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Seite 21

Alles umsonst - Walter KempowskiAlles umsonst
Walter Kempowski

Gebundene Ausgabe, 17. Oktober 2007
     Verkaufsrang: 105101      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 21,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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DAS MEISTERWERK VON WALTER KEMPOWSKI: SEIN GROßER ROMAN ÜBER FLUCHT UND VERTREIBUNG.
Niemand ist berufener als Walter Kempowski, das Drama der Flucht aus Ostpreußen in einem großen Roman darzustellen. In »Alles umsonst« erzählt er die Geschichte einer Familie im letzten Kriegswinter und schildert auf bemerkenswert unideologische Weise die lange totgeschwiegenen Leiden der deutschen Zivilbevölkerung.
Der sechste Kriegswinter ist kalt auf Gut Georgenhof weit in Ostpreußen. Die Front wird nach Westen zurückgedrängt, die Rote Armee schiebt einen gewaltigen Treck Fliehender vor sich her. Doch Katharina von Globig, die schöne Herrin auf dem Georgenhof, lässt die Realität nicht an sich heran. Sie zieht sich in ihr Refugium aus Büchern, Musik und Nichtstun zurück. Das Alltagsgeschäft überlässt sie dem »Tantchen«, einer energischen Verwandten, und den Ostarbeitern Wladimir, Vera und Sonja. Um den zwölfjährigen Sohn Peter kümmert sich Studienrat Dr. Wagner, der die Stunden mit dem ernsthaften Jungen genauso schätzt wie die dicken Wurstbrote und die verträumte Mutter. Dass etwas in der Luft liegt, ist für alle Hausbewohner spürbar. Panzerkolonnen fahren vorüber, ab und zu fällt der Strom aus, Fremde bitten auf dem Weg nach Westen um Einlass, um sich kurz zu wärmen, und erzählen Erschreckendes. Doch die Bewohner des Georgenhofs verschließen noch immer die Augen vor der heraufziehenden Katastrophe. Aber dann bittet der Pastor Katharina, einen Verfolgten für eine Nacht bei sich zu verstecken. Katharina willigt ein. Kurze Zeit später wird der Mann aufgegriffen. Katharina wird verhaftet. Nun ist die trügerische Idylle dahin. Das »Tantchen« übernimmt das Kommando. Mit Sack und Pack macht sich die restliche Familie auf den Weg. Doch die große Flucht Richtung Westen wird zu einem Albtraum, der alles verschlingt. Nur Peter überlebt und wird Zeuge des großen Sterbens.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)

Befreiend erdrückend      5 von 5 Punkten
Die Widersprüche - die lang währende Entscheidungslosigkeit der Erwachsenen und das Handeln des Kindes. Die Charaktere - ambivalent, liebevoll und trügerisch, verräterisch und hilfsbereit. Die Gegend - freundliche Einsamkeit, idyllisch und so voller Frieden, dass man meint, der Krieg sei gar nicht da, er würde nur stören. Und doch ist der Krieg gegenwärtig und erhält heute beim Lesen, so viele Jahre danach eine morbide Aktualität.
Das Buch ist zärtlich und brutal, liebevoll und betrügerisch. Es ist nahezu unmöglich, es beiseite zu legen, zu sehr halten die Gestalten der Erzählung den Leser im Bann.
Ein berührendes, befreiendes, erdrückendes und auch Mut machendes Buch.


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Der Zitronentisch - Julian BarnesDer Zitronentisch
Julian Barnes

Broschiert, 26. März 2007
     Verkaufsrang: 125860      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Ein vielfältiger und geistreicher Blick auf das Alter.
"Der Zitronentisch" vereint elf hellsichtige, ironische Geschichten über das Älterwerden: Da wird über die verpasste Liebe eines skandinavischen Holzhändlers erzählt, über abnorme sexuelle Vorlieben eines in die Jahre gekommenen Herrn oder über ein altes Ehepaar, das sich aus reiner Gewohnheit das Leben zur Hölle macht. Melancholische, heitere und bissige Lebensgeschichten, die eines gemeinsam haben: Die Menschen nähern sich dem Ende ihres Lebens, das sich in oft irrwitzigen Situationen ankündigt.

"Erzählungen von großer Meisterschaft, mit Witz, mit Tempo, mit Frechheit."
Elke Heidenreich in "LESEN!"
"Wer das Buch in seinen besten Lebensjahren liest, erfährt, dass ihnen das Alter an Wahn und Witz und Lebenslust in nichts nachzustehen hat."
FAZ
"Julien Barnes macht mit seiner Kunst das Überflüssige einfach unverzichtbar."
Die Welt




Die Tricks der Diva - Brigitte KronauerDie Tricks der Diva
Brigitte Kronauer

Taschenbuch, Oktober 2004
     Verkaufsrang: 56780      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 3,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Brigitte Kronauer erhielt 2005 den Büchner-Preis und gilt schon seit längerem als eine der besten deutschsprachigen Autorinen. Ein Hörbuch von einem ihrer Romane gibt es aber leider immer noch nicht, wohl weil ihre Texte nicht gerade zum literarischen Mainstream gehören und alles andere als leicht konsumierbar sind. Als kleinen Trost erscheinen immerhin einige ihrer Kurztexte aus Die Tricks der Diva -- ursprünglich veröffentlich als schmales, gelbes Reclam-Bändchen -- nun als Hörbuch. Auch noch gelesen von der Autorin selbst, was in diesem seltenen Fall ein großes Glück ist, gehört Kronauer doch, wie man sofort hören kann, zu den wenigen Schriftstellern, die ihre Texte sehr gekonnt vortragen können. Mit einer frischen, fast jugendlich wirkenden Stimme präsentiert sie uns neun der ursprünglich 15 Erzählungen, öffnet uns beim Lesen einen literarischen Garten, der auf den ersten Blick etwas fremd und unzugänglich wirkt, der Besuch aber lohnt sich.

Manche der kurzen Texte möchte man sofort noch einmal hören, so prangen sie mit sprachlichen Kostbarkeiten. „Dri Chinisin“ beispielsweise, ein Stück über Kindergartenkinder in der Wohlstandsgesellschaft und deren dunklen Seiten: „…uns alle erwartet, wenn wir so ostereiergleich und kükenproper und wie in Seidenpapier gewickelt im gepolsterten Nest des Kindergartens verwahrt sind, eine flauschige Zukunft, auch wenn uns unsere Mütter zu ihrem Spaß als Cowboyzwerge und aufwendig verpackte Landstreicherchen verkleidet haben. Manchmal wandern wir in unseren Plastikcapes unter pfiffigen Kunststoffmützen in einer Doppelreihe, artige Lausejüngelchen, immer zu zweit angefasst. Hinaus in die Welt! Wir singen unser Lieblingslied: ,Dri Chinisin mit dim Kintribiss'. Die angestaubten Erwachsenen und die hässlichen alten Leute halten uns, wie geblendet vor ihren Villen stehen bleibend, zunächst für einen reizenden Trupp von Schäfchenwolken oder Gummibärchen oder für eine rosige und babyblaue Schmusetierprozession.“ --Christian Stahl

Spieldauer: ca. 148 Minuten, 2 CDs, gekürzte Autorenlesung

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Diva der Darstellungsformen      4 von 5 Punkten
Brigitte Kronauer, die Georg-Büchner-Preisträgerin des Jahres 2005, präsentiert in diesem Büchlein kurze Geschichten mit absonderlichem Verlauf und geheimen Begebenheiten, deren Sinn sich niemandem wirklich erschließt, insgeheim aber doch: Sprachtonaler Gesang, Geheimnis der Bilder und Formen, sprachlich verblüffender Metapherntanz. Und schlüpft in viele Gestalten und Formen, ist Mensch oder Pflanze, ist Tier oder Kraut, ist all das Schillernde, Aufgehende, Metamorphose von Bildern und Formen gar, von Wortwerken und Metamorphismen, das herkommt und wieder verweht, von Natur und selber noch staunt: Wie sind wir uns ein verzwicktes Rätsel, wie bin ichs mir selbst ach, und schon entblättert. / Für ewig verweht.. Mensch, Tier, Pflanze oder nur Buch? Oder alles zugleich? Jedenfalls schön und sehr lesenswert.



Die Netzflickerin - Maarten 't HartDie Netzflickerin
Maarten 't Hart

Taschenbuch, Februar 2000
     Verkaufsrang: 65814      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Bei uns wurde der Niederländer Maarten 't Hart mit seinem Roman Das Wüten der ganzen Welt auf einen Schlag berühmt.

Sein neues Buch Die Netzflickerin erzählt das Leben des Apothekers Simon Minderhout. Geboren wurde er 1914 und schon in der scheinbar unbeschwerten Kindheit treten ihm die Fragen entgegen, die ihn sein ganzes Leben beschäftigten werden. Ist er Schuld am Tod seines Freundes? Die beiden hatten sich darum gestritten, wer den Rest in der Bierflasche bekommen sollte. Keiner ahnte, daß sie ein Pflanzengift enthielt. Simons Ruhelosigkeit besänftigt nur die Musik. Sein Vater versucht ihn zu trösten: "Alles, was du tust und läßt, hat meistens keine, aber manchmal ganz plötzlich unheimlich weitreichende Folgen. Fast immer geht es gut, aber ein einziges Mal nicht."

Ein ergreifend schönes Buch, das unbedingt mit der dazugehörenden CD, die die passende Musik von Bruckner enthält, genossen werden sollte. --Manuela Haselberger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 13 Bewertungen)

Hexenjagd      5 von 5 Punkten
Am Anfang steht die Beobachtung einer unverfänglichen Tat, daraus wird eine Idee, eine Interpretation. Später verdichtet sich die vermeintliche Gewissheit über die Motive des Handelns und es entsteht Wissen. Wissen, das in den falschen Händen zur Anschuldigung eines Unschuldigen führt. Hexenjagd! Aber ist derjenige wirklich schuldig oder ist nicht doch unschuldiges Opfer? Es rächt sich, daß er sich jahrzehntelang kaum in das städtische Leben integriert hat. Ja, er lebte in dem Ort, allerdings auf seine Art, ohne am wirklichen Dasein der ihn umgebenden Menschen teilzunehmen. Diese empfinden seine Art als hochnässig und merkwürdig. Nicht ohne Grund erstrecken sich die Kommentare der Bevölkerung nach Veröffentlichung der angeblichen Tat über mehrere Seiten. Die perfekten Ausgangsbedingungen um ihn als schwarzes Schaf auszugrenzen und zum Sündenbock zu stempeln - der Autor gibt ihnen viel Raum. "Was kann befreiender sein, als jemanden mit Schuld zu beladen?" (Seite 335)In diesen Worten Aaron Obersteins steckt viel Wahres. Es ist unerheblich ob die Tat so tatsächlich passiert ist, es interessiert auch keinen. Die Zeitungsnachricht wird zum Selbstläufer, der angeblich Schuldige an den Pranger gestellt.

Dieses Buch erinnert tatsächlich sehr an "Das Wüten der ganzen Welt". Nicht nur weil dieselben Charaktere wieder auftauchen und weiter vertieft werden, auch die Schuld- und Schicksalsfragen wiederholen sich. Darüber hinaus gewinnt die Geschichte durch die Sündenbock-Thematik eine neue Dimension. Alles in allem unbedingt lesenswert!


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Dr. Sex - T. C. BoyleDr. Sex
T. C. Boyle, Dirk van Gunsteren

Gebundene Ausgabe, März 2005
     Verkaufsrang: 44452      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen.

Preis: € 24,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Nun, da Prok tot ist, wandern Milks Erinnerungen noch einmal zurück zu jenem Herbsttag 1939, an dem man im Hörsaal des Instituts für Biologie an der Universität von Indiana eine Stecknadel hätte fallen hören können. Studenten und Studentinnen bekamen heiße Ohren angesichts des Gehörten und vor allem Gezeigten. Was der Professor, von allen nur „Prok“ genannt, in drastischen Bildern an die Wand warf, waren nichts weniger als nackte Tatsachen. Erigierte Penisse, feuchte Vaginen. Fruchtfliege und Blütenstaub hatten ausgedient. Der Zoologe Alfred C. Kinsey hatte sein Lebensthema gefunden: Die Erforschung des Sexuallebens von Mann und Frau. Eine Revolution fand statt. Und einer sollte bald dem inneren Zirkel um Prok angehören: Der schüchterne Studiosus John Milk.

Unter dem unglücklichen, BRAVO-haft verklemmten deutschen Titel, entwirft Boyle einen grandiosen Sittenspiegel sexueller Verklemmungen und Neurosen. Proks These, „den körperlichen Aspekt von Sex vollkommen von seinem emotionalen oder spirituellen Kontext zu trennen“, führt den Jungforscher Milk dabei zusehends ins Dilemma: Während Kommilitonin Iris erste zarte Liebesgefühle in ihm weckt, muss er im Dienste der Forschung nachts in Schränke kriechen, um den Stellungskrieg einer Prostituierten mit ihrer Kundschaft zu dokumentieren, darf beim Statistikfestival „Onanieren der Tausend“ selbst mitrubbeln, und soll am Ende sogar seine Iris zum Partnertausch aus der Hand geben.

Boyle-Leser wissen, dass alles Messianische und Eifernde bei TCB besonders misstrauisch beäugt wird. Langsam entdeckt Milk, dass der Mann, der der Sexualität den Weg aus dem Unaussprechlichen verhalf, am Ende selbst als besessener und emotionsloser Messtechniker und Sextechnokrat dasteht. Allzu begierige Leser seinen gebremst! Was bei einem solchen Thema nahe läge, die exzessive Schilderung sexueller Handlungen, wird von Boyle klug und eher behutsam eingesetzt. Wichtiger ist die eigentliche Botschaft des Romans, Milks Erfahrung, dass jenseits aller Messdaten über konvulsivische Zuckungen, Erektionsdauer und Gleitsekrete, ein viel größeres Reich zu entdecken ist: Das der Emotionen, der Irrationalität und Zärtlichkeit - das der Liebe. Diese Entdeckung blieb dem harmlosen Assistenten John Milk vorbehalten. T. C. Boyle gelang ein atemberaubendes Stück Zeit- und eine noch zartere Liebesgeschichte. -Ravi Unger

T. C. Boyle im Interview
"Was für den einen pervers, ist die Sahne im Leben des anderen."
Lesen Sie unser exklusives Interview mit T.C. Boyle über seinen Roman Dr. Sex, der auch fünfzig Jahre nach dem Kinsey-Skandal wieder für Aufruhr unter den Moralaposteln sorgte.



Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 40 Bewertungen)

Ein tolles Buch      5 von 5 Punkten
Dieses Buch liest sich sehr schön. Wer hier den kraftvollen berauschenden Boyle erwartet, findet stattdessen einen einfühlsamen Erzähler und Fabulierer. Wenn man sich darauf einläßt, wird man belohnt mit einer wunderbaren Geschichte. Als die letzte Seite gelesen war, empfand ich eine ungeheure Leere, die ich nur ausfüllen konnte, indem ich mir den nächsten Boyle vornahm..
Ich möchte dieses Buch jedem empfehlen!


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Sehr blaue Augen - Toni MorrisonSehr blaue Augen
Toni Morrison

Taschenbuch, März 2000
     Verkaufsrang: 167666      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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"Ich zerstörte weiße Babypuppen."
Die Reaktion eines kleinen Mädchens, das nicht versteht, warum es nicht so blaue Augen hat, wie die Puppen (die es nicht besitzt) oder wie die Kinder in der Schulfibel. Und warum haben alle, die das kleine Mädchen kennt, braune Augen und braune Haut - Mutter, Vater und Schwester, angesehene Gemeindemitglieder und Prostituierte?
Nobelpreisträgerin Toni Morrison hat in ihrem Romandebüt mit eindringlicher Schlichtheit beschrieben, was es heißt, als Schwarze in einer schwarz-weißen Welt aufzuwachsen, einer Welt mit Ein- und Ausgrenzung, Wundern und Schrecken...


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)

schmales Bändchen, große Literatur      5 von 5 Punkten
Dies ist wirklich ein großartiger Roman. Auf wenigen Seiten erzählt Toni Morrison so viel - das allein ist hohe Kunst.

Auch ich habe länger für die Lektüre gebraucht, weil sie intensiv ist, weil man jedes Wort dieser Sprache genießen möchte, aber auch, weil es eine harte Geschichte ist. Dabei fühlt sich Morrison in jeden Charakter so ein, dass es weh tut: Man spürt nicht nur die Schmerzen und das Unverständnis der gehassten, sich selbst hassenden und missbrauchten Pecola. Am Beispiel der anderen Protagonisten kann man nachvollziehen, wie es ein wenig Erleichterung verschafft, den erfahrenen Hass weiterzugeben oder aber auf zerstörerische Art nach Liebe und Anerkennung zu suchen. Man versteht, warum ein kleiner Junge (Junior) Pecola misshandelt, warum Mrs. Breedlove sich an ihrem trinkenden Mann vergeblich abarbeitet (eine bessere Beschreibung von Co-Abhängigkeit habe ich nie gelesen!), und selbst die Handlungen des Vergewaltigers kann man irgendwie nachvollziehen - das macht es so hart.

Sprachlich reine Poesie, wirklich große Literatur - und dabei politisch: Es geht um ein System von Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Klasse und Geschlecht, was das mit dem Einzelnen macht und wie sich dieses System auf fatale Weise selbst reproduziert. Ich bin mir sicher, der Leser soll eine Art Schock erleiden - um dann dieses System aufzubrechen, daraus auszubrechen. Aber dann ist es eben doch "nur" Literatur; sie kann zu nichts zwingen, kann beiseite gelegt und im Bereich der Fiktion verortet werden.

Ich habe Bücher bisher nie zwei Mal gelesen, aber mit "Sehr blaue Augen" feiere ich sicher Premiere.


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Die letzte Liebe des Präsidenten - Andrej KurkowDie letzte Liebe des Präsidenten
Andrej Kurkow

Broschiert, Juni 2007
     Verkaufsrang: 180298      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 11,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Maja Wladimirownas Mann war tödlich verunglückt. Sein Herz jedoch schlug jetzt im Körper des mächtigsten Manes der Ukraine weiter. Ein hoher Preis für Sergej Stepanowitsch, hat sich die trauernde Witwe doch vertraglich ausbedungen, stets in der Nähe des geliebten Gattenherzen sein zu dürfen, eine Tatsache, die man dem Präsidenten leider erst nach der Verpflanzung mitteilte. Nur ein Problem mehr in der krisengeschüttelten Ukraine im Mai 2015!

Andrej Kurkow hat in hin- und herhüpfenden Kapiteln, die den Zeitraum von 1975 bis 2016 abdecken, das ukrainische Tagebuch eines Aufsteigers geschaffen. Sergej Stepanowitsch, aus schlichten Verhältnissen stammend, hatte schon früh ein Händchen für hilfreiche Steigbügelhalter. Heute bekleidet der 50-Jährige das höchste Amt. Ein brisanter Posten. Etliche seiner Vorgänger saßen längst im Knast, im Parlament hauste die Intrige. Privat war Sergej das Glück weniger hold. Die erste Ehe hatte nur bis zur Totgeburt eines Kindes gehalten, bei der Krankheit von Swetlana, seiner zweiten Frau, hatten selbst die besten Schweizer Ärzte nicht helfen können. Der ukrainische Präsident war, bis auf sporadische Liebschaften, ein einsamer Mann.

Den Alltag im Post-Sowjetreich schildert Kurkow als einzige Politgroteske. Gnadenlos komisch, die Riege internationaler Staatsmänner, darunter der US-Präsident, die anlässlich der 400-Jahrfeier der Romanow-Dynastie den grausigen Brauch des Eisschwimmens über sich ergehen lassen muss (an einem Januartag des Jahres 2013, wohlgemerkt!) Die künstlichen Kaviar- und Wodkaverpflegungs-inselchen konnten allein Präsident Putins(!) kaltes Herz erwärmen. Wir gewahren tiefe Einblicke in die russische Seele, diese Melange aus bärenfreundlicher Wodkaseligkeit und dem tief verwurzelten Hang zur Konspiration, die für Sergej eine ständige Bedrohung darstellt.

Mal schwermütiges, mal brüllend bizarres Bild der neuen Ukraine, in der eine freie Marktwirtschaft tobt, die nur neue Oligarchen geschaffen hat. Heute halten Ölmilliardäre die Politik am Gängelband (aktuelle Beispiele von milliardenschweren Fussballclubbesitzern und steinreichen Strafgefangenen kommen in den Sinn). Unübersehbar auch, die Anspielungen auf den derzeitigen ukrainischen Präsidenten und seine politischen Verfolger. Auch Kurkows Held mit dem zweiten Herzen hat noch einen steinigen politischen Weg vor sich. Schließlich winkt auch unerwartetes privates Glück. --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Nicht so magisch wie gewohnt, aber sehr interessant      5 von 5 Punkten
Andrej Kurkows Romane erzählen in zauberischer und manchmal geradezu kafkaesker Art und Weise vom Leben der Menschen in der Ukraine vor und nach dem Ende des Kalten Krieges.

Das vorliegende Buch ist auch von seltsamen Zufällen durchsetzt, die geradezu magischen Charakter haben, aber eigentlich stehen die Erlebnisse und Erfahrungen des Ich-Erzählers im Vordergrund, die in der Vergangenheit , der schreiberischen Gegenwart und in der Zukunft spielen. Dieser Ich-Erzähler heißt Sergej Pawlowitsch, geboren in Kiew und Zwillingsbruder eines geistig Behinderten, der den größten Teil der Energie der allein erziehenden Mutter aufzehrt. Und Sergej selbst dümpelt eigentlich zunächst in seinem Leben so vor sich hin.

Durch meist zufällige Kontakte in seinen frühen Jahren in einen Ministerialposten gerutscht, scheint Sergejs Karriere sich ganz selbstständig zu entwickeln, während sein Leben mit den Frauen immer komplizierter wird. Ständig heiratet er aus unterschiedlichen Gründen um sich dann bald wieder scheiden zu lassen, bis er mit Swetlana eine Frau gefunden zu haben scheint, die zu ihm passt. Sie hat eine Verwandte mit den gleichen Problemen wie sein Bruder und als die beiden heiraten, legen auch Sergej und Swetlana ihre Fundamente für eine gemeinsame Familie, die sich aber ganz anders entwickelt, als zunächst erwartet. Und Sergejs emotionaler Flexibilität allerlei abverlangt.

In der Zukunft hat es Sergej zum Präsidenten der Ukraine gebracht und das bringt allerlei po-litische und persönliche Schwierigkeiten mit sich. Auf die Spitze wird dies getrieben, als er nach einem Herzinfarkt ein Spenderherz bekommt und die Ehefrau des Herzspenders sich vertraglich ein Nähe- und Besuchsrecht zubilligen lässt, während Putin außen- und innenpolitischen Druck erzeugt, die Opposition mit stählerner Faust agiert und die katholische und die orthodoxe Kirche versuchen den Ukrainern einen neuen Heiligen durch ein Kartoffelwunder unterzuschieben.

Im stetigen Wechsel entwickeln sich diese Zeiten vor den staunenden Augen der Leserinnen und Lesern, was nicht unbedingt leicht zu lesen ist, aber nach eine kurzen Eingewöhnungszeit ziemlich viel Vergnügen bereitet. Besondere Tiere spielen in diesem Buch zur Abwechslung mal keine größere Rolle, aber trotzdem werden auch schon etabliertere Fans Wiedererkennungsmomente bei der Lektüre haben. Ein Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte.


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Die Informanten - Bret Easton EllisDie Informanten
Bret Easton Ellis

Taschenbuch, Januar 2001
     Verkaufsrang: 86082      Der Artikel ist bald verfügbar. Sichern Sie sich jetzt Ihr Exemplar!

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Auch im Nachfolgebuch zu seinem international erfolgreichen und umstrittenen Roman »American Psycho« bestätigt Ellis einmal mehr seine herausragende Stellung als literarischer Chronist der Gegenwart. In zwölf miteinander verwobenen Geschichten zeichnet der Autor das Bild einer sanften Apokalypse im Los Angeles der 80er Jahre: Braungebrannte Teenagerstudenten kreuzen mit ihren Porsches durch die Straßen zwischen Bel Air und Malibu Beach, immer auf der Suche nach dem ultimativen Kick, der ihrem kreditkartengesicherten Leben etwas Authentizität verleiht. Ob Drogendealer oder höhere Tochter, alle sind sie Konsumexperten – MTV, In- Restaurants, Drogen und Armani – man trifft sich zum Essen, zur Koksline, zum Sex, und man hat sich doch nichts zu sagen. Ihre Eltern stehen ihnen dabei in nichts nach, frustrierte Ehefrauen aus dem Filmbusiness halten sich Liebhaber im Alter ihrer Söhne, ein Vater nötigt seinen Sohn zum Wochenendtrip nach Hawaii, der sich als Fahrt ins blanke Nichts entpuppt. Ein Rockstar auf Welttournee schändet im Drogenrausch Zimmermädchen und Groupies, um dann von seinem Manager zu verlangen, was der Wunsch all dieser saturierten Upper-Class- Figuren zu sein scheint: »Bring mir meine Träume in Ordnung.«

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)

Bret Easton Ellis, André Pilz und Irvine Welsh      5 von 5 Punkten
Die Bücher dieser Autoren MUSS man gelesen haben, sie sind allesamt voller Sex, Gewalt, aber auch Gefühl und Sarkasmus. Und selbst wenn diese Autoren ein wenig schwächeln, übertreffen sie die langweiligen 08/15-Bestsellerautoren um Längen.

Was soll ich noch groß zu "Die Informanten" schreiben. Man liebt Ellis oder man liebt ihn nicht. Die Hasser werden sich nicht überzeugen lassen, die anderen haben schon das Buch.

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Die Fermate - Nicholson BakerDie Fermate
Nicholson Baker

Taschenbuch, Februar 2006
     Verkaufsrang: 56483      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Unser Held Arno Strine verfügt über die phantastische Gabe, mit einem Fingerschnippen die Zeit anhalten zu können. Eine herrliche Chance, Frauen auszuziehen! Doch zugleich ist Arno ein Produkt des Medienzeitalters und ein Mensch, der nichts mehr ersehnt als ein bisschen echte Intimität.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Ein erotisch provokanter Spass      4 von 5 Punkten
Diese Rezension stammt von: Die Fermate. (Taschenbuch)
Mir hat alleine die Vorstellung, mal eben so mit einem Fingerschnipp die Zeit anhalten und sich dann frei bewegen zu können, schon sehr gefallen.

Der Held des Buches nutzt es entweder, um seine Umwelt zu beeindrucken, in dem er zeitraubende Arbeit im Handumdrehen erledigt, oder er geht seinen erotischen Phantasien und Gelüsten hemmungslos nach. Da wird einer Frau ihrer Unterwäsche entledigt oder einer anderen Frau, die im Stau neben ihm steht eine Cassette mit anzüglichen Texten ins Autoradio gesteckt. Dies sind die erotisch vergnüglichen bis teilweise derben "Höhepunkte" dieses Buches. Leider werden diese Versatzstücke teilweise sehr langatmig miteinander vebunden, in einer Sprache und einer Wortwahl, die teilweise doch sehr ermüdet. Ich bin dazu übergegangen, einige Seiten querzulesen.

Wenn man von manchen Längen absieht, ein erotisches Buch mit Pfeffer und Phantasie.


Bessere Verhältnisse - John UpdikeBessere Verhältnisse
John Updike

Taschenbuch, Juli 2004
     Verkaufsrang: 123895      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Harry »Rabbit« Angstrom ist reich. Er hat die Auto-Vertretung seines Schwiegervaters geerbt und ist in den Golfclub eingetreten. Ein Mann mittleren Alters, der es geschafft hat und doch ständig auf der Suche ist: „Eins sehr menschlicher Held insofern, als er ein Bündel von Bedürfnissen und Hoffnungen ist, darin nicht nur mir, sondern vermutlich sehr vielen Menschen ähnlich“ (Updike). Ein großer Roman überdies vom Glanz und Elend der späten siebziger und frühen achtziger Jahre, als der Welt das Benzin auszugehen droht.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Am Ziel      5 von 5 Punkten
Wer träumt nicht davon, es geschafft zu haben? Ausgesorgt. Man kann sich was leisten. Harry Angstrom mag dies gegönnt sein, zumal wenn man die Vorgänger Hasenherz und Unter dem Astronautenmond gelesen hat, in denen Rabbit es sich nicht gerade leicht gemacht hat. Er darf sich nicht mal damit entschuldigen, daß das Schicksal bei ihm erbarmungslos zugeschlagen habe. Er war der Initiator all des Dramas und der Lächerlichkeit. Harry ist kein Opfer. Er ist, wie er ist. Ungeeignet für eine Tragödie. Als Besitzer der Auto-Vertretung seines verstorbenen Schwiegervaters, spielt er nun Golf, leidet unter erotischen Phantasien und steckt in Schuhen, die ihm zwei Nummern zu groß sind. Dabei bietet Updike wie schon in dem Romanen zu vor, nicht nur eine Familienchronik. Er nimmt auch die politischen Verhältnisse der späten Siebziger Jahre unter die Lupe. Sie erscheinen einem wie Harry Angstrom, obwohl im Wohlstand angekommen, nicht ganz ausgereift, spätpubertär, egal wie gesetzt Harry auch wirken mag. Es ist nicht die Geschichte eines Niedergangs, vielmehr eines Stillstands, beschrieben in dem Updike eigenen Ton zwischen Schärfe und Humor, mit viel Nachsicht für all jene, die sich da abstrampeln, weil sie wie der Frosch in der Milch hoffen, irgendwann auf einem Stück Käse zu sitzen.


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Herz der Finsternis: Mit dem 'Kongo-Tagebuch' und dem 'Up-river Book' - Joseph ConradHerz der Finsternis: Mit dem 'Kongo-Tagebuch' und dem 'Up-river Book'
Joseph Conrad

Taschenbuch, Juni 1998
     Verkaufsrang: 103798      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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In den Abenteuerbüchern Joseph Conrads ist der Dschungel still. Im Herz der Finsternis (1899) etwa schlängelt sich der Kongo lautlos durch die "erhabene Stille des Urwalds": Die Geschichte von Kapitän Marlowe, der sich auf die Suche nach dem rätselhaften und grausamen Elfenbeinhändler Kurtz ins dunkle Afrika aufmacht, spielt sich vorwiegend in der "schweigenden Wildnis" ab. Erst als Marlowe Kurtz zum ersten Mal zu Gesicht bekommt, durchbricht ein schriller Schrei die Lautlosigkeit. Zunächst nur "ein Wort" in den Erzählungen der Eingeborenen, stellt sich der dämonische Redner nun "als eine Stimme dar". Und als Kurtz mit dem flüsternden Ausruf "Das Grauen! Das Grauen!" sein Leben schließlich aushaucht, wird die Wahrheit dieser Einschätzung offenbar: "Er war kaum mehr gewesen als eine Stimme".

Im Herz der Finsternis, das von den teuflischen Schattenseiten der europäischen Zivilisation ebenso wie von den düstren Untiefen der menschlichen Seele berichtet, ist auch der Ich-Erzähler Marlowe für seine Zuhörer "nicht mehr gewesen als eine Stimme". Auf der CD-Fassung des Reclam Verlags nun leiht der 57-jährige Schauspieler Christian Brückner, der bereits Robert de Niro und Alain Delon synchronisierte, dem Organ des Kapitäns sein raues Timbre. Er tut dies mit viel Gespür für Conrads Text: Denn während der charismatische Kurtz "ernst, tief, bebend" -- als Störung im Urwaldschweigen eben -- hätte gesprochen werden müssen, ist die von Brückner gegebene Erzählstimme Marlowes ruhig, schlängelnd und tiefgründig wie der Kongostrom.

"Meine Stimme ist es, die nicht zum Schweigen gebracht werden kann", behauptet Marlowe einmal. Nun macht uns die unverwechselbare Stimme Brückners den herrlich gleichförmig mäandrischen "Zauberfluss der Rede" vom Herz der Finsternis anschaulich. Getreu dem auf Kurtz gemünzten Diktum Conrads: "Man spricht nicht mit dem Mann -- man hört ihm zu". 5 CDs, Spieldauer: 303 Minuten. --Thomas Köster

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 19 Bewertungen)

Kino für die Ohren. Ganz große Erzählkunst.      5 von 5 Punkten
Die Geo Hörwelten Auswahl ist an sich schon ein Genuß. Aber mit Joseph Conrads -Herz der Finsternis- wird dem Hörer ein besonderer Leckerbissen angeboten. Ein klassischer Erzähler der alten Schule mit einer überbordenden Geschichte von Leid, Glück, Abenteuer und Forscherdrang. Geschrieben in Worten, die auch heute noch berühren und anfassen. Aber gerade da liegt das Problem bei den klassischen Erzählern wie Conrad, Steinbeck, Sayoran oder Hemingway. Der heutige Leser findet oft nur schwer Zugang zur Sprache der großen Schriftsteller. Sicher sieht das bei einer absoluten Leseratte anders aus, aber nicht jeder verschlingt dutzendweise Bücher; schon gar keine Klassiker. Und genau hier setzen die Geo Hörwelten in genialer Weise an. Die alten Geschichten der großen Meister wollen erzählt werden. Okay, man kann sie auch lesen, aber es sind Erzählungen. Und wenn man einen Christian Brückner gewinnen kann, der die Geschichte in einer Art und Weise präsentiert, dass einem jeder Satz ein Bild in den Kopf zaubert, das sich einem die Nackenhaare aufstellen und man das Geräusch der Stromschnellen hört; was will man dann noch mehr?

Der alte Kapitän Marlowe erzählt seinen Freunden von seiner Reise den Kongo hinauf. Dort sucht und findet er den geheimnisvollen Mister Kurtz, der eine Art Phantom unter den Elfenbeinhändlern zu sein scheint. Gerüchte eilen ihm voraus und der junge Marlowe muss seinen ganzen Mut zusammennehmen, um die gefahrvolle Reise zu meistern...

Eine einfache Geschichte, aber erzählt mit Worten, die die Welt still stehen lassen können. Klar, einfach, phantastisch. Wer den Zugang zur Weltliteratur noch nicht gefunden hat, hier kann er es noch einmal versuchen. Sich einfach zurücklehnen, Christian Brückners Stimme lauschen und sich von Joseph Conrad in das dunkle Afrika zur Wende des 19. Jahrhunderts entführen lassen. Eine Reise mit den Ohren, die sie, das kann ich fast versprechen, nie wieder vergessen werden.


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Elementarteilchen - Michel HouellebecqElementarteilchen
Michel Houellebecq, Uli Wittmann

Taschenbuch, August 2001
     Verkaufsrang: 70817     

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Houellebecq der Skandalautor. Bejubelt, bewispert: 68er-Killer, Aussprecher politisch unkorrekter Unsagbarkeiten. Düsterer Untergangsschreiber aus der naturwissenschaftlichen Ecke (hat als Informatiker gearbeitet). Jetzt also light? Einfach zuhören und schon mitreden können?

Nun, wenn ich die Wahl hätte, zwischen Druck und Hörbuch, würde ich Houellebecq lieber hören als lesen. Das ist kein Kompliment für den Autor: Seine dürre Sprache allein vermag nämlich bei mir kein Interesse zu wecken an den Gestalten des Romans. Es muss etwas hinzukommen: Der akustische Reiz menschlicher Stimmen, eine Atmosphäre oder wie hier Musik, komponiert von Blixa Bargeld (er spricht auch den Hauptpart) und Tilman Schade.

Die Produktion des Westdeutschen Rundfunks zeigt, dass eine gut gemachte Hörfassung tatsächlich ein schwaches Buch zu retten vermag. Obwohl einschränkend gesagt sein soll: Wieder einmal hat sich die Regie -- Leonhard Koppelmann, er hat auch das gute Textbuch geschrieben -- nicht genügend getraut, allen Sprechenden wirkliches Spiel abzuverlangen, zu vieles hört sich abgelesen oder aufgesagt an. Wirklich herausragend ist dafür Lena Stolze als Annabelle.

Houllebecqs zweiter Roman erzählt das elende Leben zweier Halbbrüder zwischen 1958 und 98. Thema ist der Zusammenbruch der Menschlichkeit durch die sexuelle Liberalisierung, für den Autor die seelische Verarmung von Millionen. Am Schluss wird einer der beiden Helden, Biologe von Beruf, von Stimmen aus dem Jahr 2079 gepriesen: Dank seiner Forschungen sei es gelungen, ein neues Wesen zu züchten, die Menschheit aber aussterben zu lassen. Geschlechtslos verläuft nun das Leben auf der Erde!

Fazit: Besser nicht im Bett oder in den Ferien anhören. Stattdessen Empfehlung für schnelle ICE- oder Autofahrten durch trostlose Industrielandschaften. --Michael Winteroll

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 116 Bewertungen)

Ein Geniestreich      5 von 5 Punkten
Dieses Buch ist sehr unterhaltsam, auch wenn es ein sehr gewagtes Thema beinhaltet.
Es macht sehr viel Spaß zu lesen und man gerät schnell in die Fänge der Geschichte.


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Der Scherz. SPIEGEL-Edition Band 26 - Milan KunderaDer Scherz. SPIEGEL-Edition Band 26
Milan Kundera, Susanna Roth

Gebundene Ausgabe, 29. Januar 2007
     Verkaufsrang: 115833     

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Weil die schöne Marketa eine politische Schulung einem Wochenende in trauter Zweisamkeit mit Ludvik vorzieht, schreibt er ihr eine ironische Postkarte, die in falsche Hände gerät und Ludviks Karriere zerstört. Nach Jahren will er die lang ersehnte Rache nehmen und wird erneut bitterlich betrogen - 'Der Scherz' ist ein Roman voller Liebesverwicklungen und Kunderas bewegendstes Buch - eine Lektüre für Leser mit Herz und Verstand.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)

Wunderbare Poesie beschreibt unerträglichen Schmerz      5 von 5 Punkten
Dieses Buch begleitet mich seit meinem 20 Lebensjahr, alle zehn Jahre muß ich es einfach nochmal lesen. Und nie hat es an Aussagekraft und Bedeutung verloren, wenn sich auch alles immer wieder ein wenig verschiebt.

Die Geschichte: in seiner Studentenzeit wurd Ludvik aufgrund eines zynischen Scherzes aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und verliert damit alle Hoffnung auf seine bis dahin so gut beginnende Karriere. Die nächsten Jahre seines Lebens im Arbeitslager und - etwas undefinierbarer die Zeit danach - ist er sehr mit sich selbst beschäftigt, sucht verzweifelt nach Liebe und will sich an den Menschen, die ihm das angetan haben, rächen. Auf diesem Weg verkennt er immer und immer wieder was er für die Menschen, mit denen er zu tun hat, bedeutet und hinterläßt eine Spur der emotionalen Verwüstung. Erst sehr viel später - vielleicht ist er 30, vielleicht 40, das wird nicht klar - wird ihm bewußt, daß es keine Möglichkeit gibt, das Vergangene zu verändern und wiedergutzumachen. Der Leser wünscht Ludvik, daß er ab nun mit innerem Frieden den Rest seines Lebens verbringen darf.

Dabei wird die Geschichte anhand von vier Protagonisten erzählt, die jeder ein einzelnes komplettes Bild im Mosaik abgeben. Am poetischsten und literarisch am schönsten verfaßt empfinde ich die Geschichte von Jaroslaw, welcher der alten mährischen Musik verfallen ist und so viel archaische Weisheit in ihr sieht und der verzweifelt - und zum Schluß leider vergeblich - veruchst, diese Musik in die Moderne zu transportieren.

Der Schmerz, den jeder einzelne Protagonist erlebt, erlebt der Leser hautnah. Mit 20 war es das Leid der von Ihrem Liebsten verstoßenen Helena - das tat so sehr weh. Mit 30 Ludvik selbst, der den Boden unter den Füßen komplett verloren hat. Und nun, mit 40, hat mich besonderes Jaroslaw gepackt, der irgendwo in der Vergangenheit verhaftet bleibt und keinen Bezug zu seinem Sohn aufbauen kann.

Zum Schluß sei gesagt - daß Buch ist wunderschön und sehr tiefsinnig, aber es ist keine schwere Lektüre. Ich kann es jedem empfehlen, der sich mit einem "Kleinod" versehen und sich einem Mix aus Gefühlen, Gedanken und Genießen hingeben möchte.


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Vierzig Rosen - Thomas HürlimannVierzig Rosen
Thomas Hürlimann

Gebundene Ausgabe, August 2006
     Verkaufsrang: 81913      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 19,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Wir kehren mit Thomas Hürlimann zurück zur außergewöhnlichen Familie Katz - bereits bekannt aus der Novelle Fräulein Stark -, begleiten sie vom Zweiten Weltkrieg bis in die Zeit ihres Aufstiegs. Marie Katz, die talentierte Pianistin, liiert sich mit dem aus einfachen Verhältnissen stammenden Max Meier, der sich an die Spitze der Regierung hocharbeiten will. Eine Erfolgsgeschichte, an dem die klug im Hintergrund operierende Frau ihren wesentlichen Anteil hat. Sie verfügt über den notwendigen Stil, er hat den Willen und die Kraft. Vierzig Rosen sind das Symbol ihrer Liebe, einer Liebe, die manch große Belastung auszuhalten hat und für beide zu einer prägenden Lebensreise vom Morgen in den Abend wird.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Ein verwirrender, kirremachender, irremachender Irrsinnsroman      5 von 5 Punkten
Auf den ersten und zweiten Blick ist dieses Buch zugegebenermaßen eher unscheinbar: der Name des Autors nicht gerade glamourös, der Titel ziemlich nichtssagend; der Klappentext klingt nach einer Mischung aus Heftchenroman und Historienschinken (die talentierte jüdische Pianistin, die einen aufstrebenden Politiker heiratet, dieser natürlich aus einfachen Verhältnissen).
Und dann dieses Buch! Der Autor lässt raffiniert Vergangenheit und Gegenwart ineinanderfließen, die Personen sind so realistisch und menschlich dargestellt, mit so vielen Einzelheiten und Macken, dass man sich gar nicht vorstellen kann, sie seien erfunden.
Mit der sachlichen und zurückhaltenden Sprache wirkt es auch teilweise fast wie eine Biografie. Handlung und Charaktere stehen im Vordergrund, und das haben sie definitiv verdient.
Besonders gut gelungen ist die Schilderung des Lebens während dem Dritten Reich. Hier wird konsequent die unbeschwert-unwissende Sicht der zu dieser Zeit 13jährigen Marie Katz beibehalten, die nicht versteht und nicht mitkriegt, was in der Welt vor sich geht, und sich deswegen von Anfeindungen nicht groß beeindrucken lässt.
"Vierzig Rosen" ist, kurz gesagt, das wirkliche Leben - nur besser geschrieben.


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Unterwelt - Don DeLilloUnterwelt
Don DeLillo

Gebundene Ausgabe, September 1998
     Verkaufsrang: 51563      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 25,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Während Eisenstein die Kräfte des Totalitarismus und des Stalinismus auf die Gesichter der russischen Völker dokumentierte, bietet DeLillo ein atemberaubendes, zuweilen überwältigendes Dokument der geeinten Gewalt des Kalten Krieges und der amerikanischen Kultur. Er verabschiedet sich dabei von der Sachlichkeit, indem er die Ereignisse und die Menschen wunderbar und zugleich schrecklich findet. Unterwelt beginnt mit einem sehr gefälligen Vorwort, das einem den Atem verschlägt -- der Schauplatz ist das Baseball-Meisterschaftsendspiel zwischen den Giants und den Dodgers im Jahre 1951. Geschrieben in einem Stil, den DeLillo "Super-Allwissenheit" nennt, nehmen die Sätze ihren Lauf, als der junge Cotter Martin die Sperre zur Pressetribüne überspringt, über die Radiowellen aufsteigt, hinaus auf das Spielfeld läuft, auf das Mal zuschlittert, um einen schnellen Ball abzufangen, in die Tribüne springt, in der J. Edgar Hoover zusammen mit einem betrunkenen Jackie Gleason und einem unwirschen Frank Sinatra sitzt, und dort von der zweiten Zündung einer Atombombe durch die Sowjetunion erfährt. Es ist ein völlig überwältigender literarischer Augenblick. In dem Moment, da Bobby Thomson den von Branca geworfenen Ball in Cotters ausgestreckte Hand schlägt -- der "Schuß, der in der ganzen Welt wahrgenommen wurde" -- und sich Jackie Gleason auf Sinatras Schuhe erbricht, werden die Ereignisse der nächsten Jahrzehnte in Gang gesetzt, alle miteinander verbunden durch den Baseball, der immer wieder den Besitzer wechselt.

"Es fällt alles unauslöschlich in die Vergangenheit," schreibt DeLillo -- eine Vergangenheit, die er scharfsinnig, sorgfältig und in reizender Weise zurückruft und rekonstruiert. Ein plötzlicher Sprung vom Giants-Stadion in die Wüste von Nevada 1992 -- Nick Shay, der mittlerweile den Baseball besitzt, kommt wieder mit der Künstlerin Kara Sax zusammen. Sie hatten 40 Jahre zuvor eine kurze und wenig erfolgversprechende Liebesbeziehung, und es sind in erster Linie die Ereignisse, die Nebenwirkungen und die zufälligen Begegnungen ihrer Vergangenheit, durch die DeLillo das Erlebnis des Kalten Krieges filtert. Er glaubt, daß "globale Ereignisse die Art und Weise, wie wir leben, bis in die kleinsten Details verändern können", und als das Buch zurück ins Jahre 1951 schreitet, können wir im Laufe der folgenden etwa 800 Seiten genau sehen, wie diese Ereignisse unser Leben verändern. Dieser sich rückwärts bewegende Erzählstil erlaubt es dem Autor, den Abfall der Geschichte und der Popkultur beiseite zu räumen, bis die reinen Elemente der Geschichte übrigbleiben: die Bombe, Baseball und die Bronx. Im Nachwort, das genauso atemberaubend und überwältigend ist wie das Vorwort, spult DeLillo in eine nahe Zukunft vor, in der schonungsloser Kapitalismus, das Internet und ein neuer unterdrückter Glauben die Mischung aus Schrecken und Euphorie des Kalten Krieges ersetzt haben.

Mit Bruchstücken und miteinander verflochtenen Geschichten -- darunter Geschichten von Straßenkillern, Künstlern, Prominenten, Gangstern, Nonnen und diversen anderen -- schafft DeLillo ein zerbrechliches Netz von miteinander verwobenen Erfahrungen, einen kommunalen Zeitgeist, der -- wunderbar herausgearbeitet -- die ganzen unschönen fünf Jahrzehnte amerikanischen Lebens umfaßt.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 19 Bewertungen)

Das Ganze im Blick      5 von 5 Punkten
DeLillo bleibt sich auch in diesem Roman treu und beweist einmal mehr, dass er zu den führenden Kritikern seiner Zeit gehört, die ihre Skepsis in Geschichten verpacken. Unterwelt ist sicher sein Hauptwerk. In ihm erstellt er einen Flickenteppich aus Geschichten, Begegnungen, tatsächlicher, wie erfundener Vorfälle, die die Zukunft beeinflussten, wie die Sicht auf der Vergangenheit veränderten. Mit gewohnter Leichtigkeit schafft DeLillo es auf den ersten Seiten die Verbindung zwischen dem ureigenen amerikanischen Sport Baseball zur ersten russischen Atombombe, verschränkt er später die Leben eines Managers für Müllentsorgung mit dem einer Konzeptkünstlerin und findet in ihnen die Aushängeschilder unserer Zeit. Das Leben unterwirft sich Konzepten und hinterläßt eine Menge Müll. Sei es politischer, sei es privater Natur. DeLillo liebt den Bruch, den facettenhaften Einschnitt, Geschichten tauchen wie Schnipsel eines Ganzen auf, beginnen und enden abrupt. So reicht die Palette vom Sport über den Kalten Krieg, Kunst und Rockmusik bis hin zum Internet. Seit den 50er Jahren sind die Zeiten schneller geworden, und Don DeLillo findet die Sprache dazu. Worte, die keine verklärte Heimat mehr bieten, die vor und zurück drängen, die von einem Leser erwarten, dass er Unterhaltung als etwas versteht, für das er sich Zeit nimmt.


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Finger weg - David LodgeFinger weg
David Lodge, Renate Orth-Guttmann

Taschenbuch, August 2003
     Verkaufsrang: 189854      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Perfekt fluffig      5 von 5 Punkten
So köstlich habe ich mich schon lange nicht mehr amüsiert. David Lodge schreibt so schön fluffig und ironisch, die Story ist spannend, die Charaktere sind wahnsinnig scharf und gut skizziert. Bestes Buch seit langem. Muss unbedingt mehr von Lodge haben!!!


Niemand der mit mir geht. SZ-Bibliothek Band 60 - Nadine GordimerNiemand der mit mir geht. SZ-Bibliothek Band 60
Nadine Gordimer

Gebundene Ausgabe, 23. Juni 2007
     Verkaufsrang: 48598      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 5,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Nadine Gordimers Roman spielt in Südafrika nach Aufhebung der Apartheid. Vera Stark, die Hauptgestalt, engagiert sich als Juristin immer mehr beim Aufbau des neuen Staatswesens. Diese Arbeit für das Allgemeinwohl bringt ihr innere Befriedigung, stärkt ihr Selbstbewußtsein, führt aber gleichzeitig in die Einsamkeit.Nadine Gordimer, 1923 in Transvaal geboren, beschäftigt sich in ihren Erzählungen mit dem Leben in Südafrika unter den Bedingungen der Apartheidpolitik. Bekannt wurde sie durch Romane wieFremdling unter Fremden, Der Ehrengast, Burgers Tochter, Julys Leute. Im Jahre 1991 erhielt Nadine Gordimer den Nobelpreis für Literatur.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

"Letztlich bewegt sich jeder auf sich selbst zu"      5 von 5 Punkten
Bald nach der an anderer Stelle beschriebenen Enttäuschung des Romans "Berittener Bogenschütze" von Brigitte Kronauer nahm ich mir den nächsten Band einer Schriftstellerin, erschienen in der zweiten SZ-Reihe, zur Hand und wurde reichlich belohnt. Selten las ich Passagen so gebannt wie in "Niemand, der mit mir geht" von der Literaturnobelpreisträgerin Nadine Gordimer.

Die Hauptfigur Vera Stark erscheint in der Erzählung, die auf zwei Zeitebenen spielt, als junge Frau in den Zwanzigern oder Dreißigern und als gereifte Gestalt des öffentlichen Lebens am Ende der Apartheid in den frühen neunziger Jahren. Vera Stark muss starke autobiographische Züge von Nadine Gordimer aufweisen, davon bin ich überzeugt. Die Handlung beschreibt den Einsatz einer weißen, gut situierten Frau gegen die Gesetze der Rassentrennung in Südafrika. Der aus meiner Sicht interessantere Strang beschäftigt sich mit den Gedanken einer sich immer mehr isolierenden Frau, die im Laufe der Jahre sich von ihrem (zweiten) Ehemann, sowie von ihren beiden Kindern entfernt, zum einen einem erfolgreichen, in London lebenden Banker und zum anderen einer etliche Jahre jüngeren Tochter, die ihre Eltern mit der Liebe zu einer Frau überrascht und an die Grenze der gegenseitigen Sprachlosigkeit bringt.

Vera Starks persönliche Beziehungen in ihrer Familie verhalten sich reziprok zu ihrem Engagement für die Landverteilung in Südafrika. Ihre selbst gewählte Isolation gipfelt für mich in dem Satz: "Letztlich bewegt sich jeder auf sich selbst zu". Am Ende bleibt eine einsame Frau zurück, die man dafür jedoch nicht bedauern muss, denn die Einsamkeit ist der Zustand, den sie als den passenden für sich gewählt hat.

Ob die Vergabe des Nobelpreises im Jahre 1991 an Gordimer ihrem Werk oder mehr der politischen Lage und ihres persönlichen Einsatzes gegen den Zustand der Apartheid geschuldet war, vermag ich nicht zu sagen. Mit "Niemand, der mit mir geht" bestätigt sie aus meiner Sicht jedoch die Richtigkeit der Auszeichnung.

etwas enttäuschend, trotzdem nicht schlecht      4 von 5 Punkten
"Niemand, der mit mir geht" von Nadine Gordimer ist die Geschichte von Vera Stark, einer weißen Anwältin, die bereits auf die siebzig zugeht. Ort der Handlung ist natürlich Südafrika, Heimat auch der Autorin. Die Handlung selbst ist eng verwoben mit den historischen Ereignissen in Südafrika, doch irgendwie bleibt alles etwas distanziert - es ist kein Roman, der uns mitten in die Ereignisse versetzt. Auch die Charaktere werden uns nicht sehr nahe gebracht. Es ist trotzdem ein beeindruckendes Werk, welches uns nachdenken lässt, doch bei weitem nicht Gordimers bestes. Interessant ist, wie Veras Beziehungen zu ihren Mitmenschen, schwarz oder weiß, beschrieben werden, zu ihrem Ehemann, ihrem Ex-Mann, ihren Kindern, den MitarbeiterInnen etc., und wie sie trotz allen einsam bleibt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)


Glücklicher war ich nie - John UpdikeGlücklicher war ich nie
John Updike

Taschenbuch, Juni 2006
     Verkaufsrang: 47210      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Schon mit 32 Jahren hat Updike seine erzählerische Meisterschaft bewiesen: 1964 erschienen seine Erzählungen über die Bewohner des ländlichen Olinger, das nicht mehr von der literarischen Landkarte wegzudenken ist. Aber auch andere Geschichten aus den Jahren 1953 bis 1964 sind hier vertreten; einige zum ersten Mal auf Deutsch. • Updike und sein einzigartiger Blick auf die Welt: ein Muss, nicht nur für Fans.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Das Streben nach Glück ist immer nur Streben      5 von 5 Punkten
Aber wann war Glück je der Gegenstand des Erzählens? Das Streben danach ist immer nur dies - ein Streben. Schreibt John Updike in einer bemerkenswerten Einführung zu diesen Erzählungen. Schon alleine wegen dieser ist das Buch empfehlenswert. In diesem Band sind Short-Stories aus der Anfangszeit einer großen Schriftstellerkarriere über einem Zeitraum von 1953 bis 1975 versammelt. Updike: Der Stand der Technik, der sich in diesen Geschichten spiegelt, ist der einer Zeit, als Automatikgetriebe eine Neuheit der Autoindustrie waren und Abtritte im Hinterhof in ländlichen Gegenden normal; sie enden kurz vor der Ankunft der PCs und der allgegenwärtigen Mobiltelefone.

Nachdem mich sein letzter Roman "Landleben" besonders wegen seiner ewigen, freudlosen sexuellen Beschreibungen gelangweilt hat - da nützt auch Erzählkunst auf höchstem Niveau nichts - habe ich mit großem Vergnügen diese Kurzgeschichten gelesen. Mit besonderen Worten, Sätzen, beschreibt Updike die Wünsche, Ängste, Hoffnungen, Enttäuschungen und die eher seltenen Glücksmomente seiner jungen Protagonisten, in denen sich wohl auch immer ein wenig von ihm finden lässt. In diesen jungen Menschen ist das Leben als funkelndes Versprechen spürbar. Dass es im Laufe der Zeit verblassen wird, können sie sich auch in schwierigen Zeiten nicht wirklich vorstellen. Ihre rührende Jugend schützt sie. Da gibt es Sätze, die wie Kostbarkeiten aus den Seiten ragen. Sätze wie "Eine Scheune ist bei Tag eine kleine Nacht" und das Wort "Lichtsplitter" in der Story "Taubenfedern", in dem der kleine David nirgendwo Halt in seiner Angst vor dem Tod findet. Bis er in der Betrachtung der mannigfaltigen Zeichnung von Taubengefieder zu der Erkenntnis gelangt, dass es Gott geben muss und er damit vor dem ewigen Nichts gerettet ist. Wer sonst als Gott hätte sich damit so viel Mühe gegeben? Oder die Geschichte des jungen Mannes, der bei einem Wettbewerb verliert und zum ersten Mal erfährt, "was es bedeutet, eine Demütigung im Körper einer Frau zu begraben".
Es sind wunderbare Geschichten, mit Redewendungen, die zu Herzen gehen und einen ganzen Kosmos erschließen können. Ich bin froh, dass diese Sammlung seiner Geschichten erschienen ist. Nicht deshalb, weil ich sie loben kann. Das Loben von Updike ist keine Kunst. Alle machen das, sogar die professionellen Kritiker sind sich meist einig, dass er zu den ganz großen, bedeutenden zeitgenössischen amerikanischen Schriftstellern zählt, vielleicht sogar DER größte ist. Das ist mir egal. Ich freue mich, weil mir dieses Buch wieder einmal ganz deutlich zeigt, warum ich seine Bücher so sehr mag.

Helga Kurz

P.S. Meine Ausgabe hat ein anderes Titelbild und variiert auch im Untertitel: Frühe Erzählungen 1. Es dürfte sich aber genau um dieses Buch handeln. Die 1 weckt Hoffnung auf Fortsetzung!


Im Kongo - Urs WidmerIm Kongo
Urs Widmer

Taschenbuch, April 1998
     Verkaufsrang: 138721     

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Der Altenpfleger Kuno erhält einen neuen Gast: seinen Vater. In der Abgeschiedenheit des Altersheims kommen sie endlich zum Erzählen. Kuno glaubte immer, sein Vater sei ein Langweiler, ohne Schicksal und ohne Geschichte - bis er mit einemmal merkt, daß dieser im Zweiten Weltkrieg einst Kopf und Kragen riskiert hat. Sein greiser Vater hat ein Schicksal, und was für eins! Diese Erkenntnis verändert Kunos Leben. Eine Reise in die eigenen Abgründe beginnt, in deren Verlauf es ihn bis in den tiefsten Kongo verschlägt. Sehnsüchte werden wach und Träume wahr: Jene lockende Ferne, die einst als Herz der Finsternis galt, wird zum abenteuerlichen Schauplatz von Wahnwitz, Wildheit und innerer Bewährung.

Urs Widmer beschreibt in seinem neuen Roman die abenteuerliche Suche des Schweizers Kuno nach sich selbst, eine Reise, die bis in den Kongo führt.
Im Kongo ist ein ebenso phantastisches wie realitätsstrotzendes Märchen: von Männern, von Mördern, von Macht, von Magie. Und von Frauen.
»Ein Ur-, ein Traum-, ein Seelen-Kongo ist das, eine Metapher für das nicht faßbare Tosen unnennbarer Gefühle, ein Land, in dem blutgeile Walddämonen,...


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)

...auf die Spur Joseph Conrads      5 von 5 Punkten
Der Altenpfleger Kuno erhält einen neuen Gast: seinen Vater. Kuno glaubte immer, sein Vater wäre ein Langweiler, ohne Schicksal und Geschichte - bis er mit einemmal merkt, daß dieser im II. Weltkrieg einst Kopf und Kragen riskiert hat. Sein greiser Vater hat ein Schicksal, und was für eins! Diese Erkenntnis verändert Kunos Leben. Eine Reise in die eigenen Abgründe beginnt, in deren Verlauf es ihn in den tiefsten Kongo verschlägt oder besser auf die Spur Joseph Conrads
Die Mischung aus biederer Altersheimszene, Schilderungen aus der Jugendzeit und brutaler Erlebniswelt im Kongo ist überaus faszinierend. Handwerklich ist der Roman sicher anspruchsvoll und gut gelungen. Die Lektüre lohnt!


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Ohne einander: Roman - Martin WalserOhne einander: Roman
Martin Walser

Broschiert, Februar 2007
     Verkaufsrang: 88327      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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Ellen, die Mutter und Redakteurin, Silvio, der Vater und Schriftsteller, die beiden Kinder - eine deutsche Familie wird von Turbulenzen zersprengt. Der rasante Roman beschreibt ihre Tragödie und zugleich die einer ganzen Gesellschaft.

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Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 9 Bewertungen)

Zusammen ist man nicht selten sehr allein      4 von 5 Punkten
Die nicht enden wollende Gier nach Sex, Anerkennung, Ruhm, Unsterblichkeit, Schönheit, Jugend und, und, und.....lässt die Menschen am Ende mit leeren Händen zurück.

Ein privilegiertes, "modernes" Ehepaar mit Toleranz bis zum Kotzen; er erfolgreicher, selbstverliebter Schriftsteller, sie elitäre Redakteurin am Verwelken, zwei Kinder, ein Junge, erwachsen, ein Mädchen, fast erwachsen, im Millionärsparadies am Starnberger See. Alle verfolgen rücksichtslos ihre Ziele. Die Kinder missbilligen das Treiben der Eltern, haben aber gut von ihnen gelernt. Reichtum, Intellektualität und eine nach außen hin perfekte Familienfassade im idyllisch gelegenen Domizil am See können jedoch nicht vor Einsamkeit, Verlorenheit und tief sitzenden Versagensängsten schützen.

Der Schriftsteller Martin Walser hat mit leichter Hand ein schwergewichtiges Buch geschrieben, das beim Lesen amüsiert und unterhält. Man ist auch anderes von ihm gewohnt.

Bleibt ihm zu wünschen, dass die Starnberger Verhältnisse nicht auf den Bodensee übergeschwappt sind.


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