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| Zeitgenössische Literatur | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Alles, was wir geben mussten Kazuo Ishiguro Broschiert, Dezember 2006 Verkaufsrang: 32449 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Noch Jahre später kreisen Kathys Gedanken um Hailsham, dem in lieblicher Hügellandschaft gelegenen Schulheim, in dem sie und die anderen ihre Kindheit zugebracht hatten. Eine heile Welt, in der eine fröhliche Kinderschar zur Kreativität angeleitet werden soll. Doch bald tauchen erste Schatten auf. Wozu die Aufseher? Warum ist von späteren Spendern die Rede? Und was hat es mit jener eleganten Madame auf sich, die aus dem Nichts auftaucht, um die besten künstlerischen Arbeiten der Zöglinge für ihre Galerie abzuholen. Galerie? Jeder weiß davon, keiner hat sie jemals zu Gesicht bekommen. Nur eine weitere Merkwürdigkeit in der abgeschotteten Welt von Hailsham. Wir werden noch viele davon kennenlernen! Mit welch unspektakulären, aber erzählerisch raffinierten Mitteln der in Japan geborene und heute in England lebende Kazuo Ishiguro den Leser in seine Geschichte einwebt, gleicht einem kleinen Wunder. Sachter kann man nicht hineingeführt werden in eine Traumwelt, die sich zunehmend als bedrückende und faschistoide Zukunftsvision entpuppt. In den Rückblicken Kathys, die heute als Betreuerin arbeitet, wird alles noch einmal lebendig: Ruth, Kathys beste Freundin. Der rebellische, von allen abgelehnte Tommy, der nur Kathy vertraut -- und doch mit Ruth eine Beziehung eingeht. Der Schulalltag und seine sanften, aber rigorosen Überwachungsmechanismen. Die Fragen hinter vorgehaltener Hand. Die Rebellion, die nie stattfindet. Ein wundervolles Werk von großer Nachhaltigkeit. In manchem gleicht Ishiguro einem literarischen Update von Daphne du Maurier. Selbst sein traumverlorenes, weltfernes Hailsham erinnert vage an Manderley aus Rebecca (anscheinend kann sich keiner der Schüler später daran erinnern, wo Hailsham überhaupt lag). Ishiguros unaufgeregter, hochliterarischer Ton aber ist es, der den Schrecken erst richtig eindringlich macht. Ein Schrecken, der in einer technikversessenen Welt längst nicht mehr abwegig erscheint. Begleiten wir die Schüler auf ihrem Weg, herauszubekommen, wer sie sind, wo sie herkommen und -- was aus ihnen einst werden soll. Madame wusste es: Ihr armen Geschöpfe! --Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 47 Bewertungen)
Unter die Haut gehendes Schreckensszenario 5 von 5 Punkten Kazuo Ishiguro ist ein in Japan geborener, heute in England lebender Autor, der uns Leser mit diesem Roman in eine Zukunftswelt hineinführt, in der einige Dinge anders angelegt sind als in der Gegenwart. All das vermutet man am Anfang des Romans zunächst nicht. Die Kulisse bildet Hailsham, ein Internat im konservativen England, mit dem obligatorische großen Sportplatz und getrennten Schlafsälen für Jungen und Mädchen. Scheinbar eine heile Welt, in der die Jungen und Mädchen aufwachsen und in ihren Veranlagungen entsprechend gefördert werden. Doch dabei stören die Aufseher mit ihren augefeilen Überwachungsmethoden und das das Gerede von "Spendern". Die Merkwürdigkeiten, in die der Autor seine Geschichte gekonnt verwebt, nehmen zu. Wir begleiten die Kinder dabei wie sie herausfinden wollen, wo ihre Wurzeln waren, wer sie wirklich sind und was in der Zukunft von ihnen erwartet wird. Ein Horrorroman mit beklemmenden faschistischen Zügen und schrecklichen Zukunftsvisionen. Ein Schreckensszenario, was nicht mehr ganz abwegig erscheint, denn der eigentliche Schrecken besteht jedoch in Wirklichkeit darin, dass er unserer Gegenwart schon so nah zu sein scheint. Ein großartiges, spannendes Buch das aktuelle Themen unserer Zeit behandelt und über sehr viele unterschiedliche Reflektionsebenen verfügt. Ein die Aufmerksamkeit der Leserschaft sehr stark herausforderndes Buch, aber es rechtfertigt die Anstrengung, sehr genau mit ihm zu sein.
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Das Herz ist eine miese Gegend Thommie Bayer Broschiert, Februar 1991 Verkaufsrang: 39226 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Eine schöne Frau und drei schräge Typen: Sie durchleben die Stürme der 60er Jahre, den Wellenschlag der 70er und die etwas ruhigere See der 80er. Es ist die Geschichte von vier Menschen, die ihre Träume nicht aufgeben wollen. Und es ist die Geschichte einer großen Liebe und unzertrennlicher Freundschaften.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 26 Bewertungen)
Einfach herzerwärmend! 5 von 5 Punkten Ich liebe dieses Buch. Mehr bräuchte ich eigentlich nicht zu sagen. Aber vielleicht gibt es noch Unentschlossene, die sich noch nicht zum Lesen dieses bezaubernden Buches entschieden haben?
Ich wollte wissen wie Männer ihre erste Liebe erleben. Sind sie auch so schrecklich romantisch, intensiv, leidend, verzweifelt, himmelhochjauchzend...wie wir Frauen?
Dieses Buch enthält jede Gefühlsnuance, die man selbst schon mal irgendwie erlebt hat.
An manchen Stellen lacht man laut heraus, um an anderen mit der Hauptfigur mitzuleiden.
Ich habe das Buch schon mehrfach verschenkt, an Frauen und Männer, an Jüngere und Ältere, an Anspruchsvolle und Genügsame. Die Reaktion auf das Buch war bei allen dieselbe. Sie waren begeistert, gerührt, wurden melancholisch, wehmütig, fühlten sich allesamt an ihre eigene erste Liebe erinnert. Man fühlt sich für kurze Zeit noch mal zurück versetzt und das tut so schöööön weh!
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How to be good Nick Hornby Taschenbuch, August 2003 Verkaufsrang: 4226 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In Nick Hornby's How to Be Good, Katie Carr is certainly trying to be. That's why she became a GP. That's why she cares about Third World debt and homelessness, and struggles to raise her children with a conscience. It's also why she puts up with her husband David, the self-styled Angriest Man in Holloway. But one fateful day, she finds herself in a Leeds parking lot, having just slept with another man. What Katie doesn't yet realize is that her fall from grace is just the first step on a spiritual journey more torturous than the interstate at rush hour. Because, prompted by his wife's actions, David is about to stop being angry. He's about to become good--not politically correct, organic-food-eating good, but good in the fashion of the Gospels. And that's no easier in modern-day Holloway than it was in ancient Israel. Hornby means us to take his title literally: How can we be good, and what does that mean? However, quite apart from demanding that his readers scrub their souls with the nearest available Brillo pad, he also mesmerizes us with that cocktail of wit and compassion that has become his trademark. The result is a multifaceted jewel of a book: a hilarious romp, a painstaking dissection of middle-class mores, and a powerfully sympathetic portrait of a marriage in its death throes. It's hard to know whether to laugh or cry as we watch David forcing his kids to give away their computers, drawing up schemes for the mass redistribution of wealth, and inviting his wife's most desolate patients round for a Sunday roast. But that's because How to Be Good manages to be both brutally truthful and full of hope. It won't outsell the Bible, but it's a lot funnier. --Matthew Baylis
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 65 Bewertungen)
das beste 5 von 5 Punkten In meinen Augen Hornbys bestes Werk. Wie kann ein Mann so perfekt aus der Sicht einer Frau schreiben? Eine absolute Ausnahme!
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Portnoys Beschwerden Philip Roth Taschenbuch, August 2004 Verkaufsrang: 47160 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der 33-jährige Alexander Portnoy berichtet seinem Psychoanalytiker Dr. Spielvogel, wie sein Leben verlief. Er beginnt mit seiner Kindheit in einem jüdischen Viertel in Newark. Zwischen einer Übermutter, einer übergewichtigen Schwester und einem weichen, hypochondrischen Vater aufwachsend, entwickelt Portnoy bald Anzeichen eines ödipalen Komplexes. Der hervorragende Schüler und Student vollzieht äusserlich eine an den American Way of Life angepasste Entwicklung,...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)
immer noch der beste roth 5 von 5 Punkten ich bin der meinung, dass die letzen romane roths, wie der menschliche makel, überbewertet sind. folgen diese doch teilweise höchst trivialen grundmustern. portnoys beschwerden ist sein jugend- und gleichzeitig meisterwerk. so komisch wie in der schilderung jugendlicher sexualnöte war der große philp roth nie wieder.
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Unter Freunden: Und andere Geschichten aus der Business Class Martin Suter Gebundene Ausgabe, März 2007 Verkaufsrang: 19888 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Puls im Zielbereich, Tretwiderstand maximal. Einen Konkurrenten abschießen oder die hohe Schule des Haltens. PR in eigener Sache. Bestandsaufnahme vor dem Spiegel oder - mit Liebe betrachtet, ist alles schön. Wie tröstet man den Chef, wenn er einen entlassen muß ... und vieles mehr in den neuen Business-Class-Geschichten von Martin Suter.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Eine echte Rosine innerhalb der Management-Literatur! 5 von 5 Punkten Sie wollten schon immer hinter die Fassaden der traumhaft sicheren Entscheidungen des Top-Management blicken? Riskieren Sie diesen enthüllenden, sanft sezierenden Blick! Mit den neuen Geschichten aus der Business Class wird klar, wie es um unsere Führungselite bestellt ist. Sie sind auch nur Menschen und lassen sie sich ebenso irrational treiben wie wir alle. Ellbogen, Mobbing und gnadenloser Aufstieg - in diesen Fallstricken ist kein Platz für Freunde, der einsam entscheidende Chief Executive Officer, der Si-ii-ouu, ist das Ziel aller Manager-Träume. Dazwischen wird gelogen, gebogen und getrickst. Die verwendeten Mittel sind mittelmäßig und schon lange bekannt, ihr Feinschliff erfährt heute eine abschließende Verklärung durch perfekte Amerikanismen, die das Management immer mehr dominieren. So auch in der von Martin Suter gewählten Sprache, deren Denglisch bewußt weh tun, die Manager-Entscheidungsfindungen der Lächerlichkeit preisgeben soll.
Die kurzen Geschichten als ideale Staubegleiter oder Gute-Nacht-Erzählungen sind durchaus iiebevoll begleitend, sie zerstören das Managementbild nicht, sie machen es einfach menschlichter. Dass die Geschichten oft überraschend enden, ist mir nicht so wichtig. Viel schöner sind die feinst gesponnenen psychologischen Beschreibungen, einfach meisterhaft formuliert. Ich lese viele der Geschichten mehrfach, weil ich diese Charakterisierungen so schätze. Ich persönlich habe mich schon lange aus der Hühnerleiter der Hierarchie befreit, genieße aber diese kurzen Rück-Kehrer in meine Vergangenheit sehr. Weil ich danach dankbar zu meinem jetzigen Bereich zurückkomme.
Martin Suter ist ein hervorragender Beobachter, er kann dies im Grunde nur geschrieben haben, weil auch er gelitten hat - als Manager im Kampf mit Kunden, vor allem aber mit Kollegen. Viele der Beschreibungen sind in ihrer Irrwitzigkeit komisch, manche gemein, aber die meisten könnten mehr als wahr sein. Meine Lieblingsgeschichte erklärt die sprachlichen Feinschliff-Maßnahmen eines Schweizers als dieser erfährt, dass ein Norddeutscher sein direkter Vorgesetzter wird. Danach wusste ich, warum wir Deutschen den Schwyzer Dialekt so sehr mögen und ihn bestens verstehen.
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Der kurze Brief zum langen Abschied Peter Handke Taschenbuch, April 2008 Verkaufsrang: 67631 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ein etwa 30-jähriger Schriftsteller reist auf der Suche nach seiner Frau Judith, die sich kurz zuvor von ihm getrennt hat, quer durch die Vereinigten Staaten, von der Ost- zur Westküste. Diese Irr- und Verfolgungsjagd - Judith ist auch hinter ihm her und will ihn vielleicht umbringen - ist gleichzeitig die Reise des Helden zu sich selbst, auf der er verschiedene Stationen seiner Entwicklung durchläuft. Langsam kann er sich von einem Ichbewusstsein, das vor allem von Angst,...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Dokumentation einer Läuterung 5 von 5 Punkten "Der kurze Brief zum langen Abschied" ist eine Mischung aus Entwicklungs-, Reise- und Kriminalroman. Die Ich-Person, deren Namen man nicht erfährt, flieht aus seinen Ehezwängen nach Amerika und lernt, sich im Laufe der Reise von bedrückenden alten Denk- und Reaktionsmustern zu befreien. Seine Frau Judith, eine Schauspielerin (auch Handkes erste Frau übte übrigens diesen Beruf aus) verfolgt ihn mit der Intention, ihn zu töten. Im Zentrum steht allerdings die Entwicklung der Ich-Person von einem durch Erschrecken und Angst bestimmten Bewusstsein zu einem neuen, nicht mehr entfremdeten, sondern offenen Bewusstsein. Die von Peter Handke, einem der größten Dichter und Erzähler Österreichs, verfasste Erzählung birgt einige Intertextualitäten in sich. Alleine der Titel weist auf ein Spätwerk von Raymond Chandler hin: "The long goodbye" - "Der lange Abschied". Diese Detektivgeschichte weicht vom Sujet des Kriminalromans insofern ab, als nicht die Aufklärung des Falles im Mittelpunkt steht, sondern die Person des Detektivs Phillip Marlowe. Weiters ist als Intertextualität "Der Grüne Heinrich" von Gottfried Keller zu nennen, unbestritten einer der größten Bildungsromane in der deutschsprachigen Literatur. Nicht zuletzt bleibt "Anton Reiser" von Karl Philipp Moritz zu erwähnen. Je ein Zitat aus diesem Werk leitet den Leser am Kapitelanfang ein (das Buch ist zweigeteilt in "Der kurze Brief" und "Der lange Abschied"). Handke hat zweifellos eine nach großen Vorbildern geschaffene hervorragende Erzählung verfasst, die meines Erachtens weniger eine Liebesgeschichte, sondern vielmehr eine Dokumentation eines Erkenntnisprozess - ja, fast eines Läuterungsprozesses - seitens der Ich-Person darstellt.
Amerika der frühen Siebziger Jahre 5 von 5 Punkten Das Buch gehört zu den besten Stücken des Autors. Es ist eine Art Fortsetzung der "Stunde der wahren Empfindung". Wieder geht es um den namenlosen Hass, der sich in einer Ehe aufstauen kann. Ein deutsches Ehepaar reist getrennt in Amerika, der Erzähler mit der Befürchtung, von seiner Frau verfolgt und ermordet zu werden. Das Buch ist eine Parallele zu Max Frischs "Stiller" indem es einen Europäer in Amerika zeigt, die beginnende Internationalität, die heute vielen selbstverständlich geworden ist, eine erste Erkundung der Leitkultur, der wir heute unterliegen, durch die ersten neugierigen Massentouristen. Interessante Einblicke, schöne Sprache, ein bißchen schon die ersten Verstiegenheiten und zerrissenen Handlungsfäden, die den späteren Handke mühsam zu lesen machen. |
Naked David Sedaris Broschiert, März 2003 Verkaufsrang: 6680 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Dieser Text bezieht sich auf die Buchausgabe des Titels Es gibt Bücher, die sind hervorragend geeignet für kurze U-Bahnfahrten, andere wiederum eher für eine lange Reise. David Sedaris´ Nackt gehört weder in die eine noch in die andere Kategorie, und es wäre gut, wenn gleich auf dem Umschlag ein großer Aufkleber warnen würde: "Lesen Sie dieses Buch nicht in Gegenwart anderer Menschen oder mit vollem Mund." In siebzehn Episoden hat der Amerikaner Sedaris, der auf dem Buchcover harmlos, freundlich und sympathisch lächelt, autobiographische Erlebnisse festgehalten. Aber was für welche! Es beginnt mit den Macken, die David während seiner Schulzeit befallen. Eigentlich sind die genau sechshundertsiebenunddreißig Schritte des Heimwegs harmlos. Bei seiner Tour hat er jedoch alle Briefkästen mit der Zunge anzutippen und auffallende Grashalme zu berühren. Sollte er vergessen haben, den Lichtschalter in der Schule abzulecken, dann muß das Spiel wiederholt werden. Daß die Lehrerin die Eltern Davids um ein Gespräch bittet, ist leicht verständlich. Auch seine Schwestern sind für die Lehrer nicht einfach. "Die Mädchen in meiner Familie spielten nicht Puppenhaus mit Puppenherd; sie spielten Puppenbesserungsanstalt mit Puppenberuhigungszelle." Man könnte noch seitenlang aus diesem absolut schrägen Roman zitieren, der mit einer satten Portion Komik das normale Leben eines nicht ganz alltäglichen jungen Mannes erzählt. Der Garant dafür, daß den deutschen Lesern auch wirklich keine der witzigen Formulierungen unterschlagen wird, ist kein geringerer als Harry Rowohlt. Kenner wissen, daß man sich auf ihn bei dieser Arbeit verlassen kann. Er ist ein Meister des richtigen Tons. --Manuela Haselberger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 58 Bewertungen)
Der ganz normale us-amerikanische Wahnsinn in 17 kleinen Häppchen 5 von 5 Punkten Der in einer amerikanischen Familie griechischer Herkunft aufgewachsene David Sedaris erzählt wahrlich skurrile Episoden aus seiner Kindheit. Im Laufe der Geschichten wird aus dem kleinen David ein großer, aber niemals ein erwachsener David. Aber Sedaris macht das nicht auf die herkömmliche selbstverherrlichende Autobiographie-Manier, sondern nimmt alles Mögliche auf den Arm, am meisten sich selbst. Das beginnt mit der Beschreibung seines Ticks als kleiner Junge, der ihn dazu zwang auf den paar hundert Schritten von der Schule bis nach Hause mit der Zungenspitze auf jeden Fall alle Lichtschalter zu berühren (obligatorisch) oder bestimmte andere Punkte, wie den Gartenzwerg in Nachbars Garten (optional). Nicht weniger verschroben ist der Rest der Sedaris-Familie, da sind Davids Schwestern, die nicht "Puppenhaus und Puppenfamilie" spielen, sondern sich auf Puppenpsychotherapie und Puppenrehabilitation spezialisieren. Von ungefähr kommt das mit der Verrückheit der Kinder nicht, die Eltern stehen Ihnen in nichts nach, da ist der golffanatischeVater, der immer alles besser weiß, u.a.:
"'College ist das Beste, was dir je passieren kann', pflegte mein Vater zu sagen, und er hatte Recht, denn dort entdeckte ich die Drogen, das Trinken und das Rauchen."
Nicht alle 17 Geschichten sind auf demselben Niveau, aber der Großteil ist wirklich bei der Lektüre als Zwerchfelltraining geeignet. Aber auch traurige Familienanlässe, wie die Erkrankung der Mutter an Lungenkrebs, vermittelt Sedaris ganz raffiniert: hier schafft er es gerade in der Kurzgeschichte "Asche" die Unzulänglichkeit der Familienmitglieder mit der Krankheit umzugehen, auf humorvolle Art und Weise zu vermitteln.
Hervorzuheben ist die sprachlich wunderbare Übersetzung des "enfant terrible" Harry Rowohlt.
Wer an "Nackt" Gefallen findet, dem sei auch "Ich ein Tag sprechen hübsch" von David Sedaris empfohlen.
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Von allem Anfang an Christoph Hein Taschenbuch, Mai 2004 Verkaufsrang: 12200 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Keinem, auch nicht Lucie, der schönen Klassenbesten, darf der dreizehnjährige Daniel sagen, wohin sein Vater ihn gleich bringen wird: nach Westberlin. Dort soll er das Gymnasium besuchen, weil das zu Hause, in der mitteldeutschen Kleinstadt, nicht möglich ist. Der neue Schuldirektor und der Pfarrer warnen vor Besuchen in der Heimatstadt: »Es sei zu gefährlich, sagten sie, weil ich heimlich nach Westberlin gegangen sei. Ich hatte die Republik verraten und stand auf der Liste.« Mit den Mitteln einer fiktiven Autobiographie erzählt Christoph Hein von einer Jugend in der DDR der fünfziger Jahre. »Was Christoph Hein hier vorgelegt hat, ist ein kleines Wunder an Unbeschwertheit, aber auch ein Kunstprodukt im Stadium der Vollkommenheit. Gelingt es ihm doch, die Wahrnehmungsperspektive eines Dreizehnjährigen in seinem Erwachsenwerden und gleichzeitig noch Kindlichsein so wunderbar in der Schwebe zu halten, daß einem Tränen der Rührung ins Auge schießen, während man gleichzeitig nicht umhinkommt, breit zu grinsen«, schrieb Tilman Krause im Tagesspiegel.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Leben und Liebe lernen 5 von 5 Punkten Christoph Heins Erzählung VON ALLEM ANFANG AN (1997) schildert mit verständlicher Erzählsprache die Kindheit des kleinen Daniels, der die Erwachsenenwelt mit all ihren Nachteilen aus einem naiven Blickwinkel heraus beobachtet.Unter dem Motto - man muss dem Leben von allem Anfang an ins Gesicht sehen - erlebt er erste erotische Abenteuer. Die kleinen Notlügen der Erwachsenen lernt er als Überlebenshilfen im Alltag kennen. Frei nach der Devise: Die Welt will betrogen werden. Wichtigste Erkenntnis des kleinen Daniels ist aber, dass es im Leben nicht immer Gewinner geben kann und man sich im Leben mit dem Zweitschönsten zufrieden geben muss. Wer seine eigene Kindheit und Jugend noch einmal erleben möchte, erlebt sie beim Lesen dieser unterhaltsamen Erzählung - inklusive dem Gefühl, wie es war, als man das erste Mal verliebt war...
Am Anfang die Abschiede... 3 von 5 Punkten Der Junge, von dem in diesem Buch erzählt wird, heißt Daniel; er könnte auch Christoph heißen, denn Parallelen zur Biografie des Autors lassen sich leicht ziehen: Von der Kindheit in einer Kleinstadt wird erzählt, in der Daniel aufwächst, nachdem die Familie aus Polen hierher gezogen ist und von dem Wunsch und der Absicht, nach West-Berlin zu flüchten - das ist Heins Biografie in Reinform. Andere Passagen des Buches sind schwerer zu glauben - vielleicht spielt hier die literarische Freiheit eine größere Rolle; ich traue Hein solch ein gutes Gedächtnis in diesem Ausmaß ehrlich gesagt nicht zu. Alles in allem ist es aber ein interessanter Lesestoff, auch wenn man nicht erfährt, für wen Hein nun eigentlich schreibt: für Kinder in dem nämlichen Alter? Für Erwachsene, Junggebliebene? Ein kindlicher Erzählstil, der bewußt Wissenslücken betont, unsicher wirken kann, steht dem lyrischen Fluß der Erzählung, dem allumspannenden Band, der Dichte und der Weitsichtigkeit konträr gegenüber. Man hat den Eindruck, ein Kind von fünfzig Jahren hat hier die Hände im Spiel. Alles in allem durchaus zu empfehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.) |
Geschichte machen Stephen Fry Broschiert, März 2007 Verkaufsrang: 18323 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Diese Frage treibt den jungen Cambridge-Historiker Michael Young und den Physik-Professor Leo Zuckermann um. Beide träumen davon, den Holocaust ungeschehen zu machen. Auf wunderbare Weise schaffen sie den Zeitsprung nach Braunau ins Jahr 1888. Bleibt der Menschheitsgeschichte ihr finsterstes Kapitel erspart?
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Erstens kommt es anders... 5 von 5 Punkten ... und zweitens als man denkt!
Ich hab "Geschichte machen" vor Jahren mal gelesen und als ich letzthin in der Buchhandlung war, ist es mir "zufällig" wieder ins Auge gefallen und ich MUSSTE es haben. Ich hab den Kauf nicht bereut und auch beim zweiten Lesen war ich wieder gefesselt von Frys genialem Buch. Ich erspare mir, die Geschichte nochmals haarklein durchzukauen, aber einige Gedanken zum Buch seien auch mir erlaubt:
Bis zur eigentlichen Zeitreise nimmt sich Fry die Hälfte des Buches Zeit. Zuerst führt er seine Hauptfiguren ein und das ist in keiner Hinsicht langatmig sondern in höchstem Masse amüsant. Michael kämpft mit seiner Dissertation, mit der Beziehung zu seiner Freundin, macht sich Gedanken über Gott und die Welt ... und brachte mich immer wieder zu amüsiertem Schmunzeln. Und so liest man sich dann auch gut unterhalten durch bis zur Mitte und dann...... kippt das fröhlich-lockere Geschehen und es wird düster-trüb und grausig. Was als gutgemeinter Eingriff in die Vergangenheit gemeint geschehen ist, entpuppt sich als Basis für eine Entwicklung, die dann noch viel schlimmer verläuft als das, was hätte verhindert werden sollen...
Der Gedanke und dann die Tat "Ich ändere etwas Böses in der Vergangenheit um damit Gutes zu bewirken" wird zu einem Bumerang, der dem Protagonisten mit voller Wucht und ungebremst gegen den Kopf knallt, will heissen: Die Veränderung findet statt - aber zum Schlechteren!
Fry ist das Thema "Zeitreise" auf eine Art angegangen, wie sie mir bisher nicht begegnet ist. Er spielt geschickt mit mehreren Zeitebenen, die einmal zusammenlaufen und dann wieder auseinander, aber letztendlich doch alle irgendwie miteinander verwoben sind.
Ich hab schon etliche Bücher mit Thema "Zeitreise" in den Fingern gehabt. "Geschichte machen" ist bestimmt eins der originellsten davon. Intelligent und packend geschrieben, liefert das Buch einige Denkanstösse eingepackt in einer faszinierenden Thematik.
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Im Land der letzten Dinge Paul Auster Taschenbuch, Januar 1992 Verkaufsrang: 27484 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Mit seinen beiden Büchern New York-Trilogie und Im Land der letzten Dinge hat Paul Auster der gegenwärtigen amerikanischen Literatur eine andere Dimension eröffnet ... Austers Bücher wirken überraschend zeitgemäß, weil sie auf eine Erfahrung des Lebens jetzt in diesem Augenblick aus sind und mit einer monomanischen Lust vordringen in einen sonst sorgsam gehüteten Bereich: in unsere eigene Verwirrtheit angesichts der Welt ... Im Roman Im Land der letzten Dinge sind alle Spuren einer vertrauten Wirklichkeit scheinbar getilgt ... Allerdings spielt Paul Auster hier nur mit Science-fiktion- Versatzstücken, denn in seinen Augen bedarf es nur einer kleinen Drehung an der Schraube unserer Zivilisation, um sie in die Apokalypse, in ein neues (altes) Barbarentum umkippen zu lassen. (Süddeutsche Zeitung)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 15 Bewertungen)
Sehr erschreckend-aber megagut 5 von 5 Punkten Was Auster hier darstellt, ist ein Szenario, das mich sofort fesselte. Schon oft sah mit im Fersehen Bilder aus armen Ländern, wo Kinder aus dem Müll sich ein paar Sachen zusammensuchen und man sich als Mensch, der in einer Industrienation lebt fragt, könnte ich so leben? Wäre man da nicht lieber tot? Doch was ist, wenn überall auf der Welt diese Endzeit herrscht. Jeder, dem du begegnest, dein Mörder sein könnte, weil er deine Schuhe will.
Das Leben in einer solchen Zukunft beschreibt Auster so realistisch, dass man manchmal betet, dass uns dieses Schicksal erspart bleibt. In der heutigen Überflussgesellschaft kann man dieses Buch nur empfehlen. Dass diese Welt nicht allzu fern ist, beschreibt T.C. Boyle sehr gut in seinem Buch America.
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Ach Glück Monika Maron Gebundene Ausgabe, Juli 2007 Verkaufsrang: 34932 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Vielleicht fände sie ja in Mexiko ihr Glück, sagt Achim zu seiner Frau Johanna, bevor sie ihre zwölfstündige Flugreise antritt. Ach Glück, so seufzt sie mehr als sie spricht, als sei ihr dieses Wort schon lange entfallen. Szenen einer Ehe, eher undramatisch, fast unterkühlt beschrieben in Monika Marons neuem Roman. Er ist die Fortsetzung von Endmoränen (2002 erschienen). Zu den beiden Hauptdarstellern im neuen Werk gesellt sich noch der Hund Bredow. Er ist nach der Autobahnauffahrt benannt, an der Johanna das Tier angebunden vorfindet; sie rettet ihn, eine innige Beziehung entsteht. Achim und Johanna leben in Berlin, haben den DDR-Sozialismus ganz gut überstanden und sind angekommen in der neuen Gesellschaft. Der Triumph über den Untergang dieses Staates "sei das letzte große Gefühl gewesen, das sie beide miteinander geteilt hätten", sagt Johanna. Sie schreibt Biografien, er forscht über den Dichter Kleist. Fast 30 Jahre sind zu zusammen, haben eine gemeinsame Tochter. Sie arbeiten zu Hause. Die Tage ähneln einander, wiederholen sich, die Begegnungen mit Freunden und Bekannten sind nach vielen Jahren wie Rituale, kaum Neues, nichts Spannendes. Johannes sitzt am Schreibtisch im Arbeitszimmer, vergraben in Manuskripten, umgeben von Büchern. Er sitzt mit dem Rücken zur Welt, wie seine Frau sagt, meint aber, mit dem Rücken zu ihr. Und damit wird ihre Beziehung sehr genau beschrieben. Maron erzählt ruhig, gelassen und sehr präzise. Natürlich vor allem aus der Sicht der Frau, mit ihren Gefühlen, Hoffnungen, dem Ärger über die eheliche Routine. In Bewegung kommt das erstarrte Duo durch die Zuneigung der Frau zu Hund Bredow und vor allem durch die Begegnung mit Igor. Er ist ein Russe, der in Berlin eine Galerie führt. Er vermittelt die Reise nach Mexiko zu einer dort lebenden russischen Aristokratin. Mit der Ankunft Johannas in Mexiko City endet das Buch, und damit beginnen die Fragen des Lesers nach dem Glück, wie es zu finden und festzuhalten ist. Ach Glück ist ein sprachlich klares Buch, ohne stilistische Spielereien und Schnörkel, über den Aufbruch einer Frau Mitte 50, über einen zurückbleibenden ratlosen, nicht unsympathischen Mann, der nicht begreift, was ihm da widerfährt. Doch auch hier bleibt eine Hoffnung; die Hoffnung, dass er zu einem Neuanfang findet. -- Carsten Hansen, Literaturtest
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)
Menschen in der Umbruchphase 5 von 5 Punkten Monika Maron eine der bedeutendsten deutschen Schriftstellerinnen wurde in Berlin geboren. Als sie 1988 wegen zunehmender Entfremdung die DDR verließ, übersiedelte sie für einige Jahre nach Hamburg, heute lebt sie wieder in Berlin. Zu ihren berühmtesten Büchern zählen "Flugasche" und "Stille Zeile Sechs". Vor fünf Jahren erschien ihr vorletzter Roman "Endmoränen", von dem sie nun mit "Ach Glück" die Fortsetzung geschrieben hat.
Die Protagonistin Johanna Mertin ist Mitte fünfzig und wohnt mit ihrem Mann Achim in einer sehr schönen Berliner Wohnung. Mit Achim, einem mit dem Rücken zur Welt sitzenden Germanisten, der über den Dichter Kleist forscht, ist sie seit kapp dreißig Jahren verheiratet. Beide haben den DDR Sozialismus unbeschadet überstanden und sich in der neuen Gesellschaft gut eingelebt. Johanna schreibt historische Biographien oder Vor- und Nachworte dazu. Das Paar hat eine gemeinsame Tochter die erfolgreich studiert hat. Da könnte nun das schlichte Gemüt schnell sagen, Mensch, die Frau hat aber Glück im Leben. Aber ganz im Gegenteil, Hanna hat den Impuls alles über den Haufen zu werfen. Das letzte große Gefühl das die beiden miteinander geteilt haben, war die Freude über den Zusammenbruch der DDR. Seit dieser Zeit ähneln sich die Tage, alles ist bekannte Routine, die Freunde sind die gleichen, die Begegnungen sind immer die gleichen, es gibt kaum etwas Neues. Wenn Johanna an ihrem Schreibtisch hinter den Büchern und Manuskripten sitzt, dann sieht sie vornehmend den Rücken ihres Mannes. Die Arbeit erfüllt sie nicht und die Liebe die sie vielleicht vergeben möchte, dafür hat sie keinen Adressaten und sie hat auch das Gefühl, sie bekommt sie nicht zurück.
Früher, während der DDR Zeit, war das Schreiben von historischen Biographien eine erfüllende Tätigkeit, weil sie immer versucht hat darin geheime Botschaften zu verstecken, also Subtexte, die von denen, die das gelesen haben, dann auch verstanden wurden. Und dieser sie befriedigende Sinn ihrer Arbeit der ist verschwunden, diese Botschaften braucht keiner mehr. Die Tochter ist groß, erwachsen, aus dem Haus, führt ihr eigenes Leben, die braucht sie auch nicht mehr. Das Leben mit Achim ist leidenschaftslos. Sie hat das Gefühl, dass das Leben eine Endlosschleife geworden ist, in der sich ständig alles wie gewohnt abspult. Die eheliche Routine zermürbt sie.
Und so spielen Neuanfänge in diesem Buch eine sehr wichtige Rolle. Der erste Neuanfang passiert, als der kleine, schwarze, zottelige Hund Bredow ins Haus kommt. Johanna hat den ausgesetzten Hund an dem Abfalleimer einer Autobahnabfahrt gefunden, nach deren Namen hat sie ihn benannt. Durch die liebevolle Zuneigung zwischen Frauchen und Hund kommt ungeahnte Bewegung in den ehelichen Alltag. Johanna beobachtet den Hund und entdeckt immer wieder seine kreatürliche, scheinbar grundlose Freude am Leben, seine Fähigkeit zu lieben und Liebe zu empfangen. Und darin genau liegt das Defizit von Johanna, denn der Hund weckt in ihr auf diese Weise Gefühle, die sie lange nicht mehr gekannt hat. Das Verlorene will sie nun wiederhaben, fragt sich ob nicht etwas Fundamentales in ihr ungelebt gelblieben ist und sie kommt zu der Einsicht, dass die ideellen Lebensentwürfe eigentlich sehr viel früher enden als das Leben. Diese These stand auch am Anfang von "Endmoränen". Jetzt sucht Johann nach einer Lösung aus diesem Dilemma, denn die berufliche Vorstellung und die von Liebe und Ehe senken sich irgendwie, wenn es an die Sechzig geht. Man spürt wie etwas zu Ende geht und da sind Neuanfänge nötig die Räume öffnen, ansonsten kommt unweigerlich der "Sinkflug". Es geht schlicht darum, offen zu bleiben, ständig aufs Neue nach Glück streben.
So kommt Bewegung durch die Bekanntschaft mit Igor, einem Russen, der eine Galerie in Berlin betreibt. Über die russische Gräfin Natalia Timofejewna lässt sich Johanna zu etwas überreden, was sie bisher im Leben noch nicht getan hat. Sie folgt einem Lockruf, startet einen Neuanfang, in dem sie kurz entschlossen und völlig überraschend zu einem Flug nach Mexiko startet. Dort sucht sie die Bekanntschaft der schon neunzig jährigen legendären Leonora Carrington, einer surrealistischen Malerin, Dramatikerin und Schriftstellerin. Johanna, ist von dieser ungezähmten, furchtlosen Frau, die wesentlich älter ist als sie, sofort fasziniert. Gleichzeitig ist da auch etwas Utopisches, wenn man als Frau in der besten Phase des Lebens ist und sieht da gibt es eine Frauenfigur, die sehr alt ist und offensichtlich immer noch irgendwie eine Verrücktheit hat und immer noch eine große Vitalität besitzt.
Während Johanna erwartungsvoll, irgendwo in einer Höhe von 10.000 Metern in ihrem Flugzeugsessel angeschnallt sitzt, ihr alle mögliche Dinge durch den Kopf gehen und sie einer fremdartigen fernen Welt und ihren Menschen entgegensieht, läuft, irrt der ratlose, sympathische Achim ziellos durch Berlin, sucht die alten Plätze auf, träumt von gemeinsamen Ritualen , trifft andere Leute mit denen er kommuniziert. Er kann sich einfach nicht erklären, warum Johanna ihn verlassen hat. Ein "hergelaufener" Hund kann doch nicht ihr ganzes Leben in Frage stellen. Schließlich versucht er sich zu beruhigen, sie sei ja nur für zwei Wochen weg. Sein großer innerer Monolog ist eine Schlüsselszene in dem Buch.
Grundsätzlich stehen Männer und Frauen unterschiedlich vor dem Thema Alter und altern. Alter zählt für Frauen immer noch anders als für Männer. Männliche Attraktivität definiert sich nicht allein über "die glatte Haut", sondern auch über beruflichen Erfolg und gesellschaftlichen Status. Johanna hat einmal irgendwo das hässliche Bild des erotischen Abfallhaufens auf die Frauen über fünfzig Jahre angewandt. Insofern sind die Betrachtungsweisen der Geschlechter sehr verschieden. Aus diesem Grund hat die Autorin geschickt eine Konstruktion gewählt, bei der auch neben der Carrington, die Mittlerfigur, die Aristokratin Timofejewna ebenfalls schon neunzig Jahre alt ist. Damit unterstreicht Monika Maron, dass Johanna, wenn sie sich auf Reisen begibt, nicht einen andern Mann sucht, sondern zwei uralten Frauen bei der Suche nach dem, was sie im Leben vermisst, nachreist und nicht nur den Mann mit dem sie scheinbar Probleme hat, austauscht. Fazit: Sie sucht keinen neuen Mann, sondern sie sucht das Neue in sich selbst oder in der Welt.Dieser Umstand hat wesentlich mehr Charme.
Auffällig sind auch sehr viele Mensch Tier Begegnungen, Mensch-Tier Faszinationen, ja fasst auch Verschmelzungen, wobei der Hund Bredow eine wichtige Rolle spielt.
Monika Maron hat also mit "Ach Glück", Johannas und Achims Geschichte aus Endmoränen" weiter erzählt. Das Buch endet mit der Landung von Johanna in Mexiko City. Und damit beginnen dann auch für den Leser die Fragen nach dem Glück, wie es zu finden und wie es zu pflegen ist. Und es bleibt auch die Hoffnung, dass es für Achim einen Neuanfang gibt. Damit ist die Geschichte abgeschlossen und wir werden nicht mehr erfahren, was das Paar Johanna und Achim weiter erleben wird. Es geht eigentlich der Autorin nur darum, einen Raum zu öffnen und etwas zuzulassen, neues Leben einfach zuzulassen, egal wie es ausfällt. Fazit: Wer aufhört nach dem Glück zu streben, wird unglücklich sein.
Monika Maron erzählt die Geschichte der auseinander driftenden Lebensspuren, dieser beiden seit Jahrzehnten vertrauten Menschen, ruhig und gelassen, mit Subtilität und großer Weisheit, in einer einfühlsamen und doch unsentimentalen Sprache. Es gibt Bücher, mit denen man gerne alleine ist. Nach der Lektüre dieses Buches sollte man einen Gesprächspartner haben, denn es enthält Situationen, die zur Debatte reizen und Gedanken die sicher einer näheren Betrachtung wert sind. Es ist ein Buch das an Empfindungen, Verflechtungen und Ebenen so reich ist wie der teuerste Teppich an Knoten.
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Lunar Park Bret Easton Ellis Broschiert, 1. September 2007 Verkaufsrang: 37934 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Das glanzvolle Comeback des Kultautors von "American Psycho" Zunächst fasst Autor und Protagonist Bret Easton Ellis sein bisheriges Leben zusammen: Er erzählt von seinen Romanen, von den Menschen, die in seinem ausschweifenden Leben eine Rolle spielten, von seinem unerträglichen Vater. Doch irgendwann vermischen sich Fiktion und Realität, seltsame Dinge geschehen und aus dem Familienroman wird ein Horrorszenario à la Stephen King.
Dieser Roman beginnt wie eine Autobiografie, zuerst zitiert der Autor die Anfangssätze aller seiner Romane. Dann schaut er übertrieben selbstverliebt auf seine Anfänge zurück, wobei sich hier schon die Wahrheit von der Fiktion kaum mehr unterscheiden lässt. Dann erst beginnt praktisch der Roman. Bret heiratet Jayne und lebt mit dem gemeinsamen Sohn und Jaynes Tochter in der Elsinore Lane (ein den Autor verachtender Golden Retriever mischt auch mit). Was durch das plötzliche Familienleben des Autors oder Protagonisten Bret losgetreten wird, ist skurriler Lesespaß pur. Patrick Bateman (der Protagonist aus American Psycho) beginnt Bret mit unvorhergesehenen Begegnungen zu quälen, eine Mordserie mit Anleitung American Psycho beginnt, eine übertrieben lächerliche Aufarbeitung des Vater-Problems, eine Eheberaterin, die Bret Dr. Fajita nennt, ein Teddy wird zur Bestie (die auch Pferde zerfleischt), Dinnerparties bei den Nachbarn mit Joints, Elternsprechabend, eine verschwundene (noch nicht) Geliebte, nicht besonders helle Polizisten mit den Namen O'Nan und Boyle... Ich glaube, Bret Easton Ellis hatte viel Spaß beim Schreiben von Lunar Park. Sein ironischer Blick ist überall, er macht sich über vieles lustig, was in Amerika heilig ist. Vor allem aber scheut er nicht, sich selbst auch knallhart auf die Schippe zu nehmen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Schon wieder ein genialer Roman von Bret Easton Ellis 5 von 5 Punkten Ich habe mich beim Lesen dieses Buches köstlich amüsiert. Mein Lieblingautor Bret Easton Ellis beweist hiermit mal wieder, was er kann. Keine Sekunde war ich versucht, diesen Roman aus der Hand zu legen. Er ist genial von der ersten bis zur letzten Seite. Wer Ellis' Stil mag, den wird dieses Buch begeistern. Aber ich glaube, dass auch Leute, die bisher nichts von Ellis gelesen haben, hiervon begeistert sein werden.
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Die große Umwendung: Neue Briefe in die chinesische Vergangenheit Herbert Rosendorfer Taschenbuch, Oktober 1999 Verkaufsrang: 80148 Vor fünfzehn Jahren hat Kao-tai mit Hilfe einer Zeitmaschine schon einmal die Welt der Großnasen erforscht. Nun kehrt der Mandarin aus dem 10. Jahrhundert auf der Flucht vor Feinden in das wiedervereinigte Deutschland zurück. Er landet in einer Stadt namens Kö-leng und das mitten im Karneval. Auf der Suche nach seinen alten Freunden erfährt er von der »großen Umwendung«. Es verschlägt ihn in die neuen »Schüssel-Provinzen«, ja er gelangt sogar bis nach New York und in den Vatikan. Seine dramatischen Erlebnisse und verwirrenden Eindrücke hält er auch diesmal für seinen Freund im Reich der Mitte fest. Herbert Rosendorfer, am 19. Februar 1934 in Bozen geboren, ist promovierter Jurist und Professor für bayerische Literatur. Er war Gerichtsassessor in Bayreuth, dann Staatsanwalt und ab 1967 Richter in München, von 1993 bis 1997 in Naumburg/Saale. Seit 1969 zahlreiche Veröffentlichungen, unter denen die Briefe in die chinesische Vergangenheit am bekanntesten geworden sind. Alle seine Bücher sind auch als Taschenbücher bei dtv erschienen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)
Kann mit dem 1. Band nicht mithalten.. 2 von 5 Punkten Dies ist die Fortsetzung von BRIEFE IN DIE CHINESISCHE VERGANGENHEIT - und leider kann es mit dem ersten Teil überhaupt nicht mithalten.
Ich hatte mich so auf die Formulierungskunst des Autors Rosendorfer gefreut - und bin enttäuscht worden.
Auch inhaltlich ist dieses Buch - leider - eher langweilig.
Tip: auf jeden Fall den ersten Band lesen! Und den zweiten nicht!
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Die Geschichte von Herrn Sommer (Fiction, Poetry & Drama) Patrick Süskind Taschenbuch, Oktober 2000 Verkaufsrang: 54096 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Immer war er unterwegs, dieser geheimnisvolle Herr Sommer. Er spazierte bei Wind und Wetter durch die Landschaft und geisterte durch die Tag- und Alpträume eines kleinen Jungen. Eine Geschichte aus der Kindheit, aber keine Kindergeschichte.
Patrick Süskind - Die Geschichte von Herrn Sommer Zu der Zeit, als ich noch auf Bäume kletterte, lebte in unserem Dorf ein Mann mit Namen >Herr Sommer<. Kein Mensch wußte, wie Herr Sommer mit Vornamen hieß, und kein Mensch wußte auch, ob Herr Sommer einem Beruf nachging. Obwohl man über die Sommers und insbesondere über Herrn Sommer so gut wie nichts wußte, kann man doch mit Fug und Recht behaupten, daß es im Umkreis von mindestens...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 35 Bewertungen)
Unbedingt lesenswert 5 von 5 Punkten Patrick Süskind ist in erster Linie durch seinen weltweiten Bestseller "Das Parfum" bekannt geworden. Kaum jemand, der diesen Roman nicht gelesen hat. Manch einer wird vielleicht auch das Ein-Mann-Stück "Der Kontrabaß" gelesen oder gar auf der Bühne gesehen haben - und sich wundern, wie unterschiedlich dessen Stil im Vergleich zu "Das Parfum" ist. Die literarisch wertvollsten Werke Süskinds (u.a. seine Erzählungen "Die Taube" und "Die Geschichte von Herrn Sommer") haben leider nur wenige gelesen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, letztere kurz vorzustellen.
"Die Geschichte von Herrn Sommer" ist eine merkwürdige Geschichte. Sie wird uns erzählt von einem älteren Mann, der sich an Erlebnisse aus seiner Kindheit erinnert. Diese Erinnerungen schlagen Purzelbäume; sie tauchen so schnell und ungeordnet auf, daß sie den Erzähler förmlich überholen. Die ersten drei Seiten kommen ohne Punkt und Komma aus; der Erzähler rennt durch seine Kinderwelt, und rennt und rennt, und rennt, und er rennt genauso schnell wie einst Herr Sommer rannte. Egal, wo sich der Erzähler als kleiner Junge herumtrieb: Stets eilte Herr Sommer auf seinen zwei storrigen Beinen unter Zuhilfenahme seines Stocks, den er wie ein drittes Bein bewegte, vorbei. Niemand, der Herrn Sommer nicht kannte; jedem Kind, ja! jedem Hund war Herr Sommer ein Begriff. Doch: letztlich kannte ihn niemand wirklich. Das Rasen dieses Mannes verwirrte das Kind sehr, hatte es doch selbst alle Zeit der Welt. Nun aber, da der Junge von damals selbst ein Mann etwa im Alter jenes - soviel sei verraten - inzwischen verstorbenen Herrn Sommers ist, rast auch er - und zwar beim Erzählen. Er rast und rast und rast, daß dem Leser schwindlig wird. Und die Erinnerungen sind so komischer Natur, daß sie Lachkrämpfe hervorrufen, und daß die Tränen nur so an den Wangen hinunterlaufen. Und seine Sprache ist so leicht, daß wir die Geschichte ohne eine einzige Unterbrechung bis zum Schluß miterleben wollen.
Der Schluß ist tragisch. Zumindest erscheint er uns so; das Lachen bleibt uns im Halse stecken, und wir wünschen uns, die Geschichte, die wir hautnah miterleben durften, niemals gehört zu haben. Sie macht uns hilflos, sie macht uns verlegen, sie macht uns ohnmächtig. Sie stellt uns vor schwierige Rätsel, deren Lösungen wir nur spekulieren können. Doch wir können dieses Buch nicht erleichtert aus der Hand legen, ohne das Ende verstanden zu haben.
Ich kenne niemanden, der eine plausible Erklärung für die zuletzt geschilderten Erlebnisse nach der ersten Lektüre hatte, und manch einer hat sie auch nach der zehnten noch nicht. Doch es gibt sie. Und kaum daß wir sie erkannt haben, müssen wir die Geschichte von Herrn Sommer hassen und lieben zugleich. Keine andere Geschichte kommt so einfach und beschwingt daher und ist doch so schwer und bedrückend. Patrick Süskind hat mit dieser Erzählung ein ganz großes Stück Literatur geschaffen, und sie sollte - früher oder später - einem Literaturkanon beigefügt werden.
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Am Hang Markus Werner Gebundene Ausgabe, Januar 2007 Verkaufsrang: 17990 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Am Hang zu leben, kann riskant sein. Wie leicht können Dinge ins Rutschen geraten. Diese Erfahrung muss der Scheidungsanwalt Clarin machen, dessen Arbeitswochenende in seinem Tessiner Ferienhaus einen etwas anderen Verlauf nimmt. Ein abendlicher Trunk, ein harmloses Gespräch, mehr hatte dem leutseligen Clarin nicht vorgeschwebt, als er sich dem Fremden auf der Terrasse des Bellavista-Hotels vorstellte. Doch sollte sich bald herausstellen, dass Loos nicht der Partner für den erwartet netten Plausch war. Clarin dämmerte - diesen innerlich Zerrissenen würde er so schnell nicht mehr loswerden! Die Schlinge zieht sich zu. Zusehends redet sich der kultivierte, schwerblütige Loos in Rage, philosophiert hemmungslos und trunken über den erbarmungswürdigen Zustand einer lärmenden und oberflächlichen Welt, die ihm verhasst geworden ist. Vor einem Jahr war im Kurhotel in Cademario drüben am Hang seine über alles geliebte Frau von ihm gegangen. War es Selbstmord? Ein Restleben als Endlosschleife der Verzweiflung. Clarin beginnt, aufzuhorchen. Cademario war auch ihm kein fremder Ort. Schicksalsspuren überschneiden sich. Clarin beginnt zu frösteln. Mehr und mehr zieht es Clarin in den persönlichen Albtraum eines Beschädigten. Rätsel über Rätsel über den Verlust einer Frau werden aufgetürmt. Die kammerspielhafte Enge des Schweizer Talkessels, die immer fiebriger werdenden Zwiegespräche auf der Hotelterrasse, ziehen auch den Leser allmählich in ihren Sog. Vergessen wir das bisweilen unsägliche Dauerlamento des mürrischen Loos, dessen küchenpsychologische Alltagsbetrachtungen sich über die Verrohung des Menschen bis hin zu Hasstiraden auf Handytöne erstrecken - Markus Werner gelingt es dennoch meisterlich, den unheimlichen Spannungsbogen seines Psychodramas aufrecht zu erhalten. Am Ende des Vexierspiels um eine große verlorene Liebe wird auch die Welt des erotischen Leichtfußes Clarin schwer geworden sein. In bestürzender Weise muss er erfahren, wie alles mit allem zusammenhängt. Wie klein die Welt doch war. Eine Zufallsbekanntschaft brachte den Hang endgültig ins Rutschen! -Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 62 Bewertungen)
Wie ein schweizer Marai 5 von 5 Punkten Im Mittelpunkt des Buches steht ein Gespräch über zwei Abende zweier Fremder, ein treuer Ehemann und ein überzeuger Junggeselle, die sich über das Leben, die Liebe und die Treue austauschen. Die Dialoge sind brillant geschrieben, intelligent und humorvoll, diskutieren das Thema kontrovers und schlagen erst zum Schluss der Novelle den Bogen, der beide Männer miteinander verbindet. Es ist das Buch, das Sandor Marai geschrieben hätte, wenn er heute in der Schweiz leben würde.
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Die letzte Welt. Mit einem ovidischen Repertoire Christoph Ransmayr Taschenbuch, April 1991 Verkaufsrang: 13363 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Als Christoph Ransmayrs Roman Die letzte Welt 1988 erschien, wurde er von der Kritik gefeiert wie kaum ein anderer - wegen seiner poetischen, rhythmischen Sprache, wegen seiner stilistischen Eleganz, aber auch wegen seiner bildmächtigen Traum- und Alptraumwelten. In diesem Roman ist die Verbannung des römischen Dichters Ovid durch Kaiser Augusts im Jahre 8 n. Chr. der historisch fixierte Ausgangspunkt einer phantasievollen Fiktion. Der Römer Cotta, sein - durch Ovids Briefe aus...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 24 Bewertungen)
So schön kann deutsche Sprache sein 5 von 5 Punkten Wenn man das Buch liest, erscheint es als Mischung aus Historienroman, Reiseroman, Kriminalroman und spurenhaft auch phantastische Literatur. Aber es ist auch weit mehr. Zugegeben, ich habe einige Jahre gebraucht, um "Die letzte Welt" zu lesen, nach dem ich in einer Literatursendung eine Besprechung von Christoph Ransmayrs Roman gehört und das Buch gekauft hatte. Es ist schwer zu lesen. Nicht wegen der Sprache, denn die ist ausnahmslos schön wie bei einem Gedicht. Sondern weil ich es nicht verstehe, von was Ransmayr schreibt. Vergangenheit (Rom um das Jahr 8 nach Christus) und Gegenwärtiges (die eiserne Stadt) vermischen sich. Cotta, Ovids Freund, sucht den verbannten Dichter Ovid in einer fremden Stadt. Dort trifft er u.a. auf Echo, eine junge schöne Frau, die an einer merkwürdigen Hautkrankheit leidet, d.h. Echos Haut ist sehr empfindlich gegen Sonne, Wind, usw. Echo verschwindet ebenfalls. Wer Ovids Hauptwerk "Metamorphosen" kennt, nach dem auch Cotta sucht, hat beim Verständnis natürlich Vorteile. "Die letzte Welt" ist ein ca. 300 Seiten langes Prosagedicht. Die Interpretation ist schwierig. Ohne sich selbst beim Lesen Anmerkungen zu machen, Auffälliges zu unterstreichen, hat man eigentlich keine Chance, das Buch durchzuarbeiten. Ich selbst mochte in der Schule Gedichte sehr gerne lesen, wegen der schönen Sprache, aber auch wegen der Überschaubarkeit des Gesamttextes, der hier nun sehr umfangreich ist, weswegen ich so lange mit dem Buch zu kämpfen hatte. Nach zehn Jahren bin ich so verblieben: Ich weiß, das Buch ist ein Meisterwerk der deutschen Literatur, es gefällt mir auch, aber es bleibt ein Rätsel, und ich blättere immer wieder darin wie in einem Gedichtband und lese einzelne Passagen, wie z.B. "Nach den langen Wochen der Hitze, in denen nur der Tau die Dürre gemildert hatte, rauschte in einer Septembernachtder erste Herbstregen herab, ein warmer schwerer Regen, den die dünne Krume der Terassenfelder aufsog, bis ihre zerrissene, unfruchtbare Härte gesättigt war und sich in Schlamm verwandelte, der aus den ummauerten Nestern der Gärten und Felder trat und ans Meer hinabkroch." Auch als Deutscher muss man seine eigene Sprache erst mal kennen und beherrschen lernen, besonders in Zeiten der PISA-Studien und Kommunikation per SMS. "Die letzte Welt" ist auch eine Welt der Sprache, und Ransmayr (*1954 in Österreich) hat hier etwas geschaffen, das Bestand haben wird und von dem man sehr viel lernen kann. Auch wenn es um den römischen Dichter Ovid geht, "Die letzte Welt" ist kein Denkmal für die lateinische Sprache, sondern für die deutsche. Lateinische Wörter kommen in dem Buch kaum vor, höchstens dem Lateinischen entliehene Wörter wie Fenster (fenestra), wenn man so will. Fazit: Wer sich von historischen Stoffen nicht abschrecken lässt, Geduld und Interesse beim Lesen nicht leicht verliert, sich an Gedichten und schöner Sprache erfreuen kann, ist hier gut aufgehoben und erhält hier etwas Bleibendes, ein Buch, das man immer wieder gerne aus dem Regal zieht.
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América Tom Coraghessan Boyle Broschiert, November 2006 Verkaufsrang: 14485 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Dumpfe Ressentiments und bohrende Engstirnigkeit - eine zum Brüllen tragikomische Geschichte Zwei Welten, die sich fremder nicht sein könnten: hier América und Cándido, illegale Einwanderer aus Mexiko, dort das Ehepaar Mossbacher - liberale, umwelt- und ernährungsbewußte Angloamerikaner in Los Angeles ... Der Zusammenstoß Cándidos mit Delaney Mossbachers wachsgepflegtem Auto ist ein wortwörtlicher: Cándido, auf dem Weg zur Arbeit, rennt Delaney direkt vor die Haube und wird schwer verletzt. Da die Schuldfrage sich nicht klären läßt und der Mexikaner offenbar kein Englisch kann, drückt Delaney ihm eine 20-Dollar-Note in die Hand ... Delaney sieht seine geschützte Welt zunehmend bedroht: Kojoten dringen in das Grundstück ein und töten die kleinen Hunde, dunkelhäutige, verdächtige Gestalten lungern herum, wo er seine Wanderungen macht. Jenseits der eleganten Villensiedlung, tief unten im Topanga Canyon, hausen Cándido und América wie die Tiere. Sie versuchen ihr Glück auf dem illegalen Sklavenmarkt - verfolgt von der Immigrantenpolizei, vom Hunger, von der Verachtung der Weißen, von der Bösartigkeit der eigenen Landsleute.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)
Bissig und schonungslos - der brutalste Boyle 5 von 5 Punkten Der liberale Mittelständler Delaney Mossbacher fährt in Southern California einen mexikanischen Illegalen an, gibt ihm 20 Dollar und hofft, er verschwünde aus seinem Leben.
So beginnt der politischste Roman des Großmeisters des Zeitgeistes, T. C. Boyle.
Was folgt, ist eine vielschichtige Reise in die Abgründe der Wohlstandsgesellschaft. Anders als die meisten Sozialkritiker schafft es Boyle, diese völlig ohne moralischen Zeigefinger zu beschreiten.
Vielmehr geht es eigentlich nicht primär um den recht offensichtlichen Konflikt "Reiche Amis gegen arme Mexikaner", sondern um den ideellen Abstieg des Protagonisten vom Liberalen zum Reaktionären.
Ein Buch für Menschen mit starken Nerven und soziopsychologischem Interesse.
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Business Class. Neue Geschichten aus der Welt des Managements Martin Suter Taschenbuch, Dezember 2004 Verkaufsrang: 11479 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Martin Suters Business Class spielt in der erweiterten Kampfzone der höheren Führungsetagen und auf dem Weg dorthin. Die Protagonisten zeichnen sich weniger durch Businesskompetenz aus als durch den ausgeprägten Willen, voran zu kommen -- und zwar schneller als der Kollege nebenan. Denn erstens ist in den höheren Chargen Kompetenz sowieso nicht gefragt, denn Kritik wird gnadenlos mit der Beförderung der anderen -- der Feusis, Schiltknechts, Bohnenblusts -- bestraft und zweitens ist die Büromöblierung repräsentativer. Martin Suters Geschichten aus dem Management erscheinen seit acht Jahren als wöchentliche Kolumne in der Weltwoche und stellen auch in Buchform höchsten Lesegenuss dar, denn seine Stoffe kennen kein Verfallsdatum. In der Business Class wird mit harten Bandagen, mit allen Mitteln, zu jeder Zeit und an jedem Ort gekämpft; die Verletzungen reißen tiefe Wunden ins Ego, strapazieren den häuslichen Frieden im Ehebett, lassen den Drink zur Happy Hour schal schmecken und vergiften das sowieso gespannte Klima im Aufzug, der ja bekanntlich nach oben führt. Martin Suters Kolumnensammlung ist nicht nur vergnügliche Lektüre für unbeteiligte und also entspannt schadenfreudige Zuschauer, sondern auch praktischer Ratgeber für untere und mittlere Kader, die doch wissen sollen, dass die Hackordnung so heißt, weil man treten muss -- gegen unten natürlich. Ein Zustand, an den sich wohl auch die ganz grossen Bosse gerne erinnern. Zudem ist Business Class -- und dies fällt erst im Überblick auf -- eine kleine Geschichte der Führungsstile und -moden. Und Suter schafft es mühelos, die nadelgestreiften Karrieretiger sogar noch sympathisch zu gestalten. Martin Suter war Werber, ist Autor zweier erfolgreicher Romane und arbeitet für Film (Drehbuch für Beresina) und Fernsehen. Zur Zeit schreibt er zwei Kolumnen: für NZZ Folio und eben für die Weltwoche. Die hier versammelten Texte sind erstmals in Buchform veröffentlicht. --Martin Walker
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 27 Bewertungen)
DIE Belohnung für den wohlverdienten Feierabend ! ! ! 5 von 5 Punkten Im Umschlag dieses Buches ist ein vielversprechendes Zitat des Handelsblattes abgedruckt, der Urheber dieser zurecht wohlwollenden Zeilen empfiehlt Martin Suters Kolumnen als entspannende "Betthupferl".
Suters Geschichten sind voller Typen, welche sich und ihre "Arbeit" oft maßlos überschätzen - mit beruflichen und privaten Auswirkungen, resultierend aus unternehmerischem Größenwahn, hält der Autor meist bis zu den letzten zwei, drei Sätzen seiner Texte hinterm Berg, er treibt seine Geschichtchen somit sehr gekonnt auf die Spitze, ohne dabei jedoch zu übertreiben!
Wie beschreibt man Suters Schreibstil eigentlich treffend? Um es in der Sprache des Kapitals auszudrücken - der Autor packt manchen "Bullen" bei den Hörnern, er zieht dem ein oder anderen "Bären" das Fell über die Ohren, er springt auf die Rücken zahlreicher sog. "Heuschrecken", blickt somit kleinen und großen Tieren über die Schulter....
Wer sich weiteren Ein- und Überblick über das schriftstellerische Talent Suter verschaffen möchte, sollte zum Roman "Ein perfekter Freund" greifen - das Buch war meine persönliche Leseentdeckung des Sommers 2006 - dort beweist Suter eindrucksvoll, dass er, neben seinen unterhaltsamen Kurzgeschichten aus der "Business-Class", durchaus in der Lage ist einen zusammenhängenden Roman zu inszenieren.
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World's End. Roman Tom Coraghessan Boyle Taschenbuch, 1992 Verkaufsrang: 49809 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Die märchenhafteste Geschichte in World's End (1987) ist die des amerikanischen Pachtbauern Harmanus Van Brunt, der im 17. Jahrhundert eine Familie durch seine Freßsucht ruiniert. Nachdem er jahrelang mit immensen Mengen an Wildbret, Schnecken und Trüffeln gefüttert worden ist und das einstmals fruchtbare Land nahezu kahlgefressen hat, fällt seine Frau Agatha vor Erschöpfung tot "mit dem Gesicht nach vorn in eine Kasserolle mit Kartoffelauflauf". 300 Jahre später wird auch ihr Nachfahre Walter von einem alles vernichtenden Hunger befallen. Und der "Garten Enden" ist hier kein utopisches Schlaraffenland, sondern ein trostloses Shopping-Mall. Poetischer (und unaufdringlicher) kann man Kolonialismus, ökologischen Raubbau und den Ausverkauf des American Dream kaum kritisieren. World's End ist ein skurilles Geschichtspanoptikum, das -- in Anspielung an James Fenimore Coopers Lederstrumpfepos Der letzte Mohikaner (1826) -- vorwiegend die letzten ihres Familiengeschlechts und deren Vorgeschichte vorstellt: Im Grunde nämlich spielt die Story längst im Totenreich, wo sich die Helden und die Ahnen wiedertreffen. Deshalb fährt Walter Van Brunt nach Alaska, ans "fernste, abgefrorenste Ende der Welt", auf der Suche nach dem Vater, der Vergangenheit: Nicht zuletzt eine Reise ans Ende der Zeit also, wo "die Toten aus den Gräbern steigen" und deren Hinterbliebene lebendig begraben sind. So entsteht eine "Grossaufnahme Amerikas am Ende des Jahrhunderts" (Boyle): ein apokalyptischer Totentanz, der sich 300 Jahre historischer Entwicklung mühelos einverleibt. T. C. Boyle ist der schwarzhumorige Prophet des menschlichen Untergangs. "Die einzige Hoffnung ist, das wir irgendwann aussterben", konstatierte er dementsprechend in einem Interview. Für das Jahr 2000 hat der Autor einen neuen Roman angekündigt. Mit World's End jedoch ist das ultimative Endzeitszenario zur Jahrtausendwende schon längst geschrieben. Wer es noch nicht gelesen hat, der sollte es getrost verschlingen. --Thomas Köster
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)
(S)ein Meisterwerk 5 von 5 Punkten Comedy is my made of dealing with tragedy and despair.
Treffender als der Autor selbst kann man keine Überschrift für das mittlerweile zehn Romane und viele Kurzgeschichten umspannende Werk des US-amerikanischen Autors T.C.Boyle finden. Das diese Tragik und Verzweiflung in seinen Geschichten nicht immer nur persönlicher Natur sind sondern häufig auch in und an der amerikanischen Geschichte liegen, mag bei einem studierten Historiker nicht wundern. Doch wie es dem 59jährigen im Staat New York geborenen Boyle gelingt, in seinem Roman Worlds End die fast vollständige Geschichte der USA seit seiner Kolonialisierung in einem äußerst unterhaltsamen Plot zu verpacken, verdient Bewunderung.
Wer bereits Bücher von T.C.Boyle gelesen hat weiß, die Handlung beschränkt sich selten auf nur einen Handlungsstrang sondern besteht zumeist mindestens aus zwei Geschichten, welche auf irgendeine, für den Leser nicht immer sofort zu erkennende Weise, miteinander in Verbindung stehen.
Diese ihm eigene Technik reizt Boyle nun in Worlds End bis an seine Grenzen aus.
Die Lebens- und Leidensgeschichten von rund 60 Figuren überschneiden sich in wechselnden Kapitelblöcken, um die Geschichte der Grafschaft Westchester nördlich von New York im 17. und 20. Jahrhundert zu erzählen und so ein bitterböses Epos über zwei verfeindete Einwandererfamilien und ihr Verhältnis zu den indianischen Ureinwohnern in den vergangenen 300 Jahren zu schaffen.
Die Handlung rankt sich dabei um die jeweiligen Familienoberhäupter der Einwandererfamilien, den Großgrundbesitzern der Van Warts und den verarmten Van Brunts, und den wiederholten Verrat der eigenen Sippe durch die Van Brunts an die Van Warts und den hohen Preis, welchen sie dafür zahlen müssen.
Eine Identifikation mit den Characteren dieser Familien macht das Buch darum auch schwierig.
Da sind die Oberhäupter der Van Brunts, die allzu oft geradezu manisch in ihrem Handeln wirken, der Zusammenprall von dem bekifften, besoffenen und durch chemischen Drogen weitab der Realität befindlichen Walter van Brunt, seinem Motorrad und einer Gedenktafel an seinem Geburtstag ist nur das erste Zeichen eines der Familie innewohnenden unvorstellbaren Fatalismus. Dieser trifft auf die Gegenpartei der Van Warts, deren Wandel von unterdrückenden Großgrundbesitzern zu überzeugten Nationalisten ebenfalls keine Sympathie weckt und deren Nationalismus, im Gegensatz zu Boyles späteren Buch América, auch nicht mit einer solch erdrückenden Zwangsläufigkeit dargestellt ist, die eine Nicht-Identifikation schwierig macht.
Doch darum gibt es ja diese unglaubliche Ansammlung von liebenswerten und liebenswert ausgeschmückten Characteren, welche unterschiedlicher nicht sein können :
Katarinchee van Brunt heiratet im 17. Jahrhundert einen Indianer und erhält so den Volksstamm der Kitchwanken, deren letzter Sohn Jeremy Mohonk im 20.Jahrhundert ein Verhältnis zu Catherine Van Wart unterhält, der Frau des letzten Erben des ersten Großgrundbesitzers, um nur ein Beispiel für die irrwitzigen Handlungsstränge zu geben.
Und genau diese unglaubliche Fülle an Geschichten ist ebenso die herausragendste Eigenschaft des Buches im Vergleich zu anderen politischen Historienromanen dieser Autorengeneration, wie vielleicht auch sein einziges Problem.
Wo der eine oder die eine LeserIn aufgeregt mitleidet, -schmunzelt, -grollt und fühlt ob dieses unglaublichen Reigens der unterschiedlichen Erfahrungen in der amerikanischen Geschichte und der Fähigkeit Boyles, diese so logisch und zwangsläufig aufeinandertreffen zu lassen, mag der eine Leser oder die andere Leserin an die persönlichen Grenzen der Aufnahmefähigkeit stoßen.
Aber das macht nichts.
Ob Geschichte wirklich ein kompliziertes Konstrukt aus durch persönliche Begehrlichkeiten und individuelle Ansichten verschuldeten Begebenheiten ist, bleibt dann vielleicht offen;
nichtsdestotrotz bleibt aber immer noch ein großer Lesegenuss mit Protagonisten, welche der Leser sofort in sein Herz schließt und nach dem Lesen lange nicht vergisst und ganz nebenbei ein lehrreicher Trip durch die Anfänge der amerikanischen Geschichte.
Denn das ist Worlds End auf jeden Fall, doch aufgrund der spannenden Handlung mag dieses erst nach dem Umblättern der letzten Seite auffallen.
Und dort findet der Leser auch endlich das Verzeichnis der wichtigsten handelnden Personen, für dessen Fehlen er den Autor während des Lesens mehrfachst verflucht hat.
Also, wenn Sie dieses Buch ausschließlich bei klarem Verstand und mit dem Wissen um das Verzeichnis der handelnden Personen lesen, ohne dabei das Buch einen Tag lang nicht anzufassen steht einem ganz besonderem Lesevergnügen nichts im Wege. Und dafür lohnt es sich, bei klarem Verstand zu bleiben.
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Ein Kind zur Zeit Ian McEwan Taschenbuch, 1991 Verkaufsrang: 74758 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Eines Tages wird für Stephen und Julie der schlimmste Alptraum aller Eltern Wirklichkeit: ihre dreijährige Tochter verschwindet spurlos. Ein Roman über eine Welt, in der Bettler Lizenzen haben und Eltern darüber aufgeklärt werden, daß Kindsein eine Krankheit ist. Aber auch eine subtile Ergründung von Zeit, Zeitlosigkeit, Veränderung und Alter.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Erschütternd und doch ein wenig versöhnlich 5 von 5 Punkten Es ist schon ein Weilchen her, dass ich Ein Kind der Zeit las. Aber ein unvergessliches Buch, das vom Schlimmsten handelt und die Vorstellungskraft liebender Eltern strapaziert. Von jetzt auf gleich und dann unwiderruflich . . .
Der Trostlosigkeit der Figuren in McEwans Roman lässt sich dann auch nur noch mit selbst auferlegten Abstand folgen.
Als emotionaler, psychologischer Schriftsteller beseelt er den schrecklichen Verlust und das daran Zugrundegehen durch Tiefe der dramatischen Handlung. Plötzlich hereinbrechender Irrsinn wird auch hier als fast-) Normalität mit großer schriftstellerischer Kunstfertigkeit behandelt.
Was McEwan dennoch deutlich von einem Kafka der Neuzeit unterscheidet, ist Hoffnung. Nicht, dass von Künstlichkeit, Konstruktion oder gar einem Happy End die Rede sein könnte.
Aber wenn alles am Tiefpunkt angelangt scheint, finden die Eltern des verschollenen Kindes doch noch Sprache mit- und für einander. Der zu erahnende Trost unter Liebenden ist bei dieser Thematik dann nahezu wohltuend.
Ein erschütterndes und gleichwohl sehr lesenwertes Buch.
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