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Seite 7

Fein gehackt und grob gewürfelt: Der Pedant in der Küche - Julian BarnesFein gehackt und grob gewürfelt: Der Pedant in der Küche
Julian Barnes

Broschiert, Oktober 2006
     Verkaufsrang: 25281      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Wer selber kocht, weiß, dass zwischen Rezept und fertigem Gericht Welten liegen können. Julian Barnes, selbst ein Pedant in der Küche, erzählt von seinen Experimenten und Abenteuern, seinen Triumphen und Niederlagen zwischen Kochtopf und Schneidebrett, zwischen Küche und Esstisch. Dieses amüsante Buch, das gespickt ist mit britischem Humor, ist ein Muss für jeden, der gern kocht, ein Muss für jeden, der gern isst.
"Gnadenlos, schonungslos, witzig, wütend rechnet der ‚kochende Spätzünder' mit sich und vor allem den Kochbuchautoren ab. ‚Der Pedant in der Küche' läuft zu absoluter Hochform auf."
BRIGITTE


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Macht ganz viel Spaß!      5 von 5 Punkten
Für Hobbyköche die perfekte Entspannunglektüre, hätte noch viel länger sein können. Vielleicht gibts ja eine Fortsetzung.


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Der Ghost Writer - Philip RothDer Ghost Writer
Philip Roth

Taschenbuch, November 2004
     Verkaufsrang: 109078      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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In Der Ghost Writer lernen wir in den fünfziger Jahren Nathan Zuckerman kennen, einen hoffnungsvollen jungen Autor mit einer Leidenschaft für bedeutende Bücher, der in einem abgelegenen Winkel Neuenglands, als Gast im Haus seines literarischen Idols E.I. Lonoff, die gegensätzlichen Ansprüche von Literatur und Erfahrung entdeckt.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Philip Roth - Der Ghost Writer      5 von 5 Punkten
Nathan Zuckerman, ein junger angehender Autor, besucht in den 50er Jahren sein Idol, den Autor E.I. Lonoff, verbringt eine Nacht in seinem Haus und erfährt einiges über die Gegensätze zwischen Literatur und dem Leben, das dahintersteckt.

Zuckerman muß schnell erfahren, daß sein Vorbild mit seinem Leben garnicht wirklich klarkommt, eine unzufriedene Frau hat, sich mit dem Schreiben quält und die Gesellschaft von Menschen generell schlecht erträgt. Dabei legt er (Lonoff) eine zermürbende Gleichgültigkeit an den Tag, die er mir lakonischen und sehr abgeklärten Bemerkungen offenbart, die seine Frau in die Verzweiflung treiben.
Zusätzlich ist da noch die undurchsichtige "Praktikantin" Amy, die seine Notizen sortiert und mit im Haus lebt.

Philip Roth ist grandios. Sein Stil ist bestechend präzise und kristallklar, dabei aber nie unnötig verschnörkelt, wenn man manche Sätze aber auch trotzdem mehrfach lesen muß ... naja, "muß" ist zu hart, die Sätze machen einfach Spaß !
Das Buch fängt allerdings erst recht langsam an, auf den ersten 40-50 Seiten passiert fast garnicht, es wird nur in endlosen Rückblenden erzählt - erst später wird die Bedeutung für die gesamte Handlung klarer.

Zuckerman hadert mit seinem Vater, da er eine Story veröffentlichen will, die seine Familie in einem schlechten Licht stehen läßt - insbesonderen in einem schlechten Licht als Juden, die er - so der Vater - als habgierig darstellt, was kurz nach dem Ende der Nazizeit besonderes Gewicht hat. Die generelle Verantwortung der Literatur steht hier zur Diskussion (wird allerdings im Buch nicht wirklich aufgelöst.)
Gleichzeitig hört er (Zuckerman) ein Gespräch zwischen Lonoff und Amy mit, die sich für die angeblich verstorbene Anne Frank hält ... oder ist sie es wirklich ?

Roth wagt sich an große Themen und meistert sie bravurös. Die Judenverfolgung, der Haß auf Juden wird an individuellen Beispielen und einem unerhörtem "Trick", dem Widerauferstehen von Anne Frank und das Nacherzählen ihrer Biographie nach ihrem angeblichen Tod, so hautnah dargestellt, daß es einem mehr als einmal einen kalten Schauer verpaßt, ohne jedoch in Platitüden, Bitterkeit oder 1000x-Gehörtes zu verfallen.

Absolute Empfehlung, dieses Buch ist spitze und übertrifft durch das Wagnis des Themas und der Ausführung noch seinen Roman "Der menschliche Makel" (und ist natürlich um Längen besser als der Langweiler "Das sterbende Tier").


Ehepaare. SPIEGEL-Edition Band 6 - John UpdikeEhepaare. SPIEGEL-Edition Band 6
John Updike, Maria Carlsson

Gebundene Ausgabe, 11. September 2006
     Verkaufsrang: 61496      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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John Updike: 'Es heißt unentwegt, Liebe und Sex seien die neuen Grundlagen unserer Moral. Ich wollte der Sache einmal auf den Grund gehen und die Frage stellen: wäre das überhaupt wünschenswert?' Das vieldiskutierte Thema Partnertausch wurde zum Gegenstand eines bedeutenden und international erfolgreichen Romans.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)

Ein Meisterwerk      5 von 5 Punkten
Dieses Buch hat so finde ich auch nach nun mittlerweile 39 Jahren
seit Erscheinen immer noch interessantes zu bieten .
Updike ist, wie in fast jedem seiner Bücher, ein herrliches Gemisch gelungen . Anhand der sexuellen ausschweifungen Ende der sechziger
Jahre skizziert er eine Studie des Menschen der sich selbst als auch anderen keinen Wert beimisst.
So haben die verschiedenen Personen kaum oder nur geringe Skrupel
ihre Ehepartner zu hintergehen .
Wobei Piet(Die maennliche Hauptfigur)gegen Ende des Buches merkt das
er mit seinen verschiedenen Abenteuern sich selbst mehr geschadet hat
als er zuerst dachte.Saemtliche seiner Partnerinnen kehren zu ihren Ehepartnern zurück während er alleine dasteht.
Als dann gegen Ende auch noch die Kirche abbrennt , wird klar das sich die Bewohner des Ortes Tarbox, eine Gottesgegenwart nicht länger verdient haben .
Brillante literarische Umsetzung des Themas,glaubhafte Charaktere und am Ende die Moral von der Geschicht!


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Portnoys Beschwerden - Philip RothPortnoys Beschwerden
Philip Roth

Taschenbuch, August 2004
     Verkaufsrang: 8555      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Der 33-jährige Alexander Portnoy berichtet seinem Psychoanalytiker Dr. Spielvogel, wie sein Leben verlief. Er beginnt mit seiner Kindheit in einem jüdischen Viertel in Newark. Zwischen einer Übermutter, einer übergewichtigen Schwester und einem weichen, hypochondrischen Vater aufwachsend, entwickelt Portnoy bald Anzeichen eines ödipalen Komplexes. Der hervorragende Schüler und Student vollzieht äusserlich eine an den American Way of Life angepasste Entwicklung,...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)

Wer Roth lesen will, sollte damit anfangen...      5 von 5 Punkten
Nachdem ich als erstes von Roths Büchern den Portnoy 1975 gelesen hatte - und nicht wusste, ob ich mehr lachen oder weinen (oder beides) sollte -, hab ich natürlich alle anderen (außer "Täuschung" (merke ich gerade)) gelesen und war das eine Mal sehr, einmal etwas weniger angetan. Lesenswert sind sie übrigens meines Erachtens alle.
Festgestellt habe ich aber(für mich), dass Portnoy DAS Werk des Autors schlechthin ist, in dem schon alles der späteren Bücher zumindest angedacht und - anders also dort in teilweise ausgesprochen epischer Breite - sehr komprimiert dargestellt ist.

Ich stimme einer der vorhandenen Rezensionen insofern zu, als das Buch zum Schluss (spätestens Israel) deutlich nachlässt; ich habe den Eindruck, dass im letzen Viertel verkopft nach weiteren Pointen gesucht wird, während sich diese in den ersten drei Vierteln wie von selbst aus dem Bauch des Autors ergeben. Aber egal: Auch wenn mich weder dieses letze Viertel besonders anmacht (und die doch recht billige Schlusspointe schon gar nicht): Der Rest ist fürmich nicht nur "urkomisch" (das auch), sondern einfach "bewegend", weil sich jeder (so meine Erfahrung bzgl. all derer, denen ich das Buch inzwischen geschenkt habe) ohne weiteres - nicht generell - aber immer und immer wieder selbst sehen kann. Völlig unabhängig davon, ob er in den USA vor fast einem halben Jahrundert oder später in Europa aufgewachsen ist; als Jude Christ oder was auch immer.
Irgendein Rezensent hat mal geschrieben: "Ein zutieft menschlicher Roman". Wenn man menschlich richtig versteht: Genau!!


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Die Liebesblödigkeit - Wilhelm GenazinoDie Liebesblödigkeit
Wilhelm Genazino

Broschiert, März 2007
     Verkaufsrang: 71143      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Ein Mann geht durch die Stadt. Er betrachtet eine junge Mutter, die sich die Daumenspitze feucht macht, um ihrem kleinen Kind einen braunen Fleck aus dem Gesicht zu wischen. Er beobachtet eine offenbar verwirrte Frau, die nacheinander drei halbvolle Mülltonnen umwirft, um sie anschließend wieder aufzuheben. Er sieht zwei Halbwüchsige beim Versuch, eine Rolltreppe zum Stillstand zu bringen, kläglich scheitern. Und er liest im Schaufenster einer Pizzeria, dass es hier zwei Gerichte zum Preis von einem gäbe. Pech für den Mann, denn seine beiden Frauen kann er nicht mitnehmen ins Lokal: „Sandra mag keine Pizzen und Judith keine Stehlokale“. So ist es mit dem Leben des Ich-Erzählers in Wilhelm Genazinos Roman Die Liebesblödigkeit, eines Erzählers, der Spezialist für Apokalyptik ist und Seminare über die Prophetie vom Weltende gibt: Eigentlich hat er alles im Überfluss. Aber irgendwie will doch nichts so richtig zusammenpassen.

Nach den Romanen Ein Regenschirm für diesen Tag (2001) und Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman (2003) sowie dem ausgezeichneten Essayband Der gedehnte Blick hat Wilhelm Genazino, der Georg-Büchner-Preisträger von 2004, mit Die Liebesblödigkeit wieder ein fulminantes Buch vorgelegt, dass in wundervoll ironischer Sprache vom Leben eines Mannes erzählt, der genug von der Liebe hat, weil er genug von der Liebe hat: Ein Apokalyptiker in Endzeitstimmung, der sich in genauer Detailbeobachtung seiner Umgebung ergeht und sich das Recht herausnimmt, trotz seiner Wehwehchen zwei Frauen zugleich zu lieben, die nichts voneinander wissen dürfen. Oder soll er sich doch von einer seiner Frauen trennen? Und, wenn ja, von welcher?

Vor allem vom Versuch einer Entscheidung und der Schwäche des Erzählers handelt Die Liebesblödigkeit: unglaublich präzise, psychologisch ausgefeilt und: grandios geschrieben. Unbedingt lesenswert! --Stefan Kellerer

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 36 Bewertungen)

Theorie und Praxis der Apokalypse      5 von 5 Punkten
Der Protagonist windet sich laokoongleich in einem pikanten Dilemma: Er liebt zwei Frauen. Er liebt sie wirklich, alle beide. Und selbstverständlich wissen die beiden Damen nichts voneinander. Bislang hat ihn das nicht allzu sehr beschwert, aber nun machen sich allmählich gewisse altersgemäße Gebrechen bemerkbar, und ein fürchterlicher Gedanke überfällt ihn: Was, wenn er im Krankenhaus läge, und beide Damen seines Herzens stünden zeitgleich mit Blumenstrauß vor der Krankenzimmertür? Entscheidung tut not, und das Abwägen geht los: Mit welcher der beiden wollte er lieber zusammen alt werden? Die beiden sind grundverschieden, und dementsprechend oszillieren des Erzählers Überlegungen. Dass ihm alle beide deutliche Avancen machen, und dass ein höchst pragmatisches Argument namens "Witwerrente" dabei eine Rolle spielt für den Freiberufler mit wackliger Existenz, was wiederum Schuldgefühle weckt; dass der Mittfünfziger obendrein seine besten Jahre hinter haben dürfte, und dass er von diversen Altmännermalaisen geplagt zu werden beginnt -- all das macht die Lage nicht einfacher.
Zudem ist der Ich-Erzähler keineswegs ein Traummann -- er schlägt sich recht und schlecht als krampfaderngeplagter Apokalypsen-Spezialist mit Apokalypsen-Bewältigungsseminaren durchs Leben. "Die Apokalypse ernährt ihren Mann" -- vorläufig jedenfalls. Die zahlreichen Streifzüge durch sein heimisches Stadtviertel sind nicht nur von seinen lebensnotwendigen Betrachtungen und ergreifend komisch-tiefsinnigen Überlegungen begleitet, sondern leider auch von skurrilen alten Bekannten: Im unnötigsten Moment taucht entweder der leicht paranoide "Postfeind" Bauspack auf und referiert über seine neusten Scharmützel wider die Deutsche Post, oder der enervierende Möchtegern-Künstler Morgenthaler sucht Trost, der "Panikberater Dr. Ostwald" geizt sowieso niemals mit hilfreichen Ratschlägen, oder der Ekelbeauftragte Dr. Blaul weiß von neu entdecktem Ekelerregendem.
Und wie löst der Ich-Erzähler am Ende sein trivialapokalyptisches Problembündel? -- Na, wie wohl... Jedenfalls sitzt auch die abschließende Pointe.

Dieser unentwirrbar scheinende Dilemmata-Knoten begleitet den Erzähler einige Wochen lang, und obwohl diese dürftige Zusammenfassung des Inhalts nicht nach überbordendem Ereignisreichtum klingt, und obwohl Themen wie "Krampfadern und fleischfarbene Stützstrümpfe" oder "Erektionsapokalypse" nicht sensationell klingen, und obwohl man schon früher das ein oder andere Mal von einem Mann zwischen zwei Frauen gelesen hat der Roman ist vom Feinsten. Und das hat seinen Grund.

Wilhelm Genazino gehört zu der seltenen Spezies jener Autoren, die ganz einfach richtig gut schreiben können. Richtig gut schreiben -- damit meine ich das glückliche Zusammentreffen immer seltener werdender Eigenschaften:
Wortgewalt gehört dazu, die Fähigkeit, immer haargenau das richtige Wort zu finden. Und wenn das nötige Wort noch nicht existiert, dann erschafft Genazino es einfach. Im Gegensatz zu allzu hoch gehandelten neuentdeckten Medienereignissen übertreibt er aber nicht, kokettiert nicht mit vorgeblichem Erfindungsreichtum und ähnlichem Blendwerk. Nein, wenn man "Unglückseitelkeit" geschildert bekommt, wenn der Erzähler an "betäubten Häusern" vorbeigeht, wenn nach vollzogenem Akt der Hintern der Partnerin gleichsam wieder ordentlich in einer Schublade verstaut wird, wenn überall die "Liebesblödigkeit" lauert, dann weiß man ganz einfach sofort, was der Autor meint, wenn er mit wenigen Worten (meist nur einem einzigen!) seine Geschichte(n) lakonisch und mit melancholischer Ironie inszeniert. Genau so muss es sein.

Aber was wären die Worte ohne das, was sie beschreiben? Und genau da trennt sich Genazinos Weizen von der "Schon wieder so'n Talent"-Streu. Genazino ist nämlich ein phantastischer Beobachter, dem nichts entgeht; ein Erzähler, der die Tragik und die perfide Komik alltäglicher Szenen erkennt, die man nur allzu oft übersieht. Es sind diese feinen klugen Beobachtungen, die die "Liebesblödigkeit" zum Meisterwerk machen. Vollkommen Alltägliches kann sich als Ausbund von Komik entpuppen, wenn man so genau hinschaut, wie Genazino seinen Ich-Erzähler hinschauen lässt. Ganz einfach saukomisch wird es, wenn Teilnehmer und Verschrobenheiten eines Apokalypsen-Wochenendseminars geschildert werden, aber auch hier widersteht Genazino der Versuchung, brachialkomisch zu werden. Nicht einmal hier übertreibt er, er komprimiert nur ein klein wenig.
Ähnliches gilt für die vielen mehr oder weniger absurden situationsgebundenen Überlegungen, die den Spaziergänger unversehens überfallen -- zwar fällt man selber anderen Überlegungen zum Opfer als der Apokalypsen-Referent, aber die Situation kennt man irgendwoher, nur ist's einem bislang kaum eingefallen.

Genazino ist ein weiser Beobachter; einer, der Tragisches nicht hysterisch aufbereitet, sondern die leise Komik erkennt, die dem allem innewohnt. Aber nicht nur das Erkennen ist Genazinos Metier, sondern auch noch das Finden und Erfinden der passenden Worte.

Jedenfalls war die "Liebesblödigkeit" zwar mein erster Genazino-Roman, aber garantiert nicht mein letzter.


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Ein Regenschirm für diesen Tag - Wilhelm GenazinoEin Regenschirm für diesen Tag
Wilhelm Genazino

Taschenbuch, April 2003
     Verkaufsrang: 24138      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 37 Bewertungen)

Der Schuhtester      5 von 5 Punkten
Warum muss man Genazinos Buch "Ein Regenschirm für diesen Tag" unbedingt lesen?
Eine Antwort gibt Sabine Küchler in ihrer Rezension im "Tagesspiegel":
"..., dass man, am Ende der gerade mal 170 Seiten angekommen, gleich wieder von vorne beginnen möchte. Noch einmal durch diese kleine Schule der Wahrnehmung gehen, noch einmal in diesen Alltagsminiaturen und Weltverzauberungsnotaten das Staunen über die Merkwürdigkeit des Lebens wiedererlernen."
Stimmt - vielleicht einige Beispiele gefällig, was Sabine Küchler damit meint?
Der Ich-Erzähler betrachtet in seiner Wohnung den Boden und die herumliegenden Staubflusen: "Wie sonderbar heimlich sich der Staub vermehrt! Plötzlich fällt mir ein, dass Verflusung vielleicht das richtige Wort für den gegenwärtigen Stand meines Lebens ist."
Weiterhin überlegt sich der Ich-Erzähler an alle Bekannten Briefe zu verschicken, in denen er ihnen seinen "Schweigestundenplan" verkündet:
"Für Montag und Dienstag ist DURCHGEHENDES SCHWEIGEN angeordnet. Mittwochs und donnerstags herrscht nur morgens DURCHGEHENDES SCHWEIGEN, an den Nachmittagen GELOCKERTES SCHWEIGEN, das heißt, es sind Kurzgespräche und Kurzanrufe erlaubt. Nur freitags und samstags bin ich zu haltlosem Gerede bereit, allerdings erst ab elf Uhr."
Mit diesen beiden Beispielen erklärt sich der Begriff der "Alltagsminiaturen".
Ansonsten sei noch angemerkt, dass der Protagonist seinen Lebensunterhalt als Schuhtester verdient und ihn aktuell seine Freundin verlassen hat - dies zur Handlung.
Was Genazino allerdings an sprachlich filigraner Arbeit leistet, lässt sowohl ästhetischen Genuss als auch beste Unterhaltung zu.
Ein hervorragendes Buch!


Im Regen wie im Sonnenschein      5 von 5 Punkten
Ein Mann läuft Schuhe ein. Allein für diese Idee gilt es, Genazino zu rühmen, und es gelingt ihm im Verlauf seiner Geschichte, daß man sich vorstellt, wie auch in der eigenen Stadt jemand unterwegs ist, um ledernde Produkte einzulaufen. Eigentlich ein schöner Beruf, viel zu wenig beachtet. Nur daß auch die ausgeglichenste Tätigkeit einen nicht davor bewahrt, daß die Freundin einen verläßt, weil man sich zu sehr aufs Beobachten verlegt hat, oder daß man in finanzielle Nöte gerät, wenn das Honorar pro Paar gesenkt wird. Mit einmal sieht man sich den profanen Dingen des Lebens ausgesetzt.

Doch wenn sie von Genazino erzählt werden, bleiben sie leicht, schwebend und einem Schmunzeln behaftet.

Gedanken eines Fast-Versagers      5 von 5 Punkten
Mitte 40, Schuhtester und von der Freundin wegen der Unfähigkeit sein Leben "brauchbar" zu gestalten verlassen - da kann man sich schon seine Gedanken machen. Und die macht sich der Protagonist in Ich-Erzahlerform pausenlos. Vergnüglich zu lesen aber schwer zu beschreiben ist diese Erzählung, deren 170 Seiten ich fast in einem durch gelesen habe. Durch den Verlust seiner Freundin noch mehr aus seiner Bahn geworfen, finanziell immer auf der (immer wieder verschobenen) Suche nach einem finanziell einträglichen Job lässt er uns pausenlos an seinen Gedanken zu alltäglichen Beobachtungen und Begegnungen teilhaben. Die sind zum Teil so vergnüglich,dass man zum Schmunzeln angeregt wird, speziell was im alles durch den Kopf geht während er zum Beispiel mit seiner Friseurin schlafen will. Seine eigene "Nichtgenehmigung" seines Lebens legt ihm immer wieder Steine in den Weg. Er wäre zu mehr fähig, wenn er sich nicht selbst im Wege wäre. Als dann auch noch sein Schuhtesterjob schlechter bezahlt wird muss er sich dann doch etwas einfallen lassen. Zunächst näherst er sich aber eher beiläufig und ungewollt seiner Jugendbekanntschaft Susanne, Auch diese Gedanken über die Beziehung und den vollzogenen Beischlaf sind äusserst amüsant. Und dann kommt ihm auch noch sein ehemaliger Mitstudent Messerschmidt in die Quere, der ihm dann doch einen Job beim Generalanzeiger anbietet. Es scheint aufwärts zu gehen, aber da ist er sich wohl noch nicht ganz sicher und die Geschichte endet irgendwie offen.
Ein verzüglich- vergnügliches Buch

Langatmig und sehr speziell... schade!      1 von 5 Punkten
Angeregt durch viele positive Bewertungen und Lobesbekundungen hatte ich mir das Buch erwartungsfroh als Wochenendlektüre vorgenommen. Irgendwie hörte sich die Geschichte eines Schuhtesters, der teure Schuhe begeht, bewertet und dafür bezahlt wird, recht lustig, unterhaltsam und auch ein wenig grotesk an.
Tatsächlich aber ist die Geschichte langweilig, langatmig und zermürbend: Ein namenloser, männlicher Protagonist läuft ziellos durch eine Großstadt und nimmt dabei Bestandteile seiner Umwelt wahr. Dabei geht er ebenso ziellos mal diesem, mal jenem Gedanken nach, und er liebt es besonders, seinen frühkindlichen Impulsen nachzugehen. Es gibt keine wirkliche Handlung oder eine Art Handlungsstrang, der Protagonist erzählt einfach nur von sich selbst, und insgesamt wirkt das ganze ziemlich wirr und ein wenig hobby-philosophisch gekünstelt, denn soooo überragend sind die immer wieder gelobten Wortschöpfungen nun auch wieder nicht.
Wie schon von anderen Vorrezensenten geschrieben: Nicht jedermann wird das Buch gefallen. Und auch wenn ich die Idee wirklich gut finde, tut es mir fast schon ein bisschen leid: Ich finde das Buch unbefriedigend und sehr speziell - womit ich das Buch nicht einfach nur schlecht machen möchte, weil es mir nicht gefallen hat. Aber auch Literatur ist eben Geschmackssache.


Irgendwie faszinierend      5 von 5 Punkten
Vielleicht könnte man diesen Roman so umschreiben. Obgleich, nichts wirklich fasziniert.
Und doch: Einfach Genazino.
Jedenfalls kenne ich keinen anderen deutschen Schriftsteller, der das Alltägliche zwischen zwei Beziehungen (Lisa hat ihn gerade verlassen und Susanne hofft auf einen Entscheidungsruck) so anrührend beschreiben kann.
Der Schuhtester welch putzige Idee lässt auf seinen Testrouten durch die Stadt seine Gedanken fließen, und nur gelegentlich bündelt er sie auf eine Person die ihm begegnet, eher unwillig als erfreut. Ja er trägt sich gar mit dem Gedanken, einen Schweigestundenplan einzuführen. Natürlich für andere, in Bezug auf ihn.
Denn es graut ihm davor, sich mit anderen Menschen über Dinge zu unterhalten, die ihn partout nicht interessieren (z.B. mit seinem Auftraggeber über dessen Hobby: Modelleisenbahnen), gerade dann, wenn ihn etwas erschüttert (z.B. die Nachricht, dass seine neuen Zähne fertig sind und abgeholt werden können).
Dass Genazinos Protagonist zur Zeit vom freundschaftlich nachgelassenen Konto seiner Ex lebt, mag diesem nicht ganz angenehm sein,denn er trägt sich mit dem Gedanken, Kurse des Erinnerns zu veranstalten. Erkennt dann aber rechtzeitig, dass die Übernahme eines Jobs durch Vermittlung eines Freundes bei einer Zeitung doch die bessere Alternative ist.
Einhundertvierundsiebzig Seiten über Gedanken, die einem in den Kopf kommen und wieder gehen, gerade dann, wenn man einfach so vor sich hin läuft.
Dazu nie langweilig. Mit anderen Worten: Empfehlung für ein paar gemütliche Stunden.
Ach ja, mich würde jetzt noch interessieren: Geht der Genazino wirklich gerne spazieren? HMcM



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Medea. Stimmen - Christa WolfMedea. Stimmen
Christa Wolf

Broschiert, August 2008
     Verkaufsrang: 25041      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Den Medeastoff des Euripides hat Christa Wolf eigenwillig und gekonnt verändert. Medea wird reingewaschen: zuviel will ich nicht verraten. Nachdem sie von Jason verstoßen wurde, wird sie gar zu einer antiken, Pestkranke pflegenden Mutter Teresa. Das Verfahren, die Hauptpersonen in einem inneren Dialog die Handlung erzählen zu lassen, ist keinesfalls neu, scheint sogar recht modisch zu sein (Margaret Atwood Alias Grace). Der psychologische Vorteil dieses Verfahrens wird mit weniger Lebendigkeit bezahlt. Trotzdem ist Medea flott zu lesen. Die Handlung wird zwar nicht streng chronologisch entwickelt, macht aber auch keine verständnishemmenden Sprünge. Die Veränderungen benutzt Christa Wolf um zu zeigen, daß Fremdenfeindlichkeit, mangelnde Zivilcourage und Herabsetzung des Fremden schon seit der Antike unbewältigte Probleme vieler Kulturen sind. Der Kampf um die Thronfolge bei den Kolchern, noch ausgeprägter bei den Korinthern wäre einem Shakespeare-Drama angemessen. Die lesenden Männern werden bei der Zauberin Kirke, bekannt aus -- nein, nicht aus dem Fernsehen -- sondern der Odyssee, aufhorchen. Verwandelt Kirke doch glatt Männer in Schweine. Womit zumindest bewiesen ist, daß nicht alle Männer Schweine sind. Wie könnte sonst Kirke ihre Kunst beweisen? Medea von Christa Wolf ist spannend, ideenreich und lesenswert.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)

Nach Kassandra Medea      5 von 5 Punkten
Ich habe diesen Roman gelesen, weil mir "Kassandra" sehr gefallen hat, es ist eines meiner Lieblingsbücher. "Medea" ist sprachlich ähnlich, allerdings wird hier die Geschichte aus mehreren Perspektiven geschildert. Die Figur, die dabei entsteht, wirkt sehr lebendig und faszinierend und auch die verschiedenen Erzählstimmen können eingermaßen überzeugen-einigermaßen deshalb, da es der Autorin sichtlich schwerer fällt, die unsympathische, opportunistische Agameda zu zeichnen, ohne sie zu überzeichnen, als Medea oder Leukon, die ihr offenbar sympathisch sind. Dennoch ist es ein Buch, das ich wiedergelesen habe, vor allem, weil es sich mit der Frage auseinandersetzt, wer die Schuldigen (Menschentypen) sind, wenn ein ganzes Volk sich selbst belügt und aufzeigt, welche Alternativen es gibt, die allerdings allesamt unbefriedigend scheinen.
Dass die Mythengestalt von Christa Wolf so neu gestaltet wurde, dass sie kein "wildes Weib" und keine Kindsmörderin ist, finde ich legitim, zumal der Gedanke einleuchtend ist, man habe ihr den Mord an den eigenen Kindern nachgesagt, um sie für alle Zeit zu entehren. Diese Art der Propaganda hat es ja häufiger gegeben.
Es gibt keine mehr oder weniger "echte" Medea und diese Neuerschaffung wirkt überzeugend, auch wenn sie manchmal dem Leser ebenso fremd und faszinierend-eigenwillig erscheint wie den erzählenden Figuren. Meiner Meinung nach lohnt es sich, den Roman zu lesen, allein schon wegen der Sprache, mit der die Autorin so gut umzugehen weiß.


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Mann und Frau - Zeruya ShalevMann und Frau
Zeruya Shalev

Broschiert, Oktober 2002
     Verkaufsrang: 14199      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 10,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Rosenkrieg in Israel: Zeruya Shalev führt in Mann und Frau atemlos das Sterben einer Ehe vor. Vielleicht ist es ja nur ein einziger Moment, an dem das Leben sich entscheidet, von nun an auf der Stelle zu treten und stillzustehen. An dem es beginnt, sich gegen alle Veränderungen abzuschließen und allmählich bis zum Ende zu verhärten.

In solch einem Moment findet Na'ama ihren Mann Udi morgens regungslos im Bett. Erst sind es die Beine, die er nicht mehr spürt, später den Oberkörper bis er schließlich nichts mehr bewegen kann. Noga, die eifersüchtige, um Liebe buhlende Tochter steht daneben und macht ein Gesicht, als hätte sie das schon immer gewusst. Gern würde sie mit ihrem Vater allein sein und seine Liebe für sich haben.

Was also tut man in so einem Moment als kluge Ehefrau? Man nimmt sich zurück, sorgt zuerst für das Wohl aller anderen und denkt ganz zuletzt an seine eigenen Wünsche. Oder aber man steht auf und schreit und sagt endlich einmal, dass man so nicht mehr leben kann, und dass die anderen doch auch einmal an einen denken sollen und dass man, auch wenn man Ehefrau und Mutter ist, doch auch ein Recht auf sein Leben hat. Als Leser denkt man sich, dass hier alle Messen gesungen sind und dass auch diese Ehe den Weg alles Irdischen und damit ihrem guten Ende entgegen gehen wird. Alles ist, wo allein die Verletzungen übrig geblieben sind, nur noch eine Frage der Zeit und eigentlich gut bekannt.

Zeruya Shalev, die israelische Autorin, die seit ihrem Überraschungserfolg Liebesleben in aller Munde ist, legt ihren zweiten Roman in Deutsch vor, und es ist ein Buch für Frauen. Es ist der nicht enden wollende Klagegesang einer Frau, die glaubt, den Mann geheiratet zu haben, den sie liebt und die zusehen muss, wie der Schwur der lebenslangen Gemeinschaft sich selbst überlebt. Mann und Frau ist ein atemloses und trauriges Buch, ganz wunderbar übersetzt von Mirjam Pressler. --Jana Hensel

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 29 Bewertungen)

Atemlos, schockiert, traurig, glücklich und um einiges weiser...      5 von 5 Punkten
...hat mich dieses Buch heute wieder ausgespuckt, nachdem es mich letzte Woche in seinen Bann gezogen hat. Ein Gefühl als hätte man einen langen, verwirrenden und doch so eindeutigen und klaren Traum gehabt aus dem man aufwacht und ein bischen wehleidig ist, dass das Buch zuende ist, aber auch sehr glücklich, dass man selber ein schöneres Leben führt als Na`ama, die Hauptfigur. Ich habe mich leicht gefühlt und von vieler Last befreit...denn so schön das Buch ist, so magisch ihre Sprache auch sein mag...so grausam ist es auch, so deprimierend ist es in die Seele dieser Frau zu sehen. Manchmal mag man wegsehen und nicht wissen was sie denkt...oft erkennt man sich selbst in ihren Beschreibungen.
Eines der besten Bücher die ich seit langem gelesen habe.


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Der fernste Ort - Daniel KehlmannDer fernste Ort
Daniel Kehlmann

Taschenbuch, August 2004
     Verkaufsrang: 20458      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Ultima Thule, der fernste Ort, fasziniert Julian, den Helden des Romans, seit seiner Kindheit. Und seine (bewusst/unbewusste) Suche nach diesem Ort bedingt eine ständige Flucht -- einen ständigen Versuch, seiner Umgebung zu entfliehen, sein mittelmäßiges, bürgerliches Leben hinter sich zu lassen. Ein inszenierter Schwimmunfall scheint ihm die ultimative Lösung für ein völliges Verschwinden, für einen Neubeginn.

Dieser Ausgangspunkt birgt Reminiszenzen an seine Kindheit, seine Jugend. Seltsam fern wie durch einen Schleier scheint Julian sein jüngeres Selbst zu sehen. Die Erinnerung an seine Eltern, an seinen hoch begabten Bruder, in dessen Schatten er immer stand, an eine "normale", bürgerliche, einengende Welt, der er schon als Kind zu entfliehen suchte. Erinnerungen an seine Mutter, die Selbstmord beging, an seinen Vater, der die Familie verlassen hatte -- all diese Ereignisse muten in der Rückschau wie Begebenheiten unter Wasser an, verlangsamt, verzerrt. Julian selbst wirkt wie ein hilfloser Schwimmer, der sich von den Wogen des Lebens passiv hierhin und dorthin treiben lässt. Weder glücklich noch wirklich unglücklich, eher unzufrieden, ein "Mann ohne Eigenschaften", trifft er im Grunde immer nur eine Entscheidung: zu fliehen.

Daniel Kehlmann versteht es, den Leser in einen Sog zu ziehen, in ein Spiel mit Fiktion und Realität, das immer undurchsichtiger und undurchschaubarer wird. Je näher Julian seiner letzten Flucht kommt, desto mehr Ereignisse aus der Vergangenheit nehmen in der Gegenwart Gestalt an, scheinen ihm wieder zu begegnen.

Und so bleibt die Antwort auf die Frage, ob Julian seinem alltäglichen Dasein wirklich entfliehen kann, oder ob es nur die Fiktion einer Flucht ist, die er erlebt, letztlich dem Leser überlassen. --Lisbeth Legat

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)

Ultima Thule      4 von 5 Punkten
Eigentlich sollte Julian bei einer Tagung seines Arbeitgebers, einer Versicherungsgesellschaft, ein Referat halten, doch einige Stunden vorher hat er immer noch nichts vorbereitet und geht lieber schwimmen. Er wird von einer Strömung erfasst und kann sich mit Mühe ans Ufer retten. Ihm kommt die Idee, seinen Tod vorzutäuschen, um seinem bisherigen Leben zu entfliehen.
Bis dahin wirkt alles klar und real, auch Julians anschließende Abfahrt und seine Überlegungen, was er beachten und organisieren muss, um einerseits für tot erklärt zu werden, andererseits weiterzuleben. Dann aber vermischt sich Reales mit Traumsequenzen und Erinnerungsbildern an seine Kindheit und Jugend, die er im Schatten seines älteren hochbegabten Bruders Paul verbrachte, dem alle Wege offenstanden, während Julian, gescheitert in Schule und Studium, quasi in die Versicherungsbranche abgeschoben wurde. Der Vater verließ die Familie, die Mutter beging Selbstmord, aber immer wieder begegnet Julian den Toten, spricht mit ihnen und sitzt in Zügen ohne das Ziel zu kennen. Paul, zu dem er seit Jahren keinen Kontakt hatte, taucht auf und scheint wie ein vertrauter Freund.
Das Verweben von Handlung und Gedanken, von Gegenwart und Vergangenheit, von Erlebtem und Erträumtem macht das Buch vielschichtig und jede eindeutige Interpretation unmöglich. Sind es die Abschiede vom alten, fremdbestimmten Leben, die in Einzelheiten ausgedrückt sind? Ist es all das, was noch abgehakt werden muss, ehe Julian frei für ein neues Leben ist? Oder sind es die bruchstückhaften Bilder seines Lebens, die ihn im Augenblick des Sterbens überfallen?
Klarheit liefert auch der abrupte Schluss nicht. Doch er drückt aus, dass der Autor nun alles erzählt hat, was zu erzählen war. Der Rest bleibt dem Leser überlassen.


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Mein Herz so weiß - Javier MariasMein Herz so weiß
Javier Marias

Taschenbuch, Juni 1998
     Verkaufsrang: 77227      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 10,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Wenige Tage, nachdem sie von der Hochzeitsreise zurückgekehrt war, erschießt sich die frischverheiratete Frau im Badezimmer ihrer Eltern mit der Pistole des Vaters.Die Frau wäre Juans Tante gewesen -- oder auch nicht, denn wäre sie am Leben geblieben, hätte Ranz ihre Schwester nicht geheiratet, wäre Juan nicht geboren worden.

Juan, der Ich-Erzähler, hat selbst gerade geheiratet. Ein leichtes Gefühl der Beklemmung lässt ihn nicht los, er empfindet -- bei aller Liebe zu seiner Frau -- doch den Zustand der Ehe als unnatürlich, die gemeinsame Wohnung als künstlich. Erst zu dieser Zeit erfährt er vom gewaltsamen Tod seiner Tante -- zuvor hatte er angenommen, sie wäre an einem Unfall gestorben. Auch ist plötzlich die Rede von einer dritten Frau, einem Aufenthalt seines Vaters in Kuba, der Juan nicht bekannt war. Auch wenn er die Geschichte nicht wirklich wissen will -- er weiß zuviel, um nicht auch den Rest wissen zu wollen...

Ein unglaubliches, hervorragendes Buch! Marias erzählt mit einer Detailverliebtheit, die nicht mehr zu übertreffen ist. Eine Szene, die sich in wenigen Sekunden abspielt, beansprucht durchaus einmal 10 oder mehr Seiten, da nicht nur die Handlung, sondern jedes Minenspiel, jede Assoziation, die dadurch ausgelöst wird, beschrieben wird. Lange Zeit ahnt man auch nicht, wie der Erzähler den Bogen der Geschichte spannen wird -- wie er von dem Selbstmord über die Beobachtung einer Begegnung in Havanna, von der Ehe Juans und Louisas, ihrer ersten Begegnung wieder zur Ursache des Selbstmords zurückkehrt.

Wenn man das Buch nicht nur einmal, sondern mehrmals liest, bemerkt man erst die unglaubliche Stimmigkeit. Jedes Detail, das beschrieben wird, stimmt auch 200 Seiten später noch, bezieht sich darauf. Marias erzählt neben der eigentlichen Geschichte unzählige andere, Kleinigkeiten, Gedankengänge -- und schafft es trotzdem, den Leser nicht den Faden verlieren zu lassen. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher! --Daniela Ecker

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 71 Bewertungen)

hervorragendes Buch!      5 von 5 Punkten
das buch zieht sprachlich so sehr in den bann, dass man nach einer kurzen eingewöhnung gar nicht mehr aufhören kann. die sprache kreist um handlungen und gedanken, eine sekunde wird oft endlos und mehrfach beschrieben, äußerlich und innerlich durch die gefühlswelt der hauptperson, des ich-erzählers juan. selbst die direkte rede wird von langen gedankengängen in klammern unterbrochen. die handlung läuft in einigen strängen zusammen, kleinigkeiten werden wesentlich und ergeben am schuß ein sehr stimmiges bild. die fragen um reden oder schweigen, schuld und treue lassen einen nach beendigung des buches nicht so schnell los...
stilistisch das interessanteste was ich in letzter zeit gelesen habe. hervorragend und absolut empfehlenswert! - aber achtung, keine leichte unterhaltung!


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Mein Herz so weiß - Javier MariasMein Herz so weiß
Javier Marias

Taschenbuch, Juni 1998
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Wenige Tage, nachdem sie von der Hochzeitsreise zurückgekehrt war, erschießt sich die frischverheiratete Frau im Badezimmer ihrer Eltern mit der Pistole des Vaters.Die Frau wäre Juans Tante gewesen -- oder auch nicht, denn wäre sie am Leben geblieben, hätte Ranz ihre Schwester nicht geheiratet, wäre Juan nicht geboren worden.

Juan, der Ich-Erzähler, hat selbst gerade geheiratet. Ein leichtes Gefühl der Beklemmung lässt ihn nicht los, er empfindet -- bei aller Liebe zu seiner Frau -- doch den Zustand der Ehe als unnatürlich, die gemeinsame Wohnung als künstlich. Erst zu dieser Zeit erfährt er vom gewaltsamen Tod seiner Tante -- zuvor hatte er angenommen, sie wäre an einem Unfall gestorben. Auch ist plötzlich die Rede von einer dritten Frau, einem Aufenthalt seines Vaters in Kuba, der Juan nicht bekannt war. Auch wenn er die Geschichte nicht wirklich wissen will -- er weiß zuviel, um nicht auch den Rest wissen zu wollen...

Ein unglaubliches, hervorragendes Buch! Marias erzählt mit einer Detailverliebtheit, die nicht mehr zu übertreffen ist. Eine Szene, die sich in wenigen Sekunden abspielt, beansprucht durchaus einmal 10 oder mehr Seiten, da nicht nur die Handlung, sondern jedes Minenspiel, jede Assoziation, die dadurch ausgelöst wird, beschrieben wird. Lange Zeit ahnt man auch nicht, wie der Erzähler den Bogen der Geschichte spannen wird -- wie er von dem Selbstmord über die Beobachtung einer Begegnung in Havanna, von der Ehe Juans und Louisas, ihrer ersten Begegnung wieder zur Ursache des Selbstmords zurückkehrt.

Wenn man das Buch nicht nur einmal, sondern mehrmals liest, bemerkt man erst die unglaubliche Stimmigkeit. Jedes Detail, das beschrieben wird, stimmt auch 200 Seiten später noch, bezieht sich darauf. Marias erzählt neben der eigentlichen Geschichte unzählige andere, Kleinigkeiten, Gedankengänge -- und schafft es trotzdem, den Leser nicht den Faden verlieren zu lassen. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher! --Daniela Ecker

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 71 Bewertungen)

hervorragendes Buch!      5 von 5 Punkten
das buch zieht sprachlich so sehr in den bann, dass man nach einer kurzen eingewöhnung gar nicht mehr aufhören kann. die sprache kreist um handlungen und gedanken, eine sekunde wird oft endlos und mehrfach beschrieben, äußerlich und innerlich durch die gefühlswelt der hauptperson, des ich-erzählers juan. selbst die direkte rede wird von langen gedankengängen in klammern unterbrochen. die handlung läuft in einigen strängen zusammen, kleinigkeiten werden wesentlich und ergeben am schuß ein sehr stimmiges bild. die fragen um reden oder schweigen, schuld und treue lassen einen nach beendigung des buches nicht so schnell los...
stilistisch das interessanteste was ich in letzter zeit gelesen habe. hervorragend und absolut empfehlenswert! - aber achtung, keine leichte unterhaltung!


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Die Unsterblichkeit. Roman - Milan KunderaDie Unsterblichkeit. Roman
Milan Kundera

Taschenbuch, November 1992
     Verkaufsrang: 4313      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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In einem Pariser Fitness-Club beobachtet der Autor, wie eine etwa sechzigjährige Dame Schwimmunterricht nimmt. Am Ende der Lektion winkt sie dem Schwimmlehrer zum Abschied noch einmal zu und macht dabei eine so graziöse Handbewegung, daß der Betrachter beschließt, diese Geste, die die ganze Leichtigkeit des Seins zu enthalten scheint, der Heldin seines Romans zum Geschenk zu machen. Paul liebt zwei Frauen, die beiden Schwestern Agnes und Laura, und die geraten nicht nur seinetwegen ständig aneinander. Agnes führt ihrerseits ein erotisches Doppelleben. Laura darf mit dem Journalisten Bernard nicht glücklich werden, weil dessen allmorgendliches Geschwätz im Radio den Autor zum Wahnsinn treibt.

»Ein Buch wie Schampus.«
Die Zeit


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)

ein meisterwerk...      5 von 5 Punkten
voll spannung, überraschung und erkenntnis... mein erster kundera und es wird schwer werden das zu toppen. einzigartig ist seine art zwischen den charakteren und ihren geschichten zu wechseln, ohne dass man als leser den faden verliert. ein tolles buch über das leben und die liebe - mit dem nötigen tiefgang :) sehr empfehlenswert!


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Die Taube - Patrick SüskindDie Taube
Patrick Süskind

Taschenbuch, Mai 1990
     Verkaufsrang: 9089      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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In fünf Monaten wird der Wachmann einer Pariser Bank das Eigentum an seiner kleinen Mansarde endgültig erworben haben, wird ein weiterer Markstein seines Lebensplanes gesetzt sein. Doch dieser fatalistische Ablauf wird an einem heißen Freitagmorgen im August 1984 jäh vom Erscheinen einer Taube in Frage gestellt.

In fünf Monaten wird der Wachmann einer Pariser Bank das Eigentum an seiner kleinen Mansarde endgültig erworben haben, wird ein weiterer Markstein seines Lebensplanes gesetzt sein.
Doch dieser fatalistische Ablauf wird an einem heißen Freitagmorgen im August 1984 jäh vom Erscheinen einer Taube in Frage gestellt.
»Ein rares Meisterstück zeitgenössischer Prosa, eine dicht gesponnene, psychologisch raffiniert umgesetzte Erzählung, die an die frühen...


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 31 Bewertungen)

Ein perfekter Süßkind      5 von 5 Punkten
Auch bei dieser Kurzgeschichte von Süßkind kommt sein Hang zum Außergewöhnlichen zum Vorschein. Ganz trocken und todernst beschreibt er uns die Geschichte eines Mannes, der sein ganzes Leben lang das Gleiche tut bis zu dem einen Tag, an dem eine Taube sein Leben völlig verändert und ihn aus der Bahn wirft.
Süßkind liebt es, uns Leser in seine eigene Welt hinein zu tauchen und uns für einen kurzen Moment selbst an uns zweifeln zu lassen. Er pickt sich Alltagsgeschichten heraus und macht daraus einen "Thriller" der Extraklasse, wie ihn der Protagonist wohl durcherlebt. Die Taube steht für Höhe, Freiheit, aber auch für Aufdringlichkeit und Schmutz. Sie sind die "Ratten der Lüfte", wie man sie oft nennt. Für den Protagonisten jedoch waren so etwas wie Tiere oder auch andere Menschen, die plötzlich in sein Leben treten, alles andere als normal. Plötzlich sitzt eine Taube vor seiner Tür und starrt ihn auch noch so dumm an! Ein Schock für ihn, damit hatte er nicht gerechnet. Und sie verschwindet einfach nicht! Der Protagonist wird in seinem tiefsten Inneren durcheinander gebracht und zerstört, seine alltäglichen Rituale von einem Tier gestört. Das zerreist ihn innerlich. Er wird aus seinem Alltagstrott heraus gerissen und muss sich nun unabwendbaren Gefahren stellen. Das ist zu viel für ihn. Er denkt über Selbstmord nach. Er weiß, dass er diesen Veränderungen nicht standhalten kann und merkt, dass solche Gefahren wohl noch öfters auf ihn zukommen werden. Wie soll er das alles schaffen?
Gut erzählt und mit dem kleinen Wink, immer auf der Hut zu sein.


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Klebstoff - Irvine WelshKlebstoff
Irvine Welsh

Taschenbuch, Juli 2004
     Verkaufsrang: 30594      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 12,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Ja, es ist richtig: die vier Freunde Billy Birrell, Carl Ewart, Terry Lawson und Andrew Galloway kleben zusammen wie Pech und Schwefel. Gemeinsam in den Sozialwohnungen im Hochhausbezirk des Arbeiterviertels Schemes in Edinburgh aufgewachsen, verlieren sie diesen Zusammenhalt auch dann nicht, als sie schon lange auseinander gegangen sind und sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise entwickelt haben: Birrell zum geschäftstüchtigen Boxer, Ewart zum sensiblen Feigling, Terry zum arbeitsscheuen Sexmonster und Andrew ("Gally") zum Mann, der einem vom übermächtigen Vater bestimmten, selbstzerstörerischen Ehrenkodex frönt. Gally muss deshalb nach einer Schlägerei im Umfeld eines Fußballspiels ins Gefängnis und verliert seine Familie.

Aber es ist nicht Klebstoff, der die vier Freunde auch nach ihrer gemeinsamen Jugend in Schemes zusammenhält. Es sind Drogen und Alkohol, Gewalt und Fußball, Sex und Musik -- und der Wunsch, die hoffnungslose Zeit im Arbeiterbezirk hinter sich zu lassen. Dass dies nicht so echt gelingen will, und dass die Situation schließlich doch noch unangenehm in einer explosiven Mischung aus Neid, Eifersucht und Rache eskaliert, dafür sorgt der Meisterautor der Rave-Generation Irvine Welsh (Trainspotting) in seinem vierten Roman. Dabei zeigt sich: Auch wenn die Namen der Drogen und Musikrichtungen durch die jeweils aus Sicht der Freunde beschriebenen Jahrzehnte wechseln -- auf die Trostlosigkeit des Lebens im proletarisch industrialisierten Großbritannien bleibt doch erschreckend gleich. --Isa Gerck

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Irre und gut !      5 von 5 Punkten
Spätestens seit "Trainspotting" wissen wir es - Irvine Welsh schreibt keine Bücher, um Botschaften zu verbreiten, er ist keiner, der sich in Milieus reinrecherchiert, um mit mahnendem Finger auf gesellschaftspolitische Themen zu verweisen.
Irvine Welsh ist extrem, so wie er kann nur jemand schreiben, der den Alltag genau kennt.
Die Protagonisten seines Romans "Klebstoff" Terry, Bill, Andy und Carl sind wie nahe zu alle Welshen Figuren in einer asozialen Edinburgher Vorstadt aufgewachsen sind. Eine Welt, in der Gewalt, Perspektivlosigkeit und Drogen regieren, in der jede Form von Schwäche unnachgiebig bestraft wird. Vier Dekaden lang verfolgt der Roman die tragische, gelegentlich amüsante, oft bewegende Geschichte der vier Helden, ihrer Saufkumpane und Familien. Terry, der Dauergeile, der seit einem Job als Mineralwasserlieferant nie wieder ehrlich gearbeitet hat, aber auch als fetter Dreißigjähriger noch immer erfolgreich die Weiber aufreißt. Billy, der emotionsarme Boxer, der sich von der Mafia kaufen lässt. Andy, der tragische Chaot, der dem AIDS-Tod zuvorzukommen versucht. Und Carl, der ruhige Schöngeist, der als Discjockey internationale Karriere macht.
Verpfeife niemals weder Freund noch Feind, schlage keine Frauen, stehe stets zu Deinen Freunden, kauf' dir jede Woche 'ne neue Platte - so die wichtigsten Gebote des Ehrenkodex der Edinburgher Beinahe-Slums, nach dem die Vier in "Klebstoff" zu leben versuchen.
Aus wechselnden Perspektiven erzählt Welsh im breitesten Slang seiner Protagonisten vom Schattendasein zwischen Pub, Maloche, Droge, Diebstahl, Sex und Männerfreundschaft. Alle vier häufen Schicksalsschläge an, werden betrogen, betrügen selbst, werden beraubt und berauben selbst, wenn sie nicht gerade saufen oder Pillen einschmeißen. "Klebstoff" spannt einen Bogen von den 70ern bis in das neue Jahrtausend - von Punk zu Techno, von Speed zu Ecstasy - Irvine Welsh in Höchstform: Seine Sprache flüstert, schreit, heult, kreischt, spielt, gestikuliert. Wenn seine Figuren Luftgitarre spielen, machen es seine Worte ebenfalls. Kopfschütteln, Küssen, Prügeln, Fluchen, Saufen, Sex - bei Welsh kommt der Leser ebenfalls zum Höhepunkt.


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Die Geschichte von Herrn Sommer (Fiction, Poetry & Drama) - Patrick SüskindDie Geschichte von Herrn Sommer (Fiction, Poetry & Drama)
Patrick Süskind

Taschenbuch, Oktober 2000
     Verkaufsrang: 6673      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Immer war er unterwegs, dieser geheimnisvolle Herr Sommer. Er spazierte bei Wind und Wetter durch die Landschaft und geisterte durch die Tag- und Alpträume eines kleinen Jungen. Eine Geschichte aus der Kindheit, aber keine Kindergeschichte.

Patrick Süskind - Die Geschichte von Herrn Sommer
Zu der Zeit, als ich noch auf Bäume kletterte, lebte in unserem Dorf ein Mann mit Namen >Herr Sommer<. Kein Mensch wußte, wie Herr Sommer mit Vornamen hieß, und kein Mensch wußte auch, ob Herr Sommer einem Beruf nachging. Obwohl man über die Sommers und insbesondere über Herrn Sommer so gut wie nichts wußte, kann man doch mit Fug und Recht behaupten, daß es im Umkreis von mindestens...


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 36 Bewertungen)

daumen hoch!      5 von 5 Punkten
das buch hat anfangs einen eher seichten eindruck auf mich gemacht, wurde dann aber von seite zu seite interessanter, spannender und vor allem irrsinnig tiefsinnig, fast schon traurig! hab es in einen zug ausgelesen gehabt!

gerade für schüler empfehlenswert, als referat für den deutschunterricht.


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Ein Kind zur Zeit - Ian McEwanEin Kind zur Zeit
Ian McEwan

Taschenbuch, 1991
     Verkaufsrang: 41626      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Eines Tages wird für Stephen und Julie der schlimmste Alptraum aller Eltern Wirklichkeit: ihre dreijährige Tochter verschwindet spurlos. Ein Roman über eine Welt, in der Bettler Lizenzen haben und Eltern darüber aufgeklärt werden, daß Kindsein eine Krankheit ist. Aber auch eine subtile Ergründung von Zeit, Zeitlosigkeit, Veränderung und Alter.

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Erschütternd und doch ein wenig versöhnlich      5 von 5 Punkten
Es ist schon ein Weilchen her, dass ich Ein Kind der Zeit las. Aber ein unvergessliches Buch, das vom Schlimmsten handelt und die Vorstellungskraft liebender Eltern strapaziert. Von jetzt auf gleich und dann unwiderruflich . . .
Der Trostlosigkeit der Figuren in McEwans Roman lässt sich dann auch nur noch mit selbst auferlegten Abstand folgen.
Als emotionaler, psychologischer Schriftsteller beseelt er den schrecklichen Verlust und das daran Zugrundegehen durch Tiefe der dramatischen Handlung. Plötzlich hereinbrechender Irrsinn wird auch hier als fast-) Normalität mit großer schriftstellerischer Kunstfertigkeit behandelt.
Was McEwan dennoch deutlich von einem Kafka der Neuzeit unterscheidet, ist Hoffnung. Nicht, dass von Künstlichkeit, Konstruktion oder gar einem Happy End die Rede sein könnte.
Aber wenn alles am Tiefpunkt angelangt scheint, finden die Eltern des verschollenen Kindes doch noch Sprache mit- und für einander. Der zu erahnende Trost unter Liebenden ist bei dieser Thematik dann nahezu wohltuend.
Ein erschütterndes und gleichwohl sehr lesenwertes Buch.


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América - Tom Coraghessan BoyleAmérica
Tom Coraghessan Boyle

Broschiert, November 2006
     Verkaufsrang: 9754      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Dumpfe Ressentiments und bohrende Engstirnigkeit - eine zum Brüllen tragikomische Geschichte Zwei Welten, die sich fremder nicht sein könnten: hier América und Cándido, illegale Einwanderer aus Mexiko, dort das Ehepaar Mossbacher - liberale, umwelt- und ernährungsbewußte Angloamerikaner in Los Angeles ...
Der Zusammenstoß Cándidos mit Delaney Mossbachers wachsgepflegtem Auto ist ein wortwörtlicher: Cándido, auf dem Weg zur Arbeit, rennt Delaney direkt vor die Haube und wird schwer verletzt. Da die Schuldfrage sich nicht klären läßt und der Mexikaner offenbar kein Englisch kann, drückt Delaney ihm eine 20-Dollar-Note in die Hand ... Delaney sieht seine geschützte Welt zunehmend bedroht: Kojoten dringen in das Grundstück ein und töten die kleinen Hunde, dunkelhäutige, verdächtige Gestalten lungern herum, wo er seine Wanderungen macht. Jenseits der eleganten Villensiedlung, tief unten im Topanga Canyon, hausen Cándido und América wie die Tiere. Sie versuchen ihr Glück auf dem illegalen Sklavenmarkt - verfolgt von der Immigrantenpolizei, vom Hunger, von der Verachtung der Weißen, von der Bösartigkeit der eigenen Landsleute.


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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)

An der eigenen Nase gefasst      5 von 5 Punkten
Ertappt! Je länger man dieses Buch von T.C. Boyle liest, desto trockener muss man schlucken. Boyle beschreibt wunderbar und stets aus zweierlei Blickwinkeln(zum einen aus der Sicht des mexikanischen "wet backs", zum anderen aus der des politisch-korrekten und sich als liberal bezeichnenden weißen Amerikaners). Diese zwei Sicht- und Wahrnehmungsweisen könnten unterschiedlicher nicht sein und werden im Verlaufe der Handlung Stück für Stück zueinandergeführt, bevor alles zum Schluss beim großen show down kumuliert. Drastisch und dennoch einfühlsam beschrieben ist das Schicksal der mexikanischen Gelegenheitsarbeiter, die ihr Glück irgendwo zwischen Speckgürtel von L.A. und den künstlich bewässerten Retorten-Rancho-Siedlungen suchen, stets sensibel, niemals theatralisch-sentimental. Dann die andere Seite: der Bio-Schriftsteller mit home-office und die erfolgreiche Immobilien-Maklerin. Beide viele Hoffnungen setzend in ihren computer-betäubten Sprössling. Plötzlich prallen beide Welten brutal aufeinander, und man kann nicht anders als sich an die eigene Nase fassen: sind da nicht viele bekannte Anteile bei uns westlichen Gutmenschen zu erkennen? Liberal sind wir ja und umweltbewußt. Und moralisch-philanthrop. Aber das hat ja auch Grenzen. Multi-Kulti ist schön, aber doch nicht vor meiner Haustür. Wir besitzen viel und merken, dass wir ebensoviel zu verlieren haben. Und wenn uns jemand ans Leder will, werden wir zum Tier. Unglaublich, was dieses Buch an Denk-Prozessen auslösen kann und zu Diskussionen im Freundeskreis führt. Unbedingt lesenswert!


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Lust - Elfriede JelinekLust
Elfriede Jelinek

Taschenbuch, Januar 1992
     Verkaufsrang: 60512      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen.

Preis: € 8,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Seit Aids ins letzte Alpental vorgedrungen ist und "die infiziert, die in der Liebe für den Wechsel sind", muß der Fabrikdirektor auf Partnertausch und Prostituierte verzichten und wieder auf seine Frau Gerti zurückgreifen. Gerti will den sexuellen Attacken entfliehen, der routinemäßigen, langweiligen, tödlichen Wiederholungen des Immergleichen. Sie ist oft abgängig, landet - bisweilen betrunken - auf der Gendarmerie. Ihre Sexualität kann sie nicht...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 15 Bewertungen)

Herausragend!      5 von 5 Punkten
Selten habe ich ein besseres Buch gelesen als dieses! Es ist unglaublich gut psychologisch aufgebaut und führt auch wahrlich zum verstörenden Ende (Mutter ermordet Sohn um sich weiter sexuell demütigen zu lassen von Ehemann).

Dieses Buch räumt auf mit der 'Alles wir gut denke' - Bravo!!


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Im Land der letzten Dinge - Paul AusterIm Land der letzten Dinge
Paul Auster

Taschenbuch, Januar 1992
     Verkaufsrang: 11283      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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„Mit seinen beiden Büchern ›New York-Trilogie‹ und ›Im Land der letzten Dinge‹ hat Paul Auster der gegenwärtigen amerikanischen Literatur eine andere Dimension eröffnet ... Austers Bücher wirken überraschend zeitgemäß, weil sie auf eine Erfahrung des Lebens – jetzt in diesem Augenblick – aus sind und mit einer monomanischen Lust vordringen in einen sonst sorgsam gehüteten Bereich: in unsere eigene Verwirrtheit angesichts der Welt ... Im Roman ›Im Land der letzten Dinge‹ sind alle Spuren einer vertrauten Wirklichkeit scheinbar getilgt ... Allerdings spielt Paul Auster hier nur mit Science-fiktion- Versatzstücken, denn in seinen Augen bedarf es nur einer kleinen Drehung an der Schraube unserer Zivilisation, um sie in die Apokalypse, in ein neues (altes) Barbarentum umkippen zu lassen.“ (Süddeutsche Zeitung)

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 15 Bewertungen)

Sehr erschreckend-aber megagut      5 von 5 Punkten
Was Auster hier darstellt, ist ein Szenario, das mich sofort fesselte. Schon oft sah mit im Fersehen Bilder aus armen Ländern, wo Kinder aus dem Müll sich ein paar Sachen zusammensuchen und man sich als Mensch, der in einer Industrienation lebt fragt, könnte ich so leben? Wäre man da nicht lieber tot? Doch was ist, wenn überall auf der Welt diese Endzeit herrscht. Jeder, dem du begegnest, dein Mörder sein könnte, weil er deine Schuhe will.

Das Leben in einer solchen Zukunft beschreibt Auster so realistisch, dass man manchmal betet, dass uns dieses Schicksal erspart bleibt. In der heutigen Überflussgesellschaft kann man dieses Buch nur empfehlen. Dass diese Welt nicht allzu fern ist, beschreibt T.C. Boyle sehr gut in seinem Buch America.


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Zündels Abgang - Markus WernerZündels Abgang
Markus Werner

Taschenbuch, 1988
     Verkaufsrang: 23777      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Kann ein Autor erwarten, dass sein Held Ernst genommen wird, wenn er diesem bereits auf den ersten Seiten mir nichts dir nichts einen Zahn aus dem Mund fallen und ihn wenig später in einer Eisenbahntoilette einen abgeschnittenen Finger finden lässt? Er kann, wenn es ihm wie Markus Werner gelingt, das Komische und das Absurde mit der Betrübnis und dem Bitterernsten so zu verbinden, dass sie spiegelbildlich werden.- Zündel, der Held, Mitte dreißig, verheiratet, spürt in sich wie eine schleichende Infektiondas Existenzzernagende des Lebensalltags. Gegen Katastrophen könnte man sich noch aufbäumen, was aber hilft noch gegen die kleinen und umso dreisteren Alltagsattacken, gegen die abgeklärte Robustheit des Normalen. Als die großen Ferien da sind und ihn nichts mehr hält, entfernt sich Zündel. Der Versuch einer Reise nach Griechenland scheitert, ein erneuter Anlauf bringt ihn nach Genua. Was ihm dort zustößt, ist nur noch für den Leser zum Lachen. Zündel will nicht mehr und geht ab.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 15 Bewertungen)

Bad & Bett      5 von 5 Punkten
Ein heißes Bad, ein wohlig warmes Bett - Geborgenheit! Was aber, wenn beabsichtigt wird, den Urlaub getrennt vom Ehepartner zu verbringen? Was wenn man zum Pechvogel schlechthin avanciert? Wenn verlorene Schneidezähne und abgetrennte Zeigefinger das Schicksal lenken? Wenn man in die Stadt der eigenen Zeugung zurückkehrt? Und was, wenn man sich bloß irrt und dennoch heiß läuft?

Konrad Zündel bricht seine Urlaubsreise - nach Griechenland - bereits in Ancona ab und kehrt nachhause zurück. Die Überraschung ist zwar gelungen, dennoch ist seine Frau Magda wenig begeistert ob der Abmachung, den Urlaub getrennt zu verbringen, öffnet ein "Ventil" - doch leider das falsche. Zündel plant seinen Abgang! Die Katze bei der Nachbarin geparkt, macht er sich auf den Weg nach Genua, um eine Waffe zu erstehen, dokumentiert Reise und Erlebnisse. Vorerst wird er zurückkehren - doch irgendwie verändert. Viktor - Icherzähler, Pfarrer und bester Freund Konrads wird uns die Geschichte erzählen.

Weder vom sprachlichen Geniestreich noch vom Wortwitz wird hier die Rede sein, denn diese liefert Markus Werner serienmäßig!

Ein Lehrer über Dreißig, fünf Jahre verheiratet, ruhig, in sich gekehrt, ja beinahe igelig: das ist der Zündel - fast tut er einem leid, in seinem Irrgang. Vom Pech verfolgt und gepeinigt, spürt man beinahe selbst die Schrammen sowohl am Körper als am EGO, fühlt den Kater am nächsten Morgen und seine Ausweglosigkeit - wie ihm erscheint. Aber nicht nur Zündel ist hervorragend porträtiert, auch die Schuldgefühle Magdas und ihre unbeschreibliche Erleichterung über Zündels Rückkehr wurden zum Mitfühlen geschaffen. Nach Zündels Abgang fällt der Vorhang, was sich dahinter verbirgt, ist privat.


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