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| Zeitgenössische Literatur | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
"Versonnen blickt der Borstenigel": Geschichten und Gedichte für Kinder Robert Gernhardt Audio CD, Oktober 2009 Verkaufsrang: 111689 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Tricks zum übers Wasser Laufen, Anleitungen, wie man Regenbögen besteigt, die Sorgen der Familie Erdmännchen oder das Liebesleid des Borstenigels: Von Robert Gernhardt stammen die phantasievollsten und humorvollsten Tier-, Phantasie- und Lügengedichte und - Geschichten für Kinder und Erwachsene. Da brummelt das Erdmännchen und jammert der Borstenigel der holden Angebeteten nach, und da wird über den "Herrn der Dinge" und andere Kuriositäten fabuliert. Harry Rowohlt liest die schönsten Gedichte und Geschichten von Robert Gernhardt. Er brummelt, grunzt und kichert, dass es eine wahre Freude ist, ihm zu lauschen. Lesung ausgewählter Texte. Sprecher: Harry Rowohlt
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
ein Hochgenuß von Anfang an 5 von 5 Punkten Robert Gernhardts Gedichte und Geschichten an sich sind schon ein Genuß. Er reimt und wendet das Geschehen, spielt mit direkter Rede, mit witzigen Bezeichnungen und Namensgebungen und schafft es, in die Welt der Kinder und Tiere geradezu einzutauchen. Hierfür bedient er sich einer außerordentlichen Phantasie und mogelt so manches Mal mit der Wahrheit. Die hier versammelten Geschichten und Gedichte für Kinder mit dem so amüsanten und vortrefflich ausgewählten Titel "Versonnen blickt der Borstenigel" führen auf geheimnisvolle, verschlungene Pfade in witzigen Erzählsträngen und auf grandiosen Reimplätzen in das Reich der scheinbar grenzenlosen (Un-) Möglichkeiten. Kinder, hier ist das Alter ab acht Jahren wohl wirklich das geeignete, werden hier konzentriert und fasziniert zuhören; denn hier liest und rezitiert kein "unbeschriebenes Blatt". Mit Harry Rowohlt ist ein fulminanter Erzähler gewonnen worden, der es auf ganz besondere Weise schafft, die Texte in Szene zu setzen und hierbei in variationsreicher Form mit Pausen, Schnelligkeit, Stimmwechseln und einem unvergleichlichen Grundbasston zu verzaubern. Die 76 Minuten Laufzeit der einzelnen CD werden in wohlgesetzte Tracks gebracht, so dass man ruhig einmal eine Pause setzen kann und beispielsweise den "Herrn der Dinge" oder "Die allmächtige Maus" vernehmen kann, ein ekleine Pause einlegen und sogleich wieder einsteigen kann in die wunderbare Erzählung. Ein Favorit der CD wird gewiß "Das Geheimnis des weißen Glashasen" sein, weil hier mit besonderem Charme eine lustige Geschichte vorgetragen wird. Im Gesamten eine glänzende Möglichkeit, Robert Gernhardt schon jungen Menschen nahe zu bringen - mögen sie ganz Ohr sein! |
Ein Regenschirm für diesen Tag: Roman Wilhelm Genazino Taschenbuch, 1. April 2003 Verkaufsrang: 91385 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Schwebendes Verfahren Wilhelm Genazinos anmutige Stadtstreicherprosa ist "Ein Regenschirm für diesen Tag" Von Andrea Köhler Wilhelm Genazino ist ein Minimalist der Disproportionen, schon immer hat er die Seitenansichten des Allernächsten in seiner sanft implodierenden Weltbetrachtung zu kleinen Wahrnehmungswundern gekürt. Sein habitueller Protagonist ist der Flaneur in der Frankfurter Innenstadt, sein neuer Roman eine humoristische Etüde über die Peinlichkeit, ohne eigene Zustimmung auf der Welt zu sein. Manchmal gehen ihm ja recht seltsame Sätze durch den Kopf, Sätze wie "ich möchte so gleichmütig und ausgeglichen sein wie eine Bürste" oder "nachmittags findet eine Zerbröckelung meiner Person statt" oder "in welch sorgfältige Handlungen die grösseren Unglücke eingebettet sind" oder auch Formulierungen für den Skandal, dass man ohne eigne Genehmigung auf der Welt ist. Aber so seltsam sind diese Sachen denn auch wieder nicht, denn immerhin haben schon ganz andere Leute über so etwas nachgedacht, Schopenhauer zum Beispiel und viele vor oder nach ihm. Und nun also Genazino. "Ein Regenschirm für diesen Tag" ist eigentlich ein Buch aus lauter solch halblauten Sätzen. Sätze also, und das ist nun wirklich ein bisschen seltsam, dass einem bei diesem luftigen Prosakunststück noch einmal und beinahe wie von ganz neuem aufgeht, dass ein Text nur aus Sätzen besteht. Nicht bloss, weil sich seine eigenwilligen Formulierungen so fabelhaft zum Zitieren eignen, sondern weil sie wie kleine Einschlüsse, eigenständig wie Treibgut, durch die Geschichte schwimmen, Sätze wie Kiesel, wie Bernstein (Insekt eingeschlossen). Was nun nicht heisst, dass der Erzähler es auf Preziosen abgestellt hat. Er ist nur ein bisschen fremd in dieser Welt, so dass sich die Welt an seinen Sätzen reibt und dadurch auch eine Frankfurter Fussgängerzone, der Inbegriff der betonierten Normalität mithin, zum exponierten Kopf-Terrain wird. Solche profanen Epiphanien im Kaufhauskomplex gibt es sonst bloss noch bei Brigitte Kronauer. GESAMTMERKWÜRDIGKEIT Besonders aber ist es - neben dem habituellen Eigenbrödeln des Ich-Erzählers - eine poröse Verfassung, die Genazinos Bücher ausmacht, seit "Die Obdachlosigkeit der Fische" (1994), seit "Das Licht brennt ein Loch in den Tag" (1996) arbeitet er an der Durchlässigkeit der Welt. "Leise zieht durch mein Gemüt / liebliches Geläute" - der Vers stammt aus einer spätromantischen Zeit, und natürlich ist nicht ganz einzusehen, warum er einem bei der Lektüre dieser versponnenen Innenstadtprosa nicht mehr aus dem Sinn geht. Vielleicht ist es die heitere Melancholie von Heines Frühlingslied, die zu dem schwebenden Duktus von Genazinos Sprache gut passt, zu ihrer Beiläufigkeit und paradoxen Gestimmtheit - zumal auch sonst allerlei den Kopf des Erzählers durchweht: Müdigkeiten, Stimmungen, die nicht zu seinem Leben gehören, momentane Verfinsterungen, die er schnell durch Kaufhäuser trägt, das "Verhuschte, Erschrockene, Fliehend-Unfähige" seiner Kindheit oder gleich "die Gesamtmerkwürdigkeit des Lebens". Dabei ist er ein Mensch voller Vorbehalte und in sich hinein gemurmelter Einwände, besonders gegenüber seinem "zerbröckelnden" und "verflusten Leben". Da sprechen nun freilich noch ein paar andere Stimmen durch ihn hindurch, Stimmen aus dem Lager der Sozialverträglichen und der Normalen, deren lauteste sich in der eigenen Wohnung erhebt: Lisa, seine langjährige Gefährtin, eine frühpensionierte Grundschullehrerin, "die sich für den Staat, für die Kinder oder für ihre Illusionen ruiniert", hat den Erzähler verlassen, um ihn zu zwingen, sich endlich um einen "besseren Hintergrund" zu bemühen. Sie meint damit seine "mangelhafte finanzielle Verwurzelung in der Welt". Um die Leere, die sie hinterliess, zu überbrücken (oder den Ordnungswahn auf den Strassen zu konterkarieren), füllt der Erzähler ihr Zimmer mit Herbstlaub. Wilhelm Genazinos neuer Roman ist eine humoristische Etüde über die Peinlichkeit, ohne eigene Zustimmung auf dieser Erde zu sein, ein heiterer Balanceakt am Rande des Scheiterns. Schon der Job des Erzählers ist eines Flaneurs seiner Leichtgewichtsklasse würdig: Für eine englische Schuhfirma läuft er handgenähte Luxushalbschuhe Probe und verfasst dazu Gutachten; weil er "aus Fluchtgründen viel unterwegs ist", verbringt er als spätkapitalistischer Nachkomme Baudelaires und Franz Hessels seine Tage im Schlendern durch Frankfurter Einkaufsmeilen (welche genauso gut die Einkaufsmeilen von Karlsruhe oder Mannheim sein könnten). Dabei trifft er auf Frauen von früher, die ihn an andere Frauen von früher, und Männer, die ihn nur an sich selbst erinnern. Obschon (oder weil) der phlegmatische Held eines "Ablenkungslebens", ist der Erzähler notorisch von Frauen umringt, die ihn mit seiner Jugend und, schlimmer noch, Kindheit behelligen, denn "man wird die Leute nicht mehr los, denen man einmal von seiner Kindheit erzählt hat". Eher aus Mitleid hält er ein Schäferstündchen im Hinterzimmer von Margots Frisiersalon, oder er geht mit Susanne ins Schnellrestaurant, um einmal mehr ihrem vermasselten Traum von einer Schauspielerinnenkarriere zu lauschen. Das Elend der Massen, sagt diese Susanne ("sie sagt wirklich: das Elend der Massen"), beruhe darauf, dass all diese armen Leute in ihrem Leben keinen bedeutenden Menschen kennen lernen. "Alle diese Wenzels und Schrothoffs und Seidels kennen nur andere Wenzels, Schrothoffs und Seidels, dadurch entsteht die Begeisterung für das Durchschnittliche." Wilhelm Genazinos Begeisterung für das Durchschnittliche, oder sagen wir besser: bescheidne Detail, ist programmatisch; schon immer hat er die Seitenansichten des Allernächsten in seiner sanft implodierenden Weltbetrachtung zu kleinen Wahrnehmungswundern gekürt. Genazino ist ein Minimalist der Disproportionen; neben der Augenblickskomik der Photographie hat er sich dazu die Dramaturgie der Kameraführung - Ausschnitt, Vergrösserung, Zoom - für seine erzählende Prosa zu eigen gemacht. Die Dynamik seiner Gedankensprünge folgt dabei dem Prinzip der Collage, deren bizarre Nachbarschaften grösste Fragen und kleinste Absichten ironisch illuminieren. Auf der Suche nach einem Paar Herrensocken macht der poetische Tagedieb einen Umweg durch die Abteilung mit Haushaltsreinigern und Insektensprays; anschliessend weiss er nicht, warum er dabei ein Päckchen Rasierklingen in seiner Jackentasche versenkt hat. Gerade hier, in diesem Kaufhaus, will er jetzt gefragt werden, ob er auf der Welt sein möchte. Stattdessen sieht er eine Frau in einem Rollstuhl, deren Erscheinung bewirkt, dass er die Rasierklingen nun doch bezahlen will. Wogegen der Anblick eines kleinen Mädchens in einem Autohaus, das mit den Blicken die dort zwischen den Autos putzende Mutter sucht, Anlass zu endgültigeren Reflexionen gibt - "denn eine staubsaugende Mutter ist so abwesend wie der Tod". Dann wieder hilft die Ansicht eines kleinen verlotterten Zoogeschäfts eine traurige Laune abwehren, weil der Besitzer, statt die notorisch schmutzigen Schaufensterscheiben zu putzen, wie immer in seinem Laden sitzt und Heftchenromane liest. Aha, denkt der Leser, auch so ein Nichtsnutz, doch Genazino versagt dem Erzähler solche Tröstung (und dem Leser den billigen Tadel), denn obschon diese graziöse Stadtstreicherprosa von Versagern, Behinderten und Obdachlosen geradezu wimmelt, helfen all die Schläfer unter den Brücken dem Erzähler keineswegs, vor sich selbst zu bestehen. Aber arbeiten wir nicht alle an "der Erfindung des Gefühls, zur Welt zu gehören"? EPIPHANIE DES ENTLEGENEN Der Erzähler ist darin freilich entschieden einfallsreicher als all die Wenzels, Seidels und Schrothoffs. Bei seiner Suche nach Ausdrücken "für die Merkwürdigkeit des Lebens" findet er die Worte "Gestrüpp, Geröll, Geraschel, Geschluppe, Geschlappe" und entwickelt die fixe Idee, seine Jacke in hohem Bogen ins Wasser werfen zu müssen. Der Mann, um es kurz zu machen, hat einen kleinen Knall; nicht umsonst kokettiert er mit der sozialromantischen Lieblingsidee aller literarischen Nichtsnutze: der Idee, morgen früh oder nächste Woche verrückt zu werden. Anders gesagt: Der Erzähler leistet sich eine Genazino-spezifische Art von Beziehungswahn. Aus dem Zufall der Gleichzeitigkeit zieht er die Schicksalsfäden einer nur für ihn und den Augenblick gültigen Kombinatorik. Das Nebensächliche - ein Päckchen Rasierklingen, fünf blaue Hemden auf dem Balkon, eine Staubfluse auf dem Boden - wird symbolisch aufgeladen, poetisch isoliert und intentional kurzgeschlossen. Genazinos Epiphanie des Entlegenen entspringt der Anmut des Naheliegenden, der irrationalen Verknüpfung heterogener Momente. Diesen Willen, im Alltäglichen Zeichen und Wunder zu sehen, bezichtigte man vor noch nicht langer Zeit einer neuen Kunstfrömmigkeit, doch Genazino ist weit entfernt davon, seinen urbanen Apotheosen pseudosakrale Weihe zu leihen (zumal ihm der Hang "zum bedeutsamen Sehen" mitunter selbst auf die Nerven geht). Der Autor ist kein pantheistischer Mönch der Konsumtempel, auch wenn die Wandelgänge der betonierten Innenstädte der vornehmste Ort seiner Augenlust sind. Weil Genazinos Flaneur der eigenen und eigenwilligen Lesart der Dinge folgt, gerät seine bizarre Privatmythologie nie in den Verdacht einer neuen Mystik. Er gibt bloss der eigenwilligen - und mitunter reichlich idiotischen - Logik der inneren Gedankenverläufe eine poetische Form. Wilhelm Genazinos Werk kreist um die Scham, die Fremdheit, den Schmerz, es bezieht seine trotzige Anfänglichkeit aus einer unversehrt durch das Leben getragenen Kindheit, die "hinter den Augen ausharrt, launisch, verworren, bissig". Vor allem die Scham, gleichfalls aus Kindertagen bewahrt, ist eine Empfindlichke
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 39 Bewertungen)
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Antolin Lesebegleitheft zu Ben liebt Anna Michael Kirch, Peter Härtling Broschiert, 22. Februar 2005 Verkaufsrang: 41122 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die Lesebegleithefte beziehen sich auf jeweils ein Kinderbuch. Sie bieten Impulse und Aufgaben rund um die jeweilige Ganzschrift und bereiten ideal auf standardisierte Tests zur Leistungsbeobachtung vor.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Lesebegleitheft: Ben liebt Anna 2 von 5 Punkten Ich persönlich finde das Lesebegleitheft zu dem Roman Ben liebt Anna zu einfach um es mit einer 4. Grundschulklasse zu benutzen. Es bietet zu wenig Anreize und unterschiedliche Aufgaben. Es fehlt auch ziemlich der Bereich der Texterschliessung in Form von Beantwortung von Fragen zu der Geschichte.
Unterrichtshilfe 5 von 5 Punkten Sehr gute Lesebegleiter für die Hand von Grundschülern. Hier können die Kinder selbständig ihr sinnerfassendes Lesen prüfen. Für richtige Antworten erhält man Lösungsbuchstaben und am Ende einen Lösungssatz. |
Das Muschelessen Birgit Vanderbeke Taschenbuch, 1. November 1997 Verkaufsrang: 16669 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Wer einmal wirklich alle Klischees eines widerwärtigen Familienvaters kennenlernen will, der greife zum schmalen Band Das Muschelessen. Mutter, Tochter und Sohn warten bei einem Berg Muscheln auf die Rückkehr des Vaters. Die achtzehnjährige Tochter beschreibt in einem hundertseitigen Gedankenfluß - so ungefähr jeder zweite Punkt am Ende eines Satzes fehlt - das bisherige Familienleben, Schwerpunkt Vater. Ihre Formulierungen sind eher einer vierzehnjährigen angemessen. Je weiter ihre Überlegungen fortschreiten, desto gräßlicher wird das väterliche Ungetüm. Aus dem trauten Familienkreis wird ein schreckliches Disastergemälde. Man frägt sich, warum die übrigen Familienmitglieder das abscheuliche Gebaren soviele Jahre zugelassen haben. Die Handlung am Abend ist spärlich, umso aufregender, mit geschickter Steigerung der Spannung erleben wir die skizzierten Ereignisse davor. Nicht die Familie wird demontiert, wie die tageszeitung im Klappentext meint, sondern der tyrannenhafte Familienvater, der jahrelang seine Familie ohne erkenntlichen Widerspruch drangsalierte. So besehen kann diese Erzählung nicht realistisch gemeint sein. In der Palette der schlechten Eigenschaften findet wohl jeder männliche Leser ein paar, die auch auf ihn zutreffen; sicher ist aber niemand dabei, auf den viele zusammenfallen: so ein Scheusal würde kein Buch lesen. Der Stil wie in Ludwig Thomas Lausbubengeschichten wäre mir nach mehr Seiten auf den Geist gegangen. Mit 109 Seiten endete die Erzählung aber rechtzeitig mit einer Überraschung. Ein vergnüglicher Lesenachmittag. Empfehlenswert. -Herbert Huber
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 74 Bewertungen)
Eine kleine feine Erzählung 5 von 5 Punkten Offensichtlich scheiden sich bei dieser Erzählung die Geister. Ich gehöre zu jenen, die das Buch sehr mochten. Der Schreibstil ohne viele Punkte, Absätze und wörtliche Rede erinnert mich an Zeruya Shalev und bewirkt, dass man vom ersten Augenblick an in die Geschichte hineingezogen wird. Die dramatische Entwicklung der Geschichte - wie sich aus einem Warten auf den Familienvater eine knallharte Abrechnung mit diesem entwickelt - emfpand ich als sehr spannend und faszinierend. Für mich ein tolles kleines Werk und das Beste, was ich bisher von Birgit Vanderbeke gelesen habe!
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Die Entdeckung der Currywurst: Novelle Uwe Timm Taschenbuch, 1. September 2008 Verkaufsrang: 72341 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Eine wunderbare Liebesgeschichte im Hamburg der letzten Kriegstage. In Erinnerung an seine Kindheit macht sich der Erzähler auf die Suche nach der ehemaligen Besitzerin einer Imbissbude am Hamburger Großneumarkt. Er findet die hochbetagte Lena Brücker in einem Altersheim und erfährt die Geschichte ihrer "schönsten Jahre" und wie es zur Entdeckung der Currywurst kam. Der Bogen spannt sich weit zurück in die letzten Apriltage des Jahres 1945 ...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 54 Bewertungen)
Leckerbissen 5 von 5 Punkten Huch, das war ein literarischer Genuss, die Currywurstgeschichte. Uwe Timm hat das Zeug für einen Literaturpreis, hat er nicht schon einen? Wer sich mit deutscher Nachkriegsgeschichte auseinandersetzen möchte und das auf genussvoller literarischer Ebene mag, der ist hier bestens bedient. Guten Appetit!
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Erna, der Baum nadelt!: Ein botanisches Drama am Heiligen Abend Bernd Eilert, Robert Gernhardt, Peter Knorr Gebundene Ausgabe, 1. September 2008 Verkaufsrang: 95083 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Extended Version Erna, der Baum nadelt! erscheint hier nicht nur in seiner ursprünglichen frankfurterischen Gestalt, sondern mit einem Anhang in allen erdenklichen Mundarten deutscher Zungen - von Norden nach Süden: Ostfriesisch von Otto Waalkes und Gert Groenewold Hamburgerisch von Harry Rowohlt Westfälisch von Norbert Johannimloh Kölsch von Nikolaus Heidelbach Sächsisch von Karin Großmann Saarländisch von Ludwig Harig Schwäbisch von F. W. Bernstein Bayerisch von Hanns Christian Müller Salzburgerisch von Herbert Feuerstein - sowie Zürideutsch von Fritz Senn
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Genialität in der Banalität 5 von 5 Punkten Eine ganz banale Geschichte, aber genial in den verschiedenen Dialekten erzählt. Da tut es mir nur leid, dass ich nicht so super die verschiedenen Dialekte imitieren kann, ich glaube, ich könnte die Super-Vorlesung bei etlichen Weihnachtsfeiern liefern. So erspare ich mir den Terminstress, höre die Dialekte nur für mich allein, in meinem Kopfe und schmunzel still vor mich hin - auch schön.
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Portnoys Beschwerden Philip Roth Taschenbuch, 14. Juni 1974 Verkaufsrang: 12394 Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag) Portnoys Beschwerden OT Portnoy's Complaint OA 1969 DE 1970Form Roman Epoche Postmoderne Der Roman Portnoys Beschwerden zeichnet eine scharfe Karikatur des jüdischen Lebens im Amerika des 20. Jahrhunderts. Das Klischee von der jüdischen Übermutter wird genauso überspitzt dargestellt wie das Bild des hypochondrischen Vaters oder des orientierungslosen jüdischen intellektuellen Sohns. Die sexuellen Fantasien des Romanhelden und seine problematische Beziehung zu Frauen krönen die Satire auf das vorurteilsbeladene Bild der Juden in Amerika und führen es ad absurdum. Inhalt: Der 33-jährige Alexander Portnoy berichtet seinem Psychoanalytiker Dr. Spielvogel, wie sein Leben verlief. Er beginnt mit seiner Kindheit in einem jüdischen Viertel in Newark. Zwischen einer Übermutter, einer übergewichtigen Schwester und einem weichen, hypochondrischen Vater aufwachsend, entwickelt Portnoy bald Anzeichen eines ödipalen Komplexes. Der hervorragende Schüler und Student vollzieht äußerlich eine an den American Way of Life angepasste Entwicklung, die ihn schließlich zum amtlich bestellten Verteidiger der Menschenrechte in New York werden lässt. Hier wird ihm bewusst, was er schon lange ahnte, dass er die Vorurteile der Juden durch die nichtjüdischen "Gojim" zwar äußerlich bekämpfen kann, in ihrem Inneren jedoch nicht zu zerstören vermag. So steht denn von früher Jugend an diesem äußerlich angepassten Leben Portnoys der Versuch gegenüber, sich mittels Sexualität in allen Spielarten aus dem jüdisch-amerikanischen Mittelklassedasein und den dort an ihn gestellten Erwartungen zu befreien. Zunächst entwickelt Portnoy als Teenager exzessive Selbstbefriedigungspraktiken, die ihn schließlich zu einem ausschweifenden Sexualleben mit häufig wechselnden Partnerinnen treiben. In den Beziehungen, zunächst mit Jüdinnen, dann auch mit nichtjüdischen "Schicksen", versucht Portnoy stets aufs Neue seine Überlegenheit zu beweisen und fällt doch stets seinen Minderwertigkeits- und Schuldkomplexen anheim, die sich bis zu konkreten Kastrationsängsten auswachsen. Sein letztes Verhältnis mit dem ungebildeten, aber in allen sexuellen Praktiken bewanderten Mannequin Mary Jane Reed, die er "The Monkey" nennt, gefährdet Portnoys berufliche und emotionale Existenz. Nach einer Nacht zu Dritt, gemeinsam mit einer Prostituierten, zu der Portnoy "The Monkey" in Rom überredet, verlässt er sie kurze Zeit später und flieht nach Israel, wo er das Gefühl genießt, nicht mehr Teil einer Minderheit zu sein. Bald erkennt er jedoch, nicht zuletzt durch seine Impotenz, dass er als Amerikaner auch hier Außenseiter ist. Aufbau: Portnoy befindet sich in der Praxis des jüdischen Psychoanalytikers Dr. Spielvogel und erzählt dort, von Assoziationen geleitet, seine Lebensgeschichte, ohne dass sich der Psychoanalytiker in seinen Bericht einmischt. So entsteht eine Erzählung des Helden aus der Ich-Perspektive, die entsprechend subjektiv und überzeichnet ausfällt. Portnoy bedient sich dabei wiederholt jiddischer Redewendungen. Wie der gesamte Roman, so ist auch die Rahmensituation, in der erzählt wird, eine Persiflage. Dr. Spielvogel ist das Klischee des österreichisch-jüdischen Freud-Schülers. Er schaltet sich erst am Ende des Romans ein, nachdem Portnoy sein Leben ausgebreitet hat, mit der Frage, ob man nun mit der Therapie beginnen könne. Der als Eintrag eines psychologischen Handbuchs aufgemachte Absatz über "Portnoys Beschwerden" zu Beginn des Romans belegt zudem, dass Spielvogel Portnoy als Forschungsobjekt benutzt. Wirkung: Der große Erfolg, den dieser Roman seit Erscheinen in den USA und weltweit erlangt hat, ging einher mit anhaltenden Kontroversen. Während die Befürworter in Portnoys Beschwerden eine gelungen Satire über die Probleme der amerikanischen Juden sahen, warfen nicht wenige Philip Roth Antisemitismus und Nestbeschmutzung vor. Auch die weit reichenden Schilderungen des ausschweifenden portnoyschen Sexlebens boten immer wieder Anlass für heftige Kritik. St. N.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 17 Bewertungen)
Es schreibt der kreative Lehrer 5 von 5 Punkten Philip Roth kann schreiben und in diesem frühen Werk zeigt er die ganze Breite seiner Kunst. Und nicht nur, dass er als Dozent für kreatives Schreiben dafür prädestiniert wäre, nein hier entstand etwas, das man ruhig als Weltkultur schon bezeichnen könnte. Was soll denn da noch nachkommen? Gut, man hat vielleicht Henry Miller im Kopf, wenn man oberflächlich dahinliest. Und doch scheint etwas durch, was an Symbolismus erinnert, an wirklich hohe Literatur und man wartet nur noch, dass der lyrische Geist weht. Aber der weht ja. Der weht und weht und trotz Erinnerungen, trotz Auflehnung schimmert immer auch das hindurch, was beruhigt, nämlich die Liebe zur Kultur der Menschen. Damit ist Lebendigkeit gemeint, Aufbruch, Freude und Leben. Gegen den Tod schreibt er, so scheint es.Philip Roth ist ein wahrer und potentieller Nobelpreisaspirant. Alexander Portnoys Beschwerden sind ein Lobgesang auf das Leben.
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Oryx und Crake Margaret Atwood Taschenbuch, März 2005 Verkaufsrang: 13000 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Während wir uns im wirklichen Leben noch vor dem fürchten, was Margaret Atwood in ihrem Science-Fiction-Roman Der Report der Magd beschrieben hat - dem Heraufziehen eines religiös fundamentalistisch-totalitären Staates in Nordamerika nämlich -, ist die Fantasie der kanadischen Autorin schon in der Zeit der Katastrophe danach, der wahrhaft absoluten gesellschaftlichen und ökologischen Apokalypse angekommen: Die heutigen Klimaszenarien haben sich allesamt als zu optimistisch erwiesen. Die großen Metropolen sind sämtlich versunken, und unter den extremen Umweltbedingungen können nur noch "Menschen" eines gentechnisch veränderten Typs bestehen. Gerade noch der nicht ganz unbeschädigte Jimmy ist ein Mensch, wie wir ihn kennen. Aus seiner nicht ganz lückenlosen Erinnerung rekapituliert er für uns die Zeit des Untergangs. Und was wir da über diese Zeit erfahren, liest sich als erschreckend konsequente Fortschreibung dessen, was sich heute am Horizont als durchaus reale Möglichkeit abzeichnet. Da sind die besonders gesicherten Siedlungen der Privilegierten, für deren medizinische Versorgung gesorgt ist und die sich - dem Wohlwollen der sie unterhaltenden Biotech-Firmen ausgeliefert - noch satt essen können. Außerhalb der gesicherten Camps liegt das verbotene Land der Armen. In den firmengesponserten Camps aber arbeitet man - allen voran Jimmys Freund Crake - an der gentechnischen Verbesserung des von Natur aus so unzulänglichen Menschen. Doch was dabei herauskommt, ist das blanke Grauen. Margaret Atwoods Oryx und Crake gehört in eine Reihe mit Carl Amerys Der Untergang der Stadt Passau. Lesenswert auch dann, wenn man ansonsten vielleicht nicht allzu viel mit dem Science-Fiction-Genre anzufangen weiß. -Andreas Vierecke
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 19 Bewertungen)
Düstere Zukunft oder "Schöne neue Welt"? 5 von 5 Punkten Die Erde gegen Ende dieses Jahrhunderts: Alle unsere heutigen Katastrophenphantasien sind wahr geworden. Die Küstenstädte sind im Meer versunken, die Wüsten haben sich ausgedehnt, es gibt Schweine,, auf denen menschliche Organe gezüchtet werden und menschliche Embryonen werden als Ersatzteillager aufbewahrt. Von einem der letzten Überlebenden des Homo sapiens sapiens bekommt der Leser von Oryx und Crake" erzählt, wie es durch die wohldurchdachte Tat eines genialen Wissenschaftlers (Crake) zur wohl endgültigen Ausrottung unserer menschlichen Art gekommen ist. Zugleich lernen wir eine neue, im Labor gezüchtete Menschenart kennen, die so angelegt wurde, dass sie im Einklang mit der Natur leben kann. Somit erscheint wenigstens der Planet Erde gerettet. Margaret Atwood erzählt uns diese Geschichte durch den Mund von Schneemensch", dem Freund des genialen Wissenschaftlers, der nach dem Sterben unserer Menschenrasse zum Tutor für die neuen Menschen" wird. Schneemensch ist von seinen Erlebnissen und dem Leben auf dem verwüsteten Planeten tief gezeichnet und gebrochen. Sein Nachsinnen über den Freund, seine große Liebe Oryx und über den Verlauf der Ereignisse um ihn herum nimmt gefangen und ruft beim Leser viele weitere Fragen hervor: Wie weit gibt es eigentlich schon die ,Macht der Konzerne'?" Welche Macht haben Wissenschaft und Technik?" Leben wir eigentlich jetzt schon in einer Art ,Plebsland'?" Und dann , am Ende des Buches, bleiben viele weitere Fragen offen, deren Beantwortung Atwood dem Leser selbst überlässt; Ist Homo sapiens sapiens wirklich am Ende?" Wird Schneemensch seinen Auftrag erfüllen und die anderen Überlebenden, die er findet, töten? Oder kann er sich mit ihnen zusammentun?" Wie werden sich die ,Neuen Menschen entwickeln? Eines scheint schon jetzt klar - es läuft mit ihnen nicht so, wie Crake es sich vorgestellt hat. Religionsbildung, erste Ansätze von Führungsverhalten, das sind schon zwei Verhaltensweisen, die eigentlich nicht vorkommen sollten." Man bekommt Lust, die Geschichte von Atwood weiter zu spinnen, zumindest im eigenen Kopf. Insgesamt ein tolles Buch über eine durchaus vorstellbare Zukunft. Und bei allem Pessimismus und aller Weltuntergangsstimmung im Buch - ich glaube nicht, wie die Kritik der Frankfurter Rundschau" auf dem hinteren Buchdeckel behauptet, dass in dieser Zukunft keine Geschichten erzählt werden. Wenn ich mir die Neuen Menschen" ansehe, bin ich ganz zuversichtlich. Sie werden erzählen: Die Geschichte von Oryx und Crake, von Schneemensch und von ihrem eigenen Auszug aus dem Labor in die Gegend, die Schneemensch Heimat" nannte.
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Die Stadt der Blinden Jose Saramago Taschenbuch, 1. April 1999 Verkaufsrang: 5822 In einer unbekannten Stadt in einem unbekannten Land wird ein Mann, der in seinem Auto sitzt und darauf wartet, daß die Ampel auf Grün schaltet, plötzlich mit Blindheit geschlagen. Aber anstatt in Dunkelheit gestürzt zu werden, sieht dieser Mann plötzlich alles weiß, als ob er "in einem Nebel gefangen oder in einen milchigen See gefallen wäre". Ein barmherziger Samariter bietet an, ihn nach Hause zu fahren (um ihm danach das Auto zu stehlen); seine Frau bringt ihn mit dem Taxi in eine nahegelegene Augenklinik, wo er an den anderen Patienten vorbei in das Behandlungszimmer gebracht wird. Innerhalb eines Tages sind die Frau des Mannes, der Taxifahrer, der Arzt und seine Patienten und der Autodieb allesamt Opfer dieser Blindheit geworden. Als die Epidemie sich ausbreitet, gerät die Regierung in Panik und beginnt, die Opfer in einer leerstehenden Nervenheilanstalt unter Quarantäne zu stellen. Dort werden sie von Soldaten bewacht, die den Befehl haben, jeden, der zu fliehen versucht, zu erschießen. So beginnt die Geschichte des portugiesischen Schriftstellers José Saramago über eine Menschheit im Belagerungszustand. Ein erheblicher Mangel an Absätzen, begrenzte Zeichensetzung und eingeschobene Dialoge ohne Anführungszeichen und Attribute erscheinen im ersten Moment als eine ziemliche Herausforderung, aber dieser Stil trägt tatsächlich zum Spannungsaufbau und zur Einbindung des Lesers bei. In dieser Gemeinschaft von blinden Menschen gibt es noch ein Paar sehender Augen: die Frau des Arztes hat ihre Blindheit nur vorgetäuscht, um ihren Mann in die Quarantäne begleiten zu können. Als die Zahl der Opfer wächst und das Asyl aus allen Nähten platzt, beginnt die Versorgung zusammenzubrechen: Toiletten laufen über, Lebensmittellieferungen kommen nur noch sporadisch, es gibt keine medizinische Versorgung für die Kranken und keine Möglichkeit, die Toten richtig zu begraben. Zwangsläufig beginnen die gesellschaftlichen Konventionen ebenfalls zu zerfallen - eine Gruppe der blinden Insassen übernimmt die Kontrolle über die schwindende Lebensmittelversorgung und benutzt sie, um die anderen auszubeuten. Währenddessen bemüht sich die Frau des Arztes, ihre kleine Gruppe von blinden Schützlingen zu beschützen, und führt sie schließlich aus dem Asyl in die mittlerweile schrecklich veränderte Landschaft der Stadt zurück. Die Stadt der Blinden ist in vielerlei Hinsicht ein erschreckender Roman. Er liefert eine detaillierte Beschreibung des totalen Zusammenbruchs der Gesellschaft nach einer überaus unnatürlichen Katastrophe. Saramago treibt seine Figuren bis an den Rand der Menschlichkeit und stürzt sie dann in den Abgrund. Seine Charaktere lernen, in unfaßbarem Schmutz zu leben, sie begehen Akte unbeschreiblicher Gewalt und erstaunlicher Großzügigkeit, die vor dieser Tragödie für sie unvorstellbar gewesen wären. Die gesamte gesellschaftliche Struktur verändert sich, um sich den neuen Umständen anzupassen - einer Welt, in der einst zivilisierte Stadtbewohner zu zerlumpten Nomaden werden, die sich auf der Suche nach Nahrung von Gebäude zu Gebäude tasten. Der Teufel steckt im Detail, und Saramago hat sich für uns eine Hölle ausgemalt, in der diejenigen, die auf der Straße erblindeten, niemals mehr ihr Zuhause finden werden, in der Menschen gezwungen sind, Hühner roh zu verspeisen, und Rudel von Hunden auf der Suche nach Leichen über die kotübersähten Bürgersteige streunen. Und dennoch, all diesem Horror hat Saramago Passagen von unübertroffener Schönheit entgegengesetzt. Als ihr von drei ihrer Schützlinge - Frauen, die sie niemals sehen konnten - gesagt wird, sie sei schön, "bricht die Frau des Arztes in Tränen aus wegen eines Personalpronomens, eines Adverbs, eines Verbs, eines Adjektivs, bloße grammatikalische Kategorien, bloße Etiketten, genau wie die zwei Frauen, die anderen, unbestimmte Pronomen, auch sie weinen, sie umarmen die Frau des ganzen Satzes, drei Grazien im Regen." Mit dieser einen Frau hat Saramago eine tapfere, vollentwickelte Figur geschaffen, die dem Leser als Augen und Ohren und als das Gewissen der Menschheit dient. Und er hat mit Die Stadt der Blinden eine gehaltvolle, letztlich transzendente Betrachtung geschrieben über das, was es bedeutet, Mensch zu sein. -Alix Wilber
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 96 Bewertungen)
Meisterstück 5 von 5 Punkten Die Stadt der Blinden beherrscht die Kunst, den Leser in die Abgründe der Menschheit zu ziehen, ein wahnsinnig dunkles Loch zu schaffen, in das man hineinfällt, und das teilweise nur schwer zu ertragen ist. Die Sprache des Autors ist mitreissend, teilweise anstrengend, was das Buch im Allgemeinen noch beklemmender macht. Die Handlung ist sehr originell, und es spielt keinerlei Rolle warum die Menschen erblinden und warum sie irgendwann ihr Augenlicht widerbekommen. Was zählt ist der Verlauf der Geschichte. Wie schnell die Würde des Menschen verloren gehen kann, sobald er auf sich allein gestellt ist in einer Gesellschaft in der jeder sich selbst der Nächste ist. Wie schnell man doch der Willkür des Staates ausgesetzt sein kann, wenn es hart auf hart kommt. Wie einfach man seine Moral vergisst, sobald der Rahmen darum wegfällt. Jose Saramago ist aus meiner Sicht einer der besten Schriftsteller, da er sich mit den Grunpfeilern des Menschseins und dessen wahren Charakter auseinandersetzt. Sehr gutes Buch.
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Der Kontrabaß Patrick Süskind Taschenbuch, Dezember 1997 Verkaufsrang: 44596 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Dem Autor gelingt eine krampflösende Drei-Spezialitäten-Mischung: von Thomas Bernhard das Insistierende; von Karl Valentin die von innen hervorbrechende Slapstickkomik; von Kroetz die detaillierte Faktenfreude und eine Genauigkeit im Sozialen." (Münchner Merkur) "Patrick Süskind hat da mit seinen Wortwitzen das nicht nur belustigende Porträt eines Normalbürgers als Künstler entworfen. Von diesem Autor darf man einiges erwarten." (Frankfurter Rundschau) "In Deutschland hat diese Art von Theater selten die rechte Anerkennung gefunden: Theater, das unterhält und dennoch die traurigen Töne nicht meidet. Die Angelsachsen waren uns da immer schon überlegen. So darf man es einen kleinen Glücksfall nennen, dass dem 34jährigen Bayern Patrick Süskind ein Stück wie "Der Kontrabaß" gelungen ist: ein Monodram aus dem Leben eines Hinterbänklers im städtischen Orchester." (Die Welt)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 18 Bewertungen)
über das Dittersdorf-Konzert und seine seltsamen Solisten... 5 von 5 Punkten ...eine unheimlich ironische Psychografie eines neurotischen Kontrabassisten, witzig und in einem Zug zu lesen. Wie sollte man mit einem so "komischen" Instrument wie dem Kontrabass auch nicht neurotisch werden? Selten ist mir in der Literatur eine solch mir persönlich nahestehende Figur wie Süskinds Kontrabassist begegnet. PS: das Buch ist eine ideales Musiker-Geschenk...
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Voraussetzungen einer Erzählung: Kassandra: Frankfurter Poetik-Vorlesungen Christa Wolf Broschiert, 12. November 2008 Verkaufsrang: 66904 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Es war ein spektakuläres Ereignis, als Christa Wolf 1982 an der Frankfurter Johann Wolfgang von Goethe-Universität ihre Poetik-Vorlesungen hielt. Sie entwirft ein dichtes Gewebe aus literarischem Text und poetologischer Reflexion. Im Anschluß an die Poetik-Vorlesungen veröffentlicht Christa Wolf ihren Welterfolg Kassandra.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Interessante Einzelheiten aus dem Leben Wolfs 5 von 5 Punkten Unter dem Titel erwarten wir uns die Vorraussetzungen der Erzählung, eventuell eine Entstehungsgeschichte von "Kassandra". Doch wer mit dieser Erwartungshaltung an dieses Buch geht, wird enttäuscht. Es enthält kaum Fakten zur Geschichte, der Leser erfährt viel mehr Hintergründe und kleine Geschichten aus dem Leben der Autorin, denen häufig der Bezug zur Erzählung fehlt. Obwohl die Detektivgeschichten sich unnötig lang hinziehen, habe ich es geschafft, durchzuhalten. Auch meine Erwartung, am Ende vielleicht doch noch das entscheidende Faktum zu entdecken, was die erheblichen Lücken im Zusammenhang der Geschichte aufzeigt, wurde enttäuscht. Der Schluss dieses Buches hängt für mich, auch nach längerer Reflexion, in der Luft. Dennoch bewerte ich mit 5 Sternen, da mich die Kleinigkeiten aus dem Leben Wolfs doch recht amüsiert haben.
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Das böse Mädchen Mario Vargas Llosa Broschiert, 21. November 2007 Verkaufsrang: 11022 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Her mit den kleinen Chileninnen! rufen die Jungs in Peru. Es ist ein grandioser Sommer. Der berühmte Pérez Prado kommt mit seinem Zwölf-Mann-Orchester, in der Stierkampfarena gibt es einen Mambo-Wettbewerb, der trotz der Drohung des Erzbischofs, alle Teilnehmer zu exkommunizieren, bestens ankommt - und die Clique des Ich-Erzählers veranstaltet Wettkämpfe in Straßenfußball oder Schwimmen. Überhaupt spielt die Welt verrückt in jenem Sommer des Jahres 1950: Der Hinkefuß Lañas wird von einem Mädchen erhört, Tico Tiravante bricht mit Ilse, die zu Víctor Ojeda überwechselt. Und dann sind da noch die Mädchen aus Chile, zwei Schwestern, die "uns Jungen aus Miraflores, die wir gerade die kurzen gegen die langen Hosen eingetauscht hatten, gehörig den Kopf verdrehten". Die Mädchen aus Chile tanzen den Mambo ganz freizügig und unverschämt. Vor allem eine: das böse Mädchen, 15 Jahre alt, in das der ebenfalls 15-jährige Ich-Erzähler im gleichnamigen Roman von Mario Vargas Llosa sich unsterblich verliebt. Dann ist sie plötzlich weg, und ihm bleibt nur die Erinnerung - bis er sie eines Tages in Paris für eine Nacht der Leidenschaft wiedertrifft. Es folgt eine Kette von Treffen, abenteuerlichen und leidenschaftlichen Treffen, die sich wie eine Schlinge um sein Leben ziehen. Am Ende wird der Autor vom bösen Mädchen wieder verlassen - nicht ohne die Bitte, sie, sollte er ihre Liebesgeschichte aufzuschreiben gedenken, nicht zu schlecht wegkommen zu lassen. Vargas Llosa hat ihr diese Bitte, stellvertretend für seine Hauptfigur, erfüllt. Denn Das böse Mädchen ist ein wundervoller Roman, leicht und freizügig wie der Mambo. Und er ist eine Liebeserklärung an die Freiheit und die Frauen generell. -Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 20 Bewertungen)
ein einzigartiger Liebesroman 5 von 5 Punkten eine zu Tränen rührende Geschichte einer großen,verzweifelten Liebe eines bodenständigen Mannes zu dem "bösen Mädchen",das seine Identität wechselt wie das Chamäleon seine Farben. Die Liebe soll nie erwidert werden... Er (Ricardo,späterer UNESCO-Dolmetscher) liebt sie seit seiner Kindheit in Miraflores (Peru), wo er sie als feurige Chilenin kennenlernt. Er betet sie an, während sie ihn kitschig und langweilig findet. Ihre Wege trennen sich plötzlich für lange Jahre, doch das Schicksal bringt die beiden immer wieder zusammen... Hanna Kubiak
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Die Falle: Eine Weihnachtsgeschichte Robert Gernhardt Gebundene Ausgabe, 17. Oktober 2002 Verkaufsrang: 74963 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Mit schrecklichen Bescherungen ist die Literatur nun wahrlich reich gesegnet. Dass einem die unheiligen Abende aber auch zu Ohren kommen, dafür sorgen Hörbücher. Nicht nur zur Weihnachtszeit etwa, der klassischen Satire von Heinrich Böll (1951), bei deren Lesung man Kölns ehemaligen Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes sogar singen hören kann, oder der Hilfszwerg-Vorweihnachts-Warenhaus-Geschichte Holidays on Ice von David Sedaris in der herrlichen Interpretation von Harry Rowohlt. Oder Robert Gernhardts Die Falle eben, längst ein Klassiker der fiesen Anti-Weihnachts-Literatur, gelesen vom Autor höchstpersönlich. Gernhardts Falle ist ebenso kurz wie gut: Herr Lemm hat beim Studentenwerk einen Weihnachtsmann bestellt, der seine zwei Kinder beschenken und dabei natürlich auch ein wenig maßregeln soll. Aber die studentische Hilfskraft stellt das pädagogische Programm des Hausherrn völlig auf den Kopf und stachelt die Gören gegen den Erzeuger an. Und dann begibt es sich noch, dass der falsche Heilige seine Freunde in die Lemm'sche Villa eingeladen hat: So stürmen denn nach und nach Knecht Ruprecht, ein weiterer Kollege und ein Rauschgoldengel mit Pappflügeln das heimelige Wohnzimmer und machen sich über den schlechten Whisky her und über die Eltern lustig. Aber da ist die Falle ohnehin schon längst zugeschnappt. Dies alles liest Robert Gernhardt mit sonorer Stimme derart besinnlich, dass man die ironischen Glöcklein unaufdringlich-leise - und damit viel vergnüglicher als bei Böll und wesentlich zarter als beim ebenfalls brillanten Sedaris - klingeln hört. Und noch einen Vorteil hat die CD: Immerhin hat sie die Form eines etwas grimmig dreinblickenden (und vom Autor selbst gezeichneten) Weihnachtsmanns. Den kann man am Loch in der Mitte wie eine Christbaumkugel zur Schmückung an die Tannenzweige hängen. Für den Fall etwa, dass überraschend ungebetene Gäste kommen. -Thomas Köster 1 CD in Form eines Weihnachtsmannes, Laufzeit: 21 Minuten.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)
Gernhardts Bescherung 5 von 5 Punkten "Da Herr Lemm, der ein reicher Mann war, seinen beiden Kindern zum Christfest eine besondere Freude machen wollte", ließ er sich vom Studentenwerk einen Weihnachtsmann für die Kinder vermitteln (Tarif: 25 Mark pro Auftritt), für die stimmungsvolle Bescherung, bevor die Geschäftsfreunde zu karrierefördernder Feier und Kalten Platten eintrudeln. Der bestellte Weihnachtsmann wird auch pünktlich geliefert. So weit, so besinnlich. Aber dann wird's ernst, denn der gesellschafts- und konsumkritische sowie pädagogisch ambitionierte Weihnachtsmann, der sich obendrein als didaktisch versierter Gesangslehrer und Whiskykenner entpuppt, gestaltet die Bescherung *etwas* anders als erwartet. Es kommt jedoch noch dicker, denn so ein Weihnachtsmann hat am Christfest ja viel zu erledigen und braucht Hilfskräfte. Die trudeln anstelle der Geschäftsfreunde denn auch einer nach dem andern ein, zur Begeisterung der lieben Kleinen und zum Entsetzen von Vater Lemm. Da wird die Expropriation der Expropriateure glanzvoll in die Praxis umgesetzt, und der Weihnachtswahnsinn schaltet in den vierten Gang hoch und ist nicht mehr zu bremsen... Das auch optisch und haptisch schön gemachte Büchlein hat nur einen Nachteil: Es ist zu schnell zu Ende, und leider scheinen die Weisen aus dem Morgenland anderswo beschäftigt... Aber für einen heftigen vorweihnachtlichen Muskelkater im Zwerchfell reicht das studentische Weihnachts-Quartett auch so schon reichlich. Hinterhältiger Humor vom Meister Gernhardt, bei dem man am Ende nimmer weiß, wer von wem parodiert wird - Weihnachtskommerz von angewandter Ideologiekritik, oder umgekehrt? Oder beides mitsammen der Familienidylle selbdritt? Ist auch egal, denn Vater Lemms (allerdings teurer und schlechter) Whiskey ist noch nicht ganz alle. Die etwas andere Gabe zum Fest mit der Garantie für unkontrollierbare Heiterkeitsausbrüche unterm Baum.
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Liebesfluchten (Diogenes Taschenbuch) Bernhard Schlink Taschenbuch, April 2002 Verkaufsrang: 63498 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Bernhard Schlink hat eigentlich alles erreicht. Er ist Professor der Jurisprudenz in Berlin und entsprechend hoch angesehen. Der 1944 geborene Jurist - und nur als solcher wird er im Klappentext vorgestellt - feierte mit seinem Roman Der Vorleser einen Welterfolg. Nun liegt das zweite Werk des Autors vor: Liebesfluchten. Im Audiobook zum Erzählungsband gibt es drei der sieben Geschichten - zum Besten gegeben von Bernhard Schlink selbst. Und sie haben eines gemeinsam: Es geht um Menschen, die plötzlich von der Vergangenheit eingeholt werden. War es im Vorleser noch die Zeit des Nationalsozialismus, ist es jetzt unter anderem auch die Stasi. Von Verrat ist da die Rede, von bitteren Anschuldigungen. Und von Tratschtanten, die nichts für sich behalten können. Bernhard Schlink erzählt mit einfachen Sätzen, ohne banal zu werden. Seine Geschichten leben durch seine klare Sprache, aber auch durch den Mut, mit dem er etwa das schwierige Verhältnis zwischen Deutschen und Juden angeht. Es wird nur unbedeutend durch den Ort der Handlung - New York - entkrampft, wie etwa in der Geschichte "Die Beschneidung". Da ist die deutsche Vergangenheit wieder da: "Ich kann es nicht mehr hören: Der Nazi in mir der Deutsche in mir...". Die junge Generation, die Hitler nur aus Büchern kennt, gerät wieder unter Rechtfertigungsdruck. Schlink erhebt keine Anklage gegen irgendwen, moralisiert nicht, sondern erzählt einfach. Weitere Geschichten aus der Buchvorlage sind "Die Frau an der Tankstelle" und "Der Andere". Spieldauer: 74:53 Minuten. 4 CDs, auch erhältlich als Hörbuch auf Kassetten. -Corinna S. Heyn, Thorsten Mücke
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 36 Bewertungen)
Verschenken oder selber lesen 5 von 5 Punkten Diese 7 Kurzgeschichten beschreiben atmosphärisch dicht und stimmungsvoll ganz verschiedene Aspekte der Liebe, wie z.B. Misstrauen, Eifersucht, Enttäuschung, Vater-Sohn-Liebe, Liebe zwischen sehr alten Menschen, Betrug und (wie immer bei Schlink) Schuld. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind sehr gefühlvoll dargestellt. Das Buch lebt von der Beschreibung wie Gefühle durch nonverbale Kommunikation übermittelt werden, also vor allem durch Austausch von Blicken, bestimmten Körperhaltungen oder auch Handlungen. Jede Geschichte ist für sich abgeschlossen, beinhaltet seine eigene Lehre oder Schlussfolgerung und lässt sich flüssig und schnell lesen. Jeder wird eine Geschichte für sich in diesem Buch finden, die ihm besonders zusagt, aber trotzdem den ganzen Band wertschätzen können. Es ist ein ideales Buch zum Verschenken, auch weil es gute deutschsprachige Literatur ist und das von einem mit Preisen ausgezeichneten Autor.
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Naked: Deutsch von Harry Rowohlt David Sedaris Taschenbuch, 21. September 2005 Verkaufsrang: 78333 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Dieser Text bezieht sich auf die Buchausgabe des Titels Es gibt Bücher, die sind hervorragend geeignet für kurze U-Bahnfahrten, andere wiederum eher für eine lange Reise. David Sedaris´ Nackt gehört weder in die eine noch in die andere Kategorie, und es wäre gut, wenn gleich auf dem Umschlag ein großer Aufkleber warnen würde: "Lesen Sie dieses Buch nicht in Gegenwart anderer Menschen oder mit vollem Mund." In siebzehn Episoden hat der Amerikaner Sedaris, der auf dem Buchcover harmlos, freundlich und sympathisch lächelt, autobiographische Erlebnisse festgehalten. Aber was für welche! Es beginnt mit den Macken, die David während seiner Schulzeit befallen. Eigentlich sind die genau sechshundertsiebenunddreißig Schritte des Heimwegs harmlos. Bei seiner Tour hat er jedoch alle Briefkästen mit der Zunge anzutippen und auffallende Grashalme zu berühren. Sollte er vergessen haben, den Lichtschalter in der Schule abzulecken, dann muß das Spiel wiederholt werden. Daß die Lehrerin die Eltern Davids um ein Gespräch bittet, ist leicht verständlich. Auch seine Schwestern sind für die Lehrer nicht einfach. "Die Mädchen in meiner Familie spielten nicht Puppenhaus mit Puppenherd; sie spielten Puppenbesserungsanstalt mit Puppenberuhigungszelle." Man könnte noch seitenlang aus diesem absolut schrägen Roman zitieren, der mit einer satten Portion Komik das normale Leben eines nicht ganz alltäglichen jungen Mannes erzählt. Der Garant dafür, daß den deutschen Lesern auch wirklich keine der witzigen Formulierungen unterschlagen wird, ist kein geringerer als Harry Rowohlt. Kenner wissen, daß man sich auf ihn bei dieser Arbeit verlassen kann. Er ist ein Meister des richtigen Tons. -Manuela Haselberger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 58 Bewertungen)
Herrlich 5 von 5 Punkten Dieses Buch hat mir Tränen in die Augen getrieben vor lachen. Ich habe es parallel mit meinem Vater gelesen und wir hingen Abends lange am Telefon und haben uns über die Story kaputt gelacht!! David Sedaris hat einen herrlichen Sinn für Ironie, Sarkasmus und schwarzem Humor. Ein Wundermittel für Lachfalten.
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Das Buch der lächerlichen Liebe Milan Kundera Taschenbuch, 1. Februar 1989 Verkaufsrang: 19409 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die im Buch der lächerlichen Liebe versammelten Erzählungen sind noch in den sechziger Jahren in Prag entstanden. In seinen Erzählungen spannt Kundera die komischsten Paare zusammen, die schließlich in grotesken Situationen die Absurdität unserer Beziehungen erkennen müssen. Das Buch der lächerlichen Liebe erzählt von den in Sehnsüchte und Begierden verstrickten Helden mit dem Witz und der Passion, die Milan Kundera berühmt gemacht haben.
"Dann war alles vorbei. Der junge Mann löste sich von der jungen Frau, griff nach der langen Schnur über dem Bett und löschte das Licht. Er wollte ihr Gesicht nicht sehen. Er wußte, daß das Spiel aus war, hatte aber keine Lust, in das gewohnte Verhältnis zurückzukehren; er fürchtete diese Rückkehr. Er lag neben ihr im Dunkeln, und zwar so, daß ihre Körper sich nicht berührten."
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
sehr unterhaltsam 5 von 5 Punkten Ich kaufe immer mal wieder Bücher für die langweilige Nachtschicht und lese dann in der Pause . War unterhaltsam und etwas lustig.
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Bei Anbruch der Nacht Kazuo Ishiguro Gebundene Ausgabe, 24. August 2009 Verkaufsrang: 61266 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Alle fünf Geschichten kreisen oberflächlich um Musik. Das verbindet sie. Aber in Wahrheit bedienen sie sich auch noch einfallsreich einer der ergiebigsten und schönsten Formen der Kompositionstechnik: Thema mit Variationen. Alle fünf Männer kämpfen um ihre Identität, wollen wissen, wer sie sind und wozu sie eigentlich leben. Bei Ishiguro fügen sich die fünf Schicksale in den fünf Geschichten auf wunderbare Weise zu einer einzigen, grandiosen Erzählung, zu einer Story, die einen vielstimmigen, traurigen Gesang anstimmt, den mitsingen könnte, wer es nur wollte." (Joachim Kronsbein, KulturSPIEGEL )
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Selbs Betrug Bernhard Schlink Taschenbuch, Februar 2000 Verkaufsrang: 31388 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Ein intelligenter, sympathischer, guter Krimi." (Zürichsee-Zeitung) "Schlink ist einer der Autoren, die auf magische Weise Stimmungen und Atmosphäre schaffen. Dabei sind seine Sätze auf das notwendigste entschlackt, ohne karg zu werden. Die Abfolge von schneller und langsamer Handlung, kurzen und langen Kapiteln macht den Rhythmus der Geschichte perfekt." (StadtRevue)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)
Spannend bis zur letzten Seite! 5 von 5 Punkten Ein besorgter Vater vermißt seine Tochter und bittet Privatdetktiv Selb die Ermittlungen aufzunehmen. Doch bei seinen Recherchen stößt er auf unerwartete Ergebnisse. In einem Netz von Intrigen, Lügen und Vertuschungen gerät er zwischen die Fronten von BKA, Terroristen und einem geheimen Vermächtnis der Deutschen Wehrmacht. Ein Buch spannend bis zur letzten Seite.
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Die letzte Welt. Mit einem ovidischen Repertoire Christoph Ransmayr Taschenbuch, Juli 2007 Verkaufsrang: 19182 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Im ganzen Weltkreis nichts Beständiges So viel Einhelligkeit war selten. Als hätte es eine geheime Absprache gegeben, wurde der Roman eines nahezu unbekannten Wiener Schriftstellers im Herbst 1988 gewissermaßen zum Buch der Saison ausgerufen. Einmütig priesen die äFrankfurter Allgemeine", äDie Zeit" und der SPIEGEL das Werk. Der Autor Christoph Ransmayr habe sich mit der äLetzten Welt" einen äLogenplatz in der deutschen Literatur" erschrieben, hieß es, der Roman habe offenkundig den Ehrgeiz, äin dem Augenblick, da er erscheint, das Jahr seines Erscheinens auszustreichen". Wo immer man ein Literaturblatt aufschlug: Jubel über den neuen Star. Und die Kritiker blieben mit ihrer Begeisterung nicht allein. Das Buch wurde gekauft. Nach wenigen Monaten, zum Jahreswechsel 1988/89, waren schon rund 150 000 Exemplare gedruckt, der Titel kam auf die Bestsellerliste. Zwar gab es auch die eine oder andere Gegenstimme - so sprach Joachim Kaiser in der äSüddeutschen Zeitung" dem Roman gerade das ab, was ihm landauf, landab nachgerühmt wurde: Sprachmächtigkeit, stilistische Bravour -, aber dem nachhaltigen Erfolg des Buches konnte das nichts anhaben. äIn der deutschen Literatur der achtziger Jahre", resümierte 1990 der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger (in der damals von ihm herausgegebenen äAnderen Bibliothek" war das Werk publiziert worden) stehe der Roman äwie ein Findling da". Ransmayr ist Jahrgang 1954, äDie letzte Welt" sein zweiter Roman. Die große Aufmerksamkeit der Kritiker für dieses Buch war kein Zufall: Der Autor galt nach seinem Romandebüt mit dem sprechenden Titel äDie Schrecken des Eises und der Finsternis" als eine Art Geheimtipp; dieses Buch kam 1984 heraus und hatte bereits hervorragende Kritiken. Thema ist eine Nordpolexpedition im 19. Jahrhundert, die im ewigen Eis stecken zu bleiben droht (die Geschichte basiert auf historischen Begebenheiten). Viele Motive des neuen Romans sind in diesem ersten schon angelegt, etwa das Spiel mit den Aufzeichnungen, die verlorenzugehen drohen. Einer der Teilnehmer der Expedition schreibt, als kaum noch Hoffnung auf Rettung ist, in sein Notizheft (ein authentisches Zitat, das Ransmayr übernommen hat): äMein ganzes Sinnen und Trachten geht nur darauf aus, die Journale derart deponieren zu können, dass sie im kommenden Jahr aufgefunden werden ..." Ransmayr, der sich lange Zeit mit dem Gedanken trug, Ovids äMetamorphosen", das Buch der Mythen und Verwandlungen, neu zu übersetzen, mag sich eines Tages gefragt haben: Was würde fehlen, wenn dieses Werk der Weltliteratur nie geschrieben worden oder verschollen wäre? Abwegig ist dieses Gedankenspiel keineswegs, denn der Dichter Ovid (43 v. Chr. bis um 18 n. Chr.) wurde verbannt, er musste sein geliebtes Rom verlassen, aus Schmerz und Empörung darüber verbrannte er demonstrativ eine Abschrift seiner äMetamorphosen". Genug historischer Stoff, um ein neues Spiel der Verwandlungen in Gang zu setzen. Bei Ransmayr wird Ovid, mit seinem Beinamen Naso genannt, wegen einer politischen Unbotmäßigkeit bis ans Schwarze Meer gejagt. Von seinen sagenumwobenen äMetamorphosen" existieren hier im Roman nur Gerüchte, bald heißt es daheim in Rom, der Dichter sei gestorben. Sein Freund Cotta macht sich auf, um Autor und Werk im fernen, gottverlassenen Tomi nachzuspüren. Er gerät in eine bizarre Szenerie, und er wird, wie es scheint, selbst Teil der sagenumwobenen Dichtung, ein Verwandelter. Das alles ist in einer sehr kunstvollen, kristallklaren und marmorkalten Sprache gezeichnet; von Wärme und Wohlbehagen keine Spur. Ransmayrs Roman ist eine abgründige Endzeitvision: äBücher verschimmelten, verbrannten, zerfielen zu Asche und Staub; Steinmale kippten als formloser Schutt in die Halden zurück, und selbst in Basalt gemeißelte Zeichen verschwanden unter der Geduld von Schnecken. Die Erfindung der Wirklichkeit bedurfte keiner Aufzeichnungen mehr." Wie von weit her betrachtet, aus einer fernen Zukunft, kommt diese äLetzte Welt" daher - als ob bei einer Zeitmaschine die Feinabstimmung nicht richtig funktioniert hat: Echos aus verschiedenen Epochen überlagern sich. Der historische Ort ist nicht exakt zu bestimmen. Ein Rom am Beginn unserer Zeitrechnung, in dem es Telefone gibt? Eine Stadt namens Tomi, neben der der Olymp aus dem Boden wächst? Wann war das? Wann wird das sein? Auch die Zeiten sind in steter Verwandlung begriffen. Im Grunde enthält der Anfang des Romans schon das Bauprinzip der äLetzten Welt": äEin Orkan, das war ein Vogelschwarm hoch oben in der Nacht; ein weißer Schwarm, der rauschend näher kam und plötzlich nur noch die Krone einer ungeheuren Welle war, die auf das Schiff zusprang." Kein Zustand ist von Dauer, oder wie es bei Ovid (in der Prosaübersetzung Michael von Albrechts) heißt: äEs gibt im ganzen Weltkreis nichts Beständiges. Alles ist im Fluss, und jedes Bild wird gestaltet, während es vorübergeht. Ja, auch die Zeiten gleiten in ständiger Bewegung dahin, nicht anders als ein Strom. Denn stillstehen kann weder der Fluss noch die flüchtige Stunde, sondern wie die Woge von der Woge getrieben wird und im Herankommen zugleich gedrängt wird und die Vorgängerin verdrängt, so fliehen die Zeiten und folgen zugleich. Stets sind sie neu; denn was vordem gewesen ist, das ist vorüber; es wird, was nicht war, und jeder Augenblick entsteht neu." Ransmayr, der im österreichischen Wels geboren wurde, arbeitete zunächst als Reporter, und er hat die Form der Reportage auch späterhin gepflegt, nachdem er als Romanschriftsteller längst Erfolge verzeichnen konnte. Er ist alles andere als ein Stubenhocker, dessen Werke lediglich im Umgang mit anderen Büchern entstehen. Er geht hinaus, spricht mit Menschen, liebt aber auch die Einsamkeit, die Natur fernab der Zivilisation; er braucht Raum und Zeit, um seine Bücher entstehen zu lassen. Lange Wanderungen sind ihm wichtiger als die ständige Präsenz auf dem Buchmarkt. Auf die Frage nach dem nächsten Roman antwortete er drei Jahre nach Erscheinen der äLetzten Welt" fast ein wenig unwirsch: äDarauf können Sie lange warten. Ich habe keine Ambition, so schnell in irgendeine Art von Öffentlichkeit zurückzukehren. Es gibt doch keinen größeren Luxus, als Zeit zu haben und mit einer Arbeit auch über Jahre hinweg allein zu sein." Der Ovid in seinem Roman, so erklärte mir Ransmayr 1991 in einem der seltenen Interviews, die er autorisiert hat, sei alles andere als ein Held, sondern ein äluxussüchtiger, beifallsüchtiger Mann". Sein Naso sei einer, äder unter Sonnenschirmen in der Nähe der großen Stadien sitzt und verzückt dem Aufrauschen des Beifalls lauscht und dieses Rauschen als Musik empfindet". Aber die Wahrheit, die Größe seiner Dichtung bleibe von seiner Eitelkeit - ¬äeiner kindischen, maßlosen Eitelkeit" - unberührt. In Ransmayrs Roman hält Publius Ovidius Naso seine Rede im neuen, aus Kalkstein und Marmorblöcken aufgetürmten Stadion Roms, zur Zeit des Kaisers Augustus. Rund 200 000 Römer verfolgen die aufrührerische Parabel von der Pest, vom Volk, das vergeht und durch Heere von Ameisen wieder körperliche Gestalt gewinnt, als Sklavenvolk aufersteht, eine Rede über die Bewohner von Aegina - dem römischen Volk nicht unähnlich, wie Naso am Ende eigens betont. Zwar hat Augustus, der Herr des Römischen Reiches, die Ansprache verschlafen und beschenkt den Dichter wie die Lobredner mit silberbeschlagenem Zaumzeug, doch am Hof beginnt eine Zeit der Dossiers und Aktenvermerke. Von Augustus gibt es auch später keinen Kommentar zu Ovids Rede. Eine undeutliche Handbewegung am Fenster, durch das er ein Nashorn in seinem Garten beobachtet: Das ist alles, was von ihm kommt. Diese Handbewegung aber wird am Hof beredet und interpretiert. Eine Deutung setzt sich durch und verfestigt sich zum Strafspruch: Verbannung für Naso, den Dichter - an die Grenze des Reiches, jenseits aller Zivilisation. Jahre später macht sich Cotta auf die Reise. Die Schiffspassage nach Tomi ist beschwerlich, erschöpft taumelt Cotta an Land. Die Suche nach dem Dichter gestaltet sich schwierig. Ja, man habe von ihm gehört, ihn gesehen, sagen die Bewohner, die Tereus, Fama oder Arachne heißen, doch mehr ist aus ihnen nicht herauszubekommen. In der Ruinenstadt Trachila findet Cotta die erste Spur, ein Steinmal, an dessen Spitze ein beschrifteter Stofffetzen hängt. Aber lässt sich auf Cottas Wahrnehmungen überhaupt bauen? Merkwürdige Verwandlungen geschehen um ihn her. Er selbst scheint ein anderer zu werden. Oder wird auch er, fern von Rom, ganz einfach verrückt? Am Ende wird Tomi für ihn zu einer menschenleeren Welt, einer Stadt, die unter der Vegetation zu verschwinden beginnt. Ransmayrs Roman geht frei mit den historischen Fakten und literarischen Vorbildern um. Der römische Dichter Ovid hat natürlich niemals in Mikrofone gesprochen, er hat gewiss auch keine aufrührerischen Reden gehalten. Er stand die meiste Zeit seines Lebens mit dem Kaiserhaus auf gutem Fuß. Wäre er nicht Dichter geworden - es hätte ihm eine politische Karriere gewinkt. In den äMetamorphosen", seinem Hauptwerk, feiert er den regierenden Augustus als Krönung der Menschheitsgeschichte, als Kaiser, der es verdiene, ein Gott zu werden. Freilich wäre Ovid ohne Weiteres imstande gewesen, eine große Rede zu halten: Er hatte wie jeder Römer eine gründliche rhetorische Ausbildung erhalten. Und Ovid ist auch tatsächlich verbannt worden - im Jahre 8 unserer Zeitrechnung, nach Tomi ans Schwarze Meer (dem heutigen Constanta). Warum, weiß man nicht genau. Offiziell hieß es, dass Ovids äLiebeskunst" Augustus, der die Ehe aufgewertet wissen wollte, missfallen habe - das freizügige Werk war allerdings schon Jahre zuvor erschienen. Fast gleichzeitig mit dem Dichter wurde eine Enkelin des Kaisers verbannt; das führte zu der Vermutung, Ovid könne womöglich etwas über deren Lebenswandel ausgepla
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Am Beispiel meines Bruders Uwe Timm Taschenbuch, 1. April 2005 Verkaufsrang: 79372 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In Toni Morrisons Roman Menschenkind geistert ein Opfer der Sklaverei noch Jahre später am Ort des Geschehens herum. Auch Uwe Timms älterer Bruder spukt Jahrzehnte nach seinem Tod durch dessen Träume. Nur, dass er zu den Tätern zählt - anfänglich. Als Angehöriger der SS-Totenkopf-Division verliert Karl-Heinz auf dem Russland-Feldzug zuerst beide Beine, dann das Leben. Durch das trauernde Nicht-Vegessen-Wollen der Mutter und das zornige Nicht-Vergessen-Können des Vaters wird er für den 1940 geborenen Autor zur mythischen Figur, ist "abwesend und doch anwesend". Als Eltern und Schwester nicht mehr leben, kann er endlich auch darüber schreiben. Mithilfe der Feldpostbriefe und seiner Erinnerung an die Erinnerungen der Eltern nähert er sich dem fremden Bruder. Dessen Kriegsnotizen "verraten weder den Überzeugungstäter noch aufkeimenden Widerstand", deuten nur an, wie Ganz normale Männer allmählich zu Mordmaschinen werden: "75 m raucht Iwan Zigaretten, ein gefundenes Fressen für mein MG." Timm rechnet mit dem Schlimmsten: Meint "Läusejagd" wirklich nur eine hygienische Maßnahme?! Eigene Erinnerungen rahmen das Suchbild ein: Nazi-Größen müssen 1945 plötzlich die Straße fegen; der Vater stürzt sich, wie seine gekränkte und kranke Generation, in den "lärmenden Wiederaufbau"; die 74-jährige Mutter reist auf den Spuren des Sohnes in die Ukraine. Timm versucht zu urteilen, ohne zu verdammen, und wittert stets "die Gefahr, glättend zu erzählen". Ebenso behutsam wie schonungslos legt er menschliche Abgründe offen, bringt deutsche Befindlichkeiten in schlichte Sätze, die nachklingen: "Die Erziehung zur Tapferkeit... führte zu einer zivilen Ängstlichkeit." Oder: "Erst wenn etwas zur Sprache kommt, kann sich auch Widerspruch bilden." Ein Altachtundsechziger rekapituliert am Beispiel seines Bruders Geschichte im Kleinen und Großen, mehr wehmütig als wütend. Wo er das Schreiben als "Notwehr" begreift, hat es dem Älteren irgendwann die Sprache verschlagen: "Hiermit schließe ich mein Tagebuch, da ich es für unsinnig halte, über so grausame Dinge, wie sie manchmal geschehen, Buch zu führen." -Patrick Fischer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 42 Bewertungen)
Vergangenheitsbewältigung 5 von 5 Punkten Eine ungemein kluge Biographie über eine Familie während der zwei fürchterlichen Weltkriege. Selten wurde der Wahnsinn dieser Kriege so hautnah und authentisch beschrieben,wobei Uwe Timm hierfür sehr viel recherchieren musste um diese kleinen Mosaiksteinchen zusammenzufügen. Kein Mensch wird hier nur in schwarz/weiss Farben gezeichnet und es bleiben wie in jedem Leben viele Fragen offen. Der Bruder, in seiner Zärtlichkeit gegenüber Eltern und dem Bruder Uwe, geradezu anrührend und doch auch wieder brutal wenn es um den Kampf gegen die Russen geht. Da mäht er einen Russen mit seinem Maschinengewehr um, der gerade eine Zigarettenpause macht. Das sind Kontraste, wie sie nicht unheimlicher das menschliche Wesen beschreiben können. Voller Wärme gegenüber den eigenen Verwandten und völliger Gefühlslosigkeit gegenüber dem Feind. Und das hat sich sicher auf beiden Seiten so abgespielt, völlig unterschiedslos. Timm ist ein grossartiges Plädoyer gegen alle Kriege dieser Welt gelungen und nicht nur am Beispiel seines Bruders, sondern auch seines Vaters, der ja auch kein Unmensch war. Politiker die ihre jungen Männer in die Kriege treiben, müssten diese und andere Bücher gegen den Krieg zwangsverordet bekommen, doch leider wird auch das nicht viel verändern. Machtgier ist eine Charaktereigenschaft, verbunden mit der Rücksichtlosigkeit eines Hitlers oder Stalins wird es zum Treibsatz immer neuer Kriege und vieler unschuldiger Menschen, auch unter den Soldaten. Das Verhalten der Täter wird von Timm auf frappante Art entlarft, wenn bis heute gerne immer wieder relativiert wird nach dem Motto, dass die anderen ja auch nicht besser waren. So werden Opfer zu geheimen Mittätern erklärt, weil sie die Täter von ihrem verbrecherrichen Unwesen ja nicht abgehalten haben. Und das geschieht bis heute, wobei die Täter zu Opfer und die Opfer zu Tätern werden können und jeder versucht sich auf diesen Schutzreflex berufen zu wollen, bis von dieser Welt nicht mehr viel übrig ist.
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