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Kafka am Strand - Haruki MurakamiKafka am Strand
Haruki Murakami

Gebundene Ausgabe, 2. März 2004
     Verkaufsrang: 31189      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 24,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele? Haruki Murakami formuliert es etwas anders, ist aber in Kafka am Strand wieder den großen Fragen nach Identität, Wahrnehmung und Wirklichkeit auf der Spur. Er knüpft dabei erklärtermaßen an seinen ersten Erfolg, Hard-boiled Wonderland, an, inhaltlich wie formal: Zwei Geschichten werden parallel erzählt, ohne dass zunächst klar würde, was die handelnden Personen miteinander verbindet. Da ist zum einen Kafka, der an seinem 15. Geburtstag ausreißt und vor einer düsteren Prophezeiung seines Vaters auf die Insel Shikoku flüchtet. Er schließt Freundschaft mit dem Bibliothekar Oshima -- für manche Überraschung gut -- und verliebt sich in die wesentlich ältere Saeki.

Im Mittelpunkt des anderen Erzählstrangs steht Nakata, der Katzenflüsterer, dessen Geistesschwäche auf einen mysteriösen Vorfall im Jahre 1944 zurück geht. Jetzt glaubt er in einen Mordfall verwickelt zu sein und verlässt Tokio. Unterwegs -- gerade hat es Blutegel geregnet -- trifft er den Fernfahrer Hoshino, auch ihr Weg führt schließlich in Oshimas Bibliothek. Diese dient als eine Art Scharnier zwischen den Welten, zwischen Leben und Tod, Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Fantasie. Ihre Bücher sind für Kafka "lebendiger und fesselnder als die Menschen, die vor dem Bahnhof herumwimmeln". Er verliert sich allmählich in diesem "Zerrspiegel der Zeit", in erotischen Tagträumen -- sind es Träume? -- und Wahnvorstellungen: "Vielleicht habe ich meinen Vater durch meine Träume ermordet." Liebt er die 15-jährige Saeki oder die alte?

Auch die Leser verlieren, nämlich irgendwann das Interesse an diesem hormongeplagten Halbstarken. Wie möglicherweise der Autor, der auf der anderen Seite einen ergreifend tragikomischen Helden präsentiert: "Nakata hat eigentlich keine Meinung. Er mag Aal", definiert dieser japanische Schwejk sich selbst -- inmitten philosophischer Seifenblasen ein erfreulich nüchternes Motto. Die besten Szenen mit ihm und Hoshino könnten von Beckett stammen -- zwei Landstreicher auf Sinnsuche.

Ist das ein guter Roman? Und wenn ja, wie viele? "Mein Road-Movie-Roman" (Murakami), magischer Realismus, Seins-Fiktion? Nach einigen Durchhängern endet die "Probefahrt auf einer gigantischen Achterbahn" rasant. Murakami-Fans, die erst ab Seite 300 richtig warm werden, werden sich freuen. Murakami-Sympathisanten halten sich an Nakata oder auch Sätze wie diesen: "Erinnerungen sind das, was Ihren Körper von innen wärmt." --Patrick Fischer

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 60 Bewertungen)

Kafka im Konflikt mit sich selbst      5 von 5 Punkten
Kafka am Strand ist im Grunde genommen ein Ausschnitt aus dem Leben eines 15jährigen, der beschließt, von zu Hause auszureißen und irgendwo anders bloß weit weg sein bisher eher unglückliches Leben neu zu beginnen. Er nennt sich fortan Kafka und erreicht bald Takamatsu, eine Stadt im äußersten Westen Japans, wo er seine Flucht vorläufig stoppt.
Sein selbstgewähltes Landstreicherleben endet eines Nachts jäh, als er blutüberströmt an einem Schrein aufwacht und sein Vater in Tokyo erstochen aufgefunden wird.

Fortan versteckt sich Kafka bei anderen Menschen und setzt sich jeden Tag mit seine psychischen Problemen auseinander und muss irgendwann eine ironische Tragik erkennen: je weiter er vor sich und seinen Problemen davonrennt, versucht, vor der Realität und seiner eigenen Vergangenheit zu fliehen, um so mehr rennt er auch in sie hinein.
Weil dieser Roman von Haruki Murakami geschrieben wurde, kann man das sogar wortwörtlich nehmen. Zunehmend wird die Handlungsebene von der konkreten Welt in surreale, metaphysische Bildnisse verlagert, gern auch mal durch Raum und Zeit.
Auf dieser abenteuerlichen Reise bleibt es nicht aus, dass auch Kafkas Persönlichkeit einer Wandlung unterzogen wird.
Was ich vorhin als ironische Tragik bezogen auf Kafkas Seelenleben bezeichnet habe, lässt sich allerdings auch auf die Gesamthandlung des Romans münzen: keiner der Charaktere kann hier wirklich behaupten, seines eigenen Glückes Schmied zu sein, unaufhörlich drängt das Schicksal jeden zurück zu einem ihm vorgezeichneten Weg. Die einzige Möglichkeit für die Handelnden, wieder Herr über sich selbst zu werden, besteht darin, mit ihrer Bestimmung zusammenzuarbeiten und sie zu erfüllen. Das ist einer der beruhigendsten und freundlichsten Ansätze von Determinismus, den ich in der letzten Zeit lesen durfte.

Freilich ist Kafka nie völlig allein auf seinen Wegen. Von Beginn an stellt Murakami dem eigentlichen Handlungsstrang einen zweiten Gegenüber. Die Protagonisten beider Stränge stehen unbewusst mit ihren Taten und Erlebnissen in einer Wechselwirkung, wodurch ihre Wege immer enger miteinander verknüpft werden.

Abseits dieser fantastischen Erzählung scheint Kafka Am Strand auch autobiografische Elemente zu beinhalten; so beobachten wir, wie der junge Protagonist sich erinnert, in einer Bibliothek als Kind eine Vorliebe für Jazz- & Rockmusik entdeckt zu haben. An anderer Stelle zitieren Menschen bedeutungsschwanger alte Klassiker, die auch schon in anderen Murakami-Erzählungen eine Rolle gespiet haben. Oder sie diskutieren lebhaft über klassische Musik und erklären diese Diskussion später zu prägenden Ereignissen ihres Lebens.
Man wird den Eindruck nicht ganz los, dass der als so schüchtern geltende Autor hier auch ein wenig seiner eigenen Lebensgeschichte einstreut
Ich jedenfalls würde, sofern dieser Eindruck stimmt, keinen Anstoß daran nehmen. Dem Roman a sich tut es nur gut.

Abschließend bleibt sagen: dieses Buch ist irgendwie unverkennbar Murakami und absolut lesenswert.


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Landleben - John UpdikeLandleben
John Updike

Broschiert, Mai 2007
     Verkaufsrang: 24621      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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„Es ist eine verrückte Sache, am Leben zu sein,“ sagt der 70jährige Owen Mackenzie. Zeit für ihn, auf ein langes Leben zurück zu blicken, ein Leben voller Gefühle, Sex und Bilderbuch-Karriere, ein Leben mit zwei Ehefrauen, Seitensprüngen, Trennung, Kummer, Schmerz und Neubeginn.“ Ich bin so glücklich mit dir,“ sagt Julia und der Morgen des alten Paares beginnt.

Es ist die fulminante Chronik eines reichen Lebens zwischen wechselhafter Zeitgeschichte, prickelnden erotischen Erinnerungen und dem Wandel des Lebens in einer dieser typischen Kleinstädte in Middle America. Farbenreich und einfühlsam skizziert John Updike diese Retrospektive, wunderbar charmant, ironisch, mit Augenzwinkern, manchmal mit Witz und Humor, stets aber liebevoll, nie vernichtend oder verächtlich. Eben Updike, wie man ihn kennt und liebt!

Owen, der seine Mutter verehrt, froh ist, dass er kein Mädchen und kein Linkshänder ist, scheu, aber verführerisch ist, wächst im Haus des Großvaters auf, von dem er die ,intellektuelle Neugier' geerbt hat, zu einer Zeit, wo „Roosevelt noch frisch im Amt“ war.

Da ist die Prüderie der Eltern-Generation, die verklemmte Sexualität, das Versteckspiel mit Gefühl und Lust. Hinreißend die Erinnerungen an all die wunderbaren Mädchen, die sich „für den Mittelpunkt des Universums“ hielten. An Alice Stottlemeyer, „die erste, die Owen mit einer geheimen Bedeutung küsste“, die klug war „und das machte sie langweilig.“ Oder an Ginger, der man beim Klettern heimlich in die Shorts schauen konnte. Erste Erfahrungen, Berührungen, Kribbeln, und Verliebtsein, fast wehmütig blickt Owen zurück, denkt an Alissa, Vanessa, Karen oder Faye. „Seine Hand umfasst seinen schlaftrunkenen Schwanz, und er erlebt wieder, wie er eine von ihnen unter sich, neben sich, über sich hat ....“ Aber Updike lässt seinen in die Jahre gekommenen Helden nie in Traurigkeit oder Depression verfallen, denn da ist seit 25 Jahren seine Frau Julia mit den blauen Flip-Flops, beide flirten mit der Senilität, „wie um ihrem Fortschreiten besänftigend entgegenzuwirken.“ Und einsichtig macht das Alter in Sachen Liebe und Sex allemal: „Die Menschen müssen romantisch verliebt sein sonst gelingt es ihnen nicht, sich über das unbewegte Kopulieren von Schafen und Eichhörnchen zu erheben.“

Weise, voller Herzlichkeit und versöhnlich dem Alter gegenüber skizziert Updike einen alten Mann, schlägt einen weiten Bogen über Generationen hinweg. Eine große, große Wärme strahlt dieses Buch aus und man liest es mit viel Anteilnahme. „Es ist eine verrückte Sache, am Leben zu sein. Kleinstädte sind dazu da, diese Verrücktheit zu mäßigen ... uns vor dem Dunkel draußen und dem Dunkel drinnen zu schützen.“ --Barbara Wegmann

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)

ich bin zufrieden...      4 von 5 Punkten
... wenn auch nicht restlos. fünf sterne verweigere ich, weil es für mich sehr qualvoll war, die computertechnikspezifischen abschnitte zu lesen und halbwegs zu verstehen. ich bin noch immer bemüht, einen sinn darin zu finden, die geschichte des owen m. mit der darstellung der genialen amerikanischen computererfindungen oder mit für den laien nur konfusen mathematischen problemen und termini zu verbinden. mir hätte es völlig gereicht, dass die profession des helden erwähnt wird, soweit es der geschichte dienlich und nützlich ist. egal, es gibt trotzdem 4 sterne, weil ich das thema sehr mag und die umsetzung durch den autoren. er versteht es, atmosphäre zu schaffen, diesen kleinstadtmief und dieses sinnbetörende kleinstadtklima plastisch werden zu lassen. was ist daran verwerflich, über kleinstadtsex zu schreiben? es geht doch darum, wie man das schreibt! und da gibt es einen updike, der das kann, ohne pornografisch, billig oder gar peinlich zu werden, der seine protagonisten liebt, sie nicht bloßstellt. das thema männer und frauen (oder besser frauen und männer?) wird sehr schön verbunden mit der schilderung kleinstädtischen lebens im laufe des vergangenen jahrhunderts, ohne ein geschichtsbuch zu sein. aber das ist wirklich nur randerscheinung. letztlich geht es darum, dass wir doch alle, wie der hauptdarsteller auch, das ganze leben lang auf der suche nach der einzigen liebe sind, ob wir es nun zugeben wollen oder nicht. es liegt in unserer biologie, weniger an unserem verstand. und es geht frauen genauso wie den männern. da erübrigt sich die frage, ob die einen oder die anderen vom jeweils gegensätzlichen ausgenutzt werden. es geht auch darum, dass ein leben nicht ausreicht, um das wesen des anderen geschlechts wirklich ergründen zu können. ein leben lang kann man dazulernen, und wer sehen, hören und fühlen kann, der wird nicht ohne lohn bleiben.
erzählerisch ist das buch eine freude, so dass es sich durchaus lohnt, es ein zweites oder drittes mal zu lesen. wer sich appetit dafür holen will, dem empfehle ich, "ehepaare" zu lesen. betörend und insofern doch besser als "landleben"


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Der Marsch - E. L. Doctorow; Angela PraesentDer Marsch
E. L. Doctorow; Angela Praesent

Gebundene Ausgabe, 22. August 2007
     Verkaufsrang: 43304      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Das große amerikanische Antikriegsepos - ausgezeichnet mit dem PEN/Faulkner Award.
E.L. Doctorow erzählt von Liebe in Zeiten der Gewalt, von Idealen im Malstrom der Schlacht und vom Krieg als alles verschlingendem Ungeheuer - gestern wie heute. Ein von der Kritik gefeierter und mit dem PEN/Faulkner Award ausgezeichneter US-Bestseller (Platz 3). 1865, der Amerikanische Bürgerkrieg liegt in den letzten Zügen. General William T. Sherman marschiert mit einer Armee von sechzigtausend Mann durch Georgia, South und North Carolina. Die notdürftig ausgestatteten Rebellen der Südstaaten haben keine Chance gegen die hochgerüstete Union. Und folglich führt Shermans Marsch zum Sieg der Nord- über die Südstaaten und zur Abschaffung der Sklaverei. Doch am Ende ist jeder Opfer des Krieges: einfache Soldaten ebenso wie hochstehende Generäle, befreite Sklaven ebenso wie ihre Unterdrücker, die Bewohner des Nordens wie des Südens. »Der Marsch« eröffnet das eindringliche Panorama einer der schmerzhaftesten Epochen der amerikanischen Geschichte. Mit großem Einfühlungsvermögen folgt er den Protagonisten dieses unfassbaren Dramas und zeigt dem Leser mit ungeheurer Suggestivkraft, mit welcher Wucht jeder Krieg eine zivilisierte Welt in Barbarei und Chaos stürzen kann - aber auch, dass in jedem Chaos der Keim für einen Neubeginn steckt.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)

Die Amis können es halt!      5 von 5 Punkten
Wie Doctorow die Geschichte aufbaut, voran treibt und die Personen agieren und immer wieder aufeinander treffen lässt - das ist bestes Handwerk. Das können nur die großen amerikanischen Erzähler.
Ein Wermutstropfen: Ein wenig zu viele militärtaktische Ausführungen.
Eine präzisere geografische Karte wäre hilfreich.


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Der Liebeswunsch - Dieter WellershoffDer Liebeswunsch
Dieter Wellershoff

Taschenbuch, Mai 2002
     Verkaufsrang: 17449      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 10,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Viele Jahre musste man auf einen neuen Roman von Dieter Wellershoff warten und wurde schließlich mit einem Meisterwerk belohnt: Der Liebeswunsch ist das beklemmend intensive Psychogramm zweier Paare, ein präzises Kammerspiel über Freundschaft, Verrat, Vertrauen und Einsamkeit: "Wir waren ein menschliches Mobile, vier Figuren an unsichtbaren Fäden, pendelnd umeinander kreisend und ständig in Gefahr, sich ineinander zu verhaken." Die Fäden liegen natürlich in der Hand des Autors, der sich hier ein weiteres Mal als Meister des psychologischen Realismus erweist und ein Liebesparallelogramm entwirft, dessen Verschiebungen den Leser in Atem halten.

Umso mehr als die Geschichte abwechselnd aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der zwei Männer und zwei Frauen erzählt wird. In der Hörbuchfassung kommen diese Perspektivwechsel durch die vier Stimmen renommierter Schauspieler noch viel besser zur Geltung. Vor allem Anne Moll und Udo Schenk verleihen ihren Figuren eine beeindruckende Präsenz. Gemeinsam mit Gudrun Landgrebe und Ulrich Pleitgen machen sie aus dieser modernen Version der Wahlverwandtschaften ein beeindruckendes Hörerlebnis, von dem man keine Minute missen möchte. --Christian Stahl

Spieldauer: 6 CDs, ca. 475 Minuten; vom Autor genehmigte gekürzte Romanfassung.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 28 Bewertungen)

Nicht nur die Liebe zählt.      5 von 5 Punkten
Obwohl es allen vier Protagonisten mißlingt, eine erfüllende und zugleich haltbare Beziehung zu führen, zeigt sich doch rasch, daß es nicht der Liebeswunsch allein ist, der die Figuren dieses überaus fesselnden Romans umtreibt.
Vielmehr wird der Partner zum Prüfstein für das eigene soziale Überleben.
So fehlt es Anja an Vertrauen in die doch jedenfalls vorhandenen Fähigkeiten (Beruf,Studium). Ihr Ehemann, Leonhard, ermöglicht es ihr zwar, in den Kreis der sich einmal monatlich zu Romméeabenden Treffenden aufgenommen zu werden. Als Staatsanwalt zeigt er sich ihr gegenüber jedoch immer wieder über jeden Selbstzweifel erhaben.
Marlene hingegen sieht das Glück darin, mit einem Mann wie zwei Berge nebeneinander zu wachsen, jeder stark für sich, und doch ineinander greifend.
Menschen wie Marlene - zwar in Liebesangelegenheiten nicht eben durchgehend erfolgreich, aber andererseits nicht abhängig vom anderen - können in der modernen Gesellschaft bestehen.
Ein Paul, der sich um das Wohl anderer weniger kümmert als um das eigene, kann sich ebenfalls behaupten.
Leonhard, den vermeintlich Vernünftigen, schützt der berufliche Umgang mit ähnlich Gesinnten davor, von jemandem wie Anja ins Unrecht gesetzt zu werden.
Welche Menschentypen potentielle Gewinner, welche eher gefährdet sind, wird in diesem kapitelweise bedrückenden, dann aber auch immer wieder die Lachmuskeln reizenden Schmöker virtuos vor Augen geführt.
Ein Kunstwerk!


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Der Ackermann aus Kärnten - Josef WinklerDer Ackermann aus Kärnten
Josef Winkler

Gebundene Ausgabe, 1980
     Verkaufsrang: 182117     

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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Der Ackermann...      5 von 5 Punkten
Ein Wort vorweg: Für Leute, die Heimatliteratur, wie man sie normalerweise kennt, suchen oder für Leute, die ohnehin schon depressiv sind, kann ich dieses Werk von Josef Winkler nicht unbedingt empfehlen. Wer sich aber stark genug fühlt, sich auf einen rabenschwarzen Psychotrip durch das bäuerliche Nachkriegskärnten einzulassen, sollte mal einen Blick riskieren.
Kernthema in diesem Buch ist der Doppelselbstmord zweier Jugendlicher aus Verzweiflung und Liebe. Diesem Ereignis nähert sich der Autor, der zutiefst selbst betroffen ist, als er durch die verschiedenen Häuser des Dorfes zieht. Es sind die wichtigen Themen bei Josef Winkler Homosexualität, Selbstmord, Missbrauch, die Abrechnung mit dem Vater, der Katholizismus und die Frömmelei, Grausamkeiten der Menschen untereinander und gegenüber Tieren, eben auch immer wieder Sterben und Tod, die hier aufs Tapet gebracht werden. Bestimmte Dinge werden gebetsmühlenartig und wie in einem Bußgebet wiederholt, tauchen immer wieder auf. Die Bauernwelt Kärntens der Nachkriegszeit wird auf düstere und wahrscheinlich sehr autobiographische Weise charakterisiert und dargestellt. Vereinzelt gibt es Ausbrüche junger Menschen, die die Beatles hören und lange Haare tragen, aber es endet hier meist tragisch. Die Allgegenwärtigkeit von Kruzifixen, Tieren und Kindern charakterisiert die Wertigkeiten dieser eigentümlichen Welt mit ihren eigenen Ritualen und Vorstellungen. Oft erscheint der Text wie eine Aneinanderreihung von Erinnerungen, die ja z.B. durch einen bestimmten Geruch ausgelöst werden können. Hier sind die Erinnerungen jedenfalls alles andere als angenehm. Natürlich ist man leicht geneigt, Winklers Text als depressives Zeug abzutun, aber in dieses Werk ist sehr viel persönliches hineingelegt, ich denke dass auch in der Literatur ein so tiefer Einblick in die Erlebenswelt eines Menschen selten vorkommt.
Jedenfalls sollte man sich nach einer längeren Lektüre im Ackermann aus Kärnten für den Tag nicht mehr allzuviel vornehmen.

Verwirrend      3 von 5 Punkten
Dieser Text besticht zwar mit der für Winkler typischen metaphorischen, facettenreichen, kunstvollen Sprache, durch die der Autor die schwere Kindheit und Jugend aufarbeiten kann, erschreckt aber zugleich durch die ständige Aufnahme der Themen "Tod" bzw. "Selbstmord", oder "Katholizismus".
Literatur für Depressive?!


Buch der Illusionen - Paul AusterBuch der Illusionen
Paul Auster

Taschenbuch, Oktober 2003
     Verkaufsrang: 55075      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Professor David Zimmer ist ein gebrochener Mann, seit seine Frau und seine Kinder bei einem Flugzeugabsturz starben. Nur die Arbeit an einem Buch über einen 1929 verschollenen Stummfilmkomiker namens Hector Mann erhält ihn am Leben. Dann geschieht Seltsames: Eines späten Abends taucht eine attraktive junge Frau bei Zimmer auf und verlangt von ihm, sofort mit ihr nach New York zu fliegen. Mann lebe noch und wolle ihn sprechen. Als Zimmer ablehnt, zückt die Frau einen Revolver...
Auch als Hörbuch erhältlich


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 22 Bewertungen)

Eine perfekte Geschichte!      5 von 5 Punkten
(Weiter)Leben zu dürfen kann ein Fluch sein: Für den Wissenschaftler David Zimmer, der seine Frau und seine Kinder bei einem Flugzeugabsturz verloren hat, ist jeder Tag eine unendliche Qual! Wie soll das Leben überhaupt nur wieder einen Sinn bekommen?
Zimmer stürzt sich in die Arbeit und die nimmt ihn bald mit Haut und Haar gefangen. Er schreibt über den Stummfilmstar Hector Mann, der eines Tages, auf dem Höhepunkt seines Erfolgs, verschwand.

Doch irgendwann ist diese Arbeit abgeschlossen und Zimmer droht, in ein noch tieferes Loch zu fallen. Da holt ihn seine Arbeit ein und er wird von einer undurchsichtigen Frau mit Waffengewalt gebeten, Mann, der noch leben soll, zu besuchen.
Diese Begegnung wird für Zimmer zu einer ganz besonderen Herausforderung: Denn was sich ihm offenbart, an Möglichkeiten und Weisheit, stellt das doch sehr fragile Lebensgerüst, in dem er sich gerade zurecht zu finden sucht, erneut in Frage...

Paul Auster, bekannt geworden mit seiner "New York Trilogie" hat einen Roman geschrieben, der sehr lange nachklingt. Ihm gelingt eine schier unglaubliche Geschichte mit Tiefgang, die originell ist, nachdenklich stimmt und sprachlich auf hohem Niveau unterhält. Ein kleines Meisterwerk mit philosophischen Bezügen, dass nie rührselig, oft komisch und zugleich tief melancholisch ist.
Ein tolles Buch!


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Plattform - Michel HouellebecqPlattform
Michel Houellebecq

Gebundene Ausgabe, Januar 2002
     Verkaufsrang: 176147     

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Ein neuer Roman von Michel Houellebecq, man weiß es längst, das ist: ein neuer Skandal. Diesmal im Angebot seiner Fiktion: die Huldigung an den Sextourismus und die Diffamierung des Islams. Zudem Interview-Aussagen Houellebecqs ("Der Islam ist die bescheuertste Religion der Welt"), die ihm eine Klage der französischen Islamischen Vereinigung wegen "Anstiftung zum Rassenhass und zur religiösen Gewalt" einbrachten. Kurz: Bereits vor seiner Lektüre geriet Plattform a priori zum Medienereignis -- und unterstützt auf diese Weise die Kritik gleichsam um eine neue, eine viel versprechende Debatte.

Und die Handlung, der Protagonist? Naturgemäß eine vereinzelte Person, obendrein und einmal mehr Michel mit Namen. In seiner Welt von Einzelwesen bilden Peepshows und Unterhaltungsserien im Fernsehen Orientierungspunkte seiner unglücklichen Existenz, die erst durch den Tod seines Vaters, ermordet vom Bruder seiner islamischen Freundin, eine Wendung nimmt: Das Erbe ermöglicht ihm Urlaub, und er unternimmt eine Reise in den Fernen Osten, freilich zum vornehmlichen Zwecke des Beischlafes, der seine einzige Freude ist. Aber da gibt es schließlich noch Valérie, eine untypische weil altruistische Houellebecq-Figur -- und mit ihr den Versuch, im zweiten Teil des Romans die bedingungslose Liebe zu beschwören. Aber auch diese, man ahnt die Katastrophe schon, scheitert: Brutal niedergeschossen von islamistischen Terroristen stirbt Valérie in den Armen des geliebten Michel, der wieder vereinzelt zurückbleibt, dieses Buch (in uneindeutiger Perspektive) schreibt und dokumentiert: Liebe ist nicht möglich, wird immer scheitern. Michel: ein Mensch am Ende mit seinen Gefühlen; und diese haben schließlich, so Houellebecq, abzutreten.

Unglück und Scheitern wirken also katalysatorisch auf das Schreiben nicht nur des Protagonisten Michel, sondern auch des Autors und Namensvetters Houellebecq, dessen Figuren seit seinem ersten Roman von so tiefer Verzweiflung, von unermesslichem Unglücklichsein und von transzendentaler Obdachlosigkeit heimgesucht sind, dass man sich ihnen kaum entziehen kann: Es ist der lautlose Ton der Verzweiflung, der der Houellebecq'schen Prosa zu Gehör und Erfolg bei seinen Lesern verhalf, nicht aber -- das scheint nach diesem Roman umso deutlicher -- deren literarische Qualität. Diese schließlich reduziert sich jenseits des Tones auf einen Houellebecq'schen Realismus, skandalträchtig schwebend zwischen spekulativem und provokativem Impetus.

Was am Ende bleibt: ein schaler Eindruck eines nicht durch seine drastische Schilderung pornografischer Szenen schockierendes Buch, sondern vielmehr eines sich vor der französischen Kritik für eine neue Debatte, naturgemäß möglichst skandalträchtig, prostituierenden Autors. --Kristina Nenninger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 39 Bewertungen)

Ein wunderschönes Skandalbuch      5 von 5 Punkten
Ist das nun ein gutes Buch oder appelliert dieser Roman einfach nur an die niedrigen Instinkte der männlichen Leser? Beim ersten Lesen spricht wohl viel für die zweite Antwort. Denn neben vielen ausländerfeindlichen Formulierungen dürfen wir auch viele Beschreibungen von Sex mit Prostituierten lesen, die man als Nummer 47 ruft, die dann "Sin" heißen und jedes Klischee aus einem Pornofilm bedienen. Und auch der allerniedrigste Instinkt von allen wird ausgiebig angesprochen, nämlich der Zynismus und der Selbsthass, mit denen die Gescheiterten in unserer Gesellschaft die Welt betrachten. Ja, dieser Roman gibt auch dem deutschen Angestellten über Vierzig viel Stoff für seine Träume, jedenfalls wenn er noch Single ist oder seine Ehe und seine Karriere gescheitert sind. Was kommt nach den Träumen von Jugend und Aufbruch? Genau dieses Buch mit seiner vorgeblichen Amoral und seiner ausschweifenden Pornografie. Fast könnte man sagen, es ist eine Freude zu lesen, wie genau der Autor hier die Innenansicht einer schweigenden Mehrheit in der westlichen Gesellschaft darstellt. Aber eigentlich ist es traurig, selbst dann, wenn einen immer wieder die gelungenen Formulierungen über den Wahnsinn unserer Zeit lachen lassen.

Aber ist da nicht noch mehr? Bei genauerem Lesen fällt auf, dass der Protagonist nicht nur irgendein Beamter ist. Er ist extrem gebildet. Am Anfang des Buches unternimmt er eine Reise nach Thailand. Er verhält sich dabei nicht viel anders als die meisten seiner Begleiter, die einen Querschnitt durch die aktuelle, französische Gesellschaft darstellen. Er vertritt ähnliche Meinungen, er nutzt die gleichen, käuflichen Dienstleistungen, er hat vielleicht ähnliche Schwächen. Aber wo seine Reisegenossen dumpf über den Rassismus sprechen, nennt er die Quellen, zeigt, welche Literatur, welche Philosophie, sogar welche Marketingstrategien hinter den Überzeugungen stehen. Durch diesen Charakter liefert Houellebecq sozusagen die Quellen unseres Unglücks. Und so hilft uns ein belesener und hochintelligenter Protagonist, mehr über uns selbst zu lernen. Denn wenn man ganz genau liest, wird man feststellen, dass der Protagonist kein Zyniker, sondern nur ein gescheiterter Moralist ist. Muss ein Moralist in einer amoralischen Gesellschaft immer kapitulieren? So langsam kommen wir damit zu den spannenden Fragen des Buches.

Während der Reise scheint die Liebe kein Ausweg zu sein. Unser Protagonist ist einfach zu autistisch. Als er sich dann ganz am Ende der Reise doch noch zu einem zögerlichen Kontaktversuch entschließt, passiert Sonderbares. Ich will es mal mit einem Zitat aus dem Buch erklären: "Valerie, was findest Du eigentlich an mir? Ich sehe nicht besonders gut aus, und ich bin auch nicht besonders unterhaltsam; ich begreife nicht, was an mir anziehend sein soll." Soweit die Selbsteinschätzung des Protagonisten. Valerie widerspricht nicht. Sie macht ihm darauf ein Geschenk, eigentlich völlig ohne Grund, natürlich ein sexuelles Geschenk, denn wie sollte man sonst Zugang bekommen zu diesem Mann. Es ist dieses Überschreiten der Regeln von Attraktivität und Marktwert, von Leistung und Gegenleistung, was den Zauber dieser Szene ausmacht. Liebe ist möglich, unter allen Umständen. Aber sie basiert auf Vorleistung, und vielleicht sogar auf gedankenloser Hingabe. Und nicht einmal die in dieser Szene folgende Pornografie kann diese Botschaft stören. Ein weiteres Zitat, diesmal von Valeries Seite (wenn auch in anderem Zusammenhang): "Das war nicht schwer... Denn letztendlich ist es sehr selten, dass sich jemand für andere Menschen interessiert."

In Momenten wie diesem ist Plattform ein wunderschöner Liebesroman. Noch ein Zitat: "Ich weiß, dass es Glück gibt." Leider hat man zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal die Hälfte des Buches hinter sich. Und so müssen die beiden Protagonisten noch das sexuelle Unglück der westlichen Gesellschaft lösen helfen, mit Hilfe eines Reiseunternehmens und sehr viel Marketingeinsatz (durchaus unterhaltsam für BWL-Studenten). Über die in diesen Passagen vertretenen, gesellschaftlich-politischen Thesen kann man sich natürlich streiten. Glücklicherweise ist meine persönliche Erfahrung mit dem Thema Beziehung nicht so negativ wie die des Autors. Aber so oder so, die Sache geht im Buch ohnehin nicht gut aus, und so muss noch ein Finale folgen, das den Helden wieder zurück in die Einsamkeit schickt. Und so kann der Autor / Protagonist dann auch noch etwas zum Thema Islam und politische Gewalt sagen.

Ja, viele der Aussagen sind fragwürdig. Aber das kennen wir ja schon aus den vorherigen Büchern von Houellebecq, die schon ähnliche Themen behandeln, aber die menschlichen Geschichten deutlich schwächer erzählen als in diesem Buch. Führen diese fragwürdigen Aussagen nun dazu, dass man das Buch ablehnen oder verdammen sollte? Zumindest ist es ein mutiges Buch, und die Themen sind es Wert diskutiert zu werden, mit welchem Ergebnis auch immer. Und vor allem: Der Roman ist wirklich umwerfend gut geschrieben. Personen, Situationen und Orte sind genau beobachtet und jedes einzelne Wort ist treffend. Selbst die Pornografie kommt überzeugend rüber. Viele der sarkastischen Sprüche sind außerordentlich klug, witzig und unterhaltsam. Während Houellebecq im Buch den Protagonisten über Forsyth und Grisham lästern lässt, zeigt er den amerikanischen Kollegen gleich auch, wie man es besser macht. Kaum ein Satz ist langweilig, er braucht sich nicht zu wiederholen, es liest sich alles gut und fließend. Ein Genuss, und so muss man auch die deutsche Übersetzung sehr loben.

Nein, jugendfrei ist das alles nicht. Dennoch sollte man es gelesen haben.


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Intimacy: Rastlose Nähe. Dunkel wie der Tag - Hanif KureishiIntimacy: Rastlose Nähe. Dunkel wie der Tag
Hanif Kureishi

Broschiert, Mai 2008
     Verkaufsrang: 54983      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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'Intimacy' enthält den Roman 'Rastlose Nähe' sowie die Erzählungen 'Dunkel wie der Tag'
Rastlos suchen wir die Nähe und hören nie auf, uns nach dem Geliebten zu sehnen - und was, wenn wir uns fremd werden? Hanif Kureishi ist ein präziser und unsentimentaler Beobachter. Gnadenlos beschreibt er, was uns bewegt. Wir kennen alles, was er erzählt. In seinen Geschichten fühlen wir uns geborgen, weil wir nicht allein sind mit unserem Glück und Unglück. Nicht umsonst zählt Kureishi zu den größten Erzählern seiner Generation. Das Glück liegt in seinen Büchern.




Der Psalmenstreit - Maarten 't HartDer Psalmenstreit
Maarten 't Hart

Gebundene Ausgabe, Mai 2007
     Verkaufsrang: 16043      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 19,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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»Zwei Schiffe mehr, du wirst Gott loben und preisen, du wirst der größte Reeder von Maassluis sein.« So einfach stellte sich seine Mutter das vor. Doch um diese Schiffe zu bekommen würde Roemer Stroombreeker zunächst einmal Diderica heiraten müssen, ein abscheulicher Gedanke, denn Diderica überragte ihn um Haupteslänge, und ihr Geruch erinnerte ihn an einen riesigen Heilbutt. Natürlich, man schrieb das Jahr 1739, der Heringsfischerei war keine goldene Zeit beschieden in diesen Tagen, und auch die Reederfamilie der Stroombreekers mußte schauen, wo sie blieb - aber sollte Roemer dafür auf die Liebe der mittellosen Anna Kortsweyl verzichten? Am Vorabend des grimmigen Aufruhrs um eine neue Bibelübersetzung beginnt Maarten't Harts detailreicher und eleganter historischer Roman.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)

Ungewohnt aber trotzdem gut      5 von 5 Punkten
Maarten 't Harts Romane spielen fast immer in seiner Heimat, der Region südlich von Rotterdam. Es ist faszinierend, wieviel Stoff 't Hart aus dieser unspektakulären Gegend zieht.
Anders an diesem Roman im Vergleich zu früheren ist, dass der Autor ihn in das 18. Jahrhundert verlagert. Aber so erhält er u.a. die Gelegenheit, nicht nur über von ihm geschätzte Komponisten zu schreiben, sondern diese auch in kurzen Rollen auftreten zu lassen.
Das Buch liest sich sehr gut. Die Beschreibung der lokalen historischen Situation im ausgehenden 18. Jahrhundert gelingt ihm ausgezeichnet. Sehr schön zu lesen sind die Diskrepanzen zwischen dogmatischer Religion und zunehmender Aufklärung. Der ebenfalls beschriebene Mißbrauch von Religion für eigentlich soziale Anliegen ist hochaktuell.
Insbesondere letzteres lässt verschmerzen, dass der eigentliche "Stimmungszauber" seiner früheren Romane in diesem Buch nicht so stark ist.


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Die Liebe währt drei Jahre - Frederic BeigbederDie Liebe währt drei Jahre
Frederic Beigbeder

Taschenbuch, Januar 2003
     Verkaufsrang: 141461     

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Nach seiner Scheidung von Anne feiert Marc ein rauschendes Fest, auf das die nur allzu tiefe Depression folgt. Paris im Winter, eine vereinsamte Wohnung, schließlich ein kläglicher Selbstmordversuch, der in seiner Komik den mangelnden Ernst der Lage offenbart. Grund dieser Lebensmüdigkeit ist aber nicht das Scheitern der Ehe, sondern die Zurückweisung durch die Geliebte, die ihrerseits nicht bereit ist, ihren Mann zu verlassen.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)

top!!      5 von 5 Punkten
humorvoll, unterhaltsam und realistisch.
unbedingt lesen! ein unglaublich tolles buch. ich liebe es !!


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Eine Handvoll Leben - Marlen HaushoferEine Handvoll Leben
Marlen Haushofer

Taschenbuch, November 2004
     Verkaufsrang: 102689      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Zwei Jahrzehnte sind vergangen, als eine Frau unerkannt in das Haus ihrer Familie zurückkehrt, das sie einst verlassen hat, um eine Ehe und eine Affäre aufzugeben. Nun steht sie ihrem Sohn gegenüber: -Sie bereute nichts, das Leben war schön, grauenhaft, sanft und ohne Gnade und immer stärker als ihr Herz, das sich dagegen stemmte.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Eine ganz "einfache" Familiengeschichte.      5 von 5 Punkten
Eine ganz "einfache" Familiengeschichte.

Die Familie Pfluger besteht aus Vater, Mutter, Sohn und Tochter Eine gutbürgerliche Familie, der Vater ein Nagelfabrikant. Das einzige Ungewöhnliche ist, dass Käthe, die nur die Stiefmutter des Jungen ist, diesen mehr liebt als ihre eigene Tochter.

Als der Vater bei einem Verkehrsunfall stirbt ist das Haus zu verkaufen und eine reiche Amerikanerin interessiert sich für das Anwesen.
Niemand, besonders nicht der Sohn, merkt, dass die Interessentin, Elisabeth, seine leibliche Mutter ist die vor Jahren ihren Mann, ihren und ihren Liebhaber über Nacht verlassen hat.

Das Buch selbst wird aus der Sicht von Elisabeth (oder nun "Betty") erzählt, der ersten Ehefrau des nun verstorbenen Herrn Pfluger, Sie erinnert sich an ihre Vergangenheit, an alte Begebenheiten und versucht herauszufinden wer sie ist und warum sie eigentlich damals ihren Mann, ihren Sohn und ihren Liebhaber über Nacht verlassen hatte.

Erinnerungen an ihre Kindheit am Lande, die viel zu brutal für das sensible Kind ist in ihrer normalen Bodenständigkeit.
Erinnerungen an ihre Zeit im Internat, der Wunsch sich gegen die strenge Zucht und Ordnung aufzulehnen. Aber immer das brave Kind geblieben.
Erinnerungen an ihre einzige und beste Freundin, Käthe. Die schon als Teenager erkannte, dass Elisabeth (Betty) nicht fähig war wirklich zu lieben.
Erinnerungen an ihren Ehemann, den sie mochte und der ihr immer ein bisschen leid tat - der aber viel zu gut und zu bürgerlich war, als dass sie ihn jemals hätte glücklich machen können.
Erinnerungen an ihren Liebhaber, den sie eigentlich nicht mochte.

Die Jugendfreundin Käthe kam zu besuch. Freundlich und herzlich nahm sie alle für sich ein. Und so wusste Elisabeth dass ihre Familie, ihr Sohn, bei Käthe in guten Händen wäre. In besseren Händen, als in den ihren.
Also verließ sie sie zu ihrer aller Wohl.

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Suhrkamp Taschenbücher, Nr.27, Die Angst des Tormanns beim Elfmeter - Peter HandkeSuhrkamp Taschenbücher, Nr.27, Die Angst des Tormanns beim Elfmeter
Peter Handke

Sondereinband, 13. August 2007
     Verkaufsrang: 31412      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Ein Mord geschieht, der Täter reist in ein Dorf an der Grenze, seine Entdeckung durch die Polizei steht bevor. Es ist der Fall des ehemaligen Tormanns Josef Bloch.Peter Handke, geboren 1942 in Griffen, Kärnten, lebt in Frankreich. Zuletzt erschien: 'Mein Jahr in der Niemandsbucht'. Mit seinem Aufsatz 'Gerechtigkeit für Serbien. Eine winterliche Reise an den Flüssen Donau, Save, Morawa und Orina' erregte Handke Anfang 1996 erhebliches Aufsehen.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)

Ein verblüffendes Buch      5 von 5 Punkten
Peter Handke ist mit diesem Werk wieder einmal ein kleiner Geniestreich gelungen.
Schon von der ersten Seite an ist man vom total untypischen Helden Bloch (wahrscheinlich psychisch krank) gefesselt. Seitenlange Gedankenbeschreibungen gewähren immer wieder Einblicke in die verwirrte Welt Blochs. Manchmal ist es geradezu komisch, wie unbeholfen er reagiert und wie er alles missversteht.
Vielleicht werden manche ein wenig Handlung vermissen, aber die Sprache macht alles wieder wett.
Für Handke-Fans ein absolutes Muss!


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Stille Zeile Sechs. SZ-Bibliothek Band 90 - Monika MaronStille Zeile Sechs. SZ-Bibliothek Band 90
Monika Maron

Gebundene Ausgabe, 5. Januar 2008
     Verkaufsrang: 87256      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 5,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Die DDR Mitte der achtziger Jahre: Rosalind Pokowski, zweiundvierzigjährige Historikerin, beschließt, ihren Kopf von der Erwerbstätigkeit zu befreien und ihre intellektuellen Fähigkeiten nur noch für die eigenen Interessen zu nutzen. Herbert Beerenbaum, ein ehemals mächtiger Funktionär, bietet ihr eine Gelegenheitsarbeit: Rosalind soll ihm die gelähmte rechte Hand ersetzen und seine Memoiren aufschreiben. Trotz Rosalinds Vorsatz, nur ihre Hand, nicht aber ihren Kopf in den Dienst dieses Mannes zu stellen, kommt es zu einem Kampf um das Stück Geschichte, das beider Leben ausmachte, in dem der eine erst Opfer dann Täter war, und als dessen Opfer sich Rosalind fühlt. Die Auseinandersetzung mit Beerenbaum läßt sie etwas ahnen von den eigenen Abgründen und den eigenen Fähigkeiten zur Täterschaft. Stille Zeile Sechs ist die Adresse Beerenbaums, eine ruhige gepflegte Gegend für Priviligierte, weit entfernt von dem, was in den Straßen der DDR vor sich geht.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 16 Bewertungen)

Am Ende wird abgerechnet      5 von 5 Punkten
Es gibt wenige Bücher zeitgenössischer ostdeutscher Autoren, die sich der eigenen Vergangenheit derart ehrlich stellen wie die Monika Marons.

Denn, was der eine oder andere Rezensent übersehen haben mag, Monika Maron rechnet in diesem Roman kurz nach der "Wende" nicht etwa nur mit ihrem ehemaligen Staat, der DDR, ab, sondern auch mit sich selber, ihrer Arbeit, ihrem Elternhaus.

Wie Siegfried Lenz kürzlich in einem Interview der "ZEIT" schrieb, gibt es als Schriftsteller keine Möglichkeit, von sich selber abzusehen: "Was immer du schreibst, du gibst etwas von dir selbst preis. Man kann nicht über andere schreiben, ohne zugleich über sich selbst zu schreiben. Und also durchblicken zu lassen, was einen selbst zutiefst bedrückt."

Und genau das tut Maron in teilweise selbstquälerischer aber enorm ehrlicher Auseinandersetzung. Monika Maron beschönigt, rechtfertigt nichts. Sie versucht stattdessen Zusammenhänge herzustellen, zu verstehen.

In diesem Sinne dürfen wir Monika Marons "Stille Zeile Sechs" als "Aufarbeitung" eigener individueller Geschichte begreifen - und genau deshalb ist dieses Buch überaus lesenswert. Dass ihr dieses eigene Anliegen handwerklich und intellektuell als Roman auf hohem Niveau gelingt, spricht einmal mehr für Ihr Können.

Die Frage, ob Maron in den 70er Jahren "IM" war, spielt für die Beurteilung ihres Werks m. E. keine Rolle. Entscheidender als unsere Handlungen in der Vergangenheit ist doch unsere Fähigkeit, diese zu reflektieren. Und genau das tut Maron in diesem Buch. Wir Westdeutschen tun in Abrechnung mit den "realsozialistischen Staaten" gerne so, als ob hier jeder, ob Schriftsteller, Politiker oder Wirtschaftsführer, moralisch integer eine weiße Weste hätte. Das Gegenteil ist meist der Fall. Deshalb hat auch Günter Grass meinen Respekt verdient. Nur wer selber frei ist von Schuld, möge Steine werfen.

Fazit: Eine bedrückende, quälende aber notwendige und daher lesenswerte Abrechnung mit der eigenen Vergangenheit in der DDR. Um das Leben in der DDR wirklich zu verstehen, dazu kann dieses Buch einen großen Beitrag leisten. Ein Kompliment der SZ für die Aufnahme in die zweite Staffel ihrer "Bibliothek der 100 großen Romane des 20. Jahrhunderts", denn genau da gehört es hin.


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Das Evangelium nach Jesus Christus - Jose SaramagoDas Evangelium nach Jesus Christus
Jose Saramago

Taschenbuch, Oktober 1997
     Verkaufsrang: 43721      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 10,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Saramagos Jesus ist sehr irdisch, klug, voller Fragen: Ist seine große Liebe zu Maria Magdalena verwerflich? Warum heben die Wunder, die er (übrigens wider Willen) vollbringen kann, den Tod nicht auf, sondern verschieben sein Eintreten nur? Und warum schlägt Gott die Versöhnung mit Luzifer aus? Fragen, auf die er nur sehr unzureichende Antworten bekommt. Jesus muß erkennen, daß sein Vater ein despotischer Gott mit einem unstillbaren Hunger nach Macht ist.
Eine skandalöse neue Heilandsgeschichte, die nach dem Erscheinen im katholischen Portugal für heftige Debatten sorgte.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)

Bewegend und anspruchsvoll      5 von 5 Punkten
Ein ganz besonderes Buch. Die ersten Seiten musste ich auch als Vielleser durchaus anspruchsvoller Literatur bestimmt vier Mal lesen. Manch einen mögen die sehr langen Sätze und die vielen Kommas (als einzige Orientierung bei der direkten Rede) jedoch abschrecken. Das wäre jedoch sehr schade, denn diese Geschichte ist eine echte Bereicherung und es lohnt, darüber nachzusinnen. Die ganz andere Jesusgeschichte, von Herzen und mit Phantasie. In diesem Buch steckt viel Wahrheit. Einer der besten Romane, die ich kenne.


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Schubert - Peter HärtlingSchubert
Peter Härtling

Taschenbuch, Oktober 2003
     Verkaufsrang: 10712      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Peter Härtling zeichnet in seinem Roman die Stationen im Leben Franz Schuberts nach. Er bringt zum Ausdruck, wie Schubert, obwohl umgeben von Freunden und Bewunderern, in eine immer tiefer werdende Einsamkeit geriet. "Ich weiß nicht, wie nah ich ihm gekommen bin. Manchmal unterbrach ich meine Arbeit. Ich konnte nicht mehr schreiben, weil er mir zu lieb geworden war. Da half ich mir mit seiner Musik. Hörend erfuhr ich von neuem seine Fremde: Mein fremder Freund." (Peter Härtling.)

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Ein melancholisch-musikalisches Buch      5 von 5 Punkten
Franz Schubert, geboren und aufgewachsen in einer kinderreichen Familie in einem Schulhaus in Wien, soll eigentlich in die Fußstapfen seines Vaters, Lehrer und Schulleiter, steigen. Doch, sehr zu dessen Leidwesen, öffnete sich ihm von klein auf ein ganz anderer Weg (man könnte hier auch von Bestimmung sprechen und fraglich bleibt, ob Schubert ihn gewählt hat oder ob es ihn nicht viel eher förmlich in jeder Minute seines Lebens in diese, für ein Genie wie ihn einzig mögliche und begehbare Richtung gedrängt hat): Die Musik.
Er wird als Zehnjähriger in die königliche und kaiserliche Hofkapelle aufgenommen, lebt im Konvikt, wo er mehr und mehr seine eigentliche Schulbildung schleifen lässt und sich dem Komponieren widmet. Schon als Jugendlicher sammelt er Schüler- und Lehrerscharen um sich, um seine neusten musikalischen Einfälle zu präsentieren. Sogar der berühmte Hofkomponist Salieri wird schnell auf ihn aufmerksam und wird sein Lehrer.
Text und Wort geben ihm Inspiration und mit schier unerschöpflicher Phantasie und Kreativität vertont er Gedichte von Goethe, Heine u. v. a.
Schubert, der nur 31 Jahre alt geworden ist, scheint Tag und Nacht, ob mit oder ohne Instrument, Texte vertont und komponiert zu haben und hat eine unglaubliche Fülle von Werken hinterlassen.
Der Roman lässt allerdings nicht nur über ein solches Genie staunen, sondern beschreibt einfühlsam den Charakter "Schubert", der einerseits zurückgezogen, andererseits ausgelassen (wenn man an sog. "Schubertiaden" denkt, eine Tradition, bei der es weder an Alkohol noch an neuen Kompositionen mangelte und wo Schubert von zahlreichen Freunden, Bewunderern und Gönnern umringt wurde) ein Leben führte, das der Musik und den Freunden und zuletzt leider auch seiner tragischen, todbringenden Krankheit gewidmet war.
Peter Härtling bekommt ein echtes Lob von mir: Er erhebt nicht den Anspruch, sein Buch "Biographie" nennen zu wollen, was durch schöne Autorenkommentare, die sich durch den gesamten Roman ziehen, deutlich wird, aber er zeichnet ein sensibles Bild von Schubert, das echt und authentisch wirkt, das beeindruckt und einen bewundernd, und zugleich mitfühlend zum großen Franz Schubert aufsehen lässt .
Ein stilistisch wunderbar "musikalisches" Buch, spannend und interessant, schnell gelesen und dennoch äußerst anspruchsvoll, ich kann es wärmstens empfehlen!


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Alberta empfängt einen Liebhaber - Birgit VanderbekeAlberta empfängt einen Liebhaber
Birgit Vanderbeke

Taschenbuch, Oktober 2000
     Verkaufsrang: 110616      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Der Roman von Birgit Vanderbeke besteht eigentlich aus zwei Romanen: aus einer Erzählung über die Liebe, dem literarischen Thema par excellence, und aus einer Rahmenhandlung über die Entstehung dieser Erzählung. Da aber auch diese Rahmenhandlung im Grunde eine Liebesgeschichte ist, erscheinen die beiden Erzählebenen in geradezu perfekter Symmetrie einander zugeordnet. Im abgezirkelten Rahmen dieser fast schon klassizistisch anmutenden Gesamtkonstruktion läßt die Autorin ihre Figuren als Liebende agieren -- und schließlich das Scheitern ihrer Liebesbeziehungen bezeugen. Wie es dazu kommen konnte, wird mit dem ironischen Charme, aber auch mit der zwingenden Logik einer Marivaux-Komödie ausgeführt. Man liebt sich und kann dennoch auf Dauer nicht zueinander finden. Kein äußeres Hindernis türmt sich vor den Liebenden auf, keine Beziehungsdramen eskalieren und eigentlich mangelt es den Liebenden auch nicht am ehrlichen Willen, große,romanhafte Gefühle füreinander zu entwickeln. Und dennoch geht den großen Gefühlen auf dem Wege ihrer Realisierung irgendwie der Atem aus: schon der erste Kuß will nicht recht funktionieren, die Liebesreise endet in der Banalität eines Autobahngasthofes, das Treffen mit dem Geliebten entpuppt sich als simple Seitensprung-Affäre. Gelingen verspricht allenfalls der Roman, den die fiktive Erzählerin der Rahmenhandlung über das verhinderte Liebespaar Alberta und Nadan schreibt: als Abgesang auf die großen Liebesentwürfe der Weltliteratur, als platte Unmöglichkeit, das große Gefühl zum Zentrum einer biographischen Existenz zu erklären. Birgit Vanderbeke richtet ihren nüchternen Blick auf unsere Gegenwart, in der die großen Gefühle noch nicht einmal mehr als Strindbergsches Psychodrama oder Ingmar Bergmannsche Eheszenen auszuhalten sind. Aber, so läßt sie ihre Alberta fragen: haben es die Menschen überhaupt jemals ausgehalten mit sich selbst und ihren großen Gefühlen? Daß Alberta und Nadar nicht zueinander finden, ist eine gänzlich untragische Geschichte, ein kurzer Tatsachenbericht aus dem Protokoll ihres fiktiven Lebens, das auch ohne einander weitergehen wird. Empfehlenswert! --Dagmar Lorenz

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)

Bittersüß      5 von 5 Punkten
Ein großartiger Roman über das, was die Liebe ist. Tragik, Komik, Schmerzen, Erotik, Hass und vor allem die absolute Unmöglichkeit, irgendetwas zu erzwingen. Selbst das Durchbrennen der beiden Protagonisten muss minutiös geplant werden und sie scheitern doch kurz hinter Mannheim in einem deutschen Autobahnhotel, das Vanderbeke abolut treffend als leberwurstartig bezeichnet. Dieses Buch ist so passend, so treffend, so unglaublich furchtbar und absurd, dass es in den Bann zieht und nicht mehr loslässt. Alberta hat mich begeistert und seitdem auch beim dritten und vierten Lesen nicht enttäuscht. Sensationell!


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Die böse Stunde - Gabriel Garcia MarquezDie böse Stunde
Gabriel Garcia Marquez

Broschiert, April 2004
     Verkaufsrang: 37466      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Ein namenloses Dorf in den kolumbianischen Tropen: Sintflutartige Regenfälle wechseln mit unerträglicher Schwüle, in der die Menschen von Siesta zu Siesta dahinschmachten. Die böse Stunde, die Gabriel García Márquez in diesem Roman beschwört, ist der immerwährende Augenblick lateinamerikanischer Gewalttätigkeit. Anonyme Schmähbriefe, nachts an die Häuser wohlhabender und angesehener Bürger geklebt, schaffen ein Klima der Unsicherheit und Angst. Mit äußerster Lakonie erzählt Gabriel García Márquez, wie die unbarmherzigen Mechanismen von Korruption und Gewalt in Gang gehalten werden."Sprachbilder von irisierender Schönheit." Süddeutsche Zeitung

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Stimmungsvoll, düster - Empfehlenswert!      5 von 5 Punkten
Von Zeit zu Zeit muss man etwas von Garcia Marquez lesen und "Die böse Stunde" gibt ein dunkles und doch verschmitztes Bild eines Dorfes, dass Stück für Stück im kollektiven Überwachungsstaat versinkt. Dieses kurze und sehr empfehlenswerte Buch wartet mit einem wunderbar runden Bogen auf und beleuchtet dabei die gesellschaftliche Dynamik des Moralisierens.


Lila, Lila - Martin SuterLila, Lila
Martin Suter

Gebundene Ausgabe, Februar 2004
     Verkaufsrang: 144411      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 21,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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David ist Kellner in einer Szenebar und damit natürlich für das Publikum erstmal uninteressant. Das stört ihn nicht besonders, bis die 24-jährige Marie im Esquina auftaucht. David verliebt sich in sie und wird wiederum erst interessant für Marie, als er sie bittet sein Romanmanuskript zu lesen. Sie findet die Liebesgeschichte ausgezeichnet, schickt das Werk an einen Verlag, der es prompt veröffentlichen will. So weit so gut, wäre da nicht das kleine Problem, dass David den Roman nicht selber geschrieben, sondern in einem Secondhand-Nachttischchen gefunden hat. Es kommt, wie es kommen muss. David wird zum gefeierten Nachwuchsautor, und die ständig dräuende Gefahr der Entdeckung seines Betrugs manifestiert sich eines Tages in der Form eines Penners. Jacky gibt vor, der eigentliche Autor zu sein und nimmt David kurzerhand mit leicht erpresserischen Mitteln unter seine Fittiche, das heißt vor allem dessen Honorare.

In der Folge zeichnet Martin Suter ein gnadenloses Bild des modernen Literaturbetriebs zwischen Lesungen in Provinzkäffern und besoffenen Abenden auf der Frankfurter Buchmesse, Verleger überstürzen sich in Vorauszahlungen und Lektorinnen bieten sich als Agentinnen an. Doch Jacky, mittlerweile in einem besseren Hotel wohnend, hat seinen Möchtegern-Schriftsteller im Griff. Der Ausgang der Geschichte sei hier natürlich nicht verraten, nur so viel: Martin Suter lässt den gefesselten Leser in einer doppelten Volte sanft auf dem Boden landen.

Ein stilsicherer Roman wie man es von Suter gewöhnt ist, humorvoll und nicht ohne bösartige Seitenhiebe. Die Personen sind glaubwürdig, David manchmal mit einer fast ärgerlichen Naivität geschlagen. Die Umgebungen skizziert Suter stimmungsvoll und mit einem sicheren Blick für den nebensächlichen Alltag. Ein feines Buch, feine Unterhaltung. --Martin Walker

Aus der Amazon.de-Redaktion
"Lila, Lila ist der Roman, auf den wir so sehnlich gewartet haben: Das Ende der Knabenwindelprosa." Wenn der gefürchtete Großkritiker Joachim Landmann eine Rezension mit diesen gemeißelten Worten beendet, lobt er nicht einfach ein Buch. Er lanciert eine Debatte. Diesmal: das Ende der postmodernen Literatur, die Rückkehr zu alten Werten und großen Themen. Folglich geschieht, wovon Legionen von Lektoren und Verlegern träumen: Lila, Lila, der bislang kaum beachtete Erstling des jungen David Kern, stürmt die Bestsellerlisten; die Medien reißen sich um den frisch gebackenen, schüchternen Star. Dumm nur: David ist nicht der Autor dieser tragischen, in den muffigen Fünfzigern spielenden Liebesgeschichte. Der unscheinbare Aushilfskellner hat das Manuskript in einem Nachttisch vom Trödler gefunden und gibt den Text, um die schöne Marie zu erobern, als eigenen Schreibversuch aus. Die beiden werden ein Paar, die allem Schöngeistigen heftig zugetane Marie schickt das Manuskript heimlich an einen Verlag -- und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Zugegeben -- die Story um "Liebe, Treue, Verrat und Tod" besitzt nicht eben den Tiefgang eines Hochseedampfers. Doch aus der Feder eines Martin Suter, seien wir ehrlich, würde sogar das Telefonbuch zum Pageturner. Wer Suters Romane Small World und Die dunkle Seite des Mondes atemlos und in einem Rutsch ausgelesen hat, wird auch diesmal nicht enttäuscht. Lila, Lila schnurrt mit der Präzision einer Schweizer Herrenarmbanduhr ab. Ob schicke Szenebar, Frankfurter Buchmesse-Rummel oder das Elend eines Männerheims, Suter wechselt mit traumwandlerischer Sicherheit Schauplätze und Milieus, schreibt punktgenaue Dialoge und hält die Spannung bis zur buchstäblich letzten Seite.

Bei alldem ist Lila, Lila aber auch eine fein beobachtete und hochkomische Studie über das Making Of eines Bestsellers, ein Blick in den Bauch des Literaturbetriebs -- von Klappentextwahnsinn und Vertragspoker bis zu Buchmessesuff und der Tristesse einer Lesereise durch die Provinz. Eine Berufsgruppe, bislang kaum in den Annalen der Literaturgeschichte zu finden, hat auf Lila, Lila sicher besonders sehnlich gewartet: Der Verlagssekretärin setzt Suter das längst fällige Denkmal. Ihr Urteil, nicht verlegerischer Sachverstand, bringt das Manuskript zwischen Buchdeckel: "Ich habe jedenfalls geweint." --Niklas Feldtkamp

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 67 Bewertungen)

Gnadenlos gut.      5 von 5 Punkten
Das Hörbuch Lila Lila von Martin Suter ist meine erste Bekanntschaft mit dem Schweizer Autor; aber sicher nicht die letzte. Die Geschichte ist in sich stimmig, gelungen im Ablauf und äußerst unterhaltsam. Daniel Brühl spricht den Text, dass es eine Freude ist zuhören zu dürfen.

David ist Kellner in einer Bar. Dort lernt er Marie kennen, die sich aber eigentlich nicht für ihn interessiert. Das ändert sich, als Daniel in einem Schränkchen, das er auf dem Flohmarkt gekauft hat, ein altes Romanmanuskript findet. Der Autor Alfred Duster hat die Geschichte Sophie, Sophie geschrieben, die niemals das Licht der Öffentlichkeit erblickte. David recherchiert kurz über den Verbleib von Duster und ist sich sicher, dass dieser nicht mehr lebt. Er gibt Marie den Text, ändert vorher die Namen der Protagonisten sowie den Titel der Geschichte, und behauptet, er sei von ihm. Marie ist begeistert und schickt das Manuskript an einen Verlag. Es wird angenommen und David sieht sich plötzlich in der Zwickmühle. Um Marie nicht zu verlieren, stimmt er einer Buchveröffentlichung zu. Der Roman Lila Lila stürmt daraufhin die Bestsellerliste. David zieht sich bei Lesungen und Interviews mehr schlecht als recht aus der Affäre, aber das Buch spricht für sich. Der Schwindel könnte ewig so weitergehen, wäre da nicht der Wunsch der Leser nach einem zweiten Roman. Aber ehe David sich darüber Gedanken macht, taucht Jackie auf, ein alter Süffel, der David eröffnet, der wirkliche Autor von Lila Lila zu sein. Jetzt beginnt für David ein Versteckspiel, aus dem er nicht mehr entkommen kann. Am Ende, steht nicht nur sein Ruhm als Autor auf dem Spiel, sondern viel, viel mehr.

Suters Geschichte ist gnadenlos gut. Wer damit anfängt, will wissen, wie die Story zu Ende geht. Ohne großen Schnickschnack oder Hokuspokus greifen die Zahnräder des Schicksals ineinander. Am Schluss wird dem Leser klar, wie verhängnisvoll es enden kann, wenn man sich mit fremdem Federn schmückt. Lila Lila ist Stoff, der fürs Hörbuch gemacht scheint.


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Vergewisserungen.Über Politik, Recht, Schreiben und Glauben - Bernhard SchlinkVergewisserungen.Über Politik, Recht, Schreiben und Glauben
Bernhard Schlink

Gebundene Ausgabe, September 2005
     Verkaufsrang: 22588      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 22,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Wer an der Entwicklung der Gesellschaft manchmal verzweifeln möchte, dem sei dieses Buch empfohlen: Kompetent und in klarer, schöner Prosa zeigt es, was alles nicht zwangsläufig und unaufhaltsam ist und daß es Werte und Hoffnungen gibt, auf die zu setzen lohnt.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Ungereimtes kommt hier auf den Prüfstand!      5 von 5 Punkten
Bernhard Schlink offenbart sich in diesem Buch als vielseitig interessierter Intellektueller. In seinen Aufsätzen, Essays und Reden, die er hier veröffentlicht hat, setzt er sich mit Begriffsbestimmungen sowie mit ethischen , rechts-, staats- und religionsphilosophischen Fragestellungen auseinander. In diesem Zusammenhang lotet er Doppelbödigkeiten zwischen geistigen Vorstellungen und der Wirklichkeit aus und bringt Ungereimtes auf den Prüfstand. Schließlich enden seine Reflexionen nicht selten im Ergebnis, dass es im Grunde keine entgültigen Antworten auf die vielen ungelösten moralischen Fragen dieser Welt gibt.
Themen, die sich mit den Inhalten von Begriffen wie dem der Heimat, Multikulturalität oder Emanzipation der Frau beschäftigen, kommen zur Sprache. Auch befasst sich Schlink mit dem Niedergang des Wertes Vertrauen und dessen Folgen für die Wirtschaft. Dann geht er der Frage nach, weshalb die 68er Generation so ausgebrannt und erschöpft ist und läßt sich zudem über den fortwährenden Sekularisierungsprozess in der Gesellschaft aus.Welche Folgen hat dieser Prozess? Benötigt man die Institution Kirche heute überhaupt noch? Muß nicht vieles neu überdacht werden, sich den veränderten Bedingungen stellen? Wann ist die Menschenwürde überfordert? Wann müssen Begriffe neu definiert werden? Sind Inhaltsveränderungen generell akzeptabel? Sind diesbezügliche Bedenken notwendig? Über all dies macht sich der Autor Gedanken und zeigt, dass er ein wirklich hochintelligenter Schriftsteller ist, der über die Gabe verfügt seine differenzierte Gedankenwelt dem Leser begreifbar zu machen!
Seine Texte haben Langzeitwirkung! Empfehlenswert!

Vielseitig, intellektuell, interessant!      5 von 5 Punkten
Bernhard Schlink ist einer der wichtigsten deutschen Krimiautoren. Was aber manchmal vergessen wird: Er ist gleichzeitig ein sehr begnadeter und erfolgreicher Akademiker. Der Jura-Professor aus Berlin zeigt sich in der soeben erschienen Sammlung von Essays und Vorträgen als begnadeter Denker, Staatsphilosoph und Zeitkritiker.

Als Sohn eines Theologieprofessors kam Schlink im Juni 1944 in Bielefeld auf die Welt. Erste literarische Texte schrieb er mit acht Jahren („Der Brudermord"), mit 13 folgte ein Sonett mit vielen Strophen über seine erste unglückliche Liebe. Bernhard Schlink ist sicherlich einer der zurzeit bedeutendsten deutschen Krimiautoren. Er lebte in Mannheim, Freiburg und New York. Seine Krimis waren allesamt erfolgreich. Der erste, „Selbs Justiz", den er zusammen mit Walter Popp schrieb, wurde später Verfilm. Für „die gordische Schleife" wurde Schlink 1989 den Glauser-Preis verliehen. Mit „der Vorleser" ist Schlink auf seinem bisherigen literarischen Höhepunkt angelangt. Neben diversen Preisen wurde das Werk in 35 Sprachen übersetzt und war das erste deutsche Buch, das auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times stand. Was vielen Lesern von Schlink neben dem literarischen Ruhm nicht bewusst ist: Schlink ist nicht nur ein ausgezeichneter Buchautor, sondern ein ebenso begabter, geschätzter und talentierter Akademiker.

Ein bedeutender Jurist
Schlink studierte in Heidelberg Jura, war als Wissenschaftlicher Assistent in Darmstadt, Bielefeld und Freiburg tätig. Nach seiner Promotion zum Verfassungsrecht habilitierte er 1981 zum Thema Gewaltenteilung. Anschliessend war Schlink Jura-Professor in Bonn, Frankfurt am Main und seit 1992 in Berlin. Seine Forschungs-Schwerpunkte in der Tätigkeit als Rechtsphilosoph und Staatsrechtler sind die Grundrechte, Rechtsgeschichte und das Thema Gerechtigkeit. Schlink ist auch Richter am Verfassungsgerichtshof und vertrat kürzlich die Bundesregierung bei den Klagen gegen die vorzeitige Auflösung des Bundestages.

Vielseitiges Werk
Diese Vielseitigkeit von Bernhard Schlink liegt nun in schön aufbereiteter Form im Diogenes Verlag vor. Mit seinen „Vergewisserungen" schreibt Schlink über Recht, Politik, Schreiben und Glauben. Das Werk ist eine Sammlung von Essays und Vorträgen. Von philosophischen Texten wie „Der Preis der Gerechtigkeit", über aktuelle Themen wie „Frauen und Macht" schreibt Schlink auch immer wieder über die Geschichte, wie beispielsweise im Text „Rousseau in Amerika". Schlink vereint das Intellektuelle in seinen Texten mit einer fliessenden Prosa und begründet jedes seiner Argumente sorgfältig. Das Werk ist vielfältig wie Schlinks Biographie und bietet etwas für jeden von uns: Für den Juristen, den Philosophen, den Historiker, den Denker, den Politiker und alle, die am Zeitgeschehen interessiert sind.



Der kurze Brief zum langen Abschied. SPIEGEL-Edition Band 38 - Peter HandkeDer kurze Brief zum langen Abschied. SPIEGEL-Edition Band 38
Peter Handke

Gebundene Ausgabe, 23. April 2007
     Verkaufsrang: 15228      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Ein etwa 30-jähriger Schriftsteller reist auf der Suche nach seiner Frau Judith, die sich kurz zuvor von ihm getrennt hat, quer durch die Vereinigten Staaten, von der Ost- zur Westküste. Diese Irr- und Verfolgungsjagd - Judith ist auch hinter ihm her und will ihn vielleicht umbringen - ist gleichzeitig die Reise des Helden zu sich selbst, auf der er verschiedene Stationen seiner Entwicklung durchläuft. Langsam kann er sich von einem Ichbewusstsein, das vor allem von Angst, Entsetzen und Erschrecken bestimmt ist, befreien und gelangt durch das Reisen, durch die Begegnung mit Menschen, durch das Schauen und Lesen zu einem neuen, nicht länger selbstentfremdeten Bewusstsein. Als er Judith schliesslich trifft, nimmt er ihr wie selbstverständlich den auf ihn gerichteten Revolver aus der Hand. Der Roman endet märchenhaft mit einem Besuch der beiden bei dem alten Westernregisseur John Ford, der sie auffordert, ihm ihre Geschichte zu erzählen. Durch dieses Erzählen gelingt es dem Paar, sich nunmehr friedlich zu trennen.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Dokumentation einer Läuterung      5 von 5 Punkten
"Der kurze Brief zum langen Abschied" ist eine Mischung aus Entwicklungs-, Reise- und Kriminalroman. Die Ich-Person, deren Namen man nicht erfährt, flieht aus seinen Ehezwängen nach Amerika und lernt, sich im Laufe der Reise von bedrückenden alten Denk- und Reaktionsmustern zu befreien. Seine Frau Judith, eine Schauspielerin (auch Handkes erste Frau übte übrigens diesen Beruf aus) verfolgt ihn mit der Intention, ihn zu töten. Im Zentrum steht allerdings die Entwicklung der Ich-Person von einem durch Erschrecken und Angst bestimmten Bewusstsein zu einem neuen, nicht mehr entfremdeten, sondern offenen Bewusstsein.

Die von Peter Handke, einem der größten Dichter und Erzähler Österreichs, verfasste Erzählung birgt einige Intertextualitäten in sich. Alleine der Titel weist auf ein Spätwerk von Raymond Chandler hin: "The long goodbye" - "Der lange Abschied". Diese Detektivgeschichte weicht vom Sujet des Kriminalromans insofern ab, als nicht die Aufklärung des Falles im Mittelpunkt steht, sondern die Person des Detektivs Phillip Marlowe. Weiters ist als Intertextualität "Der Grüne Heinrich" von Gottfried Keller zu nennen, unbestritten einer der größten Bildungsromane in der deutschsprachigen Literatur. Nicht zuletzt bleibt "Anton Reiser" von Karl Philipp Moritz zu erwähnen. Je ein Zitat aus diesem Werk leitet den Leser am Kapitelanfang ein (das Buch ist zweigeteilt in "Der kurze Brief" und "Der lange Abschied").

Handke hat zweifellos eine nach großen Vorbildern geschaffene hervorragende Erzählung verfasst, die meines Erachtens weniger eine Liebesgeschichte, sondern vielmehr eine Dokumentation eines Erkenntnisprozess - ja, fast eines Läuterungsprozesses - seitens der Ich-Person darstellt.

Amerika der frühen Siebziger Jahre      5 von 5 Punkten
Das Buch gehört zu den besten Stücken des Autors. Es ist eine Art Fortsetzung der "Stunde der wahren Empfindung". Wieder geht es um den namenlosen Hass, der sich in einer Ehe aufstauen kann. Ein deutsches Ehepaar reist getrennt in Amerika, der Erzähler mit der Befürchtung, von seiner Frau verfolgt und ermordet zu werden. Das Buch ist eine Parallele zu Max Frischs "Stiller" indem es einen Europäer in Amerika zeigt, die beginnende Internationalität, die heute vielen selbstverständlich geworden ist, eine erste Erkundung der Leitkultur, der wir heute unterliegen, durch die ersten neugierigen Massentouristen. Interessante Einblicke, schöne Sprache, ein bißchen schon die ersten Verstiegenheiten und zerrissenen Handlungsfäden, die den späteren Handke mühsam zu lesen machen.



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