Gravitationsanomalien - Schwereanomalien


Gravitationsanomalien - Schwereanomalien: Schräger Wald auf dem Kornberg im Fichtelgebirge
"Schräger Wald" auf dem Kornberg im Fichtelgebirge! One Way Wind, Magnetismus, Esoterik oder was?
Hier ist es leicht zu durchschauen und zu erklären: Ein schräg und parallel zur dortigen Skiabfahrt gehaltener Fotoapparat erzeugt diese Täuschung. Der Wald wächst natürlich senkrecht und ich habe mich schräg gegen einen Baum gelehnt.
Skiabfahrt auf dem Kornberg im Fichtelgebirge - Bergauf, bergab
Foto: Sabine Gabriel

Fahrzeuge und Flaschen rollen scheinbar bergauf

Nicht so leicht zu durchschauen sind ähnliche Effekte, wie sie oft Bustouristen am Albaner See bei Rom vorgeführt werden: Der Bus hält an, der Reiseführer sagt: »Sie sehen, hier geht es bergab. Der Busfahrer wird nun die Bremsen lösen.« Und siehe da, der Bus rollt ohne Motor rückwärts, scheinbar bergauf! Dann folgen Erklärungen von einem Magnetberg, Eisenerzvorkommen und Wasseradern in der Tiefe. Um der Sache Seriosität zu verleihen, zitiert man das Geoforschungszentrum Potsdam, das tatsächlich Gravitationsanomalien untersucht, was unter anderem die bekannte  Potsdamer Kartoffel hervorgebracht hat, mit deren Hilfe man örtliche Unterschiede in der Erdanziehungskraft, sogenannte Schwereanomalien veranschaulicht. Die Unterschiede in der Erdanziehung sind jedoch so gering, dass sie natürlich kein Fahrzeug bergauf rollen lassen können. Auch bei Karpacz Gorny in Polen und bei Butzbach in Hessen gibt es Stellen, wo man immer wieder Fahrzeuge oder Flaschen auf der Straße rollen lässt, um die geheimnisvollen Kräfte zu beweisen.

Die Lösung ist ganz einfach:
Es geht eben nicht bergab, sondern bergauf!
Und die Flaschen und Fahrzeuge rollen auch hier immer bergab, auch wenn es anders aussieht!


Es ist tatsächlich eine optische Täuschung. Woran erkennen wir denn leichtes bergauf oder bergab? Ist der Berg steil, spüren wir es in unseren Füßen, bei sehr leichter Neigung setzen wir die Fläche, auf der wir stehen oder sitzen in Relation zur Umgebung. Geht nun vor uns eine ganz leichte Steigung in eine starke Steigung über, haben wir den optischen Eindruck, es handle sich bei der leichten Steigung um ein Gefälle. So einfach ist das. Ebenso funktioniert es umgekehrt mit einem leichten und dann stärkeren Gefälle, bei dem wir bei ersterem den Eindruck haben, es handle sich um eine Steigung.

Selbst nach dem Auflegen einer Wasserwaage, welche die Neigung ganz eindeutig anzeigt, zweifelt man noch, denn die wird natürlich auch von der Anomalie beeinflusst und zeigt falsch an. Zum physikalischen Beweis haben Geometer (Geodäten) bei Karpacz Gorny in Polen und Butzbach in Hessen Messungen mit Nivelliergeräten und Präzisions-GPS durchgeführt, die immer wieder die gleichen Ergebnisse brachten: Die Fahrzeuge, Flaschen oder was auch immer rollen in die richtige Richtung, nämlich bergab. Nur der optische Eindruck ist falsch. Das Auge wird durch verschiedene Einflüsse der Umgebung getäuscht. Seriöse Veröffentlichungen, wie zum Beispiel hier in der Online-Ausgabe der Zeitschrift  Focus (Unterüberschrift "Gefälle vor unsichtbarem Horizont") werden eher wenig beachtet. Man will sich ja lieber vor irgendwelchen Geheimnissen gruseln. Und die Einheimischen sind froh, wenn ihre Gegend dadurch etwas bekannter wird.

Viele Menschen glauben eben lieber etwas geheimnisvolles als einfache Erklärungen. Daraus entstehen nicht nur harmlose Urbane Legenden, sondern auch Verschwörungstheorien, die sich viral verbreiten, weil sie so originell und interessant sind, viel besser als die langweilige Wirklichkeit. Da können seriöse Wissenschaftler ruhig das Gegenteil beweisen, die sind dann eben »von den Bonzen oder Politikern gekauft«. Weitere Beispiele und Erklärungen finden Sie hier auf meiner Seite  Legendenbildung.

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(Anti-Gravitation, Schwerelosigkeit)
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René Magritte: Chateau, Schloss in den Pyrenäen Auch Maler spielten gerne mit an sich unmöglichen Effekten der Schwerkraft oder ihrer Aufhebung. Auf einem Gemälde kann man leicht riesige und schwere Felsen, Tiere oder Gebäude schweben lassen wie René Magritte sein Schloss in den Pyrenäen (links) oder Elefanten mit spindeldünnen Beinen, die das Gewicht auch mit modernsten Materialien unmöglich tragen könnten, wie Salvador Dali auf seinem Bild Elefanten (rechts).

Abb.: Werbematerial von allposters.de,
Bilder, Kunstdrucke, gerahmt oder ungerahmt:
Abteilung René Magritte
Abteilung Salvador Dali
Salvador Dali: Elefanten




 Optische Täuschungen
 Kornberg im Fichtelgebirge