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Seite 15

Terrorist - John UpdikeTerrorist
John Updike

Broschiert, 2. Januar 2008
     Verkaufsrang: 82901      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Ahmed ist nicht von dieser Welt -- und will so schnell wie möglich ins Paradies. Der 18-jährige Junge, der mit seiner irischen Mutter in New Prospect im US-Bundesstaat New Jersey aufwächst, will sich trotz seiner Schwäche für ein Mädchen aus dem christlichen Kirchenchor ganz und gar Allah verschreiben. Sein arabischer Vater hat die Familie in jenem Moment verlassen, als die Erinnerung an ihn hätte einsetzen können: Jetzt füllt der Koranlehrer Imam Scheich Rashid die Lücke aus. Er pflanzt in dem hoch intelligenten Jungen den Wunsch, statt eines Studiums lieber den Lkw-Führerschein zu machen, und vermittelt ihm eine Anstellung in einem zwielichtigen Möbelhaus, in dem die Sitzgarnituren manchmal Unmengen an Dollarscheinen enthalten, sofern die Adressaten „echte Gläubige Allahs“ sind. Nur Jack Levy, ein längst von seinem Gott verlassener jüdischer Schülerberater mit einer Schwäche für Ahmeds Mutter, glaubt noch an die weltliche Zukunft des Jungen. Der aber ist schon als Selbstmordattentäter mit einem Sprengstofflaster auf dem Weg in einen vielbefahrenen Tunnel, um möglichst viele der ungläubigen Teufel mit in den Tod zu reißen ....

“Es gibt genug Menschen, die vor der arabischen Bedrohung warnen”, sagte der Altmeister der US-Literatur John Updike im Umfeld seines Romans Terrorist. „Da mag man es mir zugestehen, den jungen Mann so sympathisch darzustellen, wie es mir möglich ist. Er ist mein Held. Ich habe versucht, ihn zu verstehen und seine Welt zu beschreiben.“ Dieser Versuch ist Updike uneingeschränkt gelungen -- so gut, dass man fast gewillt ist, seine Motive zu verstehen. Denn die amerikanische Gesellschaft, die Updike aus der Perspektive seines Protagonisten beschreibt, ist derart sinnleer, korrupt und sexualisiert, dass man ihr bei der Lektüre selbst eher Abscheu entgegen bringt.

Durch zwei Figuren aber ist es Updike gelungen, eine Art Gegengewicht zur konservativen Kulturkritik seines Romans zu schaffen: Da ist zum einen Joryleen Grant, das Mädchen aus dem Kirchenchor, das von ihrem primitiven Freund zur Prostitution überredet wird und für die Ahmed den Imam um jenen Beistand bittet, der als Hinterbliebener eigentlich seiner Mutter zustehen würde. Und da ist zum anderen Ahmed selbst, der am Ende aufgrund der Manipulationen islamischer Fundamentalisten und eingeschleuster CIA-Spitzel im Terroristenumfeld gleich doppelt einsam ist. Auch wenn Updike gegen Ende seine politische Parabel vom Krieg der Welten im dramatischen Showdown in einer unbefriedigenden privaten Lösung ausklingen lässt, ist Terrorist ein erschreckend eindringlicher, aufwühlender Roman über das, was vielleicht gerade in diesem Moment wieder irgendwo in einer westlichen Großstadt passiert. Große Literatur. --Thomas Köster

Aus der Amazon.de-Redaktion
Was treibt einen 18-Jährigen an, einen LKW in einem Straßentunnel in die Luft jagen zu wollen? 25 Plastiktonnen stehen in seinem Rücken, gefüllt mit einem Gemisch aus Dünger und Treibstoff. Das Umlegen eines Schalters genügt, um das Inferno auszulösen ....

Ahmed ist der Fahrer des Lasters. Er ist 1,80 Meter groß, redegewandt und klug, höflich, gepflegt in immer schwarzen Jeans und immer blendend weißen Hemden. Er ist das "Produkt einer rothaarigen amerikanischen Mutter irischer Abstimmung und eines ägyptischen Austauschstudenten". Er verbringt die letzten Tage vor seiner Tour mit dem Laster an einer High-School seiner Heimatstadt New Prospect im US-Staat New Jersey. Ahmed ist ein aufmerksamer Schüler mit guten Aussichten, nach seinem Abschluss einen qualifizierten Beruf auszuüben.

Updike baut die Spannung auf, hält sie weitgehend, und erzählt Ahmeds Geschichte mit der ihm eigenen stilistischen Eleganz. Lustvoll widmet er sich hierbei, wie fast immer in seinen Geschichten, den Details (nicht zuletzt in Liebesdingen).

Aber warum lässt sich ein scheinbar ganz normaler Amerikaner für einen solchen Anschlag gewinnen? Der Vater hat die Familie vor langer Zeit verlassen. Zwar hat Ahmed Mutter und Freunde, sein wahrer Lehrer aber ist Scheich Rashid, Iman einer Moschee. Das Amerika von heute, so der Prediger, sei vulgärer Kapitalismus, Schmutz, Sex und Korruption. Der Islam dagegen verkörpere Reinheit und Lauterkeit. Allah bringe Sonne in diese Finsternis. "Er ist das Licht, neben dem die Sonne schwarz wirkt." Nicht eine höhere Schule solle Ahmed besuchen, sondern eine Ausbildung zum LKW-Fahrer machen. Ahmed folgt dem Iman.

Updike präsentiert viele Gründe, die Ahmeds Weg in den Tunnel erklären könnten. Dennoch bleibt der Leser mit dem merkwürdigen Gefühl zurück, dass diese Figur irgendwie nicht ganz schlüssig ist. Manche seiner Sätze wirken künstlich, und man ist geneigt, dies nicht nur einer Verwirrung des Protagonisten, sondern dem Autor anzulasten. Es hat fast den Anschein, als käme Updike diesem neuen Typus des "Aussteigers" nicht nahe genug, um ihn wirklich von innen heraus beschreiben zu können. Und so passt dann auch der Schluss ins Bild, der ein wenig an einen Kolportageroman erinnert.

Letztlich muss jeder Leser die Frage für sich beantworten: Ist Ahmed einfach ein schwer greifbarer Charakter? Oder ist es Updike nicht gelungen, seinen Charakter zu erfassen? Doch selbst, wer Letzteres annimmt und sich darüber ärgert, kann sicher sein, dass er sich literarisch auf höchstem Niveau ärgert. --Hans Jürgensen, Literaturtest

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)

Ahmed wird zum Terrorist      4 von 5 Punkten
ohne zu bemerken, wie er durch seinen islamischen Bekanntenkreis gezielt dafür ausgebildet und manipuliert wird. John Updike beschreibt sehr nachvollziehbar und verständlich Ahmeds Hinwendung zum islamischen Fundamentalismus und seine Verachtung und Abkehr von anderen, die für ihn Ungläubige sind. Seine Mutter hält Ahmed für eine Versagerin und legt deshalb nach Verlassen der Schule den irischen Nachnamen seiner Mutter ab um den seines arabischen Vaters, den er nie kennengelernt hat, anzunehmen. Er findet, dass die Lebensweise seiner Schulfreundin nicht der einer Christin entspricht und hält sie für bemitleidenswert.

Nur die Beziehung zu seinem Beratungslehrer Jack Levy, einem nicht praktizierenden Juden, scheint für ihn nicht so problematisch zu sein. Jack ist sehr einfühlsam und verständnisvoll. Er sorgt sich auch in seiner Freizeit um Ahmed. Seine Fürsorge geht soweit, dass er Ahmed sogar bis zum Ort des geplanten Attentats begleitet. Ahmed selbst merkt erst sehr spät, `das er manipuliert wird, lässt es jedoch zu, da die Manipulation ein heiliges Potenzial in ihm erschließt`.

Mit diesem Buch hat John Updike ein sehr schwieriges und kontroverses Thema aufgriffen. Er hat keine einseitige Stellung bezogen sondern den Charakteren der einzelnen Personen genügend Raum gelassen um sich zu entwickeln. Der Roman ist sehr schön und aufschlußreich geschrieben und behandelt das Thema Terrorismus angemessen und differenziert. Jedem, der sich für das Thema interessiert, sollte dieses Buch empfohlen werden.


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Windows on the World - Frederic BeigbederWindows on the World
Frederic Beigbeder

Broschiert, September 2005
     Verkaufsrang: 25090      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Noch vor dem Lesen wirft der neue Roman von Frankreichs Enfant terrible Frédéric Beigbeder Fragen auf. Kann man einem so schrecklichen Ereignis wie dem Terroranschlag auf das World Trade Center vom 11. September 2001 literarisch überhaupt nahe kommen? Kann man dies, indem man das Schicksal vieler hunderter Toter anhand eines Einzelfalls erzählt? Und: Kann dies ein Autor aus der Werbebranche tun, der mit einem Skandalroman wie 39,90 berühmt wurde und in zahlreichen Selbstinszenierungen von sich behauptet, wegen des Geldes und des Ruhms zu schreiben?

Die letzte Frage darf man getrost als zu moralisierend verwerfen, die ersten beiden aber nicht. Denn eben dies tut Beigbeder: Er spürt dem Grauen anhand des Immobilienmaklers Carthew Yorston nach, der am 11. September 2001 um 08.30 Uhr mit seinen beiden Söhnen im Luxusrestaurant Windows of the World des World Trade Centers sitzt, bevor und während die beiden Passagierflugzeuge in die Zwillingstürme rasen. Yorstons Gedanken angesichts der Feuerhölle ziehen an uns Lesern vorbei. "An diesem Morgen waren wir der Gipfel der Welt", steht da an einer zwar pathetischen, aber eher harmlosen Stelle zu lesen, "und ich war der Gipfel des Universums." Oder, an anderer Stelle, im Augenblick der Tragödie, um 10:15 Uhr: "Warte, erst fiste ich deine triefende Fotze bis zu meinem Unterarm", sagt der Dunkelhaarige in Kenneth Cole."

Was in gesellschaftskritischen Satiren über die pornografischen Seiten unserer Konsumwelt etwa bei Houellebecq oder Elfriede Jelinek schlimmstenfalls peinlich wirkt, bekommt im Angesicht des Infernos, versehen mit allerlei kruder Weisheit ("Der Tod ist besser als Viagra") einen kalkulierten, faden Beigeschmack. Auch nach dem Lesen muss man die oben gestellten Fragen also entschieden mit Nein beantworten. Windows on the World jedenfalls benutzt den 11. September als Sensationsstaffage. Thema verschenkt. --Thomas Köster

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)

Gelungener Versuch      5 von 5 Punkten
Ich finde "Windows on the World" den bis jetzt gelungensten Versuch über
9/11 zu schreiben. Natürlich schwelgt Beigbeder in Selbstbeweihräucherung,
aber das ist 1. amüsant und 2. interessant. Die Story ist gut konstruiert
und stark und stimmt nachdenklich. Auch hat Beigbeder einige fantastische und schöne Einfälle und regt zum Nachdenken über die damalige Vorfälle an.
Mehr kann man von einem Buch nicht wünschen. Daher 5 Sterne.


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Der Psalmenstreit - Maarten 't HartDer Psalmenstreit
Maarten 't Hart

Gebundene Ausgabe, Mai 2007
     Verkaufsrang: 132187      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 19,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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»Zwei Schiffe mehr, du wirst Gott loben und preisen, du wirst der größte Reeder von Maassluis sein.« So einfach stellte sich seine Mutter das vor. Doch um diese Schiffe zu bekommen würde Roemer Stroombreeker zunächst einmal Diderica heiraten müssen, ein abscheulicher Gedanke, denn Diderica überragte ihn um Haupteslänge, und ihr Geruch erinnerte ihn an einen riesigen Heilbutt. Natürlich, man schrieb das Jahr 1739, der Heringsfischerei war keine goldene Zeit beschieden in diesen Tagen, und auch die Reederfamilie der Stroombreekers mußte schauen, wo sie blieb - aber sollte Roemer dafür auf die Liebe der mittellosen Anna Kortsweyl verzichten? Am Vorabend des grimmigen Aufruhrs um eine neue Bibelübersetzung beginnt Maarten't Harts detailreicher und eleganter historischer Roman.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)

Ungewohnt aber trotzdem gut      5 von 5 Punkten
Maarten 't Harts Romane spielen fast immer in seiner Heimat, der Region südlich von Rotterdam. Es ist faszinierend, wieviel Stoff 't Hart aus dieser unspektakulären Gegend zieht.
Anders an diesem Roman im Vergleich zu früheren ist, dass der Autor ihn in das 18. Jahrhundert verlagert. Aber so erhält er u.a. die Gelegenheit, nicht nur über von ihm geschätzte Komponisten zu schreiben, sondern diese auch in kurzen Rollen auftreten zu lassen.
Das Buch liest sich sehr gut. Die Beschreibung der lokalen historischen Situation im ausgehenden 18. Jahrhundert gelingt ihm ausgezeichnet. Sehr schön zu lesen sind die Diskrepanzen zwischen dogmatischer Religion und zunehmender Aufklärung. Der ebenfalls beschriebene Mißbrauch von Religion für eigentlich soziale Anliegen ist hochaktuell.
Insbesondere letzteres lässt verschmerzen, dass der eigentliche "Stimmungszauber" seiner früheren Romane in diesem Buch nicht so stark ist.


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Der Augenblick der Liebe - Martin WalserDer Augenblick der Liebe
Martin Walser

Taschenbuch, Januar 2006
     Verkaufsrang: 26969      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Die Klassiker kommen in die Jahre, ihre Figuren auch. Gottlieb Zürn, in Das Schwanenhaus noch umtriebiger Immobilienmakler, ist nicht mehr im Geschäft, macht seiner Frau Anna die Buchführung und sich selbst Gedanken über das Leben und das Alter(n). Als er Beate kennen lernt, geht er noch einmal auf Die Jagd.

Zunächst heißt es allerdings warten, denn nach einem nur zweistündigen Augenblick der Liebe kehrt Beate zurück in die USA zu ihrer Doktorarbeit. Zürn kämpft mit seinen Gefühlen, mit den Konventionen, die ihm "Altersgeilheit" unterstellen, und dem "Käfig, der Biographie heißt". Kann er der heillos harmonischen Ehe-Routine, dieser "wunderbaren Wüste gemeinsam erworbenen Schweigens", ein letztes Mal entfliehen?

Dominiert wird die erste Hälfte des Romans aber von Beates Ringen um akademische Anerkennung: "Dieses Murksen und Placken in der ersehnten sommerlichen Einsamkeit", Lesen, Lehren, Lieben -- "Springreiterei forever". Eine Tagung über den Aufklärer La Mettrie -- gemeinsames Forschungsthema von Zürn und Beate -- bietet Gelegenheit, die Liebesfantasien auf ihre Realitätstauglichkeit hin zu überprüfen. Walser wiederum kann hier politische und amouröse Motive überblenden: Wenn Zürn über "nichtsnutzige Schuldgefühle" referiert oder erkennt, dass "das kostbare Kindheitsgut Gewissen zur Rezeptur verkommen" ist, befinden wir uns mitten in den Vergangenheitsdebatten der jüngeren Zeit.

"Inzwischen wacht das Gedächtnis über das Gewissen. Ob das lebensfeindlich ist, ist dem Gedächtnis egal." La Mettrie wird -- auch wenn Walser das vorsorglich bestreitet -- zum Gewährsmann für einen vermeintlich unverkrampften Umgang mit der deutschen Geschichte. Zürn erscheint abwechselnd alterswild ("Schluss mit dem Gelobtwerdenwollen") und resignierend ("Menschenpfusch", "nicht gut aussehend, nicht reich, nicht einmal geistreich"). Was man dem Provokateur krumm nimmt, verzeiht man dem "Lebensidiot schlechthin", ohne ihn und sein Treiben immer zu verstehen.

Ein Buch mit zwei starken Hauptfiguren, die die Neigung zum Sentenzenhaften mehr als wett machen. Ein Roman über den (männlichen) Methusalem-Komplex im besonderen und über Männer und Frauen im allgemeinen: "Allein jeder, aber zusammen für immer." --Patrick Fischer

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)

La Mettries Geiseln      5 von 5 Punkten
Gottlieb Zürn oder Wilhelm Krall, eine bereits vertraute Romanfigur aus Walsers früheren Romanen „Das Schwanenhaus" und „Die Jagd", ist Exmakler und Hobbyphilosoph, lebt zurückgezogen mit seiner Frau Anna am Bodensee. Doch das schier ruhige, erholsame Leben gerät durch den Besuch einer jungen Studentin aus Kalifornien namens Beate Gutbrod aus den Fugen und nimmt sowohl philosophische, als auch höchst erotische Gestalt an:
Beate verbindet ihren Aufenthalt bei ihrer Großtante am Bodensee geschickt mit einem Besuch bei dem Privatgelehrten Gottlieb Zürn alias Wilhelm Krall. Im Mittelpunkt des Treffens steht eine mitgebrachte Sonnenblume. Anfangs sollte sie nur ein Geschenk an das Hause Zürn oder Krall - das kann sich der Leser aussuchen - sein, doch schon bald dient die Blume als Brücke, besser gesagt, als Nährboden einer beginnenden, zwischenmenschlichen Beziehung. Denn als Gottlieb die 25jährige das erste Mal erblickt, ist er hingerissen von ihrer Person und kann sie nicht mehr aus seinen Gedanken verdrängen. Sein ungeheuerliches Verlangen nach ihr lässt ihn sogar den Altersunterschied und völlig vergessen. Denn Gottlieb und Beate kommunizieren über einer weitaus höhere Ebene: die der Philosophie. Doch damit nicht genug. Seine Phantasien treiben ihn sogar zur Selbstbefriedigung und zum versuchten Mord an Anna.

Geplagt von der räumlichen Trennung zu ihrem Wilhelm G. (so nennt Beate Gottlieb neuerdings), fädelt sie eine Reise zu einem wissenschaftlichen Kongress über den Philosophen La Mettrie (1709-1751) ein. Als Dienstreise und als deutscher La Mettrie Experte getarnt, folgt der Hobbyphilosoph der Einladung seiner Angebeteten und tritt die Reise in die Staaten an. Was kommt, wird vom Leser bereits erwartet: Eine Lovestory à la Hollywood. Viel Gefühl der beiden Protagonisten, verbunden mit körperlichen, sinnlichen und intellektuellen Zügen, die sich nicht immer in Einklang bringen lassen und den Leser emotional so richtig durchschütteln. Manchmal schwer zu erkennen, weist doch das ganze Buch kein einziges Satzzeichen auf, das eine direkte Rede einleitet. Zur Spitze treibt (schreibt) der 1927 in Wasserburg am Bodensee geborene Autor Martin Walser das ganze Spektakel erst durch das plötzliche Ausbleiben der sexuellen Kraft Gottliebs und der steigenden Angst, den Vortrag vor den Angehörigen der Universität von San Francisco zu vermasseln.
Vielleicht sind es autobiographische Züge, die Walser dazu bewegen, seine Romanfigur in ein derartig tiefes Loch fallen zu lassen? Spätestens als Gottlieb seine Stimme verliert und der Vortrag von seiner geliebten Beate gehalten werden muss, erlebt die Handlung ihre schon lang ersehnte Wendung: Zürn fühlt sich mit seinem Vortrag nicht richtig verstanden (der Walser-Kenner denkt hier an die Friedenspreisrede von 1998) und beschließt, die Rückreise nach Deutschland schon etwas früher anzutreten. Enttäuscht von Beate, lässt er sie fallen. Er erkennt, was er an seiner Frau Anna hat und freut sich umso mehr auf sie.
Der Autor teilt die Geschichte in vier Abschnitte, die der Leser sonst nur in klassischen Liebesdramen vorfindet: Kommen aber gehen (Erstes Date), Zusammenfinden (Kennen lernen und lieben lernen), Auseinanderkommen (Auseinanderleben), Kehre (Er- und Bekennen der Liebe). Für den einfachen Rezipienten eigentlich klar strukturiert, wären da nicht stellenweise Walsers Exkurse in die abstrakte Welt der Philosophie, die selbst einen Literaturkenner aussteigen lassen.
In „Der Augenblick der Liebe" wird, neben philosophischen und sexuellen Problemen, vor allem die Flucht aus dem Alltag hervorragend - wenn nicht immer gleich verständlich - geschildert. Droht das bürgerliche (Ehe)Leben monoton und langweilig zu werden, flüchtet mindestens ein Partner und versucht, sich meist mit erotischen Abenteuern, Abwechslung und Selbstbestätigung zu holen. Zumindest bleibt die geistige, zwischenmenschliche Beziehung aufrecht. So ganz nach der Philosophie La Mettries...

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Das grüne Haus - Mario Vargas LlosaDas grüne Haus
Mario Vargas Llosa

Taschenbuch, November 2002
     Verkaufsrang: 71986      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 12,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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'Das grüne Haus' ist einer der großen lateinamerikanischen Romane, die seit Mitte der sechziger Jahre Aufsehen erregten und der europäischen Literatur eine ungeahnte Erwiderung und Bereicherung boten. Sein Autor wurde im Jahr des Erscheinens, 1966, gerade dreißig Jahre. "Das vielleicht erstaunlichste und eindrucksvollste Zeugnis der jungen Generation unseres Kontinents", nannte den Roman der Nobelpreisträger von 1967, Miguel Angel Asturias.
Es ist Vargas Llosas komplexestes Werk, dasjenige, worin die lateinamerikanische Lebenserfahrung am reichsten Gestalten und Geschichten hervorgetrieben hat.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Am Puls eines Kontinents.      5 von 5 Punkten
Sehr anschaulich und in dunklen Farben schildert Vargas Llosa das Leben im Städtedreieck Piura, Santa Maria de Nieva und Iquitos im Norden Perus. Aufhänger bildet das "grüne Haus", ein vom beinahe legendär erscheinenden Charakter Don Anselmo gegründetes Bordell. Thematisiert werden die herablassende Behandlung von Frauen und die Ausbeutung der indigenen Urbevölkerung im zeitgenössischen Lateinamerika. Die Erzählung springt scheinbar willkürlich in Raum und Zeit, manchmal ist es nicht ganz einfach, die unterschiedlichen Handlungsstränge zu überblicken. Andererseits garantiert sie eine Vielzahl an Überraschungsmomenten und Spannungshöhepunkten.

"Das grüne Haus" ist gewiss kein einfach zu lesendes Buch, hat man aber die ersten Schwierigkeiten überwunden, wird man belohnt mit einem faszinierenden Bild südamerikanischen Alltagslebens mit all seinen profunden Problemen. Ich persönlich war ab der ersten Seite gefesselt und kann nur jedem empfehlen, sich mit diesem Buch auseinanderzusetzen, denn es ist eines der eindrucksvollsten, die ich je gelesen habe!


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Der Sterne Tennisbälle - Stephen FryDer Sterne Tennisbälle
Stephen Fry

Taschenbuch, März 2003
     Verkaufsrang: 49246      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Das Verschwinden von Ned Maddstone wird nicht von jedem betrauert. Der Musterschüler ist Sohn eines Tory-Abgeordneten, Cricket-As von blendendem Aussehen und Manieren -- und einer der Glücklichen, die Sex mit der schönen Portia schon einmal live erlebt haben. Grund genug für seine Mitschüler, den tumben Rufus und den schnöseligen Ashley, Ned von Herzen zu hassen. Auch Portias Vetter Gordon, unsterblich in seine Cousine verschossen, ist von dem Beau nicht sonderlich angetan.

Ein Dummerjungenstreich des hämischen Triumvirats, der dem Kameraden lediglich eine Nacht in einer Gefängniszelle bescheren sollte, mündet für Ned in einen 17-jährigen Albtraum. Kurz zuvor war ihm nämlich während einer Segelpartie von einem irischen Bootsmann ein Briefumschlag mit einer Londoner Adresse zugesteckt worden. Nachdem die Polizei den Schrieb als IRA-Botschaft identifizierte, tritt ein mysteriöser MI5-Beamter (eine Schlüsselfigur des Romans) auf den Plan, verhört Ned und schafft ihn umgehend und heimlich in die auf einer Insel gelegene Irrenanstalt des Dr. Mallo!

Gleich Nabokovs schwärzesten Romanen, gleitet hier die Story sanft ins Surreale. Von der Bildfläche verschwunden und in jahrelangem Tranquilizer-Nebel dahindämmernd, wird Ned von einem Mitinsassen, dem verrückt-genialen Babe, wieder aufgebaut, bis er die Zusammenhänge einer teuflischen Verschwörung erkennt. Babe, dem kein langes Leben beschert ist, arbeitet kurz vor seinem Tod für Ned einen minutiösen Fluchtplan von der Gefängnis-Insel aus (das Spannendste, was man seit langem gelesen hat!). Nach beinahe 20-jähriger Tortur kehrt ein veränderter Ned -- versteckt in Babes Sarg -- und nicht länger mehr nur ein von den Sternen hin- und hergeschlagener Tennisball, als hasserfüllter Racheengel in die englische Heimat zurück.

Upperclass-Themen, englische Schultradition, Geheimdienstaktivitäten, Hass zwischen Torys und Labour (hier verkörpert durch die köstlichen Tiraden von Portias linkem Papa) -- alles Lieblingssujets des mit dem Tweedimage behafteten Kultautors und Schauspielers Stephen Fry. Neu allerdings und stärkster Tobak dieses großen Fry-Wurfs, ist der haarsträubende Horror, verursacht durch Neds Besuchertour zu alten Freunden. --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 55 Bewertungen)

überraschend kaltblütig      5 von 5 Punkten
ist schon etwas länger her, dass ich dieses Buch gelesen habe, aber ich war begeistert. Die Charaktere waren perfekt ausgearbeitet und die Wende kommt, obwohl sie vorhergesagt war überraschen und brutal! Wirklich faszinierend!


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Das Zentrum - Jose SaramagoDas Zentrum
Jose Saramago

Taschenbuch, September 2003
     Verkaufsrang: 122583      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Um die Situation des modernen Menschen zu beleuchten, schreibt der portugiesische Autor und Nobelpreisträger José Saramago düstre Parabeln. Immer wieder führen diese in den Untergrund des Mythos zurück, in Alle Namen etwa zu Orpheus und Eurydike. Und immer wieder steht die menschliche Verblendung im Zentrum, wie in Die Stadt der Blinden, wo ein ganzes Kollektiv in vollkommene geistige Umnachtung stürzt. Blind ist der moderne Mensch, laut Saramago, blind wie die Bewohner von Platos Höhle. "Wir lebten niemals tiefer in der Höhle als heutzutage", konstatierte er deshalb in einem Interview, und fuhr fort, dass dieses Schattenreich der schlafenden Vernunft heutzutage die Shopping-Mall geworden sei.

Saramagos neuer Roman Das Zentrum heißt im Original A Caverna, ein Titel, der den Bezug zu Platos Höhlengleichnis deutlich hervortreten lässt. Die deutsche Übersetzung hingegen stellt den realen Ort der Handlung klarer in den Mittelpunkt: Spielt doch das Buch in eben jenem Einkaufszentrum, das die Menschheit und ihre Nachgeborenen nach Ansicht des kommunistischen Autors zu bloßen Konsumenten degenerieren lasse. An seiner Peripherie, in einem kleinen Dorf, fristen der alte Töpfer Capriano Algor und seine Tochter sowie deren Mann Marçal Gacho ihr kärgliches Dasein. Tagtäglich fahren Algor und Gacho mit ihrem klapprigen Laster zum Supermarkt, um ihre Waren abzuliefern -- bis plötzlich das industrielle Leben sie rechts zu überholen droht. Aber so einfach will die pfiffige Familie es dem Kapitalismus und der alles egalisierenden Globalisierung nicht machen. Und dann tut sich schließlich sogar noch eine zweite, wahre, wundervolle Grotte auf, die ein Bautrupp durch Zufall öffnet -- und die vielleicht die echte platonische Höhle ist.

Neben Die Stadt der Blinden und Alle Namen gehört Das Zentrum zu Saramgos so genannter Trilogie der menschlichen Zustände. Nach seinem Erscheinen in Portugal erfuhr der Roman innerhalb kürzester Zeit mehrere Auflagen und ging mit Rekordzahlen über den Ladentisch. Auch hier zu Lande steht zu hoffen, dass das Das Zentrum zu einem Bestseller avanciert. Denn so schwierig es ist, Moral und narrativen Anspruch zwischen zwei Buchdeckeln zu vereinen, so fulminant ist Saramago dies geglückt. --Thomas Köster

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 17 Bewertungen)

Ultimative Rettung aus der Höhle des Seins      5 von 5 Punkten
José Saramago ist ein Autor, der es aufs Beste versteht, sprachgewaltig und dennoch mit Feingefühl eine Geschichte von einem banalen und tristen Anfang zu einem völlig unerwarteten Ende zu entwickeln und als ein Kunstwerk ganz besonderer Art auf den Leser wirken zu lassen.

Zum einen ist es die traurige Geschichte eines Töpfers vom Dorf, der in regelmäßigen Abständen seine Ware im Zentrum abgibt - bis eines Tages daran kein Interesse mehr besteht. Davon schwer getroffen treten am selben Tag zwei Wesen in das Leben des Töpfers, die Witwe Isaura und ein herrenloser Hund, die seinem Leben wieder Sinn geben. Zusammen mit seiner Tochter arbeitet der Töpfer dann an neuen Produkten, in der Hoffnung, das Zentrum könnte sich dafür interessieren.
Während zwar das Glück und der Wohlstand der Menschen in dem Roman vom Zentrum abhängt, ist gerade das Zentrum der Ort, an dem später der Töpfer gar nicht leben will - und eben doch wie gegen seinen eigenen Willen hinzieht. Sein Schwiegersohn hat nämlich, wie es nur Privilegierten zusteht, dort eine Wohnung erhalten.
Zum anderen aber wird dem Töpfer erst vor Ort, also im Zentrum, klar, wie er seinem Leben doch noch Sinn geben kann. Aufgerüttelt durch den Besuch der Höhle, die unter dem Zentrum freigelegt wurde, beschließt der Töpfer, wieder zurückzukehren, in sein altes Leben im Dorf, hoffend darauf, dass der Hund und die Witwe noch dort wohnen.
Saramago malt das Bild einer wunderbaren Rettung aus einer kafkaesken Sinnlosigkeit.

In anderen Sprachen habe ich dieses äußerst wertvolle Werk unter dem Titel "Die Höhle" gesehen (wie im portugiesischen Orginal), was schon beim Öffnen des Buches erkennen lässt, was später im Zentrum sich offenbaren soll: die Wahrheit des Lebens und der Selbsttäuschung.

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Eleanor Rigby - Douglas CouplandEleanor Rigby
Douglas Coupland

Broschiert, Juni 2008
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Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Ob Eleanor Rigby, die Heldin aus dem gleichnamigen Beatlessong, auch stark übergewichtig war, wir wissen es nicht. Gewiss ist nur, dass sie eine verdammt einsame Person war. Derart isoliert, dass Liz Dunn, die Heldin in Douglas Couplands Roman, ihre E-Mail-Adresse wie ein Markenzeichen der Verlorenheit benutzt. Couplands Eleanor Rigby, irgendwo in den Vierzigern, führt in ihrer schmucklosen Wohnung in Vancouver seit Jahren ein freund- und freudloses Leben. Nette Idee, just in dem Moment, als sie ihre Weisheitszähne verliert, gerät ihr eintöniger Alltag ins Taumeln. Jeremy, ein fremder junger Mann, erwacht im Krankenhaus aus seinem Drogenrausch und begehrt sie zu sprechen. Liz Dunn schwant nichts Gutes. Nach dreißig Jahren meldet sich das Ergebnis ihres einzigen erotischen Abenteuers in ihrem Leben zurück!

Der Autor des Kultbuches Generation X und sein Thema: Die postmoderne Welt des schönen Scheins und ihr trübes Spiegelbild, die Verlorenen und Abgehängten, die dieses Leuchten nur von draußen betrachten dürfen. Couplands Entscheidung, Liz mit Galgenhumor und sarkastischer Selbstanalyse auszustatten, bewahrt den Roman einerseits vor grämlich bitterem Lamento, birgt aber auch die Gefahr, den Aspekt der Vereinsamung zu verniedlichen. Jeremy, die Frucht eines Vollsuff-Quickies seiner damals 16-jährigen Mom mit einem unbekannten österreichischen Schüler auf einer Studienfahrt nach Rom, wurde sofort nach seiner Geburt zur Adoption freigegeben. Der charmante und blendend aussehende verlorene Sohn, den Liz nun halb verstört, halb mütterlich gerührt in ihre Arme schließt, erweist sich bald als Mann mit eigenartigen Visionen. Und -- er ist todgeweiht!

In Jeremys rasch fortschreitender Multipler Sklerose bildet Coupland sein sinnstiftendes Anliegen ab. Liz' selbstgerechtes Einsamkeitsdrehbuch muss plötzlich größeren Dingen weichen. In Krankheits-schüben von düsteren Visionen erleuchtet, wird Jeremy zum Lebenselixir für seine Mutter. Dass die Lektüre im Schlussfurioso nicht zur quasireligiösen Erbauungsschrift abrutscht, liegt am ironischen Grundton, den Coupland trotz stark überkonstruierter Ereignisse eisern durchhält. Jenseitiges wird sarkastisch abgefedert. Als Liz gar noch einen Anruf von der österreichischen Polizei erhält, die einen lang gesuchten religiösen Eiferer und Stalker am Wickel hat, schließt sich ein magischer Kreis. Ihr Leben beginnt zu tosen! Und Coupland kriegt noch einmal die Kurve. --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Coupland is back!      5 von 5 Punkten
Douglas Coupland kann es also doch noch: Rührende Geschichten schreiben, den Leser packen, zum Lachen, Grübeln und Weinen bringen und mit großen und kleinen Ideen überraschen. Und auch wenn "Elenore Rigby" ein oft trauriges Buch ist, dass von Einsamkeit handelt, so ist es trotzdem wunderschön, gefühlvoll geschrieben und fesselnd zugleich.

Wer Coupland mag und ihm meiner Meinung nach eher schwächere Titel wie "JPod" verzeiht, bekommt hier ein Buch, dass am Ende vor allem eines ist - viel zu kurz!


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Faustinas Küsse - Hanns-Josef OrtheilFaustinas Küsse
Hanns-Josef Ortheil

Taschenbuch, Oktober 2005
     Verkaufsrang: 140933      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Noch trennen Johann Wolfgang von Goethe Jahre von Ruhm und Ehre, aber ein Frauenliebling ist er schon damals, in jenem herrlichen September des Jahres 1786. Das sollte Giovanni Berti, Müßiggänger und Informant des Vatikans, schnell erkennen. Noch während er dem merkwürdigen Fremden nachspioniert, hat Goethe ihm bereits seine schöne Geliebte Faustina ausgespannt.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)

...und jetzt?....      3 von 5 Punkten
.... so erging es mir, als ich die letzten Seiten des Buches gelesen hatte - und jetzt...?? Anfänglich ein durchweg ansprechendes Buch, wenn auch nicht gerade "der Weisheit letzter Schluss"...eher was für "zwischendurch", mit unterhaltsamen wie auch ein wenig langatmigen Phasen, was mich persönlich nicht weiter störte. Die Idee der Geschichte gefiel mir gut, der leidende Goethe, der durch den lebensfrohen Beri, Beris Geliebten Faustina und nicht zuletzt durch die Stadt Rom selbst wieder Freude und Leichtigkeit am Leben findet - sowie der leichtlebige Beri durch Goethes Werder die Ernsthaftigkeit des Lebens kennenlernt - das Ganze verpackt als Spionagegeschichte...soweit so gut: was ich als gänzlich nichtssagend empfunden habe, war jedoch der Schluss: Goethe reist glücklich ab und Beri sieht die Stadt Rom mit neuen Augen - Punkt - das wars - kein Wort mehr über Faustina (immerhin doch so bedeutend, daß der Autor sie als Titel des Buches wählte) kein Wort über Beris Bruder Roberto, der kurz vor Ende noch schnell eingefügt worden ist, um dem Verlauf der Handlung ein gewisses Mass an Logik zu verpassen, auch Rosina und all die anderen Protagonisten sind vergessen - vielleicht war das die Absicht des Autors, mich als Leser lässt es allerdings unbefriedigt mit einem "und jetzt?" zurück...Fazit: es schadet nicht, dieses Buch zu lesen, wenn Sie es aber nicht tun, haben Sie auch nichts versäumt....


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Wie ich ein Buch nicht schreiben kann und es trotzdem versuche - Monika MaronWie ich ein Buch nicht schreiben kann und es trotzdem versuche
Monika Maron

Broschiert, Mai 2006
     Verkaufsrang: 89967      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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"Natürlich weiß ich, daß es zweierlei ist, Sehnsucht zu haben oder über Sehnsucht zu schreiben."
Ein Werkstattgespräch mit sich selbst: In ihrer Frankfurter Poetikvorlesung gibt Monika Maron dem Leser, der Literatur nicht nur als Inhalt begreift, sondern wissen will, wie sie entsteht, funktioniert, Einblick in den komplizierten Gestaltungsprozeß eines neuen Romans: Sie verwirft immer neue Anläufe, klopft verschiedene Entwürfe auf Konstruktionsfehler hin ab und analysiert selbstkritisch Irrwege.
Monika Marons literarische 'Krisenbewältigung' ist nicht nur eine kluge und lehrreiche Reflexion über poetologische Grundprobleme, sondern auch eine höchst amüsante und narrativ abwechslungsreiche Erzählung über Frust und Lust der Autorschaft.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Aufschlussreiche Einblicke in eine Autorenwerkstatt      5 von 5 Punkten
Ein(e) Jede(r), der schreibt, kennt die Zeiten, in denen die Gedanken nur so fließen, um zu Papier gebracht zu werden, und jene, in denen sich eine Blockade, ein Hindernis nach dem anderen aufbaut.
Ebenso häufig kommt es vor, dass man glaubt, den Stoff für eine Geschichte gefunden zu haben, sich hinsetzt, zu schreiben beginnt und nach den ersten Seiten die Skepsis Überhand gewinnt, die Zweifel sich mehren, ob nicht ein anderer Handlungsablauf sinnvoller wäre.
Monika Maron, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Autorin, ist das Kunststück gelungen, diese immerwährenden Probleme zu thematisieren und ein Büchlein von circa 100 Seiten zu schaffen, in dem sie ihren Kampf um eine Idee für eine Geschichte beschreibt. Sie erledigt das auf eine unterhaltsame Weise, voller Selbstironie und vermittelt aufschlussreiche Einblicke in ihre Arbeitsweise.
Ein Buch, das nicht nur für Autorinnen und Autoren von Interesse und spannend zu lesen ist.


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Gastmahl auf Gomera - JanoschGastmahl auf Gomera
Janosch

Taschenbuch, Juni 1999
     Verkaufsrang: 67550      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Auf seiner Insel im Meer erhält Janosch Besuch von dem Journalisten Jerzey Skral. Gemeinsam fahren die beiden hinüber nach La Gomera, zu einem großen Gastmahl, das drei Tage lang dauert. Und bei Rotwein und Fisch erzählt Janosch seinem Besucher mit einem Augenzwinkern die Geschichte seines Lebens: von der harten Kindheit und Jugend in Polen, von seinem Traum, ein Künstler zu werden, von den Verlockungen des Alkohols und dem steinigen Weg zum Erfolg.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Wie in Wirklichkeit      5 von 5 Punkten
total real, dieses buch, so wie janosch gomera und die menschen die hier leben beschreibt ist es wirklich, ich wollte eigentlich erst im winter 2003 wieder auf die schönste insel der welt, das buch hat mich aber dazu bewegt, schon ostern 2002 auf gomera vorbeizuschauen.
<
Daniel Hase


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Der Tod eines Bienenzüchters. SZ-Bibliothek Band 68 - Lars GustafssonDer Tod eines Bienenzüchters. SZ-Bibliothek Band 68
Lars Gustafsson

Gebundene Ausgabe, 18. August 2007
     Verkaufsrang: 14694      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 5,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Ein Mann, der ein leidlich geordnetes Leben führt, erfährt von seinem bevorstehenden Tod durch ein Krebsgeschwür. Die Notizhefte, die er hinterläßt, beschreiben sein Leben. Allerdings nicht das äußerlich Sichtbare - Studium, Ehe, Beruf -, das zunehmend unwichtig wird, sondern den Teil des Lebens, der mit Sprache kaum zu umreißen ist.
Lars Gustafsson, 1936 in Schweden geboren, studierte Mathematik und Philosophie in Uppsala und Oxford. Fast zehn Jahre lang war er Kritiker, später Chefredakteur der bedeutenden schwedischen Literaturzeitschrift Bonniers Litterära Magasin. Seit 1983 lebt der Lyriker, Philosoph und Romancier, dessen Werke mit zahlreichen internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet wurden, in Austin/Texas.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)

Am Ende bleibt      5 von 5 Punkten
Zu wissen, daß man stirbt, seinen Tod anzunehmen, gehört sicher zu den großen Leistungen, die ein Mensch vollbringen kann. Angesichts von Krebs, möglicher Chemotherapie, einem Dahinsiechen im Krankenhaus ist eine solche Einstellung ein Geschenk, daß ein Mensch sich selber machen kann, in dem er die letzten Monate mit Gelassenheit angeht.

Westin hat sein Leben, die Höhen und Tiefen in einem Notizbuch festgehalten, daß Lars Gustafsson wie eine Niederschrift den Nachgeborenen darreicht. Es klingt nicht verbittert, wenn auch zuweilen dickköpfig. Er hat sich aus dem öffentlichen Leben in eine Existenz als Bienenzüchter zurückgezogen und ignoriert den Befund, indem er so tut, als habe ihm niemand davon etwas mitgeteilt. Wenn ich nicht weiß, daß ich sterbe, sterbe ich dann überhaupt? Werde ich nicht einfach vom Tod überrascht?

Allein diese Sicht der Dinge zeigt, daß es sich nicht um ein Sterbebuch handelt, daß vielmehr der Humor über die Trauer hinweg helfen, einem den Abschied erleichtern soll, obwohl der Schmerz sich nicht so leicht vertreiben läßt. Gustafsson hat ein schönes Buch über einen Bereich des Lebens geschrieben, der zumeist totgeschwiegen wird.


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Mitten in Amerika - Annie ProulxMitten in Amerika
Annie Proulx

Taschenbuch, Dezember 2004
     Verkaufsrang: 61326      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen.

Preis: € 10,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Das "Panhandle", das Grenzgebiet zwischen Oklahoma und Texas, ist keine besonders anziehende Region. Das trockene, kaum fruchtbare, spärlich bewachsene Grasland taugt gerade einmal für eine mühevolle Rinderzucht. Es wundert wenig, dass dies der allerletzte Flecken des Wilden Westens war, auf dem sich seinerzeit Siedler niederließen, und es wundert noch weniger, dass die Menschen, die heute dort leben und auf riesigen Ranches hart für ihren Broterwerb arbeiten, ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrem Land haben und, nun ja, auf eine ganz spezielle Art etwas kauzig sind.

In diese gottverlassene Gegend, in der schon die Polizei angerufen wird, wenn ein Auto mit dem Nummernschild eines fremden Bundesstaates, ein Jogger oder ein Mensch mit dunkler Hautfarbe gesichtet werden, verschlägt es einen jungen Mann mit dem schönen Namen Bob Dollar. Bob stammt aus Denver und ließ sich bislang mehr oder weniger willen- und ideenlos durch sein Leben treiben. Sein aktueller Job nun bringt ihn hierher: Er soll im Auftrag eines Schweinemastkonzerns inkognito im Panhandle Land aufkaufen. Er beginnt sich umzuhören und lernt dieses Land und seine eigenwilligen Bewohner zu begreifen -- und ihm wird klar, dass die großen Schweinefarmen, von denen er ja eine vertritt, am gegenwärtigen Niedergang dieser Region nicht unschuldig sind.

Dieser große Roman von Annie Proulx, der preisgekrönten Autorin von Schiffsmeldungen und Das grüne Akkordeon, ist ein modernes Märchen, dessen Plot sehr an den herrlichen englischen Film Local Hero erinnert. Das Buch führt uns mitten hinein in die archaische Welt der amerikanischen Prärie, die wir so kaum kennen und in der Internet, Mikrowellenherde und Mobiltelefone zwar existieren, aber wie Fremdkörper aus zukünftigen Welten wirken. Die eigentliche Geschichte, die Proulx erzählt, ist dabei fast zweitrangig; viel fesselnder, begeisternder und im Grunde auch interessanter sind ihre Schilderungen von Nebenfiguren, Familiengeschichten und Randanekdoten, die für die Handlung kaum von Bedeutung sind, aber die eigentliche Essenz des Buches ausmachen. Diese scharfsinnigen und fein-ironischen Abschweifungen fügen sich zu einem außergewöhnlichen Mosaik des amerikanischen Herzlands der Gegenwart und machen Mitten in Amerika zu einem ganz großen Wurf. --Christoph Nettersheim

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)

Originell und witzig      5 von 5 Punkten
In "Mitten in Amerika" entführt uns die Autorin, Anni Proulx, in die Prärie, in der sich die Einwohner noch an die goldenen Zeiten des "Wilden Westens" erinnern können und den nun kargen Boden gegen unerwünschte Einflüsse von Außen verteidigen.

Und genau hier im Panhandle-Gebiet soll der junge, naive Bob Dollar sich als Scout für Schweinemastbetriebe beweisen. Unauffällig soll er das Vertrauen der Bürger von Woolybucket gewinnen und sie überzeugen, ihr Land zu verkaufen. Tatsächlich schließen die Bewohner der Kleinstadt den Neuen recht schnell in ihre rauen Herzen und Dollar kann bald ein ganzes Buch voller absurder Geschichten schreiben und skurrile Figuren skizzieren. Allerdings sind seine Arbeitgeber über seinen Bericht weniger erfreut und fordern konkrete Ergebnisse. Bob Dollar erfährt jedoch bald, dass Schweinemastbetriebe nicht sehr beliebt sind und wird etwas misstrauisch, als seine Bitte um mehr Insiderinformationen von Seiten seines Bosses so rüde abgewiesen wird. Erst als eine Konkurrentin aus den eigenen Reihen sein Feld betritt, nimmt sein Vorhaben eine neue Dringlichkeit an. Der schöne weibliche Scout liegt aber bald darauf mit einer Kopfschusswunde im Krankenhaus und Bob sucht herauszufinden, warum der trockene Boden für die meisten Präriebewohner noch so voller Leben steckt.
Wenn man überhaupt von einer Handlung sprechen kann, plätschert diese genau so ruhig und scheinbar planlos dahin, und passt sich so ihrem unentschlossenen Helden an. Der Charme des Romans liegt in den ungewöhnlichen Figuren und den witzigen Beschreibungen und Dialogen begründet. Wer sich Zeit lässt und sich an den Rhythmus der Erzählung gewöhnt, wird wohl das eine oder andere Mal herzlich lachen können und sich nicht an dem Mangel an Spannung stören.

Denn dieser Roman ist etwas Besonderes, weil er den kleinen Bürgern ohne großen Aufwand zu betreiben eine gewichtige Stimme gibt.


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Ehen in Philippsburg - Martin WalserEhen in Philippsburg
Martin Walser

Taschenbuch, Dezember 2000
     Verkaufsrang: 47712      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 10,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Deutschland in den 50er Jahren. Miefige Schwarz-Weiß-Welt. Das Wirtschaftswunder ist in vollem Gange, das Gerangel um die Postenverteilung hat eingesetzt, jeder möchte, bitteschön, nach oben. In dieser Tristesse, diesem trostlosen Ambiente, hat Martin Walser seinen ersten Roman angesiedelt. Ehen in Philippsburg (das hier wohl stellvertretend für Stuttgart stehen soll), hat bei seinem Erscheinen 1957 für großes Aufsehen gesorgt, Walser erhielt dafür prompt den Hermann-Hesse-Preis. Der Roman zeigt an einer Folge gescheiterter Ehen exemplarisch den schon wieder beginnenden moralischen Verfall einer Gesellschaft, die sich doch gerade noch im Aufbau befunden hatte.

Hans Beumann, Hauptfigur und roter Faden, der sich durch das ganze Buch zieht, befindet sich nach beendetem Studium auf dem Weg in die Metropole Philippsburg. Sein Ziel ist das größte Verlagshaus am Ort. Beharrlich arbeitet er an seinem Aufstieg, lernt Chefredakteure und Rundfunkintendanten kennen, stößt zur Gesellschaft der Mächtigen und Einflußreichen. Nur der Konvention halber verlobt er sich mit Anne, einer Studienkollegin. Liebe ist dabei nicht im Spiel, seltsam kühl, fast verachtend blickt Beumann auf diese Frau. Geschickt benutzt Walser eine anstehende Abtreibung bei Anne, um im zweiten großen Kapitel den Gynäkologen Benrath und dessen Geliebte einzuführen. Der große Arzt, ein im Wohlstand erstickter Zyniker, der seine Patientinnen nur noch mit Abscheu betrachten kann ("ihre häßlichen Leiber, ihre tierische Dankbarkeit!") -- erneutes Vorgaukeln ehelichen Glückes.

Die Höhenflüge dieser Karrieristen im Nachkriegsdeutschland, im Gegensatz dazu ihre private Unzulänglichkeit und Armseligkeit, dies darzustellen ist Walsers große Stärke. In vier großen, mit einander meisterhaft verwobenen Kapiteln beschreibt er den Weg der im Privaten so kläglich Gescheiterten, die unbeirrt, den gesellschaftlichen Gipfel vor Augen, auf den Abgrund zusteuern -- Opfer der Gefühlskälte und des nüchternen Materialismus dieser vielfach nostalgisch verklärten Zeit, deren Darstellung selbst heute, 40 Jahre nach ihrer Entstehung, nichts von ihrer Eindringlichkeit eingebüßt hat. --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)

Kaputte Ehen in kaputter Welt      4 von 5 Punkten
Übermäßig Spaß gemacht hat mir die Lektüre von Walsers erstem Roman zwar nicht. Der Stil scheint mir umständlich, als kämpfte da noch einer mit den Geistern Thomas Manns, dessen Ironie er zwar aufgreift, dessen Alt-Anklänge er jedoch ausschließen möchte. Dennoch ist das ein großartig konstruiertes Buch, ein Gesellschaftsporträt anhand einiger Ehen, die alle auf ihre Art kaputt sind. Eine Frau bringt sich um, weil sie betrogen wird, eine andere ist mit ihrem Mann nur zusammen, weil er Karriere zu machen verspricht (in einer "christlich-sozial-liberalen Partei"!), eine andere hat sich ihrem fleißig arbeitenden Unternehmergatten entfremdet und macht auf Salonlöwin. Eine Beziehung steht kurz vor der Heirat, die der Hauptfigur Hans Beumann, eines opportunistischen Journalisten, und man kann genau verfolgen, welche Motivationen und liebesfernen Pflichtgefühle zur Ehe führen, und welche unterdrückten Triebe sie irgendwann genau so untergehen lassen werden wie alle anderen. Ein düsteres Buch - und tatsächlich ist in jedem Teil des Buches auch der Tod zu Gast, der den durchaus satirischen Grundton schaurig bricht.


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Unterwelt - Don DeLilloUnterwelt
Don DeLillo

Broschiert, November 2006
     Verkaufsrang: 71365      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Während Eisenstein die Kräfte des Totalitarismus und des Stalinismus auf die Gesichter der russischen Völker dokumentierte, bietet DeLillo ein atemberaubendes, zuweilen überwältigendes Dokument der geeinten Gewalt des Kalten Krieges und der amerikanischen Kultur. Er verabschiedet sich dabei von der Sachlichkeit, indem er die Ereignisse und die Menschen wunderbar und zugleich schrecklich findet. Unterwelt beginnt mit einem sehr gefälligen Vorwort, das einem den Atem verschlägt -- der Schauplatz ist das Baseball-Meisterschaftsendspiel zwischen den Giants und den Dodgers im Jahre 1951. Geschrieben in einem Stil, den DeLillo "Super-Allwissenheit" nennt, nehmen die Sätze ihren Lauf, als der junge Cotter Martin die Sperre zur Pressetribüne überspringt, über die Radiowellen aufsteigt, hinaus auf das Spielfeld läuft, auf das Mal zuschlittert, um einen schnellen Ball abzufangen, in die Tribüne springt, in der J. Edgar Hoover zusammen mit einem betrunkenen Jackie Gleason und einem unwirschen Frank Sinatra sitzt, und dort von der zweiten Zündung einer Atombombe durch die Sowjetunion erfährt. Es ist ein völlig überwältigender literarischer Augenblick. In dem Moment, da Bobby Thomson den von Branca geworfenen Ball in Cotters ausgestreckte Hand schlägt -- der "Schuß, der in der ganzen Welt wahrgenommen wurde" -- und sich Jackie Gleason auf Sinatras Schuhe erbricht, werden die Ereignisse der nächsten Jahrzehnte in Gang gesetzt, alle miteinander verbunden durch den Baseball, der immer wieder den Besitzer wechselt.

"Es fällt alles unauslöschlich in die Vergangenheit," schreibt DeLillo -- eine Vergangenheit, die er scharfsinnig, sorgfältig und in reizender Weise zurückruft und rekonstruiert. Ein plötzlicher Sprung vom Giants-Stadion in die Wüste von Nevada 1992 -- Nick Shay, der mittlerweile den Baseball besitzt, kommt wieder mit der Künstlerin Kara Sax zusammen. Sie hatten 40 Jahre zuvor eine kurze und wenig erfolgversprechende Liebesbeziehung, und es sind in erster Linie die Ereignisse, die Nebenwirkungen und die zufälligen Begegnungen ihrer Vergangenheit, durch die DeLillo das Erlebnis des Kalten Krieges filtert. Er glaubt, daß "globale Ereignisse die Art und Weise, wie wir leben, bis in die kleinsten Details verändern können", und als das Buch zurück ins Jahre 1951 schreitet, können wir im Laufe der folgenden etwa 800 Seiten genau sehen, wie diese Ereignisse unser Leben verändern. Dieser sich rückwärts bewegende Erzählstil erlaubt es dem Autor, den Abfall der Geschichte und der Popkultur beiseite zu räumen, bis die reinen Elemente der Geschichte übrigbleiben: die Bombe, Baseball und die Bronx. Im Nachwort, das genauso atemberaubend und überwältigend ist wie das Vorwort, spult DeLillo in eine nahe Zukunft vor, in der schonungsloser Kapitalismus, das Internet und ein neuer unterdrückter Glauben die Mischung aus Schrecken und Euphorie des Kalten Krieges ersetzt haben.

Mit Bruchstücken und miteinander verflochtenen Geschichten -- darunter Geschichten von Straßenkillern, Künstlern, Prominenten, Gangstern, Nonnen und diversen anderen -- schafft DeLillo ein zerbrechliches Netz von miteinander verwobenen Erfahrungen, einen kommunalen Zeitgeist, der -- wunderbar herausgearbeitet -- die ganzen unschönen fünf Jahrzehnte amerikanischen Lebens umfaßt.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 19 Bewertungen)

Das Ganze im Blick      5 von 5 Punkten
DeLillo bleibt sich auch in diesem Roman treu und beweist einmal mehr, dass er zu den führenden Kritikern seiner Zeit gehört, die ihre Skepsis in Geschichten verpacken. Unterwelt ist sicher sein Hauptwerk. In ihm erstellt er einen Flickenteppich aus Geschichten, Begegnungen, tatsächlicher, wie erfundener Vorfälle, die die Zukunft beeinflussten, wie die Sicht auf der Vergangenheit veränderten. Mit gewohnter Leichtigkeit schafft DeLillo es auf den ersten Seiten die Verbindung zwischen dem ureigenen amerikanischen Sport Baseball zur ersten russischen Atombombe, verschränkt er später die Leben eines Managers für Müllentsorgung mit dem einer Konzeptkünstlerin und findet in ihnen die Aushängeschilder unserer Zeit. Das Leben unterwirft sich Konzepten und hinterläßt eine Menge Müll. Sei es politischer, sei es privater Natur. DeLillo liebt den Bruch, den facettenhaften Einschnitt, Geschichten tauchen wie Schnipsel eines Ganzen auf, beginnen und enden abrupt. So reicht die Palette vom Sport über den Kalten Krieg, Kunst und Rockmusik bis hin zum Internet. Seit den 50er Jahren sind die Zeiten schneller geworden, und Don DeLillo findet die Sprache dazu. Worte, die keine verklärte Heimat mehr bieten, die vor und zurück drängen, die von einem Leser erwarten, dass er Unterhaltung als etwas versteht, für das er sich Zeit nimmt.


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Das Pferd, das den Bussard jagte - Maarten 't HartDas Pferd, das den Bussard jagte
Maarten 't Hart

Taschenbuch, Juni 2003
     Verkaufsrang: 108754      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, Versandbedingungen s.o.)
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Ein Dame spielender Onkel, der bibelfeste Vater, der verliebte Biologe, ein Pastor auf dem Rennrad: Immer ist es Maarten ’t Hart selbst, dem wir in diesen zwölf grandiosen Geschichten begegnen, die der Autor eigens für die vorliegende Ausgabe zusammengestellt hat. Seine Orte und Landschaften, die Klänge eines Konzerts, das Summen von Wespen im April – Maarten ’t Harts ganzer Kosmos findet sich in diesen poetischen Stücken wieder und zeigt den Autor des Bestsellerromans »Das Wüten der ganzen Welt« als einen der großen niederländischen Geschichtenerzähler.

»Man kann sich nicht losreißen – einfach weil Maarten ’t Hart ein hinreißender Erzähler ist.« Die Zeit


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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Ruhige Geschichten, schöne Stimmungen      5 von 5 Punkten
Zwölf wunderbare Kurzgeschichte verbergen sich hinter diesem Buchtitel.

Wer seinen ruhigen und oftmals augenzwinkernden Erzählstil mag, kommt hier voll auf seine Kosten. So schreibt nur Maarten 't Hart. Wer ihn kennt, erkennt ihn aus 1000 Texten sofort wieder.

Maarten 't Hart gibt dabei einmal mehr Details aus seiner eigenen Kindheit und seinem Leben preis. Rückblicke in die eigene Familie ergänzen Details um seinen Vater in "Gott fährt Fahrrad" und zeigen eine Kindheit, die tief religiös geprägt ist, mit ihren Auswirkungen auf das Erwachsenenleben.

Was wir immer schon ahnten, wird hier literarisch aufgearbeitet: Elternhaus und Kirche drücken Menschen Stempel auf, die "waschecht" sind. Die Reaktionen des erwachsenen Hart darauf sind unterschiedlich. Sie reichen auch in Hart's Erzählungen von Depression und Wut bis zu Sarkasmus und Trauer.

Die Liebesgeschichte, die den Titel hergab, ragt als Erzählung aus den anderen heraus - als abweichende Betrachtungen der Ehe.

Lesen mit Gewinn - für den der's mag.



Der Himmel von Hollywood - Leon de WinterDer Himmel von Hollywood
Leon de Winter

Taschenbuch, Januar 2000
     Verkaufsrang: 142772      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Tom Green ist ganz unten. Er kommt direkt aus dem Gefängnis und wenn er die Anzahlung für sein schäbiges Hotelzimmer gemacht haben wird, bleibt so wenig Geld übrig, daß er sich ernsthaft um einen Job kümmern muß. Immerhin hat er nun zumindest die beeindruckende Adresse "Hollywood".

Langsam leiert er wieder alte Bekanntschaften an. Er versammelt eine muntere Truppe dreier Herren um sich, alles mehr oder minder bekannte Schauspieler, die schon bessere Zeiten gesehen haben. Bis zu jenem Tag, als sich ihnen eine einmalige Gelegenheit bietet, die zugegeben juristisch nicht ganz einwandfrei ist. Ab jetzt gilt es die Schauspielkunst überzeugend einzusetzen -- ohne vorgegebenes Drehbuch.

Der Niederländer Leon de Winter spickt seinen spannenden und gutdurchdachten Roman mit gekonnt eingesetzten Filmsequenzen und beleuchtet kenntnisreich und mit Humor den Alltag hinter den Kulissen der Traumfabrik. --Manuela Haselberger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)

Wer richtige Geschichten lesen will - hier ist eine      5 von 5 Punkten
Von Anfang bis zum Ende baut der Autor eine extreme Spannung auf, findet immer Wege und neue Tiefen ohne kafkaesk zu sein. Dieses Buch liebt man gleich (oder kann es nicht leiden) es ist wirklich eines seiner besten Bücher.


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Das Buch des Vaters - Urs WidmerDas Buch des Vaters
Urs Widmer

Taschenbuch, Mai 2005
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Urs Widmer hat ein Versprechen eingelöst. Mit Das Buch meines Vaters komplettiert er seine Familiengeschichte, die vor einigen Jahren mit Der Geliebte meiner Mutter ihren Anfang gefunden hat. War damals der Vater kaum der Erwähnung wert, ist er nun omnipräsent und führt durch mehrere Jahrzehnte Schweizer Geschichte, situiert in einer imaginären städtischen Symbiose von Basel und Zürich.

In einem fantastischen, rauschhaften Intro in den Roman, der Schilderung einer wilden Initiation, erzählt Widmer, was es denn mit dem Buch des Vaters auf sich hat. Denn wie jeder in seinem Heimatdorf hat auch sein Vater an seinem zwölften Geburtstag ein leeres Buch bekommen, das er in der Folge zu beschreiben hat und das erst nach seinem Tod von anderen gelesen wird. Das Dorf in den Bergen hält auch für jeden seiner Bewohner seinen persönlichen Sarg bereit, Särge, die sich in einem bizarren, bewegungslosen Totentanz vor den Häusern stapeln (bis die touristische Invasion der Japaner dem Mahnmal ein Ende bereitet). Als der Vater stirbt, ist das Buch verschwunden, durch die Mutter im Müll gelandet -- ungelesen. Also macht sich Urs Widmer daran, es neu zu schreiben.

Er ist ein Getriebener, sein Vater, ein rastloser Übersetzer und Amateur der Literatur, Lehrer mit unbeholfenen, doch idealistischen politischen Ideen, Freund vieler Schriftsteller und Künstler, Genussmensch und Vater, der für seinen kleinen Sohn immer wieder neue Namen erfindet: "Hallo, Murmeltier." Glücklich, so scheint es, ist er nur in der Literatur. Seine Frau, deren Schwermut immer prekärer wird, muss sich mit dem begnügen, was übrig bleibt für sie an Zeit und Gefühl. So eröffnet sie auch Edwin Schimmel -- wir kennen die Figur aus Der Geliebte meiner Mutter -- als Erstem, dass sie schwanger ist. Warum ihm?, fragt der Vater: "Ich weiß es nicht."

Urs Widmers Roman kommt mit der ihm eigenen Leichtigkeit daher, hinter der sich die Tragik der Welt, aber auch die Freuden, die ganz großen, so schemenhaft deutlich verdecken können. Ein Lebensbuch, im wahrsten Sinne des Wortes. --Martin Walker

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)

Liebenswerte Skurrilität      5 von 5 Punkten
Das Porträt auf dem Umschlag könnte nicht treffender sein.
Es drückt die ganze unglaubliche und sehr liebenswerte Skurrilität dieses Mannes, des Vaters, aus, beschrieben vom Sohn, der nicht enttäuscht ist, das eigentliche Buch des Vaters nicht mehr lesen zu können, sondern es selbst neu schreibt. Er schreibt es mit der ganzen Einfühlsamkeit, Behutsamkeit und Treffsicherheit, die wir von Urs Widmer kennen, gleichzeitig gewinnt man einen Eindruck von alten und seltsamen Gebräuchen, die so nicht zu erwarten sind.
Es ist dies eine der besten Erzählungen, die Urs Widmer je geschrieben hat, man muß sie lesen und zwar in einem "Rutsch".


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Vox - Nicholson BakerVox
Nicholson Baker

Taschenbuch, Juni 1994
     Verkaufsrang: 81586      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Zwei Menschen telefonieren bis tief in die Nacht, gestehen sich ihre intimsten Träume, Geheimnisse und Wünsche. Mit all ihren Phantasien von Versandhaus-Reizwäsche und Video-Erotik, bei all ihren Geschichten von provozierendem Flirt und zielstrebiger Verführung sind es die scheinbar banalen, flüchtigen erotischen Anreize des Lebens, die Jim und Abby am meisten faszinieren: die zarte Glätte von Abbys Haut nach dem Einölen; der langsam ausgeblendete Popsong im Radio, den sie sehnsuchtsvoll verklingen hörte; der jähe Blick auf die vorbeihuschenden Brüste der Autofahrerinnen, wenn Jim als Fußgänger an der Ampel auf Grün wartet.

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)

Das erste und letzte Buch zu diesem Thema      5 von 5 Punkten
Schon allein weil ich mir dieses Thema nun nie wieder verderben möchte. Es ist wirklich toll geschrieben. Ein bisschen ein Tabu-Thema das hier auf eine ganz besondere Art und Weise aufgegriffen wird. das Ende ließ mich lange nachdenken.


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Von Mexiko nach Polen - Lily BrettVon Mexiko nach Polen
Lily Brett

Taschenbuch, April 2005
     Verkaufsrang: 34481      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Lily Brett macht sich auf eine Reise, die sie von Mexiko nach Berlin und Polen und zurück in ihre Wahlheimat New York führt, wo sie die Anschläge des 11. September 2001 aus unmittelbarer Nähe erlebt.
Offen und unverstellt schildert sie ihr Leben, ihre Gedanken, Gefühle, ihre Arbeit als Schriftstellerin und stellt wieder ihre unnachahmliche Kunst unter Beweis, schwere Themen in ein leichtes Sprachgewand zu hüllen. Die persönliche Welt wird in ihrem neuen Buch...


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Das Lächeln in Mexiko, der Tod in New York und immer wieder      5 von 5 Punkten
Lily Brett hat ihre Sammlung von Aufzeichnungen gleich vierfach dem Mann gewidmet, mit dem sie zusammenlebt, den sie liebt und der obendrein noch ihr Ehemann ist. Dies unterstreicht einmal mehr die sehr persönliche Art der Autorin, Auskunft zu geben. Der Originaltitel lautet „Between Mexico and Poland"; allein die Verfehlung des einen übertragenen Wortes etikettiert das Buch falsch. Es ist etwas völlig anderes, von A. nach B. zu fahren, als sich dazwischen aufzuhalten. (ansonsten gelungene Übersetzung: Melanie Walz)
Deutlich wird dies bereits im ersten Text. Die Autorin erzählt von einem Aufenthalt in Mexiko; selbst dort glaubt sie, jemanden polnisch sprechen zu hören. „Ich hatte mir tatsächlich eingebildet, ich hätte mich schreibend von Polen befreit. Aber das war ein Irrtum. Man kann sich schreibend nicht befreien. Wenn man das könnte, dann hätten all jene unter uns, die schreiben, ein glattes Leben ohne Makel."
Lily Brett wurde 1946 in Deutschland geboren, ihre Eltern heirateten im Ghetto von £odz und wurden im KZ Auschwitz getrennt. Sie fanden einander nach einem Jahr wieder. 1948 übersiedelte die Familie nach Australien. In all ihren Romanen ist die Geschichte der Familie ein zentrales Thema und der Autorin gelingt es immer wieder auf meisterhafte Weise, ihren Erkenntnissen und Betrachtungen neue Facetten hinzuzufügen. Reisen mit Lily Brett bedeutet im vorliegenden Buch einmal mehr, ganz in ihrer Nähe zu sein. Schonungslos offen und zuweilen herrlich selbstironisch schreibt sie von ihrer etwas neurotischen Art, Ordnung in die Welt bringen zu wollen, ihrer Liebe zum Planbaren, zur Routine. Diese wird gerade in Mexiko auf eine harte Probe gestellt, denn dort verabredet man sich sehr wage, die Busse fahren wann sie wollen und schließlich gibt es ein paar Tage lang kein Wasser im Haus. Doch es kann und wird noch schlimmer kommen: Als Lily und David zurück nach New York kommen, hat es in ihrer Wohnung, die sie in der Zwischenzeit untervermietet hatten, einen verheerenden Brand gegeben. Genau und bestürzend verfasst die Autorin hier eine Chronologie der Verluste. Diese wiederum wird in einem Maße übertroffen, wie sich die Autorin niemals vorstellen konnte, durch die Ereignisse am 11. September 2001. Durch ihre genaue und sehr private Darstellung zieht die Autorin den Leser ins Geschehen. Geschildert werden fast absurde Momente. So geht die Autorin, kurz nachdem das erste Flugzeug in einen der Türme des World Trade Centers eingeschlagen war, zum Zahnarzt. „Es ist erstaunlich, welche normalen Dinge man automatisch verrichtet, (...) Fast so, als könne man nicht wirklich erfassen, was geschehen ist, um nicht den Verstand zu verlieren."
Der letzte Text trägt den schlichten Titel „Polen". Lily Brett schildert darin erneut eine ihrer vielen Reisen nach Auschwitz und Birkenau. Ihr Leben lang ist sie auf der Suche nach Worten für das Unfassbare, was dort geschehen ist. Diese Worte trägt sie gleich Puzzleteilen zu einer Ahnung dessen zusammen, wohl wissend, dass das Sichtbare und das Wahre oft unterschiedliche Dinge sind.
Lily Brett hat im vorliegenden Buch erneut bewiesen, dass nicht große Themen an sich gute Literatur ausmachen, sondern eben jene Konzessionen an die kleinen, scheinbar unwichtigen Dinge am Rande Geschichten und Geschichte fasslich und lebendig werden lassen. Lily Bretts Art zu schreiben ist unverwechselbar, sie gehört zweifellos zu den bedeutendsten Autorinnen der Gegenwart.

Undine Materni



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