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Ein liebender Mann - Martin WalserEin liebender Mann
Martin Walser

Taschenbuch, 29. Februar 2008
     Verkaufsrang: 2053      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 19,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Im dritten Teil seines Romans Ein liebender Mann tut Martin Walser etwas ganz und gar Unerhörtes. Nachdem schon viel von Goethes Werther die Rede war -- und der 73-jährige Dichterfürst mit seiner 35 Jahre jüngeren Angebeteten Ulrike von Levetzow beim Maskenball in Marienbad schon in der Verkleidung von Werther und Lotte aufgetreten sind --, versucht sich der Autor selbst in der Form des Briefromans, um die (wahre) Geschichte einer unmöglichen Liebe mit Hilfe von Goethes fiktiven Briefen an Ulrike weiterzuerzählen. Das kann doch nur schief gehen, denkt der Leser. Immerhin ist von Goethe doch nun wirklich alles durchforstet, ausgewertet, editiert. Wie kann man da auf die Idee verfallen, neue Briefe Goethes zu erfinden?

Am Schluss dann erfährt der Leser, dass Ulrike am Sterbebett verfügte, die Briefe Goethes zu vernichten, „was auch geschah“. Was zunächst als unmöglicher Ritt über den Bodensee erschien, erweist sich vom Ende her gesehen als genialer literarischer Zaubertrick. Erlaubt er es Walser doch, vom Scheitern einer Liebe, die in Marienbad mit unglaublich intelligenten Gesprächen und einem Fast-Verlobungskuss so verheißungsvoll begann (und in den Marienbader Elegien mündete), aus der Warte einer „vorgezogenen Trennung“ zu erzählen. Denn die eifersüchtige Schwiegertochter Ottilie lässt den nach Weimar zurückgekehrten Dichter von nun an nicht mehr aus ihren Klauen, und der abgewiesene Heiratsantrag macht das Unglück des zum letzten Mal in seinem Leben liebenden Mannes perfekt…

Ohnehin hat es Walser in Ein liebender Mann geschafft, den Ton der Zeit zu treffen, ohne antiquiert zu wirken. Und das ist eine klassische Meisterleistung, die man dem Autor so vielleicht gar nicht mehr zugetraut hätte. -- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 27 Bewertungen)

Ein wundervoller Hauch von Zärtlichkeit und Liebe      5 von 5 Punkten
Ich schätze Goethes Werke und hatte bereits einiges über Martin Walser gehört und gelesen. Das war also mein Anlass zum Kauf dieses Buches: Einen großen Deutschen noch näher kennzulernen und einen anderen, wenn auch nicht ganz so großen Deutschen, überhaupt kennenzulernen.

Es ist ein wundervolles Buch. Jeder, der selbst einmal verliebt war, wird die Gefühle des alten Goethe kennen. Ob mit oder ohne großen Altersunterschied, jeder kennt diese Unsicherheit. Und ich muss sagen: Diese Menschlichkeit Goethes, wennn sie auch teilweise aus der Fiktion Walser entstanden ist, bringt einem den großen Dichter sehr nahe.


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Gefährliche Geliebte - Haruki MurakamiGefährliche Geliebte
Haruki Murakami

Taschenbuch, Juli 2002
     Verkaufsrang: 3492      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Der Traum von der absoluten Perfektion macht augenscheinlich auch gestandenen Autoren in beruhigender Regelmäßigkeit zu schaffen: "Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah" -- das hatte der mit allen wichtigen Literaturpreisen seines Landes ausgezeichnete Japaner Haruki Murakami in seinem gleichnamigen Erzählband bereits geschildert.

Jetzt taucht sie wieder auf, die hundertprozentige Frau: Sie hört auf den Namen Shimamoto und wird sich im Laufe des Romans mehr und mehr als Gefährliche Geliebte erweisen. Vorerst aber ist sie ein zwölfjähriges Mädchen "mit ausdrucksvollen Gesichtszügen" und einem steifen linken Bein; und diese Spätfolge einer Kinderlähmung kann Haruki Murakami eben wirklich so beschreiben, als ob Gehfehler von jeher der Inbegriff der Erotik wären!

Shimamoto also ist die erste Liebe des Ich-Erzählers Hajime: Gemeinsam bestreiten sie den leidigen Schulweg und führen sich Nat King Cole und Bing Crosby aus der elterlichen Plattensammlung zu Gemüte. Ein Mal hält -- es ist dies der unerhörteste Moment jener unschuldigen Kinderliebe -- Shimamoto für zehn Sekunden Hajimes Hand; und so etwas bleibt, nachdem man sich längst aus den Augen verloren hat, ja dann immer als tiefe Sehnsucht gegenwärtig.

Erst an der Schwelle zur Midlife-Crisis treffen die beiden sich wieder: Hajime ist inzwischen ein glücklich verheirateter Familienvater und Inhaber zweier gepflegter Jazz-Bars; er hat sich in einer -- sagen wir: achtzigprozentigen -- Realität eingerichtet, und Shimamoto rüttelt nachhaltig am Fundament. Dabei bleibt sie ein vollendetes Mysterium, was sich vor allem darin äußert, dass sie bei nahezu jedem Auftritt -- und für meinen Geschmack eben etwas zu oft -- vielsagend lächelt.

Ansonsten aber hat Murakami das allgegenwärtige gedankliche Kreisen um verpasste Gelegenheiten, um die hundertprozentige Leidenschaft und die so viel weniger anstrengende Durchschnittsrealität in gewohnter Meisterschaft -- subtil und überaus fesselnd -- erzählt. --Christine Wahl

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 110 Bewertungen)

Murakami spaltete das "Literarische Quartett"...      5 von 5 Punkten
Dieses Buch sorgte im Jahr 2000 für einen Eklat und gleichzeitig für ein Highlight in der deutschen Fernsehgeschichte. In der Sendung "Das Literarische Quartett" zeigte sich Marcel Reich-Ranicki begeistert von Haruki Murakamis Roman "Gefährliche Geliebte" und lobte ihn als einen tiefsinnigen erotischen Roman der Extraklasse. Sigrid Löffler war da anderer Meinung und bezeichnete das Buch als "literarisches Fast Food", welches eigentlich überhaupt nichts in der Sendung zu suchen habe. Des Weiteren ereiferte sie sich über die ihrer Meinung nach grottenschlechten Sexszenen sowie über die weibliche Hauptfigur, die nichts anderes sei als eine fleischgewordene Männerphantasie. Das wiederum rief Reich-Ranicki auf den Plan, der Löffler in seiner einzigartigen Manier vorwarf, von Erotik doch eh nicht den blassesten Schimmer zu haben. Das war offensichtlich zu viel für Löffler, die nach Ende der Aufzeichnung ihren Ausstieg aus der Sendung erklärte.

Zum Roman: Hajime lernt seine große Liebe bereits als Kind kennen. Er wird vom Lehrer dazu aufgefordert, sich um die neuzugezogene Shimamoto zu kümmern und verbringt bald immer mehr Zeit mit der introvertierten Schönheit mit dem Gehfehler. Doch bevor der Zwölfjährige überhaupt weiß, was ihn an Shimamoto so interessiert, trennen sich ihre Wege, da ihre Familie umzieht. Mit der Zeit findet Hajime seine erste Freundin, betrügt sie, studiert Literatur und versauert nach seinem Abschluss als Lektor in einem Schulbuchverlag. Außer Kurzbeziehungen oder One-Night-Stands hat er keine Beziehungen zu Frauen. Mit dreißig heiratet der Yukiko, deren schwerreicher Vater es ihm ermöglicht, zwei Jazzbars zu eröffnen und ein finanziell sorgenfreies Leben zu führen. Aber wirklich glücklich ist Hajime nie. Und da taucht plötzlich Shimamoto wieder auf und bringt sein Leben aus den Fugen.

Als er eines Abends einen alten Schulfreund in einer seiner Bars wiedertrifft, konfrontiert ihn diese mit seiner Weltsicht, die so oder so ähnlich auch für Hajime zutreffend ist: "Es regnet, und die Blumen blühen. Kein Regen, und sie verdorren. Insekten werden von Echsen aufgefressen, Echsen werden von Vögeln aufgefressen. Aber am Ende sterben sie alle, einer wie der andere. Sie sterben und vertrocknen. Eine Generation stirbt ab, und die nächste übernimmt. So läuft das. Jede Menge Lebensweisen. Und jede Menge Todesarten. Aber am Ende macht das nicht den geringsten Unterschied. Übrig bleibt nur eine Wüste" (86). In solch einer inneren Wüste lebt auch Hajime, seitdem er Shimamoto nicht mehr gesehen hat. Und als sie wieder in sein Leben tritt, ist das wie Wasser für einen Verdurstenden.

Es kommt, wie es kommen muss und was Frau Löffler so gar nicht gefallen hat. Die Liebesnacht zwischen Hajime und Shimamoto ist derart anschaulich geschrieben, dass man(n) sich gleich ganz anders fühlt: "Sie kam nah an mich heran, nahm meinen Penis liebevoll in die Hand und küßte mich auf die Lippen. Sie legte ihre Hände auf meine Brust, und dann leckte sie mir sehr lange die Brustwarzen und streichelte mein Schamhaar. Sie legte das Ohr an meinen Bauchnabel und nahm meinen Hoden in den Mund. Sie bedeckte mich mit Küssen. Sogar meine Fußsohlen küßte sie. Es war, als gehe sie mit der Zeit um wie mit einem Schatz. Als streichle sie, liebkose sie, lecke sie die Zeit" (186f.). Mit einem hat Sigrid Löffler allerdings Recht gehabt. Einige Formulierungen wirken in der Tat unausgegoren und steif. Das liegt allerdings nicht an Murakami, sondern an der Übersetzung vom Japanischen ins Deutsche.

Fazit: Überzeugende Sezierung eines leeren Lebens. Einmal angefangen fällt es schwer, "Gefährliche Geliebte" wieder aus der Hand zu legen. Frau Löffler sah das wohl etwas anders...


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Abbitte - Ian McEwanAbbitte
Ian McEwan

Taschenbuch, April 2004
     Verkaufsrang: 3092      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Träumt sie, oder steigt ihre ältere Schwester Cecilia, nur mit dem Unterrock bekleidet, vor Robbie Turners Augen in den Brunnen? Welch geheimer Zauber spielt sich zwischen den beiden ab? Was Briony Tallis an diesem glühenden Nachmittag des Jahres 1935 zu sehen bekommt, macht ihre kindliche Märchenwelt auf einen Schlag zunichte. Vergessen, die "Heimsuchungen Arabellas", ihr gerade angefertigtes Theaterstück, das zu Ehren des heimkehrenden Bruders Leon beim abendlichen Dinner zur Aufführung kommen sollte. Von nun an würde das Leben selbst ihr die Stücke in die Feder diktieren. Das Leben jedoch hat weitaus finsterere Pläne.

Sagen und Heldenepen: Stoff, an dem sich die Fantasie der 13-Jährigen stets auf's Neue entzündete. Grafen, Ritter und entführte Jungfrauen waren das ewig gleich bleibende Personal der naiven Dramolette, mit denen die feinnervige Briony ihren Weltschmerz in klapprigen Versen inszenierte. Vorbei! Soll die Besetzung des Premierenabends, Brionys Vettern aus dem Norden, die neunjährigen quengelnden Zwillinge Jackson und Pierrot und ihre kokette Kusine Lola, ruhig jammern. Briony Tallis ist bereit, nichts Geringeres als den literarischen Olymp zu erklimmen!

Mit seinem neunten Buch hat Ian McEwan sich endgültig in den Rang eines Somerset Maugham katapultiert. Tückisch harmlos beginnend, frisst sich das Unheil langsam wie ein Schwelbrand in den Leser hinein. Die sommerlich flirrende Hitze auf dem englischen Landsitz. Eine irrlichternd umherschnüffelnde Briony. Die an Migräne leidende, ans Bett gefesselte Mutter. Der abendliche Gast, ein schnöseliger Schokoladenbaron. Cecilia und Lola, ahnungslos in ihrem sexuellen Erwachen. Schließlich der erotisch aufgeladene Sohn der Haushälterin, Robbie Turner, zweite Hauptfigur dieses erhitzten Tableaus. Das Dinner rückt näher. Und mit ihm die sich ankündigende Katastrophe. Am späten Abend jenes Junitages im Jahre 1935 wird das Leben dreier Anwesender gründlich zerstört sein.

Am Beispiel der überbordenden Vorstellungskraft eines schriftstellerisch begabten Mädchens, das eine lebenslange Schuld auf sich lädt, hinterfragt McEwan raffiniert auch die eigene literarische Verantwortlichkeit. Seine gewaltige Bilderflut, ein vor Sprachgewalt berstender Lebensbogen lassen uns staunend und immens bereichert zurück: welch großartiges Buch! --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 52 Bewertungen)

Phantastisch      5 von 5 Punkten
Ian McEwan ist ein wunderbares Buch gelungen.
Die 13jährige Briony lädt an einem glühend heißen Sommertag Schuld auf sich. Davon wird sie sich ein Leben lang nicht mehr erholen. Nachdem sie Robbie, der unschuldigt ist, durch ihre Aussage ins Gefängnis bringt, ist nichts mehr so wie vorher.
Unbedingt lesen. Dieses Buch kann man so schnell nicht vergessen.
Ich werde jetzt ein anderes Buch dieses Autors lesen.
Denn sein Schreibstil reicht an die ganz Großen der Literatur heran.


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Der Flieger - Maarten 't HartDer Flieger
Maarten 't Hart

Broschiert, Juli 2008
     Verkaufsrang: 5023      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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"Mein Vater war Totengräber. Um halb acht morgens begann sein Tag auf dem Friedhof, und um eins legte er seine erste Pause ein. Beim Abendbrot erzählte er mir und meiner Mutter von seinen Erlebnissen zwischen den Toten." So beginnt Maarten 't Harts tragikomischer Roman um einen protestantischen Totengräber, der sich beharrlich weigert, der Bitte seiner katholischen Nachbargemeinde nachzukommen: Ihre Verstorbenen sollen auf seinen Friedhof umgebettet werden, doch es ist keineswegs einzusehen, dass diese Aufgabe mit der Schaufel erledigt werden muss. Amüsant und eigenwillig erzählt Maarten 't Hart in "Der Flieger", die Geschichte eines Totengräbers und seines Sohnes, dessen Leben inmitten des Todes seinen Ausgang nimmt.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

ein tolles buch      5 von 5 Punkten
den flieger habe ich von anfang bis ende nicht mehr aus der hand gelegt.sprachlich schön und klar.kein wort zuviel und keins zuwenig.dazu eine mehr als kräftige brise subtilen humors. herrliche dialoge über kirchlichen sinn und unsinn.sehr empfehlenswert.


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Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede - Haruki MurakamiWovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede
Haruki Murakami

Gebundene Ausgabe, März 2008
     Verkaufsrang: 18497      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 16,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Für Läufer und Leser: Murakamis persönlichstes Buch Zwei Leidenschaften bestimmen Haruki Murakamis Leben: Schreiben und Laufen. Eines verbindet beide Tätigkeiten - ihre Intensität. Für Haruki Murakami bedeutet das Laufen ein zweites Leben, in dem er sich Kraft, Inspiration, vor allem aber die Zähigkeit zum Schreiben holt. Der Einfall und Entschluss, Romanautor zu werden, kam ihm beim Sport. Das viele Sitzen am Schreibtisch gleicht er mit dem Laufen aus. Nach langsamen ersten Schritten hat er sich in den vergangenen dreißig Jahren professionalisiert: Längst sind zu den jährlichen Marathons auch Triathlonwettbewerbe und Ultralangläufe von 100 Kilometern hinzugekommen. Haruki Murakami erzählt eindringlich und komisch von seinen Frustrationen und vom Kampf gegen das stets lauernde Versagen und wie er es überwindet. Denn für ihn bleibt das Laufen ein großes, wortloses Glück. Für seinen Grabstein wünscht er sich die Inschrift: »Haruki Murakami 1949-20**, Schriftsteller (und Läufer) - Wenigstens ist er nie gegangen«. Haruki Murakami,1949 in Kyoto geboren, lebte über längere Zeit in den USA und in Europa und ist der gefeierte und mit höchsten japanischen Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. 2006 wurde ihm der Franz-Kafka-Preis verliehen. Zuletzt erschienen bei DuMont die Romane »Afterdark« und »Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt« sowie die Erzählungsbände »Blinde Weide, Schlafende Frau«, »Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah« und »Der Elefant verschwindet«.
Die Übersetzerin: Ursula Gräfe, geboren 1956, hat in Frankfurt a. M. Japanologie und Anglistik studiert. Aus dem Japanischen übersetzte sie u. a. den Nobelpreisträger Kenzaburo Oe, Yoko Ogawa, Hikaru Okuizumi und Haruki Murakami.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)

"Der Mann ist kein Künstler"      5 von 5 Punkten
Dieses Buch handelt von den Erlebnissen des Schriftstellers Murakami mit dem Laufen. Es ist weder eine Autobiografie, noch ein Sach-Buch über das Laufen; es versammelt tagebuchartige Gedanken, Erinnerungen und Beschreibungen rund um den Marathon- und Triathlon-Sport. Es ist schwierig einzuordnen, es ist unvollkommen, zwiespältig, und für mich äußerst spannend, weil mich interessiert, was im Schriftsteller Murakami vorgeht, wenn er nicht schreibt.

Dass er ein gewöhnliches, ja langweiliges Leben führt, hat Murakami in Interviews schon öfter erzählt. Nun lässt er zum ersten Mal etwas intimere und zugleich unspektakuläre Einblicke in dieses Leben zu.

Das Buch beschreibt Laufstationen in Japan, Griechenland (von Athen nach Marathon lief Murakami seinen ersten Marathon), in Cambridge und auf Hawaii. Es erzählt vom Alltag des Läufers und der engen Verbindung zwischen Laufen und Schreiben. Wahrscheinlich würde es den erfolgreichen Autor Murakami ohne sein Laufen nicht geben. Wer sich für diesen Zusammenhang, die Grundlage seines künstlerischen Schaffens, interessiert, erhält mit dem Buch viel Stoff für weitere, eigene Gedanken. Man darf sich auch nicht wundern, wenn man nach der Lektüre das eigene Schreiben an den Nagel hängt und zu laufen beginnt.

Es ist auf eine Art beruhigend, wie harmlos und wenig tiefsinnig der populäre Schriftsteller manchmal schreibt. Er läuft und denkt eben wie ein gewöhnlicher Mensch. Er trainiert, er schwitzt, er leidet an Knieproblemen, er denkt über die richtige Ausrüstung und seine Trainingszeiten nach und freut sich auf den New York City Marathon, als wäre es eine heilige Messe. Nur gelegentlich dünstet der Trainingsschweiß erhellende Gedanken aus. Zum Beispiel über die Notwendigkeit des Künstlers, sich zu entgiften. Denn "wie man es auch dreht und wendet: Eine gesunde Tätigkeit ist schreiben jedenfalls nicht." (S.96) Eben deshalb läuft und läuft und läuft Murakami. Mit der Zeit entfaltet das Buch eine ähnlich hypnotische Wirkung wie die besten seiner Romane und Erzählungen. Ein gewöhnliches, beinahe trostloses Leben beginnt zu funkeln wie ein nasses Blatt in der Abendsonne nach einem langen Regentag.
Murakami schreibt selbst, dass er sich erst während des Schreibens darüber klar wird, was er sagen will. Auch bei diesem Buch weiß er zu Beginn nicht, worum es ihm geht. Ich habe den Eindruck, er weiß es auch am Ende nicht. Wenn es nicht so abgegriffen klingen würde, könnte man sagen: Der Weg ist das Ziel. Für den Autor und den Leser gilt das gleichermaßen.

"Auch wenn man über mich sagt: "Der Mann ist kein Künstler", laufe ich weiter." (S.99)
Davon, von einem starken, trotzigen und unerschütterlichen Willen handelt dieses Buch.


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High Fidelity. (Dt. Ausgabe) - Nick HornbyHigh Fidelity. (Dt. Ausgabe)
Nick Hornby

Taschenbuch, Juni 1999
     Verkaufsrang: 5001      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Definitiv eines der fünf besten Bücher, die jemals über das seltsame Paarungsverhalten von Männern geschrieben wurden: Witzig, ironisch, aber auch ergreifend erzählt Nick Hornby in High Fidelity vom ganz normalen Chaos der Liebe und wie ein 35-jähriger Musikfreak von seiner Freundin verlassen wird, in sich geht, leidet und sie am Ende zurückgewinnt.

Rob hat sich nie an das CD-Zeitalter gewöhnen können. In seinem kleinen Plattenladen verkauft er ausschließlich die guten alten Vinylscheiben. Auch ansonsten tut er sich schwer mit Veränderungen -- zum Beispiel mit dem Erwachsenwerden. Aber als er von Laura sitzen gelassen wird, versucht er sein bisheriges Leben zu resümieren. Er stellt eine Top-5-Liste seiner ärgsten Liebeskummmer-Erlebnisse auf und versucht sogar, diese Exfreundinnen zwecks Vergangenheitsbewältigung alle zu treffen. Robs Versuch, sein Scheitern auf ganzer Linie zu begreifen und in Worte zu fassen, folgt man begeistert bis zur letzten Zeile. Und spätestens beim mit viel Augenzwinkern erzählten Happy End, hat man diesen Typen richtig ins Herz geschlossen.

Wenn Robs größtes Talent -- wie er selbst sagt -- darin besteht, einem "Bündel Durchschnittlichkeit eine kompakte Form zu geben", dann liegt Nick Hornbys Stärke zweifellos darin, diese Durchschnittlichkeit ebenso sympathisch wie tragikomisch aufs Papier zu bringen. Die tiefen Einblicke auch in die letzten und seltsamsten Winkel der Männerseele, die High Fidelity gewährt, werden nicht nur Frauen interessieren und amüsieren. Der Roman ist auch ideales Lesefutter für Menschen, die in den 70er-Jahren aufgewachsen sind, Popmusikfans und Schallplattensammler, Männer mit oder ohne Liebeskummer, und natürlich alle, die auch leidenschaftlich gerne Top-5-Listen erstellen. --Christian Stahl

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 121 Bewertungen)

Übertrifft den Film bei weitem      5 von 5 Punkten
Der Film hat mir extrem gut gefallen und gehört ganz klar zur Kategorie meiner Lieblingsfilme (auch wenn er nicht unbedingt in die Top 5 kommt...)

Aber nachdem ich dieses Buch gelesen habe, ziehe ich die geschriebene Version dem Film ganz klar vor. So bösartig, selbstverliebt, selbstbemitleidend und zynisch kann ein John Cusack gar nicht schauspielern, wie es in diesem Buch beschrieben wird.

High Fidelity überzeugt weniger durch eine ausgereifte Geschichte, sondern vielmehr durch die sprachliche Ausdruckweise. Diese ist aussergewöhnlich und fesselt einen förmlich an das Buch.

Inhaltlich weicht der Film ein wenig vom Buch ab. Der Film darf deshalb nicht als Maßstab dienen. Sie sollten, egal ob Ihnen der Film bekannt ist oder nicht, auf alle Fälle einen Blick in das Buch werfen. Ich denke, es ist eines der stärksten Bücher, die Nick Hornby bisher geschrieben hat.


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Die Vermessung der Welt - Daniel KehlmannDie Vermessung der Welt
Daniel Kehlmann

Gebundene Ausgabe, September 2005
     Verkaufsrang: 2847      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 19,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Das Verfahren ist bekannt und bewährt: Man nehme einen Denker aus der deutschen Geistesgeschichte und schlage literarischen Profit aus dessen Verschrobenheit. Ganz vorzüglich ist das beispielsweise Gert Hofmann mit Georg Christoph Lichtenberg in Die kleine Stechardin gelungen. Bernhard Setzwein hat mit Nicht kalt genug einen vorzüglichen Nietzsche-Roman vorgelegt, und Klaas Huizing widmete sich in Das Ding an sich auf hoch vergnügliche Weise dem Königsberger Philosophen und Kant-Vertrauten Johann Georg Hamann. Nun versucht sich auch Daniel Kehlmann erfolgreich an diesem Genre und porträtiert in seinem Roman gleich zwei deutsche Geistesgrößen: Das Mathematikgenie Carl Friedrich Gauß und den Universalgelehrten und großen Naturforscher Alexander von Humboldt. Im Zentrum steht ein Treffen der beiden 1828 in Berlin, auf einem Naturforscherkongress, für den Gauß nur sehr widerwillig sein Göttingen verlässt. Die zwei Großdenker haben sich beide auf ihre eigene Weise der Vermessung der Welt gewidmet, kommen sich aber nur zaghaft näher.

Der Roman kann sich auf knapp 300 Seiten Leben und Werk der beiden allerdings nur schlaglichtartig widmen, eher skizzenhaft und sehr kurzweilig erleben wir wichtige Stationen ihres Schaffens in einer geschickten Mischung aus Fakten und Fiktion: Humboldt auf seinen strapaziösen Exkursionen nach Südamerika, Gauß dagegen eher zerrissen zwischen der hehren Welt der Zahlen und dem schnöden Alltag, denn auch ein Genie hat Zahnschmerzen und muss sich mit Frau und Kindern herumplagen. Die Komik des Romans speist sich dabei nicht nur aus den ironisch beleuchteten Charakteren von Gauß und Humboldt, sondern auch aus der Spannung zwischen Größe und Lächerlichkeit. Humboldts große Forschungsreise nach Russland etwa gerät zur Farce, weil er schon zu berühmt ist: die ganze Expedition gerät zur Massenveranstaltung mit über 100 Teilnehmern, und statt zu Forschen verbringt Humboldt die meiste Zeit auf Empfängen.

Am Ende kann man Daniel Kehlmann gleich doppelt gratulieren: Zu diesem ebenso unterhaltsamen wie niveauvollen Roman -- und zur Nominierung von Die Vermessung der Welt zum in diesem Jahr erstmals verliehenen Deutschen Buchpreis. --Christian Stahl

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 298 Bewertungen)

So wunderbar kann Geschichte sein      5 von 5 Punkten
Diese ironische Entzauberung deutscher Intelligenzgeschichte ist eine der immanenten Deutungsmöglichkeiten. Gauß scheitert grandios an seiner Menschenrolle, der ältere Bruder Humboldts wehrt sich haarspalterisch gegen die Vorstellung, die Erfolge der Humboldtbrüder seien auf ihre banale Rivalität zurückzuführen: Weil es Dich gab, mußte ich Lehrer eines Staates, weil ich existierte, hattest Du der Erforscher eines Weltteils zu werden, alles andere wäre nicht angemessen gewesen." (Großschreibung im Original.)

Eine weitere Bedeutung erschließt sich aus der Antwort auf die Frage nach den Auswirkungen der Wissenschaft auf die sie tragende Gesellschaft. Gauß' politisch reaktionäre Einstellung ist auch im Roman deutlich - er wird eine Verbesserung der Lage der Untertanen seines Herrn nicht einmal gewünscht haben. Anders der Franzosenfreund Humboldt, der im Roman Zweifel äußert, ob seine amerikanische Flussreise Wohlfahrt für den Kontinent gebracht" habe und damit z. B. auch anknüpft an Diogenes von Sinope, der schon im 4. Jahrhundert vor Christus gefragt haben soll, ob alle Entdeckungen und Erfindungen etwas an der Mühsal der Mehrheit geändert hätten.

Einen dritten Aspekt offenbart das Kapitel, das die Russlandexpedition Humboldts von 1829 schildert. Im Roman ist der alte und hier schon trottelige Forscher während der Reise von Lakaien umzingelt, die im Auftrage des Zaren und des preußischen Königs verhindern, dass Humboldt mehr zu sehen bekommt, als er sehen soll. Der Forscher wird unfreiwillig zu einem embedded scientist und die von ihm bereiste Welt zu seinem potemkinschen Dorf". Was kann ein Wissenschaftler wirklich jenseits der Hauptstraßen der Macht erkennen? Hat somit Humboldt oder Gauß mehr gesehen von der Welt? Humboldt jedenfalls ist sich da am Ende nicht mehr sicher, er hätte auf einmal nicht mehr sagen können, wer von ihnen weit herumgekommen war und wer immer zu Hause geblieben." Die Vermessung der Welt darf daher auch als ihre Ver-Messung gelesen werden.


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Business Class: Geschichten aus der Welt des Managements - Martin SuterBusiness Class: Geschichten aus der Welt des Managements
Martin Suter

Taschenbuch, Juni 2002
     Verkaufsrang: 3169      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Martin Suters Business Class spielt in der erweiterten Kampfzone der höheren Führungsetagen und auf dem Weg dorthin. Die Protagonisten zeichnen sich weniger durch Businesskompetenz aus als durch den ausgeprägten Willen, voran zu kommen -- und zwar schneller als der Kollege nebenan. Denn erstens ist in den höheren Chargen Kompetenz sowieso nicht gefragt, denn Kritik wird gnadenlos mit der Beförderung der anderen -- der Feusis, Schiltknechts, Bohnenblusts -- bestraft und zweitens ist die Büromöblierung repräsentativer. Martin Suters Geschichten aus dem Management erscheinen seit acht Jahren als wöchentliche Kolumne in der Weltwoche und stellen auch in Buchform höchsten Lesegenuss dar, denn seine Stoffe kennen kein Verfallsdatum.

In der Business Class wird mit harten Bandagen, mit allen Mitteln, zu jeder Zeit und an jedem Ort gekämpft; die Verletzungen reißen tiefe Wunden ins Ego, strapazieren den häuslichen Frieden im Ehebett, lassen den Drink zur Happy Hour schal schmecken und vergiften das sowieso gespannte Klima im Aufzug, der ja bekanntlich nach oben führt.

Martin Suters Kolumnensammlung ist nicht nur vergnügliche Lektüre für unbeteiligte und also entspannt schadenfreudige Zuschauer, sondern auch praktischer Ratgeber für untere und mittlere Kader, die doch wissen sollen, dass die Hackordnung so heißt, weil man treten muss -- gegen unten natürlich. Ein Zustand, an den sich wohl auch die ganz grossen Bosse gerne erinnern. Zudem ist Business Class -- und dies fällt erst im Überblick auf -- eine kleine Geschichte der Führungsstile und -moden. Und Suter schafft es mühelos, die nadelgestreiften Karrieretiger sogar noch sympathisch zu gestalten.

Martin Suter war Werber, ist Autor zweier erfolgreicher Romane und arbeitet für Film (Drehbuch für Beresina) und Fernsehen. Zur Zeit schreibt er zwei Kolumnen: für NZZ Folio und eben für die Weltwoche. Die hier versammelten Texte sind erstmals in Buchform veröffentlicht. --Martin Walker

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 27 Bewertungen)

DIE Belohnung für den wohlverdienten Feierabend ! ! !      5 von 5 Punkten
Im Umschlag dieses Buches ist ein vielversprechendes Zitat des Handelsblattes abgedruckt, der Urheber dieser zurecht wohlwollenden Zeilen empfiehlt Martin Suters Kolumnen als entspannende "Betthupferl".

Suters Geschichten sind voller Typen, welche sich und ihre "Arbeit" oft maßlos überschätzen - mit beruflichen und privaten Auswirkungen, resultierend aus unternehmerischem Größenwahn, hält der Autor meist bis zu den letzten zwei, drei Sätzen seiner Texte hinterm Berg, er treibt seine Geschichtchen somit sehr gekonnt auf die Spitze, ohne dabei jedoch zu übertreiben!

Wie beschreibt man Suters Schreibstil eigentlich treffend? Um es in der Sprache des Kapitals auszudrücken - der Autor packt manchen "Bullen" bei den Hörnern, er zieht dem ein oder anderen "Bären" das Fell über die Ohren, er springt auf die Rücken zahlreicher sog. "Heuschrecken", blickt somit kleinen und großen Tieren über die Schulter....

Wer sich weiteren Ein- und Überblick über das schriftstellerische Talent Suter verschaffen möchte, sollte zum Roman "Ein perfekter Freund" greifen - das Buch war meine persönliche Leseentdeckung des Sommers 2006 - dort beweist Suter eindrucksvoll, dass er, neben seinen unterhaltsamen Kurzgeschichten aus der "Business-Class", durchaus in der Lage ist einen zusammenhängenden Roman zu inszenieren.




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Chuzpe - Lily BrettChuzpe
Lily Brett

Broschiert, 21. November 2007
     Verkaufsrang: 7891      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Ruth kann nicht begreifen, daß ihr Vater Edek, vor wenigen Wochen erst von Melbourne zu ihr nach New York gezogen, weit davon entfernt ist, einen ruhigen Lebensabend zu verbringen. Und daß Lebensabend überhaupt der falsche Begriff ist für den munteren Siebenundachtzigjährigen, der sich erst in Ruths Korrespondenzbüro nützlich zu machen versucht und wenig später ein Verhältnis beginnt mit der (viel zu jungen, wie Ruth findet) Polin Zofia (69). Als Edek zusammen mit Zofia und deren Freundin Valentina auch noch ein Restaurant an der Lower Eastside eröffnen will, das auf polnische Fleischbällchen spezialisiert ist, bangt Ruth gleichermaßen ums Erbe und um ihre Nerven.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 15 Bewertungen)

Bin restlos begeistert      5 von 5 Punkten
War das gut - witzig und anrührend, mit einer umwerfenden Situationskomik, die einen schier vom Hocker reißen kann, gleichzeitig aber auch reich an zarten, dunkleren Tönen, die mir ebenfalls sehr zu Herzen gegangen sind.
Wer wie ich noch dazu das Glück hatte, die Autorin bei einer Lesung persönlich erleben zu dürfen, kann sich glücklich schätzen.
Gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern - und ich kann es jedem, der auf niveauvolle Weise Freude an moderner Literatur haben möchte, nur wärmstens empfehlen!


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Die Wand - Marlen HaushoferDie Wand
Marlen Haushofer

Broschiert, Dezember 2004
     Verkaufsrang: 4342      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Eine unsichtbare, undurchdringliche Wand, jenseits derer Totenstille herrscht, schiebt sich auf einmal zwischen das Tal, in dem die Ich-Erzählerin lebt, und die Außenwelt . . .
Ein unnachahmliches Gleichnis für das unüberwindliche Einsamsein.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 139 Bewertungen)

unglaublich faszinierend, niemals eine Fortsetzung in Sicht      5 von 5 Punkten
Diese fast schon klassische Form der Erzählung ist kaum noch zu steigern,
sie ist fesselnd bis zur letzten Silbe. Ich habe dieses Buch schon mehrmals gelesen, meist wenn ich mal wieder aus unserer sehr schnell lebigen und oberflächlichen Welt abtauchen wollte.
Am Ende des Buches weiß ich, was mich erwartet, aber ich stehe immer wieder vor dem selben Problem, ich bin traurig, weil es niemals eine Fortsetzung geben wird. Ich stelle mir dann mehrere Versionen vor, warscheinlich neigt der Mensch zur Form eines Happy-End`s, um sich richtig gut zu fühlen.
Unbedingt lesen, viele erstaunliche Gefühle werden freigesetzt.


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Wassermusik - T. C. BoyleWassermusik
T. C. Boyle

Taschenbuch, Juli 1990
     Verkaufsrang: 4394      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Zocker und Voyeure, Hexen und Sadisten, Huren, fremdartige Schönheiten und schottische Kleinbürger: T. C. Boyle erzählt von den zwei Westafrika-Expeditionen des schottischen Entdeckers Mungo Park, der sich um das Jahr 1800 auf die Suche nach dem Niger machte, beide Male in Begleitung eines ehemaligen Sklaven und Butlers. Verwoben in diese Geschichte ist das Schicksal eines Londoner Trunkenbolds und Trickbetrügers namens Ned Rise. Eine weitere Parallelhandlung spielt in Schottland, wo Parks Geliebte und spätere Frau Ailie Anderson auf die Rückkehr des Weltenbummlers wartet. Boyle stützt sich auf dabei auf Mungo Parks Reiseberichte, etwa Travels in the Interior of Africa (1803), die sich unterhaltsam lesen und für damalige Zeiten eine enorme Menge von ethnologischem Material auf unvoreingenommene Weise präsentieren. In einer knappen Vorbemerkung stellt Boyle jedoch fest: Ich habe den historischen Hintergrund aus der Freude und Faszination genutzt, die er mir bereitete, keinesfalls aber in dem Wunsch, die darin festgehaltenen Ereignisse genauestens zu rekonstruieren oder für einen Roman zu bearbeiten.
Hörspiel Laufzeit ca. 275 Minuten Sprecher: Thomas Fritsch, Udo Schenk, Anna Thalbach u.v.a.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 74 Bewertungen)

Intelligenter, gewitzter, spannender, unheimlich lesenswerter Roman      5 von 5 Punkten
Das höchstwahrscheinlich beste Buch, das der amerikanische Autor T. C. Boyle (bisher) geschrieben hat. Wassermusik ist die Geschichte des jungen Entdeckungsreisenden Mungo Park, der sich um 1800 in zwei waghalsigen Missionen auf die Suche nach dem Niger in Westafrika macht. Gleichzeitig erzählt sie die Abenteuer des Londoner Ganoven Ned Rise, welcher mit allen möglichen Betrügereien sein Einkommen zu sichern versucht. Obwohl zwischen beiden Handlungssträngen zu Beginn keine Verbindungen festzustellen sind, liest sich dieser Roman wie aus einem Guss. Dies liegt gleich an vielerlei Gründen. Boyles umgangssprachlicher Ton und Wortwitz machen dieses Werk von der ersten Seite an zu einem Lesevergnügen. Mit viel Humor und Ironie, aber auch Gefühl und Einfühlsamkeit wird die Odyssee von Mungo Park geschildert, der ständig vom Regen in die Traufe gerät und nur stets dank der Mithilfe seines schwarzen Führers Johnson seine Reise fortsetzen kann. In gewissem Sinne hat Boyle hier Jules Vernes In 80 Tagen um die Welt ins Gegenteil verkehrt. War dort der Diener Passepartout der naive Pechvogel, ist es hier genau anders herum. Ein eindeutiges Erfolgsrezept, denn Wassermusik fesselt durchweg, ist niemals langatmig und so tempo- und abwechslungsreich wie eine Achterbahnfahrt. Hat man sich auf einer Seite noch vor Lachkrämpfen geschüttelt, wühlt den Leser auf der folgenden die poetische Sprache derart auf, dass es einem Selbige verschlägt. Die Art und Weise wie der Autor im weiteren Verlauf des Buches dann Überschneidungen zwischen den Handlungssträngen erstellt und sie am Ende schließlich zusammenführt, kann man getrost mit dem Wort erstklassig beschreiben. Insgesamt ist Wassermusik ein intelligenter, gewitzter, spannender und unheimlich lesenswerter Roman, denn man jeder Leseratte einschränkungslos empfehlen darf.


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Der menschliche Makel - Philip RothDer menschliche Makel
Philip Roth

Taschenbuch, Oktober 2003
     Verkaufsrang: 10115      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Im Sommer 1998, als der emeritierte Griechischprofessor Coleman Silk dem Ich-Erzähler seine Affäre mit der weitaus jüngeren Putzfrau Faunia Farley beichtet, denkt ganz Amerika "an den Penis des Präsidenten". Es ist der Sommer, in dem der Zigarrenakt Bill Clintons mit Monica Lewinsky ruchbar wird: Der Sommer der moralinsauren Vorwürfe und der scheinheiligen Reue also, in der "das Leben in all seiner schamlosen Schlüpfrigkeit Amerika wieder einmal in Verwirrung stürzte".

Der Kenner des griechischen Dramas Coleman Silk ist selbst eine tragische Figur, die, wie ihr Präsident, öfters auch an fremde Frauen dachte. Und der Ich-Erähler ist der "anerkannte Schriftsteller" Mr. Zuckerman, der bald sein Buch Der menschliche Makel veröffentlichen will -- so geht es zu im neuen, doppelbödigen Roman von Philip Roth, in dem neben Sex natürlich auch das Judentum wieder eine zentrale Rolle spielt. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist Silk, der verdienstvolle Dekan einer amerikanischen Universität, über eine Bemerkung gegenüber zwei abwesenden Afroamerikanerinnen gestolpert, die ihn völlig zu Unrecht in den Verdacht des Rassismus brachte: eigentlich eher ein Aufzug des absurden Theaters, der allerdings eine "Chronologie der Schrecken" und irgendwie sogar den Tod von Silks Ehefrau nach sich zieht. Und dann kommt auch wieder Faunia ins Spiel, die mit Silk ein großes Geheimnis teilt.

Gern berichtete der Griechischprofessor den Studenten früher von Homers Achill, der aufgrund sexueller Zurückweisung zur "empfindlichsten Tötungsmaschine in der Geschichte der Kriegführung" mutierte. "In der Verletzung des phallischen Anspruchs beginnt die Dichtkunst", sagte er, "und genau aus diesem Grunde werden wir heute, beinahe dreitausend Jahre später, ebenfalls dort beginnen". Diese Verpflichtung hat Philip Roth mit seinem neuen großen Sittenporträt nach The Great American Novel eingelöst -- und das in der besten Manier, derer die US-Gegenwartsliteratur nach Clinton fähig ist. --Thomas Köster

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 76 Bewertungen)

Eben doch ein Könner      5 von 5 Punkten
Zugegeben, zunächst störte mich beim Lesen, dass einerseits ein Ich-Erzähler erzählt, der nicht alles wissen kann, dann aber doch alles weiß. Und ich dachte, wenn ein unbekannter Autor einen solchen Plot vorgelegt hätte, wäre er bei den Verlagen abgeschmettert worden.
Dann aber sah ich darüber hinweg. Die Vielschichtigkeit des Romans ist faszinierend, die unerwarteten Wendungen und die Figuren in ihrer Zwiespältigkeit. Großartig!


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Briefe in die chinesische Vergangenheit. Roman - Herbert RosendorferBriefe in die chinesische Vergangenheit. Roman
Herbert Rosendorfer

Taschenbuch, Januar 2002
     Verkaufsrang: 7258      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Ein Mandarin aus dem China des 10. Jahrhunderts versetzt sich mit Hilfe eines »Zeit-Reise-Kompasses« in die heutige Zeit. Er überspringt nicht nur tausend Jahre, sondern landet auch in einem völlig anderen Kulturkreis: in einer modernen Großstadt, deren Name in seinen Ohren wie Min-chen klingt und die in Ba Yan liegt. Verwirrt und wißbegierig stürzt sich Kao-tai in ein Abenteuer, von dem er nicht weiß, wie es ausgehen wird. In Briefen an seinen Freund im Reich der Mitte schildert er seine Erlebnisse und Eindrücke, erzählt vom seltsamen Leben der »Großnasen«, von ihren kulturellen und technischen Errungenschaften und versucht Beobachtungen und Vorgänge zu interpretieren, die ihm selbst zunächst unverständlich sind.
Die Fortsetzung ›Die große Umwendung. Neue Briefe in die chinesische Vergangenheit‹ ist ebenfalls bei dtv erschienen.
Herbert Rosendorfer, geboren am 19. Februar 1934 in Bozen, studierte Kunst und Jura und war bis 1977 als Richter in München und Naumburg/Saale tätig.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 60 Bewertungen)

einfach großgartig!      5 von 5 Punkten
Ich hatte das Buch vor vielen Jahren gelesen und mir jetzt fürs Auto die Hörbuchfassung geschenkt. Ein außerordentliches Vergnügen. Ich wollte gar nicht ankommen... Das einzige, worüber es sich zu beschweren gibt: 4 CDs sind einfach viel zu kurz!


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Wilde Schafsjagd - Haruki MurakamiWilde Schafsjagd
Haruki Murakami

Broschiert, Oktober 2006
     Verkaufsrang: 7066      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Haruki Murakamis meisterhafter Bestseller um ein Schaf mit übernatürlichen Kräften, ein Teilzeit-Callgirl mit den schönsten Ohren der Welt und einen Kriegsverbrecher mit Gehirntumor ist ein fantastischer Detektivroman, inspiriert von den düsteren Werken Raymond Chandlers – nur dass dieser Fall unlösbar ist. Der Geschichtenzauberer Murakami entführt in eine Welt voll bizarrer Geheimnisse, in der Realität und Fantasie zu einem virtuosen Abenteuer verschmelzen.
"Murakami zu lesen wirkt selbst tröstlich auf Leute, die noch gar nicht traurig sind, vielleicht ist das Murakamis Geheimnis."
DIE ZEIT
"Ein Mythenerzähler für dieses Jahrtausend."
NEW YORK TIMES BOOK REVIEW


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)

bis über beide Ohren verliebt.      5 von 5 Punkten
Ich bin nicht der große Inhaltsangabenmacher. Meist verfange ich mich in Kleinigkeiten, zerrede womöglich noch dieses wunderbare Buch; das darf mir hier keinesfalls passieren.
Was schreibe ich also hier?
Nun, ich habe mittlerweile 3 Murakamis tief eingeatmet (mit diesem jetzt 4), und mein Verlangen nach neuen Geschichten ist nach wie vor ungebrochen. Murakami ist ein Traumarchitekt, dem man seine Fantasiebauten zweifellos abkauft. In seinen Büchern gibt es keine feste Realität, unter ihr schlafen Mythen und Mysterien, die einfach da sind. Punkt.

Die Suche nach einem Schaf, einem Schaf, das einem in den Kopf steigt, Kreativität bis zum zerbersten in seinem Wirt erweckt, ihn unsterblich macht, ein Schaf mit einem Stern auf dem Rücken. Es muss gefunden werden. Absurd? Nein, das ist so. Eine detektivisch angehauchte Story, die mitsuchen lässt.
Hier treffen die Zufälle eines Paul Austers auf Einsamkeitsmomente eines Becketts. Immer wieder blitzt feiner Humor auf und...das hört sich vielleicht kindlich naiv an, einmal hat es mich sogar richtig gegruselt.
Das Ende ist sehr konsequent. Das "Tanz mit dem Schafsmann" eine Fortsetzung ist (ich habe es noch nicht gelesen) überrascht da schon, aber nun denn...
Wilde Schafsjagd ist bestes Murakami-Feeling. Auch als "Einstiegsdroge" zu empfehlen.


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Kafka am Strand - Haruki MurakamiKafka am Strand
Haruki Murakami

Taschenbuch, März 2006
     Verkaufsrang: 3717      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 10,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele? Haruki Murakami formuliert es etwas anders, ist aber in Kafka am Strand wieder den großen Fragen nach Identität, Wahrnehmung und Wirklichkeit auf der Spur. Er knüpft dabei erklärtermaßen an seinen ersten Erfolg, Hard-boiled Wonderland, an, inhaltlich wie formal: Zwei Geschichten werden parallel erzählt, ohne dass zunächst klar würde, was die handelnden Personen miteinander verbindet. Da ist zum einen Kafka, der an seinem 15. Geburtstag ausreißt und vor einer düsteren Prophezeiung seines Vaters auf die Insel Shikoku flüchtet. Er schließt Freundschaft mit dem Bibliothekar Oshima -- für manche Überraschung gut -- und verliebt sich in die wesentlich ältere Saeki.

Im Mittelpunkt des anderen Erzählstrangs steht Nakata, der Katzenflüsterer, dessen Geistesschwäche auf einen mysteriösen Vorfall im Jahre 1944 zurück geht. Jetzt glaubt er in einen Mordfall verwickelt zu sein und verlässt Tokio. Unterwegs -- gerade hat es Blutegel geregnet -- trifft er den Fernfahrer Hoshino, auch ihr Weg führt schließlich in Oshimas Bibliothek. Diese dient als eine Art Scharnier zwischen den Welten, zwischen Leben und Tod, Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Fantasie. Ihre Bücher sind für Kafka "lebendiger und fesselnder als die Menschen, die vor dem Bahnhof herumwimmeln". Er verliert sich allmählich in diesem "Zerrspiegel der Zeit", in erotischen Tagträumen -- sind es Träume? -- und Wahnvorstellungen: "Vielleicht habe ich meinen Vater durch meine Träume ermordet." Liebt er die 15-jährige Saeki oder die alte?

Auch die Leser verlieren, nämlich irgendwann das Interesse an diesem hormongeplagten Halbstarken. Wie möglicherweise der Autor, der auf der anderen Seite einen ergreifend tragikomischen Helden präsentiert: "Nakata hat eigentlich keine Meinung. Er mag Aal", definiert dieser japanische Schwejk sich selbst -- inmitten philosophischer Seifenblasen ein erfreulich nüchternes Motto. Die besten Szenen mit ihm und Hoshino könnten von Beckett stammen -- zwei Landstreicher auf Sinnsuche.

Ist das ein guter Roman? Und wenn ja, wie viele? "Mein Road-Movie-Roman" (Murakami), magischer Realismus, Seins-Fiktion? Nach einigen Durchhängern endet die "Probefahrt auf einer gigantischen Achterbahn" rasant. Murakami-Fans, die erst ab Seite 300 richtig warm werden, werden sich freuen. Murakami-Sympathisanten halten sich an Nakata oder auch Sätze wie diesen: "Erinnerungen sind das, was Ihren Körper von innen wärmt." --Patrick Fischer

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 60 Bewertungen)

Grandios      5 von 5 Punkten
Murakami ist wundervoll, unterhaltend, hintersinnig, leicht.Und dabei ist und bleibt er unverwechselbar. Einer der ganz großen Autoren. Eben nicht Elfenbeinturm, dennoch - und gerade deswegen- zauberhaft.


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Mister Aufziehvogel - Haruki MurakamiMister Aufziehvogel
Haruki Murakami

Taschenbuch, 14. September 2007
     Verkaufsrang: 6322      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 12,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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"Japans ranghöchster Romancier heute ist Haruki Murakami - ein Mythenschöpfer für die Jahrtausendwende, ein hinterlistiger Weiser." (Publishers Weekly)
Toru Okada, ein unzufriedener Mann von 30 Jahren, gerade ohne Arbeit, von seiner tüchtigen Frau zur Selbsterforschung ermutigt, ist Held des Romans, eines Romans über die verschüttete Seele des globalisierten Menschen, der zwar fliegen kann, aber nur wie ein Spielzeugvogel, den irgend jemand aufgezogen hat.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 54 Bewertungen)

Unbeschreiblich - im wahrsten Sinne des Wortes      5 von 5 Punkten
Dieses Buch ist in Worte nicht wiederzugeben. Es ist wirr, spannend, emotional, detail getreu beschrieben und dabei niemals langweilig. Mir scheint die Übersetzung perfekt gelungen und dass macht dieses Buch zu einem dieser Bücher, die man nicht zur Seite legen möchte. Mit seinen über 700 Seiten ist es ein Buch, dass trotz vieler, kleiner, ganz unterschiedlichen Geschichten immer wieder einen Spannungsbogen erzeugt - jede kleine Geschichte für sich. Ich möchte meinen Mr. Aufziehvogel nicht mehr missen.


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Ein fliehendes Pferd - Martin WalserEin fliehendes Pferd
Martin Walser

Broschiert, 5. Oktober 2007
     Verkaufsrang: 4288      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Helmut Halm, Lehrer an einem renommierten Stuttgarter Gymnasium, und seine Frau Sabine verbringen, wie seit Jahren schon, ihre Ferien am Bodensee. Ein Paar in mittleren Jahren, ein vielleicht wohltuend ereignisloses Leben. Man liest, wandert, schottet sich ab. Diese Ferienidylle wird jäh unterbrochen, als Klaus Buch, ein ehemaliger Mitschüler Halms und dessen junge Frau Helene, Hel genannt, auftauchen.

So wenig spektakulär beginnt Martin Walsers wohl immer noch erfolgreichstes Buch Ein fliehendes Pferd. Die Novelle von 1978 wurde von Lesern und Kritikern gleichermaßen begeistert aufgenommen. Walser stellt parabelhaft die Biographien beider Männer gegenüber, hier der etwas behäbige, Kierkegaard lesende Studienrat Halm, dort der freie Journalist und Aussteiger Klaus Buch und seine Vorzeigefrau Hel, bronzefarben, erfrischend junggeblieben. Halm ahnt, diese Quälgeister wird man in diesem Urlaub nicht mehr los. Klaus Buch, außer sich vor Freude über das unverhoffte Wiedersehen mit seinem alten Studienfreund, beginnt, die Urlaubsplanung zu übernehmen.

Walsers Auge für allerfeinste Details im Zwischenmenschlichen, seine Fähigkeit, scheinbar Banales in große Zusammenhänge zu bringen, macht diese Novelle zu einem Jahrhundertwerk. Alles bleibt klein und erst dadurch wird es groß. Die Schilderung des wachsenden Konfliktes der einstigen Freunde, die grelle, missionierende Aufdringlichkeit des Klaus Buch, auf die Halm nur mit hilfloser Ironie zu reagieren vermag (schließlich gerät beinahe noch Halms Ehe ins Wanken, da sich Sabine von Buchs zupackender Art angezogen fühlt), all dies bringt uns Walser mit einer Wortgewalt herüber, die in der Literatur ihresgleichen sucht.

Lassen wir uns also in einem furiosen Schlusskapitel auf das Segelboot entführen, das auf dem sturmdurchtosten Bodensee treibt. Der ängstliche Halm und der tollkühne Buch, diese im Innern sich doch sehr ähnlichen Männer, treten noch einmal zu einem dramatischen Schlußgefecht an, das in einer völlig unerwarteten Wendung der Ereignisse zu seinem überraschenden Höhepunkt findet. --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 32 Bewertungen)

super buch, super film!      5 von 5 Punkten
ich bin über den neuen film auf dieses buch von martin walser gestossen. der film war einfach gradios, tiefgründig, heiter,... für mich der beste film des jahres. ich habe mich immer wieder an szenen aus dem film erinnert. dann habe ich mir das buch gekauft. der film trifft sehr gut den ton des buches obwohl er sehr frei interpretiert, aber das ist auch gut so. (umgekehrt wäre es vielleicht für mich schwieriger gewesen, wenn ich mir beim lesen meine figuren in der fantasie erschaffen hätte und dann im film mit der fantasie des regisseurs konfrontiert werde)

das buch besticht einerseits durch die handlung, andererseits durch die sprache: die geschichte spiegelt das verzweifelte seelenleben des "helden" helmut halm. das altern, das spießertum, die faulheit, die resignation,... und der gewaltige zusammenbruch all dessen durch das eindringen des aktiven, junggebliebenen schulfreundes klaus buch in seine "heile" welt. der störenfried regt auf und an, dessen leben sich dann auch nur als fassade enttarnt.
walsers stil ist wortgewaltig tiefgründig, aber auch verspielt und heiter. in einer übersetzung in eine andere sprache würden sicher viele einzigartige nuancen verlorengehen.

für mich ein buch, dass ich so wie max frischs "homo faber" immer wieder lesen kann!


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Die Liebe in den Zeiten der Cholera - Gabriel Garcia MárquezDie Liebe in den Zeiten der Cholera
Gabriel Garcia Márquez

Gebundene Ausgabe, 1. November 2007
     Verkaufsrang: 3611      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 10,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Schon aus praktischen Gründen hat die schöne Fermina den jungen Florentino nicht heiraten können. Einundfünfzig Jahre, neun Monate und vier Tage später ist er wieder zur Stelle und erklärt ihr seine Liebe... Garcia Marquez hat einen großen Roman geschrieben, eine Geschichte voller Lebenskraft und Poesie, einen Hymnus auf die absolute Liebe

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 24 Bewertungen)

Wunderbar authentisch      5 von 5 Punkten
Über den Inhalt wurde schon mehrfach geschrieben. Was dieses Buch meiner Meinung nach so wunderbar macht, ist die Authenzität: Die Ehe zwischen Fermina und Urbino wird als sehr schön alltäglich mit Höhen und Tiefen beschrieben; dass die Liebe eben nicht nur Schmetterlinge bedeutet sondern wirklich harte Arbeit. Und dass jahrzehnte langes Warten durchaus zum Ziel führen kann.

Ein Buch, dass eine Liebesbeziehung (in Fortsetzung Ehe) beschreibt, wie sie in heutiger Zeit nur noch selten vorkommt, da die meisten eine Beziehung zu schnell wegschmeißen.


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Die wilde Geschichte vom Wassertrinker - John IrvingDie wilde Geschichte vom Wassertrinker
John Irving

Taschenbuch, Januar 1992
     Verkaufsrang: 29530      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Seine Frau will raus; seine Geliebte will ein Kind. Die Beschwerden, die er sich bei seiner einstigen Babysitterin geholt hat, machen ihm das Lieben zur Qual. Der Filmemacher, für den er arbeitet, will sein Leben verfilmen: als Dokumentation eines Fehlschlags. Dies ist die Geschichte des fluchbeladenen Fred Bogus Trumper, eines Schlawiners und Schwindlers, eines Nichtstuers voller Charme und guter Vorsätze.

Seine Frau will raus; seine Geliebte will ein Kind. Die Beschwerden, die er sich bei seiner einstigen Babysitterin geholt hat, machen ihm das Lieben zur Qual. Der Filmemacher, für den er arbeitet, will sein Leben verfilmen: als Dokumentation eines Fehlschlags. Dies ist die Geschichte vom Glück und Unglück des fluchbeladenen Fred Bogus Trumper, des eigenwilligen fahrenden Ritters im Kampf der Geschlechter, der ausschließlich seiner Waffe die Schuld an allem gibt. Seine...


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 31 Bewertungen)

Ihr Gynäkologe hatte ihn mir empfohlen...      5 von 5 Punkten
...so beginnt der möglicherweise beste Roman von John Irving. Die Geschichte ist wild, chaotisch und es kommt eine Menge Wien darin vor - was will man mehr. John Irving at his very best.


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Ausweitung der Kampfzone - Michel HouellebecqAusweitung der Kampfzone
Michel Houellebecq

Broschiert, November 2006
     Verkaufsrang: 3955      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Jeder gegen jeden
"Wir sagen ja zur modernen Welt", konnte die Münchner Band Freiwillige Selbstkontrolle Anfang der 80er Jahre noch selbstironisch singen. "Ich liebe diese Welt nicht", wütet der namenlose Ich-Erzähler im Erstlings-Roman des Franzosen Michel Houellebecq, "ich liebe sie ganz entschieden nicht."

Die Stationen seiner Odyssee durch die Vorhölle der modernen Angestellten-Welt am Ende der 90er sind allerdings auch kaum geeignet, von dieser Haltung nur ein Quentchen abzurücken. Keine Hoffnung, nirgends: Der EDV-Spezialist einer Pariser Softwarefirma, jung, beruflich erfolgreich, zugleich bindungslos und depressiv, protokolliert mit bösem Röntgenblick eine Gesellschaft, die pausenlos plappernd leerläuft. Ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, der sich mehr und mehr in einen Kriegsschauplatz verwandelt. Sex stellt für Houellebecq in diesem Kampf jeder gegen jeden nur ein "zweites Differenzierungssystem" dar, das zwar vom ökonomischen abgekoppelt, aber "mindestens ebenso erbarmungslos" funktioniert: "Die Unternehmen kämpfen um einige wenige Jungakademiker; die Frauen kämpfen um einige wenige junge Männer; die Männer kämpfen um einige wenige Frauen. Das Maß an Verwirrung und Aufregung ist beträchtlich."

Der Frontberichterstatter Houellebecq weiß nur zu gut, daß die herkömmliche Form des Romans nicht geeignet ist, die Indifferenz oder das Nichts zu beschreiben, und folglich geht es ihm auch nicht darum, sein Talent mit "sublimen Beschreibungen verschiedenartiger Seelenzustände" zu vergeuden. Film noir statt Eric Rohmer: Wenige Episoden, skizzenhaft hingeworfen, reichen aus, um am Ende der Versuchsanordnung ein vernichtendes Urteil zu sprechen: "Das Lebensziel ist verfehlt." Mit diesem Wissen, ahnt man, geht es jetzt noch 20, 30, 40 Jahre weiter, bis zum Ende. Die Hoffnung, jemals rettendes Ufer zu erreichen, ist dahin.

Zugegeben, manchmal verwechselt der angry young man vor lauter Böse-Sein-Wollen auch die Provokation mit deren Attitüde. Dennoch: Mit sparsamsten Mitteln, auf wenig mehr als 150 Seiten, gelingt Houellebecq ein eindrucksvolles, wiewohl reichlich desillusionierendes Psychogramm unserer Verlorenheit, unseres Selbstbetrugs und unserer unstillbaren Manie, glücklich sein zu wollen. Literatur, schrieb Kafka, sei die Axt für das gefrorene Meer in uns. Houellebecq, am Ende des Jahrhunderts, hantiert mit Sprengsätzen. --Niklas Feldtkamp

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 101 Bewertungen)

Kontroverser Thesenroman      5 von 5 Punkten
Ein Freund brachte mich dazu mir den Roman "Plattform" zu kaufen und so kam ich dann - weil ich von Plattform begeistert war - auch zur "Ausweitung der Kampfzone" - ein Buch das mich nicht weniger begeistert hat.
Das Werk von Houellebecq ist getragen von der Sehnsucht und Unmöglichkeit der Liebe in unserer hochgradig individualiserten Welt.
In "Ausweitung der Kampfzone" geht es um einen mittleren Angestellten, der seine berufliche Position gefunden hat aber aufgrund seiner Einsamkeit in schwere Depressionen verfällt.
Der Protagonist ist Informatiker und gewinnt seiner gut bezahlten Arbeit keinerlei Erfüllung ab. Als ihm ein Teilnehmer eines Fortbildungskurses den er durchführen muss, um eine neue Software in den Behörden des französischen Agrarministeriums einzuführen, entgegenhält, dass die Software nur eine Beschäftigungstherapie für die Pariser Bürokratie ist, die auf dem Land nicht benutzt wird, hat der Protagonist nichts zu erwidern. Die Vorführung der Sinnlosigkeit des eigenen Schaffens führt zu keinem Aufbäumen mehr.
Unser Held interessiert sich schließlich nicht für seine Arbeit.
Er ist einsam auf der Suche nach Freundschaft und vor allem auf der Suche nach Liebe. Eine tiefe unerfüllbare Leidenschaft.

Der Roman ist in seinem depressiven Grundton fast schon erdrückend. Daher ist er auch für viele Leser nicht zu empfehlen. Ich bin auch noch einige Tage nachdem ich das Buch weggelegt habe manchmal niedergeschlagen von der Sinnlosigkeit des Lebens, die einem dieses Buch vermitteln will (im Übrigen mit Erfolg!).

Zur Handlung selbst ist genug geschrieben worden, weswegen ich mich auf anders beschränken möchte.
In diesem Buch legt der Autor seinen Lesern in bislang klarster und eindringlichster Form die Kernthese seines Weltbildes vor.
Die gesamte Gesellschaft differenziert sich demnach in zwei Kerndimensionen: ökonomischer (Miß-)Erfolg und sexueller (Miß-)erfolg.
Der stärkere/schönere setzt sich durch. In einer solchen Welt - erschaffen von einer Bewegung, die man wohl als die 68er bezeichnen kann - ist kein Platz mehr für Hoffnung oder gar Romantik.
Die Schwächeren - mit denen Houellebecq sicherlich sympathisiert - bleiben links liegen und werden sich beim Blick in den Spiegel ihres Versagens bewusst. Für Houellebecq gibt es keinen Ausweg aus dieser Situation - und genau diese Ausweglosigkeit ist Thema dieses Buchs.

Das ganze wird eindringlich, aufdringlich und sehr dicht erzählt. Es fiel mir beim Lesen schwer, mich dem Sog der Depression zu entziehen.
Das wir diese These als Roman konsumieren können ist wichtig und gut.
Zwei Punkte sind aber zu kritisieren:
1. Warum so ausweglos? Schwingt da nicht doch die Freude am eigenen Leiden mit?
2. Houellebecq behauptet die Unabhängigkeit von ökonomischem und sexuellem Erfolg. Wenn das nur seinen Protagonisten beträfe wäre es in Ordnung, weil dieser offensichtlich eine beschränkte Perspektive einnimmt. Aber ich werde den Eindruck nicht los, dass H. das selber denkt. Und damit unterscheidet er sich dann in nichts von den dämlichen Ökos, für die H. nicht mal mehr ein Lächeln überhat.
zu 1. Letztlich beschreibt H. nur die Entstehung bzw. das Dasein des sexuellen Subproletariats. Durch das Ende des ökonomischen Fordismus ist eine neue Klasse in Westeuropa entstanden, die wir häufig die Überflüssigen nennen.
Durch andere Entwicklungen gibt es mittlerweile auch in der sexuellen Dimension eine Gruppe der Überflüssigen. Die Exklusion ist insofern besonders hinterhältig, weil die Überflüssigen sich nach nichts mehr sehnen, als nach der Erfüllung des allgegenwärtigen Habitus der sexuellen Individualisierung.
Warum eigentlich? Nach der Theorie der kognitiven Dissonanz wäre es doch wahrscheinlich, dass sich die "Verlierer" der sexuellen Revolution von den Idealen der Mehrheit verabschieden, da das tägliche Scheitern unerträglich ist. H. will das nicht nachzeichnen, vielleicht weil er es für Selbstbetrug halten würde und es ihm darum geht das Scheitern des gewöhnlichen Menschen an der gewöhnlichen Gesellschaft darzustellen - gut!
Aber auf die Dauer ist es zu radikal, Selbstbetrug ist allgegenwärtig - auch bei den sexuell "erfolgreichen" - und es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Aber H. will sein Kreuz noch nicht bei der CDU machen, um einmal an "Die fetten Jahre sind vorbei" zu erinnern. Emotional nachvollziehbar und als Künstler gesellschaftlich anerkannt leistet sich H. den Luxus Figuren nachzuzeichnen, die dem Scheitern als Passion nachgehen können und den Versuch leben GLÜCKLICH zu sein. Was liefert eine solche Darstellung seinen (Mittelschicht-)Lesern, die von Ängsten zerfressen vor allen Dingen nach ZUFRIEDENHEIT streben?

zu 2. Das sexueller und ökonomischer Erfolg voneinander unabhängig sind ist eine lächerliche Annahme. Als ich das gelesen habe musste ich spontan daran denken, wie mir einmal ein Ehepaar erzählt hat, dass sie sich sicher seien, dass man auch ohne Geld glücklich sein könne. Dies hätten sie gemerkt, als sie im Sommerurlaub (!) auf Bali (!!) mit einem Cocktail (!!!) den Sonnenuntergang angeschaut hatten.

Fazit: Ein toller, berührender Roman. Aber die Thesen, die H. entwickelt und um die es ihm mehr und mehr zu gehen scheint sind lediglich in der Form des Romans tragbar. Isoliert betrachtet sind sie zu holzschnittartig. Das mindert den Wert des Buches für einige, weil sie sich den Gedanken nicht öffnen können - das Werk st zu sperrig. Mir macht es eher Spaß H.s Erklärungsversuche für unsere Kultur im Alltag anzuwenden und somit mal ein wenig gegen den Strom zu denken - aber bitte nicht für immer...


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