Forscher und Entdecker

Alexander von Humboldt

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Gedanken eines Laien zu großen Forschern und Denkern.
Was mir an den großen Wissenschaftlern und Philosophen am wichtigsten erscheint.


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Alexander von Humboldt:
Jedes Naturgesetz, das sich dem Beobachter offenbart, läßt auf ein höheres, noch unerkanntes schließen
Meine Gedanken dazu:
Eine Erkenntnis, die an keine Grenze zu stoßen scheint, heute genau so aktuell wie damals, von der Molekularbiologie bis zur Elementarteilchenphysik. Mit jedem neu entdeckten Teilchen am  CERN in Genf tun sich neue Rätsel auf. Würde sich die Erklärung der Welt durch das Standardmodell einer Lösung nähern, müssten sich die Erklärungen vereinfachen. Satt dessen wird alles immer komplizierter und nur noch wenige Leute wissen, was das alles bedeuten soll, von Anschaulichkeit ganz zu schweigen. Geniale Lösungen sind jedoch immer einfach. Davon sind wir meilenweit entfernt.
Die dogmatischen Ansichten der vorigen Jahrhunderte leben nur fort in den Vorurteilen des Volkes und in gewissen Disziplinen, die, in dem Bewußtsein ihrer Schwäche, sich gern in Dunkelheit hüllen.
Mir drängt sich der Gedanke auf, dass dieser Ausspruch aus seinem Kosmos, Erster Band auch ein Seitenhieb auf die Kirchen war, die seit Renaissance und Aufklärung ein Rückzugsgefecht führen. Das gilt auch für die evangelische Kirche, die sich seit Martin Luther auf der 500 Jahre alten Reformation ausruht, statt das damalige Umdenken als Beginn eines Reformationsprozesses zu begreifen, der zu einem modernen liberalen Gottesbild hätte führen können, ohne Dogmen wie die Dreieinigkeit und ohne das Schüren von Angst vor Hölle, Tod und Teufel. Dem  Gottesbild einer geistigen Welt dem auch die heutige Jugend wieder folgen könnte.
Wissen und Erkennen sind die Freude und die Berechtigung der Menschheit.
Ist das nicht selbstverständlich, dass wir durch die Welt gehen, unser Wissen mehren und Zusammenhänge begreifen? Ist es eben nicht! War es im Mittelalter die Kirche, die den Menschen vorschrieb, was sie zu denken und zu glauben hatten, gab es immer wieder Herrscher, die offensichtliche Wahrheiten leugneten und wer sich erlaubte, seine eigene Meinung zu haben, wurde oft genug umgebracht. Das reicht bis ins 20. Jahrhundert, als die Nazis die Köpfe der Menschen zu beherrschen suchten, oder heute zu Organisationen wie dem "Islamischen Staat", der Menschen umbringt, wenn sie dem Fanatismus Logik und Vernunft entgegenzusetzen versuchen.
Jeder hat die Pflicht, in seinem Leben den Platz zu suchen, von dem aus er seiner Generation am besten dienen kann.
So schreibt er an den französischen Astronomen Delambre. Die Selbstverwirklichung im Forschen sah er also nicht nur als Recht an, sondern auch als seine Pflicht der Menschheit gegenüber. Ein Psychologe würde vielleicht sagen, dass dies der Versuch einer Rechtfertigung für seine ungeheuere Arbeitssucht sein könnte.
Indem wir die Einheit des Menschengeschlechtes behaupten, widerstreben wir auch jeder unerfreulichen Annahme von höheren und niederen Menschenrassen.
Anti-Rassismus war damals keineswegs alltäglich oder gar selbstverständlich. Er präzisiert noch weiter: »Es gibt bildsamere, höher Gebildete, durch geistige Kultur veredelte, aber keine edleren Volksstämme. Alle sind gleichmäßig zur Freiheit bestimmt…« (Kosmos, Erster Band). Das erinnert an die Menschen- und Bürgerrechte, wie sie am 26. August 1789 von der Französischen Nationalversammlung beschlossen wurden, und die Humboldt bestimmt gut kannte.

Über diese Menschenrechte haben sich aber auch schon Jahrtausende früher Philosophen Gedanken gemacht, meist konnten sie sich damit aber höchstens vorübergehend durchsetzen. Bereits Thomas Hobbes, John Locke, Jean-Jacques Rousseau und Immanuel Kant legten den Grundstein für den Humanismus. Als erste, von einem Herrscher verfasste Menschenrechtserklärung gilt jedoch schon ein Keilschrift-Zylinder des  Perserkönigs Kyros aus dem 6. Jahrhundert vor Christus, nachdem er Babylon erobert und die Israeliten befreit hatte. Schon vorher war dem babylonischen Herrscher Belsazar, dem Sohn des Nebukadnezar, durch das  Menetekel seine Niederlage gegen die Perser prophezeit worden ( Buch des Propheten Daniel, Kapitel 5, Verse 26 bis 28). Kyros billigt den befreiten Exilanten unter anderem Religionsfreiheit zu und wendet sich gegen Versklavung und Verschleppung.

Alexander von Humboldt im Fichtelgebirge

Wenn Alexander von Humboldt vor sich ein Szenario sah, hatte er die Gabe, nicht nur die einzelnen Dinge zu erkennen, sondern sofort komplexe Zusammenhänge und Funktionsweisen zu erfassen und diese zu beurteilen. Sowohl den Ist-Zustand als auch seine Beurteilungen schrieb er ausführlich auf. Diese Schriften füllen viele Aktenordner und blieben erhalten. Am bekanntesten ist wohl sein Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung in fünf Bänden.

Sein Vater war als preußischer Offizier im Siebenjährigen Krieg und wurde danach vom späteren Friedrich Wilhelm II. zum Kammerherrn der Kronprinzessin berufen. Wohl begütert konnte er sich schließlich auf Schloss Tegel zurückziehen und sich der Erziehung und Ausbildung seiner Söhne widmen. Er engagierte Hauslehrer, die der Aufklärung nahestanden und die Lehren von Jean-Jacques Rousseau verbreiteten. Obwohl Alexander unwillig Fakten lernte, zeigte er neben einem scharfen Verstand auch Talent zum Zeichnen und Malen. Der als externer Lehrer beauftragte Arzt Marcus Herz machte ihn mit den Lehren von Immanuel Kant vertraut.

In Frankfurt an der Oder sollte Humboldt Staatswirtschaftslehre studieren. Er besuchte aber nebenher viel lieber naturwissenschaftliche Vorlesungen. Lange hielt er es dort nicht aus und wechselte zur Universität Göttingen, um Naturwissenschaften, vor allem Anthropologie, Biologie und Mineralogie studierte. Im Jahr 1791 trat Alexander von Humboldt in den preußischen Staatsdienst als Bergbeamter ein und absolvierte eine praktische Ausbildung an der Bergakademie Freiberg. Nebenbei experimentierte er stets auch in anderen Wissenschaftszweigen. Nachdem Galvani und Volta ihre Erkenntnisse über die Elektrizität veröffentlichten, machte er mit seinem Bruder Wilhelm Experimente über den Einfluss der Elektrizität auf Tiere und brachte abgetrennte Froschschenkel mit elektrischen Strom zum Zucken. Auch vor Selbstversuchen am eigenen Körper schreckte er dabei nicht zurück.

Schon ein Jahr später wurde er als Bergassessor mit der Untersuchung des gerade zu Preußen gekommenen fränkischen Bergbaus betraut. Als erstes schickte man ihn in den Frankenwald zum Schieferabbau um Lotharheil. Auf dem Weg dorthin ließ er keine Gelegenheit aus, sich in anderen Bergbauregionen weiterzubilden und gleichzeitig auch die Arbeitsweisen dort zu verbessern. Seine ausführlichen Berichte und genialen Verbesserungen brachten ihm schon nach einem halben Jahr die Beförderung zum preußischen Oberbergmeister ein, mit dem Auftrag, den wenig lukrativen Bergbau im Fichtelgebirge und im Frankenwald zu sanieren. Sein Dienstsitz war Steben, das heutige  Bad Steben im Frankenwald in Oberfranken.

Bei  Lichtenberg im Frankenwald, wo der Fluss Selbitz das Höllental verlässt, beauftragte er den Bau des Friedrich-Wilhelm-Stollens, der oberhalb gelegene Bergwerke entwässern sollte und gleichzeitig quer zu den Lagerstätten zur Exploration diente.  Alexander von Humboldt in Bad Steben im Frankenwald

Am Hang des Waldsteins im Fichtelgebirge brachte er die Gelbkreidebergwerke bei der Saalequelle in Schwung und entdeckte nebenbei, dass der Haidberg bei Zell ein Magnetberg ist, der die Kompassnadeln ablenkt. Auch beim  Goldbergbau in Goldkronach führte er Verbesserungen ein und widmete sich dem Alaunschiefer-Bergbau bei  Bad Berneck. Er führte verbesserte Grubenlampen für die Bergleute ein, bei deren Erprobung er fast durch Grubengase ums Leben kam. Darauf entwickelte er eine Art Atemschutzmaske für den Bergbau.

Er beklagte die laienhaften Arbeitsweisen der Bergleute und eröffnete deshalb mit eigenen Mitteln eine Bergschule in Steben (Bad Steben im Frankenwald), die man heute als Deutschlands erste Berufsschule für Facharbeiter betrachtet. Dort wurde nicht nur Mineralienkunde unterrichtet, sondern auch bergmännisches Rechnen und Bergrecht, Maschinenlehre und Orientierung mit dem Kompass. Nebenbei verfasste er auch noch die dazu erforderlichen Lehrbücher. Heute würde man ihn wohl als Workaholic bezeichnen. Er kam mit sehr wenig Schlaf aus und für Familie blieb dabei keine Zeit. Er heiratete nie und viele Berichte vermuten, dass er homosexuell war.
Auch im Eisenerzbergbaurevier  Arzberg im Fichtelgebirge gründete er schließlich eine Bergschule. Um diesen fleißigen und nützlichen Beamten zu halten, obwohl es ihn stets zu höherem drängte, beförderte ihn die Bergakademie Berlin 1794 zum Bergrat und 1795 zum Oberbergrat. Aber kein auch noch so gutes Angebot konnte ihn halten. So bat er schließlich den preußischen König um die Entlassung aus dem Dienst als Oberbergmeister, um zu Forschungsreisen in alle Welt aufzubrechen. Während wir im Fichtelgebirge ihn als Revolutionär des Bergbaues kennen, wurde er anschließend als Forschungsreisender weltberühmt. Bergbaumuseum in Arzberg im Fichtelgebirge

Die Forschungsreisen


Seine Forschungsreisen führten ihn nach Südamerika, Mittelamerika und Nordamerika. Weitere Pläne, den Baikalsee die Halbinsel Kamtschatka, Kabul, Samarkand und Kaschmir zu besuchen, wurden 1812 durch den Russland-Feldzug Napoleons durchkreuzt. So hatte er Zeit, seine Amerrika-Reisen aufzuarbeiten und zu veröffentlichen. Dabei wurde er von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen unterstützt und er beschäftigte Maler, Zeichner, Kartographen, Schriftsetzer und Kupferstecher. Nicht lange nach seiner Rückkehr nach Berlin machte er sich 1829 mit wissenschaftlichen Begleitern doch noch zu einer Forschungsreise nach Russland auf und kam bis zur chinesischen Grenze. Am 6. Mai 1859 starb er mit kanpp 90 Jahren in Berlin als Ehrenbürger der Stadt. Seine gut zwei letzten Lebensjahrzehnte verbrachte er unter anderem mit dem Verfassen einer Gesamtschau der wissenschaftlichen Welterforschung in fünf Bänden. Er nannte sie Kosmos – die Lebenssumme. Wegen seiner Fachübergreifenden Forschung wird er oft als Weltwissenschaftler bezeichnet. Er strebte immer eine Vernetzung der verschiedenen Wissenschafts-Disziplinen an, um Phänomene aus verschiedenen Blickwinkeln besser zu verstehen.
Alexander von Humboldt
Alexander von Humboldt 1806
Gemälde von Friedrich Georg Weitsch
Alte Nationalgalerie Berlin

Für meine Texte: © 2017 by Erwin Purucker





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