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| Zeitgenössische Literatur | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Vineland Thomas Pynchon Taschenbuch, Mai 1995 Verkaufsrang: 39430 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden ä»Vineland« ist vermutlich das zugänglichste Buch, das der große Unbekannte Thomas Pynchon je geschrieben hat. Der Roman beginnt mit dem Sprung durch eine Fensterscheibe und zerbirst danach wie sie in Myriaden glitzernder Scherben. Aber am Ende, wie in einem Film, der rückwärts läuft, springen die Splitter vom Boden hoch und fügen sich auf wunderbare Weise zu einem Ganzen. (Salman Rushdie)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
Von Paranoia bis bittere Abrechnung 5 von 5 Punkten In Vineland kämpft sich Pynchon bis unmittelbar an die jüngste Geschichte Amerikas heran. Der Roman spielt hauptsächlich in der Nach-68er-Ära mit ihrer gesellschaftlichen Zerfaserung in Drogenkonsum, New Age Irrwegen, östlichen Weisheitslehren auf der einen und der von Funktionsträgern missbrauchten Staatsmacht auf der anderen Seite. Fernsehsucht (Pynchon erwähnt viele bekannte Fernsehserien, z.B. Raumschiff Enterprise), die Ödnis moderner Einkaufszentren und das Verkommen der Rockmusik (viele bekannte Bands werden erwähnt) zu reinem Kommerz, die Entwicklung vom Hippie- zum Yuppietum sind nach wie vor aktuell. Nebenbei liefert der Roman noch einen aufschlussreichen Abriss der Gewerkschaftsgeschichte und politischen Linken Amerikas (Ja, so etwas gibt es!). Bei der Gelegenheit verschafft der Autor den Lesern auch Einblick in die frühe Geschichte Hollywoods. Der Weg scheint unvermeidbar vorgezeichnet in die politische Reaktion und den Neoliberalismus zu führen, welche in der Reagan Ära eingeläutet wurden.
Großartige Literatur, die alle dafür förderlichen Zutaten enthält: eine feine psychologische Zeichnung der Charaktere, die mitten im politischem Zeitgeschehen stehen, einer gehörigen Portion oftmals grimmigen Humors und der bei Pynchon unvermeidbaren Paranoia. Vineland ist vor allem aber das Dokument einer vollkommenen Desillusionierung, die vor nichts halt macht.
Man merkt übrigens an vielen Stellen, dass Pynchon über ausgezeichnete Kenntnisse auf dem Gebiet der Technik verfügt. Er kennt sich z.B. bestens mit Kameras aus und ist offenkundig auch mathematisch versiert. Allein die immer etwas zu plakative Namensgebung scheint eine Art Marotte des Autors zu sein.
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Das rote Notizbuch Paul Auster Taschenbuch, Oktober 2001 Verkaufsrang: 83492 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In einem roten Notizbuch hat Paul Auster über viele Jahre Ereignisse aus seinem Leben und dem von Freunden festgehalten; Ereignisse, bei denen der Zufall eine entscheidende Rolle spielte: fünfzehn unglaubliche Erzählungen, allesamt wahr und doch so phantastisch. Beim vorliegenden Band handelt es sich um eine erweiterte Neuausgabe. "Sie können den Auster aufschlagen, wo Sie wollen, und er ist immer interessant. Ein geistreicher Schriftsteller!" (Marcel Reich-Ranicki im Literarischen Quartett)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)
Zufall, Schicksal und die richtige Haltung 5 von 5 Punkten Auster hat in diesem Büchlein Begebenheiten aufgezeichnet, die ihm und Menschen seines Umfeldes widerfahren sind und in denen der Zufall auf nahezu unglaubliche Weise lebens- und schicksalsgestaltend gewirkt hat. Die Idee für eine solche Sammlung und auch eine derartige Häufung von Ereignissen dieser Art in einem Leben - dies alles ist wohl typisch für Paul Auster. Typisch für seine warme, offene, klare Art auf das Leben und die Menschen zuzugehen, ohne rosarote Brille Hoffnung vermitteln zu können. Und das alles mit einer schönen und einfachen Sprache - eine Genuß für Herz und Hirn!
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Die Unwissenheit Milan Kundera Taschenbuch, November 2002 Verkaufsrang: 80381 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Nicht erst seit seinem Bestseller über Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (1984) erfüllen die Bücher Milan Kunderas einen Doppelzweck. Zum Einen befriedigen sie das Leserinteresse nach guter, meisterhaft komponierter Belletristik, zum Anderen vermitteln sie nach der Lektüre das Gefühl, auch etwas über das Leben (und natürlich die Liebe) gelernt zu haben. Bei Die Unwissenheit ist das nicht anders: Erzählt wird die schicksalhafte Geschichte der tschechischen Emigranten Irena und Josef, die nach "dem Verschwinden des Kommunismus" und persönlichen Odysseen aufgrund ihrer zufälligen Wiederbegegnung in Paris in den neunziger Jahren versuchen, an ihre während des Prager Frühlings und dessen Niederschlagung untergegangene Beziehung anzuknüpfen. Dabei müssen beide erkennen, dass ihr Leben bisher ohne jegliche Gewissheit vonstatten ging -- und ohne Gewissheit, ohne alte oder neue Heimat weitergehen muss. Hinterlegt wird das erzählerische Gesellschafts- und Beziehungspanorama in der für Kundera typischen Art mit allerlei essayistischen Einschüben, die -- nicht ohne autobiografischen Hintergrund -- von der Schwierigkeit des Lebens in der (Pariser) Fremde und einer -- vielleicht doch noch möglichen -- "großen Rückkehr" in die (Prager) Heimat handeln. Ein bezaubernder Roman über Heimweh und Sehnsucht, Emigration und Neuanfang, Sprachverlust und -neufindung, Vergessenwerden und Wiedererinnern, aber auch über die Unwägbarkeiten der Liebe und die (immer auch erotisch-flüchtige) Leichtigkeit des Seins. Die Unwissenheit ist ein kleines Meisterwerk, das derjenige nicht ohne Gewinn aus den Händen legen wird, der philosophisch angehauchte und gut geschriebene Romane zu schätzen weiß. Und etwas über das Leben und die Liebe in der Fremde lernen kann man auch. --Thomas Köster
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)
Die wunderbare Leichtigkeit des Milan Kundera 5 von 5 Punkten Nach Beendigung der Lektüre "Die Unwissenheit" von Milan Kundera fällt mir auf, daß ich bisher nie über seine Werke geschrieben habe, obwohl ich doch schon einiges von ihm gelesen habe. Natürlich "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins", aber auch "Die Unsterblichkeit" und "Abschiedswalzer". Vielleicht sogar noch ein weiteres Werk, aber das will mir nicht sofort einfallen. Und immer, immer habe ich seine Geschichten aufgesogen, wie ein gänzlich ausgetrockneter Schwamm auch die kleinsten Wassermengen aufnimmt. Sein Stil ist so unverwechselbar, geradezu von dem Kundera Ton könnte man sprechen, wie auch Bigbands einen unverwechselbaren Sound haben, so hat auch ein Kundera Roman diesen ganz eigenen Sound. Weich und einschmeichelnd, anschmiegsam und auch immer sehr gescheit, reflektierend, erklärend. Die Geschichten mit einem Sog, den zu entziehen, ich mir nicht gestatte. So sind diese Romane allesamt Meisterwerke und schon lange denke ich, daß dieser Mann, ebenso wie Harry Mulisch den Nobelpreis verdient hat.
In der "Unwissenheit" beschreibt er das Aufeinandertreffen zweier Menschen, beide seit zwanzig Jahren nicht mehr in Böhmen lebend, beide auf der Suche ihrer Vergangenheit, beide zufällig auf einander aufmerksam geworden. Er kann sich nicht einmal an sie erinnern, vielleicht irrt sie sich ja auch, ihn überhaupt zu kennen. Aber das ist alles nebensächlich. Eine Geschichte entsteht und zehn andere an ihrem Rand und weitere in den Köpfen der Leser. Ein Magier, dieser Mann und ein wundervoller Schriftsteller mit dieser - fast - unerträglichen Leichtigkeit seines Sounds.
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Das Jagdgewehr Yasushi Inoue Taschenbuch, 13. September 2007 Verkaufsrang: 121484 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Mit einem Jagdgewehr "auf dem wunderlich einsam wirkenden Rücken des Jägers", der seinen Weg durchs Gebirge zieht, fängt alles an. Fasziniert von diesem Bild, schreibt ein Dichter das Gedicht "Das Jagdgewehr". Der einsame Jäger liest das Gedicht in seiner "Jägerzeitung" erkennt sich selbst in den Zeilen wieder und schreibt dem Dichter, genauer: Er schickt ihm die Abschiedsbriefe dreier Frauen, die sein Leben bestimmten: seiner Frau, seiner Geliebten und deren Tochter....
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 15 Bewertungen)
Leise, still und einsam 5 von 5 Punkten Am Ende wartet der Tod. Ein glückliches Leben, heißt es, zu lieben oder geliebt zu werden?
Kann Glück erleben, wer der Einsamkeit sich verschreibt?
Inoue erzählt mittels dreier Briefe das Leben eines offensichtlich erfolgreichen Mannes, der aufgrund eines Gedichtes in einer Jagdzeitschrift sich angeregt fühlt, sein nicht-offensichtliches Leben preis zu geben. Die Tochter seiner gerade verstorbenen Geliebten nimmt klaren, verständnisvollen Verstandes Abschied von ihm. Seine Frau reißt ihn nüchterner Worte in Stücke, seine Geliebte gesteht ihm, dass sie ihn nicht geliebt habe und offenbart ihm per Brief kurz vor ihrem Tode ihr wahres Ich.
Nicht grausam ist diese Geschichte, kein Schlag ins Gesicht des eigentlichen Protagonisten. Tragisch mutet der Umstand an, dass er sich seines Verbrechens an seiner Frau bewusst war, von Beginn an und seine Geliebte diesen Umstand mit ihm zu teilen gewillt war, da sie sich geliebt fühlte und beide mehr als 10 Jahre bar jeden Zweifels ihre Beziehung - es ist nicht Liebe, seine zwar, aber nicht ihre - versteckten und schlussendlich seine Frau von Beginn an davon wusste. Seine Abscheu vor ihr macht ihn einsam in der Zeit seiner Affäre, das Bekenntnis seiner Geliebten vor ihrem Tode beraubt ihn wohl des bis dahin währenden Haltes, erst aber die Verquickung aus Versteckspiel für eine Liebe, die keine war, und dem kalten Bekenntnis, das Verteckspiel war duch und durch unnötig, kommt einem Koma gleich. Plötzlich sind die schwierigsten Jahre nicht nur ihres Zaubers, sondern auch noch ihrer Substanz beraubt. Ein Fluss, in dem kein Wasser fließt. Ein weißes Flußbett. Wo einst Wasser war, herrscht einsame Dürre der Verlassenheit.
Für alle Verlassenen und Verlassenden, Liebenden und Geliebten. Keine großen Worte, aber größte Präzision.
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Schwarze Hunde Ian McEwan Taschenbuch, Januar 1996 Verkaufsrang: 13558 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Als June und Bernard Tremaine im Jahre 1946 auf Hochzeitsreise gehen, blicken sie voller Hoffnung in die Zukunft. Doch ihr Glück ist nur von kurzer Dauer. Eine Begebenheit in Südfrankreich, ihrem Urlaubsziel, läßt eine Kluft zwischen ihnen entstehen. Vier Jahrzehnte später versucht ihr Schwiegersohn, die Distanz zwischen den beiden zu überbrücken, indem er jeden einzeln nach jener Begebenheit befragt und das, was er erfährt, aufschreibt.nd dunklen Seiten der menschlichen Natur und über die Frage, wie man an die Erkenntnis dieser Natur herangehen kann."(profil)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
tiefgründig 4 von 5 Punkten das buch "schwarze hunde" ist nicht nur die geschichte von einer zerbrochenen ehe, es ist der ewige kampf zwischen vernunft und glauben, verkörpert durch die schwiegereltern des weisen jeremy. jeremy steht zwischen diesen beiden poolen. zwischen der wissenschaft, die alles begründen kann und dem glauben an einen gott und damit an einen teufel,den glauben an das unerklärlich gute und das unerklärich böse.
seine schwiegermutter june begegnete dem bösen in form von zwei hunden und wurde dadurch zum glauben an einen gott bekehrt. paradox, mag es scheinen, doch gleichsam einleuchtend.
doch neben dem drama des kampfes zwischen vernunft und glauben wird noch eine frage aufgeworfen, die frage nach der utopisch veranlagten natur des menschen. das ergründen der vergangenheit seiner schwiegereltern ist die suche eines haltlosen, vereinsamten nach einem sinn, einem halt... die zu keinem klaren ergebnis führt.
jeremy sieht, wie die dinge je nach weltanschauung verschieden interpretiert werden, wie jeder die fakten zu gunsten seiner utopie/lebensauffassung etwas abändert und wie die vergangenheit zurchtgebogen wird.
daher kann man sich des eindrucks nicht erwehren, dass am ende jede utopie zum scheitern verurteilt ist und der mensch wieder ohne wegweiser (ohne eltern), verweist in der dunkelheit zurückgelassen wird.
ein nachdenklich stimmendes, tiefgründiges buch.
Geschichte einer englischen Ehe - toll erzählt 4 von 5 Punkten McEwan hat einen psychologisch-politischen Detektivroman, in dem man sich, geleitet durch seine einfühlsame wie sympathische Erzählweise, sogar auf die Geschichte einer gestörten englischen Ehe und deren etwa 40jährige Geschichte einläßt. Zwei junge Leute, Engländer, während des Krieges für die Regierung und deren Unterstützung der französischen Résistance arbeitend, idealistische Kommunisten, machen ihre erste Auslandsreise als Jungverheiratete 1947 in das befreite Frankreich. Auf einer Wanderung durch die einsamen Wälder Südfrankreichs hat June, die junge Frau, ein Schockerlebnis, das sie zutiefst verwandelt und an dessen Verarbeitung - oder Nichtverarbeitung vor allem seitens ihres skeptisch-rationalistischen Mannes Bernard - ihre Ehe später zerbrechen soll: sie wird von zwei schwarzen Hunden angefallen und meint, in ihnen dem Bösen zu begegnen. So findet sie zu Gott. Als sie dem Bürgermeister des Dorfes von dem furchtbaren Zwischenfall berichtet, stellt sich heraus, daß es sich dabei um 1944 freigelassene und seitdem verwilderte Gestapo- Hunde handelte, mit denen die Deutschen vor ihrem Abzug Partisanen gejagt hatten. Aber je mehr wir erfahren, um so komplexer wird das Bild: das der Ex-Kommunisten, das der Résistance, zu der jener Bürgermeister selbst gehört hatte, die Ehe unserer beiden Hauptpersonen, die mühsame Aufarbeitung von Vergangenheit und Gegenwart (Majdanek und Kreuzberg spielen da eine Rolle), die Dissonanzen zwischen dem inzwischen zum Labour-Reformer mutierten Bernard und seiner gottsuchenden June, die sich später in ihr Haus nach Südfrankreich zurückzieht. Die Schwarzen Hunde kehren Jahre später als Nazi-Skins zurück, als Bernard, der bei dem historischen Fall der Mauer unbedingt in Berlin sein wollte, dort einen Türken beschützt, und verletzen ihn schwer. Ein tolles Buch, sehr gut übersetzt von Christian Oeser, das uns auf beklemmende Weise mit der Vergangeheit konfrontiert, die wir nur unterdrücken, aber nie vergessen können. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.) |
Die letzte Welt. SPIEGEL-Edition Band 25 Christoph Ransmayr Gebundene Ausgabe, 29. Januar 2007 Verkaufsrang: 85079 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Als Christoph Ransmayrs Roman Die letzte Welt 1988 erschien, wurde er von der Kritik gefeiert wie kaum ein anderer - wegen seiner poetischen, rhythmischen Sprache, wegen seiner stilistischen Eleganz, aber auch wegen seiner bildmächtigen Traum- und Alptraumwelten. In diesem Roman ist die Verbannung des römischen Dichters Ovid durch Kaiser Augusts im Jahre 8 n. Chr. der historisch fixierte Ausgangspunkt einer phantasievollen Fiktion. Der Römer Cotta, sein - durch Ovids Briefe aus...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 24 Bewertungen)
So schön kann deutsche Sprache sein 5 von 5 Punkten Wenn man das Buch liest, erscheint es als Mischung aus Historienroman, Reiseroman, Kriminalroman und spurenhaft auch phantastische Literatur. Aber es ist auch weit mehr. Zugegeben, ich habe einige Jahre gebraucht, um "Die letzte Welt" zu lesen, nach dem ich in einer Literatursendung eine Besprechung von Christoph Ransmayrs Roman gehört und das Buch gekauft hatte. Es ist schwer zu lesen. Nicht wegen der Sprache, denn die ist ausnahmslos schön wie bei einem Gedicht. Sondern weil ich es nicht verstehe, von was Ransmayr schreibt. Vergangenheit (Rom um das Jahr 8 nach Christus) und Gegenwärtiges (die eiserne Stadt) vermischen sich. Cotta, Ovids Freund, sucht den verbannten Dichter Ovid in einer fremden Stadt. Dort trifft er u.a. auf Echo, eine junge schöne Frau, die an einer merkwürdigen Hautkrankheit leidet, d.h. Echos Haut ist sehr empfindlich gegen Sonne, Wind, usw. Echo verschwindet ebenfalls. Wer Ovids Hauptwerk "Metamorphosen" kennt, nach dem auch Cotta sucht, hat beim Verständnis natürlich Vorteile. "Die letzte Welt" ist ein ca. 300 Seiten langes Prosagedicht. Die Interpretation ist schwierig. Ohne sich selbst beim Lesen Anmerkungen zu machen, Auffälliges zu unterstreichen, hat man eigentlich keine Chance, das Buch durchzuarbeiten. Ich selbst mochte in der Schule Gedichte sehr gerne lesen, wegen der schönen Sprache, aber auch wegen der Überschaubarkeit des Gesamttextes, der hier nun sehr umfangreich ist, weswegen ich so lange mit dem Buch zu kämpfen hatte. Nach zehn Jahren bin ich so verblieben: Ich weiß, das Buch ist ein Meisterwerk der deutschen Literatur, es gefällt mir auch, aber es bleibt ein Rätsel, und ich blättere immer wieder darin wie in einem Gedichtband und lese einzelne Passagen, wie z.B. "Nach den langen Wochen der Hitze, in denen nur der Tau die Dürre gemildert hatte, rauschte in einer Septembernachtder erste Herbstregen herab, ein warmer schwerer Regen, den die dünne Krume der Terassenfelder aufsog, bis ihre zerrissene, unfruchtbare Härte gesättigt war und sich in Schlamm verwandelte, der aus den ummauerten Nestern der Gärten und Felder trat und ans Meer hinabkroch." Auch als Deutscher muss man seine eigene Sprache erst mal kennen und beherrschen lernen, besonders in Zeiten der PISA-Studien und Kommunikation per SMS. "Die letzte Welt" ist auch eine Welt der Sprache, und Ransmayr (*1954 in Österreich) hat hier etwas geschaffen, das Bestand haben wird und von dem man sehr viel lernen kann. Auch wenn es um den römischen Dichter Ovid geht, "Die letzte Welt" ist kein Denkmal für die lateinische Sprache, sondern für die deutsche. Lateinische Wörter kommen in dem Buch kaum vor, höchstens dem Lateinischen entliehene Wörter wie Fenster (fenestra), wenn man so will. Fazit: Wer sich von historischen Stoffen nicht abschrecken lässt, Geduld und Interesse beim Lesen nicht leicht verliert, sich an Gedichten und schöner Sprache erfreuen kann, ist hier gut aufgehoben und erhält hier etwas Bleibendes, ein Buch, das man immer wieder gerne aus dem Regal zieht.
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Die Netzflickerin Maarten 't Hart Taschenbuch, Februar 2000 Verkaufsrang: 23309 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Bei uns wurde der Niederländer Maarten 't Hart mit seinem Roman Das Wüten der ganzen Welt auf einen Schlag berühmt. Sein neues Buch Die Netzflickerin erzählt das Leben des Apothekers Simon Minderhout. Geboren wurde er 1914 und schon in der scheinbar unbeschwerten Kindheit treten ihm die Fragen entgegen, die ihn sein ganzes Leben beschäftigten werden. Ist er Schuld am Tod seines Freundes? Die beiden hatten sich darum gestritten, wer den Rest in der Bierflasche bekommen sollte. Keiner ahnte, daß sie ein Pflanzengift enthielt. Simons Ruhelosigkeit besänftigt nur die Musik. Sein Vater versucht ihn zu trösten: "Alles, was du tust und läßt, hat meistens keine, aber manchmal ganz plötzlich unheimlich weitreichende Folgen. Fast immer geht es gut, aber ein einziges Mal nicht." Ein ergreifend schönes Buch, das unbedingt mit der dazugehörenden CD, die die passende Musik von Bruckner enthält, genossen werden sollte. --Manuela Haselberger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)
Hexenjagd 5 von 5 Punkten Am Anfang steht die Beobachtung einer unverfänglichen Tat, daraus wird eine Idee, eine Interpretation. Später verdichtet sich die vermeintliche Gewissheit über die Motive des Handelns und es entsteht Wissen. Wissen, das in den falschen Händen zur Anschuldigung eines Unschuldigen führt. Hexenjagd! Aber ist derjenige wirklich schuldig oder ist nicht doch unschuldiges Opfer? Es rächt sich, daß er sich jahrzehntelang kaum in das städtische Leben integriert hat. Ja, er lebte in dem Ort, allerdings auf seine Art, ohne am wirklichen Dasein der ihn umgebenden Menschen teilzunehmen. Diese empfinden seine Art als hochnässig und merkwürdig. Nicht ohne Grund erstrecken sich die Kommentare der Bevölkerung nach Veröffentlichung der angeblichen Tat über mehrere Seiten. Die perfekten Ausgangsbedingungen um ihn als schwarzes Schaf auszugrenzen und zum Sündenbock zu stempeln - der Autor gibt ihnen viel Raum. "Was kann befreiender sein, als jemanden mit Schuld zu beladen?" (Seite 335)In diesen Worten Aaron Obersteins steckt viel Wahres. Es ist unerheblich ob die Tat so tatsächlich passiert ist, es interessiert auch keinen. Die Zeitungsnachricht wird zum Selbstläufer, der angeblich Schuldige an den Pranger gestellt.
Dieses Buch erinnert tatsächlich sehr an "Das Wüten der ganzen Welt". Nicht nur weil dieselben Charaktere wieder auftauchen und weiter vertieft werden, auch die Schuld- und Schicksalsfragen wiederholen sich. Darüber hinaus gewinnt die Geschichte durch die Sündenbock-Thematik eine neue Dimension. Alles in allem unbedingt lesenswert!
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Ehepaare John Updike Taschenbuch, Januar 1972 Verkaufsrang: 83746 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden John Updike: 'Es heißt unentwegt, Liebe und Sex seien die neuen Grundlagen unserer Moral. Ich wollte der Sache einmal auf den Grund gehen und die Frage stellen: wäre das überhaupt wünschenswert?' Das vieldiskutierte Thema Partnertausch wurde zum Gegenstand eines bedeutenden und international erfolgreichen Romans.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)
Ein Meisterwerk 5 von 5 Punkten Dieses Buch hat so finde ich auch nach nun mittlerweile 39 Jahren
seit Erscheinen immer noch interessantes zu bieten .
Updike ist, wie in fast jedem seiner Bücher, ein herrliches Gemisch gelungen . Anhand der sexuellen ausschweifungen Ende der sechziger
Jahre skizziert er eine Studie des Menschen der sich selbst als auch anderen keinen Wert beimisst.
So haben die verschiedenen Personen kaum oder nur geringe Skrupel
ihre Ehepartner zu hintergehen .
Wobei Piet(Die maennliche Hauptfigur)gegen Ende des Buches merkt das
er mit seinen verschiedenen Abenteuern sich selbst mehr geschadet hat
als er zuerst dachte.Saemtliche seiner Partnerinnen kehren zu ihren Ehepartnern zurück während er alleine dasteht.
Als dann gegen Ende auch noch die Kirche abbrennt , wird klar das sich die Bewohner des Ortes Tarbox, eine Gottesgegenwart nicht länger verdient haben .
Brillante literarische Umsetzung des Themas,glaubhafte Charaktere und am Ende die Moral von der Geschicht!
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Die Nacht der Amazonen Herbert Rosendorfer Taschenbuch, 1992 Verkaufsrang: 81525 Gewöhnlich versandfertig in 3 bis 6 Tagen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Herrlich böse und ein echter Leseschmaus! 5 von 5 Punkten Die Roman-Biografie einer Münchner Nazigröße, eines Duzfreundes des Gröfaz, hat Rosendorfer offensichtlich auf verschiedenen Zeitdokumenten aufgebaut. Dem "Helden" des Buches ist jedes Mittel recht, um auf der Erfolgsleiter nach oben zu kommen, und er beweist dabei eine Schlitzohrigkeit, die ihn fast schon wieder sympathisch macht. Allerdings bleibt einem manchmal das Lachen ein bisschen im Hals stecken. "Die Nacht der Amazonen" ist eine geschichtliche Lehrstunde mit ungeheurem Unterhaltungswert; ohne erhobenen Zeigefinger werden die Nazis entmystifiziert. Köstlich auch die immer wieder dazwischengeschobenen Gespräche der "ganz normalen" Leute und ihre Ansichten über den aufkommenden Nationalsozialismus. Rosendorfer regt zum Lachen und zum Nachdenken an, eine gute Medizin gegen rechtsradikales Gedankengut.
Müßte in der Schule Pflichtlektüre sein! 5 von 5 Punkten Die lässig ironische Distanz bar jeder Klugscheißerei zieht einen ungeheuer souveränen Stil nach sich. Glücklicherweise muß einem trotz der historischen Ereignisse das Lachen nicht im Halse stecken bleiben - der Zeigefinger bleibt unten. Zur Charakterfestigung eines jeden Teenagers zu empfehlen, dringend! |
Die portugiesische Reise Jose Saramago Taschenbuch, April 2005 Verkaufsrang: 76549 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Plötzlich steht der Reisende auf der Grenze zwischen Spanien und Portugal. Der Tank befindet sich noch im Land, aus dem er gekommen ist; der Motor zeigt schon die Richtung an, in die es geht. Der Reisende selbst sitzt auf der Schwelle, und predigt den Fischen, die unter ihm hindurchziehen: "Welche Sprache sprecht ihr, wenn ihr die Unterwassergrenzen kreuzt? Und habt ihr dort unten Pass oder Stempel? Erteilt mir, Fische, eine klare Lektion." So frei wie die Fische im Wasser, weiß der Schriftsteller José Saramago, kann man sich nicht beim Reisen, wohl aber beim Schreiben über das Reisen fühlen. Saramago ist ein ebensolcher Grenzgänger wie der Reisende seines halbfiktiven Berichts. Der Autor, der 1998 den Nobelpreis für Literatur erhielt, lebt heute auf Lanzarote, und machte sich mit seinem klapprigen Auto für mehrere Monate auf den Weg durch seine alte Heimat Portugal: von Nord nach Süd und Ost nach West. Wie ein Fremder betrat er offenbar das eigene Land, und dieser naive Blick auf die Landschaft, die Menschen und die Kulturgüter, der immer wieder auf- und abschweift, kommt dem Band sehr zugute. So ist Die portugiesische Reise ein autobiografisch angehauchtes Buch geworden, das zwischen Dichtung und Wahrheit, Essay und Roman immer wieder wundervoll changiert -- und nicht zuletzt die innere Landkarte des Dichter-Ichs auszuloten versteht: so abwechslungsreich und weit wie das Land, das er behandelt. "Das Glück hat viele Gesichter", heißt es im Vorwort des Romans: "Das Reisen ist wahrscheinlich eines davon." Ein anderes könnte sein, auf derart beglückende Art vom Reisen zu lesen. --Thomas Köster
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Erhebend... 5 von 5 Punkten Über dieses Buch ist von meinen Vorgängern hier schon sehr vieles gesagt worden. Ich finde es ausgesprochen bedauerlich, daß das Buch hierzulande nicht ebenso als liebevoller Bildband erschienen ist, wie in Portugal. Dann sähen die Reaktionen etwas anders aus, denke ich. Mit zahlreichen passenden Fotos (die Saramago teils selbst geschossen hat) erhält der Leser einen viel besseren Einblick, wird mitgenommen, kann ein bißchen nachfühlen, ist mit dabei. So bleibt nur das geschrieben Wort, aus dem natürlich trotzdem zur Genüge die Menschenliebe, der Humor, die Großmütigkeit, die Vernunft, die Ironie Saramagos spürbar ist. Mancher erwartet mehr (siehe vorherige Rezensionen). Das Buch heißt im Original "Reise nach Portugal", nicht "Reise durch Portugal". Saramago bereist das Land nicht, er versucht es zu finden. Dies ist nichts anderes als ein ganz individueller Bericht einer persönlichen Reise, vollkommen subjektiv. Der Leser mag mitreisen, wenn er mag. Er wird Portugal (und in gewisser Weise Menschen und Länder allgemein) auf eine sehr menschliche, unbeschwerte und persönliche Weise kennen lernen. Nicht wie mit einem Reiseleiter, sondern wie mit einem portugiesischen Freund bekommt man hier einen sehr subjektiven, aber dafür ungeheuer tiefgehenden Einblick. Es mag auch ganz andere Einblicke geben, ganz andere Arten, Portugal kennen zu lernen. Saramago bietet seine ganz persönliche in diesem Buch an. Nicht mehr und nicht weniger. Ich persönlich halte dies für eine denkbar gute Art, dieses unbekannte kleine, arme, reiche Land kennen zu lernen. Wer es lauter, stolzer, glänzender, extrovertierter mag, der fährt wahrscheinlich ohnehin ins viel besser vermarktete Spanien. Bei uns wird das positiv belegte Spanien nie als Vielvölkerstaat wahrgenommen (ebensowenig seine Probleme mit allen Nachbarn, von Frankreich bis Marokko, von Gibralter ganz zu schweigen). Dafür ist das Bild des kleineren Nachbarn Portugal eher negativ belegt, wenn überhaupt irgendwie "belegt"... klein, arm, unbedeutend, unbekannt. Und wer irgendwie zufällig doch Interesse an Portugal abseits der Postkartenmotive findet, für den ist dieses Buch Saramagos eine gute Möglichkeit, etwas mehr über das Wesen UND die Landschaft Portugals kennen zu lernen. Weitergehende Eindrücke gibt es in jedem Reiseführer, oder persönlich vor Ort. Oder bei Pessoa, Lobo Antunes, Lidia Jorge, Castelo Branco etc. Unbedint erwähnen muß man aber, daß dieses Buch bereits älter ist (schon 1998 gab es eine 17.Auflage des aufwendigen Bildbandes!), und Portugal seither eine stete veränderung durchmacht, immer mehr seiner Eigenarten einbüßt. McDonalds, Lidl, Werbung auf jeder Anhöhe, immer weniger regionale Produkte, die auch bei uns bekannten gesellschaftlichen Veränderungen (Verstädterung, Individualisierung, Kommerzialisierung, Überalterung, etc), alles dies sieht Saramago auf dieser Reise bereits, aber nur als Ahnung, noch nicht als Beschreibung des heutigen Zustands, der immer weiter die großen Städte und Küstengebiete verläßt und sich über das gesamte Land ausbreiten will. Die EU will schließlich irgendwann die "Vereinigten Staaten von Europa" werden. Um so mehr ist dieses Buch ein Genuß und ein Dokument.
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Eine Mittelgewichts - Ehe John Irving Taschenbuch, Januar 1988 Verkaufsrang: 57548 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Zwei Paare beschließen, es einmal mit Partnertausch zu versuchen. Ein mittelgewichtiger Versuch, mit dem schwergewichtigen Problem der Ehe fertigzuwerden und wieder gefährlich zu leben. Anfangs scheint auch alles zu klappen, doch dann entpuppt sich einer der Vier als Spielverderber, die Vierecksgeschichte entwickelt sich zunehmend zu einem Kampf hinter verschlossenen Türen, mit schmerzlichen Folgen ... "Irving beobachtet und beschreibt nicht nur die auffälligen Drehungen und Wogen dieses Paarungstanzes, er blickt darüber hinaus auf die Auswirkungen am nächsten Morgen." (Washington Post) "Einfallsreiche und intelligente Unterhaltung mit Gespür für komische Situationen." (Süddeutsche Zeitung) "Eine bemerkenswerte Seite von Irvings Talent ist, wie er uns langsam, sorgfältig und offenherzig in eine erotische Dämmerung lotst und uns dort auf die Matte haut." (Los Angeles Times)John Irving wurde 1942 in Exeter in New Hampshire geboren. Als Berufsziele gab er schon sehr früh an: Ringen und Romane schreiben. Irving lebt und schreibt heute abwechselnd in New England und Kanada.
Eine Mittelgewichts-Ehe John Irving In einer Universitätsstadt in Neuengland beschließen zwei Paare, es einmal mit Partnertausch zu versuchen, ein mittelgewichtiger Versuch, mit dem schwergewichtigen Problem der Ehe fertig zu werden und wieder gefährlich zu leben. Anfangs scheint in dieser »erotisch-Ironischen Geschichte einer Viererbeziehung« (The New York Times) alles zu klappen, doch dann entpuppt sich einer der Beteiligten als Spielverderber, der Paarungstanz...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)
Partnertausch 5 von 5 Punkten In "Eine Mittelgewichtsehe" werden vier Charaktere beschrieben, deren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als auch deren Sexleben auf Irvingsche-weise miteinander verwoben sind. Es geht um Partnertausch mit allen erdenklichen irrwitzigen Fantasien, der anfänglich anregend für die eigene Beziehung sein soll, im Verlauf jedoch einerseits zu einer Abhängigkeit führt andererseits sich als Beziehungskiller entpuppt. Neben diesen grotesken Details beschreibt Irving das ganz normale Familienleben dieser vier Protagonisten, die Angst um ihre Kinder und ihre Liebe zu ihnen. Im Kontrast zu dieser biederen Seite wirken ihre ungewöhnlichen Vorlieben, den Partner zu tauschen, als könnten sie so davor bewahrt werden, erwachsen zu sein. Und auch die Charaktere an sich sind wieder einmal schillernder als man sich vorstellen kann. Auf der einen Seite der Ich-Erzähler, ein schwacher und farbloser Mann, der seine Frau nicht halten kann. Utsch seine Frau, ein von einem Russen in Wien aufgezogenes etwas eigenwilliges, aber dadurch sehr interessantes Mädchen. Edith, eine junge Schriftstellerin am Anfang ihres Erfolges, rauchend und gelangweilt. Und schlussendlich der eigentliche Mittelpunkt des Romans, Severin, das Abbild von Owen Meany (lies Irving Owen Meany). Insgesamt finden sich sehr viele Themen in "Eine Mittelgewichtsehe", die sich wie ein roter Faden durch Irvings Romane ziehen.
"Eine Mittelgewichtsehe" ist ein sehr früher Roman Irvings, der stilistisch fast noch konstruiert wirkt. Aber gerade dieses stilistische Konstrukt bildet den Kontrast zu dem völlig unkonventionellen Inhalt und macht Irvings Genialität aus. In den ersten vier Kaptieln werden die Charaktere systematisch vorgestellt. Es folgen sechs weitere, in denen sich die Viererbeziehung auf einen Höhepunkt entwickelt und dann wieder abflaut. Und das Ende ist selbst mir als überzeugter Irving-Fan auch nach vielem Nachdenken, Drehen und Wenden komplett unverständlich. Es macht sehr viel Spaß, die verborgenen Winkel dieses Romans zu entdecken.
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Der Butt (Fiction, Poetry & Drama) Günter Grass Taschenbuch, Dezember 1999 Verkaufsrang: 51238 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Im Gegensatz zum Märchen vom Fischer und seiner Frau ist es im Butt von 1977 der Mann, der beraten vom wundersamen Plattfisch immer höher hinauswill und so Geschichte macht; von den blutigen Köpfen, die sich die Männer der steinzeitlichen Horden gegenseitig schlagen, bis zu den Interkontinentalraketen unseres Jahrhunderts. 400 Jahre Männergeschichte als sinnloser Reigen der Gewalt werden in der Danziger Bucht vom Autor, Erzähler und...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
Grass und sein Butt - Wunderbar !! Einzigartig !! 5 von 5 Punkten Günter Grass hat mit diesem Wunderwerk bewiesen, dass es ein Leben nach Oskar Matzerath gibt: Die Geschichte des Butts, der zunächst Vertreter der "Männersache" ist und die Stellung des Mannes verbessern will, ist erzählerisch sogar ausgereifter als "Die Blechtrommel". Das Märchen vom Fischer und seiner Frau einmal anders herum, durchläuft der Protagonist alle Epochen der Weltgeschichte, immer begleitet von klugen Kommentaren des Butts.Schließlich konvertiert genau dieser Butt und tritt dem "Feminal" bei. Witzig und gleichzeitg meisterlich lässt Grass die "Ilsebill" immer wieder auferstehen und mit einer Mischung aus hoch intelligenter Sprache, Umgangssprache und "Fäkalsprache" ist es ein Hochgenuss, dieses Buch zu lesen. Wer eine Fortsetzung der Danziger Trilogie erwartet, wird enttäuscht sein. Ebenso der Leser, der sich Inhalt und Personenkonstellationen gerne einprägt: Während des Lesens muss das Buch genossen werden, denn hinterher ist vieles nicht mehr geläufig. Also nicht enttäuscht sein, wenn man sich die Fülle des genialen Inhalts nicht merken kann und wahrscheinlich auch gar nicht soll.
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Hundstage Walter Kempowski Taschenbuch, Oktober 2004 Verkaufsrang: 87134 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Hundstage" - die heiáesten Tage des Sommers. Diese Zeit will der Schriftsteller Alexander Sowtschick auf seinem schnen Anwesen in Norddeutschland verbringen. Allein, ohne seine Ehefrau und ganz auf sein neues Werk konzentriert. Aber die geplante Idylle wird grndlich gestrt: Es kommt zu einer Reihe unvorhergesehener Ereignisse - bis hin zu einem Mord. Und Alexander Sowtschick nhert sich immer mehr den Abgrnden der eigenen Seelenlandschaft.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Erstklassig 5 von 5 Punkten Feiner Humor, Ironie und viel unterschwellige Erotik, am besten zu lesen an heißen Sommertagen, denn die Stimmung der heißesten Tage ist einmalig gut eingefangen.
Gleichzeitig eine Zeitreise in die 80er, aus der Sicht eines damals 60jährigen. Die Hauptfigur lebt auf einem Anwesen, wie es sich Erfolgreiche in den 60ern und 70ern bauen ließen, als der Grund auf dem Land noch fast umsonst zu haben war und als ein eigenes Schwimmbad dazugehörte. Allein die ausführlichen Beschreibungen des Hauses sind schon sehr nostalgisch.
Das Nachkriegs-Westdeutschland einschließlich der unvermeidlichen 68er bekommt sein Fett ab, aber niemals platt, sondern beiläufig eingestreut und gerade deswegen erheiternd. Natürlich wird auch der Literaturbetrieb gnadenlos vorgeführt.
Die beiden Mädchen (eine Schülerin und eine junge Studentin), die dem Hauptdarsteller als Musen die Tage und Nächte versüßen, sind späte Babyboomer. Hut ab vor Walter Kempowski, wie treffend er diese Generation trotz des großen Altersunterschieds beschreibt.
Der Vergleich mit Thomas Mann ist keineswegs unangemessen. Es ist ein heiterer und lockerer Roman, aber keine Unterhaltungsliteratur (das erklärt die Enttäuschung einiger Leser hier). Wer das Lesen von großer Literatur gewöhnt ist, dem wird keine Minute langweilig vorkommen.
Einer der besten deutschen Nachkriegsromane!
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Heißer Sommer. SZ-München Bibliothek Uwe Timm Gebundene Ausgabe, 5. Juli 2008 Verkaufsrang: 20428 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Wie war 1968 in München? »Heißer Sommer« ist eines der wenigen literarischen Zeugnisse der Studentenrevolte. Das Buch ist ein Stück Geschichte, das politische Erwartungen wach hält und die Atmosphäre eines historischen Moments mit all seinen Spannungen, Aufbrüchen und Entwicklungen beschwört.
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Rituale Cees Nooteboom Taschenbuch, September 2004 Verkaufsrang: 19902 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Cees Nooteboom legt in seinem Erfolgsroman "Rituale" heiter und melancholisch Zeugnis ab von der weltschaffenden Kraft seines souveränen, leichten wie philosophischen Erzählens, seiner Fähigkeit, das Sein zum Schein und den Schein zum Sein zu verwandeln: Inni Wintrop will sich selbst töten, weil er in seinem Horoskop prophezeit hatte, seine Frau werde mit einem anderen durchbrennen, und er, der ja Löwe war, würde dann Selbstmord begehen. Doch wie der Tod so spielt,...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)
Phantastisches Sprachgefühl 5 von 5 Punkten Der fabelhafte holländische Autor Cees Nooteboom, noch ein Holländer, den ich gern für den Literaturnobelpreis vorschlagen möchte, hat einen wundervollen Roman geschrieben!
Eine sonderbare Geschichte von Männern, die sich umbringen oder es zumindest versuchen. Männer, die in bestimmten Rollen verhaftet sind, die nicht leben, sondern Rituale feiern. Ein Männerroman, ja, ein Roman voller wundervoller Metaphern, voller ganz phantastischem Sprachgefühl durchwirkt.
Ein tiefgründiger und zugleich immer wieder sehr komischer Roman.
Ein erotischer Roman.
Ein Roman, wie das Leben eben.
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Der große Kater Thomas Hürlimann Taschenbuch, Dezember 2000 Verkaufsrang: 21521 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Zwei Tage im Leben eines Bundespräsidenten. Während er den Besuch des spanischen Königspaares erwartet, wird hinter seinem Rücken bereits eine Intrige vorbereitet, die ihn zu Fall bringen soll. Private Interessen und das Ringen um politische Macht vermischen sich zu einem gefährlichen Sprengsatz.
»Ein verblüffend verwegenes, ja doch gar: ein verrücktes Buch.« Tagesspiegel
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
"Der große Kater" "lebt" 5 von 5 Punkten Man möchte nicht tauschen mit diesem großen Kater, möchte nicht in seiner Haut stecken, nicht in der Klemme, aus der er sich befreien muss, wenn er nicht untergehen will. "Der große Kater" beweist aber gerade im Scheitern eine menschliche Größe und einen Mut zur Wahrhaftigkeit, um die man ihn dann doch vielleicht beneidet, ein wenig jedenfalls.Ich finde Thomas Hürlimanns Roman "Der große Kater" eine ganz ausgezeichnete Geschichte über den persönlichen Werdegang eines Menschen in der Politikarena. Die Story ist straff und spannend erzählt mit eingestreuten Rückblenden, die sich wie edle Präziosen etwas abheben und die Vergangenheit mit der Gegenwart verbinden. Hürlimanns Stil ist klar und schnörkellos, seine Metaphern eindrücklich. "Der große Kater" ist reines Lesevergnügen, weil Inhalt und Form außerordentlich gut sind.
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Himmel, der nirgendwo endet Marlen Haushofer Broschiert, Mai 2005 Verkaufsrang: 80158 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In Himmel, der nirgendwo endet erzählt Marlen Haushofer dicht ineinander verwobene Ereignisse und Eindrücke aus jenem Reich, dessen Himmel nirgendwo endet - aus dem Reich der Kindheit. Sie beschreibt die entscheidenden Jahre, die ein heranwachsendes Mädchen prägen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Autobiographie einmal anders 5 von 5 Punkten "Himmel, der nirgendwo endet" ist keine Autobiographie im eigentlichen Sinne. Vielmehr ist das Buch ein Roman, der sehr stark autobiographisch geprägt ist. So liest sich der Roman auch - wie alle Romane von Marlen Haushofer - sehr leicht, und immer mit einem melancholischen Unterton. Meta, die Protagonistin des Romans, wird durch die Jahre ihrer Kindheit begleitet. Sie lebt mit ihrer Familie recht einsam in den Bergen und so wird ihre Fantasie kaum in ihre Grenzen verwiesen. Meta gruselt sich vor Gespenstern, sie redet mit dem alten Birnbaum und ihr bester Freund ist der große Stein in der Nähe des Hauses. Wenn der Erzähler Meta begleitet, dann können wir alles ganz plastisch aus ihrer Perspektive sehen, und das macht einen großen Teil des Reizes an diesem Roman aus. Und so wird Meta, ohne dass der Leser explizit darauf hingewiesen wird, älter, und das Fantastische verschwindet aus ihrem Leben. Statt dessen werden die Konflikte innerhalb ihrer Familie immer stärker. Ob Meta am Ende des Romans erwachsen geworden ist und sich endgültig aus der Welt ihrer Kindheit verabschiedet hat, muss jeder Leser selber entscheiden. Wirklich sehr lesenswert und einfach ein schön erzählter Roman.
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Eine Handvoll Leben Marlen Haushofer Taschenbuch, November 2004 Verkaufsrang: 89596 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Zwei Jahrzehnte sind vergangen, als eine Frau unerkannt in das Haus ihrer Familie zurückkehrt, das sie einst verlassen hat, um eine Ehe und eine Affäre aufzugeben. Nun steht sie ihrem Sohn gegenüber: -Sie bereute nichts, das Leben war schön, grauenhaft, sanft und ohne Gnade und immer stärker als ihr Herz, das sich dagegen stemmte.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Eine ganz "einfache" Familiengeschichte. 5 von 5 Punkten Eine ganz "einfache" Familiengeschichte. Die Familie Pfluger besteht aus Vater, Mutter, Sohn und Tochter Eine gutbürgerliche Familie, der Vater ein Nagelfabrikant. Das einzige Ungewöhnliche ist, dass Käthe, die nur die Stiefmutter des Jungen ist, diesen mehr liebt als ihre eigene Tochter. Als der Vater bei einem Verkehrsunfall stirbt ist das Haus zu verkaufen und eine reiche Amerikanerin interessiert sich für das Anwesen. Niemand, besonders nicht der Sohn, merkt, dass die Interessentin, Elisabeth, seine leibliche Mutter ist die vor Jahren ihren Mann, ihren und ihren Liebhaber über Nacht verlassen hat. Das Buch selbst wird aus der Sicht von Elisabeth (oder nun "Betty") erzählt, der ersten Ehefrau des nun verstorbenen Herrn Pfluger, Sie erinnert sich an ihre Vergangenheit, an alte Begebenheiten und versucht herauszufinden wer sie ist und warum sie eigentlich damals ihren Mann, ihren Sohn und ihren Liebhaber über Nacht verlassen hatte. Erinnerungen an ihre Kindheit am Lande, die viel zu brutal für das sensible Kind ist in ihrer normalen Bodenständigkeit. Erinnerungen an ihre Zeit im Internat, der Wunsch sich gegen die strenge Zucht und Ordnung aufzulehnen. Aber immer das brave Kind geblieben. Erinnerungen an ihre einzige und beste Freundin, Käthe. Die schon als Teenager erkannte, dass Elisabeth (Betty) nicht fähig war wirklich zu lieben. Erinnerungen an ihren Ehemann, den sie mochte und der ihr immer ein bisschen leid tat - der aber viel zu gut und zu bürgerlich war, als dass sie ihn jemals hätte glücklich machen können. Erinnerungen an ihren Liebhaber, den sie eigentlich nicht mochte. Die Jugendfreundin Käthe kam zu besuch. Freundlich und herzlich nahm sie alle für sich ein. Und so wusste Elisabeth dass ihre Familie, ihr Sohn, bei Käthe in guten Händen wäre. In besseren Händen, als in den ihren. Also verließ sie sie zu ihrer aller Wohl.
Rückkehr in ein vergangenes Leben 5 von 5 Punkten Ich kann mich der Rezensentin aus Österreich in keinster Weise anschließen. Gerade die "langsame" und gedankeninnige Weise von Marlen Haushofer ist das, was einem die Möglichkeit schenkt, ganz nah bei der Erzählerin zu sein. Die grausame Rückkehr in ein früheres Leben, ohne erkannt werden zu dürfen, das Erinnern an Begebenheiten anhand von Postkarten - faszinierend geschrieben. Wer Filme mit Rückblicken mag, wird dieses Buch lieben. Immer wieder taucht man zum Luft holen an die Gegenwart zurück, um dann wieder ein Stückchen weiter in eine ferne und vergangene Welt zu reisen. Etappenweise erfährt der Leser, was die Protagonistin geprägt und letztendlich dazu veranlaßt hat, ihrem bisherigen Leben den Rücken zu kehren. Sensible Menschen mögen mitleiden; in jedem Fall ist dieses Buch eine weitere faszinierende - mit autobiographischen Einflüssen versehene - Erzählung von einer der bemerkenswertesten Schriftstellerinnen dieser Generation. |
Der Liebeswunsch Dieter Wellershoff Taschenbuch, Mai 2002 Verkaufsrang: 123688 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Viele Jahre musste man auf einen neuen Roman von Dieter Wellershoff warten und wurde schließlich mit einem Meisterwerk belohnt: Der Liebeswunsch ist das beklemmend intensive Psychogramm zweier Paare, ein präzises Kammerspiel über Freundschaft, Verrat, Vertrauen und Einsamkeit: "Wir waren ein menschliches Mobile, vier Figuren an unsichtbaren Fäden, pendelnd umeinander kreisend und ständig in Gefahr, sich ineinander zu verhaken." Die Fäden liegen natürlich in der Hand des Autors, der sich hier ein weiteres Mal als Meister des psychologischen Realismus erweist und ein Liebesparallelogramm entwirft, dessen Verschiebungen den Leser in Atem halten. Umso mehr als die Geschichte abwechselnd aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der zwei Männer und zwei Frauen erzählt wird. In der Hörbuchfassung kommen diese Perspektivwechsel durch die vier Stimmen renommierter Schauspieler noch viel besser zur Geltung. Vor allem Anne Moll und Udo Schenk verleihen ihren Figuren eine beeindruckende Präsenz. Gemeinsam mit Gudrun Landgrebe und Ulrich Pleitgen machen sie aus dieser modernen Version der Wahlverwandtschaften ein beeindruckendes Hörerlebnis, von dem man keine Minute missen möchte. --Christian Stahl Spieldauer: 6 CDs, ca. 475 Minuten; vom Autor genehmigte gekürzte Romanfassung.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 28 Bewertungen)
Nicht nur die Liebe zählt. 5 von 5 Punkten Obwohl es allen vier Protagonisten mißlingt, eine erfüllende und zugleich haltbare Beziehung zu führen, zeigt sich doch rasch, daß es nicht der Liebeswunsch allein ist, der die Figuren dieses überaus fesselnden Romans umtreibt.
Vielmehr wird der Partner zum Prüfstein für das eigene soziale Überleben.
So fehlt es Anja an Vertrauen in die doch jedenfalls vorhandenen Fähigkeiten (Beruf,Studium). Ihr Ehemann, Leonhard, ermöglicht es ihr zwar, in den Kreis der sich einmal monatlich zu Romméeabenden Treffenden aufgenommen zu werden. Als Staatsanwalt zeigt er sich ihr gegenüber jedoch immer wieder über jeden Selbstzweifel erhaben.
Marlene hingegen sieht das Glück darin, mit einem Mann wie zwei Berge nebeneinander zu wachsen, jeder stark für sich, und doch ineinander greifend.
Menschen wie Marlene - zwar in Liebesangelegenheiten nicht eben durchgehend erfolgreich, aber andererseits nicht abhängig vom anderen - können in der modernen Gesellschaft bestehen.
Ein Paul, der sich um das Wohl anderer weniger kümmert als um das eigene, kann sich ebenfalls behaupten.
Leonhard, den vermeintlich Vernünftigen, schützt der berufliche Umgang mit ähnlich Gesinnten davor, von jemandem wie Anja ins Unrecht gesetzt zu werden.
Welche Menschentypen potentielle Gewinner, welche eher gefährdet sind, wird in diesem kapitelweise bedrückenden, dann aber auch immer wieder die Lachmuskeln reizenden Schmöker virtuos vor Augen geführt.
Ein Kunstwerk!
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Hasenherz John Updike Taschenbuch, Januar 1976 Verkaufsrang: 138472 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden John Updikes Roman »Hasenherz«, Auftakt des Zyklus über seinen Helden Harry Angstrom, gehört längst zur modernen Weltliteratur. Der Warenhausverkäufer Angstrom, ein blonder Hüne mit zierlicher Nase, die ihm den Spitznamen »Hasenherz« einbringt, hat Glück bei den Frauen aber er bringt ihnen keines. Er verläßt Frau und Kind und versucht, seine ruhelose Sehnsucht in der wilden Liebe zu einer Gelegenheitsprostituierten zu stillen. Nach einem tragischen Ereignis in seiner Familie kehrt er jedoch zu ihr zurück, scheitert erneut und flieht endgültig ins Ungewisse.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Time Out 5 von 5 Punkten Achtung! Wer gerade vor den Traualtar treten will und dieses Buch liest, könnte es sich noch mal überlegen wollen. Doch Harry Angstrom, der ehemalige Baskettballstar verheddert sich nicht deswegen im Leben, weil er Glück bei Frauen hat, er trägt das Scheitern bereits in sich. Wie Updike das Leben seines Lieblingshelden im ersten Band seiner auf mehrere Bände angelegten Geschichte beschreibt, ist so mitreißend traurig, daß man selbst das bedrückende Ende als etwas begreift, das ein Mensch zu tragen hat, weil es ihm auferlegt wird. Ob er selbst Schuld dran ist, einen Gott oder das Schicksal dafür verantwortlich machen darf, überläßt Updike dem Leser, der sich getragen von seiner poetischen Sprache wünscht, die Geschichte würde nicht enden. Was sie ja auch nicht tut, nur wußte das Anfang der Sechziger Jahre ja niemand. Der Orginaltitel "Rabbit, Run" paßt besser zu dem Roman. Updike schickt seinen Angstrom in ein langes Rennen durch Amerika. Wer so startet, verliert das Ziel schnell aus den Augen und kämpft auf seine Weise. Wie wir alle. Eine mitreißende Geschichte.
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