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| Zeitgenössische Literatur | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Die Vermessung der Welt Daniel Kehlmann Broschiert, 29. Februar 2008 Verkaufsrang: 93 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Das Verfahren ist bekannt und bewährt: Man nehme einen Denker aus der deutschen Geistesgeschichte und schlage literarischen Profit aus dessen Verschrobenheit. Ganz vorzüglich ist das beispielsweise Gert Hofmann mit Georg Christoph Lichtenberg in Die kleine Stechardin gelungen. Bernhard Setzwein hat mit Nicht kalt genug einen vorzüglichen Nietzsche-Roman vorgelegt, und Klaas Huizing widmete sich in Das Ding an sich auf hoch vergnügliche Weise dem Königsberger Philosophen und Kant-Vertrauten Johann Georg Hamann. Nun versucht sich auch Daniel Kehlmann erfolgreich an diesem Genre und porträtiert in seinem Roman gleich zwei deutsche Geistesgrößen: Das Mathematikgenie Carl Friedrich Gauß und den Universalgelehrten und großen Naturforscher Alexander von Humboldt. Im Zentrum steht ein Treffen der beiden 1828 in Berlin, auf einem Naturforscherkongress, für den Gauß nur sehr widerwillig sein Göttingen verlässt. Die zwei Großdenker haben sich beide auf ihre eigene Weise der Vermessung der Welt gewidmet, kommen sich aber nur zaghaft näher. Der Roman kann sich auf knapp 300 Seiten Leben und Werk der beiden allerdings nur schlaglichtartig widmen, eher skizzenhaft und sehr kurzweilig erleben wir wichtige Stationen ihres Schaffens in einer geschickten Mischung aus Fakten und Fiktion: Humboldt auf seinen strapaziösen Exkursionen nach Südamerika, Gauß dagegen eher zerrissen zwischen der hehren Welt der Zahlen und dem schnöden Alltag, denn auch ein Genie hat Zahnschmerzen und muss sich mit Frau und Kindern herumplagen. Die Komik des Romans speist sich dabei nicht nur aus den ironisch beleuchteten Charakteren von Gauß und Humboldt, sondern auch aus der Spannung zwischen Größe und Lächerlichkeit. Humboldts große Forschungsreise nach Russland etwa gerät zur Farce, weil er schon zu berühmt ist: die ganze Expedition gerät zur Massenveranstaltung mit über 100 Teilnehmern, und statt zu Forschen verbringt Humboldt die meiste Zeit auf Empfängen. Am Ende kann man Daniel Kehlmann gleich doppelt gratulieren: Zu diesem ebenso unterhaltsamen wie niveauvollen Roman -- und zur Nominierung von Die Vermessung der Welt zum in diesem Jahr erstmals verliehenen Deutschen Buchpreis. --Christian Stahl
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 281 Bewertungen)
Gutes Buch mit historischem Hintergrund 5 von 5 Punkten Die Vermessung der Welt
Ich hatte das Buch auf einer Bestellerliste gesehen, und habe es mir darauf hin gekauft.
Das Buch handelt von den beiden Personen Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt. Der eine ein Mathematiker und Gegner von großen Reisen, der andere ein Mensch, der in seiner Kindheit im Schatten seines Bruders stand und dadurch die Weite der Welt sucht.
Die Geschichte beginnt damit, dass Alexander von Humboldt Hr. Friedrich Gauß zu einem intellektuellen Treffen einlädt. Und genau hier beginnen die Rückblenden der beiden Protagonisten.
Die Reisen von Alexander von Humboldt sind sehr witzig und angenehm zu lesen. Auch der inhärente, aber unausgesprochene Konflikt mit seinem Kompagnon Bonpland wird im Buch sehr bildlich und stellenweise auch witzig wiedergegeben.
Hr. Gauß wird von seinem Sohn begleitet. Hier entspringt ein Konflikt zwischen Vater und Sohn. Friedrich Gauß kämpft damit, dass sein Sohn nicht das geistige Niveau seiner selbst erreicht. Dies gibt er auch öfters seinen Sohn verständlich zu verstehen.
Das Buch ist auf jeden Fall eine Empfehlung für einen verregneten Tag.
Ein Hinweis sollte aber noch erwähnt werden. Das Buch entfaltet nur für jene die volle Kraft, die einen Überblick über die zum damaligen Zeitpunkt gültigen Thesen und bekannten Persönlichkeiten wissen haben.
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Chuzpe Lily Brett Broschiert, 21. November 2007 Verkaufsrang: 1661 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ruth kann nicht begreifen, daß ihr Vater Edek, vor wenigen Wochen erst von Melbourne zu ihr nach New York gezogen, weit davon entfernt ist, einen ruhigen Lebensabend zu verbringen. Und daß Lebensabend überhaupt der falsche Begriff ist für den munteren Siebenundachtzigjährigen, der sich erst in Ruths Korrespondenzbüro nützlich zu machen versucht und wenig später ein Verhältnis beginnt mit der (viel zu jungen, wie Ruth findet) Polin Zofia (69). Als Edek zusammen mit Zofia und deren Freundin Valentina auch noch ein Restaurant an der Lower Eastside eröffnen will, das auf polnische Fleischbällchen spezialisiert ist, bangt Ruth gleichermaßen ums Erbe und um ihre Nerven.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)
Die wunderbare Welt von Edek 4 von 5 Punkten Ruth Rothwax, die in New York einen gutgehenden Briefservice führt, holt ihren siebenundachtzigjährigen Vater Edek von Australien zu sich. Oder eher gesagt: Er bricht wie ein Orkan in ihr Leben ein. Auf sich selbst gestellt, denn ihr Mann ist beruflich unterwegs, erträgt sie tapfer die immer neuen Einfälle des Mannes, der einst den Holocaust überlebt hat, und der sich durch einen gesegneten Appetit, die Liebe zu einfach gestrickten Krimis und immer neue Ideen auszeichnet. Täglich treffen die Bestellungen, die Edek tätigt, in Ruths Firma ein, überflüssiges Büromaterial, ein riesiger Klopapiervorrat, ein vollautomatischer Staubsauger.
Durch die neurotische Wahrnehmung Ruths steigert sich das Verhalten des Vaters ins Groteske. Das familiäre Trauma hat sich in ihr festgesetzt, ihr zögerlicher und ängstlicher Charakter lässt sie den Vater erleben wie eine besorgte Mutter den pubertären Sohn: Was wird er als nächstes wohl anstellen? Diese Umkehrung der Rollen macht das ganze Geschehen so komisch, und als der Vater seine Urlaubsbekanntschaften aus Polen, die in der Greencard-Lotterie gewonnen haben, in seine Wohnung einziehen lässt, fällt Ruth endgültig die Rolle der Spielverderberin zu. Ihre Befürchtungen sind durch die Kunst der Wiederholung und der Steigerung von Banalitäten zu Lebensfragen genauso lustig wie das unbeschwert vitale und herzerweichend naive Verhalten des Vaters.
Wirklich, hier geschehen, wie es der Klappentext verspricht, wahre Wunder. Mit ihrer anrührenden und zugleich komischen Geschichte provoziert Lily Brett kein Lachen, das im Hals stecken bleibt, sondern eins, das befreit.
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Die dunkle Seite des Mondes Martin Suter Taschenbuch, Dezember 2001 Verkaufsrang: 415 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Auch bei seinem zweiten Roman hat sich Martin Suter ein psychologisch interessantes Thema ausgewählt. Während in Small World ein an Alzheimer Erkrankter im Mittelpunkt steht, geht es in Die dunkle Seite des Mondes um einen Mann, dessen Gewissen nicht mehr funktioniert. Urs Blank, fünfundvierzig und als Wirtschaftsanwalt in einer angesehenen Kanzlei sehr erfolgreich, erwischt die Midlife-Crisis mit voller Wucht. Sein beruflicher Erfolg erscheint ihm abgestanden, seine Ehe ist über die Jahre schal geworden. Da trifft er eines Tages Lucille, die einen Flohmarktstand mit indischen Räucherwaren und billigen Seidentüchern betreibt. Urs ist von ihr hin und weg. In seiner unbändigen Lust auf Abenteuer und Abwechslung, fährt er mit Lucille zu einem Selbsterfahrungs-Wochenende, um die Wirkung halluzinogener Pilze auszuprobieren. Doch der Trip wirft Urs völlig aus der Bahn. Er ist nicht weiter in der Lage, seine Aggressionen zu kontrollieren, Gefühle kennt er überhaupt nicht mehr. Plötzlich ist er mit seiner eigenen "dunklen Seite" konfrontiert. Urs bemerkt seine Veränderungen, kann sich ihrer jedoch nicht erwehren und zieht sich immer mehr in den Wald zurück. Hier findet der ehemalige Stadtmensch jetzt Schutz und kennt das undurchdringlichste Dickicht bald so gut, wie früher die Hosentaschen seines Armani-Anzugs. Währenddessen wird er von der Polizei wegen Mordes gesucht. Martin Suter hat einen außerordentlich guten psychologischen Roman geschrieben, der auf der ganzen Linie überzeugt. Die raffiniert gesetzten Thriller-Elemente sind dabei nur stimmiges Dekor. -- Manuela Haselberger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 79 Bewertungen)
Suter in Bestform! 5 von 5 Punkten Wie konnte sich dieser Autor so lange vor mir verstecken? Das ist die Frage, die mich beschäftigt. Nach Lila,Lila und Der perfekte Freund geriet mir jetzt Die dunkle Seite des Mondes in die Finger. Ein absoluter Lesespaß, mit dem uns der Schweizer Autor beglückt. Spannend, interessant, lustig, makaber, detailgetreu und mit Weiterleseansteckungsgefahr. Was sollte ein Buch noch mehr bewirken?
Urs Blank ist Wirtschaftsanwalt einer Schweizer Topkanzlei. Sein Leben sind Paragraphen, Wirtschaftsverträge, Verhandlungen mit Wirtschaftsbossen, Firmenverschmelzungen, Übernahmen, und...und...und...
Blanks Privatleben ist dabei nur halb so interessant. Die Ehe ist so gut wie zerbrochen und auch ansonsten ist eher tote Hose angesagt. Da trifft er eines Tages Lucille, eine junge Hippie-Verkäuferin auf einem Flohmarkt. Halb so alt wie Urs, aber doppelt so interessant. Er bändelt mit ihr an und beginnt ein Verhältniss. Lucille schleppt ihn an einem freien Wochenende auf eine Pilzparty. Dort geben sich Blank und seine neuen Freunde dem Genuß psychodelischer Pilze hin. Ein Experiment, dass für Blank nicht nur mit einem völlig neuen Rauschgefühl, sondern auch der kompletten Umkrempelung seiner Psyche endet. War Urs vorher eher zurückhaltend und kompromissbereit, so muss er jetzt plötzlich feststellen, dass er so etwas wie ein Gewissen nicht mehr besitzt. Steht im etwas im Weg, beseitigt er es, ohne großes Wenn und Aber. Das fällt nicht nur Lucille, sondern auch Blanks Ex und seinem Freund, dem Psychiater Wenger auf. Sie wollen Urs helfen, aber da ist es schon zu spät. Blank baut Mist, und zwar gewaltig. Gleichzeitig entdeckt er seine Vorliebe für den Wald, entschwindet der normalen Welt und verzieht sich als Einsiedler in die Wälder der Schweiz. Dort versucht er mit allen Mitteln, sein Gewissen zurück zu erlangen. Dabei ist ihm auch ein Angriff auf seine ehemaligen Arbeitgeber und Geschäftsfreunde recht. Die fassen das jedoch als Gefahr für sich auf. Und so beschließt der Großindustrielle und passionierte Jäger Pius Ott, sich des Problems Urs Blank auf seine Art und Weise zu entledigen. Er begibt sich auf die Jagd nach dem Waldmenschen Blank. Doch nicht nur er bläst zum Halali, auch die Kantonspolizei hat Blanks Spur inzwischen aufgenommen. So kommte es zum Showdown im Buchenwald. Ein absoluter Wahnsinn!
Martin Suter zieht die Fäden der Spannungsspirale von der ersten bis zur letzten Seite perfekt enger. Die Figuren der Geschichte sind unkonventionell und skuril, ein Cocktail der unterschiedlichsten Menschen, die man sich vorstellen kann. Dabei variiert Suter die Stränge der Handlung, dass man sich manchmal an Apocalypse now und ein paar Seiten später an einen biederen Wirtschaftskrimi erinnert fühlt. Das hat wirklich Klasse und lässt sich hervorragend lesen.
Martin Suter: Ein Name, den ich mir merken werde. Was ich bisher zu lesen bekam, war vom Feinsten. Ich bin gespannt, ob das so weiter geht.
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Small World Martin Suter Taschenbuch, Oktober 2000 Verkaufsrang: 487 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Das Leben des reichen Fabrikantensohns Thomas Koch und das seines ärmlichen Freundes aus Kindertagen, Konrad Lang, hat sich nie sehr weit auseinander entwickelt. Konrad war stets zur Stelle, wenn Thomas nach ihm verlangte. Mittlerweile sind die beiden sechzig und Konrad hat immer mehr Probleme mit seinem Kurzzeitgedächtnis. Nachdem er das Ferienhaus der Familie Koch aus Unachtsamkeit abbrennen ließ, reist er zu Thomas, da ihn immer mehr Kindheitserinnerungen plagen. Die betagte Mutter von Thomas, Haupt der Familie und unumschränkte Alleinherrscherin, möchte um keinen Preis, daß die Vergangenheit nochmals heraufbeschworen wird -- aus gutem Grund. Small World ist ein verwickeltes Familiendrama, das bis in die Zeit des Nationalsozialismus reicht, eine medizinische Fallstudie über Alzheimer und nicht zuletzt ein spannender Thriller. --Manuela Haselberger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 65 Bewertungen)
Ein gnadenloser Schreiber! 5 von 5 Punkten Martin Suter schafft hier zwei Phänomene miteinander zu verbinden: für mich eine ganz neue Art von Literatur, sensibel, Wortgewandt und gleichzeitig ein Aufbau von Spannung das ich heute alle Termine absagte und erst aus der Tür ging, bevor ich das Buch fertig gelesen hatte.
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Garp und wie er die Welt sah John Irving Broschiert, Juni 2008 Verkaufsrang: 281 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Garp war von Natur aus ein Geschichtenerzähler", sagt der Erzähler in John Irvings packendem Roman, und meint damit den Protagonisten des Buches, den Romanautor Garp, der mit Irving einiges gemeinsam hat. "Er konnte sich eine Sache nach der anderen ausdenken, und alles paßte irgendwie zusammen." In Irvings Klassiker (so bezeichnet in einer Ausgabe des amerikanischen Verlages Modern Edition und mit neuem Vorwort des Autors) gibt es viele verrückte Charaktere und grotesque Szenen, und dennoch ist jede Szene irgendwie realistisch und jede Person irgendwie lebendig. Zwar finden sich sicher viele Romanautoren aus Irvings Generation, die einen Roman mit einem Romanautor als Protagonisten besetzt haben, dessen Leben und Bücher sich sowohl gegenseitig als auch im vorliegenden Buch spiegeln. Transsexuelle Football-Spieler, Revolverhelden, die sich gegenseitig das Hirn rausschießen, mehrfacher Ehebruch, Bären auf Einrädern, wahnsinnige Feministinnen, die sich die Zunge aus Mitgefühl mit dem gefeierten Opfer einer scheußlichen Vergewaltigung abschneiden -- bei Irving jedoch werden sie alle zu Menschen. Selbst der Bär paßt ins Buch. In einer Schlüsselszene verführt Garps Frau gerade einen jungen Mann, als Garp seine jungen Söhne mit einem rücksichtslosen Autotrick erfreut (eine der wenigen Szenen, die auch in der Filmversion auf wunderschöne, unheimliche und herzzerbrechende Weise realisiert sind). Viele Autoren wären schon mit der Situationskomik zufrieden gewesen, doch bewahrt Irving die Ganzheit dieser Szene, indem der Rest des Buches darauf aufbaut. Die Frage, wie es der Autor schafft, mit solch einer tödlichen Mischung aus Slapstick und Horror bei den Lesern durchzukommen, läßt sich nur folgendermaßen beantworten: das Buch spiegelt genau das wieder, was wir tagein tagaus erleben, mit dem Unterschied, daß Irving eine Kunst daraus macht. In den Worten von Garp ist das Leben "eine verbotene Seifenoper", und wer kann ihm da schon widersprechen? Wer Garp zwanzig Jahre nach dessen Erstveröffentlichung liest, ist verblüfft, auf welch elegante Weise Irving seine bizarre und komplexe Geschichte strukturiert. So z.B. die beiden bekanntesten Episoden des Buches, die vom "Under Toad" ("toad" bedeutet "Kröte" im Englischen und ähnlich klingt auch "tow" das soviel wie "Sog" oder auch "ziehen" bedeutet ) und Garps Geschichte von "The Pension Grillparzer", die wie ein bernsteinfarbenes kafkaeskes Insekt durch den Roman hindurchschimmert. Als Garp seinen Sohn vor dem "undertow", dem Unterstrom, des Meeres warnt, stellt sich sein Sohn ein Monster vor, den "Under Toad", eine Art Kröte, das unter den Wellen lauert um ihn in die Tiefe zu ziehen. Dieses eher erheiternde Mißverständnis wandelt sich bald in etwas Bedrohliches, sobald der Leser die Parallele zu einem Traum in "The Pension Grillparzer" erkennt, in dem der Tod prophezeit wird. Garps letzte Worte sind "Es ist wie ein Traum!" Und Irving, der in Wien studiert hat, machte sich die Ähnlichkeit des englischen "Toad" mit dem deutschen "Tod" zunutze. Bei so viel Tod ist Garp dennoch vor allem eine lebhafte Geschichte und gleichsam eine Bereicherung für die Literatur und für unser Leben. Wie Garps stottender Lehrer es ausdrückt: "voll von Wah-ah-Wahnsinn und Trauer". Das Buch ist nicht nur eine Bereicherung für die Literatur, sondern bereichert auch unser Leben. --Tim Appelo
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 68 Bewertungen)
Irving ist der Meister! 5 von 5 Punkten Mit Garp hat John Irving sein zeitloses Meisterwerk geschaffen. Wie viele Fans das Buch hat, wie viele Auflagen es bereits erlebt hat, weiss wohl niemand so genau. Garp war mein erster Irving und hat mir in der Nacht, in der ich es in einem Zuge ausgelesen habe, den Irving-Kosmos erst geöffnet. Viele Meisterwerke sind nachgekommen, aber 'Garp und wie er die Welt sah' steht einsam und allein oben an der Spitze der Irving'schen Schreibkunst.
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Der letzte Weynfeldt Martin Suter Gebundene Ausgabe, Februar 2008 Verkaufsrang: 511 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der Mittfünfziger Adrian Weynfeldt, Kunstexperte und Designsammler, steht zwischen zwei Welten. Freunde seines Alters hat er keine: nur viel jüngere, die ihn - das etwas exotische Original -- nicht zuletzt wegen seines Reichtums umgaren, und ältere, die noch seine Eltern kannten. Mit ersteren besucht Weynfeldt Clubs und Lounges, für die er sich allein zu alt gefühlt hätte. Mit letzteren geht er in gutbürgerliche Restaurants und verbringt angestrengt lustige Abende. Dazwischen hat Weynfeldt nichts dagegen, allein zu sein. Im Gegenteil: Er genießt die Einsamkeit. Sex spielt in seinem Leben eigentlich keine Rolle mehr. Mit seinen älteren Freunden ist Weynfeldt auch unterwegs gewesen, als sich sein Leben schlagartig ändert. In einer Bar wird er von einer jüngeren Frau angesprochen, die ihm wie eine Wiedergängerin einer verflossenen Liebe erscheint. Weynfeldt lässt sich mit ihr ein, nach zahlreichen Martini und Gin-Fizz findet man sich, reichlich angetrunken, im Bett des Junggesellen wieder. Zum Äußersten kommt es zunächst nicht ('Und bumsen?' fragte sie schlaftrunken. ,Morgen', antwortete er. ,Falls du dann noch magst'. ,Okay'). Als es dann doch noch zum Äußersten kommt, ist dieses Äußerste anders als von Weynfeldt erwartet. Am nächsten Morgen nämlich droht die Frau, sich vom Balkon seiner Wohnung zu stürzen. Als er sie rettet, legt sie ihr Schicksal in seine Hand. Weynfeldt soll ihre Schwierigkeiten aus der Welt schaffen. Und dann entwickelt sich die Geschichte doch noch ganz anders, als es der Junggeselle erwartet hat... Mit Romanen wie Small World und Der Teufel von Mailand hat sich der Schweizer Autor Martin Suter eine beachtliche Fangemeinde zusammengeschrieben. Das kann man gut verstehen. Denn seine Bücher bestechen nicht nur durch eine faszinierend präzise Sprache mit ganz eigenem Duktus, sondern auch durch gut gemachte, fesselnde Plots. Der letzte Weynfeldt hat wieder das Zeug dazu, Suters Fangemeinde noch ein wenig zu vergrößern: spannend geschrieben und unberechenbar bis zum Schluss. -- Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 45 Bewertungen)
Mehr als nur gute spannende Unterhaltung ... 5 von 5 Punkten ... ist dieser Roman, den ich unter anderem auch als Reiselektüre für Zürich empfehlen möchte. Das Buch ist elegant geschrieben und für Kunstinteressierte ebenso geeignet, wie für die Liebhaber von Designermöbeln der klassischen Moderne. Autor Martin Suters packende Handlung enthält aber auch handfeste Action und wunderbar beobachtete Psychologie sowie Romanfiguren, die man nie vergisst, so wie zum Beispiel Frau Hauser oder Giuliano Diaco. Es kommen auch eine Menge gutes Essen und edle Getränke in dem Buch vor. Obwohl der Roman kühl geschrieben ist, geht es darin sehr sinnlich zu. Genau beobachtet werden gewisse menschliche Schwächen und die Entwicklung der Personen erscheint insgesamt sehr glaubwürdig. Trotzdem hat das Buch viele überraschende Wendungen. Diese Mischung aus Kalkül und Atmosphäre hat mir persönlich gut gefallen, und ich werde mir gleich noch mehr Bücher dieses Autors besorgen.
Immer wieder grübelte ich auch, woran mich dieser Roman eigentlich erinnerte und irgendwann hatte ich es: Thomas Manns "Die Buddenbrooks" und "Königliche Hoheit" haben hier in gewisser Weise Pate gestanden. Suter erzählt die Geschichte einer zutiefst einsamen Person, dem letzten Sproß einer reichen Familie, die es durchaus nicht so leicht hat, wie viele des denken könnten, und die einem im Laufe der Geschichte immer sympathischer wird.
Querdenker, Gebildete und Zürichfans werden diesen Roman gleichermaßen lieben.
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Kassandra Christa Wolf Taschenbuch, März 2004 Verkaufsrang: 152 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 4 Tagen. Königs Erläuterungen - Sie brauchen für Ihre Schullektüre sofort eine ausführliche Inhaltsangabe, ohne womöglich Zeit gehabt zu haben, das entsprechende Werk zu lesen? Sie müssen sich noch ganz schnell über den Aufbau eines Werkes informieren? Bei Königs Erläuterungen bekommen Sie klare und universelle Informationen! 159 Bände umfasst die Reihe Königs Erläuterungen und Materialien, von antiken über klassische bis hin zu zeitgenössischen modernen Werken, allesamt wichtige Schullektüren und Schlüsselwerke. Königs Erläuterungen bieten Band für Band verlässliche Lernhilfen für Schüler und weiterführende Informationsquellen für Lehrer und andere Interessierte, sie sind verständlich und prägnant geschrieben und in unserem neuen Lay-out noch übersichtlicher gestaltet. Schematische Darstellungen, Hinweise in Textkästchen am Rand der Erläuterungen und in Kopf- und Fußleisten ermöglichen eine schnelle Orientierung.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
Kassandra 5 von 5 Punkten Für alle die den Einstieg in das Geschehen schwierig finden: Das Buch spielt in drei Zeitebenen. Kassandra sitzt auf einem Schiff der Griechen, auf dem sie zu Ihrer Hinrichtung gebracht wird. Das ist also die Ist Ebene. Auf dem Schiff denkt Sie, diese Gedanken sind der Inhalt des Buches-daher die assoziative Schreibweise. Man denkt ja nun auch nicht unbedingt strukturiert und vor allem weiß Sie das Sie getötet werden wird, sie rekapituliert quasi Ihr Leben!!! Dieses Leben teilt Sie bzw. Christa Wolf in drei Zeitphasen. Vor dem Krieg, während des Krieges und nach dem Krieg. außeredem in mehrere Welten zum einen die königliche Pristerin
und die Frauen Göttinnen Welt. Das Buch hat natürlich mehrere Handlungsstränge, denn Ein Leben besteht nun mal nicht nur aus Schlafen und Wach Sein...Ich hoffe Euch bringt diese kurze Info etwas. Das Buch ist wundervoll und mein Vorredner hat keine Ahnung. Lasst euch bitte nicht abschrecken durch die Assoziative Schreibweise. Jetzt wißt Ihr ja warum Christa Wolf diesen Stil für Kassandra gewählt hat.Und Ihr wißt um die verschiedenen Ebenen. das hat mir sehr geholfen. Genießt diese Lektüre einfach, es ist ein so kluges, wundervolles Buch. Und enorm Gesellschaftskritisch und daher immernoch hoch aktuell. Und Männer Ihr braucht wirklich keine Angst haben. Es ist nicht Diskrimminierend weder in die eine noch andere Richtung! Nur weil Kassandra als starke Frau beschrieben wird, oder auch mal als äußerst schwacher Mensch...heißt das noch lange nicht das sich das Buch gegen Männer richtet. Ich habe selten so einen Schwachsinn gehört. Sorry.
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Ein liebender Mann Martin Walser Taschenbuch, 29. Februar 2008 Verkaufsrang: 955 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Im dritten Teil seines Romans Ein liebender Mann tut Martin Walser etwas ganz und gar Unerhörtes. Nachdem schon viel von Goethes Werther die Rede war -- und der 73-jährige Dichterfürst mit seiner 35 Jahre jüngeren Angebeteten Ulrike von Levetzow beim Maskenball in Marienbad schon in der Verkleidung von Werther und Lotte aufgetreten sind --, versucht sich der Autor selbst in der Form des Briefromans, um die (wahre) Geschichte einer unmöglichen Liebe mit Hilfe von Goethes fiktiven Briefen an Ulrike weiterzuerzählen. Das kann doch nur schief gehen, denkt der Leser. Immerhin ist von Goethe doch nun wirklich alles durchforstet, ausgewertet, editiert. Wie kann man da auf die Idee verfallen, neue Briefe Goethes zu erfinden? Am Schluss dann erfährt der Leser, dass Ulrike am Sterbebett verfügte, die Briefe Goethes zu vernichten, was auch geschah. Was zunächst als unmöglicher Ritt über den Bodensee erschien, erweist sich vom Ende her gesehen als genialer literarischer Zaubertrick. Erlaubt er es Walser doch, vom Scheitern einer Liebe, die in Marienbad mit unglaublich intelligenten Gesprächen und einem Fast-Verlobungskuss so verheißungsvoll begann (und in den Marienbader Elegien mündete), aus der Warte einer vorgezogenen Trennung zu erzählen. Denn die eifersüchtige Schwiegertochter Ottilie lässt den nach Weimar zurückgekehrten Dichter von nun an nicht mehr aus ihren Klauen, und der abgewiesene Heiratsantrag macht das Unglück des zum letzten Mal in seinem Leben liebenden Mannes perfekt
Ohnehin hat es Walser in Ein liebender Mann geschafft, den Ton der Zeit zu treffen, ohne antiquiert zu wirken. Und das ist eine klassische Meisterleistung, die man dem Autor so vielleicht gar nicht mehr zugetraut hätte. -- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 25 Bewertungen)
pretty ugly! 5 von 5 Punkten Nicht noch eine Inhaltsangabe, stattdessen ein paar freie Gedanken:
Erheiternd, wie einige Rezensenten das Bedürfnis haben, Goethes Begeisterung für die süße kleine Ulrike (immerhin eh schon 19, was solls) reinzuwaschen (von "schmutzigen" Worten und Taten) - die haben das Buch offenbar anders gelesen als ich. Ich finde nämlich, das Walser im Alter kein scharfes Eck und keine angebliche Peinlichkeit auslässt, und: Der Mann hat fast immer recht! Das kommt natürlich bei kleinen Leuten nie gut, und das hat man auch an Goethe nicht gemocht, und jetzt scheint sich der alte Walser auch noch selber mit Goethe vergleichen zu wollen ... die nächste Frechheit. Und wieder hat er recht. Im Alter (seins und meins, bin ja jetzt auch schon über 40) beginne ich ihn sehr zu schätzen, so wie ich mich vor vielleicht 10 Jahren endlich mit dem Herrn Geheimrat angefreundet habe. Irgendwann wird mir wohl auch das frühere Werk gefallen, insgeheim denke ich ja, ich habs nur nie gemocht, weil er da auch (rechthaberisch) zu viele unangenehme Wahrheiten verbreitet hat.
Ach ja, und literarisch ist das Buch ganz große Klasse, eine derart kontrollierte und gleichzeitig freie Kunst der Beobachtung und der Beschreibung ist mir noch selten untergekommen. Feinste Klinge. Nachdem das Literarische hinter dem vorgeblich Doppel-biografischen in den deutschsprachigen Rezensionen (wie gewohnt)zu kurz kam, wär ich ja neugierig, wie das Buch zB in Frankreich aufgenommen wird. Dort weiß man sowas traditionell eher zu schätzen. Großen Applaus für den hässlichen alten Mann!
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Gegen den Tag Thomas Pynchon Gebundene Ausgabe, 1. Mai 2008 Verkaufsrang: 693 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Es gibt sogar so etwas wie einen Plot, der viele der im Roman auftauchenden Figuren, sei es auch noch so periphär, miteinander verbindet. Im Auftrag des grundbösen Großkapitalisten Scarsdale Vibe wird der Anarchist Webb Traverse von den beiden Auftragskillern Deuce Kindred und Sloat Fresno ermordet. Webbs Söhne schwören Rache, was sie im Laufe der Handlung aus unterschiedlichsten Gründen in alle Ecken der Welt und darüber hinaus verschlägt. Kit studiert, auf Kosten von Scarsdale Vibe, Mathematik in Göttingen, bis Vibe sich eines besseren besinnt und Kit auf seine persönliche Abschussliste setzt. Reef gerät auf vielen Wegen und über seinen Bruder Kit in die Gesellschaft der schönen Mathematikerin Yashmeen Halfcourt sowie des Strichers Cyprian Latewood und bereist im Auftrag der geheimen TWIT Organisation die halbe Welt. Zur Entspannung zelebrieren die drei die wildesten Sexorgien. Frank, dem dritten Bruder, gelingt es recht schnell, einen der beiden Killer zu töten, muss dann aber selbst um sein Leben fürchten. Lake, Webbs einzige Tochter, heiratet einen der beiden Mörder ihres Vaters und wird deren beider Sexsklavin. Das Rachemotiv kommt auch im Titel des Romans zum Ausdruck. Im fünften Buch Mose heißt es: "Is not this preserved in my treausury, Against the day of vengeance and requital, against the time they lose their footing. Close at is the day of their disaster and their fate is rushing upon them" (Deut. 32, 34-5). Doch die Rachestory ist, wie gesagt, nur eines von vielen Thematiken des Romans. Daneben bilden Zeit und unserer Sinn für Geschichte weitere Schwerpunkte: "Your whole history has been one religious war, secret crusades, disguised under false names" belehrt der Engländer Prance den Amerikaner Kit. "You tried to exterminate African shamanism by kidnapping half the continent into slavery, giving them Christian names, and shoving your particular version of the Bible down their throats, and look what happened" (777). Da sich der Roman zwischen den Jahren 1893 und der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg abspielt, spielt sie "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts", so die Bezeichnung des Historikers George Kennan, die Rolle des unfassbaren, unabwendbaren Unglücks im Leben der Charaktere. Nur einige Zeitreisende, die den Horror bereits erlebt haben, wissen ob der Zukunft und fungieren als Propheten des Untergangs der Welt, so wie sie im Roman noch ist: "This world you take to be 'the' world will die, and descend into Hell, and all history after that will belong properly to the history of Hell [...] Flanders will be the mass grave of History" (554). Und auch Cyprian wird auf dem Balkan eines besseren belehrt, was den Sinn der Geschichte angeht: "What North Europe thinks of as its history is actually quite provincial and of limited interest. Different sorts of Christian killing each other, and that's about it. The northern powers are more like administrators, who manipulate other people's history but produce none of their own [...] Lives as they are lived, deaths as they are died, all that is made of flesh, blood, semen, bone, fire, pain, shit, madness, intoxication, visions, everything that has been passing down here forever, is real history" (828). Doch was hat das alles nun zu bedeuten? Vielleicht, dass der einzelne Mensch mit seinem eigenen Leben, von denen es im Roman so viele gibt, hilflos ist gegenüber den großen historischen Entwicklungen, die aber wiederum vom Menschen erst möglich gemacht wurden. So ist der Erste Weltkrieg ohne den menschgemachten technischen Fortschritt nicht zu erklären. Es bedarf schon einiges, sich auf diesen Roman einzulassen. Bei einigen Kapiteln wusste ich weder, wo und zu welchem Zeitpunkt die Handlung spielt und wer eigentlich die Beteiligten sind. Und irgendwann taucht dann ein Name auf, der vor hunderten von Seiten schon einmal in einem Nebensatz erwähnt wurde. Und wenn plötzlich Hunde anfangen, in alten slavischen Sprachen zu sprechen (vgl. S.784) oder Romane von Henry James zu lesen (vgl. S.5), muss man das auch zuerst einmal sacken lassen. Zentrum der Handlung ist eben nicht der Plot, sondern die Lebensgeschichten der einzelnen Menschen mit ihren Schicksalen, Tragödien, Ängsten, Obsessionen, Sehnsüchten, Mordgelüsten, Geldgier usw. Sie befinden sich in einer Welt, in der Geschichte und Zeit sich dermaßen beschleunigt haben, dass der Einzelne die Kontrolle über sein persönliches Schicksal nicht mehr in den eigenen Händen hält. Die Katastrophe, der Krieg, lauert am zeitlichen Horizont und im Angesicht des industrialisierten Massenmordes erscheint es zunehmend seltsam, was allein der Tod eines einzelnen Menschen, Webb Traverse, für Entwicklungen auslöst. Mehr als 1700 Seiten für einen Toten. Was für ein Buch wäre denn dann zu schreiben, um die Schicksale der Millionen Toten des 20. Jahrhunderts darzustellen? So ein Buch kann es gar nicht geben! Vielleicht liegt allein dieser genuin humanistischer Gedanke dem Roman zu Grunde. "On this island [...] no one ever speaks plainly [...] - all English, spoken or written, is looked down on as no more than strings of text cleverly encrypted. Nothing beyond. Any who may come to feel betrayed by them, insulted, even hurt, even grievously, are simply 'taking it too seriously'" (224). Es ist, als ob Thomas Pynchon höchst selbst hier auf die Reaktionen auf seine Romane in den vergangenen vierzig Jahren reagiert und der Welt zuruft: "Grämt euch nicht, erfreut euch einfach an meiner Sprache, meinen Charakteren und deren aberwitzigen Abenteuer. Spart euch eure geradezu krankhafte Sinnsuche in jedem Nebensatz." Und in der Tat bietet "Gegen den Tag" zahllose Einzelepisoden, die das gesamte Spektrum menschlicher Erfahrungsmöglichkeiten abdecken. Was bleibt ist ein Leseerlebnis der besonderen Art, auch wenn man "den Sinn" nicht zu entdecken vermag. Einen Stern Abzug gibt es, weil Pynchon sein Meisterwerk "Gravity's Rainbow" von 1974 nicht überbieten kann und nun wohl damit leben muss, immer daran gemessen zu werden. Trotzdem natürlich ist auch "Gegen den Tag" nichts weniger als ein magnus opum der englischsprachigen Literatur.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Ein guter...... 5 von 5 Punkten Ein guter......Jules Verne dachte ich beim Lesen der ersten Seiten, sollten sie jetzt an mir Zweifeln lesen sie "Robur" von genantem Autor.
Aber mehr noch wie der Start des Luftschiffes zur Weltaustellung in Chicago die, die technikverliebte Zeit des aufbrechenden 20Jahrhunderts umhüllt einen die beschriebene Geschichte auch mit außerordentlich klugen und scharfen Beschreibungen der vorkommenden Figuren.
Würde man von diesem Roman die literarische Bürde nehmen, es wäre schlicht ein spannender Abenteuerroman auf allerhöchstem intellektuellen Nivaeu.
Was hindert sind die vielen nicht zu Ende geführten Geschichten, die auseinandersetzung mit Gewalt,Krieg usw. und nicht zuletzt die sicherlich manchmal fraghaften Gedankenfolgerungen des Autors.
Aber wie auch immer, das Buch ist spannend geschrieben,lehrt zum Nachdenken über sich und die Welt und hat einen wunderschönen Schreibstil.
Etwas ärgerlich ist sicherlich bereits oben genanntes das manchmal sogar profan erscheint.
Ich habe das Buch jedenfalls neben meine komplette Jules Verne Sammlung gestellt und selbst beim mehrmaligen wiederdurchblättern sah ich mich bestätigt, es ist ein Abenteuerroman des letzten Jahrhunderts.
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Huber spannt aus: Und andere Geschichten aus der Business Class Martin Suter Broschiert, August 2006 Verkaufsrang: 2311 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Suters Geschichten in Huber spannt aus handeln von den Helden des Managements. Sie handeln von Männern, die Winterberg heißen oder Obermann oder Gantenbein (!). Von Männern, die Zielkonflikte und Schlafmanko haben, die Synergieeffekte mehr als ihre Ehefrauen lieben und denen beim Karrieremachen das Zufallsprinzip zur Hilfe kommt. Von Männern, für die Vokabeln wie Lohntransparenz, Entscheidungsträger oder After Work keine Fremdwörter sind (obwohl für sie nach der Arbeit immer vor der Arbeit ist) und die nach der Trennung in gegenseitigem Einvernehmen weich in die finanzielle Hängematte fallen. Kurz: Suters Geschichten handeln von Männern, die wir nie kennen lernen wollten, obwohl sie uns das Fernsehen ständig präsentiert. Und von Männern, über deren Schwächen, Dummheit und lächerliches Katastrophentum wir liebend gerne schmunzeln. Suters Geschichten aus der Welt des Managements -- eigentlich Kolumnen aus der Schweizer Weltwoche, zu denen neben Huber spannt aus auch die beiden Bände Business Class gehören -- sind brillante Lifestyle-Miniaturen, Prosa-Häppchen für den Konsum zwischen Prosecco und 5-Sterne-Catering, von der Länge her genau richtig für die Strecke im Aufzug von der Tiefgarage II in die Vorstandsetage im 41. Stock -- oder in die eigene Penthouse-Wohnung, je nachdem. Aber für diese Zielgruppe hat Suter, im früheren Leben Werbetexter und Creative Director seine Texte ja überhaupt nicht geschrieben. Er hat sie geschrieben für alle, die immer schon einmal wissen wollten, wie es zugeht in den hehren Sphären der Oberen Zehntausend, die sich die Schecks ihrer Abfindungen selbst ausstellen dürfen und sich den Draht zur Basis dadurch behalten zu haben glauben, dass sie in der Öffentlichkeit Bier statt Prosecco trinken (den es dann allerdings zuhause gibt). Er hat sie geschrieben für alle Geknechteten, die trotzdem froh sein wollen, niemals Karriere gemacht zu haben. Und er hat sie geschrieben für Leser, die einfach Spaß haben an unterhaltsamer, satirischer, blendend geschriebener Literatur. --Thomas Köster
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
Kurzgeschichten aus der Scheinwelt der Anglizismen 5 von 5 Punkten Die sog. "Business Class" - scheint nicht erst seit der sog. "Heuschreckendebatten" bevölkert von eitlen Machern, welche meist ungestraft den Anspruch auf Unfehlbarkeit erheben dürfen, um ganz nebenbei ihnen anvertrautes Geld und in ihrer Abhängigkeit stehende Existenzen zu vernichten.
Martin Suters Kurzgeschichten, selten länger als 3-4 Seiten, spielen in den Vorzimmern und Schaltzentralen der Wirtschaft. Der Autor schildert Episoden aus einem Teil unserer Gesellschaft, dem Teil, welchen wir längst als tragende Säule anerkannt haben, dem Teil, in dem man offenbar mit jeder erreichten Büroetage die ursprüngliche Bodenhaftung verliert und der Wirklichkeit innerhalb weniger "Fahrstuhlsekunden" entrückt, um sich und seine schwerwiegenden Fehler letztlich hinter harmlos und somit immer noch dynamisch klingenden Anglizismen zu verstecken...
Suter treibt jede seiner Geschichten gekonnt auf die Spitze, meist innerhalb der letzten zwei Sätze, jedoch ohne dabei zu übertreiben, denn die Schlagzeilen diverser Wirtschaftszeitungen unterstreichen (leider) in regelmäßigen Abständen den Wahrheitsgehalt der hier beschriebenen Situationen...
Dieser Band, "Huber spannt aus und andere Geschichten aus der Business Class", hat mich so überzeugt, ich habe mir schon zur Hälfte des Buches hin weiteren Lesestoff aus der spitzen Feder Suters besorgt.
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Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede Haruki Murakami Gebundene Ausgabe, März 2008 Verkaufsrang: 1597 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Für Läufer und Leser: Murakamis persönlichstes Buch Zwei Leidenschaften bestimmen Haruki Murakamis Leben: Schreiben und Laufen. Eines verbindet beide Tätigkeiten - ihre Intensität. Für Haruki Murakami bedeutet das Laufen ein zweites Leben, in dem er sich Kraft, Inspiration, vor allem aber die Zähigkeit zum Schreiben holt. Der Einfall und Entschluss, Romanautor zu werden, kam ihm beim Sport. Das viele Sitzen am Schreibtisch gleicht er mit dem Laufen aus. Nach langsamen ersten Schritten hat er sich in den vergangenen dreißig Jahren professionalisiert: Längst sind zu den jährlichen Marathons auch Triathlonwettbewerbe und Ultralangläufe von 100 Kilometern hinzugekommen. Haruki Murakami erzählt eindringlich und komisch von seinen Frustrationen und vom Kampf gegen das stets lauernde Versagen und wie er es überwindet. Denn für ihn bleibt das Laufen ein großes, wortloses Glück. Für seinen Grabstein wünscht er sich die Inschrift: »Haruki Murakami 1949-20**, Schriftsteller (und Läufer) - Wenigstens ist er nie gegangen«. Haruki Murakami,1949 in Kyoto geboren, lebte über längere Zeit in den USA und in Europa und ist der gefeierte und mit höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. 2006 wurde ihm der Franz-Kafka-Preis verliehen. Zuletzt erschienen bei DuMont die Romane »Afterdark« und »Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt« sowie die Erzählungsbände »Blinde Weide, Schlafende Frau«, »Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah« und »Der Elefant verschwindet«. Die Übersetzerin: Ursula Gräfe, geboren 1956, hat in Frankfurt a. M. Japanologie und Anglistik studiert. Aus dem Japanischen übersetzte sie u. a. den Nobelpreisträger Kenzaburo Oe, Yoko Ogawa, Hikaru Okuizumi und Haruki Murakami.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)
Wunderbar leicht zu lesen 5 von 5 Punkten Dieses Buch ist großartig, wenn man sich mit dem Thema Laufen beschäftigt und gleichzeitig den Autor Haruki Murakami kennenlernen möchte.
Ich selber laufe und habe schon viel von Murakami als Autor gehört - selbst jedoch, noch nichts von ihm gelesen. Dieses Buch hat mir einen perfekten Einstieg bereitet. Ich freue mich auf weitere Bücher von ihm.
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Die Entdeckung der Langsamkeit Sten Nadolny Taschenbuch, März 2008 Verkaufsrang: 1772 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Über die Kunst der Langsamkeit, die dem Rhythmus des Lehens Sinn gibt - Sten Nadolnys vielfach preisgekrönter Bestseller über den englischen Nordpolfahrer John Franklin. Der Langsame sieht mehr. "Nadolny und sein John Franklin entdecken die Langsamkeit als menschenfreundliches Prinzip. Man könnte auch sagen: die Bedächtigkeit, den vorsichtigen Umgang mit sich selber und den Dingen. " Die Zeit
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 62 Bewertungen)
Eine Lehre fürs Leben 5 von 5 Punkten John Franklin leidet seit seiner Kindheit unter fast unglaubwürdiger Langsamkeit. Später in seinem Leben jedoch erweist sich dieses Handicap als seine Stärke. Als Schiffskapitän behält er immer die Ruhe und sein Denken und Überlegen sind langsam aber von keinen äußerlichen Geschehen gestört. Seine erstmals schreckliche Langsamkeit bringt ihn zum Ruhm.
Nadolny kann nicht aufs Wort genau genommen werden. Er benutzt die Langsamkeit als Beispiel für eine Behinderung. Was er mit diesem Werk beweist ist, dass wir alle inrgendein Handicap haben. Manchmal erwiest es sich von Anfang an als Gabe, manchmal können wir damit aber nichts anfangen und empfinden es als Beschränkung. Nadolny drückt deutlich aus, man solle aus jeder menschlichen Eigenschaft die man hat das Beste hervorrufen.
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Alle Familien sind verkorkst Douglas Coupland Gebundene Ausgabe, September 2002 Verkaufsrang: 1715 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Irgendwie sind die Figuren des 41-jährigen US-amerikanischen Autors Douglas Coupland, der 1994 mit dem Kultbuch Generation X debütierte, alle wie vom anderen Stern: verkorkst, ohne Zukunft, voll auf Droge und mit einer zumeist skurrilen Vergangenheit. Aber wenn man sich Couplands befremdliche Bestandsaufnahmen trostloser Vorstädte, Disneyworlds und Shopping Malls richtig vor Augen führt, dann merkt man schnell, dass seine dann doch wieder glaubwürdigen Helden eben auf dem merkwürdigsten Stern des ganzen Universums -- unserer Erde -- zu Hause sind. So ist es auch im neuen, wieder einmal fulminanten Roman des Autors, der zunächst eher als Freak Show denn als Gesellschaftsroman daherkommt: Am Vorabend der Jungfernfahrt ihrer Contergan-geschädigten Tochter Sarah zum Mond hat deren Mutter Janet Drummond alle ihre Familienangehörigen samt ihres bisweilen arg paranoiden Anhangs zusammengetrommelt. Und das Bild, dass diese Gruppe vermittelt, passt so gar nicht zum zahnweißsauberen Astronautenimage, das die US-Presse von ihren Himmelsstürmern und deren Angehörigen so gerne zeigt: Janet, die nicht nur der Internet-Pornografie verfallen ist, hat ihren Tagesrhythmus nach den Zeitpunkten ihrer Tabletteneinnahme ausgerichtet. Sarahs Bruder Wade ist ein abgehalfterter und von Aids gezeichneter Ex-Hockey-Star, der eine prüde Bibelgläubige zur Frau genommen hat. Der jüngere Bruder Bryan wird nur noch von Selbstmordfantasien am Leben gehalten -- und von einem Nachwuchswunsch, den seine schwangere, hochgradig cholerische Freundin Shw (Kind der antiautoritären 68er-Generation und benannt nach den Initialen eines zum erleuchteten Märtyrer stilisierten Freiheitskämpfers) nicht befriedigen will: Ihre Leibesfrucht hat sie längst zum Verkauf angeboten. Dass der Familienvater Ted ein sadistischer Bankrotteur ist, versteht sich fast von selbst. Und dann kippt der Plot unversehens um, und die Drummonds sind mitten drin in einer Geschichte rund um Amokläufer, Kinderhändler und Kloning, in deren Licht die Protagonisten ziemlich normal aussehen. Sarah Drummond mag zum Mond fliegen, aber Coupland startet inmitten der prähistorischen Sumpflandschaft Floridas zur Expedition in die fremden Welten unserer Alltagswirklichkeit. Und das kann er nun mal besser als jeder andere. Alle Familien sind verkorkst ist ein neuer Beweis dafür. --Thomas Köster
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
einfach sehr unterhaltsam 5 von 5 Punkten da meine Vorredner sich schon ausführlich dazu geäußert haben möchte ich nur kurz anmerken , das es ein Buch ist ,das man nicht mehr so schnell aus der Hand legt
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Lila, Lila Martin Suter Taschenbuch, Juli 2005 Verkaufsrang: 2352 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden David ist Kellner in einer Szenebar und damit natürlich für das Publikum erstmal uninteressant. Das stört ihn nicht besonders, bis die 24-jährige Marie im Esquina auftaucht. David verliebt sich in sie und wird wiederum erst interessant für Marie, als er sie bittet sein Romanmanuskript zu lesen. Sie findet die Liebesgeschichte ausgezeichnet, schickt das Werk an einen Verlag, der es prompt veröffentlichen will. So weit so gut, wäre da nicht das kleine Problem, dass David den Roman nicht selber geschrieben, sondern in einem Secondhand-Nachttischchen gefunden hat. Es kommt, wie es kommen muss. David wird zum gefeierten Nachwuchsautor, und die ständig dräuende Gefahr der Entdeckung seines Betrugs manifestiert sich eines Tages in der Form eines Penners. Jacky gibt vor, der eigentliche Autor zu sein und nimmt David kurzerhand mit leicht erpresserischen Mitteln unter seine Fittiche, das heißt vor allem dessen Honorare. In der Folge zeichnet Martin Suter ein gnadenloses Bild des modernen Literaturbetriebs zwischen Lesungen in Provinzkäffern und besoffenen Abenden auf der Frankfurter Buchmesse, Verleger überstürzen sich in Vorauszahlungen und Lektorinnen bieten sich als Agentinnen an. Doch Jacky, mittlerweile in einem besseren Hotel wohnend, hat seinen Möchtegern-Schriftsteller im Griff. Der Ausgang der Geschichte sei hier natürlich nicht verraten, nur so viel: Martin Suter lässt den gefesselten Leser in einer doppelten Volte sanft auf dem Boden landen. Ein stilsicherer Roman wie man es von Suter gewöhnt ist, humorvoll und nicht ohne bösartige Seitenhiebe. Die Personen sind glaubwürdig, David manchmal mit einer fast ärgerlichen Naivität geschlagen. Die Umgebungen skizziert Suter stimmungsvoll und mit einem sicheren Blick für den nebensächlichen Alltag. Ein feines Buch, feine Unterhaltung. --Martin Walker Aus der Amazon.de-Redaktion "Lila, Lila ist der Roman, auf den wir so sehnlich gewartet haben: Das Ende der Knabenwindelprosa." Wenn der gefürchtete Großkritiker Joachim Landmann eine Rezension mit diesen gemeißelten Worten beendet, lobt er nicht einfach ein Buch. Er lanciert eine Debatte. Diesmal: das Ende der postmodernen Literatur, die Rückkehr zu alten Werten und großen Themen. Folglich geschieht, wovon Legionen von Lektoren und Verlegern träumen: Lila, Lila, der bislang kaum beachtete Erstling des jungen David Kern, stürmt die Bestsellerlisten; die Medien reißen sich um den frisch gebackenen, schüchternen Star. Dumm nur: David ist nicht der Autor dieser tragischen, in den muffigen Fünfzigern spielenden Liebesgeschichte. Der unscheinbare Aushilfskellner hat das Manuskript in einem Nachttisch vom Trödler gefunden und gibt den Text, um die schöne Marie zu erobern, als eigenen Schreibversuch aus. Die beiden werden ein Paar, die allem Schöngeistigen heftig zugetane Marie schickt das Manuskript heimlich an einen Verlag -- und das Unheil nimmt seinen Lauf. Zugegeben -- die Story um "Liebe, Treue, Verrat und Tod" besitzt nicht eben den Tiefgang eines Hochseedampfers. Doch aus der Feder eines Martin Suter, seien wir ehrlich, würde sogar das Telefonbuch zum Pageturner. Wer Suters Romane Small World und Die dunkle Seite des Mondes atemlos und in einem Rutsch ausgelesen hat, wird auch diesmal nicht enttäuscht. Lila, Lila schnurrt mit der Präzision einer Schweizer Herrenarmbanduhr ab. Ob schicke Szenebar, Frankfurter Buchmesse-Rummel oder das Elend eines Männerheims, Suter wechselt mit traumwandlerischer Sicherheit Schauplätze und Milieus, schreibt punktgenaue Dialoge und hält die Spannung bis zur buchstäblich letzten Seite. Bei alldem ist Lila, Lila aber auch eine fein beobachtete und hochkomische Studie über das Making Of eines Bestsellers, ein Blick in den Bauch des Literaturbetriebs -- von Klappentextwahnsinn und Vertragspoker bis zu Buchmessesuff und der Tristesse einer Lesereise durch die Provinz. Eine Berufsgruppe, bislang kaum in den Annalen der Literaturgeschichte zu finden, hat auf Lila, Lila sicher besonders sehnlich gewartet: Der Verlagssekretärin setzt Suter das längst fällige Denkmal. Ihr Urteil, nicht verlegerischer Sachverstand, bringt das Manuskript zwischen Buchdeckel: "Ich habe jedenfalls geweint." --Niklas Feldtkamp
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 67 Bewertungen)
Gnadenlos gut. 5 von 5 Punkten Das Hörbuch Lila Lila von Martin Suter ist meine erste Bekanntschaft mit dem Schweizer Autor; aber sicher nicht die letzte. Die Geschichte ist in sich stimmig, gelungen im Ablauf und äußerst unterhaltsam. Daniel Brühl spricht den Text, dass es eine Freude ist zuhören zu dürfen.
David ist Kellner in einer Bar. Dort lernt er Marie kennen, die sich aber eigentlich nicht für ihn interessiert. Das ändert sich, als Daniel in einem Schränkchen, das er auf dem Flohmarkt gekauft hat, ein altes Romanmanuskript findet. Der Autor Alfred Duster hat die Geschichte Sophie, Sophie geschrieben, die niemals das Licht der Öffentlichkeit erblickte. David recherchiert kurz über den Verbleib von Duster und ist sich sicher, dass dieser nicht mehr lebt. Er gibt Marie den Text, ändert vorher die Namen der Protagonisten sowie den Titel der Geschichte, und behauptet, er sei von ihm. Marie ist begeistert und schickt das Manuskript an einen Verlag. Es wird angenommen und David sieht sich plötzlich in der Zwickmühle. Um Marie nicht zu verlieren, stimmt er einer Buchveröffentlichung zu. Der Roman Lila Lila stürmt daraufhin die Bestsellerliste. David zieht sich bei Lesungen und Interviews mehr schlecht als recht aus der Affäre, aber das Buch spricht für sich. Der Schwindel könnte ewig so weitergehen, wäre da nicht der Wunsch der Leser nach einem zweiten Roman. Aber ehe David sich darüber Gedanken macht, taucht Jackie auf, ein alter Süffel, der David eröffnet, der wirkliche Autor von Lila Lila zu sein. Jetzt beginnt für David ein Versteckspiel, aus dem er nicht mehr entkommen kann. Am Ende, steht nicht nur sein Ruhm als Autor auf dem Spiel, sondern viel, viel mehr.
Suters Geschichte ist gnadenlos gut. Wer damit anfängt, will wissen, wie die Story zu Ende geht. Ohne großen Schnickschnack oder Hokuspokus greifen die Zahnräder des Schicksals ineinander. Am Schluss wird dem Leser klar, wie verhängnisvoll es enden kann, wenn man sich mit fremdem Federn schmückt. Lila Lila ist Stoff, der fürs Hörbuch gemacht scheint.
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A Long Way Down Nick Hornby Broschiert, November 2006 Verkaufsrang: 1912 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Vier Menschen, vier Lebenswege, die ganz tief hinab führten. Am bitteren Ende -- und hier setzt der Roman ein -- geht es allerdings noch einmal hoch hinauf. Auf dem Dach eines Londoner Hochhauses treffen in der Silvesternacht vier Gestalten zufällig aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Was sie eint, ist der Wunsch, durch einen Sprung in die Tiefe ihrem Leben ein Ende zu setzen. Da jedoch keiner willens ist, den intimen Finalsatz unter den Augen Fremder zu vollziehen, wird der Versuch fürs erste abgebrochen. Unversehens bildet sich auf dem Dach eine skurrile Selbsterfahrungsgruppe -- und wir sind im Hornby-Land angekommen. Lesen Sie einen Textauszug. Erzähler sind die Sprungkandidaten selbst. Martin, der populäre Frühstücksfernsehmoderator, dessen Ausflug ins Bett einer 15-Jährigen dazu führte, dass die Scheinwerfer für ihn endgültig ausgingen. Die altjüngferliche Katholikin Maureen, die beim einzigen Fehltritt ihres Lebens ein Kind zur Welt brachte, dass seitdem im Wachkoma dämmert. Die rotzfreche Jess, für die der Selbstmord wegen eines Kerls einfach nur ein geiler Abgang zu sein scheint. Schließlich JJ, der Rockmusiker mit Karriereknick (in dem sich Hornby neben Maureen und ihrem kranken Kind, ein Schicksal, das der Autor teilt, wohl am deutlichsten verkörperte). Dieses Unglücksquartett dient Hornby als menschliche Jongliermasse, ein wahres Satirefeuerwerk über die letzten Fragen um Leben und (Frei)tod abzufackeln. Der Autor zaubert alles aus dem Hut, was wir an ihm lieben: Dylan-Verse, Weisheiten von Oscar Wilde, Pop-Zitate und bitterlustiges Lifestyle-Gemäkel. Kritiker sahen darin die Crux des Romans. Der Suizid dürfe nicht Gegenstand ironischer Betrachtung werden. Tiefe Seelenqualen auszuloten, sei Hornbys Sache nicht. Eine leichte, amüsante Lektüre, aber kaum geeignet, Licht auf das wirkliche Leid von Menschen zu werfen, merkte ein britischer Amazon-Leser an. Hornby konterte, ein depressives Buch über Depressionen hätte wohl niemanden sonderlich angemacht. Richtig so! Kein psychiatrisches Gutachten in Romanform, kein Lebensratgeber für verdüsterte Gemüter -- und trotzdem verdammt lebensklug. Hornby besitzt eindeutig die bessere Medizin. --Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 143 Bewertungen)
heiter und nachdenklich 5 von 5 Punkten So skuril der Klappentext anmutete, so schnell wußte ich auch, daß dieser Roman viel Potential bieten würde,es wurde kurzerhand gekauft !
Meine Vorahnung hatte nicht falsch gelegen:
Dieses Buch sorgt alleine durch seine verschiedenen Erzählperspektiven-in jedem Kapitel kommen die Hauptprotagonisten Maureen,Jess,Martin und JJ in großen Abschnitten selbst zu Wort-für viel Abwechslung und die Chance sich einmal in die unterschiedlichsten Personen, ihre vertrackten Lebenslagen einzufühlen;
Maureen, die Frau, die noch stark durch Religion geprägt ist, sich ihrem schwerstkranken Sohn aufopfert / Jess, die erfrischend rotzfreche Tochter eines Erziehungsministers, die immer zu ehrlich, wie unkontrolliert wirkt / Martin der gescheiterte Frühstücksfernsehenmoderator, der durch die Klatschpresse und seine Zügellosigkeit sich selbst die Fernsehkarriere verbaut hat / JJ, der Rockstar, der glaubt nach der Auflösung seiner Band es zu nichts mehr bringen zu können...
Die Kombination dieser Vier verspricht schöne literarische "Knalleffekte".
Trotz der überspitzten Lebenstragödien fiel es leicht sich mit jedem der Hauptprotagonisten in einzelnene Bereichen zu identfizieren.
Um so befreiender wirkte es beim Lesen, daß alle Vier auf ihre ganz eigene Weise einen Weg finden sich schrittweise ihrer lebensabgewandten Sicht zu entziehen, durch äußere Anstöße-ihre vermeintliche Schicksalsgemeinschaft den Blick von der Sackgasse abwenden und das bescheidene Glück wahrzunehmen, welches ihnen gar nicht verwehrt werden kann.
Hier spricht Lebenweisheit, durch die man sich anstecken lassen darf !
Sicherlich kein Selbsthilfebuch, aber eines das heitere und nachdenkliche Stunden verspricht!
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Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Roman Milan Kundera Taschenbuch, Januar 1987 Verkaufsrang: 1954 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Sie kam ihm vor wie ein Kind, das jemand in ein pechbestrichenes Körbchen gelegt und auf dem Fluß ausgesetzt hatte, damit er es am Ufer seines Bettes barg. Der Prager Chirurg Tomas, der die Frauen begehrt und zugleich fürchtet, ein Erotomane, der seine Scheidung wie eine Hochzeit feierte und fortan der Liebe aus dem Weg ging, bricht für die Kellnerin Teresa mit einigen seiner Grundsätze. Seine erotischen Freundschaften, wie jene mit der Malerin Sabina, führt er aber...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 59 Bewertungen)
Unerträgliche Leichtigkeit des Fremdgehens 5 von 5 Punkten In diesem Klassiker der Weltliteratur geht es, neben der geschichtlichen Komponente (Prager Frühling und die daraus resultierenden gravierenden politischen Veränderungen), vor allem um eins: die unerträgliche Sucht des Fremdgehens und die tiefgehende Liebe. Der Hauptprotagonist, Tomas ein Arzt, liebt die Frauen und das damit verbundene unkomplizierte Leben, aber noch mehr liebt er seine eigene Frau, für die er schlußendlich die Freiheit aufgibt. Er ist ein Getriebener, süchtig nach Sex und Anerkennung. Seine Sucht befriedigt ihn für wenige Momente und bereitet ihm dann für lange Zeit quälende Gewissensbisse ("der Magen tat ihm weh und er sehnte sich nach Ruhe und Frieden")aber auch Trauer. Er steigt, trotz allen Vergnügens, im Endeffekt schlecht aus, seine Frau wiederum toleriert und resigniert schlußendlich. Es lebe das Leben !?
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Der Teufel von Mailand Martin Suter Broschiert, November 2007 Verkaufsrang: 2181 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der Teufel von Mailand ist geduldig. Weit oben im Schweizer Val Solitaria schenkt er dem Hirtenkind Ursina auf der Alp Dscheta einen fruchtbaren Sommer und damit gut genährte Ziegen. In einer staubigen Kutsche ist er ins Dorf gekommen und hat Ursina unvergleichliche Schönheit, ewige Jugend, Reichtum, Glück und ein Schloss mit hundert Fenstern und dreißig Türmen versprochen -- im Austausch gegen ihre Seele, versteht sich. Ursina willigt trotzdem ein, denn das Kleingedruckte klingt dem pragmatischen Mädchen allzu verführerisch. Er wolle sie erst holen, sagt der Teufel, wenn es im Sommer Herbst werde, Glut im Wasser brenne, es beim zwölften Schlag der Turmuhr tage, der Vogel zum Fisch und das Tier zum Menschen werde. Da kann, glaubt Ursina, nichts passieren. Und trotzdem, so unwahrscheinlich es auch klingen mag: Irgendwann treten all diese Ereignisse tatsächlich ein und Ursina muss in die Hölle. Wie sich die Rätsel auflösen, weiß die Physiotherapeutin Sonia lange Zeit nicht. Denn zwei Seiten der Sage, die sie zu Schmökern aus dem Bücherschrank für Gäste an ihrem neuen Arbeitsplatz, einem Hotel im Unterengadin, geholt hat, sind herausgerissen. Aus diesen fehlenden zwei Seiten hat Martin Suter einen ganzen, spannenden Roman gemacht. Denn in Der Teufel von Mailand spielt irgend jemand aus Sonias Umfeld die alte Sage nach. Eigentlich ist die junge Frau hierher gekommen, um die gescheiterte Ehe mit dem reichen Banker Frédéric Forster zu vergessen -- jetzt beginnt ein Alptraum, der schlimmer als die Scheidung ist. Nach einer Vergiftung verliert ein Baum im Sommer seine Blätter, Leuchtstäbe glühen im Hotelpool, jemand manipuliert die Kirchenuhr und Sonias Wellensittich Pavarotti landet im Aquarium. Sind es die mürrischen Dorfbewohner, die ihre Gegend touristenfrei halten und die Physiotherapeutin samt ihrer schönen Chefin vertreiben wollen? Oder hat ganz jemand anders ein Motiv? Und wer ist der geheimnisvolle Fremde, auf dessen dreckigen Wagen im Staub der Teufel von Mailand geschrieben steht? Das alles wird bis zum fulminanten, wahrhaft diabolischen Finale nicht ganz klar. So hält Der Teufel von Mailand bis zum Schluss die Spannung. Vielleicht sogar Suters bestes Buch. --Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 63 Bewertungen)
fein zu lesen 4 von 5 Punkten Hinsichtlich des Inhalts und der Handlung verweise ich auf die offizielle Beschreibung. M. Suter, dessen Romane ich jetzt alle gelesen habe, versteht es, die Geschichte rund um die Hauptfigur Sonja Frey verständlich, anschaulich, lebendig und immer wieder auch humorvoll zu erzählen. Ich konnte mir vorstellen, wie es in dem kleinen Bergdorf und dem Hotel Gamander aussieht, gleiches gilt für die Protagonisten. Sicher ist das Krankheitsbild von Sonja Frey schwieriger zu erzählen als z.B. im Falle von "Small World" (Alzheimer-Patient). Aber darum geht es nur am Rande.
Häppchenweise serviert M.Suter die Vorgeschichte aus Sonjas Leben - die gescheiterte Ehe und den Terror ihres Ex. Dies alles ist ziemlich unheimlich. Irgendwann ahnt man, in welche Richtung es geht und das Ende ist tatsächlich ein wenig platt.
Aber: ich wurde über 300 Seiten gut unterhalten und habe etwas gelernt ("Hübsche Frauen müssen nicht nett sein, damit man nett zu ihnen ist"). Zweck erfüllt.
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Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt Haruki Murakami Broschiert, 1. Dezember 2007 Verkaufsrang: 1573 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Tokyo, ferne Gegenwart: Zwischen Wirklichkeit und virtueller Realität. Datendiebstahl ist an der Tagesordnung: Einem genialen greisen Wissenschaftler ist es gelungen, bei einer Gruppe professioneller Datenfälscher eine Gehirnwäsche durchzuführen. Er entnimmt ihnen Informationen, die er in Gehirne von unwissenden Versuchspersonen einspeist. Der 35-jährige Held und Ich-Erzähler ist der Einzige, der die Prozedur überlebt. Fortan versucht er, die dunklen Machenschaften des Professors mit allen Mitteln zu durchkreuzen ...
"Haruki Murakami gelingt es, die Qualitäten von Stephen King, Franz Kafka und Thomas Pynchon unter einen Hut zu bringen. Er gehört zu den großen Erzählern der Gegenwart." Der Tagesspiegel "Murakami ist Kult." Die Zeit "'Mit dem Wunderland' liegt ein Herzstück der Romanwelt des Haruki Murakami vor. Von ihm aus lassen sich die anderen Romane und Erzählungen besser verstehen." Hubert Winkels, DIE ZEIT
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)
immer wieder verblüffend... 5 von 5 Punkten welche Verbindungen Haruki Murakami in diesm Buch zwischen Alltäglichen, ScienceFiction und märchenhaften Geschichten herstellt.
Als Leser kann man nur staunend mitansehen, wie sich Abstruses mit Normalen vermischt und nahtlos ineinander greift...derzeit mein absolutes Lieblingsbuch...daher meine Empfehlung: unbedingt selber lesen.
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Die Heimkehr Bernhard Schlink Broschiert, Juni 2008 Verkaufsrang: 853 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Wann Peter Debauer begann, sich über den Wunsch seiner Großeltern hinweg zu setzen, weiß er gar nicht mehr genau. Vielleicht war es in jenem Sommer, als die junge Lucia ihn in die Waschküche lockt, um ihm ihr Geschlecht zu zeigen und ihn damit erwachsener werden ließ. Vielleicht war es aber auch nur aus Langeweile, während einer öden Schulstunde. So oder so hat er sich Jahre lang an das Verbot gehalten, die Rückseite der Blätter nicht zu lesen, die ihm Oma und Opa während der Ferien bei ihnen in der Schweiz zum Schreiben und Malen überlassen hatten. Dort fanden sich die Druckfahnen der Heftchenreihe Romane zur Freude und zur guten Unterhaltung, die die alten Leute nach allerlei Irrungen und Wirrungen ihres harten und entbehrungsreichen Lebens im Alter redigierten. So oder so: Irgendwann dreht Peter die Blätter um. Er liest die Geschichte der Rückkehr eines Soldaten aus Sibirien, die ihn seltsam berührt. Er liest, wie der Mann plötzlich vor der heimischen Haustür steht, wo ihn seine Frau mit einem fremden Kind und einem fremden Mann an ihrer Seite entgegen tritt. Doch dann bricht die Erzählung ab, weil Peter die restlichen Seiten schon weggeworfen hat. Erst Jahre später fällt sie ihm wieder ein, macht sich der Ich-Erzähler auf die Suche nach dem Autor des Romans, um dessen Ende zu erfahren. Eine Reise in die Geschichte -- auch die eigene Vergangenheit -- beginnt... Seit seinem Überraschungs-Bestseller Der Vorleser ist der gelernte Jurist und Berliner Autor Bernhard Schlink der Spezialist für verschüttete Biographien, die sich nicht zuletzt, in einer Art Roman im Roman, immer erst in der Lektüre seiner Figuren entwickeln und entschlüsseln lassen. In Die Heimkehr ist das nicht anders. Und auch viel von Schlinks juristischem Fachwissen ist -- neben seiner Vorliebe für historische Stoffe -- wieder einmal in das Buch eingeflossen. Gerade diese Ansammlung eingestreuter, teils grotesker Rechtsfälle macht Die Heimkehr besonders lesenswert. Darüber hinaus ist Schlink wieder einmal gelungen, mit Hilfe einer geradlinigen Sprache und eines von Melancholie durchzogenen Stils zu fesseln. --Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 19 Bewertungen)
Vergangenheitsbewältigung in leisen Bildern 4 von 5 Punkten Als Kind verbringt Peter seine Ferien immer bei den Großeltern väterlicherseits in der Schweiz. Sein Vater kam während des 2. Weltkriegs ums Leben, während seine Mutter mit ihm schwanger war. Sie will zwar persönlich keinen Kontakt zu den Großeltern halten, legt aber Wert darauf, dass Peter ein gutes Verhältnis zu ihnen aufbaut, und der Junge liebt diese Aufenthalte.
Abends liest oder malt er am großen Tisch, während Oma und Opa Romane für die Heftereihe lektorieren, die sie herausgeben. Ab und zu bekommt Peter die Rückseiten der Korrekturfahnen als Malpapier, mit der Auflage, die abgedruckten Texte nicht zu lesen.
Als Teenager tut er es dann doch und ist gefesselt von dieser Geschichte. Ein Soldat kehrt aus dem Krieg zurück und findet seine Frau in der gemeinsamen Wohnung vor, mit einem fremden Mann und zwei Kindern. Doch die Geschichte ist nicht mehr vollständig, Peter hat als Kind wohl die Blätter mit dem Ende bemalt und weggeworfen.
Immer wieder kommt ihm diese Erzählung in den Sinn, und eines Tages begibt er sich auf die Suche nach dem Autoren, der allem Anschein nach Peters Heimatstadt kennt und womöglich dort gelebt hat oder immer noch lebt.
In unaufdringlichen, leisen Bildern schildert Bernhard Schlink diese Spurensuche, die für Peter zur Obsession wird, in deren Dienst er quer durch Deutschland und die Schweiz reist, in deren Verlauf er Barbara kennenlernt, die ihn ebenfalls nicht mehr loslässt und die ihm letztendlich mehr über sich selbst enthüllt, als er sich hätte träumen lassen.
Wie schon in Der Vorleser" geht es auch in diesem Buch um die Bewältigung der jüngsten deutschen Vergangenheit, die Geschehnisse der Nazizeit ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch, das nicht nur der Schilderung von Peters Suche gewidmet ist, die man gespannt mitverfolgt, sondern auch einige schöne Überlegungen über Schuld und Recht und die menschliche Natur enthält.
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Abbitte Ian McEwan Taschenbuch, April 2004 Verkaufsrang: 2165 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Träumt sie, oder steigt ihre ältere Schwester Cecilia, nur mit dem Unterrock bekleidet, vor Robbie Turners Augen in den Brunnen? Welch geheimer Zauber spielt sich zwischen den beiden ab? Was Briony Tallis an diesem glühenden Nachmittag des Jahres 1935 zu sehen bekommt, macht ihre kindliche Märchenwelt auf einen Schlag zunichte. Vergessen, die "Heimsuchungen Arabellas", ihr gerade angefertigtes Theaterstück, das zu Ehren des heimkehrenden Bruders Leon beim abendlichen Dinner zur Aufführung kommen sollte. Von nun an würde das Leben selbst ihr die Stücke in die Feder diktieren. Das Leben jedoch hat weitaus finsterere Pläne. Sagen und Heldenepen: Stoff, an dem sich die Fantasie der 13-Jährigen stets auf's Neue entzündete. Grafen, Ritter und entführte Jungfrauen waren das ewig gleich bleibende Personal der naiven Dramolette, mit denen die feinnervige Briony ihren Weltschmerz in klapprigen Versen inszenierte. Vorbei! Soll die Besetzung des Premierenabends, Brionys Vettern aus dem Norden, die neunjährigen quengelnden Zwillinge Jackson und Pierrot und ihre kokette Kusine Lola, ruhig jammern. Briony Tallis ist bereit, nichts Geringeres als den literarischen Olymp zu erklimmen! Mit seinem neunten Buch hat Ian McEwan sich endgültig in den Rang eines Somerset Maugham katapultiert. Tückisch harmlos beginnend, frisst sich das Unheil langsam wie ein Schwelbrand in den Leser hinein. Die sommerlich flirrende Hitze auf dem englischen Landsitz. Eine irrlichternd umherschnüffelnde Briony. Die an Migräne leidende, ans Bett gefesselte Mutter. Der abendliche Gast, ein schnöseliger Schokoladenbaron. Cecilia und Lola, ahnungslos in ihrem sexuellen Erwachen. Schließlich der erotisch aufgeladene Sohn der Haushälterin, Robbie Turner, zweite Hauptfigur dieses erhitzten Tableaus. Das Dinner rückt näher. Und mit ihm die sich ankündigende Katastrophe. Am späten Abend jenes Junitages im Jahre 1935 wird das Leben dreier Anwesender gründlich zerstört sein. Am Beispiel der überbordenden Vorstellungskraft eines schriftstellerisch begabten Mädchens, das eine lebenslange Schuld auf sich lädt, hinterfragt McEwan raffiniert auch die eigene literarische Verantwortlichkeit. Seine gewaltige Bilderflut, ein vor Sprachgewalt berstender Lebensbogen lassen uns staunend und immens bereichert zurück: welch großartiges Buch! --Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 48 Bewertungen)
Abbitte bezeichnet das Bitten um Verzeihung. 5 von 5 Punkten Aus den unterschiedlichen Perspektiven nahezu jeder Figur erleben wir den folgenschweren Tag im Hause Tallis im Jahr 1935. Auf diese Weise fällt es nicht schwer, sich buchstäblich in die Charaktere hineinzudenken bzw. ihre Handlungen und Intentionen aus ihrer Sicht nachvollziehen zu können. Es spricht sehr für McEwans Schreibkunst, dass es ihm gelingt, den Rezipienten von fast antagonistischen Denk- und Handlungsweisen gleichsam zu überzeugen.
Der zweite Teil des Buches nimmt uns mit den Engländern nach Frankreich ins Kriegsgeschehen mit.
Nie war mir die Grausamkeit des Kriegs gegenwärtiger denn in dieser Passage. Tatsächlich hätte ich ein paarmal fast das Buch weggelegt, um eine Pause von diesem Grauen zu nehmen - ein Luxus, der den Soldaten nicht vergönnt ist.
Dem Krieg habe ich mich so übelkeitserregend nah gefühlt, wie es, ohne dergleichen je erlebt haben zu müssen, überhaupt möglich ist.
Von einer Bekannten weiß ich, dass sie bis dahin noch begeistert, vom Ende bzw. der letzten Episode dann aber wesentlich enttäuscht war. Für mich hat McEwan sein Werk absolut in sich stimmig, beinahe logisch beendet.
"Abbitte" ist bisher mein größtes Gefühlserlebnis in Form eines Buches gewesen. Es hat mich nachhaltig tief beeindruckt und mitgerissen.
Und es hat mir keine andere Wahl gelassen, als es zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zu zählen.
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