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Seite 11

Das rote Notizbuch - Paul AusterDas rote Notizbuch
Paul Auster

Taschenbuch, Oktober 2001
     Verkaufsrang: 86367      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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In einem roten Notizbuch hat Paul Auster über viele Jahre Ereignisse aus seinem Leben und dem von Freunden festgehalten; Ereignisse, bei denen der Zufall eine entscheidende Rolle spielte: fünfzehn unglaubliche Erzählungen, allesamt wahr und doch so phantastisch. Beim vorliegenden Band handelt es sich um eine erweiterte Neuausgabe. "Sie können den Auster aufschlagen, wo Sie wollen, und er ist immer interessant. Ein geistreicher Schriftsteller!" (Marcel Reich-Ranicki im Literarischen Quartett)

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)

Kürzeste Kurzgeschichten mit maximal anhaltender Wirkung.      5 von 5 Punkten
Paul Auster beherrscht die spannende Umsetzung von kürzesten Kurzgeschichten. Brooklyn Revue oder Mond über Manhattan sind lang und kurzweilig zugleich, diese Kurzgeschichten arbeiten mit knappsten Mitteln und maximal anhaltender Wirkung. Soeben noch leicht an der Oberfläche lesend taucht man mit einem Satz schwer trudelnd ab in die Tiefen unglaublichster Zufälle und Verstrickungen. Ganz einfache Geschichten aus dem Leben irrwitzig überdreht und doch irgendwie real, es könnte alles so gewesen sein.

Warum muss man ein ganzes Buch schreiben, wenn die Idee(n) besser auf 2-3 Seiten unterzubringen sind? Paul Auster umfasst alle Facetten unseres Alltages, umschreibt sie traumwandlerisch sicher, tiefsitzend liebevoll und wirklich zu Herzen gehend. Dies liegt auch an einem Schreibstil, der nicht aufgesetzt oder gedrechselt daherkommt, sondern klar und verständlich. Das Besondere sind die Schicksale, es scheint mir, dass er allen Menschen, denen er jemals begegnet ist, ein Denkmal setzen will.

Ein tolles Buch, unbedingt zu empfehlen! Es hat nur 78 Seiten, passt also überall mit rein und bietet hervorragendes Lesevergnügen


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Das sterbende Tier - Philip RothDas sterbende Tier
Philip Roth

Taschenbuch, Oktober 2004
     Verkaufsrang: 18562      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Um an sexuelle Beute zu kommen, hat der Icherzähler in Philip Roths schmalem Roman Das sterbende Tier gleich mehrere Tricks. Sein effektivster ist sicher der, seine Studentinnen nach ihrem Examen zu sich nach Hause zu einer Party einzuladen, und am Ende bleibt immer eine da. Dann führt er sie durch die Regale seiner Bücher: ein Pfad, der direkt ins Schlafzimmer leitet. Auch die schöne Exil-Kubanerin Consuela Castillo, die so ganz anders als die anderen Studentinnen ist, geht diesen Weg allen Fleisches bis ins Bett.

Zwei Sätze braucht der Erzählmagier Roth, dann ist er mitten drin in seinem Lieblingsthema, das von den Abhängigkeiten und Verführungen rund um den Campus handelt, und erzählt uns von der außergewöhnlichen Liebe des Professors zu seiner ehemaligen Studentin. Zur Erzählzeit des Romans ist dies alles sechseinhalb Jahre her; aber plötzlich, am Silvesterabend des Jahres 2000, erhält der Professor von Consuela einen Anruf, der ihn mit dem Sterben einer geliebten Person und mit dem Sterben der Liebe und der Freundschaft generell konfrontiert. Eros und Thanatos liegen in Roths großem kleinen Buch wieder einmal eng beieinander.

Es steht zu befürchten, dass Roths Roman von Teilen der Kritik als lüstern-senile Altherrenfantasie verrissen wird -- zu oft ist von großen Brüsten und (perversen?) Praktiken zwischen einem alternden Mann und seiner jungen Freundin die Rede, und die Art und Weise, wie Roth detailliert und voller Erzählfreude diese Passagen zelebriert, wird manchem als anstößig aufstoßen. "Und dennoch war es von Pornographie so weit entfernt, wie es nur sein konnte", heißt es an einer Stelle des Romans, und dieser Satz könnte als Motto auch über dem Bändchen stehen. Mit Das sterbende Tier nämlich ist Roth eine weitere faszinierende, sehr melancholische und überzeugende Bestandsaufnahme über die Liebe, aber auch über das Altern gelungen. Nicht so großartig wie Der menschliche Makel vielleicht, aber besser und schöner und diskreter wohl als die meisten Romane, die zu diesem Thema seit Lolita geschrieben wurden. --Stefan Kellerer

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 38 Bewertungen)

empfehlenswert      4 von 5 Punkten
schönes kleines buch über die liebe, das altern und sterben aus sehr männlicher sichtweise. es ist sehr tiefgründig, philosophisch auch wenn es sich haupsächlich mit sexuellem befaßt. lesenswert!


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Von der Liebe und anderen Dämonen - Gabriel García MárquezVon der Liebe und anderen Dämonen
Gabriel García Márquez

Gebundene Ausgabe, September 2006
     Verkaufsrang: 89012      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Die kolumbianische Hafenstadt Cartagena im ausgehenden 18. Jahrhundert ist Schauplatz dieses Romans. Einst Hauptumschlagsplatz für Sklaven, befindet sie sich jetzt in einer Zeit des Umbruchs; unterschiedliche geistige Strömungen lösen Unruhe aus. Erzählt wird vor allem von der jungen Sierva Maria de Todos los Angeles, der einzigen Tochter eines spanischen Adligen. Sie wächst inmitten der schwarzen Haussklaven auf, deren religiöse Vorstellungen ihr näher sind als der Katholizismus ihrer Vorfahren. Pater Cayetano Delaure, rechte Hand des Bischofs, soll sie zum rechten Glauben führen, entbrennt aber in heißer Liebe zu der gerade erst Zwölfjährigen.Gabriel Garcia Marquez, 1927 in Aracataca, Kolumbien, geboren, arbeitete nach dem Jurastudium zunächst als Journalist. Er hat ein umfangreiches erzählerisches und journalistisches Werk vorgelegt. 1982 erhielt Garcia Marquez den Nobelpreis für Literatur.
Gabriel Garcia Marquez wurde am 6. März 1928 in Aracataca (Kolumbien) geboren, schrieb zunächst Filmdrehbücher, dann Erzählungen, Romane und Reportagen.
1982 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)

Wuchtig-Fesselnder Lesespaß pur      5 von 5 Punkten
Spanien im ausgehenden 18. Jahrhundert: Sierva María de Todos los Angeles, die zwölfjährige Tochter des angesehenen Marqués de Casalduero, wird von einem tollwütigen Hund am Knöchel verletzt. Der Marqués sieht nur noch eine Chance, das Leben seiner Tochter zu retten: Pater Cayetano Delaura soll sie exorzieren. Doch der Pater verliebt sich unsterblich in die Zwölfjährige und das Unglück nimmt endgültig seinen Lauf...

Mit "Von der Liebe und anderen Dämonen" ist Gabriel García Márquez ein ganz großer Wurf gelungen. Der Roman funktioniert auf verschiedenen Ebenen, nämlich sowohl als historischer Roman, der die Zustände eines an korrupten Herrschern und den späten Folgen der Inquisition krankenden Spaniens beleuchtet, als auch als tragische Auslotung unterschiedlichster Spielarten der Liebe. Von Anfang an wird man in den Sog der Geschichte gezogen und wandelt atemlos auf unheimlich komplexen, traumhaft schön geschriebenen Pfaden bis hin zu dem wuchtigen Finale, das man zwar erwartet, das aber dank dem magisch-realistischen Stil doch sehr überzeugt.
"Von der Liebe und anderen Dämonen" ist ein herrliches Buch, das zwar in längst vergangenen Zeiten spielt, dessen Themen (Liebe, Wahnsinn, Eltern-Kind-Beziehung und Vernunft, um nur einige zu nennen) aber auch heute noch von immenser Brisanz sind. Unbedingt lesen.


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Eleanor Rigby - Douglas CouplandEleanor Rigby
Douglas Coupland

Broschiert, Juni 2008
     Verkaufsrang: 38322      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Ob Eleanor Rigby, die Heldin aus dem gleichnamigen Beatlessong, auch stark übergewichtig war, wir wissen es nicht. Gewiss ist nur, dass sie eine verdammt einsame Person war. Derart isoliert, dass Liz Dunn, die Heldin in Douglas Couplands Roman, ihre E-Mail-Adresse wie ein Markenzeichen der Verlorenheit benutzt. Couplands Eleanor Rigby, irgendwo in den Vierzigern, führt in ihrer schmucklosen Wohnung in Vancouver seit Jahren ein freund- und freudloses Leben. Nette Idee, just in dem Moment, als sie ihre Weisheitszähne verliert, gerät ihr eintöniger Alltag ins Taumeln. Jeremy, ein fremder junger Mann, erwacht im Krankenhaus aus seinem Drogenrausch und begehrt sie zu sprechen. Liz Dunn schwant nichts Gutes. Nach dreißig Jahren meldet sich das Ergebnis ihres einzigen erotischen Abenteuers in ihrem Leben zurück!

Der Autor des Kultbuches Generation X und sein Thema: Die postmoderne Welt des schönen Scheins und ihr trübes Spiegelbild, die Verlorenen und Abgehängten, die dieses Leuchten nur von draußen betrachten dürfen. Couplands Entscheidung, Liz mit Galgenhumor und sarkastischer Selbstanalyse auszustatten, bewahrt den Roman einerseits vor grämlich bitterem Lamento, birgt aber auch die Gefahr, den Aspekt der Vereinsamung zu verniedlichen. Jeremy, die Frucht eines Vollsuff-Quickies seiner damals 16-jährigen Mom mit einem unbekannten österreichischen Schüler auf einer Studienfahrt nach Rom, wurde sofort nach seiner Geburt zur Adoption freigegeben. Der charmante und blendend aussehende verlorene Sohn, den Liz nun halb verstört, halb mütterlich gerührt in ihre Arme schließt, erweist sich bald als Mann mit eigenartigen Visionen. Und -- er ist todgeweiht!

In Jeremys rasch fortschreitender Multipler Sklerose bildet Coupland sein sinnstiftendes Anliegen ab. Liz' selbstgerechtes Einsamkeitsdrehbuch muss plötzlich größeren Dingen weichen. In Krankheits-schüben von düsteren Visionen erleuchtet, wird Jeremy zum Lebenselixir für seine Mutter. Dass die Lektüre im Schlussfurioso nicht zur quasireligiösen Erbauungsschrift abrutscht, liegt am ironischen Grundton, den Coupland trotz stark überkonstruierter Ereignisse eisern durchhält. Jenseitiges wird sarkastisch abgefedert. Als Liz gar noch einen Anruf von der österreichischen Polizei erhält, die einen lang gesuchten religiösen Eiferer und Stalker am Wickel hat, schließt sich ein magischer Kreis. Ihr Leben beginnt zu tosen! Und Coupland kriegt noch einmal die Kurve. --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Einsamkeit      5 von 5 Punkten
Ein tolles Buch über die Einsamkeit. Sehr leise und berührend, doch manchmal auch zum Schmunzeln.D. Coupland beschreibt sehr einfühlsam wie ein großes Geheimnis das Leben seiner Protagonistin (landläufig unattraktiv, aber sehr sympathisch) durch das Platzen ihres Geheimnisses auf einmal spannend und lebenswert wird.
Der Mensch ist nicht nur für sich selbst gemacht.

"Aah, look at all the lonely people!"      5 von 5 Punkten


Wie kann eine todtraurige Geschichte so skurril und unterhaltsam sein? Liz Dunn ist einsam und fett. Ihre eMail-Adresse ist bezeichnenderweise Eleanor Rigby, das Sinnbild für Einsamkeit aus dem berühmten Beatles-Song. Schon als Kind war Liz so verloren und allein, dass sie durch den Hintereingang in die Häuser fremder Leute eindrang und dort stundenlang saß, um die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.

Liz denkt viel über Kometen und Meteoriten nach. Und wie ein Komet bricht ihr Sohn Jeremy in ihr Leben ein. Sie hatte ihn als 16jährige zur Adoption freigegeben. Er war das überraschende Produkt einer Klassenfahrt nach Italien. Liz kann noch nicht mal sagen, wer sein Vater ist. Sie kann sich an nichts erinnern. Jeremy erhellt ihren trostlosen Alltag und verglüht nach kurzer Zeit an einer unheilbaren Krankheit. Liz lässt sich auf seine absonderlichen Ideen ein, kriecht mit ihm auf allen Vieren eine Autostraße lang und entdeckt, dass sie wie er rückwärts singen kann. Das Buch wimmelt von witzigen Formulierungen und sonderbaren Einfällen. Allein, wie Liz es schafft, dass ihretwegen der Großflughafen Frankfurt lahmgelegt wird, ist amüsant und gleichzeitig bizarr. Das Ende des Buches kommt etwas überraschend. Der Leser hätte nicht vermutet, dass die dicke und einsame Liz so begütert ist, dass sie all die Jahre schon hätte kurzweilig und vergnügt leben können. Immerhin hat der Komet, der durch ihr Leben gezogen ist, eine glänzende Spur hinterlassen, die alles ändert.

Selten genug fesselt mich ein Buch so, dass ich sauer bin, wenn ich es beende. Glücklicherweise hat Douglas Coupland vorher noch zwei andere Bücher geschrieben, die ich mir sofort besorgt habe: Generation X und Girlfriend in a Coma.



Das Leben ist anderswo - Milan KunderaDas Leben ist anderswo
Milan Kundera

Taschenbuch, Februar 2000
     Verkaufsrang: 25702      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 10,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Jaromil, der junge Mann und Held des Romans, ist ein Dichter. Besser: seine Mutter hat ihn zum Dichter gemacht (was nicht heißt, daß er nicht Talent, Phantasie und Gefühle hätte), und sie ist es auch, die ihn herausfordert und ein Leben lang überallhin begleitet. – Als das Buch 1973 in Frankreich veröffentlicht wurde (in Prag durfte es nicht erscheinen), waren sich die französischen Kritiker über die Bedeutung schnell einig: Es erhielt den ›Prix Médicis‹ als bestes ausländisches Buch. Auf Wunsch des Autors ließ der Hanser Verlag es 1990 neu übersetzen. Ein weiterer großer Roman Milan Kunderas über die Frage, was die menschliche Existenz ausmacht.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Applaus für den Dichter      5 von 5 Punkten
Jaromil ist ein Dichter. Glaubt seine Mutter, seitdem er die ersten Worte spricht. Er selbst glaubt es auch, und vielleicht würde es ihm gelingen - Talent, Phantasie und Sprachgefühl besitzt er - wäre er nicht ein Muttersöhnchen.
Kundera erzählt in diesem Buch die Geschichte von Jaromil, einem jungen Mann, der nicht erwachsen wird. Als Kind sonnt er sich in der uneingeschränkten Bewunderung seiner Mutter, die, selbst schon nicht beziehungsfähig, eine innige Symbiose mit dem Sohn eingeht, den sie als Stück ihrer selbst empfindet. Sie schüttet ihn zu mit ungeteilter Aufmerksamkeit, besitzergreifender Liebe und endloser Bewunderung. Streng bewacht sie ihn und ordnet ihm jedes eigene Interesse unter. Ob sie damit ihre Schuldgefühle kompensiert, denn Jaromil war ein ungewolltes Kind, das sie in die Ehe mit einem ungeliebten Mann zwang, lässt der Autor offen. Im Verlauf von Jaromils Kindheit spielt der Vater keine Rolle, zumal er früh stirbt.
Jaromil wird als Heranwachsender von zweierlei getrieben: Der Suche nach Liebe und der Sucht nach Anerkennung. Liebe bedeutet für ihn jedoch Ausschließlichkeit. Das Objekt seiner Zuwendung und Begierde hat allein für ihn dazusein, hat seine familiären Bande zu zerschneiden und darf, außer für ihn, keinerlei Gedanken oder Gefühle hegen. Dabei treibt ihn seine Eifersucht sogar zum Verrat: Lieber verliert er die Geliebte ganz als dass er ein Quentchen ihres Herzens einem anderen überlässt. Seine Sucht nach Anerkennung und Applaus treibt ihn dazu, sorgfältig diejenigen zu studieren, die anerkannt, beliebt und wortführend sind. Er kopiert deren Sätze, Gesten und Aussagen, um sie publikumswirksam bei passenden Gelegenheiten als eigene Gedanken zu präsentieren. Sobald er hinterfragt wird, widerlegt oder nur geringe Beachtung erfährt, stürzt er in ein Loch aus Verzweiflung. Zwar weist er mehr und mehr die Kontrolle durch seine Mutter zurück, setzt sich selbst aber an deren Stelle und versucht, durch genaue Planung, Vorausdenken und Ausschalten möglicher Zufälle, die Situationen und Ereignisse schon im Vorfeld in den Griff zu bekommen. Der ständige Druck, sich auf dem in gemeinsamer Arbeit mit der Mutter errichteten Sockel zu halten, bestimmt sein Leben.
Jaromil wäre gern ein selbstständiger Denker und Vorreiter neuer umwälzender Ideen, doch auch sein politisches Engagement versickert in Mitläufertum und endet, wenn er nicht umjubelt wird. Das Verhalten seines Protagonisten öffnet Kundera die Pforte zur Kritik an der Politik seines Heimatlandes. Er bewertet nicht, er zeigt nicht mit dem Finger, er prangert nicht an; er lässt nur Jaromil agieren. Was aber reichte, um dem Roman in der ehemaligen Tschechoslowakei nicht veröffentlichen zu dürfen.
Der Autor versteht es glänzend, hinter seinem leicht süffisanten bis satirischen Erzählton die Tragödie des Dichters Jaromil darzustellen, ihn gleichzeitig als angeberischen Egozentrikern und bedauernswertes Opfer zu zeigen, dessen Leben ein Buhlen um die Blicke anderer Menschen ist, der mit dem zu beeindrucken versucht, was nicht aus ihm selbst kommt, und der niemals versucht, unabhängig zu werden und eigene Stärke zu entwickeln.
"Wenn ein Henker tötet, dann ist das mehr oder weniger normal; wenn aber ein Dichter (...) dazu singt, dann gerät unser ganzes Wertesystem, ..., ins Wanken", beschreibt Kundera im Nachwort sein Trauma, aus dem die Idee zu diesem Roman geboren wurde.


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Speaking with the Angel - Speaking with the Angel

Taschenbuch, September 2002
     Verkaufsrang: 12860      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Nick Hornby wäre nicht Nick Hornby, würde er nicht gleich im Vorwort so ganz nebenbei einen Kübel Galle über sein Lieblingshassobjekt Bono von U2 auskippen, nachdem er erfahren hatte, dass der irische Messiasanwärter mit seiner "Jubilee 2000"-Kampagne nichts Geringeres als einen Schuldenerlass für die Dritte Welt erwirken wollte und bei den Industrienationen bereits 100 Milliarden Dollar herausgeschlagen hatte!

100 Milliarden! Neben solch kosmischen Wundertaten nimmt sich Hornbys eigene Spendenaktion für Tree House, ein kleines, aber ambitioniertes Schulprojekt, in dem schwer autistische Kinder (so auch Hornbys Sohn Danny) fachgerechte Betreuung erfahren, wie ein Gang mit der Sammelbüchse aus. Da Tree House keinerlei Subventionen erhält und auch vor Bonos suchendem Helferblick bislang verborgen blieb, hatte Hornby die Idee, einige seiner SchriftstellerfreundInnen kurzerhand zur Feder zu bitten, um vom Verkaufserlös die Schule zu unterstützen. Hornby rief -- und bekam zwölf Kurzgeschichten geliefert, die mit zum Feinsten gehören, was die Insel schriftstellerisch derzeit zu bieten hat.

In schönster, schwärzester und witzigster britischer Manier eröffnet Robert Harris den Reigen mit der Parlamentsrede eines leicht verwirrten Premierministers über seinen ominösen Toilettenfenstersturz. Patrick Marber beschert uns in "Peter Shelley" einen Satz heiße Ohren, indem er uns zu Zeugen der liebevoll-ungelenken Anstrengungen eines Punkpärchens bei der Entjungferung macht. In Hornbys eigenem Beitrag "NippleJesus" verliebt sich ein pflichtvergessener Museumswächter in ein pornografisches Jesusbild und dessen Schöpferin, bis der Eklat da ist.

Short-story-Asse, soweit das Auge reicht: Zadie Smith, derzeit in aller Munde dank ihres Sensationserfolges Zähne zeigen, Irvine Welsh, Helen Fielding, Roddy Doyle, die komplette Oberliga britischer Schreiberlinge überrascht hier als Meister der kleinen literarischen Form. Vergessen Sie Bono, Mr. Hornby. Der garantierte Erfolg Ihrer Kurzgeschichtensammlung dürfte dem Tree-House-Project auch so gewaltig auf die Sprünge helfen. --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)

Nick Hornbys bestes Buch      5 von 5 Punkten
Kaufen Sie dieses Buch. Der Rezensent versichert, weder mit Nick Hornby noch mit seinem deutschen Verlag verwandt zu sein... aber dieses Buch ist ein absolutes "must" für alle, die... - für alle. Schlicht und einfach für alle, die gerne lesen, gerne gelesen haben, oder die vor der Wahl stehen, ein Buch, nur ein einziges, mit auf die einsame Insel zu nehmen. Dieses ist das richtige. Die Geschichten sind überaus gefühlvoll, originell, fantastisch. Besonders hervorzuheben: Dave Eggers' "...und bevor ich ertrank" - die Welt aus der Perspektive eines Hundes; Quintessenz: Die Welt ist so viel schöner, als man sie sich macht. Diese Geschichte, das ganze Buch, ist wie der erste Tag im Frühling: Ein Gefühl des Verliebtseins. Und dann auch noch für einen guten Zweck. Wie sagt die Werbung einer Prollmedienkette? Kaufen - Marsch, Marsch!


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Ehen in Philippsburg - Martin WalserEhen in Philippsburg
Martin Walser

Taschenbuch, Dezember 2000
     Verkaufsrang: 57532      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Deutschland in den 50er Jahren. Miefige Schwarz-Weiß-Welt. Das Wirtschaftswunder ist in vollem Gange, das Gerangel um die Postenverteilung hat eingesetzt, jeder möchte, bitteschön, nach oben. In dieser Tristesse, diesem trostlosen Ambiente, hat Martin Walser seinen ersten Roman angesiedelt. Ehen in Philippsburg (das hier wohl stellvertretend für Stuttgart stehen soll), hat bei seinem Erscheinen 1957 für großes Aufsehen gesorgt, Walser erhielt dafür prompt den Hermann-Hesse-Preis. Der Roman zeigt an einer Folge gescheiterter Ehen exemplarisch den schon wieder beginnenden moralischen Verfall einer Gesellschaft, die sich doch gerade noch im Aufbau befunden hatte.

Hans Beumann, Hauptfigur und roter Faden, der sich durch das ganze Buch zieht, befindet sich nach beendetem Studium auf dem Weg in die Metropole Philippsburg. Sein Ziel ist das größte Verlagshaus am Ort. Beharrlich arbeitet er an seinem Aufstieg, lernt Chefredakteure und Rundfunkintendanten kennen, stößt zur Gesellschaft der Mächtigen und Einflußreichen. Nur der Konvention halber verlobt er sich mit Anne, einer Studienkollegin. Liebe ist dabei nicht im Spiel, seltsam kühl, fast verachtend blickt Beumann auf diese Frau. Geschickt benutzt Walser eine anstehende Abtreibung bei Anne, um im zweiten großen Kapitel den Gynäkologen Benrath und dessen Geliebte einzuführen. Der große Arzt, ein im Wohlstand erstickter Zyniker, der seine Patientinnen nur noch mit Abscheu betrachten kann ("ihre häßlichen Leiber, ihre tierische Dankbarkeit!") -- erneutes Vorgaukeln ehelichen Glückes.

Die Höhenflüge dieser Karrieristen im Nachkriegsdeutschland, im Gegensatz dazu ihre private Unzulänglichkeit und Armseligkeit, dies darzustellen ist Walsers große Stärke. In vier großen, mit einander meisterhaft verwobenen Kapiteln beschreibt er den Weg der im Privaten so kläglich Gescheiterten, die unbeirrt, den gesellschaftlichen Gipfel vor Augen, auf den Abgrund zusteuern -- Opfer der Gefühlskälte und des nüchternen Materialismus dieser vielfach nostalgisch verklärten Zeit, deren Darstellung selbst heute, 40 Jahre nach ihrer Entstehung, nichts von ihrer Eindringlichkeit eingebüßt hat. --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)

Kaputte Ehen in kaputter Welt      4 von 5 Punkten
Übermäßig Spaß gemacht hat mir die Lektüre von Walsers erstem Roman zwar nicht. Der Stil scheint mir umständlich, als kämpfte da noch einer mit den Geistern Thomas Manns, dessen Ironie er zwar aufgreift, dessen Alt-Anklänge er jedoch ausschließen möchte. Dennoch ist das ein großartig konstruiertes Buch, ein Gesellschaftsporträt anhand einiger Ehen, die alle auf ihre Art kaputt sind. Eine Frau bringt sich um, weil sie betrogen wird, eine andere ist mit ihrem Mann nur zusammen, weil er Karriere zu machen verspricht (in einer "christlich-sozial-liberalen Partei"!), eine andere hat sich ihrem fleißig arbeitenden Unternehmergatten entfremdet und macht auf Salonlöwin. Eine Beziehung steht kurz vor der Heirat, die der Hauptfigur Hans Beumann, eines opportunistischen Journalisten, und man kann genau verfolgen, welche Motivationen und liebesfernen Pflichtgefühle zur Ehe führen, und welche unterdrückten Triebe sie irgendwann genau so untergehen lassen werden wie alle anderen. Ein düsteres Buch - und tatsächlich ist in jedem Teil des Buches auch der Tod zu Gast, der den durchaus satirischen Grundton schaurig bricht.


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Fleischeslust - Tom Coraghessan BoyleFleischeslust
Tom Coraghessan Boyle

Taschenbuch, September 2001
     Verkaufsrang: 70048      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Deutsch von Werner Richter
In der Titelstory lernt der in Sachen Fleisch unbedarfte Held eine Veganerin kennen, befreit ihr zuliebe tollkühn Tausende von Truthähnen und muß am Ende zu der Erkenntnis gelangen, daß manchmal nichts über einen saftigen Hamburger geht. Mike Bender, erfolgreicher Immobilienmakler, erfüllt sich seinen Kindheitstraum vom Jagen wilder Tiere auf »Puffs Afrika-Großwildranch«. Als er jedoch Auge in Auge mit dem alten Zirkuslöwen jämmerlich danebenschießt, wird er von schweren Komplexen heimgesucht. Baumeister Willis wird mit zwei elementaren Gewalten konfrontiert: der eruptiven Wut seiner Gefährtin Muriel angesichts des falschen Frühstücksbrotes sowie dem Hurrican Leroy, der ihn auf dem Weg zur Post überrascht ... Die Decke der Zivilisation ist dünn über den Abgründen dieser Geschichten – Geschichten über Exzesse, Mordlust, Sehnsucht und Gier.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)

15 Universen ...      5 von 5 Punkten
Eigentlich mag ich für meine Freizeit keine Kurzgeschichten-Sammlungen. Da ich T.C. Boyle als Autor jedoch schätze, habe ich für "Fleischeslust" eine Ausnahme gemacht - und ich wurde nciht enttäuscht.

In 15 Kurzgeschichten beschreibt der Autor 15 private Universen, in denen den Protagonisten absurdes, unglaubliches und doch nur allzu menschliches widerfährt.

Wenn man die Leser auf diese Art zum Denken kreigt - wieso nicht?

Ein inspirierendes Buch allemal ...

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Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. SZ-Bibliothek Band 1 - Milan KunderaDie unerträgliche Leichtigkeit des Seins. SZ-Bibliothek Band 1
Milan Kundera, Susanna Roth

Gebundene Ausgabe, 27. März 2003
     Verkaufsrang: 20266     

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Prag zur Zeit des Kalten Kriegs. In einem Restaurant begegnen sich der erfolgreiche Chirurg Tomas und die Serviererin Teresa. Zwischen den beiden entwickelt sich eine innige, wilde Liebe, die aber immer wieder unter Tomas' unzähligen Affären mit anderen Frauen leidet. Teresa, der eine Unterscheidung von Sexualität und Liebe fremd ist, trifft seine Untreue tief ins Herz. Dennoch heiraten sie und ziehen nach der gewaltsamen Niederschlagung des Prager Frühlings in die Schweiz. Doch dort lebt bereits die Malerin Sabrina, ebenfalls eine tschechische Emigrantin und eine der Geliebten von Tomas. Schließlich hält es Teresa nicht mehr aus: Sie will zurück in die Tschechoslowakei. Tomas sieht sich vor die Wahl gestellt, entweder die politische Freiheit in der Schweiz zu genießen und dort seine Karriere als Arzt voranzutreiben oder Teresa und damit seiner Liebe zu folgen...
Dieser Roman ist, vielleicht mehr noch als seine anderen, Kunderas Roman von der Liebe: "... die Traurigkeit eines einzigen Traumes von Teresa, die konnte er nicht ertragen. Er stellte sich ihren Tod vor. Sie war tot und hatte Alpträume; da sie aber tot war, konnte er sie nicht wecken. Ja, das ist der Tod: Teresa schläft, hat Alpträume, und er kann sie nicht erwecken.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 28 Bewertungen)

Prag Revisited      5 von 5 Punkten
Es heißt, dass es in einer Beziehung immer einen Teil gibt, der mehr liebt, als der andere. Und derjenige, der mehr liebt, wäre dann auch der schwächere Teil, der vielleicht auch mehr leiden müsse und weniger zu sagen habe. Kundera erzählt uns in diesem Roman, dass es mit der Machtverteilung in den Beziehungen eben nicht ganz so einfach ist. Und so ist es in einer Schlüsselszene die vermeintlich Schwächere in der Beziehung, die über das weitere Schicksal aller Beteiligten entscheidet.

Mitte der Achtziger Jahre war das Buch ein herausragender Erfolg. Viele der Leser haben sich wohl selbst in die Hauptpersonen verliebt, in den untreuen Thomas, seine große Liebe Teresa, seine Geliebte Sabina und deren Freund Franz. Im Buch verfolgt man das Schicksal dieser Personen über etwa eineinhalb Jahrzehnte, über Prag, die Schweiz, das ferne Amerika und die tschechische Provinz. Der Leser erlebt den Prager Frühling und seine Niederschlagung und die Konsequenzen, die Diktatur auf die Seelen der Menschen hat. Am meisten lernt man aber über die Dynamik von Beziehungen, über das Thema Liebe und Verantwortung, und über das Thema Treue. Mit zu den stärksten Texten gehören die Träume von Teresa, die wohl aufgrund des Fehlens dieser Treue entstehen.

Kundera kann nicht anders, als im Buch immer wieder mit seiner Bildung und seiner Lebenserfahrung zu kokettieren. So werden die Geschehnisse der Handlung immer wieder erläutert und anhand von Thesen in Prosaform diskutiert. An einigen Punkten wirkt der Text daher schon etwas veraltet, zumal ja auch die Unterdrückung des Ostblocks im Nachkriegseuropa mittlerweile Geschichte und nicht mehr aktuell ist. Aber das wird dann immer wieder ausgeglichen durch die hervorragend geschriebenen Texte über das äußere und innere Erleben der Protagonisten.

Nie habe ich einen Hund so bewegend sterben sehen, bzw. habe ich von seinem Sterben gelesen, wie in diesem Buch. Und selten habe ich den Abschied eines Mannes von Themen wie Karriere und Berufung so überzeugend beschrieben gesehen. Auch gelungen finde ich die verschachtelte Erzählweise, die die Geschichte nicht chronologisch erzählt, sondern anhand einer Entwicklung hin zum finalen Schicksal der Beteiligten. Denn es geht hier um die Suche nach Lebens- und Beziehungsentwürfen, und diese Suche endet ja nicht mit dem Tod, sondern mit der Phase der Ruhe, die man irgendwann im Laufe des Lebens erreicht, wenn man Glück hat. Leider haben nicht alle Glück in diesem Buch.

Tränen lassen sich beim Lesen nicht immer vermeiden.


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Heile Welt - Walter KempowskiHeile Welt
Walter Kempowski

Taschenbuch, Juli 2000
     Verkaufsrang: 100542      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Anfang der sechziger Jahre tritt ein nicht mehr ganz junger Mann in einem kleinen Heidedorf seine erste Lehrerstelle an. Zunächst glaubt er, dort eine ländliche Idylle vorgefunden zu haben, aber der Schein trügt. Die heile Welt ist alles andere als heil. Kaum einer der Landbewohner - auch nicht der gefürchtete Schulrat - hat eine ganz reine Weste, und der berühmte Maler - ein Naziopfer, wie erzählt wird - ist bei näherer Betrachtung alles andere als ein antifaschistischer Held. Doch all dies wird fein säuberlich unter der Decke gehalten. Der Neuankömmling versucht, sich in dieser Welt zu etablieren. Es ist dies bereits sein dritter Versuch, eine bürgerliche Existenz zu gründen...

Ein kleines Heidedorf in den 60er Jahren: Matthias Jänicke, Lehrer und nicht mehr ganz jung, tritt seine erste Stelle an. Das gemächliche Landleben behagt ihm durchaus, doch die idyllischen Impressionen erweisen sich zunehmend als trügerisch. Schon bald muß er erkennen, daß fast jeder Dorfbewohner etwas zu verbergen hat. Mißgunst und kleine Skandale sind an der Tagesordnung, werden jedoch fein säuberlich unter der Decke gehalten. Der Neuankömmling versucht...


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)

Mein Top-Favorit unter den Kempowski-Romanen!!      5 von 5 Punkten
In "Heile Welt" entführt uns Walter Kempowski (1929-2007) in eine scheinbare Idylle, das irgendwo im Norden Deutschlands gelegene Dorf Klein-Wense, in dem der Protagonist, der Junglehrer Matthias Jänicke, Anno 1961 seine Lehramtsstelle antritt. In der fast im eichendorff'schen Taugenichtston gehaltenen Erzählung verarbeitet der Autor auf ungemein humorvolle, liebenswerte Weise seine eigenen Erfahrungen als Landschullehrer. Auf einer zweiten, tiefgründigeren Ebene entlarvt er jedoch dieses beschauliche Idyll mit kempowski-typischem Lakonismus, ohne es zu zerstören. Für alle Schüler der 1960er und 70er Jahre ein hochkarätiges Lesevergnügen, ein Blick hinter die Kulissen, oder: eine Erinnerung an die eigene Schulzeit ... aus der Sicht des Lehrers präsentiert (so also ist es damals im Lehrerzimmer zugegangen!). Ein Buch, das ich ohne Wenn und Aber empfehle.


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Einfach unwiderstehlich - Bret Easton EllisEinfach unwiderstehlich
Bret Easton Ellis

Broschiert, Januar 2006
     Verkaufsrang: 96819      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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'Das Porträt einer Generation unter Coolheitsdruck' (taz)
Ellis' zweiter Roman, 1987 zwei Jahre nach dem Debüt 'Unter Null' in den USA erschienen, schildert ein paar Wochen im Leben einiger College-Studenten an der US-Ostküste. Es ist, als würde man bei der Lektüre in einen rasant schnell geschnittenen Film hineingeraten, der aus den verschiedenen Blickwinkeln der Figuren von Partys, Drogen & Sex erzählt. Lauren vermisst Victor, der gerade quer durch Europa reist, und tröstet sich - da Tony gerade kein Interesse anmeldet - zwischendurch mit einem Erstsemestler, der Steve heißt, glaubt sie zumindest. Sean, Protagonist von 'Einfach unwiderstehlich' und Bruder von Patrick Bateman, will Lauren, nimmt aber, da die Sache so einfach nicht ist, erstmal mit Susan vorlieb. Und mit Deidre. Und - 'Einfach unwiderstehlich' ist ein Abgesang auf eine Generation von Collegestudenten Mitte der 80er Jahre: keine Vision, nirgends, es sei denn, man begreift den verzweifelten Sex in allen Lagen und Dröhnungsstufen als visionäres Revival von 'Love and Peace'.Bret Easton Ellis, geboren 1964 in Los Angeles, lebt in New York.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 24 Bewertungen)

bukowski läßt grüssen      4 von 5 Punkten
wer den guten alten buk mag ist hier richtig, blos die darsteller sind "jünger", collegeparties, viel kiffe, etliche bettgeschichten und schräge gedankengänge prägen die handlung.
die sprache ist obwohl der angeschnittenen themen nie unter der gürtellinie aber trotzdem undergroundstyle.
einen richtigen hauptdarsteller gibt es nicht, die story ist vorhanden, steht aber sicher nicht im mittelpunkt
für leute die gerne schräges lesen sehr empfehlenswert


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Die portugiesische Reise - Jose SaramagoDie portugiesische Reise
Jose Saramago

Taschenbuch, April 2005
     Verkaufsrang: 35102      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Plötzlich steht der Reisende auf der Grenze zwischen Spanien und Portugal. Der Tank befindet sich noch im Land, aus dem er gekommen ist; der Motor zeigt schon die Richtung an, in die es geht. Der Reisende selbst sitzt auf der Schwelle, und predigt den Fischen, die unter ihm hindurchziehen: "Welche Sprache sprecht ihr, wenn ihr die Unterwassergrenzen kreuzt? Und habt ihr dort unten Pass oder Stempel? Erteilt mir, Fische, eine klare Lektion." So frei wie die Fische im Wasser, weiß der Schriftsteller José Saramago, kann man sich nicht beim Reisen, wohl aber beim Schreiben über das Reisen fühlen.

Saramago ist ein ebensolcher Grenzgänger wie der Reisende seines halbfiktiven Berichts. Der Autor, der 1998 den Nobelpreis für Literatur erhielt, lebt heute auf Lanzarote, und machte sich mit seinem klapprigen Auto für mehrere Monate auf den Weg durch seine alte Heimat Portugal: von Nord nach Süd und Ost nach West. Wie ein Fremder betrat er offenbar das eigene Land, und dieser naive Blick auf die Landschaft, die Menschen und die Kulturgüter, der immer wieder auf- und abschweift, kommt dem Band sehr zugute. So ist Die portugiesische Reise ein autobiografisch angehauchtes Buch geworden, das zwischen Dichtung und Wahrheit, Essay und Roman immer wieder wundervoll changiert -- und nicht zuletzt die innere Landkarte des Dichter-Ichs auszuloten versteht: so abwechslungsreich und weit wie das Land, das er behandelt.

"Das Glück hat viele Gesichter", heißt es im Vorwort des Romans: "Das Reisen ist wahrscheinlich eines davon." Ein anderes könnte sein, auf derart beglückende Art vom Reisen zu lesen. --Thomas Köster

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Erhebend...      5 von 5 Punkten
Über dieses Buch ist von meinen Vorgängern hier schon sehr vieles gesagt worden. Ich finde es ausgesprochen bedauerlich, daß das Buch hierzulande nicht ebenso als liebevoller Bildband erschienen ist, wie in Portugal. Dann sähen die Reaktionen etwas anders aus, denke ich. Mit zahlreichen passenden Fotos (die Saramago teils selbst geschossen hat) erhält der Leser einen viel besseren Einblick, wird mitgenommen, kann ein bißchen nachfühlen, ist mit dabei. So bleibt nur das geschrieben Wort, aus dem natürlich trotzdem zur Genüge die Menschenliebe, der Humor, die Großmütigkeit, die Vernunft, die Ironie Saramagos spürbar ist. Mancher erwartet mehr (siehe vorherige Rezensionen).
Das Buch heißt im Original "Reise nach Portugal", nicht "Reise durch Portugal". Saramago bereist das Land nicht, er versucht es zu finden. Dies ist nichts anderes als ein ganz individueller Bericht einer persönlichen Reise, vollkommen subjektiv. Der Leser mag mitreisen, wenn er mag. Er wird Portugal (und in gewisser Weise Menschen und Länder allgemein) auf eine sehr menschliche, unbeschwerte und persönliche Weise kennen lernen. Nicht wie mit einem Reiseleiter, sondern wie mit einem portugiesischen Freund bekommt man hier einen sehr subjektiven, aber dafür ungeheuer tiefgehenden Einblick. Es mag auch ganz andere Einblicke geben, ganz andere Arten, Portugal kennen zu lernen. Saramago bietet seine ganz persönliche in diesem Buch an. Nicht mehr und nicht weniger. Ich persönlich halte dies für eine denkbar gute Art, dieses unbekannte kleine, arme, reiche Land kennen zu lernen. Wer es lauter, stolzer, glänzender, extrovertierter mag, der fährt wahrscheinlich ohnehin ins viel besser vermarktete Spanien. Bei uns wird das positiv belegte Spanien nie als Vielvölkerstaat wahrgenommen (ebensowenig seine Probleme mit allen Nachbarn, von Frankreich bis Marokko, von Gibralter ganz zu schweigen). Dafür ist das Bild des kleineren Nachbarn Portugal eher negativ belegt, wenn überhaupt irgendwie "belegt"... klein, arm, unbedeutend, unbekannt. Und wer irgendwie zufällig doch Interesse an Portugal abseits der Postkartenmotive findet, für den ist dieses Buch Saramagos eine gute Möglichkeit, etwas mehr über das Wesen UND die Landschaft Portugals kennen zu lernen. Weitergehende Eindrücke gibt es in jedem Reiseführer, oder persönlich vor Ort. Oder bei Pessoa, Lobo Antunes, Lidia Jorge, Castelo Branco etc.
Unbedint erwähnen muß man aber, daß dieses Buch bereits älter ist (schon 1998 gab es eine 17.Auflage des aufwendigen Bildbandes!), und Portugal seither eine stete veränderung durchmacht, immer mehr seiner Eigenarten einbüßt. McDonalds, Lidl, Werbung auf jeder Anhöhe, immer weniger regionale Produkte, die auch bei uns bekannten gesellschaftlichen Veränderungen (Verstädterung, Individualisierung, Kommerzialisierung, Überalterung, etc), alles dies sieht Saramago auf dieser Reise bereits, aber nur als Ahnung, noch nicht als Beschreibung des heutigen Zustands, der immer weiter die großen Städte und Küstengebiete verläßt und sich über das gesamte Land ausbreiten will. Die EU will schließlich irgendwann die "Vereinigten Staaten von Europa" werden. Um so mehr ist dieses Buch ein Genuß und ein Dokument.


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Willkommen in Wellville - Tom Coraghessan BoyleWillkommen in Wellville
Tom Coraghessan Boyle

Taschenbuch, November 1994
     Verkaufsrang: 49502      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 12,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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T.C. Boyles satirischer Roman spielt im Jahre 1907 und führt in das luxuriöse Sanatorium von John Harvey Kellog, dem Erfinder der Corn-flakes, der Erdnußbutter und vieler weiterer "unbedenklicher" Nahrungsmittel. Die gesundheitsbewußte, reformfreudige Oberschicht Amerikas wallfahrtet zu ihm. Ihr Traum vom ewigen Leben läßt sie unvorstellbare Mühen und Entbehrungen auf sich nehmen.T.C. Boyle wurde 1948 in Peekskill, New York, geboren. Er war Lehrer an der dortigen High-School und publizierte während dieser Zeit seine ersten Kurzgeschichten. Heute lebt er in Kalifornien und unterrichtet an der University of Southern California in Los Angeles Creative Writing. Sein 1987 erschienener Roman World's End brachte ihm höchstes Lob der Kritik. Noch im selben Jahr erhielt Boyle den PEN/Faulkner-Preis.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)

Großartige Satire      4 von 5 Punkten
Dr. John Harvey Kellog erfand neben den Cornflakes noch zahlreiche weitere, "unbedenkliche" Lebensmittel und errichtete mit seinem Sanatorium das Mekka für die gesundheitsfanatische Oberschicht Amerikas. In dem Sanatorium führen die, durch Sex, Fleisch, Alkohol und anderen Lastern selbstvergifteten, Gesundheitsjünger ein entbehrungsreiches Leben, nach den Regeln Dr. Kellogs.

[...]

Autointoxikation ist Dr. Kellogs Pauschaldiagnose für alle "selbstvergifteten" Menschen und von dieser schweren Erkrankung kann man sich nur durch Protein-Nuss-Diäten, Magen-Darm-Milch-Spülungen, Stromtherapien oder anderen gesundheitsfördernden Maßnahmen nach Dr. Kellog erlösen. Mit wahnwitzigen, wissenschaftlichen Demonstrationen, seinem Allwissen und seiner eisernen Führung hält Dr. Kellog sein Gesundheitsimperium zusammen und seine Jünger "bei der Stange".

[...]

Die bitterböse, sarkastische Satire hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, das liegt vorallem an Boyles flüssigen und humorvollen Schreibstil, als auch an den brilliant gezeichneten Charaktern, voller menschlicher Stärken und Schwächen. Obwohl das Buch anfang des letzten Jahrhunderts spielt, besitzt es noch immer eine uneingeschränkte Aktualität.

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Das Licht ist wie das Wasser: Geschichten von der Liebe und anderen Dingen - Gabriel Garcia MarquezDas Licht ist wie das Wasser: Geschichten von der Liebe und anderen Dingen
Gabriel Garcia Marquez

Gebundene Ausgabe, Oktober 2006
     Verkaufsrang: 26812      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 12,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Die Erzählungen und Geschichten des Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez entführen in andere Welten und Zeiten, sie sind phantastisch und faszinierend. Eine Prosa, die auch schon Jugendliche verzaubern und nicht mehr loslassen wird: über Wunder und Alltägliches, über leidenschaftliche Liebe und unerbittlichen Hass, über Treue und Verrat. Die sorgsam ausgewählten Geschichten sind für junge Leser ein idealer Einstieg in das literarische Werk von Gabriel García Márquez und machen Lust auf mehr.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Wunderschöne Sammlung!      5 von 5 Punkten
Das Licht ist wie das Wasser. Geschichten von der Liebe und anderen Dingen vereint Geschichten von Gabriel Garcia Marquez aus den Jahren 1962 bis 1992. Drei Jahrzehnte dieses großen Autoren, angerissen und komprimiert in elf Kurzgeschichten.

An einem dieser Tage
Don Aurelio Eccobar ist Zahnarzt ohne Diplom. Eigentlich wollte er in Ruhe ein Gebiss fertig stellen und polieren, doch der Bürgermeister will ihn sprechen. Escobar lässt sich verleugnen, doch der Mann gibt nicht auf. Seit fünf Tagen hat er fürchterliche Schmerzen und nun ist seine Verzweiflung größer als seine Angst. Der Zahn muss raus.

Ein Tag nach dem Samstag
Pater Antonio Isabel hat dreimal den Teufel gesehen. Die Dorfbewohner halten den Neunzigjährigen für verrückt und kommen kaum mehr zu seiner Predigt. Doch als immer mehr tote Vögel vom Himmel fallen und der alte Mann vom ewigen Juden spricht, wendet sich das Blatt.

Künstliche Rosen
Mina gibt vor, ihre nassen Ärmel wären Schuld. Sie geht nicht zur Messe. Doch eine Blinde gibt ihr zu verstehen, dass die eigentliche Ursache ein Mann sei, den Mina trifft. Die Alte scheint hellsehen zu können. Nichts entgeht ihr, über alles scheint sie genauestens informiert zu sein. Die Alte lächelt - wer blind ist, ist nicht taub und schon gar nicht dumm.

Das Leichenbegängnis der großen Mama
Die große Mama ist tot. Alle kommen zu ihrem Begräbnis. Ihr, der wahren Herrscherin des Landes, der dank ihrer langen Ahnenreihe naturgemäß Herrschenden und Allmächtigen, erweisen sogar der Präsident, obwohl er sie einen Tag vorher noch nicht mal ihren Namen kannte, ja sogar der Pabst die letzte Ehre.

Dienstagnachmittag
Eine Frau und ein kleines Mädchen sind allein in ihrem Zugabteil. Ernst aber gefasst warten sie. An der Station steigen sie aus und überqueren in der sengenden Hitze den großen Platz. Das Dorf ist wie ausgestorben. Niemand scheint wach zu sein. Die Frau geht zur Kirche, klopft und begehrt Einlass. Sie lässt sich nicht abweisen und verlangt den Pfarrer zu sprechen. Sie will zu einem Grab. Zum Grab des vor einer Woche ermordeten Diebes, ihrem Sohn.

Baltazars wundervoller Nachmittag
Der arme Baltazar hat zwei Wochen für den Vogelkäfig gebraucht. Er weigert sich, ihn dem Arzt zu verkaufen, denn Pablo hat ihn bestellt. Er eilt zu ihm, um den Käfig, den alle bewundern, zu übergeben. Doch dessen Vater weigert sich, ihn anzunehmen.

Ein sehr alter Herr mit riesengroßen Flügeln
Das Leben von Pelayo und Elisenda ändert sich schlagartig, als sie eines Morgens einen Greis unweit ihrer Hütte finden, der Flügel hat. Der gefallene Engel wird eingesperrt und bald schon können sie das Geld nicht mehr zählen, dass sie als Eintritt von denen verlangen, die den Engel zu sehen trachten.

Die letzte Reise des Gespensterschiffs
Jeden März jeden Jahres sieht er den gewaltigen Dampfer am Dorf vorübergleiten. Gespenstisch erscheinend und verschwindend im Licht des Leuchtturms. Riesenhaft, höher als der Kirchturm, um ein Vielfaches länger als das ganze Dorf, lautlos im Dunkel verschwindend ...

Maria dos Prazeres
Eine alte Hure hat einen Traum und deutet ihn als ihren bevorstehenden Tod. Sie kauft sich ein Grab, bringt ihrem Hund bei, dieses Grab allein zu finden, um sie des Sonntags zu besuchen, und macht sich darauf gefasst, zu sterben. Als sie Ihn trifft, ist sie sicher, ihre Zeit sei gekommen. Doch plötzlich wird sie gewahr, dass sie ihren Traum falsch gedeutet hat, dass sie auf Ihn gewartet hat, nicht auf den Tod.

Der glückliche Sommer der Frau Forbes
Die Kinder sind sich sicher, dass Frau Forbes verrückt ist. Warum ist sie so hart, so unnachgiebig und so streng, wenn sie jede Nacht, wenn sie die Kinder schlafend wähnt, in ihrem Nachthemd Kuchen verspeist, Wein trinkt und lachend Gedichte rezitiert? Sie beschließen den Tod der Lehrerin.

Das Licht ist wie das Wasser
Die Jungen wünschen sich ein Kanu. Mitten in der Stadt, im fünften Stock. Ihr Vater gibt nach und die Jungen schaffen das Boot durch das Treppenhaus bis ins Dienstbotenzimmer. Die Eltern ahnen nicht, dass ihre Söhne an jedem Kinoabend eine Birne zerschlagen und Licht in das Wohnzimmer strömen lassen. Drei Handbreit hoch lassen sie das Licht in die Wohnung fließen und fahren den ganzen Abend mit ihrem Kanu durch das Zimmer.

Der Literaturnobelpreisträger Gabriel Garcia Marquez ist einer der bekanntesten Autoren Südamerikas. Der Kolumbianer beweist seit über fünf Jahrzehnten, dass anspruchsvolle Literatur unterhaltsam und auch im Massenmarkt erfolgreich sein kann. Wie in einem orientalischen Märchen verwebt Marquez in seinen Geschichten Wirklichkeit mit Fiktion, Glück mit Tragik, Albernes mit Ernsthaftem.
Seine Erzählungen sind ein überbordender Quell von Ideen, sein Einfallsreichtum ist beeindruckend. Markantestes Merkmal seiner Geschichten ist deren Unvorhersehbarkeit. Der Leser wird in die Geschichte hineingesogen und erlebt, dank der plastischen, oft sehr direkten Schilderungen des Autors, unmittelbar das Geschehende. Er wird Teil der Geschichten, auch ihm scheint der Schweiß auf der Stirn zu stehen oder ein Schauder über den Rücken zu laufen. Die unvermuteten Wendungen und Ereignisse der Geschichte faszinieren und lassen nicht los. Erst auf den letzten Zeilen erschließt sich die Geschichte, deren Moral oder Aussage, deren Ziel oder die Ausweglosigkeit der Menschen. Mit leichter Hand, ohne zu verurteilen, ohne Pathos oder Klischees, lässt Marquez die einfachen Leute, die Armen, die Verlorenen zu Wort kommen, gibt ihnen ein Gesicht und eine Stimme.
Seine Moralität und Integrität beweist er durch die Handlungen seiner Figuren, durch die Menschlichkeit seiner Handelnden. Immer aber ist er auch politisch. Er prangert an, er schreit das Unrecht hinaus, er leidet mit seinen Verlierern. Nicht vordergründig, nicht marktschreierisch, nicht als Pamphlet, sondern einzig durch die Zwangsläufigkeit, durch das Schicksalhafte der Geschichten und der Geschehnisse.
Oft ist es nur ein einziger Satz, der aus einer einfachen, schlichten, wenig interessanten Geschichte ein Juwel, ein Kunstwerk macht. Ein Beispiel hierfür ist die sehr kurze, ereignislose und vordergründig nichtssagende Geschichte des Arztes in An einem dieser Tage. Ein einziger Satz des Arztes macht aus diesem winzigen Ausschnitt eine Anklage, ein politisches Fanal.
In Dienstagnachmittag ist es sogar nur die Stille, etwas nicht Ausgesprochenes, das diese Geschichte so faszinierend werden lässt. Ähnlich geht Marquez in Künstliche Rosen oder Maria dos Prazeres vor. Das nicht Gesagte, das Verschwiegene macht den Kern dieser Geschichten aus.
Ganz anders sind die grotesken, die fantastischen, die absurden Geschichten. Sie sind voller Humor, verschmitztem Augenzwinkern und poetischer Melancholie. Bestes Beispiel ist die letzte Geschichte. Sie ist wundervoll und seltsam, zart und traumhaft schön. Aber auch absurd und unverständlich.

Die jeder Geschichte vorangestellten Zeichnungen von Joachim Knappe sind leider nichtssagend und stehen seltsam isoliert. Sie illustrieren nicht die Kurzgeschichte, sondern überzeichnen einen Aspekt oder karikieren sogar die Geschehnisse. Sie erreichen nicht die Qualität oder Prägnanz der Texte, wirken beliebig und sind schlicht überflüssig.
Sehr gelungen ist hingegen das Umschlagbild von Knappe, das die wundervolle Geschichte Das Licht ist wie das Wasser illustriert.

Diese elf Geschichten sind allesamt kleine Meisterwerke. Keine ist mit einer anderen vergleichbar, jede ist für sich brillant ersonnen und erzählt. Dieser Sammelband ist ein einziger Genuss.


Die vierte Hand - John IrvingDie vierte Hand
John Irving

Taschenbuch, 31. Mai 2003
     Verkaufsrang: 84154      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 11,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Millionen Menschen an den Bildschirmen wurden Zeugen, wie dem smarten Nachrichtenmann und Frauenschwarm Patrick Wallingford während einer Live-Reportage über eine verunglückte Trapezkünstlerin in einem indischen Zirkus die Hand von einem Löwen abgebissen und verspeist wurde. Die fehlende linke Hand des Löwenmanns, wie alle Welt Wallingford fortan nannte, sollte das Leben einiger Menschen drastisch verändern!

Mit dieser zarten Reminiszenz an seinen Roman Zirkuskind, meldet sich John Irving, pünktlich zu seinem 60. Geburtstag und nach leichter Talfahrt seiner letzten beiden Romane, mit einer bizarren, hoch erotischen Liebesgroteske voll skurriler, wunderbar gezeichneter Charaktere zurück, die Irving aus seiner schier unerschöpflichen Personalkartei wie aus einem Hut zaubert.

Fünf Jahre später sieht Dr. Zajac, der geniale Chirurg und Sonderling (mit einer Zwangsfixierung auf das Einsammeln von Hundekot) seine Chance gekommen, Amerikas erster Handtransplanteur zu werden. Die mysteriöse Doris Clausen vermacht Wallingford die Hand ihres kürzlich verstorbenen Gatten. Zwei schicksalhafte Bedingungen sind für Patrick an dieses Himmelsgeschenk geknüpft: Die kinderlose Witwe fordert ein Besuchsrecht an der Hand ihres dahingeschiedenen Gatten sowie ein Kind von Patrick, wofür sie diesen ohne Umschweife gleich in Dr. Zajacs Praxis in die Pflicht nimmt.

Wallingfords Handstumpf wird zur Metapher für einen fürchterlichen Verlust, der zum eigentlichen Lebenssinn führt. Einem Stigmatisierten gleich, zieht Patrick enttäuschte Frauen an, die gleichsam durch ihn den eigenen Phantomschmerz erleben -- selbst in Mary, der Chefin seines Senders, einer toughen aber frustrierten Karrierefrau, beginnt sich längst abgestorben Geglaubtes zu regen.

Wallingford jedoch erfährt seine persönliche Erlösung von der Hohlheit und erotischen Haltlosigkeit seines bisherigen Lebens nur noch durch die unerreichbare und geheimnisvolle Doris Clausen und seinen kleinen Sohn Otto. Mrs. Clausen jedoch stellt Wallingford vor einige harte Prüfungen, bevor sie das Geheimnis seiner vierten Hand lüftet. Vordergründig eine Farce, vermittelt Irvings zehntes Werk tiefe Einsichten in die wahren Werte des Lebens und ist im wahrsten Sinne -- man gestatte das Wort -- herzerwärmend. --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 72 Bewertungen)

Schräg und selbstironisch      5 von 5 Punkten
Wieder einmal hat John Irving sich als Meister der Fabulierkunst erwiesen. Die Geschichte dieser bizarren Hand gegen Kind-Tausch-Aktion liest sich wie alle Romane von John Irving wunderbar. Verglichen mit vielen anderen Romane hätte das Buch immer noch sechs Sterne verdient, im Vergleich zu Irvings besseren Romanen aber fällt die um einen Stern ab.


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Ich ein Tag sprechen hübsch - David SedarisIch ein Tag sprechen hübsch
David Sedaris

Broschiert, Juni 2005
     Verkaufsrang: 47034      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Was bringen Seminare für Kreatives Schreiben? Eigentlich nichts -- so dachte man. Nun aber lehrt uns ein neuer Erzählband von David Sedaris, dass Seminare für Kreatives Schreiben uns Lesern zumindest etwas bringen: Die Geschichte Die Lernkurve nämlich, in der ein "Mr. Sedaris" von seinen Erfahrungen als Dozent eben eines solchen Kurses berichtet. "Aufgrund eines schrecklichen Mißverständnisses" der Universitätsverwaltung plötzlich an eine Horde Schreibhungriger geraten, bringt der ehemalige Kunststudent ihnen (und uns) in entlarvendem Dilettantismus bei, dass Seminare für Kreatives Schreiben eigentlich gar nichts bringen -- außer, wenn man darüber derart komisch wie Sedaris schreibt.

Wie Nackt oder Fuselfieber, so enthält auch Ich ein Tag sprechen hübsch zahlreiche weitere skurrile Fallbeispiele aus Sedaris' Vergangenheit, darunter solche über katastrophische Sprachtherapien und erste Akterfahrungen -- oder jene ebenfalls (angeblich?) autobiografische Erzählung vom jazzfanatischen Vater und seinem aberwitzigen Plan, das "Zwergentalent" seiner Familie zu Dave-Brubeck-Qualitäten aufzublasen. Und dann gibt es da noch die herrliche Titelgeschichte über die verzweifelten Versuche eines Amerikaners in Paris, der im Alter von 41 Jahren wieder die Schulbank drückt und sich mit der Landessprache sowie den grausamen Erziehungsmethoden seiner Lehrerin herumschlagen muss: Ich ein Tag sprechen hübsch. Da darf man unumwunden sagen, dass dieser Tag für Mr. Sedaris längst gekommen ist. Denn hübsch schreiben, das hat er wieder einmal bewiesen, kann er allemal.

"Für wen... verdammte Scheiße noch mal... halten Sie sich?", fragt eine vom Unterricht entsetzte Studentin ihren Lehrer für Kreatives Schreiben im Buch. Und man möchte ihr antworten, wofür man ihn selber hält: für einen der witzigsten Autoren der amerikanischen Gegenwartsliteratur. --Thomas Köster

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 25 Bewertungen)

Gibt}s was Besseres in der Kategorie Satire??      5 von 5 Punkten
Ich finde nicht. Und falls doch, bin ich für jede Nachricht dankbar.
Sedaris rettet einen auch dann noch, wenn man glaubt, man könne echt nichts mehr ertragen. Es ist der Blickwinkel, der die Situation bestimmt. Selbst das demütigenste Erlebnis, das groteskeste Zusammentreffen kann - wenn man den anekdotischen Wert erkennen kann - sinnvoll sein. Das mag zwar nicht jedem gefallen - muss es ja auch nicht!
Ich find}s super!


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Alle Seelen. SZ-Bibliothek Band 83 - Javier MaríasAlle Seelen. SZ-Bibliothek Band 83
Javier Marías

Gebundene Ausgabe, 10. November 2007
     Verkaufsrang: 31843      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 5,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Bevor er fuhr, hatte man ihn gewarnt, daß in Oxford das einzig Wichtige die erotischen Phantasien seien. Da kommt also ein junger Spanier als Gastdozent nach Oxford, ins Paradies der Solisten, und macht die Erfahrung, wie einsam man sich in einer geschlossenen Gesellschaft fühlen kann. Um emotional nicht zu verhungern, beginnt er eine Affäre mit der verheirateten Dozentin Clare, in deren Blicken er bei einem grotesken Dinner seine eigene Kindheit wiederfindet. Doch erst in ihrer letzten gemeinsamen Nacht enthüllt sie ihr Geheimnis Javier Marías' Campus-Roman ist eine absurde Komödie; der Protagonist: Oxford selbst. »Im Beschreiben des Begehrens und der Erwartung ist Javier Marías Meister.« (Verena Auffermann in der "Süddeutschen Zeitung").

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)

Unablässig denken      5 von 5 Punkten
Marías, Javier, Alle Seelen, 1989 (SZ-Bibliothek 2007)

Javier Marías nimmt Ereignisse aus seinem eigenen Leben als Material für sein Buch. Wie auch ein Blick in Wikipedia zeigt, ging er in den 80ern als Dozent für Spanisch nach Oxford und unterrichtete dort eine Zeitlang, bis er nach Madrid zurückkehrte. Dort schrieb er dann dieses Buch, weil er "andernfalls am Ende alles auslöschen würde. Auch die Toten, die die Hälfte unseres Lebens sind und gemeinsam mit den Lebenden das Leben ausmachen, wobei sich jedoch nicht leicht bestimmen lässt, was die einen von den anderen trennt und unterscheidet.."(63). Damit erklärt sich auch der Titel: eine Vergegenwärtigung aller Seelen, die sein Leben in der Zeit in Oxford beschäftigten und bildeten, oder, wie er immer wieder sagt, die seine "Verstörung" in Oxford begleiteten, "in dieser statischen und in Sirup konservierten Stadt" (106).
Diese Verstörung ergab sich offensichtlich aus Marías' Einsamkeit und Ungebundenheit in Oxford. Als er Oxford verlassen hat, konstatiert er: "Ich bin nicht mehr verstört, obwohl meine damalige Verstörung nichts Besonderes war, sie war leicht und vorübergehend und artikuliert und logisch..." (232). Die Angst, haltlos wie einer der geschilderten Bettler zu werden oder wie einer der als Säufer geendeten, weniger bekannten englischen Dichter, ein gewisser, Terence Armstrong, der sich dann John Gawsworth nannte und dessen Bücher Marías in den Antiquariaten sucht, treibt ihn um und er sucht von den wenigen Freunden, die er hat, (vergeblich) Antworten für seine existentiellen Entscheidungen zu bekommen. Im Verlauf des Buches schildert er verschiedene Charaktere und Rituale, auf die er in der Stadt und an der Universität stößt, ebenso Begegnungen mit einigen wenigen Frauen, von denen die zentrale die mit Clare Bayes ist, einer verheirateten Dozentin, die bereits einen etwa achtjährigen Sohn hat und sich am Ende gegen Marías' Bitten dafür entscheidet, bei ihrem Mann und ihrem Sohn zu bleiben. Im Grunde befreit dies den Erzähler aus seiner morbiden Verfassung und führt ihn dazu, einen eigenen Schwerpunkt in seinem Heimatland zu finden, indem er dort nämlich selbst eine Familie gründet.
Die Entwicklung dieser Beziehung ist das, was der Leser mit zunehmender Spannung verfolgt, besonders dramatisch wird die Situation, als Clare ihrem spanischen Liebhaber die Geschichte vom Selbstmord ihrer Mutter erzählt. Hier dürfte Marías allerdings von der autobiografischen Wahrheit abweichen, indem er einen Zusammenhang herstellt zwischen dem Liebhaber ihrer Mutter und dem vorher erwähnten Dichter John Gawsworth - nichtsdestoweniger wird dadurch die Dramatik der Geschichte erhöht.
Wie im ganzen Buch bringt sich auch in diesem dramatischen Moment der Schriftsteller Marías ins Spiel: "Aber selbst in diesem Augenblick achtete ich auf mein Denken.."(216). Und denken muss er unablässig, sein Blick durchdringt die gegenwärtige Situation. Einmal folgt er Clare, ihrem Vater und ihrem Sohn heimlich und empfindet Grauen, als er die Ähnlichkeit zwischen ihren Gesichtern bemerkt. Beim Gedanken daran, wie er Clare geküsst hat, wird er heimgesucht von der Anschauung der Vergänglichkeit: "Ich habe auch das Kind geküsst und wurde von ihm geküsst und auch von dem Alten, und das ist einer der Gedanken, die sich Alan Marriott zufolge verbinden lassen oder nicht, aber wenn man sie verbindet, dann flößen sie Grauen ein oder lösen Entsetzen aus: der Gedanke des Kusses und der Gedanke des Alten, der Gedanke des Kindes und der Gedanke des Alten. Die schaurige Ergänzung des Alten ist das Kind, die schaurige Ergänzung des Kindes ist der Alte, die des Kusses ist das Kind, und die des Kindes ist der Kuss, mein Kuss..."(188f.). Und so bekommen seine Äußerungen oft etwas Manisches oder Litaneihaftes, etwas gedanklich Gezwungenes, (was an Thomas Bernhard erinnert), man merkt auch, wie er sich gelegentlich am Klang der Wörter und Sätze berauscht. Erzielt wird damit auf jeden Fall eine enorme Distanz zum Geschehen, die auch dem geistig-seelischen Entwicklungsstand des Erzählers angemessen ist, denn er kreist ja noch nur um sich selbst, erst später passiert es, "dass das Leben sich auch seiner angenommen hat, dass es ihm einen Mittelpunkt und eine Bürde zuweist..."(221), woraufhin sich am Ende auch der Stil entspannt. Was dieser Stil aber verhindert, das ist so etwas wie Objektivität der Darstellung oder Plastizität und Eigenleben der Gestalten - Marias liebt es z.B. auch, die Schilderung einer Person an winzigen Details aufzuhängen oder sie erscheinen nur angelegentlich seiner (manchmal etwas abseitigen) Reflexionen.
Das ist, nichtsdestoweniger große Kunst, denke ich. Auf jeden Fall scheint mir dies ein Buch zu sein, das inhaltlich, gedanklich und stilistisch interessant ist und fasziniert.


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Das Buch der Illusionen - Paul AusterDas Buch der Illusionen
Paul Auster

Taschenbuch, November 2005
     Verkaufsrang: 80737      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Professor David Zimmer ist ein gebrochener Mann, seit seine Frau und seine Kinder bei einem Flugzeugabsturz starben. Nur die Arbeit an einem Buch über einen 1929 verschollenen Stummfilmkomiker namens Hector Mann erhält ihn am Leben. Dann geschieht Seltsames: Eines späten Abends taucht eine attraktive junge Frau bei Zimmer auf und verlangt von ihm, sofort mit ihr nach New York zu fliegen. Mann lebe noch und wolle ihn sprechen. Als Zimmer ablehnt, zückt die Frau einen Revolver...
Auch als Hörbuch erhältlich


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 22 Bewertungen)

Eine perfekte Geschichte!      5 von 5 Punkten
(Weiter)Leben zu dürfen kann ein Fluch sein: Für den Wissenschaftler David Zimmer, der seine Frau und seine Kinder bei einem Flugzeugabsturz verloren hat, ist jeder Tag eine unendliche Qual! Wie soll das Leben überhaupt nur wieder einen Sinn bekommen?
Zimmer stürzt sich in die Arbeit und die nimmt ihn bald mit Haut und Haar gefangen. Er schreibt über den Stummfilmstar Hector Mann, der eines Tages, auf dem Höhepunkt seines Erfolgs, verschwand.

Doch irgendwann ist diese Arbeit abgeschlossen und Zimmer droht, in ein noch tieferes Loch zu fallen. Da holt ihn seine Arbeit ein und er wird von einer undurchsichtigen Frau mit Waffengewalt gebeten, Mann, der noch leben soll, zu besuchen.
Diese Begegnung wird für Zimmer zu einer ganz besonderen Herausforderung: Denn was sich ihm offenbart, an Möglichkeiten und Weisheit, stellt das doch sehr fragile Lebensgerüst, in dem er sich gerade zurecht zu finden sucht, erneut in Frage...

Paul Auster, bekannt geworden mit seiner "New York Trilogie" hat einen Roman geschrieben, der sehr lange nachklingt. Ihm gelingt eine schier unglaubliche Geschichte mit Tiefgang, die originell ist, nachdenklich stimmt und sprachlich auf hohem Niveau unterhält. Ein kleines Meisterwerk mit philosophischen Bezügen, dass nie rührselig, oft komisch und zugleich tief melancholisch ist.
Ein tolles Buch!


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Richard Wagner für Fortgeschrittene - Herbert RosendorferRichard Wagner für Fortgeschrittene
Herbert Rosendorfer

Gebundene Ausgabe, 18. April 2008
     Verkaufsrang: 87152      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 19,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Weia, ihr Wagner-Fans und Wagner-Hasser: Ein frecher, ironischer, genialer Beitrag zum Richard-Wagner-Jahr 2008.



Von einem, der Wagners Musik einst gehasst hat und in dem über die Jahre doch noch die Erkenntnis gereift ist, im "Tristan" eines der größten musikalischen Meisterwerke zu sehen: Der begnadete Geschichtenerzähler Herbert Rosendorfer wagt hier eine gar nicht so unernste Analyse der Wagner' schen Musikdramen. Dabei werden die familiären Auswüchse im Hause Wagner ebenso aufs Korn genommen wie die Neuinszenierungen und die Frage aufgeworfen, weshalb gerade "Die Meistersinger" mit allzu kreativen bunten Regieeinfällen so entstellt werden müssen. Ein Buch für Wagnerianer und auch solche, die es nie sein wollten




Die Liebhaberinnen (Fiction, Poetry & Drama) - Elfriede JelinekDie Liebhaberinnen (Fiction, Poetry & Drama)
Elfriede Jelinek

Taschenbuch, Januar 1989
     Verkaufsrang: 74876      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Auch in diesem Roman der österreichischen Autorin fasziniert das buchstäblich unheimliche Talent, Alltagsgeschichten auf den Grund zu gehen. Welche Entfaltungsmöglichkeiten hat eine Arbeiterin? Sie kann einen Mann heiraten, der ihr den gesellschaftlichen Aufstieg garantiert. Doch wie andere Möglichkeiten, so sind auch sozial attraktive Männer rar, und die attraktivsten sind schon vergeben. So setzt zwischen zwei "Liebhaberinnen" ein Konkurrenzkampf auf Leben und Besserleben ein, der mit Wucht ausgetragen wird.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)

Bewundernswert      5 von 5 Punkten
Faszinierend und intelligent fand ich den Stil, mutig und bewundernwert die Thematik und die Art und Weise, wie E. Jelinek sie behandelt, die Dinge beim Namen nennt. Für zartbeseitete Gemüter ist die Lektüre dieses Buches sicherlich nichts, es räumt auf mit der alles verklärenden Romantik, in der die Gesellschaft gerne Arbeit, Ehe und Familienleben darstellt und zeigt auf, dass es viele Wege gibt, die zum Glück hin und erst recht davon weg führen.


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