Astronomie:

Kometen und Asteroiden

von Erwin Purucker

Der Komet ISON

Eine Animation, welche die damals
voraussichtliche Bahn des Kometen
im Sonnensystem verdeutlichte

Youtube-Einbettung,
bitte auf das Dreieck klicken!

Eine dreidimensionale
Animation finden Sie unter
 www.solarsystemscope.com/ison

Im Herbst des Jahres 2013 bekamen die inneren Planeten unseres Sonnensystems und die  Sonne selbst Besuch vom Kometen ISON, der die Erde am 26. Dezember 2013 in ca. 60 000 000 Kilometer Entfernung passieren und in Erdnähe sehr hell am Himmel erscheinen sollte. Einige Monate vorher, am 1. Oktober 2013, flog er 10 900 000 Kilometer am Mars vorbei. Danach näherte er sich der Sonne an, und zwar auf nur 1 100 000 Kilometer. Das klingt nach viel, liegt aber nur in der Größenordnung des Sonnendurchmessers. Er zählte deshalb zu den sogenannten Sonnenstreifern.

Durch die Nähe zur Sonne und deren starker Strahlung und  Gravitation brach er schließlich auseinander und verdampfte größtenteils durch die Erhitzung.

Schon vorher wurde darüber spekuliert, was eventuelle Bruchstücke dann machen könnten. Eine so große Bahnabweichung, dass eines davon die Erde hätte treffen können, war praktisch ausgeschlossen. Wenn, dann wären es höchstens kleine Bruchstücke gewesen, da die Hauptmasse des Kometen nicht so weit abgelenkt werden kann. Diese wären, wenn sie als Meteoriten auf der Erde niedergegangen wären, schon in großer Höhe durch die Reibungshitze in der Atmosphäre verdampft und hätten keinerlei Schaden angerichtet. Im Dezember 2012 (Bild rechts) war der Komet nur als schwacher Lichtpunkt mit größeren Teleskopen zu sehen. Nachdem der Weltuntergang 2012 ausgefallen war, wollten natürlich wieder Weltuntergangs-Propheten die Apokalypse um ein Jahr verschieben.
Der Komet ISON
Der Komet ISON, Abb.: www.nasa.gov
im Herbst 2012
 
Der Komet ISON mit der Bezeichnung C/2012 S1 wurde erst am 21. September 2012 von einem russischen und einem weißrussischen Astronomen entdeckt. Am 2. Oktober 2012 berichtete der  Spiegel über den Kometen ISON. Er kam wahrscheinlich aus der Oortschen Wolke, einem Bereich vieler geheimnisvoller Kometen und Asteroiden am Rand unseres Sonnensystems, von wo er durch eine Bahnstörung oder gar einen Zusammenstoß Richtung Sonne geschleudert wurde.

Die Größe des Kometenkerns von C/2012 S1 (ISON) soll 5 km im Durchmesser betragen. Das ist ein enormer Brocken! Falls das spektakuläre  Tunguska-Ereignis, eine riesige Explosion im Jahr 1908 in Sibirien, deren roter Schimmer am Himmel sogar bis Mitteleuropa und auch im  Fichtelgebirge zu sehen war, durch einen Kometeneinschlag verursacht wurde, nimmt man im Vergleich dazu nur einen Durchmesser von ca. 50 m an. Astronomen hofften, dass ISON die Größe und Helligkeit des Kometen C/1680 V1 erreichen würde, den man auch Kirchs Komet nennt, da er am 14. November 1680 von einem Gottfried Kirch entdeckt wurde. Er soll im 17. Jahrhundert sogar am Taghimmel zu sehen gewesen sein. Oft wird er auch einfach als Großer Komet von 1680 bezeichnet.
Der Komet ISON, gesehen vom Hubble-Teleskop am 10.4.2013
Der Komet ISON, Abb.: www.nasa.gov
Aufgenommen mit dem Hubble-Teleskop am 10. April 2013
So wundert es nicht, dass 2013 erste Gerüchte auftauchten, es könnte sich in Wirklichkeit um den Zerstörer handeln, einen legendären Himmelskörper, der schon verschiedentlich angekündigt wurde. Es würde sich um einen

noch unentdeckten Planeten im Sonnensystem

handeln. Auf sumerischen und babylonischen Keilschrifttafeln soll er bei bestimmten Sternkonstellationen erscheinen. Sie nannten ihn nach einer ihrer Gottheiten Planet Nibiru und beschrieben ihn als bewegliches Himmelsobjekt. Je nach Konstellation hieß er auch Marduk. Von ihm soll das phantastische Volk der Anunnaki stammen. Als Trans-Pluto oder Planet X vermutete man im 20. Jahrhundert einen hypothetischen zehnten Planeten im Sonnensystem, da man Bahnabweichungen von Uranus und Neptun nicht erklären konnte. Je nach Zählweise müsste man ihn heute wohl als neunten Planeten bezeichnen. Zecharia Sitchin bezeichnet ihn in seinen Büchern als Der zwölfte Planet. Heute wird jedoch die Meinung verbreitet, dass es sich bei den Bahnabweichungen um Messfehler handelte. Überprüfen können das nur ganz wenige, was Verschwörungstheorien geradezu herausfordert.

Immer mal wieder wird die Sache mit einem noch unentdeckten Planeten aufgewärmt. So auch vor kurzem wieder Mike Brown vom California Institute of Technology, der im Jahr 2003 den Zwergplaneten Eris im Kuipergürtel entdeckte. 2015 meinte er, neue Hinweise auf einen Himmelskörper mit etwa zehnfacher Erdmasse gefunden zu haben, der auf einer stark elliptischen, weit entfernten Bahn um die Sonne kreist. Er müsste sich damit schon in dem Bereich zwischen Kuipergürtel und Oortscher Wolke bewegen. Wenn er sich in unserer Zeit im sonnenfernsten Teil seiner elliptischen Bahn befindet, wird er nur schwer zu entdecken sein, da dann seine Winkelgeschwindigkeit gering ist und auch die Auswirkungen seiner Gravitation auf das restliche Sonnensystem wenig dynamisch sind. Im Zusammenhang mit diesen neueren "Erkenntnissen" liest man von einer Umlaufzeit um die Sonne von 10.000 bis 20.000 Jahren.

Auch der Astrophysiker Richard A. Muller glaubt Hinweise auf einen Himmelskörper auf einer extrem weiten und elliptischen Bahn gefunden zu haben, der alle 26 Millionen Jahre ein großes Artensterben auf der Erde verursacht, indem er in diesen Zeitabständen die Oortsche Wolke durchfliegt und dabei Kometen und Asteroiden von ihrer Bahn abbringt und Richtung inneres Sonnensystem schleudert. Er nennt ihn Nemesis, den Todesstern. Er wäre wahrscheinlich ein Brauner Zwerg oder ein Gasriese, der die Sonne auf einer sehr weiten Umlaufbahn mit einem Radius von mehreren Lichtjahren umkreist. Benannt wurde er nach Nemesis, der Göttin der Vergeltung und des Zorns in der griechischen Mythologie. Vergleicht man die Umlaufzeit von 26 Millionen Jahren mit den oben erwähnten 20.000 Jahren, gewinnt man doch den Eindruck wilder Spekulationen. Physikalisch möglich ist es schon, behaupten kann man viel und ausschließen kann es niemand.

Völlig ausgeschlossen ist die Existenz eines weiteren Planeten jenseits der Umlaufbahn des Pluto also tatsächlich auch heute noch nicht, vor allem, wenn er sich zur Zeit an einem sehr sonnenfernen Teil einer elliptischen Umlaufbahn aufhält. Er könnte eine der Ursachen sein, warum ab und zu Asteroiden oder Kometen aus der Oortschen Wolke geschleudert werden. Herbert Gabriel erklärt in seinem Buch  Die Geschichte des Altertums in neuer Sicht Geschichten aus der Bibel und anderen Aufzeichnungen aus der Antike, wie zum Beispiel abweichende Längen eines Kalenderjahres, mit einem noch unbekannten Planeten, den er Typhon nennt. Im  Buch Josua Kap. 10, Vers 13 heißt es z.B. "Da stand die Sonne und der Mond stille ... und die Sonne verzog unterzugehen einen ganzen Tag." Wenn man das wörtlich nimmt, ist es nur mit einer Verschiebung der Erdkruste durch die starke Gravitation eines nahe vorbeifliegenden Planeten zu erklären, denn die Erddrehung kann nicht einfach komplett stehenbleiben.

Im Jahr 2010 führten zwei amerikanische Astronomen die Bahnen bestimmter Kometen auf einen noch nicht entdeckten hypothetischen Planeten zurück, den sie Tyche nannten. Sein mittlerer Bahndurchmesser würde dem der Oortschen Wolke entsprechen. Er wäre in diesem mathematischen Modell allerdings kein Zwergplanet, sondern ein Gasriese mit einer Umlaufzeit von 1 Million Jahren. Tyche ist übrigens der Name der "guten Schwester" der oben genannten Göttin Nemesis. Sie ist auch die  griechische Göttin des Schicksals, des Glücks und des Zufalls. Nicht zu verwechseln ist dieser mit dem gleichnamigen Asteroiden (258) Tyche, der schon 1886 von der Sternwarte Düsseldorf entdeckt wurde. Das Infrarotweltraumteleskop WISE der NASA sucht vor allem im Infrarot-Bereich nach großen Himmelskörpern jenseits der Oortschen Wolke, hat aber bis jetzt nichts ähnliches gefunden.

Während man Nibiru und Nemesis wohl mehr im Reich der Esoterik anordnen muss, und die Hinweise darauf aus alten Quellen wie Mythen, Sagen und Religionen stammen, fand die Astronomie heraus, dass uns vor langer Zeit offenbar tatsächlich ein Himmelskörper von außerhalb unseres Sonnensystems besuchte. Erst im Jahr 2014 entdeckte Ralf-Dieter Scholz am Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam ein Doppelsternsystem aus einem Roten Zwerg und einem Braunen Zwerg in "nur" 20 Lichtjahren Entfernung. Dabei sah er nicht durch ein Fernrohr, sondern fand es im Datenstrom des NASA-Teleskops Wide-field Infrared Survey Explorer (WISE). Beide miteinander haben weniger als ein Zehntel der Sonnenmasse. Da sich das System sehr schnell von uns weg bewegt, seine Winkelgeschwindigkeit am Himmel aber sehr gering ist, schlossen die Wissenschaftler daraus, dass es uns vor ca. 70 000 Jahren sehr nahe gekommen sein muss. Allerdings ist "sehr nahe" in diesem Fall relativ. Die geringste Entfernung hat offenbar immernoch fast ein Lichtjahr betragen, was in etwa der äußeren Grenze der Oortschen Wolke entspricht. Die beiden Himmelskörper dürften also bei uns kaum etwas durcheinandergebracht haben. Höchstens wurden ein paar Asteroiden auf eine andere Bahn gelenkt, die jedoch kaum bis in Erd- oder gar Sonnennähe geführt haben dürfte. Der Rote Zwerg trägt den Namen WISE J072003.20-084651.2 oder einfach Scholz's Stern.

Im Jahr 2011 beschwor auch der Regisseur Lars von Trier den Weltuntergang durch die Kollision der  Erde mit einem anderen Planeten herauf. Melancholia heißt der Film und auch der fiktive Planet. Zuerst zieht Melancholia knapp an der Erde vorbei, beschreibt eine Schleife, die als Totentanz bezeichnet wird, und dann kollidieren beide Planeten. Auch in einem sehr geheimnisvollen Gemälde von  Albrecht Dürer ist unter einem Regenbogen ein strahlender Himmelskörper zu sehen. Daneben steht "Melencolia I". Es könnte sich um einen Kometen handeln, der traditionell als Bote einer Zeitenwende gesehen wird, oder um den Planeten Saturn, der im Mittelalter oft in Verbindung mit Schwermut und Unglück gebracht wurde. Oder eben auch um einen bedrohlichen fiktiven Himmelskörper. Vielleicht hat sich von Trier von diesem Gemälde inspirieren lassen. Schwermut und Kulturpessimismus lässt er in dem Satz gipfeln: »Die Erde ist schlecht. Wir brauchen nicht um sie zu trauern. Niemand wird sie vermissen!«


Kometen

Im Jahr 1986 konnte man den Kometen 1P/Halley am Himmel beobachten, auch Halleyscher Komet genannt, und 1995 besuchte uns Hale-Bopp. Der hellste Komet im 20. Jahrhundert war jedoch meines Wissens Ikeya-Seki im Jahr 1965. Entdeckt wurde er von den Amateur-Astronomen Kaoru Ikeya und Tsutomu Seki aus Japan. Eine Zeit lang war er nach Sonne und Mond das dritthellste sichtbare Himmelsobjekt. Er zerbrach in der Nähe der Sonne in drei Teilstücke, die allerdings kaum von der berechneten Flugbahn abweichten. Offiziell heißt er C/1965 S1. Komet Ikeya-Seki 1965
Auch im 19. Jahrhundert, im Jahr 1882, tauchte ein großer heller Komet auf. Bekannt wurde er als Großer Septemberkomet und als Entdecker gilt der Südafrikanische Astronom William Henry Finlay aus Kapstadt. Die offizielle Bezeichnung lautet C/1882 R1.

Das Bild zeigt deutlich, warum man diese Himmelskörper, die im Fernrohr als dreckiger Schneeball erscheinen, auch Schweifstern nennt. Der Schweif hat übrigens mit der Flugrichtung nichts zu tun. Der Komet zieht seinen Schweif also nicht hinter sich her. Vielmehr taut die Sonne einen Teil der Oberfläche auf und verdampft ihn schließlich. Der Sonnenwind treibt diese Gase vom Kometen weg. Der Schweif ist also immer von der Sonne weg gerichtet.
Großer Septemberkomet 1882

Die Gefahr, die von einem neu entdeckten Kometen oder Asteroiden ausgeht, wird übrigens nach der Turiner Skala klassifiziert, die von der UNO als Near-Earth Object Hazard Index bezeichnet wird. Sie ordnet entdeckte erdnahe Himmelskörper auf einer Skala von 0 bis 10 und in folgende Gefahrenklassen ein:
  • Weiß, keine Gefahr (0):
    Kollisionswahrscheinlichkeit nahe Null oder sehr kleiner Körper
  • Grün, gewöhnlich (1):
    Kollision extrem unwahrscheinlich, Vorbeiflug vorhergesagt
  • Gelb, Aufmerksamkeit der Astronomen erforderlich (2 bis 4):
    Von Kollision sehr unwahrscheinlich bis zu einer Wahrscheinlichkeit von über 1% für regionale Zerstörungen
  • Orange, Bedrohlich (5 bis 7):
    Enge Begegnung, Kollision unsicher, Zerstörungen von regionalen Verwüstungen bis globalen Schäden
  • Rot, sichere Kollision (8 bis 10):
    Sicher eintretende Kollision, Zerstörungen von lokal bis global
Für den Kometen ISON gab es keine Einordnung, da die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags praktisch Null war und blieb. In der Klassifizierung 1 war zum Beispiel einmal der Asteroid 2003 QQ47. In der Anfangszeit nach seiner Entdeckung hielt man einen Einschlag im Jahr 2014 für nicht ausgeschlossen. Nachdem in der Zwischenzeit genauere Vermessungen seiner Bahn möglich waren, weiß man, dass er die Erde im März 2014 verfehlen wird. Nach einem  Artikel im Spiegel hat er einen Durchmesser von 1,2 km und eine Geschwindigkeit von 30 km pro Sekunde (= 108 000 km/h). Eine aktuelle Liste erdnaher Objekte findet man hier bei der  Universität in  Pisa in der Toskana.

Es bestand also niemals wirklich eine Gefahr durch ISON,
auch wenn manche vielleicht annahmen, dass sich die Mayas mit ihrem Weltuntergang um ein Jahr verrechnet haben ... 60 Millionen Kilometer Entfernung zur Erde sind doch ein ganz schöner Sicherheitsabstand. Die Animation oben täuscht, da sie ja nur eine zweidimensionale Draufsicht zeigt. Den Vorbeiflug an der Erde muss man sich auch noch dreidimensional nach oben oder unten verschoben vorstellen.


Ab dem 2. März 2004 war die europäische Sonde Rosetta auf dem Weg zu einem Kometen, den sie 2014 erreichte. Er heißt 67P / Tschurjumow-Gerasimenko (Churyumov-Gerasimenko oder einfach Tschuri) und seine weiteste Entfernung von der Sonne liegt nur knapp oberhalb der Jupiterbahn. Deshalb ist seine Umlaufzeit für einen Kometan relativ kurz. Sie beträgt nicht mal 7 Jahre. Die Erdbahn kreuzt er nicht. Er kommt nur bis zur Marsbahn. Rosetta hat einen Lander mit dem Namen Philae abgesetzt, der den Kometen mit seinen Instrumenten erforschte. Auf ihrem weiten Weg näherte sie sich mehrmals der Erde und dem Mars, um sich Schwung zu holen und so ganz nebenbei traf sie die Asteroiden Steins und Lutetia, von denen sie Bilder zur Erde schickte.

Zum Jahreswechsel 2014/2015 erwarten wir den Kometen C/2014 Q2 (Lovejoy), der erst am 17. August 2014 von dem australischen Amateur-Astronomen und Informations-Techniker Terry Lovejoy enteckt wurde. Er besucht die inneren Planeten alle ca. 11000 Jahre und wird wahrscheinlich nur mit einem Fernglas zu sehen sein. Der geringste Abstand zur Erde wird 70 Millionen Kilometer betragen.
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Asteroiden und Meteoriten

Der Asteroid 2012 DA14 mit 50 Metern Durchmesser und 130 000 Tonnen Masse flog am 15. Februar 2013 in nur 27 700 km Entfernung an der Erde vorbei, was für kosmische Verhältnisse haarscharf ist. Er kommt uns also näher als unsere Fernsehsatelliten kreisen, auf ihrer geostationären Bahn in 35 786 km Höhe über dem Äquator. In der Öffentlichkeit und den Medien blieb er bis wenige Tage vor dem Vorbeiflug relativ unbeachtet. Ein Zusammenstoß mit der Differenzgeschwindigkeit von fast 30 000 km/h hätte eine weltweite Katastrophe bedeutet. Schon in viel größerer Entfernung von ca. 6 Millionen Kilometern passiert am 31. Mai 2013 der Asteroid 1998 QE2 die Erde. Das ist das fünfzehnfache der Entfernung Erde - Mond. Er hat 2,7 km Durchmesser und besitzt sogar einen eigenen kleinen Trabanten, der ihn umkreist. Der geringste Abstand zu ISON beträgt nochmal das zehnfache davon, da dürfte also nichts passieren.

Völlig ohne Vorwarnung traf im Frühjahr 2013 ein Meteorit die russische Stadt Tscheljabinsk. Videos gingen um die Welt mit verrücktesten Spekulationen vom Ufo bis zum Flugzeugabsturz. Andere vermuteten, dass ihn die russische Armee mit Luftabwehrraketen in großer Höhe zerstört hat, um größere Schäden zu verhindern. Der rechtsextreme Wladimir Schirinowski schob es sogar wieder mal auf die Amerikaner, die versucht haben sollen, Russland zu provozieren. Aber hier kann man ziemlich sicher sein: Es war ein Meteorit mit ca. 17 m Durchmesser und 10.000 Tonnen Masse. Er hinterließ hoch in der Atmosphäre die Energie von mehreren Atombomben. Nachdem viele Bruchstücke gefunden wurden, konnte man ihn in die Meteoriten-Klasse der LL5-Chondriten einstufen. Das größte Teil soll jedoch im Tscherbakul-See gelandet sein und konnte offenbar noch nicht herausgeholt werden, zumindest konnte ich nichts weiteres darüber erfahren. Was in den Nachrichten nicht erwähnt wurde: Nicht weit von Tscheljabinsk, zwischen Osjorsk und Tatysh liegt die Kerntechnische Anlage Majak. Während hier früher das spaltbare Material für die Atombomben der Sowjetunion hergestellt wurde, dient sie heute vor allem zur Wiederaufbereitung von abgebrannten Brennstäben aus den russischen Atomkraftwerken. Es handelt sich um Wiederaufarbeitungsanlagen wie La Hague in Frankreich, Sellafield (Windscale) in England und Savannah River Site in den USA. Die geplante und (gottseidank) verhinderte Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf hätte hier auch dazugezählt.

Am 7. Oktober 2008 traf ein Asteroid die Erde, der auch erst 20 Stunden vor dem Einschlag entdeckt wurde. Er hieß 2008 TC3 und hatte nur 4 m Durchmesser und 80 Tonnen Gewicht. Trotzdem verursachte er über dem nördlichen Sudan in der Nubischen Wüste, nicht weit von den ägyptischen Tempeln in  Abu Simbel, eine Explosion wie von 1000 bis 2000 Tonnen TNT-Sprengstoff. Noch ein Himmelskörper wird uns nahe kommen: Der Asteroid 2011 AG5 wurde zeitweise auch in der Risikostufe 1 der Turiner Skala geführt, weil er nach ersten Bahnberechnungen im Februar 2040 die Erde in nur 289 200 km Entfernung passieren wird. In letzter Zeit (2013) spricht man zwar von Entwarnung, jedoch reicht in dieser langen Zeit bis 2040 eine sehr geringe Bahnabweichung, um ihn auf Erdkurs zu bringen. Das gleiche gilt für 2007 VK184, der uns im Juni 2048 besuchen wird und den bekannten Asteroiden 99942 Apophis (2004 MN4), ein dicker Brocken, benannt nach dem altägyptischen Gott Apophis, der Auflösung, Finsternis und Chaos verkörpert und der Gegenspieler des Sonnengottes Re ist. Er wird 2029 im Abstand von geostationären Satelliten die Erde passieren und schon im Jahr 2036 kommt er nochmal zurück. Wie nahe, ist noch schwer zu berechnen. Der Asteroid 2002 NT7 wird uns im Februar 2019 besuchen und voraussichtlich nicht gefährlich werden.

Dass solche Entdeckungen verständlicherweise erst mal nicht an die große Glocke gehängt werden, verleitet natürlich auch dazu, dahinter Verschwörungstheorien zu suchen, in der Art »Wenn die wüssten, dass ein großer Brocken einschlagen wird, werden sie es uns nicht sagen, damit keine Panik entsteht!« Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sich so etwas auf keinen Fall geheimhalten lassen würde. Dazu ist das Netz der weltweiten Beobachter einfach zu dicht. Es würde bekannt werden.

Asteroiden kann man schon mit verhältnismäßig einfachen Mitteln entdecken. Was man braucht ist vor allem Zeit und Wissen, und natürlich ein Teleskop, aber kein riesiges. So entdeckte zum Beispiel Bernhard Häusler aus Maidbronn in Unterfranken im Jahr 2009 einen Asteroiden mit 1,7 km Durchmesser, der jetzt den Namen (410928) Maidbronn trägt. Von seinem Balkon aus! Alle diese Objekte, die sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne befinden, aber zu klein sind um als Planet oder Zwergplanet zu gelten, bezeichnet man als Kleinplaneten, ausgenommen die Kometen.

Ein Asteroid wurde bereits von einer Sonde der japanischen Weltraumagentur JAXA besucht: Die Rückkehrkapsel der Asteroidenmission Hayabusa brachte im Jahr 2012 Material vom Asteroiden 25143 Itokawa auf die Erde. Mit der 2014 gestarteten Sonde Hayabusa 2 will die JAXA im Jahr 2018 auf dem 4,5 Milliarden Jahre alten Asteroiden 162173 1999 JU3 landen und eine Bodenprobe zurück zur Erde bringen. Mit an Bord wird MASCOT (Mobile Asteroid Surface Scout) sein, ein kleiner Asteroiden-Lander des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Er soll auf der Oberfläche umherhüpfen können und dabei die Beschaffenheit, Zusammensetzung und Temperatur der Asteroidenoberfläche und ein eventuelles Magnetfeld des Himmelskörpers untersuchen. Eine weitere Mission zu einem Asteroiden ist im Jahr 2016 geplant: Sie wird OSIRIS-REx heißen und (101955) 1999 RQ36 besuchen, der auch Bennu genannt wird.

Ein weiterer bekannter "großer Brocken" ist der Asteroid (4486) Mithra, der manchmal schon als Planetoid bezeichnet wird und mit drei bis fünf Kilometern Durchmesser in der Gegend des Mars seine Bahnen zieht. Andere größere Asteroiden kommen als Anwärter auf den Status eines Zwergplaneten in Frage: Im Asteroidengürtel sind das Vesta, Pallas und Hygiea, jenseits des Neptun Orcus, Quaoar und Varuna. Im Jahr 2003 entdeckte man Sedna und 9 Jahre später 2012 VP113. Den letzteren könnte man vom mittleren Bahndurchmesser her schon zur inneren Oortschen Wolke zählen. Die beiden wurden nur entdeckt, weil sie extrem elliptische Bahnen haben und am sonnennächsten Punkt von Teleskopen gesehen werden können. Durch diese Entdeckungen wird es immer wahrscheinlicher, dass nahe oder in der Oortschen Wolke ein weiterer Himmelskörper die Sonne umkreist, der durchaus Mond- oder Erdgröße haben könnte, oder ein weiterer Planet Nemesis auf einer elliptischen Bahn mit einer Umlaufzeit von Millionen von Jahren.

Es gibt übrigens auch Asteroiden, die sich auf einer ganz ähnlichen Bahn wie die Erde um die Sonne bewegen. Dabei treten sie mit der Erde über die Gravitation in Wechselwirkung und durch die gleiche Umlaufzeit von einem Jahr entsteht eine Bahnresonanz, welche die Umlaufbahn stabilisiert. Wäre dies nicht der Fall, würden sie durch die Anziehungskraft der Erde aus ihrer Bahn geschleudert. Man nennt solche Objekte auch koorbitale Himmelskörper, da sie sich die Umlaufbahn mit einem Planeten teilen. Der bekannteste ist wohl der 1986 entdeckte Asteroid (3753) Cruithne mit immerhin guten 3 km Durchmesser. Der Name bezieht sich auf einen legendären Stammvater oder Urvater eines  Keltenstammes, der Pikten. Der Erdbahn am ähnlichsten ist der Weg des nur 100 m kleinen Asteroiden 2002 AA29. In der Bahn des Jupiter befinden sich die Trojaner, ebenfalls Asteroiden, die es sich an sogenannten Librationspunkten oder Lagrange-Punkten 60° vor und nach dem Jupiter gemütlich gemacht haben. Dabei handelt es sich um Gleichgewichtspunkte, die ebenfalls eine stabile Umlaufbahn ermöglichen, ohne durch die Schwerkraft des Planeten aus der Bahn geworfen zu werden.

Frischer Krater auf dem Planeten Mars
Dieser frische Krater auf dem Planeten Mars muss zwischen 2010 und 2012 entstanden sein. Aufgenommen wurde er vom Mars Reconnaissance Orbiter, einem Mars-Erkundungs-Satelliten der NASA. Da die Mars-Atmosphäre sehr dünn ist, gelangen auch Asteroiden bis zur Oberfläche, die auf der Erde schon in großer Höhe zerbrechen und verdampfen würden. Foto: www.nasa.gov

Liest man in der Bibel, dass Gott die Städte Sodom und Gomorra durch Feuer vom Himmel zerstörte, denkt man heutzutage wohl eher auch an den Einschlag eines Meteoriten oder Kometen. Zunächst fand man dafür aber keine Anhaltspunkte. Neuerdings behaupten zwei Astronomen, Alan Bond und Mark Hempsell, auf einer alten Keilschrifttafel, die man auch die Himmelsscheibe von Ninive nennt, Hinweise auf das Ereignis gefunden zu haben. Anhand von Sternenkonstellationen auf dieser Himmelsscheibe berechnen sie den Zeitpunkt auf den 29. Juni 3123 vor Christus. In dieser Zeit gab es einen Meteoriteneinschlag in den Ötztaler Alpen bei Köfels. Die Zerstörung von Sodom und Gomorra soll ein Sekundäreffekt gewesen sein, evtl. ein Bruchstück des Asteroiden oder hochgeschleudertes Gestein, das auf die Städte niederging. Leider gibt es, genau wie in der Tunguska, (noch) keine eindeutigen Beweise in Form von typischen Element-Anomalien, wie zum Beispiel die hohe Iridium-Konzentration durch den großen Einschlag vor 65 Millionen Jahren zwischen Kreidezeit und Tertiär, und auch keinen Krater.

In weiter Vergangenheit und auf lange Zeiträume gerechnet, ist die Erde häufig von Asteroiden und Kometen getroffen worden. Am Anfang hat sie sich sogar allmählich aus ihnen gebildet. Am bekanntesten ist natürlich der Asteroid, der vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier auslöschte, und mit ihnen den größten Teil aller höheren Lebewesen. Als sogenannte K-T-Grenze oder Kreide-Tertiär-Grenze, als Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär, ist dieses Ereignis weltweit in Sedimentschichten als eine Schicht mit erhöhtem Iridium-Anteil zu finden, was auf einen Meteoriten-Einschlag schließen lässt. Das extreme Artensterben ist jedoch nicht allein durch die Explosion des Einschlags zu erklären. Wahrscheinlich erzeugte die Wucht der Kollision verschiedene Effekte in der Folgezeit, die in ihrer Kombination dieses Massenaussterben bewirkten:
  • Zunächst fielen die hochgeschleuderten Steine in weitem Umkreis auf die Erde zurück, was jedoch auf der abgewandten Seite der Erdkugel nur wenig bewirkt haben dürfte.
  • Der aufgewirbelte Staub verursachte eine jahrelange Dunkelheit
  • Die Erschütterungen des Einschlags verursachten eine erhöhte Vulkantätigkeit, mit Folgen wie Saurer Regen etc.
  • Ein Tsunami dürfte über den gesamten Erdball gewandert sein.
  • Ein Hyperkan (Hypercane), so etwas wie ein viel höher reichender Hurrikan könnte große Mengen zerstäubtes Salzwasser und Wasserdampf in die Stratosphäre transportiert und damit die Ozonschicht zerstört haben. Dies würde erklären, dass vor allem die kleinen und teilweise unterirdisch lebenden Säugetiere überlebten. Sieht man, welche Wirbelstürme das "nur" gut 30° C warme Wasser der Karibik erzeugt, kann man sich gut vorstellen, dass das durch den Einschlag erhitzte Wasser solche Wirbel hervorbringt. Professor  Kerry Emanuel vom MIT (Massachusetts Institute of Technology in Cambridge) hat errechnet, dass schon eine großflächige Wassertemperatur von 50° C ausreicht, um einen solchen Hyperkan (Hypercane) zu erzeugen.

Jedenfalls hat dieses Ereignis bewirkt, dass wir Menschen heute zu den Säugern zählen und nicht zu den Reptilien.
Obwohl Eierlegen vielleicht einfacher wäre als Lebensgeburten, lieber Brutschrank als Kreißsaal...

Erst im April 2016 entdeckte man mit dem Pan-Starrs-1-Teleskop der Universität Hawaii einen Asteroiden, der nicht die Sonne umkreist oder wild umherfliegt, sondern wie der Mond die Erde umkreist. Man vermutet, dass das dieser

Asteroid 2016 HO3

für astronomische Zeiträume erst seit kurzer Zeit tut. Wahrscheinlich hat die Erde ihn mit ihrer Gravitation vor weniger als 100 Jahren eingefangen. Er hat um die 100 m Durchmesser und eine sehr unregelmäßige Flugbahn mit einem Abstand zwischen 10 und 40 Millionen Kilometern von der Erde. Wegen dieser Unregelmäßigkeit und der geringen Anziehungskraft wird er uns wahrscheinlich in absehbarer Zeit wieder verlassen und sich andere Bahnen im All suchen. Bis dahin können wir ihn ruhig als unseren zweiten Mond bezeichnen, wenn er auch in den schwärzesten Nächten nicht am Firmament zu sehen ist.




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