Zeitgenössische Literatur

Inhaltsangaben
Kurzbeschreibungen
Zusammenfassungen
Seite 26

Hundert Jahre Einsamkeit. Roman - Gabriel García MárquezHundert Jahre Einsamkeit. Roman
Gabriel García Márquez

Taschenbuch, 1984
     Verkaufsrang: 29072     

Bei Amazon direkt z.Zt. nicht lieferbar,   Bei anderem Anbieter bestellen

Nach einem Mord, und nachdem der Geist des Ermordeten ihn und seine Frau nicht mehr in Ruhe gelassen hatte, machen sich José Arcadio Buendía, seine Frau Ursula und einige andere auf den Weg, um ein neues Dorf zu gründen. Macondo liegt irgendwo im Urwald, keine Straße führt dorthin, und nur die Zigeuner finden immer wieder ihren Weg zu ihnen, um ihnen die neuesten Erfindungen zu präsentieren -- die von José Arcadio jeweils mit Begeisterung gekauft und ausprobiert werden, ob es sich nun um Magneten oder um Chemikalien handelt. Melchíades, der Weise, der diese Erfindungen jeweils präsentiert, unterweist ihn im Gebrauch dieser Neuerungen.

Zwei Söhne werden ihnen geboren; José Arcadio und Aureliano. Das Haus füllt sich auch sonst mit Menschen; immer mehr werden es, die Kinder der Gespielinnen der Söhne werden ebenso im Haus deponiert wie entfernte Verwandte, von denen keiner weiß, wer sie eigentlich sind. Über Generationen hinweg wird nun von dieser Familie erzählt; vom General, der 32 Aufstände anzettelt und jedesmal scheitert, der unzählige Attentate überlebt, der siebzehn Söhne zeugt und alle in einer einzigen Nacht wieder verliert; von Eifersüchteleien, von unerfüllter Liebe und Leidenschaft, von Inzest, vom Leben und vom Sterben. Mit der Familie wächst auch das Dorf, wird immer weiter an die Errungenschaften der Technik angeschlossen, eine Eisenbahn verkehrt, eine Bananengesellschaft wird gegründet; bis das Rad sich wieder dreht und das Dorf wieder zu seinem Ursprung zurückkehrt. Naturkatastrophen verhindern das Bleiben der Bananengesellschaft, auch sonst passiert hier nicht mehr viel, und zum Schluss soll sich auch noch die alte Prophezeiung erfüllen, dass zu viel Inzucht zu Söhnen mit Schweineschwänzchen führt.

Zu diesem Buch eine Inhaltsangabe abzugeben, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Viel zu viel passiert auf diesen beinahe 500 Seiten; und vor allem: Es ist ausgesprochen schwierig, bei diesen vielen sich überschneidenden Generationen mit den ewig gleichen Namen den Überblick nicht zu verlieren. Wobei der Autor mit dieser Unsicherheit ja auch ganz bewusst arbeitet; es gibt ein Zwillingspärchen, das sich bis zum Tod immer wieder vertauscht und selber nicht mehr weiß, wer nun wer ist.

Vor zehn Jahren hatte ich dieses Buch ja schon einmal gelesen. Meine Erinnerung an den Inhalt war recht spärlich, aber woran ich mich noch genau erinnern konnte, war das Gefühl, ein höchst beeindruckendes Buch gelesen zu haben. Es lohnt sich sehr, sich für dieses Buch eine längere Zeitspanne zu reservieren, in der man ununterbrochen lesen kann; der in diesem Buch begründete magische Realismus kann so seine Wirkung am besten entfalten.

Woran ich mich auch nicht erinnern konnte, oder was mir damals vielleicht auch noch gar nicht aufgefallen war, ist der unglaubliche Humor, der hier versteckt ist. Allerdings ist es ein tiefgründiger Humor, der seine Wirkung daraus bezieht, dass man die Figuren im Buch kennt, und der sich schwerlich durch die Erzählung von Anekdoten wiedergeben lässt. Alles in allem bin ich wiederum schwer begeistert und freue mich schon auf den Genuss, den dieses Buch mir beim nächsten Lesen bieten wird. --Daniela Ecker

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 39 Bewertungen)

Abtauchen in eine phantastische Welt      5 von 5 Punkten
Das Buch ist das schönste Buch, das ich je gelesen habe. Bereits nach wenigen Seiten tauscht man ab in den südamerikanischen Urwald, ins fiktive Macondo, in dem die Geschichte des Dorfes und der Familie Buendía über 100 Jahre erzählt wird. Teilweise witzig, teilweise traurig, aber immer mit einn gehörigen Portion Charme, so dass man das Buch garnicht weglegen möchte. Leicht beschwinglich wird diese Familiengeschichte erzählt, nicht so melodramatisch wie "Das Geisterhaus" von Isabel Allende oder so nüchtern-trocken wie "Die Buddenbrooks" von Thomas Mann.


 Weitere Lesermeinungen



A Long Way Down - Nick HornbyA Long Way Down
Nick Hornby

Gebundene Ausgabe, Mai 2005
     Verkaufsrang: 134955      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 19,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Vier Menschen, vier Lebenswege, die ganz tief hinab führten. Am bitteren Ende -- und hier setzt der Roman ein -- geht es allerdings noch einmal hoch hinauf. Auf dem Dach eines Londoner Hochhauses treffen in der Silvesternacht vier Gestalten zufällig aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Was sie eint, ist der Wunsch, durch einen Sprung in die Tiefe ihrem Leben ein Ende zu setzen. Da jedoch keiner willens ist, den intimen Finalsatz unter den Augen Fremder zu vollziehen, wird der Versuch fürs erste abgebrochen. Unversehens bildet sich auf dem Dach eine skurrile Selbsterfahrungsgruppe -- und wir sind im Hornby-Land angekommen. Lesen Sie einen Textauszug.

Erzähler sind die Sprungkandidaten selbst. Martin, der populäre Frühstücksfernsehmoderator, dessen Ausflug ins Bett einer 15-Jährigen dazu führte, dass die Scheinwerfer für ihn endgültig ausgingen. Die altjüngferliche Katholikin Maureen, die beim einzigen „Fehltritt“ ihres Lebens ein Kind zur Welt brachte, dass seitdem im Wachkoma dämmert. Die rotzfreche Jess, für die der Selbstmord wegen eines Kerls einfach nur ein geiler Abgang zu sein scheint. Schließlich JJ, der Rockmusiker mit Karriereknick (in dem sich Hornby neben Maureen und ihrem kranken Kind, ein Schicksal, das der Autor teilt, wohl am deutlichsten verkörperte). Dieses Unglücksquartett dient Hornby als menschliche Jongliermasse, ein wahres Satirefeuerwerk über die letzten Fragen um Leben und (Frei)tod abzufackeln.

Der Autor zaubert alles aus dem Hut, was wir an ihm lieben: Dylan-Verse, Weisheiten von Oscar Wilde, Pop-Zitate und bitterlustiges Lifestyle-Gemäkel. Kritiker sahen darin die Crux des Romans. Der Suizid dürfe nicht Gegenstand ironischer Betrachtung werden. Tiefe Seelenqualen auszuloten, sei Hornbys Sache nicht. „Eine leichte, amüsante Lektüre, aber kaum geeignet, Licht auf das wirkliche Leid von Menschen zu werfen“, merkte ein britischer Amazon-Leser an. Hornby konterte, ein depressives Buch über Depressionen hätte wohl niemanden sonderlich angemacht. Richtig so! Kein psychiatrisches Gutachten in Romanform, kein Lebensratgeber für verdüsterte Gemüter -- und trotzdem verdammt lebensklug. Hornby besitzt eindeutig die bessere Medizin. --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 150 Bewertungen)

Eine Ode auf das Leben      5 von 5 Punkten
Die ersten Sätze:
"Ob ich erklären kann, warum ich von einem Hochhaus springen wollte? Selbstverständlich kann ich erklären, warum ich von einem Hochhaus springen wollte. Ich bin ja kein Vollidiot. Ich kann es erklären, weil es nicht unerklärlich ist: Es war eine logische Entscheidung, das Ergebnis reiflichen Nachdenkens. Wenn auch wieder nicht allzu ernsthaften Nachdenkens."

Die letzten Worte:
"...aber das musste es wohl, denke ich."

Inhalt:
Dass das Dach von Topper's House beliebt bei Selbstmördern ist, ist allgemein bekannt. Aber dass ausgerechnet in der Silvesternacht gleich vier Menschen auf die Idee kommen, sich umzubringen, ist nun doch ein seltsamer Zufall. Oder doch mehr als bloß ein Zufall? Unterschiedlicher hätten die vier nicht sein können: Maureen, deren Alltag sich einzig und allein um ihren behinderten Sohn Matty dreht und die sich die ganze Zeit fragt, was sie denn falsch gemacht hat, dass Gott sie mit so einer schweren Bürde belegt. Martin, Fernsehmoderator einer Vormittagstalkshow, der in den letzten Wochen von der Boulevardpresse zerissen wurde, weil er mit einer 15jährigen geschlafen hat, Ex-Frau Cindy und Noch-Freundin Penny bringen auch nur Ärger und Probleme. Der Amerikaner JJ, einst begeisterter Musiker und nach der Auflösung seiner Band zum lustlosen Pizzaboten verkommen, kann die Trennung von Band und Freundin Lizzie nur schwer verkraften. Und dann ist da noch die pubertierende Göre Jess, die mit Kraftausdrücken nicht spart und ihren Mitmenschen sehr direkt sagt, was sie von ihnen hält. Die vier kommen ins Gespräch und beschließen schließlich, ihren gemeinsamen Selbstmord zu verschieben und in der verbleibenden Zeit zu überlegen, was noch für und was bereits gegen eine lebenswerte Existenz spricht. Und schon bald merkt jeder auf seine eigene Weise, wie er den anderen drei helfen kann.

Reingelesen:

- [...] man kann sich über jeden lustig machen, der unglücklich ist, man muss nur grausam genug sein. (S.55)

- Noch vor dem Bad habe ich mich auf den Teppichboden übergeben. Na ja, ich sage "Teppichboden", aber eigentlich übergab ich mich da, wo ein Teppichboden hätte sein müssen, doch er besaß keinen. Was ganz gut war, denn so war es nachher viel einfacher, sauber zu machen. Ich habe viele dieser Sendungen gesehen, in denen sie einem das Haus neu einrichten, und nie verstanden, wieso sie einem immer einreden, die Teppiche wegzuschmeißen, sogar gute, die noch einen schönen dicken Flor haben. Aber jetzt frage ich mich, ob sie zuerst einmal eruieren, ob die Leute, die in dem Haus wohnen, sich häufig übergeben oder nicht. Ich habe festgestellt, dass viele jüngere Leute blanke Fußböden haben, und natürlich übergeben die sich öfter, bei dem vielen Bier und sonstwas, das sie trinken. Und bei den Drogen, die sie heute nehmen, wohl auch, vermute ich. (Muss man sich von Drogen übergeben? Ich würde sagen, ja, oder?) (S. 117 f.)

- Also wie kommen Leute bloß ohne Schimpfworte aus? Wie ist so was möglich? (S. 174)

- Wahrscheinlich wissen Sie auch, dass man, wenn man aus dem Flugzeugfenster blickt und die Welt zusammenschrumpfen sieht, unwillkürlich an sein ganzes Leben denken muss, an alle Menschen, die man je gekannt hat. Und Sie werden wissen, dass man beim Gedanken an all diese Dinge Gott, der sie geschenkt hat, aufrichtig dankbar ist, und böse, weil er Ihnen nicht hilft, sie besser zu verstehen, bis Sie zuletzt ganz durcheinander sind und den Rat eines Geistlichen nötig hätten. Ich nahm mir vor, auf dem Rückflug nicht am Fenster zu sitzen. Ich verstehe beim besten Willen nicht, wie diese Jetset-Leute, die ein bis zwei Mal im Jahr fliegen müssen, das verkraften. (S. 237)

- Jetzt war die Zeit, zu danken, und nicht, meines Nächsten Weib oder Meerblick zu begehren. (S. 238 )

Ausgelesen:
Nick Hornby schildert auf eine eindrucksvolle, lebensnahe und intensive Weise gleich vier Geschichten von Menschen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können und doch eines gemeinsam haben: sie sehen keinen Ausweg mehr. Mit dem Wechsel der Perspektiven von Maureen, Martin, JJ und Jess ändert sich auch die Ansicht der Umwelt, die Meinung vom Leben und die verwendete Sprache. Doch die vier haben die Möglichkeit, sich gegenseitig wieder hoch zu ziehen. Und das versuchen sie auch, jeder auf seine eigene, oft komische Art und Weise. Eindrucksvoller Rpman, der ohne Kitsch zu erklären vermag, warum es sich lohnt, nicht gleich aufzugeben.



 Weitere Lesermeinungen



Kali: Eine Vorwintergeschichte - Peter HandkeKali: Eine Vorwintergeschichte
Peter Handke

Broschiert, Juni 2008
     Verkaufsrang: 151414      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Im neuen Buch, der geheimnisvollen und überraschungsreichen "Vorwintergeschichte" Kali, bricht eine Sängerin nach Abschluß ihrer Tournee in ihre Kindergegend auf - nach Handke-Land: "In die Gegend gleich nebenan, hinter dem Kindheitsfluß. ... Dort ist der Winter noch Winter. Oder: Es ist eine Auswanderer-Gegend ... Das Einzige, was ich noch weiß: Der Untergrund dort besteht bis in die tiefsten Tiefen aus Salz - Kali. ... Auch im Sommer ein schneeweißer Bergrücken mitten in der Ebene."
An jenem Ort leben die unterschiedlichsten Weltenbewohner, "Überlebende des Dritten Weltkriegs, der rund um uns schon seit langem wütet, unerklärt, wenig sichtbar, aber um so böser". Deren Leben, so wird der Sängerin bei ihrer Ankunft in der Siedlung auf dem Kali-Berg deutlich, ist völlig aus den Fugen, seit ein Kind verschwunden ist.
Und wie geht es mit dem Kind weiter? Und warum heißt es am Ende: "Ah, wenn einmal ein Kind ins Erzählen kommt..."? In Kali hat Peter Handke die Geschichte, die Stationen, das ernste Spiel des Verlorengehens, des Findens und Suchens in unserer Zeit erzählt. Wen sucht die Sängerin? Warum reist sie zunächst zu ihrer Mutter? Wieso flößt sie dem Mann und dessen Sohn in der Bergwohnsiedlung Angst ein? Und warum reist sie zum tiefsten Punkt des Salzstocks?


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Ein sehr ambivalentes Buch      5 von 5 Punkten
Peter Handke ist wieder Poet geworden, hat der Welt den Rücken gekehrt und ist nach "Handke Land" zurückgekehrt, das er sich selber geschrieben hat. Kali" heißt sein neuestes Buch, es ist ein rätselhaftes Traumbuch", eigentlich mehr ein "Angstbuch". Es liest sich wie ein Märchen. Ursprünglich ist es als Filmskript für einen Wenders Film gedacht gewesen, dann ist eine Erzählung daraus entstanden. Man spürt beim Lesen diese gekonnten Zwischenschnitte. Peter Handke bringt auch eine große Lakonie dadurch hinein, dass er Figuren immer wieder aus einer großen Distanz, aus einer großen räumlichen Entfernung, auftreten lässt.

Heldin des Buches ist eine Sängerin, eine Musikantin, eine Ruferin und auch eine Finderin Was sie sagt muss geschehen und eine schöne, vorangestellte Drohung besagt, wem sie sich hingibt, der muss sterben. Nach Abschluss ihrer Tournee geht sie auf eine lange Reise, auf der Suche nach dem "Mann". Sie kommt schließlich im "Toten Winkel", einer Auswanderer Gegend an, dort wo der Winter noch Winter ist. Es ist eine Siedlung am Fuße eines hoch aufragenden Salzberges. In dieser toten Gegend treffen sich die unterschiedlichsten Weltenbewohner, Überlebende des Dritten Weltkriegs, in dem sie sich mitten drin befinden, in dem wir alle leben, ohne das dies der Autor näher erklärt. Es sind kaum noch Einheimische dort, aber viele Ausländer, Gastarbeiter, Desperados, die alle sehr getrennt und fremd miteinander leben.


Es sind diese Versprengten, Verirrten aus aller Herren Länder, die in diesem "Toten Winkel" leben. Da kommt ein Motiv, welches mir sehr gut gefallen hat, das Motiv des "umgekehrten Turms von Babel". Als man dort hoch hinaus baute, entstand eine allgemeine Sprachverwirrung, niemand hat es mehr verstanden. Und hier kommt nun eine merkwürdige Sache, denn je tiefer die Menschen in dieses Kalibergwerk hinuntersteigen, desto besser verstehen sie sich plötzlich wieder, obwohl sie alle verschiedene Sprachen sprechen. Es eint sie etwas, nämlich die Suche nach Erlösung, die Suche nach dem Gral,die Suche nach dem Kind.

Der Leiter dieses Salzbergwerks, der "Grubenherr", ist der für die Heldin bestimmte Mann. Er erwartet sie und er fürchtet sie, denn er weiß, was es zu bedeuten hat, wenn er diese Frau lieben wird. Die Situation der Dorfbewohner ist vollkommen aussichtslos, seitdem ein Kind verschwunden ist. Alle machen sich auf die Suche, Der "Grubenherr" und die Heldin fahren in das Salzbergwerk hinein und wirklich bis in den tiefsten Stollen. Und das sind unglaubliche Szenen, nichts für klaustophobiesche Leser, denn man merkt richtig wie der Berg über einem grollt und donnert und wie die beiden in großer Angst immer weiter in diesen Stollen hineinfahren.

Und dann geschieht das "Erbarmende", die beiden dürfen sich lieben. Und dann wird die große Erlösungssehnsucht erfüllt. Es kommt die große Erlösung, wo dieses verloren geglaubte Kind in einer Kirchenszene, wie der Erlöser im Licht steht. Peter Handke den Weltwut und Weltangst umtreibt, rettet sich ins Beseligende. Es ist wie ein Versuch einer "poetischen Weltrettung", voller Pathos. Die Weltrettung sind eigentlich die Kinder, denn die Finderin, die Heldin des Buches findet das im "Toten Winkel" seit langem verzweifelt gesuchte Kind. Und Kinder sind Zukunft, Unschuld und Hoffnung. Und das Buch schließt mit der Aussage, "ja wenn Kinder einmal ins Erzählen kommen".
Es ist ein ganz mäandrisch, episches Erzählen, ein märchenhaftes Erzählen mit so vielen Motiven und literarischen Anspielungen wie Heinrich von Ofterding's Romanfragment Novalis oder Lancelot, die da alle in irgendeiner Form da rein spielen.

Störend empfinde ich den metaphysischen Drall in der Dichtung, wenn es darum geht das Sinnliche, das Materielle zu übersteigen, im Hinblick auf eine noch größere, fast schon religiöse Versöhnung, Dabei stehen die "heiligen" Dinge immer im Kontext mit völlig Profanem. Es ist eine Hölle ohne Teufel, eingefangen in unglaublich traumatischen Bildern. Es sind häufig sehr verrätselte Bilder in denen der Autor die öden Schattenseiten zeigen will und dagegen setzt der dann einen ganz emphatischen Begriff von Leben.

Es ist ein Buch über Krieg, Angst, Liebe und vor allem Erlösung, wobei die Ambivalenz ein immer wieder auftauchendes Thema ist.
Ungemein ist die Sehnsucht, die große Einsamkeit, die dieses Buch durchzieht, denn man verspürt, dass da ein Autor auf der verzweifelten Suche nach etwas anderem ist, als der Welt in der wir leben. Kali" heißt das Buch, Kali bedeutet Salz, aber "Kali" ist auch eine hinduistische Göttin der Zerstörung und Erneuerung. So gibt es viel Salz und viele Menschen in diesem Buch, trotzdem ist der berührende, nahe gehende Grundton, der einer endlosen Einsamkeit.

Dem Buch ist in der deutschen Presse ganz vehement der Kitschvorwurf gemacht worden. Das ist das Schlimmste, was man einem Buch vorwerfen kann, und sicher völlig unberechtigt. Sicher, man muss Peter Handke mögen, es ist nicht sein größtes Buch und es ist wahrscheinlich kein Buch für Einsteiger, aber lesenswert ist es allemal.


 Weitere Lesermeinungen


Der Judaskuß - António Lobo AntunesDer Judaskuß
António Lobo Antunes

Broschiert, September 2006
     Verkaufsrang: 211609      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

In einer Bar in Lissabon erzählt ein Betrunkener einer Schönen der Nacht von seinen Erfahrungen im Angolakrieg. Unaufhaltsam redet dieser Mann, wütend, ausfallend, obszön, zärtlich und verzweifelt, er durchschreitet noch einmal die Hölle der Vergangenheit, nur um in der Gegenwart dieser Nacht nicht allein zu bleiben.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Monolog über die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges      5 von 5 Punkten
Der Protagonist erzählt einer Unbekannten, die er in einer Bar kennen lernt, seine Erlebnisse als Truppenarzt im portugiesischen Kolonialkrieg in Angola. In diesem Bericht stehen eher seine persönlichen Empfindungen und seine Angst im Vordergrund, als eine detaillierte Schilderung des Kriegsverlaufs. Er berichtet was, er empfindet, wenn seine Kameraden zu Tode kommen und wie ihn manche dieser Szenen noch Jahre später verfolgen.
Besonders gut gefiel mir, die Stimmung, die durch seinen Monolog in mir erzeugt wurde. Mir wurde klar, dass jeder Krieg sinnlos ist, weil die daran beteiligten Personen einen nachhaltigen psychischen Schaden davon tragen.
Das Buch ist zwar auf einem literarisch hohen Niveau geschrieben. Der Roman leidet aber nicht darunter. Zeit- und ortspezifische Begriffe werden im Anhang gut erklärt.

Monolog über die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges      5 von 5 Punkten
Der Protagonist erzählt einer Unbekannten, die er in einer Bar kennen lernt, seine Erlebnisse als Truppenarzt im portugiesischen Kolonialkrieg in Angola.
In diesem Bericht stehen eher seine persönlichen Empfindungen und seine Angst im Vordergrund, als eine detaillierte Schilderung des Kriegsverlaufs. Er berichtet was, er empfindet, wenn seine Kameraden zu Tode kommen und wie ihn manche dieser Szenen noch Jahre später verfolgen.
Besonders gut gefiel mir, die Stimmung, die durch seinen Monolog in mir erzeugt wurde. Mir wurde klar, dass jeder Krieg sinnlos ist, weil die daran beteiligten Personen einen nachhaltigen psychischen Schaden davon tragen.
Das Buch ist zwar auf einem literarisch hohen Niveau geschrieben, der Roman leidet aber nicht darunter. Zeit- und ortspezifische Begriffe werden im Anhang gut erklärt.


Wenn der Fluß voll Whisky wär - Tom Coraghessan BoyleWenn der Fluß voll Whisky wär
Tom Coraghessan Boyle

Taschenbuch, 1994
     Verkaufsrang: 39245      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Als 'die literarische Entdeckung Amerikas' bezeichnete die 'Zeit' den Schriftsteller T. C. Boyle, nachdem sein Roman 'World's End' erschienen war. In den vorliegenden Erzählungen, ist von Menschen gegensätzlicher Charaktere die Rede ist, die eines gemeinsam haben: Sie stehen am Wendepunkt ihres Lebens.T.C. Boyle wurde 1948 in Peekskill, New York, geboren. Er war Lehrer an der dortigen High-School und publizierte während dieser Zeit seine ersten Kurzgeschichten. Heute lebt er in Kalifornien und unterrichtet an der University of Southern California in Los Angeles Creative Writing. Sein 1987 erschienener Roman World's End brachte ihm höchstes Lob der Kritik. Noch im selben Jahr erhielt Boyle den PEN/Faulkner-Preis.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)

Einfach Boyle!      5 von 5 Punkten
Boyles Texte packen und amüsieren, erstaunen und fesseln gleichermassen. Skurrile Menschen erleben oft Surriles und Boyle schafft es, nie ins Banale abzusaufen. Wort- und Metapherngewaltig bieten seine Geschichten sprachliche Kleinodien, die einen nicht mehr loslassen. Der Mann ist ein Schreibsüchtiger und das Tolle daran ist, dass er mich an den Auswüchsen seiner Sucht teilhaben kann.


 Weitere Lesermeinungen


Liebesfluchten - Bernhard SchlinkLiebesfluchten
Bernhard Schlink

Gebundene Ausgabe, Februar 2000
     Verkaufsrang: 196860      Gewöhnlich versandfertig in 4 bis 6 Tagen.

Preis: € 19,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Bernhard Schlink hat eigentlich alles erreicht. Er ist Professor der Jurisprudenz in Berlin und entsprechend hoch angesehen. Der 1944 geborene Jurist -- und nur als solcher wird er im Klappentext vorgestellt -- feierte mit seinem Roman Der Vorleser einen Welterfolg. Nun liegt das zweite Werk des Autors vor: Liebesfluchten.

Sieben Geschichten sind es und sie haben eines gemeinsam: es geht um Menschen, die plötzlich von der Vergangenheit eingeholt werden. War es im Vorleser noch die Zeit des Nationalsozialismus, ist es jetzt unter anderem auch die Stasi. Von Verrat ist da die Rede, von bitteren Anschuldigungen. Und von Tratschtanten, die nichts für sich behalten können.

In einer anderen Geschichte "Das Mädchen mit der Eidechse" sind es doch wieder jene zwölf dunklen Jahre, welche ein blutiges Kapitel Weltgeschichte geschrieben haben. "Was hat dein Vater im Krieg gemacht?" -- "Jetzt geht das los!" Bernhard Schlink erzählt mit einfachen Sätzen, ohne banal zu werden. Seine Geschichten leben durch seine klare Sprache, aber auch durch den Mut, mit dem er etwa das schwierige Verhältnis von Deutschen und Juden angeht.

Es wird nur unbedeutend durch den Ort der Handlung -- New York -- entkrampft wie etwa in der Geschichte "Die Beschneidung". Da ist die deutsche Vergangenheit wieder da: "Ich kann es nicht mehr hören: Der Nazi in mir der Deutsche in mir...". Die junge Generation, die Hitler nur aus Büchern kennt, gerät wieder unter Rechtfertigungsdruck. Schlink erhebt keine Anklage gegen irgendwen, moralisiert nicht, sondern erzählt einfach. Und gerade das macht auch sein neues Buch lesenswert. --Corinna S. Heyn

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 30 Bewertungen)

liebesfluchten - genial erzählt und fernab von jeglichem kitsch      5 von 5 Punkten
liebesfluchten lässt einen an sieben unterschiedlichen geschichten teilhaben, die die vielen facetten der liebe zeigen. fernab von jeglichem kitsch und wirklich genial erzählt, wobei "die beschneidung" bei mir am meisten eindruck hinterlassen hat.


 Weitere Lesermeinungen



Die Menschen lügen. Alle - Arnold StadlerDie Menschen lügen. Alle
Arnold Stadler

Taschenbuch, Juni 2005
     Verkaufsrang: 228127      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,00 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

"Mir verschlug es die Sprache, als ich erfahren musste: die Menschen lügen. Alle" - so steht es im Psalter des Alten Testaments, jener Sammlung von Hymnen, von Preis- und Dankliedern, Von Klage- und Vertrauensliedern. Die Psalmen sind 'moderne' Gedichte, ihre Poetik ist der Dynamik des Lebens abgelauscht.
Büchner-Preis-Träger Arnold Stadler legt eine Übertragung vor, die von der Faszination zeugt, die das Buch der Psalmen über dreitausend Jahre bis heute auf Dichter und Leser, Betende und Sänger ausgeübt hat. Er übersetzt die Psamlen in die Sprache der Gegenwart und ist ihnen zugleich treu geblieben, indem er ihre ursprüngliche Gedichtform beibehalten hat.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Keine schöneren ....      5 von 5 Punkten
Mit der hier vorliegenden Übertragung von 51 der 150 Psalmen, werden diese in eine zeitgemäße und doch gewaltig schöne Lyrik überführt - lesen! Immer wieder!


Nachricht von einer Entführung - Gabriel Garcia MarquezNachricht von einer Entführung
Gabriel Garcia Marquez

Taschenbuch, Juli 2001
     Verkaufsrang: 188209      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 11,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

»Marina überantwortete sich den Wächtern ohne eine Träne. Sie zogen ihr die Kapuze verkehrt herum auf, damit sie nichts sehen konnte. Der Monje nahm sie an beiden Händen, und rückwärts gehend führte er sie aus dem Haus. Marina folgte ihm mit sicherem Schritt.« Eine alte Frau, abgemagert bis auf die Knochen, mit mattem weißem Haar. Sechs Kugeln richteten sie hin. Ihre Henker: Kriminelle, die im Auftrag des allmächtigen Paten des Medellín-Kartells handelten. Pablo Escobar ließ 1990 - auf dem Höhepunkt des Machtkampfes mit der Regierung - neun Angehörige einflußreicher Familien und Journalisten kidnappen, um von der kolumbianischen Regie-rung das Auslieferungsverbot für die inhaftierten Drogenbosse an die USA zu erpressen.In ÜNachricht von einer Entführung‹ hat García Mßrquez dieses aufse-henerregende Geiseldrama aufgrund von Aussagen der Überlebenden, ihrer Freunde und nächsten Verwandten rekonstruiert. Mit der Stilsicherheit und dem Einfühlungsvermögen des großen Romanciers sowie der scharfen Beobachtungsgabe des Journalisten führt er den Leser an den Schauplatz der Entführung, in die Wohnungen besorgter Freunde und Verwandten und in die Schaltzentralen der Macht. Angst, Verzweiflung, aber auch winzige Hoffnungsschimmer: Gebannt und erschüttert verfolgt man das individuelle Schicksal der Betroffenen und die tragische Situation eines Landes im Fa-denkreuz von Gewalt und Gegengewalt.

Der kolumbianische Nobelpreisträger, große Romancier und Journalist Gabriel Carcia Márquez erzählt in einer aufrüttelnden Reportage, in deren Mittelpunkt die Geschichte zweier Frauen steht, von einer spektakulären Entführung durch das Medellin-Kartell in Kolumbien.
"Dieser Text enthält mehr Phantastisches als meine phantastischen Romane" Gabriel Garcia Márquez


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)

Vorhang auf: Leise rieselt der Schnee      5 von 5 Punkten
Der Krieg zwischen den Drogenkartellen und der Regierung hat in Kolumbien ein erschütterndes Ausmaß erreicht. Aufgrund eines Dekrets der amtierenden Regierung, welches die Auslieferung inhaftierter Drogenbosse an die USA vorsieht, läßt Pablo Escobar, seines Zeichens Pate des Medellin-Kartells, 1990 neun Geißeln einflußreicher Familien des Landes kidnappen, um der Abschiebung zu entgehen.

Marquez rekonstruiert in diesem Roman anhand der Aussagen Überlebender den Verlauf dieses Dramas bis zu seinem bitteren Ende. Er gewährt dem Leser auch Einsicht in ein Land, welches, obgleich seiner Schönheit, von Korruption zerfressen ist und in dem die Menschen wenn sie überleben wollen, gerade wegen dieses Systems und der dadurch entstandenen Armut, gar keine andere Wahl haben, als Handlanger einer dieser Kartelle zu werden.

Auch wenn dieses Werk eine Orgie der Gewalt ist, zeigt es nur auf, wie die Realität in einem zwiespältigen Land wirklich aussieht. Zudem wird drastisch sichtbar wie schwer es ist, einer zur jeder Tat bereiten kriminellen Organisation beizukommen.

Ein Buch über einen Vorfall in einem Land in dem der Schnee erzeugt wird, oder, die blutrünstige Neuauflage der Frau Holle.

 Weitere Lesermeinungen



Solomons Lied - Toni MorrisonSolomons Lied
Toni Morrison

Taschenbuch, Oktober 1993
     Verkaufsrang: 209468      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 4,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

"Solomons Lied" ist das kraftvollste und reichste Stück Literatur, das das schwarze Amerika seit langen Jahren hervorgebracht hat. Während bisher afroamerikanische Autoren das Spannungsverhältnis zwischen Schwarz und Weiß in den Vordergrund stellten, schreibt Toni Morrison ihren Roman als selbstbewußte Vertreterin einer eigenständigen fruchtbaren schwarzen Kultur, deren Glanz es nur freizulegen galt - zum erstenmal wird hier erkennbar, was trotz Sklaverei und Diskriminierung in den Hütten, Slums und Gettos entstanden ist.
Die Handlung dieses Romans ist vielsträngig, aber diese Vielfalt spiegelt die geistige Position der Autorin: Milchmann, ein junger Schwarzer, Sohn eines wohlhabenden, clever-skrupellosen Immobilienmaklers aus dem ländlichen, rechtlosen Negerproletariat und der Tochter eines schwarzen Arztes aus dem Norden, verfolgt in vielen Schritten die Geschichte seiner Familie zurück bis zur Sklaverei, bis zu einem Punkt, von dem 'nur' noch Folklore und märchenhafte Überlieferungen (wie das "Lied Solomons", des Urahns) künden. Zunächst muß der Protagonist den Ursprung seines Spitznamens heruasfinden: seine Mutter hat ihn bis weit ins Knabenalter hinein gestillt. Das bringt ihn widerstrebend dazu, die unglückliche Ehe seiner Eltern zu erforschen. Als die Enkelin der entfremdeten Schwester seines Vaters sich in ihn verliebt, muß er sich mit der verfeindeten Generation vor ihm auseinandersetzen, mit den Zauberkräften der Tante Pilate, der weisen Hexe ohne Nabel, und der überall in der Familientradition schlummernden Sehnsucht, fliegen zu können, sich der stumpfen, tödlichen Alltäglichkeit zu entziehen. Vom habgierigen Vater angespornt, macht er sich schließlich auf die Suche nach einem verschollenen Schatz, den Vater und Tante einst als Kinder entdeckt, aber nicht geborgen hatten. Milchmanns Gegenspieler ist Gitarre, zunächst Jugendfreund, dann tödlicher Feind, im Haß auf die Weißen fixiert. So reich an Symbolischem, Mystischem, Gespenstischem, Surrealem Toni Morrisons Prosa auch ist - nie verselbständigt sich das alles zu bloßer literarischer Virtuosität. Ihr Buch ist wie alle große Literatur unterhaltend und weise.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

Milkman's journey      5 von 5 Punkten
Ein großartiges Buch über Selbstfindung, Stolz, Zugehörigkeit, Wurzeln und eigener Geschichte. Macon Dead III (genannt Milkman) ist gefangen in seinem eigenen "Selbst" und seiner Familientradition, die gewisse Leute ausschließt. Wie seine Tante, Pilate Dead, die genau die Eigenschaften zu haben scheint, nach denen Milkman sich immmer gesehnt hat, die sein Vater aber ablehnt, ja geradezu hasst. In diesem Buch wird die Reise Milkmans zu seinen Wurzeln beschrieben, die wirklich zirkular verläuft, die beginnt mit dem Selbstmordsprung eines stadtbekannten Versicherungsagenten vom No Mercy Hospital und die endet mit dem Flug von Milkman in ein bessers Sein. Milkman hatte zeit seines Lebens vom Fliegen geträumt und sich irgendwann in den Süden aufgemacht, um herauszufinden, wer er ist und woher er stammt. Fazit der Geschichte ist, dass er die wichtigen Personen, die sein Leben beeinflusst haben, trifft - oder in seinen jeweiligen Träumen sieht - oder von ihnen erzählt bekommt und sein innerstes Selbst findet, was auch immer ihm von wichtigen Stellen eingetrichtert wurde, wie er sich zu verhalten habe und wer er sei.
"Song of Solomon" ist großartig geschrieben, wenn es auch ein wenig nervt, dass die Slangausdrücke im Englischen (lest es auf Englisch, es ist geil!) manchmal überwiegen, und Toni Morrison hat den Nobelpreis für Literatur wirklich verdient!!!


Greasy Lake und andere Geschichten - Tom Coraghessan BoyleGreasy Lake und andere Geschichten
Tom Coraghessan Boyle

Taschenbuch, Dezember 1993
     Verkaufsrang: 40760      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen



Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Greasy Lake/T.C. Boyle      4 von 5 Punkten
Boyle schreibt stilistisch brillante Kurzgeschichten, die sich
durch Detailverliebtheit auszeichnen, ohne zu langweilen. Gut und
Böse vermengen sich und verschwimmen im Sud des gemeinsamen Tiegels.
"Greasy Lake..." ist Unterhaltungs-Weltliteratur vom Feinsten.
Die Titelstory und "Die Neumond-Partei" ragen heraus, einziger
kleiner Wermutstropfen sind die etwas schwächeren Geschichten
"Rupert Beersley" und "Ike und Nina".

Boyle macht süchtig!!      5 von 5 Punkten
Ein weiterer Band, der mir geholfen hat, meine Boylesucht zu befriedigen.....allerdings kriegt man nie genug von Boyles Humor und seinen verqueren "Helden" und den Geschichten, die sich so widersinnig entwickeln, wie man es am wenigsten erwartet hätte. Ideal eignen sich die Stories für lange Zugfahrten oder freie Nachmittage. Also, ich bin durch und durch von Boyle-Fieber gepackt!!


Michael: Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft - Elfriede JelinekMichael: Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft
Elfriede Jelinek

Taschenbuch, Januar 1987
     Verkaufsrang: 217840      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 4,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen



Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

"na liebe jungen und mädel!"      4 von 5 Punkten
Elfriede Jelinek erzählt in ihrem zweiten Buch "Michael" aus dem Jahr 1972 aus dem Leben von verschiedensten Personen, die nur lose zusammenhängen. Es geht um Michael, Juniorchef beim Schwiegervater, dessen Mutter Ida Rogalski, seine Frau Patrizia, deren Vater und Fabrikdirektior Herr Koester, sowie dessen Lehrlinge Gerda und Ingrid und deren Mütter. Dabei werden verschiedene Episoden und Geschichte kaleidoskopisch aneinander gereiht. Die einzelnen Mosaiksteine sind häufig brillant, aber der Gesamttext hinterlässt einen etwas heterogenen Eindruck.
Der Text versprüht mit seiner ironisch-distanzierten Sprache sehr viel Witz. Der naive und oberflächliche Stil mit einfachen und kurzen Sätzen und kurzen Kapiteln imitiert Trivialliteratur wie Jugendbücher, ohne allerdings selbst trivial zu sein. Der Sprachwitz zeigt sich auch darin, dass die Autorin am Anfang jeden Kapitels die Leserinnen und Leser direkt anspricht. Jedenfalls fehlt der ideologisch verbissene Tonfall, der spätere Jelinek-Bücher prägt. Auch kommen Gewaltexzesse, welche die Oberfläche aufbrechen, nur sehr dosiert vor. Der Untertitel "Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft" des Buches zeigt, dass es sich um eine ideologische Auseinandersetzung mit der ungeliebten bürgerlichen Gesellschaft handelt. Auch die gebrauchte Sprache ist eine Auflehnung gegen bürgerliche Konventionen: Kleinschreibung, keine Kommas, keine Trennungszeichen.
Inhaltlich geht es um die Wahrnehmung von Realitäten: Die Wirklichkeit der Figuren (ihr ödes Leben als Kleinbürger) wird ihren Wunschvorstellungen (gesellschaftlicher Aufstieg, Liebe des Chefs) gegenüber gestellt. Das ganze wird schliesslich noch an der Wirklichkeit aus dem Fernsehen ("Wünsch dir was" mit Dietmar Schönherr), einer vollkommenen Scheinwelt, gespiegelt. Einzelne Episoden werden übrigens auch mit "wirklichkeit" überschrieben. Fernsehwirklichkeit und Wunschvorstellungen haben für die meisten gar nichts mit ihrer Wirklichkeit zu tun. Bürgerliche Mythen (Familie, gesellschaftliche Rolle von Mann und Frau, wahre Liebe, Arbeit macht glücklich, gesellschaftlicher Aufstieg durch Arbeit, Materialismus) entlarven sich als Lügen. Der Wunsch nach einem besseren Leben bleibt Wunsch. Jelinek hält dies lakonisch so fest: " wie arm wäre unser leben ohne die schillernden träume! allerdings ist unser leben auch mit schillernden träumen arm. ein weiser mann hat einmal gesagt: träume sind schäume!"

Elfriede Jelinek - Eine Spezialistin der Macht      5 von 5 Punkten
Elfriede Jelinek gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen unserer Zeit. In ihren Büchern beweist sie immer wieder eine tief gehende Sensibilität für die Macht- und Herrschaftsverhältnisse, die unsere westliche Gesellschaft strukturieren und - zumeist unbewusst - das Handeln und Denken jedes einzelnen prägen.
"In Michael. Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft" sind es vor allem die Medien, deren Funktion als Instrument universeller Unterdrückung dem Leser vor Augen geführt wird. Die Protagonistinnen, zwei kaufmännische Lehrlinge, leben in einer Scheinwelt, in der Realität und Fernsehprogramm zu einem Gemisch aus Gewalt und Sehnsucht nach dem großen Happy End verschmelzen. Das allabendliche TV-Programm, das gegen den Widerstand omnipotenter Mutterfiguren immer wieder von neuem ausgefochten werden muss, bereitet auf den brutalen Arbeitsalltag vor, aus dem es nur einen Ausweg gibt: Heirat!
Wie ferngesteuert handeln die Figuren Jelineks, deren aus Floskeln und Gemeinplätzen bestehende Sprache jeden Versuch echter Kommunikation bereits im Ansatz scheitern lässt. Der naive, unmittelbare Stil der Erzählung erinnert durchaus an Kinder- oder Jugendbücher und entwickelt eine Wirkung, die den Leser zwischen Abstoßung und Anziehung pendeln lässt. Unter der sprachlichen Oberfläche dieses "Jugendbuches für die Infantilgesellschaft" tun sich Abgründe des Alltäglichen auf, Abgründe, die zu Benennen eine der herausragenden Fähigkeiten von Elfriede Jelinek ist.


Vergewisserungen.Über Politik, Recht, Schreiben und Glauben - Bernhard SchlinkVergewisserungen.Über Politik, Recht, Schreiben und Glauben
Bernhard Schlink

Gebundene Ausgabe, September 2005
     Verkaufsrang: 179659      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 22,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Wer an der Entwicklung der Gesellschaft manchmal verzweifeln möchte, dem sei dieses Buch empfohlen: Kompetent und in klarer, schöner Prosa zeigt es, was alles nicht zwangsläufig und unaufhaltsam ist und daß es Werte und Hoffnungen gibt, auf die zu setzen lohnt.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Ungereimtes kommt hier auf den Prüfstand!      5 von 5 Punkten
Bernhard Schlink offenbart sich in diesem Buch als vielseitig interessierter Intellektueller. In seinen Aufsätzen, Essays und Reden, die er hier veröffentlicht hat, setzt er sich mit Begriffsbestimmungen sowie mit ethischen , rechts-, staats- und religionsphilosophischen Fragestellungen auseinander. In diesem Zusammenhang lotet er Doppelbödigkeiten zwischen geistigen Vorstellungen und der Wirklichkeit aus und bringt Ungereimtes auf den Prüfstand. Schließlich enden seine Reflexionen nicht selten im Ergebnis, dass es im Grunde keine entgültigen Antworten auf die vielen ungelösten moralischen Fragen dieser Welt gibt.
Themen, die sich mit den Inhalten von Begriffen wie dem der Heimat, Multikulturalität oder Emanzipation der Frau beschäftigen, kommen zur Sprache. Auch befasst sich Schlink mit dem Niedergang des Wertes Vertrauen und dessen Folgen für die Wirtschaft. Dann geht er der Frage nach, weshalb die 68er Generation so ausgebrannt und erschöpft ist und läßt sich zudem über den fortwährenden Sekularisierungsprozess in der Gesellschaft aus.Welche Folgen hat dieser Prozess? Benötigt man die Institution Kirche heute überhaupt noch? Muß nicht vieles neu überdacht werden, sich den veränderten Bedingungen stellen? Wann ist die Menschenwürde überfordert? Wann müssen Begriffe neu definiert werden? Sind Inhaltsveränderungen generell akzeptabel? Sind diesbezügliche Bedenken notwendig? Über all dies macht sich der Autor Gedanken und zeigt, dass er ein wirklich hochintelligenter Schriftsteller ist, der über die Gabe verfügt seine differenzierte Gedankenwelt dem Leser begreifbar zu machen!
Seine Texte haben Langzeitwirkung! Empfehlenswert!

Vielseitig, intellektuell, interessant!      5 von 5 Punkten
Bernhard Schlink ist einer der wichtigsten deutschen Krimiautoren. Was aber manchmal vergessen wird: Er ist gleichzeitig ein sehr begnadeter und erfolgreicher Akademiker. Der Jura-Professor aus Berlin zeigt sich in der soeben erschienen Sammlung von Essays und Vorträgen als begnadeter Denker, Staatsphilosoph und Zeitkritiker.

Als Sohn eines Theologieprofessors kam Schlink im Juni 1944 in Bielefeld auf die Welt. Erste literarische Texte schrieb er mit acht Jahren („Der Brudermord"), mit 13 folgte ein Sonett mit vielen Strophen über seine erste unglückliche Liebe. Bernhard Schlink ist sicherlich einer der zurzeit bedeutendsten deutschen Krimiautoren. Er lebte in Mannheim, Freiburg und New York. Seine Krimis waren allesamt erfolgreich. Der erste, „Selbs Justiz", den er zusammen mit Walter Popp schrieb, wurde später Verfilm. Für „die gordische Schleife" wurde Schlink 1989 den Glauser-Preis verliehen. Mit „der Vorleser" ist Schlink auf seinem bisherigen literarischen Höhepunkt angelangt. Neben diversen Preisen wurde das Werk in 35 Sprachen übersetzt und war das erste deutsche Buch, das auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times stand. Was vielen Lesern von Schlink neben dem literarischen Ruhm nicht bewusst ist: Schlink ist nicht nur ein ausgezeichneter Buchautor, sondern ein ebenso begabter, geschätzter und talentierter Akademiker.

Ein bedeutender Jurist
Schlink studierte in Heidelberg Jura, war als Wissenschaftlicher Assistent in Darmstadt, Bielefeld und Freiburg tätig. Nach seiner Promotion zum Verfassungsrecht habilitierte er 1981 zum Thema Gewaltenteilung. Anschliessend war Schlink Jura-Professor in Bonn, Frankfurt am Main und seit 1992 in Berlin. Seine Forschungs-Schwerpunkte in der Tätigkeit als Rechtsphilosoph und Staatsrechtler sind die Grundrechte, Rechtsgeschichte und das Thema Gerechtigkeit. Schlink ist auch Richter am Verfassungsgerichtshof und vertrat kürzlich die Bundesregierung bei den Klagen gegen die vorzeitige Auflösung des Bundestages.

Vielseitiges Werk
Diese Vielseitigkeit von Bernhard Schlink liegt nun in schön aufbereiteter Form im Diogenes Verlag vor. Mit seinen „Vergewisserungen" schreibt Schlink über Recht, Politik, Schreiben und Glauben. Das Werk ist eine Sammlung von Essays und Vorträgen. Von philosophischen Texten wie „Der Preis der Gerechtigkeit", über aktuelle Themen wie „Frauen und Macht" schreibt Schlink auch immer wieder über die Geschichte, wie beispielsweise im Text „Rousseau in Amerika". Schlink vereint das Intellektuelle in seinen Texten mit einer fliessenden Prosa und begründet jedes seiner Argumente sorgfältig. Das Werk ist vielfältig wie Schlinks Biographie und bietet etwas für jeden von uns: Für den Juristen, den Philosophen, den Historiker, den Denker, den Politiker und alle, die am Zeitgeschehen interessiert sind.



Opernroman - Petra MorsbachOpernroman
Petra Morsbach

Taschenbuch, September 2000
     Verkaufsrang: 101415      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Petra Morsbach hat als Regisseurin an einer Opernbühne gearbeitet. Sie weiß Bescheid. Ihr Opernroman macht uns mit den betörenden, ausgeflippten, rührenden Menschen bekannt, die in diesen Kulissen leben - von der Diva bis zum Beleuchter. Sie weiht uns in die Geheimnisse der Produktion ein, erzählt von fünf Inszenierungen, in denen die Opernarbeiter triumphieren, an denen sie verzweifeln, für die sie sich aufreiben. Der Roman beginnt mit Tristan und Isolde und...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 11 Bewertungen)

Die Oper als Tollhaus der Gefühle      5 von 5 Punkten
Die Oper als Tollhaus der Gefühle zelebriert Petra Morsbach unter Zuhilfenahme all jener Zutaten, die Liebhaber glamourös-intriganter Chaosgeschichten lieben.
Selbstverständlich ist es die Liebe, die die Diva ebenso verwirrt, wie den Startenor und nicht umsonst findet die Autorin bei "Tristan und Isolde".
Ein herrlicher Lesespaß nicht nur für Opernfans!!


 Weitere Lesermeinungen


Gott fährt Fahrrad: Oder Die wunderliche Welt meines Vaters - Maarten 't HartGott fährt Fahrrad: Oder Die wunderliche Welt meines Vaters
Maarten 't Hart

Taschenbuch, März 2003
     Verkaufsrang: 111154      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Geschichten wie Meditationen. Oder Kreuzwegstationen. Nichts entgeht Maarten auf seinem Spaziergang über den Friedhof. Der Molch, der über den Weg huscht, das seltene Glaskraut, das in alten Mauerritzen überlebt hat, alles ist plötzlich hochwichtig geworden. Die Furchen, die der Vater letzten Samstag noch in die Wege harkte. Der Vater! Sein Leben lang arbeitete dieser ewig fluchende, aber liebe Grobian als Grabmacher auf dem Friedhof, nun ist er selbst auf den Tod erkrankt. Krebs im Endstadium, ein halbes Jahr höchstens noch, lautete die Diagnose. Und nur der Sohn kennt die Wahrheit.

Dem Niederländer Maarten 't Hart ist ein Erinnerungsbuch an seinen Vater Pau gelungen, wie es sich zarter und schmerzlicher kaum denken lässt. "Schisshase", vom Vater seiner mangelnden Durchsetzungsfähigkeit wegen oft gehänselt, steht nun vor einer quälenden Entscheidung. Hat er die moralische Verpflichtung, den Todgeweihten von seinem unabwendbaren Schicksal zu unterrichten oder darf Verschweigen zugunsten einiger Monate in friedlicher Unkenntnis als die humanere Lösung gelten?

Da bietet auch sein geliebter Bach, Meister in Todesfragen, keinen Trost mehr. In diesem so schlagartig verdüsterten Sommer des Jahres 1973 begibt sich Maarten zurück auf eine denkwürdige Erkundungsfahrt in seine von calvinistischer Strenge geprägten Kindertage. Nach und nach erschließt sich ihm die schrullige Welt des stets fremd gebliebenen, aber geliebten Vaters -- bis ein Abschied möglich scheint.

In diesen lose zusammenhängenden Geschichten um Schuldverstrickung, Tod und dessen Verarbeitung zeigt sich eine Empfindungsschärfe, wie sie in der heutigen Literatur kaum noch anzutreffen ist. Trotz des großen tragischen Anlasses sind es im Grunde oft humorige Kleinstgeschehnisse, die erst durch Maartens philosophische Brille zu Betrachtungen von universeller Größe geraten. Das ist schön, das ist traurig, das ist selten geworden. --Ravi Unger

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 14 Bewertungen)

Der Autor reflektiert seinen persönlichen Vater-Sohn-Konflikt      5 von 5 Punkten
Stellen Sie sich vor, ein Mensch, welcher Ihnen sehr nahe steht, erkrankt - die Prognose ist denkbar schlecht und Sie sind der erste und einzige Ansprechpartner des behandelnden Arztes - es ist Ihnen überlassen, das Untersuchungsergebnis weiterzuleiten, oder es für sich zu behalten... - wie würden Sie verfahren?

Die hier erzählte Geschichte, beinhaltet Ausschnitte aus der
"Lebensgeschichte" des Autoren - u.a. teilt er seine ganz persönlichen
Kindheitserinnerungen mit. Der Vater-Sohn-Konflikt von Maarten`t Hart
erreicht, ausgelöst durch das alleinige Wissen des Sohnes um den schlechten
Gesundheitszustand seines Vaters, eine neue Qualität...

Der Calvinismus prägte von frühester Kindheit an das Leben des
niederländischen Autoren - entsprechend "bibelfest" ist zum Teil der
Hintergrund seiner Erinnerungen geraten - die Dialoge zwischen dem strengen
Vater (von Beruf Totengräber) und dessen Gesprächspartnern erfahren noch
mehr Tiefe, wenn Sie selbst nebenbei nach der Bibel greifen, um sich den
genauen Inhalt der zitierten Bibelstellen im Detail anzuschauen - diese
Vorgehensweise lohnt sich wirklich !

Diese "Geschichte" wird sicherlich auch bei Ihnen zahlreiche Fragen
aufwerfen - manche Antworten bleibt der Autor bis über das Ende hinaus
schuldig und auch Ihnen wird es nicht leicht gemacht, ein abschließendes
Urteil zu fällen...

Ich war zwar noch nie in Holland, aber mit dieser atmosphärisch sehr
dichten Beschreibung der Landschaft und der in ihr lebenden Menschen, hat
mir Maarten`t Hart einen ersten Eindruck vermittelt, einen, den es bei
Gelegenheit vor Ort zu prüfen gilt !


 Weitere Lesermeinungen



Von dem Glück, Hrdlak gekannt zu haben - JanoschVon dem Glück, Hrdlak gekannt zu haben
Janosch

Taschenbuch, April 1997
     Verkaufsrang: 72614      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Nach "Polski Blues" legt Janosch einen weiteren "Polen"-Roman vor. Er spielt in den dreißiger Jahren im oberschlesischen Kohlerevier, in der Kleinstadt Chlodnitze, wo man beim sonntäglichen Kirchgang dem Herrgott huldigt, im täglichen Leben dagegen dem Schnaps. Weise und Narren treten auf, Träumer, Spießer und Wirrköpfe. Und natürlich Hrdlak, der bettelarme Tagelöhner mit dem Klumpfuß. Der "Dumme" wird er genannt, weil er nichts hat und nichts spricht und doch weiß er mehr als alle Chlodnitzer zusammen.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)

Wunderbar      5 von 5 Punkten
Janosch' Kinderbücher gefallen mir nicht unbedingt (von Ausnahmen abgesehen), dafür seine Romane um so mehr. Diese einzigartige Mischung von Leichtigkeit und Tiefe, diese manchmal bizarren Gestalten, die so real aus dem Leben gegriffen sind, dieser Hoffnungsschimmer, der sich bei allem Elend immer wieder andeutet. Und Janosch verurteilt nicht, er beschreibt, dass die Menschen, so wie sie sind, vor allem ein Produkt der Lebensverhältnisse sind.

Sehr einfühlsam      5 von 5 Punkten
und mit viel Fantasie erzählt Janosch in diesem Buch über das harte Leben eines kleinen Jungen und seiner Eltern. Sie wohnen in einer Bergarbeitersiedlung in der Nähe der polnischen Grenze. Der Vater ist Alkoholiker, die Mutter schon von Beginn der Ehe an unzufrieden mit ihrem Los. Sie hätte sich einen Anderen als Mann gewünscht und schlägt ihr Kind häufig aus reiner Frustration. Niemand hat Verständnis für den Kleinen und er wird oft zu den Großeltern abgeschoben. Es gibt nur wenige Lichtblicke im Dasein des Jungen, und dabei spielt ein geheimnisvoller alter Mann eine nicht unwesentliche Rolle, von dem keiner ganz genau sagen kann wer er ist oder woher er kommt: Hrdlak. Von ihm scheint eine eigenartige Magie auszugehen.... Eines der gefühlvollsten Bücher des Autors, das man nicht mehr aus der Hand legen will bevor man es zu Ende gelesen hat!


Generation X. Geschichten für eine immer schneller werdende Kultur - Douglas CouplandGeneration X. Geschichten für eine immer schneller werdende Kultur
Douglas Coupland

Taschenbuch, Dezember 1994
     Verkaufsrang: 129897     

Bei Amazon direkt z.Zt. nicht lieferbar,   Bei anderem Anbieter bestellen

Ein aufsehenerregender Roman über die "erste amerikanische Absteigergeneration". "... diese ironische Aufarbeitung düsterer Realität ist zu einem Kultbuch mit überraschend hoher Auflage in den USA geworden ... Kritiker loben die Geschichte über junge Erwachsene, die ihr 'kleines Leben an der Peripherie leben', als 'definitiven Roman über die verlorene Generation der neunziger Jahre', über 'jene Leute mit zu vielen Fernsehern und zuwenig Arbeit'." (Der Spiegel)

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 25 Bewertungen)

Kultbuch der 90er Jahre      5 von 5 Punkten
Douglas Couplands Roman "Generation X" traf bei seiner Erstveröffentlichung 1991 punktgenau den Nerv der Zeit. Zu diesem Zeitpunkt war die Problematik der Nicht-mehr-Teenager und Noch-nicht-Erwachsenen, die zwischen 1960 und 1970 geboren waren, zwar bereits von Soziologen und Intellektuellen ausgiebig diskutiert worden, aber es war bislang niemandem gelungen, das Thema so unterhaltsam, spielerisch und doch kritisch aufzugreifen. Mithilfe kleiner Geschichten rund um seine Hauptfiguren Andy, Claire und Dag filtert Coupland das Charakteristische dieser gesellschafts- und kulturkritischen Generation X heraus. Die drei Helden haben alle ihre eigene Vergangenheit und ihre eigenen Gründe, warum sie aus der "normalen" Welt von Konsumzwang und Erfolgsdruck ausgestiegen und in ihren Bungalows in Palm Springs gelandet sind. Doch sie verbindet die gleiche innere Leere und sie versuchen sich gegenseitig Halt zu geben, da ihre Familien und die Gesellschaft versagt haben. Eigentlich hatte der ehemalige Kunststudent Coupland vor, ein comicartiges Sachbuch zu schreiben. Von dieser Grundidee sind im Roman die Skizzen und Begriffserklärungen übrig geblieben, die sich wie ein roter Faden hindurchziehen. Ein Buch voller Lebensweisheiten und tiefer Einblicke in die Seele der "Generation X".


 Weitere Lesermeinungen


Die Geschichte von der unbekannten Insel - Jose SaramagoDie Geschichte von der unbekannten Insel
Jose Saramago

Taschenbuch, Mai 2000
     Verkaufsrang: 157722      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 6,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

"Ein Mann klopfte an die Tür des Königs und sagte 'gib mir ein Schiff.' Wofür er ein Schiff brauche, wird der Mann gefragt, und er antwortet, um die unbekannte Insel zu suchen."
Literaturnobelpreisträger Jose Saramago erzählt in seinem modernen Märchen vo einer Zeit, da niemand mehr an die unbekannte Insel glaubt. Niemand bis auf einen Mann, der beharrlich um ein Schiff bittet und bei seiner Suche unverhofft auf eine Weggefährtin trifft.


Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)

Teuer aber märchenhaft      5 von 5 Punkten
Die Fabel, die Saramago entspinnt, ist zugleich poetisch, vielschichtig und wunderschön. Wer an Lyrischem und Märchenhaftem nur einen Hauch Gefallen findet, wird das Buch m.E. mögen.


 Weitere Lesermeinungen


Alles, alles Liebe! - Barbara HonigmannAlles, alles Liebe!
Barbara Honigmann

Taschenbuch, September 2003
     Verkaufsrang: 200906      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 9,50 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Anna, eine junge jüdische Frau in Ost-Berlin, verlässt Mitte der siebziger Jahre zum ersten Mal ihre Stadt und geht als Regisseurin an ein Provinztheater. Ihr bisheriges Leben, die Berliner Boheme, bleibt zurück und sie gerät in einen kleinen Kreis, der gerne etwas Besonderes wäre, doch unter seiner Abgeschlossenheit leidet. Einziges Band zwischen diesen beiden völlig unterschiedlichen Welten sind Annas Briefe.

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)

So schön, dass es manchmal weh tut!      5 von 5 Punkten
Ein Briefroman - wie unmodern! Eigentlich seit der Aufkärung aus der Mode. Aber was Barbara Honigmann mit ihrem neuen Buch leistet, ist wirklich sehr beeindruckend. Dieses Buch ist so voller Wahrheit, Leben, Poesie und Weisheit, dass es manchmal fast weh tut. Und dabei ist es ein großartiges Porträt der Gesellschaft in der DDR in den Siebziger Jahren, Abbild auch einer ganzen Generation von Intellektuellen. Die Prosa Barbara Honigmanns ist frei von allem Theatralischen und ungeheuer berührend. Wie macht die das bloß?


Jazz - Toni MorrisonJazz
Toni Morrison

Taschenbuch, August 2004
     Verkaufsrang: 88780      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 7,90 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Man schreibt das Jahr 1926. Die schwarzen Bewohner eines Harlemer Mietshauses feiern eine Party. Sie lassen sich mitreißen vom Rhythmus des Jazz'. Ein Schuß beendet jäh das fröhliche Treiben. Dorcas Manfred, eine achtzehnjährige Schönheit, ist von ihrem nicht mehr ganz jungen Geliebten Joe Spur ermordet worden. Toni Morrison erzählt die Geschichte einer großen Liebe, die scheitern muß. Die Autorin "ist wohl die letzte klassische amerikanische Schriftstellerin, krönender Gipfel einer Tradition von Poe über Melville und Twain bis Faulkner." (Newsweek.)

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 3 Bewertungen)

Kampf gegen den Rassismus      5 von 5 Punkten
Stell dir vor du bist schwarz und lebst 1926 in Harlem. Die amerikanische Schriftstellerin Toni Morrison beschreibt in ihrem sechsten Roman “Jazz“ den Lebensstil der Schwarzen in Harlem mit ihren Träumen und Möglichkeiten, sowie die Bedeutung des Jazz für ihren Lebensalltag. Sie berichtet über zer-brochene Träume, das harte Leben in Harlem und den Rassismus gegen Schwarze zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Die Geschichte erzählt ein auktorialer Erzähler, der seine Perspektive verändert, viele Zeitsprünge macht und die Handlungen der Personen bewertet. Außerdem berichtet der Erzähler in einigen Essays über die Atmosphäre und das tägliche Leben in Harlem. Die Hauptgeschichte ist seit Beginn zu überschauen, doch die Vergangenheiten der einzelnen Charaktere zeigen erst die wirklichen Gründe für ihr Handeln auf. Alle Charaktere sind auf der Suche nach Liebe, Familie, Identität oder einem Ort, zu dem sie gehören.
Zunächst scheint Jazz keine große Bedeutung für den Roman zu haben, doch Toni Morrison hat die wesentlichen musikalischen Elemente des Jazz in ihre Erzählstruktur und Erzählweise übernommen. Der Beginn des Buches wirkt beim ersten Lesen verwirrend, da der Leser schon einen Überblick über den gesamten Romaninhalt erhält. Alle angedeuteten Geschichten werden jedoch später detailliert ausgeführt und beendet. Toni Morrison ist ein Meisterwerk gelungen, dass nicht nur über eine perfekte Erzählstruktur verfügt, sonder auch den Konflikt zwischen Schwarzen und Weißen im gesamten Roman anschaulich beschreibt.


 Weitere Lesermeinungen


Die Musik des Zufalls - Paul AusterDie Musik des Zufalls
Paul Auster

Taschenbuch, Dezember 1993
     Verkaufsrang: 73376      Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden

Preis: € 8,95 (versandkostenfrei nach D, CH und A, , Versandbedingungen s.o.)
  In einen Einkaufswagen
  Bei Amazon weiterinformieren oder bestellen

Viel haben sie nicht zu verlieren, der vom Schicksal gebeutelte Aussteiger Jim Nashe und der bankrotte Zocker Jack Pozzi, als sie sich auf eine Pokerpartie mit zwei kauzigen Lotterie-Millionären einlassen, die immerhin gute Gewinne verspricht...

Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.):
Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 18 Bewertungen)

Um alles oder nichts      5 von 5 Punkten
Wer Paul Auster als Leser verfallen will, sollte Die Musik des Zufalls lesen. Dieser Autor, bei dem man nie weiß, ob sein nächstes Buch einen verärgert oder mit magischer Prosa verwöhnt, zeigt hier all seine Stärken. Am Ende eines Tunnels bilden sich die vom Schicksal Gebeutelten ein, ein Licht zu sehen. Die Pessimisten unter uns erkennen darin einen nahenden Zug. Jim Nashe verliert Frau und Kind, der Vater stirbt und dann erbt er doch glatt zweihunderttausend Dollar. Licht oder Zug? Als guter Amerikaner macht er sich auf die Reise, erlebt ein Road Movie und lernt Menschen kennen, denen er in der Ehe mit seiner Frau nie begegnet wäre. Und dann driftet mit Jack Pozzi die Geschichte wie häufig bei Auster ins real Surreale ab, und eine Mauer spielt eine entscheidende Rolle im Leben der beiden.

Das clownesk Absurde seines Pozzi erinnert an eine wunderbar ähnliche lautende Figur aus Samuel Beckett Stück Warten auf Godot: Pozzo. Zufall oder beabsichtigt? Eine betörend leichte Geschichte, bei der zwei Menschen glauben, nichts zu verlieren zu haben, und doch auf der Suche nach sich selbst sind. So entscheidet der Zufall über das Licht oder den Zug im Tunnel, aber weil Auster dies zu banal ist, schreibt einen verschrobenen, verrückten Roman darüber.


 Weitere Lesermeinungen


Vorige SeiteSeiten:
 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25  26  
Nächste