|
| Zeitgenössische Literatur | Inhaltsangaben Kurzbeschreibungen Zusammenfassungen | |
Gott fährt Fahrrad: Oder Die wunderliche Welt meines Vaters Maarten 't Hart Taschenbuch, November 2008 Verkaufsrang: 31142 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Geschichten wie Meditationen. Oder Kreuzwegstationen. Nichts entgeht Maarten auf seinem Spaziergang über den Friedhof. Der Molch, der über den Weg huscht, das seltene Glaskraut, das in alten Mauerritzen überlebt hat, alles ist plötzlich hochwichtig geworden. Die Furchen, die der Vater letzten Samstag noch in die Wege harkte. Der Vater! Sein Leben lang arbeitete dieser ewig fluchende, aber liebe Grobian als Grabmacher auf dem Friedhof, nun ist er selbst auf den Tod erkrankt. Krebs im Endstadium, ein halbes Jahr höchstens noch, lautete die Diagnose. Und nur der Sohn kennt die Wahrheit. Dem Niederländer Maarten 't Hart ist ein Erinnerungsbuch an seinen Vater Pau gelungen, wie es sich zarter und schmerzlicher kaum denken lässt. "Schisshase", vom Vater seiner mangelnden Durchsetzungsfähigkeit wegen oft gehänselt, steht nun vor einer quälenden Entscheidung. Hat er die moralische Verpflichtung, den Todgeweihten von seinem unabwendbaren Schicksal zu unterrichten oder darf Verschweigen zugunsten einiger Monate in friedlicher Unkenntnis als die humanere Lösung gelten? Da bietet auch sein geliebter Bach, Meister in Todesfragen, keinen Trost mehr. In diesem so schlagartig verdüsterten Sommer des Jahres 1973 begibt sich Maarten zurück auf eine denkwürdige Erkundungsfahrt in seine von calvinistischer Strenge geprägten Kindertage. Nach und nach erschließt sich ihm die schrullige Welt des stets fremd gebliebenen, aber geliebten Vaters - bis ein Abschied möglich scheint. In diesen lose zusammenhängenden Geschichten um Schuldverstrickung, Tod und dessen Verarbeitung zeigt sich eine Empfindungsschärfe, wie sie in der heutigen Literatur kaum noch anzutreffen ist. Trotz des großen tragischen Anlasses sind es im Grunde oft humorige Kleinstgeschehnisse, die erst durch Maartens philosophische Brille zu Betrachtungen von universeller Größe geraten. Das ist schön, das ist traurig, das ist selten geworden. -Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)
Der Autor reflektiert seinen persönlichen Vater-Sohn-Konflikt 5 von 5 Punkten Stellen Sie sich vor, ein Mensch, welcher Ihnen sehr nahe steht, erkrankt - die Prognose ist denkbar schlecht und Sie sind der erste und einzige Ansprechpartner des behandelnden Arztes - es ist Ihnen überlassen, das Untersuchungsergebnis weiterzuleiten, oder es für sich zu behalten... - wie würden Sie verfahren? Die hier erzählte Geschichte, beinhaltet Ausschnitte aus der "Lebensgeschichte" des Autoren - u.a. teilt er seine ganz persönlichen Kindheitserinnerungen mit. Der Vater-Sohn-Konflikt von Maarten`t Hart erreicht, ausgelöst durch das alleinige Wissen des Sohnes um den schlechten Gesundheitszustand seines Vaters, eine neue Qualität... Der Calvinismus prägte von frühester Kindheit an das Leben des niederländischen Autoren - entsprechend "bibelfest" ist zum Teil der Hintergrund seiner Erinnerungen geraten - die Dialoge zwischen dem strengen Vater (von Beruf Totengräber) und dessen Gesprächspartnern erfahren noch mehr Tiefe, wenn Sie selbst nebenbei nach der Bibel greifen, um sich den genauen Inhalt der zitierten Bibelstellen im Detail anzuschauen - diese Vorgehensweise lohnt sich wirklich ! Diese "Geschichte" wird sicherlich auch bei Ihnen zahlreiche Fragen aufwerfen - manche Antworten bleibt der Autor bis über das Ende hinaus schuldig und auch Ihnen wird es nicht leicht gemacht, ein abschließendes Urteil zu fällen... Ich war zwar noch nie in Holland, aber mit dieser atmosphärisch sehr dichten Beschreibung der Landschaft und der in ihr lebenden Menschen, hat mir Maarten`t Hart einen ersten Eindruck vermittelt, einen, den es bei Gelegenheit vor Ort zu prüfen gilt !
Weitere Lesermeinungen |
Allerseelen Cees Nooteboom Taschenbuch, 16. Juli 2009 Verkaufsrang: 172503 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Arthur Daane, ein Niederländer in Berlin, hat seine Frau und seinen Sohn durch einen tragischen Unglücksfall verloren. Nun streift er mit der Filmkamera durch die winterliche Großstadt, auf der Suche nach Bildern für sein "ewiges Projekt", seinen Film. Dabei lernt er eines Tages die junge Geschichtsstudentin Elik kennen, eine Frau mit Geheimnissen, und von nun an verändert sich sein Leben.Cees Nooteboom, geb. 1933 in Den Haag, wurde zuerst durch Reisereportagen bekannt. Die Erzählung 'Die folgende Geschichte und der Roman Rituale brachten ihm Lobeshymnen der Kritik.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 23 Bewertungen)
Genial! 5 von 5 Punkten Hui, hier wurde ich mal wieder von der SZ überrascht. Wurde ja auch Zeit, nach den letzten wirklich langweiligen Leseerfahrungen, endlich wieder ein Bonbon. Nooteboom war eine Entdeckung und Offenbarung. Selten so gute Beobachtungsgabe mit so gute Stil gepaart gesehen. Ich bin schon jetzt sicher, daß das nicht mein letzter Nooteboom war. Unheimlich gefühlvoll und trotzdem auf den Punkt genau und interessant. Herrlich....
Weitere Lesermeinungen |
Oh, wie schön ist Panama, Das Original-Hörspiel zum Kinofilm, 1 Audio-CD Janosch, Til Schweiger, Dietmar Bär, Anke Engelke Audio CD, September 2006 Verkaufsrang: 43922 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Der kleine Bär und der kleine Tiger sind die besten Freunde. Sie leben in einem gemütlichen Häuschen am Fluss und verbringen ihre Zeit damit, Pilze zu finden und Fische zu angeln, und sind glücklich und zufrieden. Doch dann kommt eines Tages diese Kiste mit der Aufschrift "Panama" angeschwommen. Die riecht so wunderbar nach Bananen, dass die Freunde nur noch von diesem paradiesischen Ort träumen, ...
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Der Klassiker als Hörspiel - aber Hören wird das Vorlesen nie ersetzen 5 von 5 Punkten Diese erste, 1978 zum ersten Mal veröffentlichte Geschichte von kleinen Bär, der gerne Fische angelt und sie dann köstlich zubereitet und dem kleinen Tiger, der gut ist im Pilze sammeln und keinen Schritt ohne seine Tigerente macht, ist ein Klassiker der Kinderliteratur. Kaum ein Kind, das seit Anfang der achtziger Jahre groß geworden ist, das nicht Janosch und die hintersinnigen Geschichte kennt, als der kleine Bär und der kleine Tiger sich in den Kopf gesetzt haben, Panama, das land ihrer Träume zu suchen. Alles beginnt damit, daß der kleine Bär beim Angeln auf dem Fluß eine Kiste schwimmen sieht, auf der Panama" steht und die nach Bananen riecht. Sofort steht sein Entschluß fest: Panama ist das land seiner Träume; dort muß er hin - unbedingt. Bis in die halbe Nacht hinein überzeugt er den Tiger davon. Nun beginnt ein abenteuerlicher Weg, der sie die Bekanntschaft vieler anderer Tiere machen lässt, eine Menge wichtiger Erfahrungen bereithält und sie schlussendlich wieder an ihren angestammten Ort zurückführt, den sie seltsamer .- oder soll man sagen: wunderbarerweise nun mit ganz anderen Augen sehen und wertschätzen können. Ein schönes, weises Buch über Träume, da Unterwegssein und das Ankommen dort, wo man hingehört - Heimat eben.
|
Das große Janosch-Buch: Geschichten und Bilder Janosch Broschiert, 14. August 2007 Verkaufsrang: 143656 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Das große Janosch-Buch ist längst ein Klassiker. Es versammelt Janoschs beste Kindergeschichten mit den vielen unverwechselbaren Helden. Ob Janosch vom kleinen Schiff Pyjamahose in der großen Stadt Paris erzählt oder vom Besenbinder mit dem unpassenden Namen Antek Pistole, vom Land Margarinien, von Onkel Popov, der ein bisschen fliegen kann, oder von sich selbst - immer ist er hintergründig-heiter. Ein großes Buch mit vielen Bildern, zum Selber- oder Vorlesen, zum Schmökern und Lachen für alle großen und kleinen Janosch-Fans.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Am Janoschten Janosch 5 von 5 Punkten This collection is the essence of Janosch - odd, unique. The stories never take obvious turns, instead meandering always Janoschward. They are not cute or cuddly. If you want the lovely tigerduck, you will not find him here. The rhymes, pictures, and stories are all fresh and intriguing - and the characters, ah, the characters! How wonderful to read about the trials of sleepy dormice, Parisian drunkards, and broom-makers turned to a life of crime. Where else could we find such voices, such stories? No, it is not a good choice for small children, but it is a perfect expression of a very individual mind. Janosch fans who do not need sweetness with their weird will treasure it.
Weitere Lesermeinungen |
Der Doppelgänger José Saramago Taschenbuch, 2. Januar 2006 Verkaufsrang: 61476 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Das bin ich, sagte er und spürte wieder, wie sich ihm die Haare sträubten, was er dort sah, war nicht wahr, konnte einfach nicht wahr sein..." Die heile Welt eines bescheidenen Geschichtslehrers gerät völlig aus den Fugen, als dieser in einem Videofilm einen Darsteller entdeckt, der verblüffende Ähnlichkeit mit ihm hat. Fragen bohren und nagen, die Suche nach der Wahrheit wird Máximo nicht locker lassen. Das ist nicht so ganz leicht zu lesen, zwingt zur Konzentration, fordert uneingeschränkte Aufmerksamkeit, aber: es lohnt sich sehr! Saramago ist kein Liebhaber von textlichem Layout, von Absätzen, üppiger und gliedernder Zeichensetzung, im Gegenteil, selbst die wörtliche Rede zu verfolgen, erfordert ein waches Leserauge. Dennoch gewöhnt man sich an das formale Korsett, das quasi die Eintrittskarte zu einem ausgefallenen und höchst spannenden Roman liefert. Wer Die Stadt der Blinden gelesen hat, wird sich, dort, wie hier, von einer ganz ähnlich faszinierenden, aber auch verwirrenden Stimmung eingefangen fühlen. Auch dieser Roman eine moderne Parabel, die beim Lesen Spuren hinterläßt. Genial und einfühlsam verbindet Saramago die Elemente des Krimis mit weit ausschweifenden Ausflügen ins Philosophische, läßt neben der Handlung immer wieder kleinere Schauplätze wie kurze Lichter aufblitzen. Gedanken rollen sich auf, gebären neue. Ein Erzähler spricht zum Publikum, Handlung, Reaktionen, Gesten, alles wird gedeutet, erklärt und interpretiert. Nie ist der Leser mit dem Geschehen alleine. "Es gibt Situationen im Leben, da ist es uns schon egal, ob wir null zu eins oder null zu zehn verlieren, wir wollen nur schnellstmöglich das endgültige Ausmaß der Katastrophe erfahren..." Máximo stöbert seinen Doppelgänger auf: gibt es ein Original, eine Kopie? Und wenn ja, wer ist der "Doppelgänger"? -Barbara Wegmann
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 12 Bewertungen)
Was wäre, wenn es mich 2 mal geben würde...? 5 von 5 Punkten Ja, Saramago hat nicht umsonst den Literatur-Nobelpreis kassiert, ein grosser Meister der Satzkonstruktionen, da fliesst alles und obendrein immens spannungsgeladen. Was passieren würde, wenn man plötzlich erfährt, dass eine Person mit völlig identem Aussehen auftaucht, wird hier auf unglaublich intensive Weise und beunruhigend erzählt. Und am Ende gelingt dem Meister Saramago noch die Kunst, die Geschichte nochmals weiterzuspinnen - dass hat ganz grosse Klasse, von einem Meister seines Faches eben. Grossartig!!
Weitere Lesermeinungen |
Zwei schwarze Jäger Brigitte Kronauer Gebundene Ausgabe, September 2009 Verkaufsrang: 38856 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Zwei schwarze Jäger ist ein Episodenroman, in den Brigitte Kronauer mit einer ungeheuren Wucht einsteigt. Die Schilderung der Erlebnisse der Schriftstellerin Rita Palka sind angelegt wie eine Satire, Figuren tauchen auf wie aus dem Panoptikum des Kabarettisten Gerhard Polt entsprungen, und mittendrin platziert die Kronauer ihr Leitmotiv: den Menschen, von dem man nicht weiß, ob er seine Ziele bewusst und mit Maß verfolgt oder nicht doch von eben diesen Zielen mitgerissen wird. In der Folge wendet sich Brigitte Kronauer (oder ist es vielleicht Rita Palka?) direkt an ihre Leser, spricht sie an, nimmt sie an die Hand, plaudernd, Geschichten und Anekdoten erzählend über Menschen in unterschiedlichem Alter und aus allen Gesellschaftsschichten. Längst ist die Satire einem durch und durch ernsten Ton gewichen, als mitten im Buch die wichtige Überlegung gemacht wird, ob nicht ausgerechnet Enttäuschung und Bitternis das wichtigste und anspornendste Gefühl im Leben sei. Brigitte Kronauer entscheidet sich nicht, sie lässt ihr Personal mal mehr in diese und mal mehr in jene Richtung gehen, bis hin zum Mord als lebenserfüllenden Akt. "Zwei Schwarze Jäger" ist humorvoll und tragisch, vor allem aber sehr kurzweilig zu lesen, ein wunderbar geistreicher Episodenroman, dessen Fäden wie von Zauberhand zueinanderfinden. (jw)
|
Am Hang Markus Werner Gebundene Ausgabe, 20. Juli 2004 Verkaufsrang: 36218 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Am Hang zu leben, kann riskant sein. Wie leicht können Dinge ins Rutschen geraten. Diese Erfahrung muss der Scheidungsanwalt Clarin machen, dessen Arbeitswochenende in seinem Tessiner Ferienhaus einen etwas anderen Verlauf nimmt. Ein abendlicher Trunk, ein harmloses Gespräch, mehr hatte dem leutseligen Clarin nicht vorgeschwebt, als er sich dem Fremden auf der Terrasse des Bellavista-Hotels vorstellte. Doch sollte sich bald herausstellen, dass Loos nicht der Partner für den erwartet netten Plausch war. Clarin dämmerte ? diesen innerlich Zerrissenen würde er so schnell nicht mehr loswerden! Die Schlinge zieht sich zu. Zusehends redet sich der kultivierte, schwerblütige Loos in Rage, philosophiert hemmungslos und trunken über den erbarmungswürdigen Zustand einer lärmenden und oberflächlichen Welt, die ihm verhasst geworden ist. Vor einem Jahr war im Kurhotel in Cademario drüben am Hang seine über alles geliebte Frau von ihm gegangen. War es Selbstmord? Ein Restleben als Endlosschleife der Verzweiflung. Clarin beginnt, aufzuhorchen. Cademario war auch ihm kein fremder Ort. Schicksalsspuren überschneiden sich. Clarin beginnt zu frösteln. Mehr und mehr zieht es Clarin in den persönlichen Albtraum eines Beschädigten. Rätsel über Rätsel über den Verlust einer Frau werden aufgetürmt. Die kammerspielhafte Enge des Schweizer Talkessels, die immer fiebriger werdenden Zwiegespräche auf der Hotelterrasse, ziehen auch den Leser allmählich in ihren Sog. Vergessen wir das bisweilen unsägliche Dauerlamento des mürrischen Loos, dessen küchenpsychologische Alltagsbetrachtungen sich über die Verrohung des Menschen bis hin zu Hasstiraden auf Handytöne erstrecken ? Markus Werner gelingt es dennoch meisterlich, den unheimlichen Spannungsbogen seines Psychodramas aufrecht zu erhalten. Am Ende des Vexierspiels um eine große verlorene Liebe wird auch die Welt des erotischen Leichtfußes Clarin schwer geworden sein. In bestürzender Weise muss er erfahren, wie alles mit allem zusammenhängt. Wie klein die Welt doch war. Eine Zufallsbekanntschaft brachte den Hang endgültig ins Rutschen! ?Ravi Unger
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 71 Bewertungen)
Freiheit gegen Biedersinn 5 von 5 Punkten Vermutlich ist dieses eine eigenwillige Interpretation - nur was der Schriftsteller Herr Markus Werner beschreibt,das ist eine von ihm heute als möglich Geschichte beschriebene Fiktion und so bewerte ich diese dann auch: Die Geschichte besteht im Wesentlichen aus der Beschreibung bzw. aus der Wiedergabe eines Dialoges zweier Männer. Es geht um Frauen, ihren Frauen(-geschichten). Der eine ist wahrlich kein "Kostverächter" und stellt sich als Frauenversteher und -verführer hin. Der andere ist ein langweiliger "Biedermann". Der Frauenversteher erkennt im Laufe der Geschichte, wie er durch sein Verhalten seelischen Pein bei anderen Menschen anrichten kann, der "Biedermann" ist der Loser und wehrt sich gegen sein Schicksal. Fast könnte man meinen, dieser Roman ist ein Lobgesang auf das Auslaufmodell Ehe, denn der libertinäre und hedonistische Frauenheld ist zum Schluss doch tatsächlich betroffen. So sehr der Roman von dem möglichem Beziehungsgewinn einer Ehe zwischen Mann und Frau erzählt, irgenwie scheint das heute keinen Menschen mehr zu beeindrucken. Tatsächlich ist das Singleleben die Lebensform der nahen Zukunft, so ist das Ende auch überraschend und macht die Erzählung spannend, nur nicht sehr plausibel. Wer einen guten Erzählstil liebt, hat sicher Genuss in diesem Roman, für die meisten Leser wird wohl die Mischung aus Kulturpessimismus und Liebesgeschichten langweilig sein. Mir hat die Geschichte sehr gefallen, deswegen die fünf Sterne.
Weitere Lesermeinungen |
Aprilwetter Thommie Bayer Gebundene Ausgabe, Februar 2009 Verkaufsrang: 17956 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Als "Tanner & Krantz" sind Benno und Daniel das perfekte Gitarrenduo. Sie pushen sich gegenseitig zu Höchstleistungen und sind "ein Hirn mit zwei Köpfen. Oder eine Seele mit zwei Körpern. Oder ein vierhändiger Mensch." Die Harmonie scheint perfekt - bis sich Christine den beiden anschließt und in ihrer unbefangenen Art zur Muse der Freunde wird. Benno und Daniel verlieben sich in sie, aber keiner gesteht seine Gefühle. Auch Christine schweigt, wohl wissend, dass die Hinwendung zu einem der beiden die Magie dieser außergewöhnlichen Ménage à trois zerstören würde. Als die "rücksichtsvolle Leichtfertigkeit" immer mehr in ein "Lauern" übergeht, hält Benno die Spannung nicht mehr aus und verschwindet ohne Abschied nach Amerika. Ohne Daniel ist Benno jedoch nur noch halb so erfolgreich und sieht sich bald als "Nowhere Man beim Spielen zynischen Musikmülls". Wird das Trio jemals wieder zusammenfinden? Der Autor hält die Frage lange offen und lässt den Leser vor allem die Geschichte Bennos verfolgen. Leicht im Ton, erzählt er vom Rausch der Musik und der Liebe oder den Tiefen des Alkohol- und Drogenkonsums. Es sind beeindruckende Charakterstudien scheiternder Helden, die durch Nashville oder Konstanz irren. Musik klingt durch den gesamten Roman. Liebhaber von Gitarren- und Countrymusik treffen hier auf manchen bekannten Song und Interpreten. Der Autor Bayer weiß aus eigenem Erleben, wovon er schreibt. Auch er hat immer nebenbei auch Musik gemacht ? als Instrumentalist, Sänger und Songschreiber. Es ist faszinierend zu beobachten, wie in Bayers Roman Musik und Sprache miteinander verschmelzen: "?musizieren, in Musik verschwinden, ein glückliches Irgendwas ohne Konturen in einem größeren Zusammenhang aufgelöst wie Aspirin in Wasser?" - Carsten Hansen, Literaturtest
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)
Wie ein Tennessee Waltz 4 von 5 Punkten Ein wunderbar elegischer, schwebender Text. Thommie Bayer schafft es, die heiter-melancholische Stimmung des Romans in passende Sätze zu kleiden. Es schwingt und klingt wie ein Tennessee Waltz. Worum geht es? Benno und Daniel sind durch die gemeinsame Musik symbiotisch verbunden. Zwillinge im Geist und im Tun. Doch irgendwann verändert sich die traumhafte Zeit der gemeinsamen Konzerte und Joints. Daniel hat einen Nervenzusammenbruch; Christine tritt zwischen die beiden Männer. Das Trio findet eine Zeit lang einen gemeinsamen Weg. Bis Benno flieht, vor seinen Gefühlen; nach Amerika, in den Alkohol. Benno reflektiert sich, seine direkte Umwelt, sein Leben. Gleichwohl ist und bleibt er ein Feigling. Er lässt sich treiben. Er ist offen und lässt sich einfangen von Musik und Frauen. Zufrieden ist er nicht. Thommie Bayer verwebt lakonisch in gelungener Weise drei Zeitebenen miteinander. Er erzählt die Geschichte parallel in Sprüngen, aber immer in der Gegenwart. Die drei Protagonisten befinden sich ein wenig außerhalb der Welt, als Reisende durch Zeit und Raum. Bisher sind sie noch nirgendwo angekommen. Doch darum geht es: irgendwann irgendwo ankommen. In der ersehnten Einfachheit. Dem Autor gelingt es, die Klippen des Kitsches und der Banalität zu umschiffen, Charaktere fein zu zeichnen und das unendliche Thema Freundschaft und Liebe mit neuen Facetten zu beleuchten. Lesenswert.
Weitere Lesermeinungen |
Einfach unwiderstehlich Bret Easton Ellis Broschiert, 16. Januar 2006 Verkaufsrang: 167522 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden 'Das Porträt einer Generation unter Coolheitsdruck' (taz) Ellis' zweiter Roman, 1987 zwei Jahre nach dem Debüt 'Unter Null' in den USA erschienen, schildert ein paar Wochen im Leben einiger College-Studenten an der US-Ostküste. Es ist, als würde man bei der Lektüre in einen rasant schnell geschnittenen Film hineingeraten, der aus den verschiedenen Blickwinkeln der Figuren von Partys, Drogen & Sex erzählt. Lauren vermisst Victor, der gerade quer durch Europa reist, und tröstet sich - da Tony gerade kein Interesse anmeldet - zwischendurch mit einem Erstsemestler, der Steve heißt, glaubt sie zumindest. Sean, Protagonist von 'Einfach unwiderstehlich' und Bruder von Patrick Bateman, will Lauren, nimmt aber, da die Sache so einfach nicht ist, erstmal mit Susan vorlieb. Und mit Deidre. Und - 'Einfach unwiderstehlich' ist ein Abgesang auf eine Generation von Collegestudenten Mitte der 80er Jahre: keine Vision, nirgends, es sei denn, man begreift den verzweifelten Sex in allen Lagen und Dröhnungsstufen als visionäres Revival von 'Love and Peace'.Bret Easton Ellis, geboren 1964 in Los Angeles, lebt in New York.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 25 Bewertungen)
bukowski läßt grüssen 4 von 5 Punkten wer den guten alten buk mag ist hier richtig, blos die darsteller sind "jünger", collegeparties, viel kiffe, etliche bettgeschichten und schräge gedankengänge prägen die handlung. die sprache ist obwohl der angeschnittenen themen nie unter der gürtellinie aber trotzdem undergroundstyle. einen richtigen hauptdarsteller gibt es nicht, die story ist vorhanden, steht aber sicher nicht im mittelpunkt für leute die gerne schräges lesen sehr empfehlenswert
Weitere Lesermeinungen |
Die Abenteuer des Miguel Littin: Illegal in Chile Gabriel Garcia Márquez Broschiert, Januar 2004 Verkaufsrang: 41137 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In einer spannenden Reportage läßt Gabriel García Márquez den Filmregisseur und Allende-Anhänger Miguel Littín von seinen Abenteuern im Chile Pinochets erzählen. Als Exilchilenen ist es Littín verboten, in sein Heimatland zurückzukehren. Aber es gelingt ihm, und mit generalstabsmäßiger Planung täuscht er die allgegenwärtige Geheimpolizei. In einem aufregenden Katz- und Mausspiel dreht er einen 32.000 Meter langen Film über das Leben unter der Diktatur. "Spannender als ein Agentenroman." Der Spiegel
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Spannender als jeder Krimi 5 von 5 Punkten "Die Abenteuer des Miguel Littin" ist genau wie "Abenteuer eines Schiffbrüchigen" ebenfalls zu den journalistischen Werken Márquez' zu zählen. Die ganze Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und zeichnet ein sehr klares Bild der Umstände in Chile unter Pinochet und geht gleichzeitig sehr detailiert auf die Situation der Exilchilenen ein. Das Buch ist sehr bis zur letzten Seite spannender als jeder Krimi.
Márquez als Zeitzeuge 5 von 5 Punkten Márquez mal ganz anders. Ein wunderbares Buch. Ein Muss für Menschen, die sich mit der Pinochet Diktatur beschäftigen wollen. Ein Muss für Filminteressierte und ein Muss für Literaturinteressierte. |
Der Umweg nach Santiago Cees Nooteboom Broschiert, 23. Mai 2007 Verkaufsrang: 108416 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Als Cees Nootebooms Reisebericht erstmals erscheint, ist man sich einig: Mit Der Umweg nach Santiago liegt das Spanienbuch schlechthin vor. Nooteboom bricht von Barcelona nach Santiago de Compostela auf, ohne jede Eile, denn der Weg ist das Ziel. Der große niederländische Erzähler ergänzt sein erfolgreiches Reisebuch nun durch weitere Texte über das Land seiner Leidenschaft.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
immernoch aktuell 5 von 5 Punkten Obwohl die Reiseberichte rund 20 Jahre alt sind, reflektieren sie noch immer die spanische Realität. Teils weil sich Spanien nicht verändert und teils weil der Autor zeitlose Themen behandelt. Wer das echte Spanien liebt wird auch dieses Buch lieben, weil es ehrlich und unverblümt mit Spanien, seiner Tradition und Geschichte und den Spaniern selbst umgeht. Rundum ein Buch, dass man immerwieder und mehrmals gerne liest!
Weitere Lesermeinungen |
Salvatore Arnold Stadler Gebundene Ausgabe, 4. November 2008 Verkaufsrang: 3506 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Ein Mann geht ins Kino und sieht einen Film. Es ist Pier Paolo Pasolinis "Il Vangelo secondo Matteo". Dem Film liegt ein Buch zugrunde, und nicht irgendeines: Das Matthäus-Evangelium aus der Bibel, das folgenreichste Buch der Weltliteratur. Pasolinis Film öffnet dem Helden die Augen und verändert sein Leben. Wenn er dies alles auch nicht glauben kann, so ist er doch erfüllt von einer Sehnsucht danach, dass dies die Wahrheit wäre. Stadler und der Leser folgen Pasolini und seinem Film, dessen Kraft jedem, der religiös nicht ganz unmusikalisch ist, das Gefühl des Aufbruchs zurückgeben kann. Pasolini hat aus einem Buch, dem Evangelium, einen Film gemacht, Arnold Stadler macht aus diesem Film wieder ein Buch, das von der Sehnsucht nach dem ganz anderen erzählt.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)
Linkshändig und ein Träumer 3 von 5 Punkten Das neue Buch von Arnold Stadler "Salvatore" ist ein Bekenntnisbuch - ein Bekenntnis zum Matthäus-Evangelium, zu seinem Inhalt und seinem Wahrheitsgehalt. Ein Roman - vielleicht am Anfang; eine fast emphatische Würdigung Pier Paolo Pasolinis und seines Films "Il Vangelo secondo Matteo" (Das Matthäus-Evangelium) im Mittelteil; ein großartiger Essay auf Caravaggios "Die Berufung des hl. Matthäus" am Ende. Irgendwie passen alle drei Komplexe nicht richtig zueinander - und gehören (theologisch) doch wohl nach Stadler zusammen. Sein "Held" ist Salvatore (Retter und Erlöser), ist ein vom Leben Geschlagener, ein ehemaliger Theologe (wie Stadler) und ein Versager, "dem Gott mit der Zeit irgendwie abhandengekommen, so wie auch die Zeit und das schönnamige Leben", der "linkshändig und ein Träumer" im friesische Leer den Fischern zuschaut. Bis er sein Erweckungserlebnis hat. Mehr durch Zufall gerät er in einem Pfarrsaal-Kino in den Film von Pier Paolo Pasolini "Das Evangelium nach Matthäus". Er ist von dem Film fasziniert, tauchen doch nicht nur seine Verwandten als Statisten in diesem Streifen auf, er selbst hört und sieht die Botschaft - und ihm fehlt keineswegs der Glaube, der dann nicht zuletzt auf der Macht des Wortes und der "Macht der Bilder" basiert. Damit leitet der Büchnerpreisträger Arnold "Salvatore" Stadler über zu Film und Pasolini. Der Atheist, Homosexuelle, Kommunist und geniale Filmemacher erzählt "wortgetreu" das Matthäus-Evangelium, diese Ursprungsgeschichte des Christentums, nach. Es ist sein Bekenntnis zu Jesu, zum Heil und zur Verheißung. Stadler preist fast hymnisch den Film und macht Pasolini zu einem neuen Matthäus. Verbunden damit eine heftige, fast zornige Auseinandersetzung mit einer "Wildsau-Theologie" der offiziellen Kirche, die den poetischen Rang - und den Wahrheitsgehalt des Evangeliums nach Matthäus nicht erkennen will. Stadler setzt dagegen die Sehnsucht, das "Dazugehörigkeitsverlangen" und den Glauben. Er ist ein Bekenner, dessen Ausführungen allerdings manchmal sehr an einschlägige religiöse Traktätchen erinnern. Das"Evangelium jedenfalls muss "jeden Menschen umhauen" - so der Theologe "Salvatore" Stadler. Von Pasoloni und Stadler (er ist ein Teil des Buches) führt dann der Weg zu Caravaggio und seinem herrlichen Matthäusbild. Dessen Deutung im Kontext zu Film und Botschaft gerät dem Schriftsteller zu einem phänomenalen kunstkritischen Essay, zu Hermeneutik und Exegese - und manchmal allerdings auch zur Predigt. Ein Buch - bei weitem nicht aus einem Guss. Dieses Buch zum Film zum Buch der Bücher lässt den Leser etwas ratlos zurück. Das Evangelium nach Matthäus hat - so Stadler - "die Welt verändert". Für Arnold Stadlers "Salvatore" dürfte dies nicht gelten.
Weitere Lesermeinungen |
Nachdenken über Christa T Christa Wolf Broschiert, 26. September 2007 Verkaufsrang: 29061 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Nachdenken über Christa T. begründete den Weltruhm Christa Wolfs und gehört zu den wichtigsten Werken der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Mit nur 36 Jahren stirbt Christa T. an Leukämie. Ihre ehemalige Schulkameradin und Studienfreundin erinnert sich an sie: an eine Frau, die der Forderung nach Anpassung ihre Phantasie, ihr Gewissen und vor allem ihre Sehnsucht nach Selbstverwirklichung entgegensetzt.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
NACH - DENKEN 5 von 5 Punkten Nach-Denken, über jemand nachdenken. Selten macht ein Buch die Vergangenheit so bewusst - Christa T., über die nach-gedacht wird, als Frau, als Partnerin, als Freundin, als Schulkameradin. Eine mitreißende Beschreibung der Christa T. in all ihren Rollen, als Nachruf, ganz einfach als Nach-Denken. Sehr zu empfehlen, äußerst lesenwert!
Weitere Lesermeinungen |
Zionoco Leon de Winter Taschenbuch, August 1998 Verkaufsrang: 68390 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Sex, Schuld und Sühne. Einmal mehr gelingt es Leon de Winter, tradierte Lebensformen auf ihre konkrete Lebbarkeit abzuklopfen, und das in sinnlicher, federnder Erzählkunst." (Die Weltwoche) "Ein Buch über die kleinen und großen Lebenslügen, eine Persiflage auf die New Yorker Gesellschaft -und vor allem ist es ein herzerfrischend komisches Buch. Temporeich, hintersinnig, mit leichter Hand geschrieben - das reine Lesevergnügen." (Süddeutscher Rundfunk) "Leon de Winter erzählt in einem atemberaubenden Tempo, mit viel Witz und Schärfe. Zwischen den unterschiedlichen Stilebenen wechselt er schnell hin und her. So stehen wilde Sexualphantasien neben Erörterungen über die jüdische Religion, die Bürgerlichkeit konkurriert mit der Boheme, die Realität verschiebt sich in die Phantasie." (Sender Freies Berlin)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 2.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Eine Suche nach den Wurzeln 5 von 5 Punkten Wieder geht es in de Winters Roman rund zu. Der Protagonist versucht sich selber, beziehungsweise seinen Vater zu finden in einer überaus komplexen Geschichte die ganz leicht geschrieben ist. Es ist immer wieder wie ein Wunder, dass de Winter es schafft seine beschriebene Welt dem Leser in dieser Leichtigkeit vor Augen zu führen. Dieses Werk hat sehr viel Tiefgang und ist wirklich zu empfehlen.
Weitere Lesermeinungen |
Anils Geist: Roman Michael Ondaatje Taschenbuch, 1. November 2001 Verkaufsrang: 176218 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden In seinem Booker-Preis-gekrönten dritten Roman, Der englische Patient, untersuchte Michael Ondaatje das Wesen der Liebe und des Betrugs vor dem Hintergrund des Krieges. Sein vierter, Anils Geist, spielt ebenfalls in einem Krieg, aber im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg, ist der Feind im blutigen Konfessionskonflikt, der Sri Lanka in den Achtziger- und Neunzigerjahren auseinanderriss, nur schwer auszumachen. Die Protagonistin, Anil Tissera, verließ ihre Heimat Sri Lanka im Alter von 18 Jahren und kehrt nun 15 Jahre später als Mitglied einer internationalen Menschenrechts-Untersuchungsmission zurück. In den dazwischenliegenden Jahren machte sie Karriere als Kriminalanthropologin, ein Beruf, der sie zu den Killing Fields von Mittelamerika führte, wo sie die Opfer des schmutzigen Kriegs in Guatemala ausgrub. Nun ist sie mit einer ganz ähnlichen Mission nach Sri Lanka gekommen. Wie sie aber bald feststellt, gibt es zwischen den beiden Aufträgen grundlegende Unterschiede. Die Leichen tauchen hier wöchentlich auf. Der Höhepunkt des Terrors fand in den Jahren 1988-89 statt, aber er fing natürlich schon lange vorher an. Beide Seiten töteten und vertuschten. Dies war ein inoffizieller Krieg, und keiner wollte es sich im Ausland verscherzen. Es lief also alles über Geheimkommandos und -gangs ab. Anders als in Mittelamerika, tötete hier die Regierung nicht direkt. In einer solchen Situation ist es nicht leicht zu erkennen, wem man vertrauen kann. Anils Kollege ist ein gewisser Sarath Diyasena, ein srilanker Archäologe, dessen politische Zugehörigkeiten, wenn er denn welche hatte, undurchsichtig waren. Zusammen decken sie durch den Fund eines Skeletts, dem sie den Namen Sailor geben, die Beweise eines von der Regierung in Auftrag gegebenen Mordes auf. Als Anil jedoch ihre Untersuchungen über die Ereignisse aufnimmt, die zu Sailors Tod geführt hatten, erkennt sie, dass sie in einem Netz aus Politik, Paranoia und Tragödie gefangen ist. Wie bei seinem Vorgänger untersucht der Roman den Bereich, in dem sich das Persönliche und das Politische im Angelpunkt des Krieges überschneiden. Der Stil ist jedoch viel direkter, weniger dicht poetisiert. Obwohl viele der literarischen Markenzeichen Ondaatjes vorhanden sind - häufige Zeitsprünge, geradezu halluzinatorische Bilder, das allmähliche Verweben der Vergangenheit der Charaktere mit deren Gegenwart - ist der Schreibstil hier viel zugänglicher. Das soll aber nicht heißen, dass der Autor seine poetischen Wurzeln vergessen hat; es gibt unterschwellige, evokative Bilder zuhauf. Nehmen Sie zum Beispiel nur diese Beschreibung Anils, die am Ende des Tages in einem Teich steht, "ihre Zehen zwischen den weißen Blütenblättern, mit verschränkten Armen, während sie den vergangenen Arbeitstag auszog, die Schichten der Ereignisse und der Vorfälle nach und nach ablegte, damit sie nicht mehr in ihr waren." Mit Anils Geist hat Michael Ondaatje sowohl eine brutale Untersuchung eines gegenseitigen Vernichtungskrieges geschaffen als auch eine bleibende Betrachtung über Identität, Loyalität und den festen Griff, den die Vergangenheit auf die Gegenwart ausübt. -Alix Wilber
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)
Krieg infiltriert alles... 5 von 5 Punkten Ondaatje schreibt eindringlich wie kaum ein anderer über Kriege und deren Auswirkungen auf allen menschlichen Ebenen. Sein Schreibstil ist poetisch und szenisch mit der Wirkung, dass man sich teils wie im Kino vorkommt. Dabei ist ebenso wichtig, was Ondaatje nicht schreibt oder wie man so schön sagt, was zwischen den Zeilen steht. Die grösste Stärke dieses Buches ist die Eindringlichkeit und letzte Konsequenz mit der Ondaatje schreibt. Meines Erachtens noch eine Spur prägnanter und beklemmender als Der Englische Patient. Es gibt einzelne Szenen in diesem Roman die alleine das Geld für dieses Buch wert sind. Schlicht unglaublich...
Weitere Lesermeinungen |
Galeerentagebuch Imre Kertesz Taschenbuch, Oktober 2002 Verkaufsrang: 131382 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Tagebuchroman" nennt Imre Kert sz seine Sammlung von Beobachtungen, Aphorismen und philosophischen Exkursionen aus dreißig Jahren. Im inneren Dialog mit Nietzsche, Freud, Camus, Adorno, mit Musil, Beckett, Kafka und anderen versucht er, Holocaust und Modernität, Totalitarismus und Freiheit zu Ende zu denken.
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Philosophisches Hamsterrad 3 von 5 Punkten Eigentlich ein schweres Buch. Es kreist immer um dieselbe Erfahrung des Autors, und das Schlimme daran, der Autor findet aus dem ganzen, so scheint es mir, keinen Ausweg. So changiert er immer zwischen einem existentialistisch angehauchten Lebensphilosophie, oder besser: einem lebensphilosophisch angehauchten Existentialismus, und einem - vor allem gegen Ende des Buches hin - religiös verschatteten Überlebensskeptizismus. Dass trotz der zweifelsohne das Leben des Autors prägenden Erfahrungen im Konzentrationslager von diesem keine Perspektive für eine Philosophie oder besser Lebensbewältigung, fern von sowohl religiöser wie auch antireligiöser Art, gefunden werden konnte, ist zwar nachvollziehbar, nichtsdestotrotz droht die Lektüre des Buches dadurch aber zu einen metaphysischen Hamsterrad zu führen, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint |
Michael: Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft Elfriede Jelinek Taschenbuch, Oktober 2004 Verkaufsrang: 127407 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Michael gehört zu den deutschen Namen, die im Geburtenregister und im Filmgeschäft ganz vorn rangieren. In Elfriede Jelineks 'Jugendbuch für die Infantilgesellschaft' steht derselbe Name für einen ideologischen Misthaufen, auf dem einzig solche Träume gedeihen, die gesellschaftlich erwünscht und politisch nutzbar sind. Die Züchtung, früh genug begonnen, bringt nahezu wesenlose Kunsttraummenschen hervor, hier dargestellt durch zwei junge Mädchen. Sie führen in ein Bewußtseinsgrusical ein, in eine irre Landschaft, bestehend aus lauter Identifikationsangeboten, den fatalsten vielleicht, die die Massenmedien dem verunsicherten Individuum einzuverleiben haben ..." (FAZ)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
"na liebe jungen und mädel!" 4 von 5 Punkten Elfriede Jelinek erzählt in ihrem zweiten Buch "Michael" aus dem Jahr 1972 aus dem Leben von verschiedensten Personen, die nur lose zusammenhängen. Es geht um Michael, Juniorchef beim Schwiegervater, dessen Mutter Ida Rogalski, seine Frau Patrizia, deren Vater und Fabrikdirektior Herr Koester, sowie dessen Lehrlinge Gerda und Ingrid und deren Mütter. Dabei werden verschiedene Episoden und Geschichte kaleidoskopisch aneinander gereiht. Die einzelnen Mosaiksteine sind häufig brillant, aber der Gesamttext hinterlässt einen etwas heterogenen Eindruck. Der Text versprüht mit seiner ironisch-distanzierten Sprache sehr viel Witz. Der naive und oberflächliche Stil mit einfachen und kurzen Sätzen und kurzen Kapiteln imitiert Trivialliteratur wie Jugendbücher, ohne allerdings selbst trivial zu sein. Der Sprachwitz zeigt sich auch darin, dass die Autorin am Anfang jeden Kapitels die Leserinnen und Leser direkt anspricht. Jedenfalls fehlt der ideologisch verbissene Tonfall, der spätere Jelinek-Bücher prägt. Auch kommen Gewaltexzesse, welche die Oberfläche aufbrechen, nur sehr dosiert vor. Der Untertitel "Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft" des Buches zeigt, dass es sich um eine ideologische Auseinandersetzung mit der ungeliebten bürgerlichen Gesellschaft handelt. Auch die gebrauchte Sprache ist eine Auflehnung gegen bürgerliche Konventionen: Kleinschreibung, keine Kommas, keine Trennungszeichen. Inhaltlich geht es um die Wahrnehmung von Realitäten: Die Wirklichkeit der Figuren (ihr ödes Leben als Kleinbürger) wird ihren Wunschvorstellungen (gesellschaftlicher Aufstieg, Liebe des Chefs) gegenüber gestellt. Das ganze wird schliesslich noch an der Wirklichkeit aus dem Fernsehen ("Wünsch dir was" mit Dietmar Schönherr), einer vollkommenen Scheinwelt, gespiegelt. Einzelne Episoden werden übrigens auch mit "wirklichkeit" überschrieben. Fernsehwirklichkeit und Wunschvorstellungen haben für die meisten gar nichts mit ihrer Wirklichkeit zu tun. Bürgerliche Mythen (Familie, gesellschaftliche Rolle von Mann und Frau, wahre Liebe, Arbeit macht glücklich, gesellschaftlicher Aufstieg durch Arbeit, Materialismus) entlarven sich als Lügen. Der Wunsch nach einem besseren Leben bleibt Wunsch. Jelinek hält dies lakonisch so fest: " wie arm wäre unser leben ohne die schillernden träume! allerdings ist unser leben auch mit schillernden träumen arm. ein weiser mann hat einmal gesagt: träume sind schäume!"
Elfriede Jelinek - Eine Spezialistin der Macht 5 von 5 Punkten Elfriede Jelinek gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen unserer Zeit. In ihren Büchern beweist sie immer wieder eine tief gehende Sensibilität für die Macht- und Herrschaftsverhältnisse, die unsere westliche Gesellschaft strukturieren und - zumeist unbewusst - das Handeln und Denken jedes einzelnen prägen. "In Michael. Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft" sind es vor allem die Medien, deren Funktion als Instrument universeller Unterdrückung dem Leser vor Augen geführt wird. Die Protagonistinnen, zwei kaufmännische Lehrlinge, leben in einer Scheinwelt, in der Realität und Fernsehprogramm zu einem Gemisch aus Gewalt und Sehnsucht nach dem großen Happy End verschmelzen. Das allabendliche TV-Programm, das gegen den Widerstand omnipotenter Mutterfiguren immer wieder von neuem ausgefochten werden muss, bereitet auf den brutalen Arbeitsalltag vor, aus dem es nur einen Ausweg gibt: Heirat! Wie ferngesteuert handeln die Figuren Jelineks, deren aus Floskeln und Gemeinplätzen bestehende Sprache jeden Versuch echter Kommunikation bereits im Ansatz scheitern lässt. Der naive, unmittelbare Stil der Erzählung erinnert durchaus an Kinder- oder Jugendbücher und entwickelt eine Wirkung, die den Leser zwischen Abstoßung und Anziehung pendeln lässt. Unter der sprachlichen Oberfläche dieses "Jugendbuches für die Infantilgesellschaft" tun sich Abgründe des Alltäglichen auf, Abgründe, die zu Benennen eine der herausragenden Fähigkeiten von Elfriede Jelinek ist. |
Gibt es hitzefrei in Afrika?: So leben die Kinder dieser Welt Sabine Christiansen, Janosch Taschenbuch, 4. August 2008 Verkaufsrang: 150899 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden Zu seinem 60. Geburtstag hat UNICEF mit Gibt es hitzefrei in Afrika sich und seinen Klienten ein kluges, lexikalisches Buchgeschenk gemacht. In dem von Janosch bebilderten Band beantworten die Autoren Leo G. Linder und Doris Mendlewitsch typische Kinderfragen und auch solche, die Kinder von sich aus vielleicht nicht ohne weiteres so stellen würden. In 99 Artikeln von A (wie Adoption oder Afrika) bis Z (wie Zähneputzen oder Zuhause) bietet der Band Einblick in die Lebensumstände von Kindern überall in der Welt. Auch Erwachsene erfahren aus der Lektüre manches, was sie so vermutlich noch nicht wussten. So etwa hinsichtlich der titelgebenden Frage, dass es auch in Afrika Tage gibt, an denen die Kinder früher von der Schule nach Hause gehen dürfen, nämlich dann, wenn das Thermometer am Vormittag schon auf 45 oder 50 Grad Celsius steigt. Aber auch mit sehr ernsten Themen, wie dem Leben von Straßenkindern, der Prostitution oder der Beschneidung afrikanischer Mädchen setzen sich die Autoren in einer sowohl sach- wie dem Alter der Zielgruppe gerechten Sprache auseinander. Selbst an weltpolitisch so komplexe Themen wie den Nahost-Konflikt haben sie sich herangewagt. Dabei gelingt es ihnen, die Kernproblematik des Konflikts in wenigen Sätzen deutlich zu benennen: "Im Nahost-Konflikt wird Gewalt mit Gewalt beantwortet - ein Teufelskreis. Denn Gewalt erzeugt neuen Hass, und Hass erzeugt neue Gewalt." Mag die Lektüre angesichts des bedrückenden Alltags vieler Kinder in der Welt, der uns hier vor Augen geführt wird, auch nicht unbedingt nur das reine Vergnügen sein ? klüger macht sie in jedem Falle. Und weil das Buch zweifellos auch nachdenklicher macht, wirft es ganz gewiss auch neue Fragen auf. Auch das ist gut so! - Andreas Vierecke
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Bittere Wahrheit 3 von 5 Punkten Ich hatte vor, meiner elfjährigen Tochter dieses Buch vorzulesen. Nach einigen Seiten bat sie mich aufzuhören, weil sie die vielen bitteren Wahrheiten nicht ertragen konnte. In der Tat sind viele Themen nur für hartgesottene Charaktere geeignet und aus meiner Sicht keinesfalls für 10 Jährige zu empfehlen. Wenn es um Kindersoldaten, Aids, Prostitution und Beschneidung von afrikanischen Mädchen geht, denke ich, dass Kinder mit der Konfrontation dieser unfassbaren Grausamkeiten völlig überfordert sind. Wie sollen sie damit umgehen, wenn es selbst uns Erwachsenen so schwer fällt? Unbestritten sind die Texte gut und verständlich geschrieben, die Zeichnungen von Janosch virtuos wie immer. Aber in diesem Zusammenhang unpassend, weil sie eine kleinkindhafte Harmlosigkeit suggerieren, die dem ernsten Hintergrund widerspricht. Viele Missstände auf dieser Welt lassen sich nun mal nicht in schöne Worte verpacken, die sind so brutal und bedrohlich wie sie sind, das ist richtig. Und der Aufklärungsanspruch von Unicef mag auch berechtigt sein. Aber ich werde bei der nächsten Buchauswahl noch strikter vorgehen und abwarten, ob solche Fragen von meiner Tochter selbst kommen. Mit 15 oder 16 ist auch noch genug Zeit für das Elend dieser Welt.
Eine ganz besondere Weltreise! 5 von 5 Punkten "Einfach klasse! Das Buch stillt den Wissensdurst der Kleinen und auch der nicht mehr ganz so Kleinen. Ich glaube, es nimmt die Fragen, die Kinder beschäftigen, sehr ernst, schließlich werden auch Themen behandelt, bei denen wir Großen oft ins Stolpern geraten. Viele Geschichten, Infos und oft auch etwas zum Lachen. Bei der Vielfalt der Stichwörter findet man schnell seine Lieblingsthemen ? und ganz neue dazu. Die vielen Janosch-Bilder und die Fotos aus aller Herren Länder sind schön anzusehen, wenn die Augen mal vom vielen Lesen müd geworden sind. Ich finde, das Buch ist rundum gelungen! "
|
Zuckermans Befreiung Philip Roth Taschenbuch, 1. Juni 2005 Verkaufsrang: 45524 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden "Ein Erzähler, handfest und lebensnah ... Was uns deutschen Lesern erstaunlich erscheinen mag, Amerika macht's offenbar möglich." (Der Spiegel)
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
«Das ist Carnovsky» 4 von 5 Punkten . Zuckermann, Hauptperson des vorliegenden Buches, hat nach ein paar ganz guten Büchern gerade einen Erfolgsroman veröffentlicht und wird Person des allgemeinen Interesses. In seinem Roman geht es um das Leben des Mannes im allgemeinen, des jüdischen Mannes im speziellen und noch spezieller, um die Kindheit und Jugend, das Heranwachsen eines wohlbehüteten Jüdischen Kindes in den USA. Der Roman heißt wie seine Hauptfigur: Carnovsky. Roth schildert, wie die Umwelt Erzähler und erzählte Person vermischt, so wie es ihm nach der Veröffentlichung von Portnoy eventuell auch geschehen ist. Die Romanfiguren von Carnovsky sind überzeichnet, und seine Umwelt fragt, wie er DAS seiner Mutter hat antun können, seiner Freundin und so weiter. Ein gutes Buch, nicht das beste von Roth, aber besser als vieles, was man dann doch gelesen hat. Für mich die Veranlassung, noch mal den Portnoy zu lesen, und der hat mir wieder viel Freude bereitet. . |
Im Krebsgang Günter Grass Gebundene Ausgabe, Februar 2002 Verkaufsrang: 38418 Es war die größte Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt: Am 30. Januar 1945 verließ das ehemalige Kraft-durch-Freude-Kreuzfahrtschiff "Wilhem Gustloff" mit 6.100 Flüchtlingen an Bord Gotenhafen und wurde vor Stolpermünde von einem sowjetischen U-Boot aufgebracht. Drei der kommunistischen Heimat und ihrem Diktator gewidmete Torpedos durchbohrten das Schiff, das in knapp einer Stunde versank; mehr als 5.000 Menschen kamen ums Leben. Ein Untergang nach dem Untergang: Das Tausendjährige Reich war längst Geschichte, und Roosevelt bereits auf dem Weg nach Jalta, um mit Stalin und Churchill die neuen Grenzen abzustecken. Die Tragödie in der Ostsee hat Günter Grass seit jeher interessiert. In Romanen wie Katz und Maus und Die Rättin wird erwähnt, dass die Nebenfigur der Tulla Pokriefke das Unglück knapp überlebte. Nun hat der Autor dem Ereignis auf hoher See eine historische, dabei aktuell-brisante Novelle gewidmet. In Im Krebsgang wird der Sohn von Tulla beauftragt, die längst vergessene Geschichte aus den Fluten des kollektiven Gedächtnisses zu bergen. Eher widerwillig recherchiert der Journalist und Ich-Erzähler im Internet, tummelt sich in den abstrusen Chatrooms der Neonazis, beleuchtet die Biografien des Schweizer NS-Landesgruppenführers Wilhelm Gustloff, seines jüdischen Attentäters David Frankfurter und des U-Bootkommandanten der sowjetischen Rotbannerflotte Alexander Marinesko - und versucht sich schließlich im Erzählprozess ganz "an Bord der 'Gustloff' zu denken", um die tödliche Katastrophe vor den Augen seiner Leser wieder lebendig werden zu lassen. Dabei fördert er ein menschliches Drama zu Tage, das bis in unsere Gegenwart hineingreift und nicht zuletzt seine eigene Familie betrifft. In Katz und Maus war die durch das Dickicht der Wiesen streifende Katze Metapher eines vorsichtig neugierigen, "lauernden" und ständig die Richtung wechselnden Erzählens. In Grass' neuer Novelle ist es der seitliche, mögliche Feinde täuschende Gang des Krebses, der die stetig zwischen Gestern und Heute wechselnde Erzählperspektive symbolisiert und dem großartigen schmalen Band seinen Namen gab. Entgegen der Bescheidenheit des Ich-Erzählers ("ich berichte nur") ist Grass endlich wieder ein kleines Meisterwerk gelungen. Spannend verwoben, kunst- und humorvoll zugleich. -Thomas Köster
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 89 Bewertungen)
Erinnern gegen das Vergessen 5 von 5 Punkten Der Empfang war sehr herzlich, der Beifall am Schluss fast nicht enden wollend, als der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass nach Erscheinen von "Im Krebsgang" aus seiner Novelle vorlas. Mit Worten: "Wie gut das es Bücher gibt, die - laut oder leise gelesen - Bestand haben", wurde der Autor eingeführt. Wie wahr - auch noch Jahren. Vor allem zu Zeiten der immer noch aktuellen und notwendigen Erinnerungsarbeit. Die Geschichte vom Untergang der "Wilhelm Gustloff" also. Am 30. Januar 45 versank das frühere KdF-Schiff in der eisigen Ostsee und riss annähernd zehntausend Menschen mit sich in den kalten Tod. Für Grass war die Zeit reif, dem Vergessen das Erinnern entgegengzustellen. Denn es kann nicht sein, dass "Themen wie die Flucht und Vertreibung von über zehn Millionen Menschen aus den verlorenen Ostprovinzen...weitgehend verdrängt werden...". So damals, so heute! Diese Geschichte recherchiert der Erzähler im Internet. Er trifft dabei auf sehr fragwürdige "Zeugen", die "in gotischen Lettern...markige Sprüche klopfen". Der Zuhörer erfährt durch von dem "Blutzeugen" Wilhelm Gustloff, der dem verhängnisvollen Schiff seinen Namen gab, und von seinem Mörder, dem Juden David Frankfurter, vom Kapitän Marinesko des U-Bootes S 13, von dem aus die tödlichen Geschosse ausgingen, und von allen historischen und politischen Zusammenhängen, die mit diesem Ereignis verknüpft sind. Unvergleichlich dann die Beschreibung des Untergangs, erinnert von der uns bekannten Tulla Pokriefke. Ihr Sohn Paul will davon Zeugnis ablegen. War er doch selbst mit dabei. Er hat wie Tulla und wenige andere das Unglück überlebt. Ein literarisches Meisterstück innerhalb der ohnehin brillanten Novelle. Ein Buch, das auch den Kanon der Scullektüre gehört.
Weitere Lesermeinungen |
|


|