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Seite 12

Im Krebsgang - Günter GrassIm Krebsgang
Günter Grass

Gebundene Ausgabe, Februar 2002
     Verkaufsrang: 51252      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 18,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Es war die größte Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt: Am 30. Januar 1945 verließ das ehemalige Kraft-durch-Freude-Kreuzfahrtschiff "Wilhem Gustloff" mit 6.100 Flüchtlingen an Bord Gotenhafen und wurde vor Stolpermünde von einem sowjetischen U-Boot aufgebracht. Drei der kommunistischen Heimat und ihrem Diktator gewidmete Torpedos durchbohrten das Schiff, das in knapp einer Stunde versank; mehr als 5.000 Menschen kamen ums Leben. Ein Untergang nach dem Untergang: Das Tausendjährige Reich war längst Geschichte, und Roosevelt bereits auf dem Weg nach Jalta, um mit Stalin und Churchill die neuen Grenzen abzustecken.

Die Tragödie in der Ostsee hat Günter Grass seit jeher interessiert. In Romanen wie Katz und Maus und Die Rättin wird erwähnt, dass die Nebenfigur der Tulla Pokriefke das Unglück knapp überlebte. Nun hat der Autor dem Ereignis auf hoher See eine historische, dabei aktuell-brisante Novelle gewidmet. In Im Krebsgang wird der Sohn von Tulla beauftragt, die längst vergessene Geschichte aus den Fluten des kollektiven Gedächtnisses zu bergen. Eher widerwillig recherchiert der Journalist und Ich-Erzähler im Internet, tummelt sich in den abstrusen Chatrooms der Neonazis, beleuchtet die Biografien des Schweizer NS-Landesgruppenführers Wilhelm Gustloff, seines jüdischen Attentäters David Frankfurter und des U-Bootkommandanten der sowjetischen Rotbannerflotte Alexander Marinesko -- und versucht sich schließlich im Erzählprozess ganz "an Bord der 'Gustloff' zu denken", um die tödliche Katastrophe vor den Augen seiner Leser wieder lebendig werden zu lassen. Dabei fördert er ein menschliches Drama zu Tage, das bis in unsere Gegenwart hineingreift und nicht zuletzt seine eigene Familie betrifft.

In Katz und Maus war die durch das Dickicht der Wiesen streifende Katze Metapher eines vorsichtig neugierigen, "lauernden" und ständig die Richtung wechselnden Erzählens. In Grass' neuer Novelle ist es der seitliche, mögliche Feinde täuschende Gang des Krebses, der die stetig zwischen Gestern und Heute wechselnde Erzählperspektive symbolisiert und dem großartigen schmalen Band seinen Namen gab. Entgegen der Bescheidenheit des Ich-Erzählers ("ich berichte nur") ist Grass endlich wieder ein kleines Meisterwerk gelungen. Spannend verwoben, kunst- und humorvoll zugleich. --Thomas Köster

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 88 Bewertungen)

Anspruch und Wirklichkeit      4 von 5 Punkten
Was wollte GG mit diesem Buch? Das habe ich mich weniger in Folge des Buches selbst denn im Angesicht des medialen Aufhebens vor, während und unmittelbar nach der Veröffentlichung gefragt. Kurzum: Das Buch ist weder der Tabubruch, als den es der Meister selbst bezeichnet, noch die Verherrlichung oder gar die vorsätzliche und ungerechtfertigte Verwirrung irgendwelcher Schuldfragen der Geschichte.

Das Werk zeichnet in vertraut-graßscher Weise belegte geschichtliche Tatsachen nach, vermischt diese sowohl mit der - auf die Charaktere seines Danziger Universums projizierten - selbst erlebten Realität jener Jahre als auch in vielen, jedoch hier für die Faktenlage stets irrelevanten Punkten mit fiktiven Elementen.

Ein wenig mißglückt ist indes der Aufwand, mit dem sich eher belanglosen und in einer dem erkennbaren Anspruch nicht gerecht werdenden Laienhaftigkeit technischen Details des Internets gewidmet wird, das hier keineswegs handlungsentscheidend ist - vor 15 Jahren hätten sich die beiden Kontrahenten durchaus auch in einem Anzeigenblättchen oder am schwarzen Brett einer Universität finden können. Insofern wirkt das allgegenwärtige Gefasel von "world wide web", "web site" und "chatroom" ein wenig peinlich und deplaziert, worüber man allerdings wegen der sonstigen Qualitäten des Werks im Besonderen und des Autors im Allgemeinen - insbesondere angesichts des Alters des Letzteren zum Zeitpunkt der Entstehung - und insbesondere als Verehrer des Meisters wohlwollend hinwegsieht.

Alles in allem sehr lesbar und auf jeden Fall eine (wie fast immer bei Grass) lohnend unkonventionelle Perspektive für einen Blick auf deutsche Geschichte.


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Ein Tag nach dem Samstag - Gabriel Garcia MarquezEin Tag nach dem Samstag
Gabriel Garcia Marquez

Taschenbuch, 1986
     Verkaufsrang: 76330      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 2,60 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Die Handlung der vorliegenden Erzählung spielt in Macondo, dem mythischen Schauplatz und auch die Ausgangssituation wird dort gleich zweimal wieder aufgegriffen.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Unverkennbar, aber leider sehr, sehr kurz…      4 von 5 Punkten
Ein Tag nach dem Samstag ist einer jener vielen Kurzgeschichten Marquez’, in der der Autor, trotz Anlehnung an Faulkner, seinen für ihn so typischen Schreibstil zu Tage fördert.

Faszinierend finde ich vor allem jene Tatsache, dass Marquez es scheinbar so mühelos schafft, für uns die Zeit still stehen zu lassen, ohne wirklich auf sie einzugehen. Nicht das tropische Paradies wird hier heraufbeschworen, sondern lediglich eine vergessene Stadt, irgendwo in Südamerika, in der es außer der brütenden Sommerhitze und einem Zug, der nur einmal am Tag verkehrt, nichts gibt. Alles zerrinnt, dehnt sich ins Unermessliche und wenn sich dann doch etwas zuträgt, so ist es bei Marquez nicht das Ereignis selbst, welches sich ins Zentrum der Aufmerksamkeit drängt – und sei es noch so sonderbar -, sondern nur der Umgang seiner Protagonisten mit eben jenem.



Die letzte Welt. Mit einem ovidischen Repertoire - Christoph RansmayrDie letzte Welt. Mit einem ovidischen Repertoire
Christoph Ransmayr

Taschenbuch, April 1991
     Verkaufsrang: 80891      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Als Christoph Ransmayrs Roman Die letzte Welt 1988 erschien, wurde er von der Kritik gefeiert wie kaum ein anderer - wegen seiner poetischen, rhythmischen Sprache, wegen seiner stilistischen Eleganz, aber auch wegen seiner bildmächtigen Traum- und Alptraumwelten. In diesem Roman ist die Verbannung des römischen Dichters Ovid durch Kaiser Augusts im Jahre 8 n. Chr. der historisch fixierte Ausgangspunkt einer phantasievollen Fiktion. Der Römer Cotta, sein - durch Ovids Briefe aus...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 24 Bewertungen)

So schön kann deutsche Sprache sein      5 von 5 Punkten
Wenn man das Buch liest, erscheint es als Mischung aus Historienroman, Reiseroman, Kriminalroman und spurenhaft auch phantastische Literatur. Aber es ist auch weit mehr. Zugegeben, ich habe einige Jahre gebraucht, um "Die letzte Welt" zu lesen, nach dem ich in einer Literatursendung eine Besprechung von Christoph Ransmayrs Roman gehört und das Buch gekauft hatte. Es ist schwer zu lesen. Nicht wegen der Sprache, denn die ist ausnahmslos schön wie bei einem Gedicht. Sondern weil ich es nicht verstehe, von was Ransmayr schreibt. Vergangenheit (Rom um das Jahr 8 nach Christus) und Gegenwärtiges (die eiserne Stadt) vermischen sich. Cotta, Ovids Freund, sucht den verbannten Dichter Ovid in einer fremden Stadt. Dort trifft er u.a. auf Echo, eine junge schöne Frau, die an einer merkwürdigen Hautkrankheit leidet, d.h. Echos Haut ist sehr empfindlich gegen Sonne, Wind, usw. Echo verschwindet ebenfalls. Wer Ovids Hauptwerk "Metamorphosen" kennt, nach dem auch Cotta sucht, hat beim Verständnis natürlich Vorteile. "Die letzte Welt" ist ein ca. 300 Seiten langes Prosagedicht. Die Interpretation ist schwierig. Ohne sich selbst beim Lesen Anmerkungen zu machen, Auffälliges zu unterstreichen, hat man eigentlich keine Chance, das Buch durchzuarbeiten. Ich selbst mochte in der Schule Gedichte sehr gerne lesen, wegen der schönen Sprache, aber auch wegen der Überschaubarkeit des Gesamttextes, der hier nun sehr umfangreich ist, weswegen ich so lange mit dem Buch zu kämpfen hatte. Nach zehn Jahren bin ich so verblieben: Ich weiß, das Buch ist ein Meisterwerk der deutschen Literatur, es gefällt mir auch, aber es bleibt ein Rätsel, und ich blättere immer wieder darin wie in einem Gedichtband und lese einzelne Passagen, wie z.B. "Nach den langen Wochen der Hitze, in denen nur der Tau die Dürre gemildert hatte, rauschte in einer Septembernachtder erste Herbstregen herab, ein warmer schwerer Regen, den die dünne Krume der Terassenfelder aufsog, bis ihre zerrissene, unfruchtbare Härte gesättigt war und sich in Schlamm verwandelte, der aus den ummauerten Nestern der Gärten und Felder trat und ans Meer hinabkroch." Auch als Deutscher muss man seine eigene Sprache erst mal kennen und beherrschen lernen, besonders in Zeiten der PISA-Studien und Kommunikation per SMS. "Die letzte Welt" ist auch eine Welt der Sprache, und Ransmayr (*1954 in Österreich) hat hier etwas geschaffen, das Bestand haben wird und von dem man sehr viel lernen kann. Auch wenn es um den römischen Dichter Ovid geht, "Die letzte Welt" ist kein Denkmal für die lateinische Sprache, sondern für die deutsche. Lateinische Wörter kommen in dem Buch kaum vor, höchstens dem Lateinischen entliehene Wörter wie Fenster (fenestra), wenn man so will. Fazit: Wer sich von historischen Stoffen nicht abschrecken lässt, Geduld und Interesse beim Lesen nicht leicht verliert, sich an Gedichten und schöner Sprache erfreuen kann, ist hier gut aufgehoben und erhält hier etwas Bleibendes, ein Buch, das man immer wieder gerne aus dem Regal zieht.


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Das Licht ist wie das Wasser: Geschichten von der Liebe und anderen Dingen - Gabriel Garcia MarquezDas Licht ist wie das Wasser: Geschichten von der Liebe und anderen Dingen
Gabriel Garcia Marquez

Gebundene Ausgabe, Oktober 2006
     Verkaufsrang: 88132      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 12,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Die Erzählungen und Geschichten des Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez entführen in andere Welten und Zeiten, sie sind phantastisch und faszinierend. Eine Prosa, die auch schon Jugendliche verzaubern und nicht mehr loslassen wird: über Wunder und Alltägliches, über leidenschaftliche Liebe und unerbittlichen Hass, über Treue und Verrat. Die sorgsam ausgewählten Geschichten sind für junge Leser ein idealer Einstieg in das literarische Werk von Gabriel García Márquez und machen Lust auf mehr.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Wunderschöne Sammlung!      5 von 5 Punkten
Das Licht ist wie das Wasser. Geschichten von der Liebe und anderen Dingen vereint Geschichten von Gabriel Garcia Marquez aus den Jahren 1962 bis 1992. Drei Jahrzehnte dieses großen Autoren, angerissen und komprimiert in elf Kurzgeschichten.

An einem dieser Tage
Don Aurelio Eccobar ist Zahnarzt ohne Diplom. Eigentlich wollte er in Ruhe ein Gebiss fertig stellen und polieren, doch der Bürgermeister will ihn sprechen. Escobar lässt sich verleugnen, doch der Mann gibt nicht auf. Seit fünf Tagen hat er fürchterliche Schmerzen und nun ist seine Verzweiflung größer als seine Angst. Der Zahn muss raus.

Ein Tag nach dem Samstag
Pater Antonio Isabel hat dreimal den Teufel gesehen. Die Dorfbewohner halten den Neunzigjährigen für verrückt und kommen kaum mehr zu seiner Predigt. Doch als immer mehr tote Vögel vom Himmel fallen und der alte Mann vom ewigen Juden spricht, wendet sich das Blatt.

Künstliche Rosen
Mina gibt vor, ihre nassen Ärmel wären Schuld. Sie geht nicht zur Messe. Doch eine Blinde gibt ihr zu verstehen, dass die eigentliche Ursache ein Mann sei, den Mina trifft. Die Alte scheint hellsehen zu können. Nichts entgeht ihr, über alles scheint sie genauestens informiert zu sein. Die Alte lächelt - wer blind ist, ist nicht taub und schon gar nicht dumm.

Das Leichenbegängnis der großen Mama
Die große Mama ist tot. Alle kommen zu ihrem Begräbnis. Ihr, der wahren Herrscherin des Landes, der dank ihrer langen Ahnenreihe naturgemäß Herrschenden und Allmächtigen, erweisen sogar der Präsident, obwohl er sie einen Tag vorher noch nicht mal ihren Namen kannte, ja sogar der Pabst die letzte Ehre.

Dienstagnachmittag
Eine Frau und ein kleines Mädchen sind allein in ihrem Zugabteil. Ernst aber gefasst warten sie. An der Station steigen sie aus und überqueren in der sengenden Hitze den großen Platz. Das Dorf ist wie ausgestorben. Niemand scheint wach zu sein. Die Frau geht zur Kirche, klopft und begehrt Einlass. Sie lässt sich nicht abweisen und verlangt den Pfarrer zu sprechen. Sie will zu einem Grab. Zum Grab des vor einer Woche ermordeten Diebes, ihrem Sohn.

Baltazars wundervoller Nachmittag
Der arme Baltazar hat zwei Wochen für den Vogelkäfig gebraucht. Er weigert sich, ihn dem Arzt zu verkaufen, denn Pablo hat ihn bestellt. Er eilt zu ihm, um den Käfig, den alle bewundern, zu übergeben. Doch dessen Vater weigert sich, ihn anzunehmen.

Ein sehr alter Herr mit riesengroßen Flügeln
Das Leben von Pelayo und Elisenda ändert sich schlagartig, als sie eines Morgens einen Greis unweit ihrer Hütte finden, der Flügel hat. Der gefallene Engel wird eingesperrt und bald schon können sie das Geld nicht mehr zählen, dass sie als Eintritt von denen verlangen, die den Engel zu sehen trachten.

Die letzte Reise des Gespensterschiffs
Jeden März jeden Jahres sieht er den gewaltigen Dampfer am Dorf vorübergleiten. Gespenstisch erscheinend und verschwindend im Licht des Leuchtturms. Riesenhaft, höher als der Kirchturm, um ein Vielfaches länger als das ganze Dorf, lautlos im Dunkel verschwindend ...

Maria dos Prazeres
Eine alte Hure hat einen Traum und deutet ihn als ihren bevorstehenden Tod. Sie kauft sich ein Grab, bringt ihrem Hund bei, dieses Grab allein zu finden, um sie des Sonntags zu besuchen, und macht sich darauf gefasst, zu sterben. Als sie Ihn trifft, ist sie sicher, ihre Zeit sei gekommen. Doch plötzlich wird sie gewahr, dass sie ihren Traum falsch gedeutet hat, dass sie auf Ihn gewartet hat, nicht auf den Tod.

Der glückliche Sommer der Frau Forbes
Die Kinder sind sich sicher, dass Frau Forbes verrückt ist. Warum ist sie so hart, so unnachgiebig und so streng, wenn sie jede Nacht, wenn sie die Kinder schlafend wähnt, in ihrem Nachthemd Kuchen verspeist, Wein trinkt und lachend Gedichte rezitiert? Sie beschließen den Tod der Lehrerin.

Das Licht ist wie das Wasser
Die Jungen wünschen sich ein Kanu. Mitten in der Stadt, im fünften Stock. Ihr Vater gibt nach und die Jungen schaffen das Boot durch das Treppenhaus bis ins Dienstbotenzimmer. Die Eltern ahnen nicht, dass ihre Söhne an jedem Kinoabend eine Birne zerschlagen und Licht in das Wohnzimmer strömen lassen. Drei Handbreit hoch lassen sie das Licht in die Wohnung fließen und fahren den ganzen Abend mit ihrem Kanu durch das Zimmer.

Der Literaturnobelpreisträger Gabriel Garcia Marquez ist einer der bekanntesten Autoren Südamerikas. Der Kolumbianer beweist seit über fünf Jahrzehnten, dass anspruchsvolle Literatur unterhaltsam und auch im Massenmarkt erfolgreich sein kann. Wie in einem orientalischen Märchen verwebt Marquez in seinen Geschichten Wirklichkeit mit Fiktion, Glück mit Tragik, Albernes mit Ernsthaftem.
Seine Erzählungen sind ein überbordender Quell von Ideen, sein Einfallsreichtum ist beeindruckend. Markantestes Merkmal seiner Geschichten ist deren Unvorhersehbarkeit. Der Leser wird in die Geschichte hineingesogen und erlebt, dank der plastischen, oft sehr direkten Schilderungen des Autors, unmittelbar das Geschehende. Er wird Teil der Geschichten, auch ihm scheint der Schweiß auf der Stirn zu stehen oder ein Schauder über den Rücken zu laufen. Die unvermuteten Wendungen und Ereignisse der Geschichte faszinieren und lassen nicht los. Erst auf den letzten Zeilen erschließt sich die Geschichte, deren Moral oder Aussage, deren Ziel oder die Ausweglosigkeit der Menschen. Mit leichter Hand, ohne zu verurteilen, ohne Pathos oder Klischees, lässt Marquez die einfachen Leute, die Armen, die Verlorenen zu Wort kommen, gibt ihnen ein Gesicht und eine Stimme.
Seine Moralität und Integrität beweist er durch die Handlungen seiner Figuren, durch die Menschlichkeit seiner Handelnden. Immer aber ist er auch politisch. Er prangert an, er schreit das Unrecht hinaus, er leidet mit seinen Verlierern. Nicht vordergründig, nicht marktschreierisch, nicht als Pamphlet, sondern einzig durch die Zwangsläufigkeit, durch das Schicksalhafte der Geschichten und der Geschehnisse.
Oft ist es nur ein einziger Satz, der aus einer einfachen, schlichten, wenig interessanten Geschichte ein Juwel, ein Kunstwerk macht. Ein Beispiel hierfür ist die sehr kurze, ereignislose und vordergründig nichtssagende Geschichte des Arztes in An einem dieser Tage. Ein einziger Satz des Arztes macht aus diesem winzigen Ausschnitt eine Anklage, ein politisches Fanal.
In Dienstagnachmittag ist es sogar nur die Stille, etwas nicht Ausgesprochenes, das diese Geschichte so faszinierend werden lässt. Ähnlich geht Marquez in Künstliche Rosen oder Maria dos Prazeres vor. Das nicht Gesagte, das Verschwiegene macht den Kern dieser Geschichten aus.
Ganz anders sind die grotesken, die fantastischen, die absurden Geschichten. Sie sind voller Humor, verschmitztem Augenzwinkern und poetischer Melancholie. Bestes Beispiel ist die letzte Geschichte. Sie ist wundervoll und seltsam, zart und traumhaft schön. Aber auch absurd und unverständlich.

Die jeder Geschichte vorangestellten Zeichnungen von Joachim Knappe sind leider nichtssagend und stehen seltsam isoliert. Sie illustrieren nicht die Kurzgeschichte, sondern überzeichnen einen Aspekt oder karikieren sogar die Geschehnisse. Sie erreichen nicht die Qualität oder Prägnanz der Texte, wirken beliebig und sind schlicht überflüssig.
Sehr gelungen ist hingegen das Umschlagbild von Knappe, das die wundervolle Geschichte Das Licht ist wie das Wasser illustriert.

Diese elf Geschichten sind allesamt kleine Meisterwerke. Keine ist mit einer anderen vergleichbar, jede ist für sich brillant ersonnen und erzählt. Dieser Sammelband ist ein einziger Genuss.


Bis bald - Markus WernerBis bald
Markus Werner

Taschenbuch, Dezember 1995
     Verkaufsrang: 10530      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Lorenz Hatt lebt mehr oder weniger unbekümmert vor sich hin. Eines Tages macht sein Herz schlapp.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)

Abschied nehmen      5 von 5 Punkten
Es gibt Abschiede, die sich vermeiden lassen, es gibt welche, die man hinauszögern kann, es gibt fröhliche Bis-bald-Abschiede und unendlich traurige Nie-wieder-Abschiede.

Herr Hatt ist keiner, der gut Abschied nehmen kann. Er sagt immer "Bis bald", auch wenn klar ist, dass es ein endgültiger Abschied ist. Aber Herr Hatt, plötzlich mit einer fatalen Herzschwäche konfrontiert, muss lernen, Abschied zu nehmen, muss lernen, mit dem Nie-Wieder umzugehen. Und wir Leser begleiten ihn während dieses Lern- und Einsichtsprozesses. Mit ihm gemeinsam gehen wir in und mit seiner Erzählung alle Abschiede seines Leben noch einmal durch, um am Ende mit ihm zusammen zu erkennen, dass es möglich ist, freiwillig loszulassen, statt zwangsweise abgetrennt zu werden von einer Liebe, einem Kind oder dem Leben.

"Bis bald" ist m.E. das ernsthafteste Buch Werners, eines, das den Leser zwar auch mit Klugheit und schönen Sätzen einfängt, aber nicht wie seine anderen Bücher in eine Leichtigkeit entlässt, sondern bei der Sorge ums eigene Leben packt und am Ende eiskalt erwischt.

Eine kluge Erzählung voller uneitler Einsichten, trauriger Wahrheiten und sich einbrennenden Gedanken zum Thema Loslassen und Sterben.


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Friedliche Zeiten - Birgit VanderbekeFriedliche Zeiten
Birgit Vanderbeke

Taschenbuch, März 2000
     Verkaufsrang: 4634      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Deutschland in den 60er Jahren. Der Krieg ist lange vorbei und trotzdem noch überall. Für drei Ostkinder im Westen ist er ein unheimliches Gerücht. Der Vater mochte am Osten, daß sie es mit dem Sozialismus versucht hatten, die Mutter am Westen, daß sie es war, die jetzt die Schlüssel verschwinden lassen konnte. Ob sie sich aber endlich scheiden lassen, ist noch die Frage. Die Mutter hat immer Angst. Besonders, daß der Vater abhauen könnte. Manchmal geht er abends weg. Dann will die Mutter sterben. Keine Angst, Kinder, sagt sie, ich nehme euch mit. Wenn die Kinder im Bett liegen, denken sie nach, wie sich das verhindern ließe. Das und der dritte Weltkrieg. Doch dann gibt es eine Aufregung, »von der Art, die im Dunkeln anfängt und im Hellen nicht wieder aufhört«. Birgit Vanderbeke sprengt die Gesellschaft der sechziger Jahre auf und legt die Trümmer frei, auf denen die Rohbauten unserer heutigen deutschen Wirklichkeit ruhen. Eine erstaunliche, zum Erschrecken komische und temporeiche Geschichte über deutsche Kindheit.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)

Schauderhaft - gutes Buch      5 von 5 Punkten
Ich finde das Buch von Vanderbeke klasse. Es ist das alltägliche Grauen in einer von der Mutter emotional erpressten Familie, dass verrückt - gut aus der Kinderperspektive dargestellt wird. Man möchte beim Lesen eine Gänsehaut bekommen oder dringend aufs Klo gehen oder erschrocken laut auflachen, wenn wieder einmal eine Lappalie dafür sorgt, dass die alles kontrollierende Immer - Opfer - Mutter sicher wieder mal "jung sterben" wird und somit die Kinder, die es natürlich vermeiden wollen, noch mehr eingeschränkt werden. Ich bin immer wieder fassungslos über diese subtilen Handlungs - und Unterdrückungsweisen, die da beschrieben werden.


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Ein Kapitel für sich - Walter KempowskiEin Kapitel für sich
Walter Kempowski

Taschenbuch, 1978
     Verkaufsrang: 63432      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Im Frühjahr 1948 wurde Walter Kempowski wegen Spionage verurteilt, weil er Frachtbriefe aus der Reederei seines Vater an die Amerikaner weitergeleitet hatte, um zu demonstrieren, wie die Russen die von ihnen besetzte 'Zone' ausbeuteten. Mit Walter wurden auch seine Mutter und sein Bruder Robert zeitweilig eingesperrt. Im vorliegenden Roman läßt der Autor jeden der Beteiligten aus seiner Sicht über die Haftzeit berichten - hinzu kommt als 'Gegenstimme' die der Schwester Ulla, die damals in Dänemark lebte. Fern von allem sentimentalen Selbstmitleid, eher untertreibend, was das persönliche Betroffensein angeht, beschreibt Kempowski jene bitteren Jahre, wobei er die spezifischen Milieueigentümlichkeiten sprachlich exakt rekonstruiert.

Als ich eines Abends mal am Fenster stand und den Dohlen nachschaute, die in die großen Kastanien zum Schlafen einsegelten - eine langwierige Sache, die sich in genau abgestimmter Rangfolge vollzog -, kriegte hinter mir ein Häftling namens Schmidt einen Herzschlag. Dem Toten wurde eine Decke übergezogen, und die Umstehenden erzählten sich gegenseitig, daß sie eben noch mit ihm gesprochen hätten. Weiter abwohnende Knastologen baten, man möge doch noch mal...


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Kempowski über seine Zeit als politischer Gefangener in der DDR      5 von 5 Punkten
1948 werden Walter Kempowski, sein Bruder Robert und beider Mutter in der damaligen sowjetischen Besatzungszone wegen Spionage verhaftet. Die Brüder Kempowski haben Frachtbriefe in den Westen weitergegeben um die sowjetische Demontage zu dokumentieren. Sie wurden denunziert und zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Mutter Kempowski erhielt wegen Mitwisserschaft - sie hat ihre Söhne nicht angezeigt - 10 Jahre Zwangsarbeit.

In abwechselnden Berichten schildern Mutter und Brüder Kempowski ihre Zeit in sowjetischer und später DDR-Haft. Willkürjustiz, bei der schon bloßer Verdacht zur Verurteilung zu langjährigen Strafen ausreicht, Denunziation, unmenschliche Haftbedingungen, sind die zentralen Themen der ersten Jahre in Gefangenschaft. Unabhängig von Herkunft, gesellschaftlicher Stellung und Intellekt werden die Gefangenen mit politischen Häftlingen, einfachen Arbeitern, Ganoven und Kriminellen über Jahre hinweg weggeschlossen. Kontakt nach Aussen gibt es nicht. Schreiben ist verboten. Allein der Besitz von Schreibutensilien kann zur verschärften Haftbedingungen führen. So bleibt den Gefangenen nichts weiter über, sich mit sich selbst und den anderen Mitgefangenen zu unterhalten.
In den Dialogen der Gefangenen kommen die unterschiedlichen Schicksale der Häftlinge, die verschiedenen Haftgründe und die individuelle Verarbeitung der Haftzeit zum Ausdruck. Was hat diese Personen in dieser Konstellation an diesem Ort zusammengeführt. Gerechtigkeit? Recht? Nein! Die Mehrheit der Inhaftierten war nie in der Lage über ihr Schicksal selbst zu bestimmen. Unter dem Druck einer hysterischen Masse in den Weltkrieg gezwungen, müssen sie nun, nachdem sich die Machtverhältnisse geändert haben, noch dafür büßen. Als Spielball der sich ändernden Weltanschauungen, können sie kaum ihr Schicksal selbst beeinflussen und finden sich damit.

Obwohl sich die Orte nicht ändern und die Protagonisten der Handlungsfähigkeit beraubt sind, bleibt das Buch zu jeder Zeit spannend. In altbewährter Manier vermengt Kempowski seine Berichte mit Zitaten, Wortwitz und allerlei traditionell überlieferten Redewendungen, Lied- und Gedichtversen. Dieser Stil ist gewöhnungsbedürftig, doch er wirkt lebendig und authentisch, so wie die Erlebnisse, die wir aus dieser Zeit von unseren Großeltern hören durften.

"Ein Kapitel für sich" ist ein Teil der so genannten "Deutschen Chronik" und hilft, wie auch die anderen Werke Kempowskis, die Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts und die politische Entwicklung in unserer Welt - so wie sie noch heute nachwirkt - zu verstehen.


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Der Scherz - Milan KunderaDer Scherz
Milan Kundera

Taschenbuch, April 1998
     Verkaufsrang: 104062      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Wütend schickt der Student Ludvik eine Postkarte an seine Freundin Markéta: »Optimismus ist das Opium der Menschheit! Ein gesunder Geist mieft nach Dummheit! Es lebe Trotzki! Ludvik.« Mit dieser als Scherz gedachten Karte stürzt Ludvik sich ins Unglück. Er wird von der Universität relegiert und mit einem Strafbataillon in die Kohlegruben geschickt. Jahre später versucht Ludvik sich zu rächen.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)

Wunderbare Poesie beschreibt unerträglichen Schmerz      5 von 5 Punkten
Dieses Buch begleitet mich seit meinem 20 Lebensjahr, alle zehn Jahre muß ich es einfach nochmal lesen. Und nie hat es an Aussagekraft und Bedeutung verloren, wenn sich auch alles immer wieder ein wenig verschiebt.

Die Geschichte: in seiner Studentenzeit wurd Ludvik aufgrund eines zynischen Scherzes aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und verliert damit alle Hoffnung auf seine bis dahin so gut beginnende Karriere. Die nächsten Jahre seines Lebens im Arbeitslager und - etwas undefinierbarer die Zeit danach - ist er sehr mit sich selbst beschäftigt, sucht verzweifelt nach Liebe und will sich an den Menschen, die ihm das angetan haben, rächen. Auf diesem Weg verkennt er immer und immer wieder was er für die Menschen, mit denen er zu tun hat, bedeutet und hinterläßt eine Spur der emotionalen Verwüstung. Erst sehr viel später - vielleicht ist er 30, vielleicht 40, das wird nicht klar - wird ihm bewußt, daß es keine Möglichkeit gibt, das Vergangene zu verändern und wiedergutzumachen. Der Leser wünscht Ludvik, daß er ab nun mit innerem Frieden den Rest seines Lebens verbringen darf.

Dabei wird die Geschichte anhand von vier Protagonisten erzählt, die jeder ein einzelnes komplettes Bild im Mosaik abgeben. Am poetischsten und literarisch am schönsten verfaßt empfinde ich die Geschichte von Jaroslaw, welcher der alten mährischen Musik verfallen ist und so viel archaische Weisheit in ihr sieht und der verzweifelt - und zum Schluß leider vergeblich - veruchst, diese Musik in die Moderne zu transportieren.

Der Schmerz, den jeder einzelne Protagonist erlebt, erlebt der Leser hautnah. Mit 20 war es das Leid der von Ihrem Liebsten verstoßenen Helena - das tat so sehr weh. Mit 30 Ludvik selbst, der den Boden unter den Füßen komplett verloren hat. Und nun, mit 40, hat mich besonderes Jaroslaw gepackt, der irgendwo in der Vergangenheit verhaftet bleibt und keinen Bezug zu seinem Sohn aufbauen kann.

Zum Schluß sei gesagt - daß Buch ist wunderschön und sehr tiefsinnig, aber es ist keine schwere Lektüre. Ich kann es jedem empfehlen, der sich mit einem "Kleinod" versehen und sich einem Mix aus Gefühlen, Gedanken und Genießen hingeben möchte.


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Timbuktu - Timbuktu

Taschenbuch, November 2000
     Verkaufsrang: 82987      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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In Timbuktu stellt Paul Auster das Thema Obdachlosigkeit in den USA aus der Sicht eines Hundes dar. So seltsam das erscheinen mag, ist es doch nicht neu, sondern aus John Bergers King bekannt. Und es funktioniert tatsächlich. Beide Autoren betrachten die Erfahrungen der Obdachlosen durch die erbarmungslos unsentimentalen Augen eines Hundes und vermeiden es so, ihre Geschichten zu einem übersteigerten Melodrama verkommen zu lassen. Während Bergers Buch zwischen verschiedenen Figuren hin und her wechselt, konzentriert sich Timbuktu voll und ganz auf zwei Charaktere: Mr. Bones, "ein wertloser und unscheinbarer Köter", und sein Herrchen, Willy G. Christmas, ein Schizophrener mittleren Alters, der seit dem Tod seiner Mutter vier Jahre zuvor auf der Straße lebt. Der Roman nimmt seinen Anfang in Baltimore, wo Willy und Mr. Bones nach einem ehemaligen Highschool-Englischlehrer suchen, der Willy als Teenager immer in seinen schriftstellerischen Anstrengungen unterstützt hatte. Jetzt steht Willy kurz vor dem Tod und will unbedingt ein Heim für seinen Hund und die unzähligen Manuskripte finden, die er in einem Greyhound-Busbahnhof versteckt hat. "Willy hatte den letzten Satz geschrieben, den er je schreiben sollte, und seine Zeit lief Uhrticken für Uhrticken ab. Die Worte in diesem Spind waren alles, was er vorzuweisen hatte. Sollten sie verschwinden, wäre es, als hätte es ihn nie gegeben".

Paul Auster ist ein intellektueller Schriftsteller, der es vorzieht, über Vernunft und Logik in das Innerste seiner Leser vorzudringen. Als Willy stirbt, gelangt er über ein Meer von Worten ins Jenseits. Bei Mr. Bones handelt es sich um einen Hund, der über metaphysische Themen wie das Leben nach dem Tod nachdenken kann -- Willy hatte es immer als "Timbuktu" bezeichnet. Was, wenn Haustiere dort nicht erlaubt wären? Das war wohl ziemlich unwahrscheinlich, und doch hatte er lange genug gelebt um zu wissen, daß alles möglich war, daß das Unmögliche immer wieder wahr wurde. Vielleicht war dies eines dieser unmöglichen Dinge, und darin lagen Tausende Ängste und Qualen verborgen, ein undenkbarer Horror, der ihn jedesmal erfaßte, wenn er darüber nachdachte.

Als Willy tot und Mr. Bones auf sich alleine gestellt ist, verschlechtert sich seine Situation zunehmend. Der jetzt herrenlose Hund sieht sich einer Reihe von Verraten, Ablehnungen und Enttäuschungen ausgesetzt.

Indem er in die Haut eines Hundes schlüpft, gelingt es Auster, menschliche Grausamkeiten und eher seltene Freundlichkeit aus einem einzigartigen Blickwinkel heraus zu kommentieren. Aber der Leser sei gewarnt: Die Welt in Timbuktu ist düster, und auch die gelegentlichen Momente von Gnade sind nur von kurzer Dauer. -- Alix Wilber

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 20 Bewertungen)

Der traurigste Roman überhaupt ...      5 von 5 Punkten
"Timbuktu" ist der traurigste Roman, den ich je gelesen habe; und ich finde ihn total tiefgründig und absolut lesenswert.
Ich muß aber gestehen: Ich bin ein totaler Fan von Paul Auster ...
Die Geschichte ist rasch gelesen, sie wird erzählt aus dem Blickwinkel der Hundes Mr. Bones, dem sein Herrchen, ein Obdachloser, wegstirbt - allein die Szene geht sehr zu Herzen, nicht weil sie kitischig ist, sondern weil das Unverständnis so klar ist!
Es gibt auch einige komische Szenen, natürlich, aber insgesamt gesehen ist diese Geschichte das Traurigste, was ich je gelesen habe, da kommt nicht mal die Hunde-Sterbeszene in "Die Leichtigkeit des Seins" heran.
Also: Volle 5 Punkte! Und unbedingt lesen, wenn auch nur in einer stillen Stunde ...


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Mann ohne Land: Erinnerungen eines Ertrinkenden - Kurt VonnegutMann ohne Land: Erinnerungen eines Ertrinkenden
Kurt Vonnegut

Broschiert, November 2007
     Verkaufsrang: 18211      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Der Doyen der amerikanischen Literatur (1922-2007) wirft einen messerscharfen Blick auf Amerika und auf das Leben. Egal, ob Kurt Vonnegut über die Zerstörung Dresdens schreibt, die er selbst miterlebt hat, ob er erklärt, warum er sich nicht als Präsidentschaftskandidat aufstellen läßt, oder ob er uns über die mangelnde dramaturgische Struktur des Hamlet aufklärt: Immer verbindet Kurt Vonnegut Autobiographisches und politische Analyse, scharfsinnig und warmherzig, voll beißenden Humors und wunderbar eigensinnig.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Kurt ist jetzt im Himmel...      5 von 5 Punkten
Kurt Vonneguts Tod hat sicherlich eine große Lücke hinterlassen, doch wer dieses Buch gelesen hat weiss, das er darauf vorbereitet war. Es ist angefüllt mit Lebensweisheit, Weitsicht und einem tröstendem Optimismus. Das alles vorgetragen in einer fast trotzigen, hintergründigen und zugleich humorvollen Art wie sie nur Kurt Vonnegut eigen war. Ich werde ihn sehr vermissen.


Von der Liebe und anderen Dämonen - Gabriel García MárquezVon der Liebe und anderen Dämonen
Gabriel García Márquez

Gebundene Ausgabe, September 2006
     Verkaufsrang: 30032      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Die kolumbianische Hafenstadt Cartagena im ausgehenden 18. Jahrhundert ist Schauplatz dieses Romans. Einst Hauptumschlagsplatz für Sklaven, befindet sie sich jetzt in einer Zeit des Umbruchs; unterschiedliche geistige Strömungen lösen Unruhe aus. Erzählt wird vor allem von der jungen Sierva Maria de Todos los Angeles, der einzigen Tochter eines spanischen Adligen. Sie wächst inmitten der schwarzen Haussklaven auf, deren religiöse Vorstellungen ihr näher sind als der Katholizismus ihrer Vorfahren. Pater Cayetano Delaure, rechte Hand des Bischofs, soll sie zum rechten Glauben führen, entbrennt aber in heißer Liebe zu der gerade erst Zwölfjährigen.Gabriel Garcia Marquez, 1927 in Aracataca, Kolumbien, geboren, arbeitete nach dem Jurastudium zunächst als Journalist. Er hat ein umfangreiches erzählerisches und journalistisches Werk vorgelegt. 1982 erhielt Garcia Marquez den Nobelpreis für Literatur.
Gabriel Garcia Marquez wurde am 6. März 1928 in Aracataca (Kolumbien) geboren, schrieb zunächst Filmdrehbücher, dann Erzählungen, Romane und Reportagen.
1982 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)

Wuchtig-Fesselnder Lesespaß pur      5 von 5 Punkten
Spanien im ausgehenden 18. Jahrhundert: Sierva María de Todos los Angeles, die zwölfjährige Tochter des angesehenen Marqués de Casalduero, wird von einem tollwütigen Hund am Knöchel verletzt. Der Marqués sieht nur noch eine Chance, das Leben seiner Tochter zu retten: Pater Cayetano Delaura soll sie exorzieren. Doch der Pater verliebt sich unsterblich in die Zwölfjährige und das Unglück nimmt endgültig seinen Lauf...

Mit "Von der Liebe und anderen Dämonen" ist Gabriel García Márquez ein ganz großer Wurf gelungen. Der Roman funktioniert auf verschiedenen Ebenen, nämlich sowohl als historischer Roman, der die Zustände eines an korrupten Herrschern und den späten Folgen der Inquisition krankenden Spaniens beleuchtet, als auch als tragische Auslotung unterschiedlichster Spielarten der Liebe. Von Anfang an wird man in den Sog der Geschichte gezogen und wandelt atemlos auf unheimlich komplexen, traumhaft schön geschriebenen Pfaden bis hin zu dem wuchtigen Finale, das man zwar erwartet, das aber dank dem magisch-realistischen Stil doch sehr überzeugt.
"Von der Liebe und anderen Dämonen" ist ein herrliches Buch, das zwar in längst vergangenen Zeiten spielt, dessen Themen (Liebe, Wahnsinn, Eltern-Kind-Beziehung und Vernunft, um nur einige zu nennen) aber auch heute noch von immenser Brisanz sind. Unbedingt lesen.


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Ein Freund der Erde - Tom Coraghessan BoyleEin Freund der Erde
Tom Coraghessan Boyle

Taschenbuch, März 2003
     Verkaufsrang: 32746      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Oh je! Städtenamen wie Los Andiegoles und San José Francisco verheißen nichts Gutes. Wo sind wir hier hineingeraten? In T. C. Boyles bitterböse Endzeitgroteske, in der der Homo sapiens seine Erde endgültig zu einer Mischung aus Wüstenplanet und Müllkippe heruntergewirtschaftet hat. Unter ewigem Dauerregen siecht in Kalifornien eine hautverkrebste Bevölkerung dahin. Nahrung (sofern dies noch den Namen verdient) und Strom sind Mangelware. Die Atmosphäre: eine Giftküche, in der es selbst im einstigen Sonnenstaat mittags um drei schon stockfinster wird. Immerwährende Superorkane haben die Menschen gezwungen, in fest verankerten Betonquadern dahinzuvegetieren. Aus anderen Weltregionen hört man ähnlich Beruhigendes: Rhein und Loire sind inzwischen bevorzugte Reisanbaugebiete!

Wir schreiben das Jahr 2025. Tyrone O'Shaughnessy Tierwater, kurz Ty genannt, hat ein bewegtes Leben hinter sich. In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehörten er, seine zweite Frau Andrea sowie Tochter Sierra zu der Sorte radikaler Umweltschützer, die sich schon mal mit den Füßen als lebende Straßenblockade einbetonierten, um einen tausendjährigen Mammutbaum vorm finalen Axthieb zu schützen (die Schilderung dieser Aktion, inklusive Windeleinsatz, ist eine einzige Slapstick-Orgie).

Inzwischen ist Ty fünfundsiebzig und reichlich desillusioniert. Frau und Tochter hat er seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen, Umweltschutz hat sich mangels Umwelt auch erledigt. Sein Broterwerb wird durch die Marotte eines superreichen Popstars gesichert, die Pflege einer Privatmenagerie vom Aussterben bedrohter Viecher mit anheimelnden Namen wie Schabrackenhyäne, Patagonischer Fuchs und Warzenschwein. In diesem eher düsteren Lebensabschnitt taucht aus heiterem Himmel Andrea mit einem Spezialauftrag bei ihm auf. Schlagartig holt den armen Ty seine geheimnisvolle Vergangenheit wieder ein!

Mit seiner schrill-apokalyptischen Tierwater'schen Tier- und Pflanzenkunde haut uns T. C. Boyle in einer Mixtur aus giftigstem Galgenhumor, Endzeit-'Grunge' und Ökothriller unsere gesammelten Umweltsünden um die Ohren und entwirft gleichzeitig ein Schreckensszenario, welches durchaus nicht mehr unrealistisch scheint. Großartig! --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 28 Bewertungen)

Ich kletter auch auf einen Baum      5 von 5 Punkten
Beim Lesen erinnerte ich mich an eine Szene, die ich vor einigen Jahren ganz pikiert im Fernsehen gesehen habe, jene Eltern, die ihre Tochter so medienwirksam auf die Gleise vor den Castor-Transporter ketteten.
Ganz klar: krasse Umstände erfordern krasse Maßnahmen!
Aber dafür die Tochter und letztlich ein ganzes Leben zu opfern?
Trotz des Themas und der leisen Hoffnungslosigkeit, die einen dabei schnell überkommt ein Buch nicht ohne Witz, denn TC Boyle hat eine spitze Feder und rabenschwarzen Humor.
Und so rutscht dieses Buch nie ins Weinerliche ab - im Gegenteil, so mancher demonstrative Umweltschützer dürfte sich auch auf den Schlips getreten fühlen.
Ein herrliches Buch!


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Fleischeslust - Tom Coraghessan BoyleFleischeslust
Tom Coraghessan Boyle

Taschenbuch, September 2001
     Verkaufsrang: 9025      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Deutsch von Werner Richter
In der Titelstory lernt der in Sachen Fleisch unbedarfte Held eine Veganerin kennen, befreit ihr zuliebe tollkühn Tausende von Truthähnen und muß am Ende zu der Erkenntnis gelangen, daß manchmal nichts über einen saftigen Hamburger geht. Mike Bender, erfolgreicher Immobilienmakler, erfüllt sich seinen Kindheitstraum vom Jagen wilder Tiere auf »Puffs Afrika-Großwildranch«. Als er jedoch Auge in Auge mit dem alten Zirkuslöwen jämmerlich danebenschießt, wird er von schweren Komplexen heimgesucht. Baumeister Willis wird mit zwei elementaren Gewalten konfrontiert: der eruptiven Wut seiner Gefährtin Muriel angesichts des falschen Frühstücksbrotes sowie dem Hurrican Leroy, der ihn auf dem Weg zur Post überrascht ... Die Decke der Zivilisation ist dünn über den Abgründen dieser Geschichten – Geschichten über Exzesse, Mordlust, Sehnsucht und Gier.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

15 Universen ...      5 von 5 Punkten
Eigentlich mag ich für meine Freizeit keine Kurzgeschichten-Sammlungen. Da ich T.C. Boyle als Autor jedoch schätze, habe ich für "Fleischeslust" eine Ausnahme gemacht - und ich wurde nciht enttäuscht.

In 15 Kurzgeschichten beschreibt der Autor 15 private Universen, in denen den Protagonisten absurdes, unglaubliches und doch nur allzu menschliches widerfährt.

Wenn man die Leser auf diese Art zum Denken kreigt - wieso nicht?

Ein inspirierendes Buch allemal ...

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Das Nilpferd - Stephen FryDas Nilpferd
Stephen Fry

Broschiert, März 2004
     Verkaufsrang: 88612      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Stephen Frys Erfolgsroman um einen alternden Journalisten und einen angeblichen Wunderknaben ist britischer Humor in Reinform: Ted Wallace - Trinker, geschiedener Frauenheld, intellektuelles Lästermaul, boshaft und doch sensibel - soll die Umstände einer wundersamen Heilung ergründen. Im Landhaus seiner Verwandtschaft stößt er auf eine hochexplosive Mischung aus Aberglaube, Perversionen und Spleens, wie sie nur im Land der Queen gedeihen können. Genüßlich schildert Fry das FInstere und komische Treiben.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)

Peter's Friends beim sonderbaren Stelldichein.      4 von 5 Punkten
Stephen Fry ist sein eigener Protagonist. Und Ted Wallace, Autor und Dichter im Roman, ist Stephen Fry. ["Nichts geht über die halb geöffneten, bewundernden Lippen einer Klasse Schulmädchen, (...). Warum sonst sollte man wohl Dichter werden wollen?"] Auch wenn viele äußere Umstände - zum Beispiel das Alter - nicht darauf hinweisen, so kann - wer Stephen Fry kennt, zum Beispiel aus Filmen: noch nicht so lange her in "V wie Vendetta" - man sich beim Lesen nur schwer dem Eindruck erwehren, dass es sich beim Ich-Erzähler Ted bisweilen sehr um den Ich-Autoren Stephen handelt. Da wette ich doch "sieben für fünf", dass es so ist.

Es sitzt zu Beginn Wallace-Fry "als Angehöriger einer Generation, die den bestimmten Artikel verachtet" [warum bezeichnet er den Titel seines Buches dann mit einem solchen (im Original "The Hippopotamus")] in einer Bar und lässt sich von seinem Patenkind Jane lange von der Seite anstarren, ohne dass sie merkt "dass ich ihre Inspektion im Spiegel inspizierte." Der nächste Drink, "'der geht auf mich (...)' eine Stimme, weiblich, an meinem Ellbogen. / 'Einer der schönsten Sätze unserer Sprache' (...)" Das Nilpferd fühlt sich wohl.

Jane überredet Ted für ein paar Wochen sich ins ländliche England zu begeben, zu "dem anschwellenden Pflanzenleben aus Rabatten, Büschen und Bäumen", ihre Verwandten, alles enge Freunde bzw. Bekannte von Ted, zu besuchen, zu beobachten und zu berichten. In Strecken wird aus Teds aufgezeichneten Berichten bizarrer Erlebnisse ("der erste Bericht aus den Mauern Trojas") ein Teil von Stephens Roman zum Briefroman, gerade soviel, dass es einem nicht zuviel wird.

Das ländliche England. Es "sei viel gesünder als unsere Londoner Dämpfe. / Trotz sämtlicher Lebensbeweise um mich herum, den schon erwähnten Vögeln (...) wurde mir das absolut Tote meiner Umgebung bewusst." Ein Nilpferd im Englischen Garten, träumend von der Gosse der Hauptstadt. "London dagegen, London morgens und halb fünf schwirrt nur so vor Leben. Das Tuten der Zeitungslieferanten, die durch die leeren Straßen donnern, das zischende Urinieren der Obdachlosen, das schnelle Staccato billiger Pfennigabsätze, die die Alleen hinabklackern, das Rasseln einsamer Cabs und auf Plätzen und Straßen lauteres Zwitschern der Amseln und Spatzen, als die Provinz je kennen lernen wird, all diese Geräusche werden durch die allen großen Städten gemeinsame Eigenschaft belebt und erhalten durch die Bedeutung: eine Akustik. In der Stadt klingt das alles."

Ted befolgt seinen Auftrag, spioniert und beschreibt, so wie zum Beispiel dass "auf dem Fußballplatz des Schlafzimmers (...) die meisten Mädchen meiner Erfahrung nach den erfahrenen Stürmer dem frisch eingewechselten Dribbler" vorziehen. Er politisiert über "Zeitschriften, die zu jener Zeit so weit nach links neigten, dass sie Moskaus Unterstützung brauchten, damit sie nicht umkippten." Er philosophiert über den Geist der Poesie, der "selbst in kargen und wenig aussichtsreichen Böden Blüten treiben" kann - und träumt dabei vom Lärm, den Tönen und Geräuschen seines Londons: "Die ländliche Welt zeigt weder Resonanz noch Widerhall oder Echos, nicht den geringsten Laut der Zivilisation. Damit eignet sie sich prima für den gelegentlichen Erholungstrip oder Wochenendeausflug, taugt aber nicht im geringsten als menschlicher Lebensraum. Das Landvolk ist natürlich anderer Meinung."

Ein Hippopotamus amphibius im Urlaub. Ferien in dicken Häuten. Wie schrieb der große zeitgenössische Feuilletonist Fritz J. Raddatz erst dieser Tage: "ein zartbesaitetes Nilpferd, das Ströme von Whisky durchschwamm", weder auf Stephen Fry noch auf Ted Wallace gemünzt, doch sehr passend.

Das ländliche England. Ein Wort des Lobs hat Wallace-Frey. "Eins aber, das muss ich zugeben, kann die Provinz wirklich gut, und das ist Tau. (...), der Frühtau. (...) Der breite Rasenstreifen, der sich zum Begrenzungsgraben hinabzieht, und das ungemähte Gras dahinter, wo die Pferde manchmal weiden, waren, wie man erwarten kann und darf, mit Unmengen hübscher und ansprechender Tautropfen übersät." Ein Nilpferd schwärmt und genießt. "Unter allen Großmäulern ist das Nilpferd das größte. Und das schweigsamste." Letzteres stammt nicht aus dem hier rezensierten Roman, sondern ist eine schlaue Weisheit des Schweizers Peter F. Keller.

Ted Wallace recherchiert und wird schier verrückt dabei. Ereignisse überschlagen sich, Handlungen vollziehen Wendungen, Rätsel werden gestellt, sind schwer nur zu lösen. "Keiner weiß, wann Sense ist. (...) mit deinen Feinden Frieden geschlossen und deinen Freunden Lebewohl gesagt (...) die Party vorzeitig verlassen." Nein. Nehmen auch Sie die Einladung an. Bleiben sie der Party treu bis zum Schluss. Lassen Sie sich entführen, verführen und an der Nase herumführen. Das Buch aus dem Jahre 1994, der großen Zeit der berühmten Management-by-Modelle diverser betriebswirtschaftlicher Theorien, bringt jenen einen einem in Erinnerung, der seinerzeit den Spruch losgelassen hat: "Management by Nilpferd: Sich mit großem Maul mühsam über Wasser halten." In diesem Sinne.


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Nachtprogramm - David SedarisNachtprogramm
David Sedaris

Broschiert, November 2005
     Verkaufsrang: 22004      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Als Davids Familie nach North Carolina zog, da mietete sie zuerst ein Haus, das nur drei Blocks von jener Schule entfernt lag, in der der Junge nach den Ferien in die dritte Klasse gehen sollte. Zuvor hatte David auf dem Land gelebt. Wenn er jetzt aus dem Fenster blickte, dann schaute er in andere Fenster, hinter denen Menschen lebten. „Ich stellte mir vor, abends im Dunkeln umherzustreifen und Zeuge eines Mordes zu werden“, heißt es in David Sedaris' Roman Nachtprogramm, „doch hockten unsere Nachbarn meistens nur in ihren Wohnzimmern vor dem Fernseher“. Eine Ausnahme stellt Mr.Tomkey dar, der einfach behauptet, dass er nicht ans Fernsehen glaube. „Schön für ihn“, sagt Davids Vater. „Ich wüsste auch nicht, dass ich daran glaube“. -- „Und dann sahen meine Eltern die Nachrichten und was immer danach kam.

Man sieht also: auch die Jugend von David Sedaris (sofern sie so war, wie sie im Buche steht) war öde, ebenso öde wie unsere eigene auch. Aber Sedaris hat eine Gabe, das Beste daraus zu machen, zumindest im Nachhinein. Denn der inzwischen 48jährige New Yorker Autor hat das Talent zur peripheren Erinnerung. Und er kann überaus witzig davon berichten. Das war in Büchern wie Naked oder Ich ein Tag sprechen hübsch so, und das ist in Nachtprogramm nicht anders. „Betrachte die Sterne“, „Lass es schneien“, „Das Mädchen von nebenan“ oder „Das Ende einer Affäre“ steht da auf dem Erzählprogramm. Und hinter diesen harmlosen Titeln verbergen sich Sprengbomben an Witz.

Also den Fernseher ausgeschaltet und zu Nachtprogramm gegriffen! Wenn das eigene Leben schon öde ist, dann will man wenigstens über anderer Leute ödes Leben lachen können. -- Stefan Kellerer

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)

Willkommen in der lustigsten Familienhölle      5 von 5 Punkten
Wer Lust auf knackige Familiengeschichten hat, die einen beim Lesen laut lachen lassen, der sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen.

Sedaris lebt als Heranwachsender in einer ziemlich asigen Familie und gibt deren Storys zum Besten, für die sich jeder andere in Grund und Boden schämen würde. Der Autor hält damit zum Glück nicht hinter dem Berg und erzählt in anschaulicher und urkomischer Weise, was er als Kind mit seinen Lieben erlebt hat.

Coole Zwischendurchlektüre, die man dann doch so schnell nicht aus der Hand legen will.


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Der menschliche Makel. SPIEGEL-Edition Band 17 - Philip RothDer menschliche Makel. SPIEGEL-Edition Band 17
Philip Roth, Dirk van Gunsteren

Gebundene Ausgabe, 4. Dezember 2006
     Verkaufsrang: 53693      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Im Sommer 1998, als der emeritierte Griechischprofessor Coleman Silk dem Ich-Erzähler seine Affäre mit der weitaus jüngeren Putzfrau Faunia Farley beichtet, denkt ganz Amerika "an den Penis des Präsidenten". Es ist der Sommer, in dem der Zigarrenakt Bill Clintons mit Monica Lewinsky ruchbar wird: Der Sommer der moralinsauren Vorwürfe und der scheinheiligen Reue also, in der "das Leben in all seiner schamlosen Schlüpfrigkeit Amerika wieder einmal in Verwirrung stürzte".

Der Kenner des griechischen Dramas Coleman Silk ist selbst eine tragische Figur, die, wie ihr Präsident, öfters auch an fremde Frauen dachte. Und der Ich-Erähler ist der "anerkannte Schriftsteller" Mr. Zuckerman, der bald sein Buch Der menschliche Makel veröffentlichen will -- so geht es zu im neuen, doppelbödigen Roman von Philip Roth, in dem neben Sex natürlich auch das Judentum wieder eine zentrale Rolle spielt. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist Silk, der verdienstvolle Dekan einer amerikanischen Universität, über eine Bemerkung gegenüber zwei abwesenden Afroamerikanerinnen gestolpert, die ihn völlig zu Unrecht in den Verdacht des Rassismus brachte: eigentlich eher ein Aufzug des absurden Theaters, der allerdings eine "Chronologie der Schrecken" und irgendwie sogar den Tod von Silks Ehefrau nach sich zieht. Und dann kommt auch wieder Faunia ins Spiel, die mit Silk ein großes Geheimnis teilt.

Gern berichtete der Griechischprofessor den Studenten früher von Homers Achill, der aufgrund sexueller Zurückweisung zur "empfindlichsten Tötungsmaschine in der Geschichte der Kriegführung" mutierte. "In der Verletzung des phallischen Anspruchs beginnt die Dichtkunst", sagte er, "und genau aus diesem Grunde werden wir heute, beinahe dreitausend Jahre später, ebenfalls dort beginnen". Diese Verpflichtung hat Philip Roth mit seinem neuen großen Sittenporträt nach The Great American Novel eingelöst -- und das in der besten Manier, derer die US-Gegenwartsliteratur nach Clinton fähig ist. --Thomas Köster

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 76 Bewertungen)

Eben doch ein Könner      5 von 5 Punkten
Zugegeben, zunächst störte mich beim Lesen, dass einerseits ein Ich-Erzähler erzählt, der nicht alles wissen kann, dann aber doch alles weiß. Und ich dachte, wenn ein unbekannter Autor einen solchen Plot vorgelegt hätte, wäre er bei den Verlagen abgeschmettert worden.
Dann aber sah ich darüber hinweg. Die Vielschichtigkeit des Romans ist faszinierend, die unerwarteten Wendungen und die Figuren in ihrer Zwiespältigkeit. Großartig!


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Der Doppelgänger - José SaramagoDer Doppelgänger
José Saramago

Taschenbuch, Januar 2006
     Verkaufsrang: 102144      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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"Das bin ich, sagte er und spürte wieder, wie sich ihm die Haare sträubten, was er dort sah, war nicht wahr, konnte einfach nicht wahr sein..." Die heile Welt eines bescheidenen Geschichtslehrers gerät völlig aus den Fugen, als dieser in einem Videofilm einen Darsteller entdeckt, der verblüffende Ähnlichkeit mit ihm hat. Fragen bohren und nagen, die Suche nach der Wahrheit wird Máximo nicht locker lassen.

Das ist nicht so ganz leicht zu lesen, zwingt zur Konzentration, fordert uneingeschränkte Aufmerksamkeit, aber: es lohnt sich sehr! Saramago ist kein Liebhaber von textlichem Layout, von Absätzen, üppiger und gliedernder Zeichensetzung, im Gegenteil, selbst die wörtliche Rede zu verfolgen, erfordert ein waches Leserauge. Dennoch gewöhnt man sich an das formale Korsett, das quasi die Eintrittskarte zu einem ausgefallenen und höchst spannenden Roman liefert. Wer Die Stadt der Blinden gelesen hat, wird sich, dort, wie hier, von einer ganz ähnlich faszinierenden, aber auch verwirrenden Stimmung eingefangen fühlen. Auch dieser Roman eine moderne Parabel, die beim Lesen Spuren hinterläßt.

Genial und einfühlsam verbindet Saramago die Elemente des Krimis mit weit ausschweifenden Ausflügen ins Philosophische, läßt neben der Handlung immer wieder kleinere Schauplätze wie kurze Lichter aufblitzen. Gedanken rollen sich auf, gebären neue. Ein Erzähler spricht zum Publikum, Handlung, Reaktionen, Gesten, alles wird gedeutet, erklärt und interpretiert. Nie ist der Leser mit dem Geschehen alleine.

"Es gibt Situationen im Leben, da ist es uns schon egal, ob wir null zu eins oder null zu zehn verlieren, wir wollen nur schnellstmöglich das endgültige Ausmaß der Katastrophe erfahren..." Máximo stöbert seinen Doppelgänger auf: gibt es ein Original, eine Kopie? Und wenn ja, wer ist der "Doppelgänger"? --Barbara Wegmann

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)

Was wäre, wenn es mich 2 mal geben würde...?      5 von 5 Punkten
Ja, Saramago hat nicht umsonst den Literatur-Nobelpreis kassiert,
ein grosser Meister der Satzkonstruktionen, da fliesst alles und obendrein immens spannungsgeladen.
Was passieren würde, wenn man plötzlich erfahren würde, dass es eine Person gibt, die völlig ident mit dir ist, wird hier auf unglaublich intensive Weise und beunruhigend erzählt.
Und am Ende gelingt dem Meister Saramago noch die Kunst, die Geschichte nochmals weiterzuspinnen - dass hat ganz grosse Klasse, von einem Meister seines Faches eben. Grossartig!!


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Die vierte Hand - John IrvingDie vierte Hand
John Irving

Taschenbuch, 31. Mai 2003
     Verkaufsrang: 16343      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 11,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Millionen Menschen an den Bildschirmen wurden Zeugen, wie dem smarten Nachrichtenmann und Frauenschwarm Patrick Wallingford während einer Live-Reportage über eine verunglückte Trapezkünstlerin in einem indischen Zirkus die Hand von einem Löwen abgebissen und verspeist wurde. Die fehlende linke Hand des Löwenmanns, wie alle Welt Wallingford fortan nannte, sollte das Leben einiger Menschen drastisch verändern!

Mit dieser zarten Reminiszenz an seinen Roman Zirkuskind, meldet sich John Irving, pünktlich zu seinem 60. Geburtstag und nach leichter Talfahrt seiner letzten beiden Romane, mit einer bizarren, hoch erotischen Liebesgroteske voll skurriler, wunderbar gezeichneter Charaktere zurück, die Irving aus seiner schier unerschöpflichen Personalkartei wie aus einem Hut zaubert.

Fünf Jahre später sieht Dr. Zajac, der geniale Chirurg und Sonderling (mit einer Zwangsfixierung auf das Einsammeln von Hundekot) seine Chance gekommen, Amerikas erster Handtransplanteur zu werden. Die mysteriöse Doris Clausen vermacht Wallingford die Hand ihres kürzlich verstorbenen Gatten. Zwei schicksalhafte Bedingungen sind für Patrick an dieses Himmelsgeschenk geknüpft: Die kinderlose Witwe fordert ein Besuchsrecht an der Hand ihres dahingeschiedenen Gatten sowie ein Kind von Patrick, wofür sie diesen ohne Umschweife gleich in Dr. Zajacs Praxis in die Pflicht nimmt.

Wallingfords Handstumpf wird zur Metapher für einen fürchterlichen Verlust, der zum eigentlichen Lebenssinn führt. Einem Stigmatisierten gleich, zieht Patrick enttäuschte Frauen an, die gleichsam durch ihn den eigenen Phantomschmerz erleben -- selbst in Mary, der Chefin seines Senders, einer toughen aber frustrierten Karrierefrau, beginnt sich längst abgestorben Geglaubtes zu regen.

Wallingford jedoch erfährt seine persönliche Erlösung von der Hohlheit und erotischen Haltlosigkeit seines bisherigen Lebens nur noch durch die unerreichbare und geheimnisvolle Doris Clausen und seinen kleinen Sohn Otto. Mrs. Clausen jedoch stellt Wallingford vor einige harte Prüfungen, bevor sie das Geheimnis seiner vierten Hand lüftet. Vordergründig eine Farce, vermittelt Irvings zehntes Werk tiefe Einsichten in die wahren Werte des Lebens und ist im wahrsten Sinne -- man gestatte das Wort -- herzerwärmend. --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 74 Bewertungen)

Die Bekehrung durch Mrs. Clausen      5 von 5 Punkten
Patrick Wallingford ist eigentlich nie erwachsen geworden, er ist immer ein Junge geblieben. Obwohl ihm ein indischer Zirkuslöwe vor laufender Kamera die linke Hand abgebissen hat, mindert das seinen Erfolg bei Frauen nicht. Er ist der Nutznießer der "sexuellen Anarchie" an seinem Arbeitsplatz, einem New Yorker Nachrichtensender.
Doch dann treten ein Chirurg aus Boston, der die erste amerikanische Handtransplantation vornehmen will, und eine Frau, die Patrick die Hand ihres Mannes - obwohl noch jung - geben will, sollte dieser sterben, in das Leben von Patrick - und dieses Leben ändert sich bald radikal...
Wer John Irving kennt, weiß, was ihn erwartet - und in diesem Buch spielt der Autor all seine Vorzüge aus: vor allem eine blühende Phantasie und beeindruckende, pralle, sinnlich Figuren. Dass die Satire (Nachrichtenjournalismus!) nicht zu kurz kommt, versteht sich bei Irving von selbst.
In diesem Roman ist die Entwicklung der Hauptfigur für den Leser das zentrale Thema. Wie und in welche Richtung sich Patrick Wallingford entwickelt, macht den Reiz aus (und macht den Roman nebenbei auch ganz schön spannend!)
Summa summarum: Einmal begonnen, hört man nicht mehr auf zu lesen!


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Die Heimkehr - Bernhard SchlinkDie Heimkehr
Bernhard Schlink

Gebundene Ausgabe, März 2006
     Verkaufsrang: 67126      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 19,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Wann Peter Debauer begann, sich über den Wunsch seiner Großeltern hinweg zu setzen, weiß er gar nicht mehr genau. Vielleicht war es in jenem Sommer, als die junge Lucia ihn in die Waschküche lockt, um ihm ihr Geschlecht zu zeigen und ihn damit erwachsener werden ließ. Vielleicht war es aber auch nur aus Langeweile, während einer öden Schulstunde. So oder so hat er sich Jahre lang an das Verbot gehalten, die Rückseite der Blätter nicht zu lesen, die ihm Oma und Opa während der Ferien bei ihnen in der Schweiz zum Schreiben und Malen überlassen hatten. Dort fanden sich die Druckfahnen der Heftchenreihe „Romane zur Freude und zur guten Unterhaltung“, die die alten Leute nach allerlei Irrungen und Wirrungen ihres harten und entbehrungsreichen Lebens im Alter redigierten.

So oder so: Irgendwann dreht Peter die Blätter um. Er liest die Geschichte der Rückkehr eines Soldaten aus Sibirien, die ihn seltsam berührt. Er liest, wie der Mann plötzlich vor der heimischen Haustür steht, wo ihn seine Frau mit einem fremden Kind und einem fremden Mann an ihrer Seite entgegen tritt. Doch dann bricht die Erzählung ab, weil Peter die restlichen Seiten schon weggeworfen hat. Erst Jahre später fällt sie ihm wieder ein, macht sich der Ich-Erzähler auf die Suche nach dem Autor des Romans, um dessen Ende zu erfahren. Eine Reise in die Geschichte -- auch die eigene Vergangenheit -- beginnt...

Seit seinem Überraschungs-Bestseller Der Vorleser ist der gelernte Jurist und Berliner Autor Bernhard Schlink der Spezialist für verschüttete Biographien, die sich nicht zuletzt, in einer Art Roman im Roman, immer erst in der Lektüre seiner Figuren entwickeln und entschlüsseln lassen. In Die Heimkehr ist das nicht anders. Und auch viel von Schlinks juristischem Fachwissen ist -- neben seiner Vorliebe für historische Stoffe -- wieder einmal in das Buch eingeflossen. Gerade diese Ansammlung eingestreuter, teils grotesker Rechtsfälle macht Die Heimkehr besonders lesenswert. Darüber hinaus ist Schlink wieder einmal gelungen, mit Hilfe einer geradlinigen Sprache und eines von Melancholie durchzogenen Stils zu fesseln. --Stefan Kellerer

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 22 Bewertungen)

Spannende Lektüre und Stoff zum Weiterdenken      4 von 5 Punkten
Zweierlei zieht sich durch dieses Buch: zum einen das Motiv der Heimkehr des Gatten und Vaters, wie man es in der Odyssee und in zahllosen Biographien nach dem 2. Weltkrieg findet, zum anderen die Frage, ob der Dezisionismus, der sich u.a. im Denken und Handeln der Nationalsozialisten findet, und der Dekonstruktivismus des postmodernen Denkens etwas gemeinsam haben, eine Gemeinsamkeit, für die der geheimnisvolle Vater steht, nach dem der Ich-Erzähler im Roman auf der Suche ist.
Diese Suche ist durchaus spannend. Das Buch liest sich gut; allerdings merkt man ihm schon an, daß sein Verfasser ein Professor ist. Nicht die Geschichte selbst, sondern die Gedanken und Motive, die er in diese Geschichte einbauen möchte, bestimmen den Fortgang der Handlung. Das wirkt dann gelegentlich doch recht konstruiert, auch wenn es gut konstruiert ist. Vor allem die Figur des Vaters wird nicht so richtig ein Mensch aus Fleisch und Blut; vielleicht soll sie es auch gar nicht sein.
Anders ist es mit dem Erzähler: wie in seinen anderen Büchern stellt Schlink ihn uns nicht einfach vor, sonder erzählt aus seiner Perspektive. Dadurch identifiziert sich der Leser zunächst einmal mit ihm und entdeckt erst nach und nach im Laufe der Lektüre die Besonderheiten dieses Menschen. Das ist interessant, weil es zugleich ein Selbstfindungsprozeß ist: Was habe ich mit ihm gemeinsam, was nicht?
Ein Buch, das spannend unterhält und zugleich zum Nachdenken anreizt - diese Verbindung ist dem Autor gelungen, auch wenn es vielleicht nicht sein stärkster Roman ist und er die behandelten Themen nicht erschöpfend behandeln kann. Positiv hervorzuheben wäre noch, wie ansprechend die Taschenbuchausgabe des Diogenes-Verlages gestaltet ist - und daß das Buch in der "alten" Rechtschreibung gedruckt ist.


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Die Jakobsleiter - Maarten 't HartDie Jakobsleiter
Maarten 't Hart

Broschiert, Oktober 2006
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"Ich fühlte mich für etwas schuldig, ... das ich nie würde gutmachen können." Der junge Adriaan sieht sich in eine ausweglose Schuldsituation katapultiert, die Jahre lang sein Leben bestimmen wird: ein Junge fällt am Anleger zwischen Kaimauer und Schiff und gerät in die tödliche Schiffsschraube. Kurz vor dem Unglück hatte Adriaan ihn gesehen. Hätte er helfen können?

Eine dramatische Geschichte, in der zunächst Adriaan selbst für den Verunglückten gehalten wird. Er aber verbrachte den Tag mit der jungen Klaske. Auch diese Begegnung wird sein Leben bestimmen. "Ich will dich später einmal heiraten."

Das ist die faszinierende, immer wieder umschmeichelnde Art dieses niederländischen Autors: Beschreibungen, der Natur und der Menschen, der Gedanken und der so facettenreichen Herzensdinge. Fernab jeder inneren Hektik nimmt Maarten 't Hart sich Zeit und Muße, voller Wärme und durchaus mit autobiographischen Ambitionen, in Ich-Form Pubertät und Jugend des jungen Adriaan zu erzählen. Da gibt es eben die "typischen Septembertage, die mit kühlem, goldenem Licht anfangen und mit staubigem, butterfarbenem Licht enden ..." und die Menschen, die an "einen verschlammten Wassergraben" erinnerten, "in dem an einem warmen Sommertag Gasblasen hochblubberten."

"Ich weiß nicht, warum es mich gibt. Ich verstehe die Welt nicht." sagt Adriaan aus tiefer pubertierender Seele und in jugendlichem Weltschmerz und es ist wie die Geschichte der Reise nach Panama: manchmal sind es die Umwege im Leben, die Erkenntnis und Erfahrung schaffen. Fast väterlich zärtlich erzählt Maarten 't Hart diese sehr runde Geschichte vom Erwachsenwerden. Sie hat mit Weggehen und Wiederkommen zu tun und mit der tiefen Geborgenheit in der Familie, sie hat mit dem Glauben zu tun und den diversen Glaubensgemeinschaften, die mit ihrem 'religiösen Eifer' den Hintergrund der Romankulisse bilden. Manche sind dabei "noch orthodoxer als der liebe Gott."

Aber es geht keineswegs betulich oder verstaubt oder gar überaus fromm zu, da ist immer noch Platz für Witz, für Spott und all das, was dem Leben miteinander die Würze gibt. Maarten 't Hart schreibt so, als hätte man es eben gerade irgendwo gehört. --Barbara Wegmann

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)

Religionsgeschichte ist Ergebnis menschlicher Eitelkeiten      5 von 5 Punkten
Diese Erzählung ist zweierlei: Kirchengeschichte und Entwicklungsroman. Sehr kenntnisreich werden die Glaubensspaltungen beschrieben und erläutert. Darin verwoben wird die Geschichte eines Jungen, der mit der Frage nach seiner Schuld ringt. Es wird deutlich, wie es zu den Zersplitterungen kommt und welche Bedeutung es hat zu reden. Der Protagonist wird erst dadurch erlöst, dass er eine Antwort auf seine Fragen bekommt. Diese Antwort erhält er nicht, weil er eine konkrete Frage stellt, sondern weil es eine eher zufällige Begegnung gibt und er sein Gewissen, sein Nachfragen, seinen Wunsch zu wissen, nicht abstellt, sondern immer auf der Suche bleibt. Marten t'Hart löst die Theodizeefrage nicht tröstend oder seicht, sondern lässt alle Fragen offen, obwohl am Ende des Buches Erlösung spürbar wird und damit - wie es Joseph Pieper formulieren würde - die glückseligmachende Schau spürbar wird. Ein tröstendes Buch, das nicht leichtfertig und simpel Lösungen anbietet. Es ist auch ein Buch, das Menschen helfen kann, die in ihrem Umfeld einen Suizid miterleben mussten.


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