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Einen Stein werd ich lieben António Lobo Antunes Broschiert, Juni 2008 Verkaufsrang: 14582 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Vom Sprachmagier der Weltliteratur: wie grausam ist es, vergeblich zu lieben. Eine verzweigte Familiengeschichte aus Lissabon, in der alle Mitglieder zu Wort kommen und ihre Version eines stets vertuschten Skandals erzählen: Fünfzig Jahre lang hat sich der Vater mit seiner Jugendliebe einmal in der Woche heimlich in einem Stundenhotel getroffen, und dort ist er auch gestorben. Alle haben es gewusst, nie wurde darüber gesprochen, aber jeder hat auf seine Weise darunter gelitten. Ein alter Mann blättert im Familienalbum und rekonstruiert anhand der Photographien sein Leben: Da ist der Vater, der nach Frankreich verschwand, der Vetter, der seiner schwermütigen Mutter vergeblich Avancen machte und sich nach Amerika absetzte, die Hochzeit mit einer ungeliebten Frau, der Umzug in eine Stadtwohnung, die der Patin seiner Mutter gehörte und in der eine ältliche, unscheinbare Näherin lebte, die er ins Altenheim schickte, obwohl sie die Tochter der Patin war. Allmählich mischen sich andere Stimmen in die Betrachtung der Bilder, die seiner Frau, seiner beiden Töchter, des Schwiegersohns, und langsam enthüllt sich das große Geheimnis seines Lebens: Fünfzig Jahre lang hat er sich mit seiner Jugendliebe einmal die Woche heimlich getroffen, an verschiedenen Orten, meistens in einem Lissabonner Stundenhotel; einst haben sie sich geliebt, dann getrennt, später zufällig wiedergefunden. Alle haben es gewusst, nie wurde darüber gesprochen, aber jeder hat auf seine Weise darunter gelitten ... António Lobo Antunes zeigt in seinem polyphonen, assoziationsreichen und bildergesättigten neuen Roman, was unerfüllte Sehnsucht in Mann und Frau, Eltern und Kindern bewirken kann und wie grausam es ist, vergeblich zu lieben.
"Ein Sprach- und Bewußtseinsstrom, wie man ihn von Faulkner und Uwe Johnson kennt oder auch aus den Romanen von Claude Simon. Am Ende addiert sich die Vielfalt einander überschneidender oder ins Wort fallender Stimmen, flirrender Einzelbeobachtungen und irritierender Details zu einem pointillistischen Gemälde, aus dessen verschwimmenden Konturen dem Leser das Bild eines Kontinents und das Panorama einer Epoche vor Augen treten." Frankfurter Allgemeine Zeitung "Näher war Antonio Lobo Antunes dem Herzen der Finsternis nie. Er erzählt keine Geschichte, sondern er mischt Töne und Farben an und rührt sie so kräftig durcheinander, dass sich daraus ein schon im Entstehen zerfallendes, dabei an Intensität kaum zu überbietendes Porträt einer Hölle fügt." Die Zeit über "Guten Abend ihr Dinge hier unten" "Ein Buch, das immer wieder Sehnsüchte zärtlich berührt, um dann in neuen Schrecken schmerzvoll geradezu aufzuschreien. Ergreifender läßt sich das Grauen wohl kaum beschreiben." Die Welt über "Guten Abend ihr Dinge hier unten
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Das Lied vom Leid, vergeblich zu lieben 5 von 5 Punkten António Lobo Antunes ist in jeder Hinsicht ein Sprachmagier, ein Sprachkünstler, ein unverkennbar eigenständiger Schriftsteller und ein absoluter Kandidat für den Nobelpreis (was natürlich, wenn man einige der Preisträger der vergangenen Jahre hernimmt, nicht unbedingt ein Qualitätskriterium sein muss). Sein neuester Roman, "Einen Stern werd ich lieben" (von Maralde Meyer-Minnemann kongenial übersetzt) ist ein grosses Buch, das man sprachlos zur Seite legt, wenn man die ca. 650 Seiten hinter sich hat. Wie António Lobo Antunes hier die Geschichte entwickelt, ist genial. Zuerst nur eine Stimme (ein Bewußtseinsstrom, der vielleicht- wenn überhaupt- entfernt an Claude Simon erinnert), bis sich mit Verlauf des Buches die anderen Stimmen polyphon in diesen Strom mischen (einander quasi ins Wort fallen), mit diesem vermischen und so eine verstörende, zerbrechliche Symphonie der sehnsüchtigen, leidenden Stimmen entsteht. Ein magischer Sog, dem man sich eigentlich nicht entziehen kann.
Nun ja... 3 von 5 Punkten ...das Buch hat gewiss seine Reize, wenn man jedoch "normale" Bücher gewohnt ist, sprich wo Punkt, Beistrich etc. so sind wie sie sein sollten, dann verwirrt dieses Buch zuallerst einmal. Es dauert seine Zeit, bis man in diesen Sprachstrom hineinfindet. Die Geschichte ansich ist gut, sie leidet aber, aus meiner Sicht, an der eigenartigen Sprach- und Satzgestaltung. |
Der Lügner Stephen Fry Taschenbuch, Juli 2003 Verkaufsrang: 36799 Der fünfzehnjährige Adrian Healey ist ein Dandy und Schwerenöter wie er im Buche steht, von niemand kann er die Finger lassen, amouröse Abenteuer pflastern geradezu seinen Weg. Männlein wie Weiblein -- jeder erliegt seinem Charme. Begabt mit einer außerordentlichen Phantasie, bereitet Adrian seiner schulischen Umwelt nicht nur Freude: sein -- anonymer -- Artikel über homoerotische Anleitungen zum Gruppensex schockiert, gelinde gesagt, die Lehrerschaft, und seine pornographische Version von Oliver Twist, für die sich Charles Dickens im Grabe wälzen würde, erschüttert den ein oder anderen Dozenten im Glauben an die Reinheit der englischen Literatur. Zudem erschüttert er seinen Freundeskreis immer wieder mit haarsträubenden,tragischen Familiengeschichten. Einzig Professor Trefusis ist begeistert von seinem Schützling Adrian. Doch nach einem prekären Zwischenfall in einer Männertoilette muß sich Trefusis aus dem Schuldienst verabschieden. Jedoch erklärt Trefusis Adrian den wahren Grund für seinen Ausstieg: Er muß zwecks einer gefährlichen Mission für das englische Vaterland nach Salzburg und nimmt Adrian mit auf die, wie es sich herausstellt, ziemlich riskante Reise. Schon bald werden die beiden gejagt, schließlich geht es um eine ungeheure Erfindung -- ein Lügendeflektor, der es ermöglicht, alle Wahrheiten ungefiltert von menschlichen Neigungen wie Lügen und Verdrängung ans Licht zu bringen. Ein Gerät, nach dem ziemlich viele andere zwielichtige Gestalten gieren und dessen Geschichte schon von Blut befleckt wurde. Mit der Figur des Adrian Healey hat Fry eine schillernde Figur geschaffen, mondäner und glitzernder als es Baron Münchhausen je war. Arthurs Dekadenz und Frys Esprit, der in den Adern seiner Hauptfigur unverkennbar fließt, machen den Roman zu einer wahren Wonne. Mit seinem intelligenten und durch und durch humorvollen Erstling wurde Stephen Fry zum Shooting-Star der englischen Literaturszene. Durch seinen außergewöhnlich intelligenten Witz beweist sich Stephen Fry mit Der Lügner als der eloquente Mann fürs Feine. --Susanne Solau
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)
Ein kleines Juwel der Weltliteratur 5 von 5 Punkten "Der Lügner" war mein erstes Buch von dem Multitalent Stephen Fry, und ich muss sagen, ich bin begeistert. Ich hab schon lange kein derart intelligentes und gleichzeitig locker-leichtes Buch gelesen, wie dieses.
Ich bin begeistert von Fry`s lebendigem Scheibstil, die flinken und intelligenten Wendungen in der herzerwärmenden Story eines kleinen/ großen Lügners.
Trotzdem muss ich einige kleinere Mängel anmelden, so zum Beispiel brauchte ich einige Zeit um mich an die äußerst verwirrende Nebengeschichte zu gewöhnen, die als Hauptcharaktere Krawatten und T-Shirts hatte, außerdem erschwerten die permanenten Zeitwechsel das Lesevergnügen, verdarb es aber nicht.
Kein Vergleich zum sonst stimmigen Geschichtenaufbau, der den Leser unwiderruflich in Adrians kleine Lügenwelt mitherein zieht.
Am besten hat mir das überraschende Ende gefallen, dass meine Erwartungen noch übertreffen konnte, der perfekte Abschluss zu diesem kleinen literarischen Meisterwerk.
Ich empfehle Ihnen, kein Wort zu glauben bis sie das Buch zu ende gelesen haben. Denn wie gesagt, das ist die Gesichte eines notorischen Lügners und der tut was er kann, um seinem Image gerecht zu werden.
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Licht. Erzählung Christoph Meckel Broschiert, April 2004 Verkaufsrang: 60260 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Diese Geschichte eines Abschieds, der durch den Unfalltod der Geliebten unwiderruflich wird, ist vor allem die Geschichte einer Leidenschaft, in der Beruf und Alltag keinen Platz haben. In der Erinnerung des Ich-Erzählers ziehen die glücklichen Augenblicke des gemeinsamen Nichtstun wie Sommerwolken vorüber - die Ferien im Süden, die langen Nächte und die scheinbar endlosen Morgenstunden, die Spaziergänge, das Herumlungern auf der Terrasse, in den Cafés an der Küstenstraße, in den rauchigen Kneipen. Er spürt ihren nackten Körper, ihr regennasses Gesicht, die Düfte der Jahreszeiten in der Wiederkehr von Warten und Dasein. Meckel erzählt seine Liebesgeschichte, als wäre der Traum Wirklichkeit und die Wirklichkeit Traum - eine poetische Verzauberung.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
Eine Saite. 5 von 5 Punkten Ich habe dieses Buch vor ca. vier Jahren ein einziges mal gelesen und kann den Inhalt wenn überhaupt nur rudimentär wiedergeben. Warumm ich trotz allem eine Rezension schreibe ist, dass bei dem blosen gedanken an dieses Buch eine Saite in mir erklingt und sich ein Gefühl einstellt, dass ich am Besten mit Wehmut und Melanchloie beschreiben würde. Da ich eigentlich Vielleser bin und dies etwas außerordentlich seltenes und kostbares ist macht "Licht" zu einem so wundervollen und außergewöhnlichen Buch, denn ist nicht das was in uns haften bleibt das ausschlaggebende, wenn wir die letzte Seite gelesen haben und ein Buch vielleicht für immer schliessen.
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Vineland Thomas Pynchon Taschenbuch, Mai 1995 Verkaufsrang: 10165 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden ä»Vineland« ist vermutlich das zugänglichste Buch, das der große Unbekannte Thomas Pynchon je geschrieben hat. Der Roman beginnt mit dem Sprung durch eine Fensterscheibe und zerbirst danach wie sie in Myriaden glitzernder Scherben. Aber am Ende, wie in einem Film, der rückwärts läuft, springen die Splitter vom Boden hoch und fügen sich auf wunderbare Weise zu einem Ganzen. (Salman Rushdie)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Es hilft alles nichts... 5 von 5 Punkten "Macht es etwa Spaß Pynchon zu lesen?", ist eine Frage die mir einmal gestellt wurde. Ich konnte sie nicht bejahen. Dafür haben seine Romane häufig zuviele Minuspunkte gegenüber dem, was gute Belletristik sehr häufig ausmacht.
Dramaturgie, eine spannende, mitreißende Handlungsführung, darf man (zumindest im eigentlichen Sine) nicht erwarten.
Figuren mit Tiefe, an deren Schicksal der Leser teilhaben kann? Auch eine Mangelware in Pynchons Werk. Meisten beobachtet man Schablonen von Figuren, die hin- und wieder auch klar als solche ausgewiesen sind, etwa durch ihre sprechenden Namen wie Stencil in V.
Pynchons Romane wandern beunruhigend an der Grenze zwischen Realität und kompletter Fantasterei (der unüblichen Art), die Welt, die wir hier präsentiert bekommen ist nicht unsere, und der Autor stößt uns manchmal wie mit einem Fußtritt in diese Erkenntnis. (Etwa wenn ein Kugelblitz in "Against the Day" plötzlich im allerwelts-Unterhaltungston anfängt, mit einem Wissenschaftler zu plaudern: "Ich heiße Skip, und du?"). Was soll uns also eine solche Fantasy-Welt scheren?
Als Leser von Belletristik will man unterhalten werden und dies kann auf vielerleiweise geschehen. Dramaturgie, interessante Charaktere in die man sich einfühlen kann oder auch indem man durch ein Buch intellektuell herausgefordert wird und dadurch seinen Spaß daraus zieht, sind hier bewährte Mittel.
Bei Pynchon geht es über letzteres meistens noch etwas hinaus, nicht weil er in einem besonderen Maße anspruchsvoll ist, sondern weil er massiv den Leser aus seiner passiven Rolle des konsumierens herausdrängen will zu einer aktiven Auseinandersetzung mit seinen Texten (und Literatur im Allgemeinen). Ich glaube jedenfalls das Pynchon an den Zahlreichen Fanseiten, Pynchon-Lesehilfen, Pynchon-Wikis etc. viel Freude hat. Auch durch seine mediale Abstinenz über die Jahrzehnte, die er insbes. 2006 erstaunlich weit aufgegeben hat (siehe Amazon.com Rezension zu seinem letzten Roman "Against the Day", fordert er dazu heraus sich verstärkt mit literarischen Themen insgesamt, wie etwa der Autorschaft, zu beschäftigen.
Auch Vineland ist in diesem Sinne eine Herausforderung an den Leser, und obwohl man beinahe so etwas wie einen Haupthandlungsstrang (mit dutzendweise Sub-Plots) hat, wird man, wie in jedem anderen seiner Romane, mit einem Puzzle konfrontiert, dass so etwas wie eine Auflösung verspricht, aber ähnlich wie bei "Citizen Kane" und der Suche nach "Rosebud" kann man gar nicht am Ziel ankommen. Aus diversen Gründen.
Vineland ist im Vergleich zum Übrigen tatsächlich insofern der "optimale Einstieg" für Pynchon, da er (mit einiger Aufmerksamkeit gelesen) "überschaubar" ist, oder zumindest annähernd überschaubar, auch von der Seitenzahl (~480) her.
Wenn man nach dem Lesen dann festgestellt hat, das man eigentlich nicht schlauer ist als vorher, aber an dem höchst individuellem Humor so etwas wie Freude (oder freudige Verwunderung) gefunden hat, wenn auch mit Sicherheit nicht auf jeder Seite, dann ist das schon sehr viel und man sollte seine Nase in "V." halten oder "Spätzünder" und hat dann vielleicht Lust auf mehr.
Insbesondere der extrem eigenwillige Humor scheint mir einer der Hauptgründe dafür zu sein, dass Pynchon vielen nicht gefällt. Wie ein Rezensent der Süddeutschen treffend zu "Against the Day" anmerkte, erscheint Pynchon häufig als eine Art gut gelaunter Märchenonkel der immer noch einen Draufsetzen will und dafür unglaublich gern Irritation des Lesers mit in Kauf nimmt (Skip, der Kugelblitz).
Wahrscheinlich gibt sehr viel mehr gute Gründe Pynchon nicht zu mögen, als umgekehrt. Humor ist da natürlich so eine Sache, aber Plattitüden und Banales lassen sich in seinen Romanen auch en masse finden.
Häufig fühlt man sich betrogen. Man glaubt ein Puzzle lösen zu müssen und selbst bei größter Mühsal kommt am Ende vielleicht nicht mehr als eine Zahl wie 49 raus. Leser mit sadomasochistischen Zügen werden bevorzugt. Dennoch ist dieser Autor und insbesondere dieses Buch ein interessantes Stück Literatur und man ist garantiert um eine außergewöhnliche Leseerfahrung reicher geworden (egal, ob im positiven oder negativen Sinne).
Am Ende hilft also alles nichts, außer LESEN und für sich herausfinden, obs was taugt.
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Die kalte Schulter Markus Werner Taschenbuch, 1993 Verkaufsrang: 11724 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
Wieder ein echter Werner - es lohnt sich! 5 von 5 Punkten Nachdem mir Markus Werner durch seinen Roman "Am Hang" positiv aufgefallen ist, habe ich mich gleich an ein weiteres Buch von ihm gemacht.
Und schon wieder bin ich verblüfft, wie sein Stil zu schreiben eine Lebendigkeit und Dichte in seine Geschichten bringt, die mir Gänsehaut macht. Seine Figuren sind auch dieses Mal geprägt von einer Vielfalt von Eigenarten. Auf der einen Seite gibt es spießige Gesellen mit Hang zu peinlichem Benehmen, auf der anderen Seite merkwürdige Eigenbrödler ohne Selbstbewusstsein mit einer Wahrnehmungsfähigkeit, die dem Auge eines Insekts kaum zuzutrauen ist. Aber das eigentlich phänomenale ist, dass Werner den Leser überzeugen kann, dass diese beiden Züge problemlos in ein und derselben Figur zu finden sind. Also wie im richtigen Leben!
Der Lauf der Geschichte ist..........boooah! Ich möchte ja den zukünftigen Lesern nichts verraten, um ihr Lesevergnügen nicht zu schmälern!
Auf alle Fälle eine Geschichte, die man nicht vergisst! Es lohnt sich!
Beobachtungen des Alltags, in humorvoller Sprache 3 von 5 Punkten Drei Sterne sind vielleicht unfair, da es sich im Vergleich zu anderen Büchern um einen absolut lesenswerten Roman handelt. Mit humorvollen Spitzen beschreibt Markus Werner den Alltag des Malers Moritz Wank, der mit sich und seinem Leben nichts mehr anzufangen weiß. Nur Judith, seine große Liebe, lässt ihn nicht in seinem Phlegma ertrinken. Toll: die klare Sprache, mit der Werner alltägliche Situationen und die "lieben Nachbarn" beschreibt - einfach und sehr amüsant auf den Punkt gebracht. Trotzdem nur drei Punkte, da mich die Geschichte persönlich enttäuscht hat. Es bleiben Fragen offen, lose Fäden in der Geschichte, die (auch wenn sie als Kunstgriff verstanden werden) stören. Nach "Am Hang" hatte ich einfach mehr erwartet. Nichts desto trotz ein immer noch gutes Buch!
und wieder..... 5 von 5 Punkten ...konnte mich Markus Werner von seinem einzigartigen Schreibstil überzeugen. Mit wenigen, wohlgesetzten Worten erzählt er uns in "Die kalte Schulter" auf knapp 160 Seiten die Geschichte des nachdenklichen Moritz Wank, eines nicht mehr malenden Malers, dessen Lebensinhalt sich einzig und allein auf seine Beziehung zu Judith, seiner großen Liebe, beschränkt, die ihn trägt und immer wieder in die Realität zurückholt. Dabei erfahren wir viel über die alltäglichen Begebenheiten, die durch Wanks Betrachtungsweise eine ganz eigene zum Teil humorvolle Bedeutung erhalten. So verklemmt er sich z.B. hilflos in einem Zigarettenautomat des Kinos und denkt, er befände sich damit in der unglücklichsten Situation seines Lebens. "Der Schmerz kümmerte ihn nicht, und Wut auf die Menschheit, die zum Mond flog und gleichzeitig außerstande war, unfallsichere Zigarettenautomaten zu konstruieren, half nicht weiter." Markus Werners wundervolle Sprache führt durch den Roman, und wer Werner kennt, weiß, dass der große Hammer am Ende um so schmerzvoller und überraschender zuschlagen wird. Der Leser bleibt geschockt und betroffen zurück und darf sich seine eigenen Gedanken machen über die Widrigkeiten des Lebens. Eine echte Empfehlung für die Liebhaber der leisen, aber eindringlichen Worte. Wunderbar!
Ein ganz und gar wundervolles Buch! 5 von 5 Punkten Noch nie hat mich ein Buch so berührt wie dieses von Markus Werner. Den Inhalt des Buches verraten, würde heißen das Buch zu verraten. Nur so viel sei gesagt, dass es sich darum handelt wie man es schafft mit dem was einem das Leben beschert umgehen zu können, es anzunehmen und das Glück darin zu finden. Denn Glück und Glas wie leicht bricht das und es gibt kein zurück. Doch im Ende liegt ein neuer Anfang. Bitte lesen, es belohnt!
Große Literatur 5 von 5 Punkten Durch eine Empfehlung auf Markus Werner aufmerksam gemacht, habe ich "DIE KALTE SCHULTER" gelesen. Anfangs schon durch die sehr originelle Schreibweise erfasst, kam ich mit Fortschreiten des Buches immer mehr ins Staunen. Bei ungefähr 30 Seiten vor Schluß (insgesamt ca. 160 Seiten) kippt dann die Geschichte so unvorhergesehen, dass ich dann eigentlich schockiert und sprachlos war. Über die Geschichte selbst werde ich jetzt nicht schreiben. Berührend, unsentimental und zum Nachdenken auffordernd, große Literatur ! Ich freue mich schon auf meinen nächsten Markus Werner...
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Der Buddha aus der Vorstadt Hanif Kureishi Taschenbuch, November 2005 Verkaufsrang: 14558 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der junge Karim Amir, Sohn eines Inders und einer Engländerin, will dem Mief der Londoner Vorstadt entfliehen. Da kommt es ihm gerade recht, dass sein Vater sich plötzlich zum Guru berufen fühlt und anfängt, Yoga- und Meditationskurse abzuhalten. «Absolut respektlos, wild d unanständig, aber auch tief berührend und voller Wahrheit. Und wirklich sehr lustig.» (Salman Rushdie)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
"Mich zog einfach alles runter und ich war zu allem bereit"... 5 von 5 Punkten ... so beschreibt Karim Amir die Einstellung zu seinem Leben. Er ist ein indischstämmiger, junger Engländer, der mit seinem Vater seine liebe Last hat. Der will an einer Vorstadt-Yoga-Olympiade teilnehmen, hat aber monatelang nicht trainiert. Karims Mutter ist eine bedauernswerte Frau, die außer einem abendlichen Snickers vor dem Fernseher nicht mehr viel Spaß in ihrem Leben hat. Der Vater legt sich mit Eva eine extrovertierte, schrille Freundin zu, mit der er ein neues Leben beginnen will.
In dem Roman geht es um Karims Wahrnehmungen, Begegnungen, Freundschaften und (erste?) sexuelle Erfahrungen in der Londoner Szene. Unglückliches Verliebtsein, Drogen und rassistische Anfeindungen bleiben ihm genauso wenig erspart, wie schräge Vorstadt-Exzentriker. Das Buch kennt keine Tabus.
Das Buch wurde vor knapp 20 Jahre aufgelegt, aber m.E. immer noch lesenswert. Hanif Kureishi ist auch durch die Verfilmungen seiner Romane "Mein wunderbarer Waschsalon" und "Sammy und Rosie tun es" bekannt geworden. Es ist schnell und leicht zu lesen - witzig und schräg mit einem Hang zur Wehmut und Ernsthaftigkeit.
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Die Taube Patrick Süskind Taschenbuch, Mai 1990 Verkaufsrang: 78210 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In fünf Monaten wird der Wachmann einer Pariser Bank das Eigentum an seiner kleinen Mansarde endgültig erworben haben, wird ein weiterer Markstein seines Lebensplanes gesetzt sein. Doch dieser fatalistische Ablauf wird an einem heißen Freitagmorgen im August 1984 jäh vom Erscheinen einer Taube in Frage gestellt.
In fünf Monaten wird der Wachmann einer Pariser Bank das Eigentum an seiner kleinen Mansarde endgültig erworben haben, wird ein weiterer Markstein seines Lebensplanes gesetzt sein. Doch dieser fatalistische Ablauf wird an einem heißen Freitagmorgen im August 1984 jäh vom Erscheinen einer Taube in Frage gestellt. »Ein rares Meisterstück zeitgenössischer Prosa, eine dicht gesponnene, psychologisch raffiniert umgesetzte Erzählung, die an die frühen...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 31 Bewertungen)
Ein perfekter Süßkind 5 von 5 Punkten Auch bei dieser Kurzgeschichte von Süßkind kommt sein Hang zum Außergewöhnlichen zum Vorschein. Ganz trocken und todernst beschreibt er uns die Geschichte eines Mannes, der sein ganzes Leben lang das Gleiche tut bis zu dem einen Tag, an dem eine Taube sein Leben völlig verändert und ihn aus der Bahn wirft.
Süßkind liebt es, uns Leser in seine eigene Welt hinein zu tauchen und uns für einen kurzen Moment selbst an uns zweifeln zu lassen. Er pickt sich Alltagsgeschichten heraus und macht daraus einen "Thriller" der Extraklasse, wie ihn der Protagonist wohl durcherlebt. Die Taube steht für Höhe, Freiheit, aber auch für Aufdringlichkeit und Schmutz. Sie sind die "Ratten der Lüfte", wie man sie oft nennt. Für den Protagonisten jedoch waren so etwas wie Tiere oder auch andere Menschen, die plötzlich in sein Leben treten, alles andere als normal. Plötzlich sitzt eine Taube vor seiner Tür und starrt ihn auch noch so dumm an! Ein Schock für ihn, damit hatte er nicht gerechnet. Und sie verschwindet einfach nicht! Der Protagonist wird in seinem tiefsten Inneren durcheinander gebracht und zerstört, seine alltäglichen Rituale von einem Tier gestört. Das zerreist ihn innerlich. Er wird aus seinem Alltagstrott heraus gerissen und muss sich nun unabwendbaren Gefahren stellen. Das ist zu viel für ihn. Er denkt über Selbstmord nach. Er weiß, dass er diesen Veränderungen nicht standhalten kann und merkt, dass solche Gefahren wohl noch öfters auf ihn zukommen werden. Wie soll er das alles schaffen?
Gut erzählt und mit dem kleinen Wink, immer auf der Hut zu sein.
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World's End Tom Coraghessan Boyle Broschiert, November 2007 Verkaufsrang: 4115 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die märchenhafteste Geschichte in World's End (1987) ist die des amerikanischen Pachtbauern Harmanus Van Brunt, der im 17. Jahrhundert eine Familie durch seine Freßsucht ruiniert. Nachdem er jahrelang mit immensen Mengen an Wildbret, Schnecken und Trüffeln gefüttert worden ist und das einstmals fruchtbare Land nahezu kahlgefressen hat, fällt seine Frau Agatha vor Erschöpfung tot "mit dem Gesicht nach vorn in eine Kasserolle mit Kartoffelauflauf". 300 Jahre später wird auch ihr Nachfahre Walter von einem alles vernichtenden Hunger befallen. Und der "Garten Enden" ist hier kein utopisches Schlaraffenland, sondern ein trostloses Shopping-Mall. Poetischer (und unaufdringlicher) kann man Kolonialismus, ökologischen Raubbau und den Ausverkauf des American Dream kaum kritisieren. World's End ist ein skurilles Geschichtspanoptikum, das -- in Anspielung an James Fenimore Coopers Lederstrumpfepos Der letzte Mohikaner (1826) -- vorwiegend die letzten ihres Familiengeschlechts und deren Vorgeschichte vorstellt: Im Grunde nämlich spielt die Story längst im Totenreich, wo sich die Helden und die Ahnen wiedertreffen. Deshalb fährt Walter Van Brunt nach Alaska, ans "fernste, abgefrorenste Ende der Welt", auf der Suche nach dem Vater, der Vergangenheit: Nicht zuletzt eine Reise ans Ende der Zeit also, wo "die Toten aus den Gräbern steigen" und deren Hinterbliebene lebendig begraben sind. So entsteht eine "Grossaufnahme Amerikas am Ende des Jahrhunderts" (Boyle): ein apokalyptischer Totentanz, der sich 300 Jahre historischer Entwicklung mühelos einverleibt. T. C. Boyle ist der schwarzhumorige Prophet des menschlichen Untergangs. "Die einzige Hoffnung ist, das wir irgendwann aussterben", konstatierte er dementsprechend in einem Interview. Für das Jahr 2000 hat der Autor einen neuen Roman angekündigt. Mit World's End jedoch ist das ultimative Endzeitszenario zur Jahrtausendwende schon längst geschrieben. Wer es noch nicht gelesen hat, der sollte es getrost verschlingen. --Thomas Köster
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)
(S)ein Meisterwerk 5 von 5 Punkten Comedy is my made of dealing with tragedy and despair.
Treffender als der Autor selbst kann man keine Überschrift für das mittlerweile zehn Romane und viele Kurzgeschichten umspannende Werk des US-amerikanischen Autors T.C.Boyle finden. Das diese Tragik und Verzweiflung in seinen Geschichten nicht immer nur persönlicher Natur sind sondern häufig auch in und an der amerikanischen Geschichte liegen, mag bei einem studierten Historiker nicht wundern. Doch wie es dem 59jährigen im Staat New York geborenen Boyle gelingt, in seinem Roman Worlds End die fast vollständige Geschichte der USA seit seiner Kolonialisierung in einem äußerst unterhaltsamen Plot zu verpacken, verdient Bewunderung.
Wer bereits Bücher von T.C.Boyle gelesen hat weiß, die Handlung beschränkt sich selten auf nur einen Handlungsstrang sondern besteht zumeist mindestens aus zwei Geschichten, welche auf irgendeine, für den Leser nicht immer sofort zu erkennende Weise, miteinander in Verbindung stehen.
Diese ihm eigene Technik reizt Boyle nun in Worlds End bis an seine Grenzen aus.
Die Lebens- und Leidensgeschichten von rund 60 Figuren überschneiden sich in wechselnden Kapitelblöcken, um die Geschichte der Grafschaft Westchester nördlich von New York im 17. und 20. Jahrhundert zu erzählen und so ein bitterböses Epos über zwei verfeindete Einwandererfamilien und ihr Verhältnis zu den indianischen Ureinwohnern in den vergangenen 300 Jahren zu schaffen.
Die Handlung rankt sich dabei um die jeweiligen Familienoberhäupter der Einwandererfamilien, den Großgrundbesitzern der Van Warts und den verarmten Van Brunts, und den wiederholten Verrat der eigenen Sippe durch die Van Brunts an die Van Warts und den hohen Preis, welchen sie dafür zahlen müssen.
Eine Identifikation mit den Characteren dieser Familien macht das Buch darum auch schwierig.
Da sind die Oberhäupter der Van Brunts, die allzu oft geradezu manisch in ihrem Handeln wirken, der Zusammenprall von dem bekifften, besoffenen und durch chemischen Drogen weitab der Realität befindlichen Walter van Brunt, seinem Motorrad und einer Gedenktafel an seinem Geburtstag ist nur das erste Zeichen eines der Familie innewohnenden unvorstellbaren Fatalismus. Dieser trifft auf die Gegenpartei der Van Warts, deren Wandel von unterdrückenden Großgrundbesitzern zu überzeugten Nationalisten ebenfalls keine Sympathie weckt und deren Nationalismus, im Gegensatz zu Boyles späteren Buch América, auch nicht mit einer solch erdrückenden Zwangsläufigkeit dargestellt ist, die eine Nicht-Identifikation schwierig macht.
Doch darum gibt es ja diese unglaubliche Ansammlung von liebenswerten und liebenswert ausgeschmückten Characteren, welche unterschiedlicher nicht sein können :
Katarinchee van Brunt heiratet im 17. Jahrhundert einen Indianer und erhält so den Volksstamm der Kitchwanken, deren letzter Sohn Jeremy Mohonk im 20.Jahrhundert ein Verhältnis zu Catherine Van Wart unterhält, der Frau des letzten Erben des ersten Großgrundbesitzers, um nur ein Beispiel für die irrwitzigen Handlungsstränge zu geben.
Und genau diese unglaubliche Fülle an Geschichten ist ebenso die herausragendste Eigenschaft des Buches im Vergleich zu anderen politischen Historienromanen dieser Autorengeneration, wie vielleicht auch sein einziges Problem.
Wo der eine oder die eine LeserIn aufgeregt mitleidet, -schmunzelt, -grollt und fühlt ob dieses unglaublichen Reigens der unterschiedlichen Erfahrungen in der amerikanischen Geschichte und der Fähigkeit Boyles, diese so logisch und zwangsläufig aufeinandertreffen zu lassen, mag der eine Leser oder die andere Leserin an die persönlichen Grenzen der Aufnahmefähigkeit stoßen.
Aber das macht nichts.
Ob Geschichte wirklich ein kompliziertes Konstrukt aus durch persönliche Begehrlichkeiten und individuelle Ansichten verschuldeten Begebenheiten ist, bleibt dann vielleicht offen;
nichtsdestotrotz bleibt aber immer noch ein großer Lesegenuss mit Protagonisten, welche der Leser sofort in sein Herz schließt und nach dem Lesen lange nicht vergisst und ganz nebenbei ein lehrreicher Trip durch die Anfänge der amerikanischen Geschichte.
Denn das ist Worlds End auf jeden Fall, doch aufgrund der spannenden Handlung mag dieses erst nach dem Umblättern der letzten Seite auffallen.
Und dort findet der Leser auch endlich das Verzeichnis der wichtigsten handelnden Personen, für dessen Fehlen er den Autor während des Lesens mehrfachst verflucht hat.
Also, wenn Sie dieses Buch ausschließlich bei klarem Verstand und mit dem Wissen um das Verzeichnis der handelnden Personen lesen, ohne dabei das Buch einen Tag lang nicht anzufassen steht einem ganz besonderem Lesevergnügen nichts im Wege. Und dafür lohnt es sich, bei klarem Verstand zu bleiben.
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Froschnacht Markus Werner Taschenbuch, September 1990 Verkaufsrang: 30299 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
wortgewaltig 5 von 5 Punkten ich habe während des lesens dieses buches immer einen bleistift dabei gehabt. einfach um die stellen anzumerken,die man an seine umgebung weitergeben möchte. die gedanken von vater und sohn in der zwiesprache der abwechselnden kapiteln (einmal aus sicht des sohnes und das andere mal aus sicht des vaters) haben soviel an lebensweisheit und allgemeiner gültigkeit. ich habe den stift beiseite gelegt - es waren zuviele anzumerkenden passagen. man kann den schreibstil nicht beschreiben - das muss man gelesen haben. es war das erste .buch von markus werner, das ich gelesen habe und seither bin ich ihm "verfallen". eine wirklich dicke empfehlung.
Von Menschen und Fröschen 5 von 5 Punkten Ich mag die Art, wie Markus Werner über das Leben im Allgemeinen und die Spielarten menschlicher Beziehungen im Besonderen denkt und schreibt. Ich schätze seinen feinen Humor und seine eindeutige Haltung zu dem, was sich "Zeitgeist" nennt. "Froschnacht" ist wie seine anderen Bücher Nahrung für Hirn und Seele. Sehr empfehlenswert (für alle ab 30)!
Sohn und Vater 5 von 5 Punkten In 10 Kapiteln tragen Vater und Sohn Thalmann ihre scheinbar unversöhnlichen Positionen vor, der Sohn in den ungeraden, der Vater in den geraden Kapiteln. Der Vater ist Landwirt, der Sohn scheitert als Geistlicher und arbeitet schließlich als Therapeut. Der Vater schildert sein Leben und seine Standpunkte in kurzen einfachen Sätzen, der Sohn kommt ungleich eloquenter daher, sogar etwas expressionistisch. Und so fabulieren beide in deutlichen Worten über Gott und die Welt, Kindheit und Alter, Geburt und Tod, Krieg und Frieden. Doch letztlich haben sie in unterschiedlichen Lebenssituationen mit denselben Problemen zu kämpfen.Wie auch in Zündels Abgang entstehen in des Betrachters Hirn die Figuren einzig aus deren Ansichten und Äußerungen, denn eine eindringliche Schilderung von Äußerlichkeiten im Stile verdienter (und zumeist toter Literaten) fehlt völlig, ohne dass man diese übrigens vermisst ... So hält man ein kurzes, vergnügliches Buch in Händen mit vielen aphoristischen Details, die die ein wenig an Lichtenberg und Schopenhauer erinnern, aber ungleich würziger daherkommen.
Mehr als eine Froschnacht 5 von 5 Punkten Franz Thalmann ist Pfarrer, Ehemann und Familienvater, bis ihn eines Tages sein Pfarrkind Kenzi verführt. Thalmann lässt Pfarramt und Familie hinter sich, zumal ihm klar wird: „Ich habe Helens (seiner Ehefrau) dünne Beine und ihren faden Hintern satt." Thalmann wird Therapeut, erfolgreich. Markus Werner wechselt zwischen Reflexionen Thalmanns und denen seines Vaters, der als Landwirt hauptsächlich mit seinen Kühen philosophiert. Beide sind gnadenlos ehrlich bis derb in ihren Gedanken über Gott und die Welt, das Leben, die Sexualität, in die Thalmann nicht zuletzt als Therapeut vertiefte Einblicke erhält. Die von Franz Thalmann mitgeteilte Verstoßung durch seinen Vater (wegen des Fehltritts mit Kenzi und dessen Folgen), die ihm immer noch einen Frosch im Hals verursacht, steht in einem seltsamen Kontrast zu den Gedanken des Vaters, die Lebensweisheit erkennen lassen, und keineswegs Unterworfensein unter gesellschaftliche Zwänge und entsprechende Engstirnigkeit.
Blitzgescheite, originelle Gedanken zu Leben und Tod. 5 von 5 Punkten Mit der Froschnacht zeigt sich Markus Werner einmal mehr als ein Meister der bitterbösen Kritik an der modernen Welt, jedoch nicht auf eine verbiesterte, besserwisserische Art, sondern überaus menschlich, gescheit und unprätentiös-einprägsam. Seine Sprache zeichnet sich aus durch eine unverhohlene bäurische (schweizerische?) Derbheit und Direktheit, die unmittelbar anspricht und immer wieder durch wunderbare Metaphern und blitzgescheite Einschübe überrascht. Nicht die Geschichte erzeugt hier die Spannung und das Bedürfnis, weiter zu lesen, jeder Satz, jeder Gedanke ist von einer ungeheuren Dynamik und macht neugierig auf das, was Vater Klemens auf dem Melkstuhl seinen Kühen oder am Stammtisch seinen Kumpeln zu sagen hat. Da gibt es eine Fülle wunderbarer Bemerkungen zu modernem Leben, Gesellschaft, Kindererziehung, Ehe, Fernsehen, das nichts als Sport, Totschlag und Wäsche- und Katzenfutterreklame bietet. Außerdem Landwirtschaftliches: künstliche Besamung, Melkmaschinen, Städter, die in die Natur flüchten und ob der Gerüche die Nase rümpfen. Sohn Franz lässt sich zu anderen großen Themen aus, vor allem auch zu Männern und Frauen und zur ehelichen Gemeinschaft. Bezeichnend die Episode mit dem herzförmigen Zettel auf dem frisch geputzten Klo, er möge sich doch in Acht nehmen, die Sterilität dieses Örtchens nicht zu gefährden. Oder die Ehefrau, die ihn drängelt, unbedingt eine pflegeleichte Freizeitjacke zu erstehen. Auch von den erotischen Phantasien ist die Rede, in die man sich in der Ehe flüchtet, weil man des Verfügbaren allzu schnell überdrüssig wird. Schonungslos und in wunderbaren Bildern, immer wieder von der Landwirtschaft inspiriert, wird auch über die großen Themen geredet, über denn (Un)sinn des Lebens, das Älterwerden, den Tod. An einer Stelle vergleicht Klemens das Leben einem Fahrradrennen durch die verschiedenen Etappen, bei dem sich jeder abstrampelt, möglichst schnell (weitere wichtige Themen: Zeit, Schnelllebigkeit) ans Ziel zu kommen, das ja eigentlich kein erstrebenswertes ist. Schließlich soll ja "keiner sagen, der alte Thalmann klebe so am Leben wie ein Halm an einem trockenen Kuhdreck." Dies ist ein Buch, das zum Schmunzeln und zum Nachdenken anregt, das ich nicht weglegen mochte und, nachdem ich es ausgelesen hatte, gleich wieder vorne anfangen wollte - für den Fall, dass mir etwas entgangen war. Unbedingt zu empfehlen. |
Liebesfluchten Bernhard Schlink Taschenbuch, November 2001 Verkaufsrang: 7076 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Bernhard Schlink hat eigentlich alles erreicht. Er ist Professor der Jurisprudenz in Berlin und entsprechend hoch angesehen. Der 1944 geborene Jurist -- und nur als solcher wird er im Klappentext vorgestellt -- feierte mit seinem Roman Der Vorleser einen Welterfolg. Nun liegt das zweite Werk des Autors vor: Liebesfluchten. Im Audiobook zum Erzählungsband gibt es drei der sieben Geschichten -- zum Besten gegeben von Bernhard Schlink selbst. Und sie haben eines gemeinsam: Es geht um Menschen, die plötzlich von der Vergangenheit eingeholt werden. War es im Vorleser noch die Zeit des Nationalsozialismus, ist es jetzt unter anderem auch die Stasi. Von Verrat ist da die Rede, von bitteren Anschuldigungen. Und von Tratschtanten, die nichts für sich behalten können. Bernhard Schlink erzählt mit einfachen Sätzen, ohne banal zu werden. Seine Geschichten leben durch seine klare Sprache, aber auch durch den Mut, mit dem er etwa das schwierige Verhältnis zwischen Deutschen und Juden angeht. Es wird nur unbedeutend durch den Ort der Handlung -- New York -- entkrampft, wie etwa in der Geschichte "Die Beschneidung". Da ist die deutsche Vergangenheit wieder da: "Ich kann es nicht mehr hören: Der Nazi in mir der Deutsche in mir...". Die junge Generation, die Hitler nur aus Büchern kennt, gerät wieder unter Rechtfertigungsdruck. Schlink erhebt keine Anklage gegen irgendwen, moralisiert nicht, sondern erzählt einfach. Weitere Geschichten aus der Buchvorlage sind "Die Frau an der Tankstelle" und "Der Andere". Spieldauer: 74:53 Minuten. 4 CDs, auch erhältlich als Hörbuch auf Kassetten. --Corinna S. Heyn, Thorsten Mücke
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 29 Bewertungen)
liebesfluchten - genial erzählt und fernab von jeglichem kitsch 5 von 5 Punkten liebesfluchten lässt einen an sieben unterschiedlichen geschichten teilhaben, die die vielen facetten der liebe zeigen. fernab von jeglichem kitsch und wirklich genial erzählt, wobei "die beschneidung" bei mir am meisten eindruck hinterlassen hat.
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Ehepaare. SPIEGEL-Edition Band 6 John Updike, Maria Carlsson Gebundene Ausgabe, 11. September 2006 Verkaufsrang: 11496 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden John Updike: 'Es heißt unentwegt, Liebe und Sex seien die neuen Grundlagen unserer Moral. Ich wollte der Sache einmal auf den Grund gehen und die Frage stellen: wäre das überhaupt wünschenswert?' Das vieldiskutierte Thema Partnertausch wurde zum Gegenstand eines bedeutenden und international erfolgreichen Romans.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)
Ein Meisterwerk 5 von 5 Punkten Dieses Buch hat so finde ich auch nach nun mittlerweile 39 Jahren
seit Erscheinen immer noch interessantes zu bieten .
Updike ist, wie in fast jedem seiner Bücher, ein herrliches Gemisch gelungen . Anhand der sexuellen ausschweifungen Ende der sechziger
Jahre skizziert er eine Studie des Menschen der sich selbst als auch anderen keinen Wert beimisst.
So haben die verschiedenen Personen kaum oder nur geringe Skrupel
ihre Ehepartner zu hintergehen .
Wobei Piet(Die maennliche Hauptfigur)gegen Ende des Buches merkt das
er mit seinen verschiedenen Abenteuern sich selbst mehr geschadet hat
als er zuerst dachte.Saemtliche seiner Partnerinnen kehren zu ihren Ehepartnern zurück während er alleine dasteht.
Als dann gegen Ende auch noch die Kirche abbrennt , wird klar das sich die Bewohner des Ortes Tarbox, eine Gottesgegenwart nicht länger verdient haben .
Brillante literarische Umsetzung des Themas,glaubhafte Charaktere und am Ende die Moral von der Geschicht!
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Heißer Sommer Uwe Timm Taschenbuch, Mai 1998 Verkaufsrang: 97043 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Zu den wenigen literarischen Zeugnissen der Studentenrevolte zählt Uwe Timms "Heißer Sommer". Heute, dreißig Jahre danach, ist das Buch selbst ein Stück Geschichte, das uneingeholte politische Erwartungen wachhält und die Atmosphäre eines bewegenden historischen Moments mit all seinen Spannungen, Aufbrüchen und beschleunigten Entwicklungen unvergessen macht. »Für mich, der damals draußen stand, ist "Heißer Sommer" eines der wichtigsten Bücher.«(Alfred Andersch)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)
Interessant, spannend, rührend! 5 von 5 Punkten Ich weiß nicht, wie ich diesem Roman gerecht werden kann. Ich versuch es einfach.Ulrich Greiner schrieb in der FAZ über „Heißer Sommer": „(...) Timm hat mit diesem sympathisch-ehrlichen Roman über die Studentenbewegung recht, es war so, wie er sagt." Ich weiß nicht, ob der Roman „Heißer Sommer" tatsächlich ehrlich ist. Ich war schließlich nicht dabei. Er wirkt jedenfalls, so weit ich das beurteilen kann, sehr authentisch und ist in sich durchaus schlüssig. Sympathisch ist der Roman in jedem Sinne. Timm hat eine Erzählperspektive gewählt, die dem Leser Ullrichs Gedanken nahe bringt. Fast wirkt es so, als ob man plötzlich selber Ullrich ist und nicht nur an seinen Gedanken, Erlebnissen, an seiner Entwicklung teilnimmt. Manchmal habe ich mich über Ullrich geärgert und dann wieder über andere. Ullrichs Geschichte hat mich berührt. Ich konnte den Roman einfach nicht zur Seite legen. Ich wollte wissen, was mit Ullrich und seinen Freunden passiert. Meiner Meinung nach geht es jedoch nicht nur um die Studentenrevolution und die Auswirkungen, die sie auf Ullrich ausübt. Es geht ebenfalls um eine Art Freundschaft, zwischen dem SDS-Mitglied Petersen und Ullrich. Eigentlich werden fast alle literarischen Figuren in dem Roman „Heißer Sommer" bei dem Vornamen benannt. Petersens Vornamen kennt man nicht. Obwohl sich Ullrich sogar eine zeitlang von Petersen distanziert, ist er wichtig für Ullrich. Die Geschichte von Ullrich und Petersen, diese zarte Freundschaft, die eigentlich gar keine ist, die ist einfach nur rührend. Die menschlichen Beziehungen spielen in Timms Roman eine wichtige Rolle. Daher ist dieser Roman nicht einfach nur ein Bericht über die Studentenrevolte, sondern ein Roman über den Protagonisten Ullrich. Es geht um seine Entwicklung, um seine Gedanken, um seine Freunde, um seine Feinde, um seine Familie, um seine Erlebnisse und um seine Geschichte von 1967-1969. Uwe Timms Roman „Heißer Sommer" ist packend, spannend, rührend, interessant und ich gehe einfach mal stark davon aus, dass es ein ehrlicher Roman ist.
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Die Stadt der Sehenden José Saramago Broschiert, 1. Oktober 2007 Verkaufsrang: 86164 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Es ist der Alptraum eines jeden Politikers, einer jeden Partei: da ist Wahl und keiner geht hin, schlimmer noch, die Wenigen, die kommen, geben unausgefüllte Stimmzettel ab. Und bei der Wahlwiederholung sind zwei Drittel aller Stimmzettel leer und weiß. Ein politisches Desaster, das sich wie eine ihre Zündschnur suchende Bombe durchs Land zieht. Der portugiesische Literatur-Nobelpreisträger José Saramago bot schon in früheren Büchern einen auffälligen Gegensatz: so wie er lebt, schreibt er, ruhig, fast still, gedämpft, vermeintlich gleichmütig. Aber das, was er schreibt bewegt und erschüttert wie ein alles mit sich reißendes Beben, da wird eine politische Science-Fiktion-Geschichte auf fast 400 Seiten zu einer immer stärker, öfter und eindringlicher an reale Gegebenheiten erinnernden Parabel, bitter-böse, pessimistisch und nicht gerade Hoffnung machend. Die Regierung, unfähiger denn je, steht mit dem Rücken zur Wand, Spitzel werden ausgeschickt. Das Wort wird aufgenommen und ebenso das Gefühl. Niemand ist mehr sicher. Mit Verhaftungen, Gewalt, und Folter will man die Ursachen für die alle Parteien gleichermaßen betreffende Wahlschlappe herausfinden. Terror ähnliche Machenschaften durchlöchern langsam aber stetig die saubere, als so demokratisch gerühmte Oberfläche. Attentate, auffahrende Panzer, Demonstrationen verunsichern und destabilisieren das bis dahin so sicher geglaubte Leben. Es gibt Tote. Ein Kommissar soll die Schuldigen für das Versagen des Systems finden. Und da gibt es denn auch schon jemanden, der in Frage kommt, bekannt aus Saramagos beeindruckendem Roman Die Stadt der Blinden. Ein Buch, das kein Muss ist, um den neuen Roman über die Zerbrechlichkeit demokratischen Zusammenlebens, über Hochmut und Macht zu verstehen und außerordentlich wertzuschätzen, aber ein ebenso geniales Buch, dessen Lektüre man auf jeden Fall nachholen sollte! Zugegeben, ein Saramogo liest sich nicht ganz leicht, endlos scheinende Sätze, oft eher konstruiert denn gedacht, mag man denken. Aber: man liest sich sozusagen in den Fluss ein. Und das geht so schnell, als würde man mitgerissen von einem langsam fließenden Lavastrom, aus dem es einfach kein Entrinnen mehr gibt. Saramago verstrickt den Leser in immer tiefere Nachdenklichkeit, Zweifel kommen auf, Fragen, Erkenntnisse. Mit Lösungen wird die Lektüre nicht versüßt, vielmehr bleiben kritische Betrachtung und Wachsamkeit. Aber: was kann es für mündige Staatsbürger besseres geben? --Barbara Wegmann
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 18 Bewertungen)
Politikum 5 von 5 Punkten Im Gegensatz zu den meisten Kritikern hier, habe ich die "Stadt der Sehenden" VOR dem hier oft zitierten "Stadt der Blinden" gelesen und hatte vielleicht nicht diese unermesslich hohe Erwartungshaltung. Gut so, sagt man.
Denn...
Saramago's Roman ist eine wirklich zu Lachen komische und zum Weinen traurige Parabel, durchaus nachvollziehbar erscheint das Verhalten der Städter, denen es ganz einfach reicht, dass man auf ihrem Rücken große Politik spielt.
Mündige Bürger beginnen sich still zu wehren, gewaltloser Widerstand der dann auf die Hilflosigkeit der scheinbar so Mächtigen trifft. Eine wunderbare Idee und wunderbar ausgeführt.
Man sollte diesen Roman nicht als Nachfolger der "Blinden" sehen, obschon der Marketingtrick - anders mag man es nicht bezeichnen - ein durchsichtiger ist.
Dem Werk selbst wird dadurch unrecht getan, denn irgendwie ist Saramago's Satire fast Pflichtlektüre für den mündigen Bürger, der sich schließlich täglich auf der Nase herumtanzen lässt.
LG
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Milch und Kohle Ralf Rothmann Taschenbuch, September 2004 Verkaufsrang: 11692 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Die Lohntüte lag noch auf dem Tisch. Meine Mutter hatte die Arme um die Taille meines Vaters geschlungen, den Kopf an seine Schulter gelegt. Sonnenschein." Sonnenschein? Nein, 'Milch und Kohle' erzählt von einer anderen Welt Ende der sechziger Jahre. Der Vater, ein Hauer unter Tage: "Nur eine Stunde müßtet ihr mal da runter. Gestern bis zum Bauch im Wasser. Nie ein Stück Himmel." Doch pflichtbewußt fährt er zur Zeche - und trauert dem Leben als Melker in...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Mitten im Ruhrgebiet 5 von 5 Punkten Rothmann ist ein Romancier, ein Erzähler, der in bester Tradition so leicht mit seiner Geschichte daherkommt, als würde er sie einem bei einem Bier in der Eckkneipe erzählen. Es tauchten darin Momente auf, die einen Schmunzeln lassen und solche, die uns nachdenklich zurücklassen. Ende der Sechziger Jahre ist das Wirtschaftswunder bereits ein historischer Begriff, für einen Hauer im Ruhrgebiet haben längst härtere Zeiten angefangen. Zumal er sein erstes Leben als Melker hat wegen seiner Frau aufgeben müssen. Mit den Augen eines Fünfzehnjährigen werfen wir einen Blick auf eine Familie, wo die Mutter sich einen Fernseher, ihr Stück vom Kuchen und das Amüsement am Wochenende wünscht, um sich was aus dem Leben zu machen. Dass sie sich dabei auch noch ein kleines Verhältnis gönnt - soll ja schon vorgekommen sein. Was bleibt einem Pubertierenden da noch als selbst durch die Gegend zu ziehen, seine Art von Abenteuer zu suchen. Die Flucht aus dem Alltag gibt's zu allen Zeiten. Im Rückblick ist man erstaunt, wie sehr sie doch auch für die eigene Zeit zutraf. Ralf Rothmanns Stärke besteht darin, sie uns wie einen alten Freund nahe zu bringen, mit dem man gestritten, mit dem man sich versöhnt hat und mit dem man im Abstand der Jahre sich wieder auf ein Bier verabredet.
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Das Hotel New Hampshire John Irving Sondereinband, 1984 Verkaufsrang: 9290 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Eine gefühlvolle Familiengeschichte, in der motorradfahrende und feministische Bären, weiße Vergewaltiger und schwarze Rächer, ein Wiener Hotel voller Huren und Anarchisten, ein Familienhund mit Flatulenz im Endstadium, Arthur Schnitzler, Moby Dick, der große Gatsby, Gewichtheber, Geschwisterliebe und Freud vorkommen - nicht der Freud, sondern Freud der Bärenführer.
John Irving Das Hotel New Hampshire Eine gefühlvolle Familiengeschichte, in der motorradfahrende und feministische Bären, weiße Vergewaltiger und schwarze Rächer, ein Wiener Hotel voller Huren und Anarchisten, ein Familienhund mit Flatulenz im Endstadium, Arthur Schnitzler, Moby-Dick, der große Gatsby, Gewichtheber, Geschwisterliebe und Freud vorkommen - nicht der Freud, sondern Freud der Bärenführer. »Eine üppig wuchernde Phantasie treibt...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 48 Bewertungen)
Wien und andere Hotels 5 von 5 Punkten Man muss nicht alle Bücher von John Irving fantastisch finden.
Dieses aber ohne jeden Zweifel. Wie aus dem unscheinbaren Großvater mit der Zeit - lange nach seinem Ableben - der Held des Buches wird, das ist tatsächlich große Erzählkunst. Wie die Schwächen jeder einzelnen Figur gezeichnet werden, wie sie sich aufraffen, wie sie scheitern / welch skurillen Szenen ausreichend, detailiert und ohne eine Sekunde zu langweilen, Platz gegeben wird, das ist Kunst.
Es gibt anderes, neueres von Herrn Irving.
Nichtsdestotrotz - eigene Meinung - sein umwerfendstes Buch...
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Witwe für ein Jahr John Irving Taschenbuch, Oktober 2004 Verkaufsrang: 37679 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden John Irving-Fans dürfte es wohl kaum verwundern, daß Witwe für ein Jahr eine weitläufige Mischung aus Farce und Tragödie ist, in der es nur so wimmelt von Schriftstellern. Gleich zu Beginn ertappt die 4jährige Ruth Cole ihre melancholische Mutter Marion in flagranti mit dem 16jährigen Eddie, nachdem dieser Ted -- Ruths liebestollen Vater, dessen Ehe mit Marion nur noch auf dem Papier existiert -- nach einer von Teds Sauftouren wieder einmal nach Hause gefahren hat. Eddie schreibt den Rest seines Lebens Romane wie "Sechzig Mal", seinen Schlüsselroman über die 60 Mal, die er Marion verführt hat. Ted ist ein gescheiterter Romanschriftsteller, dem die auf Ruths Gute-Nacht-Geschichten basierenden Kindermärchen, wie z.B. "Die Maus, die zwischen den Wänden krabbelt", zu Reichtum und Ruhm verholfen haben. Marion verläßt Ruth, Ted und Eddie und entpuppt sich schließlich als erfolgreiche, unter einem Pseudonym schreibende Schriftstellerin. Von all den vorkommenden Schriftstellern ist Ruth am Ende jedoch die erfolgreichste, dank Ted, der sie frühzeitig in die Kunst des Schreibens eingeweiht hat. Er erzählt ihr nicht nur Märchen, sondern hilft ihr auch dabei, ihre eigenen Geschichten zu erfinden, die die vielen Photos in ihrem Haus erklären, auf denen ihre Brüder zu sehen sind, die in einem Autounfall ein Jahr vor ihrer Geburt ums Leben gekommen sind. Der Schmerz über den Verlust ihrer Söhne ist der Grund für Marions Unfähigkeit, Ruth zu lieben. Äußerst gelungen ist die Figur der Ruth, Irvings erste weibliche Hauptfigur. In beiden Rollen -- der des phantasievollen Kindes, das in dem Versuch, mit seiner Familie ins reine zu kommen, stark an die Werke Salingers erinnert, und der der Erwachsenen, die die Beweggründe ihrer Mutter zu verstehen oder diese zumindest zu ergründen sucht -- ist sie eine wahre Glanzleistung. Ted ist eine beißend-lustige Karikatur, dessen finstere Art und selbstgerechtes Verhalten in den unmöglichsten Situationen mysteriös und verständlich zugleich wirken. Eddie ist ein liebenswerter Schelm, doch ohne Weichzeichner gezeichnet. Was für gewaltige Szenen Irving immer wieder zu schaffen vermag! Die Geschichte vom Tod der Jungs ist nicht nur grauenerregend, sie stellt auch auf wirkungsvolle Weise den Charakter Teds dar, der sie erzählt. Der Mordversuch einer abgewiesenen Liebhaberin an Ted ist ebenso rasend komisch wie die VW-die-Marmortreppe-runter-Szene in Owen Meany (die von den Disney-Studios verfilmt wurde), allerdings nicht ganz auf einer Stufe mit der berühmten Episode von "Pension Grillparzer" in Garp und wie er die Welt sah (neu erschienen in einer Jubiläumsausgabe anläßlich des zwanzigjährigen Bestehens des Modern Library Verlags). Mit seiner Dreistigkeit kommt Irving mit praktisch jeder Szene, die ihm in den Sinn kommt, beim Leser durch: Ruth wird in Amsterdam zufällig Zeugin des Mordes an einer Prostituierten, ein holländischer Detektiv stellt ihr nach (natürlich gerade zu dem Zeitpunkt, als Ruth Marion auf den Fersen ist), und schließlich münden die verschiedenen Handlungsstränge alle in einer Schlußszene, die beinahe mit der Anfangsszene des Buches identisch ist. Erzählt wird die Geschichte im maßlos zufälligen und dennoch absolut realistischen Stil eines Charles Dickens, begleitet von einer reflektierten Scherzhaftigkeit, die an Irvings Mentor, Kurt Vonnegut, erinnert. --Tim Appelo
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 94 Bewertungen)
Was will man mehr? 5 von 5 Punkten Eine Message an alle Kraft-Fahrenden: Schlage als Linksabbieger nie die Räder vorzeitig ein! Es könnte ein Auffahrer daherbrausen, der dich unverhofft auf die Gegenfahrbahn befördert, und das Schicksal nimmt seinen verhängnisvollen Lauf &
So auch in diesem Opus aus Irvings Bestsellerwerkstatt. Die Folgen eines Autounfalls sind zu einem phantasiereichen Gespinst spannender Begebenheiten verknüpft. Die Akteure Schriftsteller, ein erwartungsvoller Praktikant, Prostituierte, Polizisten, unglückliche Mütter und Journalistinnen agieren auf Schauplätzen wie Long Island, Paris, auf der Frankfurter Buchmesse und in den legendären Rotlichtvierteln von Amsterdam. Und alles dreht sich um die Liebe, der man von Herzen ein Happy-End wünscht. Kann ein Leser mehr verlangen?
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Afterdark Haruki Murakami Broschiert, August 2007 Verkaufsrang: 21055 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Den Blick, den der Erzähler mit uns einnimmt, kommt von oben. Die Stadt liegt vor uns ausgebreitet wie ein riesiges Gebilde -- ein Gebilde, das leuchtet. Denn es ist Mitternacht, das Datum schlägt bald um. Dann senkt sich der Blick des beschreibenden Wie-Erzählers wie in einer langen Kamerafahrt auf den hellsten Punkt, das Zentrum seines Interesses, die Welt der Vergnügungsviertel, Love Hotels, Schnellrestaurants und Workoholics. Hier werden Prostituierte misshandelt, tanzen Schwangere zur Freude von Voyeuren in den Nachtbars und finden Begegnungen zwischen Großstadt-Zombies statt, die keiner so erwarten konnte. Von nichts anderem erzählt Afterdark, den man am ehesten mit einem Quentin-Tarantino-Film vergleichen kann: Pulp Fiction, wieder zu Literatur gemacht. Afterdark, der Roman des japanischen Kultautors Haruki Murakami (Gefährliche Geliebte, Sputnik Sweetheart, Kafka am Strand, Tony Takitani), beginnt etwas schwach, gewöhnlich und vielleicht sogar ein wenig billig. Aus der Höhe wirkte die Stadt wie ein riesiges Lebewesen. Oder wie eine künstliche Ansammlung unendlich vieler ineinander verschlungener Existenzen, steht da zu lesen. Das erste Bild ist inzwischen ein Topos geworden, der sich bis in die Trivialliteratur erstreckt -- und der von Murakami mit Vergleichen wie Adern (für Straßen) oder Pulsschlag (für das urbane Leben) noch weiter ausgereizt wird. Der zweite Satz wäre schlichtweg banal -- eröffnete er nicht bereits zu Beginn den Blick auf die poetische Struktur von Afterdark: Unendlich viele Existenzen, deren Biografien und Schicksale ihr Wohnort ebenso wie die Hand des Erzählers zusammen hält. Diese Perspektive beherrscht Murakami auf unnachahmliche Art und Weise. Sie macht Afterdark zu einem kleinen Meisterwerk. --Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 20 Bewertungen)
nachtwanderung... 4 von 5 Punkten ...das trifft das Buch so ziemlich.
Der Autor zeigt uns hier verschiedene Menschen die alle etwas verbindet, er begleitet sie durch Phasen der Nacht, zeigt uns anschaulich ihre Welt, vernab von dem Leben das wir von uns kennen.
Manche mögen es langweilig nennen, vllt. den tieferen Sinn, den Kernpunkt des Buches suchen...darum geht es jedoch nicht in dem Buch.
Letztendlich geht es nur um verschiedene Charaktere, die sich ihren Weg durch die Nacht bahnen um irgendwie den nächsten Morgen erblicken zu können.
Man erfährt dabei so einiges, jedoch bleibt auch vieles verborgen, womit der Leser selbst klarkommen muss bzw sich sein eigenes Bild machen kann.
Im großen und ganzen ein gutes Buch, für den, der es mag durch die Nacht zu wandern und sich dabei Geschichten anzuhören.
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Katz und Maus Günter Grass Taschenbuch, September 1993 Verkaufsrang: 5287 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Aus der Rückschau des Jahres 1959 erzählt Pilenz vom bewunderten und verachteten Klassenkameraden Mahlke im Danzig der Kriegszeit, den sein übergroßer Adamsapfel zum Außenseiter macht. Mahlke führt einen verzweifelten Kampf um seine Integration, um die Schließung des existentiellen Risses zwischen »Katz« und »Maus«, und wird doch im Sieg endgültig scheitern. Auch das Ritterkreuz, von dem er sich Perversion der Zeit...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 26 Bewertungen)
Grasskonzentrat 5 von 5 Punkten Auch wenn ich seine epischen Ausgeburten besonders schätze: "Katz und Maus" ist sozusagen ein Grasspresso. Als Teil der Danziger Trilogie (wobei "Trilogie" aus heutiger Sicht angesichts zahlreicher weiterer themenverwandter Werke natürlich nicht mehr stimmt) in einer schon fast vertrauten Szenerie plaziert, schmeckt man förmlich das salzig-sommerwarme Wasser und getrockneten Möwenmist, wähnt sich mit dem Protagonisten in die Strandbatterie verdonnert und erlebt so die finsteren Kriegsjahre aus einer bisweilen erschreckend nachvollziehbaren, so gar nicht finsteren, weil lebendigen Perspektive. Wie schon in der Blechtrommel gibt es als Garnitur Absurdes und Fabelhaftes.
Alles in allem ist diese Novelle eine vorzügliche Zeitmaschine und gestattet es Dank ihrer knackigen Kürze, Weltliteratur an einem Nachmittag zu verschlingen.
Pflichtlektüre!
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Das Parfum. Sonderausgabe: Die Geschichte eines Mörders Patrick Süskind Gebundene Ausgabe, September 2006 Verkaufsrang: 26758 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Zu all den herausragenden Merkmalen, die Patrick Süskinds Klassiker mit den Jahren auf sich vereint hat, kommt nun ein neues hinzu: Hans Korte lässt die Geschichte des Pariser Massenmörders Jean- Baptiste Grenouille in akustischer Brillanz aufleben. Markant spricht er, lässt mit seiner eindrucks- und ausdrucksvollen Stimme schnell Atmosphäre und Bilder im Kopf entstehen. Das Buch habe ihm sehr gefallen, sagt Korte in einem Interview, deshalb habe er es auch gerne gelesen. Das kommt über, man nimmt es dem 1929 geborenen Vollblutschauspieler, der auch studierter Musiker und Dirigent ist, ab. Immerhin, es ist eine lange Strecke, fast zehn Stunden, eine unglaubliche Herausforderung! Und dann ist es ja auch nicht irgendein Buch: weltweit über 15 Millionen verkaufte Exemplare, übersetzt in 20 Sprachen, jetzt verfilmt. Mit dem Leben jenes geruchlosen, aber mit einem genialen Geruchssinn ausgestatteten Ungeheuers, dieser vom Teufel Besessenen ,abscheulichen Gestalt', die im bestialischen Gestank der Pariser Armenviertel des 18. Jahrhunderts groß wird, hatte Süskind den richtigen Riecher. Und nun ist ein ganz anderer Sinn gefragt: das Zuhören macht Spaß, auch, wenn man das Buch bereits gelesen hat- und wer hat das nicht? Schnell erliegt man der großväterlich ruhig erzählenden Stimme, die einen leise in das dramatische Geschehen wiegt. In Kortes Sprechweise spiegelt sich angenehm Lebenserfahrung, Reife und Alter. Mit seiner Art, nicht zu hetzen, manchmal aufbrausend, dann wieder nachsichtig zu sein, Dialoge gut im Griff zu haben, Pausen zu gönnen und Bilder stehen zu lassen und auch mit dem Sprechtempo auf seine eigene Art zu interpretieren, wird aus Süskinds genialem Roman ein akustischer Genuss, der Grenouilles mörderische Welt gruselig belebt. Eine Meisterleistung. Musikalisch zu sein, habe ihm sicher bei den Aufnahmen geholfen, gesteht Korte. Aber da war auch die Faszination über den Stoff und die Bewunderung des Süskind Talents: Eine völlig irreale Handlung ganz überzeugend so darstellen zu können, als wäre sie Realität, das ist verblüffend. Das macht die Geschichte noch geheimnisvoller. Für das Hörbuch trägt Hans Korte dazu seinen Teil nun auch bei. --Barbara Wegmann
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 691 Bewertungen)
Taussend mal besser als der Film!!!! 5 von 5 Punkten Dieses Buch hat mich so gefesselt, dass ich im Schlaf versucht habe zu erklären, wie ein Fallbeil funktioniert! Einfach fesselnd! Kann nicht verstehen, warum viele Menschen den Film besser finden, oder das Buch nicht mochten!
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Mann und Frau Zeruya Shalev Broschiert, Oktober 2002 Verkaufsrang: 19148 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Rosenkrieg in Israel: Zeruya Shalev führt in Mann und Frau atemlos das Sterben einer Ehe vor. Vielleicht ist es ja nur ein einziger Moment, an dem das Leben sich entscheidet, von nun an auf der Stelle zu treten und stillzustehen. An dem es beginnt, sich gegen alle Veränderungen abzuschließen und allmählich bis zum Ende zu verhärten. In solch einem Moment findet Na'ama ihren Mann Udi morgens regungslos im Bett. Erst sind es die Beine, die er nicht mehr spürt, später den Oberkörper bis er schließlich nichts mehr bewegen kann. Noga, die eifersüchtige, um Liebe buhlende Tochter steht daneben und macht ein Gesicht, als hätte sie das schon immer gewusst. Gern würde sie mit ihrem Vater allein sein und seine Liebe für sich haben. Was also tut man in so einem Moment als kluge Ehefrau? Man nimmt sich zurück, sorgt zuerst für das Wohl aller anderen und denkt ganz zuletzt an seine eigenen Wünsche. Oder aber man steht auf und schreit und sagt endlich einmal, dass man so nicht mehr leben kann, und dass die anderen doch auch einmal an einen denken sollen und dass man, auch wenn man Ehefrau und Mutter ist, doch auch ein Recht auf sein Leben hat. Als Leser denkt man sich, dass hier alle Messen gesungen sind und dass auch diese Ehe den Weg alles Irdischen und damit ihrem guten Ende entgegen gehen wird. Alles ist, wo allein die Verletzungen übrig geblieben sind, nur noch eine Frage der Zeit und eigentlich gut bekannt. Zeruya Shalev, die israelische Autorin, die seit ihrem Überraschungserfolg Liebesleben in aller Munde ist, legt ihren zweiten Roman in Deutsch vor, und es ist ein Buch für Frauen. Es ist der nicht enden wollende Klagegesang einer Frau, die glaubt, den Mann geheiratet zu haben, den sie liebt und die zusehen muss, wie der Schwur der lebenslangen Gemeinschaft sich selbst überlebt. Mann und Frau ist ein atemloses und trauriges Buch, ganz wunderbar übersetzt von Mirjam Pressler. --Jana Hensel
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 29 Bewertungen)
Psychologisches Wunderwerk 5 von 5 Punkten Zeruya Shalev - Mann und Frau
Nachdem ich vor ca. 7 Jahren Liebesleben gelesen habe und mir den Erfolg und die allseits guten Kritiken des Buches nicht erklären konnte, habe ich mich erneut an ein Werk von Zeruya Shalev getraut. Ich bin nun 7 Jahre älter, ich darf sagen auch erfahrener und befinde mich seit 2 Jahren mitten in der Ehe!
Als ich das Buch bei meinen Eltern sah, den Titel las, war mein erster Gedanke: schon wieder so ein Frauen-verstehen-Männer-und-umgekehrt-Buch". Mein Vater, der so gut wie nie Bücher liest, war begeistert von Mann und Frau und deswegen gab ich Zeruya Shalev noch eine Chance. Jetzt denke ich: man muss scheinbar erst erwachsen werden, um die Bücher von Zeruya Shalev zu begreifen und zu lieben!
Udi und Na`ama führen seit ihrer frühesten Jugend eine Beziehung, sind zusammen auf- und herangewachsen und dachten immer ihre Liebe würde ewig halten. Doch ihre Ehe wird auf eine harte Probe gestellt, als Udi den Unfall der gemeinsamen Tochter Noga zu verantworten hat und Na`ama beinahe eine Affäre mit einem Maler beginnt. Scheinbar überwinden sie Krisen, doch Udi fällt es schwer ein liebender Vater zu sein und Na`ama fühlt sich seit ihrem Fehltritt schutz- und machtlos den unterschwelligen Vorwürfen ihres Gatten ausgesetzt und tut alles um es ihm recht zu machen, bis zur vollkommenen Selbstaufgabe. Tochter Noga hat keine Freunde und belastet mit ihren Problemen zusätzlich die Situation der Eltern.
Udi reagiert auf diese Belastungen mit körperlichen Lähmungserscheinungen und gibt Na`ama permanent zu verstehen, das sie der Auslöser seiner Krankheit ist. Na`ama ist hin und her gerissen zwischen Selbstvorwürfen, Liebe und Hass und sucht Hilfe bei der Heilerin Sohara, die das israelische Ehepaar mit ihrer Schönheit und inneren Ruhe in ihren Bann zieht. Sie öffnet der Familie die Augen, verhilft Udi wieder zu körperlichen Kräften und schafft selbst eine Annäherung zwischen Na`ama und Noga. Na`ama ist so fasziniert von Sohara und glücklich über deren Erfolge, das sie nicht mitbekommt, das Udi sich gefühlsmäßig von ihr entfernt. Sie ist vollkommen überrascht, als Udi sie und Noga verlässt. Etwa für Sohara?
In den nächsten Wochen findet Na`ama den Weg zu sich selbst wieder, blüht in ihrer Arbeit als Sozialarbeiterin in einem Heim für schwangere Frauen auf und hat zu ihrer Tochter ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut. Sie geht eine erotische Liaison zu einem verheirateten Mann ein und genießt dieses kurze Vergnügen auf eine, für sie, ganz neue Art und Weise. Udi beginnt sich wieder mehr für seine Tochter zu interessieren und tritt so wieder in Na`amas Leben. Zeruya Shalev überlässt es am Ende uns, dem Leser, Na`ama und Udi wieder zusammen zu führen oder Na`ama ihr neu gewonnenes, glückliches und selbständiges Leben mit ihrer Tochter genießen zu lassen.
Zeruya Shalev macht uns mit bedrückend schweren und gleichzeitig wunderbar wahren Worten klar, wie scheinbar unbemerkt eine Liebe zwischen zwei Menschen vergehen kann und wie Mann und Frau vollkommen unterschiedlich mit Sorgen und Problemen umgehen und darauf reagieren.
Sie hat einen ganz eigenen Schreibstil, der entweder nerven oder faszinieren kann, klar ist aber, das dieses Buch ein Wunderwerk ist, voller psychologischer Knospen, die sich demjenigen öffnen, der mit offenem Herzen und voller Konzentration dieses Buch liest.
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