photo die Welt anschauen ist dieses Buch gedacht. Aber auch für alle die in Gedanken gerne reisen aber nie die Schwere Last der Fortgehens auf sich nehmen wollen.
Weitere Lesermeinungen |
Die Pflicht, glücklich zu sein Alain, Emile A. Chartier Taschenbuch, 1982 Verkaufsrang: 232544 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Vom Leben, vom Tod, von Geburt, Spiel, Kunst, Arbeit, Liebe usw. ist in diesen Propos die Rede, kurz: vom Allgemeinsten, Alltäglichsten und auch vom Privatesten. Zum Thema des Buches heißt es bei Alain: "Vor allem scheint mir klar, daß man unmöglich glücklich sein kann, wenn man es nicht sein will. Man muß sein Glück wollen und es machen."
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
"Befreie dich von der falschen Meinung" Epiktet 5 von 5 Punkten Alain lebte von 1868 bis 1951. Er rät dem Leser die von Leidenschaft beschlagenen Augen zu putzen! Er zitiert einen ähnlichen Gedanken von Epiktet, der sagte: "Befreie dich von der falschen Meinung, und du befreist dich vom Übel." Wie wahr, oft stehen wir uns mit unseren Ängsten und Sorgen selber im Weg. Die Gedanken über die Vergangenheit oder Zukunft blockieren uns. Kurz gesagt, der Mensch hat auf der Erde keinen schlimmeren Feind als sich selbst! Dieses Buch enthält sehr viele Weisheiten und guten Ratschläge, die man wirklich auch täglich umsetzen kann. Ein beeindruckendes Buch! Alain geht auch auf Platon, Goethe, Pascal und andere schöne Gedanken der bekannten Philosophen ein! Die Textabschnitte zu einem Thema gehen meist nicht mehr als über zwei Seiten, dadurch ist das Buch gut zu lesen. Bleibt mir nach der Leküre des Buches nur noch ein kurzer Wunsch für 2010: "Ich wünsche Ihnen gute Laune!" Der Rest kommt von alleine...Glücklichsein muß man eben wollen und das Seine dazu tun!
Weitere Lesermeinungen |
Querschüsse. Downsize This! Michael Moore Taschenbuch, Oktober 2004 Verkaufsrang: 98886 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Nach dem sensationellen Erfolg von Stupid White Men hat sich der Piper Verlag beeilt, Michael Moores Erstling jetzt auf den deutschen Markt zu werfen. Zur Vorgeschichte: 1989 bereits hatte der bullige "Sozialarbeiter" mit seiner Filmdoku Roger & Me, einer Art Fingerübung für seine aufrüttelnde Doku Bowling for Columbine, Furore gemacht. Darin ging es darum, dem Chairman von General Motors den sozialen Kahlschlag in Moores Heimatstadt Flint in Michigan vor Augen zu führen. GM hatte dort trotz Rekordgewinn 30.000 Arbeitsplätze gestrichen. Moores erster Einsatz! Seine Wut über diese Art "Gesundschrumpfung", ihre Opfer und Profiteure, gab den Ausschlag zu diesem Buch. Das verhasste Großkonzern-Unwort wird zur Wurzel allen Übels erklärt. Moore arbeitet mit unglaublichen Zahlen und Insiderinfos - versteigt sich jedoch am Beispiel des Oklahoma-City-Bombers Timothy McVeigh zu einer düsteren Polemik über die wahren Terroristen im Lande. Moore als dröge argumentierender Entrechteten-Anwalt hätte nicht den immensen Erfolg, wäre in seinem Herzen nicht Platz für ätzende Realsatire. Den "Sammelbildern mit kriminellen Konzernchefs" folgt ein resignierender Blick auf Republikaner und Demokraten, die er in ihrer Programmatik giftig mit einem Restaurant vergleicht, das lediglich Hüttenkäse und Knabberstangen auf der Karte führt. Auch seinen Lieblingsfeind, den erzkonservativen Pat Buchanan, outet er gnadenlos, indem er ihm diverse Wahlkampf-Spenden unter dem Tarnmantel von Teufelsanbeter- und Pädophilen-Organisationen andient - die dieser auch prompt annahm. Moore pur! Dem Jubel über den Sieg der Demokraten 1992 und Clintons angekündigte Gesundheitsreform folgt die ernüchternde Erkenntnis, dass der Präsident "am Ende der 100 Tage immer noch der einzige Amerikaner war, der kostenlos einen Arzt besuchen konnte". Hillary Clinton hingegen inspiriert ihn zu einer Liebeserklärung, die zu einem regelrechten feministischen Manifest ausartet. Der Kampfhund Moore zeigt sich in einer glühenden Verteidigungsrede im Prozess gegen O.J. Simpson und einer bitteren Anklageschrift gegen die Deutschen und ihre Zahlungsmoral gegenüber den Überlebenden der Konzentrationslager. Moores Finger liegt auf jeder gesellschaftlichen Wunde. Gäbe es ihn nicht, man müsste ihn erfinden. "Wake up Britain! This is happening here!!!", warnt ein britischer Amazon-Kunde seine Landsleute am Ende seiner begeisterten Leser-Kritik. Nicht nur bei euch, möchte man schmerzlich hinzufügen. -Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 46 Bewertungen)
Hervorragend, bis auf Kapitel TEN 5 von 5 Punkten Die negativen Rezensionen weisen zurecht auf das Kapitel 10 hin, das in der Tat unmöglich ist. Wie dieser Schwachsinn Einzug in dieses Buch gefunden hat, ist mir schleierhaft. Diese Seiten sollte man gleich am anfang rausreißen. Dennoch sollte einem das nicht davon abhalten, dieses Buch zu lesen. Moores? Stil ist zwar sehr polemisch, aber er bringt ziemlich aufschlussreiche Details über die Clinton-Ära zur Sprache. Was man bei uns gemeinhin als Neoliberalismus(also das Wegrationalisieren von Arbeitsplätzen zur Steigerung des Börsenwertes und Betriebsverlagerungen in Niedriglohnländer) bezeichnet, hatte offenbar in den USA schon in den 90-er Jahren Hochkonjunktur, während es bei uns erst mit einigen Jahren Verspätung einriss. Die Clinton-Regierung ließ damals Kreditkarten verteilen, um den Konsum anzukurbeln. Tatsächlich erlebten die USA einen Wirtschaftsaufschwung, der jedoch den kleinen Schönheitsfehler hatte, dass er am Mittelstand vorbeiging und sämtliche Privathaushalte in die Verschuldung trieb. Moore nimmt außerdem Stellung zur Unfähigkeit von Gewerkschaften, der Explosion der Zahl von Strafgefangenen und der katastrophalen Lage der amerikanischen Sozialsysteme und die immer größeren unterschiede zwischen Arm und Reich. Warum sollte man nun dieses Buch lesen? Genau aus dem Grund, weil es bei uns in Deutschland auch immer mehr so funktioniert. Auch wir haben nun im Jahr 2007 wieder einen Aufschwung, von dem aber komischer Weise nur eine bestimmte Kategorie von Leuten profitiert, während der normale Bürger immer mehr Einschnitte hinnehmen muss. Es heißt dann immer, dass wir einfach nur weiter Sachen kaufen sollen, die wir nicht wollen, von dem Geld, das wir nicht haben, um einem System zu dienen, das uns ausbeutet. Man sollte dieses Buch also lesen, um zu verstehen, wie es in den USA läuft, damit wir es rechtzeitig realisieren, wenn es auch bei uns so weit ist, wir dann aber nicht auch noch jemanden wie G.W.Bush wählen, der das ganze noch verschlimmert. Ich fand dieses Buch sogar besser als "Stupid white men", da es nicht rein auf die Politik von Bush fixiert ist, sondern das amerikanische Gesellschaftssystem grundsätzlich in Frage stellt.
Weitere Lesermeinungen |
Kritik für Leser: Vom Schreiben über Literatur Volker Hage Broschiert, 16. September 2009 Verkaufsrang: 174737 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der renommierte Literaturkritiker und Spiegel-Redakteur Volker Hage, der im September seinen 60. Geburtstag feiert, führt an ausgewählten Beispielen das breite Spektrum journalistischer Beschäftigung mit Literatur vor Augen, einer Tätigkeit, die sich keineswegs nur auf das Rezensieren von Büchern beschränkt, sondern zugleich Textformen wie Porträt, Interview, Glosse, Leitartikel, Debattenbeiträge oder Nachrufe umfaßt. Ein solcher Leitfaden - nicht zuletzt für Studenten und Journalistenschüler - hat bisher gefehlt. Kritik für Leser ist ein Kompendium für alle Literaturbegeisterten, ein Lesebuch, das Lust auf die Lektüre von Texten über Literatur macht.
|
Vom Anfang und vom Ende: Zwei Essays Ludger Lütkehaus Gebundene Ausgabe, 12. März 2008 Verkaufsrang: 313324 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Auf literarische, philosophisch verspielte, erhellende Weise stiftet der Autor mit seinen beiden Essays Vom Anfang und vom Anfangen und Vom Enden und vom Ende zur Gelassenheit an. Was wir heute unter "Lebenskunst" verstehen, bezieht sich vor allem auf die Gestaltung des Lebens und findet seine Quellen in der antiken Philosophie. In den Ratgebern wird Philosophie ein Mittel zur Beförderung des Wohlergehens, zur Gestaltung des "guten" Lebens. Voraussetzung dieser abendländischen Philosophie ist der Glaube, daß das Leben ein Geschenk sei und die Welt, in die wir geboren werden, ein Licht. Ist der Gegenstand von Lebenskunst das Leben selbst, stellt sich die Hamletfrage. Die Frage nach dem Nichtsein, dem "Nichts" beschäftigt von der Antike bis heute Philosophen, Dichter und Schriftsteller. Mit ihnen als Zeugen (von Sokrates, Lichtenberg, Schopenhauer bis Beckett, Hannah Arendt und Peter Sloterdijk) gewährt Lütkehaus der Nachtseite des Lebens Raum. "Gerade wenn die tatsächliche Verfassung der Welt nur wenig auf ein Licht, noch weniger die des Lebens auf ein Geschenk hindeutet, versucht der inkarnierte Wille zum Dasein und Wohlsein sich um so entschlossener in der Welt, dem Sein als dem Guten heimisch zu machen."
|
Mörderische Identitäten Amin Maalouf Taschenbuch, 26. November 2008 Verkaufsrang: 302034 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Amin Maalouf, in Frankreich lebender arabischer Christ, beobachtet die mörderischen Auswirkungen von Fundamentalismus und ängstlicher, reflexhafter Ausgrenzung des Anderen. Sein Essay ist ein Appell an Toleranz, Integration und Pluralität.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Identitäten: der Schlüssel zu Konflikten 4 von 5 Punkten "Es ist ein Unterschied, ob man als Schwarzer in New York, Lagos, Pretoria oder Luanda zur Welt kommt, fast möchte man sagen, dass es sich im Hinblick auf die Identität nicht um die gleiche Hautfarbe handelt." (S. 25) Amin Maalouf, Jahrgang 1949, gebürtiger Libanese mit Wohnsitz in Frankreich, stammt aus einer melkitischen (d.h. griechisch-katholischen) Familie, ist protestantisch getauft und römisch-katholisch erzogen. Aus eigener Anschauung und als preisgekrönter Autor zahlreicher historischer Romane weiß er um die Bedeutung von Identität, v.a. der Gewichtung einzelner Apekte der Identität wie Sprache, Religion, Herkunft usw. Wie kommt es, dass sich ein und dieselbe Person beispielsweise jahrzehntelang als Jugoslawe, einige Jahre später aber ausschließlich als Bosnier oder - eingeschränkt auf die religiöse Zugehörigkeit der Familie - als muslimischer Bosnier bezeichnet? Jedes Menschen Identität setzt sich aus einer mehr oder weniger langen Liste nationaler, lokaler, kontinentaler, religiöser, sozialer usw. Identitätselemente zusammen. Dominiert eines der genannten über die anderen (z.B. die Religion in Bosnien) oder löst sich eine identitätsstiftende Einheit auf (Jugoslawien), teilt sich aus der Sicht der Betroffenen die Menschheit in in jene, deren Identität man teilt, und in die anderen, die vermeintlich zu Fremden werden - auch wenn man seit Jahrzehnten Tür an Tür wohnt. Die profunde historische Bildung des Autors erkennt man in jenen Teilen des Buchs, wo es um Änderungen der Identität geht, z.B. in der jüngeren Geschichte des Islam. ("Wenn die Moderne vom Anderen kommt" heißt das zweite, dem Islam gewidmete Kapitel.) Er wendet sich entschieden gegen den Usus, alles was in islamischen Ländern passiert, unter der Rubrik "Islam" zu verbuchen und den Islam für alle möglichen Entwicklungen, v.a. die Tragödien, dieser Länder verantwortlich zu machen, sei es im blutig dekolonisierten Algerien, im nie kolonisierten Afghanistan, in Palästina, in Ägypten zur Zeit Napoleons und in der heutigen Türkei. Ein historisches Faktum werde ich mir in diesem Zusammenhang notieren und bei entsprechenden, gegenwärtig häufigen Gelegenheiten gerne zitieren: "Ende des vorigen Jahrhunderts besaß Istanbul, die Hauptstadt des damals mächtigsten islamischen Staates, eine nicht-muslimische Bevölkerungsmehrheit, bestehend vor allem aus Griechen, Armeniern und Juden. Wäre es denkbar, dass in jener Zeit in Paris, London, Wien oder Berlin überwiegend Nicht-Christen, Muslime oder Juden, gelebt hätten?" (S. 53/54) Die Mehrheitsverhältnisse in der Türkei änderten sich erst, als die Bedeutung religiöser Identität ab- und der Nationalismus blutig zunahm ...
Für ein Gleichgewicht der Identitäten! 4 von 5 Punkten "Es ist ein Unterschied, ob man als Schwarzer in New York, Lagos, Pretoria oder Luanda zur Welt kommt, fast möchte man sagen, dass es sich im Hinblick auf die Identität nicht um die gleiche Hautfarbe handelt." (S. 25) Amin Maalouf, Jahrgang 1949, gebürtiger Libanese mit Wohnsitz in Frankreich, stammt aus einer melkitischen (d.h. griechisch-katholischen) Familie, ist protestantisch getauft und römisch-katholisch erzogen. Aus eigener Anschauung und als preisgekrönter Autor zahlreicher historischer Romane weiß er um die Bedeutung von Identität, v.a. der Gewichtung einzelner Apekte der Identität wie Sprache, Religion, Herkunft usw. Wie kommt es, dass sich ein und dieselbe Person beispielsweise jahrzehntelang als Jugoslawe, einige Jahre später aber ausschließlich als Bosnier oder - eingeschränkt auf die religiöse Zugehörigkeit der Familie - als muslimischer Bosnier bezeichnet? Jedes Menschen Identität setzt sich aus einer mehr oder weniger langen Liste nationaler, lokaler, kontinentaler, religiöser, sozialer usw. Identitätselemente zusammen. Dominiert eines der genannten über die anderen (z.B. die Religion in Bosnien) oder löst sich eine identitätsstiftende Einheit auf (Jugoslawien), teilt sich aus der Sicht der Betroffenen die Menschheit in in jene, deren Identität man teilt, und in die anderen, die vermeintlich zu Fremden werden - auch wenn man seit Jahrzehnten Tür an Tür wohnt. Die profunde historische Bildung des Autors erkennt man in jenen Teilen des Buchs, wo es um Änderungen der Identität geht, z.B. in der jüngeren Geschichte des Islam. ("Wenn die Moderne vom Anderen kommt" heißt das zweite, dem Islam gewidmete Kapitel.) Er wendet sich entschieden gegen den Usus, alles was in islamischen Ländern passiert, unter der Rubrik "Islam" zu verbuchen und den Islam für alle möglichen Entwicklungen, v.a. die Tragödien, dieser Länder verantwortlich zu machen, sei es im blutig dekolonisierten Algerien, im nie kolonisierten Afghanistan, in Palästina, in Ägypten zur Zeit Napoleons und in der heutigen Türkei. Ein historisches Faktum werde ich mir in diesem Zusammenhang notieren und bei entsprechenden, gegenwärtig häufigen Gelegenheiten gerne zitieren: "Ende des vorigen Jahrhunderts besaß Istanbul, die Hauptstadt des damals mächtigsten islamischen Staates, eine nicht-muslimische Bevölkerungsmehrheit, bestehend vor allem aus Griechen, Armeniern und Juden. Wäre es denkbar, dass in jener Zeit in Paris, London, Wien oder Berlin überwiegend Nicht-Christen, Muslime oder Juden, gelebt hätten?" (S. 53/54) Die Mehrheitsverhältnisse in der Türkei änderten sich erst, als die Bedeutung religiöser Identität ab- und der Nationalismus blutig zunahm ... |
QQ Max Goldt Gebundene Ausgabe, 16. März 2007 Verkaufsrang: 215074 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Max Goldt ist ein Meister der freischwebend-assoziativen, dabei aber überaus präzisen und sich aus (teils absurden) Alltagssituationen aufs Wundervollste speisenden Sprache. Das fängt schon bei den Überschriften an. So ließ es sich Goldt 2006 nicht nehmen, einen seiner Zweiseiter in der Satirezeitschrift Titanic nach der gesellschaftlich damals gerade viel diskutierten Hochschulqualitätshebungsaktion "Die Exzellenzinitiative" zu nennen - wohl deshalb, weil er dieses Kleinod deutscher Sprache nicht ungenutzt an sich vorüberziehen lassen wollte. Der Text freilich handelte gar nicht von eben jener, sondern unter anderem von den diversen Verwendungsmöglichkeiten der Pelikane in einer immer hitziger werdenden Welt und hätte auch einen ganz anderen Titel haben können: was er im Sammelband QQ - dort taucht er als "Die Prophezeiung" auf - auch hat. QQ ist auch einer von diesen freischwebend-assoziativen Titeln, zumindest auf den ersten Blick. Laut Auskunft seines Trägers steht er als Kürzel für "quiet quality", einem Schlagwort aus den USA "für alles, was nicht schreit und spritzt". Der zweite Blick offenbart also bereits, wie klug der Titel ist. Denn in den 21 Essays, die allesamt auf Erstveröffentlichungen in Titanic aus den Jahren 2005 und 2006 basieren, schreit und spritzt es an keiner Stelle, ganz im Gegenteil: es fließt alles in einer so wohlfeilen Stille dahin, dass man richtig erschrickt, wenn sie einmal ins Plätschern gerät: dann nämlich, wenn Goldt - wie in seiner grandiosen Reflexion "Über Fernsehmusik" - die fulminant komische Dichte des Anfangs (es geht um die Legende zweier lesbischer Heiliger, die sich im Mittelalter in ein und denselben Turm einmauern) nicht halten kann. Aber das ist, wie gesagt, nicht oft der Fall. An einer Stelle von QQ zeigt sich Goldt irritiert darüber, dass offenbar kein griechischer Name für die Angst existiere, "einen mit Denkerstolz und Manneskraft geschriebenen Aufsatz auf eine so schlaffe, ja sogar Heckenknöterich angähnende Weise zu beschließen, aber, mein Gott, angstlösende Tabletten muss man wegen einer solchen Angst wohl keine schlucken - da muss man einfach durch, das werden die Leute schon akzeptieren in ihrer herben, volkstümlichen Milde." Ja, die Leute würden sogar das, wenn sie denn müssten. Aber heckenknöterichgähnende Schlüsse kann Goldt, so scheint es, ohnehin gar nicht schreiben. - Thomas Köster, Literaturanzeiger.de
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)
high quality entertainment 5 von 5 Punkten In "QQ" strapaziert Max Goldt mal wieder die Lachmuskeln der Freunde von Nebensaetzen und Sarkasmus aufs Aergste. Noch souveraener und wortwitziger als in "Ae", kommt der Leser bei diesen Kurzgeschichten, die sich so gut fuer die Zugfahrt oder das Warten beim Arzt eignen, auf seine (Humor-)Kosten.
Weitere Lesermeinungen |
Amerika. Lektionen einer neuen Welt Vidiadhar S. Naipaul Gebundene Ausgabe, 2003 Verkaufsrang: 277040 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 01.11.2003 Ein klarer Fall von "Etikettenschwindel". Damit meint die Rezensentin Renee Zucker allerdings nicht V. S. Naipaul oder seine Essays, sondern die vorliegende deutsche Ausgabe, deren Titel "Amerika. Lektionen einer neuen Welt" sich nicht nur sehr vom Original-Titel "The Writer and the World" unterscheidet, sondern beim Leser die Hoffnung weckt, es handele sich um neue, zur aktuellen Lage geschriebene Texte. Nichtsdestotrotz, so die Rezensentin, verliert man mit Naipaul nie seine Zeit. Sein doch sehr "westlicher" Blick erlaubt ihm, Amerika zu verstehen, gleichzeitig bleibe er jedoch so europäisch geprägt, dass sich keine "Naivität" in sein Amerika-Bild einschleiche, argumentiert die Rezensentin auf ein wenig selbstgefällige (sprich europa-gefällige) Art. Ganz besonderes gefallen hat ihr eine Reportage über einen "Parteitag der Republikaner in Dallas der Achtizger-Ronald-Reagan-Jahre", in der Naipaul sich spürbar von der ambienten "Leichtigkeit" und "Siegerlaune" anstecken lässt. Was er dagegen über Borges zu sagen hat, findet Zucker ein wenig banal. © Perlentaucher Medien GmbH
|
Gauner muss man Gauner nennen: Von der Sehnsucht nach verlässlichen Werten Ulrich Wickert Gebundene Ausgabe, September 2007 Verkaufsrang: 132918 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Gauner muss man Gauner nennen, meint Ulrich Wickert, der schon mit seinem Buch Der Ehrliche ist der Dumme seinem Unmut darüber Luft verschafft hatte, dass moralische Werte im täglichen Miteinander nicht mehr allzu viel zählen. Über kleinere (und auch manche größere) Gaunerei, mokierte sich der Autor damals, sähen viele allzu gern großzügig hinweg, weil so etwas für das persönliche Wohlleben oder den beruflichen "Erfolg" hin und wieder halt nötig sei. Gegen diese moralische Gleichgültigkeit setzt der Autor auch diesmal seine "Sehnsucht nach verlässlichen Werten" und diagnostiziert erfreut, dass er damit nicht mehr ganz allein ist: "Der Kult des Individuellen, die Egogesellschaft samt ihren spaßkulturellen Ausprägungen geraten mehr und mehr unter Druck." Als Ursache für die Rückbesinnung auf verlässliche Werte identifiziert er die von immer mehr Menschen angesichts kollabierender Sozialsysteme oder der wachsenden religiösen Fundamentalisierung in der globalisierten Welt tief empfundene Verunsicherung. Die Sehnsucht nach Verlässlichkeit und Geborgenheit bringe es dabei notwendig mit sich, so der Autor weiter, dass die Menschen sich auch nach so etwas wie Selbstbewusstsein sehnten. Denn nur wer wisse, wer er ist, und sich selbst annehme, könne "Verlässlichkeit finden und selbst verlässlich sein". Auch vor der Erörterung von Begriffen wie "Heimat" oder "Nation" scheut Wickert in diesem Zusammenhang nicht zurück und benennt auch moralische Defizite in der internationalen Politik, gegen die sich ebenfalls nur eine selbstbewusste Politik klar abgrenzen könne. Bei all dem geht es dem Autor vor allem um seine "Vision" von einem "humanen Zusammenleben". Nur wer sich seiner selbst gewiss ist, kann auch gegen Widerstände einen klaren Standpunkt beziehen, kann einen Gauner auch einen Gauner nennen. Beim bloßen Benennen, das weiß auch Wickert, darf es freilich nicht bleiben: "Wer sich nach verlässlichen Werten sehnt", resümiert er am Ende des in der von ihm gewohnten Gefälligkeit geschriebenen Bandes, "muss letztlich über das bloße Benennen hinausgehen, er muss die Kraft und den Mut aufbringen, selber im Sinne der Gemeinschaft zu handeln". Um dieses Thema also, so darf gemutmaßt werden, wird sich Autor in seinem nächsten Buch noch ausführlicher kümmern? - Andreas Vierecke, Literaturanzeiger.de
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 15 Bewertungen)
Klartext! 5 von 5 Punkten Beneidenswert! Ulrich Wickert kann es sich erlauben, ein Buch gegen den Mainstream zu schreiben. Man liest erfrischenden Klartext, Wickert stellt Zusammenhänge her, formuliert fast so pointiert wie ein Henrik M. Broder. Ulrich Wickert spricht Missstände in unserer Gesellschaft an, er vergleicht positive und negative Aspekte mit anderen, befreundeten Ländern, in denen ähnlich denkende, aber anderes sozialisierte Menschen zu Hause sind. Wo Regeln verbogen werden, nennt er die Dinge beim Namen, unterscheidet sicher zwischen legal und legitim. Er ist mutig genug, weder vor "hohen Tieren" in Wirtschaft oder Politik noch vor "benachteiligten Minderheiten", egal welcher Provenienz, in vorauseilendem Gehorsam zu kuschen, sondert markiert Abweichungen von der aus ganz pragmatischen Gründen zu fordernden "Norm des Anstandes". Juristen werden wenig Ansatzpunkte finden, ihm für seine Formulierungen eins auszuwischen. Wickert ist vorsichtig genug, sich nicht angreifbar zu machen, auch wenn die Botschaften deutlich sind: er hat den kategorischen Imperativ Immanuel Kants auf seiner Seite. Die Aussagen des Buches sind von hohem ethischen Anspruch gekennzeicnet, aber der Autor läßt sich von keiner gesellschaftlichen Gruppe vereinnahmen. Der analytische Scharfsinn und der virtuose Gebrauch der Sprache machen die Lektüre zu einem - viel zu kurzen - Genuß.
Weitere Lesermeinungen |
Das Leben der Fußgänger: Feuilletons 1933 - 1938 Sebastian Haffner Taschenbuch, 1. April 2006 Verkaufsrang: 319722 Schon während seiner Schulzeit hatte der 1907 geborene Raimund Pretzel begonnen, Dramen, Gedichte und Erzählungen zu schreiben. Was sich wie ein Textanfang von Loriot liest, bezeichnet nichts weniger als die ersten literarischen Fingerübungen einer politischen Journalistenlegende. Die kaum bekannten literarischen Frühversuche Sebastian Haffners, wie er sich ab 1939 nannte, fanden in Gestalt von Feuilletons statt. Mit seinen Alltags- und Menschenbildern, die er in den Jahren 1933 bis 1938 unter anderem in der linksliberalen Vossischen Zeitung veröffentlichte, setzte er die Tradition seiner Vorgänger Tucholsky und Kästner eindrucksvoll fort. Unter der Rubrik "Die lieben Mitmenschen" porträtiert Haffner den Mitreisenden als Quälgeist, dessen einziger Lebenszweck die Störung ist. Im nächsten Feldversuch erforscht er die nicht weniger lästige Spezies der "Fensteröffner und Fensterschließer", die in den Zügen dieser Welt als nervende Variante des Ersteren auffällt. Harmlose Reisebeobachtungen mischen sich mit Großstadtporträts und menschlichen Lasterhaftigkeiten und Marotten in sämtlichen Spielarten. Dann wieder befallen Haffner fast schon seherische Visionen einer sich zunehmend verdüsternden Welt. Angesichts der Zeit, in der diese Geschichten entstanden, so wundert sich das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung, erstaune deren unpolitischer Charakter: "Musste man sich wirklich Gedanken machen, was nun männlicher sei, Kaffee oder Tee, während Hitler seine Eroberungszüge plante?" Gegenfrage: Hätte Haffner als Regimekritiker auch nur einen Tag (journalistisch) überlebt? Gerade als Feuilletonist genoss er die Freiheit, seinen Alltagsbetrachtungen in Maßen einen politischen Stachel zu verpassen. Trotz Zensur sind die Spitzen, die immer wieder auf das Unrechtsregime zielen, kaum zu überlesen. Die 71 zumeist zweiseitigen Kurzprosaperlen, können in ihren besten Momenten und ihrer messerscharfen Menschenbeobachtung durchaus mit Hemingways Shortstories konkurrieren. Im Sommer 1938 war Schluss. Haffner emigrierte nach England. Nach dem Krieg heimgekehrt, war eine Wandlung in ihm vorgegangen. Er hatte seine Bestimmung gefunden. Es begann das Leben des scharfzüngigen politischen Kolumnisten, wir wir ihn über seinen Tod hinaus noch heute schätzen. Eine umso bereicherndere Erfahrung, einmal in die Wurzeln dieses großen Journalistenlebens geleuchtet zu haben. -Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Eloquent, geistreich, witzig. 5 von 5 Punkten Dieses Buch enthält eine Sammlung von Zeitungsartikeln und hat daher kein durchgängiges Thema, keinen roten Faden. Es eignet sich deshalb weniger dazu, es in kurzer Zeit wie etwa einen spannenden Roman zu verschlingen. Dazu ist der Inhalt auch zu anspruchsvoll - oft will die gelesene Abhandlung erst einmal gedanklich verarbeitet sein, bevor man sich der nächsten widmet. Dadurch werden Lesepausen unvermeidlich. Für jemanden, der viel und gerne liest, empfiehlt es sich vielleicht, dieses Buch "häppchenweise" parallel zu einem anderen, schneller lesbaren Buch zu lesen; für denjenigen, der nur unregelmäßig zum Lesen kommt, ist es bestens geeignet. Natürlich wird niemand von allen Artikeln in gleicher Weise begeistert sein. Die Perlen muss sich jeder selber suchen; das lohnt sich aber. Es ist ein bisschen wie mit Harald Schmidt (damals, auf Sat1): die genialen Momente entschädigen für alle mittelmäßigen Passagen und dominieren schließlich das Gesamtbild. Zum Inhalt: ihn thematisch einzugrenzen, ist kaum möglich. Die Artikel sind elf verschiedenen Kategorien zugeordnet, wie "Die lieben Mitmenschen", "Marotten und Laster", "Stil, Mode, Lebensart" usw. Die meisten Artikel befassen sich mit den Details des Alltags. Scheinbar banales ("Die Kunst, sich beschenken zu lassen") wird zum Veranschaulichen menschlicher Wesenszüge genutzt, tatsächlich banales ("Die Fensteröffner und die Fensterschließer") mit viel Ironie zu einem grundsätzlichen Problem aufgebauscht. In meinem Lieblingsartikel "Kleines Credo" sinniert der Autor darüber, dass man entweder Geschmack oder eine Weltanschauung haben kann, niemals beides. Was er selbst hat, daran lässt Haffner keinen Zweifel - er macht fast alles zu einer Frage des Stils (aus einer Abhandlung über die Unterschiede zwischen der französischen und der deutschen Esskultur: der Deutsche "isst nicht, er tankt"). Weitere Glanzpunkte sind die - wirklich nützlichen - Tipps für das Verfassen von Briefen und grandiose Betrachtungen über "Männliche Eitelkeit". Der (kleinere) ernstere Teil, den es in dieser Textsammlung auch gibt, handelt hauptsächlich von juristischen Fragen, die hier für den Laien verständlich behandelt werden (Haffner ist studierter und promovierter Jurist). Es werden unter anderem Vor- und Nachteile von Schwur- und Schöffengerichten abgewogen und Missstände und Kuriositäten des damaligen Ehescheidungsrechts dargestellt. Was Letzteres betrifft, ist der Autor seiner Zeit voraus. Die Änderungen, für die er plädiert, werden zum Teil in den 1970er Jahren eingeführt. Andere Visionen des Autors, etwa die "Welt ohne Autos", sind bisher nicht Realität geworden. Wen spricht dieses Buch an? Ich denke alle, die an sprachlichen Glanzlichtern, unkonventionellen Standpunkten (die aber nie verbissen, sondern heiter verfochten werden), einem Gespür für kulturelle und zwischenmenschliche Feinheiten oder historischen sowie künstlerischen Exkursen ihre Freude haben. Festzuhalten ist vielleicht noch, dass viele der Artikel zeitlos sind. Man muss die damalige Epoche nicht erlebt haben, um die Texte heute unterhaltsam oder sogar informativ zu finden. Wer über ein gewisses historisches Hintergrundwissen verfügt, wird aber manches entdecken, was als politische Anspielung verstanden werden kann. |
Aber der Narr will nicht. Essais Christoph Hein Gebundene Ausgabe, 3. September 2004 Verkaufsrang: 315519 Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen. Buchnotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 27.05.2004 Martin Krumbholz schätzt in Christoph Hein den "nüchternen Realisten", der "gewissenhaft die Sache prüft", bevor er sich ein Urteil bildet. Ist diese Haltung daran schuld, dass seinen Romanen mitunter etwas "Sprödes, Detailvernarrtes " anhaftet, findet der Rezensent sie bei den Essays durchaus lobenswert. Dabei vertrete Hein in seinen Aufsätzen zu Arno Schmidt, zur Peter Handkes Serbien-Sympathien oder zu den Anschlägen vom 11. September nie einen Standpunkt, nur weil er gerade "chic" oder gar "bequem" sei, betont der Rezensent angetan. Bei aller "ideologischen Unvoreingenommenheit" kommt der Autor dennoch zu klaren Meinungen und vertritt auch eine "protestantische Ethik", so Krumbholz, der hinter der "Gelassenheit", mit der Hein sich gibt, ein "starkes Selbstbewusstsein" spürt. © Perlentaucher Medien GmbH
|
Schüsse mit Empfangsbescheinigung. Neue Streichholzbriefe Umberto Eco, Burkhart Kroeber Gebundene Ausgabe, 26. August 2006 Verkaufsrang: 309791 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Soll man eher auf die Philosophen hören oder auf die Philosophinnen? Soll man Bücher sammeln oder lesen? Oder soll man einfach nur noch ins Kino gehen? Umberto Eco, einer der markantesten und unterhaltsamsten Kommentatoren unserer Alltagswelt, betrachtet in diesen scharfzüngigen Essays und Glossen Politik, Kultur und die allgemeine Lage. Es geht um Romane, Filme und Romanverfilmungen, um neue und antiquarische Bücher, Katastrophennachrichten und um den alltäglichen Krieg. Ein Feuerwerk an Belesenheit und Witz.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
kurzweilig, unterhaltsam und lehrreich zugleich ? brillant! 5 von 5 Punkten Seit 1985 veröffentlicht Umberto Eco, Professor für Semiotik an der Universität von Bologna im italienischen Wochenmagazin "L'Espresso" die Kolumne "La Bustina di Minerva", in der er über Gott und die Welt plaudert, referiert, anklagt und an den schriftstellerischen Pranger stellt; phasenweise hat die "Die Zeit" diese Glossen, Parodien und Kurzgeschichten auf deutsch als "Streichholzbriefe" veröffentlicht. Er zeigt uns in diesem Sammelband, der Artikel der Jahre 2000 bis 2006 einschließt, wie viel Klugheit und Weisheit man entfalten kann, wenn man sich mit auch noch so trivialen Dingen beschäftigt. Diese Anthologie - ironisch und intelligent, scharfsinnig und unterhaltsam, philosophisch und heiter, nachdenklich und betroffen machend - die nicht vom Autor selbst, sondern vom Übersetzer Burkhart Kroeber zusammen gestellt wurde, erhellt Ärgernisse des Alltags, liebenswerte Untugenden seiner Mitmenschen und alle Arten von Zeitgeist-Phänomenen. Mit diesem essayistischen Sammelsurium manifestiert Umberto Eco wieder einmal seinen Ruf, einer der markantesten und unterhaltsamsten Kommentatoren unserer Alltagswelt zu sein. Er betrachtet in seinen scharfzüngigen Essays, Glossen und Parodien die Politik, die Kultur und einfach die ganz allgemeine Lage unserer Welt. Es geht um Romane, Filme und Romanverfilmungen, um neue und antiquarische Bücher, um den alltäglichen Krieg und um Katastrophennachrichten. Wer sonst als Umberto Eco, der Philosoph, Schriftsteller, Spurenleser und glänzende Parodist, wäre imstande, uns einzelne Phänomene so prägnant und präzise und mit einer solchen Leichtigkeit und schriftstellerischen Brillanz zu erklären? |
Zur gleichen Zeit. Aufsätze und Reden Reinhard Kaiser, Anne Jump, Susan Sontag, Paolo Dilonardo Gebundene Ausgabe, 8. März 2008 Verkaufsrang: 314323 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Jeder der Texte des Buches hätte vor dem unbestechlichen Urteil der Autorin bestanden. Sie legen eben die Qualitäten an den Tag, um deretwillen Sontag berühmt wurde: Neugier, Klarheit, Intelligenz." Andreas Dorschel, Süddeutsche Zeitung, 03.04.08 "Mit ihren Porträts, Einblicken in die LEbensgeschichten der Autoren und mit ihren Einführungen in Titel wie Leonid Zypkins Roman "Ein Sommer in Baden-Baden" (...) gelingt es Sontag, dass man die besprochenen Bücher umgehend zur Hand nehmen will." Sigried Weigel, Neue Zürcher Zeitung, 27.04.08 "Man spürt hier die glühende Unbedingtheit, die Susan Sontags Persönlichkeit ausmachte - und die auch in diesem letzten Essayband ein unbeirrbares Echo wirft." Andrea Köhler, Neue Zürcher Zeitung, 05.08.08 "Die Sammlung zeigt den Weitblick der zwischen engagierter Publizistik und ambitionierter Dichtung oszillierenden Intellektuellen, was eine Gewinn bringende Lektüre-Empfehlung für ihre ebenso breit wie different augestellte Leserschaft impliziert. (...) Susan Sontag ist die hinreißend Widerspenstige einer derart raumgreifenden Literatur." Oliver Ruf, Die Furche, 14.08.08 "Diese existenzialistische Intellektuelle hat das Sujet der Schönheit geradezu manisch umkreist und in einzigartiger Weise handhabbar gemacht. ... Die Sammlung zeigt den erschreckend hellsichtigen Weitblick der zwischen engagierter Publizistik und ambitionierter Dichtung oszillierenden amerikanischen Stardenkerin. ... (Es) wird diesem sontagschen Hin-Schauen ein wahrhaft schöngeistiges Denkmal gesetzt. ... Mit Goethes "Faust" formuliert: Die Schriftstellerin Susan Sontag erkennt, was die Welt im Innersten zusammenhält." Oliver Ruf, Der Bund, 23.09.08
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Literatur ist Freiheit - wir brauchen sie, um unsere Welt zu erweitern. Letzte Texte einer außergewöhnlichen Intellektuellen 5 von 5 Punkten "Mit Susan Sontag ehren wir eine Schriftstellerin, deren erzählendes und essayistisches Werk den Begriff und den Wert der westlichen Kultur untersucht und verteidigt. Mit großer analytischer Schärfe hat sie seit den sechziger Jahren die Ausprägungen der dynamischen Alltagskultur und ihre Bedeutung für unsere Vorstellung von Modernität und Freiheit beschrieben. Durch ihre Arbeit, die nie das europäische Erbe aus dem Blick verlor, ist sie zur prominenten intellektuellen Botschafterin zwischen den beiden Kontinenten geworden." Als sie mit dieser Begründung des Stiftungsrates 2003 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, war ein bewegtes intellektuelles Frauenleben schon fast zu Ende gegangen. Ende 2004 starb eine Frau, deren Leben und Schreiben in Amerika immer wieder für großes Aufsehen sorgte und mehrmals nicht unwesentliche Diskurse anschob. Dabei blieb sie immer widersprüchlich, wechselte ihre Meinung, wenn sie das für nötig hielt, und ließ sich zu keiner Zeit in irgendeinen Mainstream einordnen. Nach dem 11.September 2001 wurde das noch einmal ganz deutlich, als sie sich zunächst, in Berlin weilend, jedem Kommentar verweigerte, dann aber einen Text vorlas, in dem sie wie andere linke Intellektuelle nach ihr auch, einen Zusammenhang zwischen den Terroranschlägen und der globalen Politik der Vereinigten Staaten herstellte. Eine große Mehrheit der liberalen Amerikaner reagierte mit großer Empörung, und auch ich habe das damals nicht verstanden. Später allerdings revidierte Susan Sontag einiges von ihren Aussagen, um aber umso heftiger gegen den Angriff der USA auf den Irak zu polemisieren. Als sie ihr letztes Buch mit dem Titel "Das Leiden der anderen betrachten" veröffentlichte, kehrte Susan Sontag gegen Ende ihres bewegten Lebens wieder zu ihrem ureigensten Genre, dem Essay, zurück. Das zentrale Thema dieses letzten Buches ist die Rolle der Kriegsfotografie im zivilen Verständnis von militärisches Gewalt und deren menschlichen "Kosten". In gewisser Weise knüpft sie damit an an ihren 30 Jahre vorher erschienen Band "Über Fotografie". Arturo Perez-Reverte hat jüngst in "Der Schlachtenmaler" diese Diskussion in Form eines genialen Romans geführt. Der vorliegende Band von Aufsätzen und Reden von Susan Sontag, von Reinhard Kaiser übersetzt und mit einem Vorwort des Sohnes von Susan Sontag, David Rieff versehen, gibt einen guten Überblick über ihr Schaffen und ihre Gedanken der letzten Lebensjahre. Die Texte stammen ausnahmslos aus den ersten Jahren der neuen Jahrtausends, unter anderem ist ihre schon erwähnte Auseinandersetzung mit der amerikanischen Politik und Öffentlichkeit nach dem 11.9. 2001 in mehreren Aufsätzen dokumentiert. Absolut lesenswert ist ihre Dankesrede Literatur ist Freiheit", die sie bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2003 in Frankfurt gehalten hat. Susan Sontag erlag dem Krebs, einer Krankheit, mit der sie ein Leben lang kämpfte und der sie 1978 in "Krankheit als Metapher" (deutsch 1981) ein eigenes Buch gewidmet hatte, das damals eine große Rezeption hatte, weit über ihre sonstigen Leserschichten hinaus. Susan Sontag war eine ganz außergewöhnliche Intellektuelle, wie es sie so wohl nur in den USA geben kann. Ein Rezensent in Amerika beschrieb die Qualität und die Aura ihrer Texte der letzen Lebensjahre so: "Die Melancholie und die gelegentlich bittere Weisheit von Susan Sontags letzten Schriften entstammen eher einer leidenschaftlich engagierten amerikanischen als einer europäischen Sensibilität - eine Sensibilität, die nicht nur aus der Vergangenheit gelernt hat, sondern auch, indem sie sich heftig mit der Gegenwart auseinandersetzt, die Zukunft zu erraten vermag." Ja, wir brauchen die Literatur um unsere Welt zu erweitern, wie sie einmal geschrieben hat.
|
Campo Santo Winfried G. Sebald Broschiert, Dezember 2005 Verkaufsrang: 172126 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 14.10.2003 Der Band hält nicht, was die Verlagswerbung verspricht, stellt Oliver Pfohlmann fest. Versprochen wurden Fragmente des großen Romans, an dem W.G. Sebald zum Zeitpunkt seines Todes vor anderthalb Jahren arbeitete, informiert Pfohlmann, stattdessen enthält der Band im ersten Teil die (bereits verstreut publizierten) Entwürfe zu einem Buch über Korsika, ein Projekt, das Sebald 1996 bereits aufgegeben habe. Dennoch sei ihre Publizierung begrüßenswert, meint der Rezensent, auch wenn sie sich nicht zu einem Ganzen fügen wollten. Diese Texte Sebalds lesen sich wie "letzte Grüße an seine Leser", schreibt Pfohlmann, zumal sie sich teilweise mit den Begräbnisritualen der Korsen befassen. Im zweiten Teil des Bandes kommt dann der Germanist Sebald mit verschiedenen Reden, Vorträgen, Rezensionen und Essays zur Sprache. Vor allem aber in seiner "empathischen" Auseinandersetzung mit Autoren wie Peter Handke, Alexander Kluge, Wolfgang Hildesheimer oder Jean Amery nähme die Sebaldsche "dokumentarische" Ästhetik Gestalt an, die von vornherein um die Themen Trauer, Erinnerung, Zerstörung kreiste, so Pfohlmann. Auch hier käme der "unverwechselbare Sebald-Sound" zum Klingen, der die Grenze zwischen Literatur und Wissenschaft so unnachahmlich aufhebe, was eben nicht nur für Sebalds Prosa, sondern auch für seine literaturwissenschaftlichen Texte gelte, schwärmt Pfohlmann. © Perlentaucher Medien GmbH Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 11.10.2003 Burkhard Müller ist sehr beeindruckt von W. G. Sebalds nachgelassenen Schriften: Dies ist kein sprachlicher "Sperrmüll", wie es sonst so oft bei nachgelassenen Schriften der Fall sei, erklärt Müller. Er hat hier vielmehr kluge, aufschlussreiche Texte gefunden, die ihm sogar die Idee einer "wahren Traditionslinie der Einzelnen" - in etwa: Weiss, Sebald, Kluge und hoffentlich Folgende - eingegeben haben, gegen die "fortdauernde Dominanz der Gruppe 47". Der Grund dafür ist, dass sich Sebald in seinen Essays, die neben Reisestücken über Korsika und vor allem über den dortigen Totenkult dieses Buch füllen, sehr stark mit der deutschen Nachkriegsliteratur auseinandersetzt und den Mangel an wirklicher, ehrlicher Erinnerung beklagt. Diejenigen, die es doch getan haben (Sebalds Beispiele: Weiss, Améry, Hildesheimer), die "Entflohenen und irreparabel Beschädigten", mögen dabei auch von Ressentiments geprägt gewesen sein, doch seien ihre Werke für Sebald einem wirklichen Ringen mit der Vergangenheit entsprungen - im Gegensatz zu "einer leichtfertigen Verallgemeinerung, einer billigen Abfuhr der Katastrophe" deren er Böll und vor allem Grass bezichtige, dessen "Denkfaulheit" und so wohlfeile wie selbstgerechte "Gedenkerei" er ausführlich darlege. Müller stimmt ihm von Herzen zu und lobt den "gewissenhaften Ernst", die "knappe Schärfe" der Sebald'schen Gedanken. © Perlentaucher Medien GmbH
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Weit mehr als eine Nachlaßsammlung 5 von 5 Punkten Als W.G. Sebald 2001 bei einem Autounfall tödlich verunglückte, starb einer der größten deutschen Gegenwartsautoren. Das in zwei Teile gegliederte Buch "Campo Santo" sammelt die bei seinem Tode noch nicht veröffentlichten Stücke, darunter ein Romanfragment, eine Erzählung über Korsika und einige kurze Prosastücke im Ersten. Den zweiten Teil bildet eine Sammlung von Artikel und Essays Sebalds, die noch nicht in Buchform erschienen sind. Mehrere kleine Meisterwerke über Nabokov, Handke und Kafka und einen weiteren Text zu seinem großen Thema "Luftkrieg und Literatur", die dieses Buch zu weit mehr als einer bloßen Nachlaßsammlung machen, sondern erneut Zeugnis von Sebalds großem literarischen Können ablegen. |
... aus der Todeszelle: Live from Death Row Mumia Abu-Jamal Taschenbuch, Juni 2005 Verkaufsrang: 169260 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Ein in einem rassistischen Schnellverfahren zum Tode verurteilter schwarzer Journalist schreibt weiter 5 von 5 Punkten Hauptkapitel: "Leben in der Todeszelle" - "Verbrechen und Strafe" - "Gedanken, Erinnerungen und Zukunftsvisionen". Enthält viele Informationen über den Rassismus und seine Entwicklung im Rechtsapparat der USA. Großartige Essays, ein paar machen traurig, andere machen wütend. Dieses Buch hat viele Menschen bewegt, und trug mit dazu bei, daß sich die Zustände in manchen US-Gefängnissen wenigstens etwas verbesserten.
Super Buch!! 5 von 5 Punkten Mumia Abu-Jamal, ein schwarzer Radiojournalist, sitzt seit mehr als 19 Jahren, 23 Stunden am Tag wegen nichtbewiesenem Mord an einem weissen Polizisten in einer Todeszelle in Philladelphia (USA). Sein Name steht für all die 3600 Gefangenen, die in den USA auf ihren Tod warten. Er erzählt vom Alltag im Todestrakt, vom alltäglichen Wahnsinn des Strafvollzugs in einem Land, das mehr Menschen eingeknastet hat als jedes andere. Er schrieb in diesen 19 Jahren 2 Bücher. Eines davon, das erste, heisst "Aus der Todeszelle..." (From Death Row). In diesem Buch beschreibt Mumia den Alltag im "SCI GREENE", dem Hochsicherheitsgefängnis in dem er momentan sitzt..Das Buch wurde 1995 geschrieben. Mumia schieb es teilweise mit seinem eigenen Blut. Nach der erscheinung dieses Buches das er illegalerweise aus dem Hochbewachten Gefängniss schmuggeln und Veröffentlichen lies bekam Mumia (geboren als Wesley Cook) ein Disziplinarverfahren von der Gäfingnisleitung, Schreibverbot und ausserdem durften ab da unter anderem von Mumia keine Fotos oder Tonaufnahmen bei Besuchen mehr gemacht werden. Die Sicherheitsstufe wurde verschärft. Obwohl körperlicher Kontakt mit Besuchern durch starkes Panzerglas verhindert wird muss sich Mumia vor und nach jedem Besuch einer demütignen Leibesvisitation unterziehen. Trotzdem gelang es Mumia 2 weitere Bücher zu schreiben und sie Veröffentlichen zu lassen. Dieses Buch hat viele positive Kritiken bekommen. Katha Pollitt nannte dieses Buch in der Zeitung "The Nation" "Lesestoff von entscheidender Bedeutung für alle Gegner der Todesstrafe, aber auch für ihre Befürworter". Ich finde dieses Buch sehr interresant, es regt zum Nachdenken an.
Erschütterndes aus dem "Land der Freiheit" 5 von 5 Punkten Mumia Abu-Jamal : Sein Name steht für all die 3600 Gefangenen, die in den USA auf ihren Tod warten. Er erzählt vom Alltag im Todestrakt, vom alltäglichen Wahnsinn des Strafvollzugs in einem Land, das mehr Menschen eingekerkert hat als jedes andere. Man erfährt die Hintergründe der populistischen Justizgesetzgebung, von offen rassistischen Urteilen und politischen Gefangenen der schwarzen Widerstandsbewegung. Mumia vermittelt mit diesem Buch ein aufschreckendes Bild des amerikanischen "Rechtssystems", in dem nur derjenige Rechte hat, der entweder Geld oder eine weiße Hautfarbe hat. Mehr als ernüchternd, vor allem vor dem Hintergrund, dass die amerikanischen konservativen Kreise bis zum Schluss versucht haben, die Herausgabe dieses Buches zu verhindern, sowie der Misshandlungen, die Mumia nach dem Erscheinen des Buches über sich ergehen lassen musste. Pflichtlektüre für alle , die sich für Menschenrechte und den Kampf gegen Rassismus und Todesstrafe interessieren und engagieren bzw. engagieren wollen.
gefängniss-schreiben! 5 von 5 Punkten umfassende einführung in die von rassismus motivierte verurteilung von abu-jamal. der ex-black panther schreibt uns aus der todeszelle entsetzliche tatsachen direkt unter die augen, man kann nicht ausweichen, sondern ist gezwungen, der wahrheit zu horchen, die er über die gefängnissmauern in unsere dritten augen bläst! es ist der kampf eines poiltischen gefangenen des us-amerikanischen klassen- und rassenkampfes. er erzählt von den taten der polizei gegenüber schwarzen aktivisten, von tritten der cops, die ihn mit 15 zur black poanther party brachten, und davon, wie er seit jenem einstieg vom FBI durch akten verfolgt wurde. nach diesem buch ist eines klar: dieser schwarze mann, dem vorgeworfen wird, vor 18(!) einen weissen polizisten umgebracht zu haben, beteuert seine unschuld - und das zurecht! für jeden der sich für freiheit, den kampf gegen rassenjustiz, und das mehr als brüchige rechtssystem der USA interessiert, und den kampf der völker auf selbstbestimmung und den folgen des kolonialismus verfolgt, für den ist dieses buch mehr als interessant! öffnet eure augen für die wahrheit!
höchst lesenswert 5 von 5 Punkten In diesem Buch setzt sich Mumia mit Rassismus, dem Leben im Gefängnis, der Todesstrafe und der gegenwärtigen reaktionären gesellschaftlichen Entwicklung in den USA auseinander. |
Kleine Quittenkantate für Kastratensopran und Querflötenquintett: Nüchtern betrachtet: 78 pflegeleichte Kolumnen und vier voll fette Vorworte Klaus Nüchtern Taschenbuch, 1. Februar 2005 Verkaufsrang: 272388 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Kolumne "Nüchtern betrachtet" erscheint seit 1993 in der Wiener Stadtzeitung "Falter". Nach dem großen Erfolg der ersten zwei Kolumnenbände erscheint nun der dritte Band im Falter Verlag: "Kleine Quittenkantate für Kastratensopran und Querflötenquintett". Der nebenberuflich auch als stellvertretender Chefredakteur des Falter arbeitende bekennende Lederwesten-mit-Strickärmeln-Fan Klaus Nüchtern gibt mit der äKleinen Quittenkantate für Kastratensopran und Querflötenquintett" Einblick in eine Welt der rätselhaften Phänomene (ä54 Mädchenbeine auf meinen Zehen"); verrät nutzlose Details (äDie Haare der Kommissare"); schweift aus- und ab (äSemantik, Sympathie und Sahnetorte") und beglückt mit fröhlichen Neologismen (äSchelle, Flonder, Hacht und Ruchen"). Im Übrigen ist in seinem dritten Kolumnenband nachzulesen, dass Nüchtern seinen Ernährungsgewohnheiten (Schwarzbrot, Gin-Cocktails, tierische Fette) treu geblieben ist. "Falter"-Leser und Fans der seit 1993 wöchentlich im "Falter" erscheinenden Kolumne "Nüchtern betrachtet" wissen, was sie zu erwarten haben. Für alle anderen öffnet der dritte Kolumnenband von Klaus Nüchtern das Tor zu einer Welt des schrägen Humors, neuer Erkenntnisse, voll von "Schmalz und anderen suprigen Substanzen".
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Kolumnistische Kronjuwelen 5 von 5 Punkten Woche für Woche kann man Klaus Nüchterns Kolumne "Nüchtern betrachtet" in der Wiener Stadtzeitung "Falter" lesen und so ein wenig in seine Welt eintauchen. Seine Welt ist irgendwie anders als die der meisten Menschen, die man so kennt, aber das mag vielleicht auch nur daran liegen, dass er die Dinge, die ihm wichtig sind, im Unterschied zu den meisten Menschen aufschreibt und sie mittels Zeitung uns zu Gesicht bringt. In seinem Universum gibt es eine übergroße Reisetasche, das Buckelwalbag, da gibt es Neigungsgruppen für den Verzehr tierischer Fette, Lobhudeleikolumnen auf Berlin und andere kolumnistische Kronjuwelen, die gerne in samtigen Stabreimen verpackt der Leserschaft zur Betrachtung gereicht werden. Ich persönlich mag die manieristische Magie, die diese Kronjuwelen in hellem Glanz erstrahlen läßt - mir ist aber klar, dass an diesem spielerischen Umgang mit Sprache nicht jeder Gefallen finden kann. Ja, und dann gibt's natürlich noch die ungeduldigen Menschen. Die, die nicht Woche für Woche warten wollen, um sich in Nüchterns Welt Stück für Stück einzulesen. Die ganz viel auf einmal haben wollen. Genau für die ist die "Kleine Quittenkantate" mit ihren 76 gesammelten Kolumnen. Ich bin einer dieser ungeduldigen Menschen - und überglücklich mit meinem Einkauf.
Hm 4 von 5 Punkten Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen, weil mir nach leichter und unterhaltsamer Lektüre war, ich in dieser Stimmung aber immer noch nicht in der Lage bin, Ärzteromane oder dergleichen zu lesen. Und dafür war es genau das Richtige. Es ist für alle interessant, die noch mit einem Fuß in der Jugend stehen, mit dem anderen schon in den Dreißigern. Sie können hier in den Spiegel schauen und an all den Dingen teilhaben, die der Held so durchmacht und die eben jeder mal durchgemacht hat. Sprachlich ist es aber nicht so hervorragend, daß man es zu einem Kultbuch stilisieren muß. Eigentlich ist es genau das Buch, daß jeder mal mit Anfang zwanzig angefangen hat, um seine Suffexzesse und seine erste Liebe zu verarbeiten - um dann allerdings nach den ersten zwei Seiten aufzuhören, weil man sein Unvermögen zu schreiben entdeckt. Bzw seine Geschichte doch nicht für so interessant hält, wie man noch zuvor dachte. Also, ich sag mal: Der künstlerische Wert ist nicht allzuhoch anzusiedeln -wiewohl es durchaus poetische Momente gibt, denen freilich nie die entscheidende zu holprige oder pathetische Tendenz abgeht-, der Wiedererkennungs- und damit Spaßfaktor schon. |
Essais und Tagebuch der Reise. 4 CDs: Otto Sander liest Montaigne Michel de Montaigne Audio CD, 23. Juni 2005 Verkaufsrang: 328236 Essais und Tagebuch der Reise. 4 CDs AV Otto Sander liest Montaigne
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Der Wert der Dinge liegt in sich Selbst 5 von 5 Punkten Alle Achtung Otto Sander. Wer das Buch kennt, weiß wie schwer es ist es durchgängig zu lesen,da es mich anregt, als Protagonist meine eigene Philosophie in eine zügellose Landschaft zu fügen. Philosophie ist die Hingabe des Geistes und so liegt die jeweilige Interpretation im Leser selbst. Er missachtet selbst die künstlich und aufgeblähte Metamorphose eines dürren Geistes, welcher nicht vermag mit eigenem, natürlichen Wortlaut die Welt mit Mannigfaltigkeit zu färben.Montaigne selbst meinte, dass die Weisen mehr von Narren lernen, als die Narren von den Weisen. Wäre der Versuch demzufolge nicht töricht, den Wortlaut Montaigne´s kopieren zu wollen. In der Philosophie liegt der Wert im Wort und so finde ich es halt beachtenswert ein solches Werk in all seiner Schaffenskraft widerzugeben. Es ist ein sehr gutes Werk für jedes subtile Auge und für Alle, welche Aufgrund gesellschaftlicher "Maßregelungen" wenig Zeit haben, sich seiner Niederschriften zu bedienen.
Langweilig vorgetragener Montainge 1 von 5 Punkten Schauspieler zu haben, die eine schöne Stimme haben, ist das eine, Otto Sander gehört zweifellos dazu. Seine Stimme ist dunkel, sein Tonus ruhig. Ich könnte mir vorstellen, dass er geeignet wäre, etwa den "Herbsttag" von Rilke vorzutragen, käme es aber zum "Panther" wäre er gänzlich ungeeignet, da gingen Klaus Kinski oder Udo Lindenberg (der tatsächlich dieses Gedicht hervorragend gesungen hat). Mit Freude habe ich gesehen, dass einige Texte aus Montaignes Essais als Hör-CD erhältlich sind, und kaufte sie einem Freund, den ich dafür gewinnen wollte. Als ich sie vor der Übergabe begutachtete, gelang es mir nicht einmal, das erste Stück "Über die Erfahrung" fertig zu hören. Otto Sanders Stimme schläfert ein, er liest in einem gleichmässig ruhigen Ton ohne Intonation, die Sätze Montaignes dagegen sind atemlos, mäandrierend, aufmüpfig. Durch alles hindurch zeigt er anhand von sich, welcher Dummheit er und die Menschheit noch mehr verfallen ist. Da ist viel Witz und Sarkasmus dabei, Erregung bis hin zum Zorn. Nichts von alldem erscheint in Otto Sanders Darbietung, die weder Darstellung noch Interpretation genannt werden kann. Es müsste dafür ein Erzähler aus Natur ausgewählt werden, ein Abenteurer, ein Lebemann, ein witziger und scharfer Geist, vom Naturell eines Dürrenmatt, die nicht in erster Linie durch eine schöne, dunkle, männliche Stimem glänzen, sondern durch ihren revolutionären Geist. Solche Leute müsste es doch auch heutzutage geben! |
|








|