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Dialektik der Aufklärung: Philosophische Fragmente. (Fischer Wissenschaft) Max Horkheimer, Theodor W. Adorno Sondereinband, 1. Mai 1988 Verkaufsrang: 7142 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.5 von 5.00 Punkten (Insgesamt 7 Bewertungen)
Das Manifest gegen den einseitigen Positivismus 5 von 5 Punkten Das Buch in einer praegnanten Rezension zusammenzufassen moechte ich mir nicht zumuten, allzuviele Subideen geistern darin herum. Diese Rezension soll also vielmehr einordnen, in welche Richtung dieses Buch weist und dem interessierten Leser somit einen ersten Zugang ermoeglichen.
Horkheimer und Adorno schreiben in ihrer "Dialektik der Aufklaerung" ein Manifest gegen den aufkeimenden Positivismus der 20er Jahre (Wiener Kreis) und der Folgezeit (Popper). Waehrend die logischen Empiriker und Positivisten sich allzusehr dem Gegebenen, dem Empirischen verschrieben und alle Metaphysik a priori verdammten ("was nicht messbar ist, davon ist nicht zu sprechen"), wandten sich Horkheimer und Adorno noch einmal der Frage zu, inwiefern dieser scheinbar wissenschaftliche Zweig der Philosophie als solcher ueberhaupt gerechtfertigt ist - und somit der Frage, ob denn der Positivismus nicht in sich auch eine Metaphysik sei, also ein durchaus austauschbarer Zweig, eine 'Moeglichkeit' statt eine 'Wahrheit'.
In ihrem hier vorliegenden Werk stellen sie dar, inwiefern die moderne wissenschaftliche Philosophie sich selbst begrenzt und inwiefern sie - zumindest in der einseitig extremen Form des Positivismus - eine Rueckkehr darstellt, mehr als einen Fortschritt.
Das Buch ist schwierig zu lesen - finde ich zumindest - da es keine Einleitung in das Gebiet darstellt, sondern von Anfang an eine erhitzte subjektive intrinsische Debatte bietet, in die ein allzu sorglos wandernder Leser vielleicht ein wenig verloren blicken mag.
Liest man aber mutig weiter und ergaenzt die Lektuere vielleicht mit einigen Schriften beispielsweise des Wiener Kreises, so versteht man bald, aus welcher Haltung Adorno und Horkheimer das Werk verfassen mussten, und lernt es schaetzen.
Lesenswert.
meisterwerk der frankfurter dialektiker 5 von 5 Punkten Aufklärung ist von Adorno und Horkheimer als Herrschaft verstanden worden, weil es statt freie Reflexion zuzulassen, diese im Vorfeld schon verklärt und somit dem Individuum in der verwalteten und organisierten Gesellschaft erst gar keine Chance zur Selbstaufklärung läßt. Reflexion kann Aufklärung deshalb nicht sein, weil ein Moment reiner Reflexion nicht möglich ist und daher Aufklärung notwendig eine Aufklärung über Etwas sein muss. Dieses Etwas ist nach Adorno & Horkheimer aber eben schon im Kern (ausgehend von den Mythen Homers, Ovids etc) verdorben "auf die Welt gekommen" und genau deshalb will Kritische Theorie auch gar nicht sich in der Praxis beweisen (das hat der Rezensent unter mir nicht erkannt) weil es eben die Praxis, als für ihre Theorie blockiert betrachtet. Die Dialektik der Aufklärung betrachtet das Leben von dem Gesichtspunkte welches das Leben eben nicht ist, als welches es sich aber darzustellen versucht und eben genau deshalb ein notwendig Falsches ist.
Ein Glasperlenspiel mit einem großen Denkfehler 2 von 5 Punkten Adorno und Horkheimer legten mit der "Dialektik der Aufklärung" ein pessimistisches Weltbild vor, dass mit Schopenhauers (vernünftigerem) Pessimismus konkurrieren könnte. Eine Kampfschrift wider den Rationalismus, indem die Dialektik als untrennbare Verknüpfung zwischen Naturbeherrschung und Naturverfallenheit durch die Vernunft dargestellt wird. Hierbei begehen die beiden einen großen Denkfehler: Aufklärung wird als Herrschaft dargestellt, hingegen ist sie in Wahrheit Reflexion. Nicht die vollständige Beherrschung der Triebe und der Natur, sondern die kritische Prüfung der natürlichen Anlagen bilden das entscheidende Fundament des aufklärerischen Gedankentums. Mit ihrer Analyse schießen die beiden Vorreiter der kritischen Theorie am wahren Sinn und Inhalt der Vernunftrevolution vorbei und öffnen fehlgeleiteteten romantischen Motiven Tür und Tor, um es im Anschluss zu wagen, den Wiener Positivisten und dem großartigen Karl Popper Vorwürfe zu machen, die nicht im geringsten haltbar sind. Das Weltbild de r Frankfurter Schule ist eine gedankliche Leistung, welche leider, oder zum Glück, an der objektiven Realität scheitern muss.
Spannende und aufschlussreiche Lektüre! 5 von 5 Punkten Horkheimer und Adorno haben hier wahrlich mehr geliefert als nur einige "philosophische Fragmente"! Sie öffnen dem Leser völlig neue Perspektiven, sie vermitteln ihm Schattenseiten dessen, was wir immer wieder Lob preisen. Adorno und Horkheimer zeigen in diesem Werk brillant auf, welche Folgen die Aufklärung heraufbeschwor. Diese werden ausführlich behandelt, u. a. sei eine der Folgen die totalitären Regimes im 20. Jahrhundert. Doch die Aufklärung hatte auch negative Folgen für das Individuum , die von den Autoren aufgezeigt werden. So könne der Mensch durch die Aufklärung nicht nur aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit heraustreten, sondern auch durch andere aufgeklärte Menschen in die Unmündigkeit hineingezogen werden. Eine sicherlich sehr wichtige Erkenntnis, wenn man bedenkt mit welchen Mitteln heutzutage große Firmen Werbekampagnen erstellen, die nur darauf ausgerichtet sind Urinstinkte des Menschen zu wecken, auf die er reagiert. Möglich wurde dies nur durch ausgiebige Forschung, die den Menschen und seine Umwelt bis ins letzte Detail rationell zu erklären versucht und darum weiter und weiter forscht, bis auch das letzte Mysterium entmythisiert ist. Doch die Industrie und die Wissenschaft sind nur einige derjenigen die Horkheimer und Adorno kritisieren.Zur Sprache und Rhethorik lässt sich sagen, das Beides brillant ist. Leider auch sehr schwer zu verstehen. Die meisten Absätze müssen (wenn man nicht in schwierigen Texten geübt ist) zwei- bis drei mal gelesen werden, bis man ihren wahren Gehalt erkennt, doch das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Abschließend kann man also sagen, dass dieses Werk mehr als empfehlenswert ist, da es neue Perspektiven und Sichtweisen eröffnet!
Schwippschwager Homer Simpsons 5 von 5 Punkten Adorno fesselt, dennoch frag ich mich warum man nicht an eine Fremdwörtererklärung gedacht hat. So wälzt man sich als einfacher Prolet teilweise schon durch ein dickes Fremdwörterbuch. Doch es lohnt sich. Es ist übelstes Kopftraining, aber der Sinn bestimmter Texte, der sich mir meist auch erst durch mehrmaliges Lesen bestimmter Sätze erschloss ist, u.a. beim erfahren eines aha erlebnisses, der des Erkennens die Toten immer wieder ausgraben zu müssen um mit ihnen Theater zu spielen und somit vielleicht ein trostloser aber auch trostgebender. Auch geht es um die meistgeschundene Kreatur des Menschen, das Tier, um Relegionsgeschichte, Mythos, die Verwandlung des Manas in ein Regelwerk welches es erstmals erlaubte Beherrschte und Beherrscher zu definieren, die Trennung von Wissenschaft und Dichtung. Und das sind nur einige Punkte des ersten Essays. Platon bekommt sein Fett weg, der Buddhismus, Hegel, die bildreiche Sprache Adornos ist eine sehr schöne Erfahrung. Als weiterführende Literatur kann man dann noch so einiges empfehlen. Lichtenbergs Aphorismen, Essays Houellebecqs der ja eine neue Ontologie fordert, die Kriminalgeschichte des Christentums von Karlheinz Deschner, Helge Schneider. Bleibt zu sagen, ein Buch das vor allem die begeistern wird, die sich vorher nur mit unzureichend wenig Material über Diogenes versorgt sahen.
Weitere Lesermeinungen |
Das Reich der Zeichen Roland Barthes Taschenbuch, Januar 2008 Verkaufsrang: 32897 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Unbestimmt 3 von 5 Punkten Barthes gehört zu den wichtigsten Postsemiologen, trotz der Tatsache, dass er oft einen sehr, sehr schwammigen Stil hat, seine Theorien zu vermitteln. Im Grunde kann man z.B. dieses zu besprechende Buch damit zusammenfassen, dass Barthes mit den japanischen Zeichengebrauch ein Beispiel dafür geben möchte, wie auch der Westen seine Zeichen zu gebrauchen habe (dies ist nur mit Kenntnis z.B. der "Mythen des Alltags" zu verstehen). Er will darauf hinaus, dass Zeichen einfach als künstliche, willkürliche Hilfsmittel der Kommunikation erkannt und genutzt werden; Sprachzeichen z.B. sollen metasprachlich-konnotativ leer bleiben. Dieses revolutionäre Anliegen muss darauf beschränkt bleiben, uns tendenziell kritischer gegenüber Zeichen zu machen, da es Barthes einerseits versäumt, dass es nie vollständig konnotationsfrei Zeichen geben kann: jeder Zeichengebrauch ist in einen Kontext; andererseits bleibt der Aspekt unterbelichtet, dass Japaner ihre Zeichen keinenswegs vollkommen sinnleer einsetzen - selbst die Erwähnung, dass japanische Kommunikation so klar und leer bleibt, liegt an der religiösen-spirituellen Ausrichtung des Zen. Barthes vollführt also einen Blick eines Auswärtigen und kommunikativ Ausgeschlossenen auf eine ihm fremde Sprache. Barthes verfällt mit diesem Vorgehen selbst einem Sprachmythos, den er doch selbst so zu bekämpfen suchte. Das Buch ist also nur für absolute Barthes-Interessierte zu empfehlen. Alle anderen vermissen klare Stellungnahmen, die durch allzu blumige Ausführungen höchstens tendenziös ist. So mysteriös ist der Gegenstandsbereich der Semiologie meines Erachtens nicht, als dass sich Barthes dermaßen in diese literarischen Sphären flüchten müsste.
Semiologie Dekonstruktion Autobiographie 5 von 5 Punkten R. Barthes Reich der Zeichen ist eine schöne Erzählung über die japanische Welt der Zeichen, die Zeichen der Zeit wie die Zeichen der Schrift, ein kleines Buch als auch autobiographische Schrift eines Europäers in einer nicht lesbaren Welt, einer illisiblen Textwelt (vgl. Derrida), die der Autor wie der Leser erst textsemiotisch erschließen muß. Die ganz persönlichen Spuren eines europäischen Denkers durch die geheimnisvolle Welt der Zeichen, der Symbole, der Metaphern, der Architekturen. Zum Vergleich möchte ich hier noch hinweisen auf eine Textarchitektur in und aus Wien als ein ebensolches und gleichzeitig sehr anderes Reich der Zeichen(=Sem): Concic, G.A.: Semeion Aoristicon oder zur Autobiographie Sem Schauns. Wien 1994ff.; hier wie dort wird das Zeichen, das Sem, zum tragenden Element für den Leser, die Leserin, die durch den Text wandern und die Architexturen bestaunen.Peter Iser, Genf |
Quellen des Selbst: Die Entstehung der neuzeitlichen Identität Charles Taylor Taschenbuch, März 1996 Verkaufsrang: 72701 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 2 Bewertungen)
Charles Taylor Arbeit gegen den Gedächtnisverlust der Modern 5 von 5 Punkten In einer Welt der Unübersichtlichkeiten und der Sehnsucht nach Identitätsgewißheiten versucht der kanadische Sozialphilosoph Charles Taylor in seinem 900 Seiten starken Werk die Geschichte der neuzeitlichen Identität durch Beschreibung ihrer Genese zu bestimmen. So sind für ihn die einstig moralischen Ideale zur Travestie verkommen:er zeigt beispielsweise auf, daß die zentrale Idee von der menschlichen Freiheit in einen Individualismus der Selbstverwirklichung gemündet ist, die eine Gesellschaft der Gleichgültigen hervorgebracht hat. Ohne ein Wissen um uns selbst sind wir nichts. Dieses Wissen ist dem Menschen für Taylor abhanden gekommen. Das Wissen um die Quellen, aus denen sich unser Selbst nährt, ist versiegt. Denn zu wissen wer man ist braucht mehr als Name und Herkunft. Ziel Taylors:eine Rekonstruktion dieses Wissens und zugleich eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Moderne. Dieses Monumentalwerk schafft es, die gewichtigen Umgestaltungen unserer Kultur und Gesellschaft der letzten drei bis vier Jahrhunderte zu begreifen, und uns dadurch auch selbst zu verstehen.So rollt er vor dem Leser das gesamte metaphysische, philosophische und kulturelle Erbe der Neuzeit aus, buchstäblich all ihre "Quellen", um den heute drohenden Gdächtnisschwund der Moderne entgegenzuwirken. Er will unseren hedonistischen, dem Spiel der Eitelkeiten verfallenen westlichen Gesellschaften zeigen, daß die Moderne voller "Güter" ist und er zeigt damit zugleich, daß auch unser heutiges, vermeintlich individuelles Handeln sehr wohl durch den Wertekanon der Moderne motiviert ist und erst dadurch seinen Ort findet. Der Leser dieses Werkes findet hier eine höchst komplexe Darstellung abendländischer, besonders neuzeitlicher Kultur.
Ein Werk, das subjekttheoretische Maßstäbe setzt. 5 von 5 Punkten Dieses Buch ist ohne Zweifel eine der wichtigsten Veröffentlichungen überhaupt zum Thema moderner Subjektivität und Identität. Charles Taylor, langjähriger Professor of Social and Political Theory in Oxford, jetzt Professor of Political Science and Philosophy an der McGill University in Montreal, erweist sich mit diesem Werk als einer der bedeutensten Philosophen unserer Zeit. Auf der Basis einer ausgreifenden historischen Rekonstruktion, die bei Platon beginnt und mit der Postmoderne endet, gelingt es Taylor, die wesentlichen Momente moderner Subjektivität und modernen Selbstverständnisses offenzulegen, indem er in zwei - von jedermann persönlich nachvollziehbaren - Linien die Entstehung einer Dimension subjektiver Innerlichkeit rekonstruiert: einerseits sind wir als Personen bestimmt von der Fähigkeit rationaler Selbstkontrolle - wir vermögen unsere spontanen Wünsche und Eingebungen bewußt zu machen und sie zu kontrollieren, was eine wesentliche Voraussetzung des Zusammenlebens in modernen Gesellschaften darstellt. Andererseits sind wir geprägt von dem unabweisbaren Gefühl einer 'inneren Natur', eines Selbst, das nach kreativem Ausdruck verlangt und insofern der rationalen Kontrolle entgegensteht. Die so dargebotene Geschichte der neuzeitlichen Identität vermag aufzuzeigen, in welcher Weise wir uns als handelnde menschliche Wesen selbst begreifen. Dem Leser eröffnet sich die seltene Erfahrung eines zutiefst philosophischen Werkes, das zugleich unmittelbar das eigene Selbsterleben widerspiegelt - eine aufregende Reise zu den Grundlagen der eigenen Existenz. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.) |
Das Zukunfts-Manifest: Aufbruch aus der Jammerkultur Matthias Horx Taschenbuch, 2001 Verkaufsrang: 42742 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Unteres neoliberales Niveau! 1 von 5 Punkten Vorsicht vor diesem Buch! Wer es nur oberflächlich liest, dem mag die Idee kommen, für unsere Zukunft nichts mehr tun zu müssen. Alles ist rosig, alles und jeder, der die Zukunft in düsteren Farben malt, wird niedergemacht und als Panikmacher angeprangert. Sicher hat Horx Recht, wenn er z.B. die Panikmache einiger Umweltschützer skeptisch sieht. Aber nüchterne Analysen, welche Gefahren der Zukunft heute realistisch dargestellt werden, sind nirgendwo zu finden. Dafür abgestandene, oberflächliche Sätze wie diesen: "Firmen und Konzerne sind mit vielen unsichtbaren Fäden mit den Gesellschaften und Märkten verbunden, und sie lernen immer mehr, mit dieser Komplexität differenzierter umzugehen als in den Input-Output-Logiken des frühen industriellen Zeitalters." Hübsche Formulierung, die letztlich aussagt, dass die Unternehmen auf Profit verzichten würden. Doch wo bleiben die Beweise? Man findet keinen einzigen in dem Buch. Horx bringt z.B. das Beispiel der sog. "Familienfirmen", in der der Arbeitnehmer gut versorgt wird, usw. Dass es solche Ausnahmen auch schon zu Zeiten der Industrialisierung gab, will er nicht wahrhaben. Einen generellen Trend, der besagt, dass Wirtschaftskrisen nicht mehr zustande kommen, weil die Unternehmen ja soviel "dazugelernt" haben, kann Horx nicht beweisen. Überhaupt sieht Horx die Welt recht unternehmerfreundlich - v.a. die neoliberalen Arbeitsmarktmodelle aus aller Welt (v.a. aus den USA) lobt er über den grünen Klee. Auch die Flexibilisierungen des Arbeitsmarktes vertritt er vehement. Am Anfang des Buches noch schreibt er darüber, wie sich bestimmte Erfindungen wie das Bildschirm-Telefon nicht durchsetzten, weil sie den menschlichen Bedürfnissen widersprechen. Dass die ganzen Flexibilisierungen diesen auch widersprechen, ignoriert er und meint sogar, Familien würden Vertreter dieser Flexibilisierungen werden. Alle diese unlogischen Gedankengängen werden vermischt mit schönen Phrasen, die, wenn man sie mal genauer durchdenkt, seine Thesen aber überhaupt nicht belegen. Seine Basis-These ist, dass der Fortschritt in der Welt auf der Aufhebung von Widersprüchen besteht. Dies ist auch durchaus richtig, aber seine abgeschmackten extremst oberflächlichen Schlussfolgerungen sind schockierend. Anstatt bei Hegel und Marx nachzulesen, was die wirklichen Widersprüche in unserer Gesellschaft sind, erklärt er seinen Optimismus anhand von nebensächlichen Widersprüchen wie den, dass der Staat die Armen durch Forderungen fördern muss. Läuft letztendlich alles wieder auf neoliberale Forderungen heraus. Ein Buch, das schwach an Beweisen ist und versucht die Zukunft zu verklären.
Ja, ich lese es auch nach 5 Jahren immer wieder. 5 von 5 Punkten Auch nach über 5 JAHREN hat dieses Buch nichts an seiner Aktualität verloren. Zusammen mit dem neuen Horx-Buch "Future Fitness" gewinnen Sie Einsichten, die wir alle im "Negativ-Medien-Zirkus" langsam aber sicher verlieren. Gerade heute in einer sich verschlechternden wirtschaftlichen Situation bietet dieses Buch Perspektiven und Einsichten in das so komplexe und letztendlich doch so einfache Leben. Es endet mit dem sanfen Gesetz von Adalbert Stifter (allein für das Auffinden dieser Passage danke ich Matthias Horx): "...ein ganzes Leben voll Gerechtigkeit, Einfachheit...verbunden mit einem heiteren, gelassenen Streben..." Bitte lesen Sie dieses Buch, gehen Sie direkt in die Buchhandlung, machen Sie keine Umwege, zögern Sie nicht und befreien Sie sich schlussendlich vom deutschen Katzenjammer.
Endlich 5 von 5 Punkten Geht der politisch interessierte Bürger auf irgendwelche Globalisierungsseminare, so hat man anschließend das Bedürfnis, sich gleich von der Brücke zu stürzen, oder Atombomben auf die USA zu schmeißen. Glaubt man den Umweltschützern, so können wir uns eigentlich gleich vergiften. Glaubt man den Polititkern, so werden wir bald gar nix mehr zu lachen haben. Glaubt man der Presse, so werden wir bald nix mehr zu Essen haben, so schlecht geht es uns. Glaubt man seiner Familie, dann geht das Leben an einem vorbei. Glaubt man seinen Dozenten an Uni's, dann gibt es keine Wissenschaft mehr. Glaubt man den Wirtschaftsbossen, dann gibt es keine Investitionen mehr. Glaubt man der Gender-Bewegung, sind Männliche Wesen ein Trugschluss der Evolution. Kurz: Gott, die Welt, der Kapitalismus, der Sozialstaat ist am Ende. Wir können uns nur noch selbst vernichten.!!!!! Wie schön das es Matthias Horx gibt, ihr Looser!!!!!
Ein optimistisches, anregend geschriebenes Buch 5 von 5 Punkten Dieses Buch ist ganz ausgezeichnet. Es ist sachlich sehr interessant und so geschrieben, daß man dann und wann auch etwas zu lachen hat. Horx verzichtet auf Einseitigkeiten und Schwarz-Weiß-Malerei. Er beschreibt unsere gesellschaftliche Situation (in ihrer weltweiten Verflechtung) sehr differenziert. Die zentralen Stichworte Globalisierung, Individualisierung und Informationsgesellschaft sind bei ihm nicht nur negativ besetzt, sondern er hebt auch die Vorteile hervor. Dieser Sichtweise liegt die Einsicht zugrunde, daß die gesellschaftlichen Veränderungen eine größere Komplexität mit sich bringen, weil jeder Trend wieder einen Gegentrend hervorruft. Was das heißt, macht er am Beispiel aktueller Themen (Sozialstaat, Arbeit, Bildung u.a.) deutlich. Das Buch endet mit einem Plädoyer für eine optimistische Sicht der Zukunft. Auch hier liefert Horx Beispiele, die zeigen, daß manche Horrorszenarien, die über die Medien verbreitet werden, einer sachlichen Analyse gar nicht standhalten. Außerdem wirkt zuviel Pessimismus für ihn kontraproduktiv. Mich hat das Buch sehr aufgeheitert, weil es mit Vorurteilen aufräumt, modische (pessimistische) Worthülsen entlarvt und dazu anregt, die gegenwärtige Situation einmal durch eine ganz andere Brille zu sehen. |
Vom Nutzen und Nachteil der Historie Friedrich Nietzsche Taschenbuch, 1986 Verkaufsrang: 176035 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Welches Wissen braucht der Mensch über die Geschichte? 5 von 5 Punkten In einer Zeit, als die auf Objektivität gründenden Wissenschaften ihren Siegeszug antraten, warf Nietzsche die Frage auf, welches Wissen die Menschen eigentlich brauchen, um ein Leben auf höherer Ebene zu führen. Er wandte sich gegen die gezielte Nutzung des Menschen für die Zwecke der aufblühenden Industrialisierung und gegen die Zerstörung von Kultur und Religion durch eine schonungslose, destruktive historische Analyse. Gerade der Geschichtswissenschaft sprach er die Objektivität ab, weil die wahren Sinnzusammenhänge für ihn nur durch ein gefühltes, gereiftes Verständnis der menschlichen Triebkräfte erfasst werden konnten und nicht durch eine Ansammlung vieler für die Lebenspraxis belangloser Fakten. Er lehnte die seinerzeit vorherrschende Atmosphäre eines "Endes der Geschichte" ab, weil sie die Lebenskräfte lähmte. Statt der Jugend durch eine derartige Erziehung ihre Instinkte zu rauben, verlangte er ein Erziehungssystem, das wieder Authentizität und Begeisterung fördern würde. Mit seiner Forderung nach ganzheitlicher und Sinn vermittelnder Bildung und seiner Verurteilung der Instrumentalisierung des Menschen im Namen der objektiven Wissenschaft spricht Nietzsche wohl auch vielen Zeitgeistern des 21. Jahrhunderts noch aus der Seele.
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Jacques Le Goff erzählt die Geschichte Europas Jacques LeGoff, Charley Case Gebundene Ausgabe, 12. September 2007 Verkaufsrang: 71383 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 5 Bewertungen)
Viel Lärm um nicchts 1 von 5 Punkten Ein schöner Titel und eine sehr schöne Titelillustration -und das war's auch schon im wesentlichen. Das Buch bleibt innhaltlich flach und bejubelt vor allem einen europäischen Geist, der angeblich die Schandtaten der Vergangenheit überwunden hat. Man hat den Eindruck, ein ellenlanges Vorwort zu lesen, bis man auf der letzten Seite bemerkt, dass das Buch zu Ende ist - wenn man so lange durchgehalten hat.
EU-Propaganda für die Unterstufe 1 von 5 Punkten Ein allzudünnes Büchlein, das sich offensichtlich an Kinder richtet und wohl eine Euphorie für die grossartigen Leistungen der europäischen Wissenschaftler und Künstler schaffen soll. Geschichte kommt eher als Garnierung vor, geht nirgends ins Detail oder frägt gar nach Hintergründen oder Zusammenhängen. Insgesamt ein Stück Jubelpropaganda, das als Auftraggeber EU-Behörden vermuten läßt. Leider verlorenes Geld.
Ein Kinderbuch über Europa 4 von 5 Punkten Jacques Le Goff beschäftigt sich insbesondere mit einer Phase der europäischen Einigung, die heute immer wieder zu kurz kommt: Die vielen Jahrhunderte vor den Römischen Verträgen. Zwar geht Le Goff auch auf den modernen Integrationsprozess in der Europäischen Gemeinschaft und - ganz kurz - auch noch auf den in der EU ein, der Schwerpunkt seiner historischen Erzähling liegt jedoche in der Zeit von Kaisern, Königen und Völkerwanderung. Man darf nicht übersehen, daß "Die Geschichte Europas" für Kinder und Jugendliche geschrieben worden ist. Allerdings ist es - wie einige der Vor-Rezensenten irrtümlich annehmen - kein Kinderbuch im klassischen Sinne. Es ist ein Geschichtsbuch für Kinder, keine Erzählung. Wer alle historischen Daten in diesem Buch kennt und einordnen kann, der würde auch noch eine Prüfung an der Universität bestehen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Echt toll 5 von 5 Punkten Der französische Historiker Jacques Le Goff legt mit seinem Band "Die Geschichte Europas" eine tolle, kindgerechte Fassung der europäischen Geschichte vor. Angereichert mit Bildern von Charley Case ist das Buch wirklich sehr nett gemacht. Der Schwerpunkt liegt auf dem Erzählen der Geschichte Europas. Ganz zu Beginn schildert er anschaulich die Grenzen Europas beziehungsweise, daß Europa gerade im Osten keine feste Grenze besitzt, daß es also keinen Staat Europa gibt, daß es aber ein Gebilde von Gemeinsamkeiten gibt. Darauf hebt der Autor sowieso ganz entscheidend ab: auf die Gemeinsamkeiten zwischen den Staaten und die lange Tradition. Dabei zeigt er aber durchaus auch schwarze Flecken in der Geschichte Europas auf: die Unterdrückung der indianischen Urbevölkerung in Amerika, das Kolonialwesen, die Kriege. Er scheut sich nicht, die grauenhafte erste Hälfte des 20. Jahrhunderts darzustellen. Aber das alles dient immer dem einen Zweck: den Kindern und Jugendlichen klarzumachen, wie wichtig ein einiges Europa ist. Denn seine Geschichte bietet auch einen positiven Ansatz, nämlich die vielfältigen technologischen Errungenschaften und dem Fortschritt der Wissenschaften, aber auch die Einigung Europas nach all dem Leid. Er will den Kindern dieses Europa anempfehlen und sie lehren, Europäer zu werden. Vielen Dank für diesen Einsatz, M. Le Goff! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Schönes Geschichtsbuch für Kinder und Erwachsene 5 von 5 Punkten „Jacques Le Goff erzählt 'Die Geschichte Europas'"- so heisst es auf dem Einband des Buches und so ist das Buch auch aufgebaut, als Erzählung, die sowohl kind- als auch erwachsenengerecht ist. Denn hier kann man sowohl als Erwachsener erste Informationen für die Beschäftigung mit der Europäischen Union finden, als auch Kindern die Antwort auf die Frage „Was ist Europa?" bieten. Le Goff, Professor für die Geschichte des Mittelalters in Paris, erzählt uns von der Geschichte Europas von der Entstehung des Kontinents über die Erfindungen der Griechen und das Römische Weltreich bis hin zu einem Ausblick auf die Zukunft der Europäischen Union. Dabei klammert er natürlich auch die Entwicklung Europas im 20.Jahrhundert nicht aus und geht auch auf die nationalsozialistische Diktatur (vor allem unter der Überschrift „Erinnerung tut Not") ein. Dabei behandelt er auch gerade dieses Thema mit einer Sensibilität, die es ohne Probleme möglich macht, dieses Buch einem Kind in die Hand zu geben. Alles in allem ein schönes Buch, nicht nur für geschichtsinteressierte Kinder! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.) |
Hitler als Vorläufer. Auschwitz - der Beginn des 21. Jahrhunderts? Carl Amery Gebundene Ausgabe, August 1998 Verkaufsrang: 281519 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Quellen und Belege- Wo seid ihr geblieben? 2 von 5 Punkten Was Amery in diesem Buch zu erläutern versucht, ist im Grunde unglaublich: Hitler sei mehr als nur ein seelenloser Diktator und Massenmörder gewesen, sondern habe im Grunde als Erster eines der großen Probleme der Zukunft zu lösen versucht. Namentlich ist dieses der Ressourcenmangel, also die simple Erkenntnis, dass es für alle in Zukunft nicht mehr reichen wird.
Was Amery präsentiert, wirkt wie viele moderne Hitlertheorien: Sie ist ein Versuch das Unmögliche zu erklären und verliert dabei den Boden unter den Füßen. Ein augenfälliges Anzeichen dafür ist zum Beispiel das vollkommene Fehlen von Quellenangaben, ohne die ein wissenschaftlicher Text kaum "wissenschaftlich" genannt werden darf. Ebenso bemerkenswert ist die fast vollkommen abwesende Auseinandersetzung mit anderen Ansätzen des "Hitlerphänomens", die ja gerade in jüngerer Zeit wie Pilze aus den Boden sprießen. Ohne Zweifel würde auch dieses zu einer seriösen, historischen Arbeit gehören.
Durch diese beiden "Sonderbarkeiten" lässt sich neben der Feststellung, dass Amery für wissenschaftliches Arbeiten schwer zu gebrauchen ist, noch ganz allgemein feststellen, dass um wirklich den Wahrheitsgehalt von Amerys gewagten Thesen bewerten zu können, ein solches Quellenwissen von Nöten ist, über das sicherlich kaum ein Laie verfügt.
So ist "Hitler als Vorläufer" im höchsten Maße angreifbar und ihm haftet schon von vorneherein etwas Reißerisches an, was noch durch die eher an einen Prosaautor erinnernde Sprache Amerys unterstrichen wird. Über die These an sich mag sich jeder Leser, so fern er das denn objektiv kann, seine eigene Meinung bilden: Mir als einem Leser, der Fakten und Belege in historischen Werken hoch schätzt, blieb dies an vielen Stellen unmöglich.
Ernst zu nehmende Warnung 5 von 5 Punkten Amery stellt hier die These auf, Hitler sei kein Betriebsunfall der Geschichte, sondern der (dilettantische) Versuch einer Antwort auf die schon lange erkennbare Bedrohung der Menschheit durch die Ressourcenverknappung. Damit verknüpft er die Warnung, dass ein ähnlicher, diesmal besser ausgeführter „Hitlerismus" drohe, sollte uns nicht rechtzeitig eine angemessene Antwort auf die zunehmenden Probleme einfallen. Eine ernst zu nehmende Warnung!
Den Nagel auf den Kopf getroffen 5 von 5 Punkten Diese Buch entlarvt, was eigentlich schon allen bekannt sein sollte. Hitler war und ist nicht gefährlich, weil seine Botschaft archaisch war, sondern weil sie sehr modern war. Seine Ideen zum lebensunwerten Leben waren auch gar nicht neu, sondern wurden schon viel früher von allen politischen Richtungen vorbereitet und vertreten. Die heutigen Entwicklungen bei Fragenkomplexen wie Euthanasie, Fristenlösung oder Forschung an embryonalen Stammzellen belegen eindrücklich und erschreckend die Thesen des Autors.
Wird es für alle reichen? 5 von 5 Punkten Carl Amery hat sein Christentum immer ernst genommen. Schon allein deshalb war er Pazifist, und sehr früh, als es noch lange keine grüne Bewegung gab, machte er sich Gedanken um die Erhaltung der Schöpfung. Diese Rolle als Gewissen der Nation hat er selbst mit 76 Jahren noch nicht abgegeben. "Hitler als Vorläufer" ist eine Warnung, daß noch einmal eine ähnliche Barbarei ausbrechen könnte. Amery hat gute und erschreckende Gründe für seine Sorge. Die Grundidee von damals sei noch da, wie Drakula, der, reglos und ohne Atem, unter den Trümmern der Geschichte liege. Aber der Pfahl im Herzen, der seinen endgültigen Tod garantiert, fehle. Damit meint Amery nicht die Neonazis mit ihren polierten Glatzen und Springerstiefeln. Die sind ihm schlicht zu dumm, um die Macht zu übernehmen. Amery meint Hitlers Sorge um die Nachhaltigkeit und seinen unmenschlichen Lösungsversuch. Natürlich hat Hitler dieses Wort nie gebraucht, wahrscheinlich hat er es nicht einmal gekannt. Aber das Problem hat er erkannt, und seine Lösung könnte heute wieder virulent werden. Hitler beantwortete die Frage, ob es auf Dauer für alle reichen wird, mit einem kategorischen Nein. Weil er die Kulturgeschichte mit seiner primitiv darvinistischen Vorstellung von Naturgeschichte gleichsetzte, erwartete er einen gnadenlosen Kampf um die vorhandenen Ressourcen. Nach seiner Interpretation setzt sich nur der Stärkste durch. Menschlichkeit war ihm Schwäche. Zusätzlich hatte er sich aus Mutter Natur eine insektenhaft kalte Göttin gebastelt, die "grausame Königin aller Weisheit", die nur Härte belohnt. In den Juden sah er die Erbfeinde jener Göttin. Mit dem jüdisch-christlichen Gedankengut läßt sich so eine Ideologie nicht vereinbaren. Humanismus, Mitleid, Soldarität mit den Schwachen, diese "jüdischen" Eigenschaften sollten mit ihren Trägern, den Juden, ausgerottet werden. Als das Tausendjährige Reich vergangen war, wurde diese Barbarei als unverständlicher und unwiederholbarer Fehler der Geschichte abgetan. Amery sieht darin aber einen Vorboten einer möglichen Zukunft. Wie werden die aufgeklärten, toleranten Zeitgenossen reagieren, wenn es tatsächlich nicht mehr für alle reicht, wenn ihnen die Armen zu nahe auf die Pelle rücken? Wenn es nicht gelingt, rechtzeitig vorzubeugen, ist dann die jüdisch-christliche Ethik der Nächstenliebe fest genug, daß nicht wieder eine derartige Barbarei ausbricht? Wie würden die Mordprogramme dann ablaufen? Mit Sicherheit viel subtiler, aber vermutlich nicht weniger brutal. Die Diskussionen um den australischen Philosophen Peter Singer, übrigens ein Nachkomme von Hitleropfern, deuten schon in diese Richtung. Immerhin denkt Singer sehr laut über Euthanasie nach und inzwischen wird er auch in Deutschland sehr viel ernster genommen als noch vor wenigen Jahren. Amery sorgt sich um die Widerstandsfähgkeit seiner Zeitgenossen. Er tut das mit einem feinen, manchmal bissigen Humor und wie immer brilliant. Das heißt aber nicht, daß man das Büchlein, womöglich noch in der S-Bahn, in einem Sitz runterlesen könnte. Dagegen sperrt sich der Inhalt, aber auch die allzu perfekte Sprache. Oft genug ist man gezwungen innezuhalten, die Gänsehaut abklingen zu lassen und den Absatz noch mal zu lesen. Aber wenn man sich ernsthaft auf das Thema einläßt, kann man Amerys Sorgen nachvollziehen und seiner manchmal schwierigen Argumentationskette folgen. Diesmal hat Amery keine Sciece-Fiction produziert. Er zeigt nur, daß solche Horrorszenarien möglich werden können. Er will erreichen, daß es gar nicht erst so weit kommt, daß wir pfleglich mit der Natur umgehen, daß es nach wie vor für alle reicht. Wird die Warnung dieses unverbesserlichen Moralisten angenommen und diskutiert, oder wird sie mit einem unwilligen "jetzt übertreibt er aber wirklich" beiseite geschoben? |
Feministische Theorien zur Einführung Regina Becker-Schmidt, Gudrun-Axeli Knapp Broschiert, Dezember 2007 Verkaufsrang: 107640 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 3.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Nur für Fortgeschrittene geeignet 3 von 5 Punkten Man (frau) merkt diesem Buch an, daß es von Anhängerinnen des psychoanalytischen Feminismus geschrieben wurde, dem ich selbst etwas skeptisch gegenüber stehe. Trotzdem hat mir dieses Buch neue Erkenntnisse und Einsichten, neue Blickpunkte vermittelt. Allerdings bin ich der Meinung, daß man dieses Buch nur dann verstehen kann, wenn man bereits über Grundkenntnisse der feministischen Theorie, ihrer verschiedenen Strömungen und ihrer Grundpositionen verfügt. Ansonsten ist die Einordnung der verschiedenen Autorinnen und Argumente nur schwer möglich. Für Fortgeschrittene ist dieses kleine Büchlein eine interessante Erweiterung der Perspektive, für Anfänger jedoch nur bedingt geeignet, daher auch nur 3 Sterne. |
Hitler als Vorläufer: Auschwitz - der Beginn des 21. Jahrhunderts? Carl Amery Taschenbuch, März 2002 Verkaufsrang: 254896 Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 4.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 4 Bewertungen)
Quellen und Belege- Wo seid ihr geblieben? 2 von 5 Punkten Was Amery in diesem Buch zu erläutern versucht, ist im Grunde unglaublich: Hitler sei mehr als nur ein seelenloser Diktator und Massenmörder gewesen, sondern habe im Grunde als Erster eines der großen Probleme der Zukunft zu lösen versucht. Namentlich ist dieses der Ressourcenmangel, also die simple Erkenntnis, dass es für alle in Zukunft nicht mehr reichen wird.
Was Amery präsentiert, wirkt wie viele moderne Hitlertheorien: Sie ist ein Versuch das Unmögliche zu erklären und verliert dabei den Boden unter den Füßen. Ein augenfälliges Anzeichen dafür ist zum Beispiel das vollkommene Fehlen von Quellenangaben, ohne die ein wissenschaftlicher Text kaum "wissenschaftlich" genannt werden darf. Ebenso bemerkenswert ist die fast vollkommen abwesende Auseinandersetzung mit anderen Ansätzen des "Hitlerphänomens", die ja gerade in jüngerer Zeit wie Pilze aus den Boden sprießen. Ohne Zweifel würde auch dieses zu einer seriösen, historischen Arbeit gehören.
Durch diese beiden "Sonderbarkeiten" lässt sich neben der Feststellung, dass Amery für wissenschaftliches Arbeiten schwer zu gebrauchen ist, noch ganz allgemein feststellen, dass um wirklich den Wahrheitsgehalt von Amerys gewagten Thesen bewerten zu können, ein solches Quellenwissen von Nöten ist, über das sicherlich kaum ein Laie verfügt.
So ist "Hitler als Vorläufer" im höchsten Maße angreifbar und ihm haftet schon von vorneherein etwas Reißerisches an, was noch durch die eher an einen Prosaautor erinnernde Sprache Amerys unterstrichen wird. Über die These an sich mag sich jeder Leser, so fern er das denn objektiv kann, seine eigene Meinung bilden: Mir als einem Leser, der Fakten und Belege in historischen Werken hoch schätzt, blieb dies an vielen Stellen unmöglich.
Ernst zu nehmende Warnung 5 von 5 Punkten Amery stellt hier die These auf, Hitler sei kein Betriebsunfall der Geschichte, sondern der (dilettantische) Versuch einer Antwort auf die schon lange erkennbare Bedrohung der Menschheit durch die Ressourcenverknappung. Damit verknüpft er die Warnung, dass ein ähnlicher, diesmal besser ausgeführter „Hitlerismus" drohe, sollte uns nicht rechtzeitig eine angemessene Antwort auf die zunehmenden Probleme einfallen. Eine ernst zu nehmende Warnung!
Den Nagel auf den Kopf getroffen 5 von 5 Punkten Diese Buch entlarvt, was eigentlich schon allen bekannt sein sollte. Hitler war und ist nicht gefährlich, weil seine Botschaft archaisch war, sondern weil sie sehr modern war. Seine Ideen zum lebensunwerten Leben waren auch gar nicht neu, sondern wurden schon viel früher von allen politischen Richtungen vorbereitet und vertreten. Die heutigen Entwicklungen bei Fragenkomplexen wie Euthanasie, Fristenlösung oder Forschung an embryonalen Stammzellen belegen eindrücklich und erschreckend die Thesen des Autors.
Wird es für alle reichen? 5 von 5 Punkten Carl Amery hat sein Christentum immer ernst genommen. Schon allein deshalb war er Pazifist, und sehr früh, als es noch lange keine grüne Bewegung gab, machte er sich Gedanken um die Erhaltung der Schöpfung. Diese Rolle als Gewissen der Nation hat er selbst mit 76 Jahren noch nicht abgegeben. "Hitler als Vorläufer" ist eine Warnung, daß noch einmal eine ähnliche Barbarei ausbrechen könnte. Amery hat gute und erschreckende Gründe für seine Sorge. Die Grundidee von damals sei noch da, wie Drakula, der, reglos und ohne Atem, unter den Trümmern der Geschichte liege. Aber der Pfahl im Herzen, der seinen endgültigen Tod garantiert, fehle. Damit meint Amery nicht die Neonazis mit ihren polierten Glatzen und Springerstiefeln. Die sind ihm schlicht zu dumm, um die Macht zu übernehmen. Amery meint Hitlers Sorge um die Nachhaltigkeit und seinen unmenschlichen Lösungsversuch. Natürlich hat Hitler dieses Wort nie gebraucht, wahrscheinlich hat er es nicht einmal gekannt. Aber das Problem hat er erkannt, und seine Lösung könnte heute wieder virulent werden. Hitler beantwortete die Frage, ob es auf Dauer für alle reichen wird, mit einem kategorischen Nein. Weil er die Kulturgeschichte mit seiner primitiv darvinistischen Vorstellung von Naturgeschichte gleichsetzte, erwartete er einen gnadenlosen Kampf um die vorhandenen Ressourcen. Nach seiner Interpretation setzt sich nur der Stärkste durch. Menschlichkeit war ihm Schwäche. Zusätzlich hatte er sich aus Mutter Natur eine insektenhaft kalte Göttin gebastelt, die "grausame Königin aller Weisheit", die nur Härte belohnt. In den Juden sah er die Erbfeinde jener Göttin. Mit dem jüdisch-christlichen Gedankengut läßt sich so eine Ideologie nicht vereinbaren. Humanismus, Mitleid, Soldarität mit den Schwachen, diese "jüdischen" Eigenschaften sollten mit ihren Trägern, den Juden, ausgerottet werden. Als das Tausendjährige Reich vergangen war, wurde diese Barbarei als unverständlicher und unwiederholbarer Fehler der Geschichte abgetan. Amery sieht darin aber einen Vorboten einer möglichen Zukunft. Wie werden die aufgeklärten, toleranten Zeitgenossen reagieren, wenn es tatsächlich nicht mehr für alle reicht, wenn ihnen die Armen zu nahe auf die Pelle rücken? Wenn es nicht gelingt, rechtzeitig vorzubeugen, ist dann die jüdisch-christliche Ethik der Nächstenliebe fest genug, daß nicht wieder eine derartige Barbarei ausbricht? Wie würden die Mordprogramme dann ablaufen? Mit Sicherheit viel subtiler, aber vermutlich nicht weniger brutal. Die Diskussionen um den australischen Philosophen Peter Singer, übrigens ein Nachkomme von Hitleropfern, deuten schon in diese Richtung. Immerhin denkt Singer sehr laut über Euthanasie nach und inzwischen wird er auch in Deutschland sehr viel ernster genommen als noch vor wenigen Jahren. Amery sorgt sich um die Widerstandsfähgkeit seiner Zeitgenossen. Er tut das mit einem feinen, manchmal bissigen Humor und wie immer brilliant. Das heißt aber nicht, daß man das Büchlein, womöglich noch in der S-Bahn, in einem Sitz runterlesen könnte. Dagegen sperrt sich der Inhalt, aber auch die allzu perfekte Sprache. Oft genug ist man gezwungen innezuhalten, die Gänsehaut abklingen zu lassen und den Absatz noch mal zu lesen. Aber wenn man sich ernsthaft auf das Thema einläßt, kann man Amerys Sorgen nachvollziehen und seiner manchmal schwierigen Argumentationskette folgen. Diesmal hat Amery keine Sciece-Fiction produziert. Er zeigt nur, daß solche Horrorszenarien möglich werden können. Er will erreichen, daß es gar nicht erst so weit kommt, daß wir pfleglich mit der Natur umgehen, daß es nach wie vor für alle reicht. Wird die Warnung dieses unverbesserlichen Moralisten angenommen und diskutiert, oder wird sie mit einem unwilligen "jetzt übertreibt er aber wirklich" beiseite geschoben? |
Der Mythos vom Zivilisationsprozeß 2. Intimität Hans P. Duerr Taschenbuch, Oktober 1994 Verkaufsrang: 251168
Lesermeinungen (Wiedergabe von Amazon.de, s.u.): Durchschnittliche Gesamt-Bewertung: 5.0 von 5.00 Punkten (Insgesamt 1 Bewertung)
Eines der interessantesten Bücher die ich je las 5 von 5 Punkten Dieses Buch, und sämtliche anderen Bände des "Mythos vom Zivilisationsprozess" gehört mit zum Besten, was ich je gelesen habe. Duerr versucht, die These einer Zunahme der Schamstandards im Zuge der Entwicklung der westlichen Gesellschaften zu widerlegen, die vor allem von Norbert Elias entwickelt wurde. Die ersten Kapitel beschäftigen sich kulturgeschichtlich mit der Gynäkologie. Die späteren Kapitel beschäftigen sich mit der kulturellen Wahrnehmung von Geburt und Vulva. Das Buch ist sehr detailreich und die Anmerkungen sind immer wieder das Nachlesen wert. Manchmal schweift der Autor etwas ab, und Leser, die das Buch nicht wie ich aus Spass an der Freud lesen mag das etwas stören, aber ich fand das umso besser. Im Vergleich zu den anderen Bänden ist dieser Band aber vor allem wegen der Auseinandersetzung mit den Kritikern lohnenswert. Da sind echte Lacher dabei. |
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