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| Zeitgenössische Literatur | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Die Liebe in den Zeiten der Cholera Gabriel Garcia Márquez Gebundene Ausgabe, 1. November 2007 Verkaufsrang: 4606 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Schon aus praktischen Gründen hat die schöne Fermina den jungen Florentino nicht heiraten können. Einundfünfzig Jahre, neun Monate und vier Tage später ist er wieder zur Stelle und erklärt ihr seine Liebe... Garcia Marquez hat einen großen Roman geschrieben, eine Geschichte voller Lebenskraft und Poesie, einen Hymnus auf die absolute Liebe
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 24 Bewertungen)
Wunderbar authentisch 5 von 5 Punkten Über den Inhalt wurde schon mehrfach geschrieben. Was dieses Buch meiner Meinung nach so wunderbar macht, ist die Authenzität: Die Ehe zwischen Fermina und Urbino wird als sehr schön alltäglich mit Höhen und Tiefen beschrieben; dass die Liebe eben nicht nur Schmetterlinge bedeutet sondern wirklich harte Arbeit. Und dass jahrzehnte langes Warten durchaus zum Ziel führen kann.
Ein Buch, dass eine Liebesbeziehung (in Fortsetzung Ehe) beschreibt, wie sie in heutiger Zeit nur noch selten vorkommt, da die meisten eine Beziehung zu schnell wegschmeißen.
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Das wilde Kärnten: Menschenkind / Der Ackermann aus Kärnten / Muttersprache Josef Winkler Taschenbuch, Juli 2008 Verkaufsrang: 42590 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Winklers Erstlings-Trilogie 5 von 5 Punkten Die Trilogie „Das wilde Kärnten" des Schriftstellers Josef Winkler ist eine Kompilation seiner drei ersten Romane „Menschenkind", „Der Ackermann aus Kärnten" und „Muttersprache". Alle drei zusammengenommen bilden von der wild-wüsten Anklage in „Menschenkind" hin zu einer etwas distanzierten Haltung in „Muttersprache" die Auseinandersetzung des Österreichers mit seinem Vater, dem Patron, der Haßfigur, an der er sich abarbeitet. Auch heute noch lebt Winkler in dem erzkatholischen Kärtner Dorf Kamering, obwohl er dort als „Anderer" kaum angesprochen, fast überall angefeindet wird. Doch Winkler braucht diese Umgebung, um überhaupt erst schreiben zu können, schließlich ist er über sein Anders-Sein erst zum Schreiben gekommen. Ausschlaggebend dafür war der Selbstmord zweier 17jähriger Jungen aus seinem Dorf. Dem einen war Winkler - damals 21jährig - derart eifersüchtig, daß er nicht ihn mit in den Tod genommen hat, daß er zu dem Zeitpunkt begann, „Menschenkind" zu schreiben.Zum Teil ist Winklers Schreiben Selbsttherapie. Das Motiv der beiden Jungen und deren Selbstmord taucht immer wieder auf, geschmückt in den unterschiedlichsten farbigen Metaphern, verbunden mit obszönen Darstellungen homosexueller Sexualpraktiken, wüsten Schimpftiraden auf den Vater, den Katholizismus, die Kärntner Scheinidylle. Mit „Menschenkind" scheint er sich zum Teil therapiert zu haben. Die Abruptheit, die Explosivität der Sätze ist teilweise gewichen, der Leser gerät nicht ständig in ein Wechselbad der Gefühle, auf eine Achterbahn der Emotionen. Winkler hat noch nicht seinen Frieden gefunden, das gelingt ihm wohl erst mit „Natura morta", doch indem er sein katholisches Leiden auf eine derart schockierende Weise beschrieben hat, öffnet sich ihm in der Realität der Weg nach draußen, in sein Leben mit einem gewissen Abstand zum Vater, dem er zu nichts mehr verpflichtet ist. Fazit: Josef Winkler polarisiert; man muß sich in ihn einlesen und v.a. auch etwas über den Hintergrund seines Schreibens, die österreichische Mentalität kennen, um sein Werk zu verstehen. Und obwohl gerade „Menschenkind" vor Obszönitäten nur so strotzt, kommt man einfach nicht davon los immer weiter zu lesen. |
Am Hang Markus Werner Broschiert, Januar 2006 Verkaufsrang: 3165 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Am Hang zu leben, kann riskant sein. Wie leicht können Dinge ins Rutschen geraten. Diese Erfahrung muss der Scheidungsanwalt Clarin machen, dessen Arbeitswochenende in seinem Tessiner Ferienhaus einen etwas anderen Verlauf nimmt. Ein abendlicher Trunk, ein harmloses Gespräch, mehr hatte dem leutseligen Clarin nicht vorgeschwebt, als er sich dem Fremden auf der Terrasse des Bellavista-Hotels vorstellte. Doch sollte sich bald herausstellen, dass Loos nicht der Partner für den erwartet netten Plausch war. Clarin dämmerte - diesen innerlich Zerrissenen würde er so schnell nicht mehr loswerden! Die Schlinge zieht sich zu. Zusehends redet sich der kultivierte, schwerblütige Loos in Rage, philosophiert hemmungslos und trunken über den erbarmungswürdigen Zustand einer lärmenden und oberflächlichen Welt, die ihm verhasst geworden ist. Vor einem Jahr war im Kurhotel in Cademario drüben am Hang seine über alles geliebte Frau von ihm gegangen. War es Selbstmord? Ein Restleben als Endlosschleife der Verzweiflung. Clarin beginnt, aufzuhorchen. Cademario war auch ihm kein fremder Ort. Schicksalsspuren überschneiden sich. Clarin beginnt zu frösteln. Mehr und mehr zieht es Clarin in den persönlichen Albtraum eines Beschädigten. Rätsel über Rätsel über den Verlust einer Frau werden aufgetürmt. Die kammerspielhafte Enge des Schweizer Talkessels, die immer fiebriger werdenden Zwiegespräche auf der Hotelterrasse, ziehen auch den Leser allmählich in ihren Sog. Vergessen wir das bisweilen unsägliche Dauerlamento des mürrischen Loos, dessen küchenpsychologische Alltagsbetrachtungen sich über die Verrohung des Menschen bis hin zu Hasstiraden auf Handytöne erstrecken - Markus Werner gelingt es dennoch meisterlich, den unheimlichen Spannungsbogen seines Psychodramas aufrecht zu erhalten. Am Ende des Vexierspiels um eine große verlorene Liebe wird auch die Welt des erotischen Leichtfußes Clarin schwer geworden sein. In bestürzender Weise muss er erfahren, wie alles mit allem zusammenhängt. Wie klein die Welt doch war. Eine Zufallsbekanntschaft brachte den Hang endgültig ins Rutschen! -Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 62 Bewertungen)
Wie ein schweizer Marai 5 von 5 Punkten Im Mittelpunkt des Buches steht ein Gespräch über zwei Abende zweier Fremder, ein treuer Ehemann und ein überzeuger Junggeselle, die sich über das Leben, die Liebe und die Treue austauschen. Die Dialoge sind brillant geschrieben, intelligent und humorvoll, diskutieren das Thema kontrovers und schlagen erst zum Schluss der Novelle den Bogen, der beide Männer miteinander verbindet. Es ist das Buch, das Sandor Marai geschrieben hätte, wenn er heute in der Schweiz leben würde.
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High Fidelity. (Dt. Ausgabe) Nick Hornby Taschenbuch, Juni 1999 Verkaufsrang: 3870 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Definitiv eines der fünf besten Bücher, die jemals über das seltsame Paarungsverhalten von Männern geschrieben wurden: Witzig, ironisch, aber auch ergreifend erzählt Nick Hornby in High Fidelity vom ganz normalen Chaos der Liebe und wie ein 35-jähriger Musikfreak von seiner Freundin verlassen wird, in sich geht, leidet und sie am Ende zurückgewinnt. Rob hat sich nie an das CD-Zeitalter gewöhnen können. In seinem kleinen Plattenladen verkauft er ausschließlich die guten alten Vinylscheiben. Auch ansonsten tut er sich schwer mit Veränderungen -- zum Beispiel mit dem Erwachsenwerden. Aber als er von Laura sitzen gelassen wird, versucht er sein bisheriges Leben zu resümieren. Er stellt eine Top-5-Liste seiner ärgsten Liebeskummmer-Erlebnisse auf und versucht sogar, diese Exfreundinnen zwecks Vergangenheitsbewältigung alle zu treffen. Robs Versuch, sein Scheitern auf ganzer Linie zu begreifen und in Worte zu fassen, folgt man begeistert bis zur letzten Zeile. Und spätestens beim mit viel Augenzwinkern erzählten Happy End, hat man diesen Typen richtig ins Herz geschlossen. Wenn Robs größtes Talent -- wie er selbst sagt -- darin besteht, einem "Bündel Durchschnittlichkeit eine kompakte Form zu geben", dann liegt Nick Hornbys Stärke zweifellos darin, diese Durchschnittlichkeit ebenso sympathisch wie tragikomisch aufs Papier zu bringen. Die tiefen Einblicke auch in die letzten und seltsamsten Winkel der Männerseele, die High Fidelity gewährt, werden nicht nur Frauen interessieren und amüsieren. Der Roman ist auch ideales Lesefutter für Menschen, die in den 70er-Jahren aufgewachsen sind, Popmusikfans und Schallplattensammler, Männer mit oder ohne Liebeskummer, und natürlich alle, die auch leidenschaftlich gerne Top-5-Listen erstellen. --Christian Stahl
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 121 Bewertungen)
Übertrifft den Film bei weitem 5 von 5 Punkten Der Film hat mir extrem gut gefallen und gehört ganz klar zur Kategorie meiner Lieblingsfilme (auch wenn er nicht unbedingt in die Top 5 kommt...)
Aber nachdem ich dieses Buch gelesen habe, ziehe ich die geschriebene Version dem Film ganz klar vor. So bösartig, selbstverliebt, selbstbemitleidend und zynisch kann ein John Cusack gar nicht schauspielern, wie es in diesem Buch beschrieben wird.
High Fidelity überzeugt weniger durch eine ausgereifte Geschichte, sondern vielmehr durch die sprachliche Ausdruckweise. Diese ist aussergewöhnlich und fesselt einen förmlich an das Buch.
Inhaltlich weicht der Film ein wenig vom Buch ab. Der Film darf deshalb nicht als Maßstab dienen. Sie sollten, egal ob Ihnen der Film bekannt ist oder nicht, auf alle Fälle einen Blick in das Buch werfen. Ich denke, es ist eines der stärksten Bücher, die Nick Hornby bisher geschrieben hat.
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Ich und Kaminski Daniel Kehlmann Taschenbuch, Dezember 2007 Verkaufsrang: 4639 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Daniel Kehlmann schrieb einmal: Aus irgendeinem Grund hören viele Menschen einen Text lieber, als ihn selbst zu lesen, und sie hören ihn lieber dargeboten von einem stotternden und hustenden Vorlese-Dilettanten, der sein Verfasser ist, als von einem Profi. Und dann machte er sich daran, selbst als Vorleser seines Romans Ich und Kaminski auf drei CDs zu dilettieren und so seine eigene Aussage zu bestätigen. Gehustet und gestottert wird zwar nicht, aber Kehlmanns Vortrag ist doch dazu angetan, sich ein allgemeines Verbot von Autorenlesungen zu wünschen. Umso mehr, wenn man vergleicht, wie genial und berauschend, Kehlmanns Bestseller Die Vermessung der Welt vom Schauspieler Ulrich Matthes interpretiert wurde. Der Schuss geht leider gleich doppelt nach hinten los. Durch den eher unangenehmen und laienhaften Vortragsstil des Autors treten die literarischen Schwächen des Romans noch deutlicher hervor. Und eigentlich muss man sich wundern, dass Kehlmann sich mit seinem nächsten Roman, dem gefeierter Bestseller Die Vermessung der Welt, so steigern konnte. Auf dem Cover wird der Autor zitiert: Mit Ich und Kaminski habe ich mir die Komik als Stilmittel erarbeitet. Wenn das stimmen sollte, dann merkt man es dem Roman leider nicht an. Am schlimmsten aber ist, dass der Autor seinen Text mit einem Tonfall liest, als wäre er schreiend komisch. Also Finger und Ohren weg. Wer ein Hörbuch von Daniel Kehlmann haben möchte, sollte unbedingt zu Die Vermessung der Welt greifen. --Christian Stahl Spieldauer: ca. 215 Minuten, 3 CDs, Autorenlesung
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 36 Bewertungen)
Mein Favorit 5 von 5 Punkten Habe alle Kehlmanns gelesen und bin von fast allen begeistert, aber dieser hat mich sicher am lautesten zum Lachen gebracht. Feinste Ironie trifft auf Slapstick.
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Bis ich dich finde John Irving Broschiert, Juni 2007 Verkaufsrang: 7591 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Fast möchte man John Irving bedauern. Kaum legt er einen neuen Roman vor (noch immer ein Ereignis, bei dem die literarische Welt den Atem anhält), stürzt sich die vergleichende Irving-Wissenschaft auf das Werk. Ist er wieder in Form? Ein neuer Garp? Besitzt er gar die Größe von Gottes Werk und Teufels Beitrag? Kann er Owen Meany toppen, Zirkuskind und Die vierte Hand, diese vorübergehende schriftstellerische Talsohle, vergessen machen? Amerika ist, wie man hört, enttäuscht. Aber, warum nur? Vielleicht ist es an der Zeit, die Irving-Richterskala der völlig überzogenen Erwartungen auf Null zurückzustellen, um den Zauber erneut empfinden zu können. Dann nämlich stellte sich sehr schnell heraus, mit welch magischen Erzählkräften Irving uns im Handumdrehen in seine Welt hineinzuziehen vermag. Die traurige Welt von Alice, der schottischen Tätowiererin und Jack Burns, ihrem vierjährigen Sohn. Ein treuloser Liebhaber und Vater wird gesucht. 1.140 Seiten, eine Langstrecke, die bei einem solchen Erzfabulierer leicht ins Uferlose führen kann. Auf Alice' und Jacks einjähriger Spurensuche durch Nordeuropas Hafenmetropolen, Kirchen und Bordelle, in denen der Orgelvirtuose William Burns seine Duftmarke hinterließ, präsentiert Irving -- typisch -- ein Panoptikum skurriler Figuren. Amsterdams Prostituierte, Helsinkis Tätowierer und unzählige blutjunge Chormädchen können ein Lied singen von der Spur, die der charmante Organist hinterlassen hat, der sich auf jeder seiner unseligen Stationen zum lebenden Notenblatt tätowieren lässt. Die schöne Alice, selbst eine Meisterin der Nadel, interviewt deflorierte Mädchen und Orgelnovizen (deren Auskünfte sie schon mal mit kostenlosen Tattoos und Liebesdiensten belohnt). Das Phantom des sexbesessenen flüchtigen Vaters aber ist stets einen Schritt voraus. Zwischen Tatovør-Ole, Herzensbrecher-Lars, Bach, Händel, sowie der halben Amsterdamer Rotlichtbesetzung, wächst der vierjährige Jack in eine merkwürdige Welt hinein. Im zweiten Teil des Romans findet Klein-Jack sich als einer der wenigen männlichen Schüler in der St. Hilda Mädchenschule in Toronto wieder, Gelegenheit für den in erotischen Dingen ohnehin nie zaghaften Irving, seinem Affen gehörig Zucker zu geben. In dieser sexuell ausgehungerten Umgebung erschließt Emma Oastler, Jacks Tutorin, dem Jungen die tiefere Bedeutung eines der Lieblingsmotive seiner Mutter: Jack darf die "Rose von Jericho" entblättern. Eine Kindheit an der Seite starker älterer Frauen findet seine Entsprechung. Nach Schultheater und einem Ausflug ins Softpornogewerbe (erneut ein Irving-Festival), landet der schöne Jack schließlich als gefeierter Transvestiten-Darsteller in Hollywood (ein Irving-Eldorado der großen Namen). Jahre später wird der erfolgreiche Schauspieler den Auftrag seiner inzwischen verstorbenen Mutter erfüllen. Die Suche nach dem Vater geht weiter. Und zeitigt überraschende Ergebnisse. Ein überschäumender, zuweilen überkonstruierter und vor allem überlanger Lebensbogen. Dennoch -- vergesst Garp und alle Bären! Wäre dies der Erstling eines unbekannten Schriftstellers, die Jubelfeiern nähmen kein Ende! --Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 92 Bewertungen)
Grandioses Buch 4 von 5 Punkten "Bis ich Dich finde" ist wirklich ein grandioses Buch. Lediglich mit den letzten Seiten habe ich mich etwas schwer getan.
Wie üblich killt Irvinng einige der Hauptfiguren - unter mehr oder weniger ungewöhnlichen Umständen - und obwohl man sie liebgewonnen hat - wie etwa Egg im Hotel New Hamsphire - ist da doch etwas, dass einem die Trauer und das Entsetzen nimmt.
Nicht falsch verstehen, die ersten hundert, zweihundert, dreihundert Seiten sind brilliant. Daughther Alice und ihr Sohn auf der verzweifelten Jagd durch Europa und nach Jack's Vater, Jack's Schulzeit und seine Beziehung zu Emma. Absolut lesenswert und fesselnd. Aber die letzten Seiten, eigentlich der Durchbruch Jack Burn's als Filmstar - seltsamerweise ist man noch immer hingezogen zu ihm, seltsamerweise kann man das Buch noch immer nicht aus den Händen legen. Dennoch geht es irgendwie bergab. Es geht bergab und bleibt dennoch stärker als die meisten anderen Romane. Ein Umstand der zweifellos für Iriving spricht, er kann eben auch Banales und Althergebrachtes in fesselnde Literatur verwandeln. Sein einzigartiger Humor, der ihn zu einigem der wenigen Autoren macht, bei dessen man Lektüre oft nicht anders kann als laut zu lachen, er rettet das Buch bis zum Schluß.
Ein Schluß, der ihm leider 5 Sterne verwehrt. Zumindest aus meiner Sicht. Lesen sollte man "Bis ich Dich finde" dennoch. Ob es der erste oder der letzte Roman ist, den man von Irivng liest - er macht Lust auf mehr. Lust auf mehr von Irving, Lust auf mehr Literatur überhaupt. Lust zu lesen. Und das sollte ein gutes Buch. Eigentlich doch fünf Sterne.
Wenn da nur nicht dieser schwache Schluß wäre.
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Gottes Werk und Teufels Beitrag John Irving Taschenbuch, März 1990 Verkaufsrang: 4412 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Homer ist anders als die anderen Kinder im Saint-Cloud's Waisenhaus: Er will nicht weg. Nach vier gescheiterten Adoptionsversuchen erlaubt Dr. Larch ihm daher, zu bleiben - unter der Bedingung, daß er im Waisenhaus mit angeschlossener Entbindungs- und Abtreibungsstation bei Gottes Werk - dem Entbinden - und bei Teufels Beitrag - dem Abtreiben - assistiert. Doch das ist nur der Beginn von Homers Odyssee."Dieser Roman scheint mir ein Wendepunkt im Schaffen Irvings gewesen zu sein. Weil ich glaube, daß Irving mit diesem Roman begonnen hat, seine Helden zu lieben, sich darauf eingelassen hat oder besser, die schriftstellerische Kraft gewonnen hat, Gefühle zuzulassen. Die Phantasie, das Chaos. Dieses Chaos ist auch seine Stärke, nun kommt es - gebändigt durch Irvings erzählerisches Können - eleganter daher, nicht mehr so brutal wie in Garp oder dem Hotel New Hampshire. Man läßt sich auf sein Erzählen ein, und nie, auch beim zweiten Mal Lesen nicht, wünschte man es sich kürzer."(Österreichischer Rundfunk) "Dieser Roman ist universal. Von einem Mann geschrieben, mit einem Mann als Held, kein bisschen feministisch und doch ein flammendes Werk für Frauen. Das mache mal einer nach."(Die Zeit, Hamburg) "Ein Sprachfeuerwerk an Ironie, Detailtreue und Dialogkunst."(Amica) John Irving wurde 1942 in Exeter in New Hampshire geboren. Als Berufsziele gab er schon sehr früh an: Ringen und Romane schreiben. Irving lebt und schreibt heute abwechselnd in New England und Kanada.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 73 Bewertungen)
Ein großartiges Stück Literatur 5 von 5 Punkten Irving wird nicht zu Unrecht als einer der großen amerikanischen Erzähler bezeichnet. Moralisch, ohne moralisierend zu sein; derb und makaber, ohne geschmacklos zu sein; lustig, ohne albern zu sein; mit einer Handlung, die die Seiten wie von selbst umblättern läßt. Davon gibt es leider viel zu wenige...
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Wilde Schafsjagd Haruki Murakami Broschiert, Oktober 2006 Verkaufsrang: 2669 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Haruki Murakamis meisterhafter Bestseller um ein Schaf mit übernatürlichen Kräften, ein Teilzeit-Callgirl mit den schönsten Ohren der Welt und einen Kriegsverbrecher mit Gehirntumor ist ein fantastischer Detektivroman, inspiriert von den düsteren Werken Raymond Chandlers nur dass dieser Fall unlösbar ist. Der Geschichtenzauberer Murakami entführt in eine Welt voll bizarrer Geheimnisse, in der Realität und Fantasie zu einem virtuosen Abenteuer verschmelzen. "Murakami zu lesen wirkt selbst tröstlich auf Leute, die noch gar nicht traurig sind, vielleicht ist das Murakamis Geheimnis." DIE ZEIT "Ein Mythenerzähler für dieses Jahrtausend." NEW YORK TIMES BOOK REVIEW
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
bis über beide Ohren verliebt. 5 von 5 Punkten Ich bin nicht der große Inhaltsangabenmacher. Meist verfange ich mich in Kleinigkeiten, zerrede womöglich noch dieses wunderbare Buch; das darf mir hier keinesfalls passieren.
Was schreibe ich also hier?
Nun, ich habe mittlerweile 3 Murakamis tief eingeatmet (mit diesem jetzt 4), und mein Verlangen nach neuen Geschichten ist nach wie vor ungebrochen. Murakami ist ein Traumarchitekt, dem man seine Fantasiebauten zweifellos abkauft. In seinen Büchern gibt es keine feste Realität, unter ihr schlafen Mythen und Mysterien, die einfach da sind. Punkt.
Die Suche nach einem Schaf, einem Schaf, das einem in den Kopf steigt, Kreativität bis zum zerbersten in seinem Wirt erweckt, ihn unsterblich macht, ein Schaf mit einem Stern auf dem Rücken. Es muss gefunden werden. Absurd? Nein, das ist so. Eine detektivisch angehauchte Story, die mitsuchen lässt.
Hier treffen die Zufälle eines Paul Austers auf Einsamkeitsmomente eines Becketts. Immer wieder blitzt feiner Humor auf und...das hört sich vielleicht kindlich naiv an, einmal hat es mich sogar richtig gegruselt.
Das Ende ist sehr konsequent. Das "Tanz mit dem Schafsmann" eine Fortsetzung ist (ich habe es noch nicht gelesen) überrascht da schon, aber nun denn...
Wilde Schafsjagd ist bestes Murakami-Feeling. Auch als "Einstiegsdroge" zu empfehlen.
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Die wilde Geschichte vom Wassertrinker John Irving Taschenbuch, Januar 1992 Verkaufsrang: 3650 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Seine Frau will raus; seine Geliebte will ein Kind. Die Beschwerden, die er sich bei seiner einstigen Babysitterin geholt hat, machen ihm das Lieben zur Qual. Der Filmemacher, für den er arbeitet, will sein Leben verfilmen: als Dokumentation eines Fehlschlags. Dies ist die Geschichte des fluchbeladenen Fred Bogus Trumper, eines Schlawiners und Schwindlers, eines Nichtstuers voller Charme und guter Vorsätze.
Seine Frau will raus; seine Geliebte will ein Kind. Die Beschwerden, die er sich bei seiner einstigen Babysitterin geholt hat, machen ihm das Lieben zur Qual. Der Filmemacher, für den er arbeitet, will sein Leben verfilmen: als Dokumentation eines Fehlschlags. Dies ist die Geschichte vom Glück und Unglück des fluchbeladenen Fred Bogus Trumper, des eigenwilligen fahrenden Ritters im Kampf der Geschlechter, der ausschließlich seiner Waffe die Schuld an allem gibt. Seine...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 31 Bewertungen)
Ihr Gynäkologe hatte ihn mir empfohlen... 5 von 5 Punkten ...so beginnt der möglicherweise beste Roman von John Irving. Die Geschichte ist wild, chaotisch und es kommt eine Menge Wien darin vor - was will man mehr. John Irving at his very best.
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Kirschblüten: Hanami - Ein Filmbuch Doris Dörrie Broschiert, März 2008 Verkaufsrang: 5810 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ein Buch zum Film, ein Buch über den Film, ein Buch für nach dem Film Rudi und Trudi sind seit dreissig Jahren ein Paar. Als Trudi plötzlich stirbt, fliegt Rudi zu Sohn Karl nach Japan, um das zu sehen, was Trudi wichtig war, und was sie zusammen nicht mehr erleben konnten: ihren Sohn in Japan, die legendäre japanische Kirschblüte,den Fujiyama und auch den Butho-Tanz, der früher einmal Trudis Leidenschaft gewesen war.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Lebt heute !!!!! 5 von 5 Punkten Ein wunderschönes Buch, das zum Nachdenken anregt .... verschiebe nicht alles auf später, dann kann es unter umständen zu spät sein ...
Schöne Bilder aus dem Film verbunden mit dem Skript.
Mir hat es sehr gefallen und irgendwann schau ich mir auch noch den Film an.
Ein gelungenes Buch zum Film - großartige Geschichte! 5 von 5 Punkten Diesen Artikel habe ich letztens zu dem Buch zum Film "KIRSCHBLÜTEN" gefunden. Ich stimme dem sehr zu, das Buch ist wirklich großartig aufgemacht und die Geschichte toll erzählt.
Doris Dörrie hat ein Talent für ungewöhnliche Geschichten. Und sie erzählt sie auch noch ungewöhnlich gut. Meistens fällt das erst auf, wenn ein Film daraus geworden ist. Aber Dörrie kann auch hervorragend schreiben. Beide Begabungen gehen bei ihr ohnehin Hand in Hand. Das gilt auch für "Kirschblüten - Hanami". Der neue Film der in München lebenden Regisseurin hat bei der Berlinale das Publikum begeistert. Beim Diogenes Verlag ist nun unter dem gleichen Titel ein "Filmbuch" dazu erschienen. Verlage mögen so etwas - schon weil sich Titel einfach besser verkaufen, wenn sie aus dem Kino bekannt sind. Aber in diesem Fall lohnt sich das Lesen tatsächlich, der Text ist viel mehr als das "Buch zum Film".
"Kirschblüten" ist ein klug inszeniertes Drama. Es geht ums Älterwerden und ums Sterben, um Eltern und Kinder, die sich fremd geworden sind, um verlorene Träume und um die Liebe nach 30 Jahren Ehe. Im Mittelpunkt stehen Rudi und Trudi Angermeier, ein Paar, das sein Leben gelebt und sich nicht mehr viel zu sagen hat. Und es geht darum, dass alles noch einmal ganz anders werden kann.
Kein Wort zu viel
Jeden Tag sitzt Rudi in seinem Büro im Landratsamt, Abteilung Abfallbeseitigung, und ahnt nichts Böses. Dabei haben die Ärzte seiner Frau längst mitgeteilt, dass er Krebs hat und sterben wird. Und ach ja, sie möge doch bitte mit ihm darüber reden. Trudi tut sich schwer damit: "Wie war dein Tag?", fragt sie. "Mm. Und deiner?", antwortet Rudi. "Mm", sagt Trudi. Kürzer und drastischer hätte der Dialog gar nicht sein können. Doris Dörrie braucht kein Wort zu viel.
Der Film "Kirschblüten- Hanami" mit Elmar Wepper lief auf der Berlinale.
Die Ärzte sind sicher, dass Rudi nicht mehr viel Zeit hat: Eine Reise empfehlen sie, ein Abenteuer. "Mein Mann hasst Unternehmungen. Reisen. Abenteuer", sagt Trudi. "Ihm ist am liebsten, wenn sich nichts verändert. Nie." Aber dann reisen sie doch, zuerst zu den Kindern nach Berlin, die keine Zeit für sie haben, dann an die Ostsee. Dort gehen die beiden am Meer spazieren, atmen tief durch, reden über das Leben und über das Sterben. Und als Rudi seine Frau am nächsten Morgen wecken will, liegt sie tot im Bett. Und wer schon das für eine unerwartete Wendung hält, für den hat die Geschichte noch mehr Überraschungen zu bieten.
Reise nach Japan
Denn Rudi, der Allgäuer Abfallbeseitigungs-Abteilungsleiter, verlässt die Spur, in der er jahrzehntelang gestapft ist. Den Traum seiner Frau, einmal nach Japan zu reisen, will er nun stellvertretend für sie wahrmachen und fliegt los nach Tokio. Japan ist Trudis Arkadien. Vor der Hochzeit hat sie Butoh getanzt. Ihr ganzes Leben lang wollte sie einmal den Fuji sehen und die Kirschblüte. Rudi hatte dafür nie Verständnis. Jetzt bricht er auf, Trudis Kimono nimmt er mit. Und er zieht ihn an, bevor er vor dem Fuji für sie tanzt, so wie sie getanzt hätte. Und es ist so, als wäre sie nun bei ihm. Das alles sind gewagte Ideen, die vielen anderen Autoren schnell im Kitsch erstickt wären. Auch das gehört zur Klasse der Autorin Doris Dörrie, dass ihr das nicht passiert.
Japan, die Kirschblüte und der Butoh-Tanz - das alles hat auch mit ihr selbst zu tun. Trudis Faszination ist in gewisser Weise auch ihre eigene. Wieso das so ist, erklärt sie in einem sehr persönlichen Text am Ende des Buches.
(Quelle: dpa) |
Grün ist die Hoffnung: Eine Pastorale Tom Coraghessan Boyle Taschenbuch, Februar 2005 Verkaufsrang: 6304 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ein Jahr lang wollen drei schräge Typen in den Bergen nördlich von San FranciscoMarihuana anbauen, um endlich ans große Geld zu kommen. Aber die Natur ist widerspenstig un das Leben in der Wildnis sehr strapaziös. . .
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 48 Bewertungen)
Marihuana 5 von 5 Punkten Wenn T.C. Boyle in seinen Geschichten und Romanen Menschen ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen lässt, um vom großen Geld oder dem Glück zu träumen, nimmt sich das zu Anfang so aus, als wäre alles möglich, wenn man nur den Mut dazu aufbringt. Dann tauchen erste Schwierigkeiten auf. Sei es, dass man die Glückssuchenden nicht versteht, sei es, dass die Natur sich gegen einen stellt, sei es, dass das Gesetz etwas dagegen hat. In Grün ist die Hoffnung dreht sich alles ums Dope. Warum kann man friedliche Menschen, die sie sich nebenher etwas verdienen wollen, nicht einfach in Ruhe lassen? In dieser wunderbaren Burleske verschmelzt T.C. Boyle drei skurile Leben zu einem gemeinsamen Schicksal, stellt sie nie bloß und schafft es doch, dass der Leser amüsiert mit ihnen mit fiebert und ihre Naivität bewundert. Es sind die kleinen Schritte, falschen Einschätzungen, das Überschätzen, auch dass Menschen sich selbst nicht kennen und erstaunt darüber sind, wie sie sind; von alldem erzählt T.C. Boyle. Kurzweilig, spannend, witzig. T.C. Boyle halt.
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Zähne und Klauen T. C. Boyle, Annette Grube, Dirk van Gunsteren Gebundene Ausgabe, 9. Februar 2008 Verkaufsrang: 8513 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Eigentlich ist im Erzählband Zähne und Klauen des US-amerikanischen Kult-Autors T.C. Boyle wieder alles so wie immer: die Männer sind Looser (und wissen das auch). Besoffen sitzen sie an langen Tresen, um sich sinnlose Footballspiele anzusehen und mit Bar-Bekanntschaften belanglose Gespräche über die Chancen ihres Teams zu führen. Und irgendwann passiert etwas, das ihr armseliges Leben völlig aus der Bahn wirft -- nicht zuletzt, weil es ja noch die Frauen gibt. In der Titelgeschichte von Zähne und Klauen ist dieses Etwas ein Raubtier im Käfig, das ein Unbekannter neben dem Ich-Erzähler auf die Theke hievt -- und dann für immer verschwindet. Der Erzähler nimmt das wilde Tier mit nach Hause: auch, weil die hübsche Bedienung der Bar das irgendwie von ihm verlangt. Aber das Mädchen ist vergeben, das Raubtier verwüstet allmählich die Wohnung, selbst die letzte Rückzugsbastion des Helden ist so bald für immer zerstört. Vielleicht ist die Raubkatze längst aus seinem Zimmer ausgebrochen, als der Ich-Erzähler eines Tages von einer Sauftour wieder nach Hause kommt. Eigentlich sollte er die Wohnung meiden. Aber er tritt ein. Und dann -- ich weiß nicht, warum -- schloss ich die Tür hinter mir. T.C. Boyle ist -- gemeinsam mit Haruki Murakami natürlich! -- unzweifelhaft der Größte. Irgendwie schafft es der 1948 geborene Schriftsteller nicht, einen Satz zu schreiben, der langweilig, uninspiriert oder dumm klingen würde (auch wenn ihm das im Roman Ein Freund der Erde oder der Erzählsammlung Schluss mit cool von 2001 mehrmals fast gelungen wäre). Auch in Zähne und Klauen macht er wieder alles richtig. Da gibt es kein falsches Wort, keine plumpe Wendung. Und selbst da, wo es plump und platt zu werden droht wie in der Erzählung über den vermeintlichen Umfalltod einer pubertierenden Tochter, der mit der Katastrophe eines Asteroideneinschlags auf Yucatán vor fünfundsechzig Millionen Jahren kombiniert wird, kratzt Boyle am Schluss doch noch die Kurve und präsentiert ein Ende, das wie eine Bombe alle Illusion zerschlägt. Besser kann man eigentlich nicht schreiben. Wenn man nicht gerade zu Ein Freund der Erde oder Schluss mit cool greift, kann man eigentlich jedes der Boyle'schen Bücher lesen. Auch Zähne und Klauen ist wieder ein Meisterwerk, in dem das Banale, Nebensächliche ins leise Tragische, melancholisch Traurige abgleitet. Große Literatur, wie immer. -- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
T.C.Boyle hat es einfach `drauf! 5 von 5 Punkten Kompromißlos spiegelt der amerikanische Autor T.C.Boyle seit vielen Jahren in seinen Romanen und Erzählungen die Welt wider, wie er sie sieht. An viele Themen hat er sich schon herangewagt, Personen aus der Geschichte wie Kellogg (der Mann, der die Cornflakes erfand) oder Kinsey (der die prüden Amerikaner mit seinem Sex-Report schockte) zu Handlungsträgern gemacht und immer wieder auch in der kleinen Form, der Short Story, gepunktet. Beim Hanser Verlag ist nun sein neuester Band mit Erzählungen unter dem programmatischen Titel Zähne und Klauen" erschienen. In den 14 Geschichten wird getrunken, mit dem eigenen Leben gehadert, ein Insulaner lernt die Liebe seines Lebens kennen und verliert sie sogleich wieder und der Nachwuchs zwingt einen gestandenen Mann zum Umdenken und überhaupt kommen die Figuren in Tom Coraghessan Boyle`s Prosa nie ohne die so unfassbaren wie realen Widrigkeiten unseren Seins aus. Stilistisch hart und zielführend, schnörkellos und doch atemberaubend rasant hat Boyle ein unnachahmliches Flair geschaffen, das einen sofortigen Wiedererkennungseffekt mit sich bringt. Das dies gut so ist, beweist er immer wieder aufs Neue und Zähne und Klauen" sind ein weiterer Beweis dafür, wie dieser kritische Amerikaner mit beiden Beinen auf dem Boden seines Landes steht und beileibe keinen Bus(c)h benötigt, um sich dahinter zu verstecken.
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Drop City Tom Coraghessan Boyle Taschenbuch, September 2005 Verkaufsrang: 7865 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Draußen, am Eingangstor der Drop City Ranch irgendwo in Kalifornien, hängt ein Sperrholzschild windschief an einem Querpfosten. "Keine Männer, keine Frauen -- nur Kinder!" steht darauf zu lesen. Und tatsächlich haben sich drinnen etwa 60 Menschen versammelt, die nicht erwachsen werden wollen: Hippies der Flower-Power-Ära, die auf dem geerbten Terrain eine Insel der Glückseligen schaffen wollen. Alles, was man zum Leben braucht, ist auf der Ranch versammelt: Ziegen und Zucchini, Platten von Jimmi Hendrix bis Country Joe and the Fish -- und Drogen natürlich, jede Menge Drogen. Aber die Welt ist nicht ganz so unschuldig in Drop City, wie seine Bewohner es sich ersehnen, schließlich befinden wir uns in einem Roman von T.C. Boyle. Ein echtes Kind schluckt LSD im Fruchtsaft, ein anderes Kind wird von den Jüngern freier Liebe vergewaltigt. Und dann tritt Gott auf in Gestalt des Sheriffs und vertreibt die Hippies aus ihrem trügerischen Paradies. So müssen sie sich auf die Reise machen ins kalte Alaska, wo wiederum eine Hütte auf sie wartet. Über die Grenze kommen sie nur, weil die zugekiffte Gruppe den Zöllnern weismacht, sie seien die Greatful Dead auf Welttournee. Auf den Einfall, die Generation der Flower-Power-Bewegung zum Thema eines Romans zu machen, kam Boyle bei den Recherchen über die Umweltbewegung für sein Buch Ein Freund der Erde. Deshalb ist im Roman viel Kritik an einer Zeit versteckt, die ihre kindischen Verklemmungen hinter der Maske totaler Freiheit zu verbergen suchte. Ansonsten aber ist Boyle ein überaus komplexer, wunderbar lesbarer und ironisch-skurriler Roman geglückt, der in seinen besten Passagen an World's End heranreicht. Große, leicht bekiffte Literatur. --Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 40 Bewertungen)
Ein Pop-Art-Kunstwerk... 5 von 5 Punkten Die Fabel über Hippies, Trapper und andere Aussteiger in den 70ern trägt alle Merkmale eines Pop-Art-Kunstwerks: Einfach zu verstehen und dennoch befremdlich, überzogen und dennoch realistisch, Verarbeitung der gesellschaftlichen Vergangenheit durch Verarbeiten der eigenen.
Einer der besten Romane von Boyle, kann sich "Drop City" problemlos mit Meisterwerken wie "Wassermusik" und "América" messen.
Wer den Autoren allerdings nicht ausstehen kann, der wird auch an diesem Buch keine Freude haben, für Boyle-Neulinge hingegen ist es im Gegensatz zum langsamen "World's End", das ebenfalls u.a. Amerika in der Hippie-Zeit zum Thema hat, sehr empfehlenswert.
Die Hauptcharaktere sind wunderbar durchgezeichnet, mit all ihren Ecken, Kanten, Vorlieben und Perversionen. Der Zeitgeist wird gewohnt exzellent aufgefangen, die verschiedenen Handlungsstränge intelligent verwoben.
Ein Buch für Ex-Hippies ebenso wie "Spießer" (zu denen ich mich zähle), für Liberale, Möchtegern-Aussteiger und für Amerika-Fans.
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Der menschliche Makel Philip Roth Taschenbuch, Oktober 2003 Verkaufsrang: 5251 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Im Sommer 1998, als der emeritierte Griechischprofessor Coleman Silk dem Ich-Erzähler seine Affäre mit der weitaus jüngeren Putzfrau Faunia Farley beichtet, denkt ganz Amerika "an den Penis des Präsidenten". Es ist der Sommer, in dem der Zigarrenakt Bill Clintons mit Monica Lewinsky ruchbar wird: Der Sommer der moralinsauren Vorwürfe und der scheinheiligen Reue also, in der "das Leben in all seiner schamlosen Schlüpfrigkeit Amerika wieder einmal in Verwirrung stürzte". Der Kenner des griechischen Dramas Coleman Silk ist selbst eine tragische Figur, die, wie ihr Präsident, öfters auch an fremde Frauen dachte. Und der Ich-Erähler ist der "anerkannte Schriftsteller" Mr. Zuckerman, der bald sein Buch Der menschliche Makel veröffentlichen will -- so geht es zu im neuen, doppelbödigen Roman von Philip Roth, in dem neben Sex natürlich auch das Judentum wieder eine zentrale Rolle spielt. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist Silk, der verdienstvolle Dekan einer amerikanischen Universität, über eine Bemerkung gegenüber zwei abwesenden Afroamerikanerinnen gestolpert, die ihn völlig zu Unrecht in den Verdacht des Rassismus brachte: eigentlich eher ein Aufzug des absurden Theaters, der allerdings eine "Chronologie der Schrecken" und irgendwie sogar den Tod von Silks Ehefrau nach sich zieht. Und dann kommt auch wieder Faunia ins Spiel, die mit Silk ein großes Geheimnis teilt. Gern berichtete der Griechischprofessor den Studenten früher von Homers Achill, der aufgrund sexueller Zurückweisung zur "empfindlichsten Tötungsmaschine in der Geschichte der Kriegführung" mutierte. "In der Verletzung des phallischen Anspruchs beginnt die Dichtkunst", sagte er, "und genau aus diesem Grunde werden wir heute, beinahe dreitausend Jahre später, ebenfalls dort beginnen". Diese Verpflichtung hat Philip Roth mit seinem neuen großen Sittenporträt nach The Great American Novel eingelöst -- und das in der besten Manier, derer die US-Gegenwartsliteratur nach Clinton fähig ist. --Thomas Köster
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 75 Bewertungen)
Eben doch ein Könner 5 von 5 Punkten Zugegeben, zunächst störte mich beim Lesen, dass einerseits ein Ich-Erzähler erzählt, der nicht alles wissen kann, dann aber doch alles weiß. Und ich dachte, wenn ein unbekannter Autor einen solchen Plot vorgelegt hätte, wäre er bei den Verlagen abgeschmettert worden.
Dann aber sah ich darüber hinweg. Die Vielschichtigkeit des Romans ist faszinierend, die unerwarteten Wendungen und die Figuren in ihrer Zwiespältigkeit. Großartig!
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Owen Meany: German Language Ed John Irving Taschenbuch, November 1992 Verkaufsrang: 6252 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Mit der Geschichte zweier Jungen erzählt John Irving die Geschichte seiner eigenen Generation. Die Kindheit fällt in die fünfziger Jahre. Es folgen die Jahre des Aufbruchs unter Kennedy und des Kampfes gegen den Rassismus, die immer stärker werdende Verwicklung der USA in den Vietnamkrieg, den Kampf gegen diesen Krieg und das Trauma nach der Niederlage, die Utopien von einer friedlichen Welt in den Sechzigern und schließlich die Reagan-Ära mit ihren diversen schmutzigen Affären. "Noch nie war Irving so grundsätzlich, so politisch, so entschieden wie in "Owen Meany". Eine Abrechnung mit dem Amerika von heute..." (Lire, Paris.)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 82 Bewertungen)
Hat mich tief berührt! 5 von 5 Punkten Das ist die erste Rezension, die ich je geschrieben hab und wäre es nicht "Owen Meany" würde ich sie auch nicht schreiben.
Ich habe das Buch "Owen Meany" zum Geburtstag geschenkt bekommen und dieser Person bin ich immernoch zutiefst dankbar dafür.
Owen Meany ist in jeglicher Beziehung anders. Er sieht anders aus, er spricht anders, er verhält sich anders als andere Menschen. Trotzdem baut man eine Beziehung zu der Figur auf. Ich mochte ihn immer lieber, je weiter das Buch voranschreitet. Die Handlung des Buches erfasste mich wie ein Sog, kaum dass ich begonnen hatte mich in das Buch einzulesen. (Irving ist es auch super gelungen, die Fistelstimme von Owen hervorzuheben, indem er alles, was Owen sagt GROßSCHREIBT.) Es macht Spaß die Höhen und Tiefen der Geschichte mit zu durchleben und dabei sogar laut loszulachen oder auch eine Träne zu vergießen. Und was für ein atemberaubendes Ende, das keine Fragen mehr offen lässt. Mich hat das Buch stark beeindruckt und ich wünschte, es hätte noch 500 Seiten mehr.
Ich werde "Owen Meany" auf jeden Fall nochmal lesen. Die Vielschichtigkeit der Persönlichkeiten und der Geschichte sind beim ersten Lesen kaum festzumachen. Und wenn man weiß, worauf Irving hinaus will, ist der Anfang des Buches noch viel spannender zu lesen. Beeindruckend!
Ich kann nur jedem empfehlen: Lesen Sie dieses Buch! Es ist mein absolutes Lieblingsbuch.
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Die Klavierspielerin Elfriede Jelinek Taschenbuch, Januar 1997 Verkaufsrang: 15738 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der Klavierlehrerin Erika Kohut, von ihrer Mutter zur Pianistin gedrillt, ist es nicht möglich, aus ihrer Isolation heraus eine sexuelle Identität zu finden. Unfähig, sich auf das Leben einzulassen, wird sie zu Voyeurin. Als einer ihrer Schüler mit ihr ein Liebesverhältnis anstrebt, erfährt sie, daß sie nur noch im Leiden und in der Bestrafung Lust empfindet.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 41 Bewertungen)
Ja bitte! 5 von 5 Punkten Elfriede Jelinek hat ja neuerdings den Literaturnobelpreis. Und das obwohl sie eine Sprache schreibt, die einem die Gänsehaut nicht nur über den Rücken sondern auch über die Handinnenflächen laufen lässt. Jelinek ist Aggression, Zynismus, Sprachverarbeiterin und gnadenlose Sprachselbstausbeuterin. Vor allem die Klavierspielerin ist (auch ohne Film) ein Buch, das man gelesen haben muss - vorausgesetzt man hat in seiner eigenen Vergangenheit keine Vergewaltigungs- oder Selbstverletzungsgeschichte. Aus Erfahrung weiß ich, dass solcherart Traumatisierte Jelinek sehr herbeutelt. Für alle anderen Menschen, die sich trauen in einen massiven Diskurs mit einer Frau einzutreten, die einem auch das literarische Knie in die Eingeweide rammt, sei dieses Buch härtestens (!) empfohlen.
Meines Erachtens der "Einsteigerroman" in Jelineks Universum. Die andere Bücher werden noch schonungsloser.
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Wenn es soweit ist Josef Winkler Taschenbuch, Mai 2002 Verkaufsrang: 85912 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
In hora mortis 4 von 5 Punkten Im Mittelpunkt des literarischen Schaffens von Josef Winkler steht der Tod und seine Kulte. Daneben fühlt sich der im Jahre 1953 in Kamering bei Paternion in Kärnten geborene Autor in radikalster Weise seiner Biographie verpflichtet. Das ist besonders augenfällig in seiner Erzählung „Wenn es soweit ist". Der Tod ist das vorherrschende Thema in diesem Buch. Josef Winkler folgt damit Thomas Bernhard, der einmal sagte: „Tod, das ist mein Thema". Bei Celan heißt es: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland". Für Josef Winkler ist der Tod natürlich auch ein Meister aus Österreich. Und wie einst Bernhard leidet auch Winkler ganz allgemein unter Österreich und im Besonderen unter dem Katholizismus. Die Religion ist für Winkler dabei eine Verbündete des Todes, weil sie das Leben einschränkt. Der „Autor des Kälberstricks" kann sich aber der beunruhigenden Faszination der von ihm gehaßten Religion nur schwer entziehen. Für Josef Winkler mag die „Literatur als Therapie" (nach einem Buchtitel von Adolf Muschg) dienen. Der dem Todeskult verhaftete Autor ist gleichwohl schockiert: "Warum kann ich nicht erzählen wie jeder andere, beschreiben, wie jeder andere, beschreiben wie jeder andere beschreibt." In der Erzählung „Wenn es soweit ist" kehrt Josef Winkler zu seinen Wurzeln zurück. Wie in seiner Kärnten-Saga der späten 1970er und 80er Jahre („Das wilde Kärnten, 1979 - 1982, „Die Verschleppung", 1984, „Der Leibeigene", 1987) macht sich Winkler auch mit „Wenn es soweit ist" zum Chronisten seines Heimatdorfes Kamering. Das verwundert schon. Wollte sich Josef Winkler doch von dieser katholischen Dorfkultur über den Weg der Literatur befreien, sich mit Hilfe der Literatur die Seele vom Leib schreiben? Seine Leser durften vermuten, dass ihm dies mit seinen Romanen „Friedhof der bitteren Orangen" (1993) und „Domra" (1996), beide Bücher führten endlich weg von Kärnten nach Rom bzw. Indien, auch gelungen sei. Doch diese Erzählung beweist es: eigentliches Thema seines Schreibens ist und bleibt sein Heimatdorf Kamering. In hora mortis: Josef Winkler wird dort sein. Im Zentrum der Erzählung „Wenn es soweit ist" finden sich also die für Josef Winkler so zentralen Themen: Tod, Kirche und Sexualität. Und wie üblich schreibt der Autor in der ihm gewohnte litaneiartige, rhythmisierte Sprache. Das setzt Leseerfahrung zwecks eines besseren Verständnisses des Textes voraus. Wie auch bei Bernhard wirken die ständigen Wiederholungen bei Winkler nicht redundant, sondern entfalten einen ganz eigenen Sog. Erzählt wird in „Wenn es soweit ist" von dem Knochelköhler Maximilian, der die Gebeine von Verstorbenen in einer Knochenmühle zu einem pechartigen Geschichtensud verrührt. Mit Knochensud strichen die Bauern einst die Nüstern und Augen der Kühe und Pferde ein, um sie vor den Insekten zu schützen. Maximilian verwertet hierfür die Rest der Toten aus einem Dörfchen in Kärnten. Damit verarbeitet er auch deren Geschichten. Es sind groteske Tode, die er zu dokumentieren hat: vom Autobus zerquetscht, vom Kreuz erschlagen, im Fluß ertrunken, im Kriegsgetümmel zerfetzt, am Kälberstrick erhängt, am Knochenschwund qualvoll verreckt. Der Tod kommt schnell in Kärnten. Und er kennt kein Erbarmen. Mitunter möchte man Maximilian zurufen: Hör auf! Der schwarze Knochensud droht ob der Vielzahl der Knochengerüste überzukochen. Doch der Knochelköhler zeigt sich davon unbeeindruckt. Er lässt das stinkende Gebräu weiter brodeln. Für sein Buch „Wenn es soweit ist" wurde Josef Winkler im Juni 2005 im Madrider Circulo de Bellas Artes mit dem „Premio Lateral" für ausländische Autoren ausgezeichnet. Der Preis der spanischen Zeitschrift „Lateral", in der auch zahlreiche Literaturnobelpreisträger schrieben, geht an literarische Werke, die zuvor nicht die angemessene Auszeichnung erfahren haben. Die Jury hob besonders die direkte und teilweise sehr harte Sprache der Erzählung hervor. Robert Juan-Cantavella, stellvertretender Chefredakteur der „Lateral" und Mitglied der Jury, erklärte: „Die Erzählung, die jetzt ins Spanische übersetzt worden ist, gilt für mich als ein weiterer Beweis dafür, dass Josef Winkler unter den vielen Nachahmern der einzig wahre Erbe von Thomas Bernhard ist". Der Preisträger, nach eigenem Bekunden zwar ein glühender Bewunderer der Werke von Jean Genet und Hans Henny Jahn, dürfte sich über diesen Vergleich gefreut haben. Zwischen Bernhard und Winkler gibt es tatsächlich zahlreiche Parallelen. So stehen beide in der Tradition des Heimatromans. Der Essayist Friedbert Aspetsberger bemerkt zu Josef Winkler: „Das sich-zu-Tode-Schreiben erhält das Leben". Das traf auch auf Thomas Bernhard zu. Er hat es selbst notiert: „Was wir aufschreiben ist der Tod".
Leben von hinten aufgerollt - Winklers Kärntner Totentanz 5 von 5 Punkten Der junge Kärntner Autor - einer der begabtesten in Österreich - rollt in seiner Erzählung das Leben am Land in Kärnten von hinten auf. "Wenn es soweit ist" ist ein Euphemismus für "Wenn ich einmal sterbe", und vom Tod - und nur vom Tod - handelt dieses Buch. Wie die Minimal Music von Philip Glass oder Steve Reich gibt es auch bei Winkler immer wieder dieselben Schleifen, die sich sehr oft wiederholen und dadurch selsbt bei Wortgleichheit immer mehr an Eindringlichkeit gewinnen. Beim zehnten Mal möchte man die Passagen über die aus Knochenmark gewonnene Paste namens Panderpigl am liebsten schon fast auswendig mit aufsagen und kann sich ihrer perfekten Gesetztheit nicht entziehen. Sie sind neben Passagen aus Kirchenliedern und Gebeten Elemente, die den dahinfließenden Strom an Erzählungen von einem Todesfall nach dem anderen unterbrechen und ihm Struktur verleihen. Tiefschwarz ist die Weltsicht dieses Buches und man fürchtet sich vor den Kräften, die die Ernte des Sensenmannes in diesem Buch so reich werden lassen, vor den Zwängen, den Ängsten, den dunklen Seiten der Menschen. Aber man fürchtet sich auch vor den Vertretern jener Organisation, die hier allgegenwärtig in Erscheinung tritt, der katholischen Kirche. Deren Priester tun nämlich in Winklers Buch herzlich wenig dagegen, dass die Selbstmordrate im tiefsten Kärnten offensichtlich ein Mehrfaches von der in der gefürchteten Großstadt ist. Sprachlich ist das Buch ein absoluter Genuss. Wortwahl, Konstruktion und die verhaltene Wut des Erzählers zeichnen dieses Buch besonders aus. Was nach der Lektüre von Winklers beeindruckendem modernen Kärntner Totentanz allerdings vordringlich zurückbleibt, sind Bitterkeit und Trauer. |
Elementarteilchen Michel Houellebecq Broschiert, August 2006 Verkaufsrang: 16158 Houellebecq der Skandalautor. Bejubelt, bewispert: 68er-Killer, Aussprecher politisch unkorrekter Unsagbarkeiten. Düsterer Untergangsschreiber aus der naturwissenschaftlichen Ecke (hat als Informatiker gearbeitet). Jetzt also light? Einfach zuhören und schon mitreden können? Nun, wenn ich die Wahl hätte, zwischen Druck und Hörbuch, würde ich Houellebecq lieber hören als lesen. Das ist kein Kompliment für den Autor: Seine dürre Sprache allein vermag nämlich bei mir kein Interesse zu wecken an den Gestalten des Romans. Es muss etwas hinzukommen: Der akustische Reiz menschlicher Stimmen, eine Atmosphäre oder wie hier Musik, komponiert von Blixa Bargeld (er spricht auch den Hauptpart) und Tilman Schade. Die Produktion des Westdeutschen Rundfunks zeigt, dass eine gut gemachte Hörfassung tatsächlich ein schwaches Buch zu retten vermag. Obwohl einschränkend gesagt sein soll: Wieder einmal hat sich die Regie -- Leonhard Koppelmann, er hat auch das gute Textbuch geschrieben -- nicht genügend getraut, allen Sprechenden wirkliches Spiel abzuverlangen, zu vieles hört sich abgelesen oder aufgesagt an. Wirklich herausragend ist dafür Lena Stolze als Annabelle. Houllebecqs zweiter Roman erzählt das elende Leben zweier Halbbrüder zwischen 1958 und 98. Thema ist der Zusammenbruch der Menschlichkeit durch die sexuelle Liberalisierung, für den Autor die seelische Verarmung von Millionen. Am Schluss wird einer der beiden Helden, Biologe von Beruf, von Stimmen aus dem Jahr 2079 gepriesen: Dank seiner Forschungen sei es gelungen, ein neues Wesen zu züchten, die Menschheit aber aussterben zu lassen. Geschlechtslos verläuft nun das Leben auf der Erde! Fazit: Besser nicht im Bett oder in den Ferien anhören. Stattdessen Empfehlung für schnelle ICE- oder Autofahrten durch trostlose Industrielandschaften. --Michael Winteroll
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 116 Bewertungen)
Ein Geniestreich 5 von 5 Punkten Dieses Buch ist sehr unterhaltsam, auch wenn es ein sehr gewagtes Thema beinhaltet.
Es macht sehr viel Spaß zu lesen und man gerät schnell in die Fänge der Geschichte.
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Am Strand Ian McEwan Gebundene Ausgabe, August 2007 Verkaufsrang: 2904 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ian McEwan aus London ist ein Erzählmeister der alten Schule, dem selbst für das Alltägliche noch Bilder gelingen, die überraschen. Das stellt ihn in eine Reihe mit Julien Green, der ein ebenso stringenter wie knapper, metaphorisch frischer Erzähler und -- wie McEwan -- schon zu Lebzeiten ein Klassiker war. Für alle, die es nicht glauben wollen (oder es erst noch entdecken müssen), sei beispielhaft eine kurze Passage aus McEwans Roman Am Strand zitiert. Er handelt von dem frisch verheirateten Traumpaar Edward und Florence, die in den Flitterwochen 1962 an den Strand von Chesil Beach gekommen sind, um die Ehe zu vollziehen. Es ist jene Stelle, in der Edward seiner von Ekel geschüttelte Florence einen Zungenkuss abzuringen sucht -- und letztendlich klar wird, dass der körperliche Widerwillen der jungen Frau gegenüber ihrem Mann die Beziehung auf eine harte Probe stellt. Kaum küssten sie sich, spürte sie seine pralle, harte Zunge, die sich forsch zwischen ihre Zähne schob. In sie eindrang, heißt es dort. Die Lippen fest auf ihre gepresst, tastete er sich über den fleischigen Boden ihrer Mundhöhle und fuhr die Zahninnenseite ihres Unterkiefers entlang bis zu jenem Loch, in dem vor drei Jahren noch ein schiefer Weisheitszahn gewachsen war. (...) Jetzt war er unter ihrer Zunge, presste sie ans Gaumendach, dann war er darüber, presste sie nach unten, gleich darauf umspielte er die Ränder und wanderte rundherum, als schürze er einen Knoten. Das Ende der Ehe ist in dieser klinischen Beschreibung einer oralen Vergewaltigung schon mit eingeschrieben. Dann macht Florence Edward ein unmoralisches Angebot. Noch in den Flitterwochen trennt sich der Mann daraufhin von seiner großen Liebe. In einem kurzen, desillusionierenden Nachspann macht McEwan klar, dass dies aus mehreren Gründen die falsche Entscheidung war. Am Strand braucht nicht mal zehn abschließende Seiten, um anhand von Edwards weiterem Lebenslauf das ganze tragische Ausmaß dieser banalen Katastrophe aufzuzeigen. Auch das ist meisterlich gemacht, mit keinem Wort zu viel. Besser, klüger und schöner kann man wohl nicht erzählen. -- Thomas Köster, Literaturanzeiger.de
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 37 Bewertungen)
faszinierender Schreibstil der spannend wie ein Krimi ist 5 von 5 Punkten 1962 Edward und Florence sind frisch verheiratet und ihnen steht ihre erste Hochzeitsnacht bevor .
Beide sind voller Ängste und Wunschvorstellungen die sie aber aus Scham , Unsicherheit und Etikette dem anderen nicht mitteilen.
Das Thema hat mich anfangs so gar nicht angesprochen jedoch hat mich der Schreibstil sehr fasziniert, so dass ich nicht mehr aufhören konnte zu lesen.
Mc Ewan schreibt in der dritten Person und schafft es die Gefühle und Denkweise jedes einzelnen so stichhaltig und messerscharf zu beschreiben das eine wahsinnige Spannung aufkommt .
Dies war zwar mein erster Mc Ewan aber auf keinem Fall mein letzter .
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Chronik eines angekündigten Todes Gabriel Garcia Marquez Broschiert, Februar 2004 Verkaufsrang: 9243 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Noch in der Hochzeitsnacht wird sie von ihrem Mann wieder nach Hause geschickt: Angela Vicario ist nicht mehr unberührt. Gefangen im Netz jahrhundertealter Traditionen, haben ihre Brüder keine Wahl: Der mutmaßliche Täter muß sterben!
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 34 Bewertungen)
Schicksal oder "Tradition"? 5 von 5 Punkten In "Chronik eines angekündigten Todes" verarbeitet Gabriel García Márquez sein vielleicht schmerzhaftestes Jugenderlebnis, den Mord an seinem Freund Cayetano Gentile Chimento. Beinahe 30 Jahre lang dauert es, bis er die Geschichte aufschreiben kann, da er seiner Mutter versprechen musste, dies zu unterlassen, solange die Mutter des Opfers lebe. Dennoch bleibt er von diesem Ereignis so besessen, dass er auch nach Jahren nichts vergessen hat.
Im Gegensatz zu klassischen Kriminalromanen ist in diesem Buch von der ersten Seite an klar, wer das Opfer und wer der Mörder ist. Die schöne Angela Vicario wird in der Hochzeitsnacht von ihrem Mann nach Hause geschickt, da sie nicht mehr unberührt ist. Unter Zwang gibt sie ihren Brüdern den Namen des vermeintlichen Täters bekannt: Santiago Nasar. Um die Ehre der Familie wiederherzustellen haben die Gebrüder Vicario nur eine Möglichkeit, sie müssen Santiago Nasar töten.
Viele Jahre später rekonstruiert der Ich-Erzähler, ein Freund Santiagos, in allen Einzelheiten den Tag des unfassbaren Geschehens. Er versucht, "den zerbrochenen Spiegel der Erinnerung mit Hilfe von so vielen verstreuten Scherben wiederherzustellen." Er analysiert, wie und warum es möglich war, dass ein so offen angekündigtes Verbrechen geschehen konnte. Zudem schien es Niemanden zu interessieren, ob die Anschuldigungen überhaupt der Wahrheit entsprachen. Stück für Stück wird ein Geflecht aus Ignoranz, Passivität, falschen Interpretationen und Verkettung unglücklicher Zufälle aufgedeckt.
Großartig ist der Erzählstil Gabriel Garcia Marquez. Er ist in der Lage, die Schicksale seiner Protagonisten so lebendig zu beschreiben, dass man meint, mitten im Geschehen zu stehen und mit eigenen Augen zuzuschauen.
Fazit:
Gabriel Garzía Marquez offeriert in dieser kurzen Erzählung ein wahres Panoptikum südamerikanischen Lebens. Er schafft es, Stimmungen, Empfindungen, ja mitunter sogar Geräusche und Gerüche vor den Augen des Lesers zu entfalten. Er gewährt Einblicke in uralte Traditionen und Gesetze und zeigt die Unfähigkeit der Menschen, diese abzustreifen.
Das Buch wirft viele Fragen auf: Was ist Schicksal, wozu ist eine menschliche Gemeinschaft fähig und was für Konsequenzen haben alte Traditionen.
Für alle, die dieses Kleinod noch nicht kennen - es ist auch ein wunderbarer Einstieg in das Werk des Literaturnobelpreisträgers, in seine Welt des magischen Realismus.
"Unser Leben ist nicht das, was geschah, sondern das, was wir erinnern und wie wir es erinnern".
Gabriel García Márquez
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