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| Zeitgenössische Literatur | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Suhrkamp Taschenbücher, Nr.27, Die Angst des Tormanns beim Elfmeter Peter Handke Sondereinband, 13. August 2007 Verkaufsrang: 34843 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ein Mord geschieht, der Täter reist in ein Dorf an der Grenze, seine Entdeckung durch die Polizei steht bevor. Es ist der Fall des ehemaligen Tormanns Josef Bloch.Peter Handke, geboren 1942 in Griffen, Kärnten, lebt in Frankreich. Zuletzt erschien: 'Mein Jahr in der Niemandsbucht'. Mit seinem Aufsatz 'Gerechtigkeit für Serbien. Eine winterliche Reise an den Flüssen Donau, Save, Morawa und Orina' erregte Handke Anfang 1996 erhebliches Aufsehen.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 38 Bewertungen)
......brutales, trostloses landleben in österreich 5 von 5 Punkten Nicht der Mord ist der brutalste Vorgang in diesem intensiven Frühwerk Peter Handkes, nein - es ist das trostlose, brutale Leben in der Provinz, ohne jede Hoffnung. Handke zelebriert die Alltäglichkeiten bis hinein ins Kleinste; jeder noch so unwichtige, nebensächliche Vorgang wird ausgebreitet. Der Protagonist wird im Laufe der Geschichte darin gefangen, so sehr, dass es für ihn (vermutlich) keinen selbstbestimmten Ausweg mehr gibt. Das Buch endet plötzlich, wir wissen nicht was aus Handkes negativen Helden wird. Ein großartiges Buch; wer in der Welt Thomas Bernhards zuhause ist, wird auch an diesem frühen Handke sein Lesevergnügen finden.
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Der Sportreporter Richard Ford Broschiert, Februar 2006 Verkaufsrang: 100410 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Richard Ford, 1944 in Jackson, Mississippi, geboren, lebt heute in New Orleans und Montana. Bekannt wurde er mit seinen Romanen "Der Sportreporter" und "Unabhängigkeitstag".
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
Der Beginn einer großen Liebe 5 von 5 Punkten Sich darauf einzulassen, wie sich der Durchschnittsamerikaner bemüht, das Beste aus seinem durchschnittlichen Leben zu machen, kann im Idealfall der Beginn einer großen Liebe sein, die ihre Fortsetzung im "Unabhängigkeitstag" und in der "Lage des Landes" finden wird und sollte. Ein würdiger, nachdenklicher, psychologisch exakter und fein beobachteter Einstieg in die nobelpreisverdächtige Trilogie eines literarischen Ausnahmetalents.
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Herbstfeuer Andrej Kurkow Broschiert, 25. August 2009 Verkaufsrang: 22955 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Iwan wird Stammkunde in einem kleinen Feinschmeckerlokal, dessen Chefkoch Dymitsch er kennen und schätzen lernt. Eines Tages ist Dymitsch verschwunden, doch hat er extra für Iwan eine Folge von Gerichten hinterlassen, die ihm seine Nichte Vera kochen und an fünf Abenden hintereinander servieren soll. Alles schmeckt köstlich, doch wieso hat Iwan später winzige Sandkörnchen zwischen den Zähnen? Und was will der Rechtsanwalt, der am fünften Tag zum Abendessen erscheint? Poetisches, Humorvolles und Skurriles aus der Ukraine - vor und nach der 'orangen Revolution'.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Acht ukrainische Kleinode 5 von 5 Punkten Andrej Kurkows Romane haben die Freunde der russischen und ukrainischen Literatur in den letzten Jahren immer wieder erfreuen können. Nun hat der Diogenesverlag dankenswerterweise erstmals eine Kurzgeschichtensammlung dieses Autoren herausgegeben und hier zeigt er erst einmal richtig, was er kann. Ob in der titelgebenden Geschichte eine frischgebackene Witwe einige "anrüchige" Probleme löst, in zwei anderen Geschichten auf eher ungewöhnliche Art und Weise Weihnachten gefeiert wird oder einige Leute "im Fluge" kafkaeske oder märchenhafte Erlebnisse haben - immer zeigt sich neben Kurkows Sinn fürs Erschreckende auch der Sinn fürs Skurille und Absurde. Sogar die Verbrechen in seiner Welt folgen seinen erzählerischen Gesetzen und sind damit zum Teil um einiges perfider, als man es sonst aus der Realität geowhnt ist. Es ist dringend zu hoffen, dass bald weitere Kurzgeschichten durch die Übersetzungsmühlen des Diogenesverlages laufen.
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Der Tagträumer Ian McEwan Taschenbuch, Oktober 2000 Verkaufsrang: 56549 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "McEwan erzählt niemals mit jener abschreckend-gekünstelten Kindlichkeit, die man aus anderen Büchern kennt, sondern läßt die Leser am kindlichen, schrittweisen Erobern der Welt, der Bilder und ihrer Bedeutungen teilhaben, und so vor ihnen eine ganz eigene Welt entstehen, deren Zauber sofort gefangennimmt. Einfühlsam und heiter schildert McEwan die Gedankenabenteuer des zehnjährigen Jungen Peter Glück, der in seinen Tagträumen die Welt anders zu sehen und zu verstehen lernt." (Wiener Zeitung) "Der Tagträumer ist ein Erzählband, in dem die meisten Geschichten wie kleine Startrampen den Leser in eine ihm scheinbar verschlossene Welt zurückkatapultieren, die er längst zurückgelassen zu haben glaubt. Der kurze Aufenthalt in flirrenden Grenzsituationen, zu denen einem McEwan verhilft, ist ein Wechselbad, aus dem man zwar heil wieder auftaucht, aber irritiert und vielleicht für Augenblicke sich selber fremd." (Tages-Anzeiger) "Die Frage, ob McEwans Tagträumer nun ein Buch für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene sei, ist müßig. Es verhält sich mit ihm wie mit Alice im Wunderland oder Pu der Bär: Der Zauber der Lektüre hängt von der Bereitschaft des Lesers ab, ihn wahrzunehmen." (Radio Bremen)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Betrachtungen eines Kindes 5 von 5 Punkten In den Augen der Erwachsenen ist Peter ein schwieriges Kind. Unachtsam, in der Schule nicht besonders aufgeweckt, neigt er auch noch dazu, plötzlich völlig unsinnige Sachen zu sagen oder zu tun. So zum Beispiel, als seine Schwester ihn eines Tages in ihrem Zimmer wiederfindet: das ganze Bett voller Puppen, sitzt er mitten darin und hält ihrer einbeinigen Puppe wütende Vorträge. Was ahnt sie denn schon, was zuvor passiert ist! Kaum war die Schwester nämlich aus dem Zimmer verschwunden gewesen, hatten sich alle Puppen, alle Kuscheltiere von ihrem angstammten Platz aus auf Peter zubewegt und ihn bedroht. Er solle sein Zimmer räumen, damit sie endlich auch ihr Recht auf ein eigenes Zimmer durchsetzen könnten, forderten sie, und kämpften mit ihm bis aufs Blut... Eines Tages hatte Peter auch seinen Körper mit der Katze vertauscht; er war einfach in ihn hineingeschlüpft und hatte es dem größten Rivalen des Katers noch einmal so richtig gezeigt. So war es dann auch leichter zu verwinden, dass der Kater kurz darauf starb... In die Rahmenhandlung der Familiengeschichte rund um Peter sind die einzelnen Erzählungen eingebaut, die sich wunderbar zum Vorlesen abends eignen; gerade Kinder unter 10 haben sicher ihre Freude an den phantasievollen Erlebnissen, die Peter durchzustehen hat. Außerdem ist es ein Trost zu merken: Auch andere sind mit ihren Gedanken meistens in einer Welt, in die einem niemand folgen kann. Wer Ian McEwan kennt, wird vielleicht die schwarze Seite vermissen, das Abgründige, für das der Autor auch einst den Spitznamen Ian McAbre verpasst bekommen hatte - aber *Der Tagträumer* ist ja auch ein Kinderbuch, kein Roman für Erwachsene. Und als Kinderbuch hat es sehr viel Charme!
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Slam Nick Hornby Audio CD, 9. April 2009 Verkaufsrang: 24223 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Wenn man sich von der Welt nicht verstanden fühlt, gibt es verschiedene Wege, darauf zu reagieren. Man kann sich völlig in sich zurückziehen, zum Beispiel. Man beginnt mit Gott zu reden. Oder man spricht mit dem Helden seiner Träume. Woody Allen hat das in einem Film einmal mit Humphrey Bogart so gemacht, um sich Tipps zum Aufreißen von Frauen zu holen. Für Sam ist dieser Held Tony Hawk. Hawk ist der absolute Skater-Star des Universums, der die ultimative Lebens- und Überlebensbibel geschrieben hat. Auf jeden Fall glaubt das der 15-jährige Sam, der das Buch unendlich oft gelesen hat. Wie viele Jugendliche seines Alters, so fühlt sich auch der künstlerisch begabte Sam einsam und unverstanden (wenn auch, erfreulicherweise, ohne wehleidig zu sein). Er geht fast vollständig in seiner Leidenschaft fürs Skaten auf. Und er braucht dringend jemanden, mit dem er reden kann. Im Moment vor allem darüber, dass alles toll in seinem Leben läuft. Seine Kunstlehrerin hat ihn gefragt, ob er nicht Kunst studieren wolle. Seine Mutter hat sich von ihrem blöden Freund getrennt. Und dann hat er sich auch noch verliebt: in Alicia, seine Traumfrau. Die beiden kommen zusammen. Alles scheint perfekt. Aber dann droht plötzlich alles wieder zu zerbrechen... Der britische Autor Nick Hornby wurde durch leicht nostalgisch angehauchte - und später prominent verfilmte - Romane wie High Fidelity oder About a Boy bekannt, die mit ihrem jugendlichen Charme und ihrer unbeschwert daher kommenden Sprache längst zu kleinen Klassikern geworden sind. Seitdem gilt der inzwischen 50-Jährige gemeinhin als Kultautor. Da könnte man eigentlich vermuten (und befürchten), dass sich Hornby auf den Lorbeeren seines Erfolgs ausruhen oder gar immer wieder nur neue Aufgüsse seiner sensationell erfolgreichen Bücher liefern könnte. All dies ist nicht der Fall. Slam über die Freuden und Lieben, Sorgen und Nöte einer eigentlich ganz normalen Skaterjugend ist leichtfüßig, ironisch, witzig, originell wie eh und je. Scheinbar hält sich Hornby durch sein Schreiben jung. Denn die Art und Weise, wie er den Ton seiner jugendlichen Hauptfigur trifft, ist einfach nur cool.- Stefan Kellerer, Literaturanzeiger.de
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 47 Bewertungen)
Hörbuch super 5 von 5 Punkten Ein sehr schönes Hörbuch, da hervorragend von Herrn Schweighöfer gelesen, interessante Geschichte. Wer Nick Hornby mag, ist hier wieder bestens bedient, hoher Unterhaltungswert, daher volle Punktzahl.
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Vox Nicholson Baker Taschenbuch, August 2003 Verkaufsrang: 119337 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Zwei Menschen telefonieren bis tief in die Nacht, gestehen sich ihre intimsten Träume, Geheimnisse und Wünsche. Mit all ihren Phantasien von Versandhaus-Reizwäsche und Video-Erotik, bei all ihren Geschichten von provozierendem Flirt und zielstrebiger Verführung sind es die scheinbar banalen, flüchtigen erotischen Anreize des Lebens, die Jim und Abby am meisten faszinieren: die zarte Glätte von Abbys Haut nach dem Einölen; der langsam ausgeblendete Popsong im Radio, den sie sehnsuchtsvoll verklingen hörte; der jähe Blick auf die vorbeihuschenden Brüste der Autofahrerinnen, wenn Jim als Fußgänger an der Ampel auf Grün wartet.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
Gewonnen 5 von 5 Punkten Ein Roman, der die Themen Frauen und Männer, deren Kommunikation, Einsamkeit und Erotik in einem einzigen Telefongespräch aufzeichnet. Großartig gestrickt, fein gewebt und wie ein Theaterstück erzählt. Ein Klassiker!
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Hölderlin. Ein Roman Peter Härtling Taschenbuch, 1. Oktober 1993 Verkaufsrang: 114471 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag) Hölderlin OA 1976 Form Roman Epoche Moderne Der Künstlerroman über das Dichtergenie Friedrich R Hölderlin machte den Autor Peter Härtling einem großen Publikum bekannt. Entstehung: Der Roman Hölderlin war nicht die erste literarische Auseinandersetzung des Autors mit einer Dichterfigur; 1964 war der Roman Niembsch oder Der Stillstand über Nikolaus Lenau (1802-50) erschienen. Nach Hölderlin folgten weitere fiktive Autorenbiografien wie Die dreifache Maria (1982) über Eduard R Mörike. Hölderlin erschien in einer Zeit, in der die politische Bedeutung des Werks von Hölderlin heftig diskutiert wurde. Das Hauptverdienst von Härtling war es, den von vielen Literaturwissenschaftlern verklärten Dichter des Hyperion (1797-99) als Mensch abzubilden und ihn dadurch einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Inhalt: Härtling erklärt zu Beginn seines Romans: "Ich schreibe keine Biografie. Ich schreibe vielleicht eine Annäherung". Er orientierte sich an den bekannten Informationen über Hölderlin, die aus Gedichten, Prosa, Briefen und anderen Zeugnissen überliefert sind. Nürtingen, die württembergische Stadt, die Hölderlin und Härtling viele Jahre Heimat gewesen ist, nimmt in der Darstellung einen breiten Raum ein. Aber Härtling folgt Hölderlin auch zu den übrigen Stationen seines Lebens. Kurz fasst er sich erst, als er zu den Jahren des "Wahnsinns" kommt, die Hölderlin zunächst in der Autenriethschen Klinik und dann bei der Familie Zimmer in dem heute nach dem Dichter benannten Tübinger Turm am Neckarufer verbrachte. Aufbau: Härtling mischt die Fakten, die über das Leben von Hölderlin bekannt sind, mit als erfunden ausgewiesenen Dialogen ("So kann es gewesen sein") zwischen Hölderlin und Personen aus dem Umfeld des Dichters. Außerdem werden persönliche Erinnerungen von Härtling eingebaut, die darstellen, wie und wo der heutige Hölderlin-Rezipient mit dem Autor in Berührung kommen kann. Härtling verwischt dabei teilweise die Grenzen zwischen der Vita seiner Titelfigur und seiner eigenen Geschichte. Wirkung: Insgesamt wurde das Buch mit großer Begeisterung aufgenommen. Der Erfolg ist nicht zuletzt auf die intensive Auseinandersetzung mit Hölderlin Mitte der 1970er Jahre zurückzuführen. M. E.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Pflichtlektüre 5 von 5 Punkten Wenn es ein Buch gibt, dass es vermag Menschen an die nur sehr schwer zugängliche Lyrik Hölderlins heranzuführen, dann dieser Roman von Peter Härtling. Ohne banal zu werden versteht er es das tragische Leben des Dichters wieder auferstehen zu lassen und so dem Leser einen Einblick in dessen Denken und Fühlen zu eröffnen. Für Literaturinteressierte ist speziell dieses Buch des Autors beinahe eine Pflichtlektüre.
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Aus großer Zeit: Roman Walter Kempowski Taschenbuch, 1. Juni 1996 Verkaufsrang: 115925 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der wohlhabende Rostocker Reeder Robert William Kempowski, einst aus Ostpreußen nach Mecklenburg gekommen, besitzt ein stattliches Haus, zwei Dampfer und zwei Kinder, die gutbürgerlicher Tradition entsprechend Tennis und Klavier spielend heranwachsen. In der Ehe arrangiert man sich: Anna hat ihren "Jour fixe" und einen Tenor vom Stadttheater zum Hausfreund; er wiederum pflegt seine kleinen Liebschaften auch dann noch, als er schon krank und an den Rollstuhl gefesselt ist. 1913 lernt Sohn Karl in der Sommerfrische an der Ostsee Grethe de Bonsac kennen, deren Familie aus dem preußischen Wandsbek von anderer Art ist als die des jungen Mannes: ordentlich und fromm. Zwischen Grethe und Karl entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte, die vom ersten Weltkrieg jäh unterbrochen wird. Karl geht als Freiwilliger an die Front und erlebt das "Stahlbad" bis zu seinem bitteren Ende; Grethe dient dem Vaterland in einem Kinderhort.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Kempowski- von ihm selbst gelesen 5 von 5 Punkten Der Roman "Aus großer Zeit" ist als Buch schon wunderbar, aber diese CD- Sammlung ist wirklich zu empfehlen!! Kempowski liest selbst, mit einer ganz eigenen Sprachmelodie und Betonung, man kann sich sofort in die Zeit versetzen und ist so hautnah dabei, als ginge es um die eigene Familiengeschichte. Ich konnte es kaum erwarten, die nächste CD einzulegen und die Entwicklungen weiter zu verfolgen. Sehr spannend und wirklich excellent gelesen!Aus großer Zeit. 13 CDs
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Kein Ort. Nirgends Christa Wolf Broschiert, 26. September 2007 Verkaufsrang: 29963 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Nicht mehr als ein fiktives Gespräch zwischen einer Frau und einem Mann, beide Literaten, ist hier das Thema. Doch diese gedankliche Auseinandersetzung, die Christa Wolf - weltweit geschätzte Autorin - in ihrer 1979 erschienenen Erzählung so genial inszeniert hat, beeindruckt tief. Mit Karoline von Günderrode, eine Freundin der Brentanos, und Heinrich von Kleist lässt sie zwei tragische Figuren, zwei Außenseiter aufeinandertreffen. Das Gefühl, Versager zu sein, anders zu sein, verbindet sie. Beide werden später den Freitod wählen. "Kein Ort. Nirgends" zeichnet ein zeitloses Porträt zweier Repräsentanten einer Generation, die sich verloren fühlen. In der restaurativen Gesellschaft sind die Ideale der französischen Revolution verraten, und der Traum vom freien Leben und Schreiben hat sich - zumindest für die beiden Protagonisten - nicht erfüllt. Die Günderrode und Kleist begegnen sich 1804 bei einer Teegesellschaft in Winkel am Rhein. Als zwei verwandte Seelen ziehen sich unweigerlich an, erkennen sich als an der Welt und an sich selbst Leidende. Ihre Vision vom authentischen Leben hat sich unwiderruflich zerschlagen. Der Wechsel zwischen Gedanken und Fragen, die sich im Kopf abspielen, und tatsächlich Gesprochenem, vor dem Hintergrund der oberflächlichen Salonkonversation kommt in dieser exzellenten Hörspielbearbeitung beinahe noch besser zum Tragen als in der literarischen Vorlage. Barbara Freier und Markus Boysen vollbringen hier sprecherische Meisterleistungen. Mit ihren Stimmen werden die Wunden der Depression, das schmerzhafte Anders-Sein so plastisch, dass man Mühe hat, nicht selbst in den Abgrund gerissen zu werden. Die letzten Worte: "Wir wissen, was kommt." vergisst man nicht. Absolut passend auch das Streichquartett C-Dur 956 von Franz Schubert! Hörspiel, Spieldauer: 81 Minuten, 2 CD. Mit Booklet. - culture.text
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
Mein Dichterort. Wo? 5 von 5 Punkten Christa Wolfs fiktive Begegnung zwischen Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode stellen im Werk der Autorin eine einmalige Auseinandersetzung über das Selbstverständnis des Dichters in seiner Zeit dar. Auch wenn die feministische Bewegung seit ihren Anfängen im 19. Jahrhundert beginnend bei Bettina von Arnim Karoline von Günderrode "nur" als die erste, der Romantik verwurzelte Protagonistin der Frauenselbstbehauptung und -befreiung in einer patriarchal zementierten Gesellschaft ansah, so scheint mir vermittelt durch dieses Buch die Günderrode noch viel mehr zu sein: Sie verkörpert auch in diesem Buch die Sehnsucht des Menschen nach einem in emotionaler Nähe zur eigenen Identität (die Vergangenheit in der Gegenwart) gegründeten Leben in Verknüpfung mit den das Eigensein entwickelnden und ansteigenden Zielen (Zukunft); also gegen das Nichts und das Leere moderner Individualität, gegen eine vom Selbst entfremdeten Lebenswirklichkeit. Hierin stehen sich Kleist und Günderrode sehr nahe, auch wenn die Verzweiflung am Dasein, am eigenen Dichtersein, die beide treibt, sehr unterschiedlich sein mögen. Christa Wolfs Auseinandersetzung mit Kleist und Günderrode in diesem Buch, damit mit Leben und Tod, Identität und Zukunft ist in ihrer poetisch-philosophischen Tiefe und Ausrichtung noch heute unüberholt. Es ist ein wichtiges Werk der feministischen Literatur - aber nicht nur dieser. Im ganzen ein großes Buch einer Autorin, die mit dem Fall der Mauer und der Auflösung der DDR selbst unter starken Beschuss und in große Kritik geriet, ihrem Selbstverständnis in nachgetragener Liebe neu nachforschen musste. Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend; 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten.
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Harun und das Meer der Geschichten Salman Rushdie Taschenbuch, 1. Juli 2005 Verkaufsrang: 40551 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In der traurigsten Stadt aller Städte lebt der Geschichtenerzähler Raschid mit seiner Familie. Raschid hat Feinde, doch das beeinträchtigt ihn nicht in seiner Fähigkeit, ganze Feuerwerke an Phantasie zu versprühen. Seine Geschichten von Prinzessinnen, bösen Onkeln und fetten Tanten und von schnauzbärtigen Bösewichten finden eine begeisterte Zuhörerschaft. Eines Tages allerdings wird Raschid von seiner Frau verlassen, und von Stund an versiegt die Quelle seiner Phantasie, und keine einzige Geschichte will ihm mehr über die Lippen kommen. Da begibt sich Raschids Sohn Harun zum Meer der Geschichten, in der Hoffnung, dem Vater das große Erzähltalent zurückbringen zu können . . .
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 15 Bewertungen)
Die Unendliche Geschichte auf indisch 5 von 5 Punkten Diese Erzählung erinnert von ihrem Grundgerüst her stark an die "Unendliche Geschichte" von Michael Ende und ist im Detail doch ganz anders. Man könnte sagen, Rushdie hätte eine indische Variante der alten Geschichte neu erzählt. Sie ist wunderschön.
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Das stille Haus Orhan Pamuk Gebundene Ausgabe, 7. September 2009 Verkaufsrang: 166298 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Recep hat es nicht leicht. Denn der kleinwüchsige Ich-Erzähler muss allein mit seiner 90-jährigen Stiefmutter Fatma ein Haus bewohnen, und die Greisin macht ihm das Leben allzu schwer. Den Tod ihres Mannes Selahatin ? ein von seiner Frau unverstandener und ausgebremster Freigeist und Alkoholiker ? hat Fatma nie so recht verwunden: Der Geist des Arztes schwebt wie ein unheilvolles Verhängnis über dem Gebäude und den Bewohnern. Jetzt spricht die streng gläubige Frau jede Nacht mit ihrem toten Mann und sagt ihm Dinge, die sie sich früher zu sagen verkniffen hat. Und trotzdem stehen nun, am Rande des Todes, auch das eigene Leben und die eigenen Überzeugungen für Fatma auf dem Prüfstand... Mit 31 Jahren schrieb der spätere türkische Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk seinen Roman Das stille Haus, und an mancher Stelle merkt man dem Buch die erzählerische Unerfahrenheit seines Autors durchaus an. An anderen ? den meisten ? Stellen hingegen muss man stauen über die Reife und Souveränität, mit der bereits der junge Pamuk sein Sujet beherrscht, und über die vielen narrativen Kniffe und differenzierten, lebendigen Gestalten, die er wie ein Zauberkünstler aus dem Ärmel zieht. Das hat vor allem auch damit zu tun, dass Pamuk nicht bei der Schilderung von Fatmas Innenleben und ihrem schwierigen Verhältnis zu Recep stehen bleibt, sondern die oftmals psychisch recht komplexen Enkelkinder Faruk, Metin und Nilgün, die ihre Großmutter im "stillen Haus" besuchen kommen, in die Schilderung mit einbezieht. Es ist der Sommer 1980, also die Zeit kurz vor dem Militärputsch in der Türkei; so bekommt die Familiengeschichte, die zwischen alten und neuen Auffassungen hin- und herpendelt, noch eine politisch brisante Position ? eine Position, die Pamuk ja bis heute in seiner Heimat so umstritten (und so wichtig) macht. - Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Eine Reise zurück zur Kindheit 5 von 5 Punkten Ich hätte nicht gedacht, dass der Roman eines türkischen Autors (in diesem Fall Orhan Pamuk, Nobelpreisträger) eine beruhigende und gleichermaßen wohlwollende Welt in mir hervorruft. Die Geschichte beschäftigt sich mit der Familie, vor allem mit dem Geschwistertum und der unterschiedlichen Persönlichkeitsenticklung des einzelnen innerhalb des Familienverbandes. Dabei kommt man zur Einsicht, dass sich individuelle Lebensführung nicht bewerten lässt und Toleranz anderen gegenüber das Um und Auf im Umgang mit anderen ist. Ein sehr vielschichtiges, einfach erzähltes Werk, das Kindheitserinnerungen hervorruft und das Leben von Grund auf überdenken lässt.
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Das Vaterspiel Josef Haslinger Taschenbuch, Juni 2002 Verkaufsrang: 11122 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der 35-jährige Rupert Kramer ist ein Looser. Ohne Job, Haschisch rauchend sitzt er nächtelang vor seinem Computer, um ein Spiel zu programmieren, mit dem er groß herauszukommen hofft: das "Vatervernichtungsspiel". Rupert hasst seinen sozialdemokratischen Vater, dem zeitlebens seine politische Karriere wichtiger war als die Familie, die er schließlich wegen einer jüngeren "Schnepfe" verlässt. Ruperts Leben erfährt eine entscheidende Wendung, als seine Jugendliebe Mimi aus New York anruft und ihn um einen obskuren Gefallen bittet. Er soll das Versteck von Mimis Großonkel ausbauen, der während des zweiten Weltkriegs an der Hinrichtung litauischer Juden beteiligt war. Seit nunmehr 32 Jahren verbirgt er sich im Keller eines Hauses auf Long Island. Nach anfänglichem Widerstand entscheidet sich Rupert, Mimis Bitte nachzukommen. Josef Haslinger, 1955 in Zwettl/Niederösterreich geboren, lebt heute in Wien und Leipzig. 1995 erschien sein Roman Opernball, der vom Publikum begeistert aufgenommen wurde und 1998 als TV-Zweiteiler verfilmt wurde. Josef Haslinger ist ein politischer Autor. Im Opernball entwirft er das Panorama einer vom Terrorismus bedrohten Wohlstandsgesellschaft. In Das Vaterspiel beschreibt er anhand des Lebens dreier Familien, dass niemand der Geschichte entkommen kann, weder der seines Landes noch seiner eigenen. Mit diesem Buch ist Haslinger ein weiteres Meisterwerk gelungen, welches beweist, dass große Romane nicht nur aus dem angloamerikanischen Sprachraum kommen müssen. Er kreiert gerade durch seine knappe, distanzierte Sprache eine erzählerische Dichte, in der er dem Leser die Auswirkungen geschichtlichen Handelns auf groteske Weise vor Augen führt. Das Vaterspiel ist ein Buch, das den Leser bis zur letzten Seite in Atem hält. -Bettina Wenzel
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)
ein buch zum verschlingen 5 von 5 Punkten nachdem ich haslingers zugvögel gelesen hatte, entschloß ich mich dazu, weitere werke von hasliger zu lesen. vaterspiel ist ein buch, daß mich mit jeder weiteren seite mehr und mehr zu fesseln wußte. ich hatte im vorfeld eine kritik gelesen, in welcher die handlungsstränge und der aufbau kritisiert wurden. wer halbwegs bücher lesen kann, wird mit dem aufbau des buches keinerlei schwierigkeiten haben. sehr positiv hervorzuheben ist die sprache in diesem buch. einfach, verständlich, aber dennoch faszinierend in aufbau und gestaltungsweise. manchmal ist weniger eben doch mehr. und besonders in den protokollen des überlebenden litauischen juden entfaltet die einfache und klare sprache ihre wirkung. diese seiten gingen mir voll unter die haut und das lesen hat psychisch richtig geschmerzt. haslinger erzählt in einem so nüchternen stil, der gerade deswegen sehr glaubwürdig und realistisch wirkt. er nutzt keine großen übertreibungen oder dramatiserungselemente. er erzählt und dabei tut sich der schrecken dieser zeit auf. auch die rahmenhandlung weiß zu feseln. ich habe die schneeflocken vor meinen augen gesehen und auch das räumfahrzeug, daß eine weile vor dem auto des protagonisten (ratz) gefahren ist. mit der eigentlichen familiengeschichte verhält es sich ebenso wie mit den "judenprotokollen". zutiefst beeindruckend (mir ist noch sehr präsent die geschichte mit dem asiatischen freund der schwester von ruppert (ratz). da wird das spießige im menschen voll und ohne viel federlesens aufs korn genommen, das es eine freude für den leser ist. und überhaupt, wie haslinger das alles zusammenführt, alle achtung. so macht das lesen von romanen spaß. ich muss nicht schon ab seite 10 erahnen können, wie es weitergeht oder was für einen sinn eingeschobene protokolle haben. der autor weiß schon, was er viel. eine sprachgewalt wird hier mit einfachsten mitteln entfacht, wie ich sie in der letzten zeit selten vor meine augen bekommen habe. ich denke, ich werde mir die anderen sachen von haslinger auch recht bald vornehmen. denn wenn sie nur halb so gut sind wie das vaterspiel sind sie des lesens allemale wert.
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Prosamen Robert Gernhardt Taschenbuch, 1995 Verkaufsrang: 76317 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Wussten Sie schon, dass Beethovens Neunte ein Fräulein Stobeier aus Grinzing war? Wussten Sie schon, dass der Biss eines einzigen Pferdes für ein Hornisse tödlich sein kann? Und wussten Sie auch, dass diese beiden Erkenntnisse keinesfalls die einzigen lesenswerten sind, die sich in dem hier anzuzeigenden Reclam-Bändchen finden? Wetten, Sie wussten es nicht, haben es sich aber gedacht? Auf Zeichnungen (den Umschlag ausgenommen) und Gedichte hat Gernhardt bei dieser von ihm selbst getroffenen Auswahl verzichtet; alles ist, was die ersten fünf Buchstaben des Titels verraten. So plaudert oder predigt Gernhardt über den aus der Literatur bekannten und wieder vergessenen Mamelucken, über Marketing und Mozart oder über die Tomate. Und er berät seine Leser: "Seid gut zu den Armen. Wenn ihr die nicht hättet, würden euch die Rucksäcke dauernd runterfallen. Nur zum Beispiel." Genug der Beispiele. Auf zur Buchhandlung! Und dann: kaufen, lesen, lachen... 'Frankfurter Neue Presse'
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Allerbester Stoff vom Gernhardt 5 von 5 Punkten Gernhardt bleibt Gernhardt, egal was er sich vorknöpft. Zum Beispiel all diese Prosa-Genres und Sujets aus Elysium und Schmuddelkinder-Purgatorium der Literaturwissenschaft. Beides lässt sich nämlich ohne Ansehen des hehren Originals gegen den Strich bürsten, und nicht umsonst heißt es, man habe ein Werk erst durchschaut, wenn man's parodieren könne. Gernhardt hat alles durchschaut, alles. Dem macht keiner was vor, und vor ihm sicher ist sowieso nichts: Das Buch Hiob mitsammen "Faust"-Prolog im Himmel? Wird schnell mal vom "Buch Ewald" entkernt, leitmotivisch durchzogen von der Frage, ob der "sie" nun bürstle, und zwar, wie Mephisto erleichtert feststellt, wenigstens nicht in der Mensa. Ostfriesenwitze sind nicht mehr zu parodieren, da sie's schon selber tun? Denkste! Gernhardts Pointen liegen dermaßen nahe, dass keiner (außer ihm natürlich) drauf gekommen wäre. Das gilt erstrecht fürs gesamte Spektrum zwischen Hiob und Ostfriesenwitz, das Gernhardt hier 1995 mit System zusammengestellt hat. Jede Pointe ein Treffer. Überpersönliche Prosa-Formen also erstmal, als Einstiegsdroge mit garantierter lebenslänglicher Sucht bereits nach dem ersten Satz. Ganz harmlos zunächst die dankbaren Opfer, die Ratgeber-Seiten aus den Wartezimmer-Fachzeitschriften für die wartende Dame: "Der Tip": "Brandspuren in Bibeln lassen sich verhindern, wenn man seine Zigaretten in einem Aschenbecher ausdrückt." Viel brauchbarer, dieser Rat, als all diese Ratschläge zum Gurkenmarmelade-Kochen. Finde ich wenigstens. "Wussten Sie schon..." - hmmm. So herum wusste ich das alles noch nicht, weil ich's so herum noch nie betrachtet habe. Aber jetzt, ja klar doch: Nachts sind alle Glatzen kahl, und im Gegensatz zu einer Schwalbe können zwei Schwalben noch was ganz anderes machen. Überhaupt, all diese Parodien auf Zeitungs-Rubriken, haargenau in derem Sprachduktus. Wer Gernhardts Interpretation dieser Klassiker gelesen hat, der liest das Zeug hernach mit anderen Augen. So. Jetzt ist der Leser süchtig und braucht härteren Stoff. Kriegt er auch, gleich im nächsten Kapitel. Da geht's den "überpersönlichen Mitteilungsformen", wie Gernhardt das nennt, sauber an den Kragen; Gernhardt sich selber auf höchstem Niveau noch steigernd. Erst die gymnasiale Landplage des Deutschunterrichts später 70er Jahre: Publikumswirksame Rede; Predigt; wildwabernde Reflexion über ein nicht ganz klar erkennbares Thema; Arnold Hau und sein "Gesetz" mit alttestamentarischem Furor? Und wurde sinnbefreit enthusiastisches Feuilleton jemals gründlicher auseinandergenommen als beim Parforceritt durch die Literaturgeschichte gehobenen Anspruchs ("Der Apfel des Apoll")? Nicht minder fies die drei Mozart-Besprechungen, incl. genretypisch verstolperter Metaphern: "Die erste [Aufnahme] zeigt das Wiener Wunderkind beim feierlichen ersten Spatenstich zu seinem Armenbegräbnisse, zu sehen ist auf ihr wegen der schlechten Lichtverhältnisse nicht viel, zu hören ist gar nichts, wenden wir uns also den beiden anderen zu." Die beiden anderen reichen aber auch völlig, um Lesers Zwerchfell außer Gefecht zu setzen. Nach diesen Lektionen dürfte außerdem auch der Literaturresistente kapiert haben, wieso ein Nachruf keine Quizfrage ist. Und freilich hat Gernhardt in seine Auswahl auch seine berühmte Parodie auf mehrere überregionale Tages- und Wochenzeitungen aufgenommen - eine banal-absurde Nachricht zum Thema "Das Quadrat und die Frauen" wird nämlich je nach Generallinie ganz verschieden kommentiert. Auch ohne das jeweilige Zeitungs-Logo hätte man sofort "Die Welt!", "Brigitte!", "Spiegel!", "Pflasterstrand!", "Die Zeit!" (und was sonst noch so alles drankommt) gerufen; die Stile sind ins Schwarze (bzw. ins Rote, oder ins Regenbogenbunte) getroffen. Wer die literarischen Überpersönlichen vermisst - gemach, gemach. Kommt alles. Der Parodien-Dealer meines unbedingten Vertrauens hat guten Stoff. Lehrreiche Fabel, andächtige Legende, neckische Anekdote, lehrreiche Dichterlesung... Viele ernstgemeinte Vorlagen können schon formal nicht das Wasser reichen, und vom Inhalt wollen wir milde schweigen. Ähnlich furios geht's Heiligen Kühen der universalen Weltliteratur an den Kragen: "Buch der Wandlungen", "Märchen aus Tausendundeiner Nacht", Ernst Jünger im Schützengraben, Karl May... pardon, "Volk ohne Öl"... Alles gut versteckt in den einzelnen Parodien, aber nicht verschwurbelt verstandesabhold zu erahnen, sondern allen Lorbeerkranzes beraubt und umso klarer aufs Wesentliche reduziert. Ja, und dann noch Gernhardts "Nachlese" am Schluss. Das ist jetzt keine Parodie auf lorbeerkranzumwundene Nachworte, sondern ernst gemeint, geistreich und witzig. Die "Prosamen" also in ihrer Gesamtheit eine bein- bzw. gernhardte Parodie aufs "Meistererzählungen von XY"-Sortiment? Na klar! Ist ja vom Gernhardt.
Gernhardt zum Kennenlernen 4 von 5 Punkten Wunderbar um sich einen Überblick über das Schaffen von Gernhardt zu machen. Das Heftchen enthält ein vom Autor zusammengestelltes Best of mit Gedichten, Satiren, Aphorismen, Kurzgeschichten etc., die sich durch den für Gernhardt typischen Sprachwitz und Hintersinn auszeichnen. |
Himmel, der nirgendwo endet Marlen Haushofer Broschiert, Mai 2005 Verkaufsrang: 102664 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "In Himmel, der nirgendwo endet wird die kleine und unendliche, in den meisten Menschen verschüttete Welt der Kindheit zauberhaft eingefangen." (Neue Zürcher Zeitung).
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Schön traurig 5 von 5 Punkten Trotz der Problematik schafft es die Autorin immer wieder, dass ich doch ihre Geschichten zu Ende lese. Sie hat schreibtechnisch eine magische Sogkraft. Aus psychologischer Sicht ist die Erzählung ihrer Kindheit eine Katastrophe: eine gefühlskalte, überperfektionistische, sich verausgabende Mutter und ein Vater, der sich da raus hält und in seine Gartenhütte flüchtet oder auch mal cholerische Anfälle bekommt und dann seinen Hund prügelt/tritt. Inhaltlich gesehen sehr traurig, schwer und belastend aber vom Schreibstil her schnörkellos, einfach, leicht und wunderschön
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Milch und Kohle Ralf Rothmann Taschenbuch, 21. August 2008 Verkaufsrang: 52276 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Pressenotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2000 Eingehend und mit großer Wärme spricht Thomas Wirtz über diesen neuen Roman von Ralf Rothmann, der wie immer bei diesem Autor im Ruhrgebiet spielt. Anders als in den früheren Bücher konstatiert der Rezensent in "Milch und Kohle" einen weniger schnoddrigen Ton, der Rothmann aber gut bekomme und den Roman zu einem "intensiveren Kammerspiel" werden lasse. Da sich Rothmanns Helden aus der tristen Realität des Ruhrgebiets fast immer ins Schreiben flüchten, erkennt Wirtz in seinen Büchern "späte Nachkommen des Bildungsromans" - neu seien hier eine Selbstironie und ein sympathisches Zweifeln an seinem eigenen Gelingen. © Perlentaucher Medien GmbH
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Über das harte Leben im Ruhrgebiet der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts - ein gutes Buch 5 von 5 Punkten Dieser absolut empfehlenswerte Roman beschreibt das Leben einer Familie im Ruhrgebiet der 60 er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Der Autor, Ralf Rothmann, einer der bemerkenswertesten Schriftsteller der Gegenwart, ist, 1953 geboren, selbst im Ruhrgebiet aufgewachsen und weiß, von was er spricht. So, wie er diese Gegend, in der die Menschen damals hart arbeiten mussten und das eine ganz besondere, mittlerweile durch den Verlust des Bergbaus und der ihm angeschlossenen Schwerindustrie verlorengegangen Kultur ausgebildet hat, beschreibt, lässt er sie in einer Weise auferstehen, die fasziniert. Der kurze, in einer ganz eigenen "Schreibe" (Peter Handke in einer Kritik) verfasste, 2002 zuerst erschienene Roman lässt den Ich-Erzähler Simon berichten von seiner Jugend und seiner Familie. Das Leben ist geprägt von Gewalt, geistiger Enge und dem andauernden Versuch , doch irgendwie mit den Verhältnissen zurecht zu kommen. Nachdem seine Mutter gestorben ist, findet sich Simon in der alten Wohnung seiner Jugendjahre wieder, und die in ihm aufsteigenden Erinnerungen bilden das fortlaufende Thema des Buches, in dem Simon nicht nur seine eigene Pubertät reflektiert, sondern auch seine Beziehung zu seinen Eltern und deren schwierige Beziehung zueinander. Er erinnert sich daran, wie sein psychisch labiler Bruder so ganz anders auf das Scheitern der Ehe der Eltern reagiert hat... Mit seinem ganz eigenen Stil lässt Rothmann eine wohl zum Teil auch selbst erlebte Zeit wieder auferstehen und macht sie unvergessen.
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Herzlich willkommen Walter Kempowski Gebundene Ausgabe, 14. November 2009 Verkaufsrang: 136342 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Wird schon werden, da müssen wir eben durch", sagt die allen Kempowski- Lesern vertraute Mutter Grethe, als ihr Sohn Walter nach acht Jahren Haft aus dem Zuchthaus Bautzen zu ihr nach Hamburg zurückkehrt ohne Ausbildung und Beruf, ohne Ziel und Geld. Sehr gemessen fällt der Empfang seitens der Verwandtschaft aus. Und dem in die Freiheit entlassenen Walter ergeht es nicht anders als vielen Deutschen, die aus dem Osten in den so begehrten Westen gelangt sind: Von den Menschen, mit denen sie es zu tun haben, nicht anerkannt, fühlen sie sich als Bürger zweiter Klasse. Walter jedoch kann warten. Er übt sich in Geduld, während um ihn herum sich die Räder des Wirtschaftswunders immer schneller drehen. Zunächst schlüpft er bei seiner Mutter unter, erhält dann eine Einladung der Ökumene in die Schweiz und trifft in Locarno im "Haus Zwingli!" auf allerlei Gäste, die er mit unnachahmlichem Humor beschreibt. Auf der Burg Hatzfeld im Werragebiet versucht er sich als Erzieher für schwierige Kinder. Von ihnen geliebt, aber abgestoßen von den Erziehungsmethoden dieser Anstalt, entschließt er sich, sie zu verlassen. In Hamburg erwarten ihn die Mutter und Cornelli, der ihn an der Pädagogischen Hochschule in Göttingen unterbringt. Ein ungewohnt sorgloses Studentenleben beginnt, doch die Jahre in Bautzen haben ihre Spuren hinterlassen: Walter sieht schärfer und tiefer als viele seiner Kommilitonen, immer wieder erliegt er Anfällen von Melancholie. Die Gabe der Ironie verhilft ihm dazu, die oft skurrilen Typen und Außenseiter lebensecht zu zeichnen. Die Familie wächst wieder zusammen: Robert kehrt ungebrochen aus der Haft zurück, und Walter findet endlich die Frau, die ihn versteht. So enden für ihn mit diesem Roman die Jahre des Suchens und des Übergangs, deren Bestandsaufnahme Walter Kempowskis Deutsche Chronik nun abschließt.
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Gänzlich anders und doch wieder nicht 5 von 5 Punkten Hier wird geschrieben, wie es sein sollte. Deutlich, verständlich, deutsch eben (könnte man ruhig sagen). Da ist aber auch ein Nebengeräusch, ein Nebenhauch zu vernehmen, Sarkasmus leuchtet, könnte man sagen ( oh, wie wahr!) und der geglückte Versuch, das nichtschön Erlebte zu verdrängen, zu übermalen, mit Wasserfarben zu vertuschen. Verständlich! Überlängen gar? Etwas langweilig, wie Kritiker schon geschrieben? Ich kann es nicht nachvollziehen, denn es geht schon "die Post ab", wie man so sagt und (humhum) das genießerische Lachen eines schwarzgelockten Mädchens, das allein schon erhellt das ganze Bild etwas, macht deutlich, dass man nur hinhören muß, hinzusehen braucht. Erstaunlich und erfrischend die immer wieder kurzen lyrischen Einschübe deutscher Lieder und Gedichte Herrlich beschrieben die Studenten-Zeit in Göttingen mit Beginn des Studiums und wie es sich lebt bei Vermietern in den fünfziger Jahren. Ich habe ähnliches erlebt einpaar Jahre später im beschaulichen Freising unter lustigen Studenten und bei gutbürgerlichen Vermieterinnen. Köstlich die Beobachtungen der einzelnen Dozenten und Kommiliton/innen. Es ist schon so, daß man als Mensch (zumal als junger) Kontakte braucht und sie auch bekommt und man geht seinen Weg, weil man ihn irgendwie findet (immer wieder findet). Deshalb ist die immerwährende Beweglichkeit für mich das Herausragende in diesem Buch. Was außerdem an diesem Roman berührt, ist eigentlich kurz gesagt: nämlich die Freude am Leben. Damit will ich meine kurze Besprechung dieses schönen Buches beenden. Was man kann, ist dies: Es immer mal wieder zur Hand zu nehmen und drin zu blättern, um sich ins Leben zu vertiefen, das auch (wie komisch!) in Büchern wie hier zu finden ist und nicht nur auf Wanderungen innerhalb geschäftlicher Tätigkeiten.
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Moralische Unordnung Margaret Atwood Broschiert, 25. Juli 2009 Verkaufsrang: 151794 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Ein scharfsinniger und angenehm humorvoller Blick auf die jungen Jahre der großen Autorin." (Elke Heidenreich, Lesen!)
"Margaret Atwood ist die Erfinderin und Verkünderin der kanadischen Literatur - und deren berühmteste Repräsentantin." (Sigrid Löffler, Literaturen)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)
Moralische Unordnung von Margaret Atwood 5 von 5 Punkten Zu Margaret Atwood's Werken kann ich immer nur sagen, lesen. Alles, was sie schreibt ist genial.
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Der romantische Egoist Frédéric Beigbeder Broschiert, August 2007 Verkaufsrang: 39037 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ist Oscar Dufresne Frédéric Beigbeder beziehungsweise umgekehrt? Ist Der romantische Egoist ein Roman, ein Tagebuch, eine Aphorismensammlung, alles zusammen oder vielleicht nichts davon? Fest steht: Oscar Dufresne ist die Hauptfigur in Beigbeders Roman Der romantische Egoist. Er ist 34 Jahre alt (also jünger als sein Erfinder), und ein Schriftsteller mit Ambitionen, der nach einer Stunde auf dem Laufband vor Metaphern nur so überquillt. Er ist ein Mann zerfressen von Zweifeln an sich und der Welt. Ein Zyniker mit Sexhunger, wie ihn Michel Houellebecq nicht besser hätte erfinden können. Aber er ist auch ein Mann, der von dem Porno der Zukunft nicht Sätze wie "Das gefällt Dir, Du Fotze", sondern "Ich liebe dich" erwartet. So jedenfalls steht es im Abschnitt "Freitag" aus dem Jahre 2000 geschrieben, welcher einen Tag aus seinem Urlaub inmitten der High Society zusammenfasst. Wie bereits in seinen anderen Büchern (39,90, Windows on the World über die Ereignisse des 11. September in den USA) treibt der französische Autor das Spiel mit den Identitäten und den Genres auf die Spitze. Und er versucht wieder einmal virtuos zu provozieren. Trotzdem: Der Egoist ist, wie der Titel sagt, auch romantisch. "Nach Boris Vians Ich werde auf eure Gräber spucken neige ich eher zu: ?Ich werde all eure Töchter poppen?", heißt es an einer Stelle, die andernorts angesichts der Schönheit einer Strandbekanntschaft gleich wieder relativiert wird: "Sie hat kein Wort zu mir gesagt; und doch war es gerade ihretwegen ein gelungener Urlaub." Und schließlich: "Ich fühle mich schrecklich allein in dieser Familie, die mich an das Versäumnis erinnert, eine eigene zu gründen." Es sind Passagen wie diese, die Dufresne bei aller Antipathie, die man während der Lektüre für ihn empfindet, doch wieder sympathisch machen. Wegen dieses Changierens zwischen Abneigung und Verständnis allein lohnt sich die Lektüre von Der romantische Egoist allemal. -Stefan Kellerer
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)
genial! 5 von 5 Punkten Beigbeder setzt inmitten von Sätzen totaler Oberflächlichkeit Texte, die einem das Herz still stehen lassen, weil sie so schön und klug sind! Ich habe 39,90 gehasst - aber dieses Buch gehört unbedingt gelesen. (Wobei sich in meinem Freundeskreis heraus kristallisiert hat, dass der romantische Egoist stark polarisiert ... auch abhängig von der persönlichen Lebenssituation ...)
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Eine Reise in das Innere von Wien: Essays Gerhard Roth Taschenbuch, 1. Juli 1993 Verkaufsrang: 117905 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Jahrelang durchforschte Gerhard Roth die licht abgewandten Bezirke Wiens. Auf seinen Streifzügen durch die Hauptstadt ließ er sich nicht vom Glanze der ehemaligen k. u. k. Residenzstadt blenden. Er suchte und fand deren realen und ihren seelischen Untergrund. Im FAZ-Magazin publizierte Roth eine Serie mit seinen Erkundungen. Er berichtet darin vom ehemaligen Hetztheater (in dem Tiere so lange aufeinander gehetzt wurden, bis sie todwund verendeten), von den Katakomben in der Inneren Stadt, von den geistesverwirrten Künstlern in der psychiatrischen Anstalt Gugging, vom ehemaligen Judenviertel in der Leopoldstadt; Roth beschreibt das stadtbekannte Männerwohnheim in der Meldemannstraße, in dem Hitler knappe vier Jahre zugebracht hat, stattet dem so genannten Narrenturm und dem Heeresgeschichtlichen Museum Besuche ab. Unversehens gerät der Band zu einem Reiseführer durch die Abgründe der österreichischen Seele.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Die Archive des Schweigens 4 von 5 Punkten Über was schweigt die ansonsten lebenslustige und sprachlich sehr offene Stadt Wien? Wo sind die Archive des Schweigens und was ist mit dem Inneren und den Befindlichkeiten von Wien gemeint, welche der Autor Gerhard Roth so anschaulich beschreibt und ihnen bei einem Besuch und einem Schwätzchen die Geheimnisse von den Lippen gelesen hat?! Wien - nicht nur eine Stadt mit Licht; sondern auch mit ein paar Schatten. Auch in Wien befinden sich dunkle Plätze, welche nicht gerade von der Historie liebkost werden, Hinrichtungsstätten, grausame Plätze an denen dunkles geschah, Folter, Mord und Totschlag. Alte Plätze und Neue sind dazu gekommen, zuletzt durch den Anschluss ans Dritte Reich. Platz musste gemacht werden und Unerwünschtes musste weg - leider auch in Wien. Die K&K Monarchie hatte ebenfalls ihre Örtlichkeiten und Wien hat sie aufgenommen wie auch all die Vertriebenen und Glückssucher, welche in ihre Mauern kamen. Ob es Obdachlose sind, Haftanstalten, das obskure Männerheim in Wien, die pathologisch medizinische Sammlung oder der Judenfriedhof - Plätze hat es in Wien genug die eine Vergangenheit haben. Ein Buch wie ein düsterer Wind, EINE REISE IN DAS INNERE VON WIEN von Gerhard Roth ist eine Reise ins Ich einer Stadt, mit viel Licht und auch Schattenseiten. Empfehlenswert!
Vienna - Reloaded 4 von 5 Punkten Die "Reise in das Innere von Wien" versammelt 9 Arbeiten von Gerhard Roth über Wien, die erstmals in den Magazinen von FAZ, Zeit und AZ veröffentlicht wurden. "Essays" nennt der Untertitel diese Arbeiten, doch es handelt sich eher um Reportagen mit einem fixen Kompositionsschema: Roth besucht einen prominenten Ort in Wien, wo ihm ein sachkundiger Führer bei seinen Erkundungen zur Seite steht. Die Reportage gibt dann eben diese Erkundungen wieder, ergänzt um historische Informationen und persönliche Reflexionen von Roth. Die erforschten Orte gehören entweder der prominenten "Wiener Welt" an (wie Stehpansdom, Kanalsystem, Bücherspeicher, Heeres-geschichtliches Museum) oder aber der nicht minder prominenten "Wiener Gegenwelt" (wie Narrenturm, Haus der Künstler in Gugging oder das berühmte Obdachlosenasyl in der Meldemannstrasse). Wer die Wiener Gegebenheiten nicht so gut kennt, findet hier eine Art literarischen Reiseführer, neun Miniaturen über Denk- und Merkwürdiges, Bizarres und Skurriles, Reportagen über das unentwegte Ineinanderübergehen von Wiener Welt und Gegenwelt. Wer als kunst- und literaturinteressierter Wiener hingegen diese Geschichten liest, vermisst etwas. Der Wiener weiss, dass seine Stadt unmittelbar hinter barockem Prunk Abgründe aufweist, dass die Stadt mehr als das Gesunde noch das Kranke liebt und dass die Grenzen zwischen den Gegensätzen immer schon fliessende waren. Die Entdeckungen des Steirers Roth sind für den Wiener größtenteils Vertrautheiten. Trotzdem habe auch ich -ein Wiener - Roths Buch mit Vergnügen gelesen. Mit demselbem Vergnügen, mit dem man liebe, alte Bekannte in einer fremden Stadt trifft. |
Fühlen, Denken, Handeln Gerhard Roth Taschenbuch, 3. April 2007 Verkaufsrang: 69987 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 10.10.2001 Ulrich Kühn empfiehlt Gerhard Roths Blick in das menschliche Gehirn als ein Lehrbuch der modernen Hirnforschung. Klar und verständlich geschrieben spanne es einen weiten Bogen über die neurobiologischen Grundlagen des menschlichen Verhaltens. Kuhn würdigt Roths Forschungsergebnisse, hält aber die Folgerungen über ihre soziale Sprengkraft für übertrieben. Angesichts solcher Folgeschlüsse begrüßt es Kuhn, dass der Interpretationsteil insgesamt kurz ausfällt und sich der Autor stark auf empirische Tatsachen zurückzieht. Zudem kritisiert Kuhn, dass bei Roth Tatsachen nahtlos in Werturteile übergehen, wenn er etwa Begriffe wie 'Pseudoerklärung' oder 'Illusion' verwende als seien sie wissenschaftliche Tatsachen. © Perlentaucher Medien GmbH
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)
Hirnforschung: Sind wie Marionetten unserer Gehirnprozesse? 5 von 5 Punkten Neuauflage: Zwei Jahre nach der 1. Auflage erscheint eine neue, vollständig überarbeitete Auflage in der preisgünstigen Taschenbuchreihe STW. Der Umfang wurde um mehr als 100 Seiten auf nunmehr 600 Seiten erweitert. Davon umfasst das aktualisierte, kompetent ausgewählte Literaturverzeichnis allein 28 Seiten. Die bewährte Grundstruktur im Aufbau der Thematik wurde beibehalten. Der Leser erhält nicht nur einen fundierten und detaillierten Überblick über die neurophysiologischen Grundlagen der aktuellen Hirnforschung, sondern auch eine vorzügliche Zusammenfassung der brisanten Diskussionen und Fragestellungen bzgl. der Willensfreiheit des Menschen. Insbesondere dienen hierzu drei neu verfasste Exkurse, die interdisziplinär aktuell im Rampenlicht der Fachdiskussionen zwischen Neurobiologen, Kognitions- und Sozialwissenschaftlern sowie Philosophen stehen; es sind: Das Geist-Gehirn-Problem: Gelöst? Lösbar? Unlösbar?", Neurobiologie und Psychoanalyse. Oder: Hatte Freud Recht?" und Freier Wille, Verantwortung und Schuld". Die Hauptthese Gerhard Roths lautet: Obwohl wir uns in unseren Handlungen bzw. Entscheidungen frei fühlen, sind diese Prozesse neurophysiologisch zwar aufgrund ihrer Komplexität nicht vorhersehbar, jedoch determiniert. Anders ausgedrückt: unser sogenannter freier Wille ist für uns in der subjektiven Ich-Perspektive" erfahrbar und damit real; in der Perspektive des forschenden Naturwissenschaftlers vollziehen sich jedoch alle neurobiologischen Prozesse empirisch gesetzmässig und deterministisch. Die epochale Anschlussfrage mit bedeutenden Auswirkungen auf die Sozial- und Rechtswissenschaften ist hiermit neu zu stellen: Ist der Mensch eine Marionette seiner Gehirnprozesse? Zur Beantwortung dieser Fragen oder besser zur Beschäftigung mit dieser wichtigen Problematik, die uns als Menschen auf der Suche nach unserem Selbstverständnis persönlich bedrängen, leistet die Lektüre von Roths Buch Hervorragendes. Die Quintessenz des Rezensenten: Wenn Roth und seine neurobiologischen Kollegen den Freien Willen" in ihren gehirnphysiologischen Versuchsanordnungen nicht finden und nicht nachweisen können (vgl. Libets Experimente, S. 518 ff.), so sollten wir dennoch fest an ihn glauben, um verantwortungsvoll als Homo sociologicus" handeln zu können; zugleich bedeutet diese Verantwortung auch die neurobiologische Ursachen unseres Handels als Homo neurobiologicus" weiter zu erforschen, zu verstehen und angemessen zu berücksichtigen. Fazit: Das Buch ist ein klarer Kauf mit den Attributen: preiswert, kompetent, fundiert, interdisziplinär und last but not least gut verständlich. Dr. Achim Schmetz Februar 2004 in Freiburg i.Br.
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