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Seite 25

Paradies - A. L. KennedyParadies
A. L. Kennedy

Gebundene Ausgabe, August 2005
     Verkaufsrang: 47444      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 22,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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„Irgendwo in meinem Herzen wusste ich, dass noch schlimmer genau das war, was ich verdiente.“ Hannah Luckrafts Leben, knapp 40 Jahre alt, dümpelt in ,beunruhigender Schieflage'. Je aussichtsloser die Situation für die Alkoholikerin, desto tiefer wird ihre Sehnsucht nach dem Paradies -- ein Roman der Spitzenklasse!

„Und das ist die Lektion des Lebens: Was voll ist, wird geleert werden.“ Hannah erwacht in einem Hotel, keine Ahnung und Erinnerung vom Wo, Wann oder Woher. Es passiert nicht viel in dem Roman, statt dessen lotet die Ich-Erzählerin ihre Seele aus: da gibt es tiefe Abstecher in die Kindheit und die Wehmut über das Ende eines behüteten Daseins, da ist die berufliche Aussichtslosigkeit, die Trauer, ständig aus den ,Kurven des Jetzt getragen zu werden' und die große innere Leere und Einsamkeit nach so vielen schrägen Typen. Doch dann lernt Hannah Robert kennen.

Ungemein eindrucksvoll lässt A.L.Kennedy ihre Protagonistin ein trostloses und perspektivloses Leben schildern. Die Ehrlichkeit und Offenheit mit der dies geschieht imponiert zutiefst, die bedrückende Chancenlosigkeit berührt. Langsam, ohne große Handlung gerät der Leser mit in den Sog von "lebhaften 40 Prozent Vollkommenheit“, folgt Hannah auf ihrem Weg der Selbstzerstörung. „Wie es passiert ist immer eine lange Geschichte.“

A.L. Kennedy schreibt gnadenlos, das ist nicht der erste Roman, der ihre ausgefallene, kompromisslose und unkonventionelle Art dokumentiert. Mal krass, erbarmungslos, fast grob, dann wieder einfühlsam, zärtlich. Wunderbar sarkastisch zeichnet sie diese Hannah, witzig und brillant und pointiert denkend, dann wieder melancholisch und in depressive Aussichtslosigkeit verfallend. Genial erfasst die bizarren Stationen eines Alkoholikers, Rausch, Visionen, Alpträume, Filmrisse, diese unendliche Hilflosigkeit aller, die Hannah kennen und lieben „...direkt vor ihm steht dieses glatte, große, eiskalte, herrlich sexy Scheissglas Bier.“

Die sprachlichen und stilistischen Schattierungen des Romans sind ebenso vielschichtig wie die Phasen eines Trinkers. Das unerschöpflich scheinende Vokabular, die fast ergreifenden Schilderungen der Etappen zwischen Entzug und voller Dröhnung, Darstellungen bis hin zur Lautmalerei im Rausch machen den Roman zu einem ausgesprochen klugen und fesselnden, sinnlichen, aber auch bedrückenden Lesestoff. „Geh, hol die Flasche. Und mein Glas.“--Barbara Wegmann

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Ein wunderbares Buch einer wahren "Seelenchirurgin"      5 von 5 Punkten
Hannah Luckraft, die Heldin des Romans ist Alkoholikerin, 36 Jahre alt und trinkt seit Schulmädchenzeiten. Sie ist besonders sensibel, intelligent und hat irgendwann einmal begriffen, dass diese Welt ein Irrsinn ist den, man ohne Alkohol eigentlich gar nicht ertragen kann. Sie kommt aus keiner „Katastrophenfamilie“, hat ganz liebevolle Eltern, die sich mögen und die auch ihre Kinder lieben. Hannah trinkt eigentlich gegen diese Eltern und vor allem gegen die Mutter, die im Leben alles richtig macht. Sie ist gütig, doch die einzige Form von Liebe, die diesen Namen eigentlich verdient, ist die Sorge, die mütterliche Sorge. Hannah trinkt sich „das Hirn weich“, trinkt sich um den Verstand, sagt, ich habe ein goldenes Herz und wirft bei diesem Ausspruch eine Rollstuhlfahrerin aus dem Stuhl. Da spielt so ein „Güte-Grausamkeitsmoment“ hinein, denn sie sagt sich, das wird so wie so passieren, also lasse ich es passieren.

Es sind die berufliche Ausweglosigkeit, die Wehmut über das Ende einer behüteten Kindheit, die Sehnsucht nach Freunden und Familie, schließlich die Sehnsucht nach dem Paradies. Das Hauptthema ist, wie kann ich existieren, ohne das ich mich betrinke, oder sonst einer anderen Sucht erliege? Man braucht ja einen Freund in dieser kalten Welt, an dem man sich wärmen kann. Und für Hannah ist eben der beste und verlässlichste Freund der Alkohol. Ihr Zustand ist dauerhaft und unheilbar. Der Rausch ist, wie Liebe, ein ästhetischer Zustand, ein Berauschungszustand. Und dann ist da auch immer wieder die Rede vom Tod. Die Protagonistin sagt einmal explizit:“ Trunkenheit ist die Gnade eines vorübergehenden Todes“. So beschert ihr der Alkoholismus ständig diesen kleinen Tod. Sie weiß ja genau, dass wenn sie trinkt, sie sich auch dem Tode näher trinkt, dem wirklichen Tod, nicht nur diesem kleinen Tod.

Die Ehrlichkeit und Offenheit mit der Hannah ihr trostloses Leben schildert ist grandios. „Was voll ist, wird geleert“, das klingt zunächst wie ein banaler Trinkerspruch, doch die Autorin macht klar, dieser Satz ist ein Spiegel des Lebens. es ist nicht nur ein Buch über Alkoholismus, sondern auch eines über unsere Existenz. Und A.L. Kennedy beschreibt dies mit einem Gestus, der nicht herablassend diskreditiert, sondern der Hannah als beseeltes, interessantes, bedrückendes, zärtliches, einfühlsames Individuum darstellt, dabei auch eine „Erkenntnisrelation“ zulässt,nämlich dass jemand da ist der sagt, ich erkenne dich und ich weiß noch was du willst.

So lernt Hannah schließlich einen trinkenden Zahnarzt kennen, Robert, von dem man nicht weiß, ob er nun ihr Verderben oder ihr Retter sein kann. Oder ist es nur wieder eine neue Sucht, eine Liebessehnsucht? Sie kommen zusammen, verpassen sich dann aber immer wieder. Dieses Zusammenkommen ist ja nichts Finales, es ist keine wirkliche Liebesgeschichte, auch wenn Hannah die These vertritt, wenn ich mit diesem Mann leben will, dann muss ich auch mit ihm gemeinsam sterben und untergehen. Das alles ist verstörend schön geschrieben, wobei die Autorin, wie eine „Seelenchirurgin“ mit einer scharfen, einem Skalpell ähnlichen Sprache, nicht nur über den Alkohol sondern auch über die Lebenszumutungen schreibt. Und in gleicher Form schreibt sie nicht nur über den Rausch, sondern auch über diese Phasen der Trockenheit, die Passagen über die Nüchternheit, über die absolute Verzweiflung, die sie dann auf ihrem Weg der Selbstzerstörung überfällt, wenn sie nichts anzufangen weiß und dieser für sie beschissenen Welt hilflos ausgeliefert ist.

Es ist ein gewaltiges Buch, abstrakt geschrieben, unglaublich gut recherchiert, sehr intelligent, ergreifend, so glitzernd und zärtlich, gewalttätig und sanft zugleich. Trotz aller Verzweiflung, Delirien, Grausamkeiten und Unappetitlichkeiten ist es wegen der wunderbaren Sprache kein deprimierendes Buch. Und zum Schluss gibt es dann auch in einem grausamen Delirium gewalttätige Szenen, die unter die Haut gehen und wobei man aufpassen muss, sich festhalten muss, dass man nicht wie die Figur selber auch in den Abgrund abstürzt.

Es ist ein ausgesprochen obsessives Buch, eine epische Prosa, unerschöpflich in der Vielfalt der Sprachmöglichkeiten mit einer maximal differenzierten „Benutzeroberfläche“. Beeindruckend auch, wie die Autorin über die Sprache den Zustand der Sucht und die Berauschung zu duplizieren versteht, wie sie die Sprachregression im Vollrausch simuliert.

Einer der schönsten Sätze im Buch, der mir ganz besonders unter die Haut ging, als Hannah über ihren Bruder sagte, „ Ich sah in seinen Augen, dass ich weinte, also weinte ich wohl.“

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Das Provisorium - Wolfgang HilbigDas Provisorium
Wolfgang Hilbig

Taschenbuch, Oktober 2001
     Verkaufsrang: 57962      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 6 Bewertungen)

Der Fall C.      5 von 5 Punkten
"Das Provisorium" ist ein fesselndes, klaustrophobisch-neurotisches Buch, das die psychische Verlorenheit des Schriftstellers C. verfolgt, begleitet und führt.
Der (ostdeutsche) Schriftsteller C. zerbricht am System und zugleich am plötzlichen Fehlen des Systems, seiner dadurch resultierenden Schreibhemmung, seiner scheinbaren Unfähigkeit zu lieben und vor allem, an seiner albtraumhaften Lösungsvariante: Alkohol.
Wolfgang Hilbig schreibt eine wunderbare, leuchtend kraftvolle Prosa, die in Kombination mit seinem perfekten Formempfinden in der deutschsprachigen Literatur ihresgleichen sucht.

Der Wind wehte ihm aus dem Westen entgegen      3 von 5 Punkten
Der autobiografische Roman von Wolfgang Hilbig, über die abgrundtiefe, ohne moralischen Halt, ständigen Schwankungen unterworfene Verlorenheit des Schriftstellers C. auf seinen Reisen zwischen Ost- und Westdeutschland, kann durchaus als großartiger Wenderoman beschrieben werden. Der beispiellose Außenseiter der DDR Literatur kann mit diesem Roman begeistern.

Die Hauptfigur, der Schriftsteller C. aus Leipzig, erhält 1985 ein Visum für den Westen. Er verlässt die DDR, fährt in die Bundesrepublik, verliebt sich in eine Westdeutsche. Doch schon bald zerstören die gegensätzlichen Lebenserfahrungen das zarte Pflänzchen Liebe. Sein einjähriges Dienstvisum läuft ab und obwohl es ihn an keinem Ort hält, er überall eine Atmosphäre der Bedrohung empfindet, lässt er den Termin der Rückreise verstreichen. C. verliert allmählich den Boden unter den Füßen, wird von persönlichen Krisen geschüttelt, pendelt zwischen Bahnhöfen und Einkaufszentren hin und her, sieht sich der kapitalistischen Welt unverstanden ausgeliefert , doch der kommunistische Osten ist für ihn jetzt unerreichbar. Er zerbricht, gerät von einem Alkoholexzess in den nächsten. Schließlich empfindet er das ganze als "Provisorium", gerät in eine Lage in der sich viele DDR Bürger nach der Wende befunden haben. Auch wenn sie sich ständig nach dem Westen gesehnt haben, merken sie wie schwer ihnen die Anpassung an die West-Psyche" fällt, wie langsam sie unter den veränderten Bedingungen Fuß fassen, unter der Prämisse, dass das alte vertraute Leben für immer verschwunden ist.
Die tiefe historische Verunsicherung endet schließlich darin, dass C. zu der Einsicht kommt, ein Realitäts-Entzug ist fraglos unmöglich.
Der Roman brilliert durch die Sprachmächtigkeit, die Sprachkraft, die Hilbig ausgezeichnet hat. Hilbig hat es geschafft, die selbstzerstörerischen Kräfte in ihm, in eine ästhetische Form zu bringen.


Das Provisorium ý gesamtdeutscher Liebesroman?      4 von 5 Punkten
Wolfgang Hilbigs Stil hat sich verändert, ist einfacher, weniger verschlüsselt geworden. Der Inhalt seines dritten Romans ist aber umso schockierender und berichtet zum ersten Mal in Er-Erzählform von dem Höllengang einer labilen Identität. Die Rahmenkonstruktion - am Anfang Glanz der Konsumgesellschaft, am Ende die Welt der außergesellschaftlichen Elemente, der Penner und abgerutschter Alkoholiker - hebt die Diskrepanz des Westens hervor. Das Erstere für Individuen geschaffen, das Letztere für Kollektiven, der einsame C., der sogar seine Vorbestimmtheit aus einer anderen Welt mitbringt, beneidet die Geborgenheit der sich aneinanderschmiegenden Obdachlosen. Schauplatz zum größten Teil die BRD, wo sich der Protagonist, der, wie sein Autor selbst, mit einem Visum die DDR verlassen und nach Westdeutschland übersiedeln darf, nicht zurechtfinden kann.
Weder Ost noch West. Das spiegelt sich auch in seinen Partnerbeziehungen wider: die Leipziger Freundin kann er nicht verlassen, die westdeutsche, in die er sehr verliebt ist, kann er nicht halten.
Für den Schwebezustand in jedem Sinne findet er nur einen einzigen Ausweg, der zu Alkoholexzesse und notwenigerweise in den Abgrund führt.
Der Ost-West-Vergleich fällt also nicht weg, aber der Roman ist mehr als die Schilderung der schwierigen Eingliederung der Ostdeutschen, da die wirklichen Gründe für das Scheitern im Protagonisten selbst liegen.

Leider nachgelassen      3 von 5 Punkten
Ein Ost-Schriftsteller in der Westdeutschen Diaspora - das Thema selbst ist interessant, das Buch leider nur teilweise. Lesenswert und überzeugend sind die sehr persönlichen Passagen, die vom Werdegang des Protagonisten, seinen Ansichten zu Ost und West und seinem Abgleiten in den Suff handeln.
Gleichfalls interessant sind die Konflikte zwischen privilegierten Schriftstellern mit und denen ohne Ausreisevisum.
Die wortgewaltigen Angriffe auf den westdeutschen Konsumterror wirken dagegen abgedroschen und unecht - als wollte der Autor den Roman durch einen Schuß Populismus aufpeppen.
Gegenüber Hilbigs letzten Roman "Ich" ist das "Provisorium" ein großer Rückschritt. Schade eigentlich.

Plattheiten bis zum Abwinken      1 von 5 Punkten
Das Buch taugt nix! Nicht nur, dass wir zu Zeugen einer endlos langweiligen Selbstzerfleischung eines beudeutugslosen Zeitgenossen werden. Nein, der Autor selbst traut seinen Lesern nichts zu und hängt an seine billigen Bezüge zum Bildungskanon die Deutungen gleich mit dran. Neun Sonnenstrahlen unter dem Dach des Leipziger Bahnhofs sind "symbolisch" zu verstehen (NEUN!!!), verordnet uns der Autor und die Konsumentennummer in einer seiner Antikapitalismustiraden, die nebenbei der Gipfel des Flachen sind, ist die Nummer eines bekannten Opfers des Nationalsozialismus. Damit der Leser das auch schön kapiert, wird es in Klammern ergänzt. Den Witz mit Schickelgrubes Autobahnen findet Hilbig wohl so brilliant, dass er ihn gleich dreimal macht. Der Gipfel des einfalls- und geschmacklosen ist aber die Geilheit des Protagonisten. Einen Bezug zum Autoren läßt die strukuralistische Germanistik glücklicherweise nicht mehr zu. Hier salviert sie Herrn Hilbig! Wie er dazu kommt, das Loch (!) einer Frau als etwas zu beschreiben, dass es zu stopfen gilt, ist mir schleierhaft. Es ist eine Bankrotterklärung vor der Deutschen Sprache. Aber das ist er das Kind seiner Zeit. Ich rate vom Kauf dieses Buches ab. Das Geld sollten wir dem Autoren lieber spenden. Die Volkshochschule bietet Stilkurse an... (Warum müssen Regentropfen immer durch das Licht der Laternen "pfeilen"??).


 Weitere Lesermeinungen


Landnahme - Christoph HeinLandnahme
Christoph Hein

Taschenbuch, Februar 2008
     Verkaufsrang: 163026      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 10,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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"Er war einer von uns, auch wenn er nur ein Vertriebener war." Bevor sein bester Freund das über ihn sagen kann, muss Bernhard Haber mit vielen Anfeindungen fertig werden und bei seiner Landnahme den schmalen Grat zwischen Anpassung und Aufbegehren ertasten.

Auf Bernhard, vertrieben aus Wroclaw, "aber geboren in Breslau", und seine Eltern hat in dem sächsischen Städtchen Guldenberg niemand gewartet. Denn sie kommen "aus einem Deutschland, das nicht unser Deutschland war", sind ein lebendes Mahnmal für den verlorenen Krieg. Der robuste Junge verschafft sich jedoch schnell Respekt, will stets "mit dem Kopf durch die Wand", die die Einheimischen zwischen sich und den Fremden ziehen.

In der DDR-Provinz, wo die "entzückenden Blumenbeete... mit Depressionen gedüngt" werden, wechselt er behende die Beschäftigungen und die politischen Lager. Erst hilft er bei der Zwangskollektivierung die Bauern kirre zu machen, dann scheffelt er als Fluchthelfer das große Geld und baut sich damit eine bürgerliche Existenz auf -- ein Selfmademan wie Willenbrock, ein unangepasster Opportunist wie Der Tangospieler.

Erzählt wird seine Geschichte von denen, die Bernhard gekannt haben und hier ähnlich wie Zeugen bei Gericht Auskunft geben: der Banknachbar, seine erste Freundin, der Fluchthelfer-Komplize, seine Schwägerin. So entsteht ein Geflecht von Lebensberichten und -beichten, ein Sittenbild der ostdeutschen Nachkriegsgesellschaft, mit allen erdenklichen erotischen, ökonomischen und kriminellen Verwicklungen.

Was leicht zur lehrbuchartigen Versuchsanordnung hätte geraten können, liest sich dank des ständigen Perspektivenwechsels und der erstklassigen Dialoge ausgesprochen unterhaltsam, quasi wie Short Cuts in Sachsen. Am Schluss sorgen die Kinder der Vertriebenen dafür, dass im Karnevalsumzug keine "Fidschis" mitmarschieren, die Landnahme scheint vollends geglückt. Willkommen im neuen Deutschland. --Patrick Fischer

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 10 Bewertungen)

Notizen aus der Provinz      5 von 5 Punkten
Guldenburg, eine Kleinstadt in Sachsen. Kurz nach dem Krieg kommt der Vertriebene Bernhard Haber als Zehnjähriger mit seiner Familie dort an und arbeitet sich langsam, zäh und unbeeindruckt von Anfeindung und Anschlägen nach oben. Der Roman endet in der Wendezeit. Haber ist einer der einflußreichsten und wohlhabensten Männer des Städtchens geworden,sein Sohn vertreibt zwei "Fidschis"aus dem Karnevalsumzug: "Karneval ist ein deutsches Fest. Was haben sie da zu suchen?" Der Kreis schließt sich,die Landnahme Habers ist abgeschlossen.

Was ein biederes, trockenes Lehrstück hätte werden können, gerät bei einem Schriftsteller von Heins Kaliber zu einem höchst unterhaltsamen
Panorama. Hein läßt Weggenossen Habers die Geschichte erzählen: seine
erste Freundin, Schulkameraden, seine spätere Schwägerin. Wie er diese
Charaktere schildert und vorführt, indem er sie einfach erzählen läßt, das hat etwas von Ring Lardner an sich und ist eigentlich nur an der Oberfläche lustig und eigentlich ziemlich traurig, ja fast schon tragisch. Sich über das niedrige sprachliche Niveau zu mokieren ist gänzlich verfehlt, denn Hein läßt nun einmal keine Schriftsteller oder Literaturstudenten erzählen, sondern Automechaniker (göttlich: Peter Koller, den eine "Pigmentverschiebung" völlig aus der Bahn wirft und der eine Karriere als Fluchthelfer beginnt), eine Floristin, eine Gärtnerin, die ihren Weg macht ("Ich gebe mein Bestes (...) und den Rest lasse ich mir schenken")und Geschäftsleute. Und das ist ganz wunderbar zu lesen, denn es macht eben einen Unterschied, und zwar einen entscheidenden, ob einen die Leute in der U-Bahn oder bei Reichelt etwas erzählen oder ob ein Christoph Hein ihnen eine Stimme verleiht und sie zu uns sprechen läßt.

Trotzdem verbleibt der Roman nicht im Anekdotenhaften, sondern erzählt wie nebenbei die Geschichte der DDR - weder als politisch überladenes Lehrstück noch als karikaturhaftes Lustspiel noch als pathetisches Historienspektakel, sondern leise, wie von ferne, als wenn einem jemand leicht über die Wange streicht, und eben darum umso wirkungsvoller, ein bißchen wie Fontane, über den Sebastian Haffner schreibt: "(...) die Figuren werden geradezu gestreichelt. Aber im Streicheln wird ihnen, unter der Hand und wie aus Versehen, ein ganz feiner Riß zugefügt, der nie mehr heilt - auch beim Leser nicht" (aus: Haffner/Venohr: Preußische Profile, Berlin 1992). So behandelt Hein seine Figuren - und die DDR.

Ein ganz feines Stück deutscher Gegenwartsliteratur, höchst lesenswert und noch lange nachwirkend.


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Spätzünder: Frühe Erzählungen - Thomas PynchonSpätzünder: Frühe Erzählungen
Thomas Pynchon

Taschenbuch, Mai 1994
     Verkaufsrang: 186560      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Fünf frühe Erzählungen, von Pynchon in einem ausführlichen Vorwort selbstironish kommentiert. Durch Themen und Motive eng mit den späteren Romanen verwandt, gewähren diese Texte dem Pycnchon-Kenner einen Blick in die Werkstatt und empfehlen sich dem Pynchon-Neuling als Einstiegsdroge in ein schriftstellerisches Multiversum, dessen literaturgechichtlicher Rang bis heute unbestritten ist.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Ideen der ersten Tage als Schrifsteller      3 von 5 Punkten
Spätzünder, das sind Kurzgeschichten von der Unterwelt einer Mülldeponie, von einem Unwetter, das über ein Militärcamp hereinbricht, von seltsamen Parties und Zusammenkünften von Menschen, die sich fremder sind als Hase und Elefant , alles in allem verwirrende Situationen, die an der Grenze zum phasntastisch- übersinnlichen liegen, die Grenze zum Traume jedoch nie überschreiten. Es sind faszinierende Zeugnisse lapidarer Kommunikation zwischen entfremdeten Menschen, welche die eintretenden Ereignisse nicht begreifen, nicht überblicken können, jede Schilderung erscheint wie ein Mosaiksteinchen eines ebenso unüberschaubaren Gesamtkonzeptes, das vom großen unbekannten Autor jedoch weder in diesem Werk und ich fürchte auch in seinen Hauptwerken nicht wirklich deutlich gemacht wird. Alle Geschichten hinterlassen einen Nachgeschmack, lassen sie doch der Fantasie des Lesers und dessen Interpretation enorm viele Freiräume, so daß der Eindruck bei der Re-Lektüre ein anderer sein wird als beim ersten Lesen. Spätzünder sind keine rührenden Kurzgeschichten mit einer schulmeisterlichen Aussage, wie wir es von vielen grausamen Short-Stories gewohnt sind, es sind keine Geschichten, die positiv stimmen, kein Buch in das der Leser sich verlieben wird, und doch wird er es womöglich (nach welcher Zeit auch immer) wieder zur Hand nehmen um den intensiven Eindruck der Geschichten abermals aufleben zu lassen. Als Einstieg in die Literaturwelt Thomas Pynchons wären die Geschichten ideal, manchen werden sie jedoch verschrecken, aber Pynchon ist ohnehin kein Autor, der für ein Millionenpublikum und den Einheitsgeschmack schreibt.Als Kostprobe des Könnens eines geheimnisvollen Autors und Menschen zu empfehlen, doch ich kann nicht umhin, zuzugeben: es gibt bessere, kompaktere und ich glaube durchdachtere Kurzgeschichten. Dennoch: empfehlenswert.


Der gedehnte Blick - Wilhelm GenazinoDer gedehnte Blick
Wilhelm Genazino

Broschiert, November 2007
     Verkaufsrang: 25113      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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„In den belebtesten Straßen Wiens findet man kleine billige Läden“, schreibt Wilhelm Genazino in Der gedehnte Blick, „über deren Eingang steht groß und breit das Wort ROMANE.“ Keine große Literatur gäbe es dort zu kaufen, fährt er fort, aber darauf käme es nicht an: „Der Roman überlebt, weil er ein Begleitmedium des Lebens ist.“

Mit viel originellem Witz und Sprachgefühl schreibt Genazino über das Schreiben und die Dichtkunst als Lebensmittel -- etwa da, wo er angesichts des Schicksals von William Faulkner und Robert Musil über den Zusammenhang von literarischer Erfolglosigkeit und materiellem Unglück reflektiert oder Franz Kafka über die Schulter schaut, um ihn beim Lügen zu ertappen. Fünf Druckzeilen eines Kafka-Briefes an Felice Bauer genügen dem Büchner-Preisträger von 2004, um „sechs mehr oder weniger auffällige Schwindeleien auszumachen -- und einen blendenden, wortgenauen Essay über den „phantastischen Gehalt des Schriftstellerberufs“ anzuhängen. Darüber hinaus enthält Genazinos Sammelband Der gedehnte Blick unter anderem brillante Prosaminiaturen über Claude Simon, den Ort der Handlung in der Literatur, lachende Philosophen oder die Politik der Namen (und ihrer Veränderungen auf Straßenschildern).

Prosaminiaturen kann man diese essayistischen Kabinettstückchen trotz ihres Inhalts nennen, denn Genazino überführt die hohe Kunst des Essays wieder zurück in Poesie. So ist Der gedehnte Blick (neben vielem anderen) nicht nur ein Buch über Literatur geworden, sondern selbst wieder ein Stück großer Literatur. Und das ist etwas, was hierzulande nur noch ganz wenigen Autoren gelingt. --Thomas Köster

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Beobachtungsgabe und Philosophie - ein echter Genazino      4 von 5 Punkten
Dieser Essay-Band des frisch gebackenen Büchnerpreisträgers unterscheidet sich nicht wesentlich von seinen letzten beiden Romanen,"Ein Regenschirm für diesen Tag" und "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman". Dem lange von der Öffentlichkeit vernachlässigten Autor geling es wiederum aus scheinbar alltäglichem und banalem das Unerhörte und Verblüffende herauszufiltern. Er registriert mit seiner unnachahmlichen Beobachtungsgabe scheinbar mühelos das kleinste Detail und bringt sie mit trefflichstem Wortwitz zu Papier.

Doch sind in diesem Buch nicht nur leise Töne zu vernehmen: er engagiert sich in dem besonders aufrüttelnden und ergreifenden Kapitel "Fühlen Sie sich alarmiert" äußerst vehement gegen Ausländerfeindlichkeit und führt die Politik mit stichhaltigen Beweisen ad absurdum.

Dieser Band enthält zudem eine unglaubliche Zahl von philosophischen Wortspielen und Metaphern: er macht sich Gedanken warum komische Bücher komisch sind, untersucht die literarische Erfolglosigkeit von Italo Svevo: „Der Schriftsteller braucht die Anerkennung der anderen, ohne diese anderen selbst anerkennen zu können" oder sinnt über das Photographieren im Allgemeinen nach.

Seine eigene literarische Arbeit hinterfragt er zudem äußerst selbstkritisch: „Irgendetwas muss ich falsch gemacht haben, ich habe schließlich den höchsten deutschen Literaturpreis verliehen bekommen" In den Kapiteln über Claude Simon "Rezeptlosigkeit als Rezept", "Heimat, vorgespielt - Der Ort der Handlung in der Literatur" oder "Omnipotenz und Einfalt - Über das Scheitern" gleitet er vollends in die Philosophie ab - nicht leicht zu lesen, aber interessant erzählt.

Überhaupt ist dies kein Buch für den Strandurlaub oder für eine S-Bahn-Fahrt, dieses Buch verlangt einfach mehr, viel mehr: Ruhe, Zeit und eine intensive Auseinandersetzung mit den vielfältigen Themen. Nach jedem Essay hat man das Gefühl ein bisschen nachdenklicher geworden zu sein - und genau diese Intension verfolgt Wilhelm Genazino mit diesem Buch wahrscheinlich auch: schaut hin, hört zu, denkt nach, bildet Euch eine Meinung und unternehmt etwas!



Lo und Lu: Roman eines Vaters - Hanns-Josef OrtheilLo und Lu: Roman eines Vaters
Hanns-Josef Ortheil

Taschenbuch, März 2003
     Verkaufsrang: 84055      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

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"Dieses Buch habe ich von allen Büchern, die ich geschrieben habe, am liebsten geschrieben. Beim Schreiben musste ich oft selber lachen," gestand Hanns-Josef Orteil nach dem Erscheinen seines "Roman eines Vaters". Nach den Erfolgstiteln "Faustinas Küsse" und "Im Licht der Lagune" erzählt er hier die Geschichte eines freiberuflichen Vaters, der die Kinder versorgt, wenn "La Mamma" tagsüber im Verlag verschwindet. Die neue Rolle hält so manche Herausforderung bereit, etwa...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Was Eltern erfahren      5 von 5 Punkten
"Lo und Lu" ist das schönste Buch über das Leben mit kleinen Kindern, das ich kenne (und das heißt viel, denn ich habe als alleinerziehende Mutter mit drei Kindern genug Erfahrung und genug gelesen). Hanns-Josef Ortheil beschreibt darin sein Zusammensein, seine Freuden und seine Abenteuer mit seinen beiden Kindern Lo und Lu. Das Schöne ist nicht nur die Genauigkeit, mit der er diese Kinder beobachtet und sich auf sie einläßt, das Schöne ist vor allem die große und starke Lebenslust, die aus diesem Buch spricht. Ein Buch, das alle Eltern (und erst recht die, die es werden wollen) glücklich macht.


 Weitere Lesermeinungen


Die Memoiren einer Überlebenden - Doris LessingDie Memoiren einer Überlebenden
Doris Lessing

Taschenbuch, Januar 1981
     Verkaufsrang: 194655     

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Das Leben in der Stadt ist zusammengebrochen. Die staatliche Verwaltung arbeitet nicht mehr, eine geregelte Lebensmittelversorgung findet nicht mehr statt, das Verkehrswesen und sämtliche Kommunikationssysteme funktionieren nicht mehr. Die Menschen sind ständig unterwegs, unablässig mit der Organisation des Lebens beschäftigt und auf der Suche nach Überlebensmöglichkeiten. Es greifen Anarchie und Mangel um sich. Jugendliche und Erwachsene besetzen leerstehende Häuser, plündern Geschäfte, und Horden von streunenden Kindern machen die Straßen unsicher. Das Chaos der Straße beobachtet eine ältere alleinstehende Frau vom Fenster ihrer Wohnung aus. Sie nimmt ein etwa zwölfjähriges Mädchen auf, dem von nun an ihr Denken und Tun gilt. Neben dieser Realität existiert eine traumartige, surreale Wirklichkeit mit gefährlichen und visionären Dimensionen. Auch das Ende des Romans scheint visionär: Das zur jungen Frau herangewachsene Mädchen bricht mit Gerald, dem jugendlichen Anführer einer der Kinderbanden, auf zu einer vielleicht besseren Wirklichkeit.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

kraftvoll      5 von 5 Punkten
Eine Warnug vorweg: Dieses Buch ist keine leichte Kost. Man muss sich einlassen auf das düstere Endzeitszenario, die zweite Realitätsebene hinter der Wohnzimmerwand und die zunehmend surreale Geschichte. Aber es lohnt sich! Diese Buch trifft den Leser mit aller Kraft und lässt ihn nicht mehr los. Unvergesslich!

Der innere Konflikt - sichtbar und fühlbar gemacht      5 von 5 Punkten
Die sonnenbeschienene Wand im Wohnzimmer der Chronistin löst sich von Zeit zu Zeit einfach auf und sie geht hindurch in die andere Welt. Die Welt hinter der Wand ist wie ein Spiegel der äußeren Ereignisse, manchmal auch eine Verbindung zu ihren Erinnerungen oder ein Bild ihrer eigenen Intuition. Während draußen die Zerstörung, die Unordnung, immer schlimmer wird, wird die Chronistin hinter der Wand ebenfalls mit sinnloser Verwüstung konfrontiert. Sie sieht es als ihre Verpflichtung an zu säubern was verschmutzt wurde und zu flicken was zerrissen ist, aber das Ausmaß der Zerstörung wird immer größer und es sind so viele Räume hinter der Wand, so viel zu ordnen, viel zu viel.
Als die junge Emily immer mehr in Konflikt gerät mit sich selbst und mit der Rolle, die sie sich in der neu entstehenden Gesellschaft schaffen muss, zeigt die Wand mögliche Szenen aus Emilys Kindheit, Szenen die helfen ihr jetziges Verhalten zu verstehen.
Die geheimnisvolle Welt hinter der Wand gibt der Chronistin Rätsel auf, stellt ihr Aufgaben und nährt in ihr auch eine Hoffnung für die Zukunft, vor allem Emilys Zukunft.

Ich kann dieses kleine Buch mit gerade mal 223 Seiten jedem empfehlen. Doris Lessing schreibt sehr flüssig, verfällt aber mitten in scheinbar einfachen Beschreibungen ins Philosophieren um vom Hundertsten ins Tausende zu gelangen und das alles in diesem "Tagebuchton". Obwohl sie als Erzählerin eine einzelne Person ist schreibt sie sehr oft von "wir" und "uns" womit ihre Beobachtungen quasi in ein Allgemeingut verwandelt werden.
Wer in einem Buch reine Entspannung sucht wird enttäuscht sein - es zwingt einen zum Nachdenken.
Nachdenken über das eigene Verhalten, das Verhältnis der Generationen zueinander und warum das alles wohl so ist.

Aber das ist ja nichts schlechtes, oder?



Paare, Passanten - Botho StraußPaare, Passanten
Botho Strauß

Sondereinband, 1984
     Verkaufsrang: 107502      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Ähnlich wie das ebenfalls 1981 erschienene Theaterstück Kalldewey, Farce trägt auch dieser Prosaband einen skizzenhaften, fragmentarisch-flüchtigen Charakter, in dem der belesene Gesellschaftskritiker Strauss sein zentrales Thema vom entmenschlichten Menschen in einer technokratischen Gesellschaft variiert. Der kommentierende und reflektierende Ich-Erzähler notiert Beobachtungen, Verhaltensstudien, Personenskizzen, Reiseeindrücke sowie Gedanken über Bücher...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Spannende Kurzgeschichten des Alltags      4 von 5 Punkten
Botho Strauß' Buch "Paare, Passanten" zu lesen hat mir eine Menge Freude bereitet. Es bietet ein weites Angebot an Kurzgeschichten betreffend Alltagssituationen von Paaren und Passanten. Es macht wirklich Spaß, dieses Buch zu lesen, da jede Geschichte aus diesem Buch ein anderes, interessantes Themengebiet anschneidet. Egal ob Probleme in der Partnerschaft und deren Lösungen oder das Annähern an Personen in Straßenkaffees oder auf offener Straße. Das Buch lässt in dieser Hinsicht keine Sparten offen. Die Stories sind alle in einer gewissen Weise mit Witz, allerdings auch mit viel Ernst geschrieben. Strauß erreicht damit sowohl die Aufmerksamkeit des Lesers zu erwecken, als auch Betroffenheit, bzw. Emotionen im Leser hervor zu rufen.

Die Geschichten, die Botho Strauß in diesem Werk niederschreibt, hat er alle samt miterlebt. Entweder war er direkt an ihnen beteiligt, oder er hat sie in der Öffentlichkeit, sei es auf der Straße oder in diversen öffentlichen Einrichtungen, aufgenommen. Dies ist wiederum ein positiver Aspekt, den man dem Autor zu Gute kommen lassen muss: Geschichten aus dem wahren Leben. Die Texte sind sehr einfach geschrieben, d. h. es ist nicht sehr schwierig, sie zu verstehen. Es handelt sich hierbei um ein Werk des Botho Strauß, dass man auf jeden Fall einmal gelesen haben muss. Wenn man vorher denkt, dass dieses Buch ein absoluter Langweiler sei (so wie auch ich vor dem Lesen des Buches gedacht habe), wird man eines Besseren belehrt. Als abschließendes Fazit kann ich nur noch einmal wiederholen, dass dieses Buch ein absolutes Muss für jedes Bücherregal, bzw. für jeden Alltagsfanatiker ist.



Der menschliche Makel - Philip RothDer menschliche Makel
Philip Roth

Gebundene Ausgabe, Februar 2002
     Verkaufsrang: 88476     

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Im Sommer 1998, als der emeritierte Griechischprofessor Coleman Silk dem Ich-Erzähler seine Affäre mit der weitaus jüngeren Putzfrau Faunia Farley beichtet, denkt ganz Amerika "an den Penis des Präsidenten". Es ist der Sommer, in dem der Zigarrenakt Bill Clintons mit Monica Lewinsky ruchbar wird: Der Sommer der moralinsauren Vorwürfe und der scheinheiligen Reue also, in der "das Leben in all seiner schamlosen Schlüpfrigkeit Amerika wieder einmal in Verwirrung stürzte".

Der Kenner des griechischen Dramas Coleman Silk ist selbst eine tragische Figur, die, wie ihr Präsident, öfters auch an fremde Frauen dachte. Und der Ich-Erähler ist der "anerkannte Schriftsteller" Mr. Zuckerman, der bald sein Buch Der menschliche Makel veröffentlichen will -- so geht es zu im neuen, doppelbödigen Roman von Philip Roth, in dem neben Sex natürlich auch das Judentum wieder eine zentrale Rolle spielt. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist Silk, der verdienstvolle Dekan einer amerikanischen Universität, über eine Bemerkung gegenüber zwei abwesenden Afroamerikanerinnen gestolpert, die ihn völlig zu Unrecht in den Verdacht des Rassismus brachte: eigentlich eher ein Aufzug des absurden Theaters, der allerdings eine "Chronologie der Schrecken" und irgendwie sogar den Tod von Silks Ehefrau nach sich zieht. Und dann kommt auch wieder Faunia ins Spiel, die mit Silk ein großes Geheimnis teilt.

Gern berichtete der Griechischprofessor den Studenten früher von Homers Achill, der aufgrund sexueller Zurückweisung zur "empfindlichsten Tötungsmaschine in der Geschichte der Kriegführung" mutierte. "In der Verletzung des phallischen Anspruchs beginnt die Dichtkunst", sagte er, "und genau aus diesem Grunde werden wir heute, beinahe dreitausend Jahre später, ebenfalls dort beginnen". Diese Verpflichtung hat Philip Roth mit seinem neuen großen Sittenporträt nach The Great American Novel eingelöst -- und das in der besten Manier, derer die US-Gegenwartsliteratur nach Clinton fähig ist. --Thomas Köster

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 75 Bewertungen)

Eben doch ein Könner      5 von 5 Punkten
Zugegeben, zunächst störte mich beim Lesen, dass einerseits ein Ich-Erzähler erzählt, der nicht alles wissen kann, dann aber doch alles weiß. Und ich dachte, wenn ein unbekannter Autor einen solchen Plot vorgelegt hätte, wäre er bei den Verlagen abgeschmettert worden.
Dann aber sah ich darüber hinweg. Die Vielschichtigkeit des Romans ist faszinierend, die unerwarteten Wendungen und die Figuren in ihrer Zwiespältigkeit. Großartig!


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Die Geschichte von der unbekannten Insel - Jose SaramagoDie Geschichte von der unbekannten Insel
Jose Saramago

Taschenbuch, Mai 2000
     Verkaufsrang: 163090      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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"Ein Mann klopfte an die Tür des Königs und sagte 'gib mir ein Schiff.' Wofür er ein Schiff brauche, wird der Mann gefragt, und er antwortet, um die unbekannte Insel zu suchen."
Literaturnobelpreisträger Jose Saramago erzählt in seinem modernen Märchen vo einer Zeit, da niemand mehr an die unbekannte Insel glaubt. Niemand bis auf einen Mann, der beharrlich um ein Schiff bittet und bei seiner Suche unverhofft auf eine Weggefährtin trifft.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Teuer aber märchenhaft      5 von 5 Punkten
Die Fabel, die Saramago entspinnt, ist zugleich poetisch, vielschichtig und wunderschön. Wer an Lyrischem und Märchenhaftem nur einen Hauch Gefallen findet, wird das Buch m.E. mögen.


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Kein Ort. Nirgends. Brigitte-Edition Band 21 - Christa WolfKein Ort. Nirgends. Brigitte-Edition Band 21
Christa Wolf

Gebundene Ausgabe, Juni 2006
     Verkaufsrang: 177785     

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Nicht mehr als ein fiktives Gespräch zwischen einer Frau und einem Mann, beide Literaten, ist hier das Thema. Doch diese gedankliche Auseinandersetzung, die Christa Wolf - weltweit geschätzte Autorin - in ihrer 1979 erschienenen Erzählung so genial inszeniert hat, beeindruckt tief. Mit Karoline von Günderrode, eine Freundin der Brentanos, und Heinrich von Kleist lässt sie zwei tragische Figuren, zwei Außenseiter aufeinandertreffen. Das Gefühl, Versager zu sein, anders zu sein, verbindet sie. Beide werden später den Freitod wählen.

"Kein Ort. Nirgends" zeichnet ein zeitloses Porträt zweier Repräsentanten einer Generation, die sich verloren fühlen. In der restaurativen Gesellschaft sind die Ideale der französischen Revolution verraten, und der Traum vom freien Leben und Schreiben hat sich - zumindest für die beiden Protagonisten - nicht erfüllt.

Die Günderrode und Kleist begegnen sich 1804 bei einer Teegesellschaft in Winkel am Rhein. Als zwei verwandte Seelen ziehen sich unweigerlich an, erkennen sich als an der Welt und an sich selbst Leidende. Ihre Vision vom authentischen Leben hat sich unwiderruflich zerschlagen. Der Wechsel zwischen Gedanken und Fragen, die sich im Kopf abspielen, und tatsächlich Gesprochenem, vor dem Hintergrund der oberflächlichen Salonkonversation kommt in dieser exzellenten Hörspielbearbeitung beinahe noch besser zum Tragen als in der literarischen Vorlage. Barbara Freier und Markus Boysen vollbringen hier sprecherische Meisterleistungen. Mit ihren Stimmen werden die Wunden der Depression, das schmerzhafte Anders-Sein so plastisch, dass man Mühe hat, nicht selbst in den Abgrund gerissen zu werden. Die letzten Worte: "Wir wissen, was kommt." vergisst man nicht. Absolut passend auch das Streichquartett C-Dur 956 von Franz Schubert! Hörspiel, Spieldauer: 81 Minuten, 2 CD. Mit Booklet.

-- culture.text

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 8 Bewertungen)

Mein Dichterort. Wo?      5 von 5 Punkten
Christa Wolfs fiktive Begegnung zwischen Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode stellen im Werk der Autorin eine einmalige Auseinandersetzung über das Selbstverständnis des Dichters in seiner Zeit dar. Auch wenn die feministische Bewegung seit ihren Anfängen im 19. Jahrhundert beginnend bei Bettina von Arnim Karoline von Günderrode "nur" als die erste, der Romantik verwurzelte Protagonistin der Frauenselbstbehauptung und -befreiung in einer patriarchal zementierten Gesellschaft ansah, so scheint mir vermittelt durch dieses Buch die Günderrode noch viel mehr zu sein: Sie verkörpert auch in diesem Buch die Sehnsucht des Menschen nach einem in emotionaler Nähe zur eigenen Identität (die Vergangenheit in der Gegenwart) gegründeten Leben in Verknüpfung mit den das Eigensein entwickelnden und ansteigenden Zielen (Zukunft); also gegen das Nichts und das Leere moderner Individualität, gegen eine vom Selbst entfremdeten Lebenswirklichkeit. Hierin stehen sich Kleist und Günderrode sehr nahe, auch wenn die Verzweiflung am Dasein, am eigenen Dichtersein, die beide treibt, sehr unterschiedlich sein mögen.

Christa Wolfs Auseinandersetzung mit Kleist und Günderrode in diesem Buch, damit mit Leben und Tod, Identität und Zukunft ist in ihrer poetisch-philosophischen Tiefe und Ausrichtung noch heute unüberholt. Es ist ein wichtiges Werk der feministischen Literatur - aber nicht nur dieser. Im ganzen ein großes Buch einer Autorin, die mit dem Fall der Mauer und der Auflösung der DDR selbst unter starken Beschuss und in große Kritik geriet, ihrem Selbstverständnis in nachgetragener Liebe neu nachforschen musste.

Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend; 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten.


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Der Maler der fließenden Welt - Kazuo IshiguroDer Maler der fließenden Welt
Kazuo Ishiguro

Taschenbuch, November 2001
     Verkaufsrang: 198686      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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In den dreißiger Jahren hat der Maler Masuji Ono seine Kunst in den Dienst der japanischen Expansionspolitik gestellt. Jetzt, nach dem Krieg, ist sein damaliger Hurrapatriotismus anrüchig geworden, und als seine Tochter heiraten will, wird seine Vergangenheit zur Belastung für die Familie. Seine Lebensbeichte offenbart ein heilloses Geflecht von Schuld und Irrtum. Kazuo Ishiguros eindringlicher, meisterhaft erzählter Roman über einen nicht einmal so unsympathischen Experten des Verdrängens lässt das vom Krieg zerrüttete Japan der Nachkriegszeit wieder auferstehen, ein Land im Umbruch, in dem verschiedene Lebensweisen um die Vorherrschaft kämpfen und ein Volk zwischen Tradition und Moderne nach einem neuen Lebenssinn sucht. Und es zeigt den Kampf des Einzelnen mit seiner Vergangenheit, ein Thema von universeller Gültigkeit, das auch in Deutschland von erschreckender Aktualität ist.
"Der Autor spielt sich keineswegs als besserwisserischer Ankläger auf. Statt dessen kreist er mit bemerkenswert behutsamer Eindringlichkeit den Gegenstand seiner Betrachtung ein: das Gewissen des betagten, bis Kriegsende überaus einflussreichen Künstlers Masuji Ono, der sich in den dreißiger Jahren zum ersten Fürsprechers eines neuen „patriotischen Stils“ in der Malerei gemacht hat und von den Mächtigen im Kulturministerium als Berater des „Komitees gegen unpatriotische Aktivitäten“ herangezogen wurde. Am Schluss weiß Ono, dass er vorbehaltlos zu dem Geschehen stehen muss; und er hofft darauf, dass die jungen Menschen durch ihr Verhalten dazu beitragen, das Vergangene in Zukunft läutern zu helfen.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung
"Seufzen, vor Genuss. Auflachen, voller Mitleid. Kopfschütteln, in heilloser Verwirrung innehalten, verwundert, vorsichtig umblättern, langsam, weil so gierig - solcher Art sind die Reaktionen, die sich beim Lesen eines Romans von Kazuo Ishiguro einstellen können, etwa alle fünf Jahre, wenn ein neues Buch erscheint, was das Erlebnis um so kostbarer macht. Und wieder heißt es warten, für uns Süchtigen."
Die Zeit
"Eine der kühnsten und anspruchsvollsten Stimmen der englischen Literatur."
The Guardian


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Ein anderer Umgang mit der Vergangenheit      5 von 5 Punkten
Ishiguro erzählt die Geschichte eines Malers Masuji Ono, der im Vorkriegsjapan auch politisch bedingt sehr erfolgreich war. Als dieser nach dem Krieg seine Tochter verheiraten will, holt ihn seine Vergangenheit ein und er beginnt das Geschehene zu reflektieren. Mit spielerischer Leichtigkeit macht Ishiguro den Leser zum Begleiter Onos auf seiner Reise in die Vergangenheit und den Begegnungen sowie Erinnerungen Onos teilhaben. Dabei wird Ono nicht nur seine eigene Rolle bewusster, sondern auch seine Stellung in der japanischen Gesellschaft. Der Roman bewegt sich in diesem Spannungsfeld ohne moralisierend oder besserwisserisch zu werden. Im Gegensatz zum gelegentlich anklagenden Umgang mit solchen Themen in der westlichen Belletristik, bleibt das Urteil hier voll dem Leser überlassen. Die Charaktere sind sehr schön ausgearbeitet, insbesondere die Figur des Ono wächst einem trotz seiner problematischen Vergangenheit als eigentlich netter, ein wenig einsamer älterer Herr im Verlauf des Buches immer mehr ans Herz.

Alles in allem, ein schönes Buch, das zum Nachdenken anregt.

Der Maler Masuji Ono erzählt von seiner Vergangenheit.      5 von 5 Punkten
Kazuo Ishiguro erzählt hier von einem Maler der in die Vergangenheit zurück blickt, wie sein Künstler darsein angefangen hat, wie der Krieg dazwischen kam und wie es ihm heute geht. Es kommt einem so vor, als säße dieser Maler selbst und wirklich vor einem und erzähle alles. Das Buch ist in einem Stil geschrieben den ich bisher noch niergends anders gesehen habe. Einfach brilliant.



Der Tod und das Mädchen I - V: Prinzessinnendramen - Elfriede JelinekDer Tod und das Mädchen I - V: Prinzessinnendramen
Elfriede Jelinek

Taschenbuch, September 2004
     Verkaufsrang: 208773      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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In diesem Band sind erstmals fnf Dramolette vereinigt, in denen Elfriede Jelinek die Mythen der M„rchen und Medienwelt um- und berschreibt. "Der Tod und das M„dchen" ist der Dialog eines J„gers mit Schneewittchen. "Dornr”schen" im zweiten Text ist auch das kleine, dicke, hbsche, unschuldige, harmlose Land, das vom Prinzen Haider wachgeksst wird. In "Der Tod und das M„dchen" versucht Elfriede Jelinek mit Rosamunde die Existenz der Schriftstellerin zu fassen, und im vierten Stck Jackie zieht Jackie Kennedy laut Regieanweisung all ihre Toten, Jack, Bobby, Ari und die anderen, hinter sich her. Im fnften Drama schlachten zwei Dichterinnen, Inge (Bachmann) und Sylvia (Plath), einen Widder und ziehen ihn eine (unsichtbare) Wand empor.



Verschwörung gegen Amerika - Philip RothVerschwörung gegen Amerika
Philip Roth

Gebundene Ausgabe, August 2005
     Verkaufsrang: 177838      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 5 Tagen.

Preis: € 24,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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„Sie weiß nicht, was sie tut“, dachte ich, „sie ist nicht mehr dieselbe -- wir alle sind nicht mehr dieselben.“ Der -- fiktionale -- achtjährige Philip Roth muss mit ansehen, wie sich sein Umfeld dramatisch verändert. 1940 war seine Familie noch eine gewöhnliche, glückliche jüdische Familie in einem Amerika, das Juden ein freies Leben und Integration ermöglichte. Doch dann nominieren die Republikaner einen Helden der Luftfahrt, den faschismusfreundlichen Charles Lindbergh. Den Wahlkampf gegen Demokrat Franklin D. Roosevelt gewinnt er durch eine Kampagne, die heftige Kontroversen unter den Juden auslöst: Der Frieden und angeblich ebenso die Demokratie sollen bewahrt werden, indem sich Amerika für eine isolationistische Haltung gegenüber Nazi-Deutschland ausspricht.

Schon bald stellt sich heraus, dass Lindbergh andere Zukunftspläne schmiedet. Seine Begeisterung für Hitlers Machtpolitik wird jedoch nicht nur den amerikanischen Juden, sondern ebenso ihm selbst zum Verhängnis. Rückblickend beschreibt Philip aus der Perspektive eines Kindes, wie das geregelte Leben der Juden zerbricht, wie das beklemmende Gefühl der Schutzlosigkeit sie dazu zwingt Dinge zu tun, die ihnen einst zuwider gewesen wären.

Was wäre, wenn ...? Philip Roth spielt in dem autobiografisch gefärbten Roman Verschwörung gegen Amerika eine andere Variante des zweiten Weltkrieges und seiner Kindheit durch. Fasziniert von der Tatsache, dass die amerikanischen Juden -- folglich auch die eigene Familie -- der großen Katastrophe entronnen sind, fingiert Roth ein antisemitisches Amerika unter der Präsidentschaft Lindberghs. Sein Jonglieren mit historischen Fakten und historischer Fiktion ist schlichtweg verblüffend. Um so realistisch wie möglich zu schreiben, wich Roth von seinen bisherigen Romanen ab: Die Opferrolle der Juden im Zentrum, das ist neu. Sein Ziel hat Roth auf jeden Fall erreicht, lässt er seine Leser doch fast vergessen, dass die Realität im Hinblick auf die Präsidentschaft Lindberghs eine ganz andere war. --Fenja Wambold

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 21 Bewertungen)

Über den Kopf gewachsen...      5 von 5 Punkten
ist mir die Geschichte in diesem Buch, so daß ich es am Ende grad so geschafft habe...inhaltlich. Trotz der faszinierenden Grundidee, die dem Erzählten zu Grunde lag und die das Niveau hatte, daß man bei Roth gewohnt ist und auch trotz der wie üblich grandiosen Sprache, ist es dem Autor diesmal schwer gefallen, den Spannunsbogen aufrecht zu erhalten, der für eine gänzlich genussvolle Lektüre nötig gewesen wäre. Meine 5 Punkte gelten dennoch, weil es allemal besser ist, als vieles andere auf dem Markt zur Zeit...


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Die Prager Orgie: Ein Epilog - Philip RothDie Prager Orgie: Ein Epilog
Philip Roth

Taschenbuch, November 2004
     Verkaufsrang: 191245      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Auf der Suche nach dem unveröffentlichten Manuskript eines ermordeten jiddischen Schriftstellers fährt der amerikanische Romanautor Nathan Zuckerman Mitte der siebziger Jahre in das russisch besetzte Prag. In einem Land, das sich in den Fesseln einer kommunistischen Diktatur befindet, sieht er sich mit staatlicher Unterdrückung konfrontiert - einer für ihn völlig neuen Form von Schreibhemmung. In Gesellschaft einiger verfolgter Schriftsteller wird er rasch in eine Reihe bizarrer und bewegender Abenteuer verwickelt und entdeckt in seinen Kollegen eine sympathisch verdrehte Art von Heldentum.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Eine Empfehlung!      4 von 5 Punkten
Bis dato hab ich nichts von Philip Roth gelesen, kannte ihn nur vom "Hörensagen" und versuchte mich mal an einem dünnen Bücherl von ihm. Anfänglich wurde ich nicht recht warm (obwohl ich jetzt nicht verstehe, warum), nahm es zur Hand, blätterte rein, legte es wieder weg. Aber nach dem ersten Kapitel kam ich dann doch in die Geschichte, die Seite um Seite immer bizarrer und (vor allem) witziger wurde! Das hätte ich dem Mister Roth nicht zugetraut.

In einem (XING-)Forum wurde er der "Altherrenfantasien" bezichtigt - das vorliegende Buch schrieb er vor etwa zwanzig Jahren, da war der gute Roth über 50. Aber seine Fantasien sind nicht von schlechten Eltern. Immerhin darf er sich rühmen, auf einer Seite öfters das Wort f***n geschrieben zu haben, als andere in einem ganzen Roman. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) ist es pointiertes Amüsement. Und in Prag der 70er spielt es nebenbei.

Kann ich nur empfehlen.
[habe begonnen, seine Autobiographie zu lesen]


Rock Springs - Richard FordRock Springs
Richard Ford

Taschenbuch, November 2003
     Verkaufsrang: 138528      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Flüchtige Beziehungen, Seitensprünge, Autofahrten auf den Highways, die Ereignislosigkeit eines Lebens in der einsamen Landschaft Montanas. Richard Ford erweist sich einmal mehr als meisterhafter Erzähler, der seine Figuren psychologisch auszuleuchten vermag. Männer, die gerade aus dem Gefängnis entlassen sind oder ihre Strafe antreten müssen. Frauen, die ihre Familien verlassen, Kinder, die das Zerbrechen der Ehe ihrer Eltern erleben - das sind die Gestalten der Geschichten in diesem Erzählband. Es sind Menschen, die versuchen, die Scherben ihres Lebens zu kitten, einen Rest von Sinn und Sicherheit zu finden, immer am Rande des Verbrechens, der Heimatlosigkeit, der Einsamkeit. Fords Geschichten faszinieren durch die Leichtigkeit ihres Tons, ohne deshalb leichtgewichtig zu sein.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Auf nach Montana      5 von 5 Punkten
Nach über 15 Jahren eine Neuauflage - das wurde auch Zeit, denn Rock Springs ist eines meiner Lieblingsbücher und mein Exemplar ist schon reichlich zerfleddert.
Zehn wunderbar melancholische und traurig-tragische Geschichten vom Nobelpreisträger Richard Ford. Meisterhaft erzählte kleine Bruchstücke aus dem Leben von Menschen, wie sie realer nicht sein könnten, der Film im Kopf des Lesers läuft in Technicolor und Dolby Surround. Manche Stellen liest man mehrmals hintereinander (z.B. das Ende von "Sweethearts"), einfach weil sie so bewegend sind.
Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise, wie sie beeindruckender nicht sein könnte - gäbe es Rock Springs nicht, würde mir etwas fehlen.


Eine persönliche Erfahrung - Kenzaburo OeEine persönliche Erfahrung
Kenzaburo Oe

Taschenbuch, Januar 1991
     Verkaufsrang: 180007      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Mit der Geburt seines ersten Sohnes verändert sich für den Lehrer Bird schlagartig das Leben: Das Baby leidet an einer Gehirnhernie, und der junge Vater sieht sich mit der Frage konfrontiert, ob lebenserhaltende Maßnahmen eingeleitet werden sollen. Wer soll diese Entscheidung über Leben und Tod fällen? 'Eine persönliche Erfahrung' erzählt das Schicksal von Kenzaburo Oes Sohn, über dessen Leben der Autor zu entscheiden hatte. Heute ist Oes Sohn ein erfolgreicher Komponist und Musiker.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)

Von Träumen, Whisky und Monsterbabys      5 von 5 Punkten
Bird ist Ende zwanzig, ein abgebrochener Literaturstudent im Tokio der frühen sechziger Jahre. Durch die Stadt irrend fühlt er, wie seine Jugend zu Ende geht, ohne dass er seinen Lebenstraum, nach Afrika zu fahren, verwirklicht hat. Die bevorstehende Geburt seines ersten Kindes erscheint ihm als das endgültige Ende seiner Freiheit und seine Befürchtungen steigern sich zum Entsetzen, als er wenig später erfährt, dass sein neugeborener Sohn an einer schweren Gehirnanomalie leidet. Allein, ohne Kontakt zu seiner Frau, die unwissend und isoliert in einem Krankenhaus liegt, steht er vor den Trümmern seiner bisherigen Existenz. Er versucht, vor der Realität des „Monsterbabys“ zu fliehen: in Alkoholexzesse und zu Himiko, einer alten Freundin, die seine Geliebte wird. Er hofft, dass sein Kind stirbt und als Folge davon seine Frau die Scheidung verlangt. Aber das Baby zeigt einen zähen Lebenswillen und übersteht sogar Birds Versuch, es mit Hilfe der Ärzte an Mangelernährung sterben zu lassen. Damit Bird wieder frei wird und sie gemeinsam nach Afrika gehen können, fassen Himiko und er einen neuen Plan…
Mit schonungsloser Wahrheitsliebe und einer krassen, sezierenden Genauigkeit setzt sich der Autor in diesem autobiografisch geprägten Roman über Tabus und Klischees hinweg und legt ohne jede Moralisiererei eine existenzielle Entscheidungssituation offen: Bird steht zwischen den eigenen Träumen und Wünschen und der Verantwortung für sich und sein Kind. Ein Buch, bei dem das Lesen selbst zur Erfahrung wird, denn jeder, der mal jung war oder es noch ist, wird Bird mit seiner Unsicherheit und seiner Sehnsucht nach einem freien Leben verstehen. Witzig ist es übrigens auch immer wieder. Und die Beschreibung von Birds Elend nach einer durchzechten Nacht ist die beste, die ich bisher zu diesem Thema gelesen habe.


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Sucht mein Angesicht - John UpdikeSucht mein Angesicht
John Updike

Broschiert, Mai 2006
     Verkaufsrang: 166109      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Sucht mein Angesicht mutet an wie ein Buch über die Kunst des Zwanzigsten Jahrhunderts -- zunächst. Der Roman erzählt vom Leben der Malerin Hope, "Fußnote" in der Geschichte ihrer Männer. Da ist der Macho Zack (er malt in großen "Spritzern"), der bisexuelle Guy (schlaffe "Tröpfeleien") und Jerry, der farblose Gallerist.

Kathryn, die junge hübsche "New Yorker Besserwisserin", stellt ihr Aufnahmegerät an und interviewt Hope -- damit beginnt der Roman. Er hört damit auf, dass Kathryn am Ende des gleichen Tages nach Hause fährt. Das Interview deckt die Spanne eines halben Jahrhunderts ab. Dieser Wechsel zwischen erzählter, überbordender Geschichte und unmittelbarem, intensivem Erleben des Augenblicks (Hopes "Beziehung" zur jungen Kathryn) macht das Buch wunderbar lebendig.

Für den Laien (wie den Rezensenten) startet der Roman allerdings mit einer Durststrecke: Die seitenlangen Auslassungen über Kunst erfordern etwas Durchhaltevermögen. (Nur der Profi entdeckt in der Figur Zack den Maler Jackson Pollock und in Guy eine Melange diverser Pop-Art-Größen, darunter Andy Warhol.) Doch das Lesen wird belohnt. Bei aller Liebe Updikes für die Kunst der Zeit, in der er aufgewachsen ist, macht er bald deutlich: Dahinter steckt immer ein Mensch! Dieses Menschengeflecht (Hope, ihre drei Ehemänner, die Kinder und nicht zuletzt die Interviewerin Kathryn) ist das Herzstück, die Lebensader dieses virtuosen Romans, der Sehnsüchte, Liebe und Enttäuschungen wie ein gelungenes Bild unmittelbar fühlbar macht.

Sucht mein Angesicht hat alle Zutaten, die einen guten Updike ausmachen: Sinn und Sinnlichkeit, Mann und Frau, Lieben und Leben, Erfüllung und die immerwährende Suche danach. Eins kann ohne das andere nicht sein -- das macht unser Leben so spannend, und das macht Updikes Bücher so lesenwert.

Ein wichtiger Punkt zum Schluss: Sucht mein Angesicht ist hervorragend übersetzt. Wunderbar lesbar, mit einem guten Gespür sowohl für Sprache als auch für Updikes Intentionen verleiht Maria Carlsson dem Roman die angemessene Leichtigkeit und Gewichtigkeit, die er verdient. --Dirk Ruschepaul

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Ein geniales Meisterwerk!      5 von 5 Punkten
Ich glaube, daß John Updike beim Schreiben dieses Buches seiner eigenen Leidenschaft für Kunst nachgegangen ist, und dabei gelang ihm etwas, das bei den meisten Schriftstellern sonst regelmäßig schiefgeht: Eine ganze Epoche von Kunstströmungen in Aussagen, Arbeitsweisen, Zeitgeist und Philosophie wahrhaftig und stimmig einzufangen. Diese Qualität des Romans wissen vor allem Leser zu schätzen, die sich für moderne Kunst interessieren. Ich möchte das Buch daher denjenigenen empfehlen, die sich bereits ein wenig mit Modern Art beschäftigt haben und besonders allen Kunststudenten.

John Updike hat selbst Kunst studiert und kennt sich in der Materie bestens aus. Seine Aussagen über die amerikanischen Kunstströmungen der vierziger bis siebziger Jahre, die Galerieszene, den Kunstmarkt und die Arbeitsweise in den Ateliers sind daher unglaublich authentisch. Updike hat in diesem Roman das Panorama und die innere Wahrheit der amerikanischen Abstract Art, Fluxus, Pop Art und Minimal Art mitsamt dem Zeitgeist dieser Kunstströmungen wiedergegeben und zusätzlich einzelnen Persönlichkeiten einfühlsam nachgespürt. Ein großes Vergnügen bereitete es mir, die verschlüsselten Protagonisten anhand ihrer im Buch beschriebenen Werke wiederzuerkennen, wie z. B. den Künstler Zack als Jackson Pollock oder Guy, diese Mischung aus Roy Lichtenstein, Jasper Johns und Andy Warhol. Auch Willem de Kooning, Jim Dine, Allan d'Arcangelo, und James Rosenquist tauchen auf und einige berühmte Galeristen. Daher werde ich das Buch zwischen die Kunstbände und Kunstlexika stellen, obwohl es ein Roman ist.

Doch das ist noch nicht alles, was dieses reichhaltige Buch so bemerkenswert macht. Die Geschichte der Kunst ist eingebettet in ein extrem bescheidenes und daher besonders anspruchsvolles Gesamtkonzept: Die Rahmenhandlung spielt an nur einem einzigen Tag an einem einzigen Ort und es gibt darin nur zwei Frauen, die sich miteinander unterhalten: Die 80-jährige Künstlerin Hope Chafetz wird an einem Vorfrühlingstag des Jahres 2002 in ihrem Wohnsitz in Vermont von der jungen kunstbegeisterten Kathryn D'Angelo interviewt.

Es ist unglaublich, wie gekonnt Updike aus dieser sparsamen Ausgangsposition ein farbiges, vielfältiges und in die Tiefe gehendes amerikanisches Universum erschafft. Präzise wiedergegebene Alltagsgegenstände, eindringliche Landschaftsbeschreibungen, Wetterschilderungen, großartige Dialoge, Monologe und Erinnerungen bilden eine dichte Atmosphäre. Eine Reihe bunter Charaktere, mehrere Familiengeschichten, Liebschaften, Ehen und Beziehungen, der Wandel des Zeitgeistes, Generationenkonflikte. All das ist mit einer Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit verflochten zu einem glaubwürdigen Roman, bei dem niemals etwas Künstliches, Konstruiertes oder Gewolltes spürbar wird. Ja, es ist sogar ein spannendes Buch, denn ich wollte immer wissen, wie es ausgeht. Und tatsächlich schafft Updike auch noch einen überraschenden und poetischen Schluß für sein Buch, von dem man doch die ganze Zeit weiß, daß es eigentlich kein Ende haben kann...

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Ein Regenschirm für diesen Tag - Wilhelm GenazinoEin Regenschirm für diesen Tag
Wilhelm Genazino

Gebundene Ausgabe, August 2001
     Verkaufsrang: 207539      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 17,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 38 Bewertungen)

Der Schuhtester      5 von 5 Punkten
Warum muss man Genazinos Buch "Ein Regenschirm für diesen Tag" unbedingt lesen?
Eine Antwort gibt Sabine Küchler in ihrer Rezension im "Tagesspiegel":
"..., dass man, am Ende der gerade mal 170 Seiten angekommen, gleich wieder von vorne beginnen möchte. Noch einmal durch diese kleine Schule der Wahrnehmung gehen, noch einmal in diesen Alltagsminiaturen und Weltverzauberungsnotaten das Staunen über die Merkwürdigkeit des Lebens wiedererlernen."
Stimmt - vielleicht einige Beispiele gefällig, was Sabine Küchler damit meint?
Der Ich-Erzähler betrachtet in seiner Wohnung den Boden und die herumliegenden Staubflusen: "Wie sonderbar heimlich sich der Staub vermehrt! Plötzlich fällt mir ein, dass Verflusung vielleicht das richtige Wort für den gegenwärtigen Stand meines Lebens ist."
Weiterhin überlegt sich der Ich-Erzähler an alle Bekannten Briefe zu verschicken, in denen er ihnen seinen "Schweigestundenplan" verkündet:
"Für Montag und Dienstag ist DURCHGEHENDES SCHWEIGEN angeordnet. Mittwochs und donnerstags herrscht nur morgens DURCHGEHENDES SCHWEIGEN, an den Nachmittagen GELOCKERTES SCHWEIGEN, das heißt, es sind Kurzgespräche und Kurzanrufe erlaubt. Nur freitags und samstags bin ich zu haltlosem Gerede bereit, allerdings erst ab elf Uhr."
Mit diesen beiden Beispielen erklärt sich der Begriff der "Alltagsminiaturen".
Ansonsten sei noch angemerkt, dass der Protagonist seinen Lebensunterhalt als Schuhtester verdient und ihn aktuell seine Freundin verlassen hat - dies zur Handlung.
Was Genazino allerdings an sprachlich filigraner Arbeit leistet, lässt sowohl ästhetischen Genuss als auch beste Unterhaltung zu.
Ein hervorragendes Buch!


Im Regen wie im Sonnenschein      5 von 5 Punkten
Ein Mann läuft Schuhe ein. Allein für diese Idee gilt es, Genazino zu rühmen, und es gelingt ihm im Verlauf seiner Geschichte, daß man sich vorstellt, wie auch in der eigenen Stadt jemand unterwegs ist, um ledernde Produkte einzulaufen. Eigentlich ein schöner Beruf, viel zu wenig beachtet. Nur daß auch die ausgeglichenste Tätigkeit einen nicht davor bewahrt, daß die Freundin einen verläßt, weil man sich zu sehr aufs Beobachten verlegt hat, oder daß man in finanzielle Nöte gerät, wenn das Honorar pro Paar gesenkt wird. Mit einmal sieht man sich den profanen Dingen des Lebens ausgesetzt.

Doch wenn sie von Genazino erzählt werden, bleiben sie leicht, schwebend und einem Schmunzeln behaftet.

Gedanken eines Fast-Versagers      5 von 5 Punkten
Mitte 40, Schuhtester und von der Freundin wegen der Unfähigkeit sein Leben "brauchbar" zu gestalten verlassen - da kann man sich schon seine Gedanken machen. Und die macht sich der Protagonist in Ich-Erzahlerform pausenlos. Vergnüglich zu lesen aber schwer zu beschreiben ist diese Erzählung, deren 170 Seiten ich fast in einem durch gelesen habe. Durch den Verlust seiner Freundin noch mehr aus seiner Bahn geworfen, finanziell immer auf der (immer wieder verschobenen) Suche nach einem finanziell einträglichen Job lässt er uns pausenlos an seinen Gedanken zu alltäglichen Beobachtungen und Begegnungen teilhaben. Die sind zum Teil so vergnüglich,dass man zum Schmunzeln angeregt wird, speziell was im alles durch den Kopf geht während er zum Beispiel mit seiner Friseurin schlafen will. Seine eigene "Nichtgenehmigung" seines Lebens legt ihm immer wieder Steine in den Weg. Er wäre zu mehr fähig, wenn er sich nicht selbst im Wege wäre. Als dann auch noch sein Schuhtesterjob schlechter bezahlt wird muss er sich dann doch etwas einfallen lassen. Zunächst näherst er sich aber eher beiläufig und ungewollt seiner Jugendbekanntschaft Susanne, Auch diese Gedanken über die Beziehung und den vollzogenen Beischlaf sind äusserst amüsant. Und dann kommt ihm auch noch sein ehemaliger Mitstudent Messerschmidt in die Quere, der ihm dann doch einen Job beim Generalanzeiger anbietet. Es scheint aufwärts zu gehen, aber da ist er sich wohl noch nicht ganz sicher und die Geschichte endet irgendwie offen.
Ein verzüglich- vergnügliches Buch

Langatmig und sehr speziell... schade!      1 von 5 Punkten
Angeregt durch viele positive Bewertungen und Lobesbekundungen hatte ich mir das Buch erwartungsfroh als Wochenendlektüre vorgenommen. Irgendwie hörte sich die Geschichte eines Schuhtesters, der teure Schuhe begeht, bewertet und dafür bezahlt wird, recht lustig, unterhaltsam und auch ein wenig grotesk an.
Tatsächlich aber ist die Geschichte langweilig, langatmig und zermürbend: Ein namenloser, männlicher Protagonist läuft ziellos durch eine Großstadt und nimmt dabei Bestandteile seiner Umwelt wahr. Dabei geht er ebenso ziellos mal diesem, mal jenem Gedanken nach, und er liebt es besonders, seinen frühkindlichen Impulsen nachzugehen. Es gibt keine wirkliche Handlung oder eine Art Handlungsstrang, der Protagonist erzählt einfach nur von sich selbst, und insgesamt wirkt das ganze ziemlich wirr und ein wenig hobby-philosophisch gekünstelt, denn soooo überragend sind die immer wieder gelobten Wortschöpfungen nun auch wieder nicht.
Wie schon von anderen Vorrezensenten geschrieben: Nicht jedermann wird das Buch gefallen. Und auch wenn ich die Idee wirklich gut finde, tut es mir fast schon ein bisschen leid: Ich finde das Buch unbefriedigend und sehr speziell - womit ich das Buch nicht einfach nur schlecht machen möchte, weil es mir nicht gefallen hat. Aber auch Literatur ist eben Geschmackssache.


Irgendwie faszinierend      5 von 5 Punkten
Vielleicht könnte man diesen Roman so umschreiben. Obgleich, nichts wirklich fasziniert.
Und doch: Einfach Genazino.
Jedenfalls kenne ich keinen anderen deutschen Schriftsteller, der das Alltägliche zwischen zwei Beziehungen (Lisa hat ihn gerade verlassen und Susanne hofft auf einen Entscheidungsruck) so anrührend beschreiben kann.
Der Schuhtester welch putzige Idee lässt auf seinen Testrouten durch die Stadt seine Gedanken fließen, und nur gelegentlich bündelt er sie auf eine Person die ihm begegnet, eher unwillig als erfreut. Ja er trägt sich gar mit dem Gedanken, einen Schweigestundenplan einzuführen. Natürlich für andere, in Bezug auf ihn.
Denn es graut ihm davor, sich mit anderen Menschen über Dinge zu unterhalten, die ihn partout nicht interessieren (z.B. mit seinem Auftraggeber über dessen Hobby: Modelleisenbahnen), gerade dann, wenn ihn etwas erschüttert (z.B. die Nachricht, dass seine neuen Zähne fertig sind und abgeholt werden können).
Dass Genazinos Protagonist zur Zeit vom freundschaftlich nachgelassenen Konto seiner Ex lebt, mag diesem nicht ganz angenehm sein,denn er trägt sich mit dem Gedanken, Kurse des Erinnerns zu veranstalten. Erkennt dann aber rechtzeitig, dass die Übernahme eines Jobs durch Vermittlung eines Freundes bei einer Zeitung doch die bessere Alternative ist.
Einhundertvierundsiebzig Seiten über Gedanken, die einem in den Kopf kommen und wieder gehen, gerade dann, wenn man einfach so vor sich hin läuft.
Dazu nie langweilig. Mit anderen Worten: Empfehlung für ein paar gemütliche Stunden.
Ach ja, mich würde jetzt noch interessieren: Geht der Genazino wirklich gerne spazieren? HMcM



 Weitere Lesermeinungen


Das heilige Buch der Werwölfe - Viktor PelewinDas heilige Buch der Werwölfe
Viktor Pelewin

Gebundene Ausgabe, September 2006
     Verkaufsrang: 99732      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 19,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
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Ahuli arbeitet als Prostituierte in Moskau. Was ihre Kunden nicht ahnen: Sie ist ein Werwolf, der die Freier unter Hypnose ihre verwegensten Träume ausleben lässt - alleine. Eines Tages trifft Ahuli auf Alexander, an dem ihre Künste versagen. Denn der leitet als Generalleutnant der Staatssicherheit die Werwolf-Abteilung. Die Anarchistin und der Staatstreue verlieben sich und kämpfen auf unterschiedliche Weise für die Zukunft des maroden Russlands.
Die Prostituierte Ahuli wird von ihrer erlesenen Kundschaft hochgeschätzt. Gibt es doch nichts, über das sie nicht kenntnisreich zu parlieren weiß. Ihre Freier ahnen nicht, dass Ahuli nur auswendig gelernt hat, was die anderen ihr erzählten. Und sie ahnen nicht, dass die anschließenden wilden Liebesspiele mit ihr nur in ihrer Phantasie stattfinden. Denn Ahuli ist eine Werfüchsin, die die Kunst der Hypnose beherrscht und ihre Energie aus den wüsten Träumen ihrer Kunden bezieht. Eines Tages aber trifft sie auf einen Mann, der sich nicht hypnotisieren lässt. Es ist Alexander, Generalleutnant der Staatssicherheit und seinerseits ebenfalls ein Werwolf. Obwohl die Anarchistin Ahuli und der wackere Patriot Alexander in ihren Aussichten weit auseinander liegen, verlieben sie sich ineinander. Aber sie streiten sich über den Erlöser-Werwolf, den die alten Prophezeiungen versprechen. Ist er ideologischer Humbug, wie Ahuli meint? Oder ist es gar Alexander selbst - wie Alexander meint? Arbeiten im Vorstand von Gasprom nur Werwölfe? War der wilde Sex vorgestern nur krude Täuschung? In seiner unnachahmlichen Mischung aus exakter Phantasie und anarchistischer Analyse gibt Pelewin Antworten auf Fragen, die wir nie zu stellen wagten. Und hält dem Russland unserer Tage einen bizarren Zerrspiegel vor.

"Der Superstar unter den jüngeren russischen Autoren."
Neue Zürcher Zeitung
"Wieder hält der große Fabulierer Pelewin in seiner unvergleichlichen, von Esprit, anarchischem Witz und satirischer Schärfe überbordenden Mischung aus Phantasie und kristallkklarer Analyse seiner Heimat den bis zur Kenntlichkeit verzerrenden Spiegel vor. (...) Wer glaubt, seit Alexander Solschenizyn sei alles Wesentliche über den Archipel Russland gesagt, den belehrt dieser Roman eines besseren."
SWR-Bestenliste
"Ich als großer Fan der traurigen Literatur aus Russland habe 'Das heilige Buch der Werwölfe' buchstäblich verschlungen."
Wladimir Kaminer


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 1.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

wer russiche Politik mag, bitte schön ..... für den Rest FINGER WEG!!!      1 von 5 Punkten
Schade, schade, schade.
Der Klappentext gibt leider keine Auskunft darüber, wie schwierig und unzugänglich das Buch ist.

Die ganze Geschichte ist so bei den Haaren herbei gezogen, dass sich einfach nur vermuten lässt, dass der Autor die Werwolf-Mythologie heranzieht, um sich in seinen politischen Aussagen zu ergiessen, ohne dabei den Staatsschutz Russlands fürchten zu müssen.
Im Buch geht es ausschließlich um Politik und die Wiederspiegelung der derzeitigen Lage in Russland, ohne dass der Autor es schafft, das Thema Politik dem Leser näher zu bringen.
Die Hauptfiguren bleiben unsymphatisch bis zum Schluss und im Grunde wird keine Geschichte erzählt, sondern nur eine Diskussion geführt, die gelegentlich von den Interaktionen der Figuren unterbrochen wird.

Der Titel ist absolut irreführend, auch wenn es ansatzweise um Werwölfe geht. Weder wird auf deren Mythologie eingegangen, noch auf erklärt, warum Sie ihre Positionen bekleiden.

Ich habe selten so ein anstrengendes und schlechtes Buch gelesen.

Einen Stern gibt es lediglich, weil das Ende zum gesamten Buch passt. Ein bisschen Meditation und es verschwindet.


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